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Geschichte der Ilchane, das ist der Mongolen in Persien

Viertes Buch.

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Viertes Buch.

Thronbesteigung Abaka's und Vertheilung der Statthalterschaften; die Familie desselben und Schemseddin's; Schlacht gegen Nokai; armenische und ägyptische Verhältnisse; Krieg wider Borrak und dessen Ende; zweite Thronbesteigung Abaka's in Luristan; der Tod grosser Männer; Schemseddin Kert und Dschuweini; die niguderischen Banden in Fars; ägyptische Verhältnisse; Streifzug wider Armenien; Verheerung Ciliciens; Schlacht von Elbistan; Gesandtschaft an Beibars; Schemseddin verungnadet und wieder zu Gnaden aufgenommen; Schicksale Alaeddin's Dschuweini; Schlacht von Himss; Abaka's Tod; Verhältniss gegen die Christen.

Abaka's Thronbesteigung.

Das Geheimniss ist das Element, in welchem sich die Politik am sichersten bewegt; am wenigsten bedarf derselben die gerade, offene des Völkerwohls, welcher das Gesetz den sicheren Pfad vorzeichnet; am meisten die dunkel quergängige des Despotismus, indem sie den, durch Nebenbuhler gefährdeten Besitz der Macht ergreift; desshalb war es von jeher in östlichen Reichen und auch in westlichen, schon vom Hinscheiden des ersten römischen Kaisers angefangen, Staatsbrauch, den Tod des Herrschers so viel und so lange als möglich zu verheimlichen, bis dass nach getroffenen zeitgemässen Anstalten die Kunde desselben immer zugleich mit der von der Besitzergreifung des Nachfolgers verlaute[473]; daher wurden, sobald als Hulagu gestorben, nach mongolischem Staatsgebrauch alle Wege gesperrt und Befehl erlassen, dass Niemand sich von seiner Stätte bewege. Ein Eilbote ward an Abaka, den durch des Vaters Anordnung zum Throne bestimmten Nachfolger, Statthalter von Chorasan, abgefertigt, und zugleich Arghun, welcher bei Abaka die Stelle des Wesirs bekleidete, einberufen. Abaka, der sich damals im Winterquartiere von Arran, und sein Bruder Jaschmut, der sich an der Gränze von Derbend befand, trafen am achten Tage nach des Vaters Tod ein; der letzte, der unberufen gekommen, kehrte, als er sah, dass die Fluth der Stimmen der Emire wider ihn rinne, in zwei Tagen wieder zurück; 19. Dschem. ewwel 663/ 9. März 1265 Abaka aber stieg im Lager von Tschaghantu (am Goldfluss in der Nähe Meragha's) ab, wo ihm die Emire bewillkommend entgegengingen und Ilkai, der Emir des Lagers, dem Prinzen als treuer Diener zugethan, demselben, der erste, Brod und Wein als Bürgen der Sicherheit reichte. Nachdem die Prinzen und Prinzessinnen ihr Beileid bezeugt, versammelten sich die grossen Emire und Nujane, deren sich eben Viele gegenwärtig befanden[474]. Sundschak Nujan, welchem Hulagu seinen letzten Willen und die Schriften anvertraut hatte, und Arghun bezeugten mehr als die Anderen, dass nach Hulagu's letztwilliger Anordnung Abaka zum Nachfolger auf dem Throne bestimmt worden; sogleich knieten die Brüder nieder und huldigten dem Abaka als Herrn. Abaka verwies sie auf den Befehl Kubilai's, des Bruder Kaan's Moilchan's. Sie aber sagten: Du kennst besser als wir die Gebote und Verbote der Jasa, der alten und neuen, wie sollte er einen anderen ernennen; und so bestieg er nach dreimonatlicher Berathung und herkömmlicher Weigerung Freitags den neunzehnten Juni den Thron im ein und dreissigsten Jahre seines Alters. 3. Ramasan 663/ 19. Juni 1265 Die Prinzen warfen die Mützen in die Höhe, die Gürtel um den Hals, um dadurch zu sagen, dass ihr Kopf unbedeckt, das ist nicht mehr frei, dass ihr Gürtel bereit, als Strang auf Befehl des Herrn den Hals zuzuschnüren, beugten siebenmal das Knie vor der Sonne und dann vor dem Chan. „Die Schenken schenkten ein den flüssigen Edelstein, der leichter als des Feuers Schein, und wie des Paradieses Quelle rein; sie massen den Wein in kleinen und grossen Massen aus goldenen und silbernen Tassen ein.“ Mehrere Tage dauerte das Fest. In dem vom Astronomen Nassireddin von Tus als glücklich bezeichneten Monate hatte die Thronbesteigung am Tschaghan Nur, d. i. am weissen See, im Distrikte Ferahan, statt; Ferahan ist eine Stadt mittler Grösse am Ufer eines Sees, wo nach persischer geschichtlicher Ueberlieferung Tahmuras, der Diwbändiger, seine Residenz erbaute, die längst in Schutt zerfallen[475]; es liegt in derselben Höhe und Breite, wie das vier Tagreisen von Hamadan, sechzig Farasangen von Issfahan entfernte Dolfabad, der Bau des zur Zeit Harun Raschid's durch seinen Witz, Frohsinn, Reichthum und Kredit so berühmten Emirs Ebu Dolf Kasim Ben Isa Ben Idris; südlich vom Gebirge Rasmend, an dessen Fusse die grosse Fontaine Chosrew's Perwis. An dieser, durch historische Erinnerungen aus der ältesten Zeit des persischen Reichs und der des Chalifates so reichhaltigen Gegend am weissen See trat Abaka die Herrschaft an.

Verleihung der Befehlshaberschaften.

Abaka wollte bis zur Ankunft der Bestätigung Kubilai's nicht auf dem Throne, sondern nur auf einem lehnlosen Stuhle sitzen; aber er traf nichtsdestoweniger alle Massregeln und Anordnungen der Herrschaft als Chan, Ilchan, Schah und Padischah, d. i. als Herr, Landesfürst, König und Monarch. Nachdem er die Prinzen und Prinzessinnen, die Nujane und Emire der Tomane (der Zehntausenden), der Hesare und Ssade (Tausender und Hunderter) mit Geschenken überhäuft, flogen in alle Gegenden Boten mit der Nachricht seines Regierungsantrittes und mit Befehlen für Bestätigung und Aufrechthaltung der Jasa Tschengischan's und Hulagu's im strengsten Sinne; dann vertheilte er die Befehlshaberschaften der Heere und die Statthalterschaften des Reichs. Dem Bruder Jaschmut wurde mit wohlgerüstetem Heere die Huth der nördlichen Gränze gegen Derbend[476], Schirwan, Moghan bis an die Gränze des Altai; dem Bruder Tuktin die Huth der östlichen Gränze von Masenderan und Chorasan bis an den Oxus anvertraut. Der Bitekdschi (Staatssekretär) Tughu, der Sohn Ilkai Nujan's, und Tudan, der Bruder Sundschak Nujan's (der Ahnherr des zu Ende dieser Geschichte als ein grosser Charakter auftretenden Emirs Tschoban), wurden nach Rum gesendet, wo sie später von den Emiren Semaghar und Kehurkai abgelöset wurden. Dutai Nujan wurde nach Diarbekr und Dijar Rebiaa an die syrische Gränze befehligt, die militärische Aufsicht Georgiens dem Schiramun, dem Sohne Dschurmaghun's, des vormaligen Befehlshabers in Persien, die von Bagdad und Fars dem Sundschak Nujan übertragen; die Verwaltung der Krongüter erhielt Baltadschu Aga und die der Pachten[477] Arghunaga. Zur obersten Würde des Wesirs als Leiter und Herrn des Diwans zu Tebris wurde Schemseddin Mohammed von Dschuwein und zu seinem Stellvertreter als Leiter und Inhaber des Diwans sein Bruder Alaeddin Atamülk, der Geschichtschreiber, ernannt. Zu Issfahan stand der Sohn des Wesirs Schemseddin, Chodscha Behaeddin, an der Spitze der Geschäfte. Die Verwaltung von Chorasan wurde dem Chodscha Iseddin Tahir und nach ihm seinem Sohne Chodscha Wedschiheddin zugewandt; Fars wurde im Namen der Atabegin Abisch verwaltet und die Aufsicht der Pachten hatte dort Tasiku auf sich. Die Herrschaft von Kerman wurde der Prinzessin Turkjan Chatun, die von Nimrus dem Melik Schemseddin Mohammed Kert und von Georgien dem Abd und seinem Sohne Ssadren, die Armeniens dem König Hethum bestätigt. Diarbekr wurde dem Dschelaleddin Tarsi, Dijar Rebiaa dem Mosaffer Fachreddin Kara Arslan, Kaswin und ein Theil Iraks dem Iftichareddin Kaswini, Tebris dem Ssadreddin zur Verwaltung anvertraut. Aus dieser nach Reschideddin gegebenen Uebersicht der Heere und Ländervertheilung erhellet, dass schon damals, wie später im osmanischen Reiche, dessen Staatseinrichtungen grösstentheils den mongolischen nachgebildet sind, die militärischen Befehlshaberschaften der Gränze von den Statthalterschaften, die Aemter des Diwans von denen der Finanz getrennt waren. Wir haben hier sechs grosse militärische Hüter der Gränzen: in Schirwan und Chorasan, in Georgien, Kleinasien, in Fars und im arabischen Irak, drei Wesire, Inhaber des Diwans: zu Tebris, Bagdad und Issfahan, drei Intendenten der Krongüter und Pachten, fünf Vorsteher der inneren Verwaltung: in Chorasan, Diarbekr, Dijar Rebiaa, zu Kaswin und Tebris und endlich die dem Namen nach herrschenden, aber eigentlich nur im Namen der Mongolen das Land verwaltenden fünf Fürsten von Kerman, Nimrus, Georgien, Armenien und Fars; zählen wir hierzu noch die schon oben erwähnten Fürsten, welche nur unter der eisernen Keule mongolischer Herrschaft ihr Land regierten, nämlich die Atabegen von Gross- und Klein-Luristan und von Jesd, die noch zu Mardin herrschenden Fürsten aus der Familie Ortok und die zu Hossnkeif aus der Familie Ejub (denn die noch übrigen syrischen von Himss, Hama und Kerek gehorchten nun dem Sultan Aegyptens), so haben wir beim Regierungsantritte Abaka's sieben und zwanzig von ihm begewaltigte grosse Befehlshaber der Heere und Länder, Vorsteher der Geschäfte und Verwalter der Güter.

Schemseddin's Familie.

Der Geschichtschreiber Wassaf, statt diese Eintheilung zu geben, hebt als die vier Säulen des Ruhms der Zeit Abaka's, von welcher die feste und sichere Herrschaft der Ilchane in Persien datirt, vier in ihrem Fache ausgezeichnete Männer hervor als „die vier Grossen unter ihren Zeitgenossen“; der erste derselben der grösste Astronom und Philosoph seiner Zeit, Nassireddin von Tus, der Gründer der Sternwarte zu Meragha, der Verfasser der grossen Metaphysik und Ethik, welcher am Hofe Hulagu's und Abaka's die Stelle des Ministers des Unterrichts vertrat und der bei Gelegenheit der Thronbesteigung Abaka's hundert seiner Schüler mit Geschenken des neuen Herrn bedräute[478]. Der zweite der Wesir Schemseddin Dschuweini, der dritte der Tonkünstler Ssafijeddin Abdolmumin El Ormewi und der vierte der Schönschreiber Dschemaleddin Jakut. Von den beiden letzten genügt hier der Name, den ersten haben wir bereits in dieser Geschichte handeln gesehen; Schemseddin Mohammed Dschuweini tritt aber erst jetzt als Wesir an die Spitze der Reichsgeschäfte in seiner ganzen Grösse auf. „Unter seiner Regierung“, sagt Wassaf, „begehrten die Schafe von den Wölfen das mehrjährige Blutgeld, und das Repphuhn liebäugelte mit Falken und Habichten; durch ihn wurde der gute Name des Padischah auf den schwarzen und weissen Blättern der Tage und Nächte mit schöner Glückesschrift aufgezeichnet.“ Unter seiner gerechten Verwaltung erhob sich Bagdad, wo sein Bruder sein Stellvertreter, wieder aus dem Schutte der Verheerung Hulagu's. Mehr als hunderttausend Goldstücke verwandte er auf die Grabung eines Kanales, um damit Meschhed (die Grabstätte Ali's) und die Umgegend von Nedschef zu bewässern. Tadscheddin Ali, der Sohn des Emirs Dolfendi, welcher von Schemseddin mit der Ableitung des Kanals aus dem Euphrat und mit der Urbarmachung der todten Ländereien beauftragt war, hinterliess über dieses verdienstliche Werk eine besondere Abhandlung. Seide und Imame, Redner und Dichter erschöpften sich in Prose und Versen, im Lobe seiner Gerechtigkeit, Weisheit, Freigebigkeit und Milde. In seine Fussstapfen trat sein Bruder Atamülk zu Bagdad, aber nicht Schemseddin's Sohn, der Chodscha Behaeddin, der Inhaber des Diwans zu Issfahan, welcher die öffentliche Sicherheit nur durch Spähersystem und durch blutige Strenge erhielt. Auf den Bericht eines Kundschafters, der die nächtliche Runde der Wachen gemacht, dass er den Hauptmann wach und eifrig auf seinem Posten, einen Mann der Wache aber schlafend, einen anderen abwesend gefunden, befahl er, allen dreien zwei und siebzig Prügel zu geben, weil der Hauptmann nicht früher als der Kundschafter die Anzeige der Bestrafung der zwei Schuldigen gemacht. Einem, der ihn zu fest angesehen, liess er die Augen ausstechen; einem seiner Kinder, welches, auf seinem Schoosse spielend, ihn beim Barte zupfte, schwur er, heftig auffahrend, dafür an den Hacken schlagen zu lassen, und da keiner der Grossen fürzubitten wagte, packten die Schergen den Knaben und schlugen ihn vor des Vaters Augen zur Erfüllung von dessen Eidschwur an den Hacken[479]. So ein blutiger Tyrann Behaeddin, so ein grosser Beschützer war er der Gelehrten, und ein trefflicher Oekonome seiner Zeit, die er zwischen Studien und Waffenübungen, Reichsversammlungen und Festen theilte:

„Zwischen den Federn und zwischen den Fahnen, Zwischen Gelagen und zwischen Diwanen[480].“

Nach aufgehobenem Diwane verbrachte er die Zeit im Gespräche mit Gelehrten, eingedenk des Spruchs:

„Gespräch mit Gelehrten ist besser als Kosen mit Liebesgefährten.“

und schloss sich, nachdem er dieselben entlassen, mit seinen Vertrauten ein, um sich dem Genusse des Weines zu überlassen:

„Wein, der unter'm Schleier[481] spricht, Durch die Rosen im Gesicht.“

Nach dem Trinkgelage beschäftigte er sich noch tief in die Nacht hinein mit politischen Untersuchungen und polemischen Studien, nur wenige Stunden dem Hareme und dem Schlafe gönnend, und nur seinen Bruder Harun, der es ihm an Gründlichkeit philosophischer Studien zuvorthat, um diesen Vorzug mit Recht beneidend. Diesem widmete der grosse obgenannte Tonkünstler Ssafijeddin Abdolmumin seine Abhandlungen über die Volkslieder[482], über ihren Ursprung, Composition und Tonarten. Eines Tages, als in einer Versammlung bei Behaeddin, wo auch der grosse Tonkünstler gegenwärtig, Harun, vom Weine erhitzt, diesen ganz kurzweg Ssafijeddin anredete, entschuldigte Behaeddin vor den Gegenwärtigen die Freiheit des Bruders, einen so grossen Künstler schlichtweg bei seinem Zunamen angeredet zu haben, indem er sagte: Harun, der den Namen des grössten der Chalifen trägt, der eine Verwandte des letzten der Chalifen zur Frau hat, dessen Sohn Mamun heisst und der zu Bagdad wohnt, denkt sich erlaubt, den grossen Künstler nach der Gewohnheit des Chalifen bloss mit dessen Zunamen statt mit dessen Vornamen und eigenen Namen anzureden. Diess waren die Söhne Schemseddin's, des Wesirs, die Neffen seines Bruders Atamülk, des Verfassers der Welterobernden Geschichte.

Abaka's Familie.

Nachdem die Leser auf diese Weise die Heerführer, Statthalter und Wesire Abaka's kennen gelernt, müssen sie sich auch mit seiner eigenen Familie näher bekannt machen. Diese bestand, die kinderlosen Beischläferinnen ungerechnet, aus der Mutter, eilf Frauen, drei Beischläferinnen Müttern, sieben Töchtern und zwei Söhnen. Seine Mutter war die Frau Jesundschin aus dem Stamme Suldus. Von seinen Frauen nennen wir die beiden, nach des Vaters Tode aus dessen Harem in das seine herübergenommenen zuerst, weil sie durch Ansehen und Würde den übrigen vorgingen; diese waren: die Frau Oldschai Chatun, welche mit Tokus Chatun den Vater Hulagu auf seinem Auszuge nach Persien begleitet hatte, die treue Gefährtin desselben auf seinen dreizehnjährigen Feldzügen; dann Tokini Chatun, die Base der grossen Frau Tokus, die Beischläferin Hulagu's, welcher Abaka nach dem Tode ihrer Base das Lager derselben aneignete, ihr als Frau den Baghtak, d. i. den Frauenkopfschmuck, aufsetzte und an die Stelle Durdschi Chatun's als grosse Frau erklärte. Die vierte seiner Gemahlinnen war die Tatarin Nukdan, die Mutter seines Sohnes Kendschatu, welche aber jung starb. Ihr folgte Iltürmisch Chatun, die Tochter Timurgurgan's, die Schwester Turka Gurgan's, des Konghuraten. Hierauf nahm er die Prinzessin Padischah Chatun, die Tochter Sultan Kutbeddin Mohammed Chan's von Kerman, die er an die Stelle seiner Mutter, Jesundschin, setzte, so dass ihr die ersten Ehren des Frauengemachs erwiesen wurden. Die siebente und achte Gemahlin waren ebenfalls zwei Wittwen Hulagu's, die Konghuratinnen Frauen Mertai und Kuti Chatun, Schwestern Musa Gurgan's, des Sohnes der Tochter Tschengischan's, von denen die erste unter der Regierung Arghun's gestorben. Die neunte Gemahlin, Tudai Chatun, die Konghuratin, und nach ihr Bulghan Chatun, die Verwandte des Oberstrichters Nokai [die Konghuratin[483]], welche er vor allen anderen liebte und daher im Range sowohl der Mertai als der Despina, d. i. der griechischen Prinzessin, vorsetzte. Die letzte war Maria, die natürliche Tochter Michael's, des Paläologen, aus einer Diplowatzerin. Michael, welcher gegen das Ende der Regierung Hulagu's mit demselben Frieden und Freundschaft unterhandelt hatte, sandte ihm zum Unterpfande desselben die Tochter vom Archimandriten des Klosters des Pantokrators von Villehardouin, dem Bruder des Fürsten des Peloponnesos, mit reichen Geschenken begleitet; unter diesen befand sich eine tragbare Kirche in Gestalt eines Zeltes, dessen Wände und Dach dichte seidene Stoffe, mit goldenen Kreuzen und Heiligenbildern und den Opfergefässen[484]. Der Paläolog durfte sich schmeicheln, dass dieselbe als Christin von ihrer Glaubensgenossin, der Frau Tokus, wohl empfangen, wie dieselbe die Freiheit öffentlichen Gottesdienstes im Lager mit Glocken geniessen würde. In Cäsarea angelangt, erhielt sie die Nachricht vom Tode Hulagu's; aber Michael, gleich folgerecht in seiner Politik, welcher er die Tochter opferte, und in der mongolischen Ansicht, nach welcher die Gemahlinnen und Bräute aus dem Frauengemache der Väter in das der Söhne übergingen, sandte den Befehl zur Fortsetzung der Reise an den Hof Abaka's, in dessen Frauengemach sie doch der aus persönlicher Neigung vorgezogenen Frau Bulghan weichen musste. Von seinen Beischläferinnen gebar ihm Kaitmisch Ikadschi den Sohn Arghun, dann Kewkebi Ikadschi die Tochter Toghandschuk, hierauf Buludschin Ikadschi die beiden Töchter Ilkotlogh und Oldschatai; die vier anderen wurden ihm von Gemahlinnen geboren, nämlich Julkotlogh und Taghai aus der Frau Tudai, dann Nudschin aus der Frau Mertai und endlich Melike aus der Frau Bulghan. Diese sieben Töchter waren keine an Prinzen vom Geblüte, sondern nur an Söhne von Emiren oder grossen Beamten vermählt; so Julkotlogh an den Ildschitai Kuschdschi von der Leibwache, Toghandschuk an den Emir Newrus, den Sohn Arghunaga's, Melike an Taghai Buka, den Sohn des Oberrichters Nokai. In dieser Gallerie von Frauen sind die merkwürdigsten die griechische Prinzessin Maria, die karachitaische Prinzessin Padischah Chatun und vor allen Bulghan Chatun, eine gewiss eben so an Schönheit als an Geist hochbegabte Frau, welche ohne so ausgezeichnete Vorzüge nicht die grosse Rolle gespielt haben könnte, in welcher sie, von einem Frauengemache der Herrscher in's andere wandernd, dieselben mehr oder minder beherrschte durch Schönheit und Geist, hohen Muth und Charakter ein ganzes Menschenalter hindurch, dreissig Jahre lang.

Schlacht mit Nokai.

Die erste Waffenthat der Regierung Abaka's hatte an der nördlichen Gränze statt, wo Nokai, um die unter Hulagu erlittene Schlappe zu rächen, aus Derbend auf das Heer des Prinzen Jaschmut ausgefallen, über den Kor gezogen war. Die Schlacht begab sich an den Ufern des Flusses Akssu[485], 3. Schewwal 663/ 19. Juli 1265 den die Mongolen Tschaghan Muran nennen (das eine und andere heisst Weisswasser). Der Verlust war von beiden Seiten gross. Nokai, von einem Pfeile in's Auge getroffen, flüchtete nach Schirwan. Jaschmut ging über den Kor, aber wieder zurück, als er vernahm, dass Berke mit einem Heere von dreimalhunderttausend Mann nahe; die Brücken waren alle abgerissen worden, so dass Berke, nachdem er vierzehn Tage lang vergebens am Ufer des Kor geweilet hatte, wieder nach Tiflis zurückging, um dort leichter über den Fluss zu setzen; aber auf dem Wege erkrankte und starb er. Abaka befahl, von Delai Nor bis an die Wüste der Kurden einen Wall mit einem tiefen Graben längs des Kor zu ziehen, an dem er Truppen zur Gränzhuth zurückliess, ohne dass desshalb der Handelsverkehr der beiden Länder mittels der Karawanen unterbrochen ward. Nach Beendigung dieses Werkes entliess er von dort den Prinzen Mengu Timur (den eilften Sohn Hulagu's, Gemahl der Atabegin Abisch und der Frau Oldschai) und brachte den Winter in Masenderan und Gurgan (dem alten Hyrkanien) zu. 665/ 1266 Während dieses Winters erschien Mesudbeg, der Sohn des berühmten Wesirs Mahmud Jelwadsch, als Gesandter Kaidu's, des Herrschers des Uluses Ogotai, im Lager Abaka's, um die noch ausständige Rechnung der Einkünfte seiner Krongüter zu begehren. Abaka empfing denselben sehr ehrenvoll, liess ihm das Kleid Tschengischan's anziehen und wies ihm seinen Sitz ober allen Emiren an, ausgenommen Ilkai. Abaka trug dem Inhaber des Diwans, dem Wesir Schemseddin, auf, die Rechnung auf's schnellste auszufertigen, und binnen einer Woche kehrte der Gesandte, reich beschenkt, schnell zurück. Erst einige Tage nach seiner Abreise, als die Nachricht eintraf, dass sich am Ufer des Dschihun ein Heer sammle, sah Abaka, dass dies Begehren der Rechnung nur ein Vorwand gewesen und dass Mesud als Kundschafter Borrak's, des Urenkels Dschaghatai's, gekommen, welcher dem Mubarekschah die Herrschaft des Uluses Dschagatai entrissen. Abaka fertigte sogleich Gesandte ab, um den verkappten Kundschafter Borrak's zurückzubringen; sie erreichten aber die Ufer des Oxus in dem Augenblicke, als Mesudbeg eben über denselben gesetzt. Abaka ging nach Chorasan bis Serchas und wandte sich dann in's Winterquartier nach Masenderan. Zu Kebuddschame, d. i. Blaukleid, in der an Korn, Wein und Seide fruchtbaren Stadt Taberistan's[486], ging er dem Gepäcke Hulagu's entgegen, welches mit dessen Wittwe Kuti Chatun und den Söhnen Hulagu's, Tekschin und Tekuder, und mit dem Enkel desselben, Dschuschkab, dem Sohne Dschumkur's, Badu, dem Sohne Tarakai's, und Jesundschin Chatun, der Mutter Abaka's, welche zur Zeit des Aufbruches Hulagu's nach Persien im Hoflager Mengkukaan's geblieben waren. Dschumkur, der Vater Dschuschkab's und Kendschu's, war in dem Bürgerkriege zwischen Kubilai und Arikbugha gezwungen gewesen, die Partei des letzten zu ergreifen, was jetzt die Söhne entschuldigten; er war seitdem gestorben; die Frau Kuti hatte zu Bedachschan den Tod Hulagu's vernommen und sich blind geweint; er verlieh ihr die Einkünfte von Diarbekr, Miafarakain und einigen anderen Oertern als Nadelgeld, das bei den Mongolen Tonlik, das Geld auf Unterhosen, heisst. Die Einkünfte betrugen das Jahr über hunderttausend Goldstücke. Er brachte den Winter zu Tschanganlu (in der Gegend von Meragha), den Sommer in den Weiden von Alatagh an den Quellen des Euphrats und zu Siahkuh (Schwarzberg) zu, und überwinterte dann in der Landschaft Arran.

Armenische und ägyptische Verhältnisse.

Während dieser beiden Jahre, wo Abaka Nichts gethan, um die weiteren Fortschritte Sultan Beibars in Syrien zu hindern, hatte dieser den Kreuzfahrern die Städte Cäsarea, Arssuf, Ssafed, Jafa, Schakif, die Schlösser Haifa, Arka, Kaliat, Meluhat, Dschebele entrissen[487] und war in Cilicien in die Staaten König Hethum's eingefallen, welcher erst beim mongolischen Befehlshaber in Rum und dann bei Abaka selbst vergeblich Hilfe gesucht. Indessen Leon, der Sohn Hethum's, den Pass von Iskenderun (Alexandriette) besetzt hielt, ward er von den Aegyptern umgangen und dann bei Serwend geschlagen und gefangen; sein Bruder Toros und einer seiner Oheime fielen in der Schlacht. Die Sieger kamen am folgenden Tage nach Tel Hamdun, setzten über den Dschihun und bemächtigten sich des den Templern gehörigen, auf einem steilen Hügel gelegenen Schlosses Amudin, das verbrannt ward. Gleiches Schicksal hatte Sir, die Hauptstadt Kleinarmeniens. Der Herr von Hama, der jetzt in den Reihen der Aegypter focht, lagerte an den Ruinen dieser Stadt, während der ägyptische Feldherr Kilawun (der nachmalige Sultan) die Städte Ajas, Massissa und Adana verheerte. Das ägyptische Heer kehrte mit so reicher Beute beladen, mit so vielen geraubten Heerden zurück, dass der Ochs, im Lager um zwei Dirhem losgeschlagen, keinen Käufer fand. Hethum, der vergebens bei Abaka Hilfe gesucht, sah sich gezwungen, den Frieden mit Beibars auf dessen Bedingungen abzuschliessen. Dieser begehrte die Zurückstellung mehrerer von den Mongolen den Aegyptern entrissener, dem Königreiche Armenien einverleibter Schlösser und die Freigebung des ägyptischen Generals Schemseddin Sonkar el-Aschkar, d. i. Sonne der Religion, Falke der Falbe, seines alten Waffengefährten, welchen Hulagu zu Haleb gefangen, nach Persien gesendet hatte. Juni 1267 Der Friede wurde zu Antiochien unterschrieben; die festen Plätze Behesna, Derbesek, Merseban[488] wurden zurückgestellt, der Emir Sonkar gegen den bisher im Schlosse von Kairo in Verhaft gehaltenen Prinzen Leon ausgewechselt[489]. Bald darauf verfügte sich König Hethum an den Hof Abaka's, der sich damals zu Bagdad befand, um ihm für die Auslösung seines Sohnes zu danken und um die Erlaubniss zu bitten, dem Sohne den Thron abtreten zu dürfen. 1269 Nachdem er dieselbe erhalten, rief er die Grossen seines Reichs zu Tarsus zusammen, entsagte der Krone zu Gunsten Leon's und zog sich nach fünf und vierzigjähriger Regierung unter dem Namen Makarius in's Kloster von Trazargh zurück, wo er einige Monate hierauf starb[490]. Im selben Jahre sandte Abaka Gesandte an Beibars, welcher dieselben zu Damaskus zugleich mit den Gesandten des griechischen Kaisers und Mengku Timur's, des Nachfolgers Berke's auf dem Throne von Kipdschak, empfing. Abaka warf in seinem Schreiben dem Sultan Aegyptens den an seinem Herrn Kotos begangenen Königsmord vor und fragte, wie er, der vormals zu Siwas verkaufte Mamluke, es wagen könne, den Königen, Söhnen der Könige, gebornen Weltbeherrschern, zu widerstehen. Er drohte, ihn anzugreifen und Alles dem Schwerte zu opfern; er schrieb an Beibars selbst: „und wenn du in die Wolken aufflögest, und wenn du unter die Erde hinunterstiegest, du würdest mir nicht entfliehen“. Beibars antwortete: „Es ist wahr, dass ich den Kotos getödtet, aber die Sultanschaft ist mir durch freie Wahl der Bege übertragen worden; wenn es dir Ernst, mich anzugreifen, so komm', wir werden bereit sein, dich zu empfangen, um die den Musulmanen entrissenen Länder denselben wieder zurückzuerobern.“ Abaka war nicht im Stande, seinen Drohungen Folge zu geben; daran hinderte ihn das von Osten sein Reich bedrohende Ungewitter, indem Borrak, der Herrscher des Uluses Dschagatai, wider Chorasan herangezogen. Die feindliche Stellung Borrak's gegen Abaka würde vom Leser nicht gehörig beurtheilt werden können, wenn derselbe nicht in Kenntniss der früheren Begebenheiten, welche zwischen diesem und Kaidu, dem Herrscher des Uluses Ogotai, vorgefallen und die wir nun nach Reschideddin erzählen.

Kaidu's und Borrak's Vertrag.

Kaidu's, des Sohnes Kaschim's, des fünften Sohnes Ogotai's, ist bereits Erwähnung geschehen, so auch Borrak's, des Sohnes Jesentewa's, des zweiten Sohnes Muwatukjan's, des zweiten Sohnes Dschagatai's[491]. Dieser, von Kubilai zum Herrscher des Uluses Dschagatai ernannt, hatte sich nicht sobald in den Besitz des Uluses gesetzt, als er mit dem Statthalter Turkistan's, Mogholtai, Streit begann. Dieser sandte den Emir Tekmisch, jener den Emir Kuwindschi mit einem Heere; Tekmisch ward von Kuwindschi geschlagen, aber dieser musste sich vor einem zweiten stärkeren Borrak's zurückziehen. Borrak verwüstete Choten und schlug auch das Heer, welches Kaidu und Kipdschak, der Feldherr Mengu Timur's, des Herrschers von Kipdschak, wider ihn geführt. Mengu Timur, hierüber ergrimmt, sandte seinen Oheim Berekdschar mit fünfzigtausend Mann zu Hilfe Kaidu's. Borrak, von demselben geschlagen, zog sich nach Samarkand in der Absicht, das fruchtbare Land zu verheeren. Kaidu und Kipdschak beriethen sich, wie das Unheil abzuwenden, und Kipdschak, zwischen welchem und Borrak alte Freundschaftsbande bestanden, trug sich an, den Frieden zu unterhandeln. In der Ebene von Soghd empfing Borrak den Kipdschak auf dem Throne, setzte ihn neben sich, trank mit ihm und bewirthete ihn mehrere Tage hindurch in der Steppe von Katwan in der Nähe des Karawanserai[492]. Abu Mohammed's Tonkünstler spielten in den in Kipdschak beliebtesten Tonarten, um dem Prinzen Kipdschakaghul zu gefallen. Dieser war der Sohn Durdschi's, des Sohnes Kadan's, des sechsten Sohnes Ogotai's und folglich ein Neffe Kaidu's. Er kam mit Borrak überein, dass sich dieser und Kaidu mit den Truppen, mit denen sie dermalen zu Samarkand und Bochara standen, begnügen, dieselben nicht vermehren sollten und Borrak Bochara verschone. Kaidu und Berekdschar gaben ihre Zustimmung, und die Prinzen versammelten sich im Frühjahre 667/ 1269 in der Ebene von Talas und Kundschuk, wo nach achttägiger Gasterei Kurultai stattfand[493]. Kaidu sprach von dem Vertrage Tschengischan's und wie alle Zwietracht der Prinzen demselben zuwider; dann nahm Borrak das Wort und sagte: da Kaidu an der Spitze des Uluses Ogotai stehe, wie Mengu Timur an der des Uluses Dschudschi's in Kipdschak, wie Kubilai und Abaka die Herrschaft des Uluses Tuli's im Osten und Westen theilten, so möge man auch ihn als Oberhaupt des Uluses Dschagatai unangefochten lassen und sich friedlich mit ihm verständigen. Die drei Prinzen der drei Uluse kamen dann überein, das Land zwischen dem Dschihun und Sihun in drei Theile zu theilen, wovon einer von Borrak, die beiden anderen von Truppen Kaidu's und Mengu Timur's besetzt bleiben sollten; sie verbanden sich gegenseitig, mit ihren Reitern nur in den Steppen herum zu ziehen, die Städte nicht zu betreten, die Unterthanen zu schonen; im folgenden Frühjahre aber sollte dem Borrak freistehen, gegen Chorasan zu ziehen und sich auf Kosten Abaka's zu vergrössern: „Sie besiegelten ihren Vertrag nach mongolischer Sitte mit gewechselten Bechern und Kleidern, indem sie die Hefe auf die Erde gossen“[494]. Eine Zeit lang genoss das Land unter der gerechten Verwaltung Mesud's, der als weiser Wesir in seines Vaters Jelwadsch Fussstapfen trat, des erwünschten Wohlstandes, bis bald darauf, als Mengu Timur und Kaidu sich veruneinigt hatten, das Heer des letzten dem des ersten entgegenziehend Bochara verlassen, die Besitzungen desselben berannte, das Land, trotz der Vorstellungen seines Wesirs Mesudbeg, durch Erpressungen verheerend. Borrak, im Besitze des Landes zwischen dem Dschihun und Sihun, war nun auf den Feldzug gegen Abaka bedacht, worüber ihm die Herrscher des Hauses Ogotai und Dschudschi, als Feinde des Uluses Tuli, freie Hand gelassen, sandte aber zuerst die schon oben erwähnte Gesandtschaft an Abaka, um den Zustand desselben besser zu erkunden.

Botschaft Borrak's und Rüstungen desselben.

Der öffentliche Auftrag dieser Botschaft lautete, wie schon oben gesagt worden, die ausständigen Rechnungen über die beiden Prinzen gemeinsamen Krongüter zu verlangen; aber ein geheimer war, den Prinzen Nigudaraghul, den ersten Sohn Dschudschi's, des erstgeborenen Dschagatai's, welcher im Heere Abaka's diente, von demselben abspenstig zu machen. Zu diesem Ende war der Gesandte mit einem der geheimen Briefpfeile versehen, welche die Mongolen Tughane nennen, in deren Schaft die geheime Depesche verborgen[495]. In dem Briefe gab Borrak dem Prinzen Kunde, dass er im Begriffe, wider Abaka in's Feld zu ziehen; er möge, als ein Prinz des Uluses Dschagatai, sich hüten, dem Feinde ferner zu dienen. Die Aufforderung fruchtete; Nigudar, zu einem Kriegsrathe berufen, entschuldigte sich und bat um Erlaubniss, in seinen Jurt nach Georgien zurückkehren zu dürfen; er hoffte über Derbend, im Norden des kaspischen Meeres, das Lager Borrak's zu erreichen; aber Dschiramun Nujan, welchem die Huth der nördlichen Gränze übertragen war, hinderte ihn an der Ausführung dieses Planes, indem er ihn, sich nach Georgien zu werfen, zwang, wo er durch die Hand der Tochter des Königs David Bürgschaft seiner Sicherheit suchte, aber nicht fand; denn die Gegner trachteten ihm nach dem Leben, so dass er im folgenden Jahre mit Weib und Kind sich auf Gnade und Ungnade in die Arme Abaka's warf. 668/ 1270 Abaka liess sechs seiner Emire hinrichten, seine Truppen unter die Tausender, Hunderter und Zehner vertheilen, setzte ihm fünfzig Mongolen als Aufseher und ihn selbst zu Derjar Kebudan in Verhaft, aus welchem er jedoch in der Folge, nach der Niederlage Borrak's, entlassen ward[496]. Der Botschaft Borrak's ritt Schemseddin Dschuweini, der Wesir Abaka's, bewillkommend entgegen, und trotz der hohen Meinung, die er von sich selber hatte, stieg er, als er in die Nähe Mesud's kam, doch vom Pferde und küsste dem Mesudbeg ehrfurchtsvoll die Bügel. Dieser, minder bescheiden, als sein Vater, Jelwadsch, sagte, verächtlich auf Schemseddin herabsehend: „Du bist der Inhaber des Diwan's! Dein Name ist besser, als dein Aussehen.“ Schemseddin's Klugheit verschmerzte den bitteren Gruss für den Augenblick mit Stillschweigen, rächte sich aber bald hernach durch die Nachsendung der Boten, welche den Gesandten als Kundschafter zurückbringen sollten, und als diese zu spät kamen, durch die Entflammung des Krieges wider Borrak, der seinen Bundesgenossen Kaidu um Hilfe ansprach. Kaidu sandte Jerligh an die Prinzen Ahmed Ben Buri[497], Balighu[498] und Nikpei Aghul[499], dass sie bei Tirwed über den Oxus gehen sollten; Tschabad, der Sohn Huku's[500], Mobarekschah[501] und Kipdschak, der Sohn Kaidu's[502], erhielten den Befehl, mit Borrak zu Amu über den Dschihun zu setzen; weiter hinauf sollten Kokadschu[503] der grosse und Banial bei Chiwa, Kokadschu der kleine aber bei Mingkkischlagh, welches der gewöhnliche Ueberfuhrsort von Chuaresm, über den Fluss gehen und sich mit Borrak jenseits desselben vereinen. Dieser rüstete den Krieg aus allen Kräften, alle Pferde wurden zum Dienste des Heeres weggenommen und des Tages mit sieben Menn Gerste und Korn gefüttert, um sie fett, alle Hunde wurden getödtet, um aus ihren Häuten Schilde zu machen; so entstand Theuerung und Mangel. Um dem Heere Proviant zu verschaffen, befahl Borrak, das Land bis Bochara und Samarkand zu verheeren. Mesud machte ihm abermals Vorstellungen dagegen und auf die Unklugheit aufmerksam, sich auf diese Weise selbst sicheren Rückzug abzuschneiden. Borrak bestrafte diese freimüthige Vorstellung des weisen Wesirs mit sieben Prügelstreichen, nahm aber den Befehl der Verheerung zurück.

Borrak zieht über den Oxus und wird von Kipdschak verlassen.

Ausser den oben genannten, von Kaidu zur Hilfe Borrak's bestellten neun Prinzen des Uluses Ogotai und Dschagatai stellten sich zu seinem Dienste noch vier des Uluses Dschudschi, nämlich die beiden Jesawur [der grosse und kleine][504], Meraghul und Dschelertai[505]. Mit diesem Heere eroberte Borrak Chorasan von den Gränzen Bedachschan's und Schiburghan's (bei Balch) bis nach Nischabur. Ehe er noch über den Oxus gesetzt, sandte er Botschaft an Tekschin (den vierten Sohn Hulagu's, den Bruder Abaka's), welchem vom Vater die Herrschaft über das Gebiet von Badghis, östlich von Herat, eingeräumt, vom Bruder bestätigt worden. Badghis, was nur verderbte Aussprache von Badchis, d. i. Windaufstehend, weil dort immer die Winde rege, hiess vormals Pasin und war die Hauptstadt der Hunnen Euthaliten; die Wälder der Gegend sind meistens Pistazienwälder, von denen Herat und andere Städte mit Pistazien versehen werden. In diesem Bezirke liegt das unbezwingliche Schloss Nertku[506], das Aornos Chorasan's, auf einem tausend Ellen hohen Felsen, zu welchem eine halbe Stunde lang ein nur für Einen Menschen gangbarer Pfad führt, noch nie durch Gewalt der Waffen bezwungen; die Gegend umher ist so kalt, dass die Rosen hier erst im Juli blühen; das Holz zu dem Baue der Häuser von Herat kommt aus diesen Wäldern und ist so trefflicher Eigenschaft, dass es weder austrocknet noch fault, der Boden so fruchtbar, dass derselbe ohne Mühe und Kultur hundertfach trägt[507]. Nach der Felsenburg Nertku ist Kiasis ein geschichtlich merkwürdiger Ort des Gebietes von Badghis, weil es die Grabstätte Mokannaa's, des berühmten falschen Propheten, der allnächtlich aus einem Brunnen von Nachscheb einen Mond aufsteigen liess (vermuthlich von bengalischem Feuer), der die Gegend weit umher erleuchtete[508]. Borrak liess den Prinzen Tekschin wissen, das Land von Badghis bis Ghasnin und dem Indus gehöre zur Weide seiner Väter, und er möge daher dasselbe räumen. Tekschin antwortete: er hätte es als väterliches Erbe von seinem Aka, d. i. dem älteren Bruder und Herrn Abaka, bei dem er sich erst anfragen müsse. Abaka antwortete: dass das Land von Badghis zu den Krongütern des Hauses Hulagu's gehöre und dass er dasselbe wider den Angriff Borrak's zu vertheidigen wissen werde. Auf diese Antwort hatte Borrak mit den Prinzen, die in seinem Geleite, Kriegsrath gehalten und war über den Oxus gegangen, nachdem er seinen Sohn Begtimur mit tausend Reitern zu Kesch und Nachscheb zurückgelassen. Melik Schemseddin Kert von Herat kam dem Prinzen huldigend entgegen, um die Schonung seines Landes zu erhalten, welche auch zugestanden, aber die Verheerung alles übrigen, dem Kubilai oder seinem Neffen Abaka gehörigen Landes befohlen ward[509]. Von Seite Abaka's befehligte sein älterer Sohn Arghun, welchem die Statthalterschaft von Chorasan verliehen ward, das Heer; in demselben befand sich ein Emir der Tausender Namens Sidschektu, welcher ehemals ein Hausgenosse des Prinzen Kipdschak; als er hörte, dass dieser sich im Heere Borrak's befände, sandte er ihm ein Geschenk von Pferden, das dieser mit gleichem entgegnete; diess war der Anlass eines heftigen Streites zwischen Kipdschak und dem Feldherrn Dschelartai dem Dschelairen, welcher dem Kipdschak in Borrak's Gegenwart vorwarf, die bessten Pferde für sich behalten und nur die schlechteren dem Borrak gegeben zu haben. Kipdschak rief aus: „Hat je ein Karadschu, d. i. ein Unterthan, solche Worte gegen einen Abkömmling Tschengischan's so gesprochen, dass sich solch ein Hund solcher Worte erfrechen darf.“ – „Wenn ich ein Hund bin“, antwortete Dschelartai, „bin ich der Hund Borrak's und nicht der deine.“ – „Ich werde dich entzwei hauen,“ rief Kipdschak, „ohne dass mein Aka es mir verarge.“ – „Und ich,“ entgegnete Dschelartai, die Hand auf den Dolch legend, „wenn du nahest, dir den Bauch spalten.“ Da Borrak durch sein Stillschweigen dem Dschelartai Recht gab, verliess Kipdschak erzürnt die Versammlung und in der Nacht mit zweitausend Reitern das Lager. Die Versuche Borrak's, denselben durch die Sendung von drei Prinzen zur Rückkehr zu bewegen, waren vergebens. Dschelartai folgte mit dreitausend Mann, in der Hoffnung, ihn zu überrumpeln; aber da die Prinzen fürchteten, dass, wenn die Truppen desselben in Sicht kämen, Kipdschak sie mit sich führen würde, kehrten sie unverrichteter Dinge zurück. Kaidu fühlte empfindlich diese, seinem Vetter zugefügte Beleidigung; er machte gegen Abaka die Flucht Kipdschak's aus dem Lager Borrak's als ein Verdienst geltend, und verband sich, seinen alten Verbündeten Borrak verlassend, mit Abaka in Freundschaft, so dass sie sich fortan Ortak, d. i. Genossen, hiessen.

Held Merghaul, Dschebat's Flucht.

Abaka sandte den Prinzen Jaschmut mit einem Heere zu Hilfe Tekschin's, welcher dem Anfalle des Heeres Borrak's preisgegeben, während Schiramun im Norden sich mit Nigudar, dem in Abaka's Lager flüchtigen dschagataischen Prinzen, schlug. Mit fünf Tomanen, d. i. mit fünfzigtausend Mann, trat Borrak den Zug durch Chorasan an[510]; seine beiden tapfersten Feldherren, Dschelartai der Dschelaire und Merghaul, jener ein Bogenschütze, wie Aresch, der berühmte Bogenschütze der altpersischen Geschichte; den Bogen Dschelartai's vermochte kein Anderer zu spannen, als er selbst. Merghaul war vorzüglich in der Kunde des Dschade, d. i. des Wetter- und Hagelmachens mittels des Regensteines, bewandert; er sagte von sich selbst: „Ich binde den Gaul zu Konghus Alanik an und reite nicht faul den Falben[511] bis an die Alpen desselben[512], ohne dass, um auszuruhn, ich den Zügel vom Kopf muss thun, und ohne dass die Schweissdecke trocken werde.“ Purbaha Dschami, der persische berühmte Dichter, welcher, ein Türke oder Mongole von Geburt, zur Zeit Arghun's (des Sohnes Abaka's) halb aus persischen, halb aus türkischen und mongolischen Worten bestehende Mischlingsgedichte verfertigte, sagt in seiner zum Lobe Schemseddin Dschuweini's verfassten Kassidet:

Die Trennung Merghaul verheert Geduld mit Schwert, Wie jüngst Borrak mit seinem Heer das Land verheert[513].

Solchen Kräften und Helden vermochten die Prinzen Arghun, Jaschmut und Tekschin (jener der Sohn, diese die Oheime Abaka's) nicht zu widerstehen, und er zog also selbst an der Spitze eines Heeres nach Herat. Indessen hatte Borrak Gesandte an Kaidu geschickt, um sich über die Empörungen der beiden Prinzen Kipdschak und Dschebat, welche er ihm zu Hilfe gesandt und die ihn nun verlassen, zu beklagen. Als Dschebat an die Gränze Bochara's gelangt, rastete er einige Tage aus. Die Emire der Tadschiken (Perser) gaben hiervon dem Begtimur Aghul, welchen der Vater, Borrak, jenseits des Oxus zurückgelassen, Kunde: „Könntest du,“ fragte Begtimur den Tasikaka (den Emir der Tadschiken), „mit fünfhundert Reitern denselben nicht abwehren?“ – Tasik antwortete: „Ich bin Karadschu, d. i. Unterthan, und Dschebat ist Urugh, d. i. vom Herrscherhause, wie kann sich der Karadschu mit dem Urugh schlagen?“ – Da sass Begtimur selbst zur Verfolgung Dschebat's auf, der sich mit genauer Mühe mit zehn Reitern rettete, nachdem er die Brücke von Tschirameghan zerstört; dreissig Parasangen weit verfolgte ihn die Truppe Borrak's, ohne ihn erreichen zu können. Borrak machte sich jedoch nicht viel aus der Entweichung der beiden ogotaischen Prinzen, Kipdschak und Dschebat, vertheilte ihre zurückgebliebenen Truppen unter die seinen, und schwelgte, unbesorgt der Zukunft. Merghaul wurde nach Nischabur gesandt, Borrak blieb zu Thalkan; Nischabur wurde geplündert, und gleiches Loos hatte Borrak der Stadt Herat bestimmt. 6. Ramasan 668/ 30. April 1269 Da stellte ihm Kotlogh Timur vor, dass, wenn er sich den Herrn von Herat, Melik Schemseddin Kert, zum Feinde mache, derselbe ganz Chorasan empören würde. Borrak gab der Vorstellung Gehör und sandte den Kotloghbeg mit fünfhundert Reitern, den Herrn von Herat in's Lager zu laden. Im Schlosse Chaisar trafen sie zusammen. Melik Schemseddin, ein staatskluger Kopf, folgte der Einladung; er ward von Borrak ehrenvoll empfangen und mit Chorasan belehnt; Mehreres noch versprach ihm Borrak nach Persiens Eroberung; sie sprachen von Nichts, als von der Verheerung Bagdads und der Stadt Tebris, deren Schätze sie schon im Gedanken theilten, indem der Herr von Herat sich dem Lieblingsplane Borrak's hingab. Dieser begehrte von ihm eine Liste der reichsten Einwohner Chorasan's. Schemseddin gab auch diese und begehrte die Erlaubniss, nach Herat zurückzukehren, um dort Waffen und Pferde aufzubringen. Die Einwohner Herat's gingen ihm entgegen und vernahmen trostlos die mongolische Forderung; da aber indessen die Nachricht vom Anzuge des Heeres Abaka's verlautete, zog sich Melik Schemseddin in das östlich von Herat gelegene Schloss Chaisar zurück; hier erwartete er politisch den Ausgang des Kampfes zwischen dem Uluse Dschagatai und Hulagu's, zwischen Abaka und Borrak, den Untergang des letzten voraussehend[514].

Abaka's Aufbruch; Borrak's Niederlage.

Fast zwei Tage früher, als Borrak Nischabur verheerte, brach Abaka, von allen seinen Brüdern, Jaschmut und Tekschin ausgenommen, die schon in Chorasan, begleitet, dahin von der Gränze Aserbeidschan's auf. 4. Ramasan 668/ 28. April 1269 Als er nach dem zwischen Sendschan und Ebher gelegenen Distrikt Schirgis[515] gekommen (wo später die Stadt Sultanie erbaut ward), welchen die Mongolen Kungurulang nennen, wartete ihm der von Kubilai an ihn geschickte Gesandte Tekadschek auf, welcher von Borrak aufgefangen und in Verhaft gehalten, demselben entflohen war. Auf die durch ihn erhaltene Kundschaft von der Schwelgerei und der Sorglosigkeit Borrak's beschleunigte Abaka seinen Marsch; jenseits Rei, zu Kumis, kamen ihm sein Bruder Tekschin, der General Arghun und sein Sohn Arghun und mit ihnen der Sultan Kerman's bewillkommend entgegen; auf der Ebene von Radegan wurden Gold und Silber in Menge unter das Heer vertheilt und demselben mit Drohungen und Verheissungen die Erfüllung seiner Pflichten eingebunden. Von hier ging der Marsch nach Bachers, dem zwischen Nischabur und Herat gelegenen Distrikte, in der Literaturgeschichte durch Bachersi, den Verfasser der berühmten Blüthenlese, für immer geadelt. Gegen Farab, nicht zu verwechseln mit Farab, dem Geburtsorte des grössten Philosophen und Gesetzgebers der Tonkunst, Farabi, welchen die Araber den zweiten Lehrer, wie Aristoteles den ersten, nennen, sandte er Streifparteien aus und beschäftigte sich mit der Vertheilung des Heeres in verschiedenen Richtungen. Dem Bruder Jaschmut übertrug er den Befehl des rechten Flügels, den Obotai Nujan behielt er bei sich im Mittelpunkte, den Bruder Tekschin sandte er nach Beldschaghran, dem Jurte Merghaul's, wo einige der Vorposten Merghaul's getödtet wurden; dieser eilte, dem Borrak die Kunde zu bringen, dass ein feindliches Heer zugegen. Borrak sagte: Wenn Tekschin und Arghun wieder zurückgekommen, so wissen wir schon, was von ihnen zu halten, da wir sie geschlagen; ein Anderes wäre es mit Abaka; geh' und verrenne ihnen den Weg, bis wir zur Schlacht gerüstet. Von Badghis aus sandte Abaka einen fündigen Gesandten an Borrak mit Friedensanträgen: er wolle ihm Ghasnin und Kerman und das Land bis an den Indus überlassen, er möge freiwillig zurückkehren; wenn nicht, zur Schlacht gerüstet sein. Prinz Jesawur rieth zum Frieden, weil Kipdschak und Dschebat entflohen und die Pferde noch schwach. Merghaul ereiferte sich dagegen und behauptete, das anziehende Heer seien nur die Truppen Tekschin's und Jaschmut's, indem das Abaka's in Syrien beschäftigt sei. Dschelartai sprach im Sinne Merghauls: Wir sind zum Kriege ausgezogen; wenn du Frieden gewünscht, wärest du besser jenseits des Oxus geblieben. Borrak fragte den Astrologen Dschelal; dieser rieth, einen Monat zu warten, indem die Ansichten der Gestirne ungünstig. Merghaul und Dschelartai sprachen erzürnt dagegen; die Schlacht ward beschlossen. Abaka befahl dem Emire Toghus, das Terrain auszuwählen. Er bestimmte am Fusse eines Berges eine grosse Ebene, vom Flusse Karasu durchschnitten. Drei hier aufgegriffene Kundschafter wurden durch eine Kriegslist Abaka's getäuscht, indem in ihrer Gegenwart ein eingelernter Bote die falsche Nachricht brachte, dass zu Hause ihr Jurt von den Feinden im Norden überfallen, schleunigen Rückzug fordere. Dieser wurde in der grössten Eile veranstaltet, das ganze Lager im Stich gelassen; der Befehl zur Hinrichtung der Kundschafter ward öffentlich, heimlich der gegeben, dass man einen derselben entwischen lasse. Borrak mit seinen beiden schlachtlustigen Feldherren, Merghaul und Dschelartai, gingen in die Falle; das zurückgelassene Lager ward geplündert und dann der flüchtige Feind verfolgt bis an den Ort, welchen Abaka zum Schlachtfeld ausersehen; Borrak, betroffen, stellte sich am Flusse in Schlachtordnung auf. Abaka gab den Befehl des rechten Flügels dem Bruder Tekschin und dem Emir Semghur, den des linken dem Bruder Jaschmut, unter welchem die Generale Suntai und Arghunaga; der letzte befehligte die Hilfstruppen von Kerman und Fars, deren Anführer Sultan Hidschadsch und der Atabeg Jusufschah; Obotai befehligte das Mitteltreffen. Merghaul fiel gleich Anfangs der Schlacht, Dschelartai schlug den linken Flügel und drückte denselben bis Fuschendsch zurück; der rechte Flügel und der Mittelpunkt hielten noch fest; als aber auch die Truppen Abaka's zu wanken begannen, liess sich Suntai, der neunzigjährige Feldherr desselben, auf einem Sessel mitten im Schlachtfeld nieder und sagte zu den ihn umgebenden Offizieren: „Heut' ist der Tag, uns dankbar gegen Abaka zu erweisen durch Sieg oder Tod.“ Nach dreimaligem Angriffe wurde Borrak geschlagen; sein ganzes Heer wäre verloren gewesen ohne Dschelartai's Muth und Geistesgegenwart. Er sammelte die zerstreuten Flüchtlinge und bewirkte ihren Rückzug über den Oxus.

Ende Borrak's.

Borrak, der auf der Flucht vom Pferde gefallen und dazu vom Schlage berührt worden, kam gelähmt nach Bochara, wo er sich zum Islam bekehrte und den Namen Ghajaseddin annahm. Viele seiner Feldherren, seiner üblen Laune ausgesetzt, verliessen denselben unter verschiedenen Vorwänden. Der Prinz Ahmed Aghul, der Sohn Buri's[516], zog missvergnügt mit seinen Truppen nach Pischbaligh. Tukai, die starkmüthige Gemahlin Borrak's, als sie dessen Rückzug vernahm, bot sich ihrem kranken Gemahle an, aufzusitzen und ihm den Prinzen zurückzubringen. Der Emir Mauldan erhielt den Befehl zur Verfolgung, Borrak folgte in einer Senfte; auf der zweiten Station traf die Nachricht ein, dass Prinz Nikpei, der Sohn Serban's, sich nach Chodschend entfernt. Borrak sandte ihm den Prinzen Balighu, den Sohn Kadaki's, des Sohnes Buri's, nach, und erschöpfte sich in Klagen über die Unstätigkeit seiner Hilfsgenossen und über die Unfälle der letzten Schlacht: „Als ich,“ sagte er, „vom Pferde gefallen, als ich rief: Ich bin euer Padischah, gebt mir ein Pferd! hörte mich keiner; Alle stürmten vorbei auf der Flucht, bis ein Karawine (ein Naphtafeuerwerker), Namens Sali, vom Pferde stieg, mir dasselbe gab und statt desselben einige Pfeile begehrte, die ich ihm reichte.“ Er sandte den Bruder Jesar[517] an Kaidu, um sich über den Abfall der Prinzen Kipdschak und Dschebat zu beklagen. Kaidu brachte ihm die Treulosigkeit Borrak's in Erinnerung, welcher, während die Prinzen, seine Brüder, mit Kipdschak die Rückkehr unterhandelten, den Dschelartai nachsandte, um ihn zu überfallen; Jesar läugnete es. Kaidu versammelte seine Emire zum Rath, stellte ihnen vor, wie verächtlich bisher die Verbindung mit Borrak für das Haus Ogotai's gewesen; es ward beschlossen, den Jesar in Gewahr zu halten und dass Kaidu selbst mit ein Paar Tomanen unter dem Scheine, dem Borrak die begehrte Hilfe zu leisten, aufsitze, weil, ehe sie ankämen, sein Loos entschieden sein würde. Indessen hatte Nauldar den Prinzen Ahmed Buri und Balighu den Prinzen Nikpei verfolgend erreicht und in dem ihnen gelieferten Treffen fielen Ahmed Buri und Nikpei. Sobald Borrak hiervon Kunde erhalten hatte, sandte er an Kaidu, dessen wahre Absicht er ahnte, Wort, um ihm für seine Hilfe zu danken, die nun überflüssig geworden sei. Kaidu setzte nichtsdestoweniger seinen Marsch fort; ehe er noch das Lager Borrak's erreicht, war dieser plötzlich gestorben, vermuthlich durch neuen Schlaganfall getroffen. Als Kaidu dem Lager nahte, hörte er die Todtenklage und sah die Wachen mit fliegenden Haaren. Kaidu und alle Prinzen beweinten den Tod Borrak's; sie zogen die Trauer an und Borrak's Leichnam wurde auf einem hohen Berge bestattet. Am folgenden Tage erschienen die Prinzen Mubarekschah (der Enkel Muwatukjan's, aus dessen Sohn Kara Hulagu und der Frau Hirghana), Kajan und Dschobai, die Enkel des vor Olmütz gefallenen Paidar [Peta][518], und liessen sich vor ihm, als dem älteren Prinzen, auf die Kniee nieder, sich seinen Befehlen fügend. Sie klagten über die Behandlung, die sie von Borrak erlitten; Kaidu versprach ihnen die Zurückstellung der ihnen weggenommenen Güter und überliess ihnen den Schatz Borrak's zur Theilung. Mubarekschah nahm mit eigener Hand die Ohrgehänge der Frau Tukai, der Gemahlin Borrak's, vom Ohre. Borrak hatte vier Söhne hinterlassen: Peik Timur, Tewaburi, Tehu und Uladai; mit ihnen vereinigten sich die Söhne Alghui's, die beiden obgenannten, Dschobai und Kijan; des dem Kaidu gegebenen Wortes vergessend, verheerten sie das ganze Land von Chodschend bis Bochara und bis jenseits des Oxus. 671/ 1272 Drei Jahre hernach kam auf Vortrag des Wesirs Schemseddin, dass es die höchste Zeit, den Unordnungen im Lande jenseits des Oxus ein Ende zu machen, ein Heer unter dem Befehle Jusuf's und Kurughdai's, der Söhne Dschintimur's, des vormaligen Statthalters in Persien, nach Chuaresm; Gurgendsch, Chiwa und Karakusch, wurden von Gütern geleert, mit Leichnamen gefüllt. Vor Bochara schlugen sie sich mit dem dschagataischen Heere; 7. Redscheb 671/ 20. Jan. 1273 sieben Tage dauerte die Schlacht, zehntausend Todte deckten die Erde. Bochara ward von neuem mit Feuer und Schwert verwüstet, die Medrese und die Bibliothek Mesudbeg's gingen in Flammen auf. Dies war eine strenge Antwort (bemerkt Wassaf) auf das verächtliche Wort, welches Mesudbeg dem Grosswesir Schemseddin zum Willkommen gesagt. Fünfzigtausend Jünglinge und Mädchen wurden als Sklaven weggeschleppt; Dschobai und Kijan nahmen ihnen jedoch die Hälfte wieder ab. Dieser Raubzug war das Werk der Einstreuungen des Turkmanen Okbal[519]. Sieben Jahre lang blieb die Stadt verödet.

Zweite Thronbesteigung; Halswunde; Todesfälle.

Nach der Niederlage Borrak's zog Abaka mit dem Heere nach seinem Thronsitze in Aserbeidschan zurück; die Kriegszucht ward so strenge gehalten, dass, wie auf dem Hinmarsche im Frühling, der Huf seiner Pferde kein Saatfeld zertrat, jetzt auf dem Rückwege im Herbste vom Soldaten keine Garbe geraubt, keine Traube abgerissen ward; eine Kriegszucht, so löblicher, je ungezügelter die Raubsucht mongolischer Heere im feindlichen Lande. 1. Rebiulewwel 669/ 18. Oct. 1270 Am achtzehnten October, dem in der Geschichte durch vielfache Schlachten als Kriegsfest so berühmten Tage, stieg er zu Meragha ab und zwanzig Tage hernach hatte im Lager zu Dschaghantu die zweite feierliche Thronbesteigung und Krönung statt, 20. Rebiulewwel/ 6. November indem die Gesandtschaft des Kaan's mit der Bestätigung der Herrschaft als Ilchan und Padischah in Iran mit dem Herrscherdiplome eingetroffen war. Der Grund, dass sich diese Bestätigung volle sechs Jahre erwarten liess, kann wohl blos in dem Bürgerkriege Abaka's mit Nigudar und Borrak gelegen haben, weil, ehe das Loos der Waffen durch die Niederlage von den beiden letzten die bleibende Herrschaft des ersten entschieden, dieselbe feierlich zu bestätigen der Kaan Anstand nahm. Zu gleicher Zeit mit den Gesandten des Kaan's trafen auch die Mengutimur's, des Herrschers von Kipdschak, mit Geschenken ein, um zur siegreichen Beendigung des Feldzugs Glück zu wünschen. Sie wurden ehrenvoll empfangen und reich beschenkt entlassen. Auf einer der Stationen des Marsches, vor der Ankunft zu Meragha, 2. Ssafer 669/ 20. Sept. war Abaka auf der Jagd durch das Horn eines wilden Stieres am Halse verwundet worden, so dass das Blut aus der Wunde floss; um dasselbe zu stillen, unterband einer der Aidadschi, d. i. der Küchenmeister, die Haut mit einer Bogensehne, so dass es zu fliessen aufhörte, und er dafür von Abaka reichlich belohnt ward; aber es hatte sich ein Senkel gebildet, welcher höchst beschwerlich fiel und auch gefährlich schien. Keiner der Aerzte getraute sich denselben zu öffnen, nur der grosse Astronom Nassireddin, welcher auch ein geschickter Arzt, verbürgte sich, die Operation ohne Gefahr zu unternehmen; er schnitt den Blutsack auf und reinigte die Wunde, die binnen einer Woche geheilt war. Die allgemeine Freude hierüber ward durch den Tod der beiden Prinzen Jaschmut und Tekschin, die Oheime und treuen Waffengefährten Abaka's in dem Kriege wider Nigudar und Borrak, getrübt. 8. Silhidsche 669/ 18. Juli 1271 Sechs Monate früher war auch Jesundschin, die Mutter Abaka's, gestorben; ihr Lager erhielt die Gemahlin Abaka's, die Prinzessin Padischah Chatun, die Tochter Kutbeddin's, des Sultans von Kerman. So hatte Abaka Chan nach dem Tode seiner Stiefmutter, der grossen Frau Tokuschatun, ihr Lager ihrer Nichte Tukini, der Beischläferin seines Vaters Hulagu, verliehen, welche dreissig Jahre lang im Besitze desselben, worauf es Kukadschi Chatun, eine Verwandte der grossen Frau Bulughan, der Gemahlin Ghasan's, und nach deren Tode die Frau Keramun, die Tochter eines Vetters der Frau Bulughan, erhielt, nach dessen Tode dieselbe unter der Regierung Oldschaitu Chodabende's (des achten Ilchanen) die Frau Kotloghschah, die Tochter Emir Irindschi's, eines Neffen der grossen Tokus, verliehen ward[520]. So erbte der Besitz der Lager der Prinzessinnen zwar nicht regelmässig fort, sondern ward theils mit Rücksicht auf die Erbfolge, theils aus Gunst verliehen. In diesem Jahre der Rückkehr aus Chorasan ergab sich endlich das Schloss der Assassinen Girdkjuh, 6. Rebiulachir 669/ 15. Dec. 1270 welches seit der Uebergabe von Alamut noch vierzehn Jahre[521] ausgehalten, weil der letzte Fürst der Assassinen demselben zwar den von Hulagu gestellten öffentlichen Befehl, sich zu übergeben, aber heimlich sich zu halten, Wort gesandt hatte. Girdkjuh, das letzte blutige Nest der Assassinen, vielleicht das Gilgerd der Byzantiner, das Schloss der Lethe, in welchem Staatsgefangene zur ewigen Vergessenheit eingesperrt wurden; sowohl der Name als die Festigkeit desselben geben dieser Vermuthung Wahrscheinlichkeit.

Herrscher von Luristan; Tod grosser Männer.

Auf dem Rückmarsche von Chorasan nach Aserbeidschan war Abaka an der Gränze Gilan's von einer Schaar dilemischen Gesindels aus einem Hinterhalte angefallen worden. Jusufschah, der Sohn Schemseddin Alp Arghaun's, der Atabeg von Gross-Luristan, welcher auf diesem Feldzuge den Chan als Vassal begleitet hatte und sich eben in dessen Nähe befand, sprang vom Pferde und wehrte durch seine Tapferkeit die Gefahr vom Haupte Abaka's ab. Zur Belohnung dafür verlieh ihm der Chan zu Gross-Luristan noch den Besitz von Chusistan, das Gebirge Kiluje und die beiden Städte Firusan und Dscherbadakan; die erste, im persischen Irak in der Nähe von Firusan gelegen, ward von Firus, dem Könige der altpersischen Dynastie der Beni Sasan, erbaut, von welchem sie den Namen hat, in einer an Baumwolle, Korn und Früchten aller Art gesegneten Gegend gelegen[522]. Dscherbadakan, auch Derbajekan oder Güljadkjan genannt, ist eine zwischen Kerdsch und Hamadan gelegene Stadt, welche Humai, die Tochter Behmen's, des Kejanen (die Parisatis der Griechen), baute und Samere nannte[523]. Jusufschah begab sich nach dem Gebirge Kiluje (in Luristan) und schlug die Schulen, den Sieg mit seines Bruders Nedschmeddin Tod bezahlend[524]. In Chorasan schlugen sich indessen die Feldherren Nikpei Behdi und der Turkmane Akbeg wider die dschagataischen Prinzen Dschoba und Kapan, den Sohn Alghui's, das Land verödend, wie bereits oben gesagt worden. Akbeg hätte sich gerne mit seiner Beute zu Kaidu geflüchtet, aber einer seiner Brüder kam zum Dienste des Steigbügels des Prinzen Arghun und entdeckte demselben des Bruders Anschlag. Arghun berief den Turkmanen ein, um ihn an den Hof Abaka's zu senden; auf dem Wege dahin wurde er zu Kökdsche denis, d. i. am blauen Meere (am Uralssee), abgethan; so ward auch der Intendent Melik Ssadreddin zu Rei hingerichtet. Der von Hulagu und Abaka hochgeschätzte Sekretär Dschenglaun Bachschi und der Feldherr Emir Arghun, der Sohn Dschurmaghun's, starben natürlichen Todes. Zu Tebris stürzten alle Thürme im Erdbeben ein. 671/ 1272 In diesem Jahre, wo zu Tebris Melik Ssadreddin hingerichtet ward, starb zu Konia in Rum, dessen Fürsten unter der eisernen Ruthe mongolischer Vogtschaft standen, der grosse mystische Scheich Ssadreddin von Konia; im nächsten Jahre aber hatten Astronomie und Philosophie, Mystik und Poesie noch weit grösseren Verlust zu beklagen in dem Tode Nassireddin's von Tus, des Werkzeugs des Sturzes der Assassinen und des Chalifats, des Errichters der Sternwarte von Meragha, des Verfassers der berühmten Metaphysik und Ethik, deren schon oben Erwähnung geschehen, und des grössten mystischen Dichters der Perser, Mewlana Dschelaleddin's Rumi, beigenannt der Molla Kaiser, des Verfassers des Mesnewi, des Stifters der Mewlewi. Nassireddin von Tus befand sich am Hofe Abaka's im Mittelpunkte des Reichs als der Repräsentant der Wissenschaft, während die Mystik und Poesie in den äussersten Enden desselben, in Rum und in Fars, blühten, in Rum durch die obengenannten beiden grossen Scheiche Dichter, in Fars noch durch Saadi, den wahren König der persischen Dichter seiner Zeit, wiewohl Hemker Farsi das Amt des Dichterkönigs am Hofe der Atabegen zu Schiras bekleidete; dass aber schon damals der Dichterkönig von Amtswegen nicht unbedingt als der grösste Dichter erkannt ward, beweiset, was Dewletschah in seinen Lebensbeschreibungen persischer Dichter bei der Imami's von Herat erzählet. In einer Abendversammlung stritten sich die vier geistreichsten und gelehrtesten Staatsmänner Abaka's, nämlich der Wesir Schemseddin Dschuweini, der Statthalter Rums Moineddin Perwane, der Richter Mewlana Schemseddin und der Intendent Melik Iftichareddin von Kerman, einen Abend lang darüber, ob Saadi, ob Imami aus Herat oder Hemker Farsi (der Dichterkönig) der grösste Dichter; sie kleideten diese Frage in Versen ein[525] und sandten dieselben zur Entscheidung an den Dichterkönig von Amtswegen; dieser antwortete bescheiden und wahr:

Obwohl ich bin ein Papagei durch süssen Sang, Bin ich die Fliege nur von Saadi's Zuckermund; Und soll ich thun ein allgemeines Urtheil kund, So läuft Imami mir und Saadi ab den Rang.

Wie tief persische poetische Bildung damals in Staatsgeschäfte eingriff, wird sogleich aus dem Verhältnisse und Briefwechsel des gelehrten Wesirs Schemseddin Dschuweini mit Melik Schemseddin Kert, dem Herrn von Herat, erhellen.

Schemseddin Kert.

Melik Schemseddin Kert, welchem schon Tschengischan die Herrschaft von Herat überlassen und welchen sein dritter Nachfolger, Mengku, als Herrn von Herat, Sebsewar, Ghur und Ghardschistan bestätiget hatte, war ein unternehmender, staatskluger, hochgebildeter Fürst, dessen Arm nie seinem Kopfe zuvoreilte und dieser nie hinter jenem zurückblieb. „Er war,“ sagt Wassaf, „ein Mann von hohem Geist und erhabenem Sinne, der sich der Humanitätswissenschaften befleisst. Er vereinigte in sich die beiden Lehren von den Fingern und von den Speeren, gleich geschickt zu tanzen den Reigen der Worte und der Lanzen. Inhaber von Büchern und von Heeresschaaren, ein Bereiter, kundig, die Stufen und Grade zu bewahren, der auf Orion's Schultern sass und auf denselben, als seinem Reitpferde, die Himmel durchmass.

Schüttelt die Hand er zum Wohlthun, so ist sie ein Meer, Schüttelt die Hand er zum Kampfe, so ist sie ein Speer; Wann sich die Erde verfinstert, so ist er die Sonne, Wann sie verdorret, erfrischt er als Guss sie mit Wonne.“

Sein Vater, Kert, war zur Zeit der Sultane Ghurs einer ihrer Emire und gehörte zu den nächsten Umgebungen Sultan Schihabeddin's, des neunten Herrschers von Ghur, welcher vor Sultan Mohammed Chuaresmschah sich nie gebeugt. Zu Beginn der Regierung Mengkukaan's, als wider diesen Jesui Menluk, der dritte Sohn Dschagatai's, ein Heer gerüstet, ward Schemseddin Kert geschlagen und flüchtete zu Batu, fand sich aber, sobald Mengku die Prinzen, seine Nebenbuhler um den Thron, aus dem Wege geräumt, am Hofe desselben huldigend ein. Er trug vor, dass, weil er bei der Annäherung des Heeres Tschengischan's demselben huldigend entgegengekommen, er von demselben mit dem Lande Ghur[526] mit dem tiefeingeschnittenen Schluchtlande des nordöstlichen Sistan's ober Kabul und mit Ghardschistan, dem nördlich von Ghur unter Balch gelegenen Gebirgslande belehnt worden sey. Mengku bestätigte ihm nicht allein den Besitz der beiden Gebirgslandschaften von Ghur und Ghardschistan[527], deren Einwohner derselbe Schlag von Menschen, durch Diplom und das Ehrenzeichen des Löwenkopfs, sondern schlug noch Herat und Nimrus, jenes östlich, dieses südlich von Ghur (das eigentliche Sistan), dazu. Schemseddin begab sich in den Dienst Arghun's, des Statthalters in Chorasan, und erhielt von demselben das ganze Land bis an die Ufer des Oxus in Acht und Pacht. Auch Hulagu hatte denselben mit Ehren und Geschenken ausgezeichnet, aber schon im Jahre nach der Eroberung Bagdads 658/ 1259 (bei welcher er nicht im Heere Hulagu's erschienen) entbrannte wider ihn der Zorn Hulagu's in so hohem Grade, dass er dem wider ihn gesandten Heerführer Tegur den Auftrag gab, ihm die Haut Schemseddin Kert's mit Stroh ausgestopft zu schicken. Kert schlug nicht nur die Truppen Tegur's, sondern auch ein zweites, wider ihn gesandtes ilchanisches Heer zu Schelaun, an der Gränze Herats, sandte aber dann Botschaft der Unterwürfigkeit und Geschenke an Hulagu und erhielt dessen Verzeihung. Als er, am Hofe angelangt, von Hulagu befragt ward, warum er ohne Befehl den Statthalter von Nimrus getödtet, antwortete er schlagfertig: „damit der Padischah an ihn nicht dieselbe Frage stelle, wie jetzt an mich.“ Dem Hulagu gefiel die Antwort, und er nahm den Herrn von Herat und Ghur wieder zu Gnaden auf; Schemseddin machte in Hulagu's Geleite den Feldzug wider Berke mit und erwarb sich dessen Zufriedenheit durch Tapferkeit und Ergebenheit; aber in dem Feldzuge wider Chorasan fiel er in die Ungnade Abaka's, weil er der Einladung des Prinzen Tebsin, in dessen Lager zu erscheinen, nicht Folge geleistet, in seinem festen Schlosse von Chaisar fest sass. Abaka sandte Truppen, um denselben durch Gewalt zu bezwingen. Schemseddin machte Vorstellungen wider diese Massregel, wodurch Chorasan von neuem verheert werden würde; er bat den Ilchan, die Schlichtung dieses Geschäfts seinem Sohne Chodscha Behaeddin, dem Statthalter von Issfahan, zu überlassen.

Briefwechsel zwischen den beiden Schemseddin (Kert und Dschuweini)

Schemseddin Kert, an hohem Muthe und Geist ein würdiger Zeitgenosse und Nebenbuhler des Wesirs Schemseddin Mohammed Dschuweini, sandte an diesen, als er die Annäherung der wider ihn gesandten Truppen vernahm, die folgenden Verse:

Wer schickt nach Chata Botschaft an den Türkenchan? Ist nicht Nimrus das Vaterland von Purdestan[528], Von dessen Schwerte und von dessen Stiereskeule Das Haus Efrasiab's noch heute trägt die Beule?

Schemseddin Dschuweini, um als Dichter nicht zurückzubleiben und um die Sache in Gutem beizulegen, sandte Schemseddin Kert das folgende Schreiben, halb in Versen, halb in Prose:

„Reichsglanz, o König Schemseddin Mohammed Kert, In dem der König und der Engel[529] sich bewährt. Wie schwer dem Herzen deine Trennung fällt zur Last, Wird nicht von Genien, von Menschen nicht gefasst. O Du von hellem Sinn und von wahrhaftem Wesen, Es ziemt sich, dass, wenn du diess Schreiben hast gelesen, Du, wie der Wind, entflammst der Wunscherreichung Gluth, Und diesen Staub abwaschest mit der Vorsicht Fluth.

Da der Gebrauch des lieblosen Himmels und des trübseligen Erdgetümmels droht, dass sie das Begehrte und Beliebte hinter dem Schleier der Verwehrung verstecken und den Zweck des Herzens und der Seele ferne stecken, so geschieht es, dass alle Lüsten und Mühen, welche sich der Menschenliebe geben, nur Beschwerden und Gefahren nach sich ziehen, und dass sie allzumal in der Wahl der Sicherheit, wie sie dieselbe immer erfinden, nur Stoff der Entäusserung und Täuschung finden.

Weltenbrauch ist's einmal nun, Stäts das Gegentheil zu thun; Hätten wir die Eintracht nicht begehrt, Hätte Welt dieselbe uns gewährt.

O wenn Genuss zu uns doch heute wiederkehrte, Ich würde sagen ihm, wie Trennung uns beschwerte.

Der Sinn des Gesagten ist: Seit Jahren ist das Ohr der Seele und die Seele des Ohrs mit dem Schalle der Grossmuth des Königs des Islams, des Herrschers von Iran, des Chosrews der Erde, die Sonne der Wahrheit und der Religion (die Welt sei seinen Geboten und Verboten unterthänig und der Himmel seinem Vorhaben günstig!) als mit einem Ohrgehänge geschmücket und entzücket worden, und dieser elende Sklave Mohammed Ben Mohammed El-Dschuweini hat gewünscht, dass er von Angesicht zu Angesicht denselben schaue; als es nahe daran war, dass dieser Wunsch erfüllet worden ganz und gar, brach von dem Loos eine geheime Absicht der Verzögerung los (sie möge nur Gutes bewirken!); das erstaunte Herz blieb ohne Kopf und die Seele blieb nur das Ergebniss des Spruchs: Der Gierige bleibt beraubt zurück:

Ein Engel sitzt an des lazurnen Daches Rand, Der für die Liebenden dort bildet Scheidewand.

Seit einigen Tagen sind Boten des Prinzen Mohammed von jener Seite gekommen und haben erfreuliche Nachrichten von beglückter höchstdero Seite gebracht. Diese Kunden hatten des Messias Eigenschaft, dessen Wunderkraft Todte in's Leben rafft; der Kiel des Schreibers der Kunden hatte über die Nothwendigkeit, sich vor Seiner Majestät dem Ilchan zu hüten, sich herausgelassen; hier erkühnt man sich aber, zu schreiben, dass der Weg unnöthiger Behutsamkeit des leeren Verdachts möge verschlossen bleiben, indem der Vorsatz jener Majestät (des Ilchan's) nach Westen und nicht nach Osten steht.“

Hierauf antwortete Schemseddin Kert, wie folgt:

„Da die Tage und Nächte, die nacheinander ziehen, sich dahin bemühen, dass kein Geschöpf den Wunsch des Herzens erreiche, und dass jeder Gedanke, auf welchen man das Herz setzt[530], verändert sich nimmer gleiche, so nützen Nichts Fleiss und Streben, und Mühen und Beschwerden können keinen Gewinn geben. Jahre sind es, dass ich mit Gebet und Fasten und Bitten ohne Rasten gewünscht das verehrte Antlitz des grossen Inhabers (des Diwans), des gerechtesten und geehrtesten Wesirs, dessen Rath und That gesiegt, der die Sonne des Reichs und der Religion (seine Würde werde vermehrt!), zu sehen und demselben alten und neuen Gram zu gestehen, aber

Da mit den Feinden viel der Freund ist umgegangen, Geziemt sich nicht, von diesem Freunde zu verlangen: Hüt' vor dem Honig dich, dem Gift ist beigemischt, Und vor der Fliege, die gesessen ist bei Schlangen.

Durch die Frische der Rosenzeit und durch die Bewässerung der Jahre wurden die Banden der Eintracht und Freundschaft und die Formen der Liebe zwischen beiden Seiten befestigt und das Gebäude der Einigkeit stark und hart vor den Giftwunden alles Fremdartigen bewahrt, die Kibla der Wahrheit zugewendet, und es wurden alle Tage Briefe gesendet, einzuladen Tataren und lasterhafte Barbaren. (Hemistich)

Was dir gefällt, gefällt mir nicht.

Diess liegt aber ausser der gesunden Vernunft Pfaden, und es ist zuwider dem reinen prophetischen Gesetze und den Ueberlieferungen Mustafas, des Freunds der Gnaden.

Besser ist's, dass Weiser einsam streife, Dass nach Winkeln er als Festen greife, Dass er trinke, küsse und ausschweife, Bis dass Welt Beständigkeit ergreife.

In diesen Tagen wird an den Sohn Mohammed kommen, was soll frommen, so Gott will, der Allgeehrte.“

Schemseddin's Verse: das Grün und Roth.

Die Verse, welche Schemseddin Kert mit Schemseddin Mohammed gewechselt, sind nicht die einzigen, welche die Geschichte von diesen beiden Sonnen der Religion aufbehalten; vom zweiten wird noch in dieser und in der folgenden Regierung die Rede seyn; vom ersten sprechen wir hier zum letztenmale und erwähnen daher noch zwei anderer Früchte seines Dichtertalentes, wovon das eine nur von geringem poetischem Werthe, weil das grösste Verdienst desselben im Wortspiel, das andere aber so merkwürdiger, als es in Europa neuer Beitrag nicht zur ethnographischen, wohl aber zur ethographischen Farbentheorie der Morgenländer. Das erste, eine Antwort an Siadeddin, das ist Glanz der Religion, den König von Kabul, mit welchem Schemseddin in grosser Zerwürfniss und Bewilderung. Jener schrieb ihm:

Aus Groll gen Kabul wollte ghurscher Junge Nicht lösen zum Gespräch mit mir die Zunge; Du bist die Sonn', ich Glanz; ein Jeder weiss, Die Sonne macht durch Glanz nur hell und heiss.

Schemseddin Kert entgegnete hierauf:

Du, deiner nicht bewusst, nimm dich in Acht! Warum hast Feindschaft du mit mir gemacht? Ich bin die Sonne und du bist der Glanz, Der von der Sonne kommt; was will der Glanz?

Die zweiten Verse sind zum Lobe des Grünen im Gegensatze mit dem Rothen, worunter aber keineswegs das Grün der Erde, des Meers oder Smaragds, oder das Roth des Morgens oder der Blumen oder des Rubins, sondern ganz ein anderes Grün und Roth verstanden wird. Ohne nähere Belehrung hierüber würde das folgende Lob des Grünen und Rothen einem Abendländer eben so unverständlich sein, als einem Morgenländer die grüne und blaue Partei des Rennplatzes gleich Eingangs der Commentare Mark Aurel's. Die Farben des Lebens und Todes des Morgenländers sind, wie bei den Abendländern, das Weiss der Tage und das Schwarz der Nächte, jenes Glück, dieses Unglück vorbedeutend, worin er mit dem Abendländer übereinstimmt; aber schon bei dem Unterschiede der Menschenrassen setzt jener den Schwarzen nicht die Weissen, sondern nur die Rothen entgegen; so ist Mohammed der an die Rothen und Schwarzen, d. i. an alle Rassen der Menschen, gesandte Prophet; die Rothen sind jenen die blutigen Säbel und der gewaltsame Tod, die Schwarzen die giftgeschwollenen Schlangen und der Tod durch die Pest; dem Schwarzen steht das Grün entgegen; dem schwarzen Korn, die Begier, das jedem Menschensohn in die Brust gepflanzt ist, und das nur dem Propheten durch Gabriel der gespaltenen Brust entnommen ward, ist entgegengesetzt das grüne Korn der Mystiker, welches, durch Beschauung gross gezogen, in der Brust des Menschen zum Baume des Lebens und der Erkenntniss aufwächst. Das grüne Korn in rein sinnlicher Bedeutung ist aber das des Bilsenkrauts und des daraus bereiteten Opiats als Berauschungsmittel, im Gegensatze des Rothen, d. i. des Weins. Schemseddin, dem Genusse des ersten ergeben, sang zum Lobe desselben die folgenden Verse:

Der Reiche, welcher trinket Wein, wird warm, Die Welt füllt sich für ihn mit Lust statt Harm. Ich giess' Smaragd in den Rubin gelinde[531], Damit das Aug' der Gramesschlang' erblinde[532]. Wenn Staub des grünen Korns versüsst das Maul, Besteige ich des Himmels grünen Gaul; Mit Grünen ess' ich Grünes in dem Grün, Bis dass mein Staub wird einst als Pflanze grün.

Wassaf entgegnet hierauf zum Lobe des Rothen:

Rothe Rose, rother Wein und rothe Wangen; Trink', so lang noch frisch und roth ist das Verlangen; Gilb' nicht dein Gesicht mit Gram, denn blau ist Himmel, Wenn auch schwarz und weiss des Tags, der Nacht Gewimmel.

Behaeddin, der Sohn Schemseddin Dschuweini's, beredete zwar den Herrn Herats, sich an den Hof Abaka's zu begeben, aber dieser liess ihn im Schlosse von Tebris einsperren, wo er bald hierauf starb, wie es heisst, durch Gift, das er im Ringe trug und selbst in die Speise gemischt haben soll. Die Meinung von seiner Listigkeit war so gross, dass der zur Begräbniss bestellte Emir, fürchtend, er möge sich nur todt stellen, um dann zu entwischen, ihn in zwei ineinander geschachtelte Särge legen und beide in seiner Gegenwart fest vernageln liess[533]. Das auf seinen Tod verfasste Distichon finde hier Raum, weil dasselbe, wie die obigen Verse, sich auf eine dem Morgenländer eigene Sitte, nämlich auf die der Orakelverse aus dem aufgestochenen des Korans beziehen. Dieses Aufstechen heisst Fal, was vielleicht dasselbe mit dem deutschen und englischen Fall[534].

Schewwal 676/ März 1278

Im Jahr sechshundert sechs und siebzig im Schewwal, Da schlug in dem Koran das Schicksal auf als Fal Dem Leu'n des Islams, der genannt Mohammed Kert, Den Vers: Verfinstert ward die Sonne allzumal.

Die Niguderischen Banden in Fars; Lob der Mongolen aus dem Munde Wassaf's.

Das Todesjahr Schemseddin Kert's, dasselbe, in welchem in Europa Rudolph von Habsburg die Macht seines Hauses nach dem Siege über Ottokar befestigte, war für Persien ein unheilbringendes durch die Vergiessung seines Herzblutes in Fars durch den Einfall und die Verheerung der Niguderischen Banden[535], d. i. die Truppen des dschagataischen Prinzen Niguder, welcher, wie oben erzählt worden, auf Borrak's Schreiben aus dem Lager Abaka's entwichen, im Norden eine Zeit lang den Krieg fortführte, welchen nach seinem Tode seine Heere durch Raub und Verheerung fortsetzten, wie ehemals nach dem Sturze Chuaresmschah's die chuaresmischen Banden in Syrien. Die niguderischen Banden bestanden aus Raubgesindel aller Nationen, aus Scholen, Mongolen, Turkmanen und Kurden. Sie fielen in Fars im Distrikte Korbal ein und schlugen das persische Heer zu Teng Schikem, wo die Emire desselben die Brücke so abgebrochen hatten, dass nur für Einen Mann Raum zum Uebergang. Zwei Vögte Abaka's ertranken im Flusse, nur Bulghtuwan hieb sich mit dreihundert Reitern durch den rechten Flügel der Feinde und rannte, indem er die Brücke hinter sich verbrannte, fliehend bis Issfahan; der Rest des Heeres wurde zerstreut oder ertrank. 17. Ramasan 677/ 1. Febr. 1278 Korbal wurde geplündert, dreitausend verschnittene Pferde wurden sammt einer Horde von Mädchen und Knaben weggeschleppt. Drei Jahre später 680/ 1281 überschwemmten die mongolischen Banden abermal Germsir, d. i. die südlichste Landschaft von Fars, und wandten sich dann gegen Sistan; jeden Winter fürchtete man zu Schiras ihre Rückkehr und war mit Ausbesserung der Mauern beschäftigt, denn auf die verweichlichten Truppen von Fars war kein Vertrauen zu setzen. Wassaf setzt der Schilderung der Weichlichkeit von jenen die der Tapferkeit der Mongolen mit folgenden Worten entgegen:

„Wenn die Braven der alten Zeit, denen noch nach Jahrtausenden die Erzählungen der Kunden in Vers und Prose geweiht, und deren Mannhaftigkeit und Tapferkeit die Gemälde der Bücher und Blätter weit und breit, wieder zur Welt zurückkämen, so könnten sie auf der Rennbahn ritterlicher Waffenthat in den Sitten und Gebräuchen der Schlacht von jedem einzelnen Mongolen Lection nehmen und Nichts Besseres thun, als im Dienste ihres Steigbügels die Satteldecke auf die Schulter zu nehmen. Wenn die berühmtesten Bogenschützen vergangener Völker, von den Arabern die Stämme Siraa und Kara und von den vier persischen Dynastien die berühmtesten vier Schützen, nämlich: Aresch Schefatir[536], Isfendiar Rujinten[537], Koresch Aschghan[538] und Behramgur[539], deren Bogenkunde das Buch von den Graden der Reiter so umständlich ausführt und commentirt; wenn diese den Flug der Geschosse der Mongolen, die Stärke ihres Arms, die Spannung ihrer Bogen, die Wirkung ihrer Pfeile erführen, so würden sie sich nur als Verwundete des Pfeiles der Eifersucht getroffen vor dem Geschosse der Schmach und den Pfeilen des Schmerzes prostituiren. Ueber die Heftigkeit und Hartherzigkeit, die Gewaltsamkeit und den Grimm der Mongolen, über ihr Talent, Schwierigkeiten zu besiegen, und die zu erniedrigen, die ihnen unterliegen, über ihre Kunst, zu kriegen und Helfer anzufesseln ihren Siegen, ist es überflüssig, Etwas zu wiederholen: Was thut Saturnus Noth, wenn du die Sonne schaust! Sie gewähren der Gelegenheit die Macht, mit kühnem Herzen einzig in der Kraft durch Geduld Alles zu verschmerzen, listiger als der Fuchs, wenn sie Etwas verfolgen; am Tage der Schlacht spalten sie die Herzen der Löwen mit Macht und brechen den Damm der Zufälle, so dass es kracht. Die Ueberlieferung von Nassir Ben Sejar, einem der Rechtsgelehrten Turkistans, bestätigt diese Worte und steht hier an ihrem Orte. Man sagt, dass der Kämpe der vollkommene zehn Eigenschaften der Thiere besitzen müsse: die Tapferkeit des Hahns, die Milde des Huhns, das Herz des Löwen, den Anfall des Schweins, die Geduld des Hundes in Ertragung von Wunden, die Behutsamkeit des Kranichs, die List des Fuchses, die Vorsicht der Raben, die Raubsucht des Wolfs und die Ruhe der Katze. Diese Lehre schärfen sie bei jeder Gelegenheit ein. Mit Billigkeit muss man gestehen und zugeben, dass das Werk der Welteroberung und Reichszertrümmerung für dieses Volk ward gegeben; ihre Folgsamkeit für die Befehle ihrer Befehlshaber, ihre Sorgfalt, sich von aller Empörung zu enthalten, ihre Hut von Haus und Gut ist von allen Vernünftigen geschätzt und ausser Zweifel gesetzt.“

Verhältnisse mit Aegypten; natürliche Politik.

Auf die kriegerischen Eigenschaften der Mongolen und ihre Feindschaft gegen die Mamluken hatten die Kreuzfahrer in Syrien ihre Hoffnungen gebaut, und eine Gesandtschaft derselben flehte Abaka um thätige Hilfe an. Auf seinen Befehl fiel ein von Semaghar, dem Befehlshaber der mongolischen Streitkräfte in Kleinasien, und von Perwane, dem mongolischen Vogte Kleinasiens, befehligtes Heer in Syrien ein. 670/ 1271 Der Vortrab von tausend fünfhundert Mann hieb einen zwischen Harun und Antiochien gelagerten turkmanischen Stamm zusammen und verheerte das Gebiet von Harun und Murudsch. Auf die erste Kunde hatte Bondokdar, der sich zu Damaskus befand, 18. Rebiulewwel/ 24. Oct. 1271 einen Eilboten nach Kairo mit dem Befehle, dass der General Beiseri mit dreitausend Mann aufbreche, gesandt. Bondokdar verliess mit demselben Haleb, 12. Nov. aber die Mongolen hatten sich schon aus Syrien zurückgezogen. Sultan Beibars sandte eine Truppenabtheilung nach Meraasch, dem alten Germanicia, der Hauptstadt der noch heute darnach genannten osmanischen Statthalterschaft, die anderen nach Harran (dem alten Carra zur Römerzeit), durch den Tod des Caligula, durch die Niederlage des Cassius, in älterer Zeit durch den Tempel der Sabäer, namentlich durch den der Luna, und als der Wohnsitz Abraham's im Lande Ur geschichtlich geadelt. Die Einwohner Harran's öffneten die Thore und zerstreuten sich in die Städte Syriens; aber im nächsten Jahre kam eine mongolische Truppe und schleifte die Mauern der Stadt. Zu Damaskus erschienen vor Bondokdar Gesandte Semaghar's und Perwane's, welche im Namen Abaka's Friedensunterhändler begehrten; der Sultan sandte zwei seiner Officiere mit ihnen, welche den Feldherrn Semaghar zu Siwas fanden und ihm statt der gewöhnlichen neunmal neun Geschenke nur neun Bogen und neun Pfeile darbrachten, den Abgang der andern neunmal sieben durch die Eilfertigkeit ihres Ritts entschuldigend. Perwane begleitete die Gesandten des Sultans an den Hof Abaka's, dem sie zum Geschenke einen Helm von Igelstacheln, einen Säbel und neun Pferde darbrachten und ihm den von Mengu Timur, dem Herrn von Kipdschak, gemachten Vorschlag eines gemeinschaftlichen Angriffs auf die Länder Abaka's im Norden und Süden mittheilten. Die Stammeifersucht zwischen dem Feldherrn des Uluses Hulagu's und Dschudschi's, welche unter Hulagu und Berke in offenen Krieg ausgebrochen, unter Abaka's Regierung nur durch Waffenruhe, nicht durch Frieden besänftiget war, machte die Herrscher Kipdschaks zum natürlichen Verbündeten der Sultane von Aegypten, so wie gemeinsames Interesse wider die letzten die Kreuzfahrer wider die Mongolen verband, während die Schaukelpolitik der byzantinischen Kaiser sowohl an den Herrscher des Uluses Dschudschi's als an den des Uluses Hulagu's die Sendung von Gesandtschaften und Prinzessinnen vervielfältigte, um ihre, den Rest des byzantinischen Reichs in der Hauptstadt bedrohende, von allen Seiten hervorbrechende Macht so lange als möglich ferne zu halten. Dieses sogenannte natürliche Interesse, wodurch die nächsten Nachbarn geborne Feinde eines Staats, sowie die unmittelbaren Gränznachbarn der Feinde geborene Verbündete, ist eine Parallele barbarischer Politik zu der nicht minder barbarischen türkischen Ansicht der Familienverhältnisse, vermöge welcher die Söhne die natürlichen Feinde der Väter, sowie ihre natürlichen Freunde die Enkel, weil diese als Feinde ihrer Väter geboren. Hier wie dort misst der niedrigste Eigennutz der Habsucht die Grade der Freundschaft und Feindschaft im umgekehrten Verhältnisse der Entfernungen der Länder und des Bluts, und diese bisher sogenannte natürliche Schaukelpolitik, welche vielmehr mit dem Namen der unnatürlichen gebrandmarkt sein sollte, muss in dem Masse verschwinden, als sich die Völker durch gegenseitigen Austausch der Ideen verbinden und die Bildung der Humanität fortschreitet; sie wird sich (sowie die Familienansicht der Feindschaft der Söhne und Freundschaft der Enkel schon heute keine christliche und europäische mehr) zuletzt nur bei den Barbaren finden, so lange es deren noch auf Erden geben wird; dass diese Politik aber im Mittelalter und besonders im byzantinischen und mongolischen Reiche, bei den Mamluken und Kreuzfahrern culminirte, darf bei der allen gemeinsamen, vorherrschenden Barbarei jener Zeit nicht Wunder nehmen.

Streifzug in Armenien.

Im folgenden Jahre sandte Abaka eine zweite Botschaft an Beibars, um zu begehren, dass der Sultan selbst oder einer der ersten Männer des Reichs an den Hof Abaka's komme, den Frieden zu unterhandeln. Ssafer 671/ Aug. 1272 Bondokdar antwortete: wolle der Ilchan den Frieden, so möge er selbst oder einer seiner Brüder an den Hof des Sultans kommen. Auf die Nachricht, dass mongolische Truppen die beiden Gränzplätze Rahbet und Birtha am Euphrat bedrohten, brach Bondokdar auf und führte auf Kameelen zerlegte Schiffe mit sich, um damit den Euphrat zu überschiffen. 9. Rebiulewwel 671/ 4. Oct. 1272 So haben wir noch jüngst erlebt, dass zur Einrichtung der Dampfschifffahrt auf dem Euphrat das Schiff der Wüste durch die Wüste Schiffe trug. Durch die Taubenpost hatte Bondokdar die Nachricht erhalten, dass die Mongolen vor Bire, und durch dieselbe versprach er der Stadt den schleunigsten Entsatz. Er hielt Wort; denn die sieben und zwanzig Poststationen zwischen Damaskus und Bire wurden in sieben Tagen zurückgelegt; die mitgeführten Schiffe waren aber entweder nicht angelangt oder zu wenig, denn der Uebergang über den Euphrat ward mittels fünf und dreissigtausend Kameelen[540] bewerkstelligt, auf denen das Heer überschwamm. Die Mongolen, wiewohl an Zahl doppelt dem ägyptischen Heere überlegen, zogen sich zurück; Bondokdar verfolgte sie und erbeutete von den Nachzüglern einen grossen Theil des Gepäcks; mit demselben und einer grossen Anzahl von Gefangenen zog er im Triumphe zu Damaskus ein. Der Befehlshaber von Haleb, Hossameddin von Aintab, sandte einen Streifzug nach Armenien, weil dasselbe für die Streifereien des Kastellans von Kinuk die begehrte Genugthuung nicht gegeben. Kinuk wurde genommen, die Männer wurden niedergehauen, die Weiber in die Sklaverei geschleppt; die Mauern der Hauptstadt Sis widerstanden, aber Tarsus wurde eingenommen und verheert. Beibars vernahm zu Kairo die Verheerung Armeniens und den Marsch Abaka's längs des Sab gegen den Euphrat; er bot das ganze Heer auf und begab sich nach Damaskus, wo er ruhig blieb, da kein Feind sich zeigte. An seinem Hofe erschien der vom Hofe Abaka's flüchtige Melik Schemseddin Behadir, Herr von Samosate, Sohn des Grossmundschenken des letzten Schahs von Chuaresm, welcher nach desselben Tod sich einiger Schlösser um Nachdschiwan und endlich der Stadt Akserai bemächtigt hatte; 17. Ssafer 672/ 2. Sept. 1273 er hatte schon seit geraumer Zeit dem Sultan verrätherische Dienste geleistet und durch einen auf seine Veranlassung im Namen des Sultans an einen christlichen Bischof in Persien geschriebenen, von Reliquien begleiteten Brief, den er hernach auffangen liess, die Hinrichtung dieses Bischofs bewirkt[541]; auch wider den Katholikos, d. i. den Patriarchen der Nestorianer, welcher, von den Moslimen durch falsche Anklagen verfolgt, Bagdad verlassen und sich zu Irbil niedergelassen hatte, war neue Verfolgung im Anzuge; um derselben zu entgehen, verlegte er seinen Sitz von Irbil nach Aschim in Aserbeidschan[542], in der Nähe der Hauptstadt, weil die Tyrannei nur am leidentlichsten im Mittelpunkte. Beibars, der sich über Verletzungen des mit dem Könige von Armenien geschlossenen Vertrags zu beklagen hatte, beschloss, Cilicien zu verheeren. Er brach von Damaskus im Geleite Manssur's, des Herrschers von Hama, und Scherefeddin Isa's, des Emirs der syrischen Beduinen, auf. 3. Schaaban 673/ 1. Febr. 1275 Der Emir und Hossameddin von Aintab, der Befehlshaber von Haleb, erhielten den Befehl, als Vortrab die Richtung von Bire zu nehmen; aber zu Sermin angelangt, liess Beibars dort sein Gepäcke unter der Obhut des Befehlshabers Ben Sonkar zurück und nahm den Weg von Derbesak. Diese durch die Einnahme Ssalaheddin's[543] und fünfzig Jahre hernach durch einen Sieg der Saracenen über die Templer in der Geschichte der Kreuzzüge schwarz gezeichnete feste Burg liegt am Nehr Eswed, d. i. am schwarzen Flusse, welcher dem See von Antiochien zueilt, auf einer Anhöhe inmitten fruchtbarer Fluren und Gärten[544]. Von den Mongolen erobert, ward sie an König Hethum abgetreten, von diesem vor neun Jahren dem Sultan Bondokdar übergeben worden[545].

Verheerung Ciliciens.

Bondokdar lagerte zwischen Derbesak und dem zehn Miglien davon gelegenen Baghr, dessen Einwohner meistens christliche Fischer[546], und sandte von hier Truppenabtheilungen zu tausend Mann, jede mit Fackeln und mit Barken zur Ueberschiffung von Flüssen versehen, nach verschiedenen Richtungen in's Gebirge. Er lagerte zu Iskenderun hinter einer von König Hethum, dem Vater des regierenden Königs Leo, aufgeführten Mauer und rückte dann gegen Merkes[547] durch den syrischen Felsenpass vor, welcher wegen seiner Enge Ssakaltutan, d. i. Bartanhaltend, heisst. Der Fluss von Merkes ist der alte Kersos, dessen Name sich in dem des Schlosses zum Theile erhalten[548]. Die ägyptischen Truppen verheerten Massissa, das alte Mopsuestia, d. i. der Feuerherd des Mopsus, das, auf beiden Seiten des Dschihan (Pyramus) gebaut, zwölf Miglien von der, unter dem Namen der Goldstoffwiese[549] in den Kriegen der Byzantiner mit Seifeddewlet durch Schlachten berühmten Ebene, eine halbe Tagreise von Adana; eine steinerne Brücke verbindet den diesseits und jenseits des Flusses gelegenen Theil der Stadt. Die auslaufende Bergkette des Taurus, welche sich von Massissa bis an das Meer zieht, heisst der Dschebelon-nur, d. i. der Lichtberg, auf welchem die schönsten Hiacinthen und seltene Pflanzen, unter andern Mandragoren und ein Kraut, welches, weil es die Zähne der Schafe gelb färbt, von den Alchymikern als ein Hauptbestandtheil des Steins der Weisen gesucht wird[550]. Unter Massissa liegt die tiefe Felsenschlucht, welche Kurd Kulaghi, d. i. das Wolfsohr[551], heisst, zur Linken auf einem hohen Berge das weisse Schloss Jilan Kalaasi, d. i. das Schlangenschloss, das für die Residenz der Schlangenkönigin gilt[552], die sich mit der Kronjuwele auf dem Haupte manchmal auf der Goldstoffwiese und auf den Höhen des Lichtbergs sonnt. Bondokdar drang in dem Gebirgspasse bis nach Sis, der Hauptstadt des alten armenischen Königreichs, vor, welche mit den nahe gelegenen Festen von Ainsarbe, Tel Hamdun, Serfendkjar und Bersbert von den Arabern die Schneidezähne[553], d. i. die Gränzfesten des Islams, genannt werden; die letzte war der Schatzhort der armenischen Könige und eine Zeit lang die Residenz derselben[554]. Nachdem Sis verbrannt worden, kehrte der Sultan durch die Felsenschlösser zurück. Vier seiner Truppenabtheilungen hatten sich gegen die am Meere gelegenen cilicischen Städte Tarsus, Adana, Barin und Ajas gewendet. Tarsus, dessen Ruhm bis in die Zeit der assyrischen Könige hinauf datirt, indem sich Sardanapalus dasselbe erbauet zu haben rühmte, ist in der des Chalifats als der Ort, wo der grösste Chalife des Hauses Abbas den Geist aufgab, die in den morgenländischen Geschichten und Geographien berühmteste Stadt Ciliciens; am Cydnus[555], welcher die Mauern derselben wäscht, hatte Alexander nicht ohne Nachtheil seiner Gesundheit kalt gebadet, glücklicher als Friedrich Barbarossa, welcher in den Fluthen des Saleph oder Calycadnus[556], der bei Selefke vorbeiströmt, den Tod gefunden. Den Cydnus war Kleopatra in ihrer mit purpurnen Segeln und vielfarbigen Flaggen bepfauten goldenen Galeere hinaufgefahren; hiervon weiss die moslimische Ueberlieferung nichts, doch zeigt dieselbe das Felsen-Sopha der Dschinnen[557], wo der Chalife Mamun am vorbeifliessenden Wasser sass und einen über eine Elle langen Fisch aus dem Wasser zu ziehen befahl. Der schöne Silberfisch (vermuthlich ein Dschinne) sprang wieder in's Wasser, so dass derselbe die Kleider Mamun's bespritzte; dieser, zornig hierüber, befahl, den Fisch wieder herauszuziehen. „Nun werde ich dich sogleich gebraten essen“, sagte der Chalife, und übergab ihn dem Koch, aber im selben Augenblicke ergriff ihn ein heftiger Fieberschauer; als der Fisch ihm gebraten vorgesetzt wurde, war er nicht mehr im Stande, davon zu essen, und nach einigen Tagen ward er vom Fieber hinweggerafft. Durch diese Volkssage und durch die, welche nach Tarsus die Höhle der Siebenschläfer verleget (wiewohl man sie auch zu Ephesus und Damaskus zeigt), ist Tarsus nicht minder geschichtlich merkwürdig, als in der Geschichte der byzantinischen Feldzüge, i. J. 350/ 961 in welchen Tarsus, vom byzantinischen Befehlshaber gütlich übergeben, die äusserste Gränzfeste des Islams ward. Zu Adana, der Hauptstadt der heute darnach genannten osmanischen Statthalterschaft, welche Harun Raschid am Ufer des Sihan, d. i. des Sarus, erbaut hatte, wurden die Männer getödtet, die Weiber und Kinder geraubt. Ajas, am Ufer des Meeres, zwei Tagreisen von Baghras und eine von Tel Hamdun entfernt, war in den Händen der Franken, welche ihr Habe auf die Schiffe im Hafen retteten. Die Stadt wurde von den Aegyptern verbrannt; tausend Franken und Armenier, die sich zur See retten wollten, gingen in derselben zu Grunde[558]. Massissa wurde verbrannt. Im folgenden Spätjahre wurde Bire von Obotai vergebens belagert; nach aufgehobener Belagerung zog eine ägyptische Truppenabtheilung nach Cilicien, wo dieselbe in der Nähe von Meraasch von Sinbad, dem Oheim des Königs, angegriffen ward. 29. Nov. 1275 Das Treffen kostete dem Oheim des Königs, vierzehn Grafen und dreihundert Armeniern das Leben. Die Turkmanen, wiewohl Sieger, zogen sich zurück[559].

Unruhen in Rum; Schlacht von Albestan.

Die Unruhen, welche in Rum ausgebrochen, führten bald neue feindliche Berührung zwischen dem Sultan Aegyptens und dem Ilchane Persiens herbei. Wir haben schon im vorigen Buche, in der Geschichte Hulagu's, der beiden Brüder Herrscher Rums, Rokneddin's und Iseddin's, und der Theilung Rums zwischen beiden erwähnt. Moineddin Ssahib Perwane, d. i. der Inhaber des Kabinetssiegels, der Wesir Rokneddin's, hatte den Mitregenten seines Herrn bei Alindschak, dem mongolischen Befehlshaber in Rum, eines Einverständnisses mit dem Sultan Aegyptens angeklagt; in der That hatte Iseddin Gesandte an Beibars mit dem Antrage der Abtretung der Hälfte seines Landes gesandt, wenn er ihm wider den Bruder beistehen wolle. Iseddin, auf dem Wege in's Hoflager zu Hulagu wider die Ränke seines Bruders und dessen Wesirs gewarnt, kehrte um und flüchtete sich zum byzantinischen Kaiser, welcher, um dem Hulagu gefällig zu seyn, denselben zu Ainos als Staatsgefangenen einsperrte. Iseddin interessirte für sich Berke, den Herrscher von Kipdschak, der in Feindschaft mit Hulagu, dem von diesem verfolgten Prinzen Truppen zu Hilfe schickte, die ihn aus Ainos befreiten; er starb als Vassal des Herrschers der goldenen Horde in der Krim. Rokneddin herrschte nun allein, aber nur dem Namen nach, denn der eigentliche Herrscher war Perwane. Dieser beinzüchtigte seinen Herrn bei Abaka empörerischer Plane und erhielt den Befehl seiner Hinrichtung. 666/ 1268 Rokneddin, von Perwane zu einem Feste geladen, wurde mit einer Bogensehne erwürgt, im selben Jahre, wo der letzte der Hohenstaufen, Konradin von Schwaben, auf dem Blutgerüste zu Neapel den Geist aushauchte. Perwane herrschte nun im Namen Ghajaseddin's, des vierzehnjährigen Sohnes Rokneddin's. Mehrere der Bege Rums, unter diesen auch der Sohn Perwane's[560], flüchteten zu Beibars und hetzten ihn zum Kriege wider Abaka auf. Nachdem er das Heer gerüstet, seinen schon vor neun Jahren zum Nachfolger ernannten Sohn Said Berke in seiner Abwesenheit mit unumschränkter Macht in Aegypten bekleidet hatte, brach er nach Syrien und von da gegen Cilicien auf. Der Befehlshaber von Haleb und der Emir der Wüste (Isa, der Sohn Mohenna's) schlugen eine Truppe der Araber Chafadsche, welche die Mongolen wider sie gesandt. Bondokdar zog über Aintab, Dulak[561], Kinuk, d. i. durch den taurischen Pass, die heutige Strasse der Pilgerkarawane. Er mündete in der Ebene von Ablestan oder Albostan, wohin Geographen und Reisebeschreiber das dritte der drei berühmten Tempelstädte Komane, nämlich das kappadocische, verlegen[562]; hier sowohl als in der goldenen Komane an der Vereinigung der beiden Arme des Euphrat in Sakasene und im pontischen wurde die taurische Artemis als Anaitis oder die Kriegsgöttin Enyo in Tempeln verehrt, die unter Hut grosser Priestergesellschaften die Kapitole dieser Gegenden. Der Name Albestan, d. i. der Garten, scheint derselbe mit dem des alten Pästum zu seyn, dessen Tempel vielleicht demselben Kultus heilig waren. Das pontische Komane ist in der römischen Kriegsgeschichte durch den Sieg Cäsar's über den Mithridates berühmt, und gleichen Ruhm sollte nun das kappadocische in der Kriegsgeschichte der Mamluken und Mongolen durch die Niederlage der letzten erhalten. Die Reiterei der Mongolen, aus eilf Regimentern von tausend Mann bestehend, ward von Tokus, seinem Bruder Uruktu und von Tudaun, dem Bruder Sughurdschak's, dem Suldusen, befehligt; die Hilfstruppen bestanden aus türkischen, deren Treue[563] in einer Schlacht wider Moslimen zweifelhaft, und aus einem georgischen Hilfscorps von dreitausend Mann. 11. Silhidsche 675/ 16. April 1277 Freitags in der Hälfte Aprils, am Freitage, welches der liebste Schlachttag Ssalaheddin's und auch Rudolph's von Habsburg (vielleicht weil dieser vernommen, dass Ssalaheddin seine Siege alle an einem Freitage erfochten), hatte die Schlacht statt. Der linke Flügel der Mongolen warf das Mitteltreffen der Mamluken, in welchem das Panier des Sultans flatterte, auf den rechten Flügel; aber Beibars unterstützte denselben und stellte die gebrochene Schlachtordnung wieder her. Uruktu und Tudaun sassen mit ihrer Reiterei ab, um den Anfall der ägyptischen mittels Pfeilregens aufzuhalten; aber die ausharrende Tapferkeit Bondokdar's siegte. Die Mongolen wurden geschlagen; ihre Feldherren Tokus und Tudaun und sechstausend siebenhundert siebzig gezählte Mongolen deckten das Schlachtfeld. Beibars lies sich die Gefangenen vorführen und dieselben zusammenhauen, einige Officiere ausgenommen, mongolische und armenische; die letzten überhäufte er mit Vorwürfen, dass sie sich in den Reihen der Ungläubigen schlügen; unter den Gefangenen befand sich ein Sohn, ein Neffe und die Mutter Perwane's[564]. Ein Diener Tudaun's brachte die Nachricht der Niederlage dem Ilchan, der erzürnt nach Tebris zurückkehrte.

Beibars zu Cäsarea.

Acht Tage nach dem Siege, Freitags, zog Beibars zu Kaissarije (Cäsarea) im Triumphe, unter einem Thronhimmel, wie derselbe ober dem Haupte der Sultane Seldschuken getragen ward, in den Palast des Sultans ein und setzte sich auf den Thron. 18. Silkide/ 23. April Mit dem Sultansbunde auf dem Kopfe nahte er sich dem Thore des Harems und sandte den Prinzessinnen des Herrscherhauses von Rum seine ehrfurchtvollsten Grüsse; dann setzte er sich wieder auf den Thron und empfing die Huldigung der Ulema und Kadi, der Imame und Scheiche, der Prediger und Leser des Korans, der Fakihe und Fakire; der Ceremonienmeister, mit grossem Kopfwulste und weitem Mantel angethan, wies jedem die ihm gehörige Stelle an; die Heermusik spielte den Tusch, der zur Zeit des Gebetes nur für den Landesherrn erscholl, die Leser lasen Suren des Korans, Dichter declamirten Lobgedichte; Alle wurden mit einem Frühmahle königlich bewirthet; dann begab sich Beibars in die Moschee des Sultans, wo das Kanzelgebet auf seinen Namen verrichtet ward, so auch in den übrigen sechs Moscheen der Stadt[565]; das ausgeworfene Geld war auf seinen Namen gemünzt[566]. Die Schätze, welche Perwane und seine Gemahlin zu Kaissarije zurückgelassen, wurden unter die Emire vertheilt. Perwane, welcher in der Schlacht von Albestan das Heer des Sultans von Rum befehligt hatte, war nach Verlust derselben nach Kaissarije geflohen und hatte sich von hier mit dem Namensträger der Herrschaft Rums, mit Sultan Ghajaseddin, nach der Feste Tokat zurückgezogen; auf dem Wege dahin war seine von vierhundert Sklavinnen begleitete Gemahlin Gurdschi Chatun, die Tochter Ghajaseddin's, des Herrn von Erserum, gestorben. Perwane schrieb an Beibars, um ihm als Herrscher Rums zu huldigen; in seiner Antwort forderte Beibars ihn auf, persönlich zu erscheinen. Perwane bat um einen Aufschub von vierzehn Tagen, in der Hoffnung, dass Beibars, von dem Anmarsche Abaka's benachrichtigt, eher Cäsarea verlassen haben würde, das er wirklich am fünften Tage nach seinem Einzuge verliess. Beibars verliess Cäsarea in dem Augenblicke, wo zu erwarten stand, dass er seine Eroberungen in Rum verfolgen würde. Einige Christen und Armenier liess er hinrichten, sonst wurden die Einwohner von seinen Truppen, welche die Lieferungen genau bezahlten, nicht misshandelt. Während seines Aufenthaltes zu Cäsarea hatte Beibars die Huldigung des Herrschers von Karaman empfangen, welcher, der Gründer der Macht dieses Hauses, von nun an durch vier und zwanzig Jahre ein Nebenbuhler des der Seldschuken und dann durch hundert sechs und siebzig Jahre der Osmanen, bis dass es nach zwei Jahrhunderten und in zehn von den Osmanen wider dieselben geführten Kriegen zertrümmert ward[567]. Schemseddin Mohammed, der Karamane, zog an der Spitze von dreitausend Reitern nach der Hauptstadt Konia, vor welcher er die ihm von Sultan Beibars gesandten Fahnen aufpflanzte und die Stadt zur Uebergabe aufforderte. Die Einwohner antworteten, sie übergäben die Stadt nicht, doch würden sie ihn nicht hindern, wenn er die Thore verbrennen wolle, einzuziehen. Er verbrannte zwei Thore, besetzte die Stadt und bemächtigte sich der Citadelle durch List und Gold; dann zog er dem Heere entgegen, welches Fachreddin Ali, der Wesir Ghajaseddin's, von seinen beiden Söhnen befehligt, wider ihn gesendet; 29. Silkide 675/ 3. Juni 1277 der Karamane schlug es und kehrte mit den Köpfen der beiden Söhne des Wesirs nach Konia, verliess dasselbe aber nach sieben und dreissig Tagen und zog sich in's cilicische Gebirge zurück. Ssafer 676/ Juli 1277 Im folgenden Frühlinge zog Abaka dreimal gegen Rum[568]. Zu Ablistan oder Elbestan wartete ihm der Sultan Ghajaseddin mit seinem Wesire Fachreddin von Issfahan auf; als Abaka auf dem Schlachtfelde die noch unbegrabenen Mongolen sah, weinte er, liess mehrere Turkmanen, Urheber von Unruhen, hinrichten und gab den Befehl zur Verheerung der Städte Rums. In dem Ausfluge von sieben Tagreisen wurden die Städte verheert, die Einwohner geschlachtet; es fielen mehr als hunderttausend derselben als ein Opfer des Schwertes[569]. Mohammed Schemseddin Dschuweini, der gerechte und gelehrte Grosswesir, kaufte mehrere derselben mit seinem Gelde los; schon war Siwas zur Hälfte verheert, als er die andere Hälfte durch seine Vorstellungen, dass die Einwohner unschuldig der Rache verfallen, rettete. Nureddin Chasneji und Sahireddin Ibn Husch wurden hingerichtet[570].

Gesandtschaft an Beibars, dessen Tod, Perwane's Hinrichtung.

Abaka wollte von Rum unmittelbar nach Syrien ziehen. Die Emire stellten ihm vor, dass in der Mitte des Sommers die Beschwerden des Zuges zu gross, dass der Marsch besser bis auf den Herbst verschoben bliebe. Er sandte also indessen Botschaft an Bondokdar: „Ihr seid wie Räuber auf die Vorwachen unserer Heere gefallen und habt dieselben erschlagen, und als Wir uns genaht, seid ihr wie Diebe entflohen; seid ihr Männer, so erscheinet nun auf dem Kampfplatze:

Komm', dass du meine Lanze streifest, Komm', dass du meinen Zügel greifest; Bist du ein Held, du wirst nicht stehen bleiben, Bist du ein Berg, so werd' ich dich zerreiben; Hast du von Männern je gehört der Schlachten, Die nicht gewitziget den Fuchs verlachten?“

Beibars empfing die Botschaft zu Damaskus, wo er bald darauf starb[571]. Abaka übergab die Verwaltung Rums seinem Bruder, dem Prinzen Konghurtai[572] Aghul zur Huth, liess Tokat und das Schloss Perwane's verwüsten[573] und kehrte nach Alatak zurück. Als er am Schlosse von Baiburt vorbeikam, das in Armenien durch die Schönheit seiner Mädchen berühmt, wie Ersendschan durch die Fette seiner Schafe und Kumach durch die Feinheit seiner Leindwand[574], erbat sich ein Scheich die Erlaubniss, ihm frei die Wahrheit sagen zu dürfen; nach gegebener Erlaubniss sprach er: „Herr, dein Feind ist in deine Länder eingefallen, ohne deinen Unterthanen Uebles zuzufügen; weil er deinem Grimme entwischet, hast du denselben an deinen Völkern ausgelassen, hast deine Unterthanen getödtet, deine eigenen Länder verheert; welcher deiner Vorfahren hat desgleichen gethan?“ Die Worte des Scheichs machten tiefen Eindruck auf Abaka, der die Freigebung von viermalhunderttausend Gefangenen befahl[575]. Im Lager von Alatak wurde Moineddin Perwane vor Gericht gestellt, dreier Staatsverbrechen angeklagt: dass er zu Ablistan geflohen, dass er nach der Niederlage sich nicht zum Herrn begeben, dass er denselben nicht frühzeitig genug vom Anzuge der Aegypter unterrichtet. Die von Syrien zurückgekommenen Gesandten Abaka's sagten überdiess wider ihn aus, was sie dort erfahren, dass Beibars auf dessen Einladung nach Rum gekommen, das er in seine Hände zu liefern versprochen, dass er hernach aber vor demselben geflohen sei. An Perwane, welcher den Sultan Rums mit Bogensehne erwürgt hatte, ward nun Gleiches mit Gleichem vergolten; 1. Rebiulewwel 677/ 23. Juli 1278 Abaka war schon auf dem Punkte, ihm zu verzeihen und ihn nach Rum zurückzusenden, als die Wittwen der zu Ablistan Gefallenen Wehe- und Rachegeschrei vor dem Palaste Abaka's erhoben. Kutschuk Tukdschi Behadir mit zweihundert Reisigen erhielt den Befehl der Hinrichtung; Perwane war, sobald er sich umringt sah, seines Looses gewärtig und bat, nur noch ein Gebet von zwei Verbeugungen verrichten zu dürfen; nachdem er es verrichtet, wurde er zusammengehauen. Die Angabe des armenischen Mönchs Geschichtschreibers[576], dass Abaka vom Fleische Perwane's in alle Speisen zu mischen befohlen und selbst davon gegessen haben soll, verdient wenig Glauben. Moineddin Suleiman Perwane aus Dilem war der Sohn Mobariseddin Ali's, welcher, in früherer Jugend nach Rum gekommen, vom Finanzminister Sultan Alaeddin Keikobad's als Eidam begünstigt, nach des Schwiegervaters Tod die Stelle als Wesir erhalten hatte. Sein Sohn Perwane beherrschte Rum im Namen der Seldschuken als unumschränkter Herr; Rokneddin Kilidsch Arslan hatte ihm die Stadt Sinope verpachtet, deren Besitz auch nach seiner Hinrichtung auf seinen Sohn Mohammed und von diesem auf den Enkel Perwane's, Mohesebeddin Mesud, überging[577]. Dieser bemächtigte sich Dschaniks und Ssamssuns, das nach seinem Tode[578] in den Besitz des Fürsten von Kastemuni fiel. Sechs Wochen nach der Hinrichtung Perwane's ward der Wesir Schemseddin nach Rum gesandt, um dem verwüsteten Lande wieder aufzuhelfen; 17. Rebiulachir/ 7. Sept. er baute die verheerten Städte wieder auf, führte aber auch die Stempelgebühr ein, welche vordem in Rum nicht bestanden. Der Fürst von Karaman, der sich in unwegsamen Wäldern verborgen hielt, ward mit denselben verbrannt. Iseddin Ibek der Syrier erhielt die Statthalterschaft Malatia's. Schemseddin, nachdem er die Angelegenheiten Rums eingerichtet, wandte sich nach dem Kaukasus und Lesgistan, wo er die störrigen Bergvölker der mongolischen Herrschaft unterwarf[579].

Verungnadung Schemseddin's und Wiederaufnahme zu Gnaden.

In dem Augenblicke, wo Schemseddin durch die Einrichtung Rums nach der Unterwerfung Lesgistans dem Reiche die wichtigsten Dienste erweisend und seine Macht im höchsten, war auch seine Verungnadung am nächsten. Dieselbe war das Werk der Ränke Medschdulmülk's, des Sohnes Ssafiolmülk's, des vormaligen Wesirs der Atabegen von Jesd. Zuerst im Dienste Behaeddin's, des Sohnes Schemseddin's, zu Issfahan, war er von diesem dem Vater empfohlen worden, welcher ihn in verschiedenen Aufträgen und zur Zählung der Einwohner Georgiens und noch zuletzt in Rum verwendet hatte. Medschdulmülk hinterbrachte dem Jesu Buka Gurgan, welcher als Gemahl Kutlukan's, der sechsten Tochter Hulagu's, der Schwager Abaka's, dass Medschdeddin Esir, der Bestellte Alaeddin Dschuweini's (des Bruders Schemseddin's), in seinem und seines Bruders Namen geheimes Einverständniss mit den Aegyptern unterhalte, um diesen Bagdad zu überliefern. Abaka, hiervon durch seinen Schwager unterrichtet, befragte den Medschdeddin Esir, von dem aber selbst fünfhundert Prügel kein Geständniss erpressten. Schemseddin, in der Hoffnung, einen gefährlichen Feind zu versöhnen, verlieh seinem Ankläger Medschdulmülk die Statthalterschaft von Siwas mit einer Anweisung von zehntausend Dinaren auf den Schatz von Rum. Aber undankbar und unversöhnlich suchte Medschdulmülk neue Wege zum Gehöre Abaka's mittels dessen Sohnes, des Prinzen Arghun; diesem machte er zu Kaswin in einer geheimen Unterredung weis, Perwane habe auf Schemseddin's Einflüsterung den Bondokdar nach Syrien eingeladen, sein Bruder Alaeddin habe für sich eine mit Edelsteinen besetzte Krone verfertigen lassen; er könne dem Wesir beweisen, dass er sich viertausend Tomane[580] von den Krongütern erpresst, dass er ausserdem zweitausend Tomane an Heerden und Juwelen besitze, ohne zu rechnen, was er von den Schlössern der Assassinen und von Bagdad weggeschleppt; sein Sohn Behaeddin, der Statthalter von Issfahan, habe dort ausser den aufgelegten Steuern sechshundert Tomane erpresst; um ihm das Maul zu stopfen, habe er ihm die Statthalterschaft von Siwas mit einer Summe Geldes verliehen. Arghun hinterbrachte diese Reden seinem Vater; als dieser sich zu Scherujas (in der Ebene zwischen Ebher und Serdschan) befand, ward Medschdulmülk durch Vermittelung des Emirs Taghadschar von Abaka im Bade empfangen. Abaka, hierdurch in seiner guten Meinung von Schemseddin's Finanzverwaltung beirrt, gab dem Ankläger den Auftrag, die Rechnungen der letzten Jahre zu untersuchen und die Güterbeschreibungen zu durchgehen, ohne dass einer der Emire oder Prinzen sich dessen weigern dürfe. Zugleich gab er ihm die Insignien des Löwenkopfes glänzender und schöner, als dieselben Sultanen und Königen verliehen worden[581]. Die Naibe oder Stellvertreter der Steuervögte wurden nach Tebris einberufen. Medschdulmülk stand auf einmal in hoher Gunst und verkündete dieselbe durch seinen Aufwand; er umgab sich mit berittenen Pagen, die auf arabischen Pferden mit goldenen Gürteln, und spannte ein von vierzig Säulen getragenes Zelt aus Atlas von Schuster aus. Schemseddin wandte sich an seine Gönnerin und Beschützerin Oldschai Chatun, welche den aufgebrachten Gemahl dem Wesir zu versöhnen sich bestrebte. Er erhielt eine Audienz: „Wir haben dich“, redete ihn Abaka an, „in dem dir von Unserem Vater verliehenen Amte der Wesirschaft mit unumschränkter Machtvollkommenheit bestätigt und alle Länder deiner Feder untergeben; wie hast du unser Vertrauen zu misbrauchen und das Doppelte der Gebühren undankbarerweise dir anzueignen gewagt?“ Der Chalife Motedhad biemrillah hat gesagt: „Ueber den, der die Gnaden der Könige mit Undank erwiedert, werden die Schwerter Recht sprechen.“ Schemseddin antwortete: „Ein Theil der eingenommenen Gelder ward im Dienste der Finanzen, ein anderer in dem der Prinzen und Prinzessinnen, ein Theil zu Gaben und Almosen für's allgemeine Besste verwendet; was ich besitze an Kapitalien und Gütern, an Mamluken und Heerden, ist ein Brosamen der Gnaden und ein Abfall der Huld des Padischah's, den ich auf jeden Wink zurückzugeben erbötig.“ Abaka, durch diese Sprache des Wesirs versöhnt, verzieh ihm; er sagte: „Alle deine Schuld, die sich begeben und die sich nicht begeben, habe ich dir vergeben[582] und dich in deinem Amte neuerdings bestätigt.“ Die gegebenen Befehle der Verhaftnehmung der Intendenten des Wesirs wurden widerrufen und Schemseddin erliess Rundschreiben, um die Wiedererlangung Allerhöchster Gnade kund zu thun; in demselben waren die Worte Abaka's, wie folgt, angeführt: „Eine Zeit ist es, dass durch verlautende Kunden der Veränderung Unserer Gnade dir die Sicherheit der Nahrung und die Süssigkeit des Schlafes geraubt worden; nun gehe von hier in Unserem Dienste betrunken nach Haus, strecke mit Herzen voll Lust und mit gesättigter Brust Hand und Fuss fröhlich im Hareme aus; lege dich früh nieder und stehe spät auf.“

Notes in this chapter

Note 1 · Donec provisis quae tempus monebat simul excessisse Augustum et rerum potiri Neronem fama eadem tulit. Tacit. Annal. I. 5.Note 2 · Reschideddin nennt sieben: 1. Ilkai Nujan; 2. Sundschak N.; 3. Suntai N.; 4. Abtai N.; 5. Semaghar N.; 6. Schiktur N.; 7. Arghun Aka.Note 3 · Nushet und nach demselben Dschihannuma S. 299.Note 4 · Dieses übersetzt Miles, ohne das eiserne Thor am kaspischen Meere zu erkennen, S. 248: he presented the iron durbund of Shirwan to Bishmoot,Note 5 · Makatii.Note 6 · Reschideddin.Note 7 · Wassaf.Note 8 · Derselbe.Note 9 · sub rosa.Note 10 · Scherfijet auf der kais. Hofbibliothek.Note 11 · Nicht zu verwechseln mit Bulghan Chatun, der Gemahlin Ghasan's, welche ebenfalls eine Konghuratin; diese war die Tochter Tesu's, jene die ToNote 12 · Pachymeres T. I. p. 273. Stritter III. 1044.Note 13 · Im Schedschretol Etrak wird als das Datum der Schlacht der 20. Ssafer 664 angegeben; die Namen sind, wie gewöhnlich, alle verstümmelt, BerkeNote 14 · Nushet, nach demselben Dschihannuma S. 341.Note 15 · Noweiri, bei d'Ohsson III. p. 421; Dschebele heisst dort Djeliba.Note 16 · Bei d'Ohsson nach Ranan er-Roub? und Sikhulhadid, d. i. eiserner Bratspiess.Note 17 · Noweiri, Bar Hebräus 645. Haithon hist. orient. c. 33.Note 18 · Haithon hist. orient. c. 33.Note 19 · Jesentewa, der Sohn Muwatukjan's, heisst im Schedschretol Etrak durch die Verstümmelung des Uebersetzers einmal Sookur Kaan, the son of KamkNote 20 · Robath; Wassaf.Note 21 · Derselbe; Schedschretol Etrak p. 360.Note 22 · Wassaf; aber von dem, was bei d'Ohsson zweimal, III. B. S. 427 und 429, vorkommt: ils burent ensemble, après avoir choqué leurs coupes, du sNote 23 · Reschideddin.Note 24 · Derselbe.Note 25 · der Sohn Muwatukjan's, des zweiten Sohnes Dschagatai's.Note 26 · der Sohn Kaidu's, des siebenten Sohnes Dschagatai's.Note 27 · der Sohn Serban's, des achten Sohnes Dschagatai's.Note 28 · der Sohn Gujuk's, des zweiten Nachfolgers Tschengischan's.Note 29 · der Sohn Kara Hulagu's, der Erstgeborene Muwatukjan's.Note 30 · der sechste Sohn Ogotai's.Note 31 · Kukdschu heisst auch der neunte Sohn Kubilai's.Note 32 · der grosse Jesawur, der Bruder Borrak's, bei Wassaf Besmar, bei Reschideddin auch Jesas; der kleine war Jesawur, der Sohn Dschudschi's (der Note 33 · der Sohn Batu's, des Sohnes Hindu's, des Sohnes Dschagatai's, des zehnten Sohnes Dschudschi's.Note 34 · In den Jahrbüchern der Literatur VII. 300. irrig Nertuke, weil das Ki zum Namen gezogen worden.Note 35 · Nushet; Dschihannuma S. 314.Note 36 · Dschihannuma S. 315.Note 37 · Reschideddin.Note 38 · Wassaf nennt die Prinzen: Jesdar, Kongurtai, Adschai, Tikeschi, Nigudar Huladschu; die Emire: Arghesun, Masuk Ahmed, Kotschek, Timur, OlinakNote 39 · Ala at.Note 40 · Alatagh.Note 41 · Wassaf.Note 42 · Reschideddin.Note 43 · d'Ohsson III. 505.Note 44 · Der Enkel Dschagatai's aus seinem zweiten Sohne Muwatukjan.Note 45 · Bei d'Ohsson Jesar, in Wassaf Basmar, in der Handschrift Reschideddin's der k. k. Hofbibliothek Parso.Note 46 · In der Handschrift der k. k. Hofbibliothek einmal Dschanli und einmal Dschobai, in Wassaf Dschoban.Note 47 · Wassaf.Note 48 · i. J. 703 (1303), Reschideddin von den Frauen Hulagu's.Note 49 · Vom J. 654 (1256) bis 669 (1270) machen vierzehn Sonnen- und fünfzehn Mondjahre, was die Hälfte der von Haithon als Belagerungszeit des SchlNote 50 · Nushet und Dschihannuma S. 292.Note 51 · Nushet und Dschihannuma S. 299.Note 52 · Tarichi Güside.Note 53 · Geschichte der persischen Redekünste S. 203.Note 54 · Von drei Seiten von Chorasan umgeben. Dschih. S. 254. Hier sind die Schlösser Firuskuh und Girdkjuh.Note 55 · Ghardschistan Dschih. S. 238, 254, 324.Note 56 · Purdestan, der Sohn Destan's, ist Rustem, der Herr von Nimrus (Sistan), der Inhaber der berühmten Stierkeule, welche eine der persischen ReiNote 57 · Wortspiel zwischen Melik, König, und Melek, Engel.Note 58 · dil ber an nihaden, ganz und gar dasselbe mit dem Englischen: set his heart upon some thing.Note 59 · Chamrol adschem, der Wein der Perser, das grüne Opiat; insgemein Esrar genannt.Note 60 · Die Schlangen sollen blind werden, wenn sie Smaragd anschauen.Note 61 · Reschideddin.Note 62 · wirklich schreiben es die englischen Reisebeschreiber nicht anders als Fall.Note 63 · d'Ohsson vermengt sie III. 516. mit den Karawinen; ces guerriers designés sous le nom de Nigoudariens ou Caraviniens.Note 64 · Aresch, Αρης.Note 65 · Isfendiar mit dem ehernen Leib gilt insgemein für Xerxes.Note 66 · Cyrus, der Aschghiane.Note 67 · Der ritterlichste Fürst der Beni Sasan.Note 68 · H. v. Ohsson III. 464. bürdet dem Wassaf auf, was er nicht gesagt: Beibars fit jetter dans le fleuve jusqu'à 35000 chameaux, dont les corps Note 69 · d'Ohsson III. 468., nach Nuweiri.Note 70 · Bar Hebr. 546.Note 71 · i. J. 1188, Wilken IV. 241.Note 72 · Dschihannuma S. 594 verdruckt als Derbak.Note 73 · Wilken's Geschichte der Kreuzzüge VI. S. 495.Note 74 · Dschihannuma S. 594.Note 75 · nicht Manca, wie bei d'Ohsson III. 472.Note 76 · Mannert VI. II. 49. Menasikol-hadsch S. 43.Note 77 · Merdsched-dibadsch.Note 78 · Ewlia.Note 79 · Dschihannuma S. 602; auf Paultres Karte nicht richtig Kurtu Cular; auf der Karte M. Kinneirs blos Kulaghi als Castabala.Note 80 · Ebenda.Note 81 · Sughuri Islam.Note 82 · S. Martin Mem. I. p. 201.Note 83 · heute Kisildsche.Note 84 · heute Gökssu.Note 85 · Paul Lucas; Dschihannuma S. 603.Note 86 · d'Ohsson III. S. 475.Note 87 · Bar Hebräus 553.Note 88 · Reschideddin.Note 89 · Gulek, Dschihannuma S. 601, oder Dulek, S. 40, nicht Doluk, wie bei d'Ohsson III. 481.Note 90 · Das kappadocische Komane lag am Sarus, welches der Sihan; in M. Kinneir's Karte am Kisil Irmak, welches der obere Pyramus zu seyn scheint; nNote 91 · Bar Hebr. p. 556.Note 92 · Nuweiri; Bar Hebr. p. 537.Note 93 · Nuweiri, bei d'Ohsson III. S. 485.Note 94 · Reschideddin.Note 95 · Geschichte des osm. Reichs I. u. II. Band.Note 96 · d'Ohsson IV. S. 490.Note 97 · Nuweiri, bei d'Ohsson III. 496.Note 98 · Reschideddin.Note 99 · Nach Reschideddin im Silhidsche 676 (Mai 1277), nach Nuweiri und Makrisi, die hier glaubwürdiger, 5. Moharrem 676 (8. Juni 1277).Note 100 · Bei Wassaf Konghosatai.Note 101 · Reschideddin nennt es Koghanie(?); fehlt bei d'Ohsson, sowie die Botschaft.Note 102 · Dschihannuma.Note 103 · Nuweiri, bei d'Ohsson. IV. 498.Note 104 · Haithon 34.Note 105 · i. J. 698 (1299).Note 106 · 700 (1300), d'Ohsson III. 500. nach Munedschimbaschi.Note 107 · Reschideddin.Note 108 · Bei d'Ohsson S. 400.Note 109 · Wassaf.Note 110 · Wassaf.
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