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Geschichte der Ilchane, das ist der Mongolen in Persien

Drittes Buch. (continued 2)

Reading edition

Alghui.

Alghui, der Sohn Paidar's (Peta's), der von Arikbugha eingesetzte Herrscher des Uluses Dschaghatai, hatte, als er nach Turkistan gekommen, ein Heer von mehr als hunderttausend Mann gesammelt. Sein Vetter, der Prinz Nikpei Aghul (Sohn Sarban's, des achten Sohnes Dschaghatai's), war an der Spitze von fünf tausend Mann in Transoxana eingefallen, und hatte zu Samarkand und Bochara, das damals zum Gebiete Kipdschak's gehörte, geraubt und die Angehörigen Berke's getödtet, unter diesen auch den grossen Scheich Seifeddin Bachersi. Gesandte Arikbugha's, an deren Spitze Schadi, der Sohn Jaschmut's des Arkaun, d. i. des nestorianischen Priesters, forderten vermittels Jerlighs die Zurückstellung der geraubten Güter, welche Alghui verweigerte, und eben darum die Gesandten tödtete. Hierüber ergrimmt, zog Arikbugha wider denselben; zu Karakorum forderte er die Einwohner zur Hilfeleistung auf; die Imame, die Schreiber der Christen entschuldigten sich, dass sie die Waffen nicht gewohnt, nur für den Erfolg derselben beten könnten. Einige Zeit darnach kam der Kaan, der, als er das treue Benehmen der Einwohner erfuhr, die alten Privilegien Tschengischan's und Mengku's bestätigte, sie alle zu Tarchanen (Freiherren) ernannte; Vorfälle in China nöthigten ihn, bald wieder zurückzukehren. Karabuka, der Befehlshaber des Vortrabs Arikbugha's, war von Alghui zu Sutgol, d. i. am Milchsee[437], geschlagen und getödtet worden. Alghui zog sich sorglos an's Ufer des Hile Muran; von dem Prinzen Suntai, welcher das Heer Arikbugha's befehligte, geschlagen, ging er über die Anhöhen von Timurkahalka und den Hile Muran nach Almaligh, dem Jurte Alghui's, und plünderte denselben aus. Alghui nahm seine Frau und die Truppen des rechten Flügels, welche Suntai noch nicht geschlagen, und flüchtete damit nach Choten und Kaschghar. Arikbugha brachte den Winter am Hile Muran und zu Almaligh in Festen zu, liess aber von allen Seiten die Truppen des Kaan's aufsuchen und tödten. Alghui hatte sich nach Samarkand und Bochara gezogen, wohin auch Dschumkur, der bisher von Arikbugha bei sich zurückgehaltene Sohn Hulagu's, kam, indem ihm Arikbugha, um seine Gesundheit herzustellen, sich jenseits des Oxus zu begeben erlaubt hatte. Rebiulewwel 662/ Januar 1263 Das Benehmen Arikbugha's, welcher überall die Leute des Kaan's aufsuchte und tödtete, entwandte ihm die Herzen der Bewohner und eine Hungersnoth schwächte gewaltig die Zahl seiner Truppen. Dazu kam die böse Vorbedeutung eines Sturmes, welcher das an tausend Pflöcken befestigte Herrscherzelt zusammenriss und im Ruine desselben viele Menschen erschlug. Seine Truppen zerstreuten sich nach allen Seiten, nur einige wenige blieben mit Arikbugha und Suntai zu Almaligh. Unterdessen war Uriktasch, der Sohn Mengku's, welcher es nicht, wie sein Bruder Suntai, mit Arikbugha, sondern mit Kubilai hielt, am Altai[438] und die Truppen schlugen sich zu ihm. Er sandte an Arikbugha, um ihm das grosse Siegel seines Vaters Mengku, welches bisher in Arikbugha's Händen, abzufordern, und dieser lieferte es aus. Alghui, welchem hieraus die Schwäche Arikbugha's kund geworden, zog nun wider ihn, und begehrte die Herausgabe der Frau Hirghana, der Gemahlin Kara Hulagu's, des Sohnes Muwatukjan's, welche vor einiger Zeit, um die Beschwerden Alghui's anzubringen, in's Lager Arikbugha's gegangen, von demselben zurückbehalten worden war. Er sandte sie mit ihrem Minister Mesud, dem Sohne von Jelwadsch, zurück. Alghui empfing sie ehrenvoll und bestellte den Mesud zur Verwaltung der Länder jenseits des Oxus, wo er zu Samarkand und Bochara residirte. Durch seine weise Verwaltung erstarkte der Schatz und die Macht Alghui's, der sich zu wiederholtenmalen mit dem Heere Berke's schlug, und diesem Otrar entriss; ihm gegenüber stand aber als Verbündeter, Schutzgenosse Berke's der Prinz Kaidu, der Sohn Kaschin's, des fünften Sohnes Ogotai's. Anfangs von der Partei Arikbugha's, hatte er denselben verlassen und sich zu Berke geflüchtet, der ihm sein Vertrauen schenkte, weil die Astrologen das Horoscop Kaidu's ungemein günstig und glückvorbedeutend gefunden[439]. Bald hierauf starb Alghui und durch die Bemühungen Hirghana's ward ihr Sohn Mubarekschah als Herrscher des Uluses Dschagatai anerkannt.

Kaidu.

Arikbugha, von seinem Heere verlassen, hatte sich reuig an dem Hofe des Bruders eingestellt, an welchem er nach dem mongolischen Gebrauche als Schuldiger eingeführt ward. Nach dieser Sitte wurden die Schuldigen nicht durch das gewöhnliche Thor in's Zelt zur Audienz eingeführt, sondern bei einer heimlichen Pforte hineingestossen, und statt eines Ehrenkleides mit Filz bekleidet[440]. Das offene Bekenntniss der Schuld ward gnädig aufgenommen; aber Dschingkum, der Gesandte Hulagu's, welcher gegenwärtig, rieth im Namen seines Herrn, nach der Strenge der Jasa zu verfahren und den Prinzen sammt seinen Mitschuldigen vor Gericht zu stellen; auch Dschikar, der Bruder Apuschka's, welcher durch die Hand des Prinzen Suntai gefallen, warf dem Arikbugha hartes Wort, dass er bereit sei, dessen Blut zu vergiessen, in's Gesicht. Am folgenden Tage gingen die grossen Nujane mit den Prinzen in's Gericht[441]. Auf die wider sie vorgebrachte Klage schwiegen sie alle; endlich redete sie Toman Nujan, einer der edelsten so von Gesicht als Gesinnung, an: Warum sprecht ihr nicht, ihr Fürsten! Haben wir uns nicht Alle verschworen, den Arikbugha auf den Thron zu setzen, oder mit ihm zu sterben? Nun ist der Tag gekommen, den zweiten Theil unseres gegebenen Wortes zu lösen. Arikbugha erzählte den Hergang des Aufruhrs und die Emire bekannten ihre Schuld. Kubilai wollte dennoch nicht zur Vollstreckung des Urtheils schreiten, ohne zuvor das Gutachten Berke's und Hulagu's und auch Alghui's, der damals noch am Leben, eingeholt zu haben; nur die schuldigsten der Emire wurden sogleich hingerichtet: Bulgha Nujan, der erste Hebel des Aufruhrs, Ildschetai, welcher Gurundschi, den Sohn Kadan's, verschwärzt, und Tokus, welcher das meiste Blut der Truppen des Kaan's vergossen; andere wurden nach Turkistan verbannt[442]; nur um das über die Prinzen Arikbugha und Suntai zu verhängende Loos wurden Berke, Hulagu und Alghui um ihr Gutachten befragt. Alghui erklärte, dass er sich der Meinung des Kaan's und Hulagu's, was immer sie sei, anschliesse. Hulagu billigte in Allem den Beschluss der Prinzen und des Gerichts und versprach, wenn Berke käme, ebenfalls beim Kurultai zu erscheinen. Bald nach der Rückkehr des Gesandten starb Arikbugha natürlichen Todes, und es brach der Krieg zwischen Hulagu und Berke aus. Kubilai verlieh die Herrschaft des Uluses Dschagatai, welche die Frau Hirghana ihrem Sohne Mubarekschah zugewandt hatte, dem Beirak, dem Sohne Jesun Tewa's, des zweiten Sohnes Muwatukjan's, welcher den Mubarekschah zur Abdankung bewog und sich der Zügel der Herrschaft des Uluses Dschagatai bemächtigte; aber nachdem Arikbugha und Alghui, die beiden Thronanmasser aus dem Uluse Tuli's und Dschagatai's, verschwunden, hatte Kubilai noch einen dritten aus dem Uluse Ogotai's, nämlich Kaidu, den Sohn Kaschin's, zu bekämpfen. Kubilai sandte ihm ein von seinen Söhnen Numughan und Kukistu befehligtes Heer entgegen, in welchem sich Söhne Ogotai's[443] und Arikbugha's befanden. Die Prinzen Tokatimur und Schiregi (der Sohn Ogotai's) verschworen sich mitsammen, ergriffen die beiden Prinzen, Söhne Kubilai's, und sandten dieselben an Mengku Timur, den Herrn von Kipdschak, aus; zugleich streuten sie das Gerücht aus, dass die Söhne Batu's mit den Kaidu's gemeinsame Sache machten, das aber nicht dem so. Zwar vereinten sich mit Schiregi und Tokatimur auch Sarban, der achte Sohn Dschaghatai's; aber sie wurden vom Heere Kubilai's geschlagen, und die beiden letzten entflohen nach der Landschaft Narin, wo sie am Ufer des Irtisch weilten; während Tokatimur im Lande der Kirgisen streifte, ward sein Lager von den Truppen Kubilai's geplündert; Tokatimur wandte sich an Schiregi um Hilfe, und als dieser sie ihm verweigerte, lockte er den Sarban mit Hoffnungen auf die Chanschaft, wie er früher den Schiregi damit verlockt hatte. Die beiden gleich getäuschten Thronbewerber Sarban und Schiregi bekriegten sich nun mit einander und rieben sich gegenseitig auf, bis beide in die Hände Kubilai's fielen, der jenen in eine durch Sumpfluft verpestete Insel sandte, dem Sarban den Befehl über eine Abtheilung von Truppen gab. Melik Timur und der Sohn Schiregi's begaben sich zu Kaidu, der, noch nach vierzig Jahren der mächtige Herrscher des Uluses Ogotai, im Verlaufe dieser Geschichte noch mehr als einmal in die der Ilchane eingreifend erscheinen wird.

Vertheilung der Statthalterschaften; Tod Hulagu's.

Hulagu beschäftigte sich nach beendigtem Feldzuge wider Kipdschak mit dem Baue zweier Schlösser, das eine in der Ebene von Alatak, das andere zu Chui, und begab sich dann von Tebris an den Goldfluss[444], welchen die Mongolen Tschaghatuwunghatu nannten, bei Meragha, dort mit der Vollendung der Sternwarte und mit wissenschaftlichen Versammlungen beschäftigt; nebst der Astronomie war er vorzüglich der Alchymie ergeben und verschwendete grosse Summen an Alchemiker, deren Vorspiegelungen so, wie die ihnen zugewandten grossen Summen, in Rauch aufgingen. Zugleich ordnete er die Verwaltung des durch seine Eroberungen gegründeten neuen Reichs. Seinem ältesten Sohne, Abaka, übertrug er die Statthalterschaft von Chorasan; seinem dritten Sohne, Jaschmut, dem Eroberer Mesopotamiens, die Statthalterschaft von Arran und Aserbeidschan; dann die von Jaschmut eroberten Landschaften Mesopotamiens: Diari Bekr und Rebiaa, von dem Ufer des Tigris bis an das des Euphrats, dem Emir Tudan, und die der Länder Rum's dem Emir Moineddin Perwane; die Verwaltung von Tebris vertraute er den Händen Melik Ssadreddin's, die Kerman's der Frau Turkjan Chatun an. Nach der, während des Feldzugs von Kipdschak vollzogenen, oben erwähnten Hinrichtung des Staatskanzlers Seifeddin Bitekdschi ward dieses höchste Staatsamt dem Schemseddin Mohammed Dschuweini, als Herrn und Vorsteher des Diwan's, und der Vorsitz des Diwan's zu Bagdad seinem Bruder Atamülk, dem Geschichtschreiber, verliehen. Besonderes Vertrauen schenkte er dem Sohne des vormaligen kleinen Diwitdar von Bagdad, dem Dschelaleddin; dieser täuschte das Vertrauen Hulagu's nicht minder, als sein Vater das des letzten Chalifen getäuscht. Er trug ihm vor, dass sich in der Landschaft Bagdad's mehrere Tausend Kipdschaken befänden, die, wenn Hulagu hierzu den Befehl ertheilen wolle, er zu sammeln bereit sei, um dieselben zum Vortrab im nächsten Feldzuge wider Kipdschak zu verwenden. Hulagu, durch seinen Vorschlag verblendet, gab ihm Diplom und Löwenkopf und unumschränkte Vollmacht über alle Truppen und Waffen der Landschaft Bagdad's. Er warb die Kipdschaken und Andere an, wiegelte sie aber gegen Hulagu auf, indem er sie heimlich versicherte, dass er nicht gesonnen, sie wider ihre Landsleute auf die Schlachtbank zu führen, sie vielmehr retten wolle. Nachdem er sie aus den Zeughäusern Bagdad's bewaffnet, führte er sie unter dem gegen den Statthalter Bagdad's vorgeschützten Vorwande, dass er mit ihnen nach Derbend und Schirwan ausziehe, in's Gebiet des arabischen Stammes Chafadsche, das er plündernd durchzog und dann mit der ganzen Truppe längs des Euphrats bis Aana und Hadise vorbeiziehend nach Syrien und Aegypten aufbrach. Der Aerger, so schändlich vom Günstlinge getäuscht worden zu sein, nagte als giftiger Wurm in der Brust Hulagu's und beschleunigte seinen Tod, der ihn nach kurzer Krankheit hingerafft[445]. 9. Rebiulachir 668/ 8. Febr. 1265 Er ward auf dem Gipfel des Berges Schahu[446], gegenüber von Destchawakan, bestattet. Nach mongolischem Gebrauche wurden ihm Gold und Edelsteine in den Sarg gegeben und die schönsten seiner Beischläferinnen geschlachtet[447], um ihm die Einsamkeit des Grabes zu versüssen. Aber ausser den geschlachteten Beischläferinnen folgten ihm bald zwei seiner Frauen natürlichen Todes in's Grab nach, die Frau Irtekan, die Mutter seines achten Sohnes Adschai, schon am neunten Tage nach dem Tode ihres Gemahls, 3. Ramasan/ 17. Febr. und vier Monate und eilf Tage später, drei Tage vor der Thronbesteigung Abaka's, die Frau Tokus Chatun, die Christin, die grosse Beschützerin ihrer Glaubensgenossen. Auf ihren Einfluss gründete sich vermuthlich die Hoffnung des Papstes, dass Hulagu sich nächstens zum Christenthume bekehren werde, wovon ihm der Ungar Joannes die Kunde gebracht und worüber sich der Papst in seinem Schreiben an Hulagu so hoch erfreut[448]. Eine grosse Frau, deren Wirken stiller und wohlthätiger, als das zweier der berühmtesten Frauen persischer Geschichte, nämlich der Frau Turkjan und der Atabegin Abisch aus der Dynastie der Salghuren, welche Persien beherrschten, und deren Geschichte in die Hulagu's enge verflochten, nun zum Schlusse dieses Buches besonders erzählt werden soll.

Fars.

Fars, d. i. Persien im eigentlichsten und engsten Sinne, der Kern des persischen Reichs, in welchem das Haupt desselben die alte Persepolis, die Geburts- und Grabstätte des Cyrus, ist als Vaterland persischen Namens, als Mutterland persischen Stammes zu jeder Zeit seiner Geschichte, von der ältesten bis zur neuesten, und folglich auch binnen des Jahrhunderts mongolischer Herrschaft vor allen anderen Landschaften des Reichs von vorwiegendem Interesse und Momente. Persien im weitesten Sinne, d. i. Iran, das Ariene der Sendbücher, ist das Paradies der Bibel, das zwischen den vier Flüssen des biblischen Paradieses, dem Digloth (Tigris), Frat (Euphrat), Gihon (Dschihun) und Phischon (Sihun), östlich und westlich eingeschlossene asiatische Hochland. Persien im engsten Sinne, d. i. Fars, ist die von Natur und Kunst vor allen anderen Landschaften des Reichs am meisten ausgezeichnete südliche, nördlich vom persischen Irak, südlich vom persischen Meerbusen, östlich von der Sandwüste Kirmans, westlich vom Gebirgslande Luristan begränzt, in welcher das paradiesische Thal Schaab Bewwan, von den asiatischen Geschichtschreibern als eines der vier Paradiese des Ostens gefeiert, die Naturfeste Kalaaisefid, d. i. das weisse Schloss, schon aus dem Schahname als der Sitz des weissen Diwe's bekannt, die Ruinen der vierzig Säulen[449] oder der vierzig Leuchtthürme[450], die behauene Steinwand des Ebenbildes Rustem's[451], die der alten Königsgräber, das Grab der Mutter Salomon's[452], d. i. das des Cyrus (ein Felsengrab mit Pehlewiinschrift), die des Kerkers[453] und der Musikkapelle Dschemschid's[454], Felsengrotten mit Inschrifttafeln in Pehlewi, die Sculpturen von Schabur, welche den Triumph Schabur's über Valerian verherrlichen, Königsgräber, Heldengrotten, Bergaltäre, Feuertempel und mehrere andere solcher steinerner Ueberlieferungen der ältesten Geschichte des Reichs. Ein von der Natur durch mehrere Seltenheiten hochbegünstigtes Land, in welchem die Rosen und der Wein von Schiras glühen, das reine Wasser von Mossella fliesst, ein Land, das der Lebensfluss und der Kor durchströmen, deren erster seinen Namen von den lebendigen Bergwässern, dieser in der ältesten Zeit von Kyros, in der mittleren vom grössten Fürsten der Dynastie Buje den Namen hat[455]; das Land, wo der königliche Berg der Gräber von Persepolis und das vielfarbige Salzgebirge von Darabdscherd sich erheben, wo zu Schiras die Berggipfel persischen Dichterruhms in den Grabmälern von Hafis und Saadi. Persische Baukunst und Dichtkunst haben in Fars ihre höchsten Triumphe gefeiert, und ohne von der ältesten Geschichte zu sprechen, so ist seit dem Aufblühen neupersischer Poesie und Literatur Fars der Mittelpunkt derselben geblieben, bis erst in der jüngsten Zeit sich dieselbe in dem Brennpunkte der nach Norden übertragenen Hauptstädte von Teheran und Tebris gesammelt. In den ersten drei Jahrhunderten der Hidschret blühte morgenländische Dichtkunst und Literatur zwar zuerst unter der Herrschaft der Beni Saman und Chorasan auf und erhielt sich dort noch mit der Herrschaft der Seldschuken in bedeutendem Flore; denn Fars wetteiferte hierin mit Chorasan schon unter der Herrschaft der Beni Buje, und trug unter der der Salghuren den ersten Preis davon, welcher demselben erst nach dem Untergange dieser Dynastie, unter der Herrschaft der Ilchane vom nördlichen Persien, wo die Residenz Tebris aufblühte, streitig gemacht, in der Folge aber unter der Herrschaft der Dynastien der Beni Mosaffer und Sseffi wieder errungen, und bis in die neueste Zeit behauptet ward, wo der Lebensfluss geistiger Kultur wieder den nördlichen Hauptstädten und Residenzen Teheran und Tebris in seichteren Fluthen zufliesst; also schon aus dem Gesichtspunkte der Kulturgeschichte allein ist die Geschichte der Salghuren, welche ein Jahrhundert vor der Herrschaft der Ilchane Fars beherrscht, von der höchsten Wichtigkeit, indem dieselbe auch die Kulturgeschichte Persiens während der Eroberung und der dreizehnjährigen Herrschaft Hulagu's einschliesst.

Die Beni Amare, Beni Buje und Beni Seldschuken.

In Hinsicht auf Kultur hat die bisher europäischen Orientalisten und Geschichtschreibern nicht einmal dem Namen nach bekannt gewordene Dynastie der Beni Dschelendi, welche zur Zeit der arabischen Eroberung von den Ufern des persischen Meerbusens bis nach Kerman und Irak hin herrschten, einen bedeutungsvollen Beinamen, indem dieselben auch Beni Amare oder Imare, d. i. die Söhne der Kultur, heissen. Das arabische Wurzelwort Amr oder Omr bezeichnet Leben und Kultur, indem die Kultur belebt und das Leben ohne Kultur kein geistiges; zunächst verwandt mit Omer, d. i. Homeros, dem Inbegriffe ältester griechischer geistiger, vom Orient aus belebter Kultur[456]. Aammar heisst der Hochgebildete, Wohlgerüche Liebende, sei es nun die physischen, sei es die geistigen höherer Bildung, wovon jene ein treffliches Sinnbild. Bisher kennt die europäische Geschichte des Morgenlandes nur zwei Dynastien der Beni Ammer, die, welche zur Zeit der Kreuzfahrer in Tripolis herrschte, wo die herrliche, angeblich drei Millionen Bände starke Bibliothek derselben von den Kreuzfahrern verbrannt ward[457]; die zweite, welche im ersten Viertel des vierzehnten Jahrhunderts zu Tripolis an der afrikanischen Küste gegründet, unter sieben Fürsten durch sieben und siebzig Jahre gedauert[458], welche ebenfalls Freunde der Wissenschaften und Literatur; die dritte endlich, die hier zum erstenmale in Europa an's Licht gezogen wird, die der Beni Amare in Fars, welche, auf ihre Bergfesten stolz, nicht nur den arabischen Eroberungen, sondern auch noch der in Chorasan aufsteigenden Dynastie der Beni Ssaffer trotzten, indem Omer Ben Leis, der Fürst der letzten, zwei Jahre lang den Abdallah Ben Ahmed el-Dschelendi, den Fürsten der Beni Amare, bekriegte, ohne denselben besiegen zu können. Nach den historischen Ueberlieferungen der moslimischen Geschichtschreiber sollen die Beni Amare als Herren der Küste und Seeräuber schon zur Zeit des Moses geherrscht und das Schiff weggenommen haben, dessen im Koran bei der Erzählung der Wanderung des Moses mit Chisr nach dem Zusammenfluss der beiden Meere (des arabischen und persischen oder persischen und indischen) Erwähnung geschieht[459]. Nach der Herrschaft der Beni Omeije erhob sich unter der der Beni Abbas in Fars die der Beni Buje, deren grösste Fürsten besonders die neue Hauptstadt Schiras durch Bauten verherrlichten. Während der sieben und achtzig Jahre, welche vom Ende der Herrschaft der Beni Buje bis zu dem Beginne der Herrschaft der Salghuren verflossen, ward Fars durch sieben Statthalter Atabege der Seldschuken verwaltet. Der erste, Faslui Schebankjare, von dem ein Dichter gesagt:

Von Gott, dem Allerhöchsten, war es Huld und Glück, Dass Ungethüm des Aufruhrs hielt Faslu zurück.

Der zweite, Rokneddin Chumar Tekin, ertrank; der dritte, Dschelaleddin Dschanli, zerstörte Schebankjare; der vierte, Rokneddin Dschanli, welcher eine Medrese zu Schiras gebaut, ward zu Hamadan erschlagen; der fünfte, Mengubers, baute eine Medrese, an welcher er begraben liegt, desgleichen seine Gemahlin Sahide, d. i. die Einsiedlerin, die nach ihr Issmeti, d. i. die keusche, genannte Medrese; der sechste, Besabe, ward, wiewohl ein gerechter und billiger Herr, gewaltsamer Weise getödtet, und der siebente, Melekschah, hielt, der letzte, das Ansehen der Seldschuken aufrecht. i. J. 543/ 1048 Wider diesen stand in der Hälfte des sechsten Jahrhunderts der Hidschret, des eilften der christlichen Zeitrechnung, Sonkar Ben Mewdud, der Salghure, vormaliger Sklave Melekschahs, in Aufruhr auf und masste sich als Atabege die Krone an. Er war Atabeg, d. i. Obersthofmeister, des unmündigen Sohnes Sultan Mohammed's, des Seldschuken, gewesen und war von ihm zum Statthalter von Fars bestellt worden, das er drei Jahre lang verwaltete, dann aber durch seines Bruders Tekele List eingesperrt ward[460]. Er hatte sich am Fusse des Berges Giluje angesiedelt, von wo aus er seine neue Herrschaft begründete; er schlug sich zu wiederholtenmalen mit Jakub Ben Arslan, dem Herrn von Chusistan, und starb, nachdem er die neugegründete Herrschaft durch vierzehn Jahre befestigt. Er baute zu Schiras Kloster, Moschee, Karawanserai und eine hohe Minaret, er selbst ein hoher Leuchtthurm der Herrschaft, welcher durch Siege, Einrichtungen und Bauten als Reichsgründer seinen zehn Nachfolgern strahlend vorgeleuchtet[461].

Die fünf ersten Atabegen Salghuren.

Der Atabeg Mosaffereddin Sengi Ben Mohammed, der Bruder des Gründers, vom Sultan der Seldschuken, Toghrul, als Atabege bestätigt, behauptete, wie sein Bruder, die Herrschaft durch vierzehn Jahre, wiewohl sie ihm von seinem Schwager Saik, welcher zu Baidha ein Karawanserai gebaut, mit den Waffen in der Hand streitig gemacht ward. Er baute für den grossen Scheich Abdollah Chafif eine kleine Zelle, welche in der Folge bis zu drei Domen vergrössert, erst von Schah Ismail, dem Gründer der Dynastie Ssofi, zerstöret ward. 570/ 1174 Ihm folgte als dritter Atabeg sein Sohn Tekele, ein gerechter Fürst, dessen weiser Grosswesir, Emineddin Karasun, zu Schiras Moschee und Kloster erbaute; im fünften Jahre seiner Regierung verheerte der Atabeg von Aserbeidschan, Pehliwan, der Sohn des Ildigis, das Land, und die fünfzehn folgenden Jahre derselben waren kaum hinreichend, die dem Lande durch die Verheerung geschlagenen Wunden durch gerechte Verwaltung zu heilen; 590/ 1194 kaum vernarbt, wurden dieselben während der siebenjährigen seines Vetters und Nachfolgers Toghrul Ben Sonkor[462] wieder durch den Bürgerkrieg, in welchem ihm sein Vetter, der fünfte Atabeg, Ebu Schudschaa, d. i. der Vater der Tapferen, Saad Ben Sengi, den Thron zu entreissen strebte, aufgerissen und durch Landplagen so schmerzlicher gemacht. Auf unerhörte Trockenheit folgte schreckliche Hungersnoth, in welcher die Leichname der Hungers Gestorbenen von den Ueberlebenden verzehrt wurden, und auf die schrecklichste Hungersnoth noch schrecklichere Pest. 600/ 1203 Usbeg, der Sohn Pehliwan's, der Atabege von Aserbeidschan, verheerte Schiras, und vierzehn Jahre hernach, als der Sultan Mohammed Tekesch, der Schah Chuaresm's, mit dreimalhunderttausend Mann auf dem Zuge nach Bagdad sich des Gebirgslandes des persischen Irak bemächtigt hatte, schlug sich Saad einigemal mit ihm und wurde von ihm gefangen. Mohammed Tekesch, selbst ein tapferer Fürst, erhob die Tapferkeit des gefangenen Feindes so hoch, dass er ihm die Herrschaft von Fars unter der Bedingniss bestätigte, dass dessen Tochter Melike Chatun dem Sohne Chuaresmschah's, dem grossen und unglücklichen Dschelaleddin Mankburni (dem letzten der Chuaresmschahe), vermählt werde; dass das Drittel der Einkünfte von Fars in den Schatz Chuaresmschah's fliesse und das feste Schloss Istachr chuaresmische Besatzung einnähme. Saad's Sohn Ebubekr missbilligte den vom Vater geschlossenen Rettungsvertrag, stand wider denselben mit den Waffen in der Hand auf, schlug ihn einigemal und sperrte ihn im Schlosse von Istachr, welches sammt den von Ischnekwan von Chuaresmschah hätte besetzt werden sollen, ein. Ebubekr hatte die Pflichten des Sohnes so sehr ausser Augen gesetzt, dass er sogar nach dem Vater mit Keulen schlug; dieser stürzte den Sohn vom Pferde und sperrte ihn in einem der drei Schlösser von Istachr ein, erfüllte den mit Chuaresmschah geschlossenen Vertrag durch Sendung der Tochter und benützte den Frieden zum Baue einer Moschee, eines grossen Karawanserai auf dem Wege von Tebris, welches Schehrallah, d. i. die Stadt Gottes, heisst, und zu Erneuerung der Mauern von Schiras[463]. Saad's Wesir war Amideddin Abu Nassir Esaad Abrisi, welcher einen Band arabischer und persischer Geschichte hinterliess und mit welchem Saad, selbst Dichter, sich öfters in poetischen Wettstreit einliess. Die Frucht eines derselben ist die berühmte, seitdem auf allen Zungen gang und gäbe Antithese Chuaresmschah's:

In Schlachten wie Eisen, bei Festen wie Wachs, Verderblich dem Feinde, gesegnet dem Freunde[464].

Der Wesir Amideddin stand in gelehrtem Briefwechsel mit dem Meister aller Humanitätswissenschaften, Omer Er-Rasi, über die Schwierigkeiten des mystischen Epos Selaman und Absal, welches unter der Hülle einer Männerliebe die Allegorie des Aufschwungs der Seele zu göttlicher Liebe. Die Volkssage hat die Namen der beiden Helden dieses Gedichtes altpersischen Ursprungs einer Steinwand von Sculpturen von Schiras[465] aufgeheftet, sowie denen von Tak Bostan bei Kermanschahan die Sage von Chosrew und Schirin. Saad hatte den Wesir Amideddin sammt seinem Sohne Tadscheddin zu Ischnekwan, einem der Schlösser Istachr's[466], eingesperrt; er kürzte sich die lange Weile seiner Gefangenschaft durch Gedichte, die er an die Wand schrieb, und deren eines die berühmte Kassidet, deren Beginn:

Wer bringt meinen Geist zu Batha's freien Tauben? Die sich der reinen Fluth erfreu'n und grüner Lauben.

Ebubekr Ben Saad und sein Bruder Salghurschah.

Ebubekr ward nach siebenjähriger Gefangenschaft zu Istachr unmittelbar vor des Vaters Tod an dessen Sterbebett berufen, und bestieg nach dessen acht und zwanzigjähriger Regierung den Thron. 623/ 1226 Sein Vater, Saad, hatte Kerman erobert und die Schebankjare gedemüthigt, aber sein Sohn Ebubekr war ein weit grösserer, sei es als Eroberer, Bauherr oder Gönner von Dichtern und Gelehrten. Unter ihm wurden die Inseln des persischen Meerbusens Kisch und Bahrein und das arabische Gebiet von Katif und Lahsa erobert. Seine dreissigjährige Regierung ist der Glanzpunkt der Salghurenherrschaft. Ueberall erhoben sich in Fars Karawanseraien unter dem Namen Mosaffer Ebubekr's, als zu Ebrkuh, Beidha, Karun, im Passe Adhadi und an der Küste von Dschaaber, die schönste Juwele aber der Strahlenkrone seines Ruhms ist Saadi's Zueignung seines Gülistan, in welchem der Dichter gleich Eingangs mit einer von dem emphatischen Selbstlobe der Lyriker und Epiker sich sehr vortheilhaft auszeichnenden Bescheidenheit den Beifall seiner Zeitgenossen einzig dem des Atabegen zuschreibt und auf ihn und sich den bekannten schönen Apolog des durch die Nachbarschaft der Rose durchdufteten Thones anredet:

Blos weil dein Blick auf mich Unwürd'gen gefallen ist; Mein Werk der Sonne gleich berühmt bei Allen ist; Wenn Alles auch an mir nur Fehl' und Mangel ist, Fehlen, das der Sultan billigt, Tugendangel ist.

Die Zeit hat die Anwendung umgekehrt, und Ebubekr ist durch Saadi, nicht aber dieser durch jenen berühmt. Nach dem Verderben Chuaresmschah's huldigte Ebubekr Ben Saad staatsklug den Herrschern der Mongolen und ward als Atabeg in der Herrschaft von Fars bestätigt. Er führte jährlich nur dreissigtausend Dukaten an den Schatz ab, eine Summe, welche damals der kleinste Distrikt von Fars abwarf; mit dieser Summe sandte er alljährlich den Sohn Saad mit einem seiner Neffen an den Chan; die mongolischen Vögte behandelte er freigebig, stellte aber zugleich Späher auf, um alle Verbindung des Volkes mit denselben zu hindern, damit jene nicht die Wahrheit seiner glänzenden Umstände erführen; er genoss des Lebens im Stillen im Garten Firusi, von wo er jeden Morgen nach dem Lager sich begab und nach aufgehobener Mittagstafel wieder in den Garten zurückkehrte. Ein grosser Beschützer der Dichter und Gelehrten, besonders aber der Frommen und Derwische, die er mehr als die Gesetzgelehrten achtete, weil er, wie es scheint, dieselben minder fürchtete. Er hatte von Hulagu bei dessen Einmarsch in Persien das Diplom der Herrschaft mit dem Titel Kotloghschah erhalten; er hatte denselben seinem Sohne Saad und seinem Bruder Salghurschah entgegengesandt. Der Bruder, beigenannt Karandank Chan, war ein humaner, verständiger Prinz, von schöner Gestalt, aber ganz sinnlichen Genüssen ergeben, denen er in den von ihm angelegten paradiesischen Gärten, welche Ssubuhabad, d. i. Morgentrunksbau, hiessen, ungestört nachhing; seiner unablässigen Trinkgelagen ungeachtet, schrieb er täglich als Kalligraphe einige Verse des Korans und sandte die Abschrift an die Kaaba, Verfasser anmuthiger vierzeiliger anacreontischer Strophen. Jedem Gedanken auf Herrschaft fern, lebte er einzig seinem Vergnügen, und als Ebubekr, durch eine lügenhafte Denuntiation aufgelärmt, die ganze Gesellschaft unversehens überfiel, fand er Nichts als ein Gelage von Trinkern, wie Wassaf sagt:

„Morgentrunk und dann des Weines Gluglu, Rose, Rosenstrauch und Nachtigall dazu, Traute Sänger, die gebunden und betrunken, Neben Flaschen Schenke, dem das Glas entsunken.

Zerbrochen die Krüge, die grossen, der Wein ausgegossen, die Schöne zerwühlt, die Halsschleife zerknüllt, die Halbtrommel eine Zeit lang von den Ohrfeigen nicht ertönend, und aus dem Mund der Flöte einen Augenblick aufgähnend, die Haare verwirrt herumtrollen, wie die Schönen, welche das Gesicht gegen die Wand wenden, wenn sie schmollen, von den Aesten sang ein Ghasel die Nachtigall und ein Wunder ist's, dass die Schlafenden nicht erwachten von dessen Schall und Widerhall.“ Bei solcher Lebensart vertiefte er sich in Schulden, die dann der Bruder grossmüthig zahlte. Eines Tages improvisirte Salghurschah:

Wenn mir das Glück wie Dir Beisitzer wäre, Wenn mir der Kopf voll Groll und Geizes wäre; So würd' ich dich, wie du gewohnt, gen mich zu handeln, An deiner Statt gerade wie du mich behandeln.

Ebubekr sandte ihm zehn Beutel Goldes, zehn Kisten Kleider, zehn edle Pferde nebst der Freudenkunde, dass alle seine Schulden getilgt seien[467].

Eroberung von Kisch; und Literatur.

Die glänzendste der Eroberungen Ebubekr's ist die der Inseln Kais oder Kisch (auf persisch Kosch) und Bahrein, wo die reichsten Perlenfischereien im persischen Meerbusen. Die erste dieser Inseln hat ihren Namen von Kais, dem Sohne Kaissar's, eines Schiffsherrn von Siraf, der Hafen- und Stapelstadt der mittägigen persischen Küste. Der Ursprung der Macht und der Grösse der Beni Kaissar war eine Katze, welche die arme Mutter der drei Söhne Kaissar's einem Schiffer als ihr einziges Habe auf einer Fahrt nach Indien mitgegeben, die sich aber, weil sie dort, wo gelandet ward, es keine Katzen und zu viel Mäuse gab, die letzten zusammenfrass, mit einem Schatze von Juwelen und Gold rentirte. Die Söhne der Wittwe wurden mächtige Schiffsherren und dehnten ihre Unternehmungen bis an die indische Küste aus; sie bauten auf Kais einen grossen Palast, den sie Aferide nannten und welcher mit der Palasthalle Adhadeddewlet's zu Nabend (dem östlich von Siraf gelegenen Dorfe) und mit den Säulenhallen des Elephantenhauses Adhadeddewlet's zu Siraf um den Vorzug buhlte[468], und der Chalife Nassirolidinillah verlieh ihnen das Diplom der Herrschaft von Kais unter dem Titel: Sultan Ibnol Melik Dschemschid. So herrschten die Beni Kaissar, deren Dasein bisher aber, sowie das der Beni Amare in Fars, europäischen Geschichtschreibern entgangen, auf Kais, als Seifeddin Abu Nadhr Ali Ben Keikobad, der Herr der Insel Hormus, dem Atabeg Ebubekr seine Hilfe zur Eroberung von Kais anbot; die Befehlshaber von Germsir, d. i. dem warmen Landstriche der südlichen persischen Küste, wurden zur Eroberung von Kais befehligt, und Melik Dschemschid wurde nur einige Monate vor dem Tode Tschengischan's getödtet. 12. Dchem. achir 626/ 17. Mai 1229 Der Herr von Hormus hatte die Insel aber für sich und nicht für den Atabegen erobert; wie sich diesem Abu Nadhr zum Sturze Melik Sultans angetragen, so boten Indienfahrer von Kisch, welche mit ihren reichen, nach Malatia bestimmten Ladungen zu Chorschif gelandet hatten, ihre Hilfe zum Verderben Abu Nadhr's an. Der Atabeg sandte ein Heer von Kurden, Luren und Schulen, und Seifeddin, d. i. das Schwert der Religion, Abu Nadhr fiel unter dem Schwerte der Feinde. 4. Moharrem 628/ 12. Nov. 1230 Der Sultan von Kenbajet in Indien huldigte dem Atabegen von Fars, der ihn mit einem Diplome beehrte, dessen Beginn: Im Namen Gottes der Erbe des Reichs Salomon's, des Gerechten der Welt, Sultan zu Land und See, König der Welt und der Religion, Ebubekr Ben Saad, der Helfer der Diener Gottes, der Rechtgläubigen. Hierauf wurde die mit ihren Perlenfischereien in die Steuerregister des Chalifats eingetragene Insel Owal, insgemein Bahrein genannt, 3. Silhidsche 633/ 8. Aug. 1236 und sieben Jahre darnach die Insel Katif, auf welcher das Schloss Tharut, erobert und mit jährlichen zwölftausend Dukaten vom Ertrage der Perlenernte besteuert. Ebubekr, der grösste der Atabegen, starb in seinem sieben und siebzigsten Jahre, 5. Dschem. achir 658/ 19. Mai 1260 von seinem Sohne Saad II., dem siebenten Atabege, nur zwölf Tage überlebt, worauf der letzte minderjährige Sohn, Mohammed Ben Saad, unter Vormundschaft Turkjan Chatun's, der Schwester des Atabegen von Jesd, Alaeddewlet's, den Thron bestieg. Ebubekr, des grössten der persischen Atabege Namen, ist nicht nur durch das Gülistan Saadi's, sondern auch durch die Werke anderer grosser persischer Dichter verherrlicht, und seine Regierung umfasst die der Hulagu's gleichzeitige Blüthe persischer Kultur. Nach dem Beispiele der Fürsten der Dynastien Saman, der Seldschuken und Chuaresmschahe hatte er einen Dichterkönig, Hemkjar Farsi, beigenannt Medschdeddin Semeki, der seinen Stammbaum bis zu Nuschirwan hinaufleitete; Schönredner, Schönschreiber, in trautem Umgange mit den grossen Dichtern Imami aus Herat, Abdulkadr von Nain, Said von Herat, Nefieddin Lokmani[469] und Esireddin Omani, dem Schüler Nassireddin's von Tus. Ein Schüler Nassireddin's von Tus war auch der Chodscha Hemameddin, der Atticus dieses Zeitalters, ein reicher Mann und aufgeweckter Kopf, dessen Haus Dichtern und Gelehrten offen stand[470]. So günstig, als Ebubekr den Dichtern, so wenig liebte er die Gelehrten, besonders die, so sich Philosophen nannten; er verbannte mehrere derselben aus Schiras, darunter den grossen Imam Ssadreddin Mahmud El-Uschnusi, den berühmtesten Prediger seiner Zeit[471]; er fürchtete, sagt Wassaf, dass die Gelehrten mittels Einsicht und Geldes die Regierungsgeheimnisse erfahren, die Regierung in ihrem freien Gange beeinträchtigen könnten. Die grösste und schönste der Stiftungen Ebubekr's ist das grosse Spital von Schiras mit dem dazu gehörigen Garten. Nach Ebubekr's Lobpreis steht im Gülistan Saadi's das Saad's, seines Sohnes und des grossen Emirs Ben Ebi Nassr.

Turkjan's tragisches Ende; Fars, dem mongolisch. Reiche einverleibt.

Turkjan, die Regentin von Fars, sandte huldigende Geschenke an Hulagu und erhielt von demselben das Diplom der Herrschaft auf den Namen ihres Sohnes, welcher schon nach zwei Jahren und sieben Monaten sein Leben durch einen Sturz vom Dache endete. Der Leiter ihrer Geschäfte war der von Saadi im Gülistan gepriesene Grosswesir Nisameddin Ebubekr, der als Gesandter an Hulagu ging, ihr bekannter Günstling aber der schöne Sklave Schemseddin Miak, ein Mamluke des Atabegen Saad; nach Mohammed's Tod wurde sein Vetter Mohammed, der Sohn Salghur's, zum Herrscher ausgerufen, welchem Turkjan zwar ihre Tochter Selgham vermählte, aber nichtsdestoweniger wider ihn bei Hulagu Ränke schmiedete. Mohammed, der Sohn Salghur's (der Bruder Ebubekr's), war ein tapferer Fürst, der im Geleite des Ilchan's vor Bagdad durch Proben seiner Tapferkeit sich bei Hulagu in Kredit gesetzt, aber als er zur Regierung gelangt, sich der Weichlichkeit ergab. Sein im Schlosse von Istachr eingesperrter Bruder bat ihn vergebens in Versen um Befreiung. Da verschwor sich die Frau Turkjan wider ihren Schwiegersohn mit den Emiren der Schulen und Turkmanen, liess ihn im Hareme ergreifen und sandte ihn nach viermonatlicher Regierung, als der Regierung unfähig, an Hulagu. Die Emire der Schulen befreiten den gefangenen Bruder Seldschuk und setzten denselben auf den Thron. Turkjan Chatun hatte ihm ihre Hand gereicht und so sehr darauf gerechnet, seinen Arm zu leiten, als er in ihre Schönheit verliebt war; aber bei einem Trinkgelage, wo die Sänger und Sängerinnen die Charaktere der sieben berühmtesten Liebespaare arabischer und persischer Romane vorstellten, nämlich: Koseir und Osa, Amrol Kais und Oneise, Irwet und Aafra, Emher und Wefa, Leila und Medschnun, Weise und Gilschad, Schirin und Ferkad, scheint den schon Trunkenen die Furcht, dass er in Liebesbanden gegängelt werde, aufgestachelt zu haben; auf den von ihm einem gegenüberstehenden Neger gegebenen Wink hieb dieser der Frau Turkjan den riesigen Kopf ab, und als ihm derselbe auf goldenem Becken dargebracht ward, riss er die grossen Perlen der Ohrgehänge weg und warf sie den Sängern vor, wie es scheint, als Dank, dass ihn ihr Gesang zu solcher That begeisterte. Die beiden mongolischen Vögte Oghlobeg und Kotlogh Bitekdschi, die Mordthat missbilligend, suchten zu Schiff zu entkommen, aber Seldschuk, ihre Entfernung gewahr, eilte ihnen im Hemde, nur mit goldener Keule bewaffnet, nach, erschlug den einen und liess den anderen ermorden. Miak war an den Hof Hulagu's gegangen, wo Mohammed noch gefangen gehalten, erst in Freiheit gesetzt und nach Fars bestimmt, bald aber darauf hingerichtet ward. Hulagu sandte seine Generale Altadschu und Timur nach Fars, den Atabegen zu züchtigen; da dieser trotz der an ihn ergangenen Aufforderung zur Reue, auf welche Verzeihung folgen sollte, den Boten misshandelte, rückte Altadschu, verstärkt von den Truppen des Sultans von Kerman und des Atabegen von Jesd (des Bruders Turkjan's), in Fars ein. Seldschuk flüchtete nach Chorschif. Zu Kjarsun kam es zur Schlacht; geschlagen, suchte Seldschuk vergebens am Grabmale des Schwagers Morschid Rettung und ward am Fusse des weissen Schlosses getödtet. Kanzelgebet und Münze wurden nun auf den Namen des einzigen übrigen Sprösslings der Atabegen, der Tochter Turkjan's, Abisch[472] (aus Saad Ebubekr), verrichtet. Nach der Niederlage Seldschuk's hatte der General Timur auf ein allgemeines Gemetzel der Einwohner von Schiras angetragen, aber Altadschu gab hierzu seine Einwilligung nicht, und wurde in der Folge, als der Seid Scherefeddin neuen Aufruhr zu Schiras anzettelte, von Hulagu vor Gericht gestellt und, weil er zu milde gewesen, nach der Jasa zur Prügelstrafe verurtheilt. 661/ 1262 Schon im ersten Jahre nach dem Tode Seldschuk's wurde der neue Atabeg, die Frau Abisch, mit Mengu Timur, dem eilften Sohne Hulagu's, vermählt; statt des Heirathsgutes, das sie dem Prinzen mitbringen sollte, wurde ein Sechstel der Besitzungen von Schiras mit den Einkünften von jährlichen achttausend Dukaten ausgeschieden, und Abisch blieb bei ihrem Gemahle im Lager, wo sie noch zwanzig Jahre als Atabeg von Fars geehrt, ihr Land aber von mongolischen Vögten (Baskak) und Intendenten (Melik) verwaltet ward, von denen in der Folge dieser Geschichte noch mehrmal die Rede sein wird. Dieser Erwerb des Kerns ganz Persiens, der Landschaft Fars, welche, wie Wassaf sagt, das Kleid der sieben Erdgürtel, das achte der Paradiese, durch Heirath, krönte die Politik Hulagu's zu Ende seiner Laufbahn, die er als Brecher der Burgen der Assassinen und Eroberer von Bagdad begonnen. Der Krone des Ilchan's und Padischah's von Iran durfte die schönste Juwele derselben nicht fehlen, welche die Landschaft Fars.

Notes in this chapter

Note 1 · in der Nähe der Stadt Bulad(?), Tulad(?).Note 2 · Reng Altui, am Flusse Dschaikan.Note 3 · Mirchuand.Note 4 · Reschideddin, Mirchuand.Note 5 · Taghadschar, der Sohn Ewbadschi Nujan's, Jesunke, der Sohn Dschudschi Kasar's, Jekekadak, Dschingtimur, der Sohn Kadak's, Aschikai; die schuNote 6 · Huku, der Sohn Gujukchan's, Hobat, der Sohn Nako's, Kutuk, der Sohn Karadschar's.Note 7 · Schiregi, der Sohn Ogotai's; die Söhne Arikbugha's: Tukukur und Melik Timur; Tokatimur, der Sohn Suktu's; Urughadai; die Neffen Kubilai's: HNote 8 · Serinerud.Note 9 · Sonntags den 9. Rebiulachir (8. Febr., Sonntagsbuchstabe D, richtig ein Sonntag).Note 10 · d'Ohsson sagt, ich weiss nicht, auf welche Autorität, dass dies das Schloss Tala am See von Urmia; aber Reschideddin sagt: gegenüber von DehNote 11 · Mirchuand, Wassaf.Note 12 · Odoricus Raynaldus XIV. 1260. N. 29.Note 13 · Tschehelsutun.Note 14 · Tschehel Minar.Note 15 · Nakschi Rustem.Note 16 · Meschdschedi Maderi Suleiman.Note 17 · Sindani Dschemschid.Note 18 · Nakarachana Dschemschid.Note 19 · Bend Emir, d. i. der Damm des Fürsten, nämlich Adhadeddewlet's.Note 20 · Dass Ομηρος dasselbe mit Omer, ist in den Jahrbüchern der Literatur bei Gelegenheit der Anzeige des Werkes „Ulysse Homere“ dargethan worden.Note 21 · Quatremère mémoires géographiques sur l'Égypte II. p. 506; dann Wilken's Geschichte der Kreuzzüge II. 78. 119. 201.Note 22 · Geschichte des osm. Reichs III. S. 413, nach dem Nochbet-ettewarich.Note 23 · Dschihannuma S. 278.Note 24 · Dschihannuma S. 281.Note 25 · Tarichi Güside; Wassaf.Note 26 · Dieser fehlt in der Liste bei Deguignes I. 260.Note 27 · Lari, Nochbet, Güside, Wassaf, Mirchuand.Note 28 · Wassaf.Note 29 · Kämpfer amoenitates exoticae.Note 30 · Mirchuand und Wassaf führen bei dieser Gelegenheit das Distichon des Schahname an: In den drei Domen, wo zu Istachar Die Residenz der SchaheNote 31 · Wassaf.Note 32 · Derselbe.Note 33 · Geschichte der schönen Redekünste S. 202. 203. 160 und 161 nach Dewletschah.Note 34 · S. 214.Note 35 · Wassaf.Note 36 · Abisch, nicht Aische, wie bei Deguignes, auch nicht Uns, wie d'Ohsson, durch einen Schreibfehler des Manuscripts verleitet, schreibt, ist de
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