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Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik

I. Abschnitt. Allgemeine Technik. (continued 2)

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1. Man versäume nie, ungefärbte wie gefärbte Schnitte in Wasser oder Kochsalzlösung (S. 3) zu betrachten, da hier viele Struktureigentümlichkeiten, z. B. Bindegewebsformationen scharf hervortreten, während dieselben unter dem aufhellenden Einflusse des Glyzerins oder des Xylolbalsams sich der Beobachtung fast gänzlich entziehen. In Wasser (oder auch in Kochsalzlösung) eingelegte Objekte lassen sich nicht aufheben.

2. Die in Glyzerin eingelegten Präparate lassen sich konservieren; um die leichte Verschiebung des Deckglases zu verhindern, fixiere man dasselbe mit Deckglaskitt (34, S. 7). Vorbedingung: Der Rand des Deckglases muß vollkommen trocken sein; denn nur an trockener Glasfläche haftet der Kitt. Das Trocknen geschieht in der Weise, daß man zuerst mit Filtrierpapier das über den Deckglasrand heraustretende Glyzerin absaugt und dann mit einem mit 90%igem Alkohol befeuchteten Tuche, das man sich über die Fingerspitze stülpt, sorgfältig den Objektträger rings um das Deckglas abwischt, ohne letzteres zu berühren. Nun erhitze man einen Glasstab und tauche ihn in den harten Kitt.

Die Glasstäbe springen dabei sehr leicht, doch sind sie Metallstäben vorzuziehen, da letztere sich zu rasch abkühlen. Man kann dem Springen etwas vorbeugen, indem man die Glasstäbe unter fortwährendem Drehen lange Zeit, bis zum Rotglühen, erhitzt; nur kurz erhitzte Glasstäbe springen sofort bei dem Eintauchen in den Kitt.

Man bringe zunächst vier Tropfen an die Ecken des Deckglases und ziehe dann einen vollständigen Rahmen, der so beschaffen sein muß, daß er einerseits das Deckglas, andererseits den Objektträger in einer Breite von 1-3 mm deckt. Schließlich glätte man mit dem nochmals erhitzten Stabe die Oberfläche des Rahmens.

In Glyzerin konservierte Präparate werden oft erst am zweiten oder dritten Tage schön durchsichtig. Hämatoxylin und viele Anilinfarbstoffe verblassen darin nach kurzer Zeit; Karmine sind dagegen haltbar.

3. Das Einschließen der Objekte in Xylolbalsam ist die beliebteste Konservierungsmethode. Balsam hat dem Glyzerin gegenüber den Vorteil, daß er die Farben erhält, ein Nachteil besteht aber darin, daß er viel stärker aufhellt, als das verdünnte Glyzerin, und mancherlei feine Strukturen dadurch vollkommen verschwinden macht.

Die in Wasser oder Alkohol befindlichen Schnitte können nicht ohne weiteres in Balsam eingelegt werden, sie müssen vorher wasserfrei gemacht werden. Zu dem Zwecke werden die Schnitte mit der Nadel (sehr feine Schnitte mit Spatel und Nadel) in ein bedecktes Uhrschälchen mit 5 ccm absolutem Alkohol gebracht. Dabei soll den Schnitten möglichst wenig Wasser anhaften; benützt man einen Spatel, so sauge man von diesem das Wasser mit Filtrierpapier ab; überträgt man den Schnitt mit einer Nadel, so kann man gleichfalls durch leichtes Berühren des Schnittes mit Filtrierpapier das Wasser entfernen. Im absoluten Alkohol verweilen sie 2 Minuten (dünne Schnitte) — 10 Minuten (dickere Schnitte) oder beliebig länger. Dann übertrage man die von Alkohol gleichfalls möglichst befreiten Schnitte zum Aufhellen in ein Uhrschälchen mit ca. 3 ccm Karbolxylol bzw. Xylol. Stellt man das Schälchen auf schwarzes Papier, so kann man das allmähliche Transparentwerden der Schnitte beobachten. Man vermeide in das Uhrschälchen zu hauchen, eine sofortige Trübung des Xylols ist die Folge. Werden einzelne Stellen der Schnitte nach 2-3 Minuten nicht durchsichtig (solche Stellen erscheinen alsdann bei auffallendem Lichte trübweiß, bei durchfallendem Lichte schwarzbraun), so ist der Schnitt nicht wasserfrei gewesen und muß noch einmal in den absoluten Alkohol zurückgebracht werden. Nach vollzogener Aufhellung wird der Schnitt auf den trockenen Objektträger übertragen, das überflüssige Xylol durch sanftes Aufdrücken eines Streifens glatten Filtrierpapiers entfernt und rasch ein Deckglas aufgelegt, an dessen Unterfläche ein Tropfen Balsam angehängt worden ist.

Der doppelt gefaltete Streifen wird mit der linken Hand am linken Ende des Objektträgers festgehalten, der flach aufgesetzte Zeigefinger der rechten Hand streicht unter sanftem Drucke den auf dem Präparat liegenden Streifen in der Richtung von links nach rechts.

Sollen mehrere Schnitte unter ein Deckglas gebracht werden, so ordne man zuerst die Schnitte mit der Nadel nahe zusammen, breite dann den Balsam auf der Deckglasunterfläche mit einem Glasstabe in gleichmäßig dünner Schicht aus und lege dann das Deckglas auf. Große Luftblasen werden durch Anfügen eines kleinen Tropfen Balsams an den Deckglasrand vertrieben; am nächsten Tage sieht man, daß die Luftblase unter dem Deckglase hervorgetreten ist. Kleine Luftblasen verschwinden von selbst, können also unbeachtet bleiben.

Die Handhabung mit Xylol ist wegen seiner größeren Empfindlichkeit gegen Wasser, und weil es leicht verdunstet, schwieriger. Manches gute Präparat verdirbt noch im letzten Augenblicke, weil man das Xylol verdunsten ließ.

Das zum Aufhellen benutzte Karbolxylol in der Uhrschale kann wieder in die Flasche zurückgegossen werden.

Anfängern begegnet es nicht selten, daß der Balsam sich trübt und schließlich das ganze Präparat oder Teile desselben undurchsichtig macht. Der Grund liegt darin, daß der Schnitt nicht vollkommen wasserfrei war. Bei geringer Trübung, die unter dem Mikroskop als aus kleinsten Wassertröpfchen bestehend sich erweist, genügt oft ein leichtes Erwärmen des Objektträgers; bei stärkeren Trübungen lege man den ganzen Objektträger in Karbolxylol, hebe das Deckglas nach einer halben Stunde vorsichtig ab, lege den Schnitt zwei Minuten in Karbolxylol, um den anhaftenden Balsam zu lösen, und dann zur vollkommenen Wasserentziehung in 4 ccm absoluten Alkohol, der nach 5 Minuten zu wechseln ist. Dann Karbolxylol und Balsam.

Der Balsam trocknet sehr langsam, die Objektträger dürfen deshalb nicht auf die Kante gestellt werden.

Heißt es also in den allgemeinen oder speziellen Vorschriften „Einschließen in Xylolbalsam nach § 10,3 S. 45“, so kommen die fertiggefärbten Schnitte (Häute usw.)

a) in 5 ccm Alkohol absolut. 5 (dicke Schnitte) 10 Minuten lang,

b) in 5 ccm Karbolxylol (oder Xylol) 2 " "

c) in Xylolbalsam.

Obenstehende Quantitäten sind für 3-6 Schnitte berechnet; bei mehr Schnitten ist besonders die Menge des absoluten Alkohols zu vergrößern.

§ 11. Untersuchung frischer Objekte.

Ich habe dieselbe an das Ende sämtlicher Methoden gestellt, weil sie das Schwerste von allem ist und ein schon etwas geübtes Auge voraussetzt. Diese Übung läßt sich am leichtesten durch vorhergehende Untersuchung schon präparierter (gehärteter und gefärbter usw.) Objekte aneignen; hat man einmal Struktureigentümlichkeiten deutlich gesehen und studiert, so ist es nicht zu schwer, dieselben auch an frischen Objekten wieder aufzufinden, obwohl die meisten Einzelheiten an Deutlichkeit manches zu wünschen übrig lassen. Zu beachten ist hier folgendes:

Objektträger und Deckglas dürfen nicht fett sein. Man reinige sie mit Alkohol und trockne sie mit einem ganz reinen Tuche.

Zur Reinigung neuer Deckgläser von Fett empfiehlt es sich, die Gläser auf einem Stück Schwarzblech 5 Minuten über der vollen Flamme eines Bunsenbrenners zu erhitzen. Objektträger legt man 1/2 Stunde oder beliebig länger (Monate!) in Seifenwasser und spült sie vor dem Gebrauch mit reinem Wasser ab. Unbrauchbare mit Xylolbalsam und Deckglas bedeckte Objektträger werfe man in ein großes Glas mit (90-96%igem) Alkohol. Nach einigen Tagen lassen sich die Deckgläser leicht abheben. Dann Putzen mit Alkohol, dann Seifenwasser.

Dann bringe man einen Tropfen Ringer- oder Kochsalzlösung (S. 3) auf den Objektträger, lege dann ein kleines Stück des zu untersuchenden Gegenstandes hinein und bedecke dasselbe mit dem Deckglase. Dabei muß jeder Druck sorgfältig vermieden werden; bei sehr zarten Objekten (s. spezielle Technik) bringe man an die Seiten derselben zwei feine Papierstreifchen, auf denen dann das Deckglas ruht, ohne das Objekt selbst zu drücken. Bedarf das Objekt keiner weiteren Behandlung, so umrahme man, um Verdunstung zu verhindern, das Deckglas mit Paraffin. Man schmelze auf einem alten Skalpell oder dgl. ein etwa linsengroßes Stückchen Paraffin und lasse es, nicht von der Spitze, sondern von der Schneide des Skalpells, an den Deckglasrand fließen; etwaige Lücken kann man mit nochmals erhitztem Skalpell verstreichen. In den meisten Fällen prüft man aber bei frischen Objekten die Einwirkung gewisser Reagenzien (Essigsäure, Kalilauge, Farbstoffe) direkt unter dem Mikroskop. Es handelt sich also darum, einen Teil des Medium, in dem das Objekt sich augenblicklich befindet (also in unserem Falle die Kochsalzlösung), zu entfernen und durch eine andere Flüssigkeit, z. B. Pikrokarmin, zu ersetzen, also zu färben unter dem Deckglase. Zu diesem Zwecke bringe man zuerst an den rechten Deckglasrand mit einem Glasstabe einen Tropfen. Reicht der Tropfen nicht ganz bis an den Deckglasrand, so neige man nicht etwa den Objektträger, sondern man führe mit einer Nadel den Tropfen bis zum Rande des Deckglases. Man sieht nun, daß ein wenig der Farbe sich mit der Kochsalzlösung mischt, aber ein ordentliches Fließen der Farbflüssigkeit unter das Deckglas findet nicht statt. Um das zu ermöglichen, setze man an den linken Rand des Deckglases etwas Filtrierpapier, und alsbald sieht man das Pikrokarmin die ganze Unterfläche des Glases einnehmen. Wenn der erste Tropfen eingedrungen ist, setze man je nach Belieben 2-3 Tropfen an den rechten Deckglasrand. Nun schiebe man das Filtrierpapier zur Seite und lasse die Farbe wirken; ist die Färbung vollendet — das läßt sich ja stets unter dem Mikroskop kontrollieren —, so bringe man jetzt an den rechten Deckglasrand einen Tropfen z. B. verdünntes Glyzerin, dem man bei Pikrokarminfärbungen soviel Essigsäure zusetzt, als von einer einmal eingetauchten Stahlnadel abtropft (also einen ganz kleinen Tropfen), während links wieder das Filtrierpapier angesetzt wird. Auf diese Weise kann man eine ganze Reihe von Flüssigkeiten unter dem Deckglase durchleiten und so ihre Wirkungen auf die Gewebe erproben. Einzelne der Flüssigkeiten, z. B. Pikrokarmin, besonders nach vorhergegangener Osmiumfixierung, färben sehr langsam und müssen sehr lange mit den Objekten in Berührung bleiben. Man verhindert alsdann die Verdunstung, indem man das Präparat in die feuchte Kammer verbringt. Zur Herstellung der feuchten Kammer braucht man einen Porzellanteller und einen kleinen Glassturz von mindestens 9 cm Durchmesser. Ein Topf, ein größeres Präparatenglas usw. tut dieselben Dienste. In den Teller gieße man Wasser ca. 2 cm hoch, dann stelle man in die Mitte ein Glasnäpfchen oder eine auf vier Holzfüßen stehende Korkplatte; auf diese wird der Objektträger mit dem Präparat gelegt und das Ganze mit dem Glassturze bedeckt, dessen freier Rand überall in das Wasser taucht.

§ 12. Vitale Färbung.

Im Gegensatz zu der Strukturfärbung fixierter Objekte lassen sich in lebenden Zellen mit bestimmten Farbstoffen Effekte erzielen, die auf der Lebenstätigkeit der Zellen beruhen. Aus diesem Grunde ist jede „Vitalfärbung“ ein hochkomplizierter biologischer Vorgang.

Manche basische Farbstoffe färben in vielen lebenden Zellen gewisse tropfige Zelleinschlüsse, ohne das übrige Zytoplasma und die Zellkerne mitzufärben. Man kann diese Färbung auch an frischen, dem Körper entnommenen Geweben ausführen, indem man sie in einem Uhrschälchen in eine Ringerlösung überführt, der 1/100-2/100 Gewichtsprozente Neutralrot beigemischt sind, so daß also 1/10000-2/10000 Neutralrotlösung verwandt wird. Nach 15-30 Minuten sieht man eine langsam zunehmende Färbung der tropfigen Zelleinschlüsse. In vielen Fällen erleichtert diese Färbung die Beobachtung nicht unwesentlich.

Durch zu starke Farbstoffkonzentrationen sterben die Zellen unter intensiver diffuser Farbstoffaufnahme in Kern und Zytoplasma ab.

Viele saure Farbstoffe, unter ihnen an erster Stelle Trypanblau und Lithionkarmin, werden vom lebenden Organismus in vielen Zellen in Vakuolenform abgelagert. Da hierbei eine konstante Auswahl von Zellen an der Speicherung teilnimmt, ist diese Art der vitalen Färbung für die Untersuchung normaler wie pathologischer Vorgänge im Organismus besonders wichtig. Man verwendet Trypanblau 1,0 auf 100,0 Aq. dest. und spritzt Mäusen davon subkutan je 1,0 ccm 6-8mal in Abständen von 4-5 Tagen ein, wodurch eine dauerhafte Speicherung erzielt wird. Nach Tötung konserviert man die ganze Maus (nach breiter Eröffnung der Körperhöhlen) in Formalin 10%ig (s. Nr. 2, S. 14) und verarbeitet das Material entweder mit der Gefrierschnittmethode (s. S. 21) oder nach Einbettung in Zelloidin.

Auf einzelne besondere Anwendungsweisen der vitalen Färbung wird im Speziellen Teil hingewiesen.

§ 13. Aufbewahren der Dauerpräparate.

Die fertigen Präparate müssen sofort etikettiert werden. Man nehme entweder gummierte Papieretiketten, oder solche aus ca. 1,2 mm dicker Pappe, welche man mit Fischleim („Syndetikon“) aufklebt. Dadurch werden besondere Schutzleisten überflüssig; die Objektträger können aufeinandergelegt werden, ohne daß die Präparate gedrückt werden. Die Etiketten sollen möglichst groß (von ca. 2 cm Seite bei Objektträgern englischen Formates) und mit dem Namen des Tieres, des Organs und womöglich mit kurzer Andeutung der Methode versehen sein. Zum Aufbewahren verwende man Kästen, in denen die Objektträger liegen, oder solche, in denen sie auf der Kante stehen.

Die besten und billigsten Kästen erhält man bei Th. Schroeter, Leipzig-Connewitz.

III. Handhabung des Mikroskops.

Gemäß der in der Einleitung erwähnten Voraussetzung kann hier auf eine eingehende Beschreibung der optischen und mechanischen Teile des Mikroskops nicht eingegangen werden. Fig. 1 möge noch einmal die für die einzelnen Teile des Mikroskops üblichen Benennungen dem Leser in das Gedächtnis zurückrufen.

Die erste Bedingung ist vollkommene Reinheit sämtlicher Bestandteile des Mikroskopes (s. auch S. 1). Spiegel, Objektive und Okulare dürfen an der Oberfläche nicht mit den Fingern berührt werden. Die Objektive halte man mit dem unteren Ende gegen das Fenster und prüfe so die Klarheit des reflektierten Bildes. Das Anschrauben an den Tubus geschieht so, daß man das Objektiv festhält und den Tubus dreht (nicht umgekehrt). Dann wird das Okular eingesetzt; Verunreinigungen desselben erkennt man durch Drehen des Okulars im Tubus; klebt die Verunreinigung am Okular, so dreht sie sich mit.

Nun suche man sich das Licht. Zu dem Zwecke ziehe man den Tubus aus der Hülse und sehe durch die leere Hülse und das Loch im Diaphragma in den Spiegel, den man so lange dreht, bis man die gewünschte Lichtquelle erblickt.

Die von dem so gestellten Spiegel reflektierten Lichtstrahlen treffen das Objekt senkrecht, man nennt diese Beleuchtungsart die zentrale Beleuchtung. Zur Erkennung feiner Niveaudifferenzen wendet man mit Vorteil die schiefe oder seitliche Beleuchtung an, bei welcher der Spiegel so nach der Seite verschoben wird, daß die von ihm reflektierten Strahlen schräg auf das Objekt treffen. Bei dieser Beleuchtung müssen Diaphragma und Diaphragmaträger, sowie der meist verschiebliche Schlitten, in welchem letzterer steckt, weggenommen werden, so daß die Öffnung im Objekttisch möglichst groß ist.

Als Lichtquellen sind zu empfehlen eine weiße, von der Sonne beleuchtete Wolke, oder weiße, von der Sonne beschienene Vorhänge; weniger gut, aber noch brauchbar, ist der blaue Himmel; direktes Sonnenlicht ist zu vermeiden. Arbeitet man abends bei künstlicher Beleuchtung, so nehme man das Licht von der Innenfläche des weißen Lampenschirmes, nicht direkt von der Flamme. Eine grüne Glasplatte vor den Spiegel gestellt, dämpft das künstliche Licht in wohltuender Weise, ohne die Schärfe des Bildes wesentlich zu beeinträchtigen. Es ist selbstverständlich, daß auch der Mikroskopierende nicht im Sonnenschein sitze; man stelle das Mikroskop etwa einen Meter vom Fenster entfernt auf.

Fig. 1.
Fig. 1.

Fig. 1.

Mikroskop von Leitz. 1/2 natürlicher Größe.

Nun kann die Untersuchung beginnen. Stets untersuche man zuerst mit schwachen, dann mit starken Vergrößerungen; ganz besonders sei gewarnt vor dem Gebrauche starker Okulare. Das den gewöhnlichen Mikroskopen beigegebene schwächste, eventuell das mittlere Okular (bei Leitz Ok. 1) ist für die allermeisten Fälle ausreichend; zu starke Okulare verkleinern und verdunkeln das Gesichtsfeld und erschweren die Untersuchung in hohem Grade. Bei schwachen Vergrößerungen nehme man das Diaphragma mit größter, bei starken Vergrößerungen das Diaphragma mit kleinster Öffnung. Für die gewöhnlichen Objektive Nr. 3 und Nr. 7 ist nur der Konkavspiegel zu benutzen. Beim groben Einstellen, d. h. beim Senken des Tubus, bis die undeutlichen Konturen des Präparates erscheinen, stoße man den Tubus nicht gerade herab, sondern senke ihn unter spiraliger Drehung. Dann folgt die feine Einstellung bis zur vollkommensten Schärfe des Bildes. Dabei halte die linke Hand den Objektträger, die rechte ruhe auf der Mikrometerschraube. Da wir nur die in einer Ebene liegenden Punkte des Präparates deutlich sehen, durchmustere man das Präparat unter feinem Heben und Senken des Tubus, d. h. unter leisem Drehen der Mikrometerschraube. Man gewöhne sich daran, beide Augen beim Mikroskopieren offen zu halten.

Man versäume nie, die Präparate mit der Lupe zu betrachten; als solche sind die Okulare (z. B. Leitz Okular III) zu verwenden. Man halte das eingeschlossene Präparat gegen das Licht, die vom Deckglas bedeckte Seite gegen das Fenster gerichtet, setze die obere Fläche des Okulars (die hier angebrachte Linse kann auch abgeschraubt werden) direkt auf die Rückfläche des Präparates und betrachte von der unteren Okularlinse aus.

Zeichnen.

Ein unschätzbares Hilfsmittel ist das Zeichnen der mikroskopischen Objekte. Die Beobachtung wird dadurch ganz bedeutend verschärft, manche Details, die bis dahin vollkommen übersehen worden waren, werden beim Zeichnen entdeckt; selbst die aufmerksamste Betrachtung vermag die Vorteile, welche das Zeichnen bietet, nicht zu ersetzen. Auch der im Zeichnen wenig Geübte versuche die Objekte bei schwachen und starken Vergrößerungen zu skizzieren. Man lege zu dem Zwecke das Zeichenpapier in die Höhe des Objekttisches, sehe mit dem linken Auge ins Mikroskop, mit dem rechten auf Papier und Bleistiftspitze. Anfangs fällt das etwas schwer, bei einiger Übung eignet man sich jedoch rasch die nötige Fertigkeit an.

Messen.

Zu diesem Zwecke benütze man ein Okularglasmikrometer und ein Objektivmikrometer. Man lege letzteres auf den Objekttisch und zähle, durch das mit dem Okularmikrometer versehene Mikroskop blickend wie viele Teile des Okularmikrometers auf einen Teil des Objektivmikrometers treffen. Indem der Wert der Teile des Objektivmikrometers bekannt ist, berechnet sich leicht, wie groß das Objekt ist, welches bei bestimmten Vergrößerungen einen, bzw. mehrere Teile des Okularmikrometers deckt. Folgende Beispiele mögen die Manipulationen verständlich machen. Bei Leitz Objektiv 3, Okular I und eingeschobenem Tubus decken 5 Teile des Okularmikrometers einen Teil des Objektivmikrometers; jeder Teil des von uns verwendeten Objektivmikrometers = 1/20 mm. Also sind 5 Teile des Okularmikrometers 1/20 (0,05 mm) und ein Teil des Okularmikrometers 0,01 mm groß. Deckt demnach ein Objekt, z. B. eine quergestreifte Muskelfaser, deren Breite gemessen werden soll, bei dieser Vergrößerung 4 Teile des Okularmikrometers, so ist die Faser 0,04 mm breit.

Die Okularmikrometer sind teils zum Einlegen (bei Leitz) oder zum Einschieben (bei Seibert) in die Okulare eingerichtet, teils sind besondere Meßokulare (z. B. bei Zeiß) den Mikroskopen beigegeben. Die Größe der Teile der Okularmikrometer braucht natürlich nicht bekannt zu sein. Das Objektivmikrometer ist ein Objektträger, auf welchem ein Millimeter in 100 Teile geteilt eingeritzt ist. Man kann statt dessen auch ein zweites Okularmikrometer, welches gewöhnlich die Einteilung eines Millimeters in nur 20 Teile enthält, benützen. Die damit erzielte Berechnung ist freilich nicht so genau, doch sind die Fehler so unbedeutend, daß sie kaum eine Berücksichtigung verdienen.

Es ist oft, besonders bei schwachen Vergrößerungen, schwierig, die feinen Teilstriche des Okularmikrometers zu zählen. Man kann sich die Sache erleichtern, wenn man die je 5 und 10 Teile abgrenzenden großen Teilstriche des Okularmikrometers zu Hilfe nimmt. Z. B. bei Leitz Objektiv 3 Okular I und ausgezogenem Tubus decken 40 Teile des Okularmikrometers 5 Teile des Objektivmikrometers. Also sind 40 Teile 5/20 mm = 0,25 mm groß, und 1 Teil des Okularmikrometers bei dieser Vergrößerung = 0,0062 mm. 2 Teile = 0,0124 mm usw.

Bei meinem Leitz Obj. 7 Okul. I und eingeschobenem Tubus gehen 30 Teile des Okularmikrometers auf einen Teil des Objektivmikrometers. Also sind 30 Teile 0,05 mm, 1 Teil 0,0017 mm = 1,7 µ[31] groß. Endlich gehen bei Leitz Obj. 7 Okul. I, und ausgezogenem Tubus 40 Teile des Okularmikrometers auf einen Teil des Objektivmikrometers. Demnach 40 Teile = 0,05 mm; 1 Teil = 0,0012 mm oder 1,2 µ.

Derjenige, welcher viele Messungen vorzunehmen hat, wird gut tun, sich eine Tabelle von 1 bis 10 und von da in Zehnern bis zu 100 anzulegen. Es muß hervorgehoben werden, daß obige Berechnungen keineswegs für alle aus der Leitzschen Werkstätte hervorgegangenen Mikroskope Geltung haben. Für jedes Instrument müssen nach der oben angegebenen Methode die Maße besonders ermittelt werden.

Das Tagebuch

ist für solche, die viele Präparate gleichzeitig herstellen wollen, unerläßlich. Sofort nach dem Einlegen der Objekte in die Fixierungsflüssigkeiten wird das Arbeitsprogramm auf die einzelnen Tage verteilt in ein Kalender-Tagebuch („Agenda“) eingetragen. Man hat z. B. Magen, Submaxillaris und Milz zu fixieren und zu härten. Unter Beiziehung der speziellen und der dort verwiesenen allgemeinen Technik wird in das Tagebuch eingetragen:

1. Mai vorm. 9 Uhr. Nr. 1. Magen. Alkohol absol.[32].

Nr. 2. Submaxillaris Katze. Zenkers Fl.

Nr. 3. Milz. Katze. Müllers Fl.

vorm. 91/2 Uhr. Nr. 1. Wechseln[33], eventuell Nr. 2 und Nr. 3 wechseln.

12 Uhr. Nr. 1. Wechseln.

2. Mai vorm. 9 Uhr. Nr. 2. In fließendes Wasser[34].

Nr. 3. Revidieren, ob Flüssigkeit klar, eventuell wechseln.

3. Mai vorm. 9 Uhr. Nr. 2. In destilliertem Wasser abspülen, in Alkohol 60% bringen, ins Dunkle stellen[35].

12 Uhr. Nr. 2. In Alkohol 70%.

4. Mai vorm. 9 Uhr. Nr. 2. In Alkohol 80%.

5. Mai vorm. 9 Uhr. Nr. 2. In Alkohol 90%.

Nr. 1. Schneiden und Färben.

7. Mai Nr. 2. Alkoholwechsel.

16. Mai Nr. 3. Revidieren eventuell Flüssigkeitswechsel.

17. Mai Nr. 2. Schneiden und Färben[36].

28. Mai vorm. 8 Uhr. Nr. 3. In fließendes Wasser.

nachm. 3 Uhr. Nr. 3. In destilliertem Wasser abspülen, in Alkohol 60% ins Dunkle stellen.

nachm. 7 Uhr. Nr. 3. In Alkohol 70%.

29. Mai vorm. 9 Uhr. Nr. 3. In Alkohol 80%.

30. Mai vorm. 9 Uhr. Nr. 3. In Alkohol 90% usw.

Zum Schlusse sei dem Mikroskopiker Geduld, viel Geduld empfohlen; mißlingen Präparate, so suche er die Schuld nicht in der Mangelhaftigkeit der angegebenen Methoden — ich habe sie oft erprobt — sondern in sich selbst; wer sich nicht daran gewöhnen kann, die angegebenen Vorschriften gewissenhaft[37] auszuführen, wer die zarten Objekte mit allen fünf Fingern anfaßt, wer die Reagenzien ineinander gießt, die in den Flüssigkeiten zu fixierenden Stücke der Sonne aussetzt oder eintrocknen läßt, hat nicht das Recht, gute Resultate seiner unsauberen Arbeit zu beanspruchen.

Fußnoten:

Notes in this chapter

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