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Der Weltverkehr

II. Weltpost. (continued 3)

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Seitdem in Deutschland auch die von der Privatindustrie hergestellten Postkarten verwendet werden dürfen, ist den Korrespondenten das denkbar größte Maß von Bequemlichkeit gewährt. In allen größeren Städten stehen gegenwärtig in bedeutenderen Papiergeschäften Postkarten zum Verkaufe, die auf ihrer Rückseite die Mitteilungen für ganz bestimmte Zwecke gleich vorgedruckt enthalten und von den Absendern nur noch mit der Aufschrift zu versehen sind.

Wenn auch vielen der erwähnten Karten eine tiefere Bedeutung nicht zuzumessen ist, so zeigt doch, neben dem wahrhaft riesigen Verbrauch der gewöhnlichen Karten, ihr Vorhandensein und ihre immerhin nicht unbedeutende Benutzung ebenfalls, wie sehr die Postkarte beliebt geworden, und wie die Erwartungen, welche der Erfinder der Postkarte in seiner Denkschrift an sie knüpfte, sich nicht allein erfüllt haben, sondern in Wirklichkeit noch übertroffen wurden.

Von Nachteil ist der massenhafte Verbrauch von Postkarten nur für die Kunst der „Briefstellerei“; wird sie doch schon jetzt als eine verlorene Kunst beklagt.

Zum Schlusse sei noch erwähnt, wie in den ersten Monaten nach Einführung der Postkarte dieselbe zu tausenderlei üblen und losen Streichen benutzt wurde. Besonders zeigte sich das muntere und lebenslustige Wien anfangs unerschöpflich in der Ausbildung des neuen Genres der „Korrespondenzkarten-Witze“.

4. Die Zeitungen[109]. Zeitungen kennt bereits das Altertum. Das erste Bild einer solchen haben wir in den römischen Annales maximi, und der Urvater aller Journalisten ist der Pontifex maximus. Nicht lange nach Gründung der Stadt Rom nämlich, wahrscheinlich unter Numa, wurde es dem Oberpriester zur Pflicht gemacht, die Chronik, welche er zu führen verbunden war, auf eherne Tafeln zu schreiben und öffentlich auszustellen, so daß jeder aus dem Volke sich über das kürzlich Vorgefallene regelmäßige, vielleicht wöchentliche Kunde einholen konnte, und nicht bloß das Geschehene allein gelangte auf diese Weise zur Veröffentlichung, auch Bestimmungen der Regierung wurden angeschlagen, so daß die annales maximi auch den Charakter einer offiziellen Zeitung an sich trugen.

Wohl durch vier bis fünf Jahrhunderte blieb die ursprüngliche Form unverändert, bis endlich die Abfassung dieser Zeitung mit dem Oberpriester P. Mucius ein Ende nahm und dieselbe durch ein Tageblatt, die Acta populi romani diurna, ersetzt wurde, denen sich unter Cäsar noch die Acta senatus zugesellten.

Das Volk wurde jetzt von den täglichen Vorgängen, namentlich von allen wichtigen Beratungen und Beschlüssen des Senates, in Kenntnis gesetzt, und so sehen wir tatsächlich zu Anfang unserer Zeitrechnung Rom im Besitze von zwei eminent politischen Zeitungen.

Mit dem Eintritt der Kaiserzeit verschmolzen die bisher bestehenden zwei Zeitungen in eine Staatszeitung. Leider blieb uns kein Exemplar derselben erhalten, doch sind wir durch ihr entnommene Anführungen gleichzeitiger Schriftsteller über deren Inhalt genügend unterrichtet. Die Kriegsnachrichten fehlten z. B. niemals. Die Schlachten und Erstürmungen eingenommener Plätze waren ausführlich gegeben. Gladiatorenkämpfe, wunderbare Naturerscheinungen, Volksfeste fanden darin ihre Beschreibung. Der größte Teil der Staatszeitung war aber mit Hofnachrichten gefüllt; Feste und Ceremonien ebenso, wie die Reisen des Kaisers waren ausführlich geschildert, sein Lob und Preis passenden und unpassenden Orts angebracht. Auch das Inseratenwesen scheint schon bestanden zu haben; denn die Staatszeitung veröffentlichte nicht nur die öffentlichen Versteigerungen und Bauunternehmungen, sondern auch Privatmitteilungen von Sterbefällen, Hochzeitsanzeigen u. s. w. Im wesentlichen stimmte demnach die römische Staatszeitung mit unseren heutigen Blättern überein.

Mit dem Verfalle Roms verfiel auch das Zeitungswesen, und unter den Trümmerhaufen, in welche die wiederholten Einfälle unserer Vorfahren die Stadt verwandelten, wurde und blieb das Zeitungswesen begraben.

Ein schwacher Wiederschein desselben glänzte indes noch einige Zeit hindurch am Hofe von Byzanz, wo sich die Schmeichelei der Höflinge in den Breviaria principum und Registra scribarum ablagerte. Aber auch dieses letzte Aufflackern des Lebensgeistes der Zeitung erlosch, als jene furchtbare Zeit über Europa hereinbrach, die für Jahrhunderte den Boden aller Länder mit Blut tränkte, überall die Schrecken des Krieges und Mordes, der Verwüstung und Zerstörung verbreitete und alle Völker aus ihren Wohnsitzen vertrieb.

Zu einer Neubelebung des Zeitungswesens kam es erst wieder mit der Erfindung der Buchdruckerkunst. Bis auf diese Zeit waren wie im Altertum heimkehrende Krieger oder länderdurchziehende Sänger die Neuigkeitsträger.

Was nun die Anfänge unseres Zeitungswesens betrifft, so haben wir diese in den brieflichen Mitteilungen zu suchen, welche die größeren Kaufleute Augsburgs, Nürnbergs, Hamburgs und anderer Städte durch festbesoldete Korrespondenten von den bedeutendsten auswärtigen Plätzen sich zusenden ließen. Diese Briefe enthielten nämlich nicht bloß Geschäftliches, sondern es waren ihnen auf besonderen Blättern auch politische Nachrichten beigefügt. Die letzteren wurden bald auch gedruckt und als fliegende Blätter in weiteren Kreisen verbreitet. Das älteste derartige bis jetzt bekannte Flugblatt stammt aus dem Jahre 1493. Diese unregelmäßig gemachten Mitteilungen befriedigten indes nicht lange. Die durch die Reformation in Deutschland hervorgerufenen Ereignisse haben das Bedürfnis nach regelmäßig und öfters erscheinenden Blättern geweckt und so deren Entstehung veranlaßt. Die älteste, in regelmäßigen Fristen herausgegebene Zeitung in deutscher Sprache ist 1609 in Straßburg i. E. erschienen[110]. Ihr Titel lautet wie folgt:

„Relation aller Fürnemmen und gedenkwürdigen Historien, so sich hin und wider in Hoch und Nieder Teutschland, auch in Frankreich, Italien, Schott und Engelland, Hispanien, Hungarn, Polen, Siebenbürgen, Wallachey, Moldaw, Türkey etc. Inn diesem 1609. Jahr verlauffen und zutragen möchten. Alles auff das trewlichst, wie ich solche bekommen und zu wegen bringen mag, in Truck verfertigen will.“

Als zweitälteste deutsche Zeitung ist die von Egenolf Emmel 1615 herausgegebene Frankfurter Zeitung zu betrachten. Die drittälteste Zeitung Deutschlands begründete 1617 der Frankfurter Postmeister von den Birghden. In demselben Jahre erschienen noch eine Zeitung in Berlin und die „Frankfurter Postavisen“. Aus dem Jahre 1618 stammt der „Fuldaische Postreiter“. Die älteste Zeitung, die in Nürnberg erschienen und uns erhalten ist, trägt die Jahreszahl 1620, und die erste Zeitung, die von Hamburg ausgegangen, gehört in das Jahr 1631. In Wien sollen gleichfalls schon frühe Zeitungen entstanden sein, doch datieren die aus frühester Zeit noch erhaltenen Zeitungsexemplare erst aus dem dritten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts. Die ersten Zeitungen in München wurden wohl 1628, beziehungsweise 1629 ausgegeben; sie heißen „Wöchentliche Ordinari-Zeitungen“, beziehungsweise „Ordentliche Wochentliche Postzeitungen“. Auch in Köln gab es im Jahre 1636 eine Zeitung, die den Titel führte: „Wochentliche Postzeitungen“.

Die bis jetzt angeführten Zeitungen waren nur Wochenblätter. Die erste täglich erscheinende Zeitung kam 1660 in Leipzig zur Ausgabe. Der Titel der ersten Nummer ist folgender: „Erster Jahr Gang der Täglich neu umlauffenden Kriegs- und Welthändel oder zusammengetragene unparteyliche Nouvelles Wie sich die Im Jahr 1660 in und außer der Christenhait begeben und Von Tagen zu Tagen in Leipzig schriftlich einkommen In guter Ordnung und einem vornemlichen Stilo nebst einem Register unter Churfl. Durchl. zu Sachsen gnädigsten Freiheit also colligirt von Thimotheo Hitzschen. Lips. Not. P. C.“

Was das Erscheinen von Zeitungen außer Deutschland betrifft, so wurden solche zuerst zu Venedig seit 1536 als handschriftliche Notizen, notizie scritte, herausgegeben, und zwar aus Anlaß des Krieges dieser Republik mit der Türkei. Gegen Zahlung einer Gazzetta[111], einer Scheidemünze, konnten diese Blätter an öffentlichen Orten gelesen werden. In London erschienen auf Befehl Lord Burleighs beim Herannahen der Armada (1588) die ersten Zeitungen. Die erste regelmäßige wöchentliche Zeitung aber kam in England erst seit 1622 zur Ausgabe. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts erschienen in England: Die Londoner Post, das Paketboot aus Holland, die fliegende Post, der alte Postmeister, der Postillon, der Postreiter. Diese Namen beweisen zugleich, in welch engem Zusammenhang das Zeitungswesen und die Post von Anfang an gestanden. In der That konnte ja eine Zeitung überhaupt erst regelmäßig erscheinen, seit es regelmäßige Postverbindungen gab und Nachrichten aus den verschiedenen Orten zu bestimmten Zeitpunkten eintrafen. Die enge Verbindung von Post und Zeitungswesen zeigt sich übrigens auch darin, daß Postmeister vielfach als Herausgeber von Zeitungen auftraten, so z. B. der schon erwähnte Postmeister von den Birghden in Frankfurt; ja der Name Postmeister wird sogar ganz gleichbedeutend mit „Zeitungsschreiber“ gebraucht, so in Stielers Abhandlung „Zeitungslust und Nutz“ (1695). In Frankreich kennt man die ersten Blätter erst seit 1621.

Als die älteste gedruckte und regelmäßig ausgegebene Zeitung gilt die in Peking noch jetzt erscheinende Staatszeitung Sin-Pao (Neue Nachrichten).

Nach Mulhall[112] erschien die erste Zeitung

im Jahre

in Großbritannien 1622

„ Skandinavien 1644

„ Spanien 1704

„ Rußland 1714

„ Holland 1757

„ Belgien 1764

„ der Union 1704

„ Spanisch-Amerika 1728

„ Westindien 1731

„ Canada 1765

„ Brasilien 1780

„ Indien 1781

„ der Türkei 1797

„ Australien 1803

„ Afrika 1824

auf den Sandwich-Inseln 1835

In neuester Zeit hat das Zeitungswesen einen ganz außerordentlichen Aufschwung genommen. Für Deutschland läßt sich dies aus nachstehender Übersicht über die in die Zeitungspreisliste der deutschen Reichspost aufgenommenen Zeitungen und Zeitschriften entnehmen.

Jahr. Gesamtzahl der aufgenommenen Zeitungen. Zunahme in Prozenten. Von der Gesamtzahl der Zeitungen erschienen

in den Ländern des jetzigen Reichs- postgebietes. in Bayern u. Württem- berg. in anderen Ländern.

1823 474 — 243 41 190

1833 1159 140 646 67 446

1843 1310 13 788 71 451

1853 1751 34 1074 100 577

1863 2763 58 1642 148 973

1873 5579 102 2730 511 2338

1883 8529 53 4192 730 3607

1885 8925 — — — —

1873 wurden im deutschen Reichspostgebiete durch die Postanstalten 248154482 Zeitungsnummern vertrieben. Für das Jahr 1884 stellt sich dieser Verkehr nach der Berner Statistik auf über 489 Mill. Nummern.

Das bedeutendste Postzeitungsamt der Welt ist das von Berlin. Es werden durch dasselbe jährlich über 90 Millionen Zeitungsexemplare expediert. Der tägliche Versand beläuft sich auf 244000 Nummern, welche täglich an 4721 Postanstalten in 10566 Paketen mittels 448 Zeitungssäcken auf 46 Postfahrzeugen zur Eisenbahn befördert werden[113].

Die journalistisch produktivste Stadt der Welt ist in absoluter wie relativer Hinsicht Paris. Hier werden über 1500 Journale gedruckt, und auf 1000 Einwohner entfallen über 600 Exemplare.

Die Zahl der dermalen auf der Erde erscheinenden Zeitungen und Zeitschriften wird auf rund 40000 geschätzt. Nach Erdteilen und Ländern verteilt, kommen in runder Summe auf

Europa 20000

Deutschland 5500

England 4000

Frankreich 4000

Italien 1500

Österreich-Ungarn 1200

Spanien 850

Rußland 800

Amerika 13600

Vereinigte Staaten 12900

Britisch Nordamerika 700

Asien 3000

Japan 2000

Australien 700

Afrika 200

Das zeitungsreichste Land der Erde ist hiernach die Union; ihr kommt zunächst Deutschland.

Ordnet man sämtliche auf der Erde erscheinenden Zeitungen nach den Sprachen, so finden wir in erster Reihe 16500 englische Publikationen, sodann 7800 deutsche, 6850 französische, 1600 spanische.

Das verbreitetste Blatt der Welt ist „Le petit Journal“ in Paris. Nach dem Rechenschaftsbericht der Gesellschaft für 1885 beträgt die Auflage 825000 Exemplare; gegenwärtig wird die Zeitung sogar in 886000 Nummern gedruckt, und an manchen Tagen erreicht die Auflage die Ziffer von einer Million. Die Aktionäre empfingen pro 1885 17% Dividende. Dann folgen nach der Zahl der Abonnenten zwei englische Zeitungen: „Daily Telegraph“ mit 265000 und „Standard“ mit 250000 Abonnenten. Letzteres Blatt zählt jedenfalls auch zu den bestrentierenden; denn pro 1883 soll es volle 100000 Pfd. St., also rund 2 Mill. M. Reingewinn abgeworfen haben. Der New-Yorker „Herald“ hat eine Auflage von 190000 Exemplaren.

Von den deutschen Zeitschriften werden gedruckt die „Modezeitung“ in 344000, die „Gartenlaube“ in 260000, „Über Land und Meer“ in 150000, „Der Bazar“ in 100000, „Daheim“ in 90000, die „Illustrierte Welt“ in 107000, „Schorers Familienblatt“ in 75000, „Vom Fels zum Meer“ in 60000 Exemplaren; auch humoristische Blätter brachten es auf eine hohe Zahl von Abonnenten: „Ulk“ auf 80000, „Fliegende Blätter“ auf 52000, „Kladderadatsch“ auf 40000.

Die nördlichste Zeitung der Erde erscheint in Hammerfest, 70° 63′ n. Br. — der „Hammerfestposten“, — und die südlichste in Dunedin auf Neuseeland, 45° s. Br. — „The Otago Daily“. In Kokomo bei Leadville (Staat Colorado) aber, 11860′ hoch, wird die höchste Zeitung gedruckt; sie trägt deshalb mit Stolz die Bemerkung an ihrem Kopf: „Published at a higher altitude then any other paper.“

Anhang. Die finanziellen Ergebnisse des Postbetriebs

in den wichtigsten europäischen und außereuropäischen Staaten im Jahre 1884[114].

Länder. Einnahmen in Franken. Ausgaben in Franken. Mehr-Einn. in Franken. Minder-Einn. in Franken.

Belgien 13913034.35 9160813.73 4752220.62 —

Dänemark 5991960.76 5422095.30 569865.46 —

Deutschland 233466422.14 200057079.26 33409342.88 —

Frankreich 162532411.15 134695101.30 27837309.85 —

Großbritannien und Irland 197660150.— 132930325.— 64729825.— —

Italien — — — —

Niederlande 11368766.89 8692847.93 2675918.96 —

Norwegen 2951155.24 3026378.01 — 75222.77

Österreich 61873153.— 51024270.— 10848883.— —

Portugal 3442379.39 3481051.80 — 38672.41

Rumänien 3981098.25 3268708.31 712389.94 —

Rußland 64470416.— 69938864.— — 5468448.—

Schweden 8708900.— 7724100.— 984800.— —

Schweiz 17329455.96 15808293.38 1521162.58 —

Spanien — — — —

Ungarn 21107567.30 16486731.42 4620835.88 —

Vereinigte Staaten v. Amerika 228235749.37 249031986.72 — 20796237.35

Canada 11653706.90 14656939.— — 3003232.10

Brasilien 4330021.35 17288575.69 — 12958554.34

Argentinien 2904154.65 3382296.20 — 478141.55

Chile 1942122.50 1884900.10 — 38672.41

Britisch-Indien 26193000.— 26173625.— 19375.— —

Niederländisch- Indien 1650950.84 4261522.09 — 2610571.25

Ägypten 2743262.64 2176442.10 566820.54 —

Algier und Tunis 3661613.18 4136669.06 — 475055.88

Notes in this chapter

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