← Table of contents
Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst. Zweiter Teil

ERSTES BUCH. (continued 2)

Reading edition

Th. Bensley und andere.

Ein Rival Bulmers, dessen Verhältnis zu König und Bauer schon erwähnt wurde, war Thomas Bensley. Als jener seinen Shakespeare druckte, folgte Bensley mit seiner prachtvollen Bibel von Maclin in sieben Bänden in Quarto. Ganz vorzüglich war auch die Ausgabe von Thomsons Jahreszeiten.

Ch. Whitaker.

Schöne Drucke lieferte im Beginn dieses Jahrhunderts auch Charles Whitaker. Seine Ausgabe der Magna Charta, ganz in Golddruck von hervorragender Schönheit mit illuminierten Initialen, ist eine grosse Seltenheit. Seinen Golddruck behandelte er als Geheimnis und schlug das Anerbieten der Gesellschaft zur Förderung der Kunst ab, das Verfahren gegen eine öffentliche Belohnung bekannt zu geben.

Zu den schönsten englischen Presserzeugnissen gehört das Gedicht The Press, von dem Buchdrucker John M'Creery im Jahre 1803 gedichtet und gedruckt, und von Holl illustriert.

Ch. Whittingham * 16. Juni 1767.

Charles Whittingham war in Calledon bei Coventry geboren. Im Jahre 1792 etablierte er sich in London, wo er bis 1811 viele schöne Werke für Londoner Verleger druckte. Er war einer der ersten, welche die Zurichtung der Holzschnitte zur Vollkommenheit brachten. Im Jahre 1811 überliess er seinem Teilnehmer Rowland die Leitung des Londoner Geschäfts und zog nach Chiswick. Aus seiner Chiswick-Press ging unter anderen bedeutenden Werken in den Jahren 1819–1822 eine vortreffliche, nur in 500 Exemplaren gedruckte und auf einmal herausgegebene Oktav-Ausgabe der englischen Dichter in 100 Bänden hervor. Das Geschäft ging auf Whittingham II. * 30. Okt. 1795.den Neffen Charles Whittingham über, der jedoch daneben eine von ihm selbst begründete Offizin in London hatte, wo er, mit Peels Werken beginnend, eine Reihe von schönen Ausgaben für Will. Pickering bis zu dessen 1854 erfolgtem Tode druckte. Sein Sohn Ch. John Whittingham starb am 21. April 1876.

Luke Hansard * 5. Juli 1752, † 28. Okt. 1828.

Berühmt wurden auch Hansard Vater und Sohn. Ersterer, Luke Hansard, ist namentlich als Parlamentsdrucker bekannt. Er lernte in seiner Vaterstadt Norwich und arbeitete später in dem Geschäft des Parlamentsdruckers John Hughs. Hansard wurde erst Dirigent der Buchdruckerei, dann Teilhaber und im Jahre 1800 Alleinbesitzer. Sein Ruf wurde durch die ungewöhnliche Promptheit, mit welcher er stets die Regierungsarbeiten ausführte, fest begründet. Freilich war es auch lohnend, für die Regierung zu arbeiten. Die Rechnungen Hansards d. j. betrugen 1829 125772 £ Sterl.; in dem Jahre 1830 wurde für 86217 £ Sterl. gedruckt. 1831 machten die Parlamentsakten 120 Foliobände aus[55]. Luke Hansard starb, 77 Jahre alt, im Besitz des allgemein verbreiteten Rufes, ein seltener Mensch gewesen zu sein[56].

Th. C. Hansard * 6. Nov. 1776, † 14. Mai 1833.

Thomas Curson Hansard, der Sohn und Nachfolger Lukes, ist namentlich bekannt als Verfasser der Typographia, des renommiertesten englischen Handbuches der Geschichte und Technik der Buchdruckerkunst, welches eine Menge schätzbares Material enthält, dessen bessere Sichtung und Durcharbeitung jedoch sehr zu wünschen gewesen wäre.

Xylographie.

Gleichzeitig mit der Wiedergeburt der Typographie erhob sich auch die Xylographie aus dem Elend, in welches sie versunken war, eine Renaissance, die wir ebenfalls einem Engländer verdanken, was um so mehr überrascht, als England zu einer Zeit, wo diese Kunst in Deutschland, Frankreich und Italien blühte, noch gar keine Holzschneidekünstler aufzuweisen gehabt hatte. Auf welcher Stufe der Unbedeutendheit die Xylographie sich befand, geht daraus hervor, dass zu Anfang des XIX. Jahrhunderts London nur zwölf Holzschneider zählte. Man kann sonach, was England betrifft, fast richtiger von einer Geburt als von der Wiedergeburt der Kunst durch Thomas Bewick reden.

Th. Bewick * 12. Aug. 1753, † 8. März 1828.

Die ersten Übungen seines Zeichnertalentes bestanden in dem mit Kreide Bemalen fast aller Häuser in Cherry-Burn, seinem Geburtsorte. Mit dem 14. Jahre kam er in die Lehre bei einem tüchtigen Graveur in Newcastle: Ralph Beilby.

Als ein Gelehrter, Dr. Hutton, ein grosses Werk über die Messkunst herausgab, riet ihm Beilby, statt Kupferplatten Holzschnitte für die Illustrationen zu wählen. Hutton ging auf diesen Gedanken ein und die Ausführung der Holzschnitte wurde Bewick anvertraut, der sich seiner Aufgabe so geschickt entledigte, dass ihn Beilby aufmunterte, seine gesamten Kräfte dieser vernachlässigten Kunst zu widmen. Nachdem er sich eine zeitlang in London und in Schottland aufgehalten hatte, kehrte er nach Newcastle zurück und wurde in dem Geschäft seines Lehrers Teilhaber. Er bildete nun auch seinen Bruder John für die Kunst aus. Eine Ausgabe von Gays Fabeln gab den Brüdern Gelegenheit, ihr Talent in einer höheren Kunstrichtung zu zeigen. Ein Holzschnitt „Der alte Hund“ erhielt im Jahre 1775 die von der Gesellschaft der Kunst ausgesetzte Prämie für den besten Holzschnitt. Die „Geschichte der Vierfüssler“ erschien 1790; das berühmte Werk „Die Geschichte der englischen Vögel“ folgte 1797. Kühnheit der Zeichnung, Lebendigkeit und Naturtreue in den Stellungen, Korrektheit und Unterscheidung des Charakters, der Lebensweise und der Bewegung in allen Figuren sind Vorzüge der Holzschnitte Bewicks. Der Bruder John starb bereits am 21. Oktober 1795 in seinem 25. Jahre. Er kam seinem Bruder an Talent gleich, lebte aber nicht lange genug, um einen solchen Ruf wie dieser zu erlangen. Die Holzschnitte des Thomas Bewick sind zum grossen Teil in einem im Jahre 1870 erschienenen Album vereinigt[57].

Seit Bewicks Zeit hat England eine sehr grosse Zahl tüchtiger Xylographen aufzuweisen, und es gab eine Zeit, wo die englischen Holzschneider auch auf dem Kontinent massgebend waren.

Der Farbendruck. W. Savage.

Wie England sich in der neueren Xylographie als bahnbrechend zeigte, so auch in dem Farbendruck. Zuerst ist William Savage zu nennen, geboren zu Houdon in Yorkshire, wo er sich auch mit seinem Bruder James 1790 als Drucker und Buchhändler etablierte. William ging 1797 nach London, und wurde dort vorzüglicher Drucker und Verfasser der epochemachenden: Hints on decorative Printing in zwei Teilen (1819–1832). 1840 folgte sein bekanntes Werk Dictionary of the Art of Printing. Übertroffen wurde er von George Baxter.George Baxter, der seine ersten Versuche 1835 machte und Patent auf den Druck von Bildern mit Ölfarben nahm. Baxter druckte den Untergrund und die Umrisse mit Stahlplatten, dann die einzelnen Farben von Holzstöcken, deren Zahl mitunter zwanzig überstieg. Seine besten Arbeiten finden sich in seinem Pictorial-Album, das 1837 bei Chapman & Hall erschien. In Landschaften ist er nicht übertroffen worden. Von einem kleinen Blatt „Die Dreieinigkeit“ nach Rafael wurden über 700000 Exemplare verkauft.

Will. Congreve * 1772.

Eine weitere Art des Farbendruckes, welche eine zeitlang eine bedeutende Rolle spielte, ist diejenige von dem, auch durch seine Tod und Verderben schleudernden Raketen bekannten Sir William Congreve erfundene. Congreve war Zeuge von dem mühsamen zweifarbigen Druck in der Applegathschen Buchdruckerei gewesen, und da die englische Regierung einen Preis auf die Herstellung unnachahmlicher Banknoten gesetzt hatte, richtete er alle seine Gedanken auf diesen Punkt. Er erhielt ein vierzehnjähriges Patent auf eine von Donkin für ihn gebaute Maschine. Das Prinzip des Congreveschen Druckes beruht darauf, die verschiedenen Teile einer Metallplatte, insoweit diese mit einer und derselben Farbe gedruckt werden sollen, knapp aus der Platte herauszusägen, so dass sie, wieder in einander gefügt, ein Ganzes bilden. Nach einander werden die Teile, welche eine und dieselbe Farbe bekommen sollen, durch Unterlagen hochgestellt und eingefärbt, bis schliesslich das Ganze, welches nach Entfernung aller Unterlagen eine glatte Oberfläche bildet, mit einem Zug des Bengels abgedruckt werden kann. Im Verein mit einem Buchdrucker Whiting legte Congreve eine Buchdruckerei an, die sich hauptsächlich mit Druck von Etiquetten u. dgl. beschäftigte. Durch die Fortschritte der Lithographie und die Erfindung der Mehrfarbenmaschinen ist Congreves Methode so gut wie verdrängt. Die Engländer nennen sie Compound Printing, die Bezeichnung „Congreve-Druck“ rührt von Ed. Hänel her, der das Verfahren nach Deutschland brachte.

Ausser London haben als Druckorte in England nur Oxford und Cambridge, in Schottland Edinburgh eine grössere Bedeutung.

Oxford.

Von den Buchdruckereien der beiden englischen Universitäten nimmt die in Oxford den bei weitem wichtigeren Platz ein. Nachdem sie von 1669–1713 in dem Sheldonian Theater installiert gewesen war, wurde sie in den Clarendonbau übergeführt und blieb dort, bis sie 1830 die schöne und geräumige Lokalität bezog, die sie jetzt noch innehat. Bei der Abgesondertheit von dem grossen Verkehr war es notwendig, alle Branchen, sogar Farbe- und Walzenfabrikation, zu vereinigen. Gebunden wurden die Bücher in der Universitätsbuchbinderei in London. Das Papier lieferte eine der Universität gehörende Fabrik in Wolvercote. Eine besonders gepflegte Spezialität war neben dem Bibeldruck die Herstellung orientalischer Werke. Die Druckerei erhielt seit der Clarendonschen Stiftung noch öfters wertvolle Dotationen, so z. B. 1785 eine von Lord Godolphin im Betrag von 5000 £ Sterl.

Cambridge.

Die Universitätsdruckerei in Cambridge, Pitt-Press genannt, befindet sich seit 1834, gerade drei Jahrhunderte nach ihrer Begründung, in einem neuen, im Stil des XV. Jahrhunderts, erbauten kirchenähnlichen Gebäude, das 1860 erweitert wurde. Die Kosten wurden zumteil aus den Überschüssen des zu einem Denkmal für William Pitt gesammelten Fonds bestritten. Die Offizin kann sich an Bedeutung für die Wissenschaft zwar nicht mit der Clarendon-Press in Oxford messen, hat jedoch in neuerer Zeit einen raschen Aufschwung genommen, welcher namentlich C. J. Clay, seit 1856 Direktor und Teilnehmer sowohl des Cambridger als des Londoner Geschäfts der Universität, zuzuschreiben ist.

Edinburgh.

In Edinburgh, dem „Neuen Athen“, herrschte zu Beginn des laufenden Jahrhunderts ein sehr bewegtes litterarisches und typographisch-bibliopolisches Leben.

James Balantyne * 1772, † 16. Juni 1821

Der bekannteste Buchdrucker war dort James Balantyne[58]. Nachdem er der Jurisprudenz, seinem vorherigen Berufe, Lebewohl gesagt hatte, etablierte er in seiner Vaterstadt Kelso eine Buchdruckerei. Ein Zufall brachte ihn auf einer Reise mit seinem früheren Schulkameraden Walter Scott zusammen, woraus eine, für beide erst glänzende, dann verhängnisvolle Geschäfts-Verbindung entstand. Die von Balantyne gedruckte Ausgabe der Balladen Walter Scotts erregte durch ihre schöne Ausstattung solche Aufmerksamkeit, dass man Balantyne veranlasste, nach Edinburgh überzusiedeln. Seine Offizin nannte er The Border-Press, nach dem Werke Scotts Minstrelsy of the Scottish Border. Bis 1826 druckte er nun alle Werke Walter Scotts, der Teilhaber der Druckerei und des wöchentlich erscheinenden Edinburgh Journal wurde. Walter Scott sowohl als sein Drucker erlitten — wie es kam, ist nicht ganz aufgeklärt — einen gemeinschaftlichen finanziellen Ruin. Thatsache ist, dass ihre Freundschaft diesen überlebte. Balantyne war auch ein von Walter Scott gern gehörter Kritiker, der mit grosser Sorgfalt und vielem Verständnis die manchmal flüchtigen Manuskripte des Dichters verbesserte.

Die letzte Veranlassung zu der erwähnten Katastrophe gab der plötzliche Fall des Verlegers Walter Scotts Archibald Constable, der zugleich Verleger der Encyclopaedia Britannica geworden und 1802 das Edinburgh Review begründet hatte, welche Werke später alle auf A. Ch. Black übergingen.

A. Black * 1784.

Der Begründer dieser Firma war Adam Black im Verein mit seinem Neffen Charles Black. Das Edinburgh Review erwarben sie 1826 gemeinschaftlich mit Th. N. Longman, allein kauften sie die Encyclopaedia Britannica, die eine glänzende Aufnahme fand. Die Kosten der 1842 beendigten siebenten Auflage, 21 Bände in Quarto, betrugen über 2½ Millionen Mark; 1851 wurden Blacks Besitzer des Verlagsrechtes auf Scotts Romane.

Ebenfalls einen bedeutenden Ruf hatten die Firmen W. Blackwood & Sons und R. & W. Chambers.

Blackwood d. ä. * 20. Dez. 1776, † 16. Sept. 1834.

Blackwood d. j. * 7. Dez. 1818, † 29. Okt. 1879.

Erstere wurde von William Blackwood 1804 begründet. Blackwood trieb erst Antiquariatsgeschäfte; 1811 fing er an zu verlegen. Das 1817 begonnene Edinburgh Monthly Magazine wollte nicht „ziehen“. Nach sechs Nummern erschien als Nr. 7 Blackwoods Magazine, das sofort Beifall fand. 1827 wurde die Edinburgh Cyclopaedia in 18 Bänden vollendet. Der Sohn Will. Blackwood, der von 1840–1845 das Londoner Geschäft der Firma verwaltet hatte, dann aber nach Edinburgh gezogen war, redigierte das Magazin bis zu seinem Tode mit der äussersten Sorgfalt[59].

W. Chambers * 1800.

Rob. Chambers * 4. Febr. 1802, † 17. Mai 1871.

Vor etwa sechzig Jahren gründeten die Brüder William und Robert Chambers erst eine Buchhandlung und dann eine Buchdruckerei mit einem Kapital von 3 £ Sterl., einem halben Zentner Schrift und einer elenden Holzpresse in der Absicht, gute und billige Bücher zu drucken. Tüchtigkeit und Energie brachten das Geschäft rasch in die Höhe. Am 4. Februar 1832 wurde das heute noch blühende Chambers Edinburgh Journal, das sofort 50000 Abnehmer fand, und 1845 deren 90000 zählte, gegründet. Dieses Journal, das vier Wochen vor dem Penny Magazine begann, hat sehr viel zu der Bildung des englischen Publikums beigetragen. 1844 begann Rob. Chambers ein höchst verdienstliches Werk: Cyclopaedia of English Litterature, enthaltend Biographien und kritische Charakteristiken von 832 Autoren nebst Proben ihrer Werke. 130000 Exemplare davon wurden in England verbreitet, eine nicht geringere Anzahl in Amerika[60].

Buchdrucker in der Provinz.

Von den bedeutenden Buchdruckern Edinburghs in neuester Zeit nennen wir Nelson & Co. mit ihrer grossen, sehr praktisch eingerichteten Offizin und W. C. Blackie & Co., namentlich in Accidenzien bedeutend. Unter den Buchdruckern der Provinz zeichnet sich Stephan Austin in Hereford durch seine schönen orientalischen Drucke aus. John Heywood in Manchester besitzt vier Etablissements von grösster Ausdehnung, namentlich für die Stationery. Durch ein kleines Werkchen: The bona fide Pocket Dictionary hat sich John Bellow in Gloucester einen Namen unter den Meistern aller Zeiten erworben. Die zu dem Büchlein verwendete Schrift, nur 3⅜ typographische Punkte gross, schnitten Millar & Richard in Edinburgh und London.

Die Zeitungspresse.

Am staunenswertesten ist die Entwickelung, welche die Zeitungspresse trotz des erschwerenden Zeitungsstempels nahm. 1761 wurde letzterer auf einen Penny, 1776 auf anderthalb, 1789 auf zwei Pence festgestellt; 1794 musste der ganze Bogen drittehalb, 1799 viertehalb, schliesslich gar vier Pence zahlen. Im Jahre 1833 brachte diese Steuer dem Staate gegen 10½ Millionen Mark ein, zu welchen die Times allein zeitweilig über zwei beizutragen hatten. Für jedes Inserat musste 3 sh 6 d Abgabe gezahlt werden, infolge dessen die kleinste Bekanntmachung mit 7 sh berechnet wurde. Jede Zeitungsnummer kostete gewöhnlich 7 Pence.

Die Times.

Es ist nicht hier die Aufgabe, die Entwickelung des Zeitungswesens Schritt für Schritt zu verfolgen, geboten scheint es jedoch, in einem Handbuch der Buchdruckerkunst wenigstens der historisch gewordenen Offizin der Times, welche für alle folgenden grossartigen Zeitungsoffizinen als Muster galt, einige Worte zu widmen, um so mehr, als die Besitzer immer voran waren, wenn es galt, neue Erfindungen zu benutzen oder selbst die Initiative zu solchen zu ergreifen.

John Walter d. ä.

Der Begründer der Times, John Walter d. ä., war ein bedeutender Kohlenhändler. Als er sich vom Geschäft zurückgezogen hatte, verlor er als Beteiligter bei Schiffsassekuranzen sein ganzes Vermögen, nicht aber den Ruf eines braven und redlichen Mannes. Zum Glück für den Journalismus wurde durch einen Ministerwechsel seine Hoffnung auf eine Staatsanstellung zunichte. Damals führte ihn der Zufall mit einem Setzer Henry Johnson, einem Schwärmer für ein ihm patentiertes Logotypsystem, zusammen. Walter erwarb dessen Patent, modifizierte das System jedoch so wesentlich, dass man es wohl als „System Walter“ bezeichnen kann. Die Typen wurden wie andere, jedoch etwas niedriger als üblich, gegossen, durch Untergiessen von Metall verbunden und auf die richtige Höhe gebracht. Walter etablierte sich nun als Logographic Printer und wurde von Benjamin Franklin und Sir Josuah Banks, Präsident der Gesellschaft der Wissenschaften, aufgemuntert. Er selbst nährte die ausschweifendsten Hoffnungen in betreff der Erfolge und teilte die Menschheit in zwei Klassen, Freunde und Feinde der Logotypen. In jedem, der Zweifel an seinem System hegte, erblickte er einen persönlichen Feind, so in dem bisher mit ihm eng befreundeten Schriftgiesser Caslon und dem berühmten Buchdrucker John Nicol. Der gekränkte Walter wollte, nachdem er es bereits mit einem Büchlein: Gabriel, the Outcast, versucht hatte, nun auch der Welt zeigen, dass man Zeitungen mit Logotypen zweckmässig herstellen könne. Am 1. Januar 1785 erschien Nr. 1 des Daily Universal Register. Es fand jedoch keinen grossen Beifall und mit dem 1. Januar 1788 wurde der Titel in Times umgeändert, deren erste Nummer jedoch in der angefangenen Reihenfolge weiter als Nr. 940 erschien.

So war der Anfang der Times, die später zwar den Besitzern reichen Segen, anfänglich jedoch schwere Sorgen brachten. Das Logotypsystem wurde von Walter selbst als unpraktisch über Bord geworfen.

John Walter II.

Dem alten Walter folgte der Sohn John Walter ii. Denselben klaren Blick, welcher ihn sofort sich der Erfindung Friedr. Königs bemächtigen liess, zeigte er auch in allen anderen Verhältnissen. Es giebt Zeitungen mit einer weit grösseren Auflage, als die Times sie je gehabt, aber kein Blatt hat je eine bedeutsamere Stellung eingenommen. Sie wurden eine förmliche Macht, auf deren Stimmabgabe Behörden, Richter, die Vertreter des Handels und der Industrie spannten und mit der Regierungen wie mit einer gleichberechtigten unterhandelten. Jeder Engländer betrachtete dieses Institut wie einen Teil seines eigenen Ichs und eine Schädigung desselben wie eine ihm selbst zugefügte. Kein Fremder, der nach London kam, vergass, wenn er die Erlaubnis zu einem Besuch in der Offizin im Printinghouse-Square erhielt, einen solchen abzustatten.

Die neue Times-Druckerei.

Doch diese historisch berühmten Räume wurden dem Blatt nach und nach zu eng und mussten durch Neubauten ersetzt werden. Die Hauptfaçade derselben, in einer Länge von 100 englischen Fuss und einer Höhe von 60 Fuss, die für den breiten Giebelteil auf 80 Fuss steigt, liegt nach der Victoriastrasse. Das Kellergeschoss bildet einen grossen, 16 Fuss hohen Raum und ist ausschliesslich dem Bau der „Waltermaschine“ gewidmet. Das Gebäude, von roten und gelben polierten Ziegeln aufgeführt, enthält ausserdem noch ein Parterre und vier Stockwerke; jede Etage hat neun halbbogenförmige Fenster. Der Eingang, architektonisch reich geschmückt, in gehauenen Steinen ausgeführt und mit Bogen, die auf polierten Granitsäulen ruhen, befindet sich an dem westlichen Ende. Ein vier Fuss hoher Karnies aus gehauenen Steinen wird durch den Giebelbau, der fast zweidrittel der Länge einnimmt, unterbrochen. Als Ausschmückung sind auf diesem drei grosse offene Bücher, von reichem Eichenlaub mit Eicheln umgeben, angebracht. Auf dem mittelsten derselben ist mit grossen schwarzen Buchstaben zu lesen: Times; auf dem links: Past Times; auf dem rechts: Future.

Die Times haben direkte Drähte von Wien, Berlin und Paris. Mit den Sälen der Parlamentshäuser stehen sie durch telephonische Leitung in Verbindung. Das Endstück in der Offizin ist mit zwei Tuben versehen, welche an den Ohren des an der Kastenbeinschen Setzmaschine arbeitenden Setzers angebracht sind. Der Reporter spricht ihm die Verhandlungen zu, der Setzer spielt sie auf seinem Klavier ab, und der Satz ist fertig. Man hat dabei alle die Vorteile des mündlichen Verkehrs, um Nichtverstandenes zu wiederholen und Missverstandenes aufzuklären. Gegen die bisherige telegraphische Verständigung bietet die telephonische den Vorteil, dass die Wiedergabe der Berichte über die in der Nacht stattfindenden Parlaments-Debatten fast um eine Stunde weiter reichen kann, als früher der Fall war.

John Delane.

Von 1841–1879 leitete John Thaddeus Delane das Blatt als Hauptredacteur mit grossem Geschick und feinem Takt, ohne jedoch bei der Herausgabe litterarisch thätig einzugreifen. Wenn man die Times so oft als das „leitende Blatt“ bezeichnet, so ist dies insofern vielleicht nicht ganz korrekt, als sie nicht den Anspruch erheben, die öffentliche Meinung zu „machen“. Ihr Hauptverdienst ist, rasch und sicher zu fühlen, was die öffentliche Meinung will, und dies dann bestimmt auszusprechen, oft ehe sich das Publikum selbst darüber recht klar geworden ist. Ihre Ansichten gegen den Strom durchsetzen wollen die Times nicht, und deshalb sind oft Vorwürfe gegen dieselben erhoben worden, als hätten sie einen nachteiligen Einfluss auf den englischen Volksgeist und die englische Politik geübt. Damit haben wir es jedoch hier nicht zu thun; als Institution des Buchgewerbes muss den Times unbedingte Bewunderung ausgesprochen werden und es mögen die von Sir Ed. Lytton Bulwer im Parlament gesprochenen Worte noch hier stehen: „Wenn ich in der Lage wäre, ein Denkmal unserer Civilisation der späteren Nachwelt hinterlassen zu müssen, so würde ich nicht in erster Reihe unsere Docks, unsere Eisenbahnen, nicht unsere öffentlichen Gebäude, selbst nicht den Prachtbau, in welchem wir tagen; ich würde einen Band der Times wählen“. John Walter II. speziell muss jeder Deutsche seine Achtung zollen wegen der Art und Weise, wie er für Friedr. König eintrat. Ohne den festen Rückhalt, den letzterer an Walter fand, wäre er wahrscheinlich, als ein zweiter Gutenberg, in den Händen kleinlicher Geldmenschen, verkümmert.

Das Fallen der Stempelsteuer.

Das Sinken der fesselnden Steuer auf Zeitungen ging rascher als das Steigen. 1851 war sie ganz abgeschafft, 1861 die Papiersteuer. Jetzt stand der Entwickelung einer wohlfeileren Zeitungspresse, dem sogenannten Monopol der Times gegenüber, nichts im Wege, und man verfehlte nicht, rasch von der Lage Gebrauch zu machen. Zwar fehlte es nicht an ängstlichen Gemütern, welche gerade in den Erleichterungen einen Ruin der „guten Presse“ und ein Heraufbeschwören der bösen Geister erblickten. Diese Stimmen sind durch die mit den Times um den Einfluss kämpfenden Penny-Blätter zum Schweigen gebracht und noch jetzt gelten die Worte Macaulays: „Während eines Zeitraums von 170 Jahren ist die Freiheit unserer Presse immer vollständiger geworden und während dieser 170 Jahre ist die Beschränkung, welche das allgemeine Urteil der Leser den Schriftstellern auferlegt, immer strenger geworden. Noch heutzutage sind Fremde vollständig ausser Stande, zu begreifen, wie es geschehen kann, dass die freieste Presse in Europa zugleich die rücksichtsvollste ist.“

Statistik der Zeitungspresse.

Was die Zahl der Organe betrifft, steht die englische Zeitungspresse nicht nur weit hinter Amerika, sondern selbst gegen Deutschland und Frankreich zurück, ihre Macht ist jedoch nicht in der Zahl, sondern in dem Umfang, der Reichhaltigkeit und der starken Verbreitung der Zeitungen zu suchen[61].

Im Jahre 1881 hatte Grossbritannien 1986 Zeitschriften, von welchen 378 in London, 1087 in der Provinz, 66 in Wales, 181 in Schottland, 181 in Irland und 20 auf den Kanalinseln erschienen. Unter diesen waren nur 153 Tagesblätter, von welchen 18 London, 94 der Provinz, 3 Wales, 21 Schottland, 16 Irland, 1 den Kanalinseln gehörten. 69 derselben kosteten nur 1/2 Penny, 70 1 Penny, die übrigen waren im Preise verschieden bis zu 3 Pence. Die Post allein versandte im Jahre 1880 131 Millionen Zeitungsblätter, was jedoch nur einen Bruchteil des Konsums, namentlich der Wochenblätter, repräsentiert. Der Daily Telegraph druckte eine amtlich beglaubigte Auflage von täglich 242215 Exemplaren im Durchschnitt; der Standard versandte 209555 Exemplare. Das macht für die zwei Blätter jährlich 135531000 Nummern, während die Gesamtzahl aller Tageszeitungen im Jahre 1851 nur 18 Millionen erreichte, zu welchen die Times allein etwa zweidrittel beitrugen. 1821 brachten es alle Zeitungen und Zeitschriften zusammen auf gegen 25 Millionen Nummern, heute beträgt die Jahressumme Einer Wochenschrift: Lloyds Weekly, bei einer Durchschnitts-Auflage von 612902 Exemplaren, 32 Millionen.

Und dabei, welchen Umfang haben die jetzigen Zeitungen! An einem aufs Geratewohl gewählten Tage, dem 13. Mai 1880, wiesen Times 120 ihrer Riesenspalten auf, davon 80 mit Anzeigen. Daily Telegraph hatte 96 Spalten, von welchen die Inserate 62 in Anspruch nahmen. Daily News und Standard brachten je 64 Spalten, erstere 36 Anzeigenspalten, letzterer 28. Eine Nummer eines Provinzialblattes, The Scottsman in Edinburgh, bestand aus 112 Spalten in Folio mit 33000 Zeilen und über 2 Millionen Buchstaben, etwa doppelt so viel, als ein dreibändiger Roman enthält.

Das Anzeigewesen ist sehr praktisch eingerichtet und man kennt in England nicht das Übermass von Accidenzschriften, Abbildungen u. dgl., von welchem der Inseratenteil der deutschen Zeitungen strotzt. Der Preis einer Inseratzeile ist gewöhnlich 1 sh.

Der telegraphische Verkehr.

Von enormer Bedeutung ist der telegraphische Verkehr der Zeitungen. Es gab eine Zeit, wo die Tagespresse sich rühmte, jetzt nur fünf Monate für die Herbeischaffung von Nachrichten aus Gegenden zu gebrauchen, wozu früher dreizehn Monate gehört hatten. Am 1. Oktober 1880 war 23 Minuten nach der Eröffnung der Welt-Ausstellung in Melbourne die Nachricht davon bereits von Reuters Bureau in London gedruckt ausgegeben, obwohl die Depesche fast durch ein Dutzend Linien hatte gehen müssen.

Im Jahre 1880 wurden 313500000 Wörter für die Zeitungen in England telegraphiert. In einer Nacht beförderte das Hauptamt in London oft 100000 Wörter, wobei der bedeutende Verkehr der Privatleitungen der Zeitungen nicht gerechnet ist.

Grosse Summen werden von englischen Blättern auch auf die Spezialkorrespondenten verwendet, die ebenfalls mit Telegrammen nicht sparsam sind. So erzählt man von einem Korrespondenten in Paris, dass er, um für eine zu erwartende wichtige Nachricht sich die Benutzung des Drahtes vorher zu sichern, stundenlang ganze Kapitel aus der Bibel telegraphiert habe.

Statistik der Buchdruckerei.

Die Anzahl der Buchdruckereien in Grossbritannien wird auf 4000 geschätzt. England besitzt eine verhältnismässig kleinere Zahl von Schnellpressen, was sich durch die grosse Leistungsfähigkeit der neuen Rotationsmaschinen erklärt. Rechnet man die graphischen Nebengeschäfte mit, so ist die Zahl der direkt und indirekt dem Pressgewerbe angehörenden eine enorme. London allein zählte im Jahre 1881 871 Druckereien, 60 Schriftgiessereien, Stereotyp- und galvanische Anstalten, 74 Maschinen- und Utensilien-Fabriken, 32 Farbe- und Walzenfabriken, 231 lithographische Anstalten, 80 Kupferdruckereien, gegen 2000 Papierhandlungen, 400 Buchbindereien, 850 Sortimentshandlungen, 460 Buch- und Musikalienverleger, 950 Zeitungshandlungen, 130 Inseratagenturen.

Da viele Geschäfte 300–1000 Personen beschäftigen, so ist das Heer der Arbeiter ein mächtiges. Im Jahr 1882 betrug die Zahl der Mitglieder des Londoner Setzer-Vereins 4960; die Einnahme war 10000 £ Sterl., das Einkommen der verschiedenen Gehülfen-Organisationen bezifferte sich im ganzen auf 257439 £ Sterl., die Fonds betrugen 272413 £ Sterl.

Die Frauen als Setzerinnen.

Die Versuche, Frauen als Setzerinnen auszubilden, haben keine bedeutenden Erfolge gehabt. Miss Emily Faithfull, die Gründerin der seit 1858 bestehenden „Victoria-Druckerei“, gab 1880 ihren Posten auf. Nur bei den Setzmaschinen finden Frauen in grösserer Zahl Beschäftigung.

Arbeitsweise.

In den grossen Buchdruckereien werden die Arbeiten in fabelhaft kurzen Fristen ausgeführt und das vorhandene Material ist ein enormes. Umfangreiche Werke in mehreren Bänden bleiben oft in Formen geschlossen stehen, bis über einen etwaigen Neudruck entschieden wird. Solche Arbeiten müssen selbstverständlich den Anforderungen entsprechend bezahlt werden, während gewöhnliche, die mit Musse betrieben werden können, billig zu haben sind. Hierbei zeigt sich so recht der geschäftliche Vorteil, der darin liegt, erstens nur eine Druckschrift nötig zu haben, und dann nicht von dem individuellen Geschmack eines jeden Bestellers abhängig zu sein, wie es in Deutschland der Fall ist, wo, abgesehen von Fraktur oder Antiqua, bald eine breite, dann eine schmale, bald eine runde, dann eine eckige Schrift verlangt wird, stets natürlich zugleich eine neue.

Für seine wirkliche Arbeit wird der englische Setzer gut bezahlt, den „Speck“ der deutschen Buchdruckereien kennt er nicht. Die Setzer teilen sich in Establishment hands (oder Stabhands), die den festen Stamm bilden und im festen Gelde arbeiten; Full framers, die nach Stück bezahlt werden und in der Regel auch tüchtige Arbeiter sind; Suppers, die nur volle Arbeit haben, wenn das Geschäft flott geht, denen jedoch ein Minimum garantiert wird; und Grasscutters, die täglich nachfragen, ob augenblicklich Arbeit vorhanden ist.

Die Lokale sind in der Regel nicht besonders bequem eingerichtet, weil der Raum ein sehr kostspieliger, so dass in dem von einer deutschen Buchdruckerei in Anspruch genommenen eine englische Druckerei des doppelten Umfanges Platz finden würde.

Die Accidenzarbeiten.

Eine enorme Quantität von Arbeiten zu einem Betrage von jährlich etwa 10 Mill. Mark absorbiert der Staat. Als Beispiel übernahm eine Firma, McCorquodale & Co., eine Lieferung von 2610 verschiedenen Regierungsaccidenzen, in Auflagen, die von 10 bis zu 300000 Exemplaren variierten, ausserdem eine von 40 Millionen Briefcouverts. Die Firma beschäftigte in sechs enormen Offizinen an verschiedenen Orten gegen 2000 Personen und etwa 550 Maschinen aller Art fast nur mit Regierungs- und Eisenbahn-Arbeiten. Eine andere Firma, Harrison & Co., erhielt auf einmal eine Bestellung auf 137 Millionen Telegrammformulare. Grosse Summen setzt jedesmal eine Parlamentswahl in Umlauf. Die beiden Parlamentshäuser beanspruchen für ihre jährlichen Druckarbeiten etwa 1500000 Mark. Die Bank von England druckte im Laufe eines Jahres 15000000 Noten zu einem Geldwert von 338 Millionen £ Sterl. Die Druckarbeiten der Bank mehren sich bedeutend dadurch, dass sie eine an sie zurückgekehrte Banknote, und wenn sie nur eine Stunde in Zirkulation gewesen, nie wieder ausgiebt. Eine solche wird ungiltig gemacht und fünf Jahre aufgehoben. In dieser Weise liegen bis gegen 100 Millionen Noten in einer Weise geordnet, dass eine etwa zur Stelle gewünschte im Augenblick zu finden ist.

Ansehen des Pressgewerbes.

In welcher hohen Achtung das Pressgewerbe in England steht, zeigte unter anderem die imposante Caxtonfeier in London im Jahre 1877 mit ihrer interessanten Ausstellung[62]. In Ermangelung eines Portraits von Caxton beschloss man, von einer Statue zu seiner Erinnerung abzusehen, und stiftete in der Margarethenkirche in Westminster, nahe dem Schauplatz seiner Thätigkeit, ein gemaltes Fenster. Als ein fernerer Beweis von der bedeutenden Stellung der Pressgewerbe muss auch betrachtet werden, dass schnell hintereinander drei Ausüber derselben: der Schriftgiesser Besley, der Buchdrucker Sidney Waterlow und der Drucker und Stationer Francis Truscott das angesehenste bürgerliche Ehrenamt der Welt, das eines Lord Mayors von London, bekleidet haben; es spricht zugleich für den Flor des Geschäfts, denn es ist ein mit grossen Ausgaben verbundenes Amt. Den Kostenanteil für „seinen Tag“ muss der Lord Mayor auf 50000 Mark anschlagen, und es heisst, Sir Truscott habe für die Zeit seiner Amtsführung eine Summe von 10000 Mark wöchentlich als Repräsentationskosten ausgeworfen.

Der Buchhandel.

Der Buchhandel, ohne welchen die Buchdruckerei nicht die eigentliche Blüte erreichen kann, nahm in England, besonders in London, mächtige Dimensionen an und weist eine Reihe der intelligentesten und bedeutendsten Verleger auf. Im allgemeinen ist der Buchhandel weit einfacher organisiert, als in Deutschland. Der Verlagsbuchhändler beschäftigt sich selten mit Buchdruckerei und anderen Nebengeschäften und zersplittert nicht seine Kräfte, behält damit den freien Blick und kann jede Konjunktur rasch benutzen. Kommissions- und Halbpartgeschäfte kommen oft vor, während berühmte Autoren grossartige Honorare beziehen. Der Absatz eines Buches ist rasch durch die mit einem splendiden Diner verbundenen Verlagsauktionen und die Subskriptionen der Zwischenhändler und grossen Leihbibliotheken entschieden. Eine der letzteren, die von Muddie, welche die grösste ist, nimmt nicht selten 1–2000 Exemplare von einem hervorragenden Werke. Durch das Alleinrecht des Verkaufs auf allen Eisenbahnstationen spinnt die grosse Zeitungsanstalt und Buchhandlung von Smith & Son ihre Fäden über das ganze Land. Mit einer Abonnementskarte von ihnen versehen, kann man überall auf den Stationen Bücher leihen und sie wieder auf jeder beliebigen Station abgeben. Die sogenannten Wholesale-booksellers, unter welchen Marshal & Co. die bedeutendsten sind, versehen die eigentlichen Sortimentshändler (Retaillers), welche in der Regel ihren Bedarf nur aus einer Hand beziehen. Bedeutenden Anteil an dem Absatz haben die Stationers (Schreibmaterialienhändler) und die vielen Secondhand-Booksellers. Das deutsche System mit seinen Kommissionssendungen kennt man nicht, weshalb auch die Buchläden in den kleineren Städten nicht so gut assortiert sind, wie dies in Deutschland der Fall ist.

Im Laufe eines Jahres erscheinen zwischen 5–6000 Werke (1881, neue Auflagen ungerechnet, 5406), darunter eine bedeutende Zahl der schönsten illustrierten Reisewerke, Prachtausgaben der englischen Klassiker, philologischen, theologischen und Geschichtswerke und eine grosse Menge von Romanen. Die Zahl ist, wie bei den Zeitungen, eine viel kleinere, als in Deutschland; aber man muss, wie bei diesen, nicht bloss zählen, sondern auch wägen, sowohl was Umfang, als was Auflage betrifft.

Die Stationers Company.

Gegen Nachdruck schützt die Eintragung in die Rolle der Stationers Company und die Abgabe von 5 Pflichtexemplaren. Der Schutz gilt für 42 Jahre — jedenfalls bis zum Tode des Verfassers und 7 Jahre nach demselben. Vor dem Jahre 1709 ist es nicht zu ermitteln, wie viel Bücher jährlich in die Rolle der Stationers Hall eingetragen wurden. Von 1709–1766 betrug die Durchschnittszahl ungefähr 50; im Jahre 1732 war die Zahl auf die tiefste Stufe, 17, gefallen. Beim Beginn dieses Jahrhunderts hatte sie sich wieder auf 3–400 gehoben; 1814 auf 541; 1815 auf 1244; von da ab und bis 1826 blieb die Durchschnittszahl etwa 1000.

Ausfuhr.

Der Absatz des Buchhandels nach dem Ausland übersteigt 20 Millionen Mark, der der Stationary-Artikel wird auf etwa 14 Millionen, des Papiers auf etwa 16 Millionen gerechnet. Fügt man noch den Umsatz in Druckfarbe und Druckmaschinen hinzu, so wird die Gesamtausfuhr von allen zu dem Druckgewerbe gehörenden Gegenständen die Summe von 60 Millionen Mark nicht unbedeutend übersteigen.

Die Fachpresse.

J. M. Powell * 2. Juni 1822, † 17. Sept. 1874.

Unter den Blättern der Fachpresse, die sich zunächst mit der Typographie beschäftigen, nehmen namentlich zwei eine bedeutende Stellung ein. Joseph Martin Powell gab seit dem Jahre 1863, unter dem Titel Printers Register, ein Fachblatt heraus, welches viele Verdienste, namentlich um die Förderung der Maschinen-Fabrikation, hat und oft die Maschinenbauer zu Erfindungen anregte. Das Blatt wird jetzt von Powells ältestem Sohne Arthur geleitet. Eine mehr ideelle und theoretische Richtung verfolgt The Printer and the Lithographer, welches Blatt die Firma Wyman & Son verlegt und mit vielem Geschick und Geschmack redigiert. Es bringt hauptsächlich sehr ausführliche belehrende Artikel, aus welchen, zu besonderen Lehrbüchern gesammelt, bereits manches tüchtige Werk entstanden ist. Auch das Printers Register lieferte solche Artikelreihen. Ein Vorzug der englischen Pressorgane ist, dass sie sich hauptsächlich nur mit dem Technischen abgeben, und die sozialen Verhältnisse und die darin einschlagenden Kontroversen nur leise berühren und alles vermeiden, was zu einem gehässigen Federkrieg Veranlassung geben könnte.

Im Interesse des Buchhandels erscheinen das vierzehntägige Publishers Circular (gegründet 1837) und der monatliche The Bookseller (gegründet 1838), seit 1860 mit dem, 1802 begonnenen, Bents Literary Advertiser vereinigt. Der von Whitaker herausgegebene Reference-Catalogue of current Literature giebt in der Form von Verlagskatalogen eine Übersicht der gangbarsten litterarischen Erscheinungen Englands.

Die Annuals.

R. Ackermann * 30. April 1764, † 26. März 1834.

Eine Episode in dem englischen Buchhandel bildet die Herausgabe der illustrierten Annuals, hervorgerufen 1822 durch den Kunsthändler Rudolph Ackermann. Geboren zu Stollberg, kam er als einfacher Sattlergehülfe nach London. Erst erwarb er durch seine Zeichnungen Aufmerksamkeit, dann wurde er Kunsthändler und Verleger bedeutender Prachtwerke. Die später so beliebten Taschenbücher wurden von diesem „Vater der Almanache“ mit dem Forget me not zuerst in Scene gesetzt und eine Reihe von Jahren hindurch von den besten künstlerischen Kräften Englands unterstützt[63]. Mit Heaths Book of Beauty wurde 1833 eine Reihe von poetischen Werken von Klassikern und neueren Schriftstellern mit Illustrationen sowohl in Stahlstich wie in Holzschnitt begonnen, denen eine grosse Anzahl von illustrierten geographischen und ethnographischen Werken folgte. Als Drucker und Herausgeber solcher machte sich namentlich Henry Fischer bekannt.

Gereicht schon die Herstellung schöner Luxuswerke den englischen Buchhändlern und Buchdruckern zur Ehre, so gebührt ihnen eine noch grössere Anerkennung, weil sie allen anderen Nationen vorangegangen sind, als es sich darum handelte, die Verbindung der Xylographie mit der Typographie zur Verbreitung nützlicher Kenntnisse und allgemeiner Bildung selbst in Kreisen der nicht mit Glücksgütern Gesegneten zu benutzen. Das Penny Magazine, später die Illustrated London News, sind massgebend geworden für die ähnlichen Erscheinungen aller anderen Länder.

Das Penny Magazine.

Das epochemachende Ereignis des Erscheinens der ersten Penny Magazine-Nummer fand am 1. April 1832 statt. Charles Knight[64], der bekannte Buchhändler und Schriftsteller, war der geistige Urheber des Unternehmens, welches von der Society for the diffusion of usefull knowledge ausging; gedruckt wurde das Blatt bei Clowes. Von den Nummern 1–106 fanden 20 Millionen Exemplare Verbreitung. Die gewöhnliche Auflage war 200000. Im Jahre 1780 schätzte Edm. Burke die Gesamtzahl der Leser in England auf 80000; 1833 zählte das Penny Magazine allein jedoch deren mehr als eine Million[65]. Zwei Applegath- und Cowpersche Maschinen verrichteten in zehn Tagen die Arbeit, zu welcher zwei Drucker an der Handpresse ein halbes Jahr nötig gehabt haben würden, in Clowes' Buchdruckerei, die mit 18 Schnellpressen und 15 Handpressen und einem wöchentlichen Papierverbrauch von 2000 Ries, neben der Times-Druckerei, geradezu ein Weltwunder war.

Ch. Knight.

Ganz abgesehen von dem durch das Penny Magazine geübten Einfluss erwarb sich Charles Knight grosse Verdienste durch eine Reihe von ihm veröffentlichter, zumteil von ihm geschriebener oder herausgegebener populärer illustrierter Unternehmungen, unter welchen The Library of Entertaining Knowledge, 43 Bde.; The Penny Cyclopaedia, 1833–1858, 30 Bde.; die Shillings Volumes, 186 Bde.; The English Cyclopaedia, 23 Bde.; Popular History of England, 8 Bde.; Pictorial Bible, 4 Bde., u. a. m. hervorzuheben sind.

Die illustrierten Zeitungen.

Waren die Herausgeber des Penny Magazine und ähnlicher Blätter hauptsächlich bemüht, allgemein nützliche Kenntnisse unter dem Volke zu verbreiten, so versuchten als Bahnbrecher die Illustrated London News, begründet von Cook & Ingram, die Tagesgeschichte in den Bereich der Illustration zu ziehen. Mit ihrer ersten Nummer vom 14. Mai 1842 beginnt eine illustrierte Geschichte der Gegenwart von grossem Wert, der mit den Jahren noch steigt. Die gewöhnliche Auflage ist etwa 100000 Exemplare. Viele Versuche wurden gemacht, dem Blatte Konkurrenz zu machen, jedoch nur The Graphic gelang es auf die Dauer, sich neben der älteren Schwester in der Gunst des Publikums zu halten. Die Weihnachtsnummern beider Zeitschriften werden mit einem Kostenaufwande von je 300000 Mark in etwa 400000 Exemplaren gedruckt. Grosse Verbreitung erreichten auch die vielen illustrierten technischen und Modeblätter. In der humoristischen Zeitungspresse trug der Holzschnitt den Sieg über die Radierung, deren hauptsächlichster Vertreter George Cruikshank (geb. 1792, gest. 1878) war, davon; der Punch, begründet 1841, behielt seine Popularität bis auf den heutigen Tag.

Den hauptsächlichsten Schauplatz des pressgewerblichen Lebens und Treibens in London bildeten von der ältesten Zeit bis auf heute Fleet-Street, St. Pauls Church-Yard, Farringdon-Street, Printinghouse-Square und Paternoster-Row. Letztere wird bereits 1367 genannt, kam aber namentlich nach dem grossen Brande im Jahre 1666 in Aufnahme und wurde in der letzten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts besonders fashionable als Sitz der grossen Verlagshandlungen, während Fleet-Street vorzugsweise dem Journalismus und den Buchdruckereien Obdach bot. Hier reihen sich als Glieder einer ununterbrochenen Kette an einander Druckoffizinen, Zeitungsbüreaus, Telegraphenstationen, Inseratagenturen, Associationen der Presse, Sortiments-, Zeitungs-, Stationers-Laden und andere Geschäfte, die mehr oder weniger mit der Typographie in Verbindung stehen. Hier hat auch der Londoner Setzer-Verein sein Büreau, und je nach dem grossen oder kleinen Belagerungszustand, in welchem die Zugänge zu diesem sich befinden, kann man mit Sicherheit auf den Gang des Londoner Geschäfts schliessen.

Es würde, ohne die gesteckten Grenzen zu sehr zu überschreiten, nicht möglich sein, alle grossen Druck- und Verlagsfirmen aufzuführen[66]. Ausser den bereits an anderen Orten genannten seien nur einige erwähnt. Eine mächtige Zahl von Zeitschriften drucken Spottiswoode & Co.; Accidenzien Spottiswoode & Eyre, Harrison & Co. Als Hersteller von Wertpapieren und kaufmännischen Arbeiten sind bedeutend Wilkinson & Co., Waterlow & Sons[67] und Blades, East und Blades. Der Senior dieser Firma William Blades ist namentlich durch seine typographisch-litterarischen Arbeiten bekannt, vorzugsweise durch seine klassische Biographie Caxtons, zu dessen Popularität in England Blades viel beigetragen hat. Sein neuestes Werk ist eine Medallic History of Printing mit vielen Abbildungen[68], das zuerst in den Printing-Times erschien. Eine der jüngeren Offizinen, die in kurzer Zeit riesenhafte Dimensionen angenommen J. Cassell * 23. Jan. 1817, † 1. Apr. 1865.hat, ist die von Cassell, Petter & Co. Der Gründer John Cassell war erst Zimmermann und lernte in den Werkstätten die geistigen Bedürfnisse der Arbeiter kennen. Als The Total Abstinance-Bewegung 1833 entstand, war er erst ein begeisterter Reise-Apostel derselben, entschloss sich aber dann in wirksamster Weise durch die Presse der Mässigkeits-Sache zu dienen. Zur Herausgabe angemessener Schriften vereinigte er sich mit den Besitzern einer bis dahin nicht bedeutenden Druckerei, Petter & Galpin. Bald ging man aber weiter und gab illustrierte Lieferungswerke heraus. Das Geschäft erhielt eine solche Ausdehnung, dass es 1880 34 illustrierte Werke in Lieferungen auf einmal in der Presse hatte. Das bedeutendste Verlagswerk war die Family-Bible, die, mit einem Aufwand von 2 Millionen Mark hergestellt, innerhalb sechs Jahren einen Absatz von 350000 Exemplaren erzielte. Bei John Cassells Tod hatte das Personal bereits die Zahl von 500 erreicht, jetzt ist diese auf 1000 gestiegen.

Sam. Bagster & Sons liefern namentlich polyglotte Werke, Gilbert & Rivington orientalische. In letzterer Richtung hat jedoch Deutschland ein Übergewicht und viele orientalische Werke werden für englische Rechnung in Deutschland gedruckt.

Von den grossen Verlagsfirmen haben besonders Longman, Green & Co. und John Murray Weltruf erlangt.

Th. Longman * 1699, † 10. Juni 1755.

Der Begründer ersterer Firma Thomas Longman erwarb 1724 den Verlag von Will. Taylor und damit zugleich zwei Häuser: „Der schwarze Schwan“ und „Das Schiff“ in Paternoster-Row. Er ward Mitbesitzer von Ephraim Chambers Cyclopaedia, das Vorbild der vielen in und ausserhalb Englands erscheinenden Encyklopädien, ausserdem auch von Johnsons Dictionary of the English Language. Th. Norton Longman * 1771, † 28. Aug. 1824.Noch folgten in drei Generationen Thomas Longmans, von welchen Thomas Norton Longman der bedeutendste war. Welche Grösse das Geschäft erreicht hatte, sieht man daraus, dass der Genannte ein Vermögen von 200000 £ Sterl. hinterliess, ein Teilhaber Green ebensoviel, während ein dritter Teilhaber Brown 100000 £ Sterl. in Legaten aussetzen konnte.

Obwohl Longmans Verlag ein universeller ist und auch die Namen der berühmtesten Dichter Englands (den Verlag von Byrons Schriften hatten sie abgelehnt) ihren Katalog schmücken, so haben sie doch namentlich ihren vielen encyklopädischen Verlags-Artikeln, und vor allem Macaulays Geschichte ihren Ruhm und ihre Stellung zu verdanken. Von der ersten Auflage des III. und IV. Teils des letztern Werkes waren 25000 Exemplare gedruckt. Diese waren jedoch bereits am Tage der Veröffentlichung, 17. Dezember 1855, verkauft und 11000 Bestellungen mussten unexpediert bleiben. Von den amerikanischen Ausgaben soll ein Buchhändler in zehn Tagen 73000 Bände verkauft haben. Innerhalb vier Wochen sollen überhaupt mehr als 180000 Exemplare verbreitet worden sein.

John McMurray * 1745, † 6. Nov. 1793.

John Murray II. * 1778, † 27. Juni 1843.

John McMurray gründete 1768 ein Geschäft und erzielte damit gute Erfolge. Sein Sohn John Murray ist namentlich als Verleger und Freund Byrons (1807–1823) bekannt und wurde bei seinem Tode wieder von einem Sohn John gefolgt. Grosse Verbreitung fand die billige Home and Colonial Library und die vielen bedeutenden illustrierten Reise- und naturwissenschaftlichen Werke. Murrays rote Reisebücher sind jedem bekannt, und wir können uns kaum einen reisenden Engländer ohne ein solches in der Hand oder unterm Arm denken.

H. Colburn † 16. Aug. 1855.

Unter den Verlegern der schönen Litteratur in Prosa sind Colburn und Bentley die bekanntesten. Henry Colburn verlegte eine Unzahl von Romanen, von James allein 225 Bände, einer wie der andere in drei, in Leinwand gebundenen, Bänden, jeder ziemlich genau 300 Seiten stark und einer wie der andere zum Preise von anderthalb Guineen (31 Mark 50 Pf.). Im Jahre 1819 gründete er Colburns Monthly; 1817 ward die Literary Gazette begonnen. 1832 R. Bentley † 1871.verkaufte er sein Geschäft an Richard Bentley, der früher sein hauptsächlichster Buchdrucker und kurze Zeit sein Associé gewesen war. Colburn verpflichtete sich, unter bedeutender Konventionalstrafe, kein Geschäft innerhalb 20 englischer Meilen Entfernung von London zu eröffnen. Der „Verlagsteufel“ liess ihn jedoch nicht auf seinen Lorbeern ruhen. Erst etablierte er sich in Windsor, dann zahlte er die Konventionalstrafe und zog wieder nach London. Bentley gründete 1837 Bentleys Miscellany, dessen erster Herausgeber Charles Dickens war.

Als Verleger von Shillings-Ausgaben erwarben Routledge & Sons einen Ruf. Die Verbreitung solcher Ausgaben war eine so grosse, dass die Verleger an Bulwer für die Erlaubnis, billige Ausgaben seiner Werke während zehn Jahren drucken zu dürfen, 200000 Mark Honorar zahlten und dabei einen sehr guten Erfolg für sich erzielten.

Der Bibeldruck.

Eine wesentliche Bedeutung für das Druckgewerbe hat der Bibel- und Gebetbuchdruck, der, was die autorisierten Ausgaben betrifft, noch ein Privilegium der Universitätspressen von Oxford und Cambridge ist. Eine grosse Bewegung rief die neue autorisierte Ausgabe der heiligen Schrift hervor, welche viele Jahre hindurch mit grossem Aufwand theologischer Arbeit vorbereitet war und am 17. Mai 1881 in sechs Ausgaben dem Publikum übergeben wurde. In Oxford allein wurden sofort zwei Millionen Exemplare bestellt, Amerika verlangte 300000, druckte jedoch, unter den enormsten Anstrengungen der Konkurrenten, sich gegenseitig den Vorsprung abzugewinnen, die Ausgabe nach. Ein typographisches Kunststück ist eine Oxforder Miniatur-Ausgabe für Lehrer, die mit dem Einbande nur 90 Gramm wiegt und auf 1416 Seiten 2430400 Buchstaben enthält.

Eine grosse Wirksamkeit zeigte The British and Foreign Bible Society, welche mit dem Jahre 1804 unter den Auspicien des Herrn Granville Sharpe begann. Bis 1881 hatte die Gesellschaft mit einem Aufwande von etwa 175 Millionen Mark nicht weniger als 93953000 Exemplare der heiligen Schrift gedruckt. 1881 wurden allein 2938000 Exemplare verbreitet. The Religious Tract Society verwendete in einem Jahre 2½ Millionen Mark auf Bücherdruck.

N. Trübner * 1817.

Unter den Verlegern in der theologischen und philologischen Richtung ist die Firma Rivington hervorragend. Der Stammvater dieser ältesten der noch bestehenden Verlagsfirmen Englands, Charles Rivington, gründete 1711 sein Geschäft in der Paternoster-Row in der „Bibel und Krone“, welche Insignia noch heute die Rivingtonschen Verlagswerke schmücken. Bedeutenden Ruf haben ferner die beiden, mit der Oxforder resp. Cambridger Universitätsbuchdruckerei eng verbundenen Familien Parker, dann James Nisbet. Ganz hervorragende Verdienste um die linguistische Litteratur erwarb sieh ein Deutscher, Nikolaus Trübner aus Heidelberg. Durch Zufall mit Longman bekannt geworden, ging er 1843 als Commis in das Longmansche Geschäft nach London. 1852 etablierte er dort ein eigenes Geschäft mit der Absicht, in der Weltstadt einen bisher fehlenden Zentralpunkt für die litterarischen Erzeugnisse Amerikas und Asiens zu schaffen. Er gab einen vortrefflichen Bibliographical Guide to American Literature 1817–1857 heraus und gründete, um seine Zwecke zu fördern, das Monatsblatt Trübners American and Oriental Literary Record und eine Anzahl von Agenturen in den fernsten Weltteilen. Durch das Heranziehen der bisher schwer zugänglichen Länder mit ihren litterarischen Produkten hat Trübner sich nicht allein um die Wissenschaft hochverdient gemacht, sondern auch sowohl direkt durch seinen grossen linguistischen Verlag, als noch mehr indirekt durch die Belebung dieses Verlagszweiges dem graphischen Gewerbe Vorschub geleistet.

Steht auch das Antiquariatsgeschäft den eigentlichen Zweigen des Buchgewerbes, die uns hier beschäftigen, etwas ferner, so hat dasselbe doch in England eine solche Weltbedeutung gewonnen und wirkt auch durch Verbreitung der Liebe zu Büchern auf das ganze Pressgewerbe vielfach so belebend ein, dass es am Platze sein dürfte, wenigstens die zwei hervorragendsten Vertreter des Antiquariats zu erwähnen, was um so lieber geschieht, als der eine, jetzt noch wirkende ebenfalls, wie Trübner, ein Deutscher ist.

H. G. Bohn * 4. Jan. 1796.

Der Bahnbrecher für den grossartigen Betrieb des Antiquariats war Henry George Bohn aus Richmond. Sein 1841 erschienener Guinea-Catalogue war die imposanteste Ankündigung eines Bücherlagers, welche man bis dahin kannte. Derselbe hatte einen Umfang von 1448 Seiten und verursachte einen Kostenaufwand von 40000 Mark. Bohn wirkte auch als Schriftsteller und Verleger; seine nach damaligen englischen Vorstellungen ausserordentlich billigen Standard Volumes zu 5 sh. 6 d. waren allgemein beliebt.

B. Quaritch * 23. April 1819.

Bernhard Quaritch aus Worbis, jetzt ohne Widerspruch der bedeutendste Antiquar der Welt, lernte in Nordhausen und ging 1842 nach London. 1849 gründete er dort mit einem Kapital von 200 Mark ein eigenes Geschäft zunächst für Penny-Litteratur. Durch Gewandtheit, Fleiss und Ausdauer brachte er bald seinen Handel in die Höhe, so dass er 1860 noch ein zweites, grösseres Lokal in Piccadilly mieten konnte. Hier sammelte er nun einen wahren Schatz sowohl von bedeutenden wissenschaftlichen Werken, als von ausgesuchten Seltenheiten für Bücherliebhaber. Neben seinen Spezial-Katalogen gab er ab und zu einen General-Katalog heraus. Unter den letzteren übertrifft der von 1880 noch Bohns Guinea-Catalogue, kostet aber auch 2 Guineen. Der Band ist 6½ Zoll stark und enthält auf 2166 Seiten die Titel resp. Beschreibungen von 28009 Werken. Ein Index von 228 Seiten giebt etwa 55000 Nachweise. Quaritchs eigener bedeutender Verlag besteht sowohl aus Werken, wozu er selbst die Initiative ergriffen, als auch aus solchen, die er von anderen Verlegern an sich gebracht hat[69].

Die Bibliophilie.

Ein mächtiger Hebel für die Entwickelung der Buchdruckerei war es, dass hochgestellte und reiche Männer sich nicht nur, wie Lord Stanhope, für die technischen Fortschritte interessierten, sondern auch eine Ehre darein setzten, das Schönste, Beste und Seltenste in ihren Büchersammlungen zu vereinigen. Als Liebhaber ersten Ranges ist John Herzog von Roxburgh zu nennen. Seine Bibliothek brachte bei der Versteigerung, welche in den Monaten Mai und Juni 1812 stattfand, einen Erlös von mehr als einer halben Million Mark. Die Nummer 6292 des Katalogs, das einzige bekannte vollständige Exemplar von Il Decamerone di Boccaccio, in Folio, von Christoph Waldarfer in Venedig im Jahre 1471 gedruckt, wurde dem Marquis von Blandford für die Summe von über 45000 Mark zugeschlagen, der höchste Preis, der je für ein Buch bezahlt worden ist. Zur Erinnerung an dieses bibliophilische Ereignis wurde von 31 der bedeutendsten Büchersammler Englands, unter dem Präsidium von Lord Spencer, der Roxburgh-Club gegründet. Zu keiner Zeit hatte die Bibliomanie eine solche Höhe erreicht und sie sollte auch nicht lange auf derselben bleiben, so dass Lord Spencer wenige Jahre später den Waldarfer für 18000 Mark kaufen konnte, also für fast nur den dritten Teil des in der Roxburgh-Auktion gezahlten Preises.

Lord Spencer.

Noch grössere Bedeutung in der Geschichte der Bibliophilie als der Herzog von Roxburgh hat George John, Lord Spencer auf Althorpe. Er war am 1. September 1758 geboren und folgte 1783 seinem Vater im Besitz von dessen Titeln und fürstlichem Vermögen. Es war sein Stolz, die Notabilitäten der Wissenschaft und der Litteratur um sich zu versammeln, und wo er konnte, stand er deren Bestrebungen in liberalster Weise bei. Von gleicher Gesinnung war sein Sohn beseelt, was sich durch die Caxton-Ausstellung 1877 deutlich zeigte, zu welcher Lord Spencer eine ganze Sammlung der seltensten Inkunabeln und Prachtwerke geliefert hatte. In seiner in der Stationary-Company gehaltenen Rede sprach er es auch aus, eine wie grosse Freude es ihm gewähren würde, seine Bibliothek recht oft von Fachmännern besucht zu sehen.

T. F. Dibdin.

Ein wesentlicher Förderer des Sammeleifers sowohl des Lord Spencer als auch anderer war Thomas Frognall Dibdin. Derselbe stammt aus Calcutta, erhielt jedoch, nachdem seine Eltern dort gestorben waren, in England eine sorgfältige Erziehung und wählte den geistlichen Beruf. Von Lord Spencer wurde er als Pfarrer nach Althorpe berufen, zugleich um als Bibliothekar des Lords zu fungieren. In den Jahren 1814–1815 erschien die Beschreibung der Sammlung als: Bibliotheca Spenceriana; von 1810–1819 Typographical Antiquities; 1817 Bibliographical Decameron; 1821 A bibliographical, antiquarian and picturesque tour in France and Germany (2. Ausgabe 1827), in welchem Werk der Verfasser eine in Begleitung des Zeichners George Lewis im Interesse der Spencerschen Bibliothek unternommene Reise schildert. 1838 folgte A bibliographical, antiquarian and picturesque tour in the northern countries of England and Scottland.

Lord Brougham.

In praktischer Weise interessierten sich andere Edle für die Presse. Henry Lord Brougham war die Seele der schon erwähnten Society for the Diffusion of usefull Knowledge. Francis Egerton, Lord Bridgewater bestimmte vor seinem Tode im April 1829 gegen 120000 Mark als Honorar für den Verfasser eines Werkes, welches die Weisheit, Macht und Güte Gottes, wie sie sich in der Schöpfung offenbaren, zum Gegenstand haben sollte. Dies gab Veranlassung zu den sogenannten Bridgewater-Büchern, die der populärwissenschaftlichen Litteratur einen mächtigen Anstoss gaben.

Lord Arundel.

Thomas Howard, Lord Arundel wirkte wieder auf andere Weise. Als eifriger Bewunderer der alten christlichen Kunst gab er Veranlassung zur Begründung der Arundel Society (1848), deren Hauptziel es ist, die leichtvergänglichen, dem Verderben besonders ausgesetzten älteren, namentlich vorrafaelischen Werke der Kunst wenigstens in vorzüglichen Farbendrucken der Nachwelt zu erhalten. Die Reproduktion geschieht hauptsächlich unter Beihülfe von den besten Anstalten des Auslandes, besonders der von Storch & Kramer in Berlin, Hangard-Maugé und Engelmann & Graf in Paris.

Die Buchbinderkunst.

Dass die Bücherliebhaberei auf die Buchbinderkunst ungemein fördernd einwirken musste, ist leicht begreiflich. Es entstanden für die reichen Privatsammlungen Meisterstücke, die zu hohen Preisen verkauft wurden. Dieselbe Eigenschaft, die den englischen Bücherdruck auszeichnet: die Verwendung der vollendeten Technik auf dem vorzüglichsten Material, findet sich in der englischen Buchbindung wieder. Die Behandlung des Leders, der Pappen, des Schnittes, des, das gute Aufschlagen des Buches bedingenden Rückens, kurz des ganzen Körpers des Buches ist eine so überaus sorgfältige, dass man leicht eine mitunter nicht ganz kunstgerechte Komposition der Ornamentierung übersieht.

Berühmte Buchbinder.

Merkwürdig genug ist der Umstand, dass ganz besonders Deutsche zu den ausgezeichnetsten Meistern in England gehören. Unter den Eingeborenen war einer der berühmtesten Buchbinder Roger Payne (gestorben 1797), ein eben so talentvoller, wie in seinem Leben unordentlicher Mann[70]. Als sein Meisterwerk gilt ein Aeschylos im Besitz des Lord Spencer. In seinen Ornamenten, die er selbst fertigte, wird er mitunter bizarr, seine Technik bleibt jedoch immer unvergleichlich. Schöne Bände von ihm wurden mit 400 Mark und mehr bezahlt. Ein Einband von dem Boydellschen Shakespeare in neun Bänden kostete über 2500 Mark. Eine zeitlang arbeitete er zusammen mit Richard Wier, auch ein höchst geschickter Mann, aber eben so unordentlich wie Payne. Die Verbindung artete in einen oft mit den Fäusten ausgekämpften innern Krieg aus. Wiers Frau war bekannt als unübertroffen in der Restauration alter Bücher. Nächst Payne wurde Charles Lewis, aus Hannover stammend, gelobt. Seine durch Harmonie und Eleganz sich auszeichnenden Bände werden als die grössten Zierden der Bibliotheken reicher Sammler betrachtet.

Der Buchbinder Kalthöfer hatte einen solchen Ruf erlangt, dass die Kaiserin von Russland einen besonderen Abgeordneten sandte, um ihn zu bewegen, nach Russland zu kommen, was er jedoch, trotz der glänzenden Bedingungen, ablehnte. In neuester Zeit gilt als erster Meister nicht nur in England Joseph W. Zähnsdorf, ein Böhme von Geburt, der auch durch Herausgabe von The Art of Bookbinding theoretisch wirkte, ohne damit ganz den Erwartungen zu entsprechen, die man hegen durfte, wenn ein so eminenter Praktiker seine Erfahrungen zu Papier bringt.

Stationary.

Die Stationary-Artikel, die teils auf typographischem, teils auf chromolithographischem Wege hergestellt werden, veranlassen ein sehr bedeutendes Geschäft. Die Zahl der Neujahrskarten allein berechnet man auf mehr als 12 Millionen Stück. Welchen Wert man auf solche Kleinigkeiten legt, geht daraus hervor, dass ein Fabrikant 14 Prämien, zusammen von 10000 Mark, für die besten Zeichnungen bestimmte. Von den in London von Weihnachten bis Neujahr versandten 8–9 Millionen Couverts wird bei weitem die grössere Zahl eine Neujahrskarte mit enthalten. Ebenfalls bedeutend ist der Verkehr in Osterkarten und Valentines, schöne, manchmal kostbar ausgestattete Huldigungskarten für das zarte Geschlecht, die am St. Valentinstag, den 14. Februar, in grosser Zahl anonym versandt werden. In der Regel ist der Preis einer solchen Karte 6 Pence bis zu 1 Shilling, es kommen aber auch nicht selten solche vor, die 10 bis 20 Guineen und mehr kosten.

Da jährlich 1200 Millionen Briefe versandt werden, so erfordern diese allein eine enorme Anzahl von Couverts. Diese Fabrikations-Branche beschäftigt gegen 3000 Menschen.

Wie bedeutend der Kalenderdruck in England ist, kann man daraus beurteilen, dass ein Kalenderdrucker, A. Cooke in Leeds, allein bei einer einzigen Holzhandlung 1700000 Stäbe als Halter für Kalender in Bogen bestellte.

Von Spielkarten-Fabriken hat England 18, die etwa 1200000 Pack liefern.

Unter den Firmen, die besonders für die Stationers arbeiten, sind: Marcus Ward, der mit 60 Schnellpressen namentlich Weihnachtskarten und Valentines nebst illustrierten Kinderbüchern druckt; de la Rue & Co., die in ähnlicher und Spielkarten-Fabrikation, so wie mit Herstellung von Luxuspapieren 1000 Personen beschäftigen; Ch. Goodall & Sons, die in ihren Camden-works mehr als 600 Sorten Spielkarten liefern.

Eins der bedeutendsten Stationery-Geschäfte in London ist das der Regierung, von welchem etwa 250 öffentliche Institute ihren Bedarf beziehen. Der jährliche Umsatz beträgt etwa 13 Millionen Mark, von welchen gegen 4 Millionen auf Indien kommen. Dass dabei auch Makulatur vorkommt, ergiebt der jährliche Verkauf von solcher zu einem Betrag von ungefähr 320000 Mark, die einen ursprünglichen Wert von etwa 1600000 Mark repräsentieren.

Das Papier.

Da der Konsum von Papier ein ausserordentlich grosser ist und billige Preise verlangt werden, so konnte es nicht anders sein, als dass die Stoffmischungen der Neuzeit in der Papierfabrikation, welche für die Zukunft der Bücher im höchsten Grade gefahrdrohend geworden, auch in England nicht ohne Verwendung blieben, jedoch wird dort immer noch am meisten auf ein gutes Papier selbst bei gewöhnlichen Arbeiten gehalten[71]. Die Fabrikation des Maschinenpapiers ist zwar keine englische Erfindung (vgl. Kap. V), aber, wie die Schnellpresse, kam auch die Papiermaschine erst in England zur praktischen Geltung, namentlich durch die Bestrebungen Donkins. Der Name Whatman ist typisch geworden für das vorzügliche Büttenpapier, welches bei den Ausgaben für Liebhaber verwendet wird. Whatman selbst zog sich vom Geschäft zurück aus Verdruss, weil er seinen Arbeitern nicht denselben Sinn für Erreichung der höchsten Ziele einflössen konnte, der ihn selbst beseelte.

ASIEN, AUSTRALIEN UND SÜD-AFRIKA.

An die typographische Geschichte Englands schliesst sich eng diejenige Asiens, Australiens und Süd-Afrikas.

In ihren Anfängen lernten wir bereits die Presse in Asien kennen (I, S. 282), sie sollte rasch an Bedeutung gewinnen.

Indien, Calcutta.

Calcutta, die Hauptstadt Indiens und der wichtigste Sitz des dortigen Pressgewerbes, erhielt erst im Jahre 1778 durch Charles Wilkins, einen berühmten Sanskritforscher, eine Buchdruckerei mit einer Schriftgiesserei. Hier wurden neben den Missionsschriften eine Menge wissenschaftliche und belehrende Schriften in den Landesidiomen, ausserdem auch englische Bücher und Zeitschriften gedruckt. In dem naheliegenden Serampur, dem wichtigsten Platz der Baptisten-Mission, besass Dr. Carey zu Anfang des Jahrhunderts eine Presse, auf welcher er 1801 das Neue und bald nachher das Alte Testament druckte. Eine Schriftgiesserei und eine Papiermühle liessen nicht lange auf sich warten und eine lebhafte Thätigkeit entwickelte sich, um die heiligen Schriften in verschiedenen Sprachen der Eingeborenen zu veröffentlichen. Die Offizin brannte zwar 1811 vollständig nieder, da jedoch glücklicherweise alle Matern gerettet waren, konnte man bereits nach Verlauf von kaum einem Jahre wieder heilige Schriften in 18 Sprachen herausgeben. Ein 1818 gedrucktes Probebuch enthält das Vaterunser mit 51 verschiedenen Sorten einheimischer Typen gesetzt.

Benares.

Madras.

Benares, die heilige Stadt der Hindus am Ganges, wo sich eine englisch-indische Hochschule zur Ausbildung der Hindus befand, besass eine, später sehr thätige, Offizin. In Negapatnam hatte der aufgeklärte Rajah von Tanjore eine von Europäern bediente Presse im Gang. Die Britische Bibelgesellschaft gründete dort ebenfalls eine Buchdruckerei. Auch Madras, die zweitwichtigste Stadt an der Ostküste, entwickelte seit 1772 eine rege Thätigkeit.

Bombay.

Aus dem Hauptorte der Westküste, Bombay, finden sich Bücher mit der Jahreszahl 1792; der Aufschwung der dortigen Presse datiert jedoch erst von 1813. In Cotym, auf der Malabarküste, versuchte der Missionär Benj. Baley Typen der Landesschrift selbst zu schneiden und zu giessen, um damit heilige Schriften zu drucken; 1820 kam ihm die Bibelgesellschaft in Calcutta mit einer ordentlich eingerichteten Buchdruckerei zuhülfe.

Am 18. Mai 1818 erschien die erste Zeitung in einheimischer Sprache „Spiegel von Serampur“ durch den Missionär Marshman. In demselben Jahre erhielt Bombay seine Zeitung in der Gujurati-Sprache.

Die einheimische Presse.

Der Generalgouverneur von Indien, Marquis Wellesley (1798 bis 1805), späterer Lord Wellington, war der Presse nicht sehr zugethan; selbst englische Bücher sah er nicht gern entstehen und gestattete nicht die Anlegung von Buchdruckereien ausserhalb Calcuttas. Ein grösserer Freund der Kunst war Wellesleys Nachfolger, der Marquis Hastings, welcher den „Spiegel von Serampur“ zu einem halbamtlichen Blatte erhob. Auch Lord Amherst trat der Presse nicht feindlich entgegen, doch verblieb sie unter sehr strenger Aufsicht. Zur Errichtung einer Buchdruckerei bedurfte es einer Konzession und zur Begründung einer Zeitung Stellung von Kaution. Erst im Jahre 1835 erhielt Indien, hauptsächlich durch die Anstrengungen des Lord Th. Macaulay, den Genuss der Pressfreiheit, die nun mit Jugendfeuer benutzt wurde. Man griff die Massregeln der Regierung, namentlich die gegen die Weiberverbrennung gerichteten, rücksichtslos an.

Die Zahl der Blätter nahm jedoch nicht in dem Masse zu, wie man hätte vermuten sollen, und steigerte sich wesentlich erst nach der Verbreitung der Lithographie, welche sich mit weit grösserer Leichtigkeit dem Geschmack des Publikums anschmiegen konnte, als die Typographie. Da viele des Lesens unkundig sind, so wird das Vorlesen für grössere Kreise sehr geübt und auf mündlichem Wege verbreiten sich dann die neuen Nachrichten schnell. Die Thätigkeit im Buchhandel ist eine sehr bedeutende und Sanskrit-Werke finden unschwer Verleger.

Nach dem Sipahi-Aufstande 1857 wurden die englischen Behörden zur Unterdrückung jeder Buchdruckerei ermächtigt und viele der letzteren bei dieser Gelegenheit auch geschlossen. Noch bis vor kurzem befand sich die einheimische Presse in strengen Ausnahmezuständen, jetzt ist jedoch eine Änderung eingetreten und der Wunsch der Regierung in London, allen ihren Unterthanen gleiche Rechte zu gewähren, erfüllt. Eine Presskommission hat alle Verhältnisse der Presse mit der Regierung zu regulieren.

Die Presse Indiens.

Von Zeitschriften erscheinen gegen 700, davon der dritte Teil (230) in Landessprachen. Die Auflagen sind durchweg klein, gewöhnlich 350, die höchste Auflage ist noch nicht 2000. Die Versendung geschieht unter Kreuzband. Der Abonnementspreis für Tagesblätter beträgt etwa 40 Mark, für Wochenblätter etwa 4 Mark. Die Einfuhr von Papier ist für das Mutterland ein wichtiger Gegenstand und erreichte 1879 einen Wert von über 2½ Millionen Mark.

In Bengalen haben die einheimischen Blätter einen schweren Stand gegen die englischen. Mehrere der letzteren sind jedoch in Besitz und unter geschickter Leitung von Eingeborenen. In den nordwestlichen Distrikten, zwischen Lucknow und Lahore, erscheinen in der Hindustani- und Urdusprache gegen einhundert, zumteil sehr gut redigierte Zeitschriften. Ziemlich eine ähnliche Zahl, in der Maharati- und Gujurati-Sprache geschrieben, werden in Bombay gedruckt. Die tamulische und Telegupresse in Madras ist nicht von Belang.

Die Bücherproduktion, unter der Führung Bengalens, ist eine sehr bedeutende und erreicht an Zahl fast die Englands. Im Jahre 1878 erschienen 4193 Bücher, davon 576 in europäischen, 3148 in einheimischen Sprachen, 673 in dem klassischen Idiom Indiens. 2495 Schriften waren originale Neuheiten, 340 Übersetzungen, die übrigen Bücher neue Auflagen. Die Theologie erschien mit 1502 Nummern; die Technik mit 961, die Linguistik mit 612; Biographie, Länder- und Völkerkunde, Politik waren nur äusserst spärlich vertreten.

Ceylon.

Auf Ceylon gingen aus der bereits vom Freiherrn von Imhof gegründeten Druckerei (I, S. 288) im Jahre 1771 das Neue Testament in cingalesischer Sprache und später manche, zumteil vorzüglich ausgestattete wissenschaftliche Werke hervor. Die Pressthätigkeit in der Hauptstadt Colombo ist jetzt eine bedeutende und die sehr gut geleitete Regierungsdruckerei beschäftigt über 150 Personen, unter welchen sich nur zwei Europäer befinden. Sie disponiert über 5 Schnellpressen, 10 Handpressen, 1 Eisenbahn-Billetdruck-Maschine und 5 Liniiermaschinen.

Hinterindien.

Nach Ranguhn in Hinterindien, der Hauptstadt von Birma, war bereits 1808 eine Presse gekommen. 1814 erhielt Dr. Carey in Serampur von dem Kaiser von Birma den Auftrag, in Ava eine Druckerei zu errichten, und bereits 1822 war das Neue Testament in 29 Sprachen und die ganze Bibel in 6 Sprachen gedruckt, darunter eine mit beweglichen Typen gesetzte chinesische Bibel. Noch viele wissenschaftliche Werke entsprangen der thätigen Presse.

In Malacca druckte der Missionär Milne anfänglich nach chinesischer Art. Später traf eine europäische Druckeinrichtung ein. Das dort errichtete englisch-chinesische Kollegium, das für Religion und Wissenschaft gute Früchte getragen hatte, ward später nach Singapur verlegt.

Die Inseln.

Von den Inseln des Indischen Archipels erhielt Java eine, 1823 von dem Missionär Medhurst in Batavia eingerichtete Offizin, aus welcher im Jahre 1835 des Genannten Wörterbuch der chinesischen, japanischen und der Korea-Sprache hervorging. Auf Sumatra befanden sich um 1820 in Benkulen und dem benachbarten Fort Marlborough Missionspressen.

China.

In China war einer der wichtigsten Druckorte Macao bei Canton. Dort machte im Jahre 1810 Morrison Versuche, das Neue Testament von Holztafeln zu drucken. 1814 wurde ihm von der Ostindischen Handelsgesellschaft eine vollständige Druckerei unter der Leitung von P. Thoms übersandt, doch gelang es erst 1822, das englisch-chinesische Wörterbuch in 6 Quartbänden zu vollenden. In diesem Jahre erschien auch die erste Nummer einer portugiesischen Zeitschrift „Die chinesische Biene“. Medhursts „Dictionary of the Hok-Kien dialect of the Chinese language, containing 12000 characters“ konnte erst 1832 ausgegeben werden. In Canton selbst wurde ebenfalls sehr viel gedruckt. Die grösste Buchdruckerei ist die der presbyterianischen Mission in Shanghai, mit der eine Schriftgiesserei verbunden ist. Im Jahre 1868 wurden dort 25 Millionen Seiten gedruckt, 1869 ein illustriertes Neues Testament und verschiedene Andachtsbücher mit dort angefertigten Abbildungen in vortrefflichen Galvanos. Hier erschien auch das grosse japanische Lexikon des Dr. Hepburn in Yokohama. In hohem Grade hemmend ist bei der Anwendung der europäischen Druckmethode die enorme Zahl der Fächer (gegen 6000) in den Setzkästen; jeder Setzer befindet sich förmlich inmitten eines Amphitheaters von Kästen.

In Peking erscheint die offizielle Zeitung King-Pao, welche die kaiserlichen Dekrete bringt und deren Geschichte bis an die Dynastie Tang, d. h. bis an das siebente bis zehnte Jahrhundert n. Chr., reicht. Jede Nummer bildet ein Heft von 20, wohl auch von 40 Seiten in gelbem Umschlag. Die Ausstattung ist eine klägliche, der jährliche Preis beträgt 27 Mark. Die Offizin befindet sich in dem kaiserlichen Palast. Seit mehreren Jahren erscheint eine Quintessenz aus der Zeitung in englischer Übersetzung. In Hongkong wurde die erste gedruckte Zeitung vor etwa 25 Jahren gegründet. In Shanghai werden zwei grosse chinesische Zeitungen nach europäischem Zuschnitt gedruckt, die nicht allein den Inhalt der kaiserlichen Zeitung reproduzieren, sondern auch Belehrendes und Ankündigungen bringen. Die eine, „Shénpao“, vertritt europäische Interessen, die andere, „Sinpao“, ist Organ europafeindlicher Mandarinen. Die Blätter sind gern gelesen und das eine hat gegen 10000 Abnehmer. Überhaupt ist das Publikum sehr wissenslustig und man findet in Shanghai fast an jeder Thüre eifrige Leser.

Eine besondere Bestimmung über das litterarische Eigentum giebt es in China nicht, es ist ein Eigentum wie jedes andere und Nachdruck wird mit 100 Stockschlägen und Deportation bestraft.

Japan.

In der Hauptstadt von Japan, Yeddo (Tokio), wurde seit 1785 in europäischer Weise gedruckt und entwickelt sich dort eine rege Thätigkeit. Jedenfalls ist Japan, dieser ferne Kulturposten im Osten, bestimmt, einen hervorragenden Platz in der Geschichte der Civilisation einzunehmen. Das Tick-Tack der Typen und das Klappern der Pressen haben jedenfalls dort grössere Eroberungen gemacht, als alle Flotten der alten und der neuen Welt mit ihren Kanonen und Soldaten fertiggebracht haben würden. Die japanische Druckindustrie ist in fortwährender Steigerung begriffen und die Ausüber sind fast alle Eingeborene. Noch vor 15 Jahren hatte Japan kein Journal in einheimischer Sprache, jetzt zählen die Journale nach hunderten, unter welchen weder Mode-, Witz- noch illustrierte und photographische Blätter fehlen. Das verbreitetste Blatt ist Yomiri Schimbun mit 20000 Exemplaren. Nach einzelnen Zeitungsnummern gerechnet, erreichte die Produktion jährlich 33 Millionen, von welchen ungefähr der dritte Teil durch die Post befördert wurde. Die Redaktion einer Zeitung ist keine ganz gefahrlose Beschäftigung, denn ein der Regierung missliebiger Artikel hat Haft und Geldstrafe zur Folge.

Die Produktion von Büchern ist eine ausserordentlich starke. Namentlich werden englische, deutsche und italienische Wörterbücher, Grammatiken, Parleure, Übersetzungen von astronomischen, nationalökonomischen und namentlich auch medizinischen Werken gedruckt[72]. Der Buchhandel steht unter der Aufsicht der Regierung, geniesst jedoch Abgabenfreiheit. Der Verkauf der Verlagsartikel findet durch Versteigerungen dreimal im Jahre statt, zu denen die Sortimentshändler oder vielmehr die Bücherverleiher — denn das Verleihen ist ein Hauptgeschäft — zuströmen, um die Lücken ihres Vorrates auszufüllen. Es giebt Leihbibliotheken mit 25000 und mehr Bänden. Die Romane, die sehr gern gelesen werden, sind sehr bändereich. Eine deutsche Buchhandlung besteht seit 1870 und viele deutsche Unterrichtsschriften werden nach dort versandt.

Früher liess Japan sein Papiergeld bei Naumann und Dondorf in Frankfurt a. M. drucken; jetzt besitzt es in Tokio eine Staats- und Geldpapier-Fabrik. Die Gebäulichkeiten, von einem französischen Architekten in Backsteinen aufgeführt, bestehen in einem grossen Vordergebäude mit zwei Flügeln und in mehreren Hintergebäuden. Das Institut ist mit dem vorzüglichsten Material und vortrefflichen Maschinen, grösstenteils von König & Bauer, ausgerüstet und arbeitet mit einem fast ausschliesslich einheimischen Personal, von Männern sowohl als von Frauen.

Die erste mechanische Papierfabrik nach europäischer Art wurde 1875 in Tokio eingerichtet. Das Gebäude ist aus Ziegelsteinen aufgeführt, misst 225 englische Fuss in der Länge, 106 Fuss in der Breite. Der Maschinensaal ist 130 Fuss lang, 32 Fuss breit, die Maschine selbst nach dem System Fourdrinier hat eine Länge von 76 Fuss. Durch zwei Zentrifugalpumpen können pro Minute bis zu 1600 Gallonen Wasser auf einen Turm von 26 Fuss Höhe, wo die Wasserreservoirs der Fabrik sich befinden, hinaufgepumpt werden. Die Beleuchtung geschieht durch selbstfabriziertes Gas. Es werden seitens der japanesischen Regierung grosse Anstrengungen gemacht, um den Verkauf des Fabrikats am Londoner Markt zu fördern, doch findet man es dort zu teuer.

Australien.

Australien hat den Engländern die Bekanntschaft mit der Kunst Gutenbergs zu verdanken. In Sidney entstand 1802 die erste Presse, deren Begründer ein Creole, George Howe, war. Der Durst nach politischen Nachrichten und öffentlichen Mitteilungen rief 1803 die erste Zeitung hervor, der bald andere folgten. Die Zügellosigkeit der Presse veranlasste ein sehr strenges Pressgesetz von 1827, das jedoch später aufgehoben wurde. Hobarttown auf Vandiemensland (Tasmanien) erhielt 1818 eine Druckwerkstätte.

Seit der Zeit haben sich die Verhältnisse sehr günstig für die Kunst in Australien gestaltet. In dem jungen aufblühenden Lande mit einer energischen, vorwärtsstrebenden Bevölkerung eröffneten sich für die Zeitungspresse die schönsten Aussichten. Sie ist denn auch in Australien in einem gewaltigen Vorwärtsschreiten begriffen und Zeitungen wie The South Australian Register in Adelaide, Argus und Age in Melbourne, Morning-Herald in Sidney nehmen es mit grossen englischen und amerikanischen Zeitungen auf, selbst in Bezug auf den Umfang der telegraphischen Korrespondenz. Jede kleine Stadt besitzt eine Zeitung oder doch ein Wochenblatt. Bei einer Bevölkerung von nur 2500000 Menschen hatte Australien 478 Zeitungen, davon in der Kolonie Victoria 151, in Neu-Süd-Wales 118, in Süd-Australien 46, in Queensland 48, auf Neu-Seeland 114, auf Tasmanien 12, in Westaustralien 3. Sie sind fast alle in englischer Sprache; die deutsche ist fast gar nicht vertreten. Die Ausstattung der Druckereien daselbst ist eine entsprechende. Die Setzer sind vorzugsweise Europäer, das Lehrlingswesen liegt im Argen.

Die Fabrikation für die Typographie ist noch in der Kindheit und das Mutterland hat in Australien einen sehr guten Kunden. Melbourne allein zahlt für Typen, Papier und Stationary-Artikel jährlich mehr als 6 Millionen Mark an England, doch schafft jetzt die amerikanische Konkurrenz, welche fast alle Accidenzschriften liefert, diesem einen schweren Stand.

Die Inseln der Südsee.

Nach den Gesellschafts-Inseln brachten die Missionäre 1818 die Kunst. Von einer auf der Missionspresse gedruckten Bibel wurden 3000 Exemplare in wenigen Tagen verkauft. Der Preis für ein Exemplar war ein Quantum von etwa zehn Kannen Kokosöl.

Auf den Sandwichs-Inseln wird in der Hauptstadt Honolulu seit 1821 gedruckt und 1835 erschien eine Zeitung. Der König gab dazu seine Erlaubnis mit den folgenden Worten: »Ich gebe meine Einwilligung, denn es freut mich, die Werke anderer Länder kennen zu lernen, sowie Dinge zu hören, die neu sind und die ich gern sehen möchte, wenn ich dort wäre. Ich habe zu dem Minister gesagt: »„Mache Druckerpressen««. Mein Gedanke ist zu Ende. König Kanegeaguli“. Auch der König Kalakaua war Redacteur und fleissiger Leitartikelschreiber. — Die Fidschi-Inseln haben vier Druckereien.

Afrika.

Der Norden Afrikas wird weiter unten (Romanische Gruppe) Erwähnung finden.

Über die frühzeitige Verbreitung der Buchdruckerkunst durch die Portugiesen in Abessinien und auf der Westküste von Afrika liegen keine begründeten historischen Nachrichten vor. Erwiesen ist nur, dass im Jahre 1583 auf der Insel Terceira gedruckt und zwar sehr gut gedruckt wurde.

In Freetown auf der Westküste gründeten Missionäre Schulen und Druckereien. Die Insel St. Helena erhielt aus Veranlassung der Gefangenschaft Napoleons eine Buchdruckerei.

In der seit 1806 den Engländern gehörenden Kapkolonie blühte die Presse bald empor. Die erste eigentliche Zeitung erschien 1824. Seit 1830 werden auch im Innern des Landes Zeitungen gedruckt. Der Zeitungsstempel wurde 1848 abgeschafft. 1854 wurde die erste mit Dampf betriebene Schnellpresse aufgestellt und 1860 hatte die Kolonie 29 periodische Schriften. Bereits damals beschäftigte die vorzügliche Druckerei von Saul Salomon & Co. über 100 Arbeiter und zwei Dampfschnellpressen und lieferte auch eine grosse Zahl von Accidenzarbeiten in bester Ausführung. 1880 war die Zahl der Zeitungen 52, von denen 43 in englischer, 6 in holländischer Sprache, 3 in beiden Sprachen zugleich erschienen.

Recht fröhlich gedieh die Kunst auf Madagascar. König Radáma I. (gestorben 1828) war ein aufgeklärter Mann und Freund des Christentums und der Presse, welche von Missionären in den zwanziger Jahren eingeführt wurde. Diese brachten erst die Sprache der Eingeborenen in ein orthographisches System, um dieselbe geschrieben und gedruckt wiedergeben zu können. In der Hauptstadt Antananarivo wurden sechs periodische Schriften herausgegeben, darunter die Monatshefte „Gute Worte“ in einer Auflage von 3000 Exemplaren und das halbmonatlich erscheinende Blatt „Reis mit Honig gemischt“.

Fußnoten:

see pic
see pic
see pic
see pic

IV. KAPITEL. DIE TYPOGRAPHIE UND DAS BUCHGEWERBE NORDAMERIKAS.

Wachstum der Presse. Die Zeitungen: Statistisches, der Herald, Horace Greeley und die Tribune, G. Childs und der Ledger, die Familie Harper, Frank Leslie und die illustrierte Presse. Die Holzschneidekunst. Die Buchdruckerei und der Buchhandel: die Staatsdruckerei und der Accidenzdruck, Organisation des Buchhandels. Grosse Druck- und Verlagsfirmen: Appleton, Lippincott, Houghton u. a., Einfluss des deutschen Elements, Nachdruck deutscher Werke, deutsche Buchhandlungen und Zeitungen. Das Papier.

Steigende Macht der Presse.

N
N

NACHDEM Amerika seine Unabhängigkeit erkämpft hatte, stieg die Macht seiner Presse in rapider Weise. Es war natürlich, dass von einem Zustand gemütreicher litterarischer Beschaulichkeit noch keine Rede sein konnte und dass sich die geistigen Kräfte der Besten des Volkes fast ausschliesslich dem praktischen und dem politischen Leben zuwenden mussten. Die litterarischen Bedürfnisse liessen sich leicht und billig durch den Nachdruck der geistigen Erzeugnisse des Mutterlandes befriedigen und der Nachdruck war ja nicht verboten, also eine ehrliche, ja lobenswerte Sache.

Die Zeitungen.

Vor allem hatte man Zeitungen nötig; auf diese konzentrierten sich deshalb die Gedanken und Pläne der Verleger, der Buchdrucker, der Schriftgiesser und der Maschinenbauer und bald zeigte sich ein an das Wunderbare grenzender Aufschwung dieses Zweiges des Buchgewerbes.

Im Jahre 1776 hatte New-York nur 4 Zeitungen, Massachusetts 7, Pennsylvanien gar keine aufzuweisen. Zur Zeit der Centennial-Feier und der Weltausstellung zu Philadelphia im Jahre 1876 erschienen in New-York 1088, in Massachusetts 346, in Pennsylvanien 738 Zeitschriften. Heute beträgt die Gesamtzahl der periodischen Schriften Nordamerikas 11418, darunter täglich erscheinende Blätter 982, Wochenblätter 8725. Von der Gesamtzahl liefert New-York 1412, Illinois 1032, Missouri 531. Illustrierte Blätter giebt es 512, Zeitschriften religiösen Inhalts 572. In englischer Sprache wurden 10619 Blätter gedruckt, 605 in deutscher, 35 in französischer, 37 in schwedischer und dänischer Sprache. Beschäftigung finden bei der Herstellung 72000 Menschen mit einem Lohnaufwande von 115 Millionen Mark. Der Brutto-Ertrag wird auf 370 Millionen Mark geschätzt. Die tägliche Zirkulation der Tagesblätter ist auf 3637000 Nummern — dieselbe ungefähr, die England mit seinen 135 Blättern erzielt — berechnet, die einmalige der Wochenblätter auf 19450000, die Gesamtsumme aller Zeitungen und Zeitschriften jährlich auf 2077650675 Nummern[73].

Es hat sich jemand die Mühe gegeben, auszurechnen, dass mit einem Gürtel an einander gereihter Bogen eines Jahrganges der amerikanischen Zeitungen die Erde sich 47mal umwickeln lasse und dass der Papierstreifen fünf Meilen länger sein würde, als die Entfernung der Erde von dem Monde. Ein anderer giebt an, dass zu einer Nummer sämtlicher Zeitschriften Nordamerikas 5000000 Pfund Schriften oder etwa 3 Milliarden Typen gehören. Kontrolliert haben wir die Rechnungen nicht.

Befinden sich unter den Zeitungen auch manche unbedeutende, die nur dazu dienen, die Zahl auszufüllen, so begegnen uns andererseits viele riesenhafte Unternehmungen, mit denen in Europa ausser den Times nur noch einige wenige sich messen können. Das New-Yorker Zeitungsviertel umschliesst die Prachtgebäude der Journale: New-Yorker Staatszeitung, Daily News, Star, Sun, Tribune, Times, Observer, World, Evening Mail, Evening Telegraph, Herald, dazu den grossartigen Bau des Zentral-Telegraphenamtes, die kolossalen Offizinen von Harper Brothers u. a. Mit diesem bibliopolisch-typographischen Viertel kann sich selbst Fleet-Street, Paternoster-Row und Umgebung in London nicht messen.

Der Herald.

Das grossartigste Zeitungs-Institut ist wohl das des New-York Herald. Die Herausgeber haben sich die Mühe gegeben, eine Nummer des Herald mit der korrespondierenden Nummer der englischen Times zusammenzustellen. Jede enthält 120 Spalten; unter diesen hatte der Herald 80 Inseratenspalten mit 3061 Anzeigen, Times 73 Spalten mit 1846 Annoncen. Dem Stoff nach enthält die Herald-Nummer auf 31350 Zeilen mit etwa 2800000 Typenstücken den ungefähren Stoff von fünf gewöhnlichen Romanbänden. Die Ausgaben für einzelne Telegramme sind enorm und waren es früher noch mehr, als zehn Wörter 400 Mark kosteten. Während des englisch-abessinischen Krieges musste die englische Regierung ihre Nachrichten aus dem Privatbureau des Herald holen, denn dieser empfing seine Telegramme so zeitig, dass die englischen Blätter die aus New-York zurücktelegraphierten Nachrichten als ihre neuesten Nachrichten bringen mussten. Zur Zeit des deutsch-französischen Krieges hatte die Tribune den Herald überholt. Erstere brachte mit einem Kostenaufwand von 3000 Dollars das erste, spaltenlange Telegramm über den Kampf bei Gravelotte, das schon Tage lang in New-York gelesen war, als man in Berlin sich noch immer mit dem bekannten kurzen Telegramm aus dem Hauptquartier begnügen musste. Das machte die Tribune während des Krieges sehr populär. Als Trumpf hiergegen spielte nun der Herald die sehr kostspielige afrikanische Expedition Stanleys zum Aufsuchen Livingstones aus.

H. Greeley * 3. Febr. 1811, † 29. Nov. 1872.

Überhaupt erreichte die von Horace Greeley im Verein mit gleichgesinnten Mitarbeitern 1841 gegründete Tribune[74] eine hohe Bedeutung. Horace Greeley war Sohn eines armen Bauers in Amhorst. Er half seinem Vater beim Holzfällen; jedoch seine Liebe zu den Büchern erweckte den Wunsch in ihm, Setzer zu werden. Er kam auch in die Lehre nach Pultney, was er jedoch dort lernen konnte, war bald gelernt. Nach verschiedenen bösen Erfahrungen kam er am 18. August 1831 nach New-York mit zehn Dollars in der Tasche. Trotz seiner Tüchtigkeit ward es ihm sehr schwer, eine Stelle zu finden. Man traute ihm nichts ordentliches zu, namentlich weil er gar zu wenig auf sein Äusseres gab. Endlich fand er in einer Druckerei Stellung. Es wurde ihm die schwerste Aufgabe, der Satz eines polyglotten Neuen Testaments, aufgetragen. Die Arbeit fiel vortrefflich aus und Greeley war bei derselben mit solchem Fleiss, dass er in Misskredit bei seinen von ihm ausgestochenen Kollegen kam. Ein Dr. Steppard, ein Mann mit vielen Kenntnissen, aber ganz ohne Vermögen, wünschte Teilnehmer für ein Blatt, die „Morgenpost“, und veranlasste Greeley und den Faktor der Druckerei, Story, solche zu werden. Das Blatt schlug fehl, jedoch die angefangene Druckerei kam vorwärts; Story starb und Greeley nahm einen anderen Associé, Winchester. Auch eine zweite Zeitschrift, der „New-Yorker“, an dem Greeley gearbeitet hatte, ging ein. Dieser, der demnach Schriftsteller geworden war, gründete nun selbst 1841 die Tribune. Die Anfänge waren klein. Greeley war die Seele des Ganzen, bald am Redaktionstisch schreibend, bald am Setzkasten zugreifend, dann, wenn nötig, bei der Presse Hand anlegend. Das Blatt gewann rasch einen grossen Aufschwung und die etwa zwanzig Gründer, die mit ihrer Arbeit — denn über ein anderes Kapital hatten sie nicht zu verfügen gehabt — beteiligt waren, wurden wohlhabende Leute. Ausser der Tagesausgabe druckte man eine halbwöchentliche und eine wöchentliche, zusammen in ungefähr 100000 Exemplaren. Horace Greeley schlug standhaft die Übernahme der ehrenvollsten, selbst Gesandten-Posten, aus und meinte, wenn ein Journalist auf seinem Posten ist, dann kann er in einem Lande mit einer freien Presse mehr leisten, als alle Gesandte zusammen[75]. Die Setzer der Vereinigten Staaten wollten ihm zuerst ein aus Typen gegossenes Monument setzen, errichteten ihm jedoch später auf dem Greenwood-Friedhofe in Brooklyn ein Denkmal, bestehend in einer Bronce-Kolossalbüste. Die vier Seiten des Sockels sind mit Reliefs geschmückt.

G. W. Childs.

Bedeutenden Einfluss übte auch The Public Ledger George W. Childs'. Dieser, in Baltimore geboren, kam als vierzehnjähriger Bursche nach New-York in eine kleine Buchhandlung, erwarb sich durch grössten Fleiss, verbunden mit Sparsamkeit, einige hundert Dollars und fing mit diesen in einem Winkel des Gebäudes des Public Ledger ein kleines Geschäft an, jedoch mit dem Vorsatz: „das muss alles einmal mir gehören“. Childs wurde Teilhaber einer respektablen Buchhändlerfirma R. E. Peterson & Co., in der, unter seiner Beteiligung, viele bedeutende Werke erschienen.

Inzwischen war es mit dem angesehenen Ledger rückwärtsgegangen. Es bestand als Penny-Blatt seit dem Jahre 1816 und die Unternehmer hatten nicht den Mut, diesen Preis zu erhöhen, obwohl er unter den indes eingetretenen Valuta-Verhältnissen ein völlig unhaltbarer geworden war. Trotz der grossen Verbreitung und der massenhaften Inserate verlor man, wovon das Publikum jedoch keine Ahnung hatte, jährlich an 150000 Dollars. Unter diesen Verhältnissen kaufte Childs das Blatt für eine Summe, welche die eines Jahresausfalles wenig überschritt, stellte den Preis auf zwei Pence und erhöhte entsprechend den Inseratenpreis. Anfänglich grosser Krach in der Zahl der Abonnenten, dann aber das Gefühl bei denselben, den alten bewährten Freund nicht entbehren zu können, und die Sache ging wieder vorwärts. Nun war Childs ein gemachter Mann und der Ledger[76] eine grosse Macht, von der jedoch der Besitzer immer nur den edelsten Gebrauch gemacht hat. Er begriff, dass der Mann, welcher eine Druckerpresse besitzt und die Feder führt, ebensowenig das Recht hat, Schmähnachrichten zu verbreiten oder die Ehre eines anderen anzutasten, als derjenige, der eine Uniform und ein Schwert trägt, befugt ist, nach Belieben zu tödten oder zu verwunden, um seinen Launen oder boshaften Gesinnungen zu fröhnen. Sogar über die Anzeigen wachte er und hatte den Mut, von dem Prinzip abzugehen, wonach der Herausgeber eines Blattes nicht die Verantwortlichkeit, wennauch nur die moralische, für die Anzeigen zu tragen habe. Dass er mit diesem Prinzip zugleich auf grosse Einnahmen verzichtete, ist leicht zu begreifen. Childs sorgte auch stets in grossartigster Weise für die Gesundheit und das Wohlbefinden seiner Mitarbeiter.

Es ist nicht möglich, die bedeutenden Zeitungsanstalten alle näher zu charakterisieren und ihre Offizinen ausführlich zu beschreiben, die auch im Westen grossartige Dimensionen angenommen haben, so z. B. die Offizin der Chicago Times, die in einem aus weissen Sandsteinen erbauten, palastähnlichen Eckgebäude mit zwei Fronten von je 80 Fuss ein Erdgeschoss und fünf Stockwerke einnimmt. Überhaupt würden solche Äusserlichkeiten an und für sich keine Bedeutung für die Geschichte der Buchdruckerkunst haben, wenn sie nicht mit als Beweis dienten, welche kolossale Ausdehnung und hohe Macht die Zeitungspresse besitzt, die doch immer nur ein Teil der Gesamtpresse ist.

Auch unter den Wochenblättern erheben einige stolz ihre Häupter über das Gewöhnliche. Unter den Verlegern und Druckern, die sich um diese Litteratur, doch nicht nur um diese, verdient gemacht haben, steht die Familie Harper obenan[77].

John Harper * 22. Jan. 1797, † 22. April 1875.

Der Gründer derselben, John Harper, stammt aus Newtown (Rhode Island). Sein Bruder James und er waren in New-York in einer Buchdruckerei beschäftigt und zählten mit zu den tüchtigsten Arbeitern, James als Drucker, John als Setzer. Im Jahre 1817 gründeten die Brüder eine kleine Buchdruckerei unter der Firma J. & J. Harper. Durch Promptheit erwarben sie sich einen guten Ruf und ihre eigenen Verlagsunternehmungen wurden mit Vertrauen empfangen. 1833 gesellten sich noch zwei Brüder, Joseph Wesley Harper und Fletcher Harper, als Teilnehmer dazu und die Firma wurde Harper Brothers. Die vier Brüder waren alle sehr verschiedenen Charakters, ergänzten sich jedoch ganz vortrefflich. Frug man: wer ist Harper? und wer sind die Brüder? so konnte man nur antworten: „irgend einer derselben ist Mr. Harper und die anderen sind die Brüder“. Gerade in diesem innigen Zusammenwirken lag das Geheimnis ihrer Erfolge. Im Jahre 1850 begannen sie Harpers Monthly, dessen Aufnahme eine so ausserordentlich günstige war, dass sie 1857 Harpers Weekly und 1867 Harpers Bazar folgen liessen.

Harpers neues Etablissement.

Jeder der Brüder hatte sein besonderes Departement, welches er selbständig leitete. Das der Finanzen gehörte John, zugleich die Besorgung der Erwerbungen an Material und Maschinen. Er war ein Mann von bestimmtem Charakter, rasch im Entschliessen, fest in der Durchführung der Entschlüsse, in allen Verhältnissen ein Gentleman, bei aller Lebhaftigkeit stets ruhig und besonnen, nie in Unruhe oder Hast.

Brand des Etablissements.

Als das grosse Harpersche Etablissement in Franklin-square 1853 ein Raub der Flammen wurde, stand John mit seinen Brüdern ruhig unter der aufgeregten Menschenmasse und beobachtete das Fortschreiten des verheerenden Elements. Seine Uhr aus der Tasche ziehend bemerkte er gegen die Brüder, dass es jetzt Essenszeit sei; es wäre wohl das beste, man käme nach dem Essen zu ihm, dort könne man ruhig überlegen, was zu thun! Die Brüder fanden sich ein und sassen schweigend in Gedanken vertieft. Da ergriff John das Wort: „Unser Geschäft ist zu wertvoll, um es fallen zu lassen oder um es in andere Hände zu geben. Wir haben alle Söhne; sie haben uns geholfen und sind nun bald imstande, unsere Plätze einzunehmen. Wir wollen ihnen das Geschäft weiter führen und ihnen zeigen, dass wir noch keine alten Schlafmützen sind“.

Und so wards beschlossen. Noch an demselben Abend begann John die Pläne für den Neubau zu entwerfen. Die Zeichnungen von allen den inneren Räumlichkeiten und Einrichtungen wurden unter Berücksichtigung der mannigfachen Bedürfnisse des Geschäfts in allen Details von John gemacht und dann dem Architekten übergeben, dem es überlassen wurde, das Äussere dem Innern anzupassen. Durch Schaden klug geworden, liess man alles aus Stein oder Eisen aufführen. Jedes Stockwerk ist für sich ganz abgeschlossen und die Kommunikation mit den beiden Geschäftshäusern nur durch die, in einem freistehenden Turm, von welchem aus Verbindungsbrücken nach jedem Stocke der beiden Geschäftsgebäude führen, befindliche Treppe unterhalten. Es dürfte dieses Etablissement jetzt eines der eigentümlichsten, zugleich eine der am besten gegen Feuersgefahr gesicherten Druckereien der Welt sein. Ein eigentümlicher Zug von John Harper war es, dass er, obwohl er täglich von 9–3 Uhr im Comptoir arbeitete, die nach seiner eigenen Angabe gebauten Lokalitäten, mit Ausnahme des Maschinenraumes, nie betrat. Was in sein Departement nicht gehörte, überliess er ganz und gar seinen Brüdern, Söhnen und Neffen. Der Bruder James starb 1869, Wesley 1870, John selbst 1875 am 22. April, nur sein Bruder Fletcher überlebte ihn. Bis zum Jahre 1878 hatten Harpers 3291 Werke in über 4000 Bänden herausgegeben.

K. Scribner.

Wennauch Harpers Monthly die grösste Auflage von allen Monatsschriften hat — 160000 Exemplare —, so kommt ihm doch das von Karl Scribner gegründete Scribners Monthly, das jetzt den Titel The Century angenommen hat, nahe. Der materielle Wert eines solchen Unternehmens ist ein sehr bedeutender; so erhielten die Söhne Scribners für ihren 40prozentigen Anteil die Summe von mehr als 1100000 Mark, wonach also das ganze Unternehmen den Wert von gegen 3 Millionen Mark repräsentierte.

Frank Leslie * 1821, † 1. Jan. 1880.

Unter den Herausgebern illustrierter Blätter ist Frank Leslie besonders zu erwähnen. Sein eigentlicher Name war Henry Carter. Erst Holzschneider und Vorsteher der xylographischen Anstalt der Illustrated London News, ging er im Jahre 1848 nach Amerika und unternahm die Gazette of Fashion, dann den Chimney Corner und das Ladys Magazine. Am 14. Dezember 1855 erschien Frank Leslies Illustrated Newspaper. Zwar erwarb er sich damit ein sehr grosses Vermögen; bei seiner excessiven Freigebigkeit überstiegen jedoch seine Ausgaben die Einnahmen und er musste 1877 sein Geschäft an J. W. England abtreten, wirkte aber für dasselbe fort. Leslie war der erste, welcher die grossen Holzplatten mit den darauf sich befindenden Zeichnungen in viele Stücke zersägen liess, um sie nach Vollendung des Schnittes, der nun gleichzeitig von einer grossen Zahl von Holzschneidern, also sehr schnell, gearbeitet werden konnte, wieder zusammen zu leimen oder durch Rahmen zusammen zu pressen.

Georg Putnam * 21. Febr. 1814, † 20. Dez. 1872.

Auch Georg Palmer Putnam erwarb sich einen bedeutenden Namen als Journal-Herausgeber. 1840 gründete er die Firma Wiley & Putnam. In London legte er eine Filiale an, weilte dort sieben Jahre und gab von 1843 ab The American Bookseller heraus. Putnam war der erste, der regelmässig Bücher nach England exportierte und umgekehrt von dort importierte. Nach seiner Rückkehr nach New-York wurde 1852 Putnams Magazine gegründet, welches damals in Nordamerika einzig in seiner Art dastand.

The Daily Graphic.

Amerika hat auch zu einer täglich erscheinenden illustrierten Zeitung den ersten Anlauf genommen. Seit 1873 erscheint in New-York The Daily Graphic; jede Nummer mit etwa zwanzig grösseren oder kleineren Illustrationen. Bei einem äusserst mässigen Preis sind Druck und Papier sehr gut. Da jedoch die Bilder — Hochätzungen von verschiedenem Wert — in der Mehrzahl den unterhaltenden Teil illustrieren, also im voraus fertiggestellt werden können, so ist das Problem einer wirklichen illustrierten Tageszeitung noch nicht als voll gelöst zu betrachten.

Die Summe, welche die Inserierenden an die Zeitungs-Herausgeber zu zahlen haben, wird auf 120 Millionen Mark geschätzt. Von The Sun wurde neulich eine der 350 Aktien „billig“ für 18000 Mark verkauft, das gäbe nahe an sechs und eine halbe Million Mark. Der Redakteur A. Dana bezieht als Salair und Tantième jährlich etwa 300000 Mark. Hiernach kann man sich eine Vorstellung machen von dem enormen pekuniären Wert der amerikanischen Zeitungen.

Xylographie.

Alex. Anderson * 21. April 1775, † 17. Jan. 1870.

Der Schöpfer der amerikanischen Holzschneidekunst war Alexander Anderson. Bereits als Schulknabe schnitt er mit einem Handmesser kleine Vignetten in Schriftmetall und verkaufte sie an Zeitungs-Herausgeber. Später wählte er die Medizin als Brotstudium; jedoch die Liebe zur Kunst behielt die Oberhand bei ihm, und als er erfuhr, dass Bewick in London in Buchsbaum schnitt, hing er die Medizin an den Nagel und wurde der erste Holzschneider in Amerika. Seine letzte Arbeit in Metall war „das Abendmahl“ nach Holbein für eine Bibel in Quart. Bis in sein 94. Jahr arbeitete er unverdrossen. Während Amerika 1840 nur etwa 40 Xylographen hatte, betrug die Zahl bei Andersons Tod bereits über 400.

J. Adams.

Um den Druck der Holzschnitte, zugleich um diese selbst und die galvanische Vervielfältigung derselben hat J. Adams wesentliche Verdienste. Nach vielen vergeblichen Versuchen gelang es ihm, mit Harpers ein Übereinkommen betreffs des Verlages und Druckes einer illustrierten Bibel abzuschliessen, wobei er die Bedingung gestellt hatte, dass der Druck vollständig nach seiner Angabe geschehe. Mit unermüdlicher Sorgfalt wendete er das noch nicht bekannte Verfahren des Unterlegens an und nach vierzehntägiger Arbeit an der Adamsschen Tiegeldruckpresse, während deren er vieles von den über ihn spottenden Druckern und der Bedenklichkeit der Verleger zu leiden hatte, leistete er zum Staunen der ersteren und zur Genugthuung der letzteren mit dem ersten Bogen einen Druck, wie man ihn noch nicht kannte. Das Publikum lohnte der Verleger Opferwilligkeit durch Abnahme von 50000 Exemplaren.

Die Regierungsdruckerei.

Unter den Druckanstalten Amerikas sowohl als unter den Staatsdruckereien anderer Länder nimmt die Regierungsdruckerei[78] der Vereinigten Staaten einen achtunggebietenden Standpunkt ein.

Zuerst wurden die Staatsarbeiten an die, von beiden Häusern gewählten Privatdruckereien vergeben, mit denen man auf Grund bestimmter Preise kontrahierte. Später beliebte man den Zuschlag an den Mindestfordernden, dann wurde zu einer Anstalt geschritten, deren Direktor der Präsident erwählt. Die 1861 bezogenen Räumlichkeiten sind später bedeutend erweitert worden.

Vor der Rebellion der Südstaaten genügten 23, grösstenteils Adamssche, Schnellpressen. Durch 4 Accidenzpressen und einige Liniiermaschinen wurden die kleineren Arbeiten erledigt. Während des Aufstandes nötigte jedoch der Bedarf des Kriegs- und Marinedepartements zur Verstärkung der Kräfte. Obwohl von Liniiermaschinen allein 16 fortwährend beschäftigt waren, mussten manche Arbeiten Privaten übertragen werden. Nachdem jedoch der Kongress bestimmt hatte, dass alle Regierungsarbeiten in der Staatsdruckerei besorgt werden sollten, waren grosse Erweiterungen vorzunehmen.

Das Druckhaus ist ein vierstöckiges, nicht besonders schönes, jedoch gut belichtetes und zweckmässig eingerichtetes Gebäude von 300 Fuss Länge und 60–70 Fuss Breite. Der Druckersaal nimmt die ganze Tiefe und 270 Fuss Länge ein. Die Zahl der Schnellpressen beträgt 63, die der Arbeiter 1200. Die Jahresausgabe für Löhne und Material wird auf etwa 9 Millionen Mark veranschlagt. Die Arbeiten sind in drei Klassen geteilt: Staatsakten, gerichtliche und laufende Arbeiten. Die in der Anstalt gedruckten Werke haben oft einen grossen Umfang, so umfasst das Werk über den Secessionskrieg 96 Bände in Grossoktav. Oft ist rasende Eile notwendig; so wurden die Berichte der Halifax-Fischerei-Kommission 480 Seiten in Oktav in 48 Stunden gesetzt, korrigiert, gedruckt, gebunden und dem Kongress übergeben. Der jährliche landwirtschaftliche Bericht ist ein Band von 800 Oktavseiten und wird in 225000 Exemplaren gedruckt.

Banknotendruck.

Der Banknotendruck unterlag durch Jakob Perkins, der die Herstellung von Stahlplatten einführte, einer bedeutenden Umänderung und Verbesserung. 1818 ging Perkins nach London und arbeitete dort mit dem vorzüglichen Graveur Heath zusammen. Mehrere Sicherheitsmassregeln wurden erfunden, namentlich das Hineinarbeiten von Fäden oder Haaren in das Papier. Die Noten sind, dem Geschmack der Amerikaner gemäss, recht bunt und enthalten vollständige Bilder, ja sogar Schlachtenscenen, in Stahlstich. Sie werden in dem Bureau of Engraving and Printing, einer Abteilung des Schatzamtes, und bei der American Banknote Company ausgeführt.

Die Postkarten liefert laut Vertrag die American Phototype Company in Holyoke. Der Bogen enthält 40 Postkarten. Die Pressen sind mit verschlossenen Zählapparaten versehen, zu welchen nur Regierungsbeamte den Schlüssel haben. Zirkularschneidemaschinen teilen den Bogen viermal der Länge nach, die Längenschnitte werden wieder zehnmal der Quere nach geschnitten. Täglich wird durchschnittlich 1 Million Stück geliefert, die Produktion kann aber auf 1700000 gesteigert werden.

Dass die Versendung von Drucksachen durch die Post eine sehr grosse ist, begreift sich leicht; sie beträgt neben 1100–1200 Millionen Briefen jährlich gegen 750 Millionen Zeitungsnummern und mehr als 300 Millionen andere Drucksachen.

Accidenzdruck.

Der Accidenzdruck setzt in einem Geschäftslande, wie es Amerika ist, enorme Summen in Zirkulation. Nach Einführung der Tretmaschinen ist ein grosser Teil der Arbeiten in die Hände der Stationer (Trittmüller) übergegangen. Bei der Sucht, auffällig zu sein, laufen allerdings manche sonderbare Erzeugnisse unter den Accidenzen mit unter, aber vieles ist auch ausserordentlich schön. Unter den Accidenzdruckern, speziell unter den Farbendruckern, steht W. J. Kelly in hohem Ansehen. Als Herausgeber einer Fachzeitschrift, The Model Printer, macht er zugleich seine Arbeiten der Allgemeinheit der Buchdrucker nutzbar. Einen würdigen Konkurrenten hat er in J. F. Earhart in Columbus. Auch Oscar H. Harpel in Cincinnati, der den glücklichen Gedanken hatte, etwa 700 von ihm O. H. Harpel * 8. Juni 1828, † 20. Nov. 1881.in der Praxis ausgeführte Accidenzen in einem Band Harpels Typograph zu sammeln, genoss eines verdienten Ansehens. Ausser seinem praktischen Musterbuch gab er ein mit grossen Kosten verbundenes Werk heraus: Poets and Poetry of Printerdom. Harpel war eine der ideal angelegten Naturen, die in ihrem Streben nach Vollkommenheit nicht genug das Praktische berücksichtigen, und er erzielte deshalb nicht die Vorteile, die ihm auf Grund seiner Tüchtigkeit und Liebe zur Kunst sehr zu gönnen gewesen wären.

Als Beispiel, welche Summen auf Accidenzarbeiten verwendet werden, sei angeführt, dass ein Kurzwaren-Geschäft in New-Haven für 2000 Exemplare eines Muster-Katalogs gegen 350000 Mark verausgabte. Der Folioband von 290 Seiten mit etwa 700 in der wirklichen Grösse und in den natürlichen Farben ausgeführten Abbildungen kostet allein zu binden 65 Mark für jedes Exemplar. Dabei übersandten die Besteller nach Vollendung des Bandes dem Drucker mit einem sehr verbindlichen Schreiben ein äusserst kostbares Chronometer, ein Zeichen der Anerkennung, wie sie im Geschäftsleben wohl nicht gar zu oft vorkommt.

Die Durchschnittsqualität des Buchdruckes ist eine gute. Man fabriziert in Amerika weniger für besondere Klassen von Lesern, es fehlt deshalb in der Regel einerseits das höchste Raffinement, andererseits ein ungeniertes Sichgehenlassen. Die Schulbücher sind, was nicht genug gelobt werden kann, fast ausnahmslos vortrefflich ausgestattet. Druckt man einmal wirkliche Prachtwerke, so können sie auch den Vergleich mit den besten Erzeugnissen der alten Welt aushalten, z. B. Appletons Picturesque America und Picturesque Europe.

Der Buchhandel.

Über die Ausdehnung des Buchhändlerischen Geschäfts[79] ist es nicht leicht, eine ganz bestimmte Übersicht zu gewinnen, da keinerlei Kontrolle ausgeübt wird. Die Zahl der eigentlichen Buchhändler wird auf etwa 3000 angegeben, darunter sind gegen 800 Verleger. Neun Zehnteile des Verlagsgeschäftes sind jedoch auf höchstens 50 Firmen verteilt. Buchhändler, welche nicht ein ausschliessliches Geschäft aus dem Handel mit Büchern machen, giebt es über 10000.

Bücherproduktion.

Hat die Bücherproduktion auch nicht eine so immense Steigerung aufzuweisen wie die Zeitungsproduktion, so ist sie doch eine sehr bedeutende. Die amerikanische Originallitteratur bietet schon jetzt einen bedeutenden Stoff, daneben werden mit einer, bei lohnenden Aussichten staunenswerten, einer besseren Sache zur grössten Ehre gereichenden Energie die besten Erzeugnisse des Mutterlandes nachgedruckt. Ein internationaler Vertrag mit England lässt immer noch auf sich warten, und obwohl selbst in Amerika gewichtige Stimmen für den Schutz gegen Nachdruck sich erheben, ist doch kaum anzunehmen, dass der „praktische“ Amerikaner sich dem Zwange sobald fügen wird, es wäre denn, dass die Zunge der Interessenwage sich zu seinen Gunsten neigen würde.

Organisation des Buchhandels.

Der eigentliche Ursprung des organisierten Buchhandels in Amerika rührt von der Begründung der Amerikanischen Buchhandlungs-Gesellschaft im Jahre 1801 her. Sie errichtete Comptoire in New-York, Philadelphia und Boston, stellte feste Bedingungen für den Betrieb und war bemüht, durch Preisausschreiben die Fabrikation des Papiers und der Druckerschwärze zu fördern. Doch blieben die Fortschritte des Buchhandels immer noch klein. Die Auflagen wurden selten höher als 5–600 gemacht.

Mit dem Jahre 1830 hatte sich dies schon sehr geändert und später erreichten Werke selbst von grösserem Umfang und hohem Preis grosse Verbreitung. Agassiz' Naturgeschichte Nordamerikas, die über 600 Mark kostete, hatte über 2500 Subskribenten; von Kanes Reise nach den arktischen Regionen wurden 60000 Exemplare abgesetzt, von Murrays geographischer Encyklopädie 50000, von Chambers Encyclopædia of Literature über 100000. 1860 gab es bereits 400 Verleger und der Wert der produzierten Bücher — nicht Zeitungen —, der 1820 10 Millionen Mark betrug, hatte 1860 70 Millionen Mark überschritten. Die Zahl der Buchdruckereien war 1860 bis auf 4000 gestiegen, nachdem sie 1776 40, 1812 400 betragen hatte.

Die Organisation des Buchhandels ist nicht so geschlossen, wie in Deutschland, doch hat die American Book Trade Association einige Ähnlichkeit mit dem Börsen-Verein der deutschen Buchhändler. Die Buchhändler teilen sich in Publishers (Verleger), Jobbers (Kommissionäre) und Retailers (Sortimentshändler), doch sind diese drei Branchen oft in einer Hand vereinigt. Eine besondere Klasse der Verleger bilden die sogenannten Subscription Publishers, welche ihren Verlag nur durch Vermittelung von Agenten vertreiben, von welchen jedem ein gewisses Territorium überlassen bleibt, innerhalb dessen Grenzen er allein den Vertrieb hat. Der Jobber dient als Mittelsmann für diejenigen Sortimenter, die nicht mit den einzelnen Verlegern in Rechnung stehen können oder wollen, und vorziehen, ihren ganzen Bücherbedarf aus einer Hand zu nehmen. Sie kaufen oft tausende von Exemplaren von den Verlegern und verkaufen mit einem mässigen Nutzen.

Einmal im Herbst und einmal im Frühjahr findet eine grosse Bücherauktion statt, in welcher der Sortimentshändler sein Lager versorgt. Die Produktion des Jahres 1877 betrug 4476 Werke, also ungefähr dieselbe Quantität, die England produzierte. Nur einige grosse Firmen schlagen eine universelle Richtung ein, gewöhnlich beschränkt sich eine Firma auf einen Zweig.

Eine für Amerika eigentümliche Institution ist die American News Company. Diese Gesellschaft konzentriert in ihren Händen fast den ganzen Betrieb der periodischen Unternehmungen; ihre Interessen vertritt The American Bookseller. Es ist eine Anstalt, mit der die Journal-Verleger rechnen müssen, die jedoch ihre Macht in loyaler Weise gebraucht.

Fr. Leupoldt.

Um die Förderung der buchhändlerischen Organisation und des Büchervertriebes hat sich der Deutsche Friedr. Leupoldt aus Stuttgart besonders verdient gemacht. Wie in früherer Zeit Deutsche die Buchdruckerkunst durch alle Länder verbreiteten, so sind es in späterer Zeit fast überall Deutsche, die sich um die rationelle Einrichtung der buchhändlerischen Institutionen verdient gemacht und, durch die mühsamen Arbeiten der Inventarisierung, System in den Vertrieb gebracht haben. Die von Leupoldt ins Leben gerufene Publishers Weekly ist die beste bibliographische Zeitschrift Amerikas. Ebenfalls vortrefflich ist sein seit 1876 erscheinendes American Library Journal und sein jüngstes Werk Catalogue and Finding List of all American Books in Print and for Sale. 1881. Eine grosse Erleichterung für den Vertrieb bildet schliesslich die, ebenfalls von Leupoldt in Scene gesetzte, Uniform Trade List Annual, eine in gleichförmigem Äussern durchgeführte Sammlung der Kataloge der Mehrzahl der Verlagshändler, eine Idee, welche in Europa sofort Nachahmung fand, auch den Anstoss zu dem idealern, aber vielleicht weniger praktischen Russellschen „Gesamt-Verlagskatalog des Deutschen Buchhandels“ gegeben hat.

Sower, Potter & Co.

Einige der massgebenden und bahnbrechenden Verleger und Drucker wurden bereits genannt; es mögen zur Charakterisierung noch einige wenige angeführt werden und zwar zuerst das älteste Druckgeschäft Amerikas, dessen Geschichte noch weiter zurückgeht, als die der Vereinigten Staaten selbst und welches zugleich deutschen Ursprungs ist. Ein Teilhaber der angesehenen Firma Sower, Potter & Co. in Philadelphia ist der direkte Nachkomme in fünfter Generation von Christoph Saur (I, S. 274). Wie bereits in ihren ersten Anfängen beschäftigt sich die Firma noch heute hauptsächlich mit dem Druck von Erziehungs- und Erbauungsschriften.

Notes in this chapter

Note 1 · 1879 rechnete man, dass jedes Parlamentsmitglied während der Dauer des letzten Parlaments 20 Zentner an Drucksachen empfangen habe.Note 2 · Biographical Memoir of Luke Hansard. London 1829.Note 3 · Thom. Landseer, Life and letters of W. Bewick. 2 Bde. London 1870. — J. G. Bell, A descriptive and critical Catalogue of works illustrated bNote 4 · History of the Balantyne Press. Edinburgh 1871.Note 5 · R. Lindau setzte dem Verstorbenen ein ehrendes Denkmal in der „Gegenwart“, abgedruckt im Börsenbl. f. d. d. B. 1879, Nr. 293.Note 6 · Autobiography and Memoir of R. & W. Chambers. Philadelphia 1872.Note 7 · C. Mitchell & Co., The newspaper press directory 1881. London. 36. Jahrg. — F. L. May & Co., Press-guide. — A. Andrews, The history of britiNote 8 · G. Bullen, Caxton Celebration. London 1877. — Catalogue of the Loan Collection etc. London 1877.Note 9 · Börsenbl. f. d. d. B. 1834, Nr. 17, 18.Note 10 · Ch. Knight, The old Printer and the modern Press.Note 11 · Merkwürdigerweise war das „Börsenblatt für den deutschen Buchhandel“ der heftigste Antagonist der ganzen Richtung und wurde nicht müde, das Note 12 · Kelly, Directory of Stationers, Printers etc. of England. 3. Ausg. London 1880. — Whitaker, Reference Catalogue of current Litterature (periNote 13 · Diese grossartige Offizin wurde ausführlich von Th. Goebel im Journ. f. B. 1875, Nr. 40 u. f. beschrieben.Note 14 · Deutsch bearbeitet von L. Mohr in Strassburg (in Waldows Archiv), französisch von Léon Degeorge.Note 15 · A. Ulm, Bernh. Quaritch, N. Anz. f. Bibliogr.; ebenfalls Börsenbl. f. d. Buchh. 1880, Nr. 21.Note 16 · J. A. Arnett, Bibliopegia. London 1835.Note 17 · Einen sehr hübschen Überblick sowohl über die zu feineren Accidenzarbeiten zur Verwendung kommenden, in Qualität und Färbung oft ganz vorzügNote 18 · Der Buchhändler Herr W. v. Braumüller in Wien erhielt vom Kaiser von Japan als Gegengeschenk für eine, der deutschen medizinischen Schule inNote 19 · E. Steiger, The periodical litterature of the United States. New-York 1873. — G. P. Rowell, The man who advertise. New-York 1870. — A. MaverNote 20 · Die Offizin ist abgebildet im Journ. f. B. 1876, Nr. 6.Note 21 · James Parton, The life of Horace Greeley. New-York 1855.Note 22 · Eugen Munday, Historical sketch of the public Ledger. Philadelphia 1870. — James Parton, George W. Childs. Philadelphia 1870. — Die Offizin Note 23 · Jac. Abott, The Harper Establishment. New-York 1855.Note 24 · Journ. f. B. 1881, Nr. 22. — Ann. d. Typ. II, Nr. 92.Note 25 · Catalogue of the Collectiv Exhibit of the American Book Trade. Paris 1878. — Der amerikanische Buchhandel. Ausland 1862, Nr. 19.
Explore with AITake your curiosity a little further.

Reading settings