Fünftes Buch.
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Fünftes Buch.
Parteiungen um die Thronfolge; Teguder's Thronbesteigung; Hinrichtung Medschdolmülk's; Zustände von Schiras; Konguratai getödtet; Krieg zwischen Teguder und Arghun; die Landschaften Kumis und Taberistan mit ihren Städten; Marsch nach Kumis; Arghun vor Kelat; Thronbesteigung Arghun's; dessen Gemahlinnen, Söhne und Töchter; Verungnadung und Hinrichtung des Wesirs Schemseddin; die Verwaltung von Fars unter der Prinzessin Abisch, dann Seid Imadeddin; Buka's Sturz; Hinrichtung der Prinzen Dschuschkab, Huladschu und Karabuka; Verwaltung des Juden Seadeddewlet; Feldzug gegen Derbend; Arghun's Verhältnisse gegen Aegypten; Kendschatu's Thronbesteigung und dessen Familie; Ssadreddin von Sendschan Wesir; Einfall der Luren in Irak und Fars, und Melik el Eschref's, des Sultans von Aegypten; Verrath der Emire; Papiergeld; Ende Kendschatu's und Baidu's Nachfolge.
Parteiungen um die Thronfolge.
Wir haben die achtjährige Regierung Hulagu's, des Gründers des Reichs, in zwei Büchern, die der siebzehnjährigen seines Nachfolgers in dem vorhergehenden erzählt; wir werden auch, so Gott will, das Leben und die Regierung der achtjährigen Regierung Ghasan's, des siebenten und grössten mongolischen Herrschers in Persien, in zwei Büchern beschreiben; aber nur in diesem Einen die Regierungen von Teguder, Arghun und Kendschatu, die durch zwölf Jahre nacheinander geherrscht. Hulagu, der erste der Ilchane, hat das Reich als Eroberer gegründet; Abaka, der zweite, dasselbe zwar nicht erweitert, aber durch die Stätigkeit seiner Wesire, des grossen Brüderpaars Schemseddin und Alaeddin, auf derselben Höhe erhalten; unter den vier nächsten ward es durch innere Unruhen und Streit der Prinzen um den Thron zerrüttet, bis Ghasan das erschütterte Gebäude der Herrschaft wieder mit blutigem Mörtel befestigte und durch weise Einrichtungen zum Giebel seiner Grösse emporhob. Der dieses Buch füllende zwölfjährige Zeitraum des Bürgerkriegs und der Zerrüttung mag einigermassen mit dem zehnjährigen der osmanischen Geschichte verglichen werden, in welchem nach Bajesid's des Wetterstrahls Tod die Söhne desselben sich um den Thron stritten und das getheilte Reich erschütterten; nur herrschten dort längere Zeit drei und dann zwei gleichzeitig, während hier die schnelle Entscheidung des Thronstreites durch das Schwert nur zwischen Baidu und Ghasan getheilter Herrschaft Raum übrig liess. In der osmanischen Geschichte ist die gleichzeitige Regierung der drei Brüder Suleiman, Musa und Mohammed eine Zwischenherrschaft, während hier die drei ersten genannten Herrscher nicht gleichzeitig regiert, sondern den bestrittenen und dem Vorfahrer entrissenen Thron nur nach einander durch kurze Zeit behauptet haben. Abaka hatte seinen Sohn Arghun zu seinem Nachfolger im Reiche bestimmt und demselben als solchem die Statthalterschaft von Chorasan verliehen. Die Entfernung würde denselben nicht gehindert haben, sein Recht auf den Thron zu behaupten, hätten nicht andere Umstände dem Oheime Teguder und seiner Partei Vorschub gethan. Dieser war der Aka Arghun's, d. i. der Aeltere der Familie, und das höhere Alter gab, wie schon beim Streite zwischen Hulagu und Berke zu bemerken Gelegenheit gewesen, in der mongolischen Familienhierarchie immer Vorrang und Ansehen vor dem Ini, d. i. dem Jüngeren; aber dieser Altersvorzug würde dem Teguder eben so wenig zum Throne verholfen, als die Entfernung von der Residenz dem Arghun denselben geraubt haben, wären nicht andere Hebel wirksam thätig gewesen. Die persischen Quellen stellen dieselben gar nicht gehörig heraus und lassen über die nächsten Beweggründe der veränderten Thronfolge einiges Dunkel; dieses aber verschwindet bei näherer Betrachtung des zu Ende des vorigen Buches berührten Verhältnisses zwischen Arghun und dem gestürzten Bruderpaare Schemseddin und Alaeddin, welche seit Hulagu zu Tebris und Bagdad das Steuer der Regierung geführt. Arghun war der Kanal gewesen, durch welchen die Anklagen Medschdolmülk's, des Todfeindes Schemseddin's und Alaeddin's, bei Abaka Eingang gefunden; ihre ganze, durch zwanzigjährige unumschränkte Machtvollkommenheit mächtig gewordene, durch ihren Sturz aber in den Staub getretene Partei hatte von der Thronfolge Arghun's und der tyrannischen Verwaltung Medschdolmülk's Nichts zu hoffen und Alles zu fürchten; diese Partei also war es wohl hauptsächlich, welche dem Neffen Arghun, dem Sohne Abaka's, dessen Oheim Teguder vorzog und diesem die Stimme der Völker (die in Persien alle Moslimen) durch den Uebertritt zum Islam gewann.
Teguder's Thronbesteigung.
Teguder war der Sohn der Frau Kutui Chatun, welche mit ihm und seinem Bruder Tekschin, jener der siebente, dieser der vierte Sohn Hulagu's, während des persischen Feldzugs im Lager Mengkukaan's zurückbehalten und unter Abaka's Regierung von Kubilai nach Persien gesandt worden; in seiner Jugend war derselbe getauft worden und hatte den Namen Nikolaus erhalten[610]. Hierdurch schon dem Götzendienste des Budhismus entfremdet, mochte er so leichter zum Islam zu bekehren gewesen sein, als seine Bekehrer nicht ermangelt haben werden, nach moslimischer Ansicht der Dreifaltigkeit, als einer Trimurti, und den Uebertritt zum Islam als eine Erhebung zu reinerem Gottesdienste, durch den Aufschwung von Vielgötterei zur Anbetung eines einzigen Gottes darzustellen; der mächtigste Bekehrungsgrund war aber ganz gewiss die Aussicht auf den Thron, indem er den Islam erst, als er denselben bestieg, annahm. Die Nebenbuhler um denselben nach dem Tode Abaka's waren drei; Arghun hatte die Emire des Hauses seines Vaters[611], mehrere der grossen Emire[612] auf seiner Seite; die drei Prinzen Adschai, Kungurtai, Huladschu (die drei Söhne Hulagu's), Dschuskab und Kunkschu, die Söhne Tschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's, die Emire Schingtur, Sughundschak und andere stimmten für Teguder; endlich suchte die Frau Oldschai Chatun, die Mutter Mengu Timur's, demselben eine Partei zu gewinnen; als dieser aber am fünf und zwanzigsten Tage nach Abaka's Tode gestorben, schlug sie sich mit der Frau Kutui, der Wittwe Abaka's, auf die Seite Arghun's, welcher der Sohn aus der Beischläferin Kaimisch Ikadschi. Alsbald nach Abaka's Tode eilte Teguder aus Kurdistan nach Tebris und Arghun, welcher ohnedies auf dem Wege von Chorasan nach der Residenz, begegnete auf der vierten Station vor Tebris dem Schingtur Nujan, welcher ihm mit der Nachricht von des Vaters Tod entgegengesendet worden. Arghun vollzog die Gebühren der Trauer nach mongolischer Sitte mit dem gewöhnlichen Todtenmahle, bei welchem, wie bei Festgelagen, der Becher mit Kumis herumging; die Leibwachen[613], Speerträger[614] und Stallmeister[615] seines Vaters wurden ihm übergeben. Die Prinzen des Hauses, die Oheime und Neffen Arghun's, beriethen sich und stimmten für Teguder, und auf den Rath des weisen Emirs Schischi Bachschi that Arghun, um sein Leben zu retten, keinen Einspruch. 26. Moharrem 681/ 6. Mai 1282 Fünf Wochen nach dem Tode Abaka's wurde Teguder als Chan und Ilchan, Schah und Padischah ausgerufen; die Herrlichkeit der festlichen Thronbesteigung wurde auf zwei Monate hinausgeschoben. Arghun begab sich nach Alatagh[616], um dort von dem Lager und dem Schatze seines Vaters Besitz zu nehmen; Taghadschar kam aus Fars zu seinem Dienste und die Frau Kutui mit ihren Anhängern begab sich ebenfalls in's Lager Arghun's. Der Wesir Schemseddin, welcher sich in dessen Macht befand, wurde ihm abgefordert, und der Emir des Lagers der Frau Kutui brachte denselben zu Teguder[617]. Am Tage der Sommersonnenwende[618] hatte die feierliche Thronbesteigung statt. 13. Rebiulewwel/ 21. Juni 1282 Nach dem uralten, schon auf den ägyptischen Denkmalen abgebildeten Krönungsgebrauche, vermöge welchem zwei Geleitsmänner den König, der eine zur rechten, der andere zur linken Hand, auf den Thron einführend, wurde Teguder vom Bruder Kungurtai und vom Emir Schingtur Nujan auf den Thron gesetzt, indem jener dessen rechte, dieser dessen linke Hand ergriff[619]; die Prinzen warfen, mit dem Gürtel um den Nacken, ihre Mützen in die Luft, zu sagen, dass ihr Hals bereit, auf den Wink des Herrschers mit dem Gürtel oder Strang zugeschnürt zu werden, und dass sie nicht mehr kopfbedeckt, das ist, nicht mehr frei. Mit siebenmaliger Niederwerfung wurde die Sonne, mit neunmaliger der neue Herrscher verehrt zur glücklichen, durch die Astronomen ausersehenen Stunde.
Zu einer guten Stunde, wo die Glücksgestirne Im Ort des Aufgangs niederwarfen ihre Stirne[620].
Schemseddin geschützt von einer der Gemahlinnen Teguder's.
Nach Beendigung der Krönungsfeste liess sich Teguder die im unbezwinglichen Schlosse Schahutela (dem persischen Königstein) aufbewahrten Schätze bringen und vertheilte dieselben unter die Prinzen, Nujanen und Emire des Hauses und des Heeres; jeder Soldat erhielt zwanzig Dinare und Arghun, der sich beklagte, dass man auf ihn mit der Krönungsfeierlichkeit nicht gewartet, zwanzig Goldbalische. Bei dieser Gelegenheit verbanden sich Arghun und sein Oheim Konghuratai (der neunte Sohn Hulagu's) im Lager der Frau Tuktini[621] durch Eidschwur in unzertrennlicher Freundschaft, welche hernach den häufigen Gesandtenwechsel zwischen ihnen und den gewaltsamen Tod Konghuratai's herbeiführte. Teguder befahl, seine Bekehrung zum Islame auszurufen, und erliess an die Obrigkeiten von Bagdad ein Jerligh, dass sie die gute Kunde den Einwohnern Bagdads mittheilen, den frommen Stiftungen ihre Einkünfte wie zur Zeit des Chalifats wieder geben, den Moscheen und Medreseen ihre vorigen Rechte wieder einräumen sollten; der Prophet habe gesagt, dass der Islam nicht aufhören werde, siegreich zu sein, bis an den Tag des Gerichts[622]. 2. Rebiul./ 4. Juli Tags darauf lagerte er zu Siahkuh[623] und sandte Befehl nach Hamadan, dass Medschdolmülk und Atamülk Dschuweini, der noch als dessen Schlachtopfer dort gefangen gehalten ward, vor ihm erscheine. Medschdolmülk begann seine alten Ränke wider Schemseddin, und wenig fehlte, dass er nicht auch diesmal gesiegt hätte; nur der Schutz Ermeni Chatun's, der Gemahlin Teguder's, zu welcher Schemseddin flüchtete, rettete ihm und dem Bruder das Leben und verschaffte ihnen den Triumph über den Todfeind. Ermeni Chatun war nicht die Herrin des Harems, d. i. die erste Gemahlin oder grosse Frau Teguder's (welche Tokus Chatun, die Konghuratin), sondern die zweite, keine Armenierin, wie der Name glauben machen konnte, sondern auch eine Konghuratin; die dritte, Tudakun Chatun, die Tochter Musa Gurgan's, des Konghuraten, des Eidams Hulagu's, welchem dieser seine fünfte Tochter, Tarakai, zur Gemahlin gegeben, und folglich die Nichte Arghun's; die vierte Baitegin, die Tochter Huseinaga's; die fünfte, Ilkotlogh, die Mutter Tughandschik's, der Tochter Schadi Nujan's, des Gemahls der Prinzessin Arguruk, Tochter Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's, aber nicht aus dieser, sondern aus der Beischläferin Ilkotlogh; Tughandschik, während der Herrschaft Teguder's getraut, wurde ob Verdacht von Zauberei in den Kor (Cyrus) geworfen; die sechste, Tudai Chatun; diese gaben ihm drei Söhne[624] und sechs Töchter[625]. Stark durch den Schutz Ermeni Chatun's, arbeitete nun Schemseddin an dem Sturze Medschdolmülk's, denselben in allerhand Klagen verwickelnd und vor Gericht fordernd. Medschdolmülk, seines drohenden Ruines gewahr, sandte Wort an den Prinzen Arghun: Schemseddin habe Abaka vergiftet, und wenn nun er (Medschdolmülk) mit seinem Leben büssen müsse, geschähe es, um den Beweis der Vergiftung zu unterdrücken; auf diese Art warf er, selbst des Todes gewärtig, den Saamen der Rache am Todfeind in die Brust Arghun's, wo derselbe später zur blutigen Frucht zeitigen sollte. Schemseddin bediente sich als Werkzeug zum Sturze Medschdolmülk's eines Neffen des letzten, Namens Seaadeddin, welcher vom Oheime wegen Geldveruntreuungen seines Amtes entsetzt worden war; demselben ward die Stelle eines Mestufi (Finanzpräsidenten) in Irak und Persien versprochen, und er klagte dafür den Oheim verrätherischen Briefwechsels mit Arghun an; demselben wurde die Zurückstellung aller von seinem Oheim confiscirten Güter Atamülk's, des Bruders Schemseddin's, aufgetragen, Medschdolmülk selbst vor Gericht gestellt.
Hinrichtung Medschdolmülk's.
Die Richter Medschdolmülk's waren die Obersten, Befehlshaber der Truppen, Sundschak und Arukaka. Dem Medschdolmülk wurde nun mit gleichem Maasse eingemessen; wie er wider Kudschuk Atamülk Papiere, mit Zügen und Schnörkeln beschrieben, als Beweise der Zauberei vorgebracht, so wurde als gleicher Beweis nun dem Medschdolmülk eine mit gelben und rothen Figuren bemalte Löwenhaut vorgehalten, welche sich unter seinen confiscirten reichen Stoffen gefunden und welche seine Feinde bei der Untersuchung eben so eingeschwärzt hatten, wie vormals er selbst unter das Habe Atamülk's; die Bachschi und Kamen, d. i. die mongolischen Schreiber und Wahrsager, gaben ihr Gutachten ab, dass diese Haut in Wasser geweicht, das Wasser dem Beklagten zu trinken gegeben werde, damit das Uebel der Zauberei an ihm selbst ausgehen möge. Medschdolmülk weigerte sich dessen, weil er wohl wusste, dass diesen Talisman der Scheich Abderrahman, ein Geschöpf Schemseddin's, verfertigt und denselben vermuthlich mit Gift getränkt habe. Trotz dieser Beweise wollten sie, so sehr auch der Scheich und Atamülk darauf drangen, das Todesurtheil nicht aussprechen; als aber Sughundschak, durch ein Fussübel zu Hause gehalten, zu Gericht zu sitzen verhindert war, besuchte ihn der Scheich und drang so lang in ihn, bis er das Urtheil erhielt. Es lautete dahin, dass er dem Brüderpaar Schemseddin und Alaeddin übergeben und von denselben nach der Jasa, d. i. mit dem Tode bestraft werden solle. Schemseddin wollte ihn mit dem Leben begnadigen, aber sein Bruder Alaeddin und sein Sohn Harun drangen auf die Todesstrafe. Medschdolmülk (der Reichsruhm) wurde in das Zelt Atamülk's (Reichsgabe) geführt, wo er vom Nachmittagsgebete bis zum Abendgebete Rechenschaft über alle von ihm ausgestellten Urkunden, Diplome, Schenkungen, Vergantungen ablegen und, ausser allen Besitzungen, dreihundert Tomane zu Bagdad erpresster Gelder herausgeben musste. Als Alaeddin sich zum Abendgebete begab, wurde sein Todfeind vors Zelt geführt und der vor demselben versammelten Menge als Schlachtopfer vorgeworfen[626]. 8. Dschemmasiulewwel 681/ 14. August Er ward sogleich zerstückt und Kopf und Zunge und Hände und Füsse in die Hauptstädte des Reichs zur Aussteckung gesandt; der Kopf nach Bagdad, wo er denselben so stolz erhoben. Der Geschichtschreiber Reschideddin sagt hierüber:
Der Kopf, von so viel Wahn und Gier besessen, So der Wesirschaft selbst für sich vermessen, Ich sah ihn als des Henkers Spiel und Tand Und jedes Glied in eines And'ren Hand.
Seine Zunge kaufte einer um hundert Goldstücke und brachte dieselbe nach Tebris, und Wassaf commentirt hierzu:
Hättest schweigend deine Zunge du bewährt, Hätte deinem Kopf nichts angehabt das Schwert.
Die Füsse wurden nach Schiras gesandt, wo er so hochmüthig aufgetreten war, und die Hände nach Issfahan, wo er dieselben so gierig ausgestreckt. Der schon mehr als einmal erwähnte Dichter Pur Beha Dschami sagte, als die Hände ankamen:
Bis zu dem Himmel wollt' er heben seine Hand; Es kam die Hand nicht hin, doch her kam seine Hand.
und ein anderer Dichter Zeitgenosse dichtete auf diese Gliederversendung die Verse:
Ein Paar Tage lang beschwärztest du Rollen und Listen, Suchtest dir dadurch Reichthum zu mehren und Gut; Deiner Glieder jegliches ging in andres Land aus, Welteroberer wardst du in der Woche Verlauf[627].
Alaeddin erhielt nun wieder die Statthalterschaft von Bagdad und die Investitur derselben mittels eines vom Chane selbst getragenen Kaftans, Schemseddin die Wesirschaft in der vorigen Machtvollkommenheit und der Scheich Kemaleddin Abderrahman Er-Raſii die oberste Würde des Islams mit der Verwaltung aller Religionsgüter und dem Auftrage: die Einkünfte derselben auf die Pensionen grosser und berühmter Gelehrten und Almosen für Ssofi und Derwische und die Verwandlung der christlichen Kirchen in Moscheen zu verwenden.
Wassaf bei Schemseddin; Zustände von Schiras.
Schemseddin, welchem unter Abaka's Regierung von seinen Anklägern Vergeudung der Staatsgelder zur Last gelegt worden und der sich ausgewiesen, dass dieselben zum Theil für den Hofstaat der Prinzen und andere Ausgaben des Hofes aufgegangen, begann seine neue Verwaltung mit Einschränkungen der Ausgaben der Küche des Chans und des Hofstaates der Prinzen und Prinzessinnen. Die Ausgaben der Küche, welche bisher unter dem Oberstküchenmeister Fachreddin jährlich achtzig Tomane (Toman ist zehntausend) betragen hatten, wurden nun ohne Einmischung des Oberstküchenmeisters mit der Hälfte dieser Summe bestritten. Dieser besonders wider das Zehrgadenamt gerichteten Oekonomie lag einige Persönlichkeit Schemseddin's wider Fachreddin zum Grunde, weil diesem gleich nach der Thronbesteigung Teguder die Wesirschaft verleihen wollte, was sich Fachreddin verbeten hatte; nichtsdestoweniger war Schemseddin auf denselben eifersüchtig; Wassaf, bei welchem sich diese Angabe findet, konnte um so besser von der Sache unterrichtet sein, als er gerade in diesem Jahre dem Wesir Schemseddin persönlich aufwartete, und einige Spannung, in welcher er mit demselben gestanden, auszugleichen bemüht war; es scheint nämlich, dass Wassaf sich einigen Tadel über des Wesirs frühere Verwaltung erlaubt, worüber ihn der Wesir zur Rede stellte. Wassaf bekräftigte zwar mit den stärksten Schwüren das Gegentheil und sandte zweimal entschuldigende und um Vergebung flehende Verse an Schemseddin[628], aber „ohne dadurch“, wie er sagt, „den leicht zu lösenden Knoten der Entfremdung des Inhabers des Diwans zu entwirren“. Wiewohl Wassaf weder den Gegenstand des Tadels, noch den Anlass seiner Reise ins Hoflager näher angibt, so betrafen wahrscheinlich beide die Angelegenheiten seines Vaterlandes, die Landschaft Fars, deren Geschichte er der seinen so umständlich einverleibt hat. 678/ 1279 Zu Ende der Regierung Abaka's war die Statthalterschaft von Schiras dem Emir Sughundschak (von dem so eben als vom Richter Medschdolmülk's die Rede gewesen) anvertraut, von dessen Scharfsinn und die Wahrheit ergründenden Urtheilen Wassaf Belege erzählt. Unzufrieden mit den Pächtern der Steuereinnahme, ernannte er einen derselben, der die wenigsten Staatsgelder unterschlagen hatte, den Chodscha Nisameddin, zum Wesir und ordnete ihm die anderen Pächter unter. Zum Richter der Richter ernannte er den Ebu Mohammed Jahja Imadeddin, wiewohl der grössere Theil der Einwohner den hochgelehrten Seid Abdallah, den Verfasser vieler Werke über die Exegese und Hermeneutik, über die Ueberlieferung und Rechtsgelehrsamkeit, über Dogmatik und Philosophie für den Würdigeren erkannten. Sughundschak begab sich mit einigen Pächtern, deren Summen noch ausständig, nach Hof; nur als es in seiner Abwesenheit zwischen dem Wesir und dem Oberrichter zu Reibungen kam, sandte er einen Befehl, vermöge dessen der letzte im Hause des ersten in Verhaft gesetzt ward. Zu dieser Zeit (wo eben Medschdolmülk's Anklage wider Schemseddin angebracht und Abaka's Sinn auf Zusammenscharren des Goldes erpicht war) wandte sich der Seid Richter an Buka, einen der geheimen Schatzmeister Abaka's, welcher sich damals zu Schiras befand, und dieser sandte den Seid und den Intendenten Schemseddin nach Hof, wo sie, von Abaka wohl empfangen, ihre Beschwerden wider die Verwaltung Sughundschak's und des von ihm bestellten Wesirs Nisameddin anbrachten. Abaka reichte ihnen mit eigener Hand einen Becher Wein und befahl, dass Nisameddin zweihundert der ausständigen Tomane abtrage; dieser wurde nun im Hause des Seid Imadeddin festgesetzt und der Emir Taghadschar kam, die Eintreibung der Summe zu vollstrecken; die Pächter aber, hierdurch aufgelärmt, machten mit Nisameddin gemeinsame Sache, und wiewohl sie dem Scheine nach sich den Befehlen Taghadschar's fügten, so ruhten sie doch nicht, bis sie den Nisameddin aus der Haft befreit und Taghadschar in Verlegenheit brachten. Dieser begab sich, da unterdessen die Thronbesteigung Teguder's stattgefunden, an's Hoflager und führte seine beiden Schutzgenossen, den Melik Schemseddin und den Seid Imadeddin, mit sich. Teguder verlieh dem letzten die Wesirschaft von Schiras und forderte den Statthalter Bulghuwan, welcher öffentlich die Partei der Intendenten wider Taghadschar ergriffen hatte, nach Hof; dieser hielt die Gesandten des Chans zu Schiras auf, ohne ihnen Erlaubniss zur Rückkehr zu gewähren, und wandte sich heimlich an den Prinzen Arghun in Chorasan, von dessen Umtrieben weiter unten die Rede sein wird. Diess war der Zustand der Dinge in Fars, als Wassaf sich bei Schemseddin rein zu waschen bemüht war.
Auf Veranlassung Schemseddin's wurde eine feierliche Botschaft an den Sultan Aegyptens abgesandt, um demselben von dem Uebertritte Teguder's zum Islam Kunde zu geben. Das Beglaubigungsschreiben der beiden Gesandten und die Antwort Kilawin's sind so durch Gehalt als Styl merkwürdig genug, um unverändert hier in sach- und wortgetreuer Uebersetzung zu folgen:
„Durch Gottes des Allmächtigen Kraft (welcher erhöhet werde!) Ferman des Kaan Ahmed an Aegyptens Sultan. Gott der Allmächtige hat durch die Vorgänge seiner Gnaden und das Licht seiner Leitung in der ersten Jugend und Frische Uns geleitet auf die wahren Pfade zur Kenntniss seiner Herrlichkeit und zum Geständniss seiner Einheit, zur Zeugenschaft, dass Mohammed (über welchen das reinste Gebet!) Gottes Prophet, zum schönen Glauben in seine Heiligen und frommen Männer. Wen Gott leiten will, dessen Brust erleichtert er durch den Islam, und Wir haben nicht aufgehört, Uns für die Erhöhung der Religion und Zurechtbringung der Geschäfte des Islams geneigt zu zeigen, bis von Unserem Vater, dem Bessten, und Unserem Bruder, dem Grössten, die Reihe der Regierung auf Uns gekommen, bis dass über Uns der Schmuck seiner Gnaden ausgegossen und Wir von seinen Wohlthaten, was Wir verdienten, genossen in dem Uebermaasse seiner Gnaden, der grossen; und es ward Uns das Brautgemach des Reichs aufgeschlossen und die Braut Uns vorgeführt unverdrossen. Es wurde von Uns ein gebenedeites Kurultai versammelt, diess ist die Versammlung, wo einen Funken gibt der Feuerstahl der Brüder und Kinder, der Emire, der Grossen, der Führer des Heers, der Vorgesetzten der Truppen; ihr Wort stimmte darin überein, die Verfügung Unseres Bruders des Grossen auszuführen in der Aufstellung eines allgemeinen Aufgebotes Unserer Heere: die Erde ist zu enge vor ihrer Menge, und es füllet die Herzen Schrecken vor der Gewalt, womit sie die Erde bedecken; vor ihrem hohen Muthe werden die Berge zu Ebenen ausgegleichet und die härtesten Felsen erweichet. Wir dachten nach über das, was sie sich vorgenommen und worin ihre Begierden übereingekommen, und Wir fanden, dass ihre Absicht widerstreite mit dem, was Wir in Unserem Innern beschlossen zur Bewirkung allgemeinen Wohls. Hierunter verstehen Wir die Stärkung der Satzungen des Islams, dass so viel als möglich keiner von Unseren Befehlen in anderer Absicht ergehe, als um Blut und Brand zu stillen und alle Länder mit dem Wehen der Winde der Ruhe und der Sicherheit zu erfüllen, und damit ausruhen mögen die Könige der anderen Länder auf dem Lager der Milde und Wohlthätigkeit, um Gottes Befehle zu ehren und dem Volke Gottes Mitleid zu gewähren. Gott hat Uns eingegeben, dieses Feuer auszulöschen und diese Unruhe zu stillen, und die Anzeige dessen, den Gott der Allmächtige hierauf geleitet hat, ist die des Vorschlags der Mittel, womit die Heilung der Welt von den Gebrechen erzweckt und die Anwendung der letzten verschoben würde; denn Wir lieben, nicht schneller die Pfeile zu senden und uns zu den Lanzen des Kampfes zu wenden, als nachdem Wir das Nöthige erklärt, und Wir gestatten diess nicht, als nachdem Wir die Wahrheit und Nothwendigkeit mit Beweisen bewährt. Wir wurden bestärkt in dem, was wir Uns Gutes vorgenommen hatten, und in der Durchführung gemeinnütziger Thaten durch die frommen Wünsche des Scheichs des Islams, des Musterbildes der Erkennenden, dessen Hilfe Uns in den Geschäften der Religion nützt und unterstützt, und Wir haben dieses Schreiben erlassen als Gottes Barmherzigkeit für den, der sich demselben fügt, wie sich's gehört, und als Pein wider den, der sich abwendet und empört. Wir haben damit betraut den entscheidendsten der Richter, den Pol der Religion und des Volks (Kutbeddin), und den Atabeg (Behaeddin), welche beide von den Bewährtesten und Gelehrtesten dieses blühenden Reichs, weil sie Unsere Wege kennen und weil sie mit Gewissheit wissen, was Uns eingibt Unser Gewissen zum allgemeinen Wohl der Moslimen. Wir haben sie in dieser Absicht gesendet, denn Wir sind von Gott auf die Wachsamkeit angewiesen, denn der Islam liebt, was ihn empfängt, und Gott der Allmächtige hat in Unser Herz gelegt, dass Wir der Wahrheit und ihren Bekennern folgen sollen, damit sie bezeugen die grosse Gnade Gottes über die Gesammtheit in dem, was wir fordern als Vertrag der Ursachen der Wohlthat. Sucht dieses nicht zu erproben durch einen Rückblick auf Unsere Brüder (die Herrscher vergangener Zeit), denn jedem Tage ist anderes Loos bereit. Wenn die Seelen Einsicht nehmen wollen in einen Beweis, wodurch die Forderung des Vertrauens befestiget würde, und in eine Urkunde, worin sie die Erfüllung ihres Wunsches fänden, so sollen sie ihre Blicke auf Unsere Denkmale richten, deren Ruhm nicht klein und deren Wirkung allgemein. Wir haben unter Gottes Leitung angefangen, die Spuren der Religion zu erheben, dieselben in jedem Dinge an Tag zu legen und auszuheben zur Aufrechterhaltung der Novellen des Gesetzes, des mohammedanischen, nach Erforderniss der Kanone der Gerechtigkeit, der ahmedischen, um es zu erheben und demselben Ehre zu geben. Wir liessen Freude scheinen in die Herzen des Wesens, des gemeinen, Wir haben nachgesehen die Vergehen und den Schuldigen verziehen und stellten auf die Verbesserung der Geschäfte Unser Bemühen, auf die frommen Stiftungen der Moslimen, von Moscheen, Grabstätten, Medreseen, auf den Bau frommer Zellen und verfallener Wachposten, indem Wir die Einkünfte derselben denen, so dieselben verdienen, verlieh'n und dadurch erfüllet der Stifter Sinn; Wir haben verwehrt, dass Neuerung in denselben werde begehrt und dass das Geringste werde verletzt von dem, was ursprünglich festgesetzt; Wir haben befohlen, den Pilgerreisen die grösste Ehre zu erweisen, ihre Schaaren zu bewahren, ihre Wege zu sichern und zu ebnen die Bahnen der Karawanen; Wir haben freigelassen die Strassen den Kaufleuten, die von Land zu Land wandeln und handeln, damit sie nach ihrer Willkür und mit ihrem bessten Vermögen reisen mögen; Wir verwehren den Heeren, den Wachen und denen, welche die Runde machen, dass sie denselben auf ihren Wegen, wenn sie kommen oder gehen, das Geringste in den Weg legen. Eine Unserer Wachen hat einen Kundschafter ergriffen in der Verkleidung eines Fakirs, und wiewohl es in der Ordnung gewesen wäre, denselben zu tödten, so wollten Wir doch nicht sein Blut vergiessen lassen aus Schonung dessen, was Gott verboten, und Wir haben denselben zurückgesandt. Indessen ist es denselben nicht unbekannt, dass die Kundschafter ein Schaden im Land; denn so lang unsere Armeen dieselben in der Gestalt von Fakiren und Andächtigen sehen, ist ihre Meinung von diesen Leuten schlecht, sie tödten den Mann und thun, was sie gethan: die Nothwendigkeit davon ist, Gott sei Dank, erhöhet durch das, was Wir ergehen liessen, um die Wege aufzuschliessen dem Zuge der Kaufleute und anderer Wanderer. Wenn dieselben diesen Geschäften einiges Bedenken schenken, so wird denselben nicht verborgen sein, dass diese Eigenschaften uns angeboren als zweite Natur und dass darin von Affectation keine Spur; und da die Sache so liegt, so sind alle Anforderungen gegenseitiger Abneigung, welche zum Widerstand führten, aus dem Wege geräumt. Diese gründeten sich vormals auf den Weg verschiedener Religion und der Entfernung von dem Schoosse des Islams; aber nun ist durch Gottes Huld und die Gunst Unseres Glückes das helle Licht erschienen, und wenn es vormals Ursachen gab, so wandten wir uns nun von denselben zum Besseren ab; Wir sind auf dem Pfade der Gnade, wo Einkehr und Rückkehr. Wir haben den Schleier aufgehoben durch dieser Anrede Farben und haben dieselben unterrichtet von dem, was wir zu thun aufrichtig gesonnen, und haben hiermit begonnen; Wir haben Unseren Heeren verboten, zuwider zu handeln diesen Geboten, Gott und seinem Propheten zu Gefallen. Damit auf den Blättern die Spuren des Glücks und der Annahme erscheinen, damit die Welt über die Verschiedenheit des Wortes beruhiget werde, damit durch das Licht des Einverständnisses verschwinde die Finsterniss des Missverständnisses, damit ausruhen mögen unter dem weiten Schatten die Städter und die Bewohner der Matten, und damit sich erfrischen die Seelen, welchen die Plagen gestiegen in die Kehlen. Wenn Gott der Herr den Sultan Aegyptens leitet zum Besten der Welt und zu dem, was die Ordnung der Menschen erhält, so ist's nöthig für ihn, den Eimer fester Anhänglichkeit zu erfassen und zu wandeln dergleichen Strassen durch Eröffnung der Thore der Unterwürfigkeit und Einigkeit, durch Erwähnung der Aufrichtigkeit, damit diese Länder sich dieser Gnaden erfreuen, damit die Unruhen sich legen, welche zerstreuen, damit die Schwerter, welche schneiden, gesteckt werden in die Scheiden, damit die ganze Erde ein Eden der Ruhe werde, damit die Nacken der Moslimen werden befreit von dem Joche der Verachtung und Niedrigkeit. Sollte aber böse Meinung die Oberhand behalten über das, was Wir aus Gottes des Allverleihers Barmherzigkeit behalten, und sollte dieselbe verwehren, diesem Antrage, wie er es verdient, Anerkennung zu gewähren, so wird Gott Unsere Bemühungen ehren und Unsere Entschuldigungen lassen gewähren. Wir haben Uns nicht zur Strafe gewandt, ehe Wir einen Gesandten gesandt; bei Gott, er leitet zur Rechtlichkeit und zum rechten Verstand! Er bewahret sicher die Unterthanen und das Land. Wir rechnen auf Gott den Einen. Geschrieben Ende Dschemmasiulewwels 681 (Anfangs September 1282).“
Antwort.
„Im Namen Gottes des Allmilden, des Allbarmherzigen. Durch Gottes des Allmächtigen Kraft, das Wort Kilaun's an Sultan Ahmed: Lob sei Gott! welcher Uns den Pfad der Wahrheit erhellt. In Uns ist die Hilfe und der Sieg Gottes gekommen, und Er hat uns schaarweise in die Religion Gottes aufgenommen. Gebet über Unseren Herrn Mohammed; Er, den Gott über Alles, wodurch sein Volk gerettet ward, erhöht, und über alle Propheten, welche retten, und über seine Familie und seine Gefährten! Gebet, welches erleuchtet die finstere Nacht und dunkeles Leben hell macht. Gefälligkeit und Ergebenheit vom Imam Hakim biemrillah, dem Emirolmuminin, dem Abkömmlinge der Chalifen, der den wahren Weg betreten, dem Vetter des Herrn der Propheten, dem Chalifen, welchem die Religiosen huldigen. Es ist angekommen das Schreiben, das verehrliche, das Ehren gewährliche, enthaltend die grosse Kunde von dem Eintritte in die Religion und dem Ausfalle wider Alle, welche dem wahren Leben widerstreben. Nachdem geöffnet worden dieses Schreiben, welches Kunde der Ueberlieferungen haucht, Ueberlieferungen, welche für die Moslimen gewiss, die gewissesten der Ueberlieferungen, welche überlieferte Moslim[629], wurden die Gesichter zu Gott dem Allmächtigen gewendet mit der Bitte, dass er diess befestige mit dem Worte, dem festen, und dass der Samen dieser Religion im Herzen sprosse, wie die schönsten der Pflanzen aus dem härtesten Boden sprossen. In nachdenkender Achtung stellten Wir an treffliche Betrachtung über die Erwähnung der aufrichtigen Absicht, dass im Anfang des Lebens und in der Frische jugendlichen Strebens die Einheit Gottes verkündet und der Eintritt in das Volk Mohammed's mit Wort und That und Einsicht und Rath begründet werde. Gott sei Lob! dass er die Brust des Sultans für den Islam erweitert und dieselbe mit der edelsten der Eingebungen aufgeheitert; Gott sei Lob! dass er uns unter die Vorgehenden, die ersten gesetzt zu diesem erhabenen Orte, und dass er Unsere Füsse befestiget auf jedem Standorte des Kampfs, im Feld und mit dem Worte. Weiters über die Reihenfolge im Reiche durch Erbschaft nach dem Abtritte des Vaters des Bessten und des Bruders des Grössten, über die Ausgiessung dieser grossen Gnaden auf den Sultan, wie derselbe den Gipfel der Glaubensreinigung erklommen und den Titel der Herrschaft angenommen, nachdem ihm Gott dieselbe zugezählt und ihn aus seinen Dienern auserwählt durch die wahren Kunden von den Wundern seiner Helfer und Diener; und weiters über die Versammlung der Brüder und Kinder der Fürsten, der grossen, der Führer des Heers, der Vorsteher der Truppen in der Versammlung des Kuriltai, wo die Menge zusammengeflockt und der Feuerstahl dem Kiesel die Funken der Meinungen entlockt, und wie ihr Wort mit den Geboten des weiland grossen Bruders übereingestimmt in der Sendung der Heere nach dieser Seite, dass aber derselbe (der Ilchan) nachgedacht über das, was ihre gesammte Meinung vorgebracht, und dass er sich mit ihrem Verlangen bekannt gemacht und dasselbe im Widerspruch gefunden mit dem, was er selbst in seinem Innern ausgedacht, indem er nur das Gute bezwecke und sich die Verbesserung zum Ziel stecke, damit er lösche dieses Feuer und stille die Unruh, die nicht geheuer. Diesen Schritt hat der König (Ilchan) aus Liebe zu seinem Volke gemacht, indem er das Ende mit durchdringendem Sinne erwägend bedacht. Wäre diess nicht so gewesen und hätten sie die Sache der Entscheidung des Schwertes überlassen, so wäre dieser Kampf der Kämpfe letzter gewesen; allein der Ilchan ist wie Einer, der die Stationen seines Herrn fürchtet, der seiner Begier das Verbotene verwehrt, der nicht der Rede des Irrenden beistimmt und Nichts im Irrthum unternimmt. Was nun das Wort des Ilchans betrifft, dass er nicht eilt zum Schlachtfeld, wo die Lanze Stösse austheilt, als nachdem er das Nöthige erklärt, so weiss Gott der Allmächtige, und es wissen alle Menschen, dass wir nur aufstehen, um dem Volke zu helfen, und dass, wenn wir mit That und Worten streiten, es nur Gottes wegen geschieht; und da nun der Ilchan mit uns eingetreten in Gottes Religion, so ging die Feindschaft davon, und indem die Abneigung aufgehoben, wird sich glücklicher Erfolg erproben. Der Glaube ist wie ein Gebäude, in welchem ein Theil den andern befestigt und hält; wer eine Minaret aufgerichtet, dem fehlt es nicht an freien Bewohnern an jedem Orte und an gesitteten Nachbarn auf der ganzen Erde. Weiters, was die Versicherung betrifft, dass dieser Nutzen, der allgemeine, der Erwähnung des Scheichs des Islams, des Musters der Erlernenden, Kemaleddin Abderrahman (Gott vergelte ihm's mit seinem Segen!) zu danken sei, so haben Wir von keinem Heiligen früher solch heiliges Werk gesehen. Wir hoffen von seinem Segen und von dem der frommen Männer, dass jedes Haus zum Islam erwache, bis dass jede Bedingniss des Glaubens erfüllet werde und der Islam umfasse die ganze Erde, Alles umfassend, von den Bessten Nichts übrig lassend. Es ist kein Zweifel, dass des Scheichs heiliges Werk der Anfang dieser Beständigkeit der Existenz, und jede Wahrheit kehrt mit seinem Segen zu ihrem Ursprung zurück. Weiters, was die Wirksamkeit des entscheidendsten der Richter des Islams, des Glaubens und des Reichs (Kutbeddin) und des Atabegs (Behaeddin), welche Beide mit Ueberbringung dieses wohlberedten Sendschreibens beauftragt waren, so sind dieselben Beide erschienen, bereit, sich aller guten Worte zu bedienen, welche die Umstände eingeben und die sich im Gemüthe erheben, welche Erwartender mag erwarten mit Lob und Dank von allen Arten, so dass sie im Namen Ahmed's (des Ilchans) Ueberlieferungen sprachen, festgegründet, wie die Ahmed's (des Propheten). Weiters, was die Andeutung betrifft, dass, wenn die Seelen die Einsicht des geraden Beweises nicht verfehlen, dadurch die Anforderungen vollkommener Liebe befriedigt würden und dass man betrachten solle die Monumente, die er im Beginne der Ausübung seiner Macht, Gerechtigkeit und Wohlthätigkeit, übend mit Zung' und Herzen, schon hervorgebracht, wie er auf die Verbesserung der Wakfe, die Ausbesserung der Moscheen und Gränzposten, die Erleichterung der Strassen der Wallfahrt und anderer dergleichen bedacht, so sind diess Attribute, von denen abhängt der Reiche Dauer, die gute. Wenn der König herrscht mit Gerechtigkeit und so weder die Feinde begünstigt, noch den Tadlern Aufmerksamkeit leiht, und wenn schöne Handlungen und gute Werke vollzogen werden, welche nicht aussprechen alle Zungen des Gebotes auf Erden, so sind dieses Pflichten, die man schuldig, zu entrichten; diess ist grösser, als dass es hätte einen andern Lohn, als sich selbst, als dass es durch Ruhm überschätzt, durch Herabsetzung gering geschätzt werden könnte, indem es grossem Könige zum Ruhme gereicht, dass er den Ländern und Schlössern Zeit gewährt zur Befestigung seines Reichs (welches Gott wolle bewahren in Sicherheit!). Weiters, was den Verbot betrifft an die Diener und Wachen und an die, welche die Runde machen, dass sie Niemanden veruneinigen wollen und die reine Tränke der Ankommenden und Abgehenden nicht mit den Splittern von Plackereien verunreinigen sollen, so haben Wir, sobald Uns dieser Vorgang zugegangen, ein Gleiches Unseren Nowwaben (Nabob) zu Rahbe, Haleb, Bire, Aintab befohlen, und liessen desshalb an die Führer Unserer Armeen das Nöthige ergehen. Wenn die Glaubensmeinungen sich in Einigkeit gefunden und die Eidschwüre sind gebunden, so sind die Gebote besiegelt, in denen sich die Vollziehung der Befehle abspiegelt. Weiters, was den Kundschafter betrifft, den Fakir, welcher ergriffen und losgegeben ward (als ob dieses die Ursache wäre, dass wegen der Verkleidung von Kundschaftern in Fakire alle Fakire todt geschlagen werden würden), so ist diess ein Thor, das der Ilchan aufgemacht, und ein Feuerstahl, an dem er den Funken angefacht. Denn wie viele verkleidete Fakire sind nicht gekommen von jener Seite in diese Reviere, um sich Einsicht zu verschaffen in die Geschäfte und des Landes Kräfte. Die Nowwabe haben eine Schaar derselben ergriffen; es erhob sich über sie der Säbel, geschliffen, und dennoch wurde nicht entdeckt, was die Kutte des Fakirs versteckt, trotz aller angewandten Müh' mit Was und Nein und Wie. Weiters, was die Andeutung betrifft, dass in der Uebereinstimmung des Wortes das Wohl der Welt und dass dasselbe die Ordnung des Menschengeschlechtes erhält, so wird nicht zurückgewiesen, wer da klopfet am Thor der Einigkeit, und es wird keiner abgewiesen und abgewehrt, der gutes Einvernehmen begehrt. Wer mit seinem Zügel vom Treffen abweicht, ist wie der, welcher die Hand des Friedens zum Handschlag herreicht; der Friede ist ein Gut. Weiters, was die Befestigung und Bekräftigung der Befehle betrifft, so ist es nöthig, dass auf dieselben Regeln angewandt und dass aus dem Bewiesenen der Nutzen erkannt werde; denn die Geschäfte sind gebunden an die Schrift, und es ist nothwendig, dass darin jeder Fündige und Kündige darüber entschieden, ob Krieg oder Frieden. Hernach ist es nothwendig, dass die Geschäfte werden entschieden in der Reihe der Knoten der Verträge und ihrer Belege, dass dieselben, mündlich vorgetragen, durch die Annahme dem Antrage zusagen; denn viele Fragen, welche die Gesandten mündlich sagen, werden besser erörtert, als wenn dieselben in verwischten Papieren werden überschlagen. Was endlich die Berufung auf das Wort Gottes betrifft: Wir senden keine Pein, eh' Wir nicht gesandt einen Gesandten[630], so wird nicht auf diese Art der Stoff der Liebe gewebt und nicht auf diesem Wege das Ziel erstrebt, sondern vielmehr wegen Unseres Vorrangs im Glauben sind Pflichten zu entrichten und Begehren zu gewähren. Wir haben gehört, was mündlich vorgetragen die Zunge des entscheidendsten der Richter, des Pols des Glaubens und des Volks (Kutbeddin), und es entsprach dem, was das Schreiben versprach von dem Eintritte des Ilchans in die wahre Religion, und dass er sich angekettet auf der Moslimen Station, was er geübet durch Wohlthätigkeit und Gerechtigkeit, durch seine Sitte und seinen Wandel, der berühmt weit und breit. Gott sei Dank für die Gnade, welche durch keinen Vorwurf gehindert und vermindert wird; Gott der Herr hat seinem Propheten den Vers des Korans gegeben Betreff derer, welche ihm den Islam vorwarfen: Sage, werfet mir Euren Islam nicht vor; Gott wird Euch vielmehr vorwerfen, dass er Euch zum Glauben geleitet[631], und mündlich trug er vor, dass Gott der Allmächtige dem Ilchan verliehen an Gaben, was ihn darüber hinaussetzt, seine Blicke zu richten auf das, was Andere haben an Gut und Land. Wenn also festgesetzt nach der Eintracht das Begehren, so ist es leicht, zu gewähren, und Unsere Antwort folgt hierauf nach der Geschäfte Lauf. Wann die Uebereinstimmung ist erreicht, so ist auch das gute Einvernehmen ausgegleicht. Gott und die Menschen sehen, wie Wir aufrichtig zu Werke und Unseren Feinden zu Leibe gehen und in Unseren Kämpfen stehen. Wie mancher Freund wird nicht gefunden, der besser als Vater, Bruder und Verwandter wird befunden? Die mohammedanische Religion wird nicht vollendet und dem Islam nicht die Befestigung zugewendet, als nur durch die Gefährten, die werthen. Wenn also das Verlangen des Ilchans gerichtet ist auf Einigkeit und auf gutes Vernehmen, auf gemeinschaftliches Einvernehmen, auf das Verderben der Feinde und auf die Rache derer, welche den Rücken zum Widerstände stemmen, so wollen Wir Uns herzlich gern dazu bequemen. Weiters, was mündlich vorgebracht: dass, wenn Unser Verlangen sich erstreckte auf das, was der Ilchan besitzt von Land und Gut, so bedarf es nicht der Einwirkung der Aneiferer, welche die Moslimen nutzlos beleidigen. Hierauf antworten Wir: Wenn die Hand der Feindschaft zurückgezogen wird und die Länder moslimischer Könige geleert werden, so wird gedämpft die Gluth und gestillet das Blut; wie wahr ist es nicht, dass Alles, was Uns von denselben verboten wird, in der Natur ganz so zu treffen ist, und dass man das, was geboten wird, selbst zu thun vergisst. So befindet sich nun Konghuratai dermalen im Lande Rum, welches sich in eueren Händen befindet und an euch Steuer zahlt, und nichtsdestoweniger Blutvergiessen, Sklavenraub, Verkauf der Freien und Abneigung vor Allem, ausgenommen vor der Verlängerung dieser Schäden. Endlich ward mündlich vorgetragen, dass, wenn man entschlossen sei, diese Streifzüge nicht aufzuheben und diese Spuren nicht aufzugeben, so solle man einen Ort bestimmen auf der Erde, wo man sich treffen und schlagen, und Gott dem, dem er wolle, den Sieg verleihen werde. Hierauf ist die Antwort: Die Tränken (Oerter), wo die beiden Heere auf einander trafen in Waffen, sind noch heil, und wer von diesem Volke (den Mongolen) davon gekommen mit Heil, fürchtet sich, dahin zurückzukehren, und kann sich durch folgenden Vers beehren:
Welch' wunderseltnes Jahr doch das verflossne war! Er, welchen „Himss“ besiegt, nun widersteht und kriegt. Derselbe scharfe Degen, dem ihr dort seid erlegen, Ist in der Hand des Braven, bereit, euch zu bestrafen.
Und zur Zeit der Schlacht ist die Wissenschaft bei Gott, welcher die Bestimmung des Looses macht. Und es ist keine Hilfe, als bei Gott! dem Allgeehrten, dem Allweisen! er sendet sie dem und verleihet die Macht, und nicht dem, der selbst die Vorherbestimmung des Sieges macht. Wir sind nicht von jenen, welche auf Gelegenheit und Vorwand lauern, und nicht von denen, welche sich abwenden und niederkauern; und die Stunde der siegreichen Schlacht ist nicht anders als die Stunde (des jüngsten Tages), in welcher Alles schnell wird abgemacht. Bei Gott! er führt nur zum Guten dieses Volk, und er ist der Mächtige, im Stande, jede Kunde und Gnade zu vollenden. Geschrieben im Neumonde des Ramasan des obgedachten Jahres.“
Arghun's Bewegungen; Tod Alaeddin Dschuweini's.
Arghun's ränkeschmiedender, rachebrütender Geist sammelte indessen Wolken über dem Haupte Schemseddin's und Teguder's zum Gewitter, aus welchen der den Herrscher und seinen Wesir verzehrende Wetterstrahl fahren sollte. Nachdem Arghun auf wiederholtes Begehren des Chans demselben den Emir Buka gesendet, welcher die Hand Kutui Chatun's (der Wittwe Abaka Chan's) ehrenvoll empfing, brach Arghun von Ssughurluk nach Chorasan auf. 4. Reb. II. 681/ 12. Juli 1282 Ahmed suchte den Oheim Konghuratai für sich zu gewinnen, indem er ihm die Frau Tukini, die Wittwe Hulagu's (die Nichte der grossen Frau Tokus), zur Gemahlin gab und mit einem grossen Heere zur Gränzhuth nach Rum abordnete, nach vierzehn Tagen aber ihm den Emir Akbuka nachsandte. 19. Reb. II. 681/ 27. Juli Ahmed war von zwei moslimischen Gesetzgelehrten, dem schon erwähnten Abderrahman von Mossul, berathen, welcher, Sohn eines Sklaven des letzten Chalifen der Beni Abbas, vom Blutbade nach Mossul gerettet, dort eine Zeit lang Tischler, dann von Iseddin, dem Herrn Amadia's, bei dem er sich in Kredit gesetzt, dem Abaka überlassen worden, und bald durch angebliche Kenntniss von Schatzentdeckungskunde und geheimen Wissenschaften sich dessen Vertrauen erwarb[632]. Teguder hiess denselben nicht anders, als Vater, und einen zweiten Günstling, Namens Mengli, nicht anders, als Sohn; diese und Teguder's Mutter, Kutui, eine sehr verständige und zur Regierung tüchtige Frau, lenkten die Zügel derselben, während Schiktur Nujan und Sundschak, wiewohl denselben Teguder vorzüglich seine Erhöhung auf den Thron dankte, zur Seite gesetzt wurden[633]. 19. Dschem. II. 681/ 24. Sept. 1282 Zwei treulose Diener Atamülk's Dschuweini[634] erschienen vor Arghun, bei demselben ihren Herrn anzuschwärzen, dass er dem Wedschiheddin Sengi, dem Wesir Chorasans, den Befehl zugefertigt, den Prinzen Arghun zu vergiften. Arghun liess denselben sogleich in den Kerker werfen, zog das ganze Habe desselben ein und schenkte ihm das Leben nur auf Fürbitte der Frau Bulughan Chatun, der geliebtesten Gemahlin Abaka's, welche nach dessen Tod in das Harem seines Sohnes Arghun übergegangen. Arghun zog gegen Bagdad, um dort zu überwintern. 23. Dschem. II./ 28. Sept. Zu Rei empfing er den Melik Fachreddin ehrenvoll und bestätigte ihm die Befehlshaberschaft des Landes; Ahmed, hiervon in Kenntniss gesetzt, schickte Gesandte, um den Fachreddin aufzuheben und nach Schirwan zu bringen, wo er die von Arghun empfangenen Ehrenbezeugungen mit der Folter büsste. Arghun, hierüber entrüstet, sandte Sendschreiben an die Emire und an Schemseddin, den Inhaber des Diwans, des Inhaltes: Sein Vater, Abaka, habe ihm den Melik Fachreddin überlassen, er werde die demselben zugefügte Schmach und Pein rächen. Als er nach Bagdad gekommen, forderte er von Nedschmeddin Assfer, dem Stellvertreter Alaeddin Dschuweini's, dass er die vom Vater, Abaka, geforderten, von Alaeddin nie bezahlten Summen erlege. Nedschmeddin ward in den Staub geworfen, und als Alaeddin davon die Nachricht erhielt, traf ihn in Arran der Schlag; seine Stelle erhielt sein Neffe Harun[635]. 4. Silhidsche 681/ 5. März 1283 Arghun hatte den Winter zu Bagdad zugebracht und während desselben zehntausend der Karawinas, welche nach den Worten Wassaf's: „eine Art von Dämonen, die fürchterlichsten der mongolischen Nationen“, sich angeeignet. Von den Prinzen des Hauses standen der Bruder Kendschatu und der Vetter Baidu, der Sohn Tarakai's, des fünften Sohnes Hulagu's, ihm zur Seite; von den Emiren waren ihm mehrere zugefallen[636], deren mächtigster Taghadschar, der ehemalige Befehlshaber in Fars, dem er die Befehlshaberschaft eines Tomans mit den Insignien der Standarte und Pauken verlieh. Der mit ihm einverstandene Prinz Dschuschkab (der Sohn Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's) überwinterte zu Diarbekr. Auch Alinak, der Statthalter Georgiens, welchen Ahmed Teguder an Arghun mit der Einladung zum Kurultai gesandt hatte, war von demselben gewonnen worden und hatte sich mit ihm verbündet; als er aber an den Hof Ahmed's zurückkam, ward derselbe durch Schemseddin's Klugheit, welcher dessen Pläne durchschaute, wieder dem Herrscher gewonnen, indem ihm die älteste der Töchter Ahmed's, die Prinzessin Kutschuk, vermählt ward. Als Arghun im Frühjahre von Bagdad nach Chorasan zurückkehrte, liess er den Prinzen Dschuschkab an der Spitze seines Lagers als Vorhuth zurück.
Konguratai getödtet.
Als Arghun auf seinem Zuge gegen Chorasan nach Rei gekommen, liess er den Vogt Teguder's prügeln, ihm an den Hals und an die Füsse einen Block schlagen und sandte ihn so auf einem Esel an Teguder, zugleich die Forderung der Auslieferung des Wesirs Schemseddin zur Berichtigung der dem Vater schuldig gebliebenen Summen stellend. An der Gränze Masenderans kam ihm Jankadschi Nujan mit einem Tomane (zehntausend Mann) des Heeres entgegen; er sagte zu ihm und zu Hindu Nujan, dem Befehlshaber der beiden Tomane, welche die Gränze am Dschihun hüteten: Als mein Vater mich vor seinem Tode zu sich berief, war ich bis hierher gekommen, als ich die Nachricht, dass er gestorben, erhielt, und weil ich kein Heer hatte, des mir bestimmten Thrones verlustig ging; nun bin ich entschlossen, wenn ihr mir nur beistehen wollt, denselben mit dem Schwerte zu erobern. Hindu antwortete: Wiewohl die Sache sich so verhält, so ist doch Teguder als der Aka, d. i. der Aeltere, dermalen Chan, doch du, Gott sei Lob! Herr und Padischah in diesem Lande; begnüge dich damit und befolge den Rath des im Dienste deines Vaters ergrauten Dieners; sollte aber Teguder dich angreifen wollen, so sind wir bereit, die Seele für dich zu opfern. Zu gleicher Zeit, als Tarchun gegen Chorasan gezogen, war Teguder nach Alatagh gekommen und hatte von hier seinen vertrauten Rathgeber, den Scheich Abderrahman, als Gesandten an den Sultan Aegyptens gesandt; er wurde zu Damaskus in den Kerker geworfen, aus welchem ihn nur der Tod befreite. Teguder lud seinen Bruder, den Prinzen Konguratai, den Statthalter Rum's, ein, auf einem Kurultai zu erscheinen. Dieser hatte zwei seiner Vertrauten zu Arghun gesendet, welcher dieselben höchst ehrenvoll empfing und dem Oheim zwei Kuppeln Panther zum Geschenke sandte; diese Sendung erregte das höchste Missvergnügen und den grössten Verdacht Teguder's. Konguratai verschwor sich mit zwei Emiren[637] wider das Leben Teguder's, und sie bestimmten zur Ausführung ihrer That die Festnacht des neuen Jahrs[638], wo nach mongolischem Herkommen zum Andenken des Auszugs aus den Erzgebirgen von Ergenekun der Chan mit seinem ganzen Hofe der Schmiedung von Eisenmassen beiwohnte. Teguder, hiervon benachrichtigt, begab sich zu Alinak, seinem Eidam, und bewog ihn, am Tage vor der neuen Jahresnacht sich zu Konguratai zu verfügen und ihm denselben zu bringen. 26. Schewwal 682/ 17. Jan. 1284 Alinak versprach, nicht nur den Konguratai, sondern auch den Arghun auf gleiche Weise in Teguder's Hände zu liefern. Dieser überhäufte ihn mit Ehren und Geschenken und übertrug ihm den Befehl des ganzen Heeres. Am neuen Jahrstage des Affenjahres (des neunten des zwölfjährigen mongolischen Thiercyklus) wurde Konguratai getödtet. Zu Karabagh in Arran sassen die Richter durch sechs Tage lang zu Gericht und verurtheilten die beiden Emire, Mitverschworenen Konguratai's, zum Tode; nach Bagdad erging der Befehl, den Prinzen Dschuschkab und sieben Emire Arghun's zu ergreifen[639] und gebunden nach Tebris zu bringen, wo sie erst später durch die Ankunft Arghun's von ihren Banden befreit wurden; auch den Bruder des Chans, den Bruder Kendschatu, welcher sich selbst als ergeben stellte, hatte man nach Tebris gesendet, aber auf dem Wege dahin, zu Sawa, entwich er seinem Geleite und begab sich zu Arghun. Diesem berichtete der Richter von Kaswin, Rasieddin, den Mord Konguratai's, die Gefangennehmung der Emire, die Rüstung des Heeres unter dem Oberbefehle Alinak's. 18. Moharrem 682/ 6. April 1284 Zu Tebris feierte Teguder die Hochzeit mit seiner Nichte Tudai Chatun, der Tochter Musa Gurgan's, des Gemahls Tarakai's, der fünften Tochter Hulagu's. Gurgan war der Ehrentitel aller Eidame und mit dem regierenden Hause verschwägerten Emire.
Ausbruch des Kriegs zwischen Teguder und Arghun.
Schemseddin, wohl einsehend, dass der Kampf um den Thron auch seiner Macht und seinem Leben gelte, bot Alles zur Rüstung eines zahlreichen Heeres auf. Hunderttausend auserwählte Reiter aus allen Nationen und Religionen, Mongolen, Musulmanen, Armenier, Georgier, Turkmanen nahmen das Feld. Den Vortrab von fünfzehntausend befehligte Alinak[640]. Ein Ende Januars eingefallener tiefer Schnee verspätete den Aufbruch des Heeres. 9. Silkide 682/ 29. Jan. 1284 Endlich zog der Vortrab unter dem Befehle von Alinak, Baisar Aghul und Taghai Kokoltasch gegen Kaswin, wo dreihundert dem Arghun eigen gehörige Familien von Usen aufgehoben wurden. Arghun sandte, sobald er von dem Anmarsche des Heeres Kunde erhalten, Boten an seinen Schatz in Gurgan (Hyrkanien) und an die Werkstätten von Nischabur, Tus und Isferain, um Geld, Waffen, Kleider herbeizuschaffen, die er unter die Emire des Heeres vertheilte. Melik Fachreddin von Rei, der das Register darüber führte, hatte dasselbe: Verzeichniss der unter das siegreiche Heer vertheilten Summen überschrieben. Arghun, der zufällig zur Vertheilung gekommen und das Register gesehen, nahm die Feder und schrieb das Wort: siegreich mit ungemein schönem persischem Schriftzug, dessen er vollkommen Meister war, hin. Kawameddin, der persische Wesir, der zugegen, deutete diesen Umstand sogleich auf die schönste Erfüllung des gehofften Sieges. Am folgenden Tage traf die Nachricht von dem Unfalle Kaswins ein; Arghun sandte den Vortrab unter dem Befehle Timur's voraus, liess den Sischi Bachschi beim schweren Gepäcke zurück und brach selbst auf der Strasse von Temische auf. Ahmed war indessen mit acht Tomanen, d. i. mit achtzigtausend Mann[641], über die Ebene von Moghan herangezogen und am ersten Mai zeigten sich seine Vorposten zu Thalkan. 8. Ssafer 683/ 27. April 1284 Von Erdebil hatte er Kurmischi, den Sohn Alinak's, an den Vater mit dem Befehle gesandt: die Schlacht nur zu wagen, wenn er dem Feind an Macht überlegen, sonst aber seine Ankunft abzuwarten. Er brach von Erdebil auf, nachdem er bei dem Gepäcke den Abukjan zurückgelassen. 18. Ssafer/ 7. Mai Arghun hatte seinerseits einen Boten an den Emir Newrus gesendet, um ihn mit einem Tomane der Karawinas in's Feld zu laden, und zugleich den Hindu Nujan zu erscheinen aufgefordert; er selbst verheerte mit achttausend Mann das Land. Zu Chiel büsürg stiessen die Vorposten der beiden Heere auf einander und in der Ebene von Ak Chodscha in der Nähe von Kaswin kam es zur Schlacht. Den rechten Flügel Arghun's befehligten Jula Timur und Amakadschi, den linken Bulughan; das Mitteltreffen Taulai. Auf der Seite des Chans stand im Mitteltreffen Prinz Huladschu, der zwölfte Sohn Hulagu's, der Bruder Teguder's; den linken Flügel befehligte Basaraghul und den rechten Alinak. Arghun, wiewohl ihm der Feind an Stärke bei weitem überlegen, that Wunder der Tapferkeit, wie weiland Siawesch und Rustem; aber sein linker Flügel ward von Alinak geschlagen, während Jula Timur und Amakadschi den Basaraghul's zurückdrängten. Jula Timur verfolgte hierauf den flüchtigen Basaraghul bis vor die Thore Kaswin's und verheerte das Land umher. Der Kampf dauerte von Mittag bis in die sinkende Nacht. Alinak zog sich von Dschemelabad bis nach Ebher, zehn Parasangen, zurück; da seine edle Stute in die Hände der Reiter Arghun's gefallen, sandte ihm dieser beleidigende Botschaft: Es wäre mir nie eingefallen, dass ein Held, wie du, vor einem Haufen, wie die unserigen, wie Schafe vor dem Gebrülle des Löwen fliehen und dass dein edles Pferd wie eine Saummähre erbeutet werden würde. Als Arghun zu Rei und Tehran, riethen ihm seine Emire, sich nach Kaliusch, das ober Dschadscherm, zurückzuziehen, wo sie Meister vortheilhaften Schlachtfeldes und vor den Thoren ihre Zelte sein würden. Als sie aber nach Demaghan kamen, trafen sie keinen Mann der Karawinas, auf deren Beistand sie gerechnet hatten, und erhielten die Nachricht, dass das Heer Arghun's gänzlich geschlagen und zerstreut worden sei. Die Karawinas waren in der Ebene von Akchodscha angekommen, als die Schlacht schon verloren war; sie verheerten also blos das Land und verbrannten Demaghan.
Die Landschaften Kumis und Taberistan; die Scheiche von Semnan, Demaghan und Bostam.
Der Schauplatz, in welchem der Krieg zwischen Teguder und Arghun jetzt geführt ward, sind die beiden Landschaften Taberistan und Kumis, welche nördlich von Masenderan, westlich vom persischen Irak, östlich und südlich von Chorasan begränzt, insgemein von den Reisebeschreibern zu dem nördlichen Chorasan gerechnet werden, wiewohl alle morgenländischen Erdbeschreibungen dieselben als zwei besondere Landschaften aufführen; sie ziehen sich längs des Gebirges hin, so dass Taberistan die untere südwestliche, unmittelbar an das Gebiet von Tehran stossende, Kumis die nordöstliche obere. In der ersten lagen einige der berühmtesten Schlösser der Assassinen, deren schon bei der Eroberung derselben durch Hulagu Erwähnung geschehen, wie Firuskjuh, d. i. der Glücksberg, und Girdkjuh, d. i. der Gürtelberg; die Hauptstadt ist Demawend, gleichen Namen mit dem Berge führend, in dessen Klüfte die persischen Heldensagen den Kerker des von Dämonen gefolterten Tyrannen Sohak verlegen; das Gebirgsland Taberistan mit seinen Felsenpässen, deren berühmtester der kaspische (wahrscheinlich der südliche Pass von Charwar), liegt dem persischen Oesterreich (Chorasan) wie Tyrol dem europäischen Chorasan (Oesterreich) als Schutzwehr vor[642]. Das obere Gebirgsland Kumis zerfällt in vier Distrikte von Schahrud, Semnan, Demaghan, Bostam, wovon der erste nach dem Berge und Flusse so genannt ist, die anderen drei aber nach den gleichnamigen Städten. Semnan, die südwestlichste dieser drei Städte, am Rande der Wüste, unmittelbar nach dem Austritte aus dem kaspischen Passe, gelegen[643], kleiner als Demaghan, grösser als Bostam, ist sowohl durch seine Pistazien und Feigen, als durch den hier geborenen und begrabenen grossen Scheich Alaeddewlet Semnani berühmt[644]. „In dieser alten Stadt“, sagt Fraser, „herrscht eine wunderbare Verschiedenheit der Gebäude, grosse luftige Häuser von sonnengetrockneten Ziegeln und Lehm in der Form von Schlössern, mit Schiesslöchern, Basteien und Thürmen versehen, unstreitig von hohem Alterthume; viele tiefe Klüfte innerhalb der Stadtmauern, welche ihren Ursprung der Wirkung von Gewässern zu danken scheinen, bilden Höhlen, welche ihren Einwohnern und ihren Heerden zum Aufenthalte dienen und von ihnen den zahlreichen Ruinen ober der Erde vorgezogen werden.“ Das Bad der Stadt ward schon im sechsten Jahrhundert der Hidschret erbaut[645]. Die Inschriften anderer Denkmäler gehören der späteren Zeit, der Dynastie Ssafewi an[646]. In der Nähe ist die von persischen Geschichten und auch von Fraser erwähnte Windquelle, welche, verunreinigt, Sturm und Ungewitter verursacht[647], eine auch in Europa mehreren Quellen und Höhlen auf hohen Gebirgen gemeinsame Volkssage[648]. Demaghan, deren Erbauung von persischen Geschichtschreibern und Geographen dem Huscheng, dem zweiten der alten persischen Könige, zugeschrieben wird (der erste Keiomeers, der Stiermann des Budehesch), an dem Zusammenlauf der Strassen von Chorasan, Kuhistan, Masenderan und Irak gelegen, stand wahrscheinlich an der Stelle des alten Hekatompylos, der Stadt von hundert Thoren oder Pässen[649], in dessen Nähe der Fluss Stiboetes aus einer schönen Felsenhöhle entsprang[650]; diess ist der von den morgenländischen Erdbeschreibern gerühmte Chosrewi, welcher sich in hundert und zwanzig unterirdische Bäche vertheilt[651]; die Stadt liegt heute in Ruinen; das berühmteste Grabmal ist das der vierzig Köpfe oder Töchter[652], und von den berühmtesten Scheichen der Ssofi ist Ebu Dschaafer Demaghani nach der Stadt genannt[653]. Von den Scheichen von Demaghan und den von Semnan geht weit im Rufe der Heiligkeit und Wunderthätigkeit der Scheich Ebu Jesid von Bostam, der dritten Hauptstadt von Kumis, vor. Schon in der Hälfte des dritten Jahrhunderts der Hidschret gestorben[654], war er der Stifter des nach seinem Namen genannten Ordens der Derwische Bostami; auch als Geburtsort späterer Gelehrten ist Bostam berühmt[655], aber doch keiner, wie der Scheich Ebu Jesid oder Bajesid, von dem die Antworten auf die Frage: wo sein Vaterland? Mein Vaterland ist unter dem höchsten Himmel, und auf die Frage: Wie bist du zu Gott gelangt? Indem ich über mich hinausgegangen; und dessen Sterbegebet: Mein Gott! was ich in meinem Leben zu dir gebetet, war lauer Vollzug von Gebot, und wenn ich dir gedienet, war's flauer Dienst in der Noth[656].
Unterhandlungen und Marsch durch Kumis.
Arghun, als er auf seinem Rückzuge nach Bostam gekommen, wallfahrtete zum Grabmale des Scheichs Ebu Jesid, während Ahmed Teguder seinerseits am Grabe des Scheichs Babi den Beistand desselben erflehte, eine Wallfahrt, die von diesem, der den Islam angenommen, natürlicher, als von jenem, der kein Moslim war. Teguder befehligte seinen Bruder Huladschu mit einem Tomane nach Rei, und befahl dort allen Befehlshabern des Heeres, eine Schrift zu unterzeichnen, dass sie Niemanden gehorchen würden, als dem zum obersten Feldherrn ernannten Bugha; Alle unterschrieben bis auf Alinak. Zwei Gesandte Arghun's, Kotloghschah[657] und Legsi, kamen nach der Ebene von Akchodscha bei Kaswin, um Frieden zu bitten und sich über die Streifzüge der Truppen Teguder's, welche das Land weitum verwüsteten, zu beklagen. 28. Ssafer 683/ 13. Mai 1284 Teguder verwies die Gesandten an den Inhaber des Diwans, Schemseddin; dieser aber trug vor: Es sei unmöglich, dem Rauben des Heeres Einhalt zu thun, indem diese Streifzüge die Vorspiele des Krieges; auch Jagdvögeln sei Beute lieber, als täglich zugemessene regelmässige Fütterung. „Diese Gedanken des Inhabers des Diwans“, sagt Wassaf, „brachten demselben kein Heil und das Reich ward schnell dem Verderben zu Theil.“ Alle Entschuldigungen, welche die Gesandten Arghun's vorbrachten, blieben unbeachtet, und der Sultan (Ahmed) befahl abermal dem Heere, in's Feld zu ziehen. Ssadreddin und Assileddin, die zwei Söhne des grossen Astronomen Nassireddin von Tus, welche, wenn nicht die astronomische Wissenschaft des Vaters, doch die astrologischen Verrichtungen geerbt hatten, stellten vor, dass die Gestirne den Auszug eines Heeres nicht begünstigten, worüber Ahmed ungnädig auf sie. Arghun empfing im Dorfe Surch[658], in der Nähe von Semnan, seinen Sohn Ghasan und Omer Aghul, den Sohn Niguder's, des Enkels Dschaghatai's, aus dessen erstgeborenem Sohne Dschudschi, gleichnamig mit seinem Oheime Dschudschi, dem erstgeborenen Sohne Tschengischan's; mit ihnen stellten sich Nokai, der Jarghudschi, d. i. der Oberrichter, und Sischi Bachschi, d. i. der Staatssekretär, zum Dienste Arghun's ein. Zur Erwiederung der Gesandtschaft Arghun's sandte Ahmed die Prinzen Toghatimur (den vierzehnten Sohn Hulagu's), welcher, wie sein Bruder Huladschu, im Interesse ihres Bruders Teguder, und Suke, den dritten Sohn Jaschmut's, des dritten Sohnes Hulagu's, mit den Emiren Buka und Doladai Jarghudschi mit der Botschaft, dass, wenn Arghun unterthänig, er selbst kommen oder den Bruder Kendschatu senden möge. Buka stellte dem Sultan vor, dass, da er nun unterhandle, er nicht weiter marschiren dürfe; und Ahmed antwortete: dass er zu Charkan ihre Ankunft abwarten wolle. 14. Rebiulewwel 683/ 1. Juni 1284 Er zog ihnen verheerend über Demaghan nach, dessen Einwohner vielfältig gepeinigt wurden; fünf Tage hernach war er zu Charkan angelangt, welches ein zu Bostam gehöriges Dorf, nur als Geburtsort und Grabstätte des Scheichs Ebul Hasan Charkani berühmt[659]. 20. Rebiulewwel/ 7. Juni 1284 Der Emir Dschirkudai, sein Bruder Jesuder und Bulughan, der Statthalter von Schiras, brachten ihre Huldigung dar. Zu Charkan machte Ahmed keineswegs Halt, wie er seinem Gesandten Buka versprochen, sondern sandte den Alinak mit dem Vortrab weiter voraus[660]; 28. Rebiulewwel/ 15. Juni er selbst lagerte acht Tage hernach zu Kalpusch und drei Tage später zu Kebud Dschame, d. i. Blaukleid, einem zum Gebiete von Dehistan (dem alten Sitze der Dahen) gehörigen Orte, das reich an Korn, Trauben und Seide[661]. Zwar kam die Wesirschaft Ahmed's, nämlich die beiden Prinzen Toghatimur und Suka und die beiden Emire Buka und Doladai, zurück und brachten Kendschatu, den Bruder Arghun's, mit sich[662]; mit ihnen trafen die Emire Newrus und Buralighi als Gesandte Arghun's ein. Buka zürnte darob, dass Ahmed nicht seinem gegebenen Worte getreu zu Charkan Halt gemacht; er deutete diese Wortverletzung unglücklich für Ahmed und glücklich für Arghun aus. Newrus und Buralighi kehrten unverrichteter Dinge zurück. 3. Rebiulachir Drei Tage hernach ward von Kalpusch aufgebrochen; die Emire Jula Timur und Imkadschin, der Sohn Suntai's, brachten ihre Huldigung dar. Ahmed, ungeduldig des Verzuges, gab dem Akbuka die Stelle Buka's und machte diesen dadurch um so mehr im Herzen dem Arghun zugethan.
Arghun zu Kelat; ergibt sich.
Arghun hatte sich indessen mit nicht mehr als hundert Begleitern von den Fürsten seines Gefolges über Meschhed hinaus in das feste Schloss Kelat geflüchtet[663]; dieses bis in die neueste Geschichte als der Schatzhort Nadirschah's berühmte feste Schloss spielt schon in der Geschichte der ersten moslimischen Dynastien Persiens eine bedeutende Rolle. Otbi[664], der Verfasser des Jemini, d. i. der durch ihren rednerischen Schmuck berühmten Geschichte Mahmud's, des Sultans von Ghasna, Eroberers Indiens, malt die Höhe desselben durch das Distichon:
Wind ermüdet, indem er will die Zinnen erklimmen, Und es gleitet das Aug' nieder von schwindelnder Höh'.
Dieses Bergschloss liegt zwischen Kasermian, Serchas, Abiwerd und Tus in schönem und fruchtbarem Thale, welches fünfzig bis sechzig englische Meilen lang, zehn bis fünfzehn breit, von Osten nach Westen zieht und von den Hügeln, welche die Ebene Meschheds von der Wüste trennen, eingeschlossen wird. Der Anblick des Thales ist reich und grün, es hat Ueberfluss an Pferden und Wildpret und wird ausser dem Strome, welcher dasselbe der Länge nach durchfliesst, noch von kleinen, in Cascadellen die Hügel herabströmenden Bächen bewässert; aber alle diese Wasser sind schädlich und im Herbste sogar tödtlich, wesshalb das Regenwasser zum Trinken in Cisternen gesammelt werden muss[665]. In diese durch Natur unbezwingliche Bergfeste schloss sich Arghun mit Bulughan, der geliebtesten seiner Frauen, ein. Der Emir Newrus, als er Kunde erhielt, dass Alinak wider das Schloss im Anzuge, bat kniend, Arghun möge über den Oxus ziehen und in dem Jurte Kuwindschi's (des zwölften Sohnes Scheiban's, des fünften Sohnes Dschudschi's) Zuflucht suchen. Arghun gab dem wohlgemeinten Rathe kein Gehör; Legsi, welchen wir oben als Gesandten Arghun's an Ahmed kennen gelernt, ging zu diesem über und erbat sich ein Heer, mit welchem er ihm den Arghun zu liefern versprach. Ahmed gab ihm Truppen, mit denen er das Lager der Frau Kotlogh Chatun, der Gemahlin Arghun's, plünderte. Der Emir Newrus kam, um ihn zur Rückkehr zu bewegen; Legsi ergriff die Zügel seines Pferdes, um ihn mit sich zum Sultan zu führen; aber Newrus legte die Hand an's Schwert, betheuernd, dass er, so lang er athme, den Dienst Arghun's nicht verlassen wolle; Legsi liess ihn frei und brachte die Beute des Lagers der Frau Kotlogh in das Ahmed's zurück, der ihn davon reichlich betheilte. Alinak war indessen vor Kelat angekommen und hatte den Arghun beredet, ihm in das Lager des Oheims, der ihm nichts Uebles wolle, zu folgen. 13. Rebiulsani 683/ 29. Juni 1284 Ahmed umarmte ihn, küsste ihn und übergab ihn der Obhuth Alinak's; dieser stellte vor, dass jetzt der Augenblick, sich des Feindes zu entledigen; aber Ahmed, der, ganz der Liebe seiner neuen Gemahlin Tudai hingegeben, für nichts Anderes Sinn hatte, sprach: Was kann er ohne Heer und Schatz unternehmen? Ich will die Frau Kutui (seine Mutter), wenn ich sie sehe, um ihre Meinung hierüber fragen. Indessen befahl er doch, die Emire Arghun's, Sischi Bachschi, Kadan, Buraligh fest zu setzen, von seinen eigenen einige[666], weil sie dem Arghun ergeben, hinzurichten. 16. Rebiul. II./ 2. Juli Er wollte eben aufbrechen, als er auf Bitte Buka's, dass er erlauben möge, die Vermählung seiner Tochter mit Kipdschak Kaghul, einem Abkömmlinge Dschudschi Kasar's, des Bruders Tschengischan's, zu feiern, noch zu bleiben beschloss. Arghun war in die Seele betrübt, indem er unglücklichen Ausgang seines Schicksals fürchtete. Da sprach ihm die Frau Bulughan, welche seine Gefangenschaft getheilt und welche auch von Ahmed gnädig empfangen worden war, indem er ihr selbst den Becher reichte[667], Trost ein. Er versprach ihr, dem Arghun die Statthalterschaft von Chorasan zu verleihen, und verlieh ihm ein kaiserliches Zelt. Ganz in dem Genusse der Frau Tudai schwelgend, hatte Ahmed keinen Sinn für die Wichtigkeit des Augenblicks, oder die Gefahr, die ihm von den nächsten Umgebungen drohte; er befahl jedoch dem Alinak, den Arghun nach dem Aufbruche des Lagers hinzurichten[668]. In der nächsten Nacht „sollte das Zelt seines Lebens abgebrochen werden, als durch eine unvorgesehene Wendung der Dinge der arabische Spruch, welchen Bulughan dem Arghun zu Gemüthe führte: dass die Nächte, schwanger, gar Vieles vor dem Morgen gebären, auf das glücklichste ausging“.
Verschwörung Buka's und Ermordung Teguder's.
Buka, welcher wider Ahmed den doppelten Groll ob gebrochenem Wort und genommenem Oberbefehl nährte, vermochte mehrere Emire[669] zu einer Verschwörung wider Alinak und Ahmed, indem er sie versicherte, dass dieser beschlossen, sie an der Gränze von Isferain hinrichten zu lassen; auch den Prinzen Huladschu, den Bruder Ahmed's, brachte er auf seine Seite. Sie beriethen sich zuerst über das Mittel, sich Alinak's zu entledigen. Buka sandte durch einen Vertrauten Arghun's demselben Wort, diesen Abend den Alinak zu begehren, und zwei der Verschworenen[670] nahmen es auf sich, desgleichen die Emire Karabuka und Taitak zu berufen. Nach dem Nachtgebete begab sich Buka, von drei Reitern begleitet, in den von Wachen besetzten Umkreis des Zeltes Arghun's und sandte einen hinein, um den Prinzen leise zu wecken. Arghun glaubte, es sei List und Verrätherei; als ihm aber dieser schwur, dass Nichts zu fürchten und dass Buka als treuer Diener ihn als seinen Herrn zu retten gekommen, schloss sich Arghun an denselben an. Als sie um den dritten Kreis der Umzäunung[671] kamen, rief sie eine Wache an: Wie ist's, dass ihr ginget vier hinein und kommet fünf heraus? Du irrst dich, Freund, sagte Buka, deine schlafbenebelten Augen haben ehe um einen zu wenig gezählt. So kamen sie glücklich durch in's Zelt Buka's. Arghun ward bewaffnet, auf ein Pferd gesetzt, und sie begaben sich in das Zelt Alinak's, der im Rausche abgethan, sein Kopf vor's Zelt geworfen ward. 18. Rebiulachir 683/ 4. Juli 1284 In derselben Nacht wurden Boten an Huladschu und Bektu abgesandt, die sich zu Firuskjuh befanden, dass jene an Basar Aghul und Abukjan thun möchten, wie sie an Alinak und Taitak gethan; in derselben Nacht wurden auch Karabuka und andere Emire ergriffen und am nächsten Morgen hingerichtet. Ahmed befand sich im Lager der Tudai mit dem Prinzen Kinschu (dem Sohne Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's) und den Emiren Akbuka und Legsi, als er die Nachricht erhielt, dass alle seine Treuen getödtet; er unterhielt sich zu Kalpusch noch mit der Frau Tudai und floh dann auch von Isferain gegen Kumis und Irak. 19. Rebiul. II./ 5. Juli Die Verschworenen hatten ihrerseits den Buri, den Vogt, nach Issfahan an die Karawinas, die zu Siakuh hielten, abgesandt, dass sie aufsitzen und den Ahmed ergreifen sollten. Dscherik, der Emir des Lagers des hingerichteten Prinzen Konghuratai, wurde zur Blutrache seines Herrn mit viertausend Reitern dem Ahmed nachgesandt, und Doladai, der Oberrichter, machte sich an der Spitze von vierhundert auf den Weg. Die Prinzen Huladschu und Kinschu huldigten dem Arghun zu Charkan; die Emire berathschlagten nun über die Wahl des Chans. 24. Rebiul. II./ 10. Juli Buka erklärte sich laut für Arghun, während sein Bruder Aruk und Kurmischi für Dschuschkab, den Bruder Kinschu's, Tekia für Huladschu stimmten. Buka legte die Hand an's Schwert und schwur, dass, so lang er es führe, es nur für Arghun und seine Feinde dienen solle. Sie fragten nun den Tengir Gurgan, den Gemahl der Prinzessin Tudukasch, der vierten Tochter Hulagu's, und den Vater Kotloghschah's, der Gemahlin Arghun's, um den letzten Willen Abaka's. Er bezeugte: er habe zu seinem Nachfolger seinen Bruder Mengu Timur und nach dessen Tode den Arghun ernannt. Arghun bat mit der bei mongolischen Thronbesteigungen hergebrachten verstellten Bescheidenheit, dass man ihn mit dem Throne verschonen und die Statthalterschaft Chorasan, wie bei seines Vaters Lebzeit, lassen wolle. Buka brachte die Entschuldigungen zum Schweigen, indem er sagte: das erste sei, sich der Person Ahmed's zu versichern, worauf dann mit Beiziehung des Raths der Frau Oldschai (der Gemahlin Hulagu's und dann Abaka's) einer der Prinzen zum Chan ausgerufen werden solle. Aruk und Dschuschkab zogen mit dem Vortrab voraus, Huladschu, Kinschu und Bektu folgten mit dem schweren Gepäcke. Zu Konkurlang bei Tebris wurde das Haus Buka's geplündert, sein Harem auf Sundschak's Fürbitte verschont. 27. Rebiul. II./ 13. Juli Ahmed, der noch gekommen, seine Mutter Kutui zu sehen, wollte nach Derbend entfliehen; aber Schiktur und Karabuka sandten Botschaft an Kutui Chatun, dass es der Prinzen allgemeiner Wille, sich der Person ihres Sohnes zu bemächtigen, und dass sie ihn bis zur Ankunft derselben hüten wollten. Die Mutter gab ihre Einwilligung. Schiktur übergab den Sultan einer Wache von dreihundert Mann. Unterdessen kamen die unverschämten Räuber, die Karawinas, an, welche Buka nach Ssugurluk gesandt hatte; sie plünderten das Harem und stiessen sogar die Mutter Kutui Chatun und die Frauen Tudai und Ermeni Chatun nackt hinaus. Arghun war unterdessen von Nemuwer vorgerückt und hatte zu Abaschur bei Jüs Agadsch gelagert. Karaukai und Schiktimur hatten mit den Karawinen den Sultan gefangen; als ihn Arghun erblickte, streckte er nach der mongolischen Sitte der siegreichen Pfeilschützen die Hände aus und schrie: Mordio![672]; er ward sogleich getödtet. Die von Ahmed verhafteten Emire: Taghadschar, Kundschukbal und Toladai erhielten nun ihre Freiheit; die Frauen und Emire waren einstimmig in der Wahl Arghun's. Ahmed wurde vor's Gericht gestellt; Bektu und der Diener Konghuratai's befragten ihn als seine Richter: warum er den Konghuratai unschuldiger Weise getödtet, dem Arghun die Statthalterschaft von Chorasan missgönnt, ihm den Alinak nachgesandt habe? Ahmed bekannte, dass er übel gethan, künftig desgleichen nicht thun wolle. Die Emire wollten sein Leben der Frau Kutui schenken, welche bei Allen in grösstem Ansehen; da erhoben aber die Mutter Konghuratai's und seine sechs Söhne Geschrei der Blutrache. Jetzt erschien Jesu Buka Gurgan, der Gemahl der Prinzessin Kutulun, der sechsten Tochter Hulagu's, und schreckte die Versammlung durch die Nachricht, dass die Prinzen Huladschu und Dschuschkab an der Gränze Hamadan's ein Heer zum Widerstande sammelten. So erging das Jerligh der Blutrache Konghuratai's, und Chan Ahmed fiel, der erste der mongolischen Herrscher, unter der Sanktion der Jasa, um das vergossene Blut Konghuratai's zu büssen; 26. Dschem. achir 683/ 10. August 1284 das Todesurtheil ward in der Nacht vom Donnerstage am zehnten August vollzogen durch Timur und Ildir, zwei Söhne Konghuratai's; sie rächten des Vaters Tod durch den des Oheims, indem sie ihm den Rückenwirbel brachen[673].
Arghun's Thronbesteigung, Gemahlinnen, Söhne, Töchter.
Schon am Tage, welchen die Nacht der Hinrichtung Teguder's heraufgeführt, hatte die Thronbesteigung Arghun's mit den gewöhnlichen Feierlichkeiten in dem Jurte Suktu statt[674]. Huladschu ergriff die rechte Hand, Inardschi die linke Arghun's; sie setzten ihn auf den Thron, vor welchem die Prinzen und Emire neunmal niederknieten, den Gürtel um den Hals, die Mützen in die Luft warfen und ihm den Becher huldigend darreichten. Die Feste hatten zu Kamsiun, welches zwischen Heschtrud und Kurban schire, statt. Drei Tage nach der Thronbesteigung kamen auch die Prinzen Kinschu und Dschuschkab, die Söhne Dschumkur's, und unterschrieben die Urkunde der Krönung. Abukjan, der Sohn Schiramun's, der Enkel Dschurmaghun's (des Befehlshabers in Persien zur Zeit Hulagu's), der Jarghudschi, d. i. Oberrichter, wurde als einer der innigsten Anhänger Ahmed's hingerichtet; allen anderen Angehörigen Ahmed's sicherte ein Jerligh das Leben und Ruhe; die Prinzen Dschuschkab und Baidu (der Sohn Tarakai's, des fünften Sohnes Hulagu's) wurden als Statthalter nach Bagdad und Diarbekr, der Oheim Huladschu und der Bruder Kendschatu nach Rum gesendet. Georgien erhielt der Oheim Adschai (der achte Sohn Hulagu's), dem Sohne Ghasan wurde die Statthalterschaft der Landschaften Chorasan, Masenderan, Kumis und Rei übertragen, die Stelle des Wesirs der Länder dem Buka, dem Hebel der Herrschaft Arghun's, verliehen, ein höchst findiger, zum Regieren tüchtiger Kopf. Nach der Sitte mongolischer Investitur wurde demselben Gold über den Kopf gestreut, Goldflittern in solchem Ueberflusse, dass er unter der angehäuften Masse derselben unsichtbar. Arghun konnte bei seiner Thronbesteigung nicht älter als beiläufig dreissig Jahre sein, da sein Vater, Abaka, vor zwei Jahren, acht und vierzig alt, gestorben war. Seine Mutter war die Beischläferin Abaka's, Kaimisch Ikadschi. Seine Gemahlinnen: 1. Die Frau Kotlogh, die Tochter Tengir's des Uiraten, welcher ein doppelter Gurgan, d. i. dem Herrscherhaus Verschwägerter, indem er selbst mit der vierten Tochter Hulagu's vermählt, des letzten Eidam und Arghun's Schwiegervater. 2. Oldschatai, die Tochter der Tudukasch, aber nicht aus Tengir, sondern aus Sulamisch, dessen Sohn, aus einer anderen Frau, nach des Vaters Tod mongolischer Sitte gemäss seine Stiefmutter heirathete, die nach dem Tode des Sulamisch noch von dessen Sohne Dschidschek Gurgan, also von ihrem Enkel, geheirathet ward[675]. 3. Die Frau Uruk, die Tochter Sarudsche's, der Schwester Emir Irindschin's, des Keraiten. 4. Die Frau Seldschuk, die Tochter Sultan Rukneddin's von Rum. Aus dem Frauengemache seines Vaters nahm er 5. die Frau Bulughan, die Verwandte des Buka Jarghudschi, und nach ihrem Tode 6. die Frau Bulughan, die Tochter Utaman's, des Sohnes Obotai Nujan's des Konghuraten[676]. So war 7. die Frau Mertai die Konghuratin, die Gemahlin Hulagu's, in das Harem seines Sohnes Abaka, aus diesem in das Arghun's als Frau übergegangen, so dass dieselbe Stief- und Grossmutter ihres Gemahls. 8. Tudai Chatun, die Tochter Musa Gurgan's (des Enkels Tschengischan's) aus Tarakai, der fünften Tochter Hulagu's. Die Leidenschaft, mit welcher Teguder Tudai geliebt, hatte ihn über die Gefahren, die seinem Throne drohten, verblendet. Tudai, die Enkelin Hulagu's, die Gemahlin Teguder's (ihres und Arghun's Oheim's), war also zugleich die Base, Tante und Gemahlin Arghun's. 9. Kultak Ikadschi, die Mutter seines Erstgeborenen, Ghasan, dessen drei Brüder Jesu Timur, Oldschaitu (beide aus der Frau Uruk) und Chatai Aghul aus der Frau Kotlogh; dann vier Töchter, Oldschatai, Oldschai Timur, Kotlogh Timur (alle drei Töchter der Frau Uruk) und Dilendschi, Tochter der zweiten, vor allen anderen Frauen geliebten Bulughai.
Schemseddin Dschuweini zu Kum.
Nach dem Herrscher Arghun und seinem Wesire Buka[677], der ihn auf den Thron gesetzt, steht ein Grösserer als Beide vor uns, nämlich der flüchtige Wesir Schemseddin Dschuweini, dessen Auslieferung Arghun zu wiederholtenmalen vergebens von Teguder begehrt und welchen sein Feind Medschdolmülk nicht nur treuloser Verwaltung der Krongüter Abaka's, sondern auch der Vergiftung desselben und des Bruders Mengu Timur angeklagt. Nachdem Alinak getödtet und Teguder geschlagen worden, hatte Schemseddin von Dschadscherm, wo er sich befand, auf einem Dromedare mit ein Paar Dienern sich durch die Wüste nach Issfahan geflüchtet. Die Einwohner, sobald sie von der Umwälzung der Dinge Kunde erhalten, beriethen sich mit dem Atabeg von Jesd, welchen der Statthalter von Issfahan als einen dem Arghun Ergebenen während der Regierung Teguder's in Verhaft gehalten, was zu thun. Schemseddin, hiervon benachrichtigt, begab sich unter dem Vorwande, zu einer Grabstätte zu wallfahrten, ausser der Stadt und entfloh auf trefflichen Rennern nach Kum, sich in das Heiligthum des Grabes der Schwester des Imams Risa flüchtend. Dieses Grabmal ist seit einem Jahrtausend die sichere Freistätte Unschuldiger und Schuldiger, die in die Mauern desselben flüchten. Die Heiligkeit derselben wurde von den Mongolen, wie von den früheren Herrschern Persiens, den Seldschuken und Bujiden, wie von ihren Nachfolgern, den Herrschern der Dynastie Ssafewi und der regierenden der Katscharen, hoch geachtet. Die Pracht desselben hat Chardin ausführlich beschrieben, und noch heute prangt dasselbe mit silbernen Gittern und goldbeschlagenen Thoren, und den Schatz, dessen Reichthum sich vorzüglich von den Schahen der Familie Ssafewi herschreibt, haben reiche Opferspenden Feth Alischah's vermehrt. Er opferte hierher einen Kopfschmuck seiner Mutter, wie einst Crösus[678] das Halsband und den Gürtel seiner Gemahlin nach Delphi. Feth Ali jagte nie in der Umgegend, ohne den Umgang um das heilige Grab, von welchem die Stadt auch die heilige heisst, zu verrichten. Wie vor sechsthalbhundert Jahren Schemseddin Dschuweini hier Zuflucht gesucht und gefunden, so in unseren Tagen der von Feth Alischah und dann von seinem Enkel, dem regierenden Schah, verungnadete, in Morier's Hadschi Baba nach dem Leben geschilderte Botschafter Mirsa Abul Hasan. „Die Stadt ist heute“, sagt Morier, „nur durch drei Dinge merkwürdig: durch die vergoldete Kuppel des Grabmals, durch die zahlreichen Märkte und durch ihre Ruinen“; denn der Umfang der Mauern betrug ehemals vierzigtausend Ellen, das ist um vierzig Ellen mehr, als die von Kaswin[679]. Kum ward im Beginn des achten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung[680], als Hidschadsch, der tyrannische Statthalter von Irak, das Heer Abderrahman Asker's schlug, aus sieben Dörfern, deren Vorsteher getödtet worden waren, in eine Stadt vereint, deren sieben Viertel jene sieben Dörfer und deren eines der Stadt den Namen gab[681]. Von derselben erhielten hernach, als persischer Kunstfleiss und Handel im höchsten Flore, die schöngewirkten seidenen Stoffe den Namen Kumasch, den dieselben noch heute führen; sie ist so berühmt durch ihre luftigen hohen Cypressen und ihre blauen leichten Trinkkrüge[682], als das benachbarte Kaschan durch sein Fayence und seine Scorpionen und Giftspinnen, als der Geburtsort des grossen Geschichtschreibers Abderresak, des Verfassers des Aufganges zweier Glücksgestirne (der Geschichte Timur's und seines Sohnes Schachroch), und des letzten Dichterkönigs Feth Ali Chan, des Sängers des Heldenbuchs[683] Feth Alischah's. In dem Heiligthume Kums sammelten sich um Schemseddin seine Freunde, deren Meinung dahin ging, dass er sich nach Hormusd retten solle, von wo ihm der Weg weiter nach Indien offen. Ich kann, antwortete ihnen Schemseddin, meine Söhne nicht in den Händen der Mongolen zurücklassen; das Besste ist, ich begebe mich zu dem Dienste der Majestät, welche mir vielleicht Emir Buka, der mein alter Freund, versöhnen wird; wenn nicht, so geschehe, was Gott will. Unschlüssig verweilte er einige Tage, als von Seiten des Chans Melik Imameddin von Kaswin und Jusufschah, der Atabeg Grossluristans, erschienen.
Schemseddin durch Jusufschah von Luristan geholt und angestellt.
Von Jusufschah, dem Atabeg Grossluristans, ist unter der Regierung Abaka's erzählet worden, wie er, dessen treuer Hilfsgenosse, im Feldzuge wider Borrak auf dem Rückmarsche den Chan aus den Händen von Strassenräubern gerettet, von demselben Vergrösserung seiner Länder erhalten hatte. Demselben und seinem Sohne Arghun dankbar ergeben, hatte er, der Aufforderung Teguder's, ihn mit einem Heere zu unterstützen, nur nothgedrungen Folge leistend, zweitausend Reiter und zehntausend Fussgänger in's Feld gestellt. Nach der Niederlage Teguders brach das Heer gleich bei Tabs in die Wüste ein, um auf dem kürzesten Wege Luristan zu erreichen; diese Unvorsichtigkeit kostete dem grössten Theile das Leben; es war das erste Unglück, das den Atabegen Jusufschah betroffen. Jetzt sandte ihn Arghun an den vorigen Inhaber des Diwans, um denselben nach Hof zu bringen. Arghun's Politik war eine (wenigstens dem Scheine nach) versöhnliche; er sandte an alle Prinzen und Prinzessinnen Gesandte mit Geschenken, um sich dieselben zu verbinden; so dem Huladschu einen Sonnenschirm, „welcher“, sagt Wassaf, „wie die Flügel des Königsgeiers schattete und dessen Glanz, wie das Licht der Sonne, nie ermattete“, um ihn nach Hof einzuladen, denn Huladschu machte Miene von Unzufriedenen. Huladschu gab dem Botschafter keine andere Antwort, als die Frage: Wie weit wird Arghun's Engbrüstigkeit noch gehen? Er zog sich nach Kirbanschir in's Haus Argasun's zurück, und Dschuschkab brach gegen Hamadan auf. Da sie auf wiederholte Aufforderungen nicht erschienen, schwur ihnen Arghun:
Im Namen dess, der Mond, Saturn und Sonn' erhöht, Der schirmt das Diadem der Majestät,
dass er sie als Prinzen behandeln, sie mit Gnaden überhäufen werde. Er gab jedem derselben Mütze und Gürtel, und sie verbanden sich ihm als Vasallen; mehrere der ersten Emire Ahmed's, vor den Gerichtshof von Tebris gestellt, wurden freigesprochen und erhielten Aemter[684]. Jusufschah von Lur, welchem Schemseddin seine Tochter Dewlet Chatun zur Gemahlin gegeben[685], führte denselben mit sich an den Hof Arghun's. Noch auf dem Wege von Sawa kam ihnen der Emir Kumari mit einem Diplome entgegen, wodurch alles Vergangene verziehen und vorige Gnade verliehen ward. Sogleich erliess Schemseddin Rundschreiben an alle Befehlshaber Iraks, um denselben seine Wiederaufnahme in die Gnade des Chans zu künden. 10. Redscheb 683/ 21. Sept. 1284 Freitags in der Herbst-Tag- und Nachtgleiche traf er zu Kurban Schire ein und begab sich sogleich zu Buka, mit welchem er früher in freundschaftlichem Verhältnisse gestanden. Der gegenseitige Empfang war voll Freude und Freundlichkeit (aber wohl von beiden Seiten verstellter). Am nächsten Tage stellte ihn Buka der Majestät vor. Arghun empfing ihn weder gnädig noch ungnädig, ohne Zeichen von Gunst oder Abneigung, setzte ihn aber in seine vorige Stelle als Wesir des Diwans gemeinschaftlich mit Buka ein. Schemseddin erklärte öffentlich: er wolle nur der Stellvertreter Buka's im Diwane sein; als aber von allen Seiten wieder Wünsche und Geschenke dem vorigen Inhaber des Diwans zuströmten, ward Buka's Eifersucht und Gier nach ausschliesslicher Herrschaft schon nach Einer Woche rege; er sandte Ali, den Temghadschi (Stempeleinnehmer), nach Tebris, um Jahja, den Sohn Schemseddin's, und dessen Güter einzuziehen. Fachreddin Mestufi und Hosameddin Ssahib, zwei Untergebene Schemseddin's, schmiedeten wider denselben Ränke und bliesen Buka's Neid und Eifersucht zu vollen Flammen auf, indem sie ihm vorstellten, dass seine Machtvollkommenheit nur ein Schatten, so lang Schemseddin dieselbe mit ihm theile. Buka warf seinerseits Saamen des Verdachts in die Seele Arghun's, indem er ihm vorstellte, dass von dem Verräther seines Vaters keine guten Dienste zu erwarten seien. Sogleich ward Bakdai Aidadschi dem Schemseddin an die Seite gegeben, und zu Audschan erging der Befehl, demselben zweitausend Tomane abzufordern und ihn an Buka zu senden. Schemseddin antwortete: Ich bin kein Thor, der das Geld bezahlt statt es auszugeben; ich bin nicht im Stande, tausend Goldstücke aufzubringen; und dem Buka schrieb er: O Emir Buka, lehre nicht den Padischah, Wesire zu tödten, denn heute mir und morgen dir. Doladai und Kadan wurden gesandt, ihn gerichtlich zu verhören.
Schemseddin's Hinrichtung.
Schemseddin antwortete auf die wider ihn vorgebrachte Anklage der Veruntreuung von Staatsgeldern und von Verrätherei, dass, was den Abgang des Staatsschatzes betreffe, er die Verzeihung des Padischah hoffe, dass er aber unschuldig des geringsten Verdachts von Verrätherei. Als ihm als schuldig Erkanntem die Hände nach mongolischer Sitte gebunden worden, erscholl das Geschrei der Türken und Perser: warum man die Nahrungsquellen der Völker binde! Zu Minia, in der Nähe von Ebher, der nördlich von Kaswin gelegenen Stadt, ward ihm das Todesurtheil verkündet. Er verrichtete sogleich die gesetzliche Abwaschung, stach in den Koran, den er bei sich trug, das Loos, begehrte Tintenzeug und Feder, setzte seinen letzten Willen für die Söhne auf, und schrieb an die Gesetzgelehrten von Tebris: „Als ich den Koran zum Loosaufstechen genommen, ist folgender Vers gekommen: Die da sagen, Gott nur sei Herr, und wandeln auf geraden Pfaden, über sie werden Engel niedersteigen und sagen: Betrübt euch nicht und fürchtet euch nicht, ich gebe euch die frohe Kunde des Paradieses, das euch versprochen worden. Da Gott der Allmächtige diesen seinen Diener in dieser vergänglichen Welt immer wohlgehalten, so gestalten, dass er ihm keinen seiner Wünsche versagt und ihm sogar die frohe Kunde künftigen Lebens zugesagt, so muss man den Mewlana Mohijeddin, den Mewlana Efdhaleddin, den Mewlana Schemseddin, den Mewlana Hemameddin und den grossen Scheichen, welche aufzuzählen hier zu lang und hier nicht der Ort wäre, diese gute Kunde geben, damit sie wissen, dass ich aller Anhänglichkeit an die Welt entsagt habe und mir mit ihrem guten Gebete helfen möge[686]. Sie sollen meine Söhne grüssen, die ich Gott dem Herrn als Unterpfand empfehle; denn Gott verliert nicht die ihm anvertrauten Pfande. Ich hoffte sie noch einmal zu sehen und ihnen mündliche Lehren zu hinterlassen; da diess aber mir nicht zum Loose geworden, so mögen sie (die obgenannten vier Mewlana) es an Nichts ermangeln lassen, dieselben zu beschützen, und sie zu gutem Erwerb ermuntern und nicht zugeben, dass sie das von Gott ihnen verliehene Gut vernachlässigen. Wenn mein Sohn, der Atabeg, und seine Mutter, die Frau Choschek, in ihr Haus zurückkehren wollen, so sei ihnen die Erlaubniss gegönnt. Meine beiden Söhne Newrus und Mesud sollen mit ihrer Mutter im Geleite der Frau Bulughan bleiben und an den beiden Enden meines Grabmals stehen; wenn sie für das Speisehaus und das Kloster des Scheichs Fachreddin etwas thun können, so sollen sie es unterstützen und sich dahin begeben. Ferruch und seine Mutter sollen den Atabeg begleiten, Sekeria auf den Gütern des Padischah arbeiten; die anderen Oerter habe ich dem Emir Buka vermacht, welchem sie alle Güter und Besitzungen belassen sollen; wenn er etwas davon zurück gibt, ist's wohl und gut; wenn nicht, sollen sie sich begnügen. Gott spende uns sein Erbarmen und auch seinen Segen! Ich habe jetzt mein Gemüth auf die göttliche Majestät gestellt, welche meinen Antheil nicht vergessen wolle; das Glück derselben sei beständig! Wenn Allerhöchstdieselbe meinen Söhnen etwas lassen will, sollen sie es nehmen und sich damit begnügen; wohin nur das grosse Harem von Tebris sich begibt, soll auch das meine folgen. Heil dem, der die wahre Leitung sucht!“ Dieses Schreiben warf er den zur Vollstreckung des Todesurtheils Bestellten vor; sie lasen es, ohne dass es Eindruck auf sie gemacht. Schemseddin sagte dann: „Was von dir kommt, o Herr, ist gut, sei es Krankheit, sei es Heilung“; und das Todesurtheil ward vollstreckt. 4. Schaaban 683/ 16. Oct. 1284 Vier seiner Söhne: Jahja, Ferruchschah, Mesud und Atabeg, wurden ihm sogleich in's Grab nachgesandt. Jusufschah, der Eidam Schemseddin's, kehrte auf Befehl Arghun's nach Luristan zurück, starb aber auf dem Wege dahin. Er hinterliess zwei Söhne: Edib und Ahmed, wovon der erste mit der Herrschaft Luristans belehnt ward, der zweite am Hofe Arghun's als Geissel zurückblieb[687]. Schemseddin ward mit seinen Söhnen im Viertel Dscherendab, wo schon sein Bruder Alaeddin ruhte, zu Tebris bestattet. Unter den vielen Trauergedichten, welche den Schmerz der Völker über den Sturz dieser erlauchten Familie aussprachen, ist eines der kürzesten und bessten das folgende, bei Wassaf erhaltene:
O Dscherendab, wo zu Tebris sein Grab, Der erste Regen ström' auf dich herab! Die herrlichsten Gesichter deckt dein Staub, Der grössten Männer Wangen sind dein Raub. Hier hat die Sonne[688] höchsten Punkt[689] erreicht, Hier ruht die Pleias, die Vollmonden gleicht. Es weinen über sie die sieben Sterne, In ihrem Licht und ihrer finstern Ferne Die sieben Himmel und die Erden, sieben, Der Meere und der Wochentage Sieben. Feredschullah, Jahja, Mesud, Harun (Nothdürftig beizustehen, war ihr Thun) Den Vater Mohammed so hoch geehrt, Es frass dieselben all' das scharfe Schwert. Mich hat der Schmerz des Atabegs verzehrt Wie Flamme, welche in die Höhe fährt; Und ob Ataul Melik gekränket theils, Er, der Ssahib, der Herr der Stadt des Heils, Es saget über dieser Gräber Stätte, Wer ehrt den Herrn, die frömmsten der Gebete.
Statthalterschaft von Fars.
Als Arghun nach Schemseddin's Hinrichtung nach dem im Gebiete von Arran gelegenen Palast Manssurije gekommen, kehrten die an den Grosskaan, Oheim Kubilai, geschickten Gesandten, Emir Pulad Dschingsang und zwei andere, zurück. 11. Redscheb 683/ 23. Sept. 1284 Zwischen Serah und Erdebil und Ssain wurde Kurultai gehalten, und neun Tage darauf kehrte er nach Tebris zurück; 20. Redscheb/ 2. October dann wurde das Winterquartier in Arran bezogen; und hier hatte eine der feierlichsten Gerichtssitzungen statt, indem die Wittwe Mengu Timur's, die Prinzessin Abisch, die Atabegin von Fars, wegen Veruntreuung der ihr anvertrauten Statthalterschaft vor Gericht gestellt ward. Um die Wichtigkeit des Rechtshandels in seinem ganzen Umfange zu ermessen, müssen wir den Faden der Geschichte der Statthalterschaft von Fars dort, wo wir denselben oben abgebrochen, wieder aufnehmen. Dort ist zuletzt der unruhigen Statthalterschaft Bulughan's (des Nachfolgers Taghadschar's, des Statthalters von Fars) erwähnt worden. Um die Ruhe wieder herzustellen, war Taschmenku zu seinem Nachfolger ernannt und ihm die Hilfe des Atabegen von Lur zugewiesen worden. Als seinen Vorläufer sandte er den Stellvertreter des Diwans der Krongüter, Hosammeddin, den Sohn Mohammed Ali's von Lur, voraus nach Issfahan. Bulughan liess ihn mit Gewalt aufheben und hieb ihn, alsbald er vor ihm erschienen, zusammen. Taschmenku sprach sogleich die Hilfe Jusufschah's, des Atabegen von Luristan, an, und als Bulughan sah, dass sein Platz als Statthalter wider den neu ernannten weiter nicht haltbar, nahm er, was im Schatze, und entfloh mit seinen beiden Geschäftsführern Kawameddin und Seifeddin nach Chorasan. Taschmenku beschäftigte sich mit den Regierungsgeschäften, ward aber seiner Stelle entsetzt, weil er an der Spitze der im Namen des Ilchans Ahmed erlassenen Befehle statt der hergebrachten Formel blos Ahmedaga schrieb, was wider allen mongolischen Kanzleistyl[690]. Nachdem er ein Jahr lang Fars verwaltet, wurde die Statthalterschaft der Frau Abisch, der gebornen Atabegin, Fürstin des Landes, Wittwe Mengu Timur's, des bald nach seinem Bruder Abaka verstorbenen eilften Sohnes Hulagu's, übertragen. Sie war, wie oben unter der Regierung Hulagu's erwähnt worden, ihrem Gemahle in's Lager der Mongolen gefolgt und hatte immer seitdem am Hofe verweilt, jetzt aber ward ihr die Erlaubniss der Rückkehr in's Vaterland und die Vollmacht, dasselbe im Namen des Ilchans als Statthalter zu verwalten, zu Theil; sie dankte diese Gunst hauptsächlich der Verwendung der grossen Frau Oldschai, der Mutter Mengu Timur's, welche nebst der grossen Frau Tokuschan und der Mutter Abaka's vor dreissig Jahren ihren ersten Gemahl, Hulagu, auf dem Feldzuge nach Persien begleitet hatte und als Wittwe desselben und dann seines Sohnes Abaka des grössten Ansehens genoss. Ganz Fars jubelte über die Rückkehr der Prinzessin Abisch, des letzten Zweiges des hochverehrten erlauchten Herrscherstammes der Salghuren, und der Koransvers: Ein gutes Land, ein gnädiger Herr, war auf allen Zungen. Zu ihrem Stellvertreter im Diwan ernannte sie ihren Verwandten Dschelaleddin Arkan[691] und die Wesirschaft sammt der Inhaberschaft des Diwans übertrug sie dem Chodscha Nisameddin Ebubekr, dessen schon Eingangs dieses Buchs im Gegensatze mit dem Oberrichter, dem Seid Imadeddin, Erwähnung geschehen. Die Feindschaft Nisameddin's und Imadeddin's war die Quelle, aus welcher der Strom finanziellen Unheils sich über Fars ergoss.
Die Prinzessin Abisch und dann Seid Imadeddin, Statthalter von Fars.
Nisameddin, ein fündiger Finanzmann, machte der Atabegin den Vorschlag, sich durch ein Diplom des Ilchans die Begewaltigung zur Wiedereinlösung der in fremden Händen befindlichen Familiengüter zu verschaffen. Ahmed Teguder gab in einem Augenblicke der Uebereilung das Diplom im verlangten Sinne. Nisameddin machte aber den grössten Missbrauch, indem er Krongüter und Privatgüter als Familiengüter der Atabegin ansah und einzog und die Bewohner von Schiras, Vornehme und Gemeine, wie gekaufte Sklaven behandelte. Der Beginn der Statthalterschaft der Abisch und die Finanzverwaltung ihres Wesirs Nisameddin fiel in das Ende der Regierung Teguder's. Nach der Thronbesteigung Arghun's begab sich der Seid Imadeddin, der Schützling Buka's, an den Hof, um die dem Staatsschatze, wie dem Privatvermögen so heillose Verwaltung von Fars in ihrem gehörigen Lichte darzustellen. Durch Buka's Einfluss erging ein ilchanisches Diplom, wodurch dem Seid Imadeddin die Statthalterschaft von Schiras zu Land und See, d. i. mit Einbegriff der Inseln im persischen Meerbusen, ohne Theilnehmer und Mitgenossen übertragen ward. Nach den Worten desselben war „die Schliessung und Oeffnung der Erfolge, die Bindung und Lösung der Geschäftsschreiben, die Anstellung und Absetzung der Emire dem Gutachten des Seid anheimgestellt“. Er wurde mit den beiden mongolischen Insignien übertragener Herrschaft, dem goldenen Löwenkopfe und dem goldenen Katzenkopfe, bekleidet[692]. Wenn sich diese Investitur mittels Löwen- und Katzenkopfes in Sanchoniaton oder einer anderen altägyptischen Geschichte fände, so möchten dieselben wohl im mystischen Sinn als die Köpfe von Isis und Bubastis erklärt werden; bei den Mongolen aber sind sie blos das rohe Symbol einschüchternden Herrschergrimms und einschläfernder arglistiger Schmeichelei, welche dem Mongolen für die beiden höchsten Herrschertugenden gelten. Die mongolische Gerechtigkeitshand ist die Tatze des Löwen und die Kralle der Katze. Die beiden Geschäftsleute des vorigen Statthalters Bulughan, die beiden Chodscha, d. i. Herren der Finanz, der Kämmerer Kawameddin von Bochara und Seifeddin Jusuf, waren indess von Chorasan wieder nach Fars zurückgekommen und von der Atabegin mit der Verwaltung der Finanz betraut worden. Sie erbitterten die Atabegin in voraus wider den ihr zum Nachfolger in der Statthalterschaft bestimmten Seid, und als dieser von der Gränze aus, wo die Rechnungsabforderung ihren Anfang nahm, gleich einen der Vögte der Atabegin an einen Baum hatte aufhenken lassen und der Atabegin den Befehl zugefertigt hatte, vor der Majestät des Chans zu erscheinen, stieg ihr Zorn immer höher und höher. Sobald der Seid zu Schiras angekommen, errichtete er einen königlichen Thron; acht Tage hernach hatte das feierliche Festgebet des Bairams statt, wobei die Prinzessin nicht wie gewöhnlich erschien. 22. Ramasan 683/ 2. Dec. 1284 Sie hatte erwartet, dass der Seid wenigstens die Formen beobachten und ihr schuldiger Weise aufwarten werde; als aber diess nicht geschah, war sie so zornig, dass sie vor Wuth weinte und sich in die Lippen biss[693]. Bald darauf kam die Nachricht, dass Fars von einem Einfalle der niguderischen Banden bedroht sei. Der Seid sandte der Prinzessin Wort, dass die Annäherung der Feinde zu ihrer Sicherheit erfordere, dass sie sich nach dem Schlosse Istachr (Persepolis) begebe. Sie weigerte sich dessen, weil sie fürchtete, dass der Seid sie dort einsperren wolle. Während dieser Verhandlung kehrte der Seid eines Abends mit grossem Gefolge nach Hause. Auf der Gasse kamen ihm Mamluken der Atabegin mit dem Befehle, vor ihr zu erscheinen, entgegen; die gebieterischen Worte der Mamluken entgegnete der Seid mit rauhen; der erste der Mamluken warf sich auf ihn und sie stürzten beide von ihren Pferden. Da führte Seradscheddin Fasli von Lur, welcher noch vor wenigen Tagen vom Seid mit Gnaden überhäuft worden war und auf dessen Treue, weil er der Anführer seiner Truppen, er vorzüglich gezählt hatte, den ersten Streich, und der Seid erlag alsbald den vervielfältigten Streichen der Mamluken. 21. Schewwal/ 31. Dec. 1284 Der Kopf wurde abgeschnitten, der Rumpf hingeworfen, sein Haus der Plünderung preisgegeben.
Verurtheilung der Atabegin Abisch, und ihr Tod.
Abisch liess in den Strassen von Schiras ausrufen, dass, weil der Seid in dem Lande schädliche Finanzneuerungen unternommen, derselbe auf ihren Befehl sei aus dem Wege geräumt worden; Jedermann solle seinen Geschäften nachgehen und die Stadt ruhig bleiben. Der Sturz des Seid's brachte, wie jeder Umschwung von Glücksverhältnissen, seltsame Beispiele von Undank und treuer Anhänglichkeit in Vorschein. Ein Gelehrter, welchen der Seid mit Gnaden überhäuft hatte, brandmarkte sich als einen Undankbaren, Niederträchtigen durch die Verse, die er an den Fussschämel der Atabegin schrieb:
Herrscher! deine Wange glüh' aus Freude wie Rubin, Und es sei dein Thron der allerhöchste immerhin; Jeder Kopf, der deinen Wünschen würde nicht zusagen, Sei, wie der Imadeddin's, vom Rumpfe abgeschlagen.
Das Gegenstück hierzu ist die schöne Dankbarkeit des Geschichtschreibers Wassaf, welcher seiner Erzählung ein Trauergedicht von siebzehn Distichen einverleibt hat, dessen Beginn:
Eine Sonne ging im Staube unter, Die im Ost des Glückes aufging munter. Um zu stürzen diesen Bau, o Loos! Lässt die Zügel schiessen du dem Ross.
Nach dem Tode des Seid Imadeddin wurde sein Vetter, der Seid Dschemaleddin Mohammed, welcher, mit Gnaden der Atabegin überhäuft, sich für ganz sicher gehalten, an ihre Pforte vorgeladen. Sie berieth sich mit einem ihrer Räthe über den zu fassenden Entschluss. Er rieth ihr zur Hinrichtung, zu welcher so besserer Grund vorhanden, weil er weit reicher, als Imadeddin, welcher blos als ein Opfer der Bewilderung zwischen ihr und ihm gefallen sei. Die Mamluken tödteten ihn in der Nacht und streuten am Morgen das Gerücht aus, dass er aus dem Kerker entflohen sei. Die bald hierauf erfolgte grosse Landplage der Heuschrecken wurde als eine Strafe des Himmels für den Mord der beiden Seide angesehen. Mehr als hunderttausend Bewohner von Schiras sollen an der als Folge der Heuschreckenverheerung entstandenen Hungersnoth zu Grunde gegangen sein. Der unmündige Sohn des Seid war mit einigen treuen Dienern in das Lager des Chans geflüchtet, wo er Buka's, seines Vaters Schutzherrn, Hilfe anrief. Buka trug die Vergehungen der Atabegin dem Ilchan vor, welcher sie und alle Gegner des Seid vor Gericht zu laden befahl, und zugleich zurück Botschaft an die Frau Oldschai sandte, durch deren Einfluss die Atabegin die Statthalterschaft erhalten hatte; diese überhäufte den Gesandten, der sie in's Hoflager führen sollte, mit Geschenken, folgte aber nicht. Drei Richtern[694] ward die Untersuchung über das unschuldig vergossene Blut der beiden Seide und die unrechtmässige Besitznahme von Gütern aufgetragen. Die Herren der Finanzkammer wurden in Ketten und Blöcken vorgeführt; als die Prinzessin nicht erschien, wurde Kotan Atadschi abgeordnet, um sie mit Gewalt in's Hoflager zu bringen. Als die Prinzessin Nachts in's Lager kam, führte sie der Haushofmeister Buka's in eines der Zelte seines Herrn. Dieser liess ihm aber am folgenden Tage sieben Prügel geben, weil er sich unterstanden, eine Prinzessin königlichen Geblüts in das Zelt eines Emirs Karadschu, d. i. Unterthanen, wie er, zu führen; trotz dieser dem Range der Prinzessin schuldigen wahren oder geheuchelten Ehrfurcht erhielt sie den Befehl, am folgenden Morgen vor Gericht zu erscheinen. Ihre Beschützerin, die Frau Oldschai, sprach entschuldigend für, indem sie Alles auf Dschelaleddin Arkan, den Verwandten der Atabegin, schob; die drei Herren der Finanzkammer, Kawameddin, Seifeddin und Schemseddin, erhielten jeder nach der Jasa zwei und siebzig Prügel auf die Sohlen; die Mamluken des Seid Imadeddin waren den Gerichtsdienern beigegeben, damit deren Strafe schonungslos vollzogen werde. Dschelaleddin, zu Rede gestellt, wusch sich auf Kosten der Prinzessin rein. Sie und ihre Angehörigen wurden zur Zahlung von fünfzig Tomanen Goldes (fünfzigtausend Dukaten) und zwanzig Tomanen an die Waisen der ermordeten Seide verurtheilt. Sie überlebte die Schmach dieses Urtheils kaum zwei Jahre und starb, nachdem sie deren zwei und zwanzig als der letzte Zweig der Salghuren über Fars geherrscht. 685/ 1286 Drei Tage lang wurde für sie zu Schiras in den Moscheen durch öffentliche Gebete, Lesungen des Korans und Almosen die Gebühren der Trauer, dann ihr letzter Wille vollzogen. Nach diesem wurden ihre Familiengüter in vier Theile getheilt; zwei fielen den Töchtern Prinzessinnen Gardudschan und Alghardschi, der dritte ihren Mamluken und Freigelassenen, der vierte dem Prinzen Taidschu, dem Sohne Mengu Timur's, und diesem noch ausserdem zehntausend Dukaten zu. Die Dynastie der Salghuren war in ihr erloschen und mit ihr der letzte Schatten einheimischer Herrschaft in Fars verschwunden.
Arghun's Bewegungen; Tod der Frauen Bulughan und Kotlogh; Hochzeit Tudai's.
Ordu Kia, welchen Arghun mit der Nachricht der Thronbesteigung an den Oheim Kaan gesendet hatte, kam jetzt mit der Bestätigung derselben und mit dem Dschingsangtitel für Buka zurück, und die Thronbesteigung wurde zum zweitenmale gefeiert. 27. Silhidsche 684/ 6. März 1286 Zehn Tage darnach wurden sechzehntausend vom Emir Masuk Kuschdschi, d. i. dem Vogelfänger, und vom Dschelairen Nurinaga befehligte Reiter wider die Kurden Hakari gesandt, und der Aufruhr derselben gedämpft. Die Frau Bulghan starb am Ufer des Kor (Cyrus) und ihr Sarg wurde nach dem Berge Sedschas übergeführt. 10. Ssafer 685/ 7. April 1286 Im Frühlinge kam Arghun nach Tebris und ward von Buka festlich bewirthet. 23. Ssafer/ 20. April Ende Mai's brach er von da über Meragha nach Sughurluk auf. 12. Rebiulachir 685/ 27. Mai 1286 Hier wartete ihm während des Sommerlagers der Emir Aruk, der Bruder Buka's, mit den mongolischen Sekretären (Bitekdschi) von Bagdad auf; in seinem Geleite befand sich Harun, der Sohn Schemseddin Dschuweini's. Aruk, auf die Macht seines Bruders Buka gestützt, hatte den Mestufi Seadeddin, Bruder Fachreddin's, und den Medschdeddin, Sohn Esir's, ohne vom Chan hierzu begewaltigt zu sein, hinrichten lassen. Medschdeddin gehörte einem der Krongüter Kendschatu's (des Bruders Arghun's) an, der desshalb wider Aruk erbittert, welchem auch Jesu Gurgan (der Gemahl der Prinzessin Tudukasch, der vierten Tochter Hulagu's) abgeneigt. Buka hielt seinen Bruder wider Kendschatu und Jesu Gurgan; dem ersten wurde hinterbracht: Aruk habe den Sohn Esir's auf Harun's Anstiften hinrichten lassen, wesshalb dieser dem Vater und den Brüdern in's Grab nachgesandt ward; und da Jesu Gurgan bald hernach starb, zog das Ungewitter, welches wider Buka's Macht brauste, diessmal unschädlich vorüber. Arghun Chan kam nach Tebris. 6. Schaaban 685/ 27. Sept. 1286 Zwei Monate hernach 28. Ramasan 685/ 17. Nov. 1286 kämmte er sich eines Tages zu Arran, als ihm ungewöhnlich viele Haare durch den Kamm ausgingen. Diess galt nach mongolischen Begriffen für ein Zeichen von gegebenem Gifte, und Wedschih, der Sohn Iseddin's, wurde der Beibringung von Gift verdächtig hingerichtet. 20. Silkide 685/ 7. Jan. 1287 Vierzehn Tage hernach hatte die Krönung der Frau Tudai Chatun, der Konghuratin, statt, welche, aus dem Hareme des Vaters in das des Sohnes übergegangen, nach dem Tode der Frau Mertai (der Gemahlin Hulagu's, Abaka's, Arghun's) mit dem Kopfschmucke der königlichen Gemahlinnen (Baghtak) geschmücket ward[695]. 5. Silkidsche 685/ 22. Jan. 1287 Zwei Monate hernach im Frühling begab er sich nach Pil Suwar, 19. Ssafer 686/ 5. April 1287 nach Tebris und von da in's Sommerquartier von Alatagh, 24. Reb. achir 686/ 18. Juni 1287 und im Herbste in's Winterquartier von Arran. 2. Ramasan/ 11. Oct. 1287 Im nächsten Frühjahr brachten Gesandte aus Chorasan die Nachricht, dass Kinschu (der Sohn Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's) und der Emir Newrus (der Sohn des Uiraten Arghun, des Statthalters Chorasans unter Hulagu) an der Spitze von dreissigtausend Reitern des Heeres Kaidu's (des Enkels Ogotai's) im Anmarsche gegen Persien, dass sie das Land um Balch, Merw und Schaburkan verheert, bis Chawaf und Sindschar vorgedrungen seien. 15. Moharrem 687/ 20. Februar 1288 Drei Wochen hierauf starb die Frau Kotlogh, die Tochter Tengir Gurgan's, des Uiraten, die Mutter Chatai Aghul's, des jüngsten der Söhne Arghun's. 7. Ssafer 687/ 14. März 1288 Einen Monat hernach brachten Buka's Gesandte eine von den Bekennern der Lehre Schakamuni's hoch verehrte Reliquie, welche sie Scharil nennen, nämlich ein verknöchertes Menschenherz. 7. Rebiulewwel 687/ 12. April 1288 Nach ihrer Ueberlieferung war Schakamuni's Herz nicht Fleisch, sondern Bein, welches im Feuer nicht verbrannte, und nach ihrer Meinung sind verknöcherte Herzen die grosser Männer. Arghun, welcher nicht Moslim, wie sein Oheim Teguder gewesen, sondern Götzendiener, ging dieser Reliquie mit den grössten Ehrenbezeugungen entgegen; es wurde Gold darüber gestreut, und es wurden Feste veranstaltet. Drei Wochen hernach, 30. Rebiulewwel 687/ 5. Mai 1288 als sich Arghun zu Pil Suwar befand, traf die Nachricht ein, dass Nokai, der Feldherr des Herrschers von Kipdschak, mit fünftausend Reitern aus Derbend ausgebrochen, alle Kaufleute der Gegend geplündert habe; und Arghun brach schon am nächsten Morgen an der Spitze des Heeres gegen Derbend auf, ging über den Kor und blieb zu Schamachi stehen. Buka und Kundschukbal, mit einigen Prinzen als Vortrab vorausgesandt, kamen nach einigen Tagen mit der guten Nachricht zurück, dass die Feinde abgezogen[696].