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Geschichte der Ilchane, das ist der Mongolen in Persien

Fünftes Buch. (continued 2)

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Buka, der strenge Wesir.

Buka's Macht und Ansehen hatte den höchsten Grad erreicht; er hatte mit dem Titel eines Dschingsang noch ein Diplom ausserordentlicher Privilegien vom Kaan erhalten; vermöge derselben konnte er erst, wenn er neun Staatsverbrechen begangen, zur Rechenschaft gezogen und auch dann vor kein anderes Gericht, als das des Chans selbst, gestellt werden; kein Befehl des Chans konnte in Vollzug gesetzt werden, wenn demselben nicht das Siegel Buka's beigesetzt, während seine Befehle zur Vollstreckung des Siegels des Chans nicht bedurften. So ausserordentlich waren die vom Grosskaan dem Buka verliehenen Privilegien, dass die Meinung desselben von der Selbstständigkeit Arghun's null zu sein und dass der Botschafter, welcher mit dem Diplome der Bestätigung Arghun's auf dem Throne zugleich das mit diesen ausserordentlichen Privilegien Buka's brachte, eigentlich jenen nur der Form nach, diesen aber in der That zum Herrn eingesetzt zu haben schien. So ausserordentliche Macht musste um so mehr den Neid der anderen Emire und der Günstlinge Arghun's[697] erwecken, als Buka, hochmüthig und heftig, durch seine Strenge sich Feinde machte. „Er war“, sagt Wassaf, „ein fürchterlicher Türke, dessen Gedanke weit hinaus zielte und dessen Rathschlag den Wunsch bald erfüllte. Er setzte für die Schlichtung verworrener Geschäfte, für die Durchführung der Befehle und die Beförderung der Reichsangelegenheiten Regeln fest, deren Erwähnung auf dem schwarzen und weissen Buche der Zeit bis an's Ende der Aeonen dauern wird. Durch die Wirkung seiner Gerechtigkeit und Strenge warf der Falke auf das Repphuhn verliebte Blicke; er glich die Gegensätze der Welt aus und des Schicksals Tücke.“ Seine Gerechtigkeit war so streng, dass er einen Knecht seines Marstalls, welcher einen Apfel von einem Fruchtverkäufer genommen, hinrichten liess. Solche Strenge war das grösste Verdienst eines Staatsmanns nach der Satzung Tschengischan's und erwarb diesem nach allem Anscheine das Vertrauen, womit der Grosskaan dessen eisernem Arme die Verwaltung Persiens mit so unumschränkter Machtvollkommenheit übertragen. Besonders waren ihm Sultan Aidadschi und Tughan, Arghun's vertrauter Gesellschafter (Inak) aufsässig, weil dieser zweimal auf Buka's Befehl geprügelt und öffentlich beschimpft worden war. Sie vernachlässigten keine Gelegenheit, den Buka beim Herrn zu verschwärzen. Sein Bruder Aruk, der Statthalter Bagdads, war dort den Emiren nicht weniger verhasst. Er machte sich wenig aus den Gesandten des Chans, und verschlang die Einkünfte in seinen Beutel, statt sie in die Staatscasse abzuführen; die Geschäftsleute Ordu Kaja, der Intendent Scherefeddin und der Jude Saad, welcher alsbald als ein höchst bedeutender Charakter auftreten wird, brachten endlich einmal fünfhundert Tomane, statt dieselben dem Aruk auszuliefern, unmittelbar dem Chan, welcher nun den Aruk, der nie einen Heller eingesendet, seiner Statthalterschaft entsetzte. Ssadreddin Sendschani, der Finanzmann Taghadschar's, von welchem Buka ausständige Gelder der Landschaft Fars forderte, stellte dem Taghadschar vor, dass die Tyrannei Buka's nicht mehr zu dulden, indem der Chan nur ein Schatten, alle Macht in den Händen Buka's sei[698]. Das Ungewitter, welches sich über dem Kopfe Buka's zusammenzog, stieg aus den Finanzquellen von Fars auf. Die Vornehmen von Schiras stritten sich unter dem Günstling Tughan; sie stellten vor, dass, wenn ihnen die Befehlshaberschaft von Fars und die Küste eingeräumt würden, sie fünfhundert Tomane abzuführen bereit seien. Sie erhielten hierauf verbindende schriftliche Urkunde. Nun wandten sie sich an Tughan um einen zur Eintreibung der Summen Begewaltigten, und er ernannte hierzu den Seid Fachreddin Mobarek. Buka protestirte wider diese Ernennung und diese Maassregel, aber Arghun erliess einen Befehl, dass sich Buka in die Verwaltung der Krongüter, welche dem Fachreddin übertragen sei, nicht zu mischen habe; denn Fachreddin hatte dem Arghun vorgetragen, dass viele, vormals dem Seid Scherefeddin gehörige Güter von den Salghuren eingezogen, jetzt als das Eigenthum des Kaans zurückzufordern seien. Arghun übertrug die Verwaltung der Familiengüter dem Emir Taghadschar und die des Heeres dem Emir Kundschukbal, so dass auf einmal Buka all seiner Macht und seines Einflusses beraubt.

Buka's Verschwörung und Sturz.

Arghun stellte sich nun krank, um nicht öffentliche Demüthigungen verschlucken zu müssen; sein Diwan, seine Finanzkammer wurden vor den Chan gefordert, alle seine Angehörigen ihrer Stellen entsetzt, vor Allen Emir Ali, der Temghadschi, d. i. Einnehmer der Mauthgelder von Tebris. Buka, als er seinen ganzen Einfluss verschwunden sah, verband sich mit mehreren Prinzen und Emiren[699] zur Entthronung Arghun's, indem er den Thron dem Prinzen Dschuschkab zudachte. Er sandte an diesen, der an den Ufern des Euphrats lagerte, Botschaft, um sich über den Undank Arghun's, der ihm allein den Thron verdankte, zu beklagen und diesen dem Dschuschkab anzutragen. Dschuschkab sah wohl ein, dass Buka ihn nur zum Werkzeuge seiner Herrschgier ausersehen und dass dieser selbst nach dem Throne strebe. Er entliess den Gesandten mit der Antwort: Ich bin dem Buka für seine gute Absicht sehr verbunden, traue aber mündlichen Versicherungen nicht und werde nicht an die Verbindung der mir genannten Prinzen und Emire glauben, bis ich von ihnen unterzeichnet die schriftliche Urkunde des Vertrags sehe. Buka sandte ihm die Unterschriften der Verschworenen. Dschuschkab sandte Wort: das Heer möge in Waffen ihn erwarten; er aber begab sich eiligst nach Tebris, um den Neffen Chan von der seinem Throne drohenden Gefahr zu benachrichtigen. Arghun wollte Anfangs der Anklage keinen Glauben beimessen; als er aber in der unterschriebenen Urkunde von der Schuld Buka's den klarsten Beweis der Verrätherei vor Augen hatte, befahl er sogleich den Truppen, aufzusitzen und den Buka aus seinem Lager am Kor ihm zuzuführen. Sultan Aidadschi, Doladai und Tughan überfielen ihn in seinem Lager, doch hatte er noch Zeit gefunden, aus demselben jenseits des Kor in das der Frau Oldschai zu gelangen; sie nahm ihn aber nicht auf, nur der Sohn Sengi's, der Emir des Lagers der Frau Oldschai, gewährte ihm in seinem Zelte Zuflucht. Sultan Aidadschi und Tughan gingen noch in der Nacht über den Fluss und waren im Begriffe, das Lager der Frau Oldschai zu stürmen, als ihnen Sengi zitternd den im Zelte seines Sohnes versteckten Buka auslieferte. Vor das Gericht gestellt, antwortete er dem Schinktur, welcher ihn als die Ursache aller Unruhen anklagte und ihm vorwarf, dass er immer anderen Padischah einzusetzen trachte: er habe Nichts wider den Padischah, sondern nur wider seine Feinde Sultan Aidadschi und Tughan. Einer seiner eigenen Soldaten sagte ihm in's Gesicht: „An dem und dem Tage hast du mich gesandt, um das Lager und ein Heer aufzubringen und damit vorzudringen.“ Buka sprach: „Du irrest dich; ich habe gesagt: um was schwer vorzubringen.“ Als aber Dschuschkab die unterschriebene Urkunde der Verschwörung vorwies, deren Ausbruch für die Festnacht des neuen Jahres der Mongolen festgesetzt war[700], konnte er nicht mehr länger läugnen. Arghun gab das Zeichen zu dessen Hinrichtung, und Prinz Dschuschkab erbat sich die Gunst, dieselbe selbst vollstrecken zu dürfen. Als er auf dem Richtplatze angelangt, gab ihm Tughan einen Stoss in die Brust mit den Worten: „Das ist der Lohn für deine Lust nach dem Throne“. Dschuschkab trennte den Kopf mit Einem Hiebe vom Rumpfe und schnitt ihm dann mit eigner Hand Riemen der Haut aus dem Rücken. Der Kopf wurde, mit Stroh ausgestopft, unter der Brücke Dschaghan aufgehangen. 21. Silhidsche 687/ 17. Jan. 1289 Am folgenden Tage sassen die Richter abermal zu Gericht, und es wurden die verschworenen Emire hingerichtet[701]. Kadan, weil er der Gesandte des Kaans, der Bitekdschi Noghai, weil er wahres Wort geredet, und ein anderer, weil die Emire für ihn gebeten, wurden mit dem Leben verschont. Unter den Hingerichteten war auch der Astronom Imadeddin, der Christ Simon von Rumkalaa Behaeddewlet Abul Kirem; Demitrius, König von Georgien, welcher in diese Verschwörung verwickelt war, wurde an den Ufern des Kor hingerichtet[702]; dem Heere wurde befohlen, seinen Jurt zu plündern; die Kinder wurden dem Schwerte des Henkers überliefert, die Frauen und Töchter unter das Heer vertheilt; es erging der Befehl, die Leichname der Erschlagenen in Hügeln aufzuschichten, erst wenn sie von Wölfen und Hunden zerfleischt sein würden, die Reste zu begraben. Drei Emire[703] wurden nach Diarbekr gesandt, die Söhne und Brüder Buka's zu holen. In sechs Tagen rannten sie von Arran nach Irbil, tödteten Ghasan, den ältesten Sohn Buka's, der sich bei seinem Oheime Aruk befand, und führten diesen nach Tebris. Als er an der Brücke Dschaghan des Bruders ausgestopften Kopf sah, fragte er: Wo ist der Kopf Audschan's, seines Waffenträgers? und der geforderte fiel. 9. Moharrem 688/ 3. Febr. 1289 Emir Sengi, welcher dem Buka im Zelte seines Sohnes Zuflucht gestattet, wurde von der Frau Oldschai ausgeliefert; sie erklärte, dass sie ihren ältesten Sohn, Enbardschi, ausgeliefert haben würde, wenn er sich solcher Staatsverbrechen schuldig gemacht hätte. Noch waren vier Söhne Buka's[704] übrig, die sich zu Tughan geflüchtet, welcher sich ihrer angenommen; Ende Ssafer 688/ Halben Mai 1289 als er sie aber nach einiger Zeit dem Arghun, dessen Grimm er versöhnt glaubte, vorstellte, befahl dieser, durch ihre Hinrichtung den Stamm auszurotten, so dem geschah.

Der Prinzen Dschuschkab, Huladschu, Karabukai Hinrichtung.

Der Prinz Dschuschkab, welcher die Verschwörung Buka's angezeigt und dem Verräther mit eigener Hand den Kopf abgeschlagen, sah bald hierauf seinen eigenen gefährdet; auf die Nachricht, dass er selbst mit herrschsüchtigen Plänen umgehe, hatte ihm Arghun Emire[705] mit Truppen nachgesendet, die ihn am Flusse Karaman zwischen Ersen und Miafarakain erreichten; er schlug sich mit ihnen, floh und wurde nach drei Tagen ergriffen, vor Arghun gebracht, von demselben zum Tode verurtheilt. 15. Dschem. ewwel 688/ 6. Juni 1289 Diese Hinrichtung hatte die Empörung des ihm innigst ergebenen Newrus, des Sohnes Arghun's (des Statthalters Hulagu's in Persien) zur Folge, mit welchem sich die Prinzen Huladschu (der zwölfte Sohn Hulagu's) und Karabukai, der Sohn Jaschmut's (des dritten Sohnes Hulagu's) verbanden; sie wurden von Muktil, dem Bruder Ordu Kaja's, welcher im Dienste Karabukai's seinen Herrn verrieth, ergriffen und im Schlosse Girdkjuh, dem alten Assassinenschloss, das so lange den belagernden Waffen der Mongolen getrotzt, eingesperrt, und vier Monate hernach hingerichtet. 20. Ramasan 688/ 7. Oct. 1289 Huladschu, der zwölfte Sohn Hulagu's, der dritte, der als ein Schlachtopfer der Herrschaft fiel (wie vor ihm Konghuratai und Teguder); Karabukai, der zweite Neffe, der wie Dschuschkab des Todes Loos der Oheime theilte. Ein Heer unter dem Befehle Arghun's wurde nach Chorasan gesandt, um dort den Kronprinzen Ghasan wider den Aufrührer Newrus zu verstärken. Arghunchan hatte das Winterquartier von Arran mit dem Sommerlager zu Kongorolang vertauscht und zum zweitenmale den Ordu Kaja und den Juden Seaad empfangen, welche ihm Gelder von Bagdad brachten. Arghun war damit sehr zufrieden, und als der Jude vortrug, dass er das Doppelte abgeführt haben würde, wenn nicht die mongolischen Landschreiber ihm entgegen gewesen wären, wurde die Hinrichtung derselben befohlen; ihre Köpfe wurden zu Bagdad aufgesteckt; auch Manssur, der Sohn Chodscha Alaeddin's Dschuweini, wurde von Hille gebracht und hingerichtet; gleiches Schicksal hatte Dschelaleddin Semnani, welcher, dem Tughan verdächtig, einige Zeit lang auf Fürbitte Berende Bachschi's an dem Leben verschont worden war. 1. Dschem. II. 688/ 22. Juni 1289 Arghun hatte die oberste Wesirschaft dem Juden Seaad übertragen, eine vor und nachdem in den Geschichten des Islams unerhörte Begebenheit, dass ein Jude Herr des Guts und Bluts der Moslimen. Seaadeddewlet, d. i. die Glückseligkeit des Hofes, der Sohn des Juden Hebetollah Ben Mohesib von Ebher, war vor fünf Jahren vom Vogte Bagdads oder dessen Kammer angestellt worden und hatte durch seine Geschäftstüchtigkeit bald sehr grossen Einfluss erworben. Der Befehlshaber Bagdads, Kotloghschah, ein vormaliger Diener Alaeddin's Dschuweini, Medschdeddin Giti und Andere waren vor zwei Jahren in's Sommerlager von Sughurluk gekommen, 686/ 1287 um sich bei den Wesiren über Seaad, durch welchen ihr Ansehen so sehr in Schatten gesetzt wurde, zu beklagen; sie priesen den Seaad als einen vortrefflichen Arzt an, der seiner medicinischen Kenntnisse willen an den Hof gezogen zu werden verdiene. Seaad, nach Hof berufen, schloss sich an Ordu Kaja an und erhielt durch dessen Einfluss Diplom und Löwenkopf mit dem Antrage, die Rückstände der Steuern Bagdads, welche fünfhundert Tomane betrugen, einzutreiben. Mittels Erpressungen und Qualen brachte er eine ansehnliche Summe Geldes auf, die er dem Chan in's Sommerlager von Kongorolang brachte. Arghun, hiermit sehr zufrieden, verlieh die Emirschaft von Bagdad dem Emir Ordu Kaja und die Vogtschaft dem Baidu Sikurdschi, d. i. Schwertträger; Scherefeddin von Semnan wurde zum Melik, d. i. Vorsteher der Finanzen, und Seaad zu dessen Moscherrif[706], d. i. Ceremonienmeister, ernannt. Diese vier gleichzeitigen Ernennungen geben Aufschluss über die Einrichtung mongolischer Landesverwaltung, deren Häupter der Emir (Befehlshaber der Truppen), der Schohne oder Baskak, d. i. Vogt Statthalter, der Melik, d. i. Intendent der Finanzen, und Moscherrif, Gehülfe desselben; dazu kamen die Sekretäre und Schreiber, von denen die arabischen Munschi, die mongolischen Bitekdschi, die türkischen Bachschi heissen. Als Seaad zur Wesirschaft gelangt, war derselbe nur noch durch den Einfluss seines vormaligen Vorstehers Scherefeddin Semnani einigermassen in der Ausübung seiner unumschränkten Machtvollkommenheit beschränkt; als aber auch dieser auf Arghun's Befehl, weil ihm zu Ohren gekommen, dass er des Juden unumschränkte Machtvollkommenheit bitter getadelt, hingerichtet worden, herrschte der Jude Arzt mit unumschränkter Vollmacht als Wesir[707].

Seaadeddewlet's Verwaltung.

Die Verwaltung des Arztes Juden war eine blutige und goldene, Aderlass und Schacher. Noch lebten die Enkel seines grossen Vorfahrers in der Wesirschaft, Mohammed Schemseddin's, Mahmud und Ali[708], die beiden Söhne seines Sohnes Behaeddin, auf den ihnen gelassenen Besitzungen in Irak. Ali war mit seiner Mutter, der Tochter Iseddin Tahir's, nach Issfahan gegangen, als Medschdeddin Muminan von Kaswin, einer der Blutegel des Wesirs, an Arghun Bericht erstattete, dass fasst alle Krongüter in den Händen der Enkel Schemseddin's. Der Befehl erging, die Söhne Schemseddins hinzurichten. Von diesen wurden Mesud und Feredschullah zu Tebris getödtet; 3. Redscheb 688/ 23. Juli 1289 dem Enkel Mahmud rettete der Vogt das Leben, weil in dem Befehle blos von den Söhnen und nicht von den Enkeln die Rede; aber Ali, welcher zu Issfahan sich befand, wurde getödtet, und sechzehn Tage nach ihm auch sein Oheim Mesud. Noch waren von den Söhnen Schemseddin's zwei, nämlich: Atabeg und Sekeria, übrig, welche, die einzigen, nicht gewaltsamen Todes starben. Der Jude legte nun seinem Namen und dem seiner Brüder nach dem Beispiele der Herrscher aus dem Hause Buje den Ehrennamen Dewlet, d. i. Reich oder Hof, bei; er nannte sich Seaadeddewlet, d. i. das Reichsglück, seine Brüder hiessen: Fachreddewlet, d. i. Reichsruhm, Mohesibeddewlet, d. i. Reichsläuterer, desgleichen seinen anderen Angehörigen, unter die er die Statthalterschaften des Reichs vertheilte; den beiden genannten Brüdern und dem Dschemaleddin von Destadscherd übertrug er die Befehlshaberschaft von Bagdad; nach Fars sandte er den Medschdeddewlet, d. i. Reichsglorie, den Sohn des Astronomen Montachabeddewlet, d. i. des Reichsauserwählten, als Statthalter nach Diarbekr seinen Bruder Emineddewlet, d. i. Reichsintendent, und die Befehlshaberschaft von Tebris verlieh er seinem Neffen Ebu Manssur Mohesibeddewlet (ein zweiter Reichsläuterer) dem Arzte[709]. Fünf Juden (die vier Brüder und der Neffe) hatten die Verwaltung unter sich getheilt. Die Emire Taghadschar, Ordu Kaja und Dschuschi, welche bisher die Finanzen verwaltet, wurden durch ein Patent verständigt, dass Seaadeddewlet der Befehlshaber des Staatsschatzes sei, „und dass sie ohne dessen Gutheissung kein Geschäft dem Padischah vorzutragen ermächtiget seien, dass dem Wesir aber frei stehe, zu jeder Zeit Geschäfte zu schlichten, ohne sich nach ihnen zu richten“. Die Wesire und Emire der Länder wurden ihm untergeordnet, Könige und Sultane standen dem Arzte Juden zu Befehl; wäre nicht Chorasan und Rum wirklich im Besitze Ghasan's und Kendschatu's, der beiden Söhne Arghun's, gewesen, so hätte er auch diese Länder an seine Geschöpfe verliehen[710]. Er vernichtete gleich Anfangs seiner Verwaltung in allen Ländern die Melik, wörtlich Könige, der Finanz, d. i. Intendenten der Pachten und Steuern, und erregte in den Herzen der Juden die Erwartung, dass in ihm der versprochene Messias erschienen, der Wiederhersteller des Reichs im vorigen Glanze. Die Verordnungen, die er in Finanzsachen erliess, waren streng, aber verständig, auf die sichere Eintreibung der Steuern und Vermehrung des Staatsschatzes berechnet; den Plackereien der Gesandten und Vögte wurde gesteuert, arabische und persische Dichter und Philologen mit Geschenken und Pensionen zur Verbreitung seines Lobes erkauft. Binnen zwei Jahren war ein ihm gewidmetes Buch, welches blos die zu seinem Lobe erschienenen Ghaselen, Kassidete, Makame und Lobreden enthielt, gesammelt, und welches sich noch zur Zeit Wassaf's zu Bagdad fand; er nahm sich nicht nur mit den Prinzen und Nujanen, sondern auch gegenüber des Schah und dessen Gemahlinnen die grössten Freiheiten heraus. Eines Tages, als er mit dem Schah langen Puff spielte, streckte er mir nichts dir nichts seine Füsse aus, als läge er auf einem Ruhebette; eine der Frauen, welche herein kam, redete ihn an: „Wie unterstehst du dich, in Gegenwart eines solchen Chans, dessen Sklaven mit dem störrigen Himmel wie mit einer Kugel aus Handteig spielen, ohne Scheu den Fuss auszustrecken?“ Seaadeddewlet entschuldigte sich mit dem Zipperlein, und Arghun liess die Entschuldigung gelten.

Verwaltung von Fars; Emir Tughan.

Da die grossen Emire Taghadschar, Semaghar, Kundschukbal und Tughan ihm alle aufsässig, so suchte er sich wenigstens mit dreien zu befreunden, denen er einen Antheil an der Verwaltung überliess; diese waren Ordu Kaja, den er als Helfer zu sich nahm; Karadschar, dem er die Verwaltung von Arran anvertraute, und Dschuschi, dem er die von Schiras übergab; dem letzten gab er noch zwei Beamte[711] und den Sohn Sundschak's als Serwan oder Tschausch, d. i. Vollstrecker der Befehle, an die Seite. Die Herren der Finanz zu Schiras versprachen die fünfhundert Tomane, die Ausstände, binnen Jahr und Tag herbeizuschaffen, wenn man ihnen den Dschelaleddin Serwistani gebunden ausliefere. Diess geschah; als aber die Inhaber der Pachtdistrikte[712] und die Landschreiber[713] nicht Wort hielten, wurden die ersten, die Herren der Kammer, die schon oben bei der Erzählung der Zustände von Fars genannt worden, hingerichtet[714]. Die Steuereinnehmer und Verwalter wurden alle gefoltert und durch Vergantungen und Confiscationen eine ungeheuere Summe erpresst. Seaadeddewlet's Strenge war rücksichtlos gegen die Emire und führte später seinen Sturz durch die Rache einer empfindlichen Beleidigung des Emirs Tughan herbei, welcher, wie wir gesehen, schon den allmächtigen Buka aus Rache für empfangene Stockschläge gestürzt. Tughan, der Sohn Tarakai's, ehemals der Vogt in Kuhistan, einer der ersten Inaken, d. i. Hofdiener, „war“, sagt Wassaf, „ein höchst scharfsinniger und feiner Kopf[715] an Urtheilskraft, durchdringendem Scharfsinn, in der Rede Schlagfertigkeit und Zierlichkeit, hatte er unter den Mongolen nicht seines Gleichen“; dazu war er ein gewandter Briefsteller, Buchhalter, Dichter und Astronom, ein ganzer Keschadschem, d. i. ein in den fünf freien Künsten, deren Anfangsbuchstaben in diesem Worte enthalten sind[716] (Schreibkunst, Dichtkunst, Astronomie, Philologie und Musik), vollkommen bewanderter, hochgebildeter Mann. Als nach der Hinrichtung Buka's der Emir Newrus in Chorasan rebellirte, wurde Tughan mit einem Auftrage dahin abgesandt; bei seiner Rückkehr liess Seaadeddewlet dem Schah vortragen, dass die Curiere Tughan's mehr als ihre normalmässigen Taxen genommen, und Tughan wurde zu der hierauf durch die Jasa gesetzten normalmässigen Strafe von siebzehn Stockprügeln verurtheilt. Tughan, welchen Nichts aus der Fassung brachte und welchem ein guter Einfall immer zur Hand, sah sich im Saale um und sagte: Was würde es denn schaden, wenn jeder der Collegen Emire einen der siebzehn Stockstreiche auf sich nehmen wollte? Es waren mehr als siebzehn Emire zugegen. Der Schah lachte, und allsogleich citirte Tughan das Distichon Motenebbi's:

Wenn der Löwe winkt mit Löwenmacht, Meinet ja nicht, dass der Löwe lacht[717].

Durch diesen glücklichen Einfall und seine Geistesgegenwart kam er diessmal von der verhängten Strafe los, aber der Groll wider den Juden, der ihm die Schmach der Verurtheilung zugezogen, wurzelte so tiefer in seiner Brust, und er verband sich zum Sturze desselben mit dem Emir Kundschukbal und Anderen, indem sie keine Gelegenheit unterliessen, ihren Feind beim Schah zu verschwärzen. Dieser indessen, voll hochfliegender Pläne, stand noch immer fest durch den guten Erfolg seiner Finanzverwaltung, welche den Schatz füllte, und durch seine Einstreuungen von der Einführung einer neuen Religion, deren Oberhaupt der Schah sein sollte[718]. Arghun war nicht Moslim, wie sein Vorfahrer, sondern vielmehr den Juden und Christen geneigt; von seiner Neigung für die Juden spricht die fünfgetheilte Herrschaft der vier Brüder und des Neffen, von seiner Vorliebe für die Christen sein Befehl, die von Teguder zerstörten Kirchen wieder herzustellen[719], und seine Verbindungen mit den Königen Armeniens und Georgiens, seine Gesandtschaften an den Papst und König von Frankreich, von denen weiter unten die Rede sein wird. Indessen, da sein Plan der neuen Religion noch nicht reif, konnte er nicht umhin, dem Scheine nach den Islam zu beschützen, wovon ein von Wassaf erhaltener, zu Gunsten der Pilgerkarawane von Mekka erlassener Befehl das Belege; indessen lag ihm wenig daran, dass das Blut der Pilger im Umfange des heiligen Hauses vergossen wurde, und siebzehn der grössten Imame verbannte er nach Schiras, um dort von Schemseddewlet die Strafe der Jasa, d. i. Prügel, zu empfangen.

Feldzug gegen Derbend; Bauten.

In der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche dieses Jahres begab sich Arghun, welcher auch ein Freund der Astronomie, wiewohl er mit Vorliebe Alchymie trieb, nach Meragha, um die Sternwarte zu besuchen; 4. Ramasan 688/ 21. Sept. 1289 in der folgenden Tag- und Nachtgleiche des Frühlings verehrte er der Frau Bulughan, der Tochter Otaman's, des Sohnes Obotai Nujan's des Konghuraten, das Lager der verstorbenen Frau Bulughan, welche aus dem Hareme des Grossvaters Hulagu und des Vaters Abaka in das seine übergegangen war. 9. Rebiulewwel 689/ 24. März 1290 Vier Tage nach vollzogener Hochzeit kamen Boten, welche feindlichen Einfall an der Gränze von Derbend meldeten. 13. Rebiulewwel 689/ 28. März 1290 Die Emire Schiktur Nujan, Kundschukbal und Taghadschar wurden allsogleich aufzusitzen befehligt. Der Chan begab sich nach Pilsuwar und rückte mit dem schweren Gepäcke bis Schaburan vor; am Ufer des Karasu traf der Vortrab der beiden Heere auf einander. 1. Reb. achir 689/ 15. April 1290 Das feindliche befehligte Abadschi und Mengli, die beiden Söhne Mengku Timur's, des Herrschers von Kipdschak, und der Feldherr Nokai; das Arghun's: die Emire Taghadschar, Kundschukbal, Toghruldsche und Taidschu, der Sohn Bukuwa's; die letzten drei setzten über den Fluss, schlugen die Kipdschaken, tödteten ihnen dreihundert Mann und machten mehrere Gefangene[720]. Hierauf wurde zu Pilsuwar der Sieg mit Festen gefeiert, und Seaadeddewlet sandte die frohe Nachricht mittels Siegesschreiben durch's Reich[721]. 17. Reb. achir 689/ 3. Mai 1290 Da die Ruhe an der Gränze von Derbend hergestellt war, wandte sich Taghadschar nach der östlichen, wo in Chorasan der Aufruhr des Emirs Newrus in hellen Flammen emporloderte. Arghun wurde durch den Tod seines Sohnes Jesutum betrübt; 7. Dschem. ewwel/ 19. Juni auch waren der Emir Sundschak und sein Sohn Schadi zu Meragha gestorben. Zwei Monate hernach ward zu Tebris Medschdeddin Muminan, dessen oben als eines Blutegels der Finanz Erwähnung geschehen, hingerichtet, und die Fahnen des Schah's trafen im Sommerlager von Alatagh ein; 2. Schaaban/ 12. August er kehrte über Wan und Wastan zurück. Auf dieser Station wartete dem Schah Kotbeddin der Schiraser auf und brachte seinen Atlas der westlichen Meere mit einer Beschreibung ihrer Gestade und Inseln, der Länder Rums und des mittelländischen Meeres dar. 13. Schaaban/ 23. August Der Blick Arghun's fiel auf die Stadt Amuria, so berühmt, als die Geburtsstadt des Kaisers Theophilos und die Verheerung derselben durch den Chalifen Moteaassim. Arghun liess sich Alles erklären und war mit der Erklärung ungemein zufrieden; er ging auf die Jagd, und sagte dem Molla, sich nach derselben wieder bei ihm einzufinden, weil er mit ihm gerne weiter spreche, da er so wohlberedt. Hierauf ging der Wink an Seaadeddewlet, die drei Verwalter, welche aus Rum zurückgekehrt waren: Emirschah, Fachreddin und den Sohn Hadschi Leila's, zu ergreifen; dem ersten rettete die Fürbitte Kotbeddin's und Seaadeddewlet's das Leben, der dritte ward sogleich getödtet, der zweite unter Aufsicht gesetzt und später hingerichtet. Hierauf kamen drei Emire: Akbuka, Doladai und Aldschiwaktan, aus Rum, von denen der erste dorthin zurückgesandt ward. 5. Schewwal 689/ 13. Oct. 1290 Das Fest des Fastenmondes wurde zu Tebris zur Freude der Moslimen mit grosser Feierlichkeit begangen. Es wurden vier Minarete erhöht; die Kadi und Imame, die Chatibe und Scheiche wurden alle versammelt. Arghun, der ein grosser Bauliebhaber, befahl, auf der Westseite der Stadt eine Vorstadt anzulegen, welche Schem oder Schenb hiess, und in der später sein Sohn Ghasan sein berühmtes Grabmal erbaute; er befahl den Bau einer Stadt zu Scherujas, nördlich von Kaswin, welche, ebenfalls erst später unter Ghasan vollendet, den Namen Sultanije erhielt; eine Tagreise südlich von Sultanije, zu Andscherud, hatte Arghun's Vater, Abaka, einen Palast in der Ebene erbaut, wo ein natürliches Wasserbecken mit zwei Abflüssen, dessen Wasser sich nie mindern und mehren soll, wenn auch die Abflüsse verdämmt werden[722]. In der Nähe von Sedschas ist der gleichnamige Berg, auf welchem hernach Arghun begraben ward; auch im Gebirge Alatagh, welches das gewöhnliche Sommerlager schon von Hulagu's Zeit her, baute er ein Serai[723]. Zu Lar oder Lardschan[724], der gleichnamigen Hauptstadt der am Fusse von Hügeln gelegenen Landschaft Laristan, baute er einen Sommerpalast, welcher das Köschk Arghun's hiess; der Basar der Stadt gilt noch heute für den schönsten Persiens; das heute in Ruinen liegende Schloss galt ehemals für uneinnehmbar. Die zwölftausend Einwohner leben von dem Erzeugnisse ihres Kunstfleisses, Bogen und Baumwollzeugen; alle Häuser sind bequem und nett eingerichtet; jedes mit den beiden Luxusanstalten einer persischen Sommerwohnung, nämlich einem Badgir und Serdab[725], d. i. mit einem Windfang und einem unterirdischen Saale, versehen; in diesen dringt die Hitze nicht ein, durch jenen kreist im oberen Theile des Hauses der Luftzug. Zu Tebris erhielt die von Arghun erbaute Vorstadt den Namen Arghunije; er gab Jedermann die Freiheit, sich dort anzusiedeln; und liess unterirdische Kanäle (Kjaris) graben nach dem in Persien von uralter Zeit her eingeführten und heute noch üblichen Systeme unterirdischen Kanalbaues. Die kühlen Thäler des Alatagh waren das gewöhnliche Sommerlager, die südlichen Ebenen von Kongorolang, d. i. die Falkenweide, das Sommerlager, wo hernach Sultania gebaut ward; der Frühling und Herbst wurde, wie gesagt, wechselweise zu Meragha und Tebris zugebracht, wie vormals die persischen Könige ihre Residenz nach den Jahreszeiten zu Babylon, Ekbatana oder Susa aufschlugen.

Arghun's Krankheit.

Arghun, der Alchymie und den geheimen Wissenschaften ergeben, hatte indische Bachschi, d. i. Schreiber, gefragt, durch welche Mittel sie sich ihr Leben so langwierig fristeten. Sie gaben ihm ein aus Schwefel und Merkur zusammengesetztes Mittel als die Panacee der Lebensverlängerung an. Arghun nahm dasselbe durch acht Monate, und als ihm hierauf die Bachschi eine Quarantäne zu Tebris vorschrieben, schloss er sich dort ein, ohne Jemanden Anderen, als Seaadeddewlet und seine Geschäftsführer Ordu Kaja und Kadschan zu empfangen. Nach den vollendeten vierzig Tagen begab er sich in's Winterquartier nach Arran, wo er krank ward, vom Arzt Emineddewlet Arznei nahm; als diese nicht anschlug, gab ihm einer der Bachschi eines Tages drei Becher Weins, worauf er einen Anfall von Zipperlein hatte. Nach zweimonatlichen Leiden fiel es ihm ein, die Ursachen der Krankheit, welche übernatürlicher Einwirkung Schuld gegeben ward, untersuchen zu lassen. Die Einen sagten, sie rühre von bösen Wesen her und könne nur durch Almosen geheilet werden; die Kamen, welche nach mongolischer Art das Geheime und Verborgene aus Schulterbeinen der Schafe erforschten, warfen den Verdacht von Zauberei auf. Die Prinzessin Tughandschak, die Tochter der Frau Ilkotlogh, war die angeheirathete Nichte Dschuschkab's, dessen Tochter Arghurak mit Schadi Gurgan vermählt, mit diesem die Tochter Tughandschak aus dessen Beischläferin Ilkotlogh erheirathet hatte. Ilkotlogh war also aus dem Harem Schadi Gurgan's in das Arghun's übergegangen, und Tughandschak erscheint hier als Nebenbuhlerin ihrer Mutter um die Liebe des Schahs. Sie wurde mit anderen Frauen ihres Gefolges vor Gericht geladen. Sie bekannte, dass sie, um sich der Liebe des Chans zu versichern, Talismane geschrieben, und dass sie, um sein Leben zu retten, gerne das ihrige opfern wolle. Sie wurde der Zauberei schuldig erkannt und mit allen ihren Zofen ertränkt. Durch die Krankheit des Chans war Seaadeddewlet auf's äusserste bestürzt, indem er wohl einsah, dass sein Leben an das des Schahs geknüpft sei. Er nahm nun zu guten Werken die Zuflucht; an Einem Tage erliess er siebzig Schreiben, sogenannte Gerechtigkeitsbefehle, welche die Ausübung der Gerechtigkeit einschärften und Almosen anordneten. Eine seiner grössten Wohlthaten waren dreissigtausend Dukaten, womit er den Bewohnern Bagdads ein Geschenk gemacht, und hunderttausend, die er den Armen und Frommen von Schiras zugedacht. Es ergingen Befehle, wodurch verboten ward, den Verwandten der Majestät, den Frauen, Söhnen, Töchtern, Schwägern, das Geringste zu nehmen; hierdurch hoffte er, dieselben mit dem Fiskus und sich zu versöhnen; allein die Emire[726], denen seine Herrschaft immer unerträglicher, verschworen sich zur Abschüttelung dieses Joches, 4. Ssafer 690/ 5. Febr. 1291 und sie traten zuerst als öffentliche Ankläger wider das Werkzeug der Blutbefehle, den Sultan Aidadschi, auf, durch welchen vor zwei Jahren die Prinzen Huladschu und Karabukai und eilf andere, in Allem dreizehn Prinzen aus dem Geblüte Tschengischan's, hingerichtet worden waren, indem diese Hinrichtung nun als die eigentliche Ursache der Krankheit Arghun's angegeben ward. Ein Kame sagte aus, die mit ihren Vätern hingerichteten unschuldigen Kinder, Söhne Huladschu's und Karabukai's, seien dem Arghun erschienen und hätten ihm Vorwürfe über ihre unverschuldete Hinrichtung gemacht; er habe ihnen geantwortet: Davon weiss ich nichts; nicht ich bin euer Mörder, sondern Sultan Aidadschi. Dieser, hierüber zur Rede gestellt, berief sich auf des Chans Befehl. Die Antwort kam: er wisse nicht darum. Sultan Aidadschi entgegnete: wie könne der Chan diess gesagt haben, da ihm die Krankheit seit langem die Sprache benommen. Die Richter urtheilten, dass, wenn der Padischah nicht sprechen könne, die Ursache seiner Krankheit keine andere als das durch Aidadschi gegebene Bluturtheil sei, und verurtheilten ihn zum Tode. 1. Rebiulewwel 690/ 4. März 1291 Am selben Tage (es war das Geburtsfest des Prinzen Chatai Aghul) wurde Dschudschi auf Tughan's Befehl ergriffen und in der Nacht hingerichtet; am folgenden Tage zog Taghadschar den Seaadeddewlet und seinen Helfer Ordu Kaja vor Gericht, und Beide wurden getödtet[727]; ihre Häuser wurden vom Heere geplündert. Sechs Tage hernach starb Arghun zu Baghdschei Arran 7. Rebiulewwel 690/ 10. März 1291 und zwei Tage später wurde sein Leichnam nach dem Berge Sedschas abgeführt, wo sein Grab noch nach dem alten Gebrauche der Mongolen verborgen gehalten, bis es in der Folge von seiner Tochter entdeckt, mit einem Dome überwölbet ward[728].

Arghun's Verhältniss mit Aegypten und den europäischen Fürsten.

Noch haben wir in der Regierungsgeschichte Arghun's die Darstellung seiner Verhältnisse mit Aegypten und mit christlichen Fürsten nachzutragen. Bereits unter der Regierung Ahmed Teguder's ist erwähnt worden, dass der Gesandte desselben, Abderrahman, von Sultan Kilawun eingekerkert, im Kerker gestorben sei. Nähere Umstände über diesen Botschafter finden sich bei den ägyptischen Geschichtschreibern. Kilawun hatte auf seinem Wege von Kairo nach Damaskus zu Ghasa den Tod Ahmed Teguder's und die Thronbesteigung Arghun's erfahren. 12. Dschem. ewwel 683/ 27. Juli 1284 Einen Monat hernach gewährte er der persischen Botschaft zu Damaskus Audienz. Sie bestand aus dem Scheich Abderrahman, dem Emir Samdaghu und dem Wesir des Fürsten von Mardin[729]; der Scheich war in den Habit der Derwische als Fakir gekleidet; als er sich nicht freiwillig beugen wollte, wurde er gewaltsam zur Erde niedergeworfen, und der Sultan würdigte ihn keines Blickes; doch nahm er das Schreiben Ahmed's und liess die Botschafter mit Kaftanen bekleiden. Das Schreiben Ahmed's begann mit der gewöhnlichen Formel mongolischer Befehle: Unser Wort an den Sultan Aegyptens. Unter den Geschenken zeichneten sich sechzig grosse Perlen, ein Topas im Gewichte von zweihundert Miskalen und ein Rubinbalasse von zwei und zwanzig Drachmen aus. Kilawun liess sie dreimal in seine Gegenwart kommen, und verständigte sie das drittemal von Arghun's Thronbesteigung. Sie wurden alle ihres Gepäckes beraubt und eingekerkert. Der Scheich starb noch vor Ende des Jahres und seine Begleiter wurden dann in Freiheit gesetzt. 28. Ramasan 683/ 8. Dec. 1284 Während dieser feierlichen, zur Schliessung festen Friedens gesandten Botschaft hatte sich Sultan Kilawun zweier beträchtlichen festen Plätze bemächtigt. Der eine, Katibe, in der Landschaft Amid, in der Nähe von Kerker, welcher von den Truppen von Biret, Aintab und Rawendan besetzt ward; der andere, Kachta, dessen aufrührerische Besatzung ihren Befehlshaber tödtete und das Schloss verrätherischer Weise an den Befehlshaber von Haleb übergab. Diesem fertigte im selben Jahre Arghun den Befehl eines Streifzuges nach Cilicien zu, um die Armenier dafür zu strafen, dass sie, als sie zwei Jahre früher sich mit den mongolischen Truppen zu Haleb befanden, die grosse Moschee eingeäschert. Sie drangen bis Ajas vor, schlugen die armenischen Truppen im Passe von Iskenderun, verfolgten sie bis Tell Hamdun und zogen sich dann zurück[730]. Zwei Jahre später streiften tausend Mann der Besatzung von Haleb nach Mardin und Sindschar und schlugen von Mossul die Besatzung, welche einen Ausfall gemacht, mit dem Verluste von zweihundert Mann zurück. Mit Papst Nikolaus IV. hatte Arghun wiederholten Verkehr von Gesandten, deren einer, Buscarell, ein Kuridschi, d. i. von seiner Leibwache, zugleich Ueberbringer von Schreiben an Eduard, König von England, und Philipp den Schönen von Frankreich. Die Gesandten versprachen Hilfe wider die Saracenen in Syrien und Bekehrung zum Christenthum. Die Gesandten Arghun's versprachen: der Chan wolle sich nach Jerusalems Eroberung in der heiligen Stadt taufen lassen; der Papst belehrte ihn in seinem Schreiben über die Dogmen und Pflichten des Christenthums. Nikolaus schrieb nicht nur an den Chan, sondern auch an dessen Frauen und an seinen Sohn Oldschaitu, welchen die Mutter (Urukchan) getauft und Niklas genannt hatte. Der Papst schrieb an die Prinzessin Ilkotlogh[731], die er zur Verbreitung des Christenthums, nachdem sie beigetreten, aufmunterte; die Frau Uruk[732], welche von jeher Christin, bat er, auch die Prinzen Ghasan und Chatai Aghul[733], welche von anderen Müttern, zur Annahme des Christenthums zu bewegen. An König Eduard I. nahm der Gesandte Buscarell ein Schreiben des Papstes mit, welcher ihn zu ehrenvollem Empfange und geneigtem Gehöre empfahl; dem König Philipp schrieb Arghun im fünfhundertsten Jahre vor der französischen Revolution, dass er im folgenden mit seinen Truppen vor Damaskus zu lagern hoffe, ihm das eroberte Jerusalem schenken werde. Der erste dieser Gesandten Arghun's an den Papst war um ein Jahr früher angelangt; diess ist im selben, wo der Jude Seaadeddewlet zur vollsten Macht gekommen. Diese Botschaften Arghun's sind also wohl weniger dem Christenthume der Frauen und der Taufe der Prinzen zuzuschreiben, als der Politik des Juden, welcher durch die Hilfe des Papstes die Könige von Frankreich und England, die Aegypter von Syrien abzuhalten hoffte. Sie umfassen die vier Jahre seiner Staatsverwaltung bis zu seinem, Arghun's fast gleichzeitigem Tode; als aber Nikolaus IV. seine Antwort auf das durch den Botschafter Tschagan an ihn und an Eduard, König von England, gerichtete Schreiben datirte, waren Seaadeddewlet und Arghun schon fünf Monate todt.

Kendschatu's Thronbesteigung.

Von Arghun's Tod sandten die verschiedenen Parteien der Emire, welche über die Nachfolge des Thrones getheilter Meinung, die Kunde an die drei Prinzen, denen sie denselben zugedacht; nach Chorasan an Ghasan, den ältesten Sohn Arghun's, nach Bagdad an Baidu, den Sohn Tarakai's, des fünften Sohnes Hulagu's, und nach Rum an Kendschatu[734], den Bruder Arghun's, welchem nach dem mongolischen Erbrechte die Nachfolge der Herrschaft als dem Aeltesten des Hauses gebührt. Am ersten Tage waren die Emire zwar über die Nachfolge Kendschatu's einig gewesen, aber schon am anderen sandten Taghadschar und Semaghar dem Legsi, welcher mit der Nachricht des Todes an Kendschatu abgefertigt worden, den Balisad mit der Nachricht nach, dass die versammelten Emire und Frauen noch den Baidu als den Aeltesten der Familie zum Throne berufen hätten. Hierzu bestimmte die beiden genannten Emire einerseits die Furcht vor Ghasan's bekannter Energie und Herrscherkraft, bei welcher der ihrigen wenig Raum bliebe, andererseits die Aussicht, dass, wenn Kendschatu Chan, er allen Einfluss der Herrschaft seinen mit ihm in Rum befindlichen Emiren überlassen und sie mit ihrer Partei leer ausgehen würden. Die Partei Baidu's bestand aus den Emiren: Taghadschar, Semaghar, Kundschukbal, Tokal, Schiktur, Tughan, Timurbuka, Tekne, Ildschidai, Toghdai und Doladai; der letzte wurde auf der Stelle mit einem Heere nach Fars abgeordnet, wo die Luren eingefallen, Schiras erobert, den Vogt todtgeschlagen hatten. 8. Dschem. ewwel 690/ 9. Mai 1291 Baidu, klug und umsichtig und ohne Heer, um dem an ihn gestellten Antrage anderer Emire Gewicht zu geben, anwortete: Nach dem Gesetze Tschengischan's gebührt die Chanschaft den Söhnen des Bruders, weil ihr Vater der Aeltere des meinen; welches Recht habe ich auf den Thron, so lange jener und andere Prinzen leben, die mir dem Alter nach vorgehen? Nach diesem Grundsatze hätte er den von sich gewiesenen Thron dem Ghasan als dem Aelteren zuweisen sollen; aber es scheint, dass, weil Kendschatu die grösste Partei für sich hatte, er es für klüger fand, sich an diesen zu halten, indem er ihm die Nachricht von dem an ihn gelangten Antrage mittheilte[735]. Baidu's Weigerung bestürzte die Emire, welche ihm den Antrag gemacht, und an deren Spitze Tughan, der Hebel des Sturzes der beiden Grosswesire der vorigen Regierung, des Turkmanen Buka und des Juden Seaadeddewlet. Einige[736] gingen nach Rum, um sich an Kendschatu anzuschliessen. Kundschukbal entfloh, Tokal verliess sich auf einen Haufen Georgier, Tughan brütete Aufruhr in Irak, der Prinz Suka (der jüngste Sohn Jaschmut's, des dritten Sohnes Hulagu's) mit den Emiren Tschoban, dem Suldusen, und Kurmischi, der Sohn Alinak's, führten auf Tokai's Rath das Lager der Frauen nach dem Gebirge von Alatagh dem Kendschatu entgegen. Die Frau Uruk, die Wittwe Arghun's, die Mutter zweier seiner Söhne und dreier seiner Töchter, war mit ihnen verstanden. Die Emire[737] welche dem Baidu zu Kökbuldagh[738], d. i. am blauen Quelle, in der Nähe von Sughurluk, aufgewartet, verliessen ihn. Ildschitai Kuschdschi, Kundschukbal, Timurbuka, Tschoban gingen zu Kendschatu über. Als er in die Nähe von Alatagh kam, gingen ihm Chatai Aghul, der jüngste Sohn Arghun's, und andere Prinzen entgegen. Taghadschar, das Haupt der Partei Baidu's, wurde sogleich in Empfang genommen; Tughan, welcher nach Gilan entflohen, wurde eingebracht; 4. Redscheb 690/ 23. Juli doch wurde ihm, weil er ein Schützling Baidu's, vor der Hand nichts zu Leide gethan. Kendschatu bestieg in der Stadt Achlath den Thron.

Gericht über die Emire; Kendschatu's Krankheit und Familie.

Die erste Staatshandlung Kendschatu's war Bestrafung der beiden Häupter der Gegenpartei, der Emire Taghadschar und Kundschukbal, indem er jedem nach der Jasa drei Stockstreiche geben liess und den Befehl ihrer Tomane anderen übertrug[739], und den Tughan mit den Söhnen der von ihm unmittelbar vor dem Tode Arghuns hingerichteten Emire, Dschudschi und Ordu Kaja, welche Blutrache forderten, vor Gericht stellte. Als die Emire, des Todschlags ihrer Mitgenossen angeklagt, zur Rede gestellt wurden, bekannten sich Schiktur, Taghadschar, Kundschukbal, Semaghar, Tekne und Andere schuldig und flehten die Gnade des Padischah an, der dieselben auch begnadigte, Andere gelinde (mit drei Stockstreichen) bestrafte; nur wider Tughan, welchem sowohl der Emir Akbuka, der Betraute Kendschatu's, als die Frau Urukchan feind waren, wurden die Söhne Dschuschi's und Ordu Kaja's mit der Klage der Blutrache losgelassen; dennoch wollte ihm Kendschatu das Leben schenken; auf die Vorstellung der Frau Uruk aber, dass Tughan der Urheber alles Unheils, sagte Kendschatu: dass er in diesem Falle wohl den Tod verdiene; kaum war dieses Wort seinen Lippen entfahren, als Akbuka den Söhnen Dchuschi's und Ordu Kaja's die Blutrache der Väter überliess. 6. Schewwal 690/ 5. Oct. 1291 Taghadschar und Kundschukbal wurden begnadigt, Schiktur wurde zum Stellvertreter in Persien ernannt. Kendschatu bezog das Winterquartier in Arran und lagerte zu Karadschal am Ufer des Kor, seinem ehemaligen Horte. Von hieraus wurden die Kundmachungsbefehle der Thronbesteigung in die Länder gesandt; auf ein Gutachten der Astronomen wurde in den Diplomen und auf den Münzen dem Namen Kendschatu's die geheimnissvolle, ihm von dem Kamen ertheilte Formel, Irindschin Durdschi[740] beigesetzt. Senbu, der Bruder Suka's, der zweite Sohn Jaschmut's, starb zu Dschaghatu[741]; der Prinz Enbardschi, der älteste Sohn Mengu Timur's (des eilften Sohnes Hulagu's), wurde in die östlichen Länder gesandt. Auch dieser hegte herrschsüchtige Gedanken, welche während der Abwesenheit Kendschatu's in Rum, wohin er sogleich nach der Thronbesteigung zurückgekehrt war, in seinem Hause durch Taghadschar genährt worden. Der Geschäftsmann Stellvertreter des letzten Ssadreddin von Sindschar, ein grosses Verwaltungstalent, hatte seinem Bruder Kutbeddin, welcher sich im Lager Enbardschi's befand, die ihm von Taghadschar gegebene falsche Kunde gesandt, dass Kendschatu's Heer in Rum von den Turkmanen und Karamanen aufgerieben sei und dass er sich beeilen möge, Besitz vom Throne zu nehmen. Kutbeddin gab diese Nachricht dem Scheich Dschemal von Schiras, welcher des Vertrauens Enbardschi's genoss. Dieser, klug und umsichtig, sandte den Scheich auf Kundschaft an Schiktur Nujan; auf dem Wege begegnete er dem Taghadschar und Ssadreddin, welche ihn bewegen wollten, auf der Stelle umzukehren und den Enbardschi zu schnellem Anmarsche zu bewegen. Der Scheich stellte sich willfährig, sagte aber, dass er nur, da er schon in der Nähe, sein Haus besuchen wolle; statt dieses Besuches begab er sich geradewegs nach Karadschal in's Lager Schiktur's, wo er sich von der Unwahrheit der Angaben Ssadreddin's überzeugte. Er entledigte sich also freundlicher Botschaft im Namen Enbardschi's und theilte dann dem Schiktur insgeheim den Auftrag Taghadschar's und Ssadreddin's mit. Schiktur sandte ihn mit freundlichem Schreiben und Geschenken an Enbardschi zurück; aber am nächsten Morgen überfiel er die Zelte Taghadschar's und behielt ihn und Ssadreddin bis zur Rückkehr Kendschatu's bei sich; als die Nachricht von dessen Ankunft verlautete, sandte er sie in einem Geleite von fünfhundert Reitern demselben bis Ersenrum entgegen. 12. Redscheb 691/ 30. Juni 1292 Als Kendschatu zu Alatagh ankam, befiel ihn Krankheit, die längere Zeit dauerte; während derselben wurden von allen Gemeinden der verschiedenen Religionen Gebete angestellt; die Imame, Bischöfe, Rabbiner und Budhapriester beteten für die Dauer seines Lebens[742]; keiner Religion besonders zugethan, war er für alle gleichgültig[743], nur sinnlichen Genüssen ergeben. Seine sechs Frauen waren: 1. Aische, die Tochter Tughu's, des Sohnes Ilkai Nujan's; 2. Dundi, die Tochter Akbuka's, des Sohnes Ilkai's, die Base der vorigen; 3. Iltürmisch, die Tochter Kotlogh Timur Gurgan's, des Konghuraten; 4. Padischah Chatun, die Tochter Kutbeddin's, des Sultan's von Kerman; aus dem Hareme seines Vorfahrers die Frauen: 5. Bulughan und 6. Uruk. Ausser diesen hatte er die Söhne Alafreng und Iranschah aus der Frau Dundi und Dschinkpulad aus der Frau Bulughan, drei Töchter aus der Frau Aische und eine vierte aus der Beischläferin Abisch, der Tochter des Biklimisch, des Bruders Audschan's, des Erlaten.

Ssadreddin von Sendschan Wesir; Einfall der Luren in Irak und Fars.

Ssadreddin von Sendschan, der fündige Finanzmann, dessen oben erwähnet worden, bemühte sich um die Wesirsstelle durch Buraldschin Ikadschi, den Günstling Kendschatu's, und Scherefeddin Semnani, welcher beim Emir Akbuka in grösstem Ansehen und Einfluss. Durch diese beiden Kanäle gelang es ihm, mit der Würde des Emirs die des Wesirs zu vereinigen. Er erhielt dazu das goldene Ehrenzeichen des Löwenkopfes mit Rossschweif und Pelz und einen Toman von Truppen. 6. Silhidsche 691/ 19. Nov. 1292 Sein Anstellungsdiplom verbot den Prinzen und Prinzessinnen, sich im Geringsten in die Geschäfte der Verwaltung und der Finanzen zu mischen; sein Vorname Ssadreddin, d. i. Vorsitz der Religion, wurde in den von Ssadri dschihan, d. i. Vorsitz der Welt, umgeändert; zugleich erhielt sein Bruder Kutbeddin, d. i. Pol der Religion, das Amt des Richters der Richter mit der Veränderung seines Namens in Kutbi dschihan, d. i. Pol der Welt; ihr Oheim Kawameddin, d. i. die Feste der Religion, erhielt die Befehlshaberschaft von Tebris mit dem Ehrennamen von Kawamolmülk, d. i. Feste des Reichs. Zum zweitenmale sah Persien die Verwaltung der Geschäfte den Gliedern einer einzigen einflussreichen Familie übertragen, wie unter Hulagu den beiden Brüdern Dschuweini und dem Sohne des Wesirs Schemseddin, Behaeddin, als Befehlshaber von Schiras. Die Sorge für die Herschaffung der Lebensmittel, das Oberverpflegungsamt des Heeres, wurde dem Fachreddin Aidadschi bestätigt[744]; dieser aber bat um Entschuldigung, indem er vorstellte, dass er bereits dreissig Jahre lang mit diesem Amte betraut, durch die Anforderungen von Zuschüssen der Prinzen und Prinzessinnen sich in Schulden gestürzt. Kendschatu wies dreissig Tomane zur Zahlung der Schulden an und empfahl ihm fürderhin die grösste Freigebigkeit und Gerechtigkeit; denn er wollte, dass seine Regierung der Ogotai's gleiche, mit welchem er die Tugenden der Grossmuth und Milde, aber auch den Hang zum Wohlleben gemein hatte. Das grösste Lob seiner Regierung ist, dass während derselben, einige Hinrichtungen in Luristan ausgenommen[745], Niemand getödtet ward; den grössten Beweis seiner Milde gibt die Nachsicht, die er den rebellischen Fürsten von Lur und Jesd angedeihen liess. Efrasiab von Lur, der Sohn des unter der Regierung Abaka's und nachmalig erwähnten Atabegen Jusufschah, hatte unter der Regierung Arghun's, trotz der Gegenvorstellungen der Befehlshaber von Schiras, den Distrikt des Gebirges Kiluje, welches die Gränzscheide zwischen Fars und Lur, überfallen lassen. Er bemächtigte sich des festen Schlosses Mandschescht und setzte seinen Neffen Kisil über den neu erworbenen Gebirgsdistrikt. Kisil's eilf Brüder standen an der Spitze eben so vieler Heeresabtheilungen; es entstand zwischen dem Oheime und Neffen Streit über die Verwaltung des Berggebietes; Kisil, einigemal geschlagen, floh nach Schiras, kehrte dann aber wieder zurück, und schloss seinen Frieden mit dem Oheim; um denselben zu befestigen, verstand sich Efrasiab zur Hinrichtung seines Wesirs Dschelaleddin, und Entrichtung von Geldern. Als unmittelbar vor dem Tode Arghun's das Reich durch die Uneinigkeit der Emire und Arghun's schlaghaften Zustand in der grössten Verwirrung, benützte Kisil dieselbe zu einem Einfalle in Irak; er liess zu Issfahan die Verwandten des Emirs Dschelaleddin hinrichten, und der mongolische Vogt Baidu, der Schwager Taghadschar's ward durch die lurischen Reiter vor der Stadt getödtet. 8. Dschem. ewwel 690/ 9. Mai 1291 Kisil sandte seinen Bruder Salghurschah in dieselbe, und das Heer der Luren nahm unter dem Geschrei: Gott ist gross! davon Besitz. Salghurschah setzte sich in dem Hause Chodscha Behaeddin's auf den Thron, und die Münze von Schiras prägte auf den Namen Efrasiab's von Lur[746]; dann dehnte er seine Herrschaft von den Gränzen Hamadan's bis an's Meer von Fars aus, überall lurische Vögte ernennend. Dschelaleddin, den Sohn des Atabegen Tekele, und Melik Nussret sandte er mit zweitausend Pferden[747] wider den Toman Arghasun's; auf dem Marsche erhob sich zwischen Beiden Streit über den Vorrang des Marsches und sie zogen jeder auf seine Faust. Anfangs schlugen sie zwar die Mongolen und machten grosse Beute, aber diese kehrten zurück, und rächten die verlorene Beute durch die Niederlage der Luren; in diesem Treffen tödtete ein mongolisches Weib allein zehn Luren[748]. Endlich wurde Toladai wider die Luren, und Jisudar wider Jusufschah, den Atabeg von Jesd, gesandt, welche zu gleicher Zeit sich empört hatten. Toladai schlug die Luren und Efrasiab erhielt durch den Kanal der Frau Utruk und Padisch Chatun seine Verzeihung; nur Kisil und seine Angehörigen wurden hingerichtet.

Eroberung von Kalaaterrum; Bothschaft Tuktai's; Papiergeld.

Gleichzeitig mit der Dämpfung der Unruhen in Irak und Fars traf die Nachricht ein, dass Melik Eschref, der Sultan Aegyptens, Kalaaterrum am Uebergange des Euphrats belagere. 8. Dschem. sani 691/ 27. Mai 1292 Zwanzig Wurfmaschinen spieen durch drei und dreissig Tage Steine und Naftafeuer hinein; endlich ward die Stadt durch Sturm erobert, die Besatzung, welche aus Mongolen und Armeniern bestand, niedergehauen, zwölfhundert Einwohner mit Weibern und Kindern in die Sklaverei geschleppt[749]. 1. Redscheb 691/ 26. Juni Kalaaterrum, das Schloss der Römer, von diesen und den Griechen Zeugma, d. i. die Ueberfuhrt, genannt, das ober Bire, dem alten Birthe, am Flusse Merseban[750] liegt, war seit vier und zwanzig Jahren der Sitz des armenischen Patriarchen, dessen Pallast und Kirche bei der Einnahme in Flammen aufgingen. Sultan Eschref, welcher das Jahr vorher durch die Eroberung Akka's Syrien von den Kreuzfahrern gereinigt hatte, verwandelte den Namen des Römer- oder Griechenschlosses in den des Schlosses der Moslimin; aber der alte lebte dennoch fort, und hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Kendschatu vermählte sich jetzt mit der Frau Bulughan, der geliebten Gemahlin seines Vorfahrers und seines Bruders Arghun. Tekia oder Tetkaul starb in dem Pallaste Manssurije zu Arran und wurde nach Meragha bestattet. 3. Dsch. ewwel 692/ 11. April 1293 Von Meragha begab sich der Hof nach Siahkuh, wo ein Gesandter Kuwindschi's, des Sohnes Sertaktai's, des Zweitgebornen Dschudschi's, des Oberhauptes der weissen Horde, mit Versicherungen von Freiheit und Eintracht, 7. Schaaban 692/ 13. Juli 1293 und zwei Tage darnach die Gesandten Urugt Timur Aghul's, des Sohnes Kaidu's, des Enkels Ogotai's, mit dem Glückwunsche desselben, auch Gesandte von Emir Newrus, welcher in Chorasan die Regierung an sich gerissen. Zugleich mit diesen Gesandten der Uluse Dschudschi's und Ogotai's trafen die Gemahlinnen Kendschatu's, Aische aus Kleinasien und Baitmisch aus Diarbekr ein. 17. Schaaban 692/ 23. Juli 1293 Kerrai Aghul, der Sohn Mengku Timur's (des ältesten Sohnes Hulagu's) mit den Emiren Doladai und Kundschukbal, welche nach Chorasan gesendet worden, kehrten zurück. 12. Ramasan 692/ 16. Aug. 1293 Das Hoflager zog nach Audschan, von da nach Heschtrud, Meragha und Arran, wo überwintert ward. In diesem Winterquartier wurde die Geburt des zweiten Sohnes Kendschatu's, des Prinzen Iranschah, zu Bire gefeiert. 5. Rebiulewwel 693/ 24. Jan. 1294 Drei Tage hernach traf die Botschaft Tuktai's, des Herrschers von Kipdschak, ein, deren Vorsteher der Prinz Kalintai. Zu Delan Nawer wurde denselben Gehör gewährt. Nach drei Wochen wurden dieselben mit Ehrenbezeugungen entlassen, 8. Rebiulachir/ 8. März 1294 nachdem sie noch Tags vorher der Grundsteinlegung der neuen Stadt am Ufer des Kor beigewohnt, welche den Namen Kotlogh Baligh, d. i. der guten Balley, erhielt. 2. Dschem. ewwel 693/ 31. Mai 1294 Kerrai Aghul, welcher vor noch eilf Monaten aus Chorasan zurückgekehrt war, ging mit Tod ab, 7. Redscheb 693/ 3. Juni 1294 und neun Tage hierauf erschien Prinz Baidu im Hoflager zu Alatak, um seine Huldigung darzubringen; 16. Redscheb 693/ 12. Juni 1294 er ward ungnädig empfangen, und erhielt die Erlaubniss seiner Rückkehr nur auf die Fürbitte des Günstlings Burakin Ikadschi, dessen Einfluss, wie oben erzählt worden, dem Ssadreddin von Sendschan die Wesirsstelle verschafft hatte. Dieser wollte seiner Finanzverwaltung Ruhm verleihen durch eine neue, in China längst übliche, aber in Persien unerhörte Massregel, nämlich durch die Einführung des Papiergeldes, das auf mongolisch Tschaw heisst. Vergebens stellte Schiktur Nujan vor, dass diese Massregel der Ruin des Landes; er wurde aus dem Wege geräumt. Der Emir Akbuka, Taghadschar, der Wesir Ssadreddin und der Hofdiener Temachi verfügten sich nach Tebris, um dort das Papiergeld einzuführen; 19. Schaaban 693/ 15. Juli 1294 sie kamen dort im Fastenmonde an, und führten dasselbe fünf Wochen nach ihrer Ankunft vermöge einer Verordnung ein, welche dasselbe in allen Zahlungen an Geldes statt anzunehmen befahl und auf die Nichtannahme die Todesstrafe setzte. 10. Ramasan 693/ 12. Sept. 1294 Dieser den Bewohnern von Tebris unvergessliche unheilsame Tag war der zwölfte September[751]. Eine Woche lang ward dasselbe durch die Gewalt des Schwertes den Einwohnern aufgezwungen; bald aber stieg die Verwirrung auf's höchste, indem aller Handel und Wandel gehemmt ward. Der Namen desselben ward als gebenedeites Papiergeld[752] zum Spotte. Das Gepräge dieses Papiergeldes war das mohammedanische Glaubensbekenntniss mit der geheimnissvollen Formel: Irdschin Turdschin, und die Jahreszahl der Entstehung 693 (1294)[753]. Iseddin Mosaffer, welcher dem Wesir diesen Auftrag gegeben, war der Gegenstand der allgemeinen Verwünschung. Wiederholte Aufstände und Versuche, dem Wesir das Leben zu nehmen, erzwangen vom Bruder endlich die Erlaubniss, das Vorhandene um baares Geld verkaufen zu dürfen. Darüber entstand allgemeiner Jubel und endlich wurde die Aufhebung desselben nach ein Paar Monaten befohlen. Prinz Aghul in Chorasan hatte dasselbe nie angenommen und sich damit entschuldigt, dass die Luft, welche in Chorasan so scharf, dass Waffen binnen Jahresfrist rosteten, das Papier bald zerfressen haben würde, und liess das ihm zugeschickte verbrennen; wir setzen die Schilderung der Folgen dieser Massregel mit Wassaf's eigenen Worten hieher.

Verrath der Emire; Kendschatu's Ende; Baidu's Thronbesteigung.

Die Unzufriedenheit der Völker Persiens mit dem in Weichlichkeit und Wollust versunkenen Leben Kendschatu's ermuthigte den Prinzen Baidu, welchem vor ihm von den Emiren der Thron angetragen worden war, zum Versuche, denselben wirklich zu behaupten. Nachdem er bei seiner letzten Aufwartung von Kendschatu übel aufgenommen, nur durch die Fürbitte des Günstlings Burekdschin Ikadschi vorgekommen, beklagte er sich über solche Behandlung bei den Emiren, und als von diesen Tudadschu, der Oberrichter Dschidschek Gurgan Legsi, der Sohn Arghun's (des Statthalters) und Iltimur, der Sohn Hindukur Nujan's, nach Bagdad gekommen, verband er sich mit ihnen zum Aufstande wider Kendschatu. Dschemaleddin von Destadscherd, der Vorsteher der Sekretäre der Steuer zu Bagdad, schloss sich an dieselben an, und schaffte ihnen die für den Unterhalt des Heeres nothwendigen Lebensmittel. Baidu schickte Abgeordnete nach Bagdad, um den Mohammed Sikurdschi, welcher dort mit dem Diplome Kendschatu's die Vogtei verwaltete, zu tödten[754]. Ghurantai Gurgan, der Eidam Kendschatu's, Gemahl von dessen ältester Tochter Kotlogh, gab durch Eilboten dem Schwiegervater von der Verschwörung der Emire, und von dem, was zu Bagdad vorgefallen, Nachricht, und warnte ihn wider seine nächsten Umgebungen, die Emire Doladai Ordadschi, d. i. Kellermeister, Kundschukbal (welchem Oldschatai, die erstgeborene Tochter Arghun's, sowie seinem Bruder Ahmed früher Taghai, die zweite Tochter Abaka's, als Frau bestimmt gewesen), Tukal (der Gemahl Oldschai Timur's, der zweiten Tochter Arghun's), Ildschidai und Bukdai, als dieses Anschlages theilhaftig. Kendschatu berieth sich mit Akbuka, in dessen Händen noch immer die Zügel der obersten Leitung der Geschäfte, liess die genannten Emire ergreifen und schickte sie gebunden nach Tebris[755]. Hasan und Taidschu, die beiden mit der Leitung der Geschäfte Betrauten Kendschatu's stellten die Nothwendigkeit vor, durch die Hinrichtung der Emire das Uebel mit der Wurzel auszurotten; aber Taghadschar, der schon verderbliche Plane hegte, verhinderte die Hinrichtung und schickte sie als Gefangene nach Tebris in Verhaft, den Tukal ausgenommen, welcher nach Georgien geschickt ward. Von Arran aus gingen Gesandte an Baibuka, den Botschafter, nach Diarbekr, dass er dort den Baidu ergreife. Als die Gesandten nach Irbil gekommen, vernahmen sie, dass Baibuka von Baidu's Abgesandten aufgehoben worden sei; sie kehrten also schnell zurück, um diesen Unfall dem Herrn zu berichten. 28. Rebiulachir 694/ 17. März 1295 Hierauf wurden die Emire Akbuka und Taghadschar mit Truppen wider Baidu gesandt. Taitak führte den Vortrab von fünftausend Reitern nach Hamadan, ihm folgten Akbuka und Taghadschar mit zwei Tomanen. Ausser Hamadan trafen die Vorposten Taghadschar's und Baidu's aufeinander; die Baidu's wurden zurückgeschlagen. 3. Dschemasiulewwel 694/ 21. März 1295 Der Chan selbst brach mit einem Heere vom Thale Aher auf. Taghadschar, welcher, da Akbuka das höchste Vertrauen genoss, von Kendschatu sich abgewandt, sandte heimlicher Weise verrätherische Botschaft an Baidu, ihn zum Aufruhre ermunternd. Als das Heer am Ufer des Dschaghan stand, sagte Akbuka, wiewohl er von der heimlichen Sendung Taghadschar's keine Kunde hatte, zu diesem: Du bist ein Ränkeschmied, und gewahrest nicht, in welche Dinge du dich einlässest. Taghadschar, der sich verrathen glaubte, berieth sich in der Nacht mit seinen Emiren und ging zu Baidu über. Akbuka, als er sich auf diese Weise verlassen sah, eilte mit dreihundert Reitern zum Dienste des Schah. Kendschatu, bestürzt, wollte nach Rum entfliehen, aber seine Angehörigen redeten ihm diesen Plan aus, ihn zur Bekämpfung des Feindes ermuthigend. Das Lager brach gegen Arran auf; als er zu Pilsuwar stand, entfloh Hasan, der Sohn Buku's, welcher von der Wiege auf von den Umgebungen der Majestät, um Mitternacht zu Baidu, und die Emire Doladai und Kundschukbal, welche bisher zu Tebris in Verhaft gehalten worden waren, thaten desgleichen. Die Emire Irindschin und Taidschik verbanden sich mit einigen anderen, und setzten ebenfalls den Kifdschak, den Sohn Baidu's welcher vom Vater an Kendschatu gesandt, von diesem in Gewahrsam behalten worden war, in Freiheit und führten denselben dem Vater zu[756].

Hinrichtung der Emire; Austheilung der Statthalterschaften.

Drei Tage nach dem ersten Vorpostengefechte ausser Hamadan schlugen sich dort Taitak und Toghruldsche mit Baschmak Aghul und Karadscha, dieser einer der Prinzen des Lagers der Frau Uruk Chan und Eidam Sultan Ahmed Tekuder's, indem er dessen Tochter Sailun zur Frau hatte. 6. Dschem. ewwel 694/ 24. März 1295 Der Sieg war auf der Seite Taitaks; jetzt aber war Tukal mit einem in Georgien gesammelten Heere in Anzug; er sandte den aus der Haft befreiten, und den noch darin gehaltenen Emiren Wort, dass er zum Dienste des Prinzen Baidu heranziehe, und gab ihnen Stelldichein an den Ufern des Kur. Eine Truppe von tausend Mann, welche zu Pilsuwar stand und den Aufenthalt Kendschatu's kannte, ergriff denselben und lieferte ihn den empörten Emiren aus, die ihn am selben Tage tödteten, wo Taitak das Heer Baidu's geschlagen. 6. Dschem. ewwel 694/ 24. März 1295 Von den Günstlingen Kendschatu's wurden Itogthu und Itpuki mit ihm zugleich hingerichtet[757]. Itkuli, der Hundssklave, wurde an Baidu gesandt, damit er über denselben nach seinem Belieben verfüge; dieser schenkte ihm aber das Leben. Zwei Tage nach der Hinrichtung der Emire bestieg Baidu den Thron zu Audschan[758]. 8. Dschem. ewwel 694/ 26. März 1295 Die Emire Temadschi und Sertak wurden ihrem Gebieter in's Grab nachgesandt[759]; die Emire Akbuka und Taidschu wurden aber nicht jetzt, sondern erst in der Folge, als Baidu von Ghasan am Flusse Heschtrud geschlagen ward, hingerichtet. Kendschatu war der zweite Herrscher der Mongolen in Iran, welcher, wie sein Oheim Ahmed Tekuder, ein Opfer des Aufruhrs der Emire gefallen war, und das Regierungsende Arghun's, seines Bruders, war nicht weniger blutbefleckt durch der Emire Zwiespalt. Alle drei haben der nöthigen Herrscherkraft, um das vielköpfige Ungethüm der Emirenherrschaft im Zaum zu halten, ermangelt, und nach Hulagu und Abaka war erst Ghasan, der Enkel des letzten, wieder Herrscher im vollsten Sinne des Wortes. Von dem Zusammenflusse des Kur (Cyrus) und des Dschaghantu, d. i. des weisschäumenden Araxes, wurden Eilboten abgesandt an Ghasan, den Neffen Kendschatu's in Chorasan, um ihm von dem Vorgefallenen Nachricht zu geben, an Baidu, um ihn auf den Thron zu berufen. Baidu, der nähere, welchem der Thron schon vor Kendschatu von den Emiren zugedacht worden, bestieg denselben 19. Dschem. ewwel 694/ 6. April 1295 und erliess in alle Länder Kündigungschreiben des Inhaltes: „Da Kendschatu sich von den Pflichten der Herrschaft abgewandt und die Gebote Tschengischan's verbannt, so haben Wir ihn mit Uebereinstimmung der Prinzen und Prinzessinnen entthront; die Besorgung aller Geschäfte der Länder und die Vollendung der wichtigsten Geschäfte der Unterthanen liegt nun im Ringe des königlichen Willens.“ Dem Taghadschar, welcher der Hebel der Erhebung auf den Thron, wurde die Würde des Fürsten der Fürsten mit dem Oberbefehle des Heeres und der Finanzen verliehen[760]. Die Emire Kundschukbal, Tukal, Tudadschu, Legsi Gurgan wurden ihm untergeben. Dschemaleddin von Destadscherd, der Steuereinnehmer von Bagdad, welcher sich dort den verschworenen Prinzen zuerst angeschlossen, erhielt eine Anstellung in den Finanzen, und nahm seinen Vornamen für eine gute Vorbedeutung. In die Fusstapfen Abakachan's tretend, welcher alle Landschaften einzelnen Emiren übergeben, und diese dafür verantwortlich gemacht hatte, übertrug er Bagdad und die Umgegend dem Tudadschu; Rum und Diarbekr mit den dazu gehörigen Distrikten dem Taghadschar Nujan; die Gebiete von Irak und Lur dem Toladai Aidadschi; die Statthalterschaft von Schiras und Schebankjare verlieh er dem Kundschukbal; dem Dschemaleddin wurden die Statthalterschaften von Schiras mit allem Zubehör zu Land und zur See, wie zur Zeit Kendschatu's, mittels Jerlighs, Paise und Kaftans, d. i. mittels Patentes, Löwenkopfs und Ehrenkleides, so auch der Prinzessin Kurdudschin die Statthalterschaft von Kerman bestätigt, von welcher unter der folgenden Regierung ausführlicher zu sprechen, der Ort seyn wird; die nur acht Monate dauernde Baidu's ist so enge mit den gleichzeitigen Thronansprüchen seines Nachfolgers Ghasan verflochten und ist, die entscheidenden Begebenheiten in Chorasan abgerechnet, so unbedeutend, dass dieselbe am besten mit der Erzählung der Geschichte Ghasan's vor seiner Thronbesteigung im folgenden Buche verwebt wird.

Notes in this chapter

Note 1 · Reschideddin nennt die sieben: Taghadschar, Kundschukbal, Doladai, Aidadschi, Sultan Aidadschi, Tughan, Dschuschi, Ordukap.Note 2 · Reschideddin.Note 3 · mit den Prinzen: Huladschu, Karankai, Konghschir, Togai Timur, Anberdschin; mit den Emiren: Uruk, Kurmischi, Temdui, Madschu, Toglok KarawinNote 4 · Kujun Kumischi. Wassaf.Note 5 · Madschu, Toghlok, Aschak Toghli, Serwana, Nochschi, Tuschkina, Hosameddin von Kaswin, Emir Ali Melik der Temghadschi von Tebris. Wassaf.Note 6 · Hist. des Orpeliens in S. Martin. mém. II. p. 171.Note 7 · Baitmisch Kuschdschi, Tamudai Aktadschi, Schadi, Sohn Buka's.Note 8 · Abadschi, Melik, Teichan Timur, Kotlogh Timur.Note 9 · Jatmisch Kuschdschi, Gharbetai Gurgan, Burdschu, der Sohn Duriai's, Boghdai, Arkasun Nujan.Note 10 · Mocherofago, bei Cassiri.Note 11 · Reschideddin.Note 12 · in d'Ohsson IV. 39. irrig fils du Vezir Schemseddin.Note 13 · Reschideddin.Note 14 · Wassaf.Note 15 · Wassaf nennt Schemseddewlet und Iseddin Mosaffer, und Reschideddin den Dschelaleddin Serwistani.Note 16 · Asshabi Buluk.Note 17 · Bitekdschi.Note 18 · Fachreddin Mubarekschah, Medschdeddin Rumi, Schemseddin Huseini; Wassaf und Reschideddin.Note 19 · Scharfsichtiger als Ajas, feiner als Kais Ben Soheir, als Moghairet B. Schaabet, als Amru Bel el aass; Wassaf.Note 20 · K. Kjatib, d. i. der Schreiber, Sch, d. i. Schaair, Dichter, Dschim, d. i. Munedschim, d. i. Astronom, Mim, d. i. Musik; Kamus; das Wort undNote 21 · Wassaf in dem Hauptstücke der Verwaltung von Schiras.Note 22 · Wassaf.Note 23 · Haithonis hist. C. 38.Note 24 · Unter den Todten: Burultai und Kadai, Emire von Tausenden, und der Bruder Jenitsche's; unter den Gefangenen: Huriktai, der grosse Emir.Note 25 · Reschideddin.Note 26 · Dschihannuma S. 297.Note 27 · Dschih. S. 426.Note 28 · Dschih. S. 341.Note 29 · M. Kinneir's geographic mem. on the persian Empire p. 84.Note 30 · Die Emire Taghadschar, Kundschukbal, Tewekkul Toghan.Note 31 · Im Schedschretol Etrak ward Seaadeddewlet am letzten Ssafer des J. 690 hingerichtet und Arghun starb drei Tage hernach, am 3. Rebiulewwel.Note 32 · Dschihannuma S. 297; im Schedschretol Etrak S. 265 im Berge Sobeir(?) nächst der Grabstätte des Propheten Kyde(?).Note 33 · d'Ohsson III. 612. nach Makrisi.Note 34 · d'Ohsson p. 616.Note 35 · Bei Odoric Raynald IV. p. 41 et 42. Elegag und Tuctan; d'Ohsson IV. 99. meint, unter der letzten sei Tuktan, die Wittwe Abaka's, Mutter KendNote 36 · Die Tochter Sarudsche's, die Schwester des Emirs Irindschin, des Keraiten, die Urenkelin Owang's.Note 37 · Bei Odericus Casian und Saron; da Arghun nur vier Söhne hatte und über Chodabende und Ghasan kein Zweifel obwalten kann, so fragt sich nur, Note 38 · Nach dem Schedschretol Etrak und anderen Kendschatu; bei Haithon Cap. XXXIX heist er Regayto, was augenscheinlich eine Verstümmelung von KeiNote 39 · durch Kutla Kokultasch. Wassaf.Note 40 · Tamerbugha, Saji Ebdschi, Konan Achtadschi.Note 41 · Sati, Kuman, Tudadschu.Note 42 · Koildagh ist ein Schreibfehler.Note 43 · den Taghadschar's dem Baidschu Tetkaul, den Kundschukbal's dem Schiktur Nujan. Wassaf.Note 44 · Wassaf und Reschideddin.Note 45 · Reschideddin.Note 46 · Wassaf.Note 47 · nullam habebat legem vel fidem. Haithon C. 39.Note 48 · Wassaf dem grossen Ssahib; Fraser übersetzt in seinem Kuzulbasch diesen Ehrentitel mit Sir, Gentlemen, Eltschi Ssahib, d. i. Heergesandter.Note 49 · Kisil mit seinen Brüdern Nussret und Ali Melik. Wassaf.Note 50 · Wassaf.Note 51 · Güside.Note 52 · Wassaf.Note 53 · D'Ohsson IV. 88 nach Makrisi und Noweiri, dann Reschideddin und Wassaf.Note 54 · Dschihannuma. S. 598.Note 55 · S. Beilage IV.Note 56 · Tschawi mubarek.Note 57 · Sobald es angekommen, sei es angenommen. Wassaf giebt die Formel für chinesisch an, sie ist aber alttürkisch und würde auf neutürkisch: irdüNote 58 · Schedschretol Etrak, S. 268, statt Sikurdschi Skukurchee; jenes heisst Speerhalter, dieses Zuckerbäcker.Note 59 · Reschideddin nach Wassaf giebt die Verhaftung der Emire Idar, Kundschukbal, Toladai, Tukjal, Ildschai zu Kjawabari. Schedschretol Etrak, S. Note 60 · Reschideddin.Note 61 · Nach dem Schedschretol Etrak, S. 270, ward er zu Karabagh begraben.Note 62 · Schedschretol Etrak, S. 270.Note 63 · Wassaf.Note 64 · Wassaf.
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