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Geschichte der Ilchane, das ist der Mongolen in Persien

Zweites Buch.

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Zweites Buch.

Regierungsantritt Hulagu's; seine Familie; Feldzug nach Persien wider die Schlösser der Assassinen und Bagdad; Rückblick auf die Chalifen und die Emirol-umera, Moteaassimbillah, der letzte Chalife; Alkami der Wesir; Belagerung, Eroberung und Verwüstung Bagdad's; Hinrichtung des Chalifen Melik Moaasem Mosaffereddin; der Herrscher von Irbil, Stifter der Geburtsfeier des Propheten; die damaligen Herrscher Gross- und Klein-Luristan's und Gross- und Klein-Armenien's.

Hulagu.

Hulagu oder, wie die Mongolen den Namen schreiben und sprechen, Chulagu war der fünfte Sohn Tuli's, des jüngsten Sohnes Tschengischan's aus der Frau Sijurkukteni, der Nichte Owangchan's, welche ihm vor Hulagu den ersten Mengku, den vierten Kubilai, und Arikbuga, den siebenten seiner neun Söhne, geboren. Als vor sechs und zwanzig Jahren (zwei vor seinem Tode) Tschengischan das letztemal in seinen Jurt zurückgekehrt, um das grosse, durch Jagden gefeierte Kurultai der Familie zu halten, bei welchem alle Söhne mit ihren Frauen und Kindern erschienen (den ältesten Dschudschi ausgenommen, der seiner statt nur ein herrliches Geschenk von Pferden gesandt), kamen ihm die beiden Enkel, Kubilai und Hulagu, jener zehn, dieser neun Jahre alt, mit dem ersten Wilde, das sie erjagt, jener mit einem Hasen, dieser mit einem Rehe entgegengelaufen. Tschengischan vollzog an ihnen beiden den mongolischen Jagdgebrauch der Fetteinschmierung[141], welcher darin besteht, den Jünglingen oder Knaben, welche das erste Wild erlegt, den Daumen mit dem Fette und Fleische desselben einzuschmieren, was als eine günstige Vorbedeutung für die künftige Laufbahn der beiden Prinzen mit Festen gefeiert ward; in jedem Falle eine minder unmenschliche Vorbedeutung als die Handvoll geronnenen Blutes, mit welcher Tschengischan, zur Welt gekommen, die er erobernd in Blut getränkt und die so grausam in Erfüllung gegangen; auch diese vom Grossvater Welteroberer selbst vollzogene Fetteinschmierung ging an beiden Enkeln, künftigen Herrschern, Eroberern und Stiftern von Dynastien in Erfüllung, indem Beide sich Reiche erbeuteten, der Jäger des Hasen das chinesische, als Stifter der mongolischen Dynastie der Juan, und Hulagu das persische, als Gründer der Dynastie der Ilchane. Hulagu war nun fünf und dreissig Jahre alt, in voller Reife männlicher Kraft, von welcher das Dasein von zehn Söhnen, die ihm von vierzehn, die er hatte, in diesem Alter bereits geboren waren, sprechender Beweis. Wir können also die Zahl seiner Frauen und Kinder, welche die Biographie sonst gewöhnlich am Ende des beschriebenen Lebens aufnimmt, am bessten sogleich überblicken, weil die grösste Anzahl derselben schon vorhanden, und die Namen der in der Folge vorkommenden Frauen und Kinder dann keiner weiteren Einführung bedürfen. Hulagu hatte sechs Frauen Gemahlinnen, aus deren vieren ihm sechs Söhne und drei Töchter, indem die anderen acht der zweimal sieben Söhne und die anderen vier der sieben Töchter aus zwölf Beischläferinnen geboren wurden, welche die Geschichte aus der grossen Zahl derselben nennt, weil sie Mütter von Prinzen oder Prinzessinnen. Von diesen zwölf Beischläferinnen waren drei[142] aus dem Lager der ersten seiner Gemahlinnen, der grossen Frau Tokus, und vier aus dem Lager seiner fünften Gemahlin, der Konghuratine Kutui Chatun, ein Umstand, der vielleicht weniger für ihre Bereitwilligkeit, dem Gemahle gefällig zu sein, als für ihren guten Geschmack, sich mit schönen Sklavinnen zu umgeben, beweiset; die Beischläferinnen werden am schicklichsten mit den Namen der Söhne und Töchter, durch welche der ihrige in der Geschichte in Vorschein gekommen, genannt werden; aber der sechs Gemahlinnen wollen wir zuerst und besonders erwähnen, weil dieselben als Frauen des grössten Ansehens und Einflusses genossen; als Frauen Gemahlinnen trugen sie den hohen pyramidenförmigen, mit herabfallendem Schleier bedeckten mongolischen Kopfschmuck Baghtak, dessen Namen die europäischen Reisenden in Botta, die Venezianer in Baiuta verstümmelt haben.[143]

Die Gemahlinnen Hulagu's.

Die erste und grösste Gemahlin, deren Rang bei den Mongolen immer den andern weit voraus und welche die Frau und Gebieterin des Harems, wie noch heute bei den Perserinnen die grosse Frau[144], war Tokus Chatun, d. i. die Frau Neun, die Keraitin, welche der Vater Tuli kurz vor seinem Tode zur Frau genommen, aber ohne dieselbe zu berühren gestorben war. Nach der mongolischen Sitte, vermöge welcher die Söhne die vom Vater hinterlassenen Stiefmütter als Gemahlinnen erben, ward dieselbe mit Hulagu vermählt, sobald das Heer auf dem Rückmarsche aus China den Oxus passirt hatte. Tuli war in seinem vierzigsten Jahre gestorben und Hulagu damals sechzehn Jahre alt; seine Stiefmutter, vielleicht jünger oder nicht viel älter, hätte also wohl bald ihrem stiefmütterlichen Ansehen als wirkliche Mutter neues Gewicht beifügen können; allein sie ward nie Mutter und behauptete sich dennoch bis zu ihrem Tode in dem höchsten Ansehen als grosse Frau und Gebieterin des Frauengemachs, als die erste Rathgeberin und mütterliche Freundin Hulagu's, was fast vermuthen lässt, dass sie vielleicht um Vieles älter, erst dem Vater Tuli und dann dem Sohne von der Mutter des letzten, der staatsklugen Sijurkukteni, ihrer Tante, mehr an die Hand, als ins Bett gegeben worden. Hulagu nahm sie zur Gemahlin und ihre Schwester Tukini zur Beischläferin, die ihm eben so wenig als die Schwester Kinder gab. Sie waren beide die Töchter Ettiko's, des zweiten Sohnes Owangchan's, die Nichten der Frau Sijurkukteni, der Mutter Hulagu's, welche die Tochter Hakembo's, des Bruders Owangchan's, und waren also beide die Basen Hulagu's, beide Christinnen, wie Sijurkukteni, und in der freien Ausübung ihres Cultus eben so wenig beirrt, als ihre Tante Sijurkukteni vom Gemahle Tuli. Inmitten des Lagers Hulagu's hatte sie ihre von nestorianischen Christen bediente Kapelle mit Glockengeläute, die grosse Beschützerin der Christen und Missionäre bei ihrem Gemahle. Wie sich Hulagu zwei Schwestern Keraitinnen, die eine als Frau, die andere als Beischläferin, genommen, so auch zwei Gemahlinnen Schwestern aus dem mit dem Hause Tschengischan's so vielfach verschwägerten Stamme der Uirat, nämlich Kubak oder Kojuk Chatun, die Mutter seines zweiten Sohnes Dschumkur, und ihre Stiefschwester Oldschai, die Mutter seines eilften Sohnes Mengku Timur; beide waren die Töchter Turaldschi's, des Sohnes Kutuke's, des Fürsten der Uirat. Tschengischan hatte dem Turaldschi seine Tochter Dschidschegan zur Frau gegeben, welche ihm den Sohn Buka Timur geboren; aus einer anderen Gemahlin hatte Turaldschi die beiden Töchter Kubak und Oldschai, welche also die Stiefschwestern Dschidschegan's, der Tante Hulagu's, seine Stiefbasen waren; die beiden anderen Gemahlinnen waren zwei Konghuratinnen: Kutui Chatun, aus deren Lager Hulagu sieben Beischläferinnen genommen, die Mutter Tekschin's, seines vierten, und Ahmed Tekudar's, seines siebenten Sohnes; und Mertai Chatun, welche kinderlos, wie die grosse Frau Tokus Chatun und ihre Schwester Tukini; endlich die Frau Jisut oder Jisuntschin, aus dem Stamme Suldus, die Mutter des Kronprinzen Abaka. Wir mussten in diese Umständlichkeiten eingehen, weil sich nur aus denselben das Resultat der die Wahl der Gemahlinnen mongolischer Herrscher leitenden Staats- und Familien-Maximen klar herausstellt. Von diesen sieben Gemahlinnen waren vier Blutsverwandte, nämlich zwei Basen, obendrein Stiefmütter, und zwei Stiefbasen; dann waren die zwei Stämme, denen diese zwei Schwesterpaare angehörten, nämlich die Kerait und die Uirat, sowie der der Konghurat, aus welchem die zwei anderen Gemahlinnen, die mit dem Hause Tschengischan's am vielfältigsten verschwägerten, die früher als andere der aufsteigenden Macht Tschengischan's, sich derselben unterwerfend, gehuldigt. Die Wahl der Frauen Gemahlinnen wurde also vorzüglich durch die Politik, durch die Freundschaft der Stämme und die nächste Verwandtschaft bestimmt.

Die Söhne und Töchter Hulagu's.

Der Erstgeborene Abaka war als der Aelteste schon bei des Vaters Lebzeiten sein erklärter Thronfolger, als welcher er auch nach dessen Tode der zweite der Ilchane in Iran, nachdem er demselben gefolgt. Dschumkur der Zweitgeborene, nur einen Monat jünger, als Abaka, blieb, als der Vater den Feldzug nach Westen unternahm, als dessen Sachwalter im Lager des Kaans Bruders zurück; in der Folge, als nach dem Tode Mengkukaan's der jüngste Bruder desselben, Arikbugha, dem ältesten, Kubilai, den Thron streitig machte, ward Dschumkur von jenem gezwungen, sich für ihn wider diesen zu erklären, fiel aber, als Arikbugha wider Alghui auszog, von ihm ab, um in's Lager des Vaters zurückzukehren, und starb auf dem Wege dahin; desselben, sowie seiner beiden Söhne Dschuschkub und Kunkuschu, wird im Verlaufe dieser Geschichte noch mehrmals erwähnt werden. Jaschmut, der dritte Sohn Hulagu's, aus der Chinesin Tukadschi Ikadschi, welche eine Sklavin des Lagers der Frau Kutui, war Vater von drei Söhnen; Kutui selbst war die Mutter des vierten Sohnes, Tekschin, welcher an einem Blasenübel gestorben, und dessen Gemahlin Nulun, die Tochter Buka Timur's, des Bruders Kubak Chatun's (folglich seine angeheirathete Base), nach Tekschin's Tod sein Bruder Dschumkur zur Frau nahm. Der fünfte Sohn, Tarakai, aus der dem Lager der Frau Kutui entnommenen Beischläferin Borkdschin, ward auf der Reise nach Persien vom Blitze erschlagen; merkwürdiger durch seinen Sohn Baidu, welcher einige Monate lang der sechste Herrscher der Mongolen in Persien, nach Ahmed Tekudar, dem siebenten Sohne Hulagu's, dem fünften der Ilchane; zwischen beiden ward Tusin, der sechste Sohn Hulagu's, aus derselben Mutter, wie Jaschmut, geboren. Adschai, des achten Sohnes Mutter, war die Beischläferin Irtika Ikadschi, aus dem Lager der Frau Kutui; als Hulagu nach Persien zog, liess er ihn an der Spitze des Lagers der Frau Kutui zur Besorgung der Angelegenheiten zurück; er überlebte seinen Bruder Hulagu nur zehn Tage. Die Beischläferin Dschudsche Ikadschi, die Mutter des neunten Sohnes, Kuikurtai, war eine Sklavin aus dem Lager der Frau Tokus; er war Vater von sechs Söhnen und erreichte ein sehr hohes Alter. Die Mutter Jisudar's, des zehnten Sohnes, war Uwischdschin, aus dem Stamme Kurlaut, dessen diese Geschichte weiter nicht, aber noch des eilften Sohnes Mengku Timur's[145] erwähnen wird, welcher sechs und zwanzig Jahre alt starb; Vater von drei Söhnen, allein drei aus der Sklavin Ilinak Ikadschi, und keiner aus seinen drei Frauen, deren erste Oldschai, die Tochter Buka Timur's, des Bruders der Frau Oldschai, Gemahlin Hulagu's, folglich seine Stiefbase; die zweite die berühmte Abisch Turkan, Tochter des Atabegen von Fars, letzte Herrscherin aus diesem Stamme; die dritte Nuhin Chatun. Sie gaben ihm keine Söhne, aber mehrere Töchter, deren berühmteste die älteste, Kordotschin, aus der Atabegin Abisch, in der Geschichte nicht minder oft genannt, als ihre Mutter, indem sie dreimal vermählt ward; das erstemal an Dschelaleddin Sijurghutmisch, den Sultan Kerman's, dann an den Emir Satilmisch und endlich an ihren Vetter Taghai; die Atabegin Abisch, ihre Mutter Turkan Chatun und Kordotschin, die obgenannte Tochter der Abisch, sind drei der grössten weiblichen Charaktere, Hebel grosser Begebenheiten in der Geschichte der Atabege von Fars und Sultane Kerman's, welche eng mit der der Ilchane Persiens verflochten. Huladschu, der zwölfte Sohn Hulagu's, hatte die Sklavin Ilkadschi, aus dem Lager der Frau Tokus, zur Mutter, welche später mit dem Kopfschmucke Baghtak zur Frau erhoben ward; Vater von vier Söhnen. Ilkadschi war auch die Mutter Scheibawedschi's, des dreizehnten Sohnes; und die des vierzehnten, Taghai Timur's, eine Beischläferin Sklavin aus dem Lager der Frau Kutui, Vater's von fünf Söhnen. Die sieben Töchter Hulagu's waren: die erste Bulughan Aka, aus der Frau Kobak; sie wurde mit ihrem Oheim Dschume Gurgan, dem Sohne des Tataren Dschudschi, vermählt, dessen Gemahlin die mit der Tochter Tschengischan's gleichnamige Dschidschegan, die Tochter Utdschigin's, des jüngsten Bruders Tschengischan's; Dschume Gurgan erhielt nach dem Tode Bulughan Aka's auch die Hand der Nichte Dschemi, der zweiten Tochter Hulagu's aus der Frau Oldschai; die dritte Tochter, Mengelugan, ebenfalls aus der Frau Oldschai, ward an Dschakir Gurgan, den Sohn Buka Timur's den Uiraten, vermählt, welcher der Bruder Oldschai's und folglich der Oheim seiner Gemahlin; die vierte, Tutukasch, aus einer Beischläferin Sklavin des Lagers der Frau Tokus, wurde zuerst an den Uiraten Tengkir Gurgan, welcher früher eine Tochter Gujuk's zur Frau gehabt und welchem von dieser das Leben erbeten ward, dann an dessen Sohn Sulamisch und endlich an dessen Sohn Dschidschek Gurgan vermählt, so dass dieser der Vater, Sohn und Enkel der Gattin;[146] die fünfte, Tarakai, deren Mutter die Beischläferin Irtikan Ikadschi, ward dem Konghuraten Musa, dem Enkel Tschengischan's aus seiner Tochter Tumalun, das ist ihrem Oheim, zur Frau gegeben; die sechste Tochter, Kutlukan, aus der Beischläferin Minklikadsch, wurde zuerst dem Jisubuka, aus dem Stamme Durban, dann nach dessen Tode seinem Sohne Tokel angetraut; die Hand der siebenten, Baba, aus der Frau Oldschai, erhielt Legsi Gurgan, der Sohn Emir Arghun's, des Staatssecretärs, welchen Mengkukaan früher als Hulagu nach Persien gesendet hatte; also die Töchter ebenfalls meistens an Oheime und Vettern vermählt.

Hulagu's Aufbruch.

Von zehn Söhnen, von denen Hulagu in seinem fünf und dreissigsten Jahre Vater, nahm er auf dem Zuge nach Persien den erstgeborenen, Abaka, und den dritten, Juschmut, mit sich, trug dem zweiten, Dschumkur, im Lager des Bruders Kaan's als seinem Agenten und seinem Bruder Temkjan[147] in seinem Jurte die Besorgung der Geschäfte auf; ausserdem aber begleiteten ihn noch sein jüngster Bruder Suntai, der neunte Sohn Tuli's, dann aus dem Uluse Dschagatai Tekuder[148], der Sohn Dschudschi's, des erstgeborenen Sohnes Dschagatai's; aus dem Uluse Dschudschi's (mit seinem ebengenannten gleichnamigen Neffen nicht zu verwechseln) der Enkel Bulghai[149], der Sohn Scheiban's, des fünften Sohnes Dschudschi's; Kuli, der Sohn seines Erstgeborenen Orda, und der Urenkel Kotur, der Sohn Mongkadr's, des Sohnes seines siebenten Sohnes Tewel; endlich Buka Timur, der Sohn Dschidschegan's, der Tochter Tschengischan's, welche an Turaldschi, den Sohn Kutuka's, des Fürsten der Uirat, vermählt, der Stiefbruder von Kubak Chatun und Oldschai Chatun, der zwei Gemahlinnen Hulagu's; von diesen begleiteten ihn in's Feld die grosse Frau Tokus Chatun, dann Jisut Chatun, die Mutter des erstgeborenen Abaka und Oldschai, aus welcher ihm zwei Jahre hernach sein eilfter Sohn Mengku Timur geboren ward; also in Allem neun Prinzen von Geblüte, nämlich: Hulagu, seine Söhne Abaka und Juschmut, sein Bruder Suntai, sein Stiefschwager Buka Timur, der Neffe Tekuder; die Vettern: Bulghai, Kuli und Kotar. Des Bruders Kaan's Auftrag vom Kurultai, auf welchem die Eroberung der Länder im Osten und Westen durch Kubilai Chan und Hulagu Chan beschlossen worden war, lautete an diesen: die Burgen der Assassinen zu brechen; dem Chalifen das Joch der Unterthänigkeit aufzulegen; in Allem sich mit der Frau Tokus Chatun zu berathen. Die Heere, welche schon früher unter Baidschu Nujan und Dschurmaghun nach Persien gesendet worden waren, wurden nun dem Befehle Hulagu's untergeben; so auch die an der indischen Gränze, erst von Dür Nujan und hernach vom Tataren Sali Nujan gegen Kaschmir befehligten, welche während des Feldzugs Hulagu's in Persien demselben den Rücken decken sollten. Durch das ganze Reich ging der Befehl, von jeden zehn Mann zwei für den Feldzug nach Westen zu stellen; nach China wurden Eilboten gesendet, um tausend Familien von Feuerwerkern und Naphthaschleuderern aufzubieten; von Karakorum bis an die Ufer des Oxus wurden alle Weiden für die Fütterung der Reiterei in Beschlag genommen, alle Flüsse mit Brücken versehen und die Strassen für das Heer gänge gemacht; überall sollte Mehl und Wein als Mundvorrath in Bereitschaft seyn; Baidschu und Dschurmaghun erhielten den Befehl, von Persien gegen Kleinasien vorzurücken; den Vortrab bildete der Naimane Keitbuka, vormals Bawerdschi, d. i. Tafeldecker, mit zwölftausend Türken, welcher, bis die Rüstungen vollendet waren, den Marsch nach Kuhistan antrat, um dasselbe indessen zu verheeren. Nachdem die Rüstungen binnen Jahresfrist vollendet waren, wurden zum Abschiede Feste veranstaltet, die begleitenden Prinzen und Frauen mit Geschenken überhäuft, im letzten Monde des Jahres sechshundert und ein und fünfzig der Hidschret, d. i. im Februar des Jahres 1254, der Marsch nach Persien angetreten; derselbe ging von der Residenz Karakorum sieben Tage lang über das Schneegebirge des Changai nach dem Flusse Hoen Murin, über den mit Ruderschiffen gesetzt ward, einige Tagreisen später über den Arungu, der in den See Kisilbasch, d. i. Rothkopf, fällt; weiter hin waren Reisfelder und die Berge mit Lerchenbäumen bewachsen. Im Norden der Stadt, welche der chinesische über diesen Marsch abgestattete Bericht[150] Pfuhle nennt, liegt ein Berg, von welchem der Wind oft mit solcher Heftigkeit herabstürzt, dass er Reisende in den See weht;[151] durch einen engen Pass, gleich einer fliegenden Brücke, öffnet sich der Weg nach Almaligh, einer Stadt voll fliessender Brunnen, und deren Einwohner Türken, vermischt mit Chinesen. Hier kam ihm Frau Hirghana, die Gemahlin Kara Hulagu's, des Sohnes Muwatukan's, des vor Bamians Mauern gefallenen zweiten Sohnes Dschagatai's, bewillkommend entgegen und bewirthete ihn mit Festen. Hirghana oder Hurkana war die Enkelin Tschengischan's, aus der an den Uiraten Turaldschi vermählten Tochter Dschidschegan, und folgte der Stiefschwester, der Frau Oldschai, welche in der Begleitung Hulagu's. Bei dem Eintritt in Turkistan kam ihm Mesud, der Sohn von Jelwadsch, bewillkommend entgegen; während des Sommers wurde dem Heere in Turkistan Rast gestattet und in der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche vor Samarkand auf der schönen Ebene von Kjanigül, d. i. die Fundgrube der Rosen, gelagert.

Das goldene Zelt; Arghun; Uebergang über den Oxus.

Hier ward das goldene Zelt aufgeschlagen, aussen und innen von Gold gewirkt, mit goldenen Nägeln und goldenen Stricken befestigt, und vierzig Tage lang gerastet und getrunken; dieses Fest wurde jedoch durch den Tod des Prinzen Suntai, des Bruders Hulagu's, getrübt. Hierauf wurde nach der Stadt Kesch[152] vorgerückt, welche in der Folge als der Geburtsort und die Grabstätte der Ahnen Timur's unter dem Namen von Schehr Sebs, d. i. der grünen Stadt, berühmt; diesen Namen dankt sie dem üppigen Grün, von zahlreichen Flüssen, deren zwei die Stadt durchströmen[153], genährt. Die Stadt besteht aus der Citadelle, der Stadt selbst, welche vier Thore hat, und der Vorstadt[154]; von fruchtbaren Gärten umgeben, in welchen alle Arten von Korn und Gemüse gedeihen. Hier kam der Fürst von Herat, Schemseddin Mohammed Kert, der Gründer der seinen Namen führenden und unter mongolischem Schutze seit Tschengischan aufsteigenden Dynastie Kert, um den Steigbügel Hulagu's zu küssen und von demselben seinen nicht mehr zu trennen; auch Arghunaga, der mongolische Statthalter Chorasan's, mit allen Grossen und Vornehmen des Landes, um sich dem Befehle des Herrn zu stellen. Von Arghunaga und seinen Söhnen wird in der Folge dieser Geschichte so oft die Rede sein, dass Näheres über ihn zu sagen nöthig. Der Dschelaire Iluke, dessen Vater Kadan, aus dem Gefolge Tschengischan's, hatte seinen Sohn sammt dessen Truppen dem Dienste Ogotai's gewidmet, bei dem er in der Folge als dessen Obersthofmeister in hohem Ansehen stand. In einer grossen Hungersnoth verkaufte ein armer Uirate, um nicht Hungers zu sterben, seinen Sohn dem Emir Atabeg Iluke für ein Stück Fleisch, und als sein Sohn Kadan in den Hofdienst[155] Ogotai's trat, gab er ihm den Sklaven als Diener mit. Dieser um ein Stück Fleisch gekaufte Sklave war Arghun. Iluke's Bruder war der schon mehr als einmal genannte Iltschidai, welcher vor des Bruders Zorn, der ihn tödten wollte, bei Ogotai Zuflucht suchte und fand, der hernach aus Dankbarkeit auf dem Kurultai nach Gujuk's Tod die Rechte des Hauses Ogotai wider die Aufrührer des Uluses Tuli mit so warmer Beredtsamkeit verfocht, dann als Statthalter nach Persien gesandt ward, wo ihn die Missionäre als Ergutai kennen, und der, nachdem sein Sohn in die Verschwörung der Prinzen des Hauses Dschagatai und Ogotai begriffen, nach des Sohnes Tode durch's Schwert ebenfalls hingerichtet worden. Arghun, durch Verstand, Beredtsamkeit, Tapferkeit und Geschäftskenntniss ausgezeichnet, schwang sich bald so hoch, dass er nach Mengkukaan's Thronbesteigung zum Baskaken, d. i. Statthalter, Chorasan's ernannt ward. Vater zahlreicher Söhne[156], von denen Newrus und Legsi in der Folge die Hand von Prinzessinnen, seine Töchter die von Prinzen und Fürsten erhielten. Von der Ebene von Kjanigül aus ergingen an alle Sultane und Könige Vorderasiens Schreiben und Diplome, ihnen zu künden, dass der Zweck des Feldzugs die vom Kaan befohlene Zerstörung der gräuelvollen Macht der Assassinen, dass Hülfe und Bereitwilligkeit im Dienste wider dieselben durch Länderzuwachs ihren Lohn finden, gegentheilige Gesinnung den Verlust der besessenen Länder nach sich ziehen werde. Einige der Fürsten waren diesen Kündigungsschreiben durch Erscheinung in Person, wie Schemseddin von Kert, zuvorgekommen, nämlich die beiden Seldschuken Rum's, die Brüder Iseddin und Rokneddin, d. i. die Ehre und die Säule der Religion, der Atabeg von Fars, Saad, mehrere Fürsten des nördlichen Persiens aus Arran, Schirwan, Aserbeidschan und Gurdschistan, welche alle, Geschenke darbringend, huldigten. Nachdem die nöthigen Schiffe und Nachen, um über den Oxus zu setzen, herbeigeschafft worden, hatte der Uebergang über denselben statt, durch welchen Persiens Loos, wie das Roms durch den Uebergang über den Rubicon, entschieden ward; am ersten Tage des letzten Mondes des 653sten Jahres der Hidschret, d. i. am ersten Januar des Jahres 1256 unserer Zeitrechnung.

Winterquartier zu Scheburghan; die beiden Dschuweini.

Um den Uebergang über den Oxus in dankbarem Andenken zu erhalten, hob Hulagu den bisher von allen Schiffen genommenen Ueberfuhrszoll auf, was von damals an während der ganzen mongolischen Herrschaft Gesetz blieb. Jenseits des Oxus wurde auf Löwen gejagt und zehn derselben erlegt. Am zehnten Tage nach dem Uebergange (am moslimischen Opferfeste) 10. Januar 1256. wurde südwestlich von Balch ausser der Stadt Scheburghan[157] gelagert, deren District bei den morgenländischen Geschichtschreibern unter dem Namen der Landschaft Dschusdschan oder Dschusdschanan bekannt[158]; die mit fliessendem Wasser reichlich bewässerten Gärten sind vorzüglich fruchtbar an Wassermelonen, welche getrocknet verführt werden. Dem Heere ward verboten, die Stadt zu betreten; ein heftiges Schneegestöber, das durch sieben Tage dauerte, von grimmiger Kälte begleitet, war vieler Lastthiere Verderben. Hulagu beschloss, hier den Rest des Winters abzuwarten. Emir Arghun brachte ein prächtiges, mit goldenen Nägeln und Stricken versehenes, goldenes Zelt zum Geschenke dar, in welchem Hulagu auf goldenem Throne sass, eine Vorbedeutung glücklicher Herrschaft, während um ihn die Prinzen und Fürsten versammelt, die gegebenen Feste verherrlichten. Nach aufgehobenen Festen begab sich Emir Arghun an den Hof des Kaan's, um demselben Bericht zu erstatten, liess aber für die Besorgung der Geschäfte seiner statt seinen Sohn Kerrai Melik und Alaeddin Athamülk Dschuweini als Staatssekretär zum Dienste Hulagu's zurück. Alaeddin Athamülk und sein älterer Bruder Schemseddin Mohammed Dschuweini sind ein leuchtendes Doppelgestirn nicht nur der Wesirschaft, sondern auch der Literatur; dieselben erscheinen so oft und wirksam in der Geschichte Hulagu's und seines Nachfolgers Abaka, dass nähere Bekanntschaft mit ihrer Herkunft und ihrem Wirken hier unabweislich. Dschuwein ist die arabisirte Aussprache von Kuwan[159], einem Distrikte der Stadt Nischabur in Chorasan, dessen Hauptort Asadwar, auch Dschuwein genannt, durch das erlauchte Brüderpaar für immer in der Geschichte geadelt worden. Sie waren die Söhne des Imams Abdulmelik Dschuweini, aus einer seit langen Jahren durch hohe Staatsdienste geehrten Familie. Als Sultan Mohammed Tekesch nach Dschuwein zog, I. J. 588/ 1192 bewillkommte ihn Behaeddin, der Urgrossvater Alaeddin's, mit einem Distichon, das er gnädig aufnahm, und sein Enkel Behaeddin, der Vater Alaeddin's, befand sich im Gefolge Dschelaleddin Mankburni's, als dieser vor den Mongolen floh. 617/ 1220 Dreizehn Jahre hernach floh Behaeddin vor den vom mongolischen Emir Dschintimur zur Dämpfung von Unruhen gesandten Truppen nach Tus, 630/ 1232 und Dschintimur ernannte ihn zum Herrn des Diwans in Chorasan und Masenderan; 633/ 1235 drei Jahre später sandte ihn Dschintimur an Ogotai, der ihn ehrenvoll empfing und in seinem Amte bestätigte; und als abermal drei Jahre später der Emir Körgös, der Statthalter von Chorasan, an den Hof des Kaan's sich zu vertheidigen ging, übertrug er in seiner Abwesenheit die Statthalterschaft Chorasan's an Behaeddin; desgleichen that der Nachfolger von Körgös, der Emir Arghun, bei seiner ersten Reise in's Hoflager; bei seiner zweiten führte er ihn mit sich; endlich starb er zu Issfahan, sechzig Jahre alt. Sein Sohn Alaeddin, im Sterbjahre Tschengischan's geboren, kam schon in früher Jugend in das Gedränge der Geschäfte des Diwan's, und verschloss, wie er selbst reuig in seiner Geschichte bekennt, das Ohr den heilsamen Ermahnungen des Vaters, welcher ihm gerathen, sich den Wissenschaften zu widmen. Später jedoch holte er das Versäumte durch Studien nach, von denen seine Geschichte Tschengischan's, welche den Titel Dschihanguscha, d. i. die Welteröffnende, führt[160], die schönste und bleibende Frucht. In seinem siebzehnten und achtzehnten Jahre begleitete er den Emir Arghun auf dessen Reisen in's Hoflager und in seinem zwanzigsten zum Kurultai der Thronbesteigung Mengkukaan's, an dem er sich mehrere Jahre aufgehalten zu haben scheint, da dort die Anforderung an ihn erging, die Geschichte Tschengischan's zu schreiben, die er im sieben und zwanzigsten Jahre seines Alters begann. Er spricht darin von seinen Reisen in Mawereinnehr, Turkistan und an die chinesische Gränze und beschreibt die in der Nähe Karakorums entdeckten Ruinen der vormaligen Hauptstadt der Uighuren. Seit der Abreise Arghun's von Schaburghan an den Hof des Kaan's versah Athamülk bei Hulagu die wichtige Stelle des Staatssekretärs, als Hulagu's unzertrennlicher Begleiter.

Keitbuka belagert die Schlösser der Assassinen.

Keitbuka der Dschelaire war mit dem Vortrabe des Heeres gleich nach dem Kurultai, auf welchem der Feldzug nach Westen beschlossen worden, gegen Kuhistan aufgebrochen und mit fünftausend Fussgängern in Kuhistan, d. i. im Gebirgslande der Assassinen, an den Fuss des Schlosses Girdkjuh, d. i. Kreisberg, einer ihrer beträchtlichsten Festen, gelangt. Girdkjuh, auch Derikunbed, d. i. das Gewölbthor, genannt, liegt drei Farasangen von Demghan in der Landschaft Kumis in der Nähe von Manssurabad oder Manssurije[161]. Die Belagerungsweise war eine neue, vordem und seitdem unerhörte, ächt mongolische oder chinesische; rund um das Schloss wurde ein Graben gezogen, hinter demselben eine Mauer aufgeführt, hinter der Mauer stand das Heer und hinter demselben abermal eine hohe Mauer aufgebaut, damit es so von vornen als hinten wider Ueberfälle geschützt und auf allen Seiten der Weg zur Feldflucht gesperrt sei[162]; so war das Bergschloss von einem dreifachen Kreise, dem des Heeres und der beiden Mauern, umzüngelt, und verdiente im eigentlichsten Sinne den Namen Kreisberg. Da das Schloss festhielt, zog er mit Truppenabtheilungen nach den anderen Schlössern, von denen die Geschichte dieses Feldzugs ein Dutzend nennt, von denen nicht nur bisher auf den bessten Karten keine Spur, sondern deren Namen sogar in den bessten geographischen Werken des Morgenlandes über Persien, in den arabischen Abulfeda's[163], dem persischen Hamdallah Mestufi's[164] und im türkischen Hadschi[165] Chalfa's, der aus beiden geschöpft, fehlen. So zog er belagernd vor die Schlösser Mehrin, vor dem er Wurfmaschinen aufstellte, Schahdis, wo er einen Haufen von Feinden tödtete und zurückkehrte bis Tarim und Rudbar, die er verwüstete, an den Fuss von Manssurije und Ohlomischin, wo durch achtzehn Tage gekämpfet ward; die von Schirkjuh machten indessen einen nächtlichen Ueberfall, in welchem sie den Belagerungswall verheerten[166]. Die beiden Schlösser Schir und Sirkjuh[167] wurden berennt, Mehrin genommen; die Besatzung von Girdkjuh hatte indessen an Alaeddin Mohammed, den Grossmeister, Wort gesandt, dass trotz der tapferen Vertheidigung sie sich würden bald ergeben müssen; Schaaban 651/ Nov. 1255 da sandte der Grossmeister zwei seiner Hauptleute[168] mit hundert zehn Tapferen, jeden mit drei Menn Henna und drei Menn Salz, an welchem das Schloss Mangel litt; das Henna nicht zum gewöhnlichen Gebrauche der Bartfärbung oder Nägelschminke, sondern als Mittel wider die grassirende Pest; denn man hatte bei der Hochzeit der Tochter eines Emirs die Erfahrung gemacht, dass alle, welche (ob Wassermangels) von dem Wasser, worin das Henna aufgelöset worden, getrunken, von der Pest frei geblieben waren. Indessen ward Alaeddin der Grossmeister, dessen Vater und Nachfolger vor Einem Jahre[169] durch die nächsten Verwandten vergiftet worden, durch den Meuchler Hasan von Masenderan und hierauf der Mörder selbst auf Befehl Chorschah's, des Sohnes und Nachfolgers Alaeddin's, getödtet. letzten Schaaban 653/ Dec. 1255 Der Vatermord rächte den Vettermord; der Meuchler ward gemeuchelt. Alaeddin war als zehnjähriger Knabe auf den Herrscherstuhl gesetzt worden, den er durch vier und dreissig Jahre mit Blut und Gräueln aller Art befleckte. Hasan aus Masenderan hatte ihm, bis sein Bart grau zu werden anfing, zum Lotterbuben gedient, dann hatte er ihm eine seiner Sklavinnen geschenkt; da er aber nichtsdestoweniger den Mann und das Weib in beider Gegenwart, diese an jenes statt, jenen als diese, zu misbrauchen fortfuhr, ergrimmte Hasan über so schändlichen Misbrauch des Herrschergelüstes und schwur ihm den Tod; er theilte sein blutiges Vorhaben jedoch dem mit dem Vater stets entzweiten Sohne mit, und als dieser dazu schwieg, führte er, unter vorausgesetzter stillschweigender Beistimmung, das Werk der Rache aus. Der Dichter Schemseddin Ejub Tausi verfertigte auf den Tod Alaeddin's ein Gedicht, woraus die Verse:

Der Todesengel trug ihn zu der Hölle Strafen, Um in geschmolznem Pech den Rausch dort auszuschlafen; Entgegen kamen ihm der Hölle Feuerschenken, Um als Gefährten ihn mit Gluthenschwall zu tränken.

Die Städte Tun und Tus.

Hulagu sandte den Herrn von Herat, Schemseddin Kert, an den Gebietiger[170] des Schlosses Sertacht, an Nassireddin, dessen Name durch den grossen Astronomen Nassireddin von Tus, welcher seine demselben gewidmete berühmte Ethik nach dessen Namen die Nassirische Moral[171] betitelte, rühmlich fortlebt. Der Gebietiger übergab das Schloss und kam mit Melik Kert zur Huldigung Hulagu's. Dieser fragte ihn: warum er nicht auch die Bewohner des Schlosses mit sich geführt? Nassir entgegnete, dass diese dem Grossmeister Chorschah und nicht ihm gehorchten. Hulagu liess ihm Diplom und das Ehrenzeichen des Löwenkopfs geben und sandte ihn als Befehlshaber nach Tun. Tun, eine der vorzüglichsten Städte Kuhistan's, zwei Tagreisen südlich von Meschhed auf der Strasse von Kerman, nicht ferne von Kain[172], zeichnet sich durch besondere Anlage der Häuser und Gärten aus, indem das Schloss mit tiefem Graben, ausser welchem der Markt und die Häuser mit Gärten und diese von Saatfeldern und die Felder mit Mauern umgeben, das Ganze mit unterirdischen Wasserleitungen und mit Gruben durchschnitten, in welchen Wassermelonen trefflich gedeihen[173]. Hulagu, nach Sawa und Chawwaf[174] vorgerückt, erlitt einigen Verlust; Kuli Ilkai und Keitbuka[175] wurden weiter an die Gränze von Kuhistan vorausgesandt, wo sie einigen Widerstand fanden, aber binnen einer Woche denselben besiegten, und dann vor Tun die Wurfmaschinen aufpflanzten; in zwölf Tagen war die Stadt erobert, 7. Rebiulachir 654/ 5. Mai 1256 und sie kehrten sogleich zu Hulagu zurück, der sich zu Tus befand. Tus, eine der ältesten Städte Chorasan's, schon im Beginne des neunten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung[176] durch die Grabstätte des Chalifen Harun Reschid[177] nur um neun Jahre später durch die Ali Ben Musa Risa's des achten Imam's, zwei Jahrhunderte hernach durch die des grössten persischen ethischen Dichters Firdewsi[178], als der Geburtsort Ghasali's des grossen Philosophen, Nassireddin's des grossen Astronomen und Hamdallah Mestufi's des grossen Geographen und Geschichtschreibers, verherrlicht. Dieser belehrt uns, dass die Stadt schon von Dschemschid gebaut, nach ihrer Verwüstung von Tus, dem Sohne Nuser's, wieder aufgebaut, von ihm den Namen erhalten; dass das Grabmal Ali Musas, vier Farasangen von Tus im Dorfe des Distrikts Sebanabad[179], der um dasselbe angebauten Stadt den heutigen Namen Meschhed gegeben; folglich sind die Ruinen des alten Tus vier Farasangen vom heutigen Meschhed, das schon mehrere Reisende besucht, keiner so umständlich beschrieben, als Fraser[180]. Meschhed, der Geburtsort und die Grabstätte so vieler der grössten Lichter Persiens, ist heute, was ehemals Bochara war, der Sammelplatz der Gelehrten; von einigen und zwanzig Tausend Einwohnern der Stadt sind die zahlreichsten die Imame, Molla, Muderrise (Professoren) und Danischmende (Studenten), welche den verschiedenen Moscheen, Medreseen, Grabstätten und Domen angehören. Das Innere einer Medrese gleicht einem Karawanserai, nur mit Abwesenheit der Stallgewölbe; dem Eingange in die Mitte der Nord- oder Nordostseite steht in der Mitte der Süd- oder Südostseite eine gewölbte Nische entgegen, welche die Kibla vorstellt und wohin sich alle Gesichter beim Gebete wenden; in der Mitte der beiden Seitenwände sind Balcone, von Säulen getragen, für die Wohnungen der höheren Molla, in der Mitte des Hofes ein kleiner Garten und im Mittelpunkte desselben ein Wasserbecken. Die grosse Moschee von Meschhed, welche das Grab Ali Risa's umschliesst, ist hundert fünf und sechzig Klafter lang und fünf und zwanzig breit, in der Art eines Karawanserai, mit zwei Stock hohen, rings herum laufenden Gemächern gebaut, im Mittel und an den Ecken jeder Seite hochgewölbte Thore, das Ganze mit glasirten vielfarbigen Ziegeln auf das Geschmackvollste bekleidet; dieser herrliche Hof heisst Ssahn, d. i. das Feld, wie der Vorhof der grossen Moscheen zu Konstantinopel, wesshalb die dort an der Moschee Mohammed's II. angestellten Professoren der acht Medreseen die Achter vom Felde genannt werden. Der Dom des Mausoleums, mit goldenen Ziegeln bedeckt, rings herum mit goldenen Inschriften in lazurblauem Felde geschmückt, die Schafte der beiden Minarete reich vergoldet und oben mit zierlich geschnitzten hölzernen Gallerien gekrönt. Von diesen herrlichen, erst unter der Dynastie der Ssefi errichteten Gebäuden bestand noch Nichts zur Zeit Hulagu's, wohl aber waren die Grabstätten der grossen Chalifen Imam's und Dichter ein Gegenstand der Verehrung der Wallfahrter; noch sind die Mauern von Tus mit ihren Thürmen aus Lehmen sichtbar und ausser den obgenannten Grabmälern grosser Männer wird noch das Grab Burk Eswed's besucht, welcher nach der Volkssage ein Neger, Freund des Herrn Jesus gewesen, nach dessen Tode hierher geflohen, hier gestorben und bestattet worden sein soll.[181]

Tus, Bostam, Aufforderung an Chuarschah.

Hulagu stieg zu Tus im Garten Arghun's im goldenen Zelte ab, welches dieser auf ausdrücklichen Befehl des Kaan's für Hulagu nach dem Muster der grossen goldenen Zelte des Kaan's bereitet hatte; von da begab er sich nach dem Garten Manssurije, welchen Arghun von seiner Verwüstung wieder hergestellt. Hier brachten die Frauen Arghun's und Iseddin Tahir's Proviant dar[182]; den nächsten Tag begab sich Hulagu nach der Ebene von Radgjan, wohin von Merw, Jesrud und Dehistan Wein und Lebensmittel im Ueberflusse zugeführt worden; hierauf nach dem seit der Ankunft der Mongolen verwüsteten Flecken Chabuschan[183]. Hulagu befahl, denselben wieder herzustellen, liess Kanäle graben, eine Fabrik bauen und neben der Moschee einen Garten anlegen; den Emiren wurde befohlen, dort Häuser zu bauen, und dem Wesir Seifeddin die Leitung und Oberaufsicht des Baues aufgetragen. Die drei Gesandte[184], welche an Chuarschah, den Grossmeister der Assassinen, abgesandt worden, 29. Deschem. I. 654/ 24. Juli 1256 kamen unverrichteter Dinge zurück, und es ward daher sogleich der Befehl zur Verheerung des Landes gegeben. 10. Schaaban/ 2. Sept. Acht Tage hierauf stand das Lager zu Bestam, der östlichsten der drei Hauptstädte der Landschaft Kumis (die beiden anderen sind Demghan und Semnan). Bestam, eine alte, schon in der Hälfte des dritten Jahrhunderts der Hidschret durch Erdbeben verwüstete Stadt[185], dankt ihren Ruhm vorzüglich der Grabstätte des zwanzig Jahre hernach[186] gestorbenen grossen mystischen Scheichs Bestami[187], dem Stifter des nach ihm genannten Ordens der Derwische Bestami; später ward dieselbe noch als die Geburtsstadt zweier anderer grossen Gelehrten verherrlicht, der eine Abderrahman Ben Mohammed Bestami, der in der Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung, Verfasser von vierzig Werken, starb[188], und Ali Ben Medschdeddin Bestami[189], welcher, berühmt unter dem Namen Mussannifek, d. i. der kleine Compositor, sich in der osmanischen Geschichte keinen minderen Namen durch seine zwanzig Werke, als durch seinen Fanatismus erworben, welcher ihn dazu antrieb, an dem gefangenen letzten König von Bosnien selbst das Amt des Henkers zu vollstrecken[190]. Von Bestam aus sandte Hulagu abermal zwei Gesandte[191] an den Grossmeister der Assassinen mit Drohungen und Verheissungen. Bei demselben befand sich der grosse Astronom Nassireddin mit zwei berühmten Aerzten[192], welcher, in die Macht der Assassinen gefallen, eine Zeit lang bei Nassir, dem Gebietiger von Sertacht, verweilet, jetzt der Arzt und Rath des neuen Fürsten der Assassinen. Nassireddin beschloss mit seinen Collegen, dem Gräuel der Assassinenherrschaft ein Ende zu machen, indem sie zum freundlichen Empfange des Botschafters Hulagu's riethen. Chuarschah befolgte ihren Rath und sandte mit den freundlich empfangenen Botschaftern Hulagu's seinen Bruder Schehinschah und den Chodscha Assileddin von Susen[193], um seine Unterwerfung dem Hulagu darzubringen. Hulagu empfing sie freundlich und sandte abermals vier Botschafter[194] mit dem Begehren, dass, wenn die Unterwerfung aufrichtig, Chuarschah die Schlösser brechen und selbst am Hofe des Chan's erscheinen möge. Chuarschah antwortete: wenn mein Vater widerspenstig war, will ich unterwürfig sein; er fing an, an einigen Schlössern, wie Meimundis, Lemsir und Alamut, Zinnen, Thore und Mauern abbrechen zu lassen, begehrte aber die Frist eines Jahres bis zu deren gänzlichen Uebergabe. Die Frist nicht gewährend, bot Hulagu seine Heere auf und zog von Bestam aus wider die Schlösser; der rechte, von Köke Ilka und Tukatimur befehligte Flügel zog auf der Strasse von Masenderan, der linke, unter dem Befehle des Prinzen Tekuder Aghul[195] und Keitbuka Nujan's, auf der Strasse von Chuar und Semnan; Hulagu, im Mittelpunkte mit einem Toman, d. i. mit zehntausend Wackeren, zog gegen Firuskjuh, d. i. den Glücksberg, auf welchem heute die Ruinen des Schlosses der Assassinen für eine Windmühle und ein Bad aus der Zeit Alexander's des Grossen gelten[196]. Er sandte abermals Aufforderung an Chuarschah, sich unmittelbar zu ergeben. Als die Fahnen der Mongolen bereits vor Firuskjuh[197], kamen die Gesandten und mit ihnen der Wesir und traute Gesellschafter Chuarschah's Keikobad zurück. Er bat im Namen seines Herrn noch einmal um Frist eines Jahres bis zum gänzlichen Auszuge und um die Schonung Lemsir's und Alamut's, der ältesten Burgen ihrer Herrschaft; er sandte Kabinetsbefehle an die Gebietiger von Girdkjuh und Kuhistan, sich sogleich zu unterwerfen, und hoffte so den Sturm zu beschwören.

Demawend, Fall von Meimundis.

Die Fahnen Hulagu's flatterten nun zu Demawend, einer der ältesten Städte Iran's, am Fusse des gleichnamigen Berges gelegen, der ein vulkanischer, durch Erdbeben und Rauch Verwüstungen anrichtet und androht. Hier residirte der Tyrann Sohak, dessen Karbunkel auf der Achsel, wo ihn der Satan geküsst, nach der Volkssage nur durch das Gehirn zweier täglich geschlachteter Menschen gelindert werden konnte. Von dieser Tyrannei befreite sein Volk der Schmied Gjawe, dessen Schurzfell, an einen Spiess gestekt, die Fahne, unter welcher sich die Völker zum Sturze des Tyrannen sammelten, vor dessen Grimm sich die Schlachtopfer seiner Regierung bis in's Gebirge von Kurdistan geflüchtet hatten, und der endlich selbst in's Gebirge von Demawend verbannt ward. Alljährlich am 31. August wird, unabhängig vom moslimischen Kalender, das Befreiungsfest von der Regierung Sohak's zu Demawend gefeiert. Die Bewohner der Umgegend sammeln sich, auf Pferden, Mäulern, Eseln beritten, und ziehen unter lautem Geschrei durch das Feld[198], jubelnd, dass ihre Väter dem Halloh der Tyrannei entflohen, welche noch so schwer auf ihnen selbst lastet; Nachts werden Feuer auf den Terrassen der Häuser angezündet und die Stadt beleuchtet, Freudenfeuer über die Erlösung von dem Drucke Sohak's, durch welchen die Seufzer der Unterdrückten wie Flammen zum Himmel emporstiegen. Dieses Fest heisst das Fest der Kurden, auf denen Sohak's Tyrannei vorzüglich lastete. Demawend soll schon von Siamek, dem Sohne des Keiomer's, des zweiten Herrschers der Pischdadier, gebaut worden und von Tahmuras Diwbend, d. i. dem Diwbändiger, sollen die Diwe in den Demawend gebannt worden sein, wo sich ihr Daseyn noch durch Rauch und Erdbeben kund gibt. Von hier sandte Hulagu den Schemseddin Kilegi nach Girdkjuh (dem Tigado Haithon's), um den Befehlshaber zur Unterwürfigkeit aufzufordern, und einen anderen Gesandten an Chuarschah, um diesen zu bringen. Hulagu erwartete den Erfolg dieser Botschaften zu Abbasabad[199], in der Nähe von Rei, der alten Hauptstadt des persischen Irak. Chuarschah sandte seinen Sohn, einen achtjährigen Knaben, 17. Ramasan 654/ 8. Oct. 1256 welchen ihm aber Hulagu mit der Botschaft zurücksandte, dass, wenn er selbst nicht kommen könne, er einen anderen Bruder statt Schehinschah's senden möge. Chuarschah sandte seinen Bruder Schiranschah und den Chodscha Assileddin mit dreihundert Mann, um seine Huldigung darzubringen. 1. Schewwal 654/ 26. Oct. Nach vier Tagen wurden sie mit einem Diplome zurückgesendet, welches dem Chuarschah, da er Nichts verbrochen, die Gnade des Kaan's versicherte, wenn er seine Schlösser ausliefern wollte; zugleich erhielt das Heer den Befehl, von allen Seiten aufzubrechen. Köke Ilka und Tukatimur nahten sich von der Seite von Ispidar; Chuarschah fragte: warum sie kämen, da er zur Unterwerfung bereit; sie antworteten: es sei die Heeresstrasse, auf der sie nach Fütterung auszögen. Hulagu hatte sich indess gegen Thalkan[200] gewendet, 10. Scheww./ 31. October einer Stadt der Landschaft Tocharistan, nach welcher die Mongolen von den Byzantinern den Namen Tocharen erhielten, der noch in dem der Mongolen Tsacharen fortlebt. Ohne einen eingefallenen Regenstrom wäre Chuarschah schon diesen Abend am Fusse seines Schlosses gefangen worden; acht Tage hernach, 19. Scheww./ 8. November als sich das Wetter aufgeheitert, ward Kriegsrath gehalten, ob die Belagerung des Schlosses noch bei so weit vorgerückter Jahreszeit zu unternehmen, oder auf's nächste Jahr zu verschieben sei; der Wesir Seifeddin, die Generale Keitbuka und Bukatimur stimmten für die Belagerung. Hulagu sandte abermals Botschaft, halb drohend, halb versöhnend, einen letzten Termin von fünf Tagen zur Uebergabe bestimmend. Chuarschah verlor den Kopf und sandte seinen gelehrten Arzt und Rathgeber Nassireddin von Tus mit seinem Bruder Iranschah und seinem Sohne Turkia mit vielen Geschenken, seine Unterwürfigkeit darzubringen; drei Tage hernach, Sonntags den 19. November, 19. Nov. 1256 kam Chuarschah selbst, um den Fuss des Kaan's zu küssen; er kleidete seine Unterwerfung in die folgenden beiden, von ihm selbst verfertigten Distichen ein:

O Schah, ich komm' an deinen Hof, gewarnt, Bereuend Schuld, die mich bisher umgarnt. Dein Glück hat diesen Lauf für mich genommen, Wie wär' ich sonst, wozu wär' ich gekommen!

Hulagu sah, dass er einen unerfahrenen Jüngling vor sich hatte; er schmeichelte ihm mit Verheissungen und bewog ihn, alle Burgen seiner Vorfahren, deren Zahl auf hundert stieg, zu brechen, nur Girdkjuh und Lemsir, in welchen sich die Besatzungen noch festhielten, ausgenommen; die zu Meimundis[201] aufgespeicherten Schätze wurden ausgeliefert und unter die Emire des Heeres vertheilt. Hulagu zog vor Alamut, d. i. das Adlernest, den Hauptsitz des Grossmeisters der Assassinen, von wo unter dem Gründer Hasan Ssabbah die Macht des Ordens wie ein Adler aufflog. Der Befehlshaber ergab sich, nachdem er ein Paar Tage Widerstand geleistet. 26. Silhidsche 654/ 15. December Die Mongolen drangen ein, zerbrachen die Wurfmaschinen und gaben den Einwohnern drei Tage Frist zum Abzuge.

Schlösser der Assassinen.

Nach Abzug der Besatzung, nach Vertheilung der Beute, sandte Hulagu seinen gelehrten Staatssekretär Athamülk Dschuweini in's Schloss von Alamut, um die Archive und die Bibliothek zu durchsuchen. Die Korane und einige andere kostbare Werke wurden bei Seite gelegt, darunter eines, welches den Titel: Begebenheiten unsers Herrn und Meisters[202] führte und das Leben Hasan Ssabbah, des Gründers des Ordens, enthielt, woraus Athamülk in seiner Welteröffnenden Geschichte die verlässlichsten Nachrichten über denselben gegeben; alle anderen Werke philosophischen und freigeisterischen Inhalts über die Lehre der Ismaili wurden den Flammen übergeben. Ob er dieses Autodafe der Bücher auf Hulagu's Befehl oder aus eigenem Antriebe veranstaltet, ob, wenn dieser Brand blos sein Werk gewesen, ihn dazu nur der Feuereifer rechtgläubigen Islams, oder, wie ihn spätere Geschichtschreiber dessen beschuldigen, verdammenswerthe engherzige Habgier ausschliesslicher Gelehrsamkeit bewogen, ist heute zu entscheiden unmöglich. Er soll nämlich blos die historischen Werke, die er benutzen wollte, gerettet und auch diese hernach den Flammen preisgegeben haben, um die Gelehrsamkeit als Geschichtschreiber zu monopolisiren. Eine ähnliche Anklage lastet auch auf dem Andenken des grossen Astronomen Nassireddin und des grossen Arztes Ibn Sina[203]. In welchem Gelehrtenkopf immer solche Barbarei Eingang gefunden haben mag, so ist dieselbe doch vom einseitigen Mathematiker und Arzte oder Philosophen begreiflicher, als vom Geschichtschreiber, welcher, wenn er seine Quellen, statt dieselben anzuführen, vernichtet, mit denselben seine Glaubwürdigkeit zerstört. Zur Ehre des grossen Geschichtschreibers, Astronomen und Arztes, welche so ausschweifender und ausschliesslicher Ruhmsucht bezüchtiget werden, wollen wir glauben, dass der Gedanke davon nicht in ihrem vielumfassenden Geiste, sondern in dem engeren ihrer Ankläger Platz greifen konnte. Alamut, d. i. das Adler- oder Geyernest, auf einem hohen steilen Hügel, nordöstlich von Kaswin gelegen, bietet noch heute in seinen Ruinen eine lange Reihe durch Mauern mit einander verbundener Thürme dar, welche auch dem, der sie, wie Ker Porter, der Maler des persischen Alterthums, nur von ferne gesehen, als unbezwingbar ins Auge springen.[204] Der ganze Gebirgsdistrikt zwischen Dilem und Irak, durch dessen Schluchten der Fluss Schahrud, d. i. der Königsfluss, sich mühsam den Weg bahnt, heisst Rudbar, d. i. das Flussland, und zwar das von Alamut zum Unterschiede vom südlichen, von Lur, in Issfahan's Nähe, welches der Sendrud, d. i. der lebendige Fluss, durchströmt. Hasan Ssabbah hatte sich Alamut's halb mit Gewalt, halb mit List bemächtigt, 483/ 1090 dann sich vom seldschukischen Sultan Berkjarok das in der Nähe von Damaghan gelegene Schloss Girdkjuh erbeten, und zwölf Jahre nach der Besitznahme von Alamut das im selben Thalwege gelegene feste Schloss von Lembeser[205]. Nebst Alamut, d. i. dem Geyerneste, Girdkjuh, d. i. dem Gürtelberg, und Lembeser, d. i. Ruh' im Kopf, waren die festesten Schlösser der Assassinen (nach den Citadellen der Städte Tun und Kain) in Kuhistan: das von Meimundis, d. i. die glückliche Feste, aus welcher der letzte Grossmeister abzog, und Muminabad, d. i. der Bau der Gläubigen, welches seinen Namen und seine Befestigung vermuthlich dem vorvorletzten Grossmeister, welcher den Beinamen des neuen Musulman führte, dankt, dessen Name in der heutigen Verstümmelung von Meiomend[206] kaum zu erkennen, und dessen ausserordentliche Festigkeit die Geographie Hamdallah's anrühmt[207]; so auch die des am Berge Demawend gelegenen Firuskjuh, d. i. Glücksberg, und das Schloss Dschenabdar oder Kebajed, welches aber nicht erst von den Assassinen, sondern vom Sohne des altpersischen Helden Guders befestigt worden sein soll.[208]

Kaswin.

Von Alamut begab sich Hulagu in den ersten Tagen des Januars in das grosse, sieben Farasangen von Kaswin aufgeschlagene Lager, 16. Silhidsche 654/ 4. Jan. 1257 wo durch sieben Tage Feste gefeiert, die Prinzen und Emire zur Aufwartung und zum Glückwunsche der Eroberung zugelassen wurden; selbe, sowie der Astronom Nassireddin von Tus und die beiden Söhne der zwei grossen Aerzte von Hamadan, welche durch ihren Rath wesentlich zur Uebergabe von Meimundis beigewirkt, wurden beehrt, beschenkt; der Astronom und seine beiden Begleiter blieben sofort im Gefolge Hulagu's, von demselben bei jeder Gelegenheit ihrer Kenntnisse willen ausgezeichnet. Dem Chuarschah ward ein mongolisches Mädchen angetraut und die Hochzeit zu Kaswin mit Festen gefeiert. Hulagu behandelte ihn mit Schonung, um von ihm die nöthigen Befehle an die Gebietiger der Schlösser in Syrien zu erhalten, dass sie dieselben bei Ankunft des mongolischen Heeres demselben ungesäumt übergeben möchten. Nachdem er diesen Befehl von ihm erhalten, sandte ihn Hulagu als Trophee an den Hof des Kaan's Mengku. Als dieser die Nachricht erhielt, dass Chuarschah sich nahe, sagte er: Wozu schickt man ihn? und sandte ihm als Willkomm den Todesbefehl entgegen. Er wurde getödtet und hierauf seine ganze Familie, Weiber, Brüder und Söhne zu Kaswin niedergemacht. So hatte die blutige Dynastie der persischen Ismailije, d. i. der Assassinen, nach hundert und sieben und siebzig Mondjahren ihr Ende erreicht[209], und der Dolch des Meuchlers ward durch das Schwert des Mongolen gebrochen. Hulagu hielt sich einige Zeit zu Kaswin auf, wo er im Bade Moslim's badete. Hamdallah von Kaswin, der Geschichtschreiber und Geograph Persiens, erwähnt in seiner auserwählten Geschichte dieses Besuchs als einer der merkwürdigsten Epochen der Geschichte seiner Vaterstadt, die von nun an eine der Hauptstädte des mongolischen Reichs in Persien und daher unter dem Geleite Hamdallah's näherer Bekanntschaft werth.[210]. Zuerst baute Schabur[211] hier eine Stadt, welche seinen Namen trug, als Feste wider die Dilemiten, die feindliches Nachbaren im Norden. Bei einem denselben hier gelieferten Treffen, als die Schlachtordnung der Perser auf einer Seite in Verwirrung gerieth, soll der Chosroes seinem Feldherrn zugerufen haben: an kesch win, d. i. jenen Winkel schau, und nach erfochtenem Siege zum Andenken desselben die Stadt erbaut haben, welcher sofort der Namen Keschwin, d. i. Winkel schau, blieb, das heutige Kaswin. Der Chalife aus dem Hause Abbas Hadibillah Musa fügte eine dritte Stadt hinzu, Mubarekabad, d. i. der gesegnete Bau, genannt; diese drei Städte umfing der Chalife Harun Reschid mit einer Mauer, welche den Namen Reschidabad erhielt. Der Thronprätendent Husein Ben Said bemächtigte sich später der Stadt und vollendete den Bau derselben[212]. Unter der Regierung Fachreddewlet's des Bujiden erneuerte sein berühmter Wesir Ismail Ben Ibad die Stadt und vergrösserte dieselbe nach dem Bau des nach ihm Ssahibabad genannten Viertels. Hierauf[213] vom Dilemiten Ibrahim Ben Merseban verwüstet, vom Emir Ebu Ali Dschaaferi wieder hergestellt und vom grossen Sultan der Seldschuken, Alparslan, erneuert[214], war sie jetzt durch die Mongolen abermal verheert worden. Die Mauer, von zehntausend dreihundert Ellen im Umfange, war mit zweihundert dreissig Thürmen befestigt, hatte sieben Thore und umfing neun Viertel, und sechs unterirdische Wasserleitungen, von denen die vom Einsiedler Chumar Tekesch[215] gebaute das besste Wasser gibt; derselbe baute auch ein halbes Jahrhundert später[216] die nach seinem Namen genannte Moschee; eine andere hatte schon der tyrannische Statthalter Hidschadsch aus einem Götzentempel in einen Betort der Moslimen umgeschaffen. Die Schii hassen diese Moschee, weil von ihrer Kanzel unter der Regierung der Beni Omeije dem Ali geflucht ward. Eine noch frühere Ueberlieferung aus dem Munde Mohammed's oder eines der vier ersten Chalifen heisst: Ehret Kaswin, welches eine der höchsten Pforten des Paradieses[217]. Kaswin hat Ueberfluss an herrlichen Früchten, besonders an Melonen, Wassermelonen und Trauben, welche für die bessten ganz Persiens gelten[218]; die hier verfertigten Klingen wetteifern mit denen von Chorasan und Schiras; von den Fabrikaten zeichnen sich die aus mannichfarbigen Tuchenden zusammengenähten Pferddecken aus. Die Einwohner gelten für die bessten Gesellschafter, und ein persisches bekanntes Distichon räth dem Schah, vier Männer nur aus vier Städten seines Reichs zu wählen; Musiker aus Chorasan, Geschäftsmänner aus Issfahan, Krieger aus Tebris und Gesellschafter aus Kaswin[219]. Zur Verherrlichung des literarischen Ruhmes Kaswin's genügen die beiden Sekretäre Kaswini, der Verfasser der Wunder der Geschöpfe[220] und der einzigen Perle der Seltenheiten[221], jenes Naturgeschichte, dieses Geographie, und Hamdallah Mestufi, der Verfasser der auserwählten Geschichte[222] und der bessten persischen Erdbeschreibung[223], so dass persische Natur- und Völkergeschichte, Erd- und Ortsbeschreibung keiner persischen Stadt mehr verdanken, als dem reichbegabten gesellschaftlichen Kaswin.

Hamadan.

Mit Eintritt des Frühjahrs begab sich Hulagu von Kaswin nach Hamadan, wo Baidschu Nujan von Aserbeidschan zur Aufwartung erschien. Hulagu, mit dessen Unthätigkeit unzufrieden, überhäufte ihn mit Vorwürfen: „Was hast du, seit Dschurmaghun nicht mehr in Iran geblieben, gethan? welche Schlachtenreihen hast du gebrochen, welchen Rebellen geschlagen? Hat dir das mongolische Heer zu Etwas Anderem gedient, als durch dessen Macht und Grösse den Chalifen zu schrecken?“ Baidschu kniete nieder und sagte: „Ich habe mir keine Saumseligkeit zu Schulden kommen lassen und, was in meinen Kräften lag, gethan. Von den Thoren Rei's bis an die Gränzen Syriens habe ich Alles unterworfen, Bagdad ausgenommen, dessen Menschenmenge unermesslich und wohin die Zugänge äusserst schwer. Uebrigens steht der Befehl in der Hand des Padischah, und ich bin bereit, aus derselben Leben oder Tod zu empfangen.“ Diese Unterwürfigkeit milderte den Zorn Hulagu's; er befahl ihm, aufzubrechen, den Westen bis an's Meer hin zu unterjochen und die Länder Rum's diesseits und jenseits des Bosporos den Händen der Griechen und Franken[224] zu entreissen. Baidschu Nujan hatte schon vor vierzehn Jahren mit einem Heere von vierzigtausend Mann das hundertsiebzigtausend starke Ghajaseddin Keichosrew's, des Sohnes Alaeddin's, zu Kösetagh geschlagen[225] und vollendete nun die Eroberung Rum's bis an das Gestade des mittelländischen Meeres. Hulagu begab sich mit den Prinzen Kuli, Belghai, Kotar und mit den Befehlshabern Bukatimur, Sundschak, Köke Ilka in die Ebene von Hamadan, um dort das Heer zu sammeln. Hamadan, insgemein für das uralte Ecbatana gehalten, ist nach allen Quellen persischer Geschichte und Geographie eine der ältesten Städte Persiens, welche schon Huscheng, der zweite der Pischdadier, erbaut, Nabuchodonoser verwüstet, Darius wieder hergestellt haben soll.[226] Bedil, der Sohn Werka's, eroberte die Stadt im drei und zwanzigsten Jahre der Hidschret[227]; dreihundert Jahre hernach[228] wurde dieselbe von Medawidsch, dem Dilemiten, und abermal dreihundert Jahre später[229] von den mongolischen Heeren mit allgemeinem Gemetzel der Einwohner verwüstet. Die Stadt hat Ueberfluss an Wasser, selbst wenn bei der von Hamdallah angegebenen Zahl der Quellen (tausend dreihundert) durch Fehler des Abschreibers eine Nulle zuviel. Zwei der grössten Philosophen Schöngeister, Eingeborene von Hamadan, der Dichter Ibn Chaleweih und Bediesseman, d. i. der Wunderseltene der Zeit, haben das Klima sowohl als die Einwohner in bekannten Versen[230] mehr getadelt, als gelobt. Der Erste sagte:

Die Kälte ist vielstimmig zu Hamadan, und sogestalt Ist es, im Winter grimmig, im Sommer mässig kalt.

Der Wunderseltsame der Zeit, der Verfasser der ersten Makame, welche denen Hariri's zum Muster gedient, sagte:

Wiewohl geboren ich zu Hamadan, Dasselbe ich dennoch nicht preisen kann; Denn seine Knaben sind altklug, wie Greise, Die Alten kindisch, nach der Knaben Weise.

Das frische Grün der Fluren, das Gemurmel der zahlreichen Quellen verscheuchen allen Gram und stimmen zur heitersten Lebenslust, wesshalb die Einwohner vorzüglich lebenslustig, Spielen und Scherzen ergeben; ausserdem, dass Hamadan der Geburtsort zwei so ausgezeichneter Schöngeister, als die beiden oberwähnten, wallfahrtet hier der Jude zum Grabe Esther's und Mardochai's, der Arzt zu dem Avicena's[231], die Mystiker zu dem eines der grössten persischen Dichter, nämlich: Aththar's, des Verfassers der Vögelgespräche und eines Dutzends gereimter Bücher, nämlich: des Buchs des Raths, der Drangsale, der Nachtigallen, der Kantele, der Geheimnisse der Gänse, der Chosroen, der Antworten, der Nöthen, des Auserwählten, des Göttlichen, und Haider's, des Biographen der Heiligen, des ascetischen Werkes der Brüder der Reinheit und anderer mystischer in Versen und Prosa. Bei dem Einfalle des mongolischen Heeres hatte Einer schon das Schwert aufgehoben, um den Dichter zu tödten, als ein Anderer sagte: Tödte diesen Greis nicht, ich kaufe dir sein Leben um tausend Silberstücke ab. Hüte dich, sagte Aththar, mich um so niedrigen Preis wegzugeben; du wirst Käufer finden, die mich theuerer bezahlen. Einige Schritte weiter bot ein Anderer für Aththar's Leben einen Sack Stroh; hierüber ergrimmt, hieb ihn der Mongole nieder.[232] Seit diesem ersten Einfalle der Mongolen, welche bei der Verfolgung Chuaresmschah's bis an's kaspische Meer und an die Gränze des arabischen Irak vordrangen, bis zur Erscheinung Hulagu's vor Hamadan, waren sieben und zwanzig Jahre verflossen, und ehe wir mit Hulagu die Gränze vom persischen Irak in's arabische überschreiten, überblicken wir noch die Schicksale Persiens unter mongolischer Herrschaft in der vom ersten Einfalle der Mongolen bis zur Gründung des Reichs der Ilchane verflossenen Zeit.

Die Mongolen im westlichen Persien vor Hulagu.

Persien wurde von den Mongolen in zwei Statthalterschaften getheilt, wovon die östliche Chuaresm und Chorasan, die westliche das persische Irak und Aserbeidschan in sich begreift. Um die Statthalter nicht zu vermengen, überblicken wir zuerst das westliche oder eigentliche Persien, welches in dieser Zeit nur zwei Statthalter hatte, nämlich Dchurmaghun und Baidschu Nujan, und dann erst das östliche, wo die Begebenheiten verwickelter durch die Ränke der Nebenbuhler um die Leitung der Geschäfte. Als die Mongolen bei der Verfolgung Chuaresmschah's zum erstenmal die Gegend um Irbil verwüsteten, 633/ 1236 rüstete der Chalife Mostanssirbillah ein Heer und rief die moslimischen Fürsten zur Hülfe auf; bei dem zweiten Einfalle nahmen sie die Stadt Irbil, doch nicht die Citadelle, ein; sie drangen bis Schengabad und Sermenrai vor, der Chalife setzte Bagdad in Vertheidigungsstand und rief alle Einwohner zu den Waffen auf. Am rothen Berge (Dschebel Hamrin) ober Tekrit wurden die Mongolen geschlagen und ihnen die Gefangenen, die sie von Irbil und Dakuka weggeschleppt, abgenommen; ein Corps von fünfzehntausend Mongolen, das bald darauf bis Dschaaferije vordrang, zog sich bei der Annäherung des Chalifen zurück. Noch im selben Jahre 635/ 1238 war ein Corps von gleicher Stärke bis Chanekin vorgedrungen und schlug das ihnen vom Chalifen entgegengesandte, das nur halb so stark. Im Norden hatten sie sich Gendsche's bemächtigt, und Dschurmaghun's Heere überschwemmten Georgien und Armenien. Er eroberte das Land zwischen dem Arras und Kur und in Georgien die Hauptstadt Tiflis nebst anderen Städten. Er belagerte und verheerte Rei; hierdurch erschreckt, trugen ihm die Bewohner von Karss die Schlüssel ihrer Stadt entgegen; nichtsdestoweniger wurden die waffentüchtigen Einwohner niedergemacht, mit Ausnahme der Kinder und Handwerker, die in die Sklaverei geschleppt wurden. Der armenische Prinz Awak begab sich mit seiner Schwester Thamtha an den Hof Gujuk's, um die Zurückstellung des väterlichen Erbes zu erflehen, und sie erhielten hiezu den Befehl an Dschurmaghun. Nach dessen Tode setzte sein Nachfolger Baidschu Nujan die Eroberungen seines Vorfahrers fort. Er wandte seine Waffen gegen Ersenrum, Ersendschan, und schlug das in der Ebene von Akschehr bei Ersendschan verstärkte Heer des Sultans von Rum, unter dessen Verbündeten zweitausend von Johann Limminata aus Cypern und Bonifacio de Castro von Genua befehligte Truppen; diess ist die oberwähnte Schlacht von Kösetag, welcher Berg sonst Alakjuh hiess.[233] Nach dem über den Sultan erfochtenen Siege wurden Siwas, Tokat und Kaissarije geplündert und verheert; ein General des Sultans und der Richter von Amasia kamen in's mongolische Lager von Siwas und unterhandelten einen Frieden, vermöge dessen der Sultan jährlich einen Tribut von hundert zwanzigtausend Goldstücken, fünfhundert Stück Stoffe, fünfhundert Kamele, fünfhundert Sklaven zu leisten verbunden.[234] Keichosrew war zu glücklich, diesen ohne seine Vollmacht abgeschlossenen Friedensvertrag zu bestätigen. Bei ihrem Abzuge erstürmten die Mongolen Ersendschan und machten die Einwohner nieder. Malatia kaufte sich von der Plünderung durch viertausend Goldstücke los, zu deren Vervollständigung die goldenen und silbernen Kirchengefässe, die Heiligenschreine und Reliquienkästen ausgeliefert werden mussten.[235] Wahrscheinlich war es derselbe mongolische Feldherr Irsane, welcher zweimal Bohemund V., den Fürsten von Antiochien, auffordern liess, die Mauern seiner Festungen zu brechen und ihm dreitausend Jungfrauen zu liefern; die Forderung wurde abgeschlagen, aber später zahlten die Fürsten von Antiochien an die Mongolen Tribut. Schihabeddin, der Fürst von Miafarakain, durch einen mongolischen Gesandten aufgefordert, seine Mauern zu schleifen, 1244 antwortete, dass er nur ein kleiner Fürst, dem Beispiele der Sultane Syriens und Aegyptens folgen werde. Hethum I., der armenische Fürst Ciliciens, suchte durch Gesandte mit reichen Geschenken Baidschu's Schutz an. Baidschu forderte vor allem die Auslieferung des Harems Keichosrew's, des Sultans von Rum, und Hethum erkaufte um diesen Preis den Frieden und das Diplom als Vasall des grossen Kaan's. Im folgenden Jahre 1245 eroberten die Mongolen die nördlich des Sees von Wan gelegenen Länder, die sie auf Ogotai's Befehl der armenischen Prinzessin Thamtha übergaben. Sie nahmen Amid, Roha, Nissibin. Der Fürst von Mossul, Bedredin Lulu, schloss in seinem und des Fürsten von Damaskus Namen einen Vertrag von, in drei Klassen geregelter, Kopfsteuer ab. Im folgenden Jahre 1246 erschienen die Mongolen zum fünftenmal in der Nähe von Bagdad zu Dakuka, von wo sie der kleine Diwitdar zurückschlug, und im folgenden Jahre 1247 tödteten die Mongolen zu Dakuka den Statthalter Belban; sie plünderten die Karawanen, und Jesaur verheerte die Gegend um Malatia. Die gleichzeitigen Begebenheiten Rum's und Armeniens gehören in die Geschichte dieser Länder und ihrer Fürsten; wir erwähnen nur noch der Mission der vier Dominikaner, welche Baidschu auf den ihm im Namen des Papstes gemachten Antrag, sich zum Christenthume zu bekehren, tödten wollte. Einer seiner Offiziere hatte sogar vorgeschlagen, den ersten der Missionäre zu schinden und seine ausgestopfte Haut dem Papst als Antwort zu senden[236]; doch auf die Fürbitte der Gemahlin Baidschu's wurde ihnen nicht nur das Leben geschenkt, sondern sie erhielten sogar ein in dem Missionsberichte bis auf uns gekommenes Schreiben und wurden von zwei Gesandten Baidschu's an den Papst begleitet, der sie auf das Ehrenvollste empfing und mit Geschenken überhäufte.[237]

Dschintimur, Körgös, Statthalter Chorasan's.

In Persien liess Tschengischan, nachdem er abgezogen, als Statthalter den Dschintimur zurück, welchem von allen vier Ulusen, d. i. Stämmen des Urugh, d. i. des Hauses Tschengischan's, ein Amtsgehülfe beigegeben war, indem Chorasan als ein, allen vier Söhnen Tschengischan's gemeinsamer Besitz betrachtet ward; eine Zeit lang dem Dschurmaghun, dem Statthalter Feldherrn in Persien, untergeordnet, unter dessen Oberbefehl er die, Chorasan noch verheerenden türkischen Schaaren Chuaresmschah's schlug, erhielt Dschintimur von Ogotai die unabhängige Statthalterschaft Chorasan's und Masenderan's; als Gehülfe vom Blute des Kaan's war ihm Kelilat beigegeben; er selbst verlieh beide höchsten Staatsämter, nämlich das des Wesirs oder Inhabers des Diwans und die Stelle des Staatssekretärs, an zwei Moslimen, jenes an Scherefeddin von Jesd, dieses an Behaeddin von Dschuwein, den Vater Athamülk's, des Geschichtschreiber's. Nach Dschintimur's Tod erhielt seine Stelle Nussal, welcher schon von Tschengischan dem Dschintimur als Amtsgehülfe von Seite des Uluses Dschudschi's beigegeben worden war. Dem Nussal folgte in der Statthalterschaft bald Körgös, d. i. Blindaug, welcher, an den Hof Ogotai's gesandt, um über die Verwaltung Chorasan's Bericht zu erstatten, gefiel und von seinem Landsmanne, dem Staatssekretär Dschinkai dem Uighuren, begünstigt. Der Kämmerer Danischmend, Gegner Dschinkai's, bemühte sich seinerseits, die Statthalterschaft Chorasan's dem Sohne Dschintimur's zu verschaffen; Dschinkai wünschte jedoch seinem Schützling ein Jerligh, d. i. Diplom, des Kaan's zu verschaffen, vermöge welchem ihm die statistische Zählung der Bewohner Chorasan's und Masenderan's aufgetragen und alle Macht in seine Hände concentrirt ward. Der Wesir Scherefeddin und Kelilat, ihrer Wirksamkeit durch das Jerligh beraubt, schmiedeten mit Ongu Timur, dem Sohne Dschintimur's, Ränke wider Körgös am Hofe des Kaan's, der ihn auf ihre Beschwerden zu sich berief. Körgös machte sich auf den Weg, indem er den Behaeddin von Dschuwein an der Spitze der Verwaltung zurückliess. Auf dem Wege in's Hoflager begegnete er zu Binaket den Commissären des Kaisers, welche ihm zurückzukehren befahlen; es kam vom Wortwechsel zu Thätlichkeiten, in welchen Körgös blutig geschlagen und ihm ein Zahn gebrochen ward; er musste den Commissären folgen, aber in der Nacht sandte er einen Eilboten mit seinem blutbefleckten Kleide nach Hof. Ogotai, über diese Behandlung seines Statthalters aufgebracht, berief ihn zu sich; allein die Gegner Kelilat und der Sohn Dschintimur's folgten ihm auf dem Fusse. Zu Bochara wurde bei einem demselben gegebenen Feste Kelilat am hellen Tage ermordet. Ogotai wollte in dem ihm vom Sohne Dschintimur's dargebrachten Zelte speisen; kaum hatte er es verlassen, als es ein Windstoss zusammenriss. Ogotai, durch diese böse Vorbedeutung erschreckt, befahl, es in Stücke zu zerreissen. In dem von Körgös ihm dargebrachten Zelte fand er im Gegentheil einen mit Juwelen besetzten Gürtel, nach dessen Umbindung sein Lendenschmerz verschwand, so dass er guten Muths wieder zechte. Die beiden Nebenbuhler um Chorasan's Statthalterschaft blieben mehrere Monate am Hofe Ogotai's, welcher wünschte, dass sie sich vertrügen, und ihnen befahl, aus demselben Becher zu trinken, dasselbe Zelt zu bewohnen, nachdem sie zuvor ihre Waffen abgegeben. Da sie sich nichtsdestoweniger nicht verglichen, ward, als sie Beide in Ogotai's Gegenwart vor Gericht erschienen, der Sohn Dschintimur's als schuldig verurtheilt, und sollte an den Herrscher seines Uluses, nämlich an Batu, ausgeliefert werden. Der Sohn Dschintimur's flehte den Kaan, selbst sein Schicksal zu entscheiden, indem ein Hund, wie er, nicht werth sei, dass zwei grosse Herrscher, wie Ogotai und Batu, sich über ihn beriethen. Du hast Recht, sprach Ogotai, Batu's Strenge würde selbst seinem Sohne, wenn er sich in deinem Falle befände, nicht verzeihen. Dem Sohne Dschintimur's wurde verziehen; aber seine Begleiter wurden nach der Jasa bestraft, welche über die Verläumder Strafen verhängt. Körgös verwaltete Chorasan mit Gerechtigkeit und Einsicht, baute Tus und Herat aus ihrem Schutte wieder auf und warf den Ränkeschmied Scherefeddin, welcher unter dem Scheine der Freundschaft gearbeitet, in's Gefängniss; dieser aber fand mittels seines Weibes Schutz beim Uluse Dschagatai, und Arghun wurde mit dem Befehle abgesandt, den Körgös lebendig oder todt nach Hofe zu bringen.[238]

Scherefeddin von Jesd, Blutegel der Finanz, und Arghun.

Körgös, der sich Anfangs in einem von ihm zu Tus erbauten Magazine eingesperrt, ging endlich, als man Gewalt brauchen wollte, selbst heraus, und ward von den Söhnen Dschagatai's nach Hof gesandt, wo sein Beschützer Dschinkai von der Regentin Turakina verungnadet worden. Körgös, ohne Beschützer, ohne Geld, wurde auf Befehl Kara Hulagu's, des Enkels Dschagatai's, hingerichtet, und von der Regentin wurde Arghun zum Statthalter Chorasan's ernannt. Er begehrte den Scherefeddin als Ulug Bitekdschi, d. i. grossen Staatssekretär oder Finanzminister, weil er sich verbindlich gemacht, viertausend Balische, welche in den beiden Ländern Chorasan und Masenderan an Steuern ausständig, einzutreiben. Scherefeddin, Sohn eines Lastträgers von Chuaresm und seiner schönen Gestalt willen Lieblingspage des Statthalters von Chuaresm, war von diesem, als der Page die Frische des Jugendreizes verloren, dem Dschintimur abgetreten, bei dem er sich durch seine Geschicklichkeit als Sekretär und seine Kenntniss der mongolischen Sprache als brauchbar empfahl; er stellte ihn in Steuergeschäften an, in welchen er bald Proben seines blutaussaugenden Druckes gab, wodurch sein Name in der Geschichte für immer gebrandmarkt. Er unterschied zwischen den Dörfern, welche sich freiwillig den Mongolen ergeben, oder mit Gewalt erobert worden waren, und belastete die Einwohner der letzten mit allen Arten von Auflagen und Qualen[239]. In diesem Geiste hatte er unter Körgös das Land gedrückt und noch mehr unter Arghun, um die Summe, zu deren Eintreibung er sich anheischig gemacht, einzutreiben. Weder Weiber noch Waisen wurden verschont und Foltern aller Art angewandt, um Geld zu erpressen; die Häuser wurden geplündert, den Todten selbst das Leichentuch weggenommen, dar Mann vom Weibe, der Vater vom Sohne gerissen und als Sklave verkauft; die Männer wurden barfuss, die Weiber unverschleiert aus den Häusern geschleppt; jene bei den Füssen, diese bei den Brüsten aufgehängt. Zu Rei wurden die geraubten Einrichtungen der Häuser in der Moschee aufgeschichtet, dort auf Maulthiere geladen und diese mit den Teppichen der Moschee zugedeckt. So schaltete und waltete er zu Tebris und Kaswin, zu Issfahan, Kum, Kaschan, Rei und Hamadan, alle Häuser und alle Foltern erschöpfend. Seinen Helfer Mahmud von Sebsewar sandte er, um Isferain und Dschadscherm auszusaugen, er selbst lag schwer als Alp der Finanz auf Astrabad, Amul und den Städten Masenderan's. Als Arghun zu Tus, bat der Imam der Grabstätte Musa Risa's um Gnade und Schonung, und Arghun gab ihm einen Kabinetsbefehl an Scherefeddin zur Zurückstellung eines Theils des Geraubten. Scherefeddin befahl, den Vorzeiger des Befehls mit Fäusten zu ohrfeigen, so dass er besinnungslos niederfiel. Die Pflugstiere nahm er vom Acker, die Heerden aus den Haiden weg, so dass Ackerbau und Viehzucht darniederlag. Glücklicherweise befreite sein Tod das Land von seiner Tyrannei; 1244 aber noch auf dem Todbette sandte er Wort an Arghun, ja die Eingesperrten nicht frei zu lassen, bis sie gezahlt, und ja keinen Heller nachzusehen, weil sonst alle Ordnung zu Ende. Arghun that das Gegentheil, indem er die Gefangenen losgab, die noch zu leistenden Zahlungen nachsah und sich dadurch den Segen des Landes erwarb. Bei der Thronbesteigung Gujuk's brachte Arghun alle eingesammelten Anweisungen, welche sich verschiedene Prinzen gesetzwidrig auf verschiedene Distrikte Chorasan's verschafft hatten, dem neuen Kaan als das angenehmste Geschenk dar; die Stellen wurden nach seinem Vorschlag besetzt, die durch den Tod des Blutegels Scherefeddin erledigte des Ulugh Bitekdschi erhielt Fachreddin Behischti. Nach Gujuk's Tod riss während des Zwischenreichs der Missbrauch der Anweisungen, wodurch den Prinzen Einkünfte von Dörfern und Flecken in Chorasan für Jahre hinaus zugesichert wurden, wieder ein. Bei Mengku's Thronbesteigung verschafften sich die Klagen des Landes Gehör, und es wurde beschlossen, Chorasan auf die von Mohammed Jelwadsch in Transoxana eingeführte Weise zu besteuern. Die Statthalterschaft wurde ihm mit Jerligh und Paise, d. i. mittels Diploms und Löwenkopfs, bestätigt, und Behaeddin von Dschuwein für die Finanzverwaltung beigegeben; aber die Brüder des Kaisers: Kubilai, Hulagu, Arikbugha, hatten bei ihm ihre Agenten; so auch Nikpei, der Herr des Uluses Dschagatai. Persien wurde in vier Steuerbezirke abgetheilt und die Vorsteher derselben erhielten den Titel Melik, welches gewöhnlich König, hier aber so viel als Intendant oder Generalpächter bedeutet. Arghun veranstaltete bei seiner Zurückkunft neue Zählung und regelte die Kopfsteuer nach den Klassen, was bereits, sowie die Einrichtungen Hulagu's durch denselben oben erzählt worden.

Rückblick auf das Chalifat.

Hulagu befand sich Ende Aprils zu Denna, 9. Rebiulachir 655/ 26. April 1257 drei Monate hernach zu Hamadan; 10. Redscheb/ 26. Juli in der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche sandte er einen Gesandten an den Chalifen von Bagdad mit der Aufforderung von Unterwürfigkeit und dem Vorwurfe, dass die zur Besiegung der Assassinen angesprochene Hülfe nicht geleistet worden. Doch ehe wir die Begebenheiten der zwischen dieser Aufforderung und dem Sturze des Chalifats verflossenen fünf Monate erzählen, fordert geschichtlicher Zusammenhang den Rückblick auf die letzten Zeiten des sinkenden Chalifats, das unter den Beni Abbas nun bereits durch fünf Jahrhunderte gedauert. Ohne diesen Rückblick auf die ersten und letzten Ursachen des Sinkens und gänzlichen Verfalls würde es unmöglich sein, zu begreifen, wie der durch fünf Jahrhunderte aufrecht stehende Thron des Chalifen in fünf Monaten zertrümmert ward[240]. Der Wurm hatte schon lange an dem Herrscherstabe des Chalifen genagt, ehe derselbe und das darauf gestützte Schattenbild der Herrschaft zu Boden fiel. Von innen zerrissen das Reich die Partheiungen der Sunni und Schii und die Anführer der türkischen Leibwachen, mit denen sich schon der achte Chalife Moteaassim in der Hoffnung umgeben, durch dieselben den Thron zu schützen, die aber statt Vertheidiger Empörer, von Sklaven sich zu Sultanen emporschwangen. Von aussen erschütterten und zertrümmerten das Reich die mit dem Schwerte den Islam reformirende Secte der Karmathen und die überall emporsteigenden Dynastien, von denen alle den Titel der Herrschaft den durch Gewalt abgenöthigten Diplomen des Chalifen dankten, von denen aber die mächtigsten, wie die Beni Hamdan und Beni Buje, um die Oberherrschaft über den Chalifen buhlten, und desshalb im beständigen Kriege mit dem Emirol-umera, d. i. dem Fürsten der Fürsten, dem Hausmeyer des Chalifats, bis sie den Titel desselben sich selbst angeeignet. Kaum ein Jahrhundert war seit der Gründung der Dynastie der Beni Abbas durch Abdallah es-seffah, d. i. den Diener Gottes, den Blutvergiesser, verflossen, als schon mit dem Einflusse der türkischen Leibwachen der Saamen des Unheils wuchernd aufschoss; ein Jahrhundert hernach unter dem neunzehnten Chalifen Kahirbillah, d. i. der Rächende durch Gott, war bereits das Loos der Theilung über das Ehrenkleid des Chalifats geworfen und die Länder desselben in zwölf Theile zerstückelt. i. J. 325/ 936 Heute vor neunhundert Jahren herrschte in Persien die mächtigste, in vier Zweige getheilte Dynastie der Beni Buje, in Diarbekr und Dijari Rebia, zu Mossul und zu Haleb die Dynastie der Beni Hamdan; Chorasan war in den Händen der Beni Saman, Masenderan und Dschordschan in denen der Beni Dilem; der südlichen arabischen Landschaften hatten sich die Karmathen, der südlichen persischen Ahwas und Wasit, die Söhne Berid's, als Empörer bemächtigt. In Aegypten und Syrien führten die türkischen Sklaven der Familie Achschid als Herrn den Titel von Sultanen und zu Bagdad selbst den des Fürsten der Fürsten. Zwei Dynastien der Beni Sijad regierten zu Sebid in Jemen und die anderen in Taberistan; in Kufa die Beni Thaba Thaba aus der Familie Ali und die Beni Ochaissar in Hidschas. Den Titel und die Macht als Chalifen machten den Beni Abbas die alte Dynastie der Beni Omeije in Spanien und die neue der Fatimiten in Afrika streitig[241]. So hatten sich Leibwachen und Sklaven, Sectirer und Empörer, arabische und persische Emire in das weite Reich des Chalifats von Osten bis Westen getheilt, und das Gebiet desselben war, wie in der letzten Zeit des byzantinischen Reichs, fast nur auf das Weichbild der Residenz beschränkt; was sich innerhalb den weiten Gränzen des ehemaligen Reichs der Chalifen zutrug, gehört in die Geschichte der Dynastien, die sich dort erhoben, und nicht mehr in die des Chalifats, das seit dem Beginne des zehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung noch durch vierthalbhundert Jahre seinem Untergange allmählig zusank.

Wesire Verräther; Religionssecten; Ueberschwemmungen.

Am Eingange und Ende dieser vierthalbhundertjährigen Periode stehen zwei Wesire Staatssekretäre, beide Gelehrte, beide als Hebel des Verderbens des Reichs von der Geschichte gebrandmarkt. Der erste, Ibn Mokla, der Verbesserer der arabischen Schrift in ihrer schönsten, gefälligsten Form des Neschi, der dreimal den Koran abgeschrieben, dreimal die Wesirschaft verwaltet, dreimal Heere befehligt, dreimal die Pilgerreise vollzogen und zuletzt sogar dreimal bestattet worden, unterhielt verrätherischen Briefwechsel mit Jahkim, dem türkischen Emire, wie Ibn Alkami, der letzte gelehrte Wesir des letzten der Chalifen, mit Hulagu; jener die Türken, dieser die Mongolen rufend. Der zwischen beiden liegende Zeitraum zerfällt in vier Perioden, in deren erster die Bujiden, in der zweiten die Seldschuken, in der dritten die Chuaresmschahe und endlich die Mongolen die mächtigsten Herrscher Mittel- und Vorderasiens. Wir haben hier nicht die Geschichte dieser Reiche zu überblicken, sondern nur die des unter ihrem eisernen Fusstritte tief darniedergebeugten Chalifats. Die erste Periode der Uebermacht der Beni Buje bis zum Auftritte der Seldschuken unter Toghrul umfasst hundert fünf und zwanzig Jahre, die Herrschaft der Seldschuken in Chorasan und Kerman anderthalb Jahrhunderte, die überwiegende Macht der Chuaresmschahe unter den beiden letzten grossen Sultanen derselben, Mohammed Tekesch, die der mongolischen Herrschaft seit dem Tode Tschengischan's, dreissig Jahre. Während dieses durch die Uebermacht der Beni Buje, der Seldschuken, der Chuaresmschahe und der Mongolen unterdrückten, durch innere Unruhen zerstückten Chalifats sassen seit dem neunzehnten Chalifen, Kahirbillah, noch achtzehn sogenannte Schatten Gottes auf Erden als Schatten auf dem Chalifenstuhle, mit dem Mantel des Propheten angethan, mit seinem Stabe als Richter die weltliche Herrschaft zum Scheine und nur noch die geistliche als die Imame des Islams ausübend, auch diese nicht unbestritten, sondern von Ketzern und Glaubensreformern vielfach beeinträchtigt, von den Chalifen der Beni Omeije in Spanien und von denen der Fatimiten in Afrika in Anspruch genommen. Zuerst entzweite das Chalifat die zu Bagdad mit gleicher Erbitterung geführte Glaubensspaltung der Sunni und Schii, wovon jene die Katholiken, diese die Protestanten des Islams; jene dem Hause Abbas, diese dem Ali's und folglich allen denen, welche als Verwandte der Prophetenfamilie auf Herrschaft Anspruch machten, gewogen. Die für den Thron sowohl als für den Altar gefährlichsten Religionsneuerer aber waren die Karmathen und Ismailiten, wovon jene mit dem Schwerte in der Hand als Zerstörer der Kaaba und Räuber des heiligen schwarzen Steines, als Mauerbrecher das feste Gebäude des Islams erschütterten; diese unter dem Schleier geheimer Lehren und Verbindungen die Grundfeste der Religion untergruben und mit dolchbewaffnetem Arm schneidende Beweise führten; höchst gefährliche Neuerer der Lehre, welche den ihnen beigelegten Namen der Mulhad, d. i. der Freigeister oder Gottlosen, wohl verdienten und welche nur unter dem tropischen Gewande der Allegorie und Mystik das Skelet ihrer Grundlehre: Nichts zu glauben und sich Alles zu erlauben, verlarvten; gefährlicher als die Anhänger Masdek's unter Nuschirwan, als die Babek's unter den Chalifen Mamun und Moteaassim, welche offen die Gemeinschaft der Güter und Weiber predigten, das Scheusal ihrer Grundsätze offen Preis gaben, während diese es unter dem Schleier ascetischer Uebungen und philosophischer Lehren im tiefsten Geheimnisse verbargen. Von der Zeit an, wo unter Kahirbillah die Karmathen und Beridäer die Länder des Chalifats mit Blut überschwemmten bis zur letzten Blutüberschwemmung durch die Mongolen, waren die grossen politischen Unheile des Reichs fast immer gleichzeitig mit grossen verderblichen Naturbegebenheiten, mit Erdbeben, Hungersnoth und besonders grossen Verheerungen des Tigris, so dass die Ueberschwemmung des letzten nur als ein Vorzeichen einer Ueberschwemmung von Blut galt, ein Glaube an eine geheime Verbindung physischer und moralischer grosser Begebenheiten, welche durch die furchtbaren Ueberschwemmungen des Tigris, welche im Jahre der Einnahme Alamut's statthatte und nur zu bald durch das Blutbad und den Ruin Bagdad's bestätigt ward.

Die Emirol-umera aus der Familie Buje.

Der Tyrann Kahirbillah, Nachfolger des Chalifen Radhi, der letzte der Chalifen, welcher dichtete und selbst am Freitage das Chutbe verrichtete, berief den Türken Raik als Fürsten der Fürsten nach Bagdad und stiftete so die oberste Gewalt der Fürsten der Fürsten, um die sich mit den Befehlshabern der Leibwachen die mächtigen Fürsten des Hauses Hamdan und Buje stritten. Er bestellte, der erste, einen Stellvertreter in der Moschee, in welcher vor ihm die Chalifen selbst als Imame dem Gebete vorstanden, am Freitage die Rede selbst von der Kanzel als Chatibe gehalten hatten.[242] 330/ 941 Unter seines Bruders und Nachfolgers Mottakki, d. i. des Gottesfürchtigen, Regierung verkündeten grosse Ueberschwemmung des Tigris und grosse Pest und Hungersnoth eben so grosses politisches Unheil. Der Anführer Beridi verheerte Bagdad dritthalb Monate lang mit seinen Truppen, der Türke Tusun drängte sich nach Raik's Tod dem Chalifen als Fürst der Fürsten auf, dem byzantinischen Kaiser Romanus Lapachenes musste das Schweisstuch Christi als Lösegeld ausgeliefert werden; Mottakki ward geblendet und vom Throne gestossen. Sein Neffe Mostekfibillah verlieh nach Tusun's Tod die Stelle des Fürsten der Fürsten dem Schirsad, welchem sie Ahmed der Bujide entriss und vom Chalifen mit dem Ehrentitel Moiseddewlet, d. i. der den Hof oder das Reich Ehrende, anerkannt ward. Er bemächtigte sich der Leitung aller Geschäfte, wies dem Chalifen nur fünftausend Dirhem für dessen täglichen Unterhalt an, riss ihn endlich gewaltsam vom Throne und verstiess ihn geblendet in den Kerker. Die Wesire wurden von nun an nicht mehr Wesire, sondern nur Kjatibe, d. i. Sekretäre, genannt.[243] Sein Nachfolger Motiilillah, d. i. der Gehorsame in Gott, war nur den Befehlen Moiseddewlet's und seines Sohnes Bachtiar gehorsam, welche die wahren Herren von Bagdad, als Schii die Sunni als Ketzer und die Chalifen aus dem Hause Abbas als ungerechte Thronbesitzer anfeindeten; Verwünschungen wider Omar, der Fedek, das Landgut Ali's, eingezogen, und den Ebu Serr verdammte, wurden an die Thore der Moscheen geschrieben, Nachts zwar von den Sunniten wieder ausgelöscht, dann aber dem Moawia von den Kanzeln geflucht und das Fest Aaschura zum Preis des Martyrthums Husein's eingesetzt[244]. Moiseddewlet verkaufte die Stelle des Obersten Richters um zwanzigtausend Dirhem, das erste Beispiel so schändlicher Verkäuflichkeit im Islam, und Bachtiar, als es ihm an Geld mangelte, zwang den Chalifen, seine ganze Garderobe und sein Hausgeräthe zu verkaufen, und zog die aus der Versteigerung gelösten vierzigtausend Dirhem ein, so dass man sagte, er habe den Chalifen vergantet[245]. Die Karmathen hatten zwar den schwarzen heiligen Stein wieder an die Kaaba zurückgestellt, aber hingegen eroberten die Griechen alle Gränzfestungen des Reichs. Zu Tarsus verwandelten sie die Moscheen in einen Stall und verbrannten die Kanzel; Antiochien und Haleb, Edessa und Nissibin wurden geplündert. Dschewher, der Feldherr der Fatimiten, hatte Aegypten erobert. So grosse und schwere Unfälle waren durch ausserordentliche Naturverheerungen vorbedeutet oder von denselben begleitet worden. 346/ 957 Erdbeben verschluckte die Stadt Thalkan mit allen ihren Einwohnern, bis auf dreissig[246], und hundert fünfzig Dörfer. Die Erde warf die Gebeine der Todten aus und sprengte heisses Wasser zum Himmel empor; Kum und Holwan wurden durch Erdbeben verwüstet; die Heuschrecken verzehrten nicht nur das Gras der Fluren, sondern auch die Blätter der Bäume; das Meer trat achtzig Ellen weit von seinen Ufern zurück[247] und enthüllte die Naturwunder seines Schooses; drei Jahre später verschlang es das Gepäck der Pilgerkarawane, die ein Wolkenbruch demselben zugeschwemmt; 349/ 960 in diesem Jahre wurde Kreta von den Griechen erobert. Der Sohn Motii's war Thaai, was ebenfalls gehorsam bedeutet; er gehorsamte, wie der Vater, dem Fürsten der Beni Buje, die sich nun mit den Türken und unter sich um die Obervormundschaft des gehorsamen Chalifen stritten; doch beobachtete Adhadeddewlet, der grosse Fürst der Bujiden, wenigstens den äusseren Anstand, indem er siebenmal vor dem Chalifen die Erde küsste, während Behaeddewlet den Palast des Chalifen plünderte, ihn selbst durch zwei Dilemiten von dem Throne reissen liess und geblendet in den Kerker verstiess. Adhadeddewlet hatte zu Bagdad Spital und Sternwarte gebaut, und inmitten der finsteren Nacht, welche den Thron des Chalifats umdunkelte, leuchteten am literarischen Himmel Gestirne der ersten Grösse. Der Dichter Motenebbi, der Geschichtschreiber Mesudi, der Philosoph Farabi und Ebulferedsch von Issfahan, der Verfasser der grossen Blüthenlese, Aghani, welcher dem Wesir Ibad die fünfhundert Kameellasten von Büchern, die er vor Erscheinung derselben mit sich zu führen pflegte, ersparte.

Kadirbillah und Kaimbiemrillah.

In die vierzigjährige Regierung Kadirbillah's, des fünf und zwanzigsten Chalifen, des Enkels Moktedir's, fällt das Ende der Herrschaft der Beni Buje und der Beginn der Grösse der Sultane von Ghasna, welche aber zu ferne, um unmittelbaren Einfluss auf die Schicksale Bagdads zu nehmen. Nichtsdestoweniger ertheilte ihnen der Chalife Ehrentitel, indem er dem Vater Sebugtegin den der rechten Hand des Hofes und des Intendenten des Volkes[248] beilegte, wie die Fürsten der Buje der Bewahrer[249], der Arm[250], der Ruhm[251], der Adel[252], das Schwert[253], der Werth[254], die Säule[255] und die Ehre[256], der Veredler[257], die Erhabenheit[258] des Reichs und des Hofs geheissen hatten; fünf und vierzig Jahre alt, als er den Thron bestieg, füllte Kadir, d. i. der Mächtige, denselben vierzig Jahre lang, wenn nicht mit Macht, doch mit Anstand und Würde, war genau und eifrig in Vollziehung der vorgeschriebenen Religionspflichten im Gegensatze seiner Vorfahren, welche Wüstlinge und Schlemmer, schrieb ein Buch wider die Schismatiker, welche die Lehre, dass der Koran erschaffen, vertheidigen, welches alle Freitage in der Moschee vorgelesen ward; nur wurde seine lange Regierung häufig durch die blutigen Streitigkeiten der Sunni und Schii getrübt, weil er die letzten auf Kosten der ersten begünstigte. In dem ersten dieser Religionsaufruhre wurde der Wesir Behaeddewlet erschlagen, weil er die Todtenfeier des Martyrthums Husein's abstellen wollte. i. J. 382/ 992 Neun Jahre hernach empörten sich die Ketzer, indem sie die Einführung eines neuen Festes, nämlich des schiitischen des Teiches, durchsetzten[259]. 389/ 998 Zehn Jahre hernach, im selben, wo ein heftiges Erdbeben die Stadt dreimal, und Hakimbiemrillah die Kirche, das heilige Grab zu Jerusalem in Schutt verwandelte, schlugen sich die Sunni und Schii in den Strassen von Bagdad. i. J. 407/ 1016 Neun Jahre später wurden die Ketzer zu Wasith von den Sunni geschlagen und die Kuppel der grossen Moschee zu Jerusalem stürzte ein. Schon im nächsten Jahre i. J. 408/ 1017 entbrannte der Kampf zwischen ihnen umso heftiger zu Bagdad; und abermals nach dreizehn Jahren i. J. 421/ 1030 schlugen sie sich wegen des Festes Aaschura, d. i. des Trauerfestes Husein's. Ausser dieser so oft wiederholten blutigen Polemik wurde Bagdad von Zeit zu Zeit durch Diebsbanden beunruhigt, so dass Niemand seines Eigenthums sicher[260]. Nichtsdestoweniger brachte es Kadir dahin, dass die Beni Okail in Syrien das Kanzelgebet auf seinen Namen und nicht auf den der Fatimiten verrichteten, deren angeblicher Ursprung von Ali, zu Bagdad öffentlich in den Schulen angegriffen ward. i. J. 402/ 1011 Die Gleichzeitigkeit Firdewsi's und Kabus Schemsolmaali's, des Dilemiten, wie die Hamdan's, des Gründers der Beni Hamdan, und Avicena's verherrlichte die vierzigjährige Regierung Kadir's nicht minder, als die fünf und vierzigjährige seines Sohnes Kaimbiemrillah's, d. i. des auf Befehl Gottes Aufrechtstehenden, durch das Aufsteigen Toghrul's, des Gründers der Dynastie der Seldschuken, als Beginn einer neuen Epoche, indem die Vormundschaft der Chalifen von dem Hause Buje in das der Seldschuken überging. Toghrul, von dem Chalifen um Schutz wider den übermächtigen Türken Besasiri angefleht, gewährte denselben, aber gegen die Belehnung mit der Herrschaft des Ostens und Westens mittels zweier Kopfbünde, zweier Schwerter, sieben Fahnen und sieben nacheinander angelegter Ehrenkleider, während der Chalife auf sieben Ellen hohem Throne sass. Der Chalife vermählte sich mit der Nichte Toghrul's und dieser nahm die Tochter des Chalifen zur Frau, starb aber vor Vollzug der Hochzeit siebzigjährig. Zwei Kometen[261], Erdbeben, Hungersnoth, Meeresebbe und Ueberschwemmungen verkündeten und begleiteten diesen neuen Umschwung der Herrschaft des Ostens und Westens. In Aegypten und Palästina spie die Erde Wasser[262], das Meer zog sich auf einen Tag weit von den Gestaden zurück und verschlang in unvermutheter Rückkehr die, welche in seinen aufgedeckten Tiefen nach Schätzen suchten[263]. Die Hungersnoth in Aegypten war so gross, dass seit des ägyptischen Joseph's Zeit keine grössere gedacht ward[264] und die Stärkeren die Schwächeren ohne Scheu auffrassen; durch zwei Ueberschwemmungen des Tigris[265] wurden über hunderttausend Häuser verwüstet. Solche Zeichen mussten die Herrschaft der Türken über Vorderasien verkünden; aber ausserdem ward Bagdad noch durch Diebesbanden und die Religionskämpfe der Sunni und Schii verwüstet; diese fügten zum Gebetsaufruf die Formel: Auf! zu guten Werken![266] bei und schrieben auf ihre Bollwerke: Mohammed und Ali sind die bessten der Geschöpfe; wer vollzieht, ist dankbar, wer sich dessen weigert, undankbar; die Sunni widersetzten sich; die Grabmäler der Imame Musa und Takki wurden ihrer goldenen Leuchter und Lampen beraubt, die Schreine aus Ebenholz angezündet; sie verbrannten auch die Grabdome des Chalifen Emin und seiner Mutter Sobeide, die der Bujiden Mois und Dschelaleddewlet[267]; die Moscheen der Hanefiten wurden von den Schiiten geplündert. Sie unterliessen dafür das Kanzelgebet für den Chalifen, weil er sie zu schützen nicht im Stande, nicht Chalife und Imam zu heissen verdiene. Doch hatte er vor seinem Ende den Trost, dass der Scherif von Mekka das Kanzelgebet nicht mehr auf den Namen der Fatimiten, sondern auf den der Beni Abbas verrichtete; und unter seiner Regierung erhob sich zu Bagdad die erste, vom grossen Wesire Melekschah's von Nisameddin gestiftete hohe Schule Nisamije[268].

Die Chalifen Moktefi, Mostadhir.

Mit Moktefi, dem Sohne Kaimbiemrillah's, dem sieben und zwanzigsten Chalifen, welcher zwanzigjährig den Thron bestiegen, setzte sich auf denselben in Chuaresm Itsis, einer der Emire Melekschah's, der Gründer der Dynastie der Chuaresmschahe, die erst ein Jahrhundert später zum Gipfel der Macht emporstieg. Itsis liess das Freitagsgebet wieder auf den Namen des Chalifen aus dem Hause Abbas, statt auf den der Fatimiten, verrichten. Moktefi vermählte sich mit der Tochter seines Schirmvogtes, des grossen Sultan's der Seldschuken, Melekschah. Die Hochzeit war die glänzendste, welche Bagdad seit der berühmten Mamun's mit der Tochter seines Wesirs Sehl gesehen; der grosse Wesir Nisamolmülk mit zweitausend Reitern begleitete die Braut; hundert vier und dreissig Reihen von Kamelen (jede Reihe zu sieben) trugen den Brautschatz, in welchem die juwelenbesetzten Pantoffeln das Hauptstück. Die Hochzeit, sowie ein Paar Jahre hernach das Geburtsfest des Sohnes Dschaafer aus der Frau Turkjan, wurde mit grossen Festen gefeiert; dem letzten wohnte Melekschah in eigener Person bei und legte bei dieser Gelegenheit den Grund der nach seinem Namen genannten Moschee Bagdad's. Nach Verlauf eines Jahres zertrugen sich der Chalife und die Tochter Melekschah's, welche zu ihrem Vater nach Issfahan zurückkehrte, weil Moktefi statt ihres Sohnes Dschaafer's den Mostadhir zum Thronerben ernannte. Melekschah forderte, dass der Chalife die Erbfolge an seinen Enkel Dschaafer, den Sohn Turkjan's, übertrage, und war eben im Begriffe, ihm dieses Familiengesetz mit gewaffneter Hand aufzuzwingen, als er vergiftet starb, was von Bagdads Einwohnern der Wirkung des himmeldurchdringenden Gebetes des Chalifen zugeschrieben ward. 487/ 1094 Moktefi überlebte ihn nur drei Jahre und hatte seinen sechzehnjährigen Sohn Mostadhir zum Nachfolger. 489/ 1096 Zwei Jahre nach seiner Thronbesteigung ward ganz Asien durch den Schrecken der Astronomen über den Verein der Planeten, den Saturnus ausgenommen, im Zeichen des Fisches mit Vorhersagungen von Sündfluth aufgelärmt, indem zur Zeit der Sündfluth alle sieben Planeten im Fische gestanden haben sollen; wirklich schwemmte ein Wolkenbruch das Gepäck der Pilgerkarawane fort; aber verderblicher als diese Ueberschwemmung war die der Kreuzfahrer, deren Fluth bald hierauf an den syrischen Gestaden emporbrandete. 499/ 1105 Ein Comet von einer Grösse, dessgleichen nie gesehen worden, galt als Vorzeichen des ungeheueren Brandes, dessgleichen Bagdad noch nicht erlebt hatte, und in welchem nebst dem Palaste des Chalifen die hohe Schule Nisamolmülk's und die ganze Flussseite der Stadt in Asche gelegt ward; 511/ 1117 was vom Brande übrig geblieben, zerstörte ein Erdbeben. Brand und Erdbeben mussten den Tod Mohammedschah's des Seldschuken und des Chalifen vorbedeutet haben, welche bald hierauf im Zwischenraume von wenigen Monaten starben. Es war das drittemal, dass der Tod des Chalifen mit dem seines seldschukischen Schirmvogtes fast zusammenfiel; Sultan Alparslan war zwei Jahre vor dem Chalifen Kaim[269], Sultan Melekschah zwei Jahre vor dem Chalifen Moktefi[270] und jetzt Sultan Mohammed nur einige Monate vor dem Chalifen Mostadhir gestorben, und sowohl die drei Sultane als die drei Chalifen gehörten unter die grössten und bessten Herrscher ihres Hauses[271]. Mostadhir, beredt, freigebig und Schönschreiber, machte den Bewohnern Bagdads angenehme und fröhliche Tage, indem seine vier und zwanzigjährige Regierung im Ganzen eine ruhige, während die siebzehnjährige seines Sohnes und Nachfolgers Mosterschid das Gegentheil durch die Thronnebenbuhlerschaft der beiden Seldschuken, Mahmud und Mesud, von denen Mosterschid jenen als Oberherrn anerkennend mit sieben, diesen nur mit zwei Ehrenkleidern bekleidete. Mesud überzog in der Folge den Chalifen mit Krieg, belagerte Bagdad und nahm ihn gefangen; als aber sein Oheim Sindschar solche Verletzung der dem Oberhaupte des Islams schuldigen Ehrfurcht hoch missbilligte, setzte er ihn in Freiheit und ging sogar vor dessen Pferde, die Satteldecke desselben tragend, einher. Ein Feuerregen zu Mossul und fliegender Skorpionen zu Bagdad, an deren Bissen Viele starben, gingen dem gewaltsamen Tode des Chalifen voraus, der unter dem Dolche der Assassinen fiel. Sie hatten ihn zu ihrem Opfer ausersehen, weil er ihnen feind; ein tugendhafter Fürst, ausgezeichneter Schönschreiber, Rechtsgelehrter und Ueberlieferer, in dessen Gegenwart Lesungen der Ueberlieferungen gehalten worden. Unter seiner Regierung wurden zu Hebron in einer Felsenhöhle Leichname entdeckt, welche für die Abraham's, Isak's und Jakob's galten, deren Gräber seitdem dort der Gegenstand moslimischer Verehrung; und zu Bagdad fiel, was vordem und seitdem unerhört, mannstiefer Schnee, der vierzehn Tage liegen blieb[272].

Die Chalifen Raschid und Moktefi.

Raschid[273], der Sohn Mosterschid's, der dreissigste Chalife, trat keineswegs in seines Vaters und Grossvaters Fussstapfen; wider Sultan Mesud lehnte er sich auf, indem er das Kanzelgebet zu Bagdad, statt auf dessen Namen, auf den David's, des Neffen Mesud's, verrichten liess. Mesud plünderte dafür Bagdad mit solcher Raubsucht, dass den Frauen und Sklavinnen sogar die Halsbänder und Ohrgehänge weggerissen wurden; durch sechzehn Tage und Nächte bebte die Erde zu Bagdad, und schon eilf Monate, nachdem er den Thron bestiegen, dessen ihn die Richter und Rechtsgelehrten durch ein Fetwa als unfähig erklärten, fiel er, wie sein Vater, unter Meuchlerdolch. Das Reich war so gesunken und verarmt, dass, als Raschid's Nachfolger, sein Vetter Moktefi, der Sohn Mostadhir's, den Chalifenstuhl bestieg, ihm kein Einkommen blieb, als der Ertrag seiner Privatgüter; aber auch diesen hätte er nicht eintreiben können, wenn ihm nicht die Sklaven Mesud's dazu verholfen hätten. Er vermählte sich mit der Schwester Sultan Mesud's, welche ihm hunderttausend Dukaten als Heirathsgut zubrachte; aber vierzehn Jahre hernach, als die Araber der Wüste die ganze Pilgerkarawane plünderten und gefangen nahmen, musste die Gemahlin des Chalifen, welche sie gefangen behielten, um hunderttausend Dukaten losgekauft werden, so dass das Heirathsgut als Lösegeld aufging. Hierauf sandte ihm Sultan Sindschar, der Oheim Mesud's, den Mantel und den Stab des Propheten, welchen Mesud, als er den Chalifen Mosterschid gefangen genommen, dem Oheim gesandt. Moktefi hatte während seiner vier und zwanzigjährigen Regierung mit Widerwärtigkeiten aller Art zu kämpfen. Die Naturbegebenheiten schienen sich wider ihn verschworen zu haben, wie die Emire Sultan Mesud's, welche Bagdad belagerten und verheerten. Ein Erdbeben, in welchem dreissigtausend Menschen zu Grunde gingen, verschlang die Stadt Hire, an deren Stätte schwarzes Wasser aufquoll; 534/ 1139 in Syrien zählte man in Einer Nacht achtzig Erdstösse; Orkane und Wolkenbrüche verheerten Kleinasien und ein Comet zog flammend von Osten gegen Westen. Zu Bagdad rettete sich der Chalife nackt aus den Flammen, welche den kaum aufgebauten Palast mit der ganzen Einrichtung verzehrten. 543/ 1148 In Arabien regnete es Blut; aber mehr noch als alle diese Naturerscheinungen bedrängte den Chalifen der Druck seines Schwagers Schirmvogtes Mesud; wider denselben blieb dem Unterdrückten keine Waffe, als der himmeldurchdringende Pfeil des Gebetes; diesem ward der gähe Tod Mesud's zugeschrieben, durch welchen nicht nur Moktefi seines Drängers ledig, sondern auch das nun schon dreihundert Jahre auf dem Chalifate schwer lastende Joch türkischer Sklaverei für immer zerschlagen ward; 547/ 1152 eine höchst günstige Begebenheit, wodurch die Chalifen wieder ihre Unabhängigkeit genossen, welche sie seit der Einführung der türkischen Sklaven unter Moteaassim verloren hatten. Doch nützte ihnen dieselbe nicht viel, da das Reich zerstücket, ihre Herrschaft nur auf das Grabmal von Bagdad und einige Städte des arabischen Irak beschränkt war und die Macht der Chuaresmschahe drohend emporwuchs. Indessen ist diese Epoche doch eine sehr merkwürdige in der Geschichte des Chalifats, welches in dem letzten Jahrhunderte seines Daseins keinen Schirmvogt anerkannte. Moktefi selbst benützte den ersten freien Odemzug, den ihm der Tod Mesud's gewährte, zur Belagerung von Tekrit und einem Streifzuge wider die in der Gegend herumziehenden Turkmanen, denen er viermalhunderttausend Schafe und grosse Beute abnahm und damit zu Bagdad einzog. Suleiman, der Sultan der Seldschuken Rum's, kam nach Bagdad, um aus der Hand des Chalifen den Titel der Herrschaft und den Befehl zur Eroberung des Gebirgslandes zu empfangen. Das Erdbeben, das im folgenden Jahre acht Städte der Moslimen und fünf der Franken in Syrien verheerte, war eines der schrecklichsten; 552/ 1157 die Einwohner Hamid's wurden alle erschlagen, zu Scheiser blieb nur ein Weib, zu Kefrtab keine Seele lebendig. Zu Apamea, Himss, Maarret und Tell Hamdan wurde die Hälfte der Einwohner verschüttet, die von Hossn Ekrad und Arka gingen alle zu Grunde, Niemand wollte innerhalb der Mauern bleiben, und die Uebriggebliebenen suchten Rettung im Freien. Im folgenden Jahre verwüstete die Ueberschwemmung des Tigris dreissigtausend Häuser von Bagdad und Hagel in der Grösse von Hühnereiern und den seltsamsten Figuren ging dem Tode des sechs und sechzigjährigen Chalifen voraus.

Neue Periode des Chalifats; Mostendschid.

Die Periode der Unabhängigkeit der Chalifen von dem seit Mesud's Tode abgeschüttelten Joche der seldschukischen Vogtschaft ist in keiner der bisherigen europäischen Geschichten des Chalifats gehörig hervorgehoben, kaum mit ein Paar Worten über den Charakter der Gemahlin Moktefi's angedeutet worden[274]; diese, welche Taus, d. i. Pfau, hiess, flösste ihrem Gemahle den hohen Sinn und den Muth ein, sich von der schmählichen Oberherrschaft der Türken, unter denen die Chalifen durch drei Jahrhunderte geschmachtet, loszusagen. Das letzte Jahrhundert der Dauer des Chalifats war also ein für dasselbe ehrenvolleres, als die drei verflossenen, indem die letzten sechs Chalifen keine Obervogtschaft anerkannten und selbst ihre Heeresmacht wieder zu einer Höhe brachten, wodurch sie in den Stand gesetzt wurden, nicht nur die Anmassungen der Chuaresmschahe auf gleiche Vogtschaft zurückzuweisen, sondern sogar Empörungen niederzuschlagen und ein Paar dem Chalifate längst entrissene Landschaften demselben wieder einzuverleiben. Die Ursache des gänzlichen Ruines des Chalifats ist, ausser der Alles vor sich in den Staub tretenden Uebermacht der Mongolen, hauptsächlich die Unterthänigkeit des letzten Chalifen aus dem Hause Abbas, welchem, wenn er in die Fussstapfen seiner fünf unmittelbaren Vorfahren, und namentlich in die Nassirbillah's, getreten wäre, es wohl hätte gelingen können, die Macht der Mongolen von den Mauern Bagdad's zurückzuschlagen, wie diess ein Paarmal seine Vorfahren mit Muth und gutem Glück gethan. Die Periode der vorletzten fünf Chalifen gehört, wenn nicht unter die schönsten Zeiten des Chalifats aus dem Gesichtspunkte des Glanzes und der Macht, doch unter die bessten und ehrenvollsten Tage desselben, aus dem Gesichtspunkte äusserer Jochentlastung und Unabhängigkeit und innerer Ruhe und Sicherheit betrachtet. Der Zeitraum der fünf und achtzig Jahre, welche unter den vorletzten fünf Chalifen verflossen, kann mit einigem Fuge dem Zeitraume der neun und achtzig verglichen werden, in welchem Rom unter der Herrschaft Trajan's, Hadrian's und der Antonine aufathmete, das vorige Weltreich wieder einigen Ansehens, die Menschheit wieder einiger Ruhe genoss. Der Name Mostendschid, der mehrere Bedeutungen hat, kann in zweien dieser Bedeutungen für den geschichtlich bezeichnenden seiner Herrschaft gelten. Mostendschid heisst sowohl der einen Vertheidiger Suchende, als ein nach überstandener Krankheit seine Kräfte Sammelnder. Er hoffte in dem syrischen Atabegen einen Vertheidiger des Chalifats zu finden; eine Hoffnung, die nicht durch Nureddin, der selbst mit dem ägyptischen Chalifen im Kampfe lag, wohl aber unter Ssalaheddin, dem ersten Herrscher des mächtigen Hauses Ejub, unter Mostadhir, dem Nachfolger Mostendschid's, durch den Sturz des Chalifen Nebenbuhlers in Aegypten und durch die Uebertragung des Kanzelgebetes von ihrem Namen auf den der Familie Abbas einigermassen erfüllet ward. Mostendschid, ein gerechter, gebildeter und energischer Fürst, hob die von seinem Vorfahrer zum Ruin des Handels eingeführten drückenden Stempelgefälle auf, verbot die scholastischen Vorlesungen über metaphysische Werke und entriss den Händen der Beni Mesud die der Stadt des Heiles so nahe gelegenen Hille, Kufa und Enbar.

Mostadhi und Nassirlidinillah.

Mostendschid's Sohn und Nachfolger, Mostadhi, d. i. der Erleuchtung Suchende, schritt während seiner neunjährigen Regierung auf dem von seinem Vater, während seiner eilfjährigen, betretenen Pfade fort. Dem Gründer der Grösse des Hauses Ejub, dem grossen Ssalaheddin, welcher der Herrschaft der Chalifen Nebenbuhler in Aegypten ein Ende gemacht und das Kanzelgebet wieder auf den Namen der Chalifen aus dem Hause Abbas übertragen, sandte er Ehrenkleider und ein höchst ehrenvolles Diplom mit glänzenden Titeln und Geschenken. So ward nun wieder in Aegypten und Arabien der Chalife Bagdad's von den Kanzeln als der rechtmässige erkannt. Grössere Kräfte, als unter den nur zwei Jahre füllenden Regierungen Mostendschid's und Mostadhi's, sammelte das Chalifat unter der sechs und vierzigjährigen Nassirlidinillah's, d. i. des Helfers der Religion Gottes, welchem bald nach dem Antritte seiner Regierung die Freude ward, dass nach dem Sturze der Beni Omeije in Spanien nun auch dort von den Herrschern aus der Familie Abdol Mumin das Kanzelgebet auf den Namen des Chalifen aus dem Hause Abbas verrichtet ward, eine frohe Botschaft, welche so, wie unter Mostadhi die von der Veränderung des Kanzelgebetes in Aegypten und Arabien, zu Bagdad mit Freudenfesten gefeiert ward. Während Ssalaheddin die heilige Stadt der Herrschaft der Christen entriss, eroberte der Chalife die am Euphrat gelegenen Schlösser Aana und Hadise wieder dem Reiche zurück, das sich nun wenigstens wieder über den grössten Theil Mesopotamiens, von den Ufern des Tigris bis an die des Euphrats, und über Chusistan erstreckte, dessen Schlösser der Wesir Ibnol aththar wieder der Macht des Chalifen unterwarf. Den Triumph Nassir's vollendete der gänzliche Ruin der persischen Seldschuken, vormaligen Schirmvögten, indem Sultan Tekesch der Chuaresmschah den Kopf des von ihm besiegten letzten persischen Seldschuken Toghrulschah dem Chalifen nach Rei sandte, wo derselbe an der Moschee als Trophäe aufgehangen ward. Den Gesandten des Sultans, welcher die Vogtschaft Bagdads, welche jetzt die Seldschuken besassen, nun für sich begehrte, entliess er ohne Antwort. Chuaresmschah stellte, um die Weigerung zu rächen, das auf den Namen Nassir's verrichtete Kanzelgebet ab und ernannte sogar einen Gegen-Chalifen in der Person des Seid Alaeddin von Tirmid, dem er als Chalifen huldigen liess. Nassir sandte, um den Sultan auf bessere Gesinnungen zu bringen, den grossen Scheich Schihabeddin Suhrwerdi, der ihn zu Hamadan traf. Der Sultan empfing ihn verächtlich, indem er ihn nicht einmal niedersetzen hiess; und als der gelehrte und beredte Scheich in einer langen Rede die Stellen der Ueberlieferung zu Gunsten des Hauses Abbas und die Herrschertugenden Nassir's gepriessen, antwortete der Sultan: Alles dieses passt nicht auf Nassir; ich ziehe nach Bagdad, um dort einen, der wirklich alle von dir hergezählten Eigenschaften besitzt, als Chalifen einzusetzen. Er rückte gegen Bagdad vor, welches Nassir noch vor kurzem mit einer Mauer umfangen hatte, welche die Stadt wohl schwerlich vor der Uebermacht des Sultans gerettet hätte. Diesen bewog ein ungeheures Schneegestöber zum Rückzuge, indem, als er nach Holwan gekommen, es zwanzig Tage ununterbrochen schneite, so dass der Schnee so hoch als die Zelte, das Heer durch ungeheueren Verlust an Menschen und Thieren schwächte. Diese Naturbegebenheit war für Bagdad erfolgreicher, als einige andere frühere ausserordentliche Erscheinungen; i. J. 583/ 1186 diese waren der Verein der sieben Planeten im Zeichen der Wage, woraus die Astronomen ungeheuere Orkane für die Nacht der Vereinigung vorausgesagt; in derselben herrschte aber so grosse Windstille, dass die Lampe auf der Sternwarte in freier Luft unausgelöscht brannte, zu grosser Beschämung der Astronomen. Sechzehn Jahre hernach i. J. 599/ 1202 flammte eine ganze Nacht voll fallender Sterne, die nach allen Richtungen hin und herschossen, eine Erscheinung, die durch ähnliche in unseren Tagen genauer beobachtete beglaubigt wird. Nassir hatte den Chalifenpalast zu Bagdad abbrechen lassen, aber ausser der Stadtmauer viele Moscheen und Medreseen und ein Speisehaus für die Armen gebaut; die erste Anstalt dieser Art, welcher die Geschichte des Islams erwähnt. Nassir war ein besonders in der Ueberlieferung gelehrter Fürst und hinterliess über dieselbe ein Werk, das den Titel: Geist des Erkennenden[275] führt; aber Nassir war auch ein harter, habsüchtiger Fürst, dessen Gier, Schätze zu sammeln, keine Gränzen kannte, der die Unterthanen durch Gelderpressungen drückte und das Heer der Finanzbeamten noch mit einem Heere von Ausspähern vermehrte. Von den Kanzeln, wo ehe für die Chalifen des Hauses Omeije in Andalus, dann für die des Hauses Fatima in Aegypten als Chalifen gebetet worden, wurde nun das Kanzelgebet wieder auf den Namen Nassir's verrichtet, so auch in Hidschas und Jemen, in Chorasan und Masenderan und in Indien auf den Namen Nassir's, als des einzigen rechtmässigen Chalifen des Islams.

Sahirbiemrillah und Mostanssir.

Der Sohn und Nachfolger Nassirlidinillah's, der Chalife Sahirbiemrillah, d. i. der Offenbare durch Gottes Befehl, war vor allen Chalifen aus dem Hause Abbas seines Beinamens werth, nach dem Zeugnisse der Geschichtschreiber, dass seit Omar el-assis, dem wegen seiner Frömmigkeit und Gottesfurcht berühmten achten Chalifen der Beni Omeije, kein Gerechterer auf dem Chalifenstuhle gesessen. Diesen guten Klang seines Namens dankt er dem freigebig geschenkten Golde und der kurzen Zeit seiner Regierung, indem er nur neun Monate lang den Völkern als ein Muster des Chalifats mehr gezeigt als bewährt. Er stellte bei seiner Thronbesteigung confiscirte Grundstücke ihren Eigenthümern zurück, sandte dem Richter der Richter zehntausend Dukaten zur Bezahlung der Schulden derer, die desshalb im Thurme sassen, setzte die Kopfsteuer von Jakuba, welche vormals nur zehntausend Goldstücke betragen, unter seinem Vater aber auf's Siebenfache gesteigert worden war, wieder auf die obige Summe zurück, liess von der Gesammtsumme der Steuern dreimalhundert fünfzigtausend den Unterthanen nach und vertheilte am Opferfeste hunderttausend Dinare unter die Gesetzgelehrten und Ssofi; denen, die ihn fragten, warum er sich so beeile, Gutes zu thun, antwortete er mit Anspielung auf das vorgerückte Alter von ein und fünfzig Jahren, in welchem er den Thron bestiegen: Ich gleiche denen, die erst Nachmittags ihre Buden öffnen und sich also beeilen müssen, wenn ihr Handel Gewinn tragen soll; hindert mich also nicht in guter Handlungen Handel. In seine Fussstapfen, als ein gerechter, freigebiger und gelehrter Fürst, trat sein Sohn und Nachfolger Mostanssirbillah, d. i. der bei Gott Hülfe Suchende. Er baute die berühmte, nach seinem Namen genannte hohe Schule, deren Grösse und Glanz die frühere, vom Wesire Nisamolmülk zu Bagdad erbaute, bei weitem zurückliess; sie bestand in vier besonderen Schulen, nach den vier Ritus des Islams, wo die Rechtsgelehrsamkeit nach den Ueberlieferungen Ebu Hanife's, Schaafii's, Malik's und Hanbeli's gelehrt ward; an jeder dieser vier Medreseen waren zwei und sechzig Plätze für Studenten[276] und zwei für Correpetitoren[277] gestiftet. In vier Jahren war der Bau vollendet; am Tage der Eröffnung besuchte der Chalife mit allen Richtern und Rechtsgelehrten die Schulen und vertheilte reiche Geschenke unter die Professoren und Studenten. Das Seitenstück zur Mostanssirije, d. i. zur hohen Schule Mostanssir's, war die Kamerije, d. i. die Mondige, eine am Ufer des Tigris gebaute, reich gestiftete Speiseanstalt für Dürftige. Seine Wohlthaten strömten vorzüglich den Gelehrten zu, dieselben überschritten aber das Maass vernünftigen Staatshaushalts, wenn die folgenden Anekdoten wahr. Jedesmal, als aus einem mit Gold gefüllten Becken geschöpft ward, rief er aus: Ach, wann werde ich dich leeren! während sein Vater jedesmal, als Gold hineinfloss: Ach, wann werde ich dich füllen! ausgerufen haben soll. Eines Tages, als er von der Terrasse seines Palastes rund um auf den Terrassen Wäsche aufgehangen sah und der, was dies bedeute, gefragte Wesir antwortete, dass es die für das nächste Fest gewaschenen alten Kleider seien, wunderte sich Mostanssir, dass nicht jeder seiner Unterthanen sich neues Festkleid anschaffen könne, liess aus Gold Armbrustkugeln verfertigen und verschoss dieselben auf die Terrassen der Nachbarn. Wider die Mongolen, welche unter seiner Regierung bis Meragha vorgedrungen und Erdebil vom Grunde aus verheeret hatten, brachte er ein Heer von siebzigtausend Mann auf, von welchem zwar Anfangs die Mongolen, dann aber die Truppen des Chalifen zu Dakuk, das seiner Naphthabrunnen willen berühmt[278], geschlagen wurden. 653/ 1237 Im selben Jahre richteten die Mongolen das Blutbad von Issfahan an, in welchem der grosse Dichter Ismail Kemal von Issfahan, beigenannt der Vater der Bedeutungen, unter ihrem Schwerte erlag, wie früher der grosse mystische Dichter Aththar. Unter Mostanssir's Regierung blühte vorzüglich die Mystik, und in dieselbe fällt der Tod von vier höchst merkwürdigen Männern, Säulen der Mystik, des Scheich's Behaeddin Weled, des Vaters Dschelaleddin Rumi's, des grossen mystischen Dichters Omer Ibn Faradh, des grossen Scheich's Schihabeddin Omer Suhrwerdi und des Inders Reten[279], welcher, der erste, aus Indien das berauschende Opiat (Haschische) nach Mittelasien gebracht, dessen sich die Assassinen bedienten, um ihren todtgeweihten Handlangern die Freuden des Paradieses vorzuspiegeln, und von dem sie ihren Namen[280] Haschischin, d. i. die Kräutler, erhielten.

Notes in this chapter

Note 1 · Dschamischi Mirchuand.Note 2 · Dschurdsche Ikadschi die Mutter Kuchurtai's, Il Ikadschi die Mutter Huladschu des zwölften Sohnes, und die Mutter des vierten Sohnes TedekadNote 3 · Les femmes ont un ornement de tête, qu'ils appellent Botta. Rubruq. ch. 15.Note 4 · Banui Mehin.Note 5 · Geboren den 4. Schewwal 654 (25. October 1256), gest. 16. Moharrem 681 (26. April 1282), welcher aber ein Donnerstag, nicht ein Montag, wie Note 6 · Reschideddin im Abschnitte der Uirat.Note 7 · Im Schedschretol Etrak S. 243 heisst er Tumgha Oghul; his eldest son soll heissen: sein jüngster Sohn; der älteste war Abaka.Note 8 · Bei Bar. Hebräus ex parte Schagatai Techodar p. 536.Note 9 · Bei Bar. Hebr. Bulghai filius Sibkani et Kotar et Koli.Note 10 · Relation de l'expédition de Houlagou par Abel Rémusat. Journal asiatique II. p. 283.Note 11 · Ganz übereinstimmend mit dem, was hierüber Rubruquis ch. 29 und Plan Carpin 145 berichten, und nach ihnen Ritter, Asia I. S. 429.Note 12 · Mirchuand.Note 13 · Das Dschihannuma nennt S. 353 Rudi Dschadsch, Rudi Hasek, Rudi Dschowan und die beiden aus dem Stadtthor fliessenden Nehr Kassarin, d. i. deNote 14 · Kohondos ist das Schloss, Scharistan die Stadt, Rabsch die Vorstadt; die Namen der Thore im Dschihannuma: das eiserne, das des Flusses, das Note 15 · als Kebtaul(?); Reschideddin sowohl unter dem Artikel Dschelair, als unter dem Uirat.Note 16 · Reschideddin nennt acht: Kerrai Melik, Turaschi, Newrus, Legsi, Dschami, Jutkotlogh, Bulduk, Uiratai.Note 17 · Im Schedschretol eschrak S. 243 ist der Name Scheburghan in Surghan verstümmelt, und gleich das Chuarschah in Chuaresmschah.Note 18 · Dschihannuma S. 316.Note 19 · Dschihannuma S. 322 Nushetul-muschtak.Note 20 · Quatremère mémoire historique sur la vie et le ouvrages d'Alaeddin Ata Melik Djouaeiny, mines de l'orient I. p. 220.Note 21 · Nushet.Note 22 · Reschideddin, schon im Journal asiat. übersetzt.Note 23 · Takwimol-boldan, die Ephemeriden der Länder.Note 24 · Nushetol-Kolub, die Ergötzungen der Herzen.Note 25 · Dschihannuma, die Weltschau.Note 26 · Schebchun awerdend dscherkera charab kerdend; aus der fehlerhaften Schreibart des Manuscripts der Hofbibliothek sind in der französischen UeNote 27 · Sirkuh im Dschihannuma S. 326 mit den Namen der drei dazu gehörigen Flecken.Note 28 · Mobareseddin Ali Turan und Schudschaaeddin Hasan.Note 29 · In Reschideddin ist hier eine Verwirrung der Daten, indem das Jahr nicht richtig angegeben; nämlich 651 statt 653, wie aus dem Nushet zu ersNote 30 · Mohteschim, so hiessen die Commandeure der Assassinen.Note 31 · Achlaki Nassiri.Note 32 · Auf Fraser's Karte Ghain oder Kain.Note 33 · Nushet und nach demselben das Dschihannuma S. 325.Note 34 · Chawwaf und Sawa, ebend. S. 319.Note 35 · Den Namen Keitbuka verstümmelt der Uebersetzer des Schedschretol-etrak in Kunooka S. 245, sowie den Sultan Aegyptens, Seifeddin Kotus, in SyNote 36 · 203 (818).Note 37 · I. J. 193 (809).Note 38 · Gest. im J. 411 (1020).Note 39 · Im Dschihannuma S. 318 durch Druckfehler Senabad.Note 40 · Narrative of a journey into Khorassan 444.Note 41 · Fraser 519.Note 42 · Terghu, dies ist der wahre Sinn, der in der französ. Uebersetzung im journ. as. verfehlt ist: les dames reçurent des titres.Note 43 · Manuscript, Mirchuand, Dschihannuma S. 323. bei Quatremère mémoire d'Ata Melik dasselbe unrichtig Djouvuchan und unrichtig nach der EroberunNote 44 · Beigtimur Kurdschi, Sahireddin Sipehsalar Bitekdschi, Schati Emir.Note 45 · Fraser nach Price im J. 242.Note 46 · I. J. 261 (874).Note 47 · Seine Lebensbeschreibung die 42. im Nefhatol Ins. Dschami's.Note 48 · Gest. i. J. 858 (1454).Note 49 · I. J. 875 (1470).Note 50 · Geschichte des osm. Reichs II. B. S. 76 und S. 351, wo die Titel von zwanzig seiner Werke.Note 51 · Merketai und Ikilmisch.Note 52 · Reiseddewlet und Muwafikeddewlet.Note 53 · Suseni, nicht Rouveni, wie in der französ. Uebersetzung.Note 54 · Ssadreddin, Sahireddin, Tolek Behadir und Berrak (der erste fehlt in der franz. Uebersetzung).Note 55 · Nicht Koudraghoul, wie in der franz. Uebersetzung.Note 56 · Morier second journ. 363.Note 57 · Firuskjuh, auf der Strasse von Demghan nach Tehran, nahe bei Demawend, auf Frasers Karte; nach dem Nushet ebenfalls hart an Demawend gelegenNote 58 · Morier second journey p. 357.Note 59 · The wretched village of Abbasabad. Fraser 248.Note 60 · Thalkan, wie Semnan, eine Stadt der Tocharistan genannten Landschaft. Nushet.Note 61 · Meimundis findet sich weder im Manuscript, noch im Dschihannuma, es scheint dasselbe Meimend zu sein, was im Nushet.Note 62 · Sergūseschti Sidina. Wassaf.Note 63 · Nach ihm auch Claproth: „Hier erzählt man sich, er habe, als er eine 12 Werste von der Buchtana in einen Felsen gehauene Hieroglyphe nicht eNote 64 · Traces of a very extended line of towers connected with walls and so situated as to appear to the gazer below absolute impregnable. I. p. 28Note 65 · Insgemein Lemsir geschrieben; am 20. Silkide 495 (5. Sept. 1102). Wassaf.Note 66 · Fraser p. 248.Note 67 · Mulahide sachte end bighajet muhkemest.Note 68 · Hamdallah und im Dschihannuma Alamut S. 296, Tun, Kain, Dschenabdar S. 325, Muminabad S. 326.Note 69 · Nach Reschideddin vom J. d. H. 477–654, nach Hadschi Chalfa v. J. d. H. 483 angefangen.Note 70 · Ausführlich zu Ende des Tarichi Güside, kürzer im Nushetol-Kolub; nach beiden und nach dem Tedwin Imam Rafii's, das Dschihannuma S. 293.Note 71 · I. J. 463 der alexandrinischen Aere.Note 72 · I. J. 204 (819).Note 73 · I. J. 411 (1020).Note 74 · I. J. 572 (1176).Note 75 · I. J. 500 (1106).Note 76 · I. J. 548 (1153).Note 77 · Aasu Kaswine feinnehu min aala babil-dschenneti, Dschihannuma S. 293.Note 78 · Morier second journey. p. 203.Note 79 · Dschihannuma, ebend.Note 80 · Adschaibol machlukat.Note 81 · Charidetol-gharaib.Note 82 · Tarichi Güside.Note 83 · Nushetol-kolub.Note 84 · Fersendani Aferinisch u Longtar.Note 85 · Im J. 641 (1243); Nochbetettewarich, der Ort in Reschideddin.Note 86 · Dschihannuma S. 299 und das Nushet.Note 87 · Im J. 23 (643).Note 88 · Im J. 320 (932).Note 89 · Im J. 618 (1221).Note 90 · Dschihannuma S. 300.Note 91 · Morier second journ. p. 265. 269. Malcolm's Geschichte.Note 92 · Am 1. Dchemasiul sani 627 (26. April 1230). Dewletschah, glaubwürdiger, als andere Daten, welche in der Geschichte der persischen RedekünsteNote 93 · Haitho ch. 18; Marino Sanuto III. pars 13. ch. 5. und nach demselben d'Ohsson III. p. 81.Note 94 · Vincent. Bellov. Spec. hist. L. XXXI. c. 28 und nach demselben d'Ohsson III. p. 83.Note 95 · Bar. Hebr. und d'Ohsson III. 85.Note 96 · Ascelin, bei Vincent de Beauvais und in Remusat's Mémoire sur les rapports des princes Chrétiens avec les Tatares, in den mémoires de l'InstNote 97 · Ebenda S. 426.Note 98 · d'Ohsson III. 103–118.Note 99 · Mirchuand.Note 100 · Die grössere Umständlichkeit dieser Uebersicht hat noch die Kritik Herrn v. Poujoulat's im Temps 18. Mars 1836 angeregt, welcher findet, dasNote 101 · Elmacinus p. 255. – Hadschi Chalfa's chronologische Tafeln.Note 102 · Nochbet; Sojuti.Note 103 · Munedschimbaschi.Note 104 · Sojuti, Munedschimbaschi.Note 105 · Nochbet.Note 106 · Sojuti und Nochbet.Note 107 · Munedschimbaschi.Note 108 · Emineddewlet we eminol-millet.Note 109 · Moiseddewlet.Note 110 · Adhadeddewlet.Note 111 · Fachreddewlet.Note 112 · Scherfeddewlet.Note 113 · Ssamssameddewlet.Note 114 · Behaeddewlet.Note 115 · Imadeddewlet.Note 116 · Iseddewlet.Note 117 · Moschrifeddewlet.Note 118 · Dschelaleddewlet.Note 119 · S. Garcin de Tassy und S. de Sacy's Anthologie.Note 120 · In Hadschi Chalfa's chronol. Tafeln i. J. 397, 417, 424; im Munedschimbaschi i. J. 384 (994).Note 121 · Im J. 443 (1051) und 458 (1065).Note 122 · 460 (1067), Nochbet.Note 123 · Nochbet.Note 124 · I. J. 462 (1069); Nochbet.Note 125 · I. J. 466 (1073) und i. J. 454 (1061).Note 126 · Hei ala chairil ammel.Note 127 · Nochbet.Note 128 · I. J. 459 (1066).Note 129 · Alparslan i. J. 465 (1072); Kaimbiemrillah i. J. 467 (1074).Note 130 · Melekschah i. J. 485 (1092); Moktefi i. J. 487 (1094).Note 131 · Das Nochbet nach dem Ikdol-dscheman Ibnol-dschewsi's.Note 132 · I. J. 514 (1120).Note 133 · Re, Elif und folglich Raschid, und nicht Reschid, was der Beiname Harun's.Note 134 · Rampoldi VII. 289.Note 135 · Ruhol-aarifin.Note 136 · Danischmend.Note 137 · Muid.Note 138 · Dschihannuma S. 466.Note 139 · Hadschi Chalfa's chronologische Tafeln und Kamus.Note 140 · Haschischin.
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