ERSTES BUCH.
Reading edition

DIE ANGLO-AMERIKANISCHE GRUPPE.

EINFÜHRUNG IN DAS ERSTE BUCH.
Die englische Presse.

WENN die Presse in dem Zeitabschnitt von der dritten bis zur vierten Jubelfeier der Buchdruckerkunst einen derartigen Aufschwung nahm, dass man ihr einen Platz unter den Grossmächten einräumte, so hat man dies ganz besonders England zu verdanken. Nirgends hat man, nachdem schon frühzeitig der schwere, jedoch erfolgreiche Befreiungskampf der Presse gegen ihre Feinde geführt war, es in gleichem Masse verstanden, die Unabhängigkeit derselben von aller Despotie von oben und unten zu schützen, wie dort. Nirgends ist der Einfluss der Presse auf die öffentliche Meinung ein grösserer und wohlthätigerer gewesen; nirgends ist sie in gleicher Weise von dem Vertrauen des Publikums getragen worden, und nirgends hat sie sich eines solchen Vertrauens durch ihre Festigkeit und ihr Fernhalten von unreinen Tendenzen würdiger gezeigt, als in England. Kein Volk war so, wie das englische, von dem Bewusstsein durchdrungen, welch ein Palladium es in seiner freien Presse besass, ein Bewusstsein, welchem der bekannte Staatsmann und Dichter Sheridan in den stolzen Worten Ausdruck verlieh: „Gebt mir meinetwegen einen Tyrannen zum König, ein widerhaariges Oberhaus und ein demoralisiertes Unterhaus, lasst mir aber die Presse und ich will sie alle über den Haufen werfen“.
Verdienste der Engländer.
Kein Wunder, dass die Engländer, als einmal dies Bewusstsein von der Wichtigkeit der Presse bei ihnen Wurzel gefasst hatte, nun auch vor allen anderen Völkern es sich angelegen sein liessen, der Buchdruckerkunst ihre Teilnahme zu bekunden und sie derartig auszubilden, dass sie die ihr zu teil gewordene grosse Aufgabe auch vollständig zu erfüllen imstande war. Während in dem XVI. Jahrhundert druckende und zeichnende Kunst in so glänzender Weise auf dem Kontinente sich verbunden hatten, leisteten die Engländer auch nicht annähernd das, was Deutschland, Italien, Frankreich oder selbst die Niederlande schafften. Als jedoch mit dem XIX. Jahrhundert die Aufgaben der Presse für das politische und praktische Leben immer grössere Dimensionen annahmen, da waren es die Engländer, die mit dem ihnen innewohnenden praktischen Sinn, verbunden mit ihrer Energie, allen anderen voran ihr Augenmerk auf die technische Vervollkommnung der Kunst richteten, so dass von nun an der Schwerpunkt der typographischen Geschichte mehr in der Geschichte der mechanischen Erfindungen als in der der ausübenden Buchdrucker liegt.
Und da werden wir sehen, wie fast alle Verbesserungen und weitgehenden Reformen in der Technik der Druckkunst, der Schriftgiesserei, der Xylographie, der Farbenfabrikation, der Stereotypie und des Pressenbaues aus England stammen. Ja, selbst die rasche Einführung der deutschen, alle anderen weit hinter sich lassenden Erfindung der Schnellpresse haben wir, nach des Erfinders eigenen Worten, nur England zu verdanken, nicht minder die Dienstbarmachung des Dampfes für die Zwecke der Typographie.
Nordamerika.
Nordamerika gebührt der Ruhm, neben dem Mutterlande sehr vieles zur Vervollkommnung des typographischen Apparats beigetragen zu haben. Hinsichtlich des Pressenbaues, der Stereotypie und der Schriftgiesserei zahlte es seine typographische Schuld mit Zins vom Zins an das Mutterland redlich zurück, und nicht selten hatten die Erfindungen, welche in letzterem geschäftlich ausgebeutet wurden, ihre Heimat jenseit des Ozeans, nicht selten wurden auch wieder englische Erfindungen dort der Vollkommenheit nähergebracht.
Somit ist die typographische Geschichte Amerikas mit derjenigen Englands so eng verknüpft, dass beide sich nicht von einander trennen lassen, und wollen wir nicht Gefahr laufen, in der Erzählung vorzugreifen und Anachronismen zu begehen, so müssen wir den neuesten Abschnitt der Geschichte mit der anglo-amerikanischen Gruppe beginnen; lässt es sich doch nicht einmal umgehen, die Anfänge der Erfindung Fr. Königs in dem dieser Gruppe gewidmeten Kapitel zu behandeln.
Die Typographie Englands.
Betrachten wir die Erscheinungen der Typographie der Anglo-amerikanischen Gruppe und zunächst die Englands genauer, so finden wir, dass diese denselben Charakter der Solidität an sich tragen, der überhaupt den englischen Fabrikaten eigen ist. Kein Land hat in der Typographie der Mode geringere Konzessionen gemacht, als England. Es behielt seine breiten, etwas plumpen, aber sehr leserlichen Schriften bei und war selbst im Accidenzfache mit der Verwendung aller der unzähligen Zierschriften, die man gemeiniglich in Deutschland für nötig hielt, äusserst sparsam. Kann man auch nicht behaupten, dass sich in allen englischen Arbeiten ein geläuterter Geschmack kundgiebt, so bringen doch, selbst wo dieser fehlen sollte, in der Regel die Vorzüglichkeit des Materials, die Einfachheit, die Sauberkeit und die Korrektheit einen so befriedigenden Gesamteindruck hervor, dass man nicht zum Reflektieren über einen etwaigen Verstoss gegen den feinen Geschmack kommt.
Dass England in Indien, Ost-Asien und Australien seinen typographischen Einfluss geltend gemacht hat, versteht sich von selbst, ebenso, dass wir nicht berechtigt sind, aus diesen Erdteilen jetzt schon Erzeugnisse, die einen ganz besonderen typographischen Wert besitzen, zu verlangen, überall zeigt sich jedoch ein sehr rüstiges Vorwärtsschreiten, an welchem selbst der äusserste Vorposten der Kultur, Japan, sich eifrigst beteiligt.
Die Typographie Amerikas.
Die Typographie Nordamerikas kann keineswegs als blosser Abklatsch von derjenigen Englands betrachtet werden; sie hat sich vielmehr ihre eigenen Wege gebahnt.
In der Mannigfaltigkeit der Schriften wetteifert Amerika mit Deutschland, und es findet auch ein reger Verkehr der deutschen und amerikanischen Schriftgiessereien statt, der sich hauptsächlich auf Tausch von Matrizen gründet. Überhaupt geht ein gewisser germanischer Duktus durch die amerikanische Typographie; man liebt nicht die presbyterianische Einfachheit des englischen Werkdruckes, und ein in Deutschland mit Antiquaschrift gedrucktes Buch ähnelt viel mehr einem amerikanischen, als einem englischen oder französischen Presserzeugnis.
Xylographie.
Fassen wir auch die englische Xylographie, welche in dieser Periode einen enormen Aufschwung nahm, ins Auge[3].
Wie das gedruckte Wort den Gedanken eines Autors nicht in allgemeinen Grundzügen, sondern Wort für Wort, Buchstabe für Buchstabe, wie er niedergeschrieben wurde, wiedergeben soll, so ist es auch die eigentliche Aufgabe des Holzschneiders, jeden Strich wiederzugeben, wie der Zeichner ihn auf dem Holze gezeichnet hat. Eine andere Aufgabe hat der Kupferstecher. Ihm liegt ein in Farben ausgeführtes Bild oder eine Zeichnung vor, die in einer ganz anderen Manier behandelt ist, als die, in welcher er seinen Stich zu geben hat. Der Stecher hat seine ganz selbständige Technik. Ist er auch nicht mit dem Autor eines Dichterwerkes zu vergleichen, so doch mit einem poetisch begabten Übersetzer, dem es nicht gelingen würde, das Gedicht im Geist des Originals wiederzugeben, wenn er nicht selbst von dem Geiste beider Sprachen, der des Originals sowohl als der der Übersetzung, durchdrungen ist. Wenn deshalb der Stecher mit wenigen Ausnahmen auch dem Urheber des Bildes nachsteht, so steht er, wenn er ein Meister seiner Kunst ist, doch auf einer höheren Kunststufe als der Holzschneider, dessen erste Eigenschaft grösste Gewissenhaftigkeit ist.
Eigentümlichkeiten der engl. Schule.
So sollte es immer sein; in der Praxis stellt sich jedoch die Sache nicht selten anders. Denn wie es Autoren giebt, deren Gedanken wohl korrekt und verständlich sind, die aber dennoch keinen schönen Stil besitzen, so geht es oft mit dem Zeichner, der für den Holzschnitt arbeitet. Manchmal würde der Holzschneider dem Zeichner keinen Gefallen erweisen, wenn er genau so schneiden würde, wie letzterer zeichnete. Oft begnügt sich der Zeichner sogar mit einer estompierten Skizze, wo dann dem Holzschneider die gleiche Aufgabe obliegt, wie sie dem Kupferstecher zufällt, wenn dieser die Zeichnung in die Stichmanier zu übertragen hat. Und hiermit kommen wir auf die nationalen Eigentümlichkeiten der englischen Holzschnitte. In diesen ist der Tonschnitt ganz vorherrschend; für den englischen Holzschneider existieren kaum Konturen, viel weniger innere Linien. Nachdem er sich den Ton roh vorgeschnitten hat, verfährt er ganz selbständig. Ton wird auf Ton gelegt, ohne Scheidung durch Konturen. Er gewinnt in dem Technischen eine grosse Fertigkeit und kann unter Umständen, wenn er seine Sache versteht, aus einer schlechten Zeichnung einen anziehenden Schnitt zuwege bringen; er kann aber auch auf das gründlichste eine schöne Zeichnung verderben, die vom Künstler darauf berechnet war, in jedem Strich ihre Geltung zu behalten. Zeichnungen nun nach einer Richtung, wie die Jos. Führichs, oder, nach einer entgegengesetzten, wie die Ad. Menzels würden, auf englische Manier behandelt, vollständig charakterlos werden.
Im Landschaftlichen, wo alles auf die Farbe und den Ton ankommt, wird der Engländer Meister sein; in Figuren, überhaupt überall, wo das Hauptgewicht auf die charakteristische Linie und den individuellen Ausdruck des Künstlers fällt, wird er in der Regel zurückbleiben. Das alles ist bei der Beurteilung der englischen xylographischen Werke ins Auge zu fassen.
Die Quellen.
Zusammenhängende Darstellungen der neueren Geschichte der Buchdruckerkunst, die als Stützpunkte für die folgende Schilderung sowohl der anglo-amerikanischen Gruppe als der beiden anderen Gruppen dienen könnten, besitzen wir nicht. Selbst die Werke bekannter Autoren, als Falkenstein, Didot, Dupont u. a., die sich als Geschichten der Buchdruckerkunst im allgemeinen betiteln, begnügen sich, was die bei ihrem Erscheinen „Neue“ Geschichte betrifft, hauptsächlich mit Aufzählen einer Reihe von Namen, auch ist eine lange Zeit seit ihrer Veröffentlichung verflossen. Somit waren wir hauptsächlich auf ein Zusammensuchen der, sich oft vollständig widersprechenden Nachrichten aus technischen und anderen Zeitschr356iften; auf die nicht selten sehr stark gefärbten und übertreibenden Ausstellungsberichte; auf die technischen Lehrbücher einzelner Branchen oder Memoiren über einzelne Erfindungen; auf Nekrologe, Denkschriften u. dgl. und schliesslich auf die eigenen Wahrnehmungen angewiesen. Zwar ist die Fachzeitschriften-Litteratur eine ausnehmend reiche, sie hat jedoch mit der einzigen Ausnahme des „Journals für Buchdruckerkunst“ erst seit den siebenziger Jahren eine eigentliche Bedeutung[4]. Diejenigen, welche für die Geschichtschreibung im allgemeinen die grösste Ausbeute geben, finden erst am Schluss des Bandes Erwähnung, um sie nicht bei jedem Abschnitt zu wiederholen. Dasselbe ist der Fall mit der grossen Anzahl von offiziellen Berichten, zu welchen die Weltausstellungen in London 1851 und 1862; in Paris 1855, 1867, 1878; in Wien 1873, und in Philadelphia 1876 Veranlassung gaben.
Die Quellen für spezielle Fälle sind, wie im ersten Teil, jedesmal an der betreffenden Stelle angegeben.
Fußnoten:


I. KAPITEL. SCHRIFTGIESSEREI UND SETZMASCHINEN DER ANGLO-AMERIKANISCHEN GRUPPE.
Die Schriftgiesserei: W. Caslon II., J. Jackson, D. Bruce, Mac Kellar, Smiths & Jordan u. a. Die Holztypen. Der Blindendruck. Lord Stanhopes Stereotypie. Die Giessmaschine: Nicholson, Elihu White, D. & G. Bruce, Johnson und Atkinson, Westcotts Giessmaschine. Die Setzmaschine, frühere Versuche: T. Alden, W. Mitchell, A. Fraser u. a. Hattersley, Kastenbein, Mackie. Der Matrix compositor und ähnliche Apparate.
W. Caslon II. † 17. Aug. 1778.

WILLIAM Caslon dem ältern, dem Begründer der Selbständigkeit der englischen Schriftgiesserei, folgte in rühmlicher Weise der schon 1742 als Teilnehmer in das väterliche Geschäft aufgenommene Sohn William Caslon ii. Dieser hinterliess als Witwe Elisabeth Cartlich und zwei Söhne William iii. und Heinrich i., welcher letztere 1788 starb, während William 1793 aus dem Geschäft trat. Die Frau Heinrichs, Elisabeth Row, führte für ihren und ihres Sohnes Heinrich ii. Anteil das Geschäft bis 1795 in Verbindung mit ihrer Schwiegermutter fort, nach deren Tode allein. Trotz ihrer schwachen Gesundheit entwickelte sie eine grosse Umsicht. Als sie jedoch merkte, dass trotz aller Anstrengungen das Renommé des Hauses etwas hinter dem jüngerer Firmen zurückblieb, liess sie, unter Mitwirkung eines tüchtigen Künstlers, John Isaack Drury, sämtliche Schriften neu schneiden und nahm Nathanael Catherwood zum Associé, der auch allen von ihm gehegten Erwartungen entsprach. Später associierte sich Heinrich Caslon zuerst mit Jacob James Catherwood, seit 1821 mit Martin William Livermore. Sie führten eine neue Schreibschrift ein nach dem System des Franzosen Boileau.
Jos. Jackson * 4. Septbr. 1733, † 14. Jan. 1792.
Bei William Caslon II. hatte Joseph Jackson gelernt. Das Verfahren bei der Herstellung der Stempel wurde sehr geheimgehalten und Caslon verschloss letztere mit grosser Vorsicht, wenn er nicht daran arbeitete. Jackson bohrte nun, um die Arbeit Caslons zu beobachten, ein Loch durch die Wand und sein Vorhaben gelang ihm auch auf diese Weise, von deren nicht ehrenhafter Natur er wohl kaum das volle Verständnis hatte, denn mit grossem Stolz zeigte er dem Meister seine Arbeit, erhielt jedoch eine sehr strenge Zurechtweisung. Seine Mutter kaufte ihm nun das nötige Handwerkzeug und er benutzte jeden freien Augenblick, um zuhause zu arbeiten. Nach vollendeter Lehrzeit blieb er bei Caslon, bis er, weil Teilnehmer an einer Lohnbewegung, zugleich mit seinem Freunde Thomas Cotterell den Abschied erhielt. Jackson ging zur See und arbeitete dann bei Cotterell, der ein tüchtiger Schriftgiesser geworden war, und versuchte später selbst sein Glück. 1790 wurde seine Giesserei durch Feuer zerstört, ein Schlag, von dem er sich körperlich und geistig nicht erholen konnte. Unter seinen vielen vortrefflichen Schriften sind besonders hervorzuheben die Facsimile-Type der Schrift des Doomsday Book, seine alexandrinisch-griechische Schrift, sowie die Schrift zu der von Th. Bensley ausgeführten berühmten Bibel von Maclin, die jedoch in einer späteren Ausgabe durch Schriften von V. Figgins ersetzt wurde.
W. Caslon III.
Bei Jacksons Tode kaufte der aus dem väterlichen Geschäft ausgetretene William Caslon iii. dessen Schriften. Die Giesserei wurde sehr erweitert und namentlich mit schönen Ornamenten vervollständigt. Das Probebuch von 1785 war das schönste aller bis jetzt erschienenen. Caslon übergab, nachdem er noch glücklich von einer längere Zeit andauernden Blindheit geheilt war, das Geschäft an seinen Sohn William iv., der es 1819 an Blake, Garnett & Co. (jetzt Blake, Stephenson & Co.) verkaufte.
V. Figgins.
Von Bedeutung war der eben erwähnte Vincent Figgins. Er hatte bei Jackson gelernt und blieb bei ihm bis zu dessen Tode. So gern er es gewollt, konnte er doch nicht mit Caslon beim Ankauf des Geschäftes konkurrieren. Von Joh. Nichols kräftig unterstützt ward es ihm jedoch möglich, sich selbständig zu machen. Er schnitt manche schöne, zumteil seltene Schriften. Das Geschäft besteht noch unter der Firma V. & J. Figgins und arbeitet mit 70 durch Dampf getriebenen Giessmaschinen. Dass die Offizin imstande war, einer am Sonnabend vollständig abgebrannten Zeitungsdruckerei am folgenden Dienstag das Weiterarbeiten mit 40 Setzern möglich zu machen, mag als Probe der Leistungsfähigkeit einer modernen Schriftgiesserei dienen. Auch William Martin, der von Bulmer gestützt wurde, lieferte Vorzügliches.
A. Wilson * 1714.
Als Schöpfer der schottischen Schriftgiesserei wurde bereits Alexander Wilson erwähnt (I, S. 266). Er war in St. Andrews geboren, hatte viel Sinn für Mechanik und Astronomie, kam jedoch 1737 nach London in eine Droguenhandlung. Durch Zufall sah er eine Schriftgiesserei und fasste sofort den Gedanken, die Herstellung der Schriften in einfacherer Weise als bisher herbeizuführen. Zu diesem Zwecke verband er sich mit seinem Freunde Baine. Der Aufenthalt in London wurde ihnen jedoch zu teuer und sie zogen nach St. Andrews. Mit der Erfindung kam es nicht recht vorwärts, deshalb schritten die Besitzer, ohne dass sie die eigentlichen Kenntnisse dazu besassen, 1742 zur Einrichtung einer Schriftgiesserei in üblicher Weise. Die schottischen Buchdrucker, die hauptsächlich in Edinburgh etabliert waren, sahen gern die neue Giesserei entstehen, und unterstützten sie, da die Verbindung mit London noch schwierig war. Als Wilson & Baine, um mit dem grossen Verkehr, namentlich mit Amerika und Irland, leichtere Fühlung zu behalten, nach dem Dorfe Camlachie bei Glasgow gezogen waren, beschlossen sie 1747, dass einer von ihnen nach Irland gehen sollte; wer? das sollte durchs Los entschieden werden. Dieses traf Baine. Zwei Jahre später wurde die Verbindung ganz gelöst.
Wilson stand in engem Verkehr mit der Universität Glasgow und schnitt für diese in uneigennütziger Weise griechische Schriften, für welche er grosses Lob erntete. 1760 wurde er von der Universität mit dem Professorat in der praktischen Astronomie beehrt und die Schriftgiesserei nun von seinen beiden ältesten Söhnen fortgesetzt. Auf Grund der billigeren Löhne und Materialien konnten sie sogar in London mit den dortigen Giessereien konkurrieren. Ein anderer tüchtiger schottischer Giesser war Millar in Edinburgh.
Ph. Rusher.
Ungefähr gleichzeitig mit Lord Stanhopes Auftreten erhielt (1802) Philipp Rusher in Banbury, Oxfordshire, ein Patent für verschiedene Veränderungen und Verbesserungen in der Form der Typen, welche die Kosten und die Arbeit beim Setzen verringern und die Schönheit und Gleichmässigkeit des Satzes vermehren sollten. Rusher druckte mit diesen Typen den Rasselas, lieferte jedoch damit alles eher, als den Beweis für die obengenannten Eigenschaften der neuen Schrift.
Millar, Besley u. a.
Von englischen Schriftgiessern sind ferner zu erwähnen: Rob. Besley & Co. (später Reed & Fox), Müller & Richard u. a.[5]. Durch orientalische Schriften sind bekannt: Edm. Fry, W. M. Watts, Gilbert & Rivington und die Giesserei der Clarendon-Press in Oxford. Grossen Beifall gewannen die von Thorowgood in London eingeführten Schreibschriften. Sie konnten wegen der Leichtigkeit des Setzens, da jeder der 190 Charaktere wie in der Cursivschrift selbständig ist, sich neben den kunstvolleren, aber schwer zu behandelnden Schreibschriften Didots behaupten. Als die Renaissanceschriften in Frankreich aufkamen, den Spruch bewahrheitend: Il n'y a de nouveau en ce monde, que ce qui est vieux, veranstaltete der Buchdrucker Whittingham bei Caslon einen Neuschnitt der 1716 hergestellten Elzevier-Antiqua, jedoch mit etwas breiteren und runderen Buchstaben. Diese Mediæval gefiel ganz ausserordentlich und hiermit war der Weg für die Renaissance eröffnet, die selbstverständlich in England starke Verbreitung fand; jedoch hielt man sich von Übertreibungen, so wie auch von Ausschreitungen in den Titel- und Zierschriften ziemlich frei[6].
Schriftgiesserei in Amerika.
In Amerika lagen die Verhältnisse anders als in England. Man hatte mit keiner Tradition, mit keinem bereits ausgeprägten Geschmack oder früherer Gewohnheit zu rechnen, man nahm das Gute, wo es sich darbot, und erfand nach Herzenslust, wo etwas fehlte. In Ermangelung einer nationalen Litteratur hatte die Werkdruckerei noch keine grosse Bedeutung, man war auf billige Nachdrucke englischer Werke angewiesen. Die Anstrengungen der amerikanischen Giessereien richteten sich deshalb vornehmlich auf die Befriedigung der Bedürfnisse der Zeitungs- und Accidenzdruckereien. Um vielen Stoff in den Zeitungen zu häufen, und viele Zeilen auf die Spalte zu bringen, war es notwendig, möglichst kleine Schriftkegel zu wählen, dafür jedoch das Bild der Buchstaben so gross, wie es der Kegel nur zuliess, zu schneiden, wozu es erforderlich war, die herauf- und heruntersteigenden Buchstaben und die Versalien möglichst kurz zu halten. In solchen Schriften wurde Vorzügliches geschnitten und in vortrefflichem Metall gegossen.
In jüngster Zeit erreichte die Zahl der Accidenzschriften eine beträchtliche Höhe. Ausgezeichnet sind namentlich die Schreibschriften. In Titelschriften wurde vieles Gute unter vielem Unnützen produziert[7]. Einfassungen in allen möglichen Geschmacks- oder Ungeschmacks-Richtungen, sogar in japanischem oder chinesischem Stil, vertragen sich brüderlich mit den Antik- und Renaissance-Ornamenten.
Trotz der sehr bedeutenden Produktion ist die Zahl der massgebenden Giessereien eine beschränkte (32). Die grossen Schriftgiessereien liessen die kleineren mit Originalproduktionen nicht aufkommen, gewährten ihnen dagegen einen so hohen Rabatt, dass die Kleineren ihren Vorteil dabei fanden, die Schriften der Grossen in ihre Proben aufzunehmen und als eigene Arbeit zu verkaufen. Dem typographischen Publikum entgingen zwar hierdurch die aus einer lebhaften Konkurrenz entstehenden Vorteile, es stand sich jedoch nicht schlecht dabei, indem die grossen Giessereien, um ihren Platz auszufüllen, sehr bedeutende Anstrengungen machten.
Um das Jahr 1800 existierte in den Vereinigten Staaten nur die eine Giesserei von Binney & Rolandson in Philadelphia, die durch Franklins Unterstützung gute Giessinstrumente aus Frankreich erhielt und diese noch verbesserte.
David Bruce * 12. Novb. 1770, † 15. März 1857.
Eine der ältesten und bedeutendsten Giessereien ist die von David Bruce, einem Schottländer, gegründete. Nachdem dieser in Edinburgh die Buchdruckerei gelernt hatte, siedelte er 1793 nach Amerika über und begann 1806 im Verein mit seinem jüngeren Bruder George Bruce (geb. 1781) eine Buchdruckerei. Die Wichtigkeit der Stereotypie hatte er ganz begriffen und ging deshalb 1812 nach London, um unter den Auspicien des Lord Stanhope die Stereotypie aus dem Fundament zu erlernen. Das Vorhaben gelang jedoch nicht ganz, so dass er noch den Weg der eigenen Erfahrungen einschlagen musste. Er lieferte die erste in Amerika stereotypierte Bibel und widmete sich nun ausschliesslich der Schriftgiesserei und der Stereotypie. Im Jahre 1822 zog er sich aus dem Geschäft zurück, welches sein Sohn David ii. sehr in die Höhe brachte. Die grosse Schriftprobe des letzteren aus dem Jahre 1869, bis auf den heutigen Tag durch achtzehn Supplemente vervollständigt, bietet eine unermessliche Auswahl von Schriften jeder Art[8].
James Conner * 22. Aug. 1798, † 10. Mai 1861.
Th. Mac Kellar.
Als Schriftgiesser waren ebenfalls bedeutend James Conner, dessen Sohn gleichen Namens zuerst galvanische Matern lieferte, und Mac Kellar, Smiths & Jordan. Der Teilhaber letzterer Firma, Thomas Mac Kellar, war Verfasser eines sehr guten Handbuches der Typographie: The American Printer und Herausgeber des Typographical Advertiser, ein Blatt, welches zwar zunächst den Interessen der Firma dient, jedoch manches allgemein Beachtenswerte bringt. Ähnliche Blätter werden von fast allen grossen amerikanischen Giessereien herausgegeben, sie verbreiten zugleich mit den Proben der neuen Leistungen ihrer Geschäfte mancherlei nützliche Kenntnisse[9].
George Guess.
Eine merkwürdige Erscheinung des amerikanischen Schriftenwesens ist das Cherokee-Alphabet des Indianers Sequoyah oder George Guess. Durch Umgang mit Weissen kam er erst auf eine Bilder-, dann auf eine Silbenschrift mit 68 Schriftzeichen, für welche er sich zumteil der Formen der lateinischen Buchstaben bediente, ohne jedoch von dem sprachlichen Wert derselben eine Vorstellung zu haben. Er vollendete seine Arbeit, für welche ihn die Cherokesen-Häuptlinge durch die Prägung einer Medaille ehrten, im Jahre 1821.
Die Holztypen.
Der Plakatdruck mit seinen grossen Schriften führte auf die geschäftsmässige Fabrikation der Holztypen. In Amerika begann diese im grösseren Massstab um das Jahr 1830 durch Wanderburgh Wills & Co. und durch Edw. Allen, der sich später mit der Firma W. H. Page & Co. verband. Zur Verwendung kommt fast nur Ahorn, mitunter Mahagoni oder Buchsbaum. Die Klötze werden erst in Querschnitte gesägt, mit Dampf behandelt und zwei Jahre lang aufgespeichert. Die Oberfläche poliert, man wiederholt mit Schellack und Sandpapier und teilt die Querschnitte in die benötigten Grössen. Die Buchstabenbilder werden vermittelst Maschinerie hergestellt[10].
Blindendruck.
Der in Frankreich zuerst geübte Blindendruck wurde in England wie auch Amerika in durchgreifender Weise verbessert. James Goll in Edinburgh wandte 1827 eckige Zeichen an; der Amerikaner Dr. Howe in Boston gab den gemeinen Buchstaben der Antiqua ebenfalls eckige Formen; ein ähnliches Alphabet von Fry in London erhielt 1857 von der dortigen Society of arts einen Preis. Das in England am meisten verbreitete und unter den willkürlichen eines der zweckmässigsten Alphabete ist das von T. M. Lucas in Bristol 1845 erfundene Chiffre-Alphabet, bestehend aus einem Zirkel und einem Halbzirkel in zwei Grössen, einer grösseren und einer kleineren Linie und einem Punkt. Hiermit liessen sich vierzig zweckmässige Zeichen kombinieren. — Der, selbst blinde, Vorsteher der Blinden-Anstalt in Brighton, Moon, erfand ein Chiffre-Alphabet von zehn Zeichen aus gebogenem Draht, die auf Zinkplatten gelötet wurden, ein Verfahren, das bereits 1839 von Frère geübt war. Nach Moons System wurden heilige Schriften in achtzig Sprachen gedruckt. Ausser den erwähnten bestehen jedoch noch viele Systeme.
Ausserordentlich zu bedauern bleibt es, dass man sich nicht über ein einheitliches System der Blindenschrift hat einigen können; nirgends wäre wohl eine Einheitlichkeit für den Lernenden sowohl als für den Lehrer nützlicher, und wie wäre die Bildung von Blindenbibliotheken hiermit befördert worden! Aus vielen Gründen dürfte eine Einigkeit, wenn sie überhaupt möglich ist, nur auf Grundlage des Antiqua-Alphabetes stattfinden können.
Die Stereotypie.
Die praktische Durchführung des vielfach versuchten Verfahrens der Stereotypie hat man, wie so manche andere Verbesserungen im Druckwesen, dem edlen Charles Mahon, Lord Stanhope zu verdanken. Derselbe war erst in Eton College, später unter des bekannten Le Sages Anleitung sorgfältigst erzogen. Mit besonderer Vorliebe wendete er seine Aufmerksamkeit der Typographie und der Schriftgiesserei zu, und fast zu gleicher Zeit traten sein Stereotypverfahren und seine eiserne Presse in Wirksamkeit.
W. Ged hatte seine Versuche nicht fortsetzen können (I, S. 266), Müller und van der Mey (I, S. 251) waren ganz in Vergessenheit geraten. Die Wichtigkeit der Stereotypie leuchtete aber mit der Zunahme der schwierigen Arbeiten und der grossen Auflagen immer mehr ein. Fast 50 Jahre nach Ged machte Dr. Tilloch in Glasgow, ohne dessen Erfindung zu kennen, eine ähnliche und übte diese in Verbindung mit dem Universitätsbuchdrucker Foulis. Sie brachten auch einige Bände fertig, gaben jedoch später ihre Arbeiten auf. Lord Stanhope liess sich von Tilloch und Foulis unterrichten und brachte es in Verbindung mit einem bekannten Londoner Buchdrucker, Wilson, nach zweijähriger Arbeit zur Vollkommenheit in dem Verfahren. 1804 konnte letzterer unter Lord Stanhopes Zustimmung beantragen, die Bibeln und Gebetbücher der Universität Cambridge mittels des neuen Verfahrens herstellen zu lassen. Es fand allgemeine Anerkennung und schleunige Verbreitung, denn Lord Stanhope litt durchaus nicht, dass diese, noch eine andere seiner Erfindungen Gegenstand eines Patentschutzes wurde; im Gegenteil, er liess jedesmal ein Caveat in dem Patent-Office einregistrieren, damit kein Unbefugter sich der Erfindungen bemächtigen und für sich patentieren lassen konnte.
Stanhopes Stereotypie.
Der Stanhopesche Prozess[11] ist folgender: Feiner, möglichst frischer Gips wird mit Boluswasser zu einem flüssigen Brei angerührt und die Schriftform oder die Holzschnittplatte, welche man stereotypieren will, mit der Masse erst eingepinselt, dann übergossen. Nachdem der Gips fest geworden, lässt er sich leicht von der Form abtrennen und man hat nun eine genaue vertiefte Kopie (Matrize) des zu stereotypierenden Gegenstandes. Diese wird mit grosser Vorsicht langsam in einem dazu eingerichteten Ofen getrocknet, dann, mit der Bildseite nach unten, in eine Pfanne gelegt, die in einen Kessel mit flüssigem Schriftzeug gesenkt wird. Letzterer dringt durch Öffnungen der Pfanne und füllt selbst die kleinsten Vertiefungen der Matrize aus. Nachdem die Pfanne aus dem Kessel herausgenommen und die Masse erkaltet ist, lässt sich die Mater von der Platte ablösen, erstere geht jedoch dabei verloren, dafür hat man das getreue Abbild des stereotypierten Gegenstandes in Schriftmasse[12].
Das Schriftmetall.
Doch nicht alle Druckarbeiten, bei welchen das Verfahren zweckmässig gewesen wäre, konnten stereotypiert werden, namentlich war dasselbe bei Zeitungen zu langsam, man musste deshalb die Aufmerksamkeit auf Verbesserung des Schriftzeuges richten. Während der drei ersten Jahrhunderte der Kunst war eine grosse Auflage eine Seltenheit gewesen und die Schriften hielten sich oft mehrere Generationen hindurch brauchbar, ausserdem nahm man es damals nicht so genau wie heute mit der Schärfe des Druckes. Als nun die vielen Abzüge die Abnutzung, also auch den Bedarf vermehrten, musste ein härteres Schriftmetall beschafft werden. Der Prozess des Schmelzens und die Mischung der Metalle geschah nicht mehr nach Gutdünken, sondern nach wissenschaftlichen Regeln, auch nicht in der Giesspfanne, sondern in grösseren Quantitäten in zweckmässigen Schmelzöfen. J. R. Johnson lieferte den Zeug so hart, dass man seine Typen als Stempel in gewöhnlichen Schriftzeug eintreiben konnte. Auch wurden Matern durch Prägung mittels hydraulischer Pressen in Stahl, anstatt durch Einschlagen in Kupfer, produziert, und Versuche gemacht, Typen aus Kupferstangen zu pressen oder die Schrift zu vernickeln und zu verkupfern. Zu diesem Zweck wurde die Newton Coppertype Company in New-York etabliert, welche die Schriften für etwa 18–20 Prozent des Schriftwertes verkupferte. Ausschluss wurde von Messing, Zink und Vulcanit herzustellen versucht.
Allein die Verbesserung des Stoffes genügte noch nicht, man musste auch auf Schnelligkeit und Billigkeit in der Produktion sehen, und hier konnte nur die Maschine Hülfe schaffen.
Die Schriftgiessmaschine.
Über den ersten Ursprung der Schriftgiessmaschine verlautet nur, dass dem Will. Nicholson in London im Jahre 1790 ein Patent auf eine solche für „konisch“ gebildete Typen erteilt wurde. Eine konische Form mit einer grösseren Bild- und einer kleineren Grundfläche hielt Nicholson für nötig, weil er die Schriften um den Cylinder einer Schnellpresse anbringen wollte, welch letztere er sich ebenfalls patentieren liess. Er hatte das, später von Didot in Paris versuchte, polyamatype Giessverfahren vor Augen, nach welchem viele Buchstaben auf einmal gegossen werden sollten. Es blieb, wie mit den übrigen Erfindungen Nicholsons, bei dem Patentnehmen.
Die praktische Durchführung der Giessmaschine gehört Amerika an. Die ersten Patente dort wurden 1805 und 1807 dem Elihu White und dem William Wing in Hartford erteilt. Auch hier hatte man zuerst das polyamatype Verfahren im Auge, ja man wollte sogar ganze Alphabete auf einmal giessen. White experimentierte zehn Jahre lang, ohne zu einem nennenswerten Resultate zu kommen. Die Schriftgiesser Binney & Rolandson hatten ebenfalls viele Versuche gemacht und schienen dem Ziele näher als White gerückt zu sein, hielten jedoch ihre Resultate sehr geheim. White schmuggelte in wenig ehrenhafter Weise einen seiner Arbeiter bei Binney ein, damit er hinter die Geheimnisse komme, reussierte jedoch dessenungeachtet und trotz seiner Verbindung mit dem Mechaniker Will. M. Johnson nicht.
Einen wirklichen Erfolg hatte erst David Bruce 1838. Es entspann sich jedoch ein bitterer Streit darüber, ob Bruce, wie er selbst auf das bestimmteste behauptete, oder einer seiner Arbeiter, der dänische Schlossergeselle Lauritz Brandt (s. Kap. IX), der eigentliche Erfinder sei. Bruces Maschine wurde von Will. M. Johnson verbessert.
Schleifmaschinen.
Seit 1840 sind Schleifmaschinen im Gang, haben jedoch nicht in demselben Umfange, wie die Giessmaschinen, Eingang gefunden. Selbst in Amerika, wo man doch sicherlich etwas von Arbeitsteilung und rationeller Ausnutzung der Maschinen versteht, wird Schleifen mittels Handarbeit jetzt noch vielfach geübt. Die Arbeiter haben sich eine solche manuelle Fertigkeit erworben, dass sie fast als Maschinen betrachtet werden können. In London wurden die Schleifapparate namentlich von Figgins gebaut.
Johnson und Atkinson.
Eine der interessantesten Maschinen ist die kombinierte automatische Giess-, Schleif- und Fertigmach-Maschine von Johnson & Atkinson, die ohne menschliche Beihülfe die Buchstaben gegossen, geschliffen, bestossen, gehobelt und in Reihen aufgestellt liefert[13]. Eine allgemeine Verbreitung hat diese Maschine, die in Deutschland durch Flinsch, Genzsch & Heyse und Meyer & Schleicher eingeführt wurde, jedoch nicht gefunden; es gehören verschiedene Vorbedingungen dazu, wenn ihre Arbeit genügend nutzbringend sein soll. Das Patent von 1862 ging auf die Patent Type Foundry über, die eine Reihe von Jahren von P. M. Shank geleitet wurde und dann in dessen Besitz überging. Sein Mitarbeiter J. M. Hepburn änderte die Maschine vollständig um, so dass sie bei vereinfachter Konstruktion nur die Hälfte des Raumes der älteren einnimmt und die Typen direkt in die Setzkästen oder in die für die Setzmaschine bestimmten Röhren legt. In letzterer Weise erhalten die Times alltäglich die neue Schrift für die Nummer des kommenden Tages und der Satz der vorigen wandert in die Giessmaschine; denn abgelegt wird nicht.
Westcott.
Noch weiter ging die amerikanische kombinierte Schriftgiess-, Schleif-, Bestoss- und Setzmaschine von Westcott. Ein Setzer spielt, wie bei der Setzmaschine, von der unten die Rede sein wird, sein Manuskript auf einer Klaviatur ab; durch Berührung einer Tangente rückt die gewünschte Mater vor die Öffnung des Schriftgiessinstrumentes und die Buchstaben werden gegossen, geschliffen, bestossen und gesetzt, nicht aber abgelegt, denn die Schrift wird nach Ausführung des Druckes in die Giesspfanne geworfen. Diese Maschine arbeitete auf der Ausstellung in Philadelphia vollkommen korrekt, aber sehr langsam und vermochte nur 2000 Buchstaben in der Stunde zu giessen und zu setzen[14].
Die Setzmaschine.
Es konnte nicht anders sein, als dass die grosse Errungenschaft der Druckmaschine die Gedanken der Techniker darauf leiten musste, ob es nicht möglich sei, die verhältnismässig langsam vorwärtsschreitende Arbeit des Setzens durch Mechanismus überflüssig zu machen oder wenigstens zu erleichtern. Einmal ausgesprochen, wird auch ein solcher Gedanke selten ad acta gelegt, und so ist es, trotz der unüberwindlich scheinenden Schwierigkeiten, gelungen, die Setzmaschine[15], wennauch nicht in der ausgedehnten Weise wie die Schnellpresse, in das praktische Leben einzuführen. Wie gross der damit zu erzielende Vorteil sein wird, lässt sich noch nicht genau übersehen. Fraglich erscheint es namentlich, ob die Schnelligkeit in der Herstellung der Zeitungen wesentlich gefördert werden wird. Gerade bei dem Zeitungssatz handelt es sich um die angestrengteste Ausnutzung der Zeit von dem Augenblicke ab, wo das letzte Manuskript in die Hände der Druckerei gelangt, und gerade da wirken viele, gleichzeitig arbeitende, tüchtige und möglichst selbständige Kräfte sicherer und rascher, als die Setzmaschine. Dass diese nichtsdestoweniger eine Zukunft haben wird, kann nicht in Abrede gestellt werden, es liegt aber in der Natur der Sache, dass die Thätigkeit des denkenden Setzers nicht ohne weiteres ersetzt werden kann. Die Maschine kann ihm zwar einen Teil der leichteren Arbeit abnehmen, ihn aber nicht entbehrlich machen. Soll die Setzmaschine für das Setzen dieselbe Bedeutung erlangen, wie die Schnellpresse für das Drucken, müssten wir alle typographischen Errungenschaften von vier Jahrhunderten über Bord werfen, die Typen müssten auf gleich grosse Körper (Gevierte oder Halbgevierte) gebracht werden und entweder die Versal- oder die gemeinen Buchstaben wegfallen, dann müsste man das Recht haben, eine Zeile ohne Rücksicht auf Silbenteilung zu brechen und selbst das würde nicht ganz genügen, denn jede Auszeichnung wäre in Wegfall zu bringen. So weit rückwärts wird sich wohl die Phantasie selbst des grössten Bewunderers der Setzmaschine kaum versteigen. Nehmen wir diese für jetzt für das, was sie ist, eine höchst beachtenswerte Hülfsmaschine, nicht aber für einen, das ganze Geschäft umgestaltenden Apparat, wie die Schnellpresse. Wenn bei der Setzmaschine zumeist weibliche Kräfte in Anspruch genommen werden, so sind allerdings die Billigkeit und die Fingerfertigkeit der Frauen mitbestimmend gewesen, Schuld tragen jedoch auch die Setzer selbst daran durch die feindliche Haltung, welche sie, wie seinerzeit die Drucker zu der Schnellpresse, der neuen Erfindung gegenüber einnahmen.
Ältere Versuche mit der Setzmaschine.
Von wem der Gedanke zuerst ausgesprochen wurde, ist schwer zu entscheiden. Friedrich König hat bereits im Jahre 1811 oder 1812 erfahren, dass ein junger Mann in Birmingham sich mit der Absicht trug, eine Setzmaschine zu bauen. König & Bauer selbst hatten ihre Gedanken auf eine solche gerichtet, liessen ihn jedoch fallen. Thatsache ist, dass ihn Dr. Church in Birmingham im Jahre 1822 dargelegt hat. Die Zahl der Versuche ist Legion; in England allein wurden in den Jahren 1822–1860 57 Patente erteilt. Mit dem Jahre 1840 gewinnen die Versuche zwar einen realeren Boden, doch gehören auch sie alle jetzt als Überlebtes der Geschichte an oder sind der Vergessenheit anheimgefallen. In dem erwähnten Jahre bildete sich in Pressburg eine Gesellschaft, um eine von Joseph v. Kliegel erfundene Setz- und Ablegemaschine zu erbauen, wozu der Franzose Etienne Robert Gaubert eine Ablegemaschine lieferte. In demselben Jahre erhielten der Engländer John Clay in Cottingham und der Schwede Fr. Rosenborg Patente, im Jahre 1841 James Hadden Young, Spinnereibesitzer, und Adrien Delcambre, Fabrikbesitzer, beide in Lille. Zu ihrer 1844 ausgestellten Maschine, welche nur auf das Setzen eingerichtet war, baute A. N. Chaix eine Ablegemaschine; beide fanden keinen Eingang. In Wien experimentierte, durch Auer unterstützt, L. Tschulik. Er lehnte sich zunächst an Rosenborg an, während J. X. WURM viele Verbesserungen an seiner Maschine anbrachte. Der eigentliche Schöpfer der lebensfähigen Setzmaschine war der Däne Chr. SÖRENSEN im Jahre 1851[16].
Tim. Alden * 14. Juni 1819, † 4. Dez. 1858.
Unter den älteren englischen und amerikanischen Setzmaschinen war die von Timotheus Alden die bedeutendste. Von 1835–1846 arbeitete Alden als Setzer und sprach bereits in seinem neunzehnten Jahre, 1838, die Absicht aus, eine Setzmaschine zu bauen. Obwohl vielfach ausgelacht, ging er mit aller Energie daran und konnte 1856 die letzte Hand an sein Werk legen. Er hatte sich jedoch dabei geistig und körperlich aufgerieben. Bei seinem Tode 1858 hinterliess er seinem Vetter Henry W. Alden, der ihm treu geholfen hatte, sein Werk. Die Aldensche Maschine war sehr kompliziert und demnach kostspielig. Henry Alden vereinfachte sie und übergab einer Gesellschaft die Erfindung zur Ausbeutung, sie fand jedoch keine grosse Verbreitung und die Gesellschaft löste sich 1874 auf[17].
Eine Maschine von William H. Mitchell in New-York war schon 1861 in Wirksamkeit bei dem Satz von Appletons Encyclopaedia. Alexander Fraser, Teilhaber der Firma Neill & Co. in Edinburgh, wollte erst nur eine Ablegemaschine für Hattersleys Setzmaschine konstruieren, lieferte jedoch 1862 eine brauchbare Setz- und Ablegemaschine, für fünf Schriftgrade benutzbar[17]. Ein anderer Apparat von Henry A. Burr[18], von welchem acht Stück in der Offizin der New-York Tribune arbeiten, ähnelt Kastenbeins System[19]; der Ablegeapparat erfordert Typen mit vielfachen Einschnitten. Von einer von Adie in London nach dem Fraserschen System in der Behring Manufacturing Company gebauten Maschine arbeitet eine grössere Zahl in verschiedenen Offizinen. Felts' 1861 gebaute Maschine versprach vieles, ob sie es gehalten, haben wir nicht erfahren. Die von Clowes' Druckerei eingeführte und nach dem Besitzer die „Clowes-Maschine“ genannte Erfindung des Setzers John Hooker[20], war 1874 in London ausgestellt, sie fand jedoch keine weitere Verbreitung. Es wird bei derselben die elektro-magnetische Kraft zur Anwendung gebracht. Anstatt Tasten finden sich kleine Kupferplättchen vor, mit leitenden Drähten an deren Rückseiten, die in Verbindung mit einem Elektromagnete stehen. Lässt nun der Setzer den mit einem Holzgriff umgebenen, mit dem negativen Pol der Batterie verbundenen Leitdraht eine Kupferplatte berühren, so wird die galvanische Kette geschlossen und ein Hebel in Bewegung gesetzt, der den begehrten Buchstaben vorschiebt. Das Ablegen muss durch Handarbeit besorgt werden. Ein diesem ähnliches Prinzip lag dem 1876 in Philadelphia ausgestellten Apparat von G. P. Drummond aus Canada zugrunde.
Die in der Caxton-Ausstellung 1877 zur Anschauung gebrachte Setzmaschine des in London lebenden Deutschen M. L. Müller[21] war für viele Schriftarten bestimmt und mit 200 Tangenten in sechs Reihen über einander versehen. J. Rob. Winder[22] in Bolton behauptet als Vorzüge für sein Fabrikat die gleichzeitige Beförderung mehrerer Buchstaben. Die in gewissen Verbindungen sehr oft vorkommenden Buchstaben sind demgemäss in mehreren, verschieden gelegenen Rinnen untergebracht. Wick, der Besitzer der Glasgow News, suchte nach ähnlichen Prinzipien den Vorteil in kombinierten Griffen, und seine Klaviatur hat sogar eine Anzahl von Tangenten für Logotypen der üblichsten Silben-Verbindungen der englischen Sprache[23].
Eine der neuesten Setz- und Ablege-Maschinen ist die 1880 in Düsseldorf ausgestellt gewesene von A. von Langen und C. G. Fischer, die, was den Setz-Apparat betrifft, der Kastenbeinschen Maschine ähnelt, deren Ablege-Apparat jedoch den des letztgenannten an Brauchbarkeit bedeutend übertreffen soll.
Die Doppelmaschine Westcotts für Guss und Satz wurde bereits (S. 40) erwähnt; als Halbmaschinen lassen sich die von Millar und Porter bezeichnen. Millars 1870 ausgestellte Maschine verwendet nur die gemeinen Buchstaben, die Ausschliessungen und einige der am häufigsten vorkommenden Versalien; die anderen Schriftzeichen müssen aus einem Kasten durch die Hand des Setzers hinzugefügt werden. Wenn nicht vollkommen, ist der Apparat wenigstens sehr billig. T. J. Porters Apparat[24] führt auf mechanischem Wege dem Setzer die Typen zu, welche er sonst aus den Fächern des Setzkastens nehmen musste, das eigentliche Setzen jedoch wird mit der Hand vollzogen.
Es wäre zwecklos, der obigen Reihe von Erfindern noch einige Dutzend Namen anzuhängen. Das hier bereits Angeführte mag hinreichend dafür sprechen, dass schwerwiegende Hindernisse, die oben schon angedeutet wurden, einem vollkommenen Setzapparat im Wege liegen. Es bleibt nur noch übrig, die drei Männer zu erwähnen, deren Erfindungen am meisten in die Praxis gedrungen sind: Hattersley, Mackie und Kastenbein, welch letzterer nach der augenblicklichen Sachlage die grösste Aussicht für die Zukunft zu haben scheint.
Robert Hattersley in Manchester erhielt 1857 ein Patent auf Verbesserungen an den Setz- und Ablegemaschinen. Die seinigen wurden zuerst 1859 in der Buchdruckerei von Bradbury & Evans in London verwendet. Über eine Klaviatur, deren Tasten nach dem Masse des Vorkommens der mit ihnen korrespondierenden Typen geordnet sind, befindet sich ein etwa 1½ Meter hoher Aufsatz von Eisen, an welchem sich zwei eiserne horizontale Tafeln befinden, auf welchen die Typen in Rinnen gereiht stehen. Wird eine Taste angeschlagen, so drückt ein, je über dem letzten Buchstaben einer Rinne befindliches Stäbchen diesen heraus, worauf letzteres in die frühere Lage durch ein sich zusammenziehendes Gummischnürchen zurückgeschnellt wird. Das Nachrücken der Buchstaben in der Rinne geschieht ebenfalls durch Zusammenziehen einer Gummischnur, welche mit einem Metallstück, das von hinten auf die Reihe drückt, verbunden ist, über diese sich hinzieht und vorn nach oben festgemacht ist. So befindet sich stets ein Buchstabe am vordern Rande der Rinne.
Die herausgestossenen Buchstaben gleiten durch Rinnen, die sich in einem vertikalen herzförmigen Behälter befinden, dem einzigen Mundstück an der unteren Spitze des Behälters zu und stellen sich einer neben dem andern in den Winkelhaken auf. Ist eine Zeile voll, wird eine Setzlinie auf den Satz gelegt und dieser in das unter dem Winkelhaken befindliche Schiff heruntergeschoben. In letztem wird nunmehr der Satz Zeile für Zeile ausgeschlossen.
Theoretisch ist die Leistungsfähigkeit 7–8000 Buchstaben pro Stunde, in der Praxis 4–5000. Eine Zeitlang schien es, als würde die Hattersley-Maschine einen Platz behaupten. Zwei Exemplare wurden 1874 in der Offizin der „Neuen Freien Presse“ in Wien aufgestellt; seitdem ist es jedoch still darüber geworden. Ein grosser Übelstand ist die Abhängigkeit von den durch die Witterung und Abnutzung beeinflussten Gummischnüren, mit denen keine bestimmte Rechnung sich machen lässt. Die Leistungsfähigkeit der Ablegemaschine ist ungefähr die Hälfte der Setzmaschine.
C. Kastenbein, wohnhaft in Brüssel, baute 1871 in Paris die erste Maschine für die Times-Druckerei in London. 1872 arbeiteten dort 5 Setzmaschinen und 8 Ablegemaschinen. Die Typen liegen in Rinnen eines hochaufsteigenden Behälters. Durch Niederdrücken einer Tangente wird ein Hebel in Bewegung gesetzt, der dem Buchstaben an der Fussfläche einen Stoss nach vorn giebt, wodurch er in horizontaler Lage aus der Rinne herausgestossen, jedoch durch den Bau der Rinne während des Heruntergleitens in vertikale Lage gebracht wird. Wie bei der Hattersley-Maschine befinden sich die Gleitrinnen in einem herz- oder birnenförmigen Behälter und endigen in einem gemeinschaftlichen Mundstück. Ein Glasverschluss gestattet dem Setzenden, jede in den Rinnen vorkommende Unregelmässigkeit zu bemerken. Die Rinnen für die schwersten Typen mit der grössten Fallgeschwindigkeit sind so angebracht, dass diese Typen den weitesten Weg zurücklegen, wodurch die erforderliche gleiche Beförderungszeit der verschiedenen Typen erzielt wird. Die in einem langen Winkelhaken sich aufreihenden Buchstaben werden nun dem Setzschiff zugeführt, das seitwärts auf einem schrägen Pult-Gestell ruht, an welchem der mit dem Umbrechen der Zeilen Betraute, das Gesicht dem Setzenden zugewendet, sitzt, und den Satz in Empfang nimmt, davon so viel für eine Zeile notwendig ist auf das Schiff schiebt und ausschliesst. Durch Treten eines Pedals senkt sich darauf das Schiff um so viel als notwendig ist, damit eine neue Zeile hinübergeschoben werden kann. Die Leistungsfähigkeit ist in der Praxis 3–4000 Buchstaben; in der Ausstellung zu Paris 1878 wurde sie jedoch probeweise bis zu 10200 gesteigert. Die Maschine ist, ausser in England, in Nordamerika, Dänemark, Italien vielfach verwendet. Die Reichsdruckerei in Berlin schaffte sie 1879 an.
Seinen ersten Ablegeapparat verwarf Kastenbein selbst als zu kompliziert; bei dem zweiten werden die Buchstaben förmlich in einen mit Löchern versehenen Kasten, wie sonst in die Fächer des Setzkastens mit der Hand, abgelegt. Durch Treten, oder durch Drehen eines Rades, wird ein Mechanismus in Bewegung gesetzt, welcher Stösser treibt, die die Buchstaben in die für sie bestimmten Reihen der Rinnen treiben. Man sieht, dass auch dieser Apparat nicht vollkommen und nur teilweise automatisch ist. Zu zwei Setzmaschinen gehören etwa drei Ablegemaschinen.
Ein von allen anderen abweichender Weg wurde von Dr. Alexander Mackie[25], einem praktischen Buchdrucker in Warrington, eingeschlagen. Das Städtchen liegt halbwegs zwischen Manchester und Liverpool, ziemlich im Zentrum eines Kreises kleinerer aufblühender Städte. Mackie fasste den Plan, für jede derselben eine eigene Zeitung zu gründen, die den leitenden und politischen Teil mit den anderen gemeinschaftlich, dabei jedoch einen lokalen selbständigen Teil besitzen sollte. So entstand eine ganze Familie von Guardians, sieben an der Zahl, die mit dem Manchester Guardian 1853 anfing. Um nun den gemeinschaftlichen Teil schnell für jedes der Lokalblätter herstellen zu können, kam Mackie auf eine Kombination von drei verschiedenen Maschinen, von welchen die eine, wenn man so sagen darf, die Manuskriptmaschine, die andere die Setz-, die dritte die Ablegemaschine bildete. Durch die ersten wird beim Anschlagen einer Taste ein Loch in einen Papierstreifen gebohrt. Die Löcher sind so rangiert, dass, wenn ein perforierter Streifen der Setzmaschine übergeben wird und ein Loch in diesem ein Loch in einer Walze, über welche der Streifen geführt wird, gerade deckt, ein Stift hineinfällt, der bis dahin einen Behälter, worin die benötigten Buchstaben sich befinden, zugeschlossen hielt. Aus dem nunmehr geöffneten Behälter fällt die Type auf eine schnell rotierende Gleitschiene und wird dem Winkelhaken zugeführt. Selbstverständlich beruht alles auf der richtigen Lage der, durch die mit den Tasten verbundenen Stifte in den Streifen gebohrten Löcher. Es ähnelt diese Manipulation dem Wirken der Stifte auf der Walze einer Spieldose, welche zur rechten Zeit die, den richtigen Ton angebende Metallfeder treffen müssen. Im Prinzip hat Mackies Maschine grosse Vorzüge. Sie ist, was die eigentliche Setzmaschine betrifft, vollständig automatisch. Das perforierte Manuskript kann gleichzeitig in mehreren Exemplaren hergestellt werden und somit behufs des Setzens durch eine Maschine nach verschiedenen Orten gesandt werden. Von einer grossen Verbreitung des Apparates verlautet indes nichts, dagegen wird berichtet, dass Mackie sich fortwährend mit Verbesserungen an demselben, namentlich am perforierenden Teil, beschäftigt, so dass anzunehmen ist, dass ihn die Leistungen noch nicht ganz befriedigen, obwohl er jetzt schon 350000 Buchstaben pro Woche garantiert.
Dr. Mackie ist ein so eigentümlicher und bedeutender Repräsentant moderner Arbeitsweise, dass es wohl geboten ist, seine Wirksamkeit etwas näher zu betrachten. Nachdem er Erfolge erzielt hatte, ging er noch weiter und errichtete im Jahre 1877 in einer kleinen Stadt Crewe, gelegen an einem Knotenpunkte der Londoner Nord-West-Bahn, mit 25000 Einwohnern, von denen ein bedeutender Teil in den umfangreichen dortigen Werkstätten der Eisenbahngesellschaft beschäftigt ist, eine grossartige Druckoffizin. In gothischem Stile erbaut, bildet sie eine mächtige Halle von 150 Fuss Länge und 30 Fuss Breite, in welcher 14 Mackiesche Setzmaschinen mit den nötigen Hülfsmaschinen, zwei Atkinsonsche Giessmaschinen und die erforderlichen Schnellpressen arbeiten. Unter den nahe an 150 Beschäftigten sind nur etwa 30 Männer. Indem Mackie die Offizin nach Crewe legte, rechnete er darauf, dass er unter den vielen Töchtern der dortigen Arbeiter sehr leicht tüchtige Hülfskräfte finden würde. Er, oder vielmehr die Kommandit-Gesellschaft Mackie, Brewthal & Co., druckt dort verschiedene Zeitschriften und viele Werke für Buchhändler in London[26].
Mit dieser Anstalt hat Mackie in jüngster Zeit auch ein Ausbildungs-Institut für werdende Berichterstatter, Unterredakteure und Zeitungsbesitzer vereinigt. Der Betreffende erhält Unterweisung: 1) im praktischen Setzen, um später richtig disponieren, Manuskript berechnen und die für das Setzen nötige Zeit beurteilen zu können; 2) im Korrekturenlesen, unter Berücksichtigung, wie bei der Korrektur die Zeit des Arbeiters geschont werden kann; 3) im Berichterstatten und der Art, das Manuskript für den Satz praktisch und korrekt abzufassen; 4) in der Buchführung für Journalunternehmungen. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, dass ein solches Institut, seitdem die journalistische Thätigkeit ein wirklicher Lebensberuf so Vieler geworden ist, einen grossen Wert hat und wohl Nachahmung verdient.
Zu diesem und seinen übrigen Instituten fügte er noch im Jahre 1880 eine neue grossartige Offizin in Warrington. Das prächtige Gebäude von 200 Fuss Länge und 100 Fuss Breite im gothischen Stil hat wie das in Crewe nur ein Stockwerk. Der grosse Arbeitssaal von 126 Fuss Länge und 96 Fuss Breite wird durch zwei Reihen von eisernen Säulen in drei Längenschiffe geteilt.
Das Prinzip der Setzmaschinen: durch eine Tastatur Buchstaben in Bewegung zu setzen, führte zu den Versuchen mit dem sogenannten Matrix compositor (Matrizen-Setzer) des John E. Sweet & Daul (Paris 1867) und deren vielen Nachfolger als: D. Timiriazeff (London 1872), Jos. Liwtschack in Wilna (1876), Peterson in Wien, G. Hambruch in Elbing u. a. Sweets Gedanke war theoretisch ein sehr hübscher. Er wollte, indem er die Stempel durch die Tastatur in eine weiche Masse drückte, Matrizen auf dem Setzwege direkt herstellen. Dieselben Schwierigkeiten jedoch, die hinderlich waren, um einen korrekt ausgeschlossenen Satz durch die Setzmaschine zu liefern, stehen auch diesem Verfahren, und zwar in einem noch höheren Grade, entgegen. Sweets verschiedene Ausstellungsproben — und über diese hinaus scheint er nicht gekommen zu sein — waren äusserst wenig empfehlend.
Fußnoten:


II. KAPITEL. DIE DRUCK- UND HÜLFSMASCHINEN DER ANGLO-AMERIKANISCHEN GRUPPE.
Die Handpresse. Lord Stanhope und seine Nachfolger: Cogger, Clymer u. a. Die Auftragmaschine. Die Glätt- und Prägmaschine: Bramah. Die Schnellpresse: Friedr. König in England, Bensley, John Walter, der 29. November 1814, Kränkungen Königs, seine Abreise von London, Walters Eintreten für ihn. Die Nachfolger Königs: Napier, Applegath & Cowper, Hoe u. a. Die Endlosen: W. Bullock, die Walter-Maschine u. a. Die Mehrfarbe-Endlose. Die Tretmaschinen. Die Ausleger, die Anleger. Die Satiniermaschine. Die Feuchtapparate. Die Bronciermaschine. Die Falzmaschine. Diverse Hülfsmaschinen. Walzen und Farbe. Die Materialienhandlungen.
Druckpresse.

SEIT dreihundertundfünfzig Jahren hatte man sich zur Herstellung selbst der vorzüglichsten Druckwerke noch immer der alten hölzernen Presse bedient. Nach den Verbesserungen an dieser in den ersten fünfzig Jahren der Kunst waren im ganzen genommen keine, das eigentliche Wesen der Presse weiter ändernden eingetreten, namentlich blieb der zweimalige Zug, einer für jede Hälfte der Druckform. Erst gegen das Ende des XVIII. Jahrhunderts gelangten ernsthafte Verbesserungsversuche zur Ausführung, um den Druck grösserer Formate mit einmaligem Zuge zu bewerkstelligen. Besonders hierfür thätig waren W. Haas in Basel (Kap. XIV) und F. Didot in Paris (Kap. V).
Lord Stanhopes Presse.
Den eigentlichen Umschwung kennzeichnet erst die eiserne Presse Lord Stanhopes. Nach vielen kostspieligen Versuchen brachte er, mit Hülfe des tüchtigen Mechanikers Walker, diese zustande und das erste Exemplar wurde in der Offizin Will. Bulmers aufgestellt und beim Druck der grossen Prachtausgabe von Shakespeares Werken verwendet[27].
Wände, Krone, Ober- und Unterbalken der hölzernen Presse wurden jetzt durch ein Stück Gusseisen ersetzt. An Stelle der Schraube mit dem Bengel trat ein zusammengesetzter Hebel, der es möglich machte, in dem Augenblick des Druckes eine fast unbegrenzte Kraft zu entwickeln. Die Arbeiter, die früher mit Aufgebot aller Gewalt den Bengel an sich ziehen mussten, indem sie mit zurückgebogenem Körper den Fuss an den Antritt stemmten, konnten gar nicht begreifen, dass ein gelindes Anziehen im letzten Augenblick genügend sei, um einen kräftigen Abdruck zu erzielen. Das Zurückgehen des Tiegels wurde durch ein Gegengewicht bewerkstelligt. Nur der Fuss blieb anfänglich noch Holz, doch auch hiervon kam man bald ab und baute auch diesen Teil aus Eisen[28].
Die Druckwalze.
Die grossen Handpressen erforderten auch eine raschere Art der Einfärbung. Den Gedanken, die Ballen durch Walzen zu ersetzen, hatte schon früher der französische Holzschneider Papillon gehabt. Lord Stanhope liess viele Versuche machen, um einen zweckmässigeren Überzug derselben fertig zu bringen, gelangte aber nicht zum Ziel. Ein geschickter Drucker in Weybridge, Forster, kam, angeregt durch die Verwendung der Leimmasse in einer Töpferei in Staffordshire, auf den Gedanken, eine Masse von Leim und Syrup auf grobes Segeltuch zu giessen und, nach der Erkaltung, die Ballen damit zu überziehen. Erst später wurden hölzerne Walzengestelle mit Masse umgossen. Hiermit war ein wesentlicher Gewinn an Arbeit und Zeit erreicht, der namentlich der Schnellpresse zugutekommen sollte.
Fortwährende Verbesserungen.
Als einmal das Feld für den Pressenbau eröffnet war, entstanden eine Menge von Pressen, von welchen jede besondere Vorzüge haben sollte. Neben manchem Unwesentlichen kamen auch wirkliche Verbesserungen vor. Doch wie die hölzerne Presse schon jetzt ein Gegenstand ist, den mancher tüchtige Buchdrucker der Gegenwart nur von Hörensagen kennt, so wird es einst mit der eisernen Handpresse gehen, die jetzt schon fast der Vergangenheit angehört, so dass manche grosse Druckerei nur noch zum Abziehen der Korrekturen eine invalide Presse, von einem Drucker-Invaliden bedient, besitzt.
J. Cogger.
Die Coggersche Presse entwickelte eine noch grössere Kraft, als die Stanhopesche. Säulen von Schmiedeeisen bildeten die Presswände. Ein querarmiger zusammengesetzter Hebel gab die Kraft, die dicht unter dem Oberbalken in ausgedehnter Weise wirkte. Durch Federn wurde das Zurückgehen des Tiegels bewerkstelligt[29].
J. Clymer.
Einen hohen Ruf durch die ganze Welt erwarb sich die „Columbia-Presse“ John Clymers. Dieser stammte aus einer Schweizerfamilie, die nach Amerika ausgewandert war. Im Alter von sechzehn Jahren erfand der junge Clymer bereits einen neuen Pflug mit so besonderen Vorzügen, dass er die Aufmerksamkeit der Männer der Wissenschaft auf sich zog. Der Zustand der Druckerpresse erweckte seine Erfinderlust und bereits im Jahre 1797 begann er seine Verbesserungen an der Holzpresse, später an der eisernen, bis er seine berühmte „Columbia-Presse“ zustande brachte, die er 1818 in England einführte, wo sie allgemeine Verbreitung fand. In den dreissiger Jahren beherrschte sie fast alle Druckoffizinen, auch die des Kontinents. In dieser Presse wurde durch eine Kombination von Hebeln bei grosser Gleichmässigkeit des Druckes eine ausserordentliche Kraft geübt, und der Abdruck erschien, bei wesentlicher Schonung der Schrift, in grösster Schärfe. Das Zurückgehen des Tiegels geschah durch ein, auf einem langen Hebel angebrachtes, schweres Gewicht, meist in der Gestalt des auffliegenden amerikanischen Adlers. Die Presse hatte etwas Imposantes und konnte für sehr grosses Format gebaut werden[30].
W. Hagar.
Eine weite Verbreitung fanden ebenso diejenigen Pressen, welche bei geringer Kraftanwendung und bei elastischem Zug durch einen Kniehebel einen starken Druck ausübten. Der Tiegel wurde durch Spiralfedern getragen, das Einstellen für die verschiedenen Schrifthöhen geschah sehr leicht. Diese Pressen wurden zuerst von dem Amerikaner Hagar gebaut[31]. Das Prinzip des Kniehebels war bereits, jedoch nicht in glücklicher Weise, in der sehr komplizierten „Strebepresse“ von Hawkin[32] angewendet und wurde später bei mehreren englischen Pressen benutzt. Sehr verbreitet war die „Albionpresse“ von Hopkinson[33] und die „Imperialpresse“ von J. Cope[34].
J. Ruthven.
Alle die Abarten der Handpresse, die keine grosse Rolle gespielt haben, hier zu beschreiben, wäre eine unfruchtbare Arbeit; es seien nur noch einige, die sich durch Originelles in der Konstruktion auszeichneten, kurz erwähnt. Bei der von John Ruthven in Edinburgh 1813 erbauten „Schottischen Presse“ blieb das Fundament, welches mit Deckel, Rähmchen und Punkturen versehen ist, unbeweglich, während der Tiegel in Schienen hin und her ging und das Fundament durch einen unter demselben angebrachten Mechanismus kräftig angezogen wurde[35]. Sehr originell war die Konstruktion der 1820 in D. Treadwell.J. Saxton.England patentierten „Tretpresse“ des Amerikaners Daniel Treadwell. Das Fundament war, wie bei der Ruthven-Presse, fest. Sie arbeitete leicht, nahm aber einen grossen Raum ein und sah sehr hässlich aus, fand auch nicht Eingang[36]. Nicht besser ging es der „Hydrostatischen Presse“ Jos. Saxtons, in welcher der Tiegel an das Fundament gedrückt wurde durch die Kraft des Wassers, das sich in einem hohlen, elastischen, in der Art der Ziehharmonika geformten und mit dem Tiegel zusammenhängenden Behälter befand, während beim Abfluss des Wassers aus demselben der Tiegel sich wieder hob.
Die Auftragmaschine.
Der Gedanke, die Farbe auf mechanischem Wege aufzutragen, lag ziemlich nahe und ist auch verschiedentlich, jedoch nie in ganz befriedigender Weise, bei der Handpresse zur Ausführung gebracht. Die ersten Versuche geschahen 1820 durch Thomas Parkin. Sein Apparat nahm jedoch einen sehr grossen Platz ein und die Drucker leisteten gegen denselben passiven Widerstand, damit nicht der eine der bisher nötigen zwei Drucker ausser Brot kam.
In Amerika erfand 1833 Fairlamb in Boston, der sich mit einem erfahrenen Buchdrucker und Mechaniker Namens Gilpin vereinigte, einen solchen Apparat, von welchem viele hunderte gebaut wurden. Das Farbewerk stand mit der Kurbel in Verbindung und die Walzen gingen zweimal über die Form weg. Nach der Verbreitung der Schnellpresse verlor jedoch diese Erfindung fast ihren ganzen Wert, da Auflagen, wo Schnelligkeit notwendig war, nicht mehr auf der Handpresse gedruckt wurden.
Bramahs Glätte- und Prägpresse.
Dem Bedürfnis nach einer guten Glätte half namentlich Bramahs „Hydraulische Presse“ ab, die im Vergleich mit der Schraubenpresse den grossen Vorteil hat, dass die Reibung nicht mit der Zunahme des Druckes wächst, der in dem letzten Augenblick eine enorme Steigerung erreichen kann.
Weitere Verdienste erwarb sich Bramah durch seine Präg- und Numeriermaschinen, von welchen eine der frühesten 1809 bei dem Druck der Noten der englischen Bank Verwendung fand. Vor dieser Zeit mussten die Nummern und das Datum mit der Hand eingeschrieben werden. Es dauerte nicht lange, so verwendete die englische Bank 40 Bramahsche Maschinen[37].
Die Schnellpresse.
So wichtig nun auch alle die erwähnten Verbesserungen und Erfindungen waren, so verschwanden sie doch gegen die grosse, am 28. November 1814 der Welt als vollzogen angekündigte That, „dass die Times auf einer durch Dampf betriebenen, ohne Beihülfe von Menschenhänden arbeitenden Schnellpresse gedruckt sei“.
Fr. König.
Mit besonderem Stolz blickt Deutschland auf dieses Ereignis, denn der Name des deutschen Erfinders Friedrich König wird neben dem Gutenbergs auf ewige Zeit mit Anerkennung und Dankbarkeit genannt werden. Ganz ohne Bitterkeit bleibt die Freude hierüber allerdings nicht, denn die Verhältnisse lagen damals für Deutschland so schlimm, dass es, wie König selbst sagt, nicht möglich gewesen wäre, ohne die Beihülfe Englands die Erfindung für das praktische Leben nutzbar zu machen. Für uns erwächst hieraus die Notwendigkeit, die Anfänge der Geschichte der deutschen Erfindung der Schnellpresse in Verbindung mit der typographischen Geschichte Englands zu behandeln[38].
Th. Bensley.
Andr. Fr. Bauer.
John Walter.
Nachdem Königs Hoffnungen in Deutschland, Österreich und Russland vollständig gescheitert waren, kam er 1806 nach England und fand in dem folgenden Jahre in dem tüchtigen Buchdrucker Thomas Bensley einen Mann, der die nötigen Geldmittel zur Erlangung eines Patentes und zur gemeinschaftlichen Ausbeutung desselben herzugeben bereit war. Der neue Gutenberg war hierdurch, wie der Urvater der Typographie, ebenfalls an einen klug-berechnenden und eigensüchtigen Fust gefesselt, hatte jedoch das Glück, in seinem Peter Schöffer — Andreas Friedrich Bauer — nicht nur einen technisch tüchtigen Mitarbeiter, sondern auch einen treuen Freund für das Leben zu besitzen, und in seinem Conrad Humery — John Walter — nicht nur den wohlwollenden und vermögenden Beschützer, sondern den mächtigen direkten Förderer seiner Pläne zu finden.
R. Taylor und G. Woodfall.
Das erste Patent.
Zu König und Bensley traten noch Richard Taylor und G. Woodfall, bekannte Buchdrucker und rechtliche Männer. Es wurden nach und nach vier Patente für verschiedene Arten von Druckmaschinen in England genommen. Das erste Patent: „Für eine Methode mittels Maschinen zu drucken“, wurde Fr. König am 10. März 1810 erteilt; die Spezifikation ist am 27. September eingetragen. Alle Verrichtungen waren auf eine wiederkehrende Bewegung zurückgeführt, so dass Betrieb durch Dampf möglich war und die Arbeiter weiter nichts zu thun hatten, als die Bogen auf dem Deckel anzulegen und nach dem Druck abzunehmen. Deckel und Rähmchen waren ungefähr wie bei der Handpresse, nur mit dem Unterschied, dass das Rähmchen am unteren, statt am oberen Ende des Deckels angebracht war. Beide schlossen und öffneten sich durch einen einfachen Mechanismus. Die Druckfarbe wurde aus einem Behälter ausgepresst. Die Zerteilung der Farbe geschah durch rotierende, zugleich in der Längsrichtung sich bewegende Cylinder, das Auftragen durch Walzen, welche mit egalisiertem Ballenleder überzogen waren. 1811 im April war diese erste Tiegeldruck-Schnellpresse fertig und der erste Bogen, der darauf in der Bensleyschen Druckerei gedruckt wurde, war der Bogen H des Annual Register for 1810 in einer Auflage von 3000 Exemplaren.
Zweites Patent.
Das zweite Patent „für weitere Verbesserungen der Methode mit Maschinen zu drucken“ datiert vom 30. Oktober 1811, die Spezifikation vom 29. April 1812. In diesem Patent wird das Prinzip fast aller folgenden Schnellpressen ausgesprochen. Es enthält eine ausführliche Beschreibung und Abbildung der einfachen Cylinder-Druckmaschine, zugleich wird jedoch erwähnt, dass durch eine Kombination einer grösseren Anzahl derselben Teile oder Prinzipien die Wirkung verdoppelt und vervierfacht werden könne und dass überhaupt von einer Form eine grosse Anzahl von Abzügen in kürzester Zeit zu erhalten sei. Dies alles wurde durch Zeichnungen erläutert. Das dritte Patent, vom 23. Juli 1813, mit der Spezifikation vom 22. Juli 1814, bezieht sich „auf additionelle Verbesserungen der Methode mit Maschinen zu drucken, namentlich was den Farbenapparat, die endlose Bänderleitung, die Horn- und Segmenträder und die Verbindung des Druckcylinders mit dem Karren betrifft“.
Drittes Patent.
Die nach dem zweiten Patent zuerst gebaute einfache Cylindermaschine wurde im Dezember 1812 vollendet. Die ersten Leistungen dieser ganz cylindrischen Presse waren die Bogen G und X von Clarkson, Life of W. Penn. Vol. I. Die Maschine druckte 800 in der Stunde. Als der Eigentümer der Times, J. Walter, die Leistung gesehen, war er in wenigen Minuten entschlossen, zwei Doppelmaschinen zu bestellen. Diese Maschinen mit doppeltem, vorwärts und rückwärts wirkendem Druckcylinder lieferten in der Stunde 1100 Abdrücke in einer weit besseren Ausführung, als man bei Zeitungen gewohnt war. Am 29. November 1814 ging die erste Nummer der Times, mit diesen Maschinen gedruckt, aus der Offizin im Printinghouse-Square hervor. John Walter selbst machte dies dem Publikum in einem leitenden Artikel bekannt, an dessen Schluss es heisst:
„Über die Person des Erfinders haben wir wenig hinzuzusetzen. Sir Christophe Wrens[39] edelstes Denkmal ist das Gebäude, welches er errichtete; ebenso ist die beste Lobpreisung, welche wir dem Erfinder der Druckmaschine darbringen können, diese selbst, deren Macht und Nützlichkeit wir in schwachen Worten zu schildern versucht haben. Es mag genügen, zu sagen, dass der Erfinder von Geburt ein Sachse ist, dass er Friedrich König heisst und dass die Erfindung unter der Leitung seines Freundes und Landsmannes Bauer zur Ausführung gebracht wurde.“
Viertes Patent.
Das vierte Patent Königs „für weitere Verbesserungen an der Schnellpresse“ wurde am 24. Dezember 1814, die Spezifikation am 22. Juni 1816 registriert. Aus den Grundsätzen derselben gingen die Schön- und Widerdruckmaschine, die verbesserte einfache Druckmaschine und die verbesserte Doppelmaschine hervor. Die erste Komplettmaschine wurde im Februar 1816 in der Druckerei von Bensley & Son aufgestellt und lieferte stündlich 900–1000 auf beiden Seiten bedruckte Bogen. Die Literary Gazette war das erste Wochenblatt, welches von 1818 ab dort auf der Schnellpresse gedruckt wurde. In den Nummern vom 3. und 10. Januar äusserte sich Bensley selbst auf das günstigste über die Leistungen der Maschine. Eine verbesserte Doppelmaschine, welche 1500–2000 Exemplare pro Stunde lieferte, wurde in der Times-Offizin aufgestellt und der Eigentümer sprach sich am 3. Dezember 1824 in günstigster Weise über sie aus.
Aus den Patent-Akten geht also hervor, dass schon damals alle Hauptklassen von Maschinen nicht allein von König spezifiziert, sondern mit Ausnahme der achtfachen auch ausgeführt wurden: die einfache Maschine mit Tiegeldruck, die einfache Cylindermaschine, die Doppelmaschine mit abwechselnd stillstehendem Cylinder, die vielfache Maschine, die Schön- und Widerdruckmaschine, die verbesserte einfache Cylinderpresse, die verbesserte Doppelmaschine. Zur Ausführung der achtfachen Maschine wurde König und Bauer die Gelegenheit nicht gegeben. So lange sie in England verweilten, war die Notwendigkeit einer solchen noch nicht eingetreten, und als sie das Land verlassen hatten, war es natürlich, dass John Walter lieber mit den dortigen Mechanikern verkehrte, so dass die achtfache Maschine mit vertikalen Cylindern, welche man bis 1860 als ein Wunderwerk in der Times-Druckerei anstaunte, nach Applegaths Konstruktion ausgeführt wurde.
Umtriebe gegen König.
Nach diesen praktischen Resultaten und nach den Zeugnissen Walters und Bensleys wäre wohl zu erwarten gewesen, dass über die Erfindung der Schnellpresse kein Zweifel mehr obwalten konnte, und dass dem Erfinder auch der volle materielle Lohn geworden wäre. Das war jedoch nicht der Fall. Th. Bensley zeigte sich als ein egoistischer Teilhaber, der in der Sozietät das Übergewicht geltend machte. Ihm war es mehr darum zu thun, die Erfindung zur Hebung der eigenen Offizin zu benutzen, als darum, Bestellungen von seinen Konkurrenten zu erzielen. Statt den Vertrieb zu fördern, erschwerte er denselben und leitete, wie es scheint, die Unterhandlungen in einer der Sache wenig förderlichen Weise. Selbst die Ergebnisse der bereits abgeschlossenen Geschäfte suchte er sowohl Fr. König als auch dem anderen Teilhaber Taylor zu verkümmern. Ja sogar die Ehre der Erfindung sollte nicht unangetastet bleiben.
Will. Nicholson.
William Nicholson, ein heller Kopf und redlicher Mann, hatte sich früher mit der Idee einer Druckmaschine umgetragen und bereits am 29. April 1790 ein Patent genommen „auf eine Maschine oder ein Instrument, um auf Papier, Leinwand, Kattun, Wollenzeug und andere Stoffe in einer netteren, wohlfeileren und genaueren Manier zu drucken, als durch die jetzt gebräuchlichen Instrumente möglich ist“[40]. Seine Zeichnungen und Erklärungen sind sehr skizzenhaft. Es wird mehr angegeben, was Nicholson will, als „wie“ er es zu machen gedenkt. Nicholson hat seine Ideen nie ausgeführt; sie waren von ihm selbst längst beiseitegelegt und vergessen, als König und Bensley aus des Genannten eigenem Munde davon hörten, als sie ihn in ihrer Patentangelegenheit konsultierten; denn Nicholson übte die Vermittelung in solchen Geschäften als Erwerb. Bei dieser Gelegenheit äusserte derselbe, „er habe die Sache vor 17 Jahren versucht, sie gehe aber nicht“. Auch hat er, selbst als König öffentlich mit seiner Erfindung auftrat, sich ganz still verhalten.
E. Cowper.
Dagegen tauchten andere auf, die es sich mit dem Fortbauen auf den gemachten Erfahrungen bequem machten. Wäre hierzu nur Nicholsons geistige Hinterlassenschaft benutzt, so hätten König und Bauer keine Veranlassung sich zu beschweren gehabt; es wurden aber ihre Ideen vollständig, z. B. von E. Cowper in seiner Schön- und Widerdruckmaschine, ausgebeutet. Rechtsgelehrte erklärten, dass ein Einschreiten seitens Königs von Erfolg sein würde, aber Bensley stimmte gegen ein solches und die Klage musste demnach unterbleiben. Ja, es scheint sogar, dass Bensley in Übereinstimmung mit Cowper gehandelt habe. „Denn letzterer offerierte“ — so, sagt Savage, sei ihm berichtet worden — „als einen Akt der Gerechtigkeit und in Betracht der grossen Kosten von mindestens 16000 Pfd. Sterl., welche für Bensley bei der Durchführung der Erfindung der Druckmaschine entstanden waren, diesem einen Anteil an seinem Patent[41], was von Bensley angenommen wurde.“ Die Freundschaft der beiden scheint jedoch nicht von langer Dauer gewesen zu sein, denn später liess Bensley König ersuchen, gegen Cowper einzuschreiten, was jetzt jedoch König seinerseits ablehnte. Wie es Cowper machte, so thaten es auch andere; man nahm von Nicholson und König, was passte, und fügte einiges Neue hinzu.
König geht nach Deutschland.
Ermüdet von allen diesen Verdriesslichkeiten beschlossen König und Bauer im Jahre 1817, England zu verlassen und in das Vaterland zurückzukehren, dem sie fortan mit Ruhm und Erfolg angehören sollten. Das Verlassen Englands unter den obwaltenden Umständen war selbstverständlich gleich einem Aufgeben der Patentrechte und der daran geknüpften Aussichten. Die englische Presse vergass schnell den Namen König. Wenn von der Erfindung und Verbesserung der Schnellpresse die Rede war, so wurden Nicholson, Cowper, Applegath und andere genannt; König existierte nicht. Nur die Times fuhr fort, eine rühmliche Ausnahme zu machen, und stellte noch am 3. Dezember 1824 König das ehrendste Zeugnis aus. Es dürfte, wenn auch König keiner Ehrenrettung bedarf, eine Pflicht gegen die deutsche Erfindung sein, die hauptsächlichsten Stellen daraus wiederzugeben:
John Walter über König.
„Bei der ersten Einführung der Druckmaschinen erregte diese Erfindung grosse Teilnahme, und ihre Originalität wurde nicht bestritten, indem niemand einen Beweis für die frühere Anwendung derselben Grundsätze anführen konnte. Schon damals waren wir bemüht, den Ansprüchen des Erfinders, Herrn König, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, der einige Jahre später in sein Vaterland Deutschland zurückkehrte, jedoch — fürchten wir — ohne den Lohn empfangen zu haben, der seinem Verdienste für seine wunderbare Erfindung und deren Ausübung in England zukam.“ Es wird nun der ungerechten Versuche von anderer Seite, sich die Erfindung anzueignen und die Verdienste Königs entweder ganz zu ignorieren oder auf ein Minimum zu reduzieren, gedacht und dann fortgefahren: „Es ist ein so seltener Fall, dass ein Ausländer in England eine Erfindung zur Ausführung bringt; es giebt hier so viele eingeborene Talente in den mechanischen Künsten, und England steht in dieser Beziehung so hoch; dass es wohl ausländischem Verdienste Gerechtigkeit widerfahren lassen kann.“ Dies thut nun das Blatt, indem es die Ansprüche des Herrn Bensley auf null, die des Herrn Nicholson auf eine fallengelassene Idee und die der Nachfolger Königs auf das facile est inventis addere zurückführt. „Wir können zum Schluss nicht umhin, zu bezeugen, dass wir in Herrn König nicht nur einen Mann von hoher Bildung und feurigem Geiste, sondern auch von grösster Ehrenhaftigkeit und lauterster Rechtlichkeit gefunden haben. In dem kritischen und prüfungsreichen Zeitraum, wo seine Erfindung in unserer Offizin zur Ausführung gebracht wurde, standen wir in täglichem Verkehr mit ihm, so dass wir volle Kenntnis von seiner Art und Weise und von seinem Charakter erlangten; die Folge ist gewesen, dass wir für ihn innige Freundschaft und hohe Achtung für immer hegen.“
Ein Zeugnis, ehrend für König, ehrend für Walter!
Verbesserer der Schnellpresse.
Sehen wir von dem gegen König geübten Unrecht ab, so können wir den englischen Erbauern von Schnellpressen unmöglich die Anerkennung versagen, diese so wesentlich verbessert zu haben, dass die Leistungen der ersten Schnellpressen gegen die heutigen Rotationsmaschinen sich fast eben so verhalten, wie die Leistungen der Handpressen zu denen der ersten Schnellpressen. Nur diese Fortschritte haben es der englischen und amerikanischen Journalistik möglich gemacht, ihren hohen Rang zu erkämpfen und zu behaupten.
Napier.
Applegath & Cowper.
Unter den Verbesserern der Schnellpresse sind besonders zu erwähnen: Edw. Cowper, Aug. Applegath, D. Napier, Isaac Adam, R. Hoe & Co. Noch viele andere könnten genannt werden. Napier führte zuerst Greifer ein und baute Maschinen mit einem sehr grossen Druckcylinder, der sich in fortwährender Bewegung befand und von welchem nur etwa der dritte Teil als Druckcylinder benutzt wurde. Bekannt sind die von Applegath & Cowper im Jahre 1827 für die Times-Druckerei erbauten viercylindrischen Maschinen mit einer Leistungsfähigkeit von 4–5000 Exemplaren[42]. Noch renommierter wurde jedoch Applegaths Rotationsmaschine mit vertikalen Satz- und Druckcylindern. Der Satz war auf einem Teil des mittleren grossen Cylinders angebracht, dessen übriger, grösserer Teil als Farbentisch zum Verreiben der Farbe diente. Acht vertikale Druckcylinder von je 40 englischen Zoll Durchmesser waren derart um den Satzcylinder gruppiert, dass alle bei einmaliger Umdrehung des letzteren mit dem Satz in Berührung kamen, so dass also acht Bogen einseitig gedruckt waren. Durch keilförmige Spaltlinien und eben solche Kolumnenstege wurde fester Anschluss der Typen erzielt, die wie Mauersteine beim Bauen eines Bogens zusammenhielten. Jeder der Anleger führte alle vier Sekunden der Maschine einen Bogen zu, während acht Abnehmer die gedruckten Bogen in Empfang nahmen. Die Hauptschwierigkeit in der Konstruktion lag in dem Bändersystem, welches die in horizontaler Lage zugeführten Papierbogen in die für den Druck notwendige vertikale Lage zu bringen hatte. Die allergeringste Zögerung seitens eines Anlegers machte den Bogen zu Makulatur. Ein Vorzug der vertikalen Cylinder war, dass der abgehende Papierstaub nicht auf die Satzform, sondern zur Erde fiel. Die Maschine lieferte über 7000 Exemplare[43]. Applegath erfand auch eine solche, um zu gleicher Zeit mit sechs Farben zu drucken. Für sein System unnachahmlicher Banknoten zahlte ihm die englische Bank 18000 £ Sterl. Er starb in Dartford im Jahre 1871 in einem Alter von 84 Jahren.
C. A. Holm.
Ein Schwede, C. A. HOLM, nahm 1840 in London Patent auf seine, „Skandinavia-Presse“ genannte Tiegeldruckmaschine. Trotz ihres schweren Ganges und ihrer geringen Leistungsfähigkeit von 5–600 Exemplaren war sie doch in England sehr verbreitet und beliebt, namentlich zum Druck illustrierter Werke, die man damals noch nicht in heutiger Vollkommenheit auf der Cylindermaschine lieferte[44].
Rob. Hoe * 1784, † 1833.
Die Wundermaschine Applegaths wurde durch die von Hoe übertroffen, die 1860 in der Times-Offizin Aufstellung fand. Robert HOE war der Begründer der berühmten Anstalt für die Fabrikation aller Arten von typographischen Maschinen in New-York. Er war als Sohn eines Pächters in Leicestershire in England geboren und lernte als Zimmermann. Im Jahre 1803 ging er nach Amerika und heiratete dort, erst zwanzig Jahre alt. Zwei seiner Schwäger, Matthias und Peter Smith, letzterer Erfinder einer renommierten Handpresse, hatten ein Geschäft errichtet, welches nach dem Tode der Inhaber Hoe & Co.von Hoe 1823 übernommen wurde. Es war damals noch klein, hatte aber, als Robert Hoe 1832 aus demselben trat, einen bedeutenden Umfang erreicht. Sein ältester Sohn Richard M. Hoe und dessen Vetter Matthias Smith, welche seit 1823 Teilhaber des Geschäfts gewesen waren, übernahmen es nun ganz für sich. Smith, ein Mann von ungewöhnlichen Fähigkeiten, starb 1842 und Robert Hoe Jun. und Peter Smith Hoe nahmen seine Stelle ein.
Die Blitzpresse.
Im Jahre 1846 wurde die epochemachende Maschine mit rotierendem Cylinder: The type revolving printing oder Lightning Press (Blitzmaschine) gebaut. Die Schriftform ist auf einem grossen horizontalen Cylinder angebracht, um den sich 4–10 Druckcylinder bewegen, deren Anordnung je nach der Zahl derselben sich richtet. Bei der zehnfachen Maschine, wie sie in den Offizinen der Times und der Daily News arbeiteten, sassen die Anleger vier Etagen über einander. Die Bänderleitung war weniger kompliziert, als bei den Applegathschen Maschinen, weil die horizontal eingelegten Bogen in dieser Lage verblieben. Der grosse Cylinder hatte einen Durchmesser von 4½ Fuss englisch. Die Länge der Maschine war 35 Fuss, die Breite 12 Fuss und die Höhe 18 Fuss. Die Leistungsfähigkeit betrug gegen 25000 Exemplare. Der Anblick in der Offizin der Daily News, wo zwei solche Maschinen gleichzeitig arbeiteten, war wahrhaft sinnverwirrend, wenn die zwanzig grossen Bogen auf einmal in der Luft herumschwirrten[45].
Isaak Adam.
Der Beifall, welchen diese und andere ihrer Maschinen erhielten, spornte Hoe & Co. zu noch grösseren Anstrengungen an. Nicht zufrieden mit den eigenen Erfindungen kauften sie auch noch von Isaak Adam aus Boston dessen mehr als fünfzig Patente für Hand- und Schnellpressen. Dieser war der älteste Pressenbauer Amerikas, der 1830 die Tiegeldruck-Maschine gebaut hatte, welche in Amerika noch viele Freunde besitzt. 1861 eröffneten Hoe & Co. auch ein Etablissement in London, namentlich um dort bequemer die Reparaturen und Verbesserungen an ihren vielen in England verbreiteten Maschinen ausführen zu können. Ein zweites Etablissement in New-York wurde 1870 eingerichtet und Hoes beschäftigten damals bereits 1000 Arbeiter. Ihr Katalog beweist den enormen Umfang ihrer Fabrikation, unter welchen die Billet- und Nummeriermaschinen für mehrfarbigen Druck einen hohen Rang einnahmen[46].
Die „Endlosen“.
Doch auch die Wundermaschinen Hoes gehören der Vergangenheit an und wurden durch die eigenen späteren Leistungen, zuerst aber durch die Rotationsmaschine für endloses Papier des Amerikaners Bullock in Schatten gestellt. Es wäre zwar anzunehmen gewesen, dass man bei der erreichten Arbeitsschnelligkeit Beruhigung gefasst habe. Jedoch weit gefehlt, denn man betrachtete das Geleistete nur als eine Abschlagszahlung. Die mit der Handhabung der grossen Schriftformen verbundene Gefahr war noch eine bedeutende und es gehörten immer noch zur Bedienung einer grossen Hoeschen Maschine 18 Personen. Die Arbeiterbewegungen hatten aber gezeigt, wie wünschenswert es sei, bei Unternehmungen, wo Viertelstunden entscheiden, von menschlicher Beihülfe oder Missgeschick der Arbeiter unabhängig zu sein. Die Aufmerksamkeit richtete sich deshalb auf möglichste Selbstthätigkeit der Maschine, die schliesslich in der „Endlosen“[47] in Verbindung mit der Segment-Papierstereotypie das Ideal erreichte. Zwanzig Minuten nach Fertigstellung der letzten Satzform einer Zeitung sind die segmentförmigen Stereotypplatten auf dem Satzcylinder befestigt. Mit einer Schnelligkeit, welche die Lieferung von 200 fertigen Nummern in der Minute ermöglicht, wird das endlose Papier von der Rolle abgewickelt, erst durch die Feuchtwalzen, dann zwischen die Satz- und Druckcylinder geführt, durch den Schneideapparat von der Rolle in einzelnen Bogen abgetrennt, dem Falzapparat übergeben und zum Versenden gefalzt; thatsächlich ohne eine weitere menschliche Beihülfe als die der Burschen, welche die zum Versand fertigen Haufen wegzuschaffen haben.
Bedenkt man nun, dass eine Endlose, wie sie in der Times-Offizin gebaut wird, in einer Stunde eine Papierlänge von zwei deutschen Meilen auf zwei Seiten druckt, faktisch also 4 Meilen Gedrucktes in der Stunde liefert, man demnach mit zwei solchen Maschinen und einem doppelten Exemplare von Stereotypen in wenigen Stunden 100000 Exemplare von einer grossen Zeitung beschaffen kann, so sollte man meinen, ein non plus ultra erreicht zu haben; doch selbst diese Schnelligkeit ist bereits übertroffen worden.
Ursprünge der Endlosen.
Wer zuerst eine mehr als allgemeine Idee der Endlosen gefasst hat, ist schwer zu sagen. Den Gedanken deutet schon der Erfinder der Schnellpresse selbst an. In England hat man früher die Priorität der Erfindung für die Firma Nelson & Sons in Edinburgh in Anspruch genommen, ein Modell ihrer projektierten Maschine befand sich auf der Londoner ersten Weltausstellung 1851. Auf der Caxton-Ausstellung 1877 waren jedoch Überreste eines Modells zu sehen, Rowland Hill * 3. Dezbr. 1795, † 27. Aug. 1879.welches der berühmte englische General-Postmeister Sir Rowland Hill 1835 hatte anfertigen lassen. Seine Maschine war darauf eingerichtet, dass keilförmige Typen oder gebogene Clichés auf einem Cylinder angebracht wurden und dass ein endloser Bogen zwischen den Schrift- und den Druckcylinder geführt wurde, wie bei den jetzigen Rotationsmaschinen. Die Maschine ward patentiert, in Chancery-Lane aufgestellt und von kompetenten Richtern sehr günstig beurteilt. Die Regierung gestattete jedoch nicht den Druck des damals noch bestehenden Stempels bei dem Durchgang des Bogens mit vorzunehmen, und die Sache unterblieb; ob allein aus diesem Grunde, wird wohl jetzt schwer zu entscheiden sein. Was die endlosen Pressen Auers betrifft, so verhielten sie sich zu den jetzigen wie chinesischer Tafeldruck zur Typographie Gutenbergs (vgl. Kap. XIV). Die Amerikaner behaupten, dass schon um das Jahr 1840 J. B. Wilkinson eine Endlose erfunden habe.
Will. Bullock * 1813, † 1867.
Auch wenn dies nicht wäre, gebührt jedenfalls doch einem Amerikaner William Bullock die Ehre, dem Gedanken zuerst eine praktische Lösung gegeben zu haben.
Derselbe war zu Greenville geboren. In Philadelphia lernte er als Eisengiesser und Maschinenbauer. 1849 gründete er dort eine Zeitung und baute 1853 für den eigenen Bedarf eine Holzpresse mit einem mechanischen Zubringer des Papiers. Schrittweise wurde er nun zu seiner Erfindung geführt, auf welche er am 14. April 1863 Patent erhielt. Seine Maschine ist in Amerika sehr geschätzt, hat aber in England keinen besonderen Beifall gefunden und ist auf dem Kontinent gar nicht eingeführt. Er verunglückte bei Prüfung einer seiner Maschinen.
Times-Presse.
Die eigentliche Aera der Endlosen datiert von der Erbauung der „Walter-Maschine“. Es war eine Wiederholung der Scene von 1814. Bereits lange zirkulierten mysteriöse Gerüchte von einer neuen Wundermaschine, die in der Times-Offizin gebaut werde. Aber es gelang niemand, durch den dichten Schleier zu dringen, mit welchem die Vorbereitungen bedeckt waren. Nicht einmal die ältesten Maschinenmeister oder die Vertrauensmänner im Geschäft bekamen Erlaubnis, den streng verschlossenen Raum zu betreten, in welchem das neue Wunder zusammengesetzt wurde, bis der Tag anbrach, an welchem es seine Pflicht zum erstenmal erfüllte. Der Constructeur war der erste Ingenieur der Offizin J. C. Macdonald, im Verein mit J. Calverley. Die Presse erhielt, dem Besitzer zu Ehren, den Namen „Walter-Presse“[48].
Prinzip der „Endlosen“.
Wenn auch die Lage der Cylinder und die Reihenfolge der Funktionen bei den verschiedenen Systemen eine verschiedene ist, so bleibt doch das Prinzip dasselbe. Das Papier wird von der Fabrik auf eine Rolle gewickelt geliefert; die Zapfen der Rolle drehen sich leicht in den Lagern, in welche sie eingelegt werden, so dass das Papier, wenn einmal den Cylindern zugeführt, durch den Zug der sich drehenden Cylinder von der Rolle abgewickelt wird. Der Streifen passiert (wenn das Papier nicht durch eine besondere Vorrichtung im voraus gefeuchtet wurde) einen Feuchtapparat, wird erst auf der einen Seite gedruckt und dann durch eine S-förmige Bewegung auf den Widerdruckscylinder geführt. Während des ferneren Passierens des Papiers zwischen den Schneidewalzen hindurch wird es derartig perforiert, dass die Löcher sich dicht an einander reihen, so dass das Stück, welches einen Bogen bildet, durch den Ruck, welchen Leitbänder, die mit ungleicher Schnelligkeit sich bewegen, hervorbringen, von der Rolle abgetrennt wird. Der fächerartige Selbstausleger legt nun die Bogen entweder einzeln oder mehrere zusammen auf einen Haufen, oder sie werden, wenn eine Falzmaschine, wie es gewöhnlich der Fall ist, zugleich mit der Druckmaschine verbunden ist, dieser zugeführt und fallen, wie Stroh aus der Dreschmaschine, fertig zum Versenden in einen Behälter. Dabei nimmt eine solche Maschine sehr wenig Raum ein; eine Walter-Maschine erfordert 14 engl. Fuss Länge, 5 Fuss Breite.
Segmentförmige Clichés.
Selbstverständlich gehören zu dieser Maschine segmentförmige Clichés. Boden und Decke des hierzu erforderlichen Giessinstrumentes liegen wie in den für flache Stereotypen bestimmten, parallel, jedoch nicht in der Ebene, sondern in einer Bogenform. Die biegsamen Papiermatern schmiegen sich an den Boden des gerundeten Giessinstrumentes an, der Deckel wird zugemacht und die Platte in üblicher Weise gegossen, voll, oder, wenn der Deckel des Giessinstrumentes darauf eingerichtet ist, nur auf Rippen ruhend. Um den nötigen Druck beim Eingiessen des flüssigen Schriftmetalls auszuüben, ist ein starker Anguss notwendig, dessen Beseitigung durch eine Kreissäge jedoch nur Sache eines Augenblicks ist. Die Justierung des Clichés geschieht ebenfalls in einer Minute oder weniger durch eine Hobelmaschine und die Platte ist zum Einsetzen in die schwalbenschwanzförmigen Halter des Schriftcylinders fertig. Ein Nachteil bei der Papier-Stereotypie ist, dass die Typen beim Trocknen der Matern heiss werden und zusammenbacken. Ryles & Son in Bradford haben nun eine Methode erfunden, die Mater, welche im feuchten Zustande von der Schrift abgehoben wird, in einem besonders konstruirten Rahmen festzuhalten und für sich ohne die Schrift zu trocknen.
Verschiedene „Endlose“.
Der Walterpresse folgte die „Victoriapresse“[49] von Duncan & Wilson in Liverpool. Diese, namentlich in der Provinz beliebte Maschine war die erste, die mit Falzapparat arbeitete; dann kam die „Prestonian“ der Herren Bond & Forster, welche sowohl für Platten- als für Schriftdruck eingerichtet ist; die „Northumbrian“ von Donnison & Son in Newcastle u. T.; die „Whitefriars“ des Jos. Pardoe, gebaut von A. H. Payne, die sowohl für Papier in Bogen als für endloses sich benutzen lässt und namentlich für illustrierte Blätter bestimmt ist.
In Amerika folgten Hoe & Co. und überboten an Leistungsfähigkeit ihrer Maschinen die Engländer. Die Fabrikate von Andr. Campbell sind neueren Datums und noch nicht recht in die Praxis gedrungen.
„Man möchte glauben, dass die äusserste Grenze erreicht sei, wenn die Erfahrung nicht den Menschen belehrte, nie das Wagnis zu unternehmen, der Vervollkommnung eines Menschenwerkes und den unerforschlichen Absichten der Vorsehung eine Grenze im voraus zu bestimmen“, so schrieb Ambr. Firmin-Didot, als er 1851 die Leistungen der Applegathschen Times-Maschine angesehen hatte. Wie sehr er Recht gehabt, zeigen die enormen Leistungen in der Druckerkunst, die wir seit jener Zeit erlebt haben. Jedoch trotz diesen, wer würde es heute wagen, zu sagen: „Nun ist die Grenze wirklich erreicht“.
Endlose für Illustrationsdruck.
Die Verwendung der Endlosen für Illustrationsdruck gelang bis jetzt in England nicht so gut wie in Deutschland. Die von Thomas Middleton & Co. 1874 für die Offizin der Illustrated London News gebaute, und dem Gründer des Blattes zu Ehren genannte „Ingram-Maschine“ wird zum Druck eines kleinen Blattes The Penny Paper benutzt. Die Konstruktion der Cylinder ist eine eigentümliche. Der vordere, für die Bilderform bestimmte hat einen grossen Umfang und nimmt drei Exemplare der Platten auf, man hat damit erzielen wollen, dass die Clichés nur wenig gebogen werden, damit nicht Verzerrungen in den Bildern entstehen. Der kleinere Cylinder für die Schriftform ist nur mit zwei Exemplaren des Textes belegt, infolge dessen muss sich dieser Cylinder mit ein Drittel grösserer Schnelligkeit bewegen, als der grosse. Diese Maschine lieferte 7000 Exemplare und ist, da die Zurichtung von fünf Formen selbstverständlich viel Zeit kostet, nur bei sehr grossen Auflagen zweckentsprechend.
Für Farbendruck bauten Conisbee & Son in London eine Endlose, die dreifarbigen Druck in 3000 Exemplaren liefert, ebenso D. F. Powell. In Chicago fabrizierten Suitterlin Claussen & Co., in Philadelphia T. O. Ferree Vielfarbemaschinen[50].
Die Tretpresse.
Wie die Extreme sich so oft berühren, so geschah es auch in dem Druckpressenbau, denn neben den ganz grossen Zeitungsmaschinen waren es namentlich die ganz kleinen, welche durch Treten in Bewegung gesetzt werden können und nur einen Arbeiter, in der Regel einen Burschen, zur Bedienung verlangen, welche die Aufmerksamkeit der Maschinenbauer in Anspruch nahmen.
Es war ganz natürlich, dass man besonders in den Ländern, wo der Spruch „Zeit ist Geld“ seine volle Gültigkeit hatte, und wo die Zahl der kleineren Accidenzarbeiten sich ins Kolossale steigerte und viele Druckereien sich ausnahmslos nur mit solchen „Job-Arbeiten“ beschäftigten — also in Amerika und England —, an diese kleinen Maschinen dachte. Man hatte nicht, wie in Deutschland, Zeit abzuwarten, bis ein Drucker an der Handpresse mit seinen langwierigen Vorbereitungen fertig war, um hundert Visitenkarten zu drucken, auch nicht Lust, deshalb eine 5000 Mark oder mehr kostende Maschine, deren Karren einen weiten Weg hin und zurück zu machen hatte, in Bewegung zu setzen. So entstand in England und Amerika eine Legion solcher Tretpressen unter verführerischen Namen, als: Universal, Nonpareille, Minerva, Non plus ultra, Franklin, Excelsior, Progress, Lilliput, Favorit, Star etc. etc. Die Bahn hatten zwei Deutsche, Degener & Weiler, in New-York mit ihrer Liberty-Press gebrochen. Die auf dem Kontinent verbreitetsten Tretpressen dürften jetzt neben den Degener & Weilerschen die „Gordon-Pressen“ sein. Trotz einiger, diesen kleinen Maschinen anhaftenden Mängel haben sie doch in zweckmässigster Weise eine bedeutende Lücke im Druckgewerbe ausgefüllt. Ein Kabinettstück unter den kleinsten Maschinen ist Mausel Baylys Kombinationspresse. Der Umstand, dass diese kleinen Pressen, welche ganz die Handpressen verdrängt haben, zum Nachteil des geregelten Druckgeschäfts in die Hände der sogenannten Trittmüller — kleine Papierhändler, Buchbinder und andere Nichtbuchdrucker — gefallen sind, hat sie in einen unverdienten üblen Ruf gebracht. Das Prinzip der Endlosen ist in geistreicher Weise durch Tiegeldruck auf diese kleinen Maschinen in der Kidder-Press mit feststehendem Tiegel und hin- und hergehender Schriftform zur Anwendung gebracht.
Die beim Druck von Wertpapieren so notwendigen Numeriermaschinen wurden von Bodel so konstruiert, dass sie die Nummern erhaben pressen und von beiden Seiten verschiedenartig färben.
Ausleger und Anleger.
Eine wesentliche Verbesserung bei den gewöhnlichen Schnellpressen waren die rechenförmigen Mechanischen Ausleger, die mit ihren, sich zwischen den Leitbändern auf- und niederbewegenden Rechen die Bogen von den Leitbändern wegnehmen und auf den Auslegetisch niederdrücken. Diese Verbesserung hat allgemeinste Verbreitung gefunden, was dagegen weniger mit den Mechanischen Anlegern der Fall ist. Die Schnelligkeit der Hand des Anlegenden hat eine Grenze, die sich nicht überschreiten lässt. Man suchte deshalb nach dem Mittel, die Hand entbehrlich zu machen, und kam auf den Gedanken, durch luftleer gemachte, in schwingender Bewegung sich befindende Saugröhren einen Bogen von dem Haufen ansaugen zu lassen, den man dann, wenn die Röhren bei ihrer Bewegung sich in der richtigen Lage über dem Anlegetisch befinden, durch Einführung von Luft zum Niederfallen bringt. Um zu verhindern, dass die Saugröhren zu gleicher Zeit zwei an einander anklebende Bogen von dem Haufen aufheben, wird durch einen zweiten Apparat Luft zwischen den obersten und den darauf folgenden Bogen eingelassen. Der erste Erfinder war J. F. Ashley in New-York.
Satiniermaschine.
Bei jedem Maschinenpapier ist die Seite, welche mit dem Drahtgewebe, auf welches der Lumpenbrei ausfliesst, in Berührung gewesen, rauher, als die obere, was schon bei jeder Druckarbeit eine Unannehmlichkeit war. Noch nachteiliger wirkten jedoch die Unebenheiten und Unreinlichkeiten im Papier auf die feineren Schriften, namentlich aber auf die Holzschnitte. Um nun dem Papier eine vollkommen glatte Oberfläche zu geben, kam man frühzeitig auf den Gedanken, nach dem Feuchten, aber vor dem Druck, jeden Bogen einzeln zwischen Zinkplatten zu legen und diese dann, 10–20 übereinandergelegt, unter starkem Druck zwischen zwei Hartgusswalzen durchzudrehen. Diese Manipulation mit der Satiniermaschine war langwierig und teuer, namentlich weil die Zinkplatten (Satinierbleche) sich leicht abnutzten und Nachlässigkeit der Arbeiter leicht das Papier verdarb. Die Versuche jedoch, die Bogen einzeln zwischen die sich drehenden Cylinder zu führen, gelangen erst in letzter Zeit (vgl. Kap. X).
Um nach dem Druck ein stärkeres Glätten als durch die übliche Glättpresse möglich war, zugleich um ein schnelles Trocknen der feuchten Bogen zu erzielen, bauten Furnival & Co. in Manchester nach Gills Patent eine Presse, die den Bogen zwischen zwei, mittels Dampfes erhitzte Stahlcylinder führt. Die Gefahr, welche durch das Abschmutzen der frisch gedruckten Bogen auf die Walzen droht, wird durch einen vorzüglichen Reinigungsapparat beseitigt. Die Ein- und Ausfuhr der Bogen geschieht auf endlosen Bändern.
Das heisse Glätten.
Das heisse Glätten des Papieres soll vor neunzig Jahren durch Thomas Turnbull erfunden sein, der an einer Presse beschäftigt war, in welcher Tuch durch heisse Cylinder gepresst wurde. Als nach dem Tode des Prinzipals die Witwe ein Zirkular an die Kundschaft druckte, missfiel die Rauheit des Druckes Turnbull und er glättete die Bogen, indem er sie zwischen glatte Pappen legte und durch die Tuchwalzen gehen liess. Die Resultate waren so befriedigend, dass er in London ein Geschäft eröffnete, um für die Buchdruckereien die Arbeiten zu glätten. Die Frage, ob das heisse Glätten im ganzen von Vorteil ist, kann noch nicht als entschieden betrachtet werden; ein Nachteil ist jedenfalls, dass jede kleinste Unreinlichkeit in dem Papier durch den starken Druck breitgequetscht und das Papier leicht verunstaltet wird.
Eine Trocken- und Glättpresse von J. W. Jones in Harrisburg (Pennsylvanien) trocknet, glättet und falzt von der Schnellpresse weg 6000 Bogen in der Stunde.
Die gewöhnliche Glättpresse erhielt durch Boomer & Borchert in London eine wesentliche Verbesserung. Ihre Presse ist sehr leicht zu handhaben und soll an Wirkung noch die hydraulische Presse übertreffen.
Feuchtapparate.
Das Feuchten des Papiers mit der Hand war bei den grossen Zeitungsbogen und den grossen Auflagen fast eine Unmöglichkeit geworden. Grössere Druckereien schafften deshalb Mechanische Feuchtapparate (Hoe & Co., Harrild & Sons) an, die das Papier entweder zwischen nassen, mit Filz überzogenen Walzen hindurchgehen liessen oder durch einen Sprühregen benetzten. Für feinere Arbeiten bleibt das Handfeuchten vorzuziehen, da man es, je nach der Beschaffenheit des Papiers und den sonstigen Verhältnissen, mehr in seiner Macht behält, das Feuchten rationeller zu betreiben. In Amerika wird sehr viel auf ungefeuchtetes Papier gedruckt, was für diejenigen, welche einen Spiegelglanz des Papieres lieben, als ein Vorteil erscheinen mag.
Die Bronciermaschine.
Bei einer grossen Anzahl von feinen Accidenzarbeiten kommt bekanntlich das Broncieren in Anwendung. Bronciermaschinen erleichtern diese Arbeit nicht allein, sondern sie verhindern auch das der Gesundheit so nachteilige, mitunter sogar tödlich wirkende Einatmen des Broncestaubes. Das Prinzip ist, die ganze Arbeit in einem verschlossenen Behälter durch ein System von Bürsten und Wischern vollziehen zu lassen, so dass die Arbeit vollständig fertig aus dem Behälter herauskommt[51]. Eine ähnliche Maschine von E. A. Clowes & John Baley verrichtet das der Gesundheit ebenfalls sehr nachteilige Einbürsten der zu galvanisierenden Matern mit Graphitstaub.
Die Falzmaschine.
Die bei der Schnellproduktion so wichtigen Falzmaschinen fanden namentlich in Amerika Beachtung. Sie wurden dort von Cyrus Chamber eingeführt, der, im Verein mit seinem Bruder Edwin, 1856 eine Fabrik in Philadelphia unter der Firma Chambers Brothers & Co. errichtete. Nach vielen Versuchen gelangten sie zu guten Resultaten und bauten im Jahre 1870 nach etwa 40 verschiedenen Systemen. Eine Maschine z. B. falzt einen und einen halben Bogen in einander, kleistert, heftet und beschneidet sie. Sehr verbreitet ist seit 1863 die Zeitungsfalzmaschine von S. C. Forsaith & Co. in Manchester in den Vereinigten Staaten, die sich für verschiedene Formate stellen lässt.
Verschiedene Hülfsmaschinen.
Weitere Erleichterungen gewähren die Buchheftmaschinen (Wheeler & Wilson) und die Zusammentragemaschine (Howe). Letztere ist in der Art der Kinder-Karussels gebaut. Auf einem sich drehenden Tisch, vor dem der Komplettierer steht, liegen die Bogenhaufen der Reihe nach und werden im Vorbeipassieren einer nach dem andern von dem Komplettierer ergriffen.
Von den unendlich vielen Hülfsmaschinen seien nur noch erwähnt die Couvertmaschine (G. Tidcombe & Son, J. Wilkinson; C. Godall & Son) und die Schneidemaschine. Spezialisten für letztere sind Furnival & Co. in Manchester, die sie in grosser Vollkommenheit bauen. Das Ingangsetzen des Messers, der Schnitt eines Ries Papiers und das Zurückgehen des Messers in seine erste Lage dauert nur vier Sekunden. Überhaupt ist die Fabrik Furnival berühmt wegen der Vortrefflichkeit aller ihrer Hülfsmaschinen, deren Fabrikation in ausgedehntester und rationellster Weise betrieben wird.
Die Utensilien.
Wie aus dem obigen hervorgeht, fehlt es an erleichternden Mitteln nicht, und doch war es nur möglich, das Hauptsächlichste zu erwähnen. Sowohl Hülfsmaschinen als Utensilien werden jährlich vermehrt und verbessert. Nicht wenig erleichtert ist die Anschaffung derselben durch die Utensilien-Geschäfte, welche alle notwendigen Gegenstände von der Ahle ab und bis zu der grössten Schnellpresse liefern, ja selbst die Einrichtung vollständiger Druckereien übernehmen, so dass der Besteller nur unter Angabe der besonderen Orts- und Geschäfts-Verhältnisse den Preis bestimmt, alles andere dem Lieferanten überlassend[52].
So bedeutend auch der Fortschritt von dem Ballen und der Lederwalze zu der Massenwalze war, so litt die letztere doch unter wesentlichen Mängeln, namentlich war ihre Brauchbarkeit sehr von der Temperatur und der Witterung beeinflusst. Zu Zeiten schwanden die Walzen, dann wurden sie hart wie Stein, bald nahmen sie, wenn sie zu feucht waren, die Farbe nicht an, bald wurden sie so weich, dass sich die Form mit Walzenmasse vollschmierte, bald mussten sie am Ofen oder mittels brennender Fidibusse erwärmt, bald mit Sägespänen abgerieben, geschabt, gewaschen, schliesslich, unter Ersatz der klumpig gewordenen Masse durch neue, umgegossen werden. Waren die lokalen Verhältnisse nicht besonders günstig, so konnte man wohl rechnen, dass der zehnte Teil der Arbeitszeit durch Pflege der Walzen verlorenging.
Englische Walzenmasse.
Diesen Übelständen ist durch die Englische Walzenmasse, die hauptsächlich aus Gelatine und Glycerin besteht, abgeholfen. Jede Fabrik solcher behauptet, im Besitz von geheimen Rezepten zu sein; das hauptsächlichste Geheimnis besteht wohl darin, das vorzüglichste Material zu nehmen und alle wässerigen Teile daraus zu scheiden. Ohne solche Walzen würden der vollen Ausnutzung der Rotationsmaschinen bei der starken Reibung und dem schnellen Gang immer noch grosse Schwierigkeiten erwachsen.
Eine weitere Verbesserung sind die Lanham-Walzen. Waren sie anfänglich nur für lithographische Schnellpressen bestimmt, so liefert der Erfinder jetzt auch ein Fabrikat für typographische Maschinen, das sich vorzüglich bewährt. In der Offizin des Daily Telegraph druckt jede Hoesche Maschine stündlich 1000 Exemplare mehr seit Verwendung der Lanham-Walzen. Der Hauptbestandteil derselben ist vulkanisierter Kautschuk, der wieder mit einem in besonderer Weise präparierten Kautschuk-Überzug versehen ist.
Die Farbenfabrikation.
Nachdem die Druckereien aufgehört hatten, ihre Farbe selbst zu fabrizieren, entstanden Etablissements, die sich ausschliesslich mit dieser Fabrikation beschäftigten, deshalb auch imstande waren, rationell zu fabrizieren und gute Farben billig zu liefern. Auch hier standen die englischen Fabrikate obenan, und es gab eine Zeit, bis um das Jahr 1840, wo in Deutschland kein illustriertes, oder selbst ein in der Ausstattung nur einigermassen hervorragendes Werk mit anderer Farbe als der von Parson oder Lawson gedruckt werden durfte. Ist die englische Farbe auch jetzt ziemlich vom Kontinent verdrängt, so behauptet sie doch ihren guten Ruf. Sie zeichnet sich durch ihren tiefen, etwas ins Bläuliche spielenden Ton aus, der ausserordentlich schön ist, den Illustrationen jedoch etwas Kaltes giebt. Die bedeutendsten Fabrikanten sind Parsons, Fletcher & Co. in London und A. B. Fleming & Co. in Leith, wohl die grösste Farbenfabrik der Welt.
Fußnoten:

III. KAPITEL. DIE TYPOGRAPHIE UND DAS BUCHGEWERBE ENGLANDS.
England. Aufblühen der Typographie: J. Baskerville, Bowyer Vater und Sohn, J. Nichols, Miller-Ritchie, W. Bulmer, Th. Bensley, Hansard Vater und Sohn. Die Xylographie: Thom. Bewick. Der Farbendruck: G. Baxter, W. Savage, W. Congreve. Oxford, Cambridge, Edinburgh u. a. Die Zeitungspresse: Die Times und die Familie Walter; Stempel; Telegraphischer Verkehr; Inseratenwesen; Statistisches. Der Accidenzdruck. Der Buchhandel: die illustrierten Blätter, Ch. Knight. Der Bibeldruck. Die Bibliophilie: Lord Spencer, T. F. Dibdin. Die Buchbinderkunst.
Asien: Indien, China, Japan, der Indische Archipel. — Australien, die Südseeinseln. — Afrika.
John Baskerville * 1706, † 8. Jan. 1775.

ALS der eigentliche Schöpfer der neueren englischen Typographie gilt John Baskerville, 1706 in Wolverley in Worcestershire geboren. Im Jahre 1726 leitete er eine Schreibschule in Birmingham; 1745 übernahm er ein Lackiergeschäft, durch welches er viel Geld verdiente. Seine Neigung war jedoch der Buchdruckerei zugewandt. Von der Universität Cambridge erhielt er die Erlaubnis, eine Bibel in Folio und zwei Ausgaben des Common Prayer Book zu drucken, gegen Zahlung einer Abgabe an die Universität von 20 resp 12 £ Sterl. für je 1000 Exemplare und an die Stationers Company weitere 12 £ Sterl. für die Erlaubnis, seinen Ausgaben die Psalmen anzufügen. Zu seinen berühmtesten Druckwerken gehören die Ausgaben des Virgil in 4° und in 12°, sowie sein Horaz von 1762. Baskerville wendete seinen Arbeiten eine unausgesetzte Aufmerksamkeit zu. Er bereitete selbst seine Farben und baute selbst seine Pressen. Namentlich waren seine schönen Buchschriften, ganz besonders seine Cursivschriften, berühmt. Auch dem Papier und dessen Behandlung widmete er die grösste Sorgfalt, die gedruckten Bogen wurden einzeln zwischen zwei erwärmten Kupferplatten gepresst. Jetzt ist jedoch das Aussehen seiner Drucke keineswegs schön, mutmasslich hat unrichtige Behandlung bei der warmen Pressung nachteiligen Einfluss auf das Papier geübt.
Trotz aller Liebe zur Kunst wurde doch Baskerville derselben müde und erklärte, er bereue es bitter, je ihre Ausübung angefangen zu haben. Seinem letzten Willen gemäss wurde er in seinem Grundstück in ungeweihter Erde unter einer Windmühle begraben.
Nachkommen hinterliess Baskerville nicht. Seine Witwe hörte schon 1775 zu drucken auf, setzte aber die Schriftgiesserei noch bis 1777 fort. So viele Vorzüge auch Baskervilles Schriften besassen, so fanden sie doch nicht allgemeinen Beifall bei dem englischen Publikum, das den Schriften Caslons und Jacksons den Vorzug gab. Sie lagen nun als tote Masse da, bis der bekannte Beaumarchais in Paris sie im Jahre 1779 um den Preis von 3700 £ Sterl. kaufte; die Universität Cambridge hatte die angebotene Erwerbung abgelehnt.
W. Bowyer d. ä. * 1663, † 1737.
Ein grosses Ansehen als einer der gelehrtesten, tüchtigsten und bravsten Buchdrucker erwarb sich William Bowyer d. j. Bereits sein Vater Will. Bowyer d. ä. besass einen höchst geachteten Namen. Er hatte 1686 ein Verlagsgeschäft, 1699 eine Buchdruckerei begründet. Wie gross die Achtung war, die er genoss, zeigte sich, als sein Geschäft in der Nacht vom 29. zum 30. Januar 1712 vollständig durch Feuer zerstört wurde. Durch rasche Subskription deckten Freunde und Konkurrenten mehr als die Hälfte des ihm entstandenen Schadens von 5000 £ Sterl.
W. Bowyer d. j. * 19. Dez. 1699, † 18. Nov. 1777.
Der Sohn William Bowyer d. j. studierte in Cambridge, wo er von 1716–1722 mit litterarischen Arbeiten und Korrekturen wissenschaftlicher Werke beschäftigt war. Dann trat er in das Geschäft des Vaters und fuhr fort, den mehr litterarischen Teil desselben zu besorgen, worin ihn seine zweite Frau, Elizabeth Bill, vortrefflich unterstützte. 1729 wurden Bowyer die Arbeiten des Unterhauses übertragen, die er fast 50 Jahre lang lieferte[53].
John Nichols * 15. Juli 1779, † 26. Mai 1826.
Im Jahre 1766 hatte Bowyer John Nichols zum Teilhaber genommen. Dieser hatte bei Bowyer gelernt und sich so gut betragen, dass Bowyer die Hälfte des Lehrgeldes an den Vater Nichols' zurückzahlte. Aus dem Lehrherrn und dem Lehrling wurden Freunde und Associés. Nach Bowyers Tod behielt Nichols das Geschäft allein. Er war nicht nur Erbe der Tüchtigkeit und Gelehrsamkeit seiner Vorgänger, sondern auch von deren Unglück, denn am 8. Februar 1808 war wieder das Feuer Verheerer alles dessen, was seit fast hundert Jahren, seit dem ersten Brande, an Verlag, seltenen Büchern, Druckmaterial u. s. w. gesammelt war. Nichols war jedoch nicht der Mann, den Mut zu verlieren. Mit seinem Sohne und Associé, der den Zunamen Bowyer angenommen hatte, richtete er alles aufs neue ein. 1804 war er Vorsteher der Stationers Company geworden und hatte damit das Ziel seines geschäftlichen Ehrgeizes erreicht. Seit 1806 beschäftigte er sich zumeist mit litterarischen Arbeiten.
Will. Strahan * 1715.
William Strahan kaufte einen Teil des Patentes eines königlichen Buchdruckers, erwarb für so hohe Honorare, wie sie selten bezahlt worden waren, die Verlagsrechte von Arbeiten der hervorragendsten Autoren seiner Zeit und ward 1774 Vorsitzender der Stationers Company. Er stand zu einer Reihe von bedeutenden Persönlichkeiten in naher Beziehung, unter anderen zu Franklin, mit Andr. Strahan † 1831. Thom. Spilburydem er in London zusammen gearbeitet hatte. Noch in einem seiner letzten Briefe an Strahan bespricht Franklin in von der Buchdruckerkunst entlehnten Allegorien und Ausdrücken scherzhaft die Politik. Der Sohn Andrew Strahan trat in die Fussstapfen des Vaters und fand in Thomas Spilbury einen würdigen Nachfolger, der französische Klassiker mit solcher Korrektheit druckte, dass sie selbst in Frankreich den französischen Ausgaben vorgezogen wurden.
Miller Ritchie † 28. Nov. 1828.
Die Vervollkommnung des Werkdruckes, in welchem die Engländer so bedeutendes geleistet haben, hat man wesentlich Miller Ritchie, einem geborenen Schottländer, zu verdanken. Er begann seine Laufbahn 1785 mit einer Royal-Oktav-Ausgabe der englischen Klassiker, für welche zum erstenmale das gelblich gerippte Papier Whatmans benutzt wurde. Eine Quartbibel in zwei Bänden folgte. Wie Baskerville hatte er schwer mit dem alten Schlendrian der Arbeiter zu kämpfen und oft musste er zu den Druckerballen greifen, wenn er einen ihn befriedigenden Druck haben wollte[54]. Er fand jedoch zwei mächtige Bundesgenossen für seine Bestrebungen in dem Papierfabrikanten Whatman und dem Farbefabrikanten Blackwell, wie überhaupt das vortreffliche Papier und die gute englische Farbe ausserordentlich viel zu dem Übergewicht englischer Werkdrucke beigetragen haben. Trotz seiner Tüchtigkeit, oder vielleicht eben weil er die Vorzüglichkeit der Arbeit höher stellte als den Gewinn, konnte Miller Ritchie keine unabhängige Stellung behaupten.
Will. Bulmer * 1754, † 1830.
Als ein würdiger, zugleich glücklicherer Nachfolger in denselben Bestrebungen muss William Bulmer genannt werden, dessen Name mit dem Schönsten und Korrektesten verbunden ist, was die Buchdruckerkunst Englands, die durch ihn auf die höchste Stufe der Vollendung gebracht wurde, aufzuweisen hat. Bulmer, in Newcastle geboren, wurde während seiner Lehre dort mit dem später so berühmten Holzschneider Thomas Bewick, für den er die Probedrucke besorgte, bekannt und brachte ihn auf den Gedanken, die Holzschnitte abzuflachen, so dass die leichteren und verschwindenden Stellen tiefer zu liegen kamen, wodurch der Abdruck eines Holzschnittes, selbst ohne jede Zurichtung, sich in den richtigen Abstufungen der Farbentöne zeigt. Durch einen Zufall kam er in Verbindung mit dem Buchhändler George Nicol, der eine grosse Prachtausgabe von Shakespeares Werken vorbereitete, die in artistisch-typographischer Hinsicht alles übertreffen sollte, was bis dahin geliefert war. Das Werk, 9 Bände Folio und ein Band Kupfer (1794–1801), wurde in Bulmers Offizin, genannt Shakespeare-Press, gedruckt mit Schriften, die von William Martin in Birmingham geschnitten waren. Der Druck des Werkes, das im Jahre 1794 begonnen wurde und allein wohl mehr Bogen enthielt, als alle Bodonischen Prachtausgaben zusammen, ist von unübertroffener Gleichmässigkeit; der letzte Bogen sieht genau aus wie der erste. Neben diesem Werk ist die grosse Ausgabe von Milton, 3 Bände Folio, zu erwähnen, die typographisch vielleicht noch höher als die von Shakespeare steht; dann die Ausgabe von Goldsmith und Parnell. 1798–1803 wurde das prachtvolle Museum Worsleyanum, zwei Bände Folio, gedruckt, auf welches Richard Worsley 27000 £ Sterl. verausgabte und das nie in den Handel kam. Aus der Reihe der grossartigen Druckwerke Bulmers nennen wir noch Dibdins Typographical Antiquities und die Bibliotheca Spenceriana, wohl das brillanteste bibliographische Werk, das existiert. Ein Meisterstück der Bulmerschen Pressen ist ferner Dibdins Bibliographical Decameron mit einer grossen Anzahl von Vignetten. Er druckte auch 1808 Wilkins Sanskrit Grammar, ein Quartband von 662 Seiten in prachtvoller Ausstattung. 1819 zog er sich ganz vom Geschäft zurück, das auf Will. Nicol, den Sohn seines Freundes, überging. Auch Bulmer wurde vortrefflich durch Whatman und ausserdem durch den Holzschneider Bewick unterstützt. Als der bedeutendste Drucker und Mitarbeiter Bulmers wird Daniel Grimsshaw genannt. Ein Hauptstreben Bulmers war auf eine vorzügliche Farbe gerichtet. Diese lieferte erst Rob. Martin in Newcastle; bei der Unmöglichkeit für diesen, Bulmers Bedarf zu decken, fand letzterer sich veranlasst, selbst die nötigen Einrichtungen zur Gewinnung eines zufriedenstellenden Fabrikates zu treffen.