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Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst. Zweiter Teil

DRITTES BUCH. (continued 2)

Reading edition

Wachstum des Etablissements.

Bei Königs Tod waren im ganzen etwa 60 Schnellpressen ausgeführt. Es ging aber nun so rasch vorwärts, dass im Jahre 1865 die tausendste, am 6. September 1873 die zweitausendste Maschine fertiggestellt wurde, bei welcher Gelegenheit die beiden Brüder den Orden des heiligen Michael erhielten und damit in den Adelstand erhoben wurden. Für das erste 1000 waren 50 Jahre nötig gewesen, während das zweite 1000 nur acht Jahre brauchte. Von den 2000 Maschinen blieben 1243 in Deutschland. Leipzig erhielt davon 265, Stuttgart 117; 392 gingen nach Russland (208 nach St. Petersburg). Die stärksten Abnehmer waren Brockhaus und Teubner in Leipzig, die Staatsdruckerei in St. Petersburg mit je 33 Stück, Cotta mit 32[191]. Das dritte Tausend wurde 1882 voll.

Verbreitung der Königschen Schnellpressen.

Die Schnellpressen König & Bauers zeichneten sich stets durch die grosse Akkuratesse der Arbeit und durch Solidität aus. Die mit Kreisbewegung und Cylinderfärbung versehenen Maschinen erwarben in Deutschland wegen ihres ruhigen Ganges und der Vorzüglichkeit des Farbewerkes ihre Beliebtheit, obwohl sie schwerer zu bewegen und teurer sind, als die mit Eisenbahnbewegung und Tischfärbung. Welches Ansehen die Schnellpressen König & Bauers genossen, beweisen z. B. Bestellungen von 24 Stück auf einmal, darunter acht Zweifarbe-Maschinen, zum Banknotendruck nach Rom und von 20 Stück für die Bank von Frankreich. Die Banknotendruckerei von St. Petersburg beschäftigt vorzugsweise König & Bauerschen Tiegeldruckmaschinen, welche für die feinsten Arbeiten allen anderen vorgezogen werden, obgleich sie einen sehr grossen Raum einnehmen, langsam arbeiten und sehr teuer sind. Eine Eigentümlichkeit der Tiegeldruckmaschine sind die zwei Fundamente, von welchen man nach Belieben beide oder nur eins von beiden benutzen kann. Die Färbung, eine Kombination von Cylinder- und Tischfärbung, ist eine höchst vollkommene.

Die Zweifarbenmaschine.

Vorzüglich sind ebenfalls die Zweifarbe-Maschinen König & Bauers. Wenn sie auch nicht dieselben in die Praxis zuerst einführten, so gebührt ihnen der Ruhm, sie zuerst zur Vollkommenheit gebracht zu haben. Diese Maschinen müssen als eine besonders wertvolle Bereicherung des Materials der modernen Typographie betrachtet werden und fanden rasch eine grosse Verbreitung. Durch sie hat die ebenfalls neue Erfindung der Hochätzung erst ihren vollen Wert erhalten, indem es durch sie möglich geworden ist, farbige Landkarten zu einem solchen Preis zu liefern, dass sie überall Eingang finden können. Auch für die Accidenzarbeiten ist der Nutzen ein hervorragender und die harte Not des richtigen Registers beim Doppeldruck hat nun in manchen Fällen aufgehört.

In neuester Zeit bauten König & Bauer nach dem ursprünglichen Patent von A. H. Payne in Leipzig eine Dreifarben-Maschine, welche jedoch nach der Erwerbung seitens der Fabrik in Oberzell umkonstruiert worden ist. Die gebogenen Galvanos werden auf einem grossen Cylinder angebracht, der den dreimaligen Umfang eines der Druckcylinder hat. Die Maschine liefert in der Stunde sieben bis achthundert Drucke in drei Farben, lässt sich auch für eine grössere Anzahl von Farben bauen und wurde bereits für fünf nach Frankreich angefertigt[192].

Königs Endlose.

Als die „Endlosen“ aufkamen, verhielten König & Bauer sich eine ziemlich lange Zeit abwartend und liessen der Fabrik „Augsburg“ den Vorsprung. Erst als sie, ohne ihre Anstalt wesentlich zu schädigen, nicht zurückbleiben konnten, gingen sie ans Werk, dann aber auch mit der hergebrachten Energie. Sie hielten sich zunächst an die Konstruktion der Victory-Press, deren Cylinder alle in der Ebene liegen. Ihre derartigen Maschinen für die Kölnische Zeitung wurden nach den Angaben des Obermaschinenmeisters E. Bragard hergestellt[193].

Maschinenfabrik Augsburg.

Fr. Reichenbach † Juni 1883.

Nach der Anstalt von König & Bauer hat die Maschinenfabrik Augsburg die grösste Ausdehnung für den Schnellpressenbau in Deutschland gewonnen. Sie wurde von dem erwähnten Neffen Fr. Königs, Fritz Reichenbach, gegründet und ging dann später in die Hände einer Aktiengesellschaft über. Die Anstalt baute namentlich Maschinen mit Eisenbahnbewegung; grosse Verbreitung fanden ihre Zweifarben-Maschinen; sie war auch die erste, welche in Deutschland die Rotationsmaschine für endloses Papier baute und nahm sich namentlich die Walter-Presse als Vorbild. Das erste Exemplar wurde in der Spaarmannschen Offizin in Oberhausen aufgestellt. Bis 1880 hatte die Augsburger Fabrik 65 Rotationsmaschinen in 38 Formaten und nach 21 verschiedenen Konstruktionen gebaut, von denen 46 im eigentlichen Deutschland, 14 in Österreich-Ungarn blieben, eine nach Batavia ging. Ihr gelang es auch (1879) zuerst in zufriedenstellender Weise diese Maschinen für den Illustrationsdruck herzustellen. Auf dreien derselben, welche je 4000 Exemplare stündlich liefern, werden die Hallbergerschen illustrierten Blätter mit bestem technischen Erfolg gedruckt. Die Rotationsmaschine hat im allgemeinen in Deutschland eine viel schwierigere Aufgabe als in England. Teils ist das deutsche Papier für gewöhnlich geringer und schwächer, als das englische, reisst daher leichter und legt sich schwerer aus, dann aber vertragen die abwechselnden Schriften, namentlich die vielen Auszeichnungsschriften untermischt mit Illustrationen, welche die Inseratenseiten deutscher Blätter füllen, viel weniger den Mangel an Zurichtung als die englischen und amerikanischen Zeitungen mit ihren kompakten, den Kegel fast füllenden Antiquaschriften.

Die Endlose in Wien.

Bereits im Jahre 1859 war mit „Endlosen“ in Wien durch Auer experimentiert worden, doch können diese Versuche nicht als gelungen bezeichnet werden (vgl. Kap. XV). Nach Wien kamen die ersten zwei englischen Walterschen Rotationsmaschinen, durch Ludw. Lott, den Direktor der Druckerei der „Presse“, eingeführt, zunächst um den Ausstellungskatalog 1873 zu drucken. Ebenfalls zur Ausstellung liess die Druckerei der „Neuen Freien Presse“ eine ihrer grossen Marinoni-Maschinen nach des Direktors Reisser Angaben zu einer Endlosen umarbeiten, die in dem Pavillon der „Neuen Freien Presse“ in dem Prater die Ausstellungszeitung druckte und täglich, wenn das grosse Geräusch den Anfang der Arbeit verriet, eine grosse Masse Wissbegieriger sammelte, um von ihrem Wirken Zeugen zu sein. Die Presse konnte nicht mit den englischen Maschinen hinsichtlich der Leistungsfähigkeit konkurrieren. Überhaupt hat Wien mit dem Bau der „Endlosen“ bis jetzt kein grosses Glück gehabt.

Andere Rotationsmaschinen.

Auch C. Hummel in Berlin baute „Endlose“ und will das Patent von G. A. Horn auf eine Doppelrotationsmaschine mit zwei von einander ganz unabhängigen Systemen ausbeuten[194]. Jeder der Schriftcylinder wird von seinem Papierzubringer gespeist und ist mit zwei Farbewerken versehen. Stellt man eins der Drucksysteme ab und arbeitet nur mit dem andern, so wird dies von vier Farbewerken bedient, und eignet sich dann um so besser für die Lieferung feinerer Arbeiten. Die Bogen werden nach beiden Seiten der Maschine ausgeführt. Es muss sich ergeben, ob die Praxis hier mit der Theorie Hand in Hand gehen wird. Die bekanntesten Maschinen Hummels waren die nach den Angaben des Obermaschinenmeisters Eugen Bragard für den Druck der Kölnischen Zeitung mit Vor- und Rückwärtsbewegung gebauten, die stündlich 6000 Exemplare druckten.

Verschiedene Fabriken.

J. Forst † 14. Febr. 1879.

Von anderen Maschinenbauanstalten sind zu nennen: G. Sigl in Berlin, der schon 1865 etwa 1000 Schnellpressen geliefert hatte; Aichele & Bachmann in Berlin. Die Firma Klein, Forst & Bohn in Johannisberg a. Rh., begründet 1846 von Johannes Forst und Joh. Klein, hatte am 30. Januar 1875 die 1000. Maschine vollendet. Sie liefert auch Schnellpressen mit dem von E. C. Brunn in Münster konstruierten Querlinien-Druckapparat. Albert & Hamm in Frankenthal hatten 1879 300 Maschinen in die Welt gesandt. In Würzburg arbeitet die Firma Bohn, Fassbender & Herber, in Worms die Maschinenfabrik Worms. In Leipzig sind die bekanntesten Firmen Ph. Swiderski, dessen kleine Maschine „Lipsia“ vielen Beifall findet; Schmiers, Werner & Stein, die viele grosse Maschinen bauen. Tretmaschinen fabrizieren A. Hogenforst und Schelter & Giesecke. Eine Fünffarben-Rotationsmaschine konstruierte A. H. Schumann in Leipzig, welche in zehn Stunden 8000 fertige Bogen, also 40000 Druck, liefern soll. Zurichtung ist nur unter den Platten möglich[195].

Fr. Helbig * 1800, † 1842.

Leo Müller * 1800, † 1843.

In Österreich waren Helbig & Müller die ersten Schnellpressenfabrikanten. Fr. Helbig, ein Sohn aus erster Ehe der Schwester Fr. Königs, Marie Rosine, mit einem Bergmann Helbig in Eisleben, hatte bei König gelernt. Leo Müller war in Rieglern in dem Vorarlbergschen Walserthale geboren. Sein Vater war dort Bauer und der Sohn genoss nur den dürftigen Unterricht der Dorfschule. Seine Lust an Mechanik trieb ihn, 18 Jahre alt, das Handwerk eines Schreiners zu ergreifen und als solcher kam er nach Oberzell zu König & Bauer und wurde bald Leiter der Modellabteilung. Sein Wunsch, Teilhaber der Anstalt zu werden, konnte nicht erfüllt werden, weshalb er nun nach Österreich zurückging und seinen ersten Versuch im Schnellpressenbau in Imbach im Innthale für Rechnung von Rauch & Wagner in Innsbruck machte. Er führte viele Verbesserungen bei der Schnellpresse ein, zu denen namentlich der Doppel-Excenter behufs Erzielung des Stillstandes des Druckcylinders beim Rückgange der Form gehört, der Cylinder wurde freier gelegt, die Bänder beseitigt und durch Greifer ersetzt, auch verwendete er zuerst die Eisenbahnbewegung. Gerade eine Differenz mit Helbig in Patentangelegenheiten gab Veranlassung zu einer Verbindung beider (um 1836). Sie bauten nun sowohl einfache wie doppelte Maschinen und auch solche für zwei Farben; die Idee der letzteren war jedoch keine neue und König & Bauer hatten sich schon 1826 Erhard in Stuttgart gegenüber erboten, solche anzufertigen, was wegen der Kosten jedoch unterblieb[196].

Andere Fabrikanten in Österreich.

Als tüchtige Maschinenbauer sind Sigl, Ludw. Kaiser und J. Anger bekannt. Als Fabrikant von kleinen typographischen Maschinen hat G. Bernhardt Ruf und er baute bereits mehrere hundert solcher, deren System sehr gelobt wird. Auch die Tretmaschinen von O. O. Fuchs und Jeanrenaud & Co. finden Beifall.

Lithographische Schnellpressen.

Die Lithographie hat durch die Erfindung der lithographischen Schnellpresse eine enorme Ausdehnung erreicht und der Buchdruckerei ein bedeutendes Feld abgewonnen. Es gab dabei manche Schwierigkeit mehr als bei der typographischen Schnellpresse zu überwinden. Die lithographischen Steine haben nicht, wie die Schrift, eine gleiche Höhe, die Maschinen mussten deshalb jedesmal nach der Stärke des Steines eingerichtet werden. Der Druck musste ein sehr kräftiger, zugleich ein sehr elastischer sein, wenn der Stein nicht springen sollte. Neu hinzuzufügen war der Anfeuchteapparat, durch welchen der Stein bei dem jedesmaligen Druck abgewischt und angefeuchtet wurde. Massenwalzen konnten nicht verwendet werden, man musste deshalb Walzen von feinem Leder benutzen, bis es in England gelang brauchbare Kompositionswalzen herzustellen. Die erste lithographische Schnellpresse wurde im Jahre 1850 in der Maschinenfabrik von G. Sigl in Wien durch Hoppes für H. Engels Institut gebaut[197]. 1855 erschien die lithographische Schnellpresse auf der Pariser Weltausstellung. In Frankreich begann Marinoni 1864 den Bau und führte wesentliche Verbesserungen ein. Die Pariser Ausstellung von 1867 brachte eine Menge von Varianten durch Marinoni, Dupuy, Moulde & Vibart, Voirin, Alauzet u. a. In Deutschland bauen sie namentlich G. Sigl in Wien und Berlin; König & Bauer; Swiderski; Schmiers, Werner & Stein; Klein, Forst & Bohn.

Ferd. Schlotke. Zinkdruckpresse.

Für den zinkographischen Druck hat Ferdinand Schlotke in Hamburg eine Maschine erfunden, durch welche mittels zweier je um eine Stahlwalze gelegter Platten der Bogen auf zwei Seiten gleichzeitig bedruckt wird, und zwar mit der Schnelligkeit von 1000 Exemplaren in der Stunde[198].

Verbesserungen der Handpresse.

Die eiserne Handpresse wurde in Deutschland vielfach nachgebaut und auch verbessert. Die Stanhopepresse lieferte namentlich Chr. Dingler in Zweibrücken. Die Columbiapresse wurde von Fr. Vieweg eingeführt und im Jahre 1825 in dem Hüttenwerk Zorge am Harz gebaut. Ein Nachteil bei diesen Pressen war das öftere Springen der Seitenwände. C. Hoffmann in Leipzig baute die Coggersche Presse nach, und seine Konstruktion wurde von Vielen der der Originalpressen vorgezogen, weil das Heben des Tiegels durch Kugelgewichte auf langen Hebeln und nicht durch Federn geschah. Die Presse von Koch in Magdeburg fand, weil sehr billig und leicht, vielen Beifall; auch war sie insofern sehr zweckmässig, als sie über den Tiegel hinaus keinen Oberbau hatte, so dass die Form voll belichtet war. Sehr verbreitet waren die Hagar-Pressen, die in vorzüglicher Qualität von Chr. Dingler in Zweibrücken fabriziert wurden. Dingler verstärkte noch die Kraft und die Sicherheit der Original-Konstruktion, indem er statt Hagars einfachen Kniehebels vier schrägstehende Knieteile verwendete, die, wenn der Tiegel sich in der Höhe befindet, die Form eines Andreaskreuzes bilden, während sie, wenn er angezogen ist, zu zwei und zwei senkrecht aufeinander, wie Säulen, stehen[199]. Die Pressen sind jetzt fast die einzigen im Gebrauch befindlichen, wenn man eine Anzahl unverwüstlicher Stanhopepressen nicht rechnet, die noch das Gnadenbrot als Korrekturpressen geniessen[200].

Farbeauftrag-Maschinen.

Mit einer Farbeauftrag-Maschine hatten schon B. Strauss in Wien, Hermsdorf in Mannheim und Schuhmacher in Hamburg experimentiert. Georgi in Bonn, im Verein mit dem Faktor der Brönnerschen Offizin in Frankfurt a. M., R. Gerhard, führte eine solche in brauchbarer Weise aus. Eine kombinierte Buch-, Stein- und Kupferdruckpresse baute Georg Jontzen in Bremen. Ein Mittelding zwischen Schnell- und Handpresse war die von Selligué. Tiegel und Fundament stehen fest, nur das Rähmchen mit dem Papierbogen ist beweglich. Während ein Drucker von der einen Seite den Bogen einlegt, hebt ihn ein zweiter von der andern Seite ab. Für Brockhaus in Leipzig baute der Schlosser Kallmeyer in Osterode einen ähnlichen Apparat.

Diverse Maschinen.

Von kleineren Maschinen sind zu erwähnen die Falzmaschinen von Sulzberger & Graf in Frauenfeld in der Schweiz, später von König & Bauer, Isermanns Hobelmaschine, Brockhaus' Zifferndruckmaschine und Farbereibmaschine, H. Zimmermanns und F. G. Wagners und B. Auerbachs Numeriermaschine, A. Fomms und Karl Krauses Schneidemaschinen, Brendler & Harlers Perforiermaschine, Hansens mechanischer Ausleger u. v. a. J. F. Klein in München liefert eine Kontrolle-Billetmaschine, die von endlosen Streifen 150 Stück in der Minute druckt und numeriert. Eisenbahnbilletmaschinen lieferten ferner Karig in Wien und G. Göbel in Darmstadt. Solche Maschinen schneiden das Papier, drucken den Text, die laufende Nummer, zählen die Exemplare und drucken schliesslich das Datum darauf. Albert & Co. in Frankenthal bauten Signiermaschinen, A. Fichtner in Wien Bronciermaschinen, A. Meyer & Schleicher Graphiteinreibungsmaschinen, B. Dondorf in Frankfurt a. M., Fr. Heim & Co. in Offenbach und noch viele andere stellten Liniiermaschinen etc. her.

Die Satiniermaschine.

Die Satiniermaschine mit zwei Stahlwalzen, zwischen welche Zinkplatten mit je einem zwischen zwei Platten gelegten Bogen unter starkem Druck gezogen wurden, hielt sich trotz aller Inkonvenienzen lange. Erst in letzterer Zeit wurde sie durch Satinierwerke mit zwei Hartgusswalzen und zwei äusserst harten und sehr glatt gedrehten Papiermassewalzen, welche durch den stärksten hydraulischen Druck eine völlig harte Masse geworden, abgelöst. Das Papier geht einen S-förmigen Weg und kommt somit von beiden Seiten mit den Stahlwalzen in Berührung. Schaber und Wischer halten die Walzen rein und stählerne Abstreifer verhindern das Ankleben des Bogens an die Walzen. Zuerst wurden sie nur mit einer Stahl- und einer Papierwalze gebaut, da jedoch die Seite des Papiers, welche mit der Papierwalze in Berührung kam, weniger glatt wurde, so musste das Papier zweimal umschlagen und nochmals eingelegt werden; was nun durch das doppelte Walzenpaar unnötig geworden ist.

Obwohl die Papierwalzen ausserordentlich hart sind, so hinterlassen doch die kleinen Knoten und Unreinheiten des Papiers nach und nach Eindrücke, die von Zeit zu Zeit durch Leerlaufenlassen der Massenwalze an die Stahlwalze oder durch Abdrehen beseitigt werden müssen. Diese Satinierwerke werden namentlich von W. F. Heim & Co. in Offenbach[201] und C. G. Haubold in Chemnitz gebaut; Karl Krause in Leipzig liefert sie auch mit sechs Cylindern, zwei von Stahl und vier von Papier. Auch F. Schlotke machte sich durch Anfertigung von Satiniermaschinen bekannt. W. Schroeder & Co. in Leipzig fertigen Satinierwerke, bei welchen die Massenwalzen mit einem Stahlblech umzogen werden, wodurch die vollkommene Glattheit der Stahlwalze sich mit der Elastizität der Massenwalze verbindet[202]. Die Werke von W. R. Schürmann in Düsseldorf haben zwei Hartgusswalzen, die nicht ganz cylindrisch geschliffen sind, damit der ausgeübte Druck sich ganz gleichmässig verteilt[203].

Für das heisse Satinieren nach dem Drucke lieferten C. G. Haubold jun. in Chemnitz und W. F. Heim in Offenbach Werke, die mit günstigem Erfolg 1000–1600 Exemplare in der Stunde satinieren und nur zwei Personen zur Bedienung gebrauchen[204].

Unter den Utensilienfabrikanten nehmen Schelter & Giesecke, A. Hogenforst und Alex. Waldow in Leipzig einen bedeutenden Platz ein. Klimsch & Co. in Frankfurt a. M. haben durch ihr „Adressbuch für Buch- und Steindruckereien“ und durch ihren „Allgemeinen Anzeiger für Druckereien“ Verdienste um die Erleichterung des Verkehrs und berücksichtigen mit ihrem Utensilien-Geschäft namentlich Steindruckereien, ebenso G. E. Baumann in Berlin; Gursch & Klemm in Berlin liefern Giesserei-Werkzeuge. In Stuttgart wirken Stoffler & Backé.

Die Farbefabrikation.

Nachdem die Buchdruckereien aufgehört hatten, selbst ihre Farbe zu bereiten, und grössere Anforderungen an den Druck gestellt wurden, war Deutschland, was die feinere, namentlich die Illustrationsfarbe betraf, dem Ausland, vorzüglich England, tributpflichtig geworden, und noch bis in die vierziger Jahre hinein waren Parson, Lawson u. a. die Hauptlieferanten für den deutschen Markt. Um diese Zeit fingen jedoch namentlich Jul. Hostmann in Celle und Gebr. Jänecke & Friedr. Schneemann in Hannover an, ihre Fabrikation durch rationellen Betrieb in die Höhe zu bringen. Kostete es anfänglich auch grosse Mühe, durchzudringen, so kam es doch so weit, dass der deutsche Fabrikant nicht allein auf dem deutschen Markte siegreich blieb, sondern auch im Auslande sich geltend machte. Nicht ohne grosse Bedeutung ist es, dass auf der Weltausstellung in Melbourne die letztgenannte deutsche Fabrik die goldene Medaille erhielt, während der berühmten Firma A. B. Fleming & Co. in Leith (S. 72) nur der dritte Preis zufiel.

Teigfarben.

Von älteren und jüngeren Fabriken sind zu nennen: Fischer, Naumann & Co. in Ilmenau, J. Brönner in Frankfurt a. M., Kast & Ehinger in Feuerbach bei Stuttgart, Robert Gysae in Oberlössnitz bei Dresden, J. E. Breidt in Hammerling in Nieder-Österreich, Friedr. Wüste in Pfaffenstetten, Frey & Sening in Leipzig. Letztere brachten auch die sogenannten Teigfarben in Aufnahme, die sich jahrelang geschmeidig erhalten und vor der Verwendung nur eines leichten Anreibens unter Zusatz der nötigen Quantität von Firnis bedürfen; es ist dies eine sehr beachtenswerte Neuerung für Buchdruckereien, die nicht regelmässig mit bunten Farben arbeiten.

Die Kopierfarbe.

Nicht unwichtig war die Einführung der Kopierfarbe, denn diese macht es möglich, die mit solcher Farbe vorgedruckten Blanketts zusammen mit dem mittels Kopiertinte Hineingeschriebenen später zu kopieren, was besonders in dem ganzen Frachtverkehr von grossem Werte ist.

Surrogate.

Versuche, Farbe aus billigeren Stoffen, z. B. aus dem Saturationsschlamm der Zuckerfabriken, aus den tanninschwarzhaltigen Lederabfällen zu bereiten, sowie, eine abwischbare Farbe herzustellen, so dass Makulatur wieder in weisses Papier umzuändern wäre, haben alle für die Praxis keinen Wert gehabt. Mit der Farbefabrikation ist öfters die der sogenannten englischen Walzenmasse (S. 71) verbunden.

Fußnoten:

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XII. KAPITEL. DAS ZENTRUM DER GERMANISCHEN GRUPPE.

J. G. I. Breitkopf, seine Reformen, der Musiknotendruck vor Breitkopf und dessen Verbesserungen, Breitkopf & Härtel. G. J. Göschen. Friedr. Arnold Brockhaus und seine Nachfolger. B. G. Teubner. Karl Tauchnitz. Fr. Nies und seine Nachfolger. B. Tauchnitz. Das Jubelfest 1840. Giesecke & Devrient. Das Bibliographische Institut. Verschiedene Offizinen Leipzigs. — Dresden: Meinhold & Söhne u. a. — Halle: Waisenhausdruckerei, Schwetschke & Sohn. — Weimar: Hofbuchdruckerei. — Gotha: Just. Perthes. — Braunschweig: Vieweg & Sohn, G. Westermann, Dr. Heinrich Meyer und das Journal für Buchdruckerkunst.

J. G. I. Breitkopf.

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ZIEMLICH gleichzeitig mit dem Begründer der nationalen Grösse Deutschlands, Friedrich II., und mit den Bahnbrechern des nationalen Kultur- und Kunstlebens: Lessing, Klopstock, Gellert, Kant, Just. Möser und Winckelmann wurde der Reformator der deutschen Typographie Johann Gottlob Immanuel Breitkopf am 23. November 1719 in Leipzig geboren, welches nunmehr unter der Führung Breitkopfs und anderer tüchtiger Gesinnungsgenossen die Stellung als Vorort der deutschen Typographie behaupten sollte[205].

Breitkopf war ein Sohn des rühmlichst bekannten Bernh. Christoph Breitkopf (I, S. 149). Von Natur sehr aufgeweckt und geistig begabt, hatte er keine Neigung, dem Wunsche des Vaters gemäss, sich der Buchdruckerei zu widmen, dagegen zog es ihn unwiderstehlich zu den Studien hin. Der Kampf zwischen dem Vater und dem Sohne schloss mit einem Kompromiss, wozu beide, und Gutenbergs Kunst dazu, sich nur Glück wünschen konnten: Johann Immanuel sollte sich sowohl den Studien, als dem Geschäft widmen.

Seine Ausbildung.

Er legte sich nun mit grossem Eifer auf die Wissenschaften und versuchte sich auch schriftstellerisch. Grossen Einfluss auf seine Ausbildung übte Gottsched. Erst in späterer Jugend machte sich die Lust an der Mathematik, der er später einen grossen Teil seines Ruhmes verdanken sollte, bei ihm geltend. Das Werk Albrecht Dürers „Unterweysung der Messung mit dem Zirkel u. s. w.“ fiel ihm in die Hände. Die mathematische Berechnung der Schriftverhältnisse interessierte ihn, und nun war er für die Typographie gewonnen. Er ging an das Vergleichen mit den alten Drucken und fand, wie die sich immer mehr verschlechternde Form mit dem Verfall der Schönschreiberei in Verbindung stand. Mit grossem Eifer fing er an die Buchstaben mathematisch zu berechnen. Er sammelte emsig alle Musterschriften und Werke über Schriftenkunde und begann nun seine Reformen, namentlich arbeitete er unablässig für die Verbesserung Breitkopf und die Fraktur.und Verschönerung der Frakturschrift. Die Gründe, die ihn bewogen an dieser festzuhalten und seine Anstrengungen der Regeneration derselben zu widmen, hat er später in einer Schrift: „Über Bibliographie und Bibliophilie“ (1793) entwickelt. Seiner Ansicht nach wäre die deutsche Schrift der lateinischen unbedingt vorzuziehen; sie eigne sich selbst für Transkription fremdländischer Werke, als hebräischer und arabischer, besser als die Antiqua. Nur die Verachtung, welche die Gelehrten der deutschen Schrift bewiesen, trage die Schuld, dass dieselbe nicht eben so verbessert und verschönert worden sei, wie die allgemein beliebte lateinische. Es bedürfe aber nur der Aufmunterung, um die Künstler zu veranlassen, unter Zugrundelegung der Schöfferschen Muster, oder der Theuerdank-Type eine Frakturschrift zu schaffen, welche der schönsten Antiquaschrift die Wage halte.

So lautete der Ausspruch Breitkopfs und er ging nun auch daran, seiner Ansicht praktische Geltung durch eine verbesserte Frakturschrift zu verschaffen, welche zuerst in: „Einige Lieder für Lebensfreuden“ angewendet wurde, während die neue Antiqua zuerst in Forbigers Ausgabe des „Catull“ zum Abdruck gelangte.

Wäre Breitkopf der Fraktur abhold und ein eifriger Freund der Antiqua gewesen und hätte er letztere zu einer Zeit, wo man anfing sich nach schön gedruckten Büchern zu sehnen, zum Gegenstand seiner reformatorischen Pläne gemacht, so hätte möglicherweise die Frage: „Antiqua oder Fraktur“ unter seiner Autorität längst eine Entscheidung im Sinne der Vertreter der Antiqua gefunden. Denn damals lag die Angelegenheit weit einfacher als heute, wo sie bei der Mehrzahl der Gegner der Antiqua weit eher eine nationale Gefühlssache als eine Frage der Zweckmässigkeit und der Schönheit geworden ist.

Der Musiknotendruck.

Einen ganz wesentlichen Anteil an dem Weltruhm Breitkopfs haben seine Verbesserungen des typographischen Musiknotendrucks. Der Umstand, dass die Buchdruckerkunst gleich bei ihren ersten Erzeugnissen auf die Bedürfnisse der Kirche geführt wurde, musste die Gedanken auf den Notendruck richten; doch war die Technik damals nicht so weit vorgeschritten, dass man an die Überwindung der durch die Verbindung des Druckes der horizontalen Linien und der vertikalen Notenzeichen entstehenden Schwierigkeiten denken konnte. Man musste deshalb beim Drucken des Textes Raum lassen, für die nachträglich einzuschreibenden Noten. Später wurden Linien und Text rot gedruckt, die Choralnotenköpfe eingezeichnet, teilweise auch mit der Hand durch Stempel einzeln aufgedruckt oder das Ganze in Holz geschnitten. Das erste mit Holzschnitt-Choralnoten gedruckte Buch ist das bei Hans Froschauer in Augsburg erschienene Lilium Musicae planae des Michael Kiensbeck aus dem Jahre 1473. Die ersten Proben von Figuralmusik in Holzschnitt kommen in einem Werke des Nic. Burtius vor, gedruckt von Hugo de Rugeriis in Bologna 1487.

Noten in Holzschnitt.

Solche in Holz geschnittene Noten wurden noch benutzt, nachdem das Verfahren mittels beweglicher Choralnotentypen zu drucken erfunden war, z. B. in den Liederbüchern Luthers. Wann und wo der Versuch mit letzteren zuerst geschah ist nicht zu ermitteln, denn das Verfahren wurde ziemlich gleichzeitig an vielen voneinander sehr entfernten Orten, z. B. um das Jahr 1488 in Basel, geübt.

Oct. dei Petrucci.

Hat es nun auch Choralnotentypen vor der Erfindung des typographischen Druckes der Figuralmusik gegeben, so ist es doch unzweifelhaft, dass letzterer eine Erfindung des Octaviano dei Petrucci aus Fossombrone war[206]. Dieser, von edlen jedoch armen Eltern geboren, kam als Buchdrucker nach Venedig. Im Jahre 1498 erhielt er seitens des Senates ein Patent auf Druck von mehrstimmiger Musik für „Gesang und Laute“, dem später ein ähnliches des Papstes Leo X., datiert 1513, folgte. Sein erster Notendruck war harmonice musices Odhecaton 1501. Er entwickelte eine so grosse Thätigkeit, dass er bereits in den Jahren 1501–1507 zwanzig verschiedene Werke gedruckt hatte. Unvermögenheit veranlasste ihn den Betrieb seiner Druckerei den thätigen Buchhändlern Amad. Scotti und Nic. da Raphael zu überlassen.

Petruccis System.

Petruccis System war auf Doppeldruck gegründet. Die Linien bestanden aus Stücken in der Grösse der Formatbreite. Die Noten wurden für sich gesetzt und auf die Linien gedruckt. Die Genauigkeit der Typen ist eine grosse und der Druck, besonders der Linien, ein vorzüglicher. In allen Ausgaben Petruccis sowie seiner Nachfolger für lange Zeit wurden die einzelnen Stimmen für sich meist nebeneinander gedruckt, für den Druck von Partitur-Ausgaben war man damals technisch noch nicht weit genug fortgeschritten.

Andere Notendrucker.

Den Druck mit Typen, in welchen jedes der Notenzeichen zugleich mit einem Stück des Liniensystems verbunden war, so dass nur ein Druck notwendig und die Schwierigkeit des Passens der Formen umgangen ward, führte Erhard Oeglin in Augsburg zum erstenmale vor in: Melopoiae sive Harmoniae tetracenticae 1507. Peter Schöffer in Mainz übte das Verfahren 1511.

Pierre Hutin.

In Frankreich schnitt der Graveur und Drucker Pierre Hutin 1527 die ersten derartigen Noten, mit welchen Pierre Attaignant in Paris und Tylman Susato in Antwerpen druckten. Bei allen diesen Versuchen waren die Notenköpfe noch eckig. Von diesen wurde zum erstenmale in den Werken des päpstlichen Kapellmeisters Eleazar Genet genannt Carpentras abgewichen. Als der genannte in seinen alten Tagen in Avignon seine Kompositionen drucken lassen wollte, veranlasste er Stephan Briard aus Bar-le-duc, Typen, welche die Handschrift nachahmte, zu schneiden. Jean de Channay in Avignon druckte damit 1532 das erste Liber primus Missarum Carpentras. Die Neuerung fand jedoch keine Folge.

Venedig blieb lange Zeit das Zentrum für den Musiknotendruck und den Musikalienverlag. Die bedeutendste Firma war die der Familie Gardano, die von 1536 ab bis tief in das XVIII. Jahrhundert blühte und die Werke Palästrinas verlegte.

Notendruck in Deutschland.

In Deutschland wurden nicht nur Originale gedruckt, sondern auch alles „Gangbare“ des Auslandes nachgedruckt. Hieronymus Formschneider schnitt gute Notentypen. Der bedeutendste Notendrucker des XVI. Jahrh. war Adam Berg in München, Verleger der Werke Orlando Lassos. Fast alle seine Drucke, bei denen er die Unterstützung des musikliebenden Herzogs von Bayern genoss, sind Prachtausgaben in Folio. Sein Hauptwerk ist das: Patrocinium musices aus 1573. Als das bedeutendste Werk aus dem XVI. Jahrhundert muss das von Nic. Heinrich in München gedruckte Magnum opus musicum genannt werden. In dem XVII. Jahrhundert war namentlich Gimel Bergen in Dresden thätig.

Frankreich.

In Frankreich lieferte Guillaume le Bée um 1550 vollkommenere Noten als die Hutins, deren sich Rob. Ballard und dessen Schwager Adrian le Roy bedienten. Die Familie Ballard, welche die Noten le Bées für die hohe Summe von 50000 Livres erwarb, war die bedeutendste Musikfirma nicht nur in Frankreich und erwarb sich namentlich durch die Herausgabe der Werke Lullys Weltruf. Sie druckte die Partituren fast aller französischen Opern und hielt sich beinahe 200 Jahre in Ansehen.

Englands Anteil an dem Musiktypendruck war kein bedeutender. John Day wandte um 1560 die verbesserte Methode an. Thomas Este (um 1600) brachte sehr elegante Drucke.

Verfall des Notendruckes.

Um 1725 war der musikalische Typendruck, dessen Wesen überhaupt seit Petrucci wenig fortgeschritten war, ganz in Verfall geraten und der Kupferdruck hatte dessen Platz eingenommen. Als letzte bedeutende Erscheinung können die in Venedig bei Domenico Lovisa in acht, mit allem, damals zugebote stehenden Luxus ausgeführten Foliobänden gedruckten Fünfzig Psalmen von Benedetto Marcello bezeichnet werden. —

Aus dem Gesagten geht hervor, dass es unrichtig ist, wenn Breitkopf, wie es gewöhnlich geschieht, als Erfinder des typographischen Notendruckes genannt wird, dagegen bleibt ihm, was ihm wieder von verschiedenen Seiten streitig gemacht worden ist, die Ehre, dem typographischen Notendruck eine solche Gestaltung gegeben zu haben, wie er sie noch heute hat. Die Bedeutung dieser That würde eine noch grössere Tragweite haben, wenn nicht die Erfindung der Lithographie und der lithographischen Schnellpresse in dem Notendruck und dem Musikalienverlag eine gewaltige Umwälzung zur Folge gehabt hätte.

Am allertiefsten fast stand vor Breitkopf der Notendruck in Leipzig; selbst die Arbeiten sonst verdienter Männer als Wolfg. Stöckel und Abr. Lamberg sind äusserst mangelhaft. Die Kolumnen sahen mit ihren unendlich vielen, jämmerlich zusammengesetzten Linienstücken vollständig gequirlt aus.

Breitkopfs Noten.

Da erschien im Jahre 1755 bei Breitkopf „Sonnet auf das Pastorell Il trionfo della fedelta“, ein Versuch, der bereits wenig zu wünschen übrig liess, doch ist die umfangreiche (283 S. in qu. fol. umfassende) Tondichtung der Kurfürstin Marie Antonie von Sachsen Il trionfo della fedelta selbst noch geeigneter, die Vorzüge von Breitkopfs Leistungen ins helle Licht zu setzen. In der Schlussschrift heisst es: „Stampato in Lipsia; nella stamperia di Giov. Gottlob Immanuel Breitkopf, Inventore di questa nuova maniera di stampar la Musica con Carratteri separabili e mutabili. E questo Dramma Pastorale la prima opera stampata di questa nuova guisa; comminciata nel Mese di Luglio 1755, e terminata nel mese d'Aprile 1756[207]“.

Der bewegliche Geist Breitkopfs liess ihn jedoch nicht bei solchem Siege Beruhigung fassen, sondern trieb ihn ein Feld zu bebauen, wobei man zwar volle Gelegenheit hat, seine Fähigkeiten zu bewundern, jedoch nicht ohne eine Beimischung des Bedauerns, dass dieselbe so unfruchtbaren Arbeiten zugewendet wurden.

Landkartensatz.

Zuerst wollte er die Herstellung der Landkarten der Buchdruckerei zuweisen. Die Berechnung aller der wellenförmigen Linien der verschiedensten Art für Terrainzeichnung; die Notwendigkeit, die Schrift kreuz und quer nach allen Richtungen hin zu setzen; kurz, alle die Schwierigkeiten, die eine Kartenzeichnung darbietet, machen die typographische Ausführung, wennauch nicht geradezu unmöglich, doch so schwer, dass die Kosten sich nicht in der Praxis erschwingen lassen. Dies fühlte wohl Breitkopf bald selbst, wie aus seiner 1777 herausgegebenen Broschüre: „Über den Druck der geographischen Karten“ hervorgeht, und die darin enthaltenen Proben würden überhaupt kaum an das Tageslicht getreten sein, wenn er sich nicht von dem sein Ehrgefühl verletzenden Verdacht hätte reinigen wollen, dass er mit seiner Erfindung später als Haas in Basel mit der seinigen gekommen sei.

Satz figürlicher Gegenstände.

Diesem Verdacht tritt er mit Entrüstung entgegen und kritisiert streng den Haasschen Versuch, den er „mehr ein opus musivum als typographicum“ nennt, „mit Thon und gekautem Papier nachgeholfen, wie man dergleichen schon längst in der Druckerei kennt“ (vgl. Kap. XIV). In demselben Jahre folgte noch „Die Beschreibung des Reichs der Liebe“ mit einer Karte; 1799 „Der Quell der Wünsche“ ebenfalls mit einer Karte, die beide als eine glückliche Lösung seiner Aufgabe nicht betrachtet werden können. Immerhin ist Breitkopfs typographischer Scharfsinn doch sehr zu bewundern, und seine kartographischen Versuche bleiben typographische Reliquien von hohem Wert. Der Satz, der noch heute erhalten ist, beseitigt jeden Verdacht, als sei durch Feile, Messer, unregelmässigen Ausschluss oder in anderer Weise nachgeholfen; alle Stücke sind streng systematisch und einfach, wie in jedem anderen Satz, an einander gereiht.

Chinesische Schrift.

Obgleich Breitkopfs klarer Verstand ihm sagte, dass er auf diesem Wege keine grossen praktischen Erfolge erzielen würde, so veranlasste ihn doch sein etwas hartnäckiger Charakter, sogar noch weiter zu gehen: er wollte es noch möglich machen, Porträts mit Typen herzustellen. Die Strichlagen des Kupferstechers liessen ihn glauben, durch parallel laufende Linienstücke das Ziel erreichen zu können. Seine Proben hat er nicht veröffentlicht, wer aber die neuesten Arbeiten Moulinets und anderer Meister in diesem Genre kennt, kann sich leicht von dem, was erreicht werden konnte, ein ungefähres Bild machen. Zwar gehören alle solche Versuche den Gebieten des an und für sich Unpraktischen an, wir können sie dennoch so wenig wie die späteren Stigmatypien Fasols als wertlos für die Fortbildung der Typographie bezeichnen.

Die Beschaffung des chinesischen Satzes mit beweglichen Lettern war eine der Aufgaben, die sich die Typographie gestellt hatte. Sowohl die französische als die päpstliche Regierung hatten darauf viel Geld unnütz verwendet. Die grosse Anzahl der Schriftzeichen machte die Anfertigung der Typen kostspielig und die Ähnlichkeit der Charaktere unter einander den Satz zu einem äusserst schwierigen. Indes, Breitkopf löste seine Aufgabe und sandte sofort eine allerdings nicht sehr ansprechende, im J. 1789 der Öffentlichkeit übergebene Probe an den Papst, der ihm durch den Kardinal Borgia in sehr schmeichelhaften Ausdrücken danken liess. Aber auch bei dieser Erfindung unterblieb die praktische Ausbeutung. Ein holländischer Verleger unterhandelte zwar mit Breitkopf über das Setzen eines chinesischen Textes in Leipzig, die Verhandlungen führten aber nicht zu einem Resultate.

Typographische Ornamentik.

Nun wollte Breitkopf auch mathematische Figuren mit beweglichen Typen setzen, ein Gedanke, der bei der Billigkeit des einfachen Holzschnittes keine grossen Erfolge in Aussicht stellen konnte und auch nicht zur Verwendung kam.

Schriftgiesserei.

Schliesslich wendete er seine Aufmerksamkeit darauf, die Verzierungen, die nach und nach den höchsten Grad von Ungeschmack erreicht hatten, durch geschmackvollere zu ersetzen. Zu diesem Zweck liess er gute ältere Vorbilder nachahmen und in Holz schneiden.

Auch das Giessen und das Drucken haben ihm Verbesserungen zu verdanken. Seine Giesserei war wegen der Vortrefflichkeit der Metall-Legierung berühmt. Einen Beweis für die Güte liefert die Reinheit der Abdrücke, die nach Verlauf von hundert Jahren von dem vorhandenen Landkartensatze gemacht wurden. Die Giesserei arbeitete mit vierzig Leuten und zwölf Öfen und sandte ihre Schriften nach allen Ländern der Welt. Dagegen misslangen eine von ihm angefangene Spielkartenfabrik und eine Tapetenfabrik, obwohl die Muster von dem besten Geschmack zeugen. Breitkopf war eben ein Erfinder, nicht aber in gleichem Masse für die pekuniäre Ausbeutung der Erfindungen geschaffen.

Sittliche Reformen.

Einem so feingebildeten Mann wie Breitkopf konnten die handwerksmässigen Roheiten, die mit der Lossprechung eines Lehrlings verbunden waren (I, 165), selbstverständlich nicht zusagen. Er schaffte deshalb die bei solchen Gelegenheiten üblichen scenischen Aufführungen ab und beschränkte sich darauf, den symbolischen Sinn der Marterwerkzeuge erklären zu lassen und in einer sinnigen Rede den Losgesprochenen über seine Rechte und Pflichten zu belehren. Solche Änderungen und Neuerungen, die auf das Beschränken der Völlerei und des Feierabendmachens abgesehen waren, fanden jedoch begreiflicherweise keine Gnade bei den Gehülfen, und man ging anfänglich so weit, die bei Breitkopf Ausgelernten nicht für voll anerkennen zu wollen, doch bahnten sich Vernunft und Sitte schliesslich ihren Weg.

Schriftstellerische Arbeiten.

Wie viele seiner technischen Pläne und Experimente, so blieben auch manche seiner schriftstellerischen Arbeiten nur Entwürfe. Um seinen Hauptplan, eine grossartig angelegte Geschichte der Buchdruckerei gründlich durchführen zu können, hatte er mit vieler Sorgfalt und mit grossen Kosten eine Bibliothek von Werken über Buchdruckerkunst und Proben von den Leistungen derselben gesammelt. Durch eine Reihe von Jahren legte er Kollektaneen an, hatte auch einige Partien des Werkes ausführlicher ausgearbeitet. 1779 erschien seine Broschüre „Über die Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst“, welche den breit angelegten Plan seines Werkes entwickelte. Es folgte dann 1784 einer der durchgearbeiteten Abschnitte: „Versuch über den Ursprung der Spielkarten“. Erster Teil. Der zweite Teil wurde nach Breitkopfs Tode von J. C. F. Roch 1801 herausgegeben, welcher in der Vorrede darüber klagt, dass die hinterlassenen Notizen Breitkopfs nicht derart beschaffen seien, dass eine grössere Ausbeute daraus erwachse. Breitkopfs reger Geist führte ihn während der Arbeit immer weiter; die Noten überwuchern den Text. Er wollte alles, was ihn interessierte, auch ausführlicher bearbeiten, und so haben wir zu bedauern, dass wir nur einige, wenn auch sehr wertvolle Bruchstücke erhielten, statt einer vollständigen, noch heute nicht vorhandenen Geschichte der Buchdruckerkunst, die zu schreiben er, wie kaum ein zweiter, fähig gewesen wäre, wenn er nur die Kunst, sich zu beschränken, besser verstanden hätte.

Breitkopfs Tod.

Breitkopf starb am 28. Jan. 1794 und hinterliess seine Buchdruckerei als eine der am reichsten ausgestatteten wenn nicht gar als die reichste der Welt. Sie besass gegen 400 verschiedene Schriftgattungen, 16 Sorten Noten, einen grossen Vorrat von Vignetten und beschäftigte 120 Arbeiter. Das Geschäft wurde von dem Sohne Christoph Gottlob fortgeführt, der sich im Jahre 1796 mit Gottfried Christoph Härtel assoziierte. Die jetzige Firma Breitkopf & Härtel.Breitkopf & Härtel datiert aus dem Jahre 1798. Härtel war zwar kein gelernter Buchdrucker, stand jedoch dem Geschäft in vortrefflichster Weise vor. Er liess durch Schelter griechische Typen nach R. Härtel Dr. H. Härtel † 5. Aug. 1875.Bodoni und Antiquaschriften nach Levrault schneiden und gründete auch eine Steindruckerei (1805). Nach dem Tode Härtels (am 25. Juli 1827) trat zuerst der jüngere Sohn Raymund Härtel, später (1835) der ältere Dr. jur. Hermann Härtel in das Geschäft. Sie brachten dasselbe, das während ihrer Minderjährigkeit etwas zurückgegangen war, bald wieder zur alten Blüte.

Der etwas altersgrau gewordene „goldene Bär“ wurde 1867 verlassen und ein neues immenses Geschäftshaus bezogen, wo es jedoch auch bald zu eng geworden wäre, hätte die Firma nicht ihre Pianofortefabrikation aufgegeben. Am 27. Januar 1869 beging das verjüngte Geschäft die Feier seines 150jährigen ruhmvollen Bestehens. Es arbeitet mit 30 typographischen und lithographischen Schnellpressen, 18 Handpressen und gegen 400 Arbeitern.

Als Musikverleger hält das Haus den alten Ruhm aufrecht. Das bis Ende 1878 ergänzte Musikverzeichnis umfasst in mehr als 15000 Werken das gesamte Gebiet der Musik, wie auch deren Litteratur und Pädagogik nach allen Seiten hin vertreten ist. Nach dem Ausscheiden Raymund Härtels im Jahre 1879 sind seine Neffen W. Volkmann und Dr. O. Hase die Chefs des Hauses.

G. J. Göschen * 1752.

Auf der Grenze des XVIII. und XIX. Jahrhunderts wirkte Georg Joachim Göschen[208], aus Bremen gebürtig. Seine Jugend verbrachte er in ärmlichen Verhältnissen. Drei Jahre lebte er in einer Pension bei einem Schullehrer in Arbergen, einem Dorfe bei Bremen, wo der Vater des bekannten Gelehrten Heinr. Ludw. Heeren Pastor war und Göschen zugleich mit seinem eigenen Sohne Unterricht erteilte. Nach überstandener Lehre erhielt er eine Stelle in Leipzig in der Crusiusschen Buchhandlung, die er 13 Jahre mit Erfolg bekleidete. Dann ging er nach Dessau, wo in ihm der Entschluss reifte, sich in Leipzig zu etablieren. Das Glück war dem strebsamen Manne hold, er trat nach und nach in Verbindung mit den besten Autoren und verschaffte sich rasch einen angesehenen Namen.

Um eine Prachtausgabe von Wielands Werken mit lateinischen Lettern zu drucken, fasste Göschen den Plan, selbst eine Buchdruckerei zu errichten, da die vorhandenen Druckereien seine Forderungen nicht erfüllen konnten. Das war aber in der damaligen Blüte des Innungswesens keine leichte Sache, da Göschen nicht gelernter Buchdrucker war. Er musste in seinem Konzessionsgesuche, welches am 4. Mai 1793 bewilligt wurde, geltend machen, dass er nur „mit lateinischen Lettern nach Didot“ drucken wolle, dass jedoch diese in Leipzig nicht vorhanden wären, und dass seine Typen noch schöner seien als die von Unger in Berlin, wodurch Leipzigs Buchdruckerruhm steigen würde; ausserdem wolle er nur für sich drucken und sogar nur solche Artikel seines Verlages, die Andere nicht ausführen könnten. Nichtsdestoweniger wurde von seiten der Innung mit allen Kräften gegen ihn gearbeitet; man hatte wohl das Gefühl, dass ein Mann von Göschens Geist, wenn er einmal sich der Typographie gewidmet hatte, nicht bei den „lateinischen Typen nach Didot“ stehen bleiben würde.

Prachtausgaben.

Er schritt nun an sein grosses Vorhaben, eine Gesamtausgabe von Wielands Werken zu liefern, die etwas noch nicht dagewesenes sein und in vier Gestalten erscheinen sollte. Von der Prachtausgabe in 42 Bänden in 4°, mit Antiqua gedruckt und mit 36 Kupfern geschmückt, kostete ein Exemplar 250 Thlr. Den 1794 in Leipzig anwesenden Wieland liess Göschen unter festlichem Gepränge den ersten Band von jungen, Genien vorstellenden Damen überreichen, während die Muse Wielands Haupt mit einem Lorbeerkranze schmückte. Auch von Klopstocks Werken wollte Göschen eine ähnliche Ausgabe veranstalten; sie blieb jedoch unvollendet. Bedeutende Leistungen seiner Buchdruckerei sind die, ebenfalls nicht vollständig gewordenen Prachtausgaben des Wolfschen Homer, sowie die Griesbachsche Ausgabe des Neuen Testamentes. Die Ausstattung aller dieser Werke ist die prachtvollste und sorgfältigste, ohne jedoch einen recht befriedigenden Eindruck zu machen. Die Antiquaschriften trafen den Geschmack des Publikums nicht und auch die griechischen Schriften sind charakterlos, der Satz des Homer ausserdem unschön weitläufig.

Um den erwähnten Beschränkungen in seinem Geschäftsbetrieb zu entgehen, hatte Göschen seine Buchdruckerei nach Grimma verlegt, in dessen Nähe er das Gut Hohnstädt besass, auf welchem er, 75 Jahre alt, am 5. April 1828 starb. Er hatte bis in sein hohes Alter seine volle Geistesfrische erhalten und sie durch seine grosse Wirksamkeit als Verleger bethätigt.

Fr. A. Brockhaus * 4. Mai 1772, † 20. Aug. 1823.

Von hervorragender Bedeutung für das Buchgewerbe im allgemeinen, wenn auch weniger für die Typographie war Friedrich Arnold Brockhaus.

Etablissement in Amsterdam.

Sohn eines Kaufmanns in Dortmund, lernte er die Handlung in dem väterlichen Geschäfte und lag später den Studien ein Jahr lang in Leipzig ob. Im Jahre 1798 eröffnete er in Verbindung mit zwei Genossen ein englisches Manufakturwarengeschäft in Dortmund, welches er nach Trennung von seinen Teilhabern, von welchen der eine einen traurigen Einfluss auf die ganze Zukunft Brockhaus' üben sollte, 1802 nach Amsterdam verlegte und 1805 aufgab, um sich einem buchhändlerischen Geschäft unter der Firma Rohloff & Co. zu widmen, welche Firma 1810 in Kunst- und Industrie-Comptoir geändert wurde und erst 1814 in F. A. Brockhaus überging.

Bei einem Besuche der Leipziger Michaelismesse im Jahre 1808 erwarb er das begonnene aber ins Stocken geratene Konversations-Lexikon, ein Unternehmen, welches bestimmend für seine ganze geschäftliche Zukunft werden sollte.

Altenburg und Leipzig.

Veranlasst durch den Tod seiner geliebten Frau und durch die Franzosenherrschaft in Holland siedelte Brockhaus im Jahre 1810 nach Altenburg über und verkaufte 1811 das Amsterdamer Geschäft an Johannes Müller. In Altenburg weilte er bis 1817, um dann, nachdem er zwischen Dresden und Leipzig geschwankt hatte, am letzteren Orte sich bleibend niederzulassen und das in Altenburg bereits nach grossen Dimensionen betriebene Verlagsgeschäft in noch grössere Bahnen zu lenken.

Das Konversations-Lexikon.

Seinen Scharfblick für die Bedürfnisse der Zeit, verbunden mit einer thatkräftigen patriotischen Gesinnung bekundete er durch viele Unternehmungen. Der Eckstein des ganzen grossen Gebäudes blieb jedoch das Konversations-Lexikon. Der Anfang hierzu war bereits um das Jahr 1793 von Dr. Renatus Gotthelf Löbel gemacht. Dieser verband sich mit einem Advokaten Chr. Wilh. Franke zu der Herausgabe; für die buchhändlerische Durchführung wurde Aug. Leupold ausersehen. Das Werk hatte jedoch keinen grossen Erfolg und die Unternehmer verkauften es an Leupold. Nach vielen Schicksalen kam es noch vor dem Erscheinen des sechsten (Schluss-) Bandes an Brockhaus, der nun mit seiner gewohnten Energie an die Vollendung und Umarbeitung ging[209].

Druckerei.

Mehr und mehr fühlte Brockhaus das Bedürfnis über eine eigene Druckerei disponieren zu können und hatte zuerst den Gedanken, diese in Altenburg zu errichten, wovon er jedoch zurückkam. Anfang des Jahres 1818 eröffnete er nun eine Offizin mit drei hölzernen Pressen, zu welchen bald noch weitere vier kamen. Die Innung legte Protest ein, weil Brockhaus kein gelernter Buchdrucker sei. Da musste sein Freund Teubner aushelfen und durch Verkauf, Rückkaufsvertrag etc. etc. wurde es Brockhaus möglich, faktisch seinen Willen durch die Errichtung einer „zweiten Teubnerschen Buchdruckerei“ durchzusetzen, bis der Sohn Friedrich, der bei Vieweg in Braunschweig gelernt hatte, am 21. Okt. 1820 die Konzession als Buchdrucker erhielt.

Die Schnellpresse.

Merkwürdig genug, dass ein Mann, begabt mit dem weiten Blick Brockhaus' und so gewohnt, pekuniäre Schwierigkeiten zu überwinden, sich die Ehre nehmen liess, als erster die Schnellpresse in Deutschland zur Anwendung zu bringen; dies um so mehr, als er die Sache scharf ins Auge genommen hatte und die Wichtigkeit der Schnellpresse vollständig erfasst hatte, wie aus einer Korrespondenz zwischen ihm und König & Bauer, die auch ein interessantes Streiflicht auf Königs weiten Geschäftsblick wirft, hervorgeht[210]. Bereits am 7. November 1818 wandte er sich an König & Bauer, um Näheres über die Leistungsfähigkeit der Schnellpresse zu erfahren, indem er betonte, dass 25 Handpressen nicht imstande gewesen, die Hälfte des Lexikons, fünf Bände in 12000 Auflage, innerhalb fast eines Jahres zu liefern, und dass die Arbeiter bei der Einförmigkeit der Arbeit ermüdeten und zuletzthin nur schlechte Arbeit lieferten. König & Bauer beleuchten in ihrer Antwort, dass 2–3 Schnellpressen genügen würden, um 25 Handpressen zu ersetzen, und dass trotz des Anlagekapitals von 15000 Gulden für jede Schnellpresse grosse Ersparnisse eintreten müssten. Sie machten dabei Brockhaus einen eigentümlichen Vorschlag, dass er seine Druckerei nach Oberzell verlegen sollte. Sie hätten noch Raum genug für eine Druckerei von 70 bis 80 Setzern und die nötigen Maschinen, welche durch Wasser betrieben werden könnten, auch enorme Trockenböden ständen zur Disposition. Da das Papier aus Bayern und Franken bezogen werden würde, könnten die Transportkosten demnach zum grossen Teil gespart werden, ja, sie selbst gingen mit der Idee um, eine englische Papiermaschine zu bauen, um gutes Papier zu liefern, „das deutsche Papier“, heisst es, „ist doch ein Schandartikel, womit kein englischer Buchhändler vor das Publikum zu kommen sich unterstehen dürfte“. Der Brief schliesst: „Was sagen Sie zu dieser seltenen Vereinigung von Mitteln für grosse litterarische Unternehmungen, in einen kleinen Raum zusammengedrängt? Vielleicht liesse sich zwischen unseren und Ihren Plänen, unseren und Ihren Mitteln eine Verbindung ausmitteln, die beiden Parteien vorteilhaft wäre“.

Hätte dieser Vorschlag einige Jahre früher gemacht werden können, wer weiss wozu das geführt haben würde. Jetzt antwortete Brockhaus und zwar erst nach einem halben Jahre, ablehnend, er wollte die Ausführung seiner Gedanken die Schnellpresse anzuschaffen seinem Sohne überlassen.

König liess trotzdem die Sache nicht fallen und machte im Juni 1819 den Vorschlag, „zu dessen Annehmen offenbar viel weniger Mut gehört, als Sie Ihren übrigen Unternehmungen nach zu urteilen besitzen“, auf ihre Kosten zwei Schnellpressen in Leipzig zu Brockhaus' ausschliesslichem Gebrauch aufzustellen, in Betrieb zu halten und nach 10 Jahren an Brockhaus unentgeltlich zu überlassen, wenn er auf 10 Jahre hinlängliche Beschäftigung garantieren wollte und zwar gegen um 25% wohlfeilere Druckpreise, als sie ihm in seiner eigenen Druckerei zu stehen kämen. Aber auch diesen Antrag lehnte Brockhaus ab, obwohl er nach seiner Angabe über fünfzig eigene und fremde Pressen beschäftigte. So kam es denn, dass Brockhaus' Offizin und Leipzig überhaupt erst 1826, drei Jahre nach Friedrich Arnolds Tod, in Besitz einer Schnellpresse kam, welche von den Arbeitern mit Demolierung bedroht wurde, die in Leipzig, wie anderswo, noch nicht einsehen gelernt hatten, dass sie hiermit nur gegen ihr eigenes Fleisch und Blut wüteten.

Der Verlag.

Neben dem Konversations-Lexikon pflegte Brockhaus mit besonderer Vorliebe den journalistischen Verlag, repräsentiert durch Okens „Isis“, „Zeitgenossen“, „Leipziger Kunstblatt“, „Hermes“ und „Litterarisches Wochenblatt“, die alle, mit Ausnahme des letzteren, welches noch als „Blätter für litterarische Unterhaltung“ besteht, kein langes Leben hatten. Auf seinen reichhaltigen sonstigen Verlag kann hier nicht näher eingegangen werden.

Tod Fr. Arn. Brockhaus'.

Die angestrengteste Geschäftsthätigkeit, die damit verbundenen Sorgen, zu welchen sich der bereits angedeutete ärgerliche, immer wieder auftauchende Streit von Dortmund her kam; seine fortwährenden Zensurkämpfe namentlich mit der preussischen Regierung; verdriessliche litterarische Händel, die durch sein heftiges Temperament genährt wurden; die Not, welche ihm Konkurrenz und Nachdruck des Lexikons verursachten, rieben seine Kräfte vor der Zeit auf, und brachten ihn um den ruhigen Genuss seines unermüdlichen Schaffens. Seine Gesundheit war untergraben. Obwohl im November 1822 dem Tode nahe und bereits allgemein totgesagt, erholte er sich wieder, unterlag jedoch einem neuen Anfall am 20. Aug. 1823[211].

Fr. Brockhaus † 15. Aug. 1865.

Das umfangreiche verwickelte Geschäft wurde von den jungen Söhnen Friedrich und Heinrich Brockhaus fortgesetzt. Friedrich hatte, wie schon erwähnt, die Leitung der Buchdruckerei übernommen, welche 1823 10 Holzpressen beschäftigte. Im Jahre 1833 wurde eine Stereotypie eingerichtet, 1836 die Walbaumsche Schriftgiesserei erworben (S. 283). Friedrich war eifrig bemüht, der Buchdruckerei die Superiorität in dem in den vierziger Jahren aufblühenden Illustrationsdruck zu sichern, und scheute keine Opfer, um den Vergleich mit dem Auslande aushalten zu können. Die ersten epochemachenden illustrierten Werke: Vernets „Napoleon“, Menzels „Friedrich der Grosse“, die „Illustrirte Zeitung“ wurden unter der Leitung Friedr. Brockhaus' gedruckt, der sich am 1. Januar 1850 von dem Geschäft zurückzog.

H. Brockhaus * 4. Febr. 1804, † 15. Novbr. 1874.

Heinrich Brockhaus leitete die Buchhandlung. Er war ein mit einer ausserordentlichen Arbeitskraft und grossem Organisationstalent begabter Mann von unabhängiger Gesinnung. Am 4. Mai 1872 konnte er mit Genugthuung den hundertjährigen Geburtstag des Gründers begehen, denn das Etablissement war in seiner Art eines der vielseitigsten der Welt und in Wahrheit ein Universalgeschäft geworden, das mehr als 600 Personen beschäftigte. Der mit grösster Sorgfalt von Heinrich Brockhaus herausgegebene, 1148 Seiten starke Verlagskatalog verzeichnete damals bereits 2552 Artikel in 5851 Bänden. Als Teilnehmer waren die Söhne Heinrichs, Dr. Eduard und Rudolf Brockhaus, eingetreten. Heinrich Brockhaus, von der Universität Jena zum Ehrendoktor, von der Stadt Leipzig zum Ehrenbürger ernannt, starb am 15. November 1874[212].

Das Konversations-Lexikon bildet immer noch den Mittelpunkt des grossen Verlags und der Einfluss, welchen dieses jetzt in der 13. Auflage erschienene Werk auf die allgemeine Bildung geübt hat, ist ein grosser. Der Bilderatlas zum Konversations-Lexikon, 2. Aufl., ist ein Werk, wie es nur in einem Universalgeschäft, das über alle Arten der technischen Herstellungsmethoden gebietet, in solcher Weise durchgeführt werden konnte.

B. G. Teubner * 16. Juni 1784, † 21. Jan. 1856.

Benedictus Gotthelf Teubner, zu Grosskraussnigk in der Niederlausitz geboren, hatte noch vor Brockhaus sein später so bedeutendes Etablissement 1811 mit zwei Holzpressen angefangen. Bereits 1823 verband er mit seiner Buchdruckerei eine Buchhandlung, die sich durch ihren philologischen Verlag und korrekte Klassiker-Ausgaben einen grossen Ruf erwarb. Teubner war eifrigst für einen sorgsamen Druck bemüht, und hat in dieser Hinsicht wesentliche Verdienste um die Kunst, auch richtete er sein Streben auf eine, für damalige Zeit nicht gerade übliche, Eleganz in allen Accidenzarbeiten unter Verwendung des Guilloche- und Farbendruckes. Die von ihm herausgegebene Jubelschrift des Dr. K. Falkenstein zeigt, was das Geschäft auf den verschiedenen Feldern des graphischen Gebietes zu leisten vermochte. Sind diese Leistungen auch durch die der jüngeren Zeit überflügelt, so waren sie doch damals bedeutend und die Buchdruckerei Teubners gehörte mit zu den in der neuern Richtung tonangebenden. Bei seinem Tode waren sieben Schnellpressen in Gang, auch hatte er in Dresden eine Filiale gegründet. Die Nachfolger, seine Schwiegersöhne Ad. Rossbach und Albin Ackermann, verliessen die früher eingeschlagene Kultivierung des Accidenzdruckes und zeichneten sich durch ihren vortrefflichen Werk- und namentlich durch ihren Zeitungs-Illustrationsdruck aus. Der grossartige philologische Verlag, aus gegen 2000 Werken in über 3000 Bänden bestehend, wurde unter besonderer Leitung des jetzigen Geschäftsteilhabers Dr. Aug. Schmitt in kräftigster Weise fortgeführt. Ohne irgend eine typographische Prätension zu erheben sind unter diesen Werken unübertroffene und unübertreffliche Drucke, um einen unter vielen als Beispiel zu nennen Herodiani reliquiae in geradstehender griechischer Schrift. Die Offizin ist eine der am besten eingerichteten und grössten Deutschlands, sie arbeitet mit 35 Schnellpressen und gegen 400 Arbeitern, und druckt 18 Zeitschriften.

Karl Tauchnitz * 29. Okt. 1761, † 14. Jan. 1836.

In die Reihe derjenigen verdienten Männer, die als Bahnbrecher der deutschen Typographie zu bezeichnen sind, gehört als einer der ersten Karl Christoph Traugott Tauchnitz.

Tauchnitz war in Grossbardau bei Grimma geboren. Da er seiner Armut wegen nicht studieren konnte, ward er 1777 Buchdruckerlehrling und arbeitete später bei Unger in Berlin. 1792 kehrte er nach Leipzig zurück. Im Jahre 1797 gelang ihm der Ankauf einer kleinen Buchdruckerei. Das Geschäft gewann durch Tauchnitz' Fleiss und Akkuratesse an Ausdehnung. Bereits 1800 konnte er eine Schriftgiesserei und eine Buchhandlung mit der Buchdruckerei vereinigen. Seine Wirksamkeit muss namentlich von dem Standpunkte der Verbindung dieser Geschäfte zu einem ganz bestimmten Ziel beurteilt werden. Dies Ziel war die Herausgabe der griechischen und römischen Klassiker in guter Ausstattung, grösster Korrektheit und zu den billigsten Preisen.

Die Klassiker.

Im Jahre 1808 machte er damit den Anfang. Jedoch ohne das von Lord Stanhope eingeführte Stereotypverfahren, welches er durch den Engländer Watts gelernt hatte, wären die oben erwähnten Erfordernisse der Kollektion schwer zu erreichen gewesen.

In seinen Bemühungen um die Verbesserung der Antiqua, der griechischen und der orientalischen Schriften wurde er durch die Schriftgiesser J. G. Schelter und Matthes unterstützt.

Prachtwerke.

Seine Leistungen beschränkten sich jedoch nicht auf brauchbare billige Ausgaben; er lieferte auch Prachtdrucke ersten Ranges und wissenschaftliche Werke bedeutenden Umfanges. Zu den ersteren gehören sein Theokrit in Folio (1821); das Carmen Arabicum Szanicddini Helensis (1816), dessen Originaltext im orientalischen Stil in Gold und bunten Farben gedruckt ist; die Kuhnsche Hymne an König Friedr. August von Sachsen. Zu seinen bedeutendsten typographischen Leistungen zählen noch die arabische Ausgabe des Korans durch Flügel; die Fürstsche Bearbeitung der Buxtorffschen „Concordanz“, die stereotypierten hebräischen Bibeln von Hahn u. a.

K. Ch. Tauchnitz.

Mitten unter Plänen zu neuen wichtigen Unternehmungen rief ihn der Tod plötzlich ab. Sein Sohn Karl Christian Philipp, der eine ausgezeichnete Bildung genossen hatte, setzte das Geschäft, ohne demselben mit der vollen Neigung des Vaters zugethan zu sein, doch ganz im Sinne des Verstorbenen fort. Auf Veranlassung der Amerikanischen Mission in Syrien wurde eine neue arabische Schrift geschnitten, die sich dem Geschmack der Orientalen gut anpasst, jedoch im Satz grössere Schwierigkeiten bietet, als die ältere, mit welcher der Koran gedruckt wurde. Die Firma erlosch durch Verkauf der verschiedenen Geschäftsbranchen.

Fr. Nies * 6. Aug. 1804, † 16. Juni 1870.

In dem Streben für die Herstellung orientalischer Werke war Fr. Nies aus Offenbach mit Karl Tauchnitz verwandt, wenn auch der letztere von wissenschaftlichem sowohl als typographischem Standpunkte aus Idealeres anstrebte. Angeregt namentlich durch den genialen Verleger W. A. Barth, den Professor M. G. Schwartze und den Paläographen E. F. F. Beer, später auch durch Professor Seyfarth unterstützt, unternahm Nies das Wagnis, hieroglyphische Typen in seiner, 1831 angelegten Schriftgiesserei herzustellen. Die hieroglyphische Schrift bestand aus etwa 1500 Stücken. Diese in verschiedenen Grössenabstufungen sowohl nach links als nach rechts gewendet ausgeführten, oft einander sehr ähnlichen Figuren in ein richtiges Typensystem zu bringen war für damals wirklich eine That; sie gelang und viele Werke, darunter das Riesenwerk des Dr. M. G. Schwartze „Das alte Ägypten“[213], zeigen, dass die Offizin nach damaligen Verhältnissen Bedeutendes leistete. Nies konnte mit seinen selbstgegossenen Schriften in gegen 300 Sprachen drucken, vermochte jedoch nicht, sich mit dem Gedanken zu befreunden, heute das rückhaltlos zu verwerfen, was gestern gut gewesen war, und ermüdete deshalb unter den erhöhten Ansprüchen der fortschreitenden Wissenschaft und Technik in seinen Anstrengungen. Das sonst so blühende Geschäft verödete nach und nach. Im Jahre 1856 übernahm es Carl B. Lorck, der erst sich mit J. J. Weber zur Ausführung der unter dieser Firma in den Jahren 1837–1845 erschienenen grösstenteils illustrierten Werke und Zeitschriften vereinigt hatte. Die Druckerei und Schriftgiesserei wurde zeitgemäss reorganisiert und vervollständigt. Eine bedeutende Zahl von orientalischen Werken, besonders für das Ausland gedruckt, verliess in den Jahren 1856 bis 1868 die Pressen der Offizin. In letzterem Jahre übernahm sie W. Drugulin * 20. Aug. 1821, † 20. April 1879.W. Drugulin, welcher die bis dahin fortgeführte Firma Fr. Niessche Buchdruckerei in W. Drugulin änderte. Lorck gab die „Annalen der Typographie“ (1869–1877) und mehrere Fachschriften heraus[214]. Drugulin setzte das begonnene Werk im bisherigen Sinne fort. Hatte die Jury der Pariser Weltausstellung von 1867 bereits erklärt, dass in Frankreich nur die kaiserliche Druckerei ähnliches prästieren könne, wie diese Privatoffizin in Leipzig, so wurde nun in der That durch Drugulins Erwerbungen, unter welchen sämtliche Stempel und Matern der früheren Karl Tauchnitzschen orientalischen, älteren Renaissance- und holländisch gothischen Schriften sich befanden, ein Komplex geschaffen, wie er ausser in den Staatsanstalten zu Wien und Paris sich nicht wieder vorfindet. Drugulins aussergewöhnlichen Kunst- und antiquarischen Kenntnisse kamen ihm bei seinen vielen Reproduktionen und Imitationen von Drucken älteren Stils vortrefflich zu statten. Namentlich ist das grossartige Werk: „Die Chronik des Sächsischen Königshauses und seiner Residenzstadt“, ein Geschenk der Stadt Dresden zur Feier der silbernen Hochzeit des Königs Albert und der Königin Carola, ein Meisterstück dieser Gattung. Es war jedoch Drugulin nicht beschieden, den Schluss des Werkes zu erleben.

Hieroglyphendruck.

Die von Nies eingeführten hieroglyphischen Typen wurden zumteil durch die früher erwähnten eleganteren und kleineren Typen in Umrissen verdrängt (S. 285), teils hat es in jüngster Zeit den Anschein, als wollte die Lithographie und speziell die Autographie der Typographie das Terrain der Ägyptologie streitig machen. Der bedeutende Verlag der J. C. Hinrichsschen Buchhandlung in Leipzig auf diesem Felde ist fast durchweg in Autographie hergestellt, z. B. das hieroglyphisch-demotische Wörterbuch von H. Brugsch-Bey, das 1728 Seiten in kl. Folio umfasst. Vorausgesetzt, dass der Verfasser es versteht, hieroglyphische Umrisse korrekt wiederzugeben und sonst leicht leserlich schreibt, ist die autographische Wiedergabe eine ganz zweckmässige. Wenn mit Typen gesetzt, würden die Kosten für ein Werk wie das genannte, dessen Absatz begreiflicherweise nur ein beschränkter sein kann, allerdings kaum erschwinglich sein; im Interesse der Wissenschaft muss man deshalb die Besiegung der Typographie durch die Lithographie auf diesem Gebiete mit Ruhe hinnehmen.

B. Tauchnitz.

Die Offizin des Neffen des K. Tauchnitz, Bernhard Tauchnitz, erneute den Weltruf des Namens ebenfalls hauptsächlich durch die konsequente und grossartige Durchführung eines einzigen Unternehmens, bei welchem jedoch weniger die typographische als die bibliopolische Bedeutung hervortritt. Wer kennt nicht die Tauchnitz Collection, die Sammlung von Werken englischer und amerikanischer Autoren, deren Bändezahl jetzt 2000 übersteigt, die in über 600000 Stereotypplatten vorhanden sind? Wie die Karl Tauchnitzsche Kollektion auf die altklassische Bildung, so hat das B. Tauchnitzsche Unternehmen ganz ausserordentlich zur Verbreitung der englischen Litteratur und Sprache auf dem Kontinent, daneben auch zur Mehrung des Ansehens des deutschen Buchhandels in England beigetragen. Der Umstand, dass der Unternehmer den Autoren resp. den Verlegern zu einer Zeit Honorar zahlte, wo dies noch nicht durch gesetzliche Bestimmungen geboten war, erwarb ihm sofort die Gunst der genannten, die er sich zu erhalten verstanden hat.

Ausser der Sammlung lieferte die Offizin für den Verlag des Besitzers — für Andere arbeitet sie nicht — eine Reihe von ebenso gut ausgestatteten wie durch ihre Korrektheit bekannten bedeutenden Werke, besonders in juristischer und linguistischer Richtung, unter welchen beispielsweise die fehlerfreien Logarithmen von Köhler genannt sein mögen.

Andere Firmen.

Ausser B. G. Teubner hatten bereits G. H. Maret, Wilh. Haack und namentlich C. L. Hirschfeld in allen Accidenzarbeiten einen sehr guten Geschmack gezeigt. Letzterer, durch einen längeren Aufenthalt in Paris tüchtig ausgebildet, verband Stereotypie und Gravieranstalt mit seiner Buchdruckerei. Im Bunt- und Golddruck leistete er Bedeutendes und das von ihm 1840 herausgegebene Tableau in etwa zwanzig Farbenplatten, Typographia jubilans, ist eins der bedeutendsten Erzeugnisse der Jubelpresse.

Das Jubelfest 1840.

Es dürfte hier, ehe wir zur jüngsten Gestaltung des graphischen Geschäfts in Leipzig übergehen, der Ort sein, mit einigen Worten des Jubelfestes 1840 zu gedenken, das sich nicht zu einer Lokalfeier, sondern zu einem grossen nationalen Feste gestaltete, welches in der Geschichte der Buchdruckerkunst einen Platz verdient.

Während im Jahre 1640 fünf Buchdruckereibesitzer mit 14 Gehülfen, im Jahre 1740 achtzehn Offizinen mit 138 Gehülfen dem Feste beiwohnten, zeigt die Liste der Beteiligten im Jahre 1840 24 Buchdruckereien mit 232 Handpressen, 11 Schnellpressen und 672 Gehülfen, dazu noch 7 Schriftgiessereien mit 62 Gehülfen, schliesslich 108 Buchhandlungen mit 121 Gehülfen. Das Kontingent, welches allein das Brockhaussche Geschäft stellte, betrug mehr als die Gesamtzahl der das Fest von 1740 Feiernden.

Die Sammlungen der Buchdrucker zu einem Festfond begannen bereits 1837. Die Buchhändler traten 1839 hinzu und die Stadt bewilligte 3000 Thaler. Das unter den günstigsten Auspizien vorbereitete Fest nahm den würdigsten Verlauf.

Bereits am Nachmittag des 23. Juni hatte die ganze Stadt sich festlich geschmückt. Die Häuser waren mit Guirlanden und Kränzen behängt, Fahnen wehten und Triumphbogen waren errichtet.

Früh am 24. durchzog eine grosse Reveille die Stadt. Um 8 Uhr versammelten sich die anwesenden Kammermitglieder, die königlichen und städtischen Behörden, die Konsuln, das Offiziercorps, die Geistlichkeit, die Schulrektoren, die Spitzen der Universität und die Professoren, die Handlungsabgeordneten, die Obermeister und Beisitzer der Innungen, schliesslich die Festgeber: Buchdrucker, Schriftgiesser und Buchhändler, an verschiedenen Orten. Von Deputierten des Festcomités geleitet begaben sich die einzelnen Züge nach der Thomaskirche zu dem, vom Superintendenten Dr. Grossmann abgehaltenen Festgottesdienste. Als Text war gewählt: „Es ward ein Mann von Gott gesandt, der hiess Johannes; derselbe kam und zeugte von dem Licht“.

Um 10 Uhr begann der grosse Festzug von dem Gewandhause aus nach der Buchhändlerbörse, wo die von den Frauen gestiftete Fahne den Buchdruckern übergeben wurde. Von da ab ging der Zug nach dem Marktplatze, dessen dritten Teil die amphitheatralische Zuschauer- und Musiker-Tribüne einnahm. Nach Absingung der von Felix Mendelssohn-Bartholdy komponierten Festkantate hielt Raymund Härtel eine begeisterte und zündende Festrede, die mit den Worten schloss:

„Du Allmächtiger, der du jedem Volke seine Bestimmung zugeteilt hast, lass unser Jubelfest der Buchdruckerkunst dir ein Dankfest sein für die hohe Gabe und hilf du selber, dass sie forthin durch menschliche Willkür weder gemissbraucht, noch verkümmert werde. Ein Jubelfest ist auch ein Ausruhen von hundertjähriger Arbeit, und das ernste Geschäft des Lebens verklärt sich zum heiteren Festspiele: Darum öffne sich die Werkstatt und der alte Meister erscheine mitten unter seinem Feste!“ Als dann die Hülle sank, welche bis jetzt die im Mittelpunkte des Marktes befindliche Festoffizin mit den arbeitenden Giessern, Setzern und Druckern, weit überragt von dem kolossalen Gipsabguss der Mainzer Gutenberg-Statue Thorwaldsens, den Blicken der Menge entzogen hatte, entstand ein unbeschreiblicher Jubel. Es war ein unvergesslicher Augenblick, der, im jugendlichen Alter erlebt; noch dem Greise in späten Jahren so lebhaft in der Erinnerung vorschwebt, als handle es sich um ein Ereignis von gestern, und den miterlebt zu haben als eine Gunst des Schicksals betrachtet werden muss.

Um 3 Uhr fand in der Halle am Augustusplatze ein Festessen statt, an welchem etwa 3000 Personen teilnahmen. Bei Eintritt der Dunkelheit bekundete eine glänzende Erleuchtung der Stadt die allgemeine Teilnahme aller Behörden und Bürger an dem Feste.

Am 25. vormittags fand eine Versammlung fremder und einheimischer Gelehrter, Künstler und Buchhändler in der Festhalle statt. Gleichzeitig wurde in der Buchhändlerbörse eine interessante Ausstellung älterer und neuerer Druckwerke, Xylographien u. a. eröffnet. Um 3 Uhr füllte die Aufführung des von Mendelssohn für das Fest komponierten Lobgesanges, die unter Leitung des Komponisten und unter Beihülfe von über 500 Sängern und Musikern stattfand, die Thomaskirche. Abends war grosser Ball von über 4000 Personen in der Festhalle. Die Familien der Beamten, Professoren, Prinzipale und Gehülfen verkehrten im fröhlichsten Durcheinander und selbst der eindringende Gewitterregen musste dazu beitragen, die Heiterkeit zu erhöhen.

Am 26. vormittags war eine interessante Festvorstellung im Schauspielhause veranstaltet: Theaterschau von der Erfindung der Buchdruckerkunst bis auf die neueste Zeit. Um 1 Uhr begannen die Festzüge der Innungen, sich nach dem Exerzierplatz am Rosenthal, wo ein echtes Volksfest abgehalten werden sollte, in Bewegung zu setzen. Der mit Zelten in grosser Zahl, Fahnen, Buden, Caroussels, Tribünen etc. geschmückte, dicht an den Wald sich lehnende Platz bot mit den etwa 60000 Anwesenden ein höchst belebtes und anmutiges Bild. Am Abend ward noch ein glänzendes Feuerwerk abgebrannt. Dann zogen die Innungen nach und nach wieder mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen nach der Stadt. Den Beschluss machte der grosse Zug der Festgeber mit 1000 Fackeln, die unter Gesang und Jubel auf dem Marktplatze zusammengeworfen wurden.

Nicht ein Misston hatte das herrliche Fest gestört, welches Leipzig mit dankbaren und stolzen Gefühlen hatte begehen können, denn es war zugleich ein Huldigungsfest Leipzigs als Führerin auf dem Gebiete der Buchdruckerei und des Buchhandels im Vaterlande Gutenbergs geworden. Dass Leipzig willens ist, seine ehrenvolle Stellung zu behaupten, wird ein Blick auf die jüngste Vergangenheit und auf den Augenblick zeigen.

Giesecke & Devrient.

Eine eigentliche Umgestaltung des Geschmacks für das Accidenzfach, das heutzutage einen so wichtigen Platz einnimmt, ging erst von der Firma Giesecke & Devrient aus. Diese, jung an Jahren, reich an Ehren, zeigte, dass eine Staatsdruckerei nicht notwendig ist, um das zu leisten, was man von Staatsanstalten verlangt und mit Recht verlangen kann, weil diese in erster Reihe zu Ehren der Kunst und nicht um eine Existenz zu begründen arbeiten.

Die Firma wurde von Hermann Giesecke und Alphonse Devrient am 1. Juni 1852 begründet, zu einer Zeit, wo der typographische Geschmack und der Sinn für schöne Accidenzarbeiten namentlich durch Hänel einen wesentlichen Aufschwung genommen hatte (S. 281). Die genannten waren Männer, wie sie die Zeit eben verlangte, um dem Geschmack eine bestimmte Richtung zu geben. Sie haben hierin bedeutende Verdienste und waren stets redlich bemüht, das Halbgute durch das wirklich Gute zu ersetzen.

Nach und nach entstand in ihrem Hause eine Reihe von graphischen Spezialanstalten, die namentlich zur Herstellung der unendlich vielen Wertzeichen nötig waren, mit deren Anfertigung die Firma nicht nur von den verschiedenen Regierungen und Geldinstituten Deutschlands betraut wurde, sondern die ihnen auch aus der Schweiz, Italien, Holland, Schweden, Finnland, Rumänien und Amerika zuflossen. Es war die glänzendste Zeit der Gründungen, des Aktien- und Papiergelddruckes, welcher erst der Krach, dann die Gründung der Reichsbank eine Grenze setzte.

Aber der Ruhm der Firma war nicht allein von diesem höheren Accidenzdruck abhängig, sondern wurde noch durch hervorragende Werkdrucke gesteigert. Unter diesen muss einer erwähnt werden, welcher, wenn auch von kaiserlicher Munifizenz getragen, als eine der hervorragendsten Leistungen intelligenter Typographen dasteht: die Reproduktion des von Const. Tischendorf entdeckten Codex Sinaiticus.Codex Bibliorum Sinaiticus, welche für Rechnung der Besitzerin dieses Schatzes, der russischen Regierung, ausgeführt wurde. Zuerst wurden photographische Facsimiles derjenigen unter den einzelnen Buchstaben, welche dem Herausgeber den Charakter der Handschrift am besten auszudrücken schienen, veranstaltet, und hiervon zwei Gattungen, eine grössere für den Text und eine für die Noten, dazu später noch eine dritte geschnitten. Als es sich jedoch ergab, dass die Abstände zwischen den einzelnen Buchstaben in dem Original manchmal in einem anderen Verhältnis zu einander standen als in dem Satz, mussten verschiedenartige Güsse gemacht oder durch Unterschneiden der einzelnen Buchstaben nachgeholfen werden. Der Raum der einzelnen Buchstaben wurde durch Tischendorf nach Millimetern ausgerechnet und die Zahl solcher an jeder einzelnen Stelle im Manuskript verzeichnet. Nachdem Tischendorf ferner entdeckt hatte, dass vier verschiedene Kalligraphen bei dem Codex thätig gewesen waren, mussten eine Menge Ergänzungstypen geschaffen werden, um die Eigentümlichkeiten der verschiedenen Schreiber wiederzugeben. So hatte z. B. das Omega sieben Varianten. Auch die getreue Wiedergabe der Zusätze zwischen den Zeilen des Manuskripts musste statthaben, ja selbst die Abweichungen der alten Kalligraphen von der üblichen Regel waren getreulich nachzuahmen. So entstand ein Werk ohne Rivalen.

Papyros Ebers.

Ebenfalls als eine höchst gelungene Facsimile-Ausgabe ist der durch Lithographie im Verein mit der Typographie hergestellte Papyros Ebers (bei Wilh. Engelmann in Leipzig) zu bezeichnen. Die Nachahmung der Färbung der Schrift und der Pflanzentextur des Papyrus ist so vollkommen gelungen, dass man auf Carton aufgezogene Papyrosblätter vor sich zu haben glaubt. Während die lithographische Nachbildung aus der Offizin von Giesecke & Devrient stammt, ist der textliche Teil mit den hieroglyphischen Typen des F. Theinhardt von Breitkopf & Härtel gedruckt.

Alph. Devrient * 21. Jan. 1821, † 1878.

Alphonse Devrient, der berühmten Künstlerfamilie Devrient angehörend, starb frühzeitig auf einer Erholungsreise nach Berlin am Ostermorgen 1878. Er hatte bei Fr. Nies gelernt und arbeitete vier Jahre in der Imprimerie royale in Paris in der sogenannten Chambre arabe unter der strengen, jedoch wohlwollenden Leitung Lud. Rousseaus und des gelehrten Orientalisten Jul. Mohl und ging dann nach England. Er war einer der tüchtigsten Typographen seiner Zeit. Der überlebende Chef Herm. Giesecke entstammt dem bekannten Hause Schelter & Giesecke, als Sohn des C. F. Giesecke.

Bibliographisches Institut.

Eine aus kleinen Anfängen rasch zu einem Weltgeschäft angewachsene Druck- und Verlagsanstalt ist das Bibliographische Institut.

Jos. Meyer * 9. Mai 1796, † 27. Juni 1856.

Im Jahre 1826 gründete Joseph Meyer in seiner Vaterstadt Gotha das Institut, welches 1828 nach Hildburghausen verlegt wurde. Das mit Stahlstichen illustrierte „Universum“ erreichte eine für damalige Zeit ganz enorme Auflage von 80000 Exemplaren. Es folgten verschiedene Klassiker-Bibliotheken, deren Rechtmässigkeit bestritten wurde, die aber durch eine bisher ungekannte Billigkeit die Kauf- und Leselust anregten und eine weite Verbreitung fanden. Dann kam das grosse Konversations-Lexikon in 52 starken Bänden. J. Meyer war ein Mann von ausgebreiteten Kenntnissen mit einer staunenswerten Arbeitskraft, die er jedoch über alles Mass anstrengte, indem er neben der bibliopolisch-typographischen Wirksamkeit noch grossartige industrielle Pläne verfolgte.

H. J. Meyer.

Sein Sohn Hermann Julius Meyer zog mit dem Institut 1874 nach Leipzig[215]. Jetzt steht dasselbe als eines der grossartigsten und am besten geleiteten nicht nur in Deutschland da. So imponierend auch schon die äusseren Einrichtungen wirken, so ist es doch namentlich die innere Organisation dieser mit zwei Rotationsmaschinen und 31 Schnellpressen arbeitenden Anstalt, welche Bewunderung erregt. Das Geschäft sucht und findet seine Kraft in der Konzentration und in der Erreichung möglichster Vollkommenheit innerhalb der selbstgesteckten Grenzen für seine Wirksamkeit. Von der dritten Auflage des grossen Konversations-Lexikons wurden über 100000 Exemplare abgesetzt, daneben erlangte das kleine Lexikon in zwei Bänden eine grosse Popularität. Ein Werk von hohem Wert ist A. E. Brehms „Tierleben“ in zehn prachtvoll illustrierten Bänden.

J. Klinkhardt.

Ein Geschäft, welches ebenfalls in verhältnismässig kurzer Zeit eine grosse Entwickelung und Ausdehnung gewann, ist das bereits (S. 287) erwähnte von J. Klinkhardt, welches mit 21 Schnellpressen, 22 Handpressen und 35 Giessmaschinen über 400 Personen beschäftigt und vortreffliche Arbeiten im modernen Stil liefert.

Verschiedene Druckereien.

Dass diese und die sonst genannten Offizinen dem Illustrationsdruck alle erdenkliche Sorgfalt widmen, ist selbstverständlich, ausser denselben besitzt Leipzig jedoch noch eine Reihe von Druckereien, die sich vorzugsweise mit Illustrationsdruck beschäftigen. Des von Ed. Kretzschmar begründeten Geschäfts (jetzt C. Grumbach) wurde bereits (S. 298) gedacht. Vieles zur Bildung einer tüchtigen Schule von Holzschnittdruckern trug Kretzschmars erster Gehülfe Joh. Chr. Benedict bei. A. H. Payne druckt mit Rotationsmaschine und 18 Schnellpressen für den eigenen Verlag eine grosse Anzahl von illustrierten Blättern und Werken. Alex. Edelmann und Otto Dürr wirkten erst zusammen, dann getrennt und lieferten mehrere der grossen Berliner Modezeitungen und viele Prachtwerke für Alf. Dürr, während A. Hundertstund & A. Pries namentlich den Seemannschen Kunstverlag druckten. Alex. Wiede beschäftigt 18 Schnellpressen fast nur mit der Herstellung der „Gartenlaube“. Aus den Pressen der Firma Fischer & Wittig stammen sehr viele der schönsten illustrierten Prachtwerke neuerer Zeit sowohl aus dem Verlag von Leipziger als auswärtigen Buchhändlern.

Mit wissenschaftlichen Werken beschäftigten sich vorzugsweise Metzger & Wittig, A. Th. Engelhardt, C. Hirschfeld, Otto Wigand und Bär & Hermann, welche letztere den Druck russischer Werke als Spezialität pflegen; Ph. Reclam jun. liefert mit 22 Schnellpressen fast ausschliesslich Zwanzigpfennigbände seiner Universalbibliothek; Otto Spamer druckt seine zahlreichen illustrierten Jugendschriften und populären Werke; C. G. Naumann hat seine umfangreiche Offizin nur für Accidenzien eingerichtet; Alex. Waldow verwendet die seinige nur für den Druck des „Archiv der Buchdruckerkunst“ und anderer in seinem Verlage erscheinender, zumteil von ihm verfasster typographischer Fachschriften[216].

An Tagesblättern ist Leipzig geradezu arm und manche Provinzialstädte Deutschlands von 30–50000 Einwohnern haben eine weit reichere Zeitungslitteratur aufzuweisen. Das umfänglichste Journal, namentlich zur Zeit der Messen, ist das „Leipziger Tageblatt“. Der Verleger E. Polz beschäftigt für den Druck desselben und ausserdem hauptsächlich für den des C. F. Winterschen Verlags drei Rotationsmaschinen und elf Schnellpressen.

Nicht alle graphischen Firmen Leipzigs, die tüchtiges liefern, können wir hier aufzählen. Die Zahl der Buchdruckereien Leipzigs (incl. der Vororte) beträgt 92 mit 7 Rotationsmaschinen, 437 Schnellpressen und 292 Tret- und Handpressen. Die 69 lithographischen Anstalten beschäftigen 146 Schnellpressen, 517 Handpressen. In beiden Branchen sind gegen 6200 Personen thätig.

C. G. Röder.

Den enormen Aufschwung, welchen das Musikaliengeschäft in Leipzig nahm, veranlasste ein Institut für Notendruck, das seinesgleichen sucht. C. G. Röder gründete mit kleinsten Mitteln 1846 seine Notendruckanstalt, welche jetzt mit 34 Schnellpressen, 25 Handpressen und einem Personale von 400 Köpfen arbeitet und namentlich die äusserst umfangreiche Édition Peters im Verlage des Bureau de musique druckt. An eigentlichen lithographischen Kunstinstituten hat Leipzig keinen Überfluss, dagegen ist die Anstalt für Phantasieartikel und Luxuspapiere von Meissner & Buch, die mit 15 Schnellpressen, 30 Handpressen und 46 Präg- und anderen Maschinen arbeitet, von grosser Bedeutung; auch die Offizin von Wetzel & Naumann hat einen enormen Aufschwung genommen und arbeitet hauptsächlich für den Export mit 32 Schnellpressen, 27 Handpressen und 450 Arbeitern. H. Wagner & E. Debes beschäftigen sich ausschliesslich mit kartographischen Arbeiten. Als Lichtdrucker leisten A. Naumann & Schröder vorzügliches. Die Zahl der xylographischen und chemigraphischen Anstalten ist eine beträchtliche.

Die die Typographie fördernden Verleger.

Es würde zu weit führen, alle die Verleger aufzuzählen, die, ohne eigene Druckereien zu besitzen, doch auf die Typographie einen grossen Einfluss übten. Den Buchdruck für wissenschaftliche Zwecke förderten u. a. namentlich J. A. Barth, W. Engelmann, Sal. Hirzel, L. Voss, die J. C. Hinrichssche Buchhandlung, F. C. W. Vogel[217], T. O. Weigel (I, S. 6), Rud. Weigel (I, S. 103), O. Wigand und C. F. Winters Verlag.

Für den illustrierten Verlag waren J. J. Weber und Georg Wigand in den dreissiger Jahren bahnbrechend. J. J. Weber führte 1832 das „Pfennig-Magazin“ und 1843 die „Illustrirte Zeitung“ ein. Die von Ad. Menzel illustrierte Geschichte Friedrichs des Grossen wurde noch während der Zeit der ersten Neuentwickelung des Holzschnittes in Deutschland (S. 297) unternommen, überhaupt wirkte geschmackvolle Ausstattung aller Weberschen Artikel sehr anregend sowohl auf die Buchdruckereien wie auf die Verleger.

Gleichzeitig mit Weber wirkte Georg Wigand, dessen im Verein mit seinem Bruder Otto Wigand 1840 unternommene Ausgabe von dem Nibelungenlied, illustriert von Hübner und Bendemann, eine schöne Jubelerinnerung bildet. Sowohl durch eigene Neigung als namentlich durch seine innige Verbindung mit Loda, Richter und Schnorr von Carolsfeld wurde er auf die mehr ursprüngliche echt deutsche Art des Holzschnitts geführt, von welchem Schnorrs Bibel in Bildern ein monumentales Denkmal bleibt.

In neuerer Zeit waren es namentlich E. A. Seemann und Alf. Dürr, welche den illustrierten Verlag förderten. Seemann lieferte eine grosse Reihe von Werken über die verschiedenen Zweige der Kunst und der Kunstgewerbe, Alf. Dürr pflegte namentlich die strengere Richtung der illustrierenden Kunst in den Werken von J. Führich, Preller u. a., daneben lieferte er eine Reihe von Jugendschriften in höchst anziehender Weise durch Osc. Pletsch illustriert. Auch Fr. Brandstetter, J. A. Baumgärtner, E. Keil, Velhagen & Klasing, K. Bädeker, Schmidt & Günther u. a. leisteten durch ihren Verlag den Illustrationsdruckern grossen Vorschub.

Dresden.

Unter den sonstigen Städten des Königreichs Sachsen hat die Residenzstadt Dresden allein einen bedeutenden Platz und unter den 47 Buchdruckereien und 54 lithographischen Anstalten, die mit 209 Schnellpressen und 251 Tret- und Handpressen arbeiten, nimmt wieder die Firma C. C. Meinhold & Söhne die hervorragendste Familie Meinhold.Stellung ein. Der Begründer derselben, Carl Christian Meinhold, Sohn eines Bergmannes aus Marienberg, erwarb die Hofbuchdruckerei, welche ihren Ursprung dem Herzog Georg dem Bärtigen verdankt, der 1524 den Buchdrucker Wolfg. Stöckel aus Leipzig nach Dresden berief, um reformatorische Schriften zu drucken. Stöckels Geschäft kam 1590 an die Familie Bergen, in welcher es blieb, bis Meinhold es 1778 übernahm und bald zu einer grösseren Blüte brachte. Er druckte die sächsischen und polnischen Kassenbillets und Staatspapiere und machte auch glückliche Verlagsspekulationen. Im Jahre 1816 übergab er die Geschäftsleitung seinen C. I. Meinhold * 1784. † 1861.Söhnen, von welchen Christian Immanuel Meinhold es nach dem Tode des Vaters allein übernahm. Zu der Buchdruckerei fügte er Schrift- und Stereotypengiesserei. Seine Söhne Julius und Theodor wurden 1855 Teilnehmer und von 1875 führte Julius das Geschäft allein fort und feierte am 28. Januar 1878 das hundertjährige Jubiläum der Firma.

Andere Offizinen.

Zu erwähnen sind noch namentlich B. G. Teubners Filiale des Leipziger Geschäfts (6 Schp.), E. Blochmann & Sohn (2 Rotm., 5 Schp.), der von Leipzig übersiedelte W. Baensch (8 Schp.), R. H. Dietrich (8 Schp.), Gleissner (Rotm. und 7 Schp.), C. Heinrich (12 Schp.), H. G. Münchmeyer (9 Schp.), Liepsch & Reichhardt (Rotm., 4 Schp.), J. Pässler (7 Schp.), Ad. Wolf (7 Schp.). Von den lithographischen Anstalten waren früher besonders angesehen: H. Hanfstängl und Fürstenau, ersterer auf Grund seines Galeriewerkes, letzterer wegen seiner brillanten Accidenzarbeiten; jetzt sind die grössten Institute W. Brückner & Co. (8 Schp., 6 Hdp.), R. Bürger (6 Schp., 5 Hdp.), R. Friedländer (7 Schp., 7 Hdp.). Als Lichtdrucker haben Römmler & Jonas (7 Schp.) bereits lange einen Namen. W. Hoffmann arbeitet mit 8 Lichtdruckschnellpressen. Als Verlagsort hat Dresden Bedeutung durch seine Kunstverleger, als: E. Arnold, A. Gutbier, Hanfstängl, F. & O. Brockmann Nachfolger, G. Gilbers, H. Krone u. a.

In der Fabrikstadt Chemnitz beschäftigen sich die Buchdruckereien wesentlich nur mit Zeitungs- und Accidenzdruck. Einen ungewöhnlichen Umfang erreichte das Geschäft von Pickenhahn & Sohn (1 Rotm., 20 Schp. und 150 Arb.). Unter den lithographischen Anstalten ist R. Oschatz (8 Schp., 16 Hdp.) die grösste. Bautzen hat eine sehr leistungsfähige Steindruckerei und Luxuspapierfabrik, Gebr. Weigang (23 Schp., 12 Hdp.); in dem Fabrikort Buchholz liefert G. Adler tüchtige Accidenzarbeiten für seine eigene bedeutende Cartonnagenfabrik. In Plauen wirkt ebenfalls für den Bedarf der Fabriken Mor. Wieprecht (6 Schp.), in Meissen C. E. Klinkicht & Sohn (4 Schp.).

Durch die Eisenbahnverbindung kann Altenburg fast als eine Vorstadt des typographischen Leipzig betrachtet werden. Wohlfeilere Lebensverhältnisse setzten in der tariflosen Zeit die dortigen Buchdrucker in den Stand, vorteilhaft mit den Leipzigern konkurrieren zu können. Diese Verhältnisse verstanden erst H. A. Pierer, welcher 1832 das von dem Vater Joh. Pierer erworbene Druckgeschäft übernommen hatte, und dann dessen Söhne Eugen und Alfred mit Geschick zu benutzen, so dass das gut und mit genügenden Mitteln geleitete Geschäft den Leipziger Druckereien öfters eine schwer zu bestehende Konkurrenz bereitete. Das in Pierers Verlag erschienene „Universal-Lexikon“ besass neben dem Brockhausschen Konversations-Lexikon ein grosses Ansehen, wenn auch die Verbreitung sich innerhalb mässiger Grenzen hielt[218].

Am 1. Januar 1872 ging die Druckerei in die Hände eines Leipziger Konsortiums über, unter Leitung des Mitbesitzers Steph. Geibel. Die Offizin wuchs rasch (19 Schp.) und hat sich namentlich einen Ruf durch ihre Accidenzarbeiten erworben (S. 292).

Thüringen hat viele gut eingerichtete aber keine besonders hervorragenden Druckanstalten aufzuweisen. In Gera lieferte Issleib & Rietschels Hofbuchdruckerei (6 Schp.) Beachtenswertes, namentlich im chemigraphischen Landkartendruck. Hildburghausen hatte früher durch das Bibliographische Institut (S. 346) Bedeutung; eine tüchtige Druckanstalt daselbst ist noch die von Gadow & Sohn (5 Schp.). Die Hofbuchdruckerei in Weimar datiert aus dem Jahre 1624, als der an allen Kulturbestrebungen regen Anteil nehmende Herzog Friedrich Wilhelm von Sachsen in seinem Schloss eine Offizin errichten liess, in welcher er selbst und seine Gemahlin an dem Satz Lutherscher Werke arbeiteten. Die Hauptstücke der christlichen Lehre fasste er als Enchiridion für den Unterricht seiner beiden Töchter zusammen.

Nach manchen Wandlungen durch zwei Jahrhunderte kam die Offizin in den Besitz Hermann Böhlhaus[219], in welchem sie sowohl durch Arbeiten für den eigenen Verlag, wie für fremde Rechnung einen raschen Aufschwung genommen hat.

Eine rastlose Thätigkeit entwickelte die Weimarer Druck- und Verlagsfirma B. F. Voigt. Verfolgt sie auch keine idealen Zwecke, so hat sie doch durch ihren grossen technischen Verlag (gegen 1500 Artikel und 20 Zeitschriften), namentlich durch ihren „Schauplatz der Künste und Handwerke“ in etwa 300 Werken, von welchen mehr als die Hälfte neue Auflagen (öfters sechs bis acht) erlebten, vieles zur Verallgemeinerung technischer Kenntnisse beigetragen. Die Natur des Verlages lässt keine Prachtwerke zu, doch sorgt die Firma für gute Ausführung der Werke sowohl als der vielen lithographischen Beilagen.

Justus Perthes * Septbr. 1785. † 1. Mai 1816.

In Gotha gehört die Engelhard-Rheyersche Hofbuchdruckerei zu den besten Anstalten Deutschlands. Der Besitzer Fr. Engelhard hat sich ausserdem um die Organisation der Krankenkassen der Gehülfen sehr verdient gemacht. Einen Weltruf hat das geographische Institut von Justus Perthes erlangt. Der Gründer war Joh. Georg Justus Perthes aus Rudolstadt; die ausschliesslich geographische Richtung erhielt das Geschäft erst durch den Sohn Wilh. Perthes, der auch den Gothaischen Hofkalender und den Almanach de Gotha erwarb. Stielers Handatlas eröffnete die Reihe des bedeutenden kartographischen Verlags, bei welchem H. Berghaus, Bernh. Perthes * 27. Okt. 1857.v. Stülpnagel, v. Spruner u. a. mitwirkten. Die grösste Blüte erlangte die Anstalt unter der Direktion des Bernhard Perthes, die noch während der Lebenszeit des Vaters begann, leider aber bereits vier Jahre nach des letzteren Tod ihre Endschaft erreichte.

Aug. Petermann „Mitteilungen“.

Unter der wissenschaftlichen Leitung des Dr. August Petermann bildete sich das Geschäft, unterstützt durch die seit 1855 monatlich erscheinenden „Mitteilungen aus Justus Perthes' geographischer Anstalt“, zu einem Mittel- und Einigungspunkte der Bestrebungen für die gesamte Erdkunde aus.

Perthes' Absichten in technischer Beziehung gingen nicht darauf, alle graphischen Künste in ein äusserlich grosses Etablissement zu vereinigen, sondern er verteilte die Arbeiten auf etwa dreissig selbständige Unternehmer, welche nahe an 400 Arbeitern den Unterhalt brachten.

In Erfurt geben die vielen Gärtnereien und die Eisenbahndirektion zu einem lebhaften Accidenzgeschäft Veranlassung. Die bedeutenderen Offizinen sind die von Ohlenroth (6 Schp.), Fr. Bartholomäus und G. A. König. H. C. Bestehorn in Aschersleben beschäftigt 8 Schnellpressen und viele Arbeiter mit Luxuspapierfabrikation. Th. Müller in Nordhausen liefert mit 8 Schnellpressen Etiquetten, Geschäftspapiere u. dgl.

Die Cansteinsche Bibelanstalt.

In Halle befindet sich die altehrwürdige Waisenhausbuchhandlung und Buchdruckerei nebst der damit verbundenen v. Cansteinschen Bibelanstalt. Die erstere wurde 1697 durch den Pfarrer Heinr. Jul. Elers als Teil der Franckeschen philanthropischen Stiftungen begründet[220]. Für eine Buchdruckerei wurde wenige Jahre nachher ein Privilegium erteilt. Die Cansteinsche Bibelanstalt ist durch die Anstrengungen des Barons Carl Hildebrandt von Canstein durch gesammelte Beiträge gegründet. Bereits 1712 konnte das Neue Testament, 1713 die ganze Bibel gedruckt werden. v. Canstein starb am 19. Juli 1719, worauf Francke die Anstalt übernahm, die im Jahre 1713 ebenfalls eine eigene Buchdruckerei erhielt.

Eine neue Epoche für dieselbe begann mit der Gründung der Britischen Bibelanstalt 1804 (S. 99) und der deutschen Hauptbibelgesellschaft. Im Jahre 1830 konnte die erste Schnellpresse aufgestellt und 1839 eine Stereotypie eingerichtet werden. Die Zahl der von 1712–1872 gedruckten Bibeln und Neuen Testamente betrug nahe an sechs Millionen. Seit dem Jahre 1860 sind die beiden Druckereien der Franckeschen Stiftungen im Betrieb vereinigt (12 Schp.) unter der sicheren Leitung des tüchtigen Buchdruckers C. Bobard. Einen besonderen Aufschwung nahm die Buchhandlung O. Bertram † 10. April 1876.seit 1858 unter der umsichtigen Direktion von Osw. Bertram, der sich auch um den Deutschen Buchdrucker-Verein sehr verdient gemacht hat. Sein Nachfolger ist der durch seine höchst verdienstlichen bibliopolischen Schriften bekannte Aug. Schürmann[221].

Carl August Schwetschke * 29. Sept. 1756.

Ein angesehenes Geschäft ist das Gebauer-Schwetschkesche. Carl August Schwetschke aus Glauchau kam 1783 als Faktor in die Buchhandlung der Witwe Hemmerde, welche ihn 1788 als Mitbesitzer aufnahm. Die Firma wurde nun Hemmerde & Schwetschke und, als des letzteren Sohn Carl Ferdinand im Jahre 1828 eintrat, Dr. Carl Gust. Schwetschke * 5. April 1805, † 5. Okt. 1881.Schwetschke & Sohn. Im Jahre 1820 war ihm die Gebauersche Buchhandlung und Buchdruckerei zugefallen, die er als besonderes Geschäft seit 1828 mit seinem jüngeren Sohne Dr. Carl Gustav Schwetschke fortführte.

Bereits am 30. September 1878 konnte die Familie eine dreifache Jubelfeier begehen, die des hundertjährigen Bestehens des Geschäfts, die fünfzigjährige der geschäftlichen Wirksamkeit Dr. Gustavs und die fünfundzwanzigjährige derjenigen seines Sohnes Carl Ferdinand. Zu den bedeutenden Unternehmungen der Firma gehören: Suidae Lexicon graece et latine und Freytagii Lexicon arabico latinum. Dr. G. Schwetschke erwarb sich einen bekannten und beliebten Namen durch seine litterarischen Arbeiten[222].

Die frühere Bedeutung Magdeburgs als Druckplatz ging bald verloren. Erst durch Ed. Hänel (S. 281), dessen Etablissement noch heute besteht, gewann es wieder einen Namen. Zu nennen sind besonders das Etablissement von E. Baensch jun. (10 Schp.) und die Druckerei der Brüder Alexander und Robert Faber, welche die in ihrem Verlage erscheinende „Magdeburgische Zeitung“, die eine einflussreiche Stellung und eine grosse Verbreitung erreicht hat, mit 3 Rotationsmaschinen und 5 Schnellpressen druckt.

Fr. Vieweg † 25. Dez. 1835.

Ed. Vieweg * 15. Juli 1797, † 1. Dez. 1869.

Braunschweig hat, obwohl nicht durch besondere örtliche Verhältnisse begünstigt, eine ziemlich bedeutende Rolle in der deutschen Typographie gespielt. Hier wirkte die Firma Vieweg & Sohn, welche durch ihr Beispiel grossen Einfluss auf die Fortschritte in der deutschen Bücherausstattung geübt hat. Der Begründer des Geschäfts war Fr. Vieweg (1799), den Höhepunkt erreichte dasselbe nach dem Beitritt des Sohnes Hans Heinrich Eduard Vieweg im Jahre 1825. Er war zu Berlin geboren und hatte sich für seinen Beruf in Frankreich ausgebildet. In Paris schloss er eine für das Leben dauernde Freundschaft mit dem berühmten Chemiker Justus v. Liebig, die für Viewegs geschäftliche Wirksamkeit von grösstem Einfluss wurde. Aus England brachte er die erste Columbiapresse nach Deutschland und unternahm es, auf der Zorger Eisenhütte im Harz dergleichen Pressen bauen zu lassen (S. 316).

Einfluss Viewegs.

Vieweg wurde ein Bahnbrecher für den guten typographischen Geschmack. Durch die Verwendung des instruktiven Holzschnittes in einem Maasse, wie früher nicht gekannt war, hat er ganz ausserordentlich zu der wahren Popularisierung der Wissenschaft, welche nicht mit dem oberflächlichen Naschen durch Hülfe zusammengeschriebener, sogenannter populärer Litteratur verwechselt werden darf, beigetragen. Seine Druckwerke, zu denen die eigenen Werkstätten die Schriften, die Holzschnitte und das Papier lieferten, waren ein Spiegelbild seiner eigenen Persönlichkeit. Alles durch und durch gentlemanlike: gediegenes Innere in einfach nobler Hülle. Das ganze Viewegsche Institut erinnert an die besten Werkstätten der früheren Blütezeit der Typographie mit ihren begeisterten, nach einem festen Ziele strebenden Leitern. Für das allgemeine Interesse des Buchgewerbes trat Vieweg stets mit Energie ein. Er unterlag in seinem 73. Jahre langen und schweren Leiden. Das Geschäft blüht fort und beschäftigt 14 Schnellpressen und 10 Handpressen.

G. Westermann * 23. Febr. 1810, † 7. Sept. 1869.

In ähnlicher Weise wie Vieweg wirkte George Westermann, welcher mit seiner 1838 gegründeten Buchhandlung 1845 eine Buchdruckerei vereinigte. Beide Geschäftszweige gelangten zur vollen Blüte und die Westermannschen Leistungen sind ebenso vorzüglich wie seine Offizin (15 Schp.) eine schön eingerichtete ist. Unter seinen Verlagsunternehmungen sind am bekanntesten seine nach amerikanischem Muster angelegten illustrierten „Westermanns Monatshefte“ (seit 1856). Durch E. Gäbler errichtete er in Leipzig eine chemitypische Anstalt, in welcher er seine äusserst billigen Kartenwerke herstellte. Von Langes Schulatlas ist bereits mehr als eine Million Exemplare verbreitet.

Unter den Druckanstalten Braunschweigs nimmt auch die von Julius Krampe (1 Rotm., 8 Schp.) einen angesehenen Platz ein. Die lithographische Anstalt der Firma H. Litolff (8 Schp., 5 Hdp.) druckt den bedeutenden Musikalien-Verlag der Firma.

Dr. H. Meyer.

An Braunschweig und die Firma Joh. Heinr. Meyer knüpft sich noch die Erinnerung an einen Mann, der von den deutschen Typographen stets hoch in Ehren gehalten zu werden verdient. Wie Vieweg auf dem praktischen Wege bahnbrechend wirkte, so Dr. Heinrich Meyer auf dem theoretischen durch sein „Journal für Buchdruckerkunst“. Dasselbe wurde 1834 begründet, zu einer Zeit des regsten Schaffens auf allen graphischen Gebieten. Kaum eine Woche verging, welche nicht eine Verbesserung, eine neue Schrift, eine neue Maschine u. dgl. brachte. Das Verdienst, alle diese Neuheiten nicht nur gewissenhaft registriert, beschrieben und abgebildet, sondern auch ihrem wahren Werte nach unparteiisch und nüchtern beurteilt zu haben, gehört Meyer. Fast immer war sein Urteil zutreffend und die Zukunft lehrte gewöhnlich, wie recht er gehabt hatte. In seiner Selbstlosigkeit war ihm die Sache alles; nie liess er sich von persönlichen Sympathien bestechen oder von Antipathien zu Ungerechtigkeiten hinreissen; sein Blatt blieb frei von allem Koteriewesen. In seinem Urteil war er mild, konnte jedoch auch, wenn es sein musste, gegen anmassende Dummheit derb, jedoch nie gehässig werden.

Dr. Meyer starb am 4. November 1863, schwerlich Feinde hinterlassend, wohl aber viele Freunde, die seinen Hingang als einen schweren Verlust für die deutsche Typographie betrauerten.

Nach seinem Tode litt das Blatt unter einem langen Schwanken in den redaktionellen Verhältnissen, bis im Herbst 1872 Theodor Goebel, an Kenntnissen und Sammelfleiss Meyer ebenbürtig, die Redaktion antrat und bis zum Herbst 1879 fortführte. Namentlich seine vielen ausführlichen und sachkundigen Ausstellungsberichte bieten wichtige Beiträge zur Kunde der Fortschritte auf allen graphischen Gebieten. Nach Goebels Rücktritt folgte wieder eine Periode der Unsicherheit, bis das Blatt im Herbst 1881 in den Verlag und in die Redaktion von Ferd. Schlotke in Hamburg überging.

Das „Journal für Buchdruckerkunst“ wird bald sein fünfzigjähriges Bestehen feiern können. Es bleibt die wichtigste Quelle für die Geschichte der typographischen Entwickelung in dem letzten halben Säkulum, in dessen Gewirr es einer späteren Generation schwer werden würde, sich ohne seine Hülfe zurechtzufinden.

Fußnoten:

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XIII. KAPITEL. DER NORDEN DER GERMANISCHEN GRUPPE.

Berlin: wachsende Bedeutung. Die Familie Decker, Unger Vater und Sohn, Gebr. Unger, Familie Spener, Reimer, Mittler u. a. Ed. Hänel-Gronau. Die Zeitungsdruckereien. Die Accidenzdruckereien. Die lithographischen und sonstigen Kunstanstalten. Breslau. Frankfurt a. O. Posen. Königsberg. Danzig. Stettin. Lübeck. Hamburg. Bremen. Hannover. Köln: Die Offizin der „Kölnischen Zeitung“.

Allmähliche Fortschritte.

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BERLIN hatte, als die neue Periode der Buchdruckerkunst anfing, noch keine Bedeutung als Druckstadt; dieselbe zeigte sich erst nach und nach unter der Regierung des grossen Königs, hielt jedoch immer noch nicht Schritt mit der zunehmenden Bedeutung der Residenz eines mächtig emporblühenden Landes.

Die Hofbuchdrucker.

Im Jahre 1757 wurde Christ. Friedr. Henning zum zweiten deutschen Hofbuchdrucker ernannt mit der Aussicht, die Stelle des ersten, Chr. Alb. Gäberts, nach dessen Tode zu erhalten. Neben den „deutschen Hofbuchdruckern“ gab es auch „französische“. Den Titel eines solchen hatte bereits 1696 Robert Roger aus Amsterdam. In dem Jahre 1718 ging Rogers Offizin in die Hände J. G. Michaelis über. Er sowohl als Henning waren sehr tüchtige Buchdrucker, die einen wesentlichen Anteil an der Hebung des typographischen Geschmacks in Berlin hatten.

Die Familie Decker.

Die berühmtesten Hofbuchdrucker gehörten jedoch der Familie Decker an, der eine so glänzende Rolle zufiel, wie wenigen in Deutschland[223].

Die Familie stammt aus Eisfeld im Thüringschen. Der am 23. April 1596 geborne Georg Decker siedelte nach Basel über und Joh. Jac. I Decker * 1635.erwarb 1635 durch Heirat mit der Witwe des Buchdruckers Johann Schröter dessen Offizin, die er so rasch zur Blüte brachte, dass er bereits 1636 zum Universitätsbuchdrucker ernannt wurde. Sein Sohn und Nachfolger Johann Jacob i zog 1680 mit einem Teile der Druckerei nach Neu-Breisach, um Drucker des dortigen französischen Gerichtshofes zu werden.

Joh. Jac. II Decker * 1666, † 1726.

J. Heinr. I Decker * 18. März 1679, † 29. Dez. 1741.

Von dessen beiden Söhnen Johann Jacob ii und Heinrich i führte der erste, als der Vater nach Breisach übersiedelte, das Geschäft in Basel fort und behielt nach dessen Tode im Interesse der Familie die Leitung, erwarb jedoch ausserdem die dortige Ludinsche, früher Henric Petrische Offizin. Der Bruder Joh. Heinrich I gründete in Colmar, welches durch den Ryswicker Frieden 1697 französisch geworden war, eine Offizin, um Regierungsarbeiten zu drucken.

Joh. Heinr. II Decker.

Der kinderlose Joh. Jacob ii vermachte sein Geschäft dem Joh. Heinrich ii, Sohn des Heinrich I, welcher ausserdem mit Erfolg das Colmarer Geschäft fortsetzte. Leider wurde er durch einen Verwandten zur Gründung einer Papierfabrik veranlasst, welche ihn in Verlegenheiten und Verdriesslichkeiten verwickelte, die ihn so erschütterten, dass er in einen Zustand von Geistesschwäche verfiel, unter welchem das Geschäft fast zugrundeging.

G. Jac. I Decker * 12. Febr. 1732, † 17. Nov. 1799.

Johann Heinrich II hatte zwölf Kinder, unter diesen Georg Jacob i. Derselbe lernte die Buchdruckerei, studierte dann in Strassburg, wo er im Hause seines Oheims, des bekannten Geschichtschreibers der Typographie, Joh. Schöpflin, gute Aufnahme und Nahrung für seine Liebe zur Typographie fand. Im Jahre 1750 ging Georg Jacob auf Reisen und kam, nachdem er vergeblich Aufnahme in der Breitkopfschen Offizin in Leipzig gesucht hatte, nach Berlin, wo er sechs Monate in der Henningschen Druckerei arbeitete.

Joh. Grynäus.

Ein französischer Emigrant Arnold Dussarrat hatte 1713 Konzession für eine französische Buchdruckerei erhalten, welche sich 1721 in den Händen des Johann Grynäus aus Basel befand. Letzterer kam, obwohl ein tüchtiger Mann, nicht vorwärts, und die Druckerei befand sich bei seinem Tode 1740 in misslicher Lage. Als Helfer trat nun Georg Jacob heran, der mit der Tochter des Grynäus, Louise Dorothea, einen Bund des Herzens geschlossen hatte. Nachdem er erst Ordnung in die verwickelten Angelegenheiten des väterlichen Geschäfts in Basel gebracht hatte, infolge welcher das Colmarer Haus auf den Bruder Johann Heinrich III überging, dessen Nachkommen noch in Besitz des dortigen angesehenen Geschäfts sind, übernahm Georg Jacob die alleinige Leitung der Grynäusschen Offizin und wurde 1756 Mitbesitzer, wodurch sich die Firma in Grynäus & Decker änderte.

Grynäus & Decker.

Der nun folgende rasche Aufschwung konnte nicht einmal durch den siebenjährigen Krieg gehemmt werden, da die grosse Zahl von Flugschriften und Neuigkeitsblättern eine lebendige geschäftliche Bewegung veranlasste. Nach dem Einzug der Russen in Berlin hielt der verschiedentlich kompromittierte Decker es jedoch für geraten, zeitweilig die Stadt zu verlassen.

Im Jahre 1763 wurde er alleiniger Inhaber des Geschäfts und von nun war sein Glück in stetem Wachsen. Er erhielt das Direktoriat der für das Lotto errichteten königlichen Druckerei mit einem Gehalt von 300 Thalern und nach erfolgtem günstigen Urteil der Akademie der Wissenschaften den Titel eines Hofbuchdruckers mit der Anwartschaft auf die klingenden Vorteile eines solchen. Die Versuche Deckers, diese Stellung sich erblich zu sichern, strandeten damals, ohne dass er deshalb den Gedanken daran aufgab.

Schriftgiesserei in Berlin.

Mit der Schriftgiesserei in Preussen war es noch schlecht bestellt. Seit Thurneyssers Anlauf (I, S. 152) war Berlin bis 1743 ohne Schriftgiesserei, und spätere Versuche waren nicht günstig abgelaufen. Das war für Decker ein günstiger Moment. Er kaufte die besten Baskervilleschen und Fournierschen Matern und liess einen gut geschulten Faktor kommen, versprach auf seine Kosten eine tüchtige Schriftgiesserei einzurichten und „alle französischen Bücher von Wert nachzudrucken, wodurch viel Geld dem Lande erhalten werden würde“. Dies schlug bei dem König, dem der Decker erblicher Hofbuchdrucker.nervus rerum stets wichtig war, durch, und am 4. Januar 1769 erhielt Decker die erbliche Würde eines Hofbuchdruckers, ausserdem ein Privilegium für die nachzudruckenden Bücher. Der König blieb Decker stets gewogen und gehörte als Schriftsteller zu dessen Kunden; eine solche war auch die Königin Elisabeth Christine, die sich mit der Herausgabe frommer Bücher beschäftigte.

Aufblühen des Verlagsgeschäfts.

Das frischere geistige Leben, welches seit dem Hubertusburger Frieden 1763 in Berlin pulsierte, unterliess nicht, seinen Einfluss auf das Deckersche Geschäft zu üben. Georg Jacob trat in Verbindung mit den vielen schriftstellerischen Berühmtheiten und fing nun 1769 selbst an zu verlegen, und zwar mit einem solchen Eifer, dass die Zahl seiner Verlagsartikel bald an 400 betrug. Damals begann auch allgemein eine bessere Ausstattung der Bücher; selten erschien ein solches ohne Zuthat bildlichen Schmuckes namentlich unter der Mitwirkung Chodowieckis. Die Druckerei war hierdurch und durch fremde Arbeiten so stark beschäftigt, dass Decker viele Aufträge auswärts ausführen lassen musste. Als Verleger ging er jährlich zweimal zur Messe nach Leipzig, wo er in freundschaftlichem, zugleich geschäftlichem Verkehr mit Bernhard Breitkopf, später mit dessen Sohn Immanuel, stand. Das Baseler Geschäft wurde von ihm und dem Bruder in Colmar der Direktion eines Geschäftsführers überlassen.

Gunst Friedrich Wilhelms II.

Nach dem Tode Friedrichs II. 1786 bestätigte der König Friedrich Wilhelm II. nicht allein die Privilegien Deckers, sondern er hatte ausserdem Decker und der Vossschen Buchhandlung das Recht gewährt, französische und ins Deutsche übersetzte Werke Friedrich des Grossen zu drucken unter der Bedingung, dass sie in einer besonderen, im königlichen Schlosse zu Potsdam dazu angewiesenen Lokalität hergestellt wurden. Decker stellte schleunigst zehn und dann noch weitere zehn Pressen auf und schon im Frühjahr 1789 waren die 25 Bände der Werke gedruckt. Der König war mit der raschen Ausführung so zufrieden, dass er Decker, als besonderen Beweis seiner Gnade, für sich und seine Erben für alle Zeiten zum Geheimen Ober-Hofbuchdrucker ernannte. Die Ausgabe genügte jedoch nicht in derselben Weise den Anforderungen der Kritik. Die Redaktion war eine des grossen Autors ganz unwürdige. Hierdurch und auf Grund von Nachdrucken wurde das Unternehmen für die Verleger ein verfehltes.

Letzte Jahre G. Jacobs I.

Das Ziel von Deckers Ehrgeiz war erreicht. Das Glück hatte ihn im Geschäft und in der Familie begünstigt. Vier Töchter verheirateten sich mit Männern von Fach, den Brüdern Christ. Spener und Joh. Carl Spener, dem Buchhändler H. A. Rottmann und dem berühmten Schriftgiesser Wilh. Haas d. ä. in Basel. Der Mann der fünften Tochter, Ph. Rosenstiel, war zwar Oberfinanzrat, spielte jedoch auch in der geschäftlichen Geschichte der Familie eine Rolle.

Beim Eintritt in sein 60. Jahr am 25. Juni 1792 überliess Georg Jacob I seinem Sohne Georg Jacob ii sein Geschäft käuflich und führte im Kreise der Seinigen sowie von Künstlern und Männern der Wissenschaft ein, wennauch mit körperlichen Leiden verbundenes so doch heiteres Leben, bis der Tod den Achtundsechzigjährigen am 17. November 1799 abrief.

Georg Jacob II * 9. Novbr. 1765, † 26. Aug. 1819.

Der Sohn Georg Jacob II hatte die Buchdruckerei im väterlichen Hause und bei H. G. Effenbart in Stettin, den Buchhandel bei Treuttel & Würtz in Strassburg gelernt und sich auf längeren Reisen weiter ausgebildet. Teilhaber des Geschäfts war er bereits 1788 geworden.

Zensurschwierigkeiten.

Ihm sollte das Leben nicht ohne schwere Sorgen und harte Prüfungen verlaufen. Ein Hemmnis für die Verlagsthätigkeit Deckers wie für den ganzen Buchhandel wurden die schon im Jahre seines Eintritts in das Geschäft 1788 erfolgenden Edikte des Ministers Wöllner, die besonders empfindlich die Zeitungen trafen, von welchen eine nach der andern einging. Die Verlagshandlung wurde von der Druckerei getrennt und in die Hände Rottmanns, unter dessen Firma, gelegt, dafür wurde aller Fleiss und jede Mühe auf die Verbesserung der Buchdruckerei und der Schriftgiesserei seitens Georg Jacob d. j. verwendet. Er schaffte Matern von Bodoni, W. Haas und Didot an, sowie das beste Material für die Typen und die Farbe.

Das Posener Geschäft.

Die Regierung wünschte in dem durch die zweite Teilung Polens ihm zugefallenen Posen die Anlage einer Druckerei. Decker kam den vertraulichen Aufforderungen nach. Das Unternehmen machte ihm jedoch viele Sorgen und ging 1819 in die Hände des Schwagers Deckers, Rosenstiel, für dessen Sohn über.

Kalamitäten des Baseler Geschäfts.

Noch grössere Sorgen sollte ihm das Baseler Geschäft bereiten. In dieses hatte er einen sehr talentvollen, jedoch extravaganten Mann, Maximilian Schoell, erst als Disponent, dann als Teilhaber aufgenommen, der, nicht zufrieden mit der buchhändlerischen Wirksamkeit, Decker in Banquierunternehmungen verwickelte und ihn in ein seine Existenz bedrohendes Meer von Sorgen stürzte, so dass dieser noch froh sein musste, das Baseler Geschäft mit einem Verlust von 180000 Livres an den dortigen Buchdrucker und Verleger Thurneisen übergeben zu können.

Die Notjahre Preussens.

Auch in Berlin sollten schwere Schläge nicht ausbleiben. Die fortwährende Ausdehnung des dortigen Geschäfts hatte den Erwerb eines schönen Grundstückes in der Wilhelmstrasse veranlasst. Die Notjahre Preussens konnten jedoch nicht spurlos an Decker vorübergehen. Keine Schwierigkeiten vermochten indessen seine Energie und Anstrengungen für die technischen Fortschritte in der Druckerei zu schwächen. So war er der erste in Berlin, der die grossen Erfindungen der Neuzeit, die Lithographie, die eiserne Presse, die Stereotypie einführte, mit seinem Schwager Spener der erste in Deutschland, der eine Schnellpresse erwarb. Die Freude, letztere in Gang zu sehen, als Lohn für seine dabei bewiesene Opferwilligkeit, war ihm nicht beschieden.

Tod G. Jacob II Deckers.

So überstand Decker rüstig und mutvoll kämpfend die schweren Jahre, obwohl er während der französischen Okkupation an 80000 Thaler Lasten und Verluste zu tragen hatte. Vom Jahre 1813 aber trat wieder eine so starke Beschäftigung ein, dass er sich für die gehabte Not reichlich entschädigt sah. Nach langen Leiden entschlief er am 26. August 1819.

Über acht Jahre lang wurde das Geschäft unter Vormundschaft vortrefflich weiter geleitet, bis am 31. Januar 1828 der jüngste Sohn Rudolf Ludwig nach erreichter Volljährigkeit mit dem älteren Bruder Carl Gustav (der älteste der Brüder war bereits gestorben) das Geschäft übernahm, welches nach dem bereits 1829 erfolgenden Tode Carl Gustavs dem Rudolf allein zufiel.

Rudolf Decker * 8. Jan. 1804, † 12. Jan. 1877.

Notes in this chapter

Note 1 · König & Bauer, Verzeichnis der ersten 2000 Schnellpressen. 1873.Note 2 · Journ. f. B. 1881, Nr. 32.Note 3 · Journ. f. B. 1880. Nr. 17.Note 4 · Abgebildet und beschrieben im Journ. f. B. 1879, Nr. 36.Note 5 · Journ. f. B. 1879, Nr. 8.Note 6 · Österr. Buchdr.-Ztg. 1880.Note 7 · Österr. Buchdr.-Ztg. 1880, Nr. 2.Note 8 · Journ. f. B. 1882. Nr. 32.Note 9 · Journ. f. B. 1866, Nr. 21 u. 22.Note 10 · Fast alle hier erwähnten Handpressen sind in dem Journ. f. B. 1834–36 abgebildet und beschrieben. Näheres vergl. S. 51–53.Note 11 · Journ. f. B. 1877, Nr. 13.Note 12 · Journ. f. B. 1881, Nr. 3.Note 13 · Journ. f. B. 1881, Nr. 45.Note 14 · Journ. f. B. 1879, Nr. 19.Note 15 · K. G. Hausius, Biographie J. G. I. Breitkopfs. Leipzig 1794. — Dr. O. Hase, Breitkopf & Härtel, 1883.Note 16 · Fr. Chrysander, Abriss einer Geschichte des Musikdruckes von XV. bis zum XIX. Jahrhundert. In der Allg. Musik. Ztg., 1879, No. 11 u. ff. — ANote 17 · Über diesen sowie über die sonstigen Musikdrucke Breitkopfs vergl. Lorck, „Der Buchhandel und die graphischen Künste auf der Kunstgewerbe-AuNote 18 · Chr. G. Lorenz, Zur Erinnerung an G. J. Göschen. 4. Grimma 1861.Note 19 · Herm. Francke, Das Konversations-Lexikon und seine Gründer. Börsenbl. f. d. d. B. 1873. No. 23.Note 20 · H. E. Brockhaus, Friedrich Arnold Brockhaus. Leipzig 1872. II. B. VI. K.Note 21 · Sein Enkel Dr. Ed. Brockhaus setzte ihm in dem Werke „Friedrich Arnold Brockhaus, sein Leben und Wirken“. 3 Bde. Leipzig 1872–1881 ein würdiNote 22 · Seine Erlebnisse auf einer grossen Reise in den Jahren 1867–1868 schilderte Brockhaus in der ihn charakterisierenden schlichten Weise in seiNote 23 · Den Satz dieses Werkes von gegen 2200 Seiten in Quart übernahmen, nachdem verschiedenen Setzern die Geduld ausgegangen war, ohne vorher ein Note 24 · Als: Die Herstellung der Druckwerke. 4. Aufl. 1883. — Die graphischen Künste auf der Wiener Ausstellung 1873; amtlicher Bericht. — Die DruckNote 25 · Das Etablissement, durch Pläne illustriert, ist im Journ. f. B. 1876, Nr. 27 ausführlich beschrieben.Note 26 · Darunter: Die Buchdruckerkunst in ihrem technischen und kaufmännischen Betriebe. 2 Bde. 4. 1874–1877. — Illustrierte Encyklopädie der graphiNote 27 · Früher hatte diese Firma eine 1811 eingerichtete, namentlich mit orientalischen Schriften gut ausgestattete Druckerei, die 1858 auf G. KreysNote 28 · Über Pierers Verhältnis zu Brockhaus und dessen Konversations-Lexikon, sowie über das Entstehen des Universal-Lexikons enthält das bereits eNote 29 · H. Böhlau, Zur Geschichte der Hofbuchdruckerei in Weimar. Einleitung zu seinem Verlagskatalog.Note 30 · Osw. Bertram, Geschichte der Cansteinschen Bibelanstalt in Halle. 1863. — Die Stiftungen A. H. Franckes. Halle 1863. — G. Kramer, A. H. FranNote 31 · Die Usancen des deutschen Buchhandels. 2. Aufl. Leipzig 1867. — Magazin für den deutschen Buchhandel 1874–1876 u. a.Note 32 · Vorakademische Buchdruckergeschichte von Halle. 1840. — Codex nundinarius Germaniae literatae bisecularis 1850. — In weiteren Kreisen fandenNote 33 · Aug. Potthast, Die Abstammung der Familie Decker. Berlin 1863. — Börsenbl. f. d. d. B. Januar 1877. — Ann. d. Typ. 1877, Nr. 388.
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