Fünfundzwanzigstes Kapitel König Tschetschwajos Gefangennahme
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Rauch und Hitze machten den Aufenthalt in Ulundi bald unerträglich, und die Truppen versammelten sich wieder in der freien Ebene, wo Lord Chelmsford den entscheidenden Sieg erfochten hatte. Pieter Maritz sah, wie die Flammen sich ringsum in Ulundi verbreiteten, bis der ganze weite Ring von Hütten, der den großen Platz einschloß, einem riesigen brennenden Pechkranz glich. Der Himmel verfinsterte sich durch den ungeheuren Qualm, der von so vielen leicht brennbaren Hütten emporstieg. Währenddessen richtete die Artillerie ihre Geschosse auf die benachbarten Krale, welche ehedem Residenzen der Zulukönige und Zeugen manches Triumphes der siegreichen Eroberer über schwächere Nachbarn gewesen waren. Diese Krale konnten noch Feinde bergen, und die Engländer hielten es für sicherer, sie zu zerstören, oder gaben vielleicht auch nur dem Triebe der Vernichtung nach, der im Kriege in den Herzen der Menschen riesengroß anwächst. Raketen und Shrapnels sausten in die Hüttenringe hinein, und bald schlugen aus allen ringsum sichtbaren Kralen die Rauchwolken und Flammen ebenso wie aus Ulundi empor. Der ganze nördliche und östliche Horizont hüllte sich in schwarzen Dunst, so daß die vorher hell schimmernden fernen Höhenzüge und der klare durchsichtige Äther gleichsam in Trauer gekleidet erschienen.
Lord Chelmsford führte seine Armee in das befestigte Lager zurück, aus welchem er heute morgen aufgebrochen war, und gab Befehl, daß nur eine geringe Macht, hauptsächlich Kavallerie und Artillerie, die Verfolgung der geschlagenen Feinde fortsetzen solle. Die Masse des Heeres sollte zurückmarschieren. Schon im Laufe des Tages der Schlacht, mehr aber noch an den folgenden Tagen zeigte sich die große Bedeutung des englischen Sieges in dem Erscheinen von Zulufürsten, welche ihre Unterwerfung ankündigten. Alle jene Vornehmen, welche nur durch Waffengewalt zum Gehorsam gezwungen worden waren, dazu die Ehrgeizigen, welche hofften, nach der Besiegung Tschetschwajos selbständige Herrscher in ihrem Gebiete zu werden, kamen mit ihren Anhängern in das Lager des mächtigen Siegers und huldigten ihm. Tschetschwajos Macht bröckelte auseinander. Die Indunas berichteten, der König habe nur noch sechstausend Mann um sich, und mit diesen habe er sich nach Nordosten gewandt, um in die fernsten, wildesten Gegenden seines Reiches zu fliehen.
Lord Chelmsford nahm alle Indunas freundlich auf, lobte sie wegen ihrer Gefügigkeit und versprach ihnen die Unterstützung der englischen Macht bei ihren Plänen auf Selbständigkeit. Seine Truppen folgten indessen den Spuren des Königs. Die Ulanen und Dragoner, die Scharfschützen des 60. Regiments, vor allem aber die Buern und Humbatis schwarze Truppen, waren mit der Artillerie vereint im schnellen Marsche hinter der letzten kleinen Armee der Zulus. Es ging zunächst auf Mainze-kanze, wo der König Halt gemacht hatte, wie seine verräterischen Indunas aussagten.
Noch auf dem Wege dorthin, und mehrere Meilen südlich vom Zusammenflusse des Schwarzen und des Weißen Umvolosi, ritt Pieter Maritz eines Abends mit dem Leutnant Dubois zusammen an der Spitze einer Buernschar durch das gebirgige Land, als er Humbati bemerkte, der in Eile vorwärts drängte und einen der englischen Befehlshaber, den Obersten Barrow, führte. Humbati war, nachdem der Sieg bei Ulundi erfochten worden war und während so viele Indunas sich einem neuen Glücke zuwandten, eine sehr angesehene und geachtete Persönlichkeit unter seinen Landsleuten geworden, und viele Indunas bewarben sich wie ehedem, als er noch des Königs Günstling war, um seine Freundschaft. Sie erblickten in ihm einen der zukünftigen Herrscher im Zululande. Er aber behielt das finstere Wesen, das Pieter Maritz schon im Lager am Tugela bei ihm bemerkt hatte, und es schien dem Buernsohn, als sei er mehr von dem Durst nach Rache als von Ehrgeiz getrieben.
Der Abend war vom Glanze des Mondes erhellt, und es war fast so hell wie am Tage, nur gab das silberweiße Licht allen Gegenständen ein geheimnisvolles Aussehen, und die Felsen und Bäume in diesen zerklüfteten Landschaften der Flußufer nahmen oft wunderbare Gestaltungen durch die tiefen Schatten ihrer vom Monde abgewandten Flächen an. Oberst Barrow hatte einen Zug Dragoner hinter sich, und er winkte dem Leutnant Dubois, ihm mit den Buern ebenfalls zu folgen. Humbati schritt leichtfüßig voran, und die Offiziere und Mannschaften folgten ihm in ein Seitenthal. Der Weg wurde schwierig und schwieriger, nur mit Mühe folgten die Reiter dem eilig vorangehenden Zulu. Das Thal war eng und düster, nur oberhalb der Baumwipfel zeigte sich der Streif des hellen Nachthimmels, und die Sterne funkelten hell, indem sie aus dem Dunkel heraus gesehen wurden. Endlich endete das Thal, und ein offener Platz, ringsum von sanften Höhenrücken begrenzt, zeigte sich. Hier standen nur einzelne kleinere Bäume, eine Palmenart, und viele gewaltig große Felsblöcke lagen umher, die zum Teil von Gras und Schlinggewächsen überwuchert waren. Es war ein Platz, der ungemein einsam und versteckt aussah.
Humbati machte Halt und sprach einige leise Worte mit dem Obersten, worauf dieser mehrere Soldaten absteigen ließ. Mit diesen näherte sich Humbati einem der Haufen von Felsblöcken und fing an, die Steine wegzuräumen. Pieter Maritz sah nun, daß alsbald unter den von der Natur ohne Ordnung zusammengewürfelten Steinen ein regelrecht geformter Felsenbau, ähnlich einem ungeheuer großen Kasten, erschien. Die Steine waren lang und platt, schichtenweise gelagert. Humbati schob nun an einem dieser langen Steine, der auf der Kante stand, und brachte ihn mit Hilfe der Soldaten in eine Drehung und zum Falle. Polternd stürzte er von seiner Unterlage herab in das Gras, und nun zeigte sich hinter ihm ein hohler Raum, den er wie eine Thür verschlossen gehalten hatte. Die Offiziere und auch Pieter Maritz näherten sich dem Gewölbe und sahen, daß es mit glänzenden Gegenständen angefüllt war. Goldene Ringe und metallene Gefäße, zusammengeschnürte Ballen, in denen Stoffe und Straußenfedern sein mochten, sowie alle solche Dinge, welche Pieter Maritz wohl als Kostbarkeiten an Tschetschwajos Hofe gesehen hatte, waren in diesem Steingewölbe angehäuft. Humbati hatte den Weißen die Schatzkammer des Königs verraten.
Aber in diesem Augenblicke, als aller Augen sich voller Neugierde auf die dunkle Höhlung richteten und Humbati einen der glänzenden Gegenstände hervorholte, auf welchem nun das Mondlicht spielte, war ein wilder, gellender Schrei zu vernehmen, und in der nächsten Sekunde erschien eine hohe schwarze Gestalt jenseits des Felsenbaues und stürzte zum Angriff heran. Gleich darauf war ein Schar Zulus zu erblicken, welche den gegenüberliegenden Hang herabgelaufen kam.
Es war ein Augenblick der höchsten Gefahr, das fühlte Pieter Maritz. Er sprang alsbald vom Pferde herab und nahm die Büchse zur Hand. Gleich ihm waren die übrigen Buern schnell im Grase und kampfbereit, und die Engländer folgten dem Beispiel und gaben ihre Kampfweise zu Pferde auf, um es den landeskundigen Buern nachzumachen. Schüsse krachten durch die Nacht, und der geheimnisvolle stille Platz, wo König Tschetschwajo seine Schätze verborgen hatte, verwandelte sich in einen lärmerfüllten Kampfplatz.
Pieter Maritz konnte, so sehr er mit der Sorge für sich selbst und für Jager beschäftigt war, den Blick nicht abwenden von der zuerst erschienenen Gestalt. Er hatte Dabulamanzi erkannt, der mit Büchse, Schild und Speer herangestürmt war. Pieter Maritz sah, daß des Königs Bruder keinen andern Feind zu kennen schien, als allein den Verräter, Humbati. Er sprang gerade auf diesen los, und ein wilder Zweikampf entspann sich, denn Humbati dachte nicht an Flucht. Keinen Fußbreit wich er zurück, sondern, wo er gestanden hatte, vor dem Eingang der Schatzkammer, da blieb er stehen und erwartete seinen Feind. Er hatte eine Büchse auf der Schulter, wie auch Dabulamanzi eine Büchse trug, aber in diesem Kampfe, der den persönlichen Haß der beiden Indunas gegeneinander zum Austrag bringen sollte, verschmähten sie beide die fremde Feuerwaffe, warfen die Büchsen hin und griffen zum Assagai. In gewaltigem Satze, dem Löwen gleich, sprang der tapfere Prinz mit hoch geschwungenem Speere auf seinen Feind los, und Humbati duckte sich, wie der schwarze Panther sich zusammenbiegt, wenn er seine Zähne und Tatzen gebrauchen will.
Pieter Maritz vergaß zu schießen, indem der Anblick dieser beiden nackten, herrlich gebildeten schlanken Gestalten, dieser geübten und vornehmen Krieger ihn gänzlich fesselte. In Dabulamanzis Blick und Gebärde las er den Stolz und den Zorn des Herrschers und des Besiegten, die unbezähmbare Kampflust eines wilden Sinnes, den brennenden Wunsch, das erlittene Leid zu rächen und die Wut über die Niederlage des Zulureiches an diesem einen Manne auszulassen, der als Verräter dem königlichen Hause verhaßter war als die siegreichen Engländer. Nun hatte der Prinz ihn auf der That ertappt, sah mit eigenen Augen, wie die königlichen Schätze dem Feinde überliefert wurden, und wollte ihn mit eigener Hand strafen. In Humbatis trotzigem Antlitz dagegen glaubte Pieter Maritz den finsteren Blick wiederzuerkennen, den er damals auf den König gerichtet hatte, als dieser ihm den jüngeren Bruder raubte und zum Tode sandte. Mit schmeichelnden Worten hatte der schlaue Induna den Racheplan überkleidet, den er damals im Herzen trug, aber er hatte niemals die Beleidigung und den Schmerz vergessen, die ihm, dem verdienten Freunde des Königs, dadurch zugefügt wurden, daß sein Lieblingsbruder vor den Augen des ganzen Hofes seiner Ehren und Würden beraubt ward wegen eines Fehlers, der ebensowohl Dabulamanzis Schuld als die seinige war. An dem Bruder des Königs selbst hätte jetzt Humbati gern seine Rache vollzogen und Blut gegen Blut genommen. Dabulamanzi stieß mit dem Assagai zu und richtete die Wucht seines Sprunges und Stoßes gegen des Feindes Brust. Aber schnell und geschmeidig wandte sich Humbati im entscheidenden Augenblick und schlug mit der Hand die Speerspitze zur Seite, so daß sie an seinem linken Oberarm vorbeifuhr. Dann stieß er selber zu, indem er blitzschnell vorwärts sprang. Dabulamanzi trug den Schild am linken Arme, während Humbatis Linke unbewehrt war. Er parierte den Stoß mit dem Schilde, aber die Spitze fuhr in schräger Richtung durch das Ochsenfell hindurch und streifte die Haut. Beide Kämpfer waren so nahe aneinander, daß sie die Speere nicht mehr gebrauchen konnten. Dabulamanzi ließ den Schild fallen, in welchem die Assagaispitze feststeckte, warf den Speer aus der Rechten und griff seinen Gegner mit den Händen an. Humbatis Speer sank mit dem Schilde zu Boden, und auch er warf sich unbewaffnet dem Feinde entgegen. Die beiden nackten nervigen Gestalten umschlangen sich mit den Armen und rangen Brust an Brust. Sie waren fast gleich an Wuchs, Dabulamanzi überragte seinen Gegner nur um zwei Fingerbreiten. Beiden schwollen in der gewaltigen Anstrengung die Muskeln der Arme und der Schenkel, indem sie sich ringend umschnürten und mit den Füßen in den Boden stemmten. Die schwarze Haut der starken Ringer glänzte im silbernen Lichte des Mondes. Jetzt schien Dabulamanzis eiserner Griff die Oberhand zu gewinnen, und die Sehnen Humbatis schienen sich zu erweichen. Ein kräftiger Ruck des Prinzen, und Humbati stürzte zu Boden, Dabulamanzi über ihn her. Aber indem sie das Gras berührten, kam eine neue Bewegung in die aalglatten geschmeidigen Glieder, der Ringkampf ward am Boden fortgesetzt, denn Humbati hatte sich im Fallen zur Seite geworfen. Für eine Zeitlang schien es jetzt, als ob ineinander verwickelte Schlangen in dem hohen Grase kämpften. Die schwarzen schimmernden Glieder waren so ineinander verflochten und in solchem Wirbel schneller Windungen, daß Pieter Maritz nicht mehr zu unterscheiden vermochte, ob er des Prinzen oder Humbatis Arme und Beine aus dem Grase hervorblicken sehe. Sie rollten von der Seite fort, indem ein jeder sich bestrebte, den andern nach unten zu drücken, und zwischen den Felsblöcken hin bewegte sich das kämpfende Paar wie ein einziges seltsames Tier in verwirrender Eile. Nur für Sekunden war ein Gesicht zu erkennen, dann tauchte es wieder unter, und die Gestalten schwebten so schnell und in so unbestimmten Umrissen vorüber, daß der Buernsohn sie nicht voneinander zu unterscheiden vermochte. Nun glaubte er Dabulamanzis kurzes Haar und stolze Augen zu sehen, aber schon war dies Gesicht verschwunden, und der düstere Blick Humbatis funkelte gleich dem des gereizten Tigers, und seine weißen Zähne, in der Kampfwut zusammengebissen, glänzten aus dem schwarzen wilden Gesicht hervor. So entfernte sich der Zweikampf von der Stelle, wo er begonnen hatte, und die Ringenden wälzten sich nahe an die Steine heran, die von der Schatzkammer hinweggeräumt worden waren. Mit einem Male sah Pieter Maritz eine Veränderung in der Scene. Eine Gestalt löste sich von der andern los, Dabulamanzi sprang empor, und Humbati blieb liegen. Er mußte mit dem Kopfe, wie es Pieter Maritz vorkam, an eine scharfe Ecke eines Steines geschlagen sein und das Bewußtsein verloren haben. In den nächsten Sekunden schon hatte Dabulamanzi den Speer vom Boden aufgerafft, den er vorhin von sich geworfen, nun kehrte er mit einem langen Satze zu der Stelle zurück, wo Humbati lag, und mit einem gellenden Triumphruf bohrte er den Assagai dem Besiegten durch die Brust.
Der Kampf hatte kaum eine Minute gedauert, und zwischen den Weißen und Dabulamanzis Schar waren währenddessen Kugeln gewechselt worden. Die Zulus blickten auf ihren Führer und warteten den Ausgang seines Einzelkampfes ab, bevor sie sich mit dem Assagai auf die Engländer stürzten. Aber Dabulamanzi mochte ihre Anzahl für ungenügend halten, um den Angriff fortzusetzen. Als er Humbati tot zu seinen Füßen sah, rief und winkte er seiner Schar und verschwand mit ihr so schnell, wie er gekommen war, ohne nur einen Versuch zu machen, den Schatz des Königs zu hüten. Kugeln pfiffen hinter den Zulus her, aber ohne Erfolg, denn die schwarzen Krieger duckten sich in das Gras und tauchten sehr bald wieder hinter dem deckenden Höhenrücken unter.
Oberst Barrow aber fürchtete, daß sie in größerer Zahl wiederkehren möchten, und da er nur etwa fünfzig Mann bei sich hatte, wünschte er ein Gefecht in dieser abgelegenen Gegend zu vermeiden. Er ließ in Eile die wertvollsten Gegenstände aus der Felsenhöhle zusammenraffen und dann wieder die Pferde besteigen. Auf demselben Wege, den sie gekommen waren, zogen die Weißen zurück und erreichten glücklich wieder die Straße, auf welcher die Hauptmasse der Truppen marschierte.
Am Tage darauf bekamen sie Mainze-kanze zu Gesicht und betraten das hoch gelegene Ufer, von dem aus sie die hellen Ströme sich vereinigen sahen. Mainze-kanze war besetzt, die Offiziere erkannten durch ihre Gläser das Blitzen der Waffen in Dabulamanzis festen Plätzen. Schon fuhr die Artillerie auf, um die Krale zu beschießen, da zeigte sich eine weiße Fahne auf dem hohen Schornstein der Fabrik inmitten des größten Hüttenringes. Die Engländer warteten mit der Beschießung, und nach einiger Zeit kam ein Zug von Männern von unten herauf, an deren Spitze ein Induna in weißem Mantel schritt. Dabulamanzi selbst kam in Friedenstracht, um seine Unterwerfung anzuzeigen. Der ehrgeizige Mann setzte keine Hoffnung mehr auf das Glück seines königlichen Bruders und hoffte, wenn er Frieden schlösse, in seiner Herrschaft über Mainze-kanze und das umliegende Land anerkannt zu werden.
Der englische Befehlshaber, Lord Gifford, nahm die Unterwerfung an, und nun ergab sich der letzte Rest der Zuluarmee auf Gnade und Ungnade. In langen Zügen marschierten die Regimenter heran und legten die bei Isandula erbeuteten Gewehre, soweit sie noch vorhanden waren, vor den Zelten der Engländer nieder, fuhren auch mit vorgespannten Ochsen die Geschütze heran, welche sie damals erobert hatten und deren Gebrauch ihnen fremd geblieben war. Auch der Degen des kaiserlichen Prinzen kam jetzt zum Vorschein und wurde mit großer Freude von den Engländern in Empfang genommen. Er sollte nach England gesandt werden, wohin die Leiche des Prinzen schon zur feierlichen Bestattung unterwegs war.
Lord Gifford sandte Meldung von seinem Erfolge nach Ulundi zurück, wo inzwischen Sir Garnet Wolseley eingetroffen war, und erhielt den Befehl, mit einer geringen Macht die Verfolgung Tschetschwajos fortzusetzen, die übrigen Truppen unter Oberst Barrow aber zurückzusenden. Das englische Heer war wieder im Rückmarsch nach Port Natal und sollte zu Schiffe in die Heimat befördert werden. Nur mit sechshundert Mann Truppen: Dragonern, reitenden Schützen und Buern, dazu noch einigen hundert Schwarzen, setzte Lord Gifford den Marsch nach Nordosten fort. Es war gegen Ende des Monats Juli.
Aber noch gab es manchen heißen und schwierigen Marsch. Das Land wurde immer wilder und gebirgiger, je weiter die Truppen vordrangen. Die Krale lagen hier sehr vereinzelt, die Bevölkerung war sehr dünn, und wilde Tiere fanden sich hier noch in großer Menge. Nicht allein gegen Überraschungen von seiten der Zulus, sondern auch zum Schutze gegen Löwen und Leoparden mußten allnächtlich Wachen ausgestellt und Wachtfeuer unterhalten werden. Wochenlang streiften die Reiter im Gebirge hin und her, bald hierhin, bald dorthin durch wechselnde Nachrichten über den Aufenthalt des Königs gelockt. Vielfach kamen Zulus zu den Weißen, welche, um ihre Hütten und Herden zu retten, ihnen mitteilten, wo der gefürchtete Tyrann sich verborgen halte, aber wenn die Verfolger den bezeichneten Punkt erreichten, zeigte sich, daß Tschetschwajo schon wieder fort war. Das einsame, wüste, zerklüftete Land kam seiner Flucht sehr zu statten.
Pieter Maritz ritt oft mit Lord Fitzherbert zusammen, und sie erneuerten in dieser Zeit ihre alte Freundschaft. Manche Nacht lagen sie zusammen unter dem Sternenhimmel am Feuer, manche Jagd führten sie zusammen aus. Denn die Jagd vereinigte sich mit dem Kriege auf dieser langen Suche nach dem flüchtigen schwarzen Fürsten. Mehreremal fielen Löwen trotz aller Wachsamkeit in das Lager ein und raubten Pferde und Schlachtochsen. Major Marter allein, der die Dragoner kommandierte, verlor drei Pferde nacheinander durch Löwen, teils im Lager, teils auf der Jagd. Auf diesem Marsche bekamen Pieter Maritz und Lord Fitzherbert auch zum erstenmal in ihrem Leben Giraffen zu sehen.
Sie waren an einen Fluß gekommen, den die Zulus Umlanluwe nannten und der an der Stelle, wo sie ihn erreichten, breit und glänzend in einem weiten Thale strömte. Es war früh am Morgen, nur vier Dragoner und vier Buern befanden sich bei der Patrouille, welche bei Sonnenaufgang vom Lager ausgesandt worden war. Als die Reiter aus dem Walde herauskamen, sah Pieter Maritz in weiter Entfernung am jenseitigen Ufer eine Herde von zwölf der riesenhohen Tiere, zum Teil im Wasser stehend, zum Teil am sonnigen Ufer. Er zeigte sie dem Lord, und beide berieten, voll Jagdbegierde, wie sie an die scheuen Tiere herankommen könnten. Der Wind blies den Reitern entgegen, und dies war günstig, da er die Witterung des Menschen den Tieren nicht zutragen konnte. Sie ließen ihre Reiter zurück in das Versteck des Waldes treten und versuchten, den Fluß zu überschreiten. Der Engländer trug gleich dem Buernsohn eine Martini-Henry-Büchse. Glücklich fanden sie eine Stelle, wo das Wasser seicht war, so daß die Pferde hindurchgehen konnten, und sie gelangten an das jenseitige Ufer, ohne daß sie von den Giraffen bemerkt wurden. Dann ritten sie durch hohes Mimosengebüsch langsam und vorsichtig der Herde näher. Der Wind hatte sich ganz gelegt. So kamen sie bis auf etwa zweihundert Schritte an die Herde heran, hier aber mußten sie halten, denn das Gebüsch hörte auf, und die stachligen Sträucher, an denen die Giraffen weideten, standen nur noch vereinzelt. Sie sahen die Tiere deutlich vor sich. Einige grasten, andere rupften mit ihren harten Lippen und schwarzen Zungen an den Mimosen. Sie wedelten mit den Schweifen nach den Sirutfliegen, die sie belästigten, und verschiedene Vögel flatterten um ihre Köpfe, setzten sich sogar auf die kurzen Hörner oder auf die Nase der Tiere, um die Insekten wegzufangen, die den riesigen bunten Gestalten in die Nüstern stechen wollten. Es war ein prächtiges Schauspiel. Das orangefarbene, schwarzgefleckte Fell der Tiere glänzte im Sonnenschein und schillerte bei jeder Bewegung, bald glich es dem Atlas, bald der Goldbronze. Die großen schwarzen Augen waren von wunderbarer Schönheit, sanft wie die Augen der Antilopen, aber noch viel tiefer und glänzender, wie sie auch viel größer waren.
»Ich habe nie gewußt, was Giraffen sind,« flüsterte der Lord seinem Freunde zu. »Ich habe sie in den zoologischen Gärten in Paris und London gesehen, aber sie haben dort in dem kalten Klima und in der Gefangenschaft gar keine Ähnlichkeit mit diesen wunderschönen Tieren.«
Pieter Maritz nickte ihm zu. Sein Herz klopfte.
»Ich schieße nicht,« sagte er. »Die Tiere sind zu schön, und sie thun niemand etwas zuleide.«
»Ich schieße,« entgegnete der Lord, »ich kann es nicht lassen.«
In diesem Augenblicke und als der Engländer seine Büchse erhob, regte sich ein Lüftchen in den Zweigen, und dieser Lufthauch wehte von den Reitern nach den Giraffen hin. Sofort standen sie still, hörten zu weiden auf und richteten ihre wundervollen Augen nach der Stelle hin, wo die Jäger waren, während sie ihre Köpfe hoch in die Luft streckten. Lord Fitzherbert ward unruhig und schoß sehr schnell, weil er fürchtete, die Tiere möchten ihm entfliehen. Sein Schuß mochte wohl getroffen haben, denn eines der Tiere zuckte zusammen. Dann setzte sich die ganze Herde vom Ufer weg in Trab.
»Hinter ihnen her!« rief der Engländer voll Eifer.
Beide trieben ihre Pferde an, und im Reiten schoß der Lord noch zweimal. Aber er hatte ohne Erfolg geschossen, die Tiere liefen weiter. Sie liefen im Trabe, mit großer Gemächlichkeit, wie es schien; aber die Entfernung, welche sie von ihren Verfolgern schied, wurde doch immer größer. Die Jäger ritten den stärksten Galopp, aber sie kamen den Giraffen nicht näher, denn jeder Schritt der langtrabenden hohen Tiere war mindestens zwölf Fuß weit, und es war klar, daß die Pferde mit solchen Beinen nicht wettlaufen konnten. Die Reiter erinnerten sich ihrer militärischen Aufgabe und kehrten um, nachdem sie eine halbe Meile weit in das Land hineingeritten waren. War die Jagd auch erfolglos gewesen, so sollten sie doch auf dem Heimwege Glück haben. Pieter Maritz erblickte mehrere Zulus, die sich in heimlicher Weise durch das Buschwerk schlichen, und es kam ihm so vor, als ob ihm einer davon bekannt sei. Zwar hatte er ihn nur eine Sekunde lang zu Gesicht bekommen, als der Mann quer über einen Pfad sprang, den das Wild gebahnt hatte, aber die hohe und absonderliche Frisur, besonders aber die auffallende Beinbekleidung ließen keinen Zweifel, wer dieser Zulu sei. Nur der Leibarzt König Tschetschwajos trug eine rote Hose. Pieter Maritz sprengte alsbald hinter den Zulus her, und Lord Fitzherbert folgte ihm durch das Gestrüpp. Die Zulus schienen es nicht sehr eilig mit der Flucht zu haben, denn sonst hätten sie wohl in dem dichten Busch den Reitern entgehen können. Aber sie machten es, wie jetzt im Unglück Tschetschwajos die meisten Zulus es machten: sie fügten sich dem Sieger, um nicht ihr Besitztum oder gar das Leben zu verlieren. Kaum hatte Pieter Maritz die Flüchtigen angerufen und ihnen gedroht, er werde schießen, wenn sie nicht stehen blieben, als auch schon der Mann mit der roten Hose still stand und seine Begleiter aufforderte, es ihm nachzumachen. Pieter Maritz und der Lord erkannten mehrere Leute vom Hofstaat Tschetschwajos, die den Leibarzt begleiteten, und sie nötigten sie, als Gefangene mit zum Lord Gifford zu gehen.
Schon unterwegs erzählte der Leibarzt, daß Tschetschwajo in der letzten Zeit häufige Anfälle von Schwermut zugleich mit Atemnot gehabt habe, so daß ihm die Flucht sehr schwer und lästig falle, und als ihm dann im Lager Lord Gifford eine Belohnung zusicherte, verriet er, daß der König sich im Negowewalde, im Krale Molihabantschis, befinde. Molihabantschi habe seine Besitzung im Norden verlassen, um als Minister des Königs an dessen Hofe zu leben; nun aber habe er den König, in dessen Begleitung von Vornehmen nur noch Prinz Sirajo sei, in den versteckt liegenden Kral seiner Heimat geführt.
Lord Gifford versprach dem Leibarzt eine Herde Ochsen, wenn er den König seinen Händen überliefere, und dieser erklärte sich bereit dazu. Dann befahl Lord Gifford dem Oberst Clarke, sich mit dreihundert Mann und einer Schar Zulus aufzumachen, um unter Führung des Leibarztes Molihabantschis Kral aufzusuchen und den König lebend zu fangen. Oberst Clarke brach mit Untergang der Sonne auf und teilte seine Schar in vier kleine Abteilungen, die den Kral von allen Seiten umringen sollten. Die stärkste dieser Abteilungen, welche von Süden kommen sollte, ward von Major Marter kommandiert, und bei dieser, welche aus sechzig Dragonern, vierzig Buern und etwa fünfzig Zulus bestand, waren auch Pieter Maritz und Lord Adolphus Fitzherbert.
Die ganze Nacht hindurch ward marschiert, und das Land ward immer schwieriger zu durchschreiten. Berg und Thal wechselten beständig, tiefe Schluchten, dichtes stachliges Gebüsch und kleine Wasserläufe machten den Ritt sehr beschwerlich. Das Gebrüll der wilden Tiere und das Schreien der Paviane begleitete den Zug unaufhörlich. Bei Tagesanbruch endlich, als sie an den Saum eines Waldes kamen, gab der verräterische Leibarzt ein Zeichen, zu halten, damit die blitzenden Waffen beim Heraustreten aus dem Schatten der Bäume nicht gesehen würden. Major Marter stieg ab und schritt mit dem Leibarzt vor. Nur Pieter Maritz war dabei, um als Dolmetscher zu dienen.
Die Sonne schien hell und beleuchtete eine wildgebirgige Landschaft. Eine einzelne kahle Höhe lag inmitten eines Bergkessels und war ringsum von tiefen Schluchten umgeben. Hohe Bergketten schlossen von allen Seiten in engeren und weiteren Linien den Thalkessel ein, und schwarze Schatten wechselten mit den von der Sonne beschienenen, violett und grün glänzenden Bergseiten ab. Jene Höhe, welche vom Standort der Verfolger etwa eine halbe Meile entfernt sein mochte, ward wie von einem Kranze durch kreisförmig gebaute Hütten gekrönt, den Kral Molihabantschis, wie der Leibarzt sagte. Die Hütten lagen schwarz auf dem gelbgrünen Gipfel des Hügels.
Major Marter beschloß, da ein Hinankommen auf geradem Wege unthunlich erschien, die Höhe zu umgehen. Nach halbstündigem Marsche traten sie wieder an den Waldsaum vor und spähten nach dem Krale. Der Hügel zeigte sich jetzt in etwas anderer Form, und es war zu sehen, daß nördlich von dem Krale ein Waldstreifen bis auf wenig hundert Schritte an die Hütten heranreichte. Es war zu fürchten, daß Tschetschwajo, wenn er etwa den Feind bemerkte, sich in diesen Waldstreifen retten und dann ferner fliehen könnte. Das Terrain war äußerst günstig zu versteckter Flucht und fast gänzlich unzugänglich für Reiter. Auf die Zulus aber, welche am besten dem Flüchtling hätten folgen können, wollte sich Major Marter nicht verlassen. Sie hätten sich vielleicht einschüchtern lassen oder hätten den König wohl auch ermordet. Major Marter wollte den König lebend gefangen nehmen und wollte ihn mit eigener Hand und mit Hilfe zuverlässiger Leute greifen.
So ward denn beschlossen, diesen Tag überhaupt keinen Versuch zu machen, dem Krale näher zu kommen, sondern, wenn nicht etwa die andern Abteilungen anlangten, die Nacht zu erwarten und im Schleier der Dunkelheit den König zu überraschen. Posten wurden im Waldsaum aufgestellt und das ganze Land ward von verschiedenen Punkten aus beobachtet. Aber Major Marter ward ungeduldig. Er konnte es nicht ertragen, den ganzen Tag unthätig zu liegen. Nach einigen Stunden Wartens ließ er von neuem aufbrechen und weiter nach Nordosten marschieren, um wo möglich den Waldstreifen hinter Molihabantschis Kral zu erreichen. Auf diesem Marsche näherte sich der Trupp allmählich dem Hügel, so daß Pieter Maritz nun vom Walde aus die Hütten deutlich unterscheiden konnte. Endlich aber mußte die Abteilung eine Strecke weit über offenes Land ziehen, und nun bemerkte Pieter Maritz, daß sie vom Krale aus gesehen worden seien. Mehrere schwarze Gestalten zeigten sich, und er glaubte sogar den König selbst an der großen starken Figur zu erkennen. Eilig zogen die Truppen weiter und erreichten den unteren Teil des Waldstreifens, der sich die Höhe hinaufzog.
Major Marter ließ halten. Durch offenen Angriff und Schnelligkeit den König zu überrumpeln, war nicht gut möglich, da die Reiter bergan und über den sehr durchschnittenen Boden hin von keiner Seite schnell genug vorwärts kommen konnten. Es war nur möglich, wie es schien, durch Heimlichkeit und Stille den geplanten Angriff auszuführen. Major Marter ließ die Sättel abschnallen und die Säbel abgürten, damit nicht das Klirren der Bügel und eisernen Scheiden gehört würde. Die Reiter mußten auf nackten Pferden und allein mit der Klinge in der Hand weiter vordringen. Zulus eilten vorauf. So stieg der Zug von Nordosten her den Hügel hinan. Unter den ersten von den Reitern, welche aus dem Waldstreifen hervorbrachen und nun auf den nahen Kral zuritten, war Pieter Maritz. Er erblickte den König, der vor den Hütten stand und von einer kleinen Schar seiner Getreuen umgeben war.
Die Zulus, welche den Weißen vorauf waren, sprangen auf den König los und schrieen laut: »Der weiße Mann kommt! du bist gefangen!«
Tschetschwajo beachtete diese Leute so wenig, als ob sie eine Koppel Hunde gewesen wären, die ihn angekläfft hätten. Er blieb unbeweglich stehen, und mit ihm standen Sirajo und Molihabantschi, wie die andern Begleiter ruhig und schweigend da. Dann, als die Weißen näher kamen, drehte Tschetschwajo sich um und ging mit dem Gefolge in den Kreis der Hütten, wo er dem Blicke Pieter Maritz' entschwand.
Aber die Zulus folgten ihm, und als jetzt die Schar der Reiter versammelt und Major Marter selbst zugegen war, ging es in den Kral hinein. Die Zulus zeigten auf die größte der Hütten und bedeuteten die Verfolger, daß der König darin sei.
Major Marter stieg ab, mit ihm sprangen mehrere Dragoner vom Pferde, und dann trat der Major vor die Hütte und rief dem König zu, er möge herauskommen und sich ergeben. Pieter Maritz übersetzte diese Aufforderung in die Zulusprache.
Da ertönte aus dem Innern der Ruf des Königs: »Nein! kommt ihr herein!«
Aber Major Marter bestand auf seinem Verlangen, und nach mehrmaliger Weigerung entschloß sich endlich Tschetschwajo, Gehorsam zu leisten. Er kam hervor.
Als er aus der niedrigen Thür kam, mußte er auf Händen und Füßen kriechen, dann aber richtete er sich auf und stand in würdiger, stolzer Haltung und mit ruhiger Fassung da. Er trug einen roten Mantel, ein einfach viereckiges Stück Zeug, welches auf der linken Schulter mit einer Spange zusammengehalten wurde und der römischen Toga ähnlich den riesigen Körper umgab. Sein Blick weilte ruhig auf den Gestalten der englischen Krieger.

König Tschetschwajos Ergebung.
Einer der Dragoner trat auf ihn zu und wollte ihn am Arme fassen, aber der König warf den Kopf empor, maß den Mann mit verachtungsvollem Blick, machte mit der linken Hand eine abwehrende Bewegung und sagte: »Weißer Krieger, rühre mich nicht an!«
Alsdann wandte er sich zu Pieter Maritz und sagte mit völlig ruhigem Tone: »Sage den Kriegern der Königin von England, sie möchten mich erschießen.«
Pieter Maritz übersetzte dies dem Major Marter, und dieser ließ dem König antworten, daß die Engländer nicht daran dächten, ihm ein Leid zu thun, vielmehr nur verlangten, daß der König ihnen folge.
»Ist dieser Mann ein Induna? Welchen Rang hat der Befehlshaber dieser Truppen?« fragte der König.
Pieter Maritz gab ihm Auskunft.
Währenddessen waren nicht nur Major Marters Leute, sondern auch die andern englischen Abteilungen herangekommen, und Lord Gifford selbst erschien. Der Kral und der Hügel füllten sich mit Pferden und Soldaten. Der König ward aufgefordert, den Kral zu verlassen und sich in das englische Lager zu begeben. Sein Benehmen war so stolz, daß die Offiziere voll Verwunderung waren und daß sich gleichsam von selbst Ehrenbezeugungen für ihn bildeten. Als er mit seinem kleinen Gefolge von Indunas und Weibern den Kral verließ, standen die reitenden Schützen und Dragoner zu beiden Seiten in Linie aufmarschiert, und er ging mit sehr langsamem Schritte, den Kopf hoch, durch ihre Reihen hindurch, mit hartem, forschendem Blick die englischen Soldaten betrachtend, als ob er seine eigenen Krieger mustere. Er ragte mit seinem nackten, ganz schmucklosen Kopfe über alle hinweg und schritt an seinem elfenbeinernen Stabe mit der gelassenen Vornehmheit eines Herrschers dahin, dem von seinen Unterthanen die schuldigen Ehren erwiesen werden.
Seine ruhige Würde behielt er auf dem ganzen Wege. Er wurde nach Lord Giffords Lager geführt und von dort nach Ulundi. Am 31. August ward die ehemalige Hauptstadt des schwarzen Königs erreicht. Pieter Maritz war in der Begleitung, um als Dolmetscher zu dienen. Vor Ulundi war ein großes englisches Lager, und dort erblickte Pieter Maritz das kluge Gesicht des Oberbefehlshabers Sir Garnet Wolseley. Lord Chelmsford war nach England zurückgekehrt. General Wolseley war begleitet von seinem Stabschef, Sir George Pomeroy Colley, und ordnete mit diesem die Angelegenheiten des Zululandes. Er nahm die Huldigungen der Indunas entgegen und ließ alle Waffen europäischer Art im Lager abliefern. Er ging damit um, das Land in mehrere kleine Fürstentümer zu teilen.
Auf General Wolseleys Befehl ward Tschetschwajo in Begleitung eines Dutzends seiner Lieblingsfrauen und einiger Diener nach Port Durnford in Natal geschafft, um von dort zur See nach der Kapstadt gebracht zu werden. Die Indunas seiner Umgebung, auch Sirajo und Molihabantschi, blieben im Lande zurück.
Ein Wagen mit acht Maultieren ward zur Verfügung des Königs gestellt, dem lange Märsche zu Fuß zu beschwerlich waren und der auch nicht zu reiten liebte. Eine Eskorte von Dragonern begleitete diesen und zwei andere Wagen, auf welchen die Frauen und Diener fuhren. Pieter Maritz auf Jagers Rücken blieb bei dem Reisezuge bis Port Durnford. Dort, als die schwarze Figur des Königs das schwankende Brett betrat, welches vom Ufer in das Boot führte, sah er den einst so mächtigen Tyrannen zum letztenmal.
