Viertes Buch. (continued 2)
Reading edition
Medschdulmülk, Amtsgenosse Schemseddin's.
Medschdulmülk, durch die Wiederaufnahme des Wesirs zu vorigen Gnaden beunruhigt, bat, dass Abaka ihn unter den Schutz eines der Emire seines Hofes stellen oder davon entfernen möge. Abaka antwortete, dass, wiewohl er den Schemseddin wieder zu Gnaden aufgenommen, er dem Medschdulmülk Nichts Uebles wolle und dass er beim Emir Taghadschar bleiben könne. Medschdulmülk, von seinem Rathe und Gelehrten Ssadreddin von Sendschan unterstützt, fuhr fort, Ränke zu schmieden, und zwar mit so gutem Erfolge, dass ein Diplom erging, vermöge dessen Medschdulmülk von Jesd dem Inhaber des Diwans an die Seite gegeben ward. 679/ 1280 Dieses Diplom ward im Götzentempel zu Mocha in Gegenwart aller Prinzen und Prinzessinnen öffentlich verlesen und alle Geschäftsleute bemerkten, dass noch kein Perser von den mongolischen Herrschern dergleichen Jerligh erhalten. Abaka empfahl dem Medschdulmülk die grösste Wachsamkeit in Bewahrung und Gebahrung der Staatsgelder und sich nicht vom Hofe zu entfernen, wo er unter seinem Schutze stehe[583]. Medschdulmülk stellte in allen Ländern Stellvertreter mit zahlreichem Gefolge an, und in den Erlassen des Diwans wurde der Name Schemseddin's als des Inhabers rechts, der Medschdulmülk's links auf derselben Höhe geschrieben. Zu dieser Zeit schrieb Medschdulmülk, seine Feindschaft nicht verhehlend, an Schemseddin die Verse:
Ich werd' in's Meer von deinem Kummer springen, Ich werd', ertrunken, alle Perlen bringen; Die Feindschaft ist zwar stark, doch hab' ich Lust, Zu röthen das Gesicht, wenn nicht, die Brust[584].
Schemseddin antwortete hierauf:
Da es unmöglich, Schahe zu verklagen, So heisst es, still den Sturz der Welt ertragen; Was du begonnen hast, war nicht vonnöthen, Wird dir wie das Gesicht den Nacken röthen.
Schemseddin, starkmüthiger Geduld, schlürfte den Becher der Demüthigung bis zum Hefen aus. Als er eines Tages mit seinem Amtsgenossen Feinde auf den Stufen des Thrones erschienen, befahl ihm Abaka, die untere Stufe einzunehmen; ein andermal, bei einem Gastmahle, verweigerte Abaka dreimal den ihm von Schemseddin dargebrachten Becher, den dieser hiernach dem ober ihm knienden Feinde darbrachte; Abaka reichte hierauf dem Schemseddin, dem eifrigen Moslime, ein Stück Schweinfleisch, das dieser schweigend verschluckte; da sagte Abaka zu den Trinkgenossen: Dort ist ein guter und ausharrender Mann; ich hatte beschlossen, hätte er sich das Schweinfleisch zu essen geweigert, ihm mit der Spitze des Messers das Aug' auszustechen. Rebiulewwel 680/ 1281 Nun erschien Alaeddin, der Statthalter Bagdads, der Bruder Schemseddin's, welcher mit demselben in der Anklage von Gelderpressung verwickelt war, zu Bagdad ohne allen Aufwand in reinlicher Kleidung, und sogleich war von allen Seiten ein Heer von Anklägern und Zwischenträgern in der Luft; Medschdulmülk zeigte an: Alaeddin habe nun durch zwanzig Jahre die Steuerausschreibung des arabischen Irak und Chusistan's verwaltet und in jedem dieser Jahre über zwanzig Tomane Zuschuss erhoben. Alaeddin rechtfertigte sich „durch die ihm aufgebürdeten Ausgaben für die Prinzen und Frauen, für die Emire und Intendenten der Gauen, durch den Aufwand für die Gesandten am Hofe, für Geschenke und reiche Stoffe, welche alle die wichtigen Lasten der Pachten die Diwanseinnahmen vollmachten“[585]. Da die Ankläger hierin nicht aufkamen, änderten sie ihr Spiel. „Sie stellten“, sind Wassaf's Worte, „dem Könige gegenüber einen anderen Bau als Thurm auf und trugen vor, dass von den vor zehn Jahren[586] gelegten Rechnungen noch zweihundert fünfzig Tomane zu zahlen übrig seien.“ Bei gepflogener Untersuchung zeigte es sich, dass diese Summe nicht dem Statthalter, sondern den Pächtern der Districte zur Last falle, von denen dieselbe einzutreiben unmöglich. So wurde darüber hinausgegangen und Alaeddin wieder nach Bagdad zur Verwaltung seines Amtes zurückgesandt. Was den Anklägern Schemseddin's und seines Bruders vorzüglich zu statten kam, war der durch die neuen Kriegsrüstungen eingetretene Geldmangel. Von Aegypten her nahten sich die ägyptischen Befehlshaber Elfi und Aschkar Sonkar mit einem Heere, welchem der Prinz Mengu Timur entgegengesandt ward; ein anderes Heer ging nach Osten zum Dienste des Kronprinzen Arghun in Chorasan, und ein drittes war zur Huth der Gränze von Derbend erforderlich. Abaka war in der Absicht, zu Bagdad zu überwintern, auf der Strasse von Irbil und Mossul aufgebrochen und Alaeddin hatte auf dieser Seite die Vorhuth vorausgesandt. 1. Redscheb 680/ 16. Oct. 1281 Zu Rahbet hielt Abaka grosse Kreisjagd und trat von hier den Weg nach Bagdad an. Diesen Augenblick benutzte Medschdulmülk, um dem Padischah zur Füllung der geleerten Cassen die von Alaeddin dem Schatze schuldigen Summen in's Gedächtniss zu rufen.
Alaeddin opfert sein Habe und wird verbannt.
Alaeddin, von allen Seiten der neuen, seinem Habe und Blute drohenden Gefahr benachrichtigt, ergriff das einzige Rettungsmittel des letzten durch freiwilliges Opfer des ersten. Er sandte sogleich sein ganzes Habe vom Grössten bis zum Kleinsten an den Fuss der Majestät: „Sein ganzes Habe“, nach den Worten des in der ganzen Fülle asiatischen Styles wuchernden Wassaf, „von den glänzenden Perlen, welche wie Glückessterne strahlten, bis zu den geringsten Korallen und den hölzernen Geschirren, den gemalten, von den kostbarsten Tapeten geflochten aus den goldenen Drähten bis zu den schlechtesten Kotzen und strohgeflochtenen Matten, von den Reinsten und Schöngestaltetsten bis zu den Niedrigsten und Veraltetsten, von den Gefässen, den vergoldeten, den auserwählten, bis zu den alten Hausgeräthen, den in die Rumpelkammer gestellten, von den Gürteln und Floren bis zu den Vorhängen von Thoren, von den Sklavinnen, den schönsten der Zeit, deren Wangen Rubinen von Bedachschan, bis zu den Stallknechten (Kutal), mit groben Kitteln angethan; er schaffte herbei aus der Musikkapelle die Pfeifen und Trommeln, an deren Stelle die wiehernden und yahenden, die sich stattlich und mannichfarbig als Reitthier nahenden, von den Mäulern und Pferden die wohlfeilen und die werthen, Kameele und Kameelinnen, Böcke und Widder. Sein Zweck war, in Ehren zu beharren und nicht die Waaren zu bewahren; er war bereit, Alles zu wagen und beizutragen und setzte den Fuss auf den Spruch:
Gott soll nach meiner Ehre mein Gut nicht segnen,
als auf seinen höchsten und unabänderlichsten Entschluss.“ Zugleich eilte Alaeddin dem Ilchan entgegen und warf sich auf der Station Dodscheil zu seinen Füssen. Da die Summe der eingelieferten Schätze doch noch unter der Erwartung geblieben, wurde er ungnädig empfangen, und es erging ein Jerligh, um den Emir Taghadschar zur Einleitung des Prozesses nach Bagdad zu berufen; er plünderte noch das von Alaeddin gestiftete Karawanserai (Robath) Kloster, und da im Hause Alaeddin's nur der Besitzer allein zurückgeblieben war, wurde dieser in Empfang und Verhaft genommen. Alaeddin wurde in den Halsblock geschlagen, auf die Folter gelegt, nackt zu Bagdad hineingeführt und dann verbannt. In dieser Tiefe seines Elends sandte er an seinen Bruder, den Wesir, die arabischen Verse:
Freund! dein Ohr dem Manne schenke, Den man führt zur Todestränke; Meinem gnädigen Herrn klag' ich Und der Zeiten Unbill trag' ich; Nacken schlanker Mädchen steht mir an, Nicht der Bannstrahl im Dorfe Ban.
Ban heisst das Dorf bei Nissibin, nach welchem er verbannt ward und dessen Name hier mit Ban spielt, dem Namen der babylonischen Weide, mit deren biegsamen Stamm und Aesten der Nacken und die Glieder der Schönen verglichen werden. Seine Feinde fanden in diesen Versen neuen Stoff von Anschwärzung und Verfolgung; sie ärgerten sich darüber, dass er inmitten seines Unglücks noch Lust und Geist genug besitze zu arabischen Versen und Wortspielen. Einem Freunde, der ihm von der Stimmung der Feinde Nachricht gab, schrieb er:
Dem Freunde send' ich Wort: Mich beugt Erniedrung nicht, Wann Nächte wenden sich mit seltsamem Gesicht; Wie soll ich kümmern mich um der Geschäfte Macht, Da Gott sich meiner annimmt, mich beschützt, bewacht.
Alaeddin, welcher europäischen Orientalisten bisher nur als Geschichtschreiber bekannt gewesen, verfasste in seinem Elende mehrere Gedichte, deren einige in dem Buche des Trostes der Brüder, welche eine Art von arabischen Boethius, gesammelt sind. Seine berühmte Kassidet allein, deren Beginn:
Wenn dich die Welt anschauet schief, Bewege diess dir nicht die Brust,
haben über siebzig Dichter durch Glossen commentirt[587].
Alaeddin's fernere Schicksale.
Die Feinde Alaeddin's, um seinen Ruin zu vollenden, nahmen zu neuen Listen und Lügen, Verschwärzungen und Verläumdungen die Zuflucht. Sie klagten ihn verrätherischen Briefwechsels mit Aegypten an und bedienten sich als Werkzeuges ihrer Ränke eines unbekannten Juden. Dieser beschrieb zu wiederholtenmalen ein Papier mit farbigen Linien aus Safran und Grünspan als einen Talisman, und dieses wurde während der Hausuntersuchung in den Kleidern Alaeddin's verborgen. Dieser falschen Anklage sollten die ägyptischen Zustände Glaubwürdigkeit geben. Vor einigen Monaten war zwischen Kilawun Elfi, dem im Namen des unmündigen Sohnes Bondokdar's Aegypten beherrschenden Fürsten, und den Begen der Mamluken Uneinigkeit ausgebrochen und Sonkar Aschkar hatte sich mit Isa Ben Mohenna, dem Emire der syrischen Beduinen, verbunden; wider dieselben sandte Elfi ein Heer nach Damaskus, welches bis nach Aana und Hadise an die Ufer des Euphrats streifte. Abaka sandte einen Gesandten an Elfi und Sonkar, um sie einzuladen, die Länder des Ilchan's nicht zu belästigen und sich ihm zu unterwerfen. Diese Gesandtschaft traf in dem Augenblicke ein, als die beiden verbündeten Emire von Elfi geschlagen worden waren; sie versprachen sich Hilfe von Abaka, und der Emir der Wüste sandte seinen Bruder mit dem Gesandten nach Bagdad, als Alaeddin dort noch in der Machtvollkommenheit seines Amtes stand. Er berichtete an den Ilchan die wahre Lage der Dinge und erhielt den Befehl desselben, den Sonkar und den Bruder des Emirs freundlich zu behandeln. Diesem Befehle gemäss hatte Alaeddin dieselben freundlich empfangen und ihnen zu Bagdad Gold und Korn angewiesen; dies war Alles, was an der Verbindung Alaeddin's mit Aegypten wirklich und wahr. Zu dieser Zeit hatte Mengu Timur (der Bruder Abaka's) ein zahlreiches Heer an die Ufer des Euphrats geführt; Sonkar und Isa schickten Gesandte an Abaka, um den Rückmarsch dieses sie bedrohenden Heeres zu bitten, und Mengu Timur erhielt den Befehl, sich vom Euphrat abzuwenden, während auf der anderen Seite gleichzeitig Prinz Baidu, der Sohn Tarakai's (des fünften Sohnes Hulagu's) und folglich der Neffe Abaka's, mit einem Heere in Syrien einfiel. Diesen scheinbaren Widerspruch der Bewegung der mongolischen Heere in Syrien und am Euphrat, indem sie dort vordrangen, hier sich zurückzogen, rissen die Feinde Alaeddin's als eine Waffe wider denselben an sich, und indem sie den Gesandten des Beduinenfürsten für sich gewannen, traten sie mit Alaeddin in Banden die Reise nach dem Hofe an, der damals zu Hamadan. Alaeddin's Trost in dieser misslichen Lage waren die Beweise von Theilnahme, die er von allen Grossen erhielt, die ihm dieselben in Briefen und Gedichten kund gaben. So schrieb ihm Behaeddin Ali:
Ich höre, dass du immer klagst und weinest Und früh und spät mit deinem Kummer greinest; Wie lang' setzt Welt dir an den Hals das Messer? Sei ruhig und geduldig, es ist besser.
Alaeddin antwortete hierauf:
Wie soll ich klagen nicht, mein Aug' nicht weinen, Da wenig fehlt, dass mich zertrümmern Peinen? Die Welt hat angefallen mich mit Steinen, Wie soll ich schlottern nicht in den Gebeinen?
Als Alaeddin, von seinen Feinden geführt, auf dem Wege von Bagdad nach Hamadan auf die Höhe von Esedabad gekommen, begegnete ihnen die Nachricht von dem Tode Abaka's, welcher dem Schicksale Alaeddin's und seines Bruders günstigere Wendung gab. Ehe wir des Todes Abaka's umständlicher erwähnen, liegt uns noch ob, einige frühere Begebenheiten und den weiteren Verfolg des syrischen Feldzuges zu erzählen.
Feldzug wider Sistan, Chorasan, Syrien.
Drei Jahre vor seinem Tode war Abaka selbst von Tebris gegen Chorasan aufgebrochen, wohin er seinen Sohn Arghun vorausgesandt, um die Niguderischen Banden, deren Einfall in Fars oben erzählt worden, zu Paaren zu treiben; er kam aber nicht weiter, als bis Sistan, dessen Hauptstadt er belagerte und dann wieder zurückkehrte; 1. Moharrem 677/ 25. Mai 1278 er brachte den Oldschai Buka, den ältesten Sohn Mubarekschah's (des Sohnes Muwatukjan's), und andere Prinzen des Uluses Dschaghatai mit sich; 14. Reb. II. 677/ 5. Aug. 1278 dann begab er sich nach Herat, wo ihm die Emire der Karawinas[588], eines der kriegerischsten und, wie Wassaf sagt, der teuflischen Stämme der Mongolen (die Naphtafeuerwerker), huldigten, welche ihren Namen vermuthlich von ihrem Sitze zu Karawin dscheidun haben. Bei seiner Rückkehr nach Tebris vertheilte er nach dem Beispiele seines Vaters, Hulagu, Ländereien als Leibgedinge der Frauen. 2. Reb. II./ 23. August 1278 Die Frau Kutui erhielt Miafarakain, die Frau Oldschai einen Theil Diarbekrs und Dschiseretol-Omar, der Gemahlin Dschumkur's, Nulun Chatun, des Oheims Abaka's, und ihren beiden Söhnen, Dschuschkab und Kunschu, wurde Selmas mit seinem Gebiete verliehen. Buka, der Sohn Hukutai's, der Dschelaire, welcher, nach des Vaters Tod ein unmündiger Waise, unter Abaka's Augen erzogen worden, wurde zu einem der grossen Inaken, d. i. der vertrauten Hofdiener, und später zum Schatzmeister des Pelzschatzes (Postin[589], woher das Postelnik der Russen und Wallachen) ernannt. Die Niguderischen Banden waren kaum aus Fars abgezogen, als die Nachricht eintraf von einem Angriffe der Aegypter auf Kalaater Rum, d. i. das Römerschloss, welches an der Stelle des alten Zeugma den Uebergang über den Euphrat vertheidigt. Sultan Said, der Sohn und Nachfolger Bondokdar's (unter der Vormundschaft Kilawin Elfi's), hatte ein Heer von neunzigtausend Reitern und viertausend Fussgängern wider diese Festung abgesandt. Die ägyptischen Truppen befehligte der Emir Beiseri, die syrischen Hossameddin von Aintab. Die Stadt wurde eingenommen und verbrannt; da die Citadelle aber fest hielt, zogen die Eroberer nach fünf Tagen beutebeladen ab. Sultan Said war in Aegypten abgesetzt, mit dem Leibgedinge von Kerek dahin verwiesen und die Sultanschaft dem Emir Kilawin Elfi, dem Kipdschaken aus dem Stamme Burdsch Oghlu, übertragen worden; dieser nahm dieselbe vor der Hand nicht an, sondern begnügte sich, im Namen des siebenjährigen Selamisch, des Sohnes Bondokdar's, als der Atabeg desselben zu herrschen; aber die Namensherrschaft des siebenjährigen Knaben dauerte nur hundert Tage, nach welchen er abgesetzt und zu seinem Bruder nach Kerek verwiesen ward. 2. Redscheb 678/ 27. Nov. 1279 Kilawin Elfi, so beigenannt, weil er um tausend Goldstücke gekauft worden, und Ssalihi, weil er ein Mamluke Ssalih's, des letzten ägyptischen Sultans aus der Familie Ejub, bestieg den Thron als Sultan Manssur, d. i. der Siegreiche, ein Beiname, dessen gute Vorbedeutung während seiner ganzen Regierung erfüllet ward. Der Emir Sonkar aschkar, d. i. der Blonde, machte ihm als Nebenbuhler den Thron streitig, indem er sich zu Damaskus zum Sultan ausrufen liess, aber bald mit seinem Verbündeten, Isa Ben Mohenna, von den Truppen des Sultans geschlagen, hatte er sich, wie oben erwähnt worden, mit Alaeddin, dem Wesire Abaka's, zu Bagdad in Unterhandlung eingelassen und sich dann in's syrische Schloss Sahiun, eines der festesten, ehemals den Assassinen gehörigen, geworfen. Abaka hielt diesen Augenblick günstig für den syrischen Feldzug. 18. Oct. 1280 Seine Truppen marschirten in's Gebiet von Haleb ein, wo sie Aintab, Derbesak und Baghras besetzten und bis nach Haleb vordrangen, rennend, brennend, staubend, raubend, Männer tödtend, nur den Weibern als Sklavinnen das Leben rettend. Kilawin war von Aegypten, wo er seinen Sohn unter dem Namen Melik ess-Ssalih als Thronfolger ausgerufen, gegen Syrien aufgebrochen; als er vernommen, dass der Feind mit der Beute von Haleb abgezogen, wieder nach Kairo zurückgekehrt.
Schlacht von Himss; Abaka's Tod.
Im folgenden Frühjahre zog Kilawin wider seinen Thronnebenbuhler Sonkar aus, der noch im festen Schlosse Scheiser hielt. 19. Moharrem 680/ 10. Mai 1281 Er versprach die Auslieferung desselben für die Abtretung von Famia (Apamia), Antiochien, Latakia (Laodicea) und der Schlösser Sahiun, Belatonus, Bersijet; auch die beiden letzten gehörten, wie Sahiun, unter die festesten Schlösser der Assassinen vom Gebirge, welches von ihnen den Namen des Messers (Sikin) führt. Belatonus ist das alte Banias an der Seeküste nördlich von Merkab und Bersijet, ein kleines Schloss an dem westlichen Saume des Berges Chait, welcher auf der Ostseite des Sees von Apamea[590]. Diese Forderung war kaum zugestanden, als Kilawin den Anzug zweier mongolischer Heere vernahm, deren eines, von Abaka selbst befehligt, sich gegen Rahbet wandte, das andere, unter dem Befehle Mengu Timur's, des Bruders Abaka's, zwischen Kaissarije und Ablistan (Cäsarea und Comane) gelagert hatte. Mengu Timur zog langsam in Syrien auf der Strasse nach Aintab und stand, nachdem er Hama verheert, vor Himss, wo auch Kilawin, durch die Truppen Sonkar's verstärkt, eingetroffen war. 14. Redscheb 680/ 30. Oct. 1281 Die Schlacht blutete in der Ebene nicht ferne vom Grabmale Chalid's (beigenannt das Schwert Gottes), des Eroberers Syriens unter dem Chalifate Omar's. Das Heer Mengu Timur's zählte fünf und zwanzigtausend Mongolen, fünftausend Georgier, eine armenische, von König Leo befehligte Truppenabtheilung und eine der Türken Rums; auch das ägyptische Heer, welches die ersten der Emire[591] befehligten, war von syrischen Turkmanen und Kurden verstärkt. Der linke Flügel der Aegypter vom rechten der Mongolen, welchen Mengu Timur an der Spitze der Uiraten, Georgier und Armenier befehligte, wurde bis an die Thore von Himss zurückgeschlagen; aber Mengu Timur selbst, bald hernach vom Emir Usdemir verwundet, ergriff die Flucht; seine Flucht zog die Niederlage des mongolischen Heeres nach sich, das nach allen Seiten floh. Von Seite der Mongolen war Semaghar, einer ihrer tapfersten Feldherrn, von Seiten der Aegypter der Emir Usdemir, welcher den Prinzen Timur verwundet und vom Pferde gestürzt hatte, geblieben. Die Mongolen hatten sich theils gegen Haleb, theils gegen Selemijet, die an der Gränze der Wüste gelegene Stadt, geflüchtet; die letzten, durch den ägyptischen Befehlshaber Rahbet's abgeschnitten, irrten in der Wüste, wo sie dem Hunger und Durst erlagen; nur sechshundert Reiter wurden gefangen und zu Rahbet geköpft; eine andere, vor Burt gelagerte mongolische Truppenabtheilung wurde gleichzeitig von den Belagerten angegriffen, die fünfhundert derselben tödteten. Mengu Timur zog sich nach Dschesiret, dem Leibgedinge seiner Mutter, Oldschai Chatun, zurück. 9. Dschemm. sani/ 25. Sept. Abaka war, während Mengu Timur in Syrien einmarschirt, jagend bis Rahbet gekommen, kehrte aber dann nach Sindschar zurück und war Anfangs Novembers in seinem Lager vor Mossul eingetroffen. Hier erhielt er die Kunde der Niederlage seines Heeres. Erzürnt kündete er für den nächsten Frühling ein Kurultai an, wo die Feldherren, die ihre Schuldigkeit in der Schlacht nicht gethan, bestraft werden sollten. 6. Silkide/ 13. Februar In der Hälfte des Februars brach Abaka von Bagdad nach Hamadan auf, wo er im Palaste Fachreddin Minotschehr's abstieg. Er überliess sich dem Genusse geistiger Getränke, dem er unmässig ergeben. Eines Abends glaubte er in seiner Trunkenheit einen schwarzen Vogel vor sich zu sehen: Weg mit dem schwarzen Vogel, rief er; aber so viel die Leibwachen auch spähten, war von einem schwarzen Vogel nichts zu sehen. Auf einmal schloss er die Augen und gab, auf goldenem Throne sitzend, den Geist auf[592]. 20. Silhidsche 680/ 1. April 1282 Er wurde an der Seite seines Vaters in dem Schlosse Teke am See von Meragha bestattet; schon am fünf und zwanzigsten Tage nach seinem Tode folgte ihm auch sein Bruder Mengu Timur in's Grab zu Teke[593]. Abaka starb acht und vierzig Jahre alt, von denen er siebzehn geherrscht, der Befestiger der Herrschaft der Ilchane in Persien und Georgien im Geiste des Gründers Hulagu; kein Eroberer, wie dieser, aber auch minder grausam. „Abaka“, sagt der Mönch Haitho, „war ein staatskluger, sein Reich glücklich verwaltender Herrscher, der nur in zwei Dingen unglücklich; erstens, dass er nicht Christ werden wollte und als Götzendiener den Götzenpriestern Glauben beimass; zweitens, dass er, in beständigem Kriege mit den Nachbarn verwickelt, den Sultan Aegyptens in Ruhe lassen musste, der sich durch mongolische Ueberläufer und durch Bündnisse mit dem Herrscher des Uluses Kipdschak verstärkte.“
Verhältniss gegen die Christen.
Die Klage Haitho's, dass Abaka nicht Christ werden wollte, beweiset schon, dass Hoffnungen oder Bemühungen zu seiner Bekehrung rege waren; ferneren Beweis liefern die in den Geschichtschreibern der Päpste erhaltenen Schreiben desselben an Abaka. Papst Clemens IV. meldet in einem aus Veterbo erlassenen Schreiben, dass er das Schreiben des Chan's erhalten; 1267 bedauert aber, dass dasselbe nicht lateinisch abgefasst, weil Niemand dasselbe lesen und verdolmetschen konnte und er also den Worten des Boten allein Glauben beimessen müsste; dieser scheint wirklich seine Botschaft grossentheils aus sich selbst geschöpft zu haben, denn es ist nicht wahrscheinlich, dass Abaka (wie ihm Clemens dafür dankt) ihm seine Freude über die Niederlage Manfred's des Hohenstaufen bezeugt, dass er ihm seine Bereitwilligkeit gemeldet, mit seinem Schwiegervater dem Paläologen und den Lateinern zu helfen, und noch unwahrscheinlicher, dass er gegen ihn den Wunsch, Christ zu werden, geäussert habe. 26. Jan. 1274 Sieben Jahre später waren Gesandte Abaka's mit Schreiben nicht nur an den Papst, sondern auch an andere christliche Könige beglaubigt. Eduard I., der König von England, ermuthigte ihn in seinem Antwortschreiben, in dem Entschlusse der Bekehrung zum Christenthume zu verharren, und Gregor X. empfing den Gesandten Abaka's auf der Kirchenversammlung zu Lyon, wo statt des Senders wenigstens der Gesandte getauft ward. 1277 Drei Jahre hernach erschienen abermals zwei Fremde, die sich für Gesandte Abaka's ausgaben, am Hofe des Papstes Joannes XXI. mit einem Aufrufe an alle christlichen Fürsten zu einem Kreuzzuge nach Palästina. Man bewog sie, an den Hof der Könige von Frankreich und England sich zu begeben. Dem Könige Philipp versprachen sie den Beistand Abaka's, wenn er zu Akka landen wollte. Diese beiden Gesandte, welche georgische Christen gewesen zu sein scheinen, hatten zu Rom versichert, dass Abaka und sein Oheim, der Grosskaan Kubilai, bereit seien, zum Christenthume überzutreten; Joann XXI. bestimmte fünf Franziskaner zur Erwiederung der Botschaft; da er aber vor ihrer Abreise starb, traten sie erst im folgenden Jahre mit Schreiben Nikolaus III. an Abaka und seinen Oheim Kubilai[594] die Reise an. „Die römische Mutterkirche“, schreibt Nikolaus an Abaka, „freut sich des Inhaltes des durch die Gesandten Deiner Herrlichkeit, Joannes und Jakob Vussali, Unserem Vorfahren gebrachten Schreibens, welches, wenn ein christliches Heer in Syrien landete, demselben Verpflegung verheissen, und an dem Ende Wir Allem, was sie mündlich sagen, Glauben beizumessen aufgefordert werden. Unter dieser Beglaubigung[595] haben sie Unserem Vorfahren, unter dessen Cardinälen Wir uns damals befanden, die höchst angenehme Nachricht gegeben, dass Deine Herrlichkeit und Dein Oheim Kubilai, Ihr beide unsere in Christo geliebteste Söhne, einige Personen verlangt, um Euch und Eueren Sohn in der christlichen Lehre zu unterrichten und zu taufen.“ Der Papst bittet den Chan, die Missionäre gütig aufzunehmen, ihnen in allem, was sie ihm über die Taufe, Dogmen und Religionspflichten sagen werden, Glauben beizumessen, sie auf ihrer Reise zum Grosschan frei zu halten, und empfielt ihm dann alle Christen Unterthanen des Chans als Freunde[596]. In dem den fünf Franziskanern ertheilten Breve begewaltigt er sie, in allen den Tataren untergebenen Ländern das Wort Gottes zu predigen, den Abaka und alle, die sich zum christlichen Glauben bekehren wollten, zu taufen, die Excommunicirten zu absolviren, Beicht zu hören und Busse aufzulegen, auch sogar die Mörder von Clerikern und Priestern loszusprechen, wenn sie nur an Kirchen und Klöster gehöriges Sühnungsgeld zahlen, neue Kirchen zu stiften, den Neuvermählten ihre Frauen, die ihnen nicht in verbotenen Graden verwandt, zu gestatten, in Ehesachen zu entscheiden, selbst dort, wo weder Kirche noch Oratorium, Messe zu lesen, die Grundfeste einzusegnen, Gelübde umzuändern, Messkleider und Altäre zu weihen, wo katholische Bischöfe nicht vorhanden, und alles gemeinsam oder einzeln zu unternehmen, was zur grösseren Ehre Gottes und Verbreitung der katholischen Lehre förderlich und erspriesslich[597]. Die Bekehrung Kubilai's und Abaka's wurde durch diese fünf Franziskaner eben so wenig bewirkt, als dreissig Jahre früher die Batu's und Gujukchan's durch die Missionäre Gregor's IV.; aber von diesen letzten bestehen die Reiseberichte Plan Carpin's und Rubruquis über die Länder, Sitten und Herrscher der Mongolen, während von der Mission der fünf Franziskaner keine weitere Spur[598].
Literatur.
Unter Abaka's Regierung dauerte der Flor der Literatur, dessen wir schon unter der Hulagu's und weiter oben erwähnt haben, in erfreulichem Glanze fort; das grösste Verdienst dieser Stätigkeit gebührt nach Nassireddin von Tus wohl dem gelehrten Brüderpaar Schemseddin und Alaeddin Dschuweini, welche schon von Hulagu als Wesire mit der höchsten Leitung der Reichsgeschäfte betraut, denselben auch während der siebzehnjährigen Regierung Abaka's vorstanden, bis zum Schlusse derselben ihr Kredit und Ansehen, erschüttert, wankte. In Rum hatte sich die schönste Blüthe mystischer Philosophie und Poesie in den Werken Ssadreddin's von Konia und Dschelaleddin Rum's entfaltet. Zu Schiras lebte noch der hundertjährige Saadi (dessen Lebenscenturie zugleich das Jahrhundert des grössten Aufschwungs persischer Poesie) in Freundschaft mit dem Dichterkönig und Schönschreiber Hemker Farsi, der als Dichterkönig Medschdeddin Semeki[599] hiess, mit Imami aus Herat und mit Chodscha Hemameddin[600], dem Schreiber Nassireddin's von Tus, dem reichen und gastfreien Manne, welcher den Sohn des Wesirs Schemseddin zu Tebris mit einem in vierhundert porcellanenen Schüsseln aufgetragenen Gastmahle bewirthete. Ausserdem noch die folgenden Dichter: Purbeha Dschami, welcher halb mongolisch, halb persisch dichtete und mit Chodscha Hemameddin besonders im künstlichen und schweren Versmaasse wetteiferte[601]; Abulmadhi Raigani, so von dem in der Nähe Kaswins gelegenen Dorfe Raigan beigenannt, berühmt durch einen auf die fromme Stiftung Melik Iftichareddin's von Kaswin aus dem Stegreife gesagten Viervers[602]. Dschemaleddin von Kaschan, welcher eine berühmte Redondille Saadi's mit gleicher entgegnete[603]. Dschemaleddin Rastak ol kotu, welcher seinen Beinamen von Rastak, einem Stadtviertel Kaswin's, hat und unter der Regierung Abaka's neunzigjährig starb[604]; der Richter Behaeddin Sendschani, der Lobredner Schemseddin's des Wesirs, welcher so, wie Purbeha, mongolische und türkische Wörter persischen einmischte[605]. Rasijeddin Bela war Intendent der Pachten von Diarbekr; als ihn Abaka absetzte und seine Stelle dem Emir Dschelaleddin verlieh, welcher ursprünglich ein Halbtrommelschläger, hatte Rasijeddin den Muth, dem Wesir Schemseddin den Viervers zuzusenden:
O Schah! du nahmst das Land von uns zum Zeitvertreib, Gabst einem Zwitter es, der weder Mann noch Weib; Es ist nun sonnenklar dem Aug' der beiden Welten, Was dir der Schlag des Schwerts und der der Trommel gelten[606].
Nedschmeddin Serkub, d. i. der Goldschläger, ein Zeitgenosse Abaka's, der aber auch unter der Regierung Arghun's lebte und seine Beschäftigung und Armuth durch die folgenden Verse schilderte:
Mein Handwerk ist, zu schlagen Gold; Das Leben wird dadurch nicht heller. Ich sitze immer zwischen Gold Und habe niemals einen Heller[607].
Endlich Nisameddin von Issfahan, der arabisch und persisch dichtete und von welchem der Schreiber der auserwählten Geschichte eine Kassidet zum Lobe des grossen Wesirs Schemseddin Dschuweini[608] erhalten, welche, da Schemseddin und sein Bruder Alaeddin die Pole persischer Kultur und Literatur während der Regierung Abaka's so füglicher diese Uebersicht persischer Literatur zur Zeit Abaka's schliesst, als der Schluss des Lobgedichtes selbst ein arabisches Distichon des grossen Wesirs Schemseddin:
Komm', lass dir von dem Streit' des Baches sagen, Der sich mit der Cypresse zugetragen. Der Bach sprach viel von seiner reinen Fluth In hundert Zungen und in hundert Sagen; Da sprach zu ihm Cypresse so: O Freund, Willst du, warum ich zittere, mich fragen? Ich bin gerad' und stehe festen Fusses, Indess dich krumm die Spötter weiter tragen. Bei Gott! du gehst vorbei: und willst dir so Den alten Trauten aus dem Kopfe schlagen. Bald brausest du mit Heftigkeit einher, Bald bleibest du im Dümpfel sitzen mit Behagen. Als Antwort sprach der Bach, der tief beschämt, Aus Schaam den Kopf empor kaum konnte tragen: Ich seh', Cypresse, du hast Sanftmuth nicht Und kannst mit Freunden dich nicht gut vertragen; Du stets aufstrebend und empörerisch, Und weich und lind und mild ist mein Betragen. Du, prahle dich hinfür mit Freiheit nicht, Nicht mit Beständigkeit und Liebesklagen; Du nährtest vormals dich in meinem Schooss, Nun willst du hoch empor den Kopf nur tragen, Du weihest nun sehr wenig Schatten mir, Weisst nichts von Huld und goldnen Fruchtgelagen; Verzweifelnd fliehe ich von dir in's Feld, Um an dem Fels' die Brust mir wund zu schlagen; Du trägst das Haupt gen Himmel hoch empor, Schaust nicht auf mich, der dir zu Füssen liegt; Dein Haupt ist grün, du bist so frisch und schön, Und ich verachtet mit zerrissnem Kragen; Geniesse stolz die Ruh', du stehest fest, Indessen mich von dir die Winde jagen. So sprach der Bach und barg sich in den Staub, In Thränen fliessend hin und Weheklagen; Cypresse ward darob gar sehr verwirrt, Des Freundes wegen fühlt' sie Unbehagen, Im Garten schlug die Hände sie zusammen; Der Vögel Chor begann, darob zu klagen, Da war die Zeit, den Vers von Schemseddin, Inhaber des Diwans, dem Herrn zu sagen: Der Garten haucht wie Aloe aus Hind, Auf Aloen die Turteltauben klagen[609].