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Der Weltverkehr

II. Weltpost. (continued 2)

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Illustration from Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt

Fig. 38. Ballon des Marquis d’Arlandes.

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Fig. 39. Luftschiff Blanchards.

Eine gefährliche, aber überaus glückliche Fahrt machte am 7. Januar 1785 Blanchard, indem er in 2½ Stunden von Dover nach Calais überflog. Der Luftschiffer würde wohl diese gefahrvolle Fahrt nicht unternommen haben, wenn er nicht geglaubt hätte, durch Anbringung eines Ruders den Ballon nach Willkür lenken zu können. Das war freilich ein völliger Irrtum; allein der Nordwestwind glich die Folgen dieses Irrtums glücklich aus, und der Luftschiffer kam, wie er verheißen, wirklich nach Calais. Dieser Erfolg erregte ein ungeheures Aufsehen, und man glaubte sich schon der Lösung des Problems nahegerückt, als Pilâtre de Rozier, derselbe junge Mann, welcher die erste Luftreise gemacht hatte, am 15. Juni 1785 bei seinem Versuch, von Boulogne aus den Kanal zu überschreiten, verunglückte. Er und sein Genosse Romain waren kaum eine Viertelstunde von Boulogne entfernt, als man plötzlich eine große blaue Flamme an dem Ballon züngeln und den ganzen Apparat in einem Augenblick in Flammen aufgehen sah. Beide stürzten aus einer Höhe von 3000 Fuß zerschmettert auf die Klippen des Ufers nieder. Ein weiterer Märtyrer war der italienische Graf Zambeccari. Am 7. Oktober 1803 fiel er, von Bologna aufgestiegen, mit seinem Ballon ins Adriatische Meer, trieb längere Zeit darin umher und wurde schließlich von einem englischen Fahrzeuge noch glücklich aufgefischt. Unentmutigt führte er dann mehrere Jahre hintereinander eine Reihe von glücklichen Luftfahrten aus, bis im Jahre 1812 sein Apparat in der Luft in Flammen aufging, wobei der mutige Mann leider den Tod fand.

Die zahlreichen, zum Teil mit großer Waghalsigkeit ausgeführten Luftfahrten zeigten, daß mit dem Ballon sehr wohl auch größere Entfernungen zurückgelegt werden könnten; zugleich brach sich aber auch die Überzeugung Bahn, daß eine Verwendung der Luftschiffahrt für Beförderungszwecke erst dann möglich sei, wenn es gelungen, den Luftschiffen eine bestimmte Richtung zu geben, d. h. sie gleich den Schiffen im Meere lenkbar zu machen.

Die gänzliche Fruchtlosigkeit aller in dieser Richtung unternommenen Versuche machte im Laufe des 19. Jahrhunderts die Begeisterung für die neue Erfindung etwas erkalten, und bald beschränkte sich die Benützung des Ballons im wesentlichen auf wissenschaftliche Zwecke, denen einzelne Versuche sich hinzugesellten, den Luftballon für die Kriegführung zu verwenden.

Die wissenschaftlichen Ballonfahrten haben nicht nur dazu gedient, die über die Beschaffenheit der Luft bereits auf anderem Wege gewonnenen Kenntnisse zu bestätigen, sie haben dieselben auch in mancher Hinsicht bereichert. So haben die Luftschiffer die Abnahme des Druckes und der Dichtigkeit der Luft bestimmt; Sie haben ferner Gelegenheit gehabt, zu beobachten, wie die Gestirne mit zunehmender Verdünnung der Luft immer heller erglänzen, und wie an Stelle unseres heitern Blau ein immer tieferes Schwarz des Himmels tritt. Durch die Luftschiffahrt ist uns außerdem bekannt geworden, daß in unseren oberen Regionen der Atmosphäre auch im Sommer sibirische Kälte herrscht, und neuestens hat man die Wahrnehmung gemacht, daß in jenen Höhen der menschliche Körper in hohem Grade elektrisch wird, so sehr, daß er Funken sprüht. Nach der Aussage einiger Gewährsmänner kann die Spannung der Elektricität sogar einen fast unerträglichen Druck erzeugen, weshalb es nicht unwahrscheinlich ist, daß so manche der Katastrophen, mit welchen die Luftfahrten noch in jüngster Zeit leider so häufig geendet haben, zum Teil auf dieses elektrische Phänomen zurückzuführen sind.

Unter den zu wissenschaftlichen Zwecken gewagten Luftfahrten sind die bedeutendsten die beiden von Biot und Gay-Lussac im Auftrage der Pariser Akademie im Jahre 1804 unternommenen und aus neuester Zeit diejenigen des englischen Naturforschers Glaisher, der sich rühmen darf, unter allen Sterblichen sich am weitesten von der Erde entfernt zu haben. Die von ihm erreichte Höhe von 11277 m übersteigt nämlich die des höchsten Berges der Erde noch um rund 2500 m. Diese letztgenannte Höhe erreichte Glaisher bei einer mit dem Luftschiffer Coxwell im Jahre 1863 ausgeführten Fahrt, aber freilich erst, als er bereits das Bewußtsein verloren hatte, und als Coxwell, dessen Hände von der Kälte schon ganz schwarz und gebrauchsunfähig waren, das Ventil nur eben noch mit den Zähnen öffnen konnte, um den Ballon schleunigst sinken zu machen.

Zu Kriegszwecken fand der Ballon zuerst Verwendung in der Schlacht von Fleurus (1794); auch bei der Belagerung von Charleroi leistete er Dienste. 1794 errichtete man sogar zu Meudon eine militärisch-aëronautische Schule. Napoleon aber, dem dieselbe keine greifbaren Resultate lieferte, löste sie auf. Bei der Belagerung Venedigs durch die Österreicher (1849) wurden die Ballons wiederum in Anwendung gebracht, doch ohne günstigen Erfolg. Bei Solferino (1859) sollte mit einem Ballon rekognosziert werden; er traf aber, infolge einer Verzögerung auf dem Transport, zu spät auf dem Schlachtfeld ein. Seitens der großen Militärmächte wurde mehr und mehr der Sache Aufmerksamkeit geschenkt, besonders seitdem der letzte entscheidende Schlag des amerikanischen Bürgerkrieges, die Eroberung von Richmond im Jahre 1862, dem General Mac Clellan hauptsächlich durch die mehrfachen Rekognoszierungen und Aufnahmen mittels des Ballons gelang. Nicht zu unterschätzende Dienste haben die Ballons bekanntlich in dem großen Kriege der Jahre 1870 und 1871 bei der Belagerung von Paris geleistet. Im ganzen sind durch die von dem Generalpostdirektor Rampont mit großem Geschick und unermüdlicher Energie organisierte Pariser Ballonpost während der Belagerung 91 Passagiere, 363 Brieftauben und 2½ Millionen Briefe befördert worden. Die Zahl der vom 23. September 1870 bis 28. Januar 1871 abgelassenen Ballons betrug 65. Davon gerieten fünf in die Hände der Sieger, vier gingen in Belgien, drei in Holland, zwei in Deutschland und einer in Norwegen nieder. Nur zwei sind spurlos verschwunden.

Die merkwürdigste Reise, die übrigens zugleich den Beweis lieferte, welch ungeheure Geschwindigkeit mit der Luftschiffahrt erzielt werden kann, machte der nach Norwegen verschlagene Ballon. Derselbe hatte eine Strecke von nahezu 1400 km in 15 Stunden zurückgelegt, d. i. fast die doppelte Schnelligkeit eines Kurierzuges — sicherlich ein mehr als genügender Beweis, daß man mit dem Luftschiff sehr wohl große Entfernungen zurücklegen und zugleich eine Geschwindigkeit erzielen kann, wie mit keinem der bis jetzt benützten Transportmittel. Mit der bisher im Ballon erreichten größten Geschwindigkeit von 20 Meilen in der Stunde würde man eine Luftreise um die Erde in 11 Tagen zurücklegen können.

Was uns vor allem noch von dem Glücke trennt, unseren weit vorgeschrittenen Verkehrsmitteln auch den ungehemmten Flug über Land und Meer hoch im reinen Äther zugesellt zu sehen, das ist die Unlenkbarkeit des Luftschiffes. Den Kernpunkt der Frage, Herstellung eines leistungsfähigen Motors von verhältnismäßig geringem Gewicht, hat man längst erkannt, und unermüdlich streben Wissenschaft und Technik nach Lösung dieses Problems.

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Fig. 40. Henri Giffards lenkbarer Luftballon mit zweiflügeliger Schiffsschraube und Dampfmaschine.

Den ersten diesbezüglichen Versuch machte der französische Ingenieur Henry Giffard (1852); dann unternahmen solche der französische Marine-Ingenieur und Akademiker Dupuy de Lôme (1872), der Ingenieur Paul Hänlein aus Mainz (1872) und die Gebrüder Tissandier in Paris (1883). Letztere benutzten bereits elektrische Motoren. Die bedeutsamsten und erfolgreichsten Versuche wurden in neuester Zeit von den französischen Offizieren Charles Renard und A. Krebs ausgeführt.

Dieselben fuhren am 9. August 1884 in einem nach ihrer Erfindung erbauten, mit einer sehr leichten elektro-dynamischen Maschine versehenen Luftschiffe in Meudon auf und langten nach Zurücklegung eines von vornherein bestimmten Weges wieder an ihrem Ausgangspunkte an. Auch die vor kurzem mit dem lenkbaren Luftschiff von Renard angestellten neuen Versuche haben ein durchaus günstiges Ergebnis geliefert. So kann man die hochwichtige Frage der Lenkbarkeit des Schiffes in kleinem Maßstabe und unter gewissen Voraussetzungen als gelöst betrachten. Gewiß wird aber auch noch das Wort des hervorragendsten Aëronauten Amerikas, John Wises, in Erfüllung gehen: „Unsere Kinder werden nach jedem Teil der Erde reisen können ohne die Belästigung von Dampf, Funken oder Seekrankheit und mit einer Schnelligkeit von 20 geographischen Meilen pro Stunde.“[73]

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Fig. 41. Luftschiffahrten von Renard und Krebs.

Hat das Problem einmal ganz und voll seine Lösung gefunden, so wird sicherlich auch die Post sofort am Platze sein, das neue Verkehrsmittel für ihre Zwecke auszubeuten.

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Fig. 42. Luftballon, getrieben durch den elektrischen Strom.

❏ GRÖSSERE BILDANSICHT

Drittes Kapitel. Poststatistik.

I. Briefpostverkehr.

1. Europäischer Briefpostverkehr im Jahre 1884[74].

Länder. Anzahl der aufgelieferten Auf 1 Einwohner entfallen

Briefe Post- karten Drucksachen, Waren- proben etc. Zeitungs- nummern Zu- sammen über- haupt Stück davon

Briefe und Post- karten. Druck- sachen etc.

in Tausenden.

1. Belgien 89602 23355 52152 90610 255719 44,7 19,7 25

2. Bulgarien (1883) 1596 115 15 801 2527 1,3 0,9 0,4

3. Dänemark 30174 609 2037 36420 69240 34,9 15,5 19,4

4. Deutschland 682998 212526 185843 527661 1609028 35,6 19,8 15,8

5. Frankreich 621665 34050 367014 341662 1364391 36,2 17,4 18,8

6. Griechenland (1883) 4281 32 56 2888 7257 3,7 2,2 1,5

7. Großbritan- nien u. Irland 1360341 160340 320417 143674 1984772 55,2 42,3 12,9

8. Italien 194579 31172 61205 114304 401260 13,9 7,8 6,1

9. Luxemburg 2093 471 1199 1002 4765 22,7 12,2 10,5

10. Montenegro — — — — — — — —

11. Niederlande 64308 20031 24721 45091 154151 36 19,7 16,3

12. Norwegen 15174 865 1181 15331 32551 16,8 8,3 8,5

13. Österreich 255516 60680 40166 85318 441680 19,9 14,3 5,6

14. Portugal 17605 1778 2886 10908 33177 7,3 4,3 3

15. Rumänien (1883) 7003 1189 339 2377 10908 2,2 1,6 0,6

16. Rußland europ. (1883) 138355 8863 12046 94959 254223 3,1 1,8 1,3

17. Schweden 39145 3164 3452 32204 77965 16,9 9,2 7,7

18. Schweiz 61826 10982 19471 57403 149682 52,9 25,7 27,2

19. Serbien (75) 1286 1286 0,7 0,7 —

Illustration from Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt
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20. Spanien (82) 95360 345 5736 41000 142441 8,5 5,7 2,8

21. Türkei, eu- ropäische (82) 3003 3003 0,5 0,5 —

Illustration from Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt
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22. Ungarn 86655 20779 13738 44953 166125 10,6 6,9 3,7

Europa (rund) 3773000 591000 1114000 1688000 7166000 21,7 13,2 8,5

Länder. Anzahl der aufgelieferten

Briefe Post- karten Drucksachen, Waren- proben etc. Zeitungs- nummern

in Tausenden.

1. Belgien 89602 23255 52152 90610

2. Bulgarien (1883) 1596 115 15 801

3. Dänemark 30174 609 2037 36420

4. Deutschland 682998 212526 185843 527661

5. Frankreich 621665 34050 367014 341662

6. Griechenland (1883) 4821 32 56 2888

7. Großbritan- nien u. Irland 1360341 160340 320417 143674

8. Italien 194579 31172 61205 114304

9. Luxemburg 2093 471 1199 1002

10. Montenegro — — — —

11. Niederlande 64308 20031 24721 45091

12. Norwegen 15174 865 1181 15331

13. Österreich 255516 60680 40166 85318

14. Portugal 17605 1778 2886 10908

15. Rumänien (1883) 7003 1189 339 2377

16. Rußland europ. (1883) 138355 8863 12046 94959

17. Schweden 39145 3164 3452 32204

18. Schweiz 61826 10982 19471 57403

19. Serbien (75) 1286

Illustration from Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt
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20. Spanien (82) 95360 345 5736 41000

21. Türkei, eu- ropäische (82) 3003

Illustration from Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt
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22. Ungarn 86655 20779 13738 44953

Europa (rund) 3773000 591000 1114000 1688000

Länder. Zusammen Auf 1 Einwohner entfallen

über- haupt Stück davon

Briefe und Post- karten. Druck- sachen etc.

1. Belgien 255719 44,7 19,7 25

2. Bulgarien (1883) 2527 1,3 0,9 0,4

3. Dänemark 69240 34,3 15,5 19,4

4. Deutschland 1609028 35,6 19,8 15,8

5. Frankreich 1364391 36,2 17,4 18,8

6. Griechenland (1883) 7257 3,7 2,2 1,5

7. Großbritan- nien u. Irland 1984772 55,2 42,3 12,9

8. Italien 401260 13,9 7,8 6,1

9. Luxemburg 4765 22,7 12,2 10,5

10. Montenegro — — — —

11. Niederlande 154151 36 19,7 16,3

12. Norwegen 32551 16,8 8,3 8,5

13. Österreich 441680 19,9 14,3 5,6

14. Portugal 33177 7,3 4,3 3

15. Rumänien (1883) 10908 2,2 1,6 0,6

16. Rußland europ. (1883) 254223 3,1 1,8 1,3

17. Schweden 77965 16,9 9,9 7,7

18. Schweiz 149682 52,9 25,7 27,2

19. Serbien (75) 1286 0,7 0,7 —

20. Spanien (82) 142441 8,5 5,7 2,8

21. Türkei, eu- ropäische (82) 3003 0,5 0,5 —

22. Ungarn 166125 10,6 6,9 3,7

Europa (rund) 7166000 21,7 13,2 8,5

2. Außereuropäischer Briefpostverkehr[75].

Länder. Anzahl der aufgelieferten Auf 1 Einwohner entfallen

Briefe Post- karten Drucksachen, Waren- proben etc. Zeitungs- nummern Zu- sammen über- haupt Stück Briefe und Post- karten. Druck- sachen etc.

I. Amerika.

Vereinigte Staaten von Amerika (1881) 1068676468 325946011 495121315 874455033 2746198827 55,12 27,81 27,31

Canada (1881/82) 61040000 11300000 7186000 12000000 91526000 21,03 16,62 4,41

Chile (1882) 10037802 96206 2347645 7933007 20714660 9,24 4,52 4,72

Argentinische Republik (1882) 9716211 37999 1174149 14571648 25545007 9,12 3,50 5,62

Bermudas (1882) 114596 1616 19708 6864 142784 8,94 7,27 1,67

Martinique (1882) 706673 618 341543 230949 1279783 7,90 4,37 3,53

St. Pierre und Miquelon (1882) 36372 117 314 2800 39603 7,28 6,71 0,57

Costarica (1882) 304868 — 858086 — 1162954 6,65 1,75 4,90

Uruguay (1880) 1016532 11767 1218887 — 2247186 5,13 2,35 2,78

Guadeloupe (1882) 686140 1750 136575 122940 947405 5,09 3,70 1,39

Cuba (1882) 6775171 30234 417250 — 7222655 4,74 4,47 0,27

Britisch Guyana (1882) 649012 976 56284 377788 1084060 4,30 2,58 1,72

Franz. Guyana „ 90068 36 420 3715 94239 3,49 3,34 0,15

Nicaragua (1882) 215348 2166 3450 424955 645919 2,15 0,72 1,43

Brasilien (1881) 19948282 — — — 19948282 1,97 2,97 —

Curaçao (1882) 48727 672 24870 — 74269 1,75 1,16 0,59

Peru (1878) 2491544 — 1170762 — 3662306 1,35 0,92 0,43

Brit. Honduras (1882) 27725 303 329 7082 35439 1,29 1,02 0,27

Grenade (1881) 40611 111 1515 4543 46780 1,07 0,93 0,14

Guatemala (1882) 710270 — 532198 — 1242468 0,99 0,57 0,42

Surinam (1882) 33398 459 5308 — 39165 0,73 0,63 0,10

Mejico (1881/82) 4328378 7081 2951935 — 7287394 0,71 0,42 0,29

Dominique (1882) 13550 103 3682 201 17536 0,62 0,48 0,14

Paraguay (1882) 88085 — 27415 60302 175802 0,60 0,30 0,30

St. Lucie (1882) 11784 94 3 1141 13022 0,34 0,31 0,03

Honduras (Republik) (1882) 66491 433 3712 44933 115569 0,33 0,19 0,14

Columbien (1879/80) 436832 — 413350 — 877182 0,29 0,15 0,14

Haiti (1882) 86266 466 7497 38098 132327 0,24 0,16 0,08

Diese Staaten Amerikas 1188469204 337439218 514324202 910285999 2950518623 32,18 16,64 15,54[76]

II. Afrika.

Kapland (1882) 6923700 — 4933584 — 11857284 7,18 4,19 2,99

Oranje-Freistaat (79) 364726 — 269093 — 633819 6,34 3,65 2,69

Réunion (1882) 460892 2460 141534 66518 671404 3,97 2,74 1,23

Algerien u. Tunis (1882) 8121095 81777 1861190 3592569 13656631 2,57 1,54 1,03

Guinea (portug.) (1882) 9539 1 1180 2267 12987 1,75 1,29 0,46

Kapverdische Ins. (1882) 92667 — 23050 25015 140732 1,35 0,89 0,46

Ägypten (1882) 4254732 75000 672300 1328940 6330971 1,20 0,82 0,38

Senegal (1882) 196517 14 6967 14113 217611 1,20 0,82 0,38

Seychellen (1882) 10125 15 — 127 10267 0,73 0,72 0,01

Mayotte (1882) 6375 — 83 — 6458 0,64 0,63 0,01

Nossi-Bé (1882) 5416 — 144 176 5736 0,64 0,60 0,04

Diese Staaten Afrikas 20445783 159267 7909125 5029725 33543900 2,61 1,60 1,01

III. Asien.

Hongkong (1882) 614160 10789 160506 226627 1012082 6,30 3,90 2,40

Ceylon (1881) 6576130 56845 2858966 264822 9756763 3,53 2,40 1,13

Japan (1882) 50399981 32042121 1505833 21129228 105077163 2,87 2,25 0,62

Portug. Ostindien (82) 360205 2286 3857 188766 555114 1,27 0,83 0,44

Samos (1881) 27623 — — 15632 43255 1,11 0,71 0,40

Brit. Ostindien (81/82) 134423918 21953265 2318010 13477700 172172893 0,68 0,62 0,06

Cochinchina (1882) 412615 130 76222 359424 848391 0,53 0,26 0,27

Niederl. Ostindien (82) 4528275 616334 338044 1806878 7289531 0,30 0,21 0,09

Persien (1882) 1153930 1500 16810 8100 1180340 0,18 0,18 —

Franz. Ostindien (1882) 25835 119 788 2679 29421 0,10 0,09 0,01

Diese Staaten Asiens 198522672 54683389 7279036 37479856 297964953 0,91 0,77 0,17

IV. Australien.

Neu-Seeland (1880) 23000000 598891 1673450 10272917 35545258 66,53 44,17 22,36

Neu-Südwales (1882) 27792577 222800 18057500 — 46072877 61,36 37,31 24,05

Victoria (1882) 28877977 — 4972486 12383928 46234391 53,62 33,49 20,13

West-Australien (1880) 470018 — — 772896 1242914 40,09 15,16 24,93

Süd-Australien (1879) 5170386 — — 5790768 10961154 39,66 18,71 20,95

Queensland (1881) 4621792 — 335505 3572375 8529672 39,13 21,20 17,93

Tasmania (1880) 1341164 — — 2195733 3536897 30,57 11,59 18,98

Neu-Caledonien (1882) 300089 — 13134 27400 340623 4,72 4,16 0,56

Hawaii (1882) 252525 — — — 252525 4,21 4,21 —

Tahiti (1882) 39024 — 4647 20475 64146 2,48 1,51 0,97

Diese Staaten Australiens 91865552 821691 25056722 35036492 152780457 52,23 31,69 20,54

Länder. Anzahl der aufgelieferten

Briefe Post- karten Drucksachen, Waren- proben etc. Zeitungs- nummern

I. Amerika.

Vereinigte Staaten von Amerika (1881) 1068676468 325946011 495121315 874455033

Canada (1881/82) 61040000 11300000 7186000 12000000

Chile (1882) 10037802 96206 2347645 7933007

Argentinische Republik (1882) 9716211 37999 1174149 14571648

Bermudas (1882) 114596 1616 19708 6864

Martinique (1882) 706673 618 341543 230949

St. Pierre und Miquelon (1882) 36372 117 314 2800

Costarica (1882) 304868 — 858086 —

Uruguay (1880) 1016532 11767 1218887 —

Guadeloupe (1882) 686140 1750 136575 122940

Cuba (1882) 6775171 30234 417250 —

Britisch Guyana (1882) 649012 976 56284 377788

Franz. Guyana (1882) 90068 36 420 3715

Nicaragua (1882) 215348 2166 3450 424955

Brasilien (1881) 19948282 — — —

Curaçao (1882) 48727 672 24870 —

Peru (1878) 2491544 — 1170762 —

Brit. Honduras (1882) 27725 303 329 7082

Grenade (1881) 40611 111 1515 4543

Guatemala (1882) 710270 — 532198 —

Surinam (1882) 33398 459 5308 —

Mejico (1881/82) 4328378 7081 2951935 —

Dominique (1882) 13550 103 3682 201

Paraguay (1882) 88085 — 27415 60302

St. Lucie (1882) 11784 94 3 1141

Honduras (Republik) (1882) 66491 433 3712 44933

Columbien (1879/80) 436832 — 413350 —

Haiti (1882) 86266 466 7497 38098

Diese Staaten Amerikas 1188469204 337439218 514324202 910285999

II. Afrika.

Kapland (1882) 6923700 — 4933584 —

Oranje-Freistaat (79) 364726 — 269093 —

Réunion (1882) 460892 2460 141534 66518

Algerien u. Tunis (1882) 8121095 81777 1861190 3592569

Guinea (portug.) (1882) 9539 1 1180 2267

Kapverdische Ins. (1882) 92667 — 23050 25015

Ägypten (1882) 4254732 75000 672300 1328940

Senegal (1882) 196517 14 6967 14113

Seychellen (1882) 10125 15 — 127

Mayotte (1882) 6375 — 83 —

Nossi-Bé (1882) 5416 — 144 176

Diese Staaten Afrikas 20445783 159267 7909125 5029725

III. Asien.

Hongkong (1882) 614160 10789 160506 226627

Ceylon (1881) 6576130 56845 2858966 264822

Japan (1882) 50399981 32042121 1505833 21129228

Portug. Ostindien (82) 360205 2286 3857 188766

Samos (1881) 27623 — — 15632

Brit. Ostindien (81/82) 134423918 21953265 2318010 13477700

Cochinchina (1882) 412615 130 76222 359424

Niederl. Ostindien (82) 4528275 616334 338044 1806878

Persien (1882) 1153930 1500 16810 8100

Franz. Ostindien (1882) 25835 119 788 2679

Diese Staaten Asiens 198522672 54683389 7279036 37479856

IV. Australien.

Neu-Seeland (1880) 23000000 598891 1673450 10272917

Neu-Südwales (1882) 27792577 222800 18057500 —

Victoria (1882) 28877977 — 4972486 12383928

West-Australien (1880) 470018 — — 772896

Süd-Australien (1879) 5170386 — — 5790768

Queensland (1881) 4621792 — 335505 3572375

Tasmania (1880) 1341164 — — 2195733

Neu-Caledonien (1882) 300089 — 13134 27400

Hawaii (1882) 252525 — — —

Tahiti (1882) 39024 — 4647 20475

Diese Staaten Australiens 91865552 821691 25056722 35036492

Länder. Zusammen Auf 1 Einwohner entfallen

über- haupt Stück Briefe und Post- karten. Druck- sachen etc.

I. Amerika.

Vereinigte Staaten von Amerika (1881) 2746198827 55,12 27,81 27,31

Canada (1881/82) 91526000 21,03 16,62 4,41

Chile (1882) 20714660 9,24 4,52 4,72

Argentinische Republik (1882) 25545007 9,12 3,50 5,62

Bermudas (1882) 142784 8,94 7,27 1,67

Martinique (1882) 1279783 7,90 4,37 3,53

St. Pierre und Miquelon (1882) 39603 7,28 6,71 0,57

Costarica (1882) 1162954 6,65 1,75 4,90

Uruguay (1880) 2247186 7,28 6,71 0,57

Guadeloupe (1882) 947405 5,09 3,70 1,39

Cuba (1882) 7222655 4,74 4,47 0,27

Britisch Guyana (1882) 1084060 4,30 2,58 1,72

Franz. Guyana (1882) 94239 3,49 3,34 0,15

Nicaragua (1882) 645919 2,15 0,72 1,43

Brasilien (1881) 19948282 1,97 2,97 —

Curaçao (1882) 74269 1,75 1,16 0,59

Peru (1878) 3662306 1,35 0,92 0,43

Brit. Honduras (1882) 35439 1,29 1,02 0,27

Grenade (1881) 46780 1,07 0,93 0,14

Guatemala (1882) 1242468 0,99 0,57 0,42

Surinam (1882) 39165 0,73 0,63 0,10

Mejico (1881/82) 7287394 0,71 0,42 0,29

Dominique (1882) 17536 0,62 0,48 0,14

Paraguay (1882) 175802 0,60 0,30 0,30

St. Lucie (1882) 13022 0,34 0,31 0,03

Honduras (Republik) (1882) 115569 0,33 0,19 0,14

Columbien (1879/80) 877182 0,29 0,15 0,14

Haiti (1882) 132327 0,24 0,16 0,08

Diese Staaten Amerikas 2950518623 32,18 16,64 15,54[76]

II. Afrika.

Kapland (1882) 11857284 7,18 4,19 2,99

Oranje-Freistaat (79) 633819 6,34 3,65 2,69

Réunion (1882) 671404 3,97 2,74 1,23

Algerien u. Tunis (1882) 13656631 2,57 1,54 1,03

Guinea (portug.) (1882) 12987 1,75 1,29 0,46

Kapverdische Ins. (1882) 12987 1,75 1,29 0,46

Ägypten (1882) 140732 1,35 0,89 0,46

Senegal (1882) 217611 1,20 0,82 0,38

Seychellen (1882) 10267 0,73 0,72 0,01

Mayotte (1882) 6458 0,64 0,63 0,01

Nossi-Bé (1882) 5736 0,64 0,60 0,04

Diese Staaten Afrikas 33543900 2,61 1,60 1,01

III. Asien.

Hongkong (1882) 1012082 6,30 3,90 2,40

Ceylon (1881) 9756763 3,53 2,40 1,13

Japan (1882) 105077163 2,87 2,25 0,62

Portug. Ostindien (82) 555114 1,27 0,83 0,44

Samos (1881) 43255 1,11 0,71 0,40

Brit. Ostindien (81/82) 172172893 0,68 0,62 0,06

Cochinchina (1882) 848391 0,53 0,26 0,27

Niederl. Ostindien (82) 7289531 0,30 0,21 0,09

Persien (1882) 1180340 0,18 0,18 —

Franz. Ostindien (1882) 29421 0,10 0,09 0,01

Diese Staaten Asiens 297964953 0,91 0,77 0,17

IV. Australien.

Neu-Seeland (1880) 35545258 66,53 44,17 22,36

Neu-Südwales (1882) 46072877 61,36 37,31 24,05

Victoria (1882) 46234391 53,62 33,49 20,13

West-Australien (1880) 1242914 40,09 15,16 24,93

Süd-Australien (1879) 10961154 39,66 18,71 20,95

Queensland (1881) 8529672 39,13 21,20 17,93

Tasmania (1880) 3536897 30,57 11,59 18,98

Neu-Caledonien (1882) 340623 4,72 4,16 0,56

Hawaii (1882) 252525 4,21 4,21 —

Tahiti (1882) 64146 2,48 1,51 0,97

Diese Staaten Australiens 152780457 52,23 31,69 20,54

Unter den Ländern Europas steht hiernach bezüglich der ausgelieferten Briefzahl Großbritannien mit 1360 Millionen Briefen obenan. Freilich finden sich hier auch alle einen lebhaften Briefverkehr begünstigenden Verhältnisse vereinigt: volkreiche Städte, Dichtigkeit der Bevölkerung, Wohlhabenheit, eine Industrie, die an Ausdehnung, zum Teil auch an Vortrefflichkeit der Erzeugnisse jede andere der Erde übertrifft, ein Welthandel in der großartigsten Bedeutung des Wortes und ein in hohem Grade ausgebildetes Verkehrswesen. Großbritannien zunächst steht Deutschland mit fast 683 Mill. Briefen; ihm folgen Frankreich mit über 621 Mill., Österreich-Ungarn mit 342 Mill. u. s. w. Die geringste Zahl der Briefe entfällt auf die Staaten der Balkanhalbinsel, so auf Bulgarien nur rund 1½ Mill.

Was die außereuropäischen Staaten betrifft, so ist besonders der Briefverkehr der Union, des britischen Indien, Japans, der Provinzen Neu-Südwales und Victoria, sowie Neu-Seelands von hervorragender Bedeutung. Auf die Union kommen über 1068 Mill. Briefe, auf Britisch-Indien 134 Mill. (1884: 144 Mill.) und aus Japan 50 Mill. (1884: 56 Mill.).

Eine beträchtlich andere Anordnung der Staaten ergiebt sich hinsichtlich der Menge der expedierten Postkarten. Den ersten Platz in dieser Beziehung nimmt Deutschland ein mit 212½ Mill., dann erst folgt Großbritannien und Irland mit 160 Mill., an dritter Stelle steht Österreich-Ungarn mit über 81 Mill., und an vierter Frankreich mit 34 Mill. Karten.

In der Union beträgt die Zahl der ausgelieferten Postkarten fast 326 Mill. Stück; sie machen somit von der Postkarte unter sämtlichen Staaten der Erde den häufigsten Gebrauch. Japan figuriert in der Statistik mit 32 Mill. (1884: 36,6 Mill.) und Britisch-Indien mit fast 22 Mill. Karten (1884: 38,6 Mill.).

Was die Zahl der expedierten Drucksachen, Warenproben u. s. w. betrifft, so befördert in Europa die meisten derartigen Sendungen Frankreich: über 367 Mill. Sehr gering ist die Zahl solcher Sendungen in den industriearmen Gebieten der Balkanhalbinsel.

In den Vereinigten Staaten beliefen sich diese Sendungen auf 495 Mill.; dieselben übertreffen also auch in dieser Hinsicht alle übrigen Staaten der Erde. Von den außereuropäischen Gebieten kommt ihnen zunächst Neu-Südwales mit 18 Mill.

Ganz außerordentlich groß ist auch die Zahl der postmäßig versendeten Zeitungen. So wurden ausgeliefert an Zeitungsnummern: in Deutschland 527 Mill., in Frankreich 341 Mill., in Großbritannien fast 143½ Mill., in Österreich-Ungarn an 130 Mill. u. s. w. Die unterste Stufe nehmen auch in dieser Beziehung die Balkanstaaten ein.

Geradezu enorm ist die Zahl der in den Vereinigten Staaten expedierten Zeitungsexemplare; sie betrug 874 Mill.

Daß die Post durch die Beförderung dieser Millionen und Millionen von Zeitungen und Drucksachen einen großen Anteil an der geistigen Entfaltung der Völker hat, ist außer Zweifel. Ein amerikanisches Blatt preist deshalb die Post als den „mächtigen Mauerbrecher, der die Finsternis der Unwissenheit zerstört“, und ein Präsident der Vereinigten Staaten nennt das Postamt den „großen Erzieher des Volkes“.

Von höchstem Interesse ist eine Vergleichung der Staaten bezüglich der Zahl der Briefe, die durchschnittlich auf jeden Kopf der Bevölkerung trifft. Man erhält dadurch eine Art Censurentabelle für die Bildung der betreffenden Nationen, aber auch für den Grad der Entwicklung der Posteinrichtungen in den bezüglichen Ländern. Am stärksten ist nach unserer Tabelle der Briefverkehr in Europa entwickelt, in Großbritannien und Irland mit 42,3 Briefen und Karten pro Kopf; daran reihen sich die Schweiz, Deutschland, Belgien, die Niederlande und Frankreich, dieses mit 19,8 Briefen und Karten pro Kopf. Den geringsten durchschnittlichen Briefverkehr weisen auf Rußland und die Staaten der Balkanhalbinsel.

Diese Censurentabelle gilt übrigens nicht ohne weiteres; sie will vielmehr mit gewissen Einschränkungen angewendet sein. Die auffällige Erscheinung z. B., daß die Schweiz, deren Posteinrichtungen im allgemeinen jenen in Deutschland gleichen, und deren Bevölkerung kaum eine höhere Durchschnittsbildung besitzt als die deutsche, eine so erheblich höhere Brieffrequenz aufzeigt, erklärt sich leicht, wenn man an die Hunderttausende von Reisenden denkt, welche einer Völkerwanderung gleich alljährlich das Land überschwemmen und die eigene Bevölkerung desselben von drei Mill. Einwohnern unverhältnismäßig steigern. Der Briefverkehr Großbritanniens ist nach der Tabelle mehr als doppelt so groß wie der in Deutschland. Thatsächlich aber kommt die Brieffrequenz im Deutschen Reiche derjenigen in England nahezu gleich. In England befaßte sich nämlich die Post bis in die jüngste Zeit, abgesehen von dem Postanweisungsverkehr, nur mit der Beförderung von Briefen, Postkarten, Warenproben, Drucksachen und Zeitungen, in Deutschland hingegen auch mit der Expedition von Paketen, Postaufträgen und Geldbriefen. Fast jedes durch die Post versandte Paket und jeder Geldbrief wird nun in Deutschland erfahrungsgemäß auch zu brieflichen Mitteilungen benutzt; beide Arten von Sendungen stellen mithin in den meisten Fällen einen Brief dar: all diese Mitteilungen kommen aber bei der obiger Berechnung zu Grunde gelegten Anzahl von den Briefsendungen nicht in Ansatz.

Es wirken eben zu den oben angeführten Ergebnissen sehr verschiedenartige Umstände mit. So ist auf die Entwicklung, beziehungsweise den jetzigen Umfang des Briefverkehrs auch der Umstand von Einfluß, ob die ermäßigte Brieftaxe schon seit längerer Zeit in einem Lande eingeführt ist oder erst seit wenigen Jahren besteht. Selbst Sitten und Gewohnheiten eines Volkes sind für den Briefverkehr maßgebend. Der Reisetrieb z. B. ist bei einigen Völkern mehr, bei anderen weniger ausgebildet; ersteres ist der Fall besonders bei den Engländern, Nordamerikanern, Deutschen und Schweizern, letzteres bei den Franzosen, Italienern und Spaniern. Demgemäß befindet sich ein größerer Teil der zuerst erwähnten Nationen vielfach außerhalb der Heimat und steht mit dieser durch die Posteinrichtungen in steter Verbindung. Erwähnenswert ist ferner, daß in Frankreich, wie es den Anschein hat, aus Rücksichten der Etikette bis jetzt von der Postkarte für Familien- und Verwandtschafts-Beziehungen wenig Gebrauch gemacht wird. Sie dient dort im wesentlichen nur zu kürzeren geschäftlichen Mitteilungen. Es werden denn auch, wie aus den obigen Angaben ersichtlich, in Deutschland mehr als fünfmal soviel Postkarten verwendet, als in Frankreich.

Unter den Ländern außerhalb Europas stehen bezüglich der Häufigkeit des Briefverkehrs obenan Neu-Seeland (mit 44,17 Briefen und Karten pro Kopf), dann die australischen Provinzen Neu-Südwales und Victoria (mit 37,31, beziehungsweise 33,49), ferner die Vereinigten Staaten und Canada (mit 27,81, beziehungsweise 16,62). Den niedrigsten Stand des Korrespondenzbedürfnisses zeigt unter den großen außereuropäischen Staatsgebieten Britisch-Indien mit 0,62 Briefen und Karten pro Kopf (1884: 0,71).

Sehr instruktiv ist, wie wir gesehen haben, eine Vergleichung der Staaten bezüglich der Zahl der Briefe und Karten, die auf jeden Kopf der Bevölkerung durchschnittlich entfällt. Nicht weniger belehrend ist eine Zusammenstellung derselben mit Rücksicht darauf, wieviel Drucksachen, Zeitungsnummern und Warenproben auf einen Einwohner entfallen. In dieser Hinsicht steht an erster Stelle die Schweiz mit 27,2 Sendungen pro Kopf der Bevölkerung; ihr schließen sich an Belgien (mit 25), Dänemark (mit 19,4), Frankreich (mit 188), die Niederlande (mit 16,3). Deutschland (mit 15,8) u. s. w. Die geringste Zahl derartiger Sendungen zeigen Griechenland, Rußland, Rumänien und Bulgarien.

Außerhalb Europas entfallen die meisten dieser Sendungen auf die Vereinigten Staaten (27,31 pro Kopf) und auf die australischen Staaten (22,36–17,93).

Bei Zusammenfassung sämtlicher Briefpostsendungen (Briefe, Postkarten, Drucksachen, Warenproben und Zeitungen) stellt sich das Verhältnis der europäischen Staaten derart, daß Großbritannien mit Irland mit 55,2 Stück pro Kopf den ersten Rang einnimmt. Diesem Staate reihen sich an die Schweiz (mit 52,9), Belgien (mit 44,7), Frankreich (mit 36,2), die Niederlande (mit 36), Deutschland (mit 35,6), Dänemark (mit 34,9) und Österreich-Ungarn (mit 30,5 Stück). An letzter Stelle stehen Serbien und die Türkei.

Außerhalb Europas entfallt der stärkste Briefpostverkehr auf Neu-Seeland (66,53 Stück pro Kopf), Neu-Südwales (61,36), Victoria (53,62) und auf die Vereinigten Staaten von Amerika (55,12). Diese ebengenannten Gebiete weisen unter sämtlichen Ländern der Erde die höchste Zahl von Briefpostsendungen pro Kopf der Bevölkerung auf.

Im internationalen Austausch gruppieren sich die einzelnen wichtigeren Postgebiete mit ihrem eigentlichen Briefverkehre (Briefe und Postkarten ohne Hinzuzählung der übrigen Briefpostgegenstände) nach den Resultaten der Berner Statistik für 1884 und den Angaben in Veredarius (S. 382) wie folgt:

Deutschland rund 56 Mill.

Großbritannien (1883) „ 48 „

Österreich-Ungarn „ 45 „

Frankreich „ 38 „

Ver. Staaten v. Amerika „ 35 „

Italien (1883) „ 18 „

Belgien „ 18 „

Schweiz „ 14 „

Niederlande „ 8 „

Rußland „ 8 „

Spanien (1883) „ 6 „

Schweden „ 4 „

Dänemark „ 3 „

Norwegen „ 2 „

Vorstehende Zahlen begreifen den Verkehr aus den bezeichneten Postgebieten nach fremden Ländern in sich; fast dieselbe Reihenfolge ergiebt sich bezüglich des Verkehrs aus den fremden Ländern nach den einzelnen Postgebieten, nämlich:

Deutschland rund 57 Mill.

Österreich-Ungarn „ 47 „

Großbritannien (1883) „ 41 „

Frankreich „ 35 „

Ver. Staaten v. Amerika „ 30 „

Italien (1883) „ 15 „

Schweiz „ 14 „

Belgien „ 12 „

Rußland „ 10 „

Niederlande „ 8 „

Spanien (1883) „ 6 „

Schweden „ 4 „

Dänemark „ 4 „

Norwegen „ 3 „

Die Gesamtzahl der im internationalen Verkehr innerhalb des dermaligen Weltpostvereinsgebietes ausgetauschten Briefpostsendungen, die Zeitungen nicht mit eingeschlossen, betrug für 1883 rund 774 Mill.; es ist das im Vergleich zu den 428 Mill. Briefpostsendungen des Jahres 1875 eine Steigerung von 346 Mill. oder um 81%.

Die ganze Großartigkeit des Getriebes der Weltpost kommt aber erst dann zum vollen Ausdruck, wenn man den gesamten Postverkehr der Kulturländer, mithin sowohl den internationalen, als auch den Verkehr innerhalb der einzelnen Länder, in seinen Riesenzahlen sich vergegenwärtigt.

Der Weltpostverkehr auf der ganzen Erde gestaltete sich (nach der „Statistik der Reichspost- und Telegraphenverwaltung für 1884“) im Jahre 1884 wie folgt:

Erdteile. Einwohner Mill. Postanstalten Zahl Briefkasten Zahl Postpersonal

Europa 326 68000 233500 334800

Asien 795 22400 43400 61000

Afrika 205 500 1100 2000

Amerika 100 59100 30800 85900

Australien 4 4000 4200 5300

Erde (rund) 1400 154000 313000 489000

Erdteile. Anzahl der aufgelieferten Auf einen Menschen entfallen

Briefe, ge- wöhnliche und einge- schriebene Post- karten Zeitungen, Druck- sachen, Ge- schäfts- papiere Waren- proben Zu- sammen

insge- samt Stück Briefe u. Postkart. Stück

in Millionen.

Europa 3894,1 597,5 2681,9 75,8 7249,3 22,10 13,69

Asien 246 80 62,9 0,7 389,6 0,49 0,41

Afrika 18,7 0,3 11 0,7 30,7 0,15 0,09

Amerika 1596,8 398 1798,2 26 3819 38,19 19,95

Australien 93,4 1,2 56 0,8 151,4 37,85 23,65

Erde (rund) 5849 1077 4610 104 11640 8,31 4,95

Erdteile. Anzahl der aufgelieferten

Briefe, ge- wöhnliche und einge- schriebene Post- karten Zeitungen, Druck- sachen, Ge- schäfts- papiere Waren- proben

in Millionen.

Europa 3894,1 597,5 2681,9 75,8

Asien 246 80 62,9 0,7

Afrika 18,7 0,3 11 0,7

Amerika 1596,8 398 1798,2 26

Australien 93,4 1,2 56 0,8

Erde (rund) 5849 1077 4610 104

Erdteile. Zusammen Auf einen Menschen entfallen

in Millionen. insge- samt Stück. Briefe u. Postkart. Stück.

Europa 7249,3 22,10 13,69

Asien 389,6 0,49 0,41

Afrika 30,7 0,15 0,09

Amerika 3819 38,19 19,95

Australien 151,4 37,85 23,65

Erde (rund) 11640 8,31 4,95

Es beträgt hiernach die Gesamtstückzahl der auf der ganzen Erde bei der Post aufgegebenen Briefe und Postkarten 6926 Mill. jährlich, 19 Mill. täglich. Unter Hinzurechnung der Zahl der übrigen Briefpostsendungen, als der Drucksachen, Geschäftspapiere, Zeitungsnummern, Warenproben, beläuft sich die Gesamtsumme auf 11640 Mill. Wird die Bevölkerung der Erde rund zu 1400 Mill. angenommen, so treffen auf einen Menschen im Jahre 8,3 Briefpostsendungen, darunter 4,9 oder rund 5 Briefe und Postkarten. In den einzelnen Weltteilen gestalten sich die Verhältnisse sehr verschieden; in Europa entfallen entsprechend der Bedeutung seiner Stellung im Weltverkehr auf einen Einwohner 22,1 Briefpostsendungen, darunter 13,7 Briefe und Postkarten. Wenn Amerika mit der hohen Ziffer von 38,19, Australien mit 37,9 Briefsendungen auf einen Einwohner erscheinen, so treten beide Erdteile doch in der Gesamtsumme des Postverkehrs weit hinter Europa zurück, da sie weit spärlicher bevölkert sind als dieses.

In obenstehender Tabelle finden sich auch Angaben über die Gesamtsumme der Postanstalten, der Postbriefkasten und der Postbeamten in den einzelnen Weltteilen. Hier tritt ebenfalls Europas Übergewicht hervor. Es stehen daselbst 68000 Postanstalten im Betriebe mit einem Personal von 334800 Beamten. Für Amerika ist die Zahl der Postanstalten auf 59100 anzunehmen; davon befinden sich etwa 47870 allein in den Vereinigten Staaten von Amerika. Im übrigen ist die Organisation der Mehrzahl der amerikanischen Postanstalten weit weniger entwickelt, als dies bei den Postanstalten in Europa der Fall ist; dies geht schon daraus hervor, daß in Amerika bei dem Vorhandensein von 85900 Postbeamten, darunter 69000 in den Vereinigten Staaten von Amerika, durchschnittlich noch nicht 2, dagegen in Europa 4,9, rund 5 Beamte, also mehr als noch einmal soviel, auf eine Postbetriebstelle entfallen.

Vergleichen wir die vorstehenden Resultate des Weltpostverkehrs mit jenen früherer Jahrzehnte, so zeigt sich uns eine gewaltige Steigerung desselben. Im Jahre 1865 mögen etwa 2300 Mill. Briefe im Weltverkehr gewechselt worden sein; 1873 war diese Zahl auf 3300 Mill. angewachsen; 1882 hat die Briefzahl die Höhe von 5000 Mill. bereits überschritten, und im Jahr 1884 betrug die Zahl der Briefsendungen, einschließlich der Postkarten, Drucksachen, Warenproben und Zeitungsnummern, mehr als 11 Milliarden[77]. Diese Zahlen sind wohl ein glänzendes Zeugnis der Wirksamkeit des Weltpostvereins und seiner Bedeutung für die menschliche Kultur.

II. Geldverkehr der Post.

„Wie Merkur, ihr Schutzpatron,“ sagt Fischer in seiner wiederholt angeführten Schrift, „pflegt die Post nicht bloß Botschaften, sondern auch Geld bei sich zu führen. Den modernen Formen des Handelsverkehrs sich anpassend, hat sich dieser Dienstzweig von der ursprünglichen Naturalversendung an bis zu mannigfachen Gestalten bankmäßigen Zahlungsausgleichs entwickelt und stellt in seiner Gesamtheit eine ungemein umfassende Thätigkeit dar.“

Am besten erhellt der Fortschritt in dieser Beziehung durch einen Vergleich der Jetztzeit mit früheren Jahrhunderten. „Ältere Postregulative,“ fährt derselbe Autor fort, „strotzen von den scharfsinnigsten Kautelen, mit denen die Auflieferung, die Beförderung und die Bestellung von Wertsendungen umgeben zu werden pflegte. In der Regel wurde gefordert, daß der angegebene Wertbetrag nach vorheriger Aufzählung und Feststellung im Beisein des Annahmebeamten oder wohl gar des Postamtsvorstehers vom Absender verpackt werde; seinem Siegel wurde dann das des Postamts als besondere Sicherheitswache beigedruckt. Bei der Ankunft ging es nicht minder umständlich zu. Der Adressat mußte zur Post kommen; in seinem Beisein wurde der Brief geöffnet, der Inhalt vorgezählt und dann förmliche Quittung geleistet.“ So war in früheren Zeiten die Versendung von Geldbeträgen mit großen Schwierigkeiten und nach Umständen auch mit Verlusten verknüpft. Jetzt können an jedem Postorte Deutschlands, ohne Hilfe eines Banquiers, ohne Wechsel, ohne ausländisches Geld, Beträge durch die Post nach den verschiedensten Ländern sicher und gegen eine verhältnismäßig geringe Gebühr überwiesen werden. Wie sehr hierdurch der internationale Verkehr erleichtert worden, liegt auf der Hand.

1. Postanweisungen[78]. Unter den Geldgeschäften der Post ist der Postanweisungsverkehr von hervorragender Wichtigkeit. Obwohl erst zu Anfang der sechziger Jahre in den Geschäftskreis der Post aufgenommen, hat sich dies Verfahren, wonach die Post nicht die Beförderung, sondern einfach die Auszahlung von Geldbeträgen übernimmt, ungemein rasch über die ganze Welt verbreitet. Heutzutage sind in Deutschland Postanweisungen bereits zulässig nach fast sämtlichen Ländern Europas, nach den Vereinigten Staaten, sowie nach den meisten außereuropäischen Kolonieen. Die großartige Entwicklung des Postanweisungsverkehrs beleuchten folgende Zahlenangaben:

Der interne Gesamtverkehr bezüglich der Postanweisungen betrug nach der Berner Statistik für 1884

Länder. Stückzahl. Gesamtwert in Mill. Frcs.

in Deutschland 57186050 4282

„ England 29345985 779

„ Frankreich 18043559 550

„ Österreich 11145475 833

„ den Vereinigten Staaten von Amerika 7835694 633

„ Ungarn 6756424 477

„ Italien (1883)[79] 4108419 534

„ Britisch Indien 3034894 183

„ der Schweiz 2016884 228

„ Belgien 1534008 109

„ den Niederlanden 1468531 49

Obenan steht demnach in dieser Beziehung weitaus Deutschland. Selbst im Vergleich zu Österreich, das bezüglich des internen Postanweisungsverkehrs an zweiter Stelle steht, betrugen die in Deutschland auf diese Weise vermittelten Summen rund das 5fache. Noch 1882 hatte der interne Postanweisungsverkehr Deutschlands höhere Summen aufzuweisen, als derjenige der sämtlichen übrigen Staaten der Erde zusammengenommen. — Was die Zahl der im innern Verkehre Deutschlands zur Aufgabe gelangenden Postanweisungen betrifft, so beläuft sich dieselbe, verglichen mit jener der größten ausländischen Staaten, nach der Berner Statistik für 1884:

auf rund das Doppelte gegenüber Großbritannien,

auf mehr als das Dreifache „ Frankreich,

„ „ „ Fünffache „ Österreich,

„ „ „ Siebenfache „ den Ver. Staaten von Amerika,

„ „ „ Achtfache „ Ungarn,

„ „ „ Dreizehnfache „ Italien.

1881 betrug der tägliche Gesamtumsatz an Ein- und Auszahlungen bei den Reichspostanstalten rund 14½ Mill. Mark. Der durchschnittliche Betrag einer Postanweisung innerhalb des deutschen Reichspostgebietes erreichte 1880 die Summe von 57 M. 37 Pf., während derselbe aus dem deutschen Reichspostgebiet nach dem Auslande sich auf 58 M. 48 Pf. und in der Richtung aus dem Ausland nach dem deutschen Reichspostgebiet auf 47 M. 14 Pf. stellte. Der großartigste Postanweisungsverkehr bezüglich der fremden Länder besteht seitens des Deutschen Reichs mit Österreich-Ungarn.

Der gesamte internationale Postanweisungsverkehr ergab für das Jahr 1884 eine Summe von rund 7⅖ Mill. Stück Anweisungen im Gesamtbeträge von 390 Mill. Mark.

Einschließlich der in obiger Tabelle nicht genannten Länder bezifferte sich während des Jahres 1884 der Gesamtanweisungsverkehr im Gesamtbereiche des Weltpostvereins auf 150 Millionen Stück mit einem Werte von 8845 Millionen Frcs.

2. Postnoten (postal orders) und Postkreditbriefe (titoli postali di credito). Die englische Postverwaltung giebt seit 1880 sogenannte Postnoten aus, d. h. auf feste Beträge lautende Postanweisungen, die gegen eine geringe Gebühr bei allen inländischen Postanstalten eingelöst werden und mithin ein Mittelding zwischen Papiergeld und Postanweisung darstellen. Die Einrichtung besteht gegenwärtig in England, Britisch Indien, den Vereinigten Staaten von Amerika, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und in den australischen Kolonieen. — Die Postkreditbriefe sind eine Einrichtung der italienischen Post; durch sie wird die Möglichkeit gewährt, bei jeder Postanstalt des Königreichs beliebige Beträge innerhalb der eingezahlten Summe abzuheben. Solche Kreditbriefe werden von den Provinzial-Postdirektionen in den größeren Städten, wie in Rom, Florenz, Genua etc., bis zur Höhe von 10000 Lire, von den übrigen Provinzial-Postdirektionen bis zu 3000 Lire ausgestellt.

3. Postnachnahmen. Das Postnachnahmewesen besteht darin, daß die Post die Verpflichtung übernimmt, gewisse Sendungen den Adressaten nur gegen Zahlung des vom Absender bezeichneten und demselben zu erstattenden Geldbetrags auszuhändigen. Auch dieses Verfahren wird vom Publikum gerne benutzt. Obenan steht Deutschland, das in der Berner Statistik für 1884 mit einer Jahressumme von 8354500 Stück Nachnahmesendungen im Betrage von über 78 Mill. Frcs. vertreten ist. Das Postnachnahme-Verfahren besteht übrigens nur in wenigen Ländern, gleichwohl ergab sich für 1884 im ganzen ein internationaler Jahresumsatz von 12½ Mill. Frcs.

4. Postaufträge. Durch das Postauftragsverfahren ist es möglich, durch die Post die Einziehung von Schuldbeträgen bis zur Höhe von 600 M. bewirken zu lassen. Den umfangreichsten Verkehr hat auch in diesem Geschäftszweige Deutschland aufzuweisen mit einem Gesamtbeträge von gegenwärtig jährlich 519 Mill. Frcs. Dann folgen Belgien mit 390 Mill. und Frankreich mit 140 Mill. Auch das Postauftragsverfahren hat noch nicht in sehr vielen Ländern Eingang gefunden[80].

5. Postsparkassen[81]. Mißstände in der Verwaltung der in England bestehenden Privatsparkassen veranlagen 1860 den Banquier Sykes aus Huddersfield, dem englischen Ministerium die Errichtung von Postsparkassen vorzuschlagen. Dieser Vorschlag fand lebhaften Anklang, und 1861 bereits wurden dort die Post Office Saving Banks begründet.

Auf dem europäischen Kontinente folgte dem Beispiele Englands zuerst Belgien, und zwar am 1. Januar 1870. 1875 gelangten die Postsparkassen zur Einführung in Italien, 1880 in den Niederlanden, 1882 in Frankreich, 1883 in Österreich, am 1. Januar 1884 in Schweden, und Ende des Jahres 1884 ist auch in Deutschland ein diesbezüglicher Gesetzentwurf seitens der Reichsregierung dem Reichstage vorgelegt worden. Leider wurde derselbe seitens des Reichstags abgelehnt. Bei der Reform des dänischen Sparkassenwesens im Jahre 1879 scheiterte die Einführung der Postsparkassen nur an dem Bedenken, daß den mäßig besoldeten Postbeamten daraus eine größere Last erwachsen könnte. In Ungarn wird gleichfalls die Einführung derselben beabsichtigt und ebenso in der Schweiz.

Außerhalb Europas richtete zuerst Canada (1882: 51463 Conti mit 9473661 Dollars Gesamtguthaben) Postsparkassen nach englischem Muster ein; dann folgten die Straits-Settlements (Straßenansiedlungen an der Straße von Malacca) und andere englische Kolonieen (Victoria 1879: 49233 Einleger mit 950101 Pfd. St.). 1875 führte auch Japan das Postsparkassen-Institut ein, beiläufig mit dem Erfolge, daß am Ende des Rechnungsjahres 1881/82 die Zahl der Einnahmestellen 1164, die Zahl der Einleger 221000 und die Summe der Einlagen nahezu 4 Mill. M. betrug. Endlich hat auch die britisch-indische Regierung, zunächst in der Provinz Bengalen und im Nordwesten Indiens, einen diesbezüglichen Versuch gemacht. Dem nordamerikanischen Repräsentantenhause ist bereits vor längerer Zeit eine Bill vorgelegt worden, welche die Einrichtung der Postsparbanken auch für die Vereinigten Staaten empfiehlt.

Die Organisation des Postsparkassenwesens ist übrigens noch nicht abgeschlossen. Schon besteht zwischen Frankreich und Belgien ein Vertrag, kraft dessen das Guthaben der Einleger ohne Kosten von einem Lande aufs andere übertragen werden kann, desgleichen zwischen Belgien und den Niederlanden. Ähnliche Übereinkommen will Frankreich auch mit England, Italien und Österreich abschließen, und diesen Kartellen gedenken auch die Niederlande beizutreten. So ist bereits der Anfang gemacht zu einer internationalen Organisation der Postsparkassen, welche im Weltpostverein leicht weitere Ausbildung wird erfahren können.

Die wahrhaft großartige Entwicklung dieses Instituts, dem so hohe wirtschaftliche und moralische Bedeutung zukommt, veranschaulichen folgende Zahlen:

a. England.

Jahr. Zahl der Einleger. Einlagen. Rückzahlungen. Verbleibende Einlagen.

Zahl der Einlagen. Betrag in Pfd. St.[82] Zahl d. Rück zahlungen. Betrag in Pfd. St. Betrag in Pfd. St.

1861 24826 46643 167530 1702 6759 160771

1862 178495 592573 1947139 95592 431618 1515521

1863 319669 842848 2649918 197431 1026207 1623711

1870 1183153 2135993 5995121 787172 4758187 1236934

1875 1777103 3132533 8783852 1112637 7325561 1458291

1880 2184972 3754689 10301152 1465331 9346834 954318

1882 2858976 6151469 13712859 1935129 10869533 2843326

1884 — 6458707 14510411 2198792 12530563 1979848

Ende 1884: Bestand der Sparkassenguthaben 44773773 Pfd. St., d. i. rund 895½ Mill. M.

Die Benützung der Postsparkassen ist demnach in England eine sehr rege. Nach ihrem großen Umsatz und insbesondere nach den beträchtlichen Rückzahlungen, welche sie zu machen hatten, erscheinen sie als das, was sie sein sollen: die Aufbewahrungsstellen augenblicklich nicht zu verausgabender Beträge, die den eintretenden notwendigen Bedürfnissen zufolge später doch zurückgezogen werden müssen und als Ersparnisse nicht verbleiben können.

Um noch kleinere Ersparnisse als die des Einlageminimums von einem Schilling (l M.) möglich zu machen, sind unter freier Mitwirkung von gemeinnützigen Kreisen die sog. Pennybanken gegründet worden, welche dem Sparer eine Karte zum Aufkleben von zwölf Stück Pennymarken unentgeltlich verabfolgen und ihm Marken verkaufen.

Im Jahre 1880 wurden vom Generalpostmeister Fawcett auch diese Sparkarten eingeführt. Wer sparen will, erhält von den Postämtern eine Karte mit einer Pennymarke gegen Zahlung eines Pennys. Wer zwölf solcher Marken auf seine Karte geklebt hat, trägt dieselbe auf das nächste Postamt, wo man sie ihm als eine auf seinen Namen lautende Einlage im Betrage von 1 Schilling (12 Pence) abnimmt. Auch diese Einrichtung hat sich trefflich bewährt.

In socialpolitischer Hinsicht leisten die englischen Postsparkassen auch dadurch gute Dienste, daß sie jeder gesetzlich registrierten Unterstützungs-, Wohlthätigkeits- und Versorgungs-Gesellschaft gestatten, ihre Gelder und Überschüsse auf Verzinsung anzulegen. Hiermit genießen diese Gesellschaften ebenfalls die große Sicherheit der Anlage ihrer Gelder und pünktliche, gleichmäßige Verzinsung. Es sind dies besonders schätzenswerte Vorteile für diese Art von Gesellschaften, deren ganzes Wesen zur größtmöglichen Sicherheit der Anlage des Kapitals und eines zuverlässigen Eingangs der Zinsen nötigt.

So hat Gladstone sicher recht, wenn er sagt: The Post Office Saving Banks are the greatest and most important work, ever undertaken by the Government for the benefit of the nation (Die Postsparkassen sind die bedeutendste und wichtigste Einrichtung, die jemals von der Regierung zur Wohlfahrt der Nation getroffen worden).

Da auch die Gesetzgebungen anderer Länder, insoweit diese Postsparkassen eingeführt haben, die Bestimmungen der englischen in ihren wesentlichen Grundzügen annahmen, so ist es wohl gerechtfertigt, diese der Hauptsache nach vorzuführen.

Die Post Office Saving Bank ist eine Abteilung der Postverwaltung; sie führt Rechnung und Verwaltung über die durch die Postämter gesammelten Einlagen; auf ihre Anordnung erfolgt die Rückzahlung; bezüglich der Einlagen und Rückzahlung ist eine zweckentsprechende Kontrolle geschaffen; für die Einlagen existiert ein Minimum (1 Schilling = 1 M.) und ein Maximum (200 Pfd. St. = 4000 M.); wird das Maximum überschritten, so hört die Verzinsung (2½%) auf, und es erfolgt die Umwandlung in Staatspapiere ex officio, wenn der Einleger binnen einer festgesetzten Frist die Einlage nicht vermindert. Die Einlage, die Kündigung und die Rückzahlung kann bei jedem Postamte geschehen. Das Einlagebüchlein lautet auf den Einleger in Person; Beschlagnahme desselben wird von der Post nicht zugelassen. Für die Rückzahlung des Kapitals samt Interessen haftet der Staat ohne Vorbehalt; ihm gehört auch der Zinsenüberschuß. Die Zinsen werden am Ende jedes Kalenderjahres in die bestehenden Büchelchen eingetragen und zum Kapitale geschlagen. Für die Korrespondenz mit den Einlegern besteht Portofreiheit. Das Postsparkassenamt unterliegt der Kontrolle des Staatsrechnungshofes und hat monatlich einen Geschäftsausweis zu veröffentlichen. Der jährliche Rechnungsabschluß wird dem Parlamente mit einem Rechenschaftsberichte vorgelegt.

b. Belgien.

Jahr. Guthaben der Einleger am Ende des Jahres in Franken.

1870 712891

1875 7342602

1881 36731951

1882 44643838

1883 52506000

1884 64701281

c. Italien.

Jahr. Zahl der am Ende des Jahres im Um- lauf befindlichen Einlagebücher. Guthaben der Einleger am Ende des Jahres in Lire.

1876 57354 2443404

1878 157651 11385164

1880 339845 46252860

1882 592018 84951236

1883 895988 112128423

c. Niederlande.

Jahr. Zahl der umlaufenden Sparbücher. Gesamtbetrag des Guthabens der Sparer in Gulden.

1881 22831 858623

1882 46242 2018976

1883 67922 3217605

1884 90798 4650718

e. Frankreich.

Jahr. Zahl der Einlagen. Summe der Einzahlungen in Franken. Summe der Rückzahlungen in Franken. Verbleibende Ein- lagen in Franken.

1882 473155 64634381 17810940 46823441

1883 697433 73041637 45044435 27997202

1884 917131 94113816 58953250 35160566

f. Österreich.

Jahr. Zahl der Einlagen. Summe der Einzahlungen in Gulden. Summe der Rückzahlungen in Gulden. Verbleibende Ein- lagen in Gulden.

1883 u. 84 3311333 64763350 50067249 14696101

1885 2428159 278154862 261350405 16804457

Trotz aller Schwierigkeiten der Ein- und Durchführung macht die Einrichtung der Postsparkassen sichtliche Fortschritte und scheint sich langsam in allen civilisierten Ländern einbürgern zu wollen.

Nachstehend noch einige vergleichsstatistische Angaben über die bestehenden europäischen Postsparkassen:

Der Postsparkassen England. Belgien. Italien. Nieder- lande. Frank- reich. Österreich.

Betriebseröffnung 1861 1870 1876 1881 1882 1883

Zinsfuß 2½% 3% 3½% 2⅔% 3% 3%

Veranlagung 3% 3,7% 5% 4% 4% 5,4%

Minimalsatz in M. 1 0,80 0,80 0,42 0,80 0,45

Maximalsatz in M. 4000 4000 1600 — 1600 1700

Summe d. Einlagen i. J. 1882 in M. 274 Mill. 18,5 Mill. 14,3 Mill. 3,7 Mill. 52 Mill. c. 13,5 Mill.

Gesamtsparsumme Ende 1882 in M. 780 Mill. 35,7 Mill. 53,5 Mill. 3,5 Mill. 37,2 Mill. c. 9,5 Mill. (1883)

6. Der Geldbriefverkehr. Trotz der Einwirkung der bankmäßigen Zahlungsvermittlung durch die Postanweisungen u. s. w. nimmt der Barversendungs- und namentlich der Geldbriefverkehr, soweit diese Versendungsarten für den innern Verkehr der einzelnen Länder überhaupt zulässig sind, noch immer eine beachtenswerte Stellung ein. Nach der Berner Statistik für 1884 betrug der interne Geldbriefverkehr im gleichen Jahre:

in Rußland[83] rund 12 Milliarden Mark.

„ Deutschland „ 10½ „ „

„ Österreich „ 8 „ „

„ Ungarn „ 2½ „ „

„ Frankreich „ 1¼ „ „

„ Schweden „ 568½ Millionen „

„ Rumänien „ 321½ „ „

„ Dänemark „ 317 „ „

„ Belgien „ 276 „ „

„ Norwegen „ 259½ „ „

„ den Niederlanden „ 160 „ „

Die Gesamtsumme der durch die deutsche Reichspost vermittelten (deklarierten) Geldsendungen belief sich 1884 auf 18166 Millionen M.[84]

Der gesamte Umfang des Geldverkehrs der Post betrug im Jahre 1884 in den Ländern des Weltpostvereins, für welche die Berner Statistik Angaben enthält,

rund 150 Mill. Postanweisungen im Betrage von 7076 Mill. M.

„ 20 „ Postaufträge „ „ „ 931½ „ „

„ 12½ „ Nachnahmesendungen „ „ „ 97 „ „

„ 40½ „ Briefe mit Wertangabe „ „ „ 32079 „ „

„ 26½ „ Pakete mit Wertangabe „ „ „ 8956 „ „

Der Gesamtbetrag dieser (rund) 250 Millionen Wertsendungen belief sich somit für das Jahr 1884 auf die riesige Summe von nahezu 50 Milliarden (49139 Millionen) Mark.

III. Postpaketverkehr[85].

Die Annahme und Beförderung von Paketen seitens der Postanstalten hat sich in Deutschland viel später herausgebildet als diejenige von Briefen; erstere erfolgt erst seit etwa 180 bis 200 Jahren. Der Nutzen dieser Einrichtung wurde indes schon sehr frühzeitig erkannt, wie aus folgendem interessanten Zeugnisse erhellt. Von einem Reisenden aus dem Anfange des 18. Jahrhunderts, dem Ratsherrn Uffenbach in Frankfurt am Main (1683 bis 1734), der zugleich ein großer Bücherfreund war und deshalb viele Verbindungen mit Gelehrten u. s. w. unterhielt, erwähnt nämlich der Herausgeber seines hinterlassenen Reisewerkes ganz bezeichnend: „Er erfreuete sich über die Glückseligkeit unserer Zeit, da man Briefe und Pakete bequem und schnell an Orte, wenn sie auch weit von uns entfernt sind, vermittelst der öffentlichen Posten und Fahrwägen übersenden kann. Wie gar anders war es im 15. und noch zu Anfang des 16. Jahrhunderts beschaffen! Die Klagen berühmter Leute, die hin und wieder in ihren Briefen vorkommen, bezeugen es zur Genüge.“

Und doch, wie umständlich war ehemals dieser Paketverkehr, wie bedeutend das Porto! Der Staats- und Kabinetsrat Klüber sagt in seinem Werke „Das Postwesen, wie es war, ist und sein könnte“ (Erlangen 1811) hierüber folgendes: „Für ein Paket, das mit dem Postwagen von Berlin nach Frankfurt am Main gesendet wird, muß jetzt neunfach verschiedenes Porto gezahlt werden: königl. preußisches, königl. sächsisches, kaiserl. französisches (zu Erfurt), sachsen-weimarisches, sachsen-gothaisches, sachsen-weimarisches (zu Eisenach), königl. westfälisches, großherzogl. hessisches (Taxissches) und frankfurtisches (Taxissches). Die Adresse ist gewöhnlich so sehr mit Postzeichen und Ziffern beschmiert, daß oft beim Nachrechnen und Entziffern nicht auf das Klare zu kommen ist. Läuft das Paket bis Basel, so ist das zu zahlende Porto zwölffach verschieden.“ Da jede Postverwaltung für ihre Beförderungsstrecke ein bestimmtes Porto beanspruchte, so belief sich das Gesamtporto für ein 5 kg oder 10 Pfund schweres Paket gewiß oft auf mehrere Thaler.

Solche Zustände bestanden in Deutschland im wesentlichen bis 1850. Erst die dritte Konferenz des deutsch-österreichischen Postvereins führte 1857 die organische Umgestaltung des Vereinsfahrpostwesens herbei. Nach dem Vereinsfahrposttaxsystem vom 1. Juli 1858 wurden nunmehr auch bezüglich des Vereinsfahrpostverkehrs, wie das schon früher bezüglich des Vereinsbriefpostverkehrs geschah, sämtliche deutschen Postbezirke als ein ungeteiltes Postgebiet angesehen. Das Porto ward, ohne Rücksicht auf die Territorialgrenzen und auf die Leitung, lediglich nach Maßgabe der direkten Entfernung (geraden Linie) in einer Summe und nicht mehr für jedes einzelne deutsche Postgebiet besonders, sondern für den gesamten Verein als gemeinschaftliche Einnahme berechnet. Die erzielte gemeinschaftliche Portoeinnahme für die Vereinsfahrpostsendungen wurde unter die Vereinspostverwaltungen nach gewissen Prozentsätzen verteilt, wobei als Grundsatz galt, daß der Anteil sich nach der wirklichen Leistung zu richten habe.

Hiermit war ein höchst wichtiger Schritt bezüglich der Fahrpostsendungen gemacht worden.

Sehr wesentlich wurde dann infolge des Gesetzes vom 17. Mai 1873 das Porto für Pakete bis zum Gewichte von 5 kg innerhalb des deutschen Postgebiets ermäßigt. Es beträgt seitdem für solche: a) auf Entfernungen bis 10 Meilen einschließlich 25 Pf.; b) auf alle weiteren Entfernungen 50 Pf. Dieser Tarif wurde sodann auch im Wechselverkehr zwischen dem Reichspostgebiete einerseits und Bayern und Württemberg, sowie Österreich-Ungarn andererseits eingeführt. Die Vorteile dieses Zehnpfundpaketsystems sind wiederholt betont worden; vor allem ermöglicht es, von überallher in Deutschland und Österreich-Ungarn gute und billige Lebensmittel zu beziehen.

Mehr und mehr stellte sich das Bedürfnis heraus, den Portotarif auch für die mit dem Auslande gewechselten Pakete zu vereinfachen. Es ist das Verdienst der Reichspostverwaltung, den Anstoß zu dieser Reform gegeben zu haben. Am 3. November 1880 kam es denn auch auf der internationalen Postkonferenz in Paris zum Abschlusse einer diesbezüglichen Übereinkunft, durch welche die postmäßige Beförderung kleiner Pakete gegen einheitlich bemessene Gebührensätze, sowie die übereinstimmende Behandlung dieser Pakete in den verschiedenen Vereinsländern erreicht wurde. Diese Übereinkunft wurde von 21 Postverwaltungen unterschrieben.

Ein erschwerender Umstand, die betreffenden Grundsätze im Verkehr der Staaten des Weltpostvereins einzuführen, lag besonders darin, daß eine ganze Anzahl fremder Postverwaltungen bisher mit der Beförderung von Paketen sich überhaupt nicht befaßt hatte. Dies gilt z. B. von Frankreich, Italien, Belgien, Spanien, Portugal, der Türkei u. s. w. In Frankreich und Belgien besorgen die Eisenbahnverwaltungen die Beförderung der Pakete, in den Niederlanden und Italien vorzugsweise Privatgesellschaften. Auch in England hat die Eröffnung des Postpaketdienstes, zunächst für den innern Verkehr, erst am 1. August 1883 stattgefunden.

Am 1. Oktober 1881 trat die Pariser Übereinkunft ins Leben. Hierdurch wurde jedermann ermächtigt, Pakete ohne Wertangabe bis 3 kg nach Ägypten, Algier, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Frankreich, den französischen Kolonieen, Italien, Luxemburg, Montenegro, Norwegen, Österreich-Ungarn, Rumänien, Schweden, der Schweiz, Serbien und Tunis mit der Post sicher und schnell und zu verhältnismäßig geringen Portosätzen befördern zu lassen. Ebenso kann die Absendung solcher Pakete von den genannten Ländern nach Deutschland geschehen.

Weitere Erleichterungen bezüglich des Postpaketverkehrs wurden auf dem Lissaboner Weltpostkongreß im Jahre 1885 vereinbart. So wurde auf demselben das Meistgewicht der Postpakete im internationalen Verkehr, unter Beibehaltung der bisherigen Taxen, von 3 auf 5 kg erhöht und die Zulassung von Paketen mit Wertangabe und gegen Nachnahme beschlossen; auch ist die Beschränkung der zur Postbeförderung zuzulassenden Sendungen, wenigstens soweit nicht eine Seebeförderung in Betracht kommt, beseitigt worden. Postpakete, die in irgend einer Ausdehnung 1,50 m überschreiten oder nach ihrer Form oder ihrem Inhalt besondere Umständlichkeiten bei der Verladung oder Beförderung verursachen, werden als sperrig behandelt und mit einer Zuschlagstaxe von 50 Pf. belegt.

Der Umfang des Päckereiverkehrs der Post ist, trotzdem die Beförderung von Paketen nicht in allen Ländern einen Bestandteil des Postdienstes bildet, nicht unbedeutend, am großartigsten in Deutschland. 1884 z. B. wurden in letzterem Lande allein (nach der Berner Statistik) rund 87 Millionen Stück befördert, in sämtlichen übrigen Ländern des Weltpostvereins betrug die Zahl der im innern Dienst expedierten Pakete nur 81 Millionen.

Was den Umfang des internationalen Paketdienstes betrifft, so zeigt vor allem der Verkehr aus und nach Deutschland, welcher Entwicklung dieser Dienstzweig fähig ist. Im Jahre 1884 hat die Gesamtzahl der aus Deutschland nach dem Auslande beförderten gewöhnlichen Pakete nicht weniger betragen als 3540350 Stück im Gesamtgewichte von 13969520 kg, während in umgekehrter Richtung 1544600 Stück im Gesamtgewichte von 6036620 kg eingegangen sind[86].

Die Gesamtstückzahl der von der Post auf der ganzen Erde beförderten Pakete (mit und ohne Wertangabe) betrug nach der Berner Statistik im Jahre 1884 über 180 Millionen.

Für die Beamten der Post ist der Paketdienst zuweilen wenig angenehm. Ein Beamter des Postamts IV in Hamburg, bei dem zufolge des schwunghaften Geschäftsbetriebes der Hamburger Tierhändler besonders zahlreiche Sendungen mit ausländischen Tieren ausgeliefert werden, berichtet darüber wie folgt: „Das Konzert, welches durch die Vereinigung so vieler Tiergattungen in den Räumen der Packkammer zuweilen veranstaltet wird, ist dem Ohre nicht immer ergötzlich. Das Kreischen und Schwatzen der Papageien, das Pfeifen der Kardinale, das Gezwitscher der Hunderte von kleinen Vögeln, dazu das durchdringende Geschrei eines Affen und das alles übertönende Gewimmer mehrerer Hündchen, die ihrer Mutter entrissen sind: alles dieses bildet mitunter eine entsetzliche Symphonie, deren Ende sehnlichst herbeigewünscht wird.“ Von den Tiersendungen ist in Deutschland besonders der Versand von Singvögeln ein sehr bedeutender. Im engen Holzbauer, dem durch sinnreiche Vorrichtungen Speise und Trank für mehrere Tage beigegeben werden, durcheilen z. B. die Harzer Kanarienvögel aus St. Andreasberg zu Tausenden das ganze Reichspostgebiet; ja sie werden bis in die entferntesten Gegenden Österreich-Ungarns, nach Rumänien, Polen, Schweden und Norwegen, Dänemark, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, der Schweiz und Italien befördert. Neuestens hat man sogar versucht, und zwar mit gutem Erfolge, Vogelpakete übers Meer nach Amerika zu verschicken[87].

Mitunter werden den beim Paketdienste beschäftigten Beamten auch sehr seltsame Überraschungen zu teil. So wurde nach dem Berichte der britischen Post- und Telegraphenverwaltung pro 1877/78 in einem Postwagen der London-Liverpooler Linie eine mehr als 3 Fuß lange lebende Schlange gefunden, die sich aus einer Schachtel, in der sie zur Post eingeliefert worden war, befreit hatte. In einer andern Schachtel, die als unbestellbar an die Centralbehörde eingesandt wurde, fanden sich nicht weniger als acht lebende Schlangen vor[88]. Bei der Postagentur in Wildemann (Oberpostdirektionsbezirk Braunschweig) kam vollends ein Paket mit 60 Dynamitpatronen zur Aufgabe[89].

Zu den Schmerzenskindern der Post zählen, um auch dies zu erwähnen, nicht selten die Warenproben. Sie sind dies nicht so sehr wegen der Zahl der Sendungen, als wegen ihrer manchmal unförmlichen Beleibtheit und des keineswegs immer anmutigen Inhalts. „Die Gemütsstimmung eines Bahnpostbeamten,“ äußert sich Fischer da, wo er von den Warenproben spricht[90], „über welchen die Gärtnereien von Erfurt oder Quedlinburg das unendliche Füllhorn ihrer in dünne Papiersäckchen eingeschlossenen Samenproben ergießen, oder desjenigen, der sein Operationsfeld durch einen unvermuteten Ansturm einiger Hundert dicker Wollpäckchen in Gestalt von festgerollten Cylindern beengt sieht, pflegt keine rosige zu sein. Daß Scheren, Messer, Pfriemen und andere scharfe Instrumente in höchst mangelhafter Hülle der Post als Warenproben überliefert werden, wird von manchen Fabrikanten als ein unantastbares Recht ihres Gewerbebetriebes angesehen, während sie sich um die Verletzungen, die den Händen der Postbeamten dadurch drohen, keine Sorge machen! Von anderer Seite findet man es wieder unbegreiflich, daß die Postverwaltung Bedenken trägt, kleine Glasröhren mit Baumöl, chemischen Säuren oder anderen unbehaglichen Flüssigkeiten zur Beförderung als Warenproben anzunehmen.“ Infolge dieser Widerwärtigkeiten haben denn die Postverwaltungen die Bedingungen für die Annahme von Warenproben seitens der Postbehörden einer genauen Regelung unterzogen.

Die Gesamtzahl der im Jahre 1884 auf der ganzen Erde beförderten Postsendungen ist auf mehr als 12000 Millionen zu veranschlagen. Auf den einzelnen Menschen entfielen an Postsendungen für das gleiche Jahr 9 Stück[91].

IV. Personenbeförderung.

Während alle übrigen Zweige des Postdienstes eines stetigen Aufschwunges sich zu erfreuen haben, zeigt die Personenbeförderung überall, wo sich die Post mit derselben überhaupt noch befaßt, einen ebenso stetigen Rückgang. Nur die deutsche Reichspost hat es nach der Berner Statistik vom Jahre 1884 im Laufe des bezeichneten Jahres noch auf eine Anzahl von 3406383 Postreisenden gebracht. — Verhältnismäßig am stärksten ist der Personenpostverkehr in der Schweiz. Auf dem kleinen Gebiete der Eidgenossenschaft sind während des Jahres 1884 im ganzen 734897 Personen durch Postfuhrwerke befördert worden.

V. Feldpost.

Die Feldpost ist eine Einrichtung, durch welche die Postverbindung einer Armee im Felde einerseits mit ihrer Heimat, andererseits nach und von den einzelnen Truppenkörpern hergestellt und bis zum Eintritt des Friedens unterhalten wird. Das Bedürfnis derartiger Einrichtungen war schon früh vorhanden, doch hatte man im Altertum keine der Feldpost der neuern Zeit ähnliche Einrichtung. Erst durch die Errichtung regelmäßiger Posten unter Kaiser Maximilian I. waren die Grundlagen hiefür gewonnen. Daß bereits im 30jährigen Kriege Feldpostillone verwendet wurden, ist mehrfach bezeugt. Der erste Staat, welcher die Feldpost von Grund aus organisierte, war Brandenburg-Preußen; 1716 bereits begegnet uns hier das erste Feldpostamt, und zwar im vorpommerschen Kriege. Es hatte die Aufgabe, der preußischen Armee in Feindesland zu folgen und die Postverbindung für letztere mit der Heimat durch reitende Postillone zu unterhalten. In den zahlreichen Kriegen, welche Preußen führte, namentlich aber im siebenjährigen Kriege, wurden diese Keime weiter ausgebildet und erhielten durch engen Anschluß an die militärischen Kommunikationseinrichtungen, in denen ja Friedrich d. Gr. Meister war, eine Grundlage, auf der im wesentlichen noch jetzt die Organisation der deutschen Feldpost beruht.

Die mächtige Entfaltung der modernen Verkehrsmittel hat auch im Feldpostwesen bedeutende Umwälzungen hervorgerufen. Schon der deutsche Krieg von 1866 stellte große Anforderungen an die Feldpost, noch weit mehr der deutsch-französische Krieg von 1870/71. In diesem Kriege beförderte die deutsche Feldpost bis zum 31. März 1871 an Briefen und Postkarten nicht weniger als 89659000 Stück, ferner Geldsendungen im Betrage von 179596860 M., an Zeitungen 2354310 Exemplare und außerdem noch 1853686 Stück Päckereisendungen. Die Zahl der Feldpostanstalten, Relais und Landespostanstalten in Frankreich, sowie in Elsaß-Lothringen betrug 411, die Zahl der Beamten und Unterbeamten 2140[92].

VI. Postanstalten.

Die Gesamtzahl der zur Wahrnehmung des eigentlichen Postbetriebes bestimmten Postanstalten im Bereiche des Weltpostvereins belief sich nach der Berner Statistik von 1884 auf 133799. Die meisten hiervon, 50017, entfallen auf die Vereinigten Staaten von Amerika. Deutschland ist mit 15428 vertreten, England mit 16434, Frankreich mit 6587 und Britisch Indien mit 6721. Dabei ist übrigens nicht zu vergessen, daß der Begriff „Postanstalt“ diesseits und jenseits des Oceans etwas verschieden aufzufassen ist.

Die höchste Poststation der Erde ist Rumihuasi (4966 m) in den Anden, und die einfachsten Postbureaus befinden sich an der Südspitze von Amerika und auf Booby-Island in der Torresstraße. Was das erstere Postamt betrifft, so hängt dort an einem Felsen des äußersten Vorgebirges der Magellanstraße, gegenüber Feuerland, ein Fäßchen, das durch eine eiserne Kette befestigt ist. Dasselbe wird von jedem vorüberfahrenden Schiffe geöffnet, um entweder Briefschaften hineinzulegen oder demselben Briefe zu entnehmen. Diese Postablage verwaltet sich sonach von selbst, sie ist dem Schutze der Seefahrer anheimgestellt, und man hat kein Beispiel, daß jemals ein Mißbrauch des öffentlichen Vertrauens stattgefunden hätte. Jedes Schiff übernimmt die freiwillige Expedition der Einlagen, deren Bestimmungsort in der Richtung seiner Fahrt liegt.

Illustration from Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt

Fig. 43. Das Centralpostgebäude in Berlin.

Auf Booby-Island liegt in einer durch einen hohen Flaggenstock bezeichneten Höhle eine Tonne mit der Aufschrift: „Post office“. In dieser Tonne befindet sich Schreibmaterial und ein Buch zum Eintragen von Bemerkungen. Neben der Tonne liegen Vorräte von allerlei Lebensmitteln für etwaige Schiffbrüchige. Jedes Schiff, welches die Insel passiert und reichliche Vorräte an Bord hat, ergänzt den Bestand des Magazins und nimmt gleichzeitig die in dem Tonnenpostamt befindlichen Briefe zur Weiterbeförderung mit.

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Fig. 44. Das Postamt auf der Booby-Insel.

VII. Außergewöhnliche Leistungen der Postanstalten.

Zu gewissen Zeiten des Jahres kommen ganz enorme Mengen von Postsendungen zur Auflieferung und Bearbeitung. So tritt alljährlich in der zweiten Hälfte des Monats Dezember für die deutsche Post eine besonders mühe- und arbeitsvolle Zeit ein. Es ist die Zeit um das heilige Weihnachtsfest, wo durch das ganze Land alt und jung, reich und arm, getreu der uralten deutschen Sitte, darauf bedacht ist, die Lieben nah und fern durch eine Gabe, ein Angebinde als Zeichen freundlichen Gedenkens zu erfreuen. Hierdurch erfährt nun besonders der Paketverkehr bei der Post eine über das gewöhnliche Maß weit hinausgehende Steigerung. Dieser Päckereiverkehr ist indes für die Post kein Schreckgespenst und vermag die Ordnung ihres Betriebes nicht zu erschüttern. Freilich bedarf es zu seiner Bewältigung der umfassendsten Vorbereitungen nach verschiedenen Richtungen, der Aufwendung erheblicher außergewöhnlicher Kosten und schließlich des freudigen Einsetzens der vollen Kraft, der ganzen Umsicht und Willfährigkeit seitens des gesamten Personals von den Vorstehern bis zum Paketträger und Hilfsboten.

„Tausend fleiß’ge Hände regen, Helfen sich in munterm Bund, Und in freudigem Bewegen Werden alle Kräfte kund“,

das ist der Eindruck, den jeder, Laie oder Fachmann, erhält beim Eintritt in die Weihnachts-Packkammer oder in die Bahnhofs-Sammelstelle an irgend einem größern Orte. 1884 betrug in Berlin in den Tagen vom 12. bis 25. Dezember die Zahl der aufgelieferten, eingegangenen und durchbeförderten Pakete 2716000.

In England hat nach dem Berichte des Generalpostmeisters Fawcett die Sitte, in der Weihnachtswoche Karten und ähnliche Überraschungen mit der Post zu übersenden, eine solche Ausdehnung angenommen, daß 1880 mehr als 11½ Millionen Briefe und kleine Pakete über den Durchschnittsverkehr und 4 t (1 t = 1016 kg) eingeschriebener Korrespondenz mehr als gewöhnlich durch das Hauptpostamt in London liefen. Der Verwaltung wurde hierdurch eine Mehreinnahme von 58000 Pfd. St. oder 1160000 M. zugeführt.

Eine ähnliche Erscheinung, wie die Hochflut des Paketverkehrs während der Weihnachtszeit, bietet der Neujahrsbriefverkehr. Er macht sich bei uns auf dem platten Lande allerdings nur wenig bemerkbar, nimmt aber mit der Größe der Städte immer mehr zu und wird in Berlin gleichsam zur Springflut. So hat am Sylvesterabend 1881 und am Neujahrstage 1882 die Zahl der bei den Postanstalten in Berlin eingelieferten Stadtbriefe 1256577 Stück betragen. Zu Neujahr 1884 wurden in Berlin in der Zeit vom 31. Dezember mittags 12 Uhr bis 1. Januar abends 10 Uhr sogar 1809483 Briefschaften aufgegeben und expediert. Wenn nun auch ein gleich starkes Anwachsen des Neujahrsbriefverkehrs in keinem andern Orte Deutschlands stattfindet, so ist die allgemeine Zunahme des Briefverkehrs bei jeder Jahreswende doch so bedeutend, daß die Arbeit dann nur durch Anspannung aller verfügbaren Beamten- und Unterbeamtenkräfte, sowie durch Heranziehung außergewöhnlicher Aushilfe für den Bestelldienst bewältigt werden kann.

Es giebt noch eine Reihe von anderen, auf einzelne Orte oder auf kleinere Gebiete beschränkten Erscheinungen, die es notwendig machen, daß einerseits die Kräfte der Beamten in ungewöhnlich hohem Maße in Anspruch genommen, andererseits besondere Vorkehrungen seitens der Verwaltung getroffen werden. Sie sind teils vorübergehender Natur, teils kehren sie regelmäßig wieder; durchweg aber werden sie veranlaßt durch ungewöhnlich große Ansammlungen von Menschen an einzelnen Orten, wie auf Märkten und Messen, bei Industrie- und sonstigen Ausstellungen, bei Sänger-, Turner- und Schützenfesten, bei den Zusammenziehungen beträchtlicher Truppenkörper zu größeren Übungen, bei der regelmäßig wiederkehrenden Belegung der Militärschießplätze, insbesondere aber bei dem auf gewisse Jahreszeiten beschränkten zahlreichen Besuch von Bädern, Luftkurorten und Aussichtspunkten. In den meisten dieser Fälle steigert sich der Postdienst in einem sehr bedeutenden Maße, weil nicht nur Aussteller, Käufer und Verkäufer, sondern auch Festteilnehmer, Touristen und Badegäste einen ungewöhnlich lebhaften Verkehr unterhalten.

Es können übrigens jeden Augenblick und von jeder Seite her Anforderungen an die Postverwaltungen treten, auf deren Bewältigung sie nicht vorbereitet ist, oder welche die Leistungsfähigkeit derselben auf eine harte Probe stellen. So wurden beispielsweise im Jahre 1880 von einer Firma gleichzeitig nahezu 300000 Geschäftscirkulare beim Postamte in Hull (England) ausgeliefert, die ein Gewicht von zusammen 20 t hatten, und für welche Porto im Gesamtbetrage von 2380 Pfd. St. (47600 M.) gezahlt werden mußte. Die Beförderung der Circulare, die innerhalb 48 Stunden ordnungsmäßig stattfand, machte die Einstellung von sieben besonderen Eisenbahnwagen erforderlich. Auch in dem Verwaltungsjahr 1882/83 wurden nach dem Berichte des englischen Generalpostamtes von einer Firma in London an einem Tage 132000 Briefe und von einer andern Firma ebenda 167000 Postkarten auf die Post gegeben. In hohem Grade werden die Dienste der Post neuestens auch zur Zeit von Wahlen in Anspruch genommen. Bei den Reichstagswahlen des Jahres 1884 wurden z. B. an einem Tage einem Postamte Berlins 24000 Kreuzbandsendungen übergeben. Es ist ferner schon mehrfach vorgekommen, daß der deutschen Bahnpost Verviers-Köln eine amerikanische Post von mehr als 60 Briefsäcken neben einer gleich starken englischen Post zugegangen ist, so daß in solchen Fällen zur Fortschaffung der Korrespondenz bis zu sechs Postwagen in den Zug haben eingestellt werden müssen.

Viertes Kapitel. Hindernisse des Postverkehrs[93].

Zahlreiche Hindernisse erwachsen dem Postverkehr oft schon durch die Bodenbeschaffenheit eines Landes. Wie beschwerlich ist z. B. für den Landbriefträger die Wanderung durch den oft bis zu den Knieen reichenden, beweglichen Sand der Ostseedünen oder durch die sandigen Heiden des Departements les Landes! Die friesischen und litauischen Postboten haben im Frühling und Spätherbst auf grundlosen Pfaden über Moor und Sumpf zu den weit ausgedehnten Hauländereien, Fehnkolonieen u. s. w. zu waten. Was hat ferner die Infanterie der Post nicht alles zu leiden von Wind und Wetter, Hitze und Kälte! Noch bedeutsamer sind die Gefahren, welche dem Postverkehr durch elementare Naturgewalten bereitet werden, wie durch Lawinen, Hochwasser u. dgl.

Auch von Tieren werden die Boten der Post nicht selten belästigt. Namentlich sind Klagen über die Anfälle, denen Briefträger beim Betreten der Gehöfte durch bissige Hunde ausgesetzt sind, nicht selten. Der Bericht des englischen Generalpostmeisters für 1877 konstatiert, daß die Zahl der von Hunden gebissenen Postboten wie in den Vorjahren eine nicht unbedeutende gewesen.

Unter den seitens der Menschen dem Postverkehr bereiteten Hindernissen nahmen in früheren Zeiten Raubanfälle eine nicht geringe Stelle ein. Heutzutage kommt die Species des Posträubers, einzelne Ausnahmen abgerechnet, wenigstens in Europa nicht mehr vor. In außereuropäischen Ländern verhält es sich freilich noch vielfach anders. So wird in mejicanischen Postberichten wiederholt über arge Unsicherheit der Landstraßen im Innern des Landes geklagt. Auch in den Vereinigten Staaten von Amerika hat der Postillon häufig noch Kämpfe mit Indianern oder organisierten Räuberbanden zu bestehen. Im Verwaltungsjahre 1881/82 haben z. B. im Gebiete der Union nicht weniger als 387 gewaltsame Beraubungen von Postanstalten stattgefunden. Desgleichen werden die an sich spärlichen Postverbindungen in Syrien und anderen Teilen der asiatischen Türkei gelegentlich durch Überfälle seitens streifender Beduinenstämme beeinträchtigt. Was die Postdiebe betrifft, so ist deren Zahl eine so geringe, daß der allgemeine Gang der Postbeförderung davon völlig unberührt bleibt. Am nachteiligsten wirken auf den Postverkehr jedenfalls die Eigentümlichkeiten des die Post benutzenden Publikums.

Die pünktliche und richtige Beförderung mancher Sendungen wird z. B. durch Einlieferung an ungeeigneten Stellen verhindert. Da die Einlegung eines Briefes in den Briefkasten oder seine Abgabe am Postschalter im allgemeinen als eine höchst einfache Verrichtung gilt, so wird an Versehen, die hierbei vorkommen könnten, seitens des Publikums nur selten gedacht. Dem gegenüber ist indes aus dem Berichte des englischen Generalpostmeisters für 1877 die Thatsache anzuführen, daß in Aberdeen ein Mann bemerkt wurde, der sich viele Mühe gab, einen Brief in die Öffnung eines in Reparatur befindlichen Straßenhydranten hineinzustecken. Die Ähnlichkeit dieser Vorrichtung mit den in England mehrfach üblichen Säulenbriefkasten hatte, wie sich bei näherer Untersuchung des Hydranten herausstellte, bereits früher drei verschiedene Korrespondenten zur Niederlegung von Briefen in diesen für die Weiterbeförderung ungeeigneten Behälter verleitet. Dieser Vorfall steht keineswegs vereinzelt da. Von einer Dienstmagd in Husum wurde z. B. ein Gasuhrbehälter für einen Briefkasten gehalten. Es giebt überhaupt kaum eine nach der Straße zugehende Öffnung, die nicht gelegentlich von einem Unkundigen für den Spalt eines Briefkastens angesehen würde. Bei dem Postamte in Weimar nahmen die Annahmebeamten vor einigen Jahren wahr, wie sich ein Dienstmädchen eifrig damit beschäftigte, Briefe in das unter dem Posthausbriefkasten befindliche offene Kellerfenster zu werfen. Man fand, als man der Sache auf den Grund ging, im Keller eine ganze Reihe älterer Einwürfe und erfuhr, daß das Dienstmädchen von seiner Herrschaft den ausdrücklichen Auftrag erhalten hatte, die Sendungen nicht in den Briefkasten zu legen, sondern am Fenster abzugeben, worunter die Herrschaft allerdings das des Postschalters verstanden hatte.

Andere Hindernisse der Beförderung entstehen aus der Adressierung der Sendungen. In sehr vielen Fällen liegt die Ursache der undeutlichen, rätselhaften Adressierung in der Nachlässigkeit des Publikums, namentlich auch der kaufmännischen Welt, auf die Lesbarkeit der Unterschrift keinen Wert zu legen. Nur zu häufig kommt es vor, daß der Empfänger außer Stande ist, den Namenszug des Absenders zu entziffern. Was bleibt ihm bei Beantwortung des Briefes anderes übrig, als die Hieroglyphen desselben möglichst getreu in der Aufschrift nachzumalen! Gehört der Schreiber des Antwortbriefes überdies noch einer fremden Nation an, so ist bald eine Aufschrift wie „C. Stusbing & Coy — Berlin“ entstanden, mit welcher ein Brief an die Firma „Hübner & du Buy — Berlin“ richtig bestellt worden ist. Ebenso dürften die Herren Professor Dr. Ziurek und Louis Levin in Berlin überrascht gewesen sein, daß Briefe unter der falschen Flagge „Dr. Zurich“ beziehungsweise „Dr. Cziarek“ und „Louis Leome“ glücklich in ihre Hände gelangt sind, zumal dieselben eine Wohnungsangabe nicht trugen. — Wie die Ausländer vielfach gezwungen sind, den Namen der Briefschreiber aus den Schreiben herauszusuchen und nachzumalen, geht aus folgenden für einen Deutschen hochkomischen Aufschriften aus Frankreich und England hervor. Die eine Aufschrift lautet: „Monsieur Paul Parey, Ersucht Sie Ergebents à Berlin“, die andere: „Wiegandt, Hempel & Parey, Datum des Poststempels, Berlin.“

Eine andere Abart von rätselhaften Aufschriften ist dadurch entstanden, daß biedere Deutsche, welche mit Hacke und Pflug gut umzugehen verstehen, aber die Feder nicht mehr nach den Regeln der Kunst zu handhaben wissen, beim Schreiben an dem Grundsatze: „Schreib, wie du sprichst“, festhalten und die Buchstaben nach alter Erinnerung aus der Jugendzeit auf das Papier hinstellen. So lautet eine Aufschrift folgendermaßen: „An den Herrn wil Lah man zu kirg de linroh kreis kitinge“; der Brief wurde richtig an „Herrn Wilhelm Bachmann zu Kerstlingerode, Kreis Göttingen,“ bestellt. Noch verwickelter wird die Lösung solcher Schrifträtsel, wenn in der Aufschrift Fremdwörter vorkommen. Oft auch wird die Adresse von solchen, die des Schreibens recht wohl kundig sind, undeutlich geschrieben und so die Beförderung wesentlich erschwert. Infolgedessen gehen Briefe für Bonn gar nicht selten nach Rom; Celle wird wie Lille, Greiz wie Graz geschrieben. Barmen, Bremen und Brunnen sind bisweilen kaum zu unterscheiden, ganz zu geschweigen von Minden und Münden, Gemünden und Gmunden, Altona und Altena, Kassel und Kastel, oder Berkum, Beckum, Borkum, Borken, Bochum, Bornum und Bornim. Auch die ungehörige Hervorhebung von Nebensächlichem auf der Adresse kann für die Beförderung von Briefen verhängnisvoll werden. So sind für die Schweiz bestimmte Briefe nach China spediert worden, weil das Wort Kanton auf der Adresse mit mehr in die Augen fallenden Buchstaben geschrieben war, als der eigentliche Bestimmungsort. In ähnlicher Weise machte ein Brief an einen Breslauer Professor in dem schlesischen Bade Landeck, Haus Arcadien, die Reise nach Griechenland. Manche unserer schwerfälligen Korrespondenzformen tragen gleichfalls nicht zur Klarheit der Adressen bei. So reklamierte einmal das Postamt in Madrid einen Brief an Señor Wohlgeboren. Kein geringes Hindernis bei der Bestellung der Briefe bilden ferner die verschiedenen Sprachen. Ein dem Briefkasten in Lüneburg entnommener Brief nach Leghorn z. B. geht nach dem hannoverschen Orte dieses Namens. Der Absender aber war ein reisender Engländer, der mit Leghorn Livorno meinte.

Ganz besonders schlimm steht die Sache dann, wenn die Aufschrift gar keinen Bestimmungsort trägt oder wenn der Name des Empfängers gar nicht, die Wohnung des letztern jedoch nur ungefähr bekannt ist, oder — wenn die Aufschrift ganz fehlt. Aber auch da ist die Post nicht immer ratlos, wie aus folgenden paar Beispielen erhellt. Ein Brief aus Wien mit der Aufschrift „Paul Behnert, Sachsen, Äußere Auwinstraße Nr. 9“ gelangte nach Dresden und von da durch die Findigkeit eines Beamten nach Zittau, wo der Adressat ermittelt wurde. Ein Brief an „Onkel Hans in Braunschweig, Kohlmarkt“ kam nach kurzen Nachforschungen seitens des gewandten Briefträgers fast ohne Verzögerung an die richtige Adresse; ebenso fand der bestellende Bote ohne große Schwierigkeit den richtigen Empfänger eines Briefes aus Amerika, den ein kleines Mädchen „An Meinen lieben Papa in Niethen bei Pommritz“ abgesandt hatte.

Wie groß überhaupt die Zahl der unvollständigen, der falschen, der trotz aller Mühe unverständlichen Briefanschriften ist, darüber belehrt am besten die Statistik der unbestellbaren Briefe. Im Jahre 1884 z. B. wanderten nach der Berner Statistik von den Briefen des internen Verkehrs in das Retourbriefamt (engl. blind office, in Paris les catacombes de la poste genannt): in Deutschland 702235, in Großbritannien 5081713 und in der Union 4369999. Hiervon konnten noch nachträglich bestellt oder an ihre Absender zurückgeschickt werden: in Deutschland 532487 (75,8%), in Großbritannien 4760544 (93,6%) und in den Vereinigten Staaten von Amerika 1667455 (38,1%). Gänzlich unbestellt blieben: in Deutschland 169748, in Großbritannien 321169 und in den Vereinigten Staaten von Amerika 2702544. In den letztgenannten Staaten rührt diese große Menge gänzlich unbestellbarer Briefpostsendungen hauptsächlich daher, daß man sich in der Neuen Welt einer großen Eintönigkeit bei der Auswahl der Ortsnamen schuldig gemacht. Eines der neuesten Ortsverzeichnisse der Union weist beispielsweise 18 Berlin in den verschiedensten Staaten auf, wozu noch ein Berlin Centre, ein Berlin Heights und ein Berlin Croß Reads in Ohio, Berlin Falls in New-Hampshire, ein Berlinsville in Pennsylvanien und ein Berlinville in Ohio kommen. Neben 23 Columbia paradieren 23 Columbus, 11 Humboldt, zahllose Liberties und Freedoms, Unions und Unities, Franklins, Washingtons, Jacksons und Jeffersons. Die klassischen Neigungen Bruder Jonathans sind durch 16 Arcadia, 16 Athen, 19 Palmyra, 15 Homer, der Olymp selber durch 5 Minerva, 3 Ceres und 2 Juno vertreten. Auch in Deutschland pflegen die etlichen 20 Neustadt, die verschiedenen Freiburg, Karlsruhe etc. dem Absender weniger Kopfzerbrechen zu verursachen, als der Post, welcher die Wahl des richtigen Bestimmungsorts vielfach überlassen wird[94].

Selbst Briefe oder Postkarten ohne Adresse werden viel häufiger aufgegeben, als man anzunehmen geneigt sein möchte. Der Bericht des englischen Generalpostmeisters für 1880/81 konstatiert z. B., daß im Bereiche seiner Verwaltung in einem Jahre mehr als 27000 Briefe und Postkarten jeglicher Aufschrift entbehrten. Im Jahre 1883/84 betrug die Zahl derartiger Briefe 25628; hiervon enthielten noch dazu 1536 Stück Werteinlagen im Gesamtbetrage von 102160 M.

Vielfach ist auch die Beschaffenheit der Sendungen Ursache, wenn dieselben nicht zur Bestellung gelangen. Das gilt besonders von Gepäckstücken. So sind z. B. in New-York allein in einem einzigen Jahre infolge sorgloser Verpackung 4000 Drucksachen aus Europa als unbestellbar liegen geblieben. Meistens waren die Streifbänder abgefallen.

Zuweilen trägt die Qualität der dienstbaren Geister, welchen die Vermittlung zwischen der Post und der Herrschaft zukommt, die Schuld, wenn Sendungen gar nicht oder wenigstens nicht rechtzeitig an ihrem Bestimmungsorte eintreffen.

Manchmal machen wir die Post für unsere eigene Vergeßlichkeit verantwortlich. So wurde nach dem Bericht der britischen Postverwaltung des Jahres 1870 in einem Falle eine Anzahl Coupons zu Suez-Kanal-Aktien, welche als vermißt bezeichnet worden waren, in dem Papierkorbe des Empfängers aufgefunden, wohin sie dieser geworfen hatte, in der Meinung, es seien gewöhnliche Geschäftsanzeigen. Nach derselben Quelle wurde ein anderer, angeblich als Einschreibsendung aufgelieferter Brief hinter einem Schreibpulte in der Stube des Absenders selbst vorgefunden, und ein nach Paris bestimmter Brief, der 125000 Pfd. St. enthielt und ganz bestimmt als Einschreibbrief aufgegeben sein sollte, fand sich unter den gewöhnlichen Briefpostgegenständen unversehrt wieder. Ebenso wurde einem Pakete mit einer Uhr nachgeforscht, das an einen Londoner Uhrmacher gerichtet war, und dessen Empfangnahme von letzterem hartnäckig bestritten wurde. Schließlich wurde die vermißte Uhr in einem Schubkasten im Laden des Uhrmachers entdeckt.

Auf welch seltsame Weise Briefe ohne Verschulden der Post zuweilen zu Verluste gehen, dafür giebt uns der Bericht der amerikanischen Post- und Telegraphenverwaltung pro 1877/78 einen Beleg. Hiernach wurden nämlich Briefe, die durch einen an der Ladenthür eines Geschäftes befindlichen Briefeinwurf abgegeben worden waren, und welche infolge davon, daß auf der Innenseite der Thüre kein Briefkasten sich befand, auf die Erde fallen mußten, von Ratten unter die Dielen verschleppt. Dieselben kamen erst wieder zum Vorschein, als Ausbesserungen im Laden vorgenommen wurden.

Auch andere Tiere sind den Briefschaften schon verhängnisvoll geworden. So wurden Briefkästen nach dem Berichte Hydes wiederholt von Vögeln mit Beschlag belegt, die darin befindlichen Briefschaften aber auf die Straße geworfen[95].

Fünftes Kapitel. Geschichte des Briefes, der Freimarke, der Postkarte und der Zeitungen[96].

1. Der Brief. Die Geschichte des Briefes verliert sich in das Dunkel der Sage. Nach Diodor stammt der älteste Brief der Welt von dem indischen König Stabrobates; derselbe war an die assyrische Königin Semiramis gerichtet. Mehrfach ist auch in der Bibel von Briefen die Rede, und selbst Homer läßt schon, wie jener Brief beweist, den der Argiverfürst Proitos arglistig dem Bellerophon nach Lycien mitgab, die Helden sich des Schreibens befleißigen. Nach neueren Forschern gebührt die Ehre der Erfindung des Briefschreibens der Königin Atossa, der Tochter des Cyrus und der Mutter des Xerxes. Am frühesten wurden indes Briefe wohl in Ägypten geschrieben, da dort schon in ältester Zeit durch die hohe Kulturentwicklung im allgemeinen, wie durch die Erfindung der Papyrusbereitung[97] für die Entwicklung des Briefverkehrs die entsprechenden Bedingungen gegeben waren.

Eine besondere Art der klassischen Briefformen ist der Stab- oder Rollbrief — die Skytale —, der in Lacedämon gebräuchlich war. Sollte nämlich eine Botschaft ergehen, so schlang man einen schmalen weißen Riemen, fest und genau schließend, um den Stab, schrieb das Nötige in der Längsrichtung des Stabes querüber auf die durch den aufgewickelten Riemen gebildete Schreibfläche, löste den Riemen wieder und schickte ihn so an den Feldherrn oder Staatsmann, für den die Botschaft bestimmt war. Dieser vermochte die jedem andern unverständlichen Zeichen nur dadurch zu entziffern, daß er den Riemen um den in seinen Händen befindlichen Stab von genau den gleichen Dimensionen schlang. So stellt der Stabbrief wohl die älteste Form eines Feldpostbriefes dar[98].

Verwandt mit dem lacedämonischen Stabbrief, wenn auch weniger in der Form, so doch hinsichtlich des hauptsächlichsten Gebrauches für geheime amtliche Mitteilungen, sind die Knotenbriefe oder Quipus der Inkaperuaner in Amerika. Sie bestanden im wesentlichen aus einem horizontal gelegten Hauptstrang, an dem verschiedene Schnüre herabhängend angebracht waren. Jeder dieser Stränge hatte eine besondere Hauptbedeutung, während die an denselben angebrachten Knoten, je nach ihrer Stellung und Form, die unter jenen Hauptbegriff fallenden Einzelheiten darstellten. Daß solche Knotenschnüre vor alters auch in China statt der Schrift in Gebrauch waren, erwähnt der Philosoph Lao-tse, ein älterer Zeitgenosse des Konfucius[99].

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Fig. 45. Quipu (Knotenschrift).

Das Mittelalter zeigt eine nur mäßige Entwicklung des Briefschreibens in der verkehrsmäßigen Bedeutung des Wortes. Begründet ist diese Thatsache, abgesehen von der damals überhaupt ziemlich spärlich verbreiteten Kenntnis des Lesens und Schreibens, besonders auch in dem hohen Preise des Schreibmaterials, als welches nunmehr an Stelle des in Vergessenheit geratenen Papyrus das Pergament getreten war. Seinen Namen trägt dieses Schreibmaterial von der Stadt Pergamus in Kleinasien. Als nämlich König Eumenes II. (197–158 v. Chr.) in Pergamus seine große Bibliothek anlegte, soll die Eifersucht der Ptolemäer, die hierin eine gefährliche Nebenbuhlerschaft mit ihrer Weltbibliothek in Alexandrien erblickten, in dem Maße erregt worden sein, daß sie die Ausfuhr des Papyrus aus Ägypten gänzlich untersagten. Notgedrungen griff man nun in Pergamus zurück auf die alte Art der Bereitung von Tierhäuten, die man zugleich derart verbesserte, daß das neue Erzeugnis als charta pergamena sich bald großen Ruf erwarb[100].

Die bis jetzt erörterten Schreibstoffe waren der Entwicklung des Briefes wenig günstig; erst als durch die Erfindung des Lumpenpapiers[101] ein weit bequemeres, billigeres und allgemein zugängliches Material gewonnen worden war, nahm dieselbe einen ungeahnten Aufschwung.

Bald entwickelte sich auch ein besonderer Fabrikationszweig für „Brief- oder Postpapier“, das vor allem durch möglichst geringe Dicke und kleineres Format sich auszeichnet, daneben auch besondere Glätte und Feinheit in Stoff und Farbe zeigt. Es wird gegenwärtig in fast allen Kulturländern benutzt. An einzelnen eigenartigen Schreibstoffen fehlt es indes auch der Neuzeit nicht. So zeigt unsere Abbildung ein im Postmuseum zu Berlin befindliches Original eines zusammengewickelten Palmblattes aus Indien, das, mit einer Blattfaser verschlossen, auf der Außenseite die Adresse enthält.

Gleiche Wandlungen, wie der Stoff, auf den geschrieben wurde, erfuhr im Laufe von Jahrtausenden auch der Verschluß der Briefe. Der einfache Bast, mit welchem der indische Palmblattbrief noch heute verschlossen wird, mag von alters her, sobald man einmal den Gebrauch des Papyrus zu Briefen kannte, das gewöhnliche Verschlußmittel gewesen sein. Später ging man dazu über, die Enden der Schnüre sowohl bei Rollen, als auch bei den Wachstäfelchen mit Thonerde oder Wachs zu verschließen. Der Gebrauch der sogen. Siegelerde war namentlich in Asien heimisch, da nur in Kleinasien eine zu diesem Zwecke taugliche Thonerde gefunden wurde.

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Fig. 46. Palmblattbrief.

Im Mittelalter unterschied man zwei Arten von Briefen: literae clausae und literae patentes. Bei den verschlossenen Briefen war das aus Wachs hergestellte Siegel auf dem Briefe selbst angebracht, so daß dessen Inhalt nur nach Erbrechen des Siegels dem Auge zugänglich war. Bei den literae patentes (den offenen Briefen) waren dagegen die Siegel nur angehängt, dienten aber so wesentlich zur Beweiskraft des Schriftstücks, daß schon eine Beschädigung des Siegels hinreichte, die Urkunde ungültig zu machen.

An die Stelle des Wachses trat, wahrscheinlich erst um die Mitte des 16. Jahrhunderts, der noch jetzt gebräuchliche Siegellack. Er soll aus China stammen und von dort nach Indien gelangt sein, von wo ihn die Portugiesen nach Europa brachten. Erwiesenermaßen ist derselbe in Breslau schon 1561 in Gebrauch gewesen; er scheint indes noch mehr als ein Jahrhundert als eine kostbare Seltenheit gegolten zu haben.

Wegen der umständlichen Behandlung, welche der Siegellack erforderte, griff man nebenbei auch zur Oblate[102], deren Verwendung eine ziemlich verbreitete wurde, doch konnte sie den Siegellack nicht ersetzen. In unserem Jahrhundert ist sie durch die gummierte Siegelmarke aus Papier fast ganz verdrängt worden; aber auch diese weicht jetzt vor den gummierten Briefumschlägen mehr und mehr zurück.

Endlich noch einiges über die Schreibgeräte!

Auf Wachstafeln schrieb man mit Griffeln aus Knochen oder Metall. Sehr früh begann man aber auch schon mit gefärbten Flüssigkeiten zu schreiben, und dazu diente das Rohr, das wie unsere Schreibfedern gespalten und zugespitzt war. Das stumpf gewordene Rohr wurde mit Bimsstein wieder geschärft. Später trat an Stelle des Rohrs die Kielfeder, deren Gebrauch schon im fünften Jahrhundert sich nachweisen läßt; allgemein in Gebrauch kam dieselbe erst im neunten Jahrhundert. In unserer Zeit hat die Kielfeder wiederum der Stahlfeder Platz gemacht[103]. — Die Tinte der Alten bestand meist aus Leimwasser, das mit Ruß gerührt wurde, oder aus dem Saft der Maulbeeren oder aus dem Blute des Tintenfisches. Doch müssen dieselben auch schon den Gebrauch von Metallsalzen bei Anfertigung ihrer Tinten gekannt haben, da man bei vielen griechischen und römischen Manuskripten, die durch Radierungen undeutlich geworden waren, den Text durch Behandlung mit Reagentien auf vitriolhaltige Stoffe wiederhergestellt hat. Im Mittelalter waren in den meisten Fällen die Hauptbestandteile der Tinte, wie noch heute, Galläpfel und Vitriol.

2. Die Freimarke. Die Geschichte der Freimarke reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück[104]. Nach dem Berichte des Chronisten Pellisson-Fontanier wurde nämlich von Ludwig XIV. im Jahre 1653 dem Maître des requêtes (Staatsrat, Berichterstatter über Bittschriften) Vélayer das Privilegium erteilt, in den verschiedenen Stadtteilen von Paris Briefkästen aufstellen und die in dieselben eingelegten, an Einwohner der Stadt selbst gerichteten Briefe gegen eine Gebühr von einem Sou bestellen zu lassen. Eben dieser Vélayer war es nun auch, welcher, wie derselbe Chronist des weitern mitteilt, zuerst auf den Modus der vorherigen Erhebung der Gebühr bei Bestellung von Briefen, d. i. die Frankierung kam. Die Entrichtung dieser Gebühr geschah nun in der Weise, daß ein „billet de port payé“, das an bestimmten Stellen zu kaufen war, zur Frankierung verwendet wurde. Als die eigentliche Erfinderin dieser Francobillets des Mr. Vélayer wird indes eine Hofdame, Madame de Longueville, bezeichnet.

Unter den Gründen, welche zu Gunsten der neuen Beförderungsgelegenheit angeführt werden, figurieren zum Teil recht naive. So heißt es z. B., die neue Einrichtung werde sich sehr bald unentbehrlich erweisen für alle, „welche... verhindert sind, selbst auszugehen, wegen ihres Gesundheitszustandes oder wegen ihrer Gläubiger“; dann für solche, welche in Strafanstalten sitzen oder in Klöstern und Kollegien sich befinden; für Prozeßführende, die mit aller Welt zu thun haben...; ferner für die Herren und Damen bei Hofe, die stets auf den Beinen sind und doch oftmals nicht die Hälfte derjenigen Anstandsverpflichtungen erledigen können, die sie gern erledigen möchten.

Die Entwertung der billets de port payé geschah durch den Absender selbst, indem nur solche Briefe befördert wurden, auf welchen das Billet durch handschriftliche Ausfüllung des Aufgabedatums in dem hierzu bestimmten Vordruck: „port payé, le... jour du mois de... l’an 16...“ für nochmalige anderweite Verwendung unbrauchbar gemacht war.

Wie lange und in welchem Umfange dieser Stadtpostdienst bestanden hat, ist leider nicht bekannt geworden; jedenfalls war er ein Jahrhundert später (1760) gänzlich in Vergessenheit geraten und mit ihm auch die erste Anwendung der Postfreimarke.

Erst im 19. Jahrhundert kam das zur Entrichtung der Postgefälle so einfache und für das korrespondierende Publikum so bequeme System der Postwertzeichen wieder in Anwendung, und zwar gebührt dem Königreich Sardinien das Verdienst, diese Bahn zuerst wieder betreten zu haben. Dort wurden 1819 Postwertzeichen in Form gestempelter, zum Einschlagen der Briefe bestimmter Viertelbogen weißen Papieres ausgegeben. Das Papier selbst trug an den Rändern ringsum den Wasserstempel: „Direzione Generale delle Regie Poste.“ Die Wertstempel, einen blasenden Genius zu Pferde darstellend und in Beträgen zu 15, 25 und 50 Centesimi angefertigt, wurden im nächsten Jahre durch farblose Trockenstempel ersetzt und blieben bis zum Jahre 1836 in Gebrauch.

Dem Vorgange der sardinischen folgte zunächst die englische Postverwaltung, die 1840, zugleich mit Einführung des Penny-Portos, ebenfalls gestempelte Briefumschläge anfertigen ließ, und zwar solche zu einem Penny in Schwarzdruck und zu zwei Pence in Blaudruck. Die für die Aufschrift bestimmte Vorderseite dieser Umschläge trug eine Illustration von Mulready (eine allegorische Verherrlichung des britischen Weltverkehrs) und am Fuße in Druckschrift die Wertbezeichnung „Postage one penny“ oder „Postage two pence“. Einige Monate später wurden die ersten eigentlichen Briefmarken zu einem Penny und zwei Pence ausgegeben. Diese das Bild der Königin Viktoria in braunrotem, beziehungsweise blauem Kupferstich tragenden Marken sind unverändert in Form und Farbe noch heute in Gebrauch.

Ins große wurde die Frankierungsidee in England von Charles Knight und dem Schöpfer des Penny-Portos, Rowland Hill, übertragen.

Sehr bald folgten dem Vorgange Sardiniens und Englands: 1843 Brasilien, 1844 Genf, 1845 Finnland, 1846 die Union, 1848 Rußland, 1849 Frankreich, Belgien und Bayern, 1850 Österreich, Preußen und Sachsen, und später nach und nach alle jene Staaten, die sich im Besitz eines geregelten Postwesens befanden.

Die Ausstattung der Freimarken ist eine sehr verschiedene. Die Marken Guatemalas z. B. zeigen buntgefiederte Papageien, auf den ägyptischen Wertzeichen sind die Wahrzeichen des alten Pharaonenlandes, Sphinx und Pyramide, angebracht; grimmig blickt der Drache auf den Postmarken Chinas; der geflügelte Hermeskopf ist das Wahrzeichen Griechenlands, und die Negerrepublik Liberia hat ihrem die Republik darstellenden Frauenkopfe die phrygische Mütze aufgesetzt.

Die für die Freimarken jetzt gewöhnlich verwendeten Farben sind: Blau für die zu 25 Centimes (20 Pf.), Rot für die zu 10 Centimes (10 Pf.) und Grün für die zu 5 Centimes (5 Pf.)

Auf dem ganzen Erdenrund existieren gegenwärtig weit über 5000 verschiedene Arten von Postwertzeichen, von denen auf Europa allein ungefähr über 3000 entfallen.

Wie massenhaft der Verbrauch dieser Wertzeichen ist, ergiebt sich aus der Thatsache, daß in Großbritannien und Irland das Gewicht der in einem Jahre ausgegebenen Postmarken rund 2280 Ctr. beträgt[105].

Hier sei auch des Briefmarkensammelns[106] gedacht!

Dasselbe wird seit etwa 20 Jahren systematisch betrieben, und ebensolange ist der Handel mit Briefmarken als vollberechtigtes kaufmännisches Geschäft in Erscheinung getreten. Der Hauptsitz für dieses Gewerbe, das vollauf seinen Mann nährt, ist Paris, wo dasselbe zuerst in dem bekannten Hotel Drouot sein Standquartier hatte. Später wurde für diesen eigenartigen Handel eine förmliche Börse errichtet, die erst in den Tuilerien, dann im Luxembourg abgehalten wurde und zur Zeit in der Avenue Marigny ein blühendes Dasein führt. Hier findet man Briefmarkenhändler und -Liebhaber jeden Alters und Standes von dem Schüler an, der seine Pfennige in einigen billigen Erwerbungen anlegt, bis zu den Grossisten, deren Umsätze in Marken sich nach Hunderten, ja Hunderttausenden beziffern. Neben Paris sind namentlich noch in Brüssel, Berlin, Wien, Leipzig und Breslau mehrere derartige große Geschäfte in Thätigkeit.

Da man in den ersten Jahren nach Einführung der Postwertzeichen nicht daran dachte, die zur Frankierung verwendeten abgestempelten Marken aufzubewahren oder gar zu sammeln, sondern dieselben gewöhnlich achtlos dem Papierkorb überantwortete, von wo sie wohl meist den Weg zum Ofen oder Kamin genommen haben, so sind Exemplare der ersten Emissionen naturgemäß sehr selten geworden. Einzelne solcher seltenen Vögel werden denn auch, ihre Echtheit vorausgesetzt, zu Preisen notiert, die dem Nichtphilatelisten[107] unbegreiflich erscheinen. So wird z. B. die seltenste französische Marke, diejenige zu 1 Frc., Ausgabe 1849, orangegelb, für 150–200 M. verkauft; die erste Ausgabe von Hawaii, mit Ziffern statt Zeichnungen, erzielt, gut erhalten, 800–1000 M.; ebensoviel wird für jede der beiden mit „Reunion“ bezeichneten Marken zu 15 und 30 Cts. bezahlt. Die Perle aller Marken ist indes diejenige der Insel Mauritius vom Jahre 1850; sie wird, ob sie rot oder blau, gut erhalten oder schon vom Zahn der Zeit angenagt ist, wenn sie nur den legalen Stempel trägt, mit mehr als 1000 M. bezahlt.

Es ergiebt sich hieraus, daß die Briefmarken-Liebhaberei recht kostspielig werden kann, wenn der Sammler auf Vollständigkeit seiner Sammlung erpicht ist. Eine leidlich komplette Sammlung kostet mindestens 50000 bis 100000 Frcs.

Große Privatsammlungen sind deshalb selten; die bedeutendste besitzt der Herzog von Galliera, der vor einigen Jahren die Bestände des Markenhändlers Mahé kaufte und diesen Herrn selbst, sowie einen zweiten Markenkenner von Fach als Konservatoren seiner Sammlung anstellte. Die Aufwendungen für letztere sollen bis jetzt schon 1½ Mill. Frcs. betragen. Eine zweite großartige Privatsammlung befindet sich in den Händen des Barons Arthur von Rothschild in Paris; sie soll einen Wert von 200000 Frcs. repräsentieren.

Die Sammlung des Postmuseums in Berlin enthält über 5000 verschiedene Arten von Postwertzeichen, von denen allein in Europa über 2500 ausgegeben wurden. Das Zimmer, in welchem dieselbe untergebracht ist, erfreut sich stets eines außerordentlichen Zuspruchs, wenn die Räume des Museums dem Publikum zugängig sind. „Gefährlich geradezu aber wird der Ansturm,“ wie Ferdinand Hennicke launig sagt, „wenn die Berliner Schulen Ferien haben. Dann marschiert Jung-Deutschland geschlossen in das betreffende Zimmer ein und wankt und weicht nicht von den philatelistischen Schätzen, bis die Glocke den Schluß der Vorstellung verkündet.“

Eines der bedeutendsten Hilfsmittel für den Sammler von Fach ist das Katalog-Album von Arthur Maury, ein mit wirklicher Gelehrsamkeit geschriebenes Buch.

3. Die Postkarte[108]. Die erste Idee zur Einführung von Postkarten ist von dem jetzigen Leiter des deutschen Reichspostwesens, Staatssekretär Dr. v. Stephan, ausgegangen. Derselbe hatte schon in seiner Dienststellung als Geheimer Postrat beim frühern preußischen Generalpostamte letzterem einen bezüglichen Vorschlag unterbreitet, war aber damit nicht durchgedrungen. Diese Denkschrift datiert vom Oktober 1865. Sie kam in Karlsruhe auf der fünften Postkonferenz zur Sprache und erweckte das besondere Interesse des geistreichen, weitblickenden Sektionsrats Kolbensteiner, des spätern österreichischen General-Post- und Telegraphendirektors. Durch dessen Einfluß und unter der Fürsprache des Professors Dr. Herrmann an der Militärakademie zu Wiener-Neustadt trat die Postkarten-Einrichtung für die österreichisch-ungarische Monarchie am 1. Oktober 1869 ins Leben. Die neuen Karten entsprachen völlig dem von ihrem Erfinder Dr. v. Stephan schon im Jahre 1865 ausgesprochenen Gedanken. Der sofortige Konsum in Österreich stellte sich für ein einziges Quartal auf 2930000 Stück. Deutschland führte die Postkarte im Juni 1870 ein. Die erste Ausgabe der norddeutschen Postkarten fand in Berlin am 25. Juni 1870 statt. Ein wie großes Verlangen nach dem neuen Verkehrsmittel sich geltend machte, und wie sehr dieses einem wirklichen Bedürfnis entsprach, geht daraus hervor, daß die Zahl der allein an diesem einen Tage in Berlin abgesetzten Postkarten 45468 Stück betrug.

Von nah und fern, sogar aus dem Westen Amerikas, gingen dem Generalpostamte nach Ausgabe der ersten Postkarten Danksagungsschreiben zu, mittels deren die Absender ihrer Freude über die neue Einrichtung Ausdruck verliehen. Besonders aber erwies sich die Postkarte im deutsch-französischen Krieg als ein ganz unschätzbares Hilfsmittel, in bündiger und gedrängter Kürze Nachrichten von einem beginnenden Kampfe oder von einer glücklich überstandenen Schlacht in die Heimat gelangen zu lassen. Von den Truppen wurde auch in der That von den Postkarten der umfassendste Gebrauch gemacht. Auf rund zehn Millionen beziffert sich die Zahl der bis Ende Dezember 1870 zwischen den Truppen und den Angehörigen in der Heimat gewechselten Karten. Jeder Postzug führte Massen von Postkarten mit sich, welche zum Teil auf den Schlachtfeldern auf den Rücken der Kameraden geschrieben worden waren, um den Angehörigen in der Heimat sogleich nach den gewaltigen Katastrophen die ersehnten Nachrichten über das Ergehen der Ihrigen zu bringen. Wie manche Thräne der bangenden Ungewißheit ist in jener Zeit durch den Eingang einer Karte getrocknet worden; wie manche verzweifelnde Gattin hat durch sie Trost und Beruhigung gefunden!

Die französische Regierung der nationalen Verteidigung folgte am 29. September 1870 sofort dem Beispiele Deutschlands; dann kamen nach dem Kriege die französischen Karten wieder in Fortfall, und erst Anfang 1873 wurden sie wieder eingeführt. Luxemburg dekretierte die Postkarten am 1. September 1870, die Schweiz am 23. Juli 1870, Großbritannien am 1. Oktober 1870, Belgien und die Niederlande am 1. Januar 1871, Dänemark am 1. April 1871, Finnland im Juni 1871, Schweden und Norwegen am 1. Januar 1872, Rußland an eben demselben Tage, Spanien verfügte die Postkarten-Einrichtung am 1. Dezember 1873, ebenso Serbien und Rumänien. Italien folgte am 1. Januar 1874, Griechenland 1876, Türkei 1877, Portugal 1878. Zu den einfachen Postkarten kamen bald solche mit Antwortkarten.

Das Reichspostamt hat von Privatpersonen mehrfach Proben erhalten, wieviel auf dies handgroße Blatt Papier geschrieben werden kann. Eine dieser Postkarten enthält, wenn auch mit einiger Mühe, so doch immer noch lesbar, mit Tinte geschrieben, die Gedichte: „Der Gang nach dem Eisenhammer“, „Der Graf von Habsburg“, „Der Handschuh“ und „Das Mädchen aus der Fremde“, was nach der Angabe des Einsenders eine Summe von 4255 Worten darstellt. Ein noch größeres Kunststück aber hat, Zeitungsnachrichten zufolge, ein Korporal in Hermannstadt geliefert, der auf die Rückseite einer einzigen Postkarte 8777 Worte geschrieben haben soll. Wenn diese Ergebnisse schon bei gewöhnlicher Schrift erzielt worden sind, so läßt sich denken, wie viel mehr noch die Postkarte ausgenutzt werden kann, wenn man die Stenographie zu Hilfe nimmt. In dieser Beziehung hat wohl ein englischer Stenograph das denkbar Möglichste geleistet; derselbe brachte es zuwege, auf eine großbritannische Postkarte, die der deutschen noch dazu an Größe nachsteht, 33363 Worte zu schreiben.

Das Reichspostmuseum in Berlin enthält eine Postkarte, welche die Reise um die Welt gemacht hat. Aufgegeben in Chemnitz am 12. November 1878 und zum Zwecke anderweiter Adressierung und sofortiger Weitersendung an die betreffenden auswärtigen Konsulate gerichtet, ist die Karte an ihrem Abgangsort am 11. März 1878, mithin nach 119 Tagen, wieder eingetroffen. Die betreffende Karte nahm ihren Weg über Neapel, Alexandrien, Suez, Shanghai, Nagasaki, Yokohama, San Francisco, Philadelphia, New-York und Queenstown.

Dasselbe Museum enthält auch eine Sammlung aller seit Einführung der Postkarten amtlich ausgegebenen Formulare. Die kleinsten aller Postkarten sind die der Insel Neufundland, welche eine Länge von 11,4 cm bei einer Breite von 7 cm haben. Die deutschen Sind um 3,0 cm länger und 1,8 cm höher. Daß überhaupt die Postkarten aller Länder in ihrer äußern Form so viel wie möglich übereinstimmen, ist eine Folge des Postvertrages, durch welchen festgestellt ist, daß sie eine bestimmte Größe, nämlich 14 cm in der Länge und 9 cm in der Breite, nicht überschreiten dürfen.

Wegen ihrer Ausstattung bemerkenswert sind die ebenerwähnten Postkarten der Insel Neufundland. Die aus weißem Papier hergestellten, mit Randverzierungen geschmückten Formulare tragen in grüner Farbe den Vermerk „Newfoundland“ und „Post-Card“ auf einem netzartigen, fein ausgeführten Untergrunde, welch letzterer von einem aus der linken untern Ecke der Karte ausgehenden und über die ganze Fläche sich ausbreitenden Strahlenbündel durchschossen ist. Einen nicht weniger bunten Anblick gewähren die Karten der Republik Guatemala mit schwarzem Druck auf Chamois-Papier. Sie führen in der Mitte der obern Hälfte ihrer Vorderseite einen Frauenkopf in ovalem Rahmen (mit der Umschrift „¼ Quartillo real“), welcher mit Arabesken von Blätterwerk umgeben ist, und unter dem sich in verziertem Druck die Angabe „Cartas postales de la Republica de Guatemala“ befindet. Ferner sind hier noch die Helgoländer weißen Welt-Postkarten zu 10 Pf. zu erwähnen, welche mit ihrer Umrahmung zusammengeknoteter Taue und ihren aus stiller See aufsteigenden Felsblöcken, die sich zu den einzelnen Buchstaben des Wortes „Helgoland“ zusammensetzen, zugleich bildlich ihren Ursprung von dem kleinen Eilande zur Anschauung bringen. Über „Helgoland“ steht „Union postale universelle“ und links in der obern Ecke das helgoländische Wappen mit einem Wimpel, welcher den Wertstempel von 5 farthings trägt. Daß der Wertstempel in der obern linken Ecke steht, findet man sonst nur bei den Briefkarten von Italien und der Schweiz. Bei denjenigen von Cuba, Guatemala, Portorico und Spanien befindet er sich oben in der Mitte. Alle anderen Briefkarten sind in der rechten obern Ecke gestempelt. Betreffs der Postkarten mit Antwort ist noch erwähnenswert, daß diejenigen von Finnland und Schweden sich von denen anderer Länder dadurch unterscheiden, daß sie nicht an der breiten, sondern an der schmalen Seite gespalten sind.

Notes in this chapter

Note 1 · Einen der größten aller Luftballons, den „Riesen“ (Le Géant), veranschaulicht das Titelbild. Nadar in Paris ließ denselben am 4. Oktober 186Note 2 · Entnommen der „Statistik der deutschen Reichs-Post und Telegraphen-Verwaltung für das Kalenderjahr 1884“. Berlin, 1885.Note 3 · Die folgenden Zahlen sind dem Buche v. Neumann-Spallarts „Übersichten der Weltwirtschaft“, Jahrg. 1881–82 (Stuttg., Jul. Maier, 1884) entnomNote 4 · Nach der von dem Berner internationalen Postbureau für 1884 herausgegebenen „Statistique générale du service postal dans les pays de l’UnionNote 5 · In Frankreich, Österreich und Italien giebt es seit neuester Zeit auch sogen. Kartenbriefe oder Postbillets; sie bilden ein Zwischenglied zwNote 6 · Vgl. hiezu außer der „Statistique générale etc.“ für 1884 noch besonders das Archiv für Post und Telegraphie, Jahrg. 1881 und Jahrg. 1883.Note 7 · Veredarius a. a. O. S. 333. Die Berner Statistik für 1884 enthält für Italien keine Angabe.Note 8 · Veredarius a. a. O. S. 337.Note 9 · Als Quelle diente vorzugsweise der Aufsatz Paul Dehns: „Zur Einführung von Reichspostsparkassen“, in den „Annalen des Deutschen Reiches“ 188Note 10 · 1 Pfd. St. = 20 M.Note 11 · In Rußland und Spanien besteht das Postanweisungsverfahren nicht.Note 12 · Statistik der Reichspost- und Telegraphenverwaltung für das Kalenderjahr 1884, S. 53.Note 13 · Auszugsweise bearbeitet nach Löper, Pakete im Weltpostverkehr (Vom Fels zum Meer, Weihnachtsnummer 1883).Note 14 · Veredarius a. a. O. S. 381.Note 15 · Fischer a. a. O. S. 137.Note 16 · Archiv für Post und Telegraphie, 1879, 7. Jahrg.Note 17 · Deutsche Verkehrszeitung, 1883, No. 1.Note 18 · A. a. O. S. 130.Note 19 · Statistik der Reichspost- und Telegraphenverwaltung für das Jahr 1884.Note 20 · Veredarius a. a. O. S. 339.Note 21 · Litteratur: Fischer a. a. O. — Stephan, Weltpost und Luftschiffahrt. — Verschiedene Jahrgänge der „Deutschen Verkehrszeitung“. — Veredarius Note 22 · Die Zahl der beim Berliner Stadtpostamt mit unvollständiger Aufschrift einlaufenden Briefsendungen an Einwohner Berlins beträgt per Tag rundNote 23 · Hyde a. a. O. S. 264–266.Note 24 · Litteratur: Veredarius a. a. O. S. 1–22. — Hennicke, Das Reichspostmuseum in Berlin, in Westermanns Monatsheften, Juli 1884, S. 514 ff. — HeNote 25 · Die Herstellung des Schreibstoffes aus der Papyrusstaude ist eine ägyptische Erfindung und geschah in der Weise, daß das aus dem Schafte gewNote 26 · Um die Geheimhaltung von Nachrichten möglichst zu sichern, traf man mitunter ganz sonderbare Vorkehrungen. Herodot erzählt z. B., daß man maNote 27 · Vgl. Rich. Andree, Ethnographische Parallelen und Vergleiche. Stuttgart, Julius Maier, 1878, S. 184–197.Note 28 · Die Meinung, daß zur Bereitung des Pergaments Eselshaut gedient habe und noch diene, ist irrig. Das Material der ältesten Pergamente bilden Note 29 · Lumpenpapier erwähnt zuerst ein Abt Petrus in Cluny, der in der Mitte des zwölften Jahrhunderts lebte. Die früheste Bereitung des Papiers übNote 30 · Der älteste Brief, welcher mit einer Oblate versiegelt erscheint, ist aus dem Jahre 1624 und ward zu Speier geschrieben.Note 31 · In Schönebergers „Börsen- und Handelsbericht“ wird die intellektuelle Urheberschaft an der Erfindung der modernen Stahlfeder dem Chemiker DrNote 32 · Vgl. Veredarius a. a. O. S. 23–28. — Hennicke a. a. O. S. 517. 518.Note 33 · Hyde a. a. O. S. 117.Note 34 · Litteratur: Hennicke, Das Reichspostmuseum in Berlin, in Westermanns Illustrierten deutschen Monatsheften, Juliheft 1884, S. 518 und 519. — Note 35 · Philatelist vom griech. philein = lieben, sich gerne mit einer Sache beschäftigen, und griech. ateleia = Freiheit von Leistungen an den StaaNote 36 · Das Folgende nach Unger, „Geschichte der Postkarte mit besonderer Berücksichtigung Deutschlands“, im Archiv für Post und Telegraphie, 1881;
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