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Der Weltverkehr

I. Telegraphie.

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Erstes Kapitel. Geschichte der Telegraphie[1].

Schon in den ältesten Zeiten fühlte man das Bedürfnis, wichtige Nachrichten möglichst schnell nach entfernten Orten zu befördern. Diesem Zwecke dienten zunächst optische Signale, wie Feuer, Fackeln, Rauchsäulen u. s. w. So soll die schnellste Nachricht vom Falle Trojas durch Feuerzeichen (Fanale) nach Griechenland gelangt sein. Apulejus erzählt von den Persern, daß sie ausgestellte Posten hatten, welche durch Fackeln die Signale bis zur Residenz des Königs vermittelten. Nach Herodot meldete der persische Feldherr Mardonius dem noch in Sardes befindlichen Könige die Nachricht von der Besetzung des verlassenen Athen durch Feuerzeichen. So heißt es auch bei Thucydides: „Gegen die Nacht wurden die Peloponnesier durch Feuerzeichen benachrichtigt, daß 60 athenische Schiffe von Leukas im Anzuge seien.“ Von den desfallsigen Kommunikationen der Macedonier erwähnt Curtius: Observabatur ignis noctu, fumus interdiu (nachts wurde Feuer, bei Tage Rauch wahrgenommen), und Cäsar ließ seinen bedrängten Legaten durch weithin sichtbaren Rauch den Anmarsch der zur Hilfe anrückenden Legionen verkünden. Aus dem Periplus des Hanno ersehen wir an mehreren Stellen, daß auch bei den afrikanischen Völkern ein ähnlicher Gebrauch bestand. Ebenso besaß China in früherer Zeit eine Art optischer Telegraphie mittels Feuerzeichen. — Für die Kommunikation der Seeschiffe wurden bei Tage Flaggensignale verwendet. In der Seeschlacht bei Cyzicus machten z. B. auf ein Flaggensignal des Admirals (Alcibiades) sämtliche Dreiruder ein plötzliches und entscheidendes Manöver; ebenso in der Schlacht bei Mytilenä auf ein vom Admiral (Konon) mit der purpurnen Flagge gegebenes Zeichen. — Im Mittelalter wurde von optischen Telegraphensignalen (Flaggen, Raketen) wenig Gebrauch gemacht. An eine sichere und ausgedehnte Anwendung des Lichtes war in früheren Zeiten überhaupt nicht zu denken, da man selbst auf kurze Entfernungen zur Übermittlung von Nachrichten zu viel Zwischenstellen nötig hatte, wodurch die getreue Wiedergabe einer Nachricht erheblich beeinträchtigt wurde. An eine größere Verwendung des Lichtes konnte erst nach Erfindung des Fernrohrs (um das Jahr 1600) gedacht werden, weil es dadurch ermöglicht wurde, auch kleine Lichtquellen auf bedeutende Entfernungen dem Auge noch wahrnehmbar zu machen. Die Folge dieser Erfindung war, daß man außer mit dem Lichte auch mit beweglichen hölzernen Armen, die auf erhöhten Punkten standen und durch einen Mechanismus bewegt werden konnten, optische Signale zu geben im stande war. Robert Hooke, ein englischer Mathematiker, machte 1684 einen derartigen Vorschlag; derselbe kam jedoch, wie mehrere andere aus derselben Zeit, nicht zur dauernden praktischen Verwendung; erst dem französischen Ingenieur Claude Chappe (1792) gelang es nach mehrjährigen, von seinen Brüdern unterstützten Versuchen, brauchbare optische Telegraphen herzustellen. Das Wesen derselben bestand darin, daß drei Balken an einem weithin sichtbaren Orte an ein Gestelle derartig befestigt waren, daß sie, in vielfachen Kombinationen zusammengestellt, eine große Zahl bestimmter Zeichen geben konnten. Die Beobachtung und Nachbildung eines Zeichens erforderte unter günstigen Umständen 20 Sekunden. Von Toulon nach Paris (etwa 800 km) brauchte ein Zeichen 20 Minuten. Die erste derartige Linie wurde 1794 zwischen Paris und Lille vollendet. Nach und nach aber wurden in Frankreich Linien von 5000 km Länge hergestellt, die sämtlich in Paris zusammenliefen. Andere Länder folgten bald mit ähnlichen Einrichtungen, so England, Schweden, Dänemark, Preußen u. s. w. Die bedeutendste derartige Telegraphenlinie in Deutschland war die von Berlin nach Köln.

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Fig. 1. Telegraph von Claude Chappe. (Nach Ternant, Les télégr.)

So weite Verbreitung diese Art optischer Telegraphie auch gefunden, so hatte sie doch bedeutende Nachteile. Nicht nur, daß die Apparate die Zeichen nur verhältnismäßig langsam beförderten, bei Nacht und Nebel, Regen und Schnee war die Vermittlung von Nachrichten oft ganz unmöglich.

Die Tage der „Holztelegraphie“ währten indes nicht zu lange. „Als zu Anfang der vierziger Jahre die elektrische Telegraphie[2] aus dem Zustand der Versuche heraustrat und die ersten Anwendungen derselben erkennen ließen, daß mit ihr ein mächtiger Hebel für den Verkehr gewonnen war, da verschwanden alsbald die ungefügen Holzmassen; an ihre Stelle traten schlanke Stangen mit dünnen Metalldrähten, und in den neu eingerichteten Stationen verkündete das Ticken des Morse-Apparats, daß der Zeiger der Weltenuhr wieder um ein Stück vorzurücken sich anschickte.“

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Fig. 2. Optische preußische Telegraphenstation.

Die ersten Versuche mit elektrischen Apparaten fallen in das Jahr 1746. Man bediente sich hierbei, da weder die sogenannte Berührungs- und noch viel weniger die Induktionselektricität entdeckt waren, der Reibungs-Elektricität. Die bekanntesten Experimente dieser Art sind jene des Lesage in Genf (1774). Für die Telegraphie im großen ist jedoch die Reibungselektricität, selbst bei Verminderung der erforderlichen großen Anzahl von Drähten — Lesage hatte deren 24–27 nötig — nicht brauchbar, da dieselbe zu unbeständig, von dem Feuchtigkeitsgehalt der Luft abhängig und schwer zu isolieren ist.

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Fig. 3. Karl Fr. Gauß.

Einen Schritt weiter ging die Telegraphie mit der Entdeckung des Galvanismus (1789), der Voltaschen Säule und ihrer Wirkungen. 1809 bereits stellte Samuel Thomas von Soemmerring in München (geb. 1755 in Thorn, gest. 1830) einen Telegraphen her, der mittels der Zersetzung des Wassers durch den galvanischen Strom Zeichen gab. Eine allgemeine Anwendung dieses Telegraphen mußte indes schon an den hohen Kosten der Apparate scheitern, ganz abgesehen von manchen anderen Mängeln derselben.

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Fig. 4. Wilhelm Weber.

Ein neuer praktischer Weg zur Konstruktion elektrischer Telegraphen wurde durch die Entdeckung des Elektromagnetismus seitens des dänischen Professors Hans Christian Oersted (geb. 1777, gest. 1851) eröffnet. Derselbe machte nämlich zu Ende des Jahres 1819 die Wahrnehmung, daß eine Magnetnadel, in deren Nähe ein elektrischer Strom vorbeigeht, je nach der Richtung des Stromes nach der einen oder andern Seite hin abgelenkt werde. Dadurch war nun die Möglichkeit gegeben, die Buchstaben und Zahlen des Alphabets durch eine gewisse Anzahl von Rechts- und Links-Ablenkungen der Nadel auszudrücken. Oersted ist demnach als der intellektuelle Urheber der Nadeltelegraphen zu betrachten.

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Fig. 5. Karl Aug. Steinheil.

An der Verbesserung des so gefundenen Telegraphenapparates arbeiteten die Physiker Ampère, Ritchie, Fechner und namentlich auch der mit Soemmerring nahe befreundete, aus deutscher Familie stammende russische Staatsrat Baron Schilling von Kannstadt (geb. 1786 zu Reval, gest. 1837). Die erste größere Anlage eines elektromagnetischen Telegraphen mit vereinfachtem Nadelapparate errichteten 1833 die beiden Professoren K. Fr. Gauß (geb. 1777, gest. 1855) und Wilhelm Weber (geb. 1804) zwischen der Sternwarte und dem physikalischen Kabinett in Göttingen; sie können hiernach als die Erfinder der elektromagnetischen Telegraphen angesehen werden. Von ihnen aufgefordert, unternahm es Professor Steinheil in München (geb. 1801 zu Rappoltsweiler im Elsaß, gest. 1870), die Apparate zu vereinfachen und zu einer möglichst sichern und leichten Zeichensprache einzurichten. Durch seinen erfinderischen Geist und seine große Geschicklichkeit in technischen Ausführungen ist es ihm denn nicht bloß gelungen, dem Gaußschen Apparate die höchste Vollendung zu geben: durch seine in großem Maßstabe angestellten Versuche, sowie durch eine Reihe wichtiger Beobachtungen und praktischer Vorschläge ist er auch der Gründer des gegenwärtigen Systems der elektromagnetischen Telegraphie geworden. So erzielte es Steinheil 1836, den Nadeltelegraphen in einen elektromagnetischen Schreibtelegraphen umzugestalten. 1837 baute er im Auftrage des Königs von Bayern die größte der bis dahin bestandenen Linien, die Leitung von der Akademie in München nach der 5400 m entfernten Sternwarte Bogenhausen, und 1838 entdeckte er die Erdleitung. Die letztere Entdeckung namentlich, die Erde als Rückleitung für den galvanischen Strom verwenden zu können, gehört zu den glänzendsten Errungenschaften auf dem Gebiete der elektrischen Telegraphie; denn dadurch, daß durch den Fortfall der Rückleitung die Hälfte der Drahtleitung, d. i. mindestens ⅓ der Anlagekosten, erspart wird, hat dieselbe am meisten zu deren Einführung in die Praxis beigetragen.

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Fig. 6. Samuel F. B. Morse.

In derselben Zeit wurde auch in England von Wheatstone und Cooke eifrigst an der Herstellung elektrischer Telegraphen gearbeitet, jedoch waren die bezüglichen Konstruktionen gegenüber jenen in Deutschland gebräuchlichen, wo die Telegraphie durch Gauß, Weber und Steinheil bereits einen so hohen Grad der Einfachheit und Vollendung erreicht hatte, viel komplizierter und unpraktischer; wohl aber gebührt den beiden Gelehrten das große Verdienst, elektrische Telegraphenlinien zum praktischen Betriebe auf größeren Strecken zuerst angelegt zu haben. Auch in Frankreich wurden diesbezügliche Experimente gemacht, aber ohne besondern Erfolg. Dagegen bahnte in Amerika der Historienmaler Professor Samuel Finley Breese Morse (geb. 1791 bei Charlestown) eine neue Ära des elektrischen Telegraphenwesens an durch den von ihm 1837 erfundenen Schreib- oder Druckapparat, der, mehrfach verbessert, noch heute auf fast allen Telegraphenlinien benutzt wird. Zunächst hatte Morse freilich noch jahrelang mit Vorurteilen zu ringen; erst 1843 wurde im Kongresse auf besondere Empfehlung des Patent-Kommissionärs Ellsworth mit 89 gegen 83 Stimmen seine Petition betreffs der Erbauung der Linie Washington-Baltimore genehmigt. Später aber wurde seine hartnäckige Ausdauer reichlich belohnt. Napoleon III. bewirkte es, daß die Hauptmächte Europas auf einem Kongresse in Paris dem Erfinder Morse 400000 Francs als Belohnung darbrachten. Die Yale University ernannte ihn zum Ehrendoktor, Frankreich reihte ihn in die Ehrenlegion ein, Österreich, Deutschland, Dänemark und die Türkei zollten ihm die größten Ehrenbezeigungen. Amerika endlich errichtete ihm 1871 im Centralpark von New-York eine Bronzestatue. Morse starb zu New-York 1872, fast 81 Jahre alt.

Was dem Morse-Apparat so schnell allenthalben Eingang verschaffte, das ist seine bewunderungswürdige Einfachheit, die eine solide Herstellung gestattet, die Reparaturen erleichtert und sie seltener notwendig macht, sowie der Umstand, daß er einen sichern Aufschrieb hinterläßt. Der Aufschrieb selbst oder das telegraphische Alphabet besteht bekanntlich aus Punkten und Strichen, die in allen Ländern des Welttelegraphenvereins auf Grund der internationalen Verträge für die verschiedenen Buchstaben dieselben sind. Die Telegraphie hat somit erreicht, was für die gewöhnliche Schrift und den Buchdruck noch unendlich lange ein frommer Wunsch bleiben wird: ein für alle Völker des Erdballs gleiches Alphabet. Übrigens sei bemerkt, daß der dem Morse-Apparat zu Grunde liegende Hauptgedanke schon mit dem Schreibtelegraphen Steinheils gegeben war, Morse also nicht als „Erfinder der elektrischen Telegraphie“ gelten kann.

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Fig. 7. Das Morse-Alphabet.

Im Jahre 1837 wurden auch die ersten Typendrucktelegraphen und zwar von dem mit Morse arbeitenden Amerikaner Alfred Vail erfunden; sie geben das Telegramm auf der Empfangsstation in der gewöhnlichen Druckschrift. Erst 1868 aber gelang es dem (1831 in London geborenen, aber schon 1838 nach Nordamerika ausgewanderten) jetzigen Professor David Hughes (juhß), einen Typendrucker herzustellen, der mit Sicherheit in der Minute 150 Buchstaben oder 25 Wörter reproduzierte. Hughes’ Apparat teilt sich jetzt mit dem Morseschen Telegraphen den Weltverkehr; doch ist derselbe, da seine Bedienung monatelange Vorübungen erfordert und häufige Reparaturen verlangt, nur auf großen Stationen anwendbar.

Aus dem Jahre 1839 stammt Wheatstones Zeigertelegraph, so genannt, weil ein Zeiger vor einer Scheibe umgedreht wird und nach Belieben vor dem einen oder andern der am Rande verzeichneten Buchstaben und Ziffern angehalten werden kann. Die erste Idee hierzu ging jedoch schon von Davy im Jahre 1838 aus.

Um die in ihrer Anlage sehr kostspieligen Telegraphenlinien möglichst auszunützen und den Bedürfnissen des immerfort wachsenden Verkehrs möglichst zu genügen, ist man bestrebt, die sogenannte mehrfache Telegraphie (Multiplex-Telegraphie) einzuführen; sie besteht darin, daß gleichzeitig auf einem und demselben Drahte mehrere Telegramme befördert werden. In dieser Beziehung war auf der elektrischen Ausstellung des Jahres 1884 zu Philadelphia ein Edisonsches Quadruplex-System zu sehen, welches gestattete, vier Depeschen gleichzeitig mittels verschiedener Ströme in entgegengesetzter Richtung über den nämlichen Draht zu senden, desgleichen ein zwischen Boston und Providence bereits zur vollsten Zufriedenheit arbeitendes System (von P. B. Delany in New-York stammend), welches erlaubt, mit einem Male über den nämlichen Draht 72 Depeschen in entgegengesetzter Richtung zu geben. Gewiß wunderbare Fortschritte auf diesem Gebiete![3] Einer der bedeutendsten Multiplex-Apparate ist auch der des Elsässers B. Meyer (gest. 1884). Seine Leistungsfähigkeit kann auf 1600 bis 1800 Worte in der Stunde veranschlagt werden.

Die außerordentliche Bedeutsamkeit des neuen Verkehrsmittels war bald weithin erkannt. Vorab an dem Bedürfnis der zahlreichen Eisenbahn-Verwaltungen und an dem politischen Interesse der Staatsgewalten fand es gleich kräftigen Halt. Auch konnte für eine kapitalmächtige Zeit in den Erstellungskosten des neuen Nachrichten-Transportmittels nichts Abschreckendes liegen.

Die erste Telegraphenanlage erhielt, wie schon erwähnt, Deutschland 1833 und 1837 (vgl. S. 5 u. 6). In England ward 1840 von Cooke eine Linie der Great-Western-Bahn entlang ausgeführt, aber erst 1846 entstand die Electric Telegraph Company, die in Großbritannien in kurzer Zeit eine große Zahl Telegraphenlinien errichtete. In Amerika baute Morse 1844 die erste Linie von Washington nach Baltimore. In Deutschland ließ alsbald die Direktion der Rheinischen Eisenbahn bei Aachen eine kurze Leitung mit vier Drähten von einem Engländer erstellen, worauf 1844 William Fardely aus Mannheim eine Leitung mit bloß einem Draht an der Taunusbahn anlegte. Frankreich erhielt seine erste Leitung 1845, Rußland 1844, Österreich 1846, Preußen und Bayern im gleichen Jahre. Sehr spät entstanden in Europa Telegraphenleitungen in Norwegen, im Kirchenstaat und in Portugal; in den beiden ersteren Staaten 1855, im letzteren 1857. Es ist indes genug dieser Einzelnachweise. Gegenwärtig giebt es keinen Staat mehr in Europa, der nicht dem Telegraphen schon eine Stätte auf seinem Territorium bereitet hätte; ja es giebt schon keinen Weltteil mehr, nach welchem nicht, unter Benutzung der vorhandenen Linien, von jedem andern Weltteil aus telegraphiert werden könnte. Und wenn auch noch manche Lücke in dem Telegraphennetz der Gegenwart besteht, so ist doch jetzt schon auf die Telegraphie in ihrem unaufhaltsamen Fortschreiten über den Erdball das Wort des Psalmisten (Ps. 19, V. 4 u. 5) angewendet worden:

„Es ist keine Sprache noch Rede, da man nicht ihre Stimme hörte; ihre Schnur geht aus in alle Lande und ihre Rede an der Welt Ende.“

Zweites Kapitel. Telegraphenleitungen.

Die Telegraphenleitungen zerfallen in oberirdische oder Luftleitungen und versenkte Leitungen; erstere sind in gewisser Höhe über dem Erdboden hingeführt, letztere werden unter die Erde oder unter das Wasser versenkt und zerfallen daher wieder in unterirdische und unterseeische (submarine, bezw. Flußleitungen).

Für manche Zwecke, namentlich für die Kriegstelegraphie, braucht man Leitungen nur vorübergehend; man wählt dann eine tragbare (ambulante) Leitung, die sich rasch herstellen und wieder abbrechen, also auch verlegen läßt.

A. Oberirdische Leitungen.

1. Begriff. Eine oberirdische oder Luftleitung ist ein Metalldraht, der von einer Station zur andern in der Luft ausgespannt und durch isolierende Körper so unterstützt ist, daß er keinen andern Gegenstand als diese letzteren berührt und bei nasser Witterung durch die Feuchtigkeit keine fortlaufende leitende Verbindung zwischen dem Drahte und der Erde entstehen kann. — In Deutschland wandten schon Weber und Steinheil Luftleitungen an.

2. Leitungsdraht. Da nächst dem Silber das Kupfer den galvanischen Strom am besten leitet, so nahm man anfangs den Leitungsdraht von Kupfer. Allein der hohe Preis dieses Materials, die dadurch veranlaßten häufigen Diebstähle und die geringe Festigkeit der Leitung — Kupferdraht ist bei gleichem Querschnitt nur halb so fest als Eisendraht — waren Grund genug, daß man die Anwendung des Kupfers für die oberirdischen Leitungen aufgab und an seine Stelle Eisendraht setzte[4]. Die gewöhnliche Stärke desselben beträgt 4 mm. Auf den internationalen Linien ist Eisendraht von 5 mm Durchmesser vorgeschrieben. In besonderen Verhältnissen, wie in Ostindien, wo die auf dem Drahte sich belustigenden Affen eine ganz besondere Verstärkung desselben notwendig machen, ist eine Drahtdicke von 8 mm im Gebrauch.

3. Tragstangen. Der Draht liegt in der Regel auf hölzernen Tragsäulen, die bei Eisendraht je nach der Örtlichkeit und Zahl der Drähte 30–80 m auseinanderstehen und je nach dem Gewichte und der Zahl der daran aufzuhängenden Drähte verschiedene Stärke und Höhe haben. In Deutschland werden vorwiegend kieferne Stangen verwendet. Da aber das Auswechseln der hölzernen Telegraphensäulen und das Umlegen der Leitungen kostspielig und für den Telegraphenbetrieb störend ist, so hat man wiederholt Versuche mit Säulen aus Eisen gemacht. Ihre Festigkeit hat indes den Erwartungen nicht in dem Maße entsprochen, daß eine allgemeine Einführung derselben je beabsichtigt werden könnte.

Große Schwierigkeiten verursacht mitunter die Beschaffung der Leitungsträger in tropischen Breiten, wo bearbeitetes Holz den Angriffen der Feuchtigkeit und der Zerstörungswut gefräßiger Insekten zu unterliegen pflegt. Auf den Philippinen sah man sich genötigt, statt der anfangs verwendeten Stangen aus Palmholz die Leitungen an lebende Bäume zu hängen, wozu der auf dieser Inselgruppe sehr verbreitete Baumwollbaum sich besonders gut eignet.

4. Isolatoren. Da die Telegraphenstangen mit der Erde in leitender Verbindung stehen, die Leitungsdrähte aber, welche von ihnen getragen werden, von dem Erdboden möglichst isoliert sein müssen, so muß zwischen den leitenden Trägern und dem Draht selbst notwendig ein Isolator eingeschoben werden. Als Material zu solchen ist Porzellan besser als Glas. Die Form der Isolatoren ist verschieden.

5. Aufstellung der Leitungen[5]. Die Erbauung oberirdischer Leitungen erfordert zwar Sorgfalt und Sachkenntnis, bietet aber keine besonderen Schwierigkeiten, wenn die Leitung, wie dies in kultivierten Ländern die Regel bildet, dem Zuge bereits vorhandener Straßen folgend, in dem Körper von Landstraßen oder neben dem Damm von Eisenbahnen befestigt werden kann. Schwieriger wird die Sache, wenn für die Leitung quer durchs Gebirge oder am pfadlosen Meeresufer ein Weg geschaffen werden muß, der die Anlage zugleich vor Stürmen, Schneehäufungen, Flugsand und Flut möglichst schützen soll. Bei der Anlage der Telegraphenleitung auf der kurischen Nehrung z. B. hatte man Sanddünen zu überwinden, in deren beweglichem Boden die Stangen nur mit großer Mühe befestigt werden konnten; mit 4 und 5 Pferden gelang es an einzelnen Strecken nicht, mehr als zwei Stangen auf einmal von der Stelle zu schaffen; einigemale gerieten Fuhrwerke derart in den Triebsand, daß die Pferde in aller Eile losgeschnitten werden mußten, um sie vor dem Versinken zu retten. Den Arbeitern bot sich mitunter meilenweit, z. B. auf der 25 km langen Strecke von Memel bis Schwarzort, keine menschliche Wohnung zum Obdach; sie waren gezwungen, außer ihren Werkzeugen und Materialien auch ihre gesamten Lebensbedürfnisse für einige Zeit bei sich zu führen.

Noch größer sind die Schwierigkeiten, welche bei Erbauung von Telegraphenlinien in unkultivierten Ländern überwunden werden müssen. Die sibirische Linie, die quer durch ganz Asien bis nach Wladiwostock am Stillen Ocean führt, die indo-europäische Linie, welche Kaukasien, Persien und Balutschistan durchschneidet, die Telegraphenlinien, welche von Port Augusta nach Port Darwin und von Süd-Australien über Port Lincoln nach Eucla-Bay ziehen, haben unter Bedingungen erbaut werden müssen, welche den Unternehmern reichliche Gelegenheit gaben, ihre Thatkraft und ihren Mut zu bewähren. In Australien z. B. mußten Wüsten, deren Natur zum Teil noch gänzlich unbekannt war, messend durchwandert werden; auf Hunderte von Meilen waren über wegloses Land die Leitungsmaterialien heranzuschaffen; das für Menschen und Pferde unentbehrliche Wasser war nur aus weiter Ferne zu erlangen.

Eine ganz außerordentliche Leistung ist besonders der Bau der über 3000 km langen Strecke von Port Augusta bis Port Darwin. „In einem Jahre und elf Monaten,“ heißt es bei Jung, „mußten 36000 Telegraphenstangen im Gewicht von 5000 t gefällt, zugerichtet und an ihren Bestimmungsort gefahren werden, in einigen Fällen aus einer Entfernung von 560 km. Da man fand, daß das Holz Australiens gegen die im Norden sehr zahlreichen weißen Ameisen nicht widerstandsfähig genug war, importierte man eiserne Pfosten aus England und hatte dieselben durchschnittlich 640 km weit zu schaffen. Außerdem waren 2000 t anderen Materials an ihren Platz zu bringen, und mehrere Tausende von Schafen und Rindern mußten zur Ernährung der Arbeiter auf Entfernungen von 2000 km herbeigetrieben werden. Wege von 16 m Breite waren durch Waldstrecken von 800 km Länge zu bahnen, Baumaterialien, Telegraphenapparate und Vorräte für die zu erbauenden Telegraphenämter mußten beschafft werden.“ Der Bericht über die Erbauung des Südwest-Telegraphen, die von Sir Charles Todd mit der gleichen Energie ausgeführt wurde, mit welcher derselbe bereits den Bau der vorhergenannten Linie geleitet hatte, äußert sich also: „Die ganze Linie, 600 Meilen lang, mit einem Draht, ist innerhalb 12 Monaten errichtet worden, und dies angesichts von Hindernissen, die fast unüberwindlich erscheinen. Eine Spur von 50 Fuß Breite mußte Hunderte von Meilen weit durch den Wald gehauen werden, und selbst dies war nur ein kleiner Teil der Schwierigkeiten, die man besiegen mußte. Auf den ersten Blick schien die schwierige Beschaffung der Mittel für die Reise das ganze Werk nicht zur Ausführung kommen lassen zu wollen. Alle Vorräte mußten gefahren werden, und der Wassermangel, dieser wunde Fleck in so vielen Teilen Australiens, schien das Unternehmen wirklich in Frage zu stellen. Einhundert Pferde wurden angeschafft und dauernd bei dem Baue beschäftigt, obgleich man mehrmals über 145 Meilen von dem nächsten Wasserdepot entfernt war.“ — In Senegambien bereiten der Mangel gebahnter Straßen, die geringe Standfestigkeit des Bodens, die Dichtigkeit der Gebüsche da, wo die Vegetation ein günstigeres Terrain findet, die zu Zeiten sehr hohe Temperatur und die Nachbarschaft feindlicher Eingeborener oder der afrikanischen Löwen der Anlage und Unterhaltung der Telegraphenlinien besondere Schwierigkeiten. Das Material muß auf Mauleseln transportiert werden; der Mangel an Steinen macht es sehr schwer, die Stangen fest einzusetzen oder in dem feuchten Erdreich vor der rasch zerstörenden Nässe zu schützen. Die Instandhaltung ist besonders während der Regenzeit mühevoll. Die gießbachähnlich herabrauschenden Regengüsse und die wütenden Stürme dieser Periode brechen zahlreiche Stangen um und zerstören die Isolatoren. Vielfach werden die Stangen auch vernichtet durch die Feuersbrünste, welche die Eingeborenen entfachen, um ihre Felder mit der Asche der verbrannten Gräser zu düngen. Dagegen sind die böswilligen Beschädigungen der Linien äußerst selten. Die Schwarzen fürchten sich in ihrem Aberglauben, Hand an dieselben zu legen, und glauben überdies, sie seien nur zu dem Zwecke errichtet, um den Europäern als Wegweiser zu dienen. — Aus der Schnelligkeit, mit welcher das Netz der Telegraphenlinien auf Caledonien vergrößert worden ist, darf keineswegs geschlossen werden, daß die Herstellung der Anlagen mühelos vor sich ging. Aus einem Bericht des obersten Telegraphenbeamten der französischen Strafkolonie geht vielmehr hervor, daß die mit der Leitung des Baues betrauten Beamten mit Widerwärtigkeiten der mannigfachsten Art zu kämpfen gehabt haben. Bald herrschte gänzlicher Mangel an Lasttieren, so daß Baumaterial und Lebensmittel bis aus Entfernungen von 80 km von kanakischen Lastträgern herangeschleppt werden mußten; bald Mangel an Trinkwasser, welches man gleichfalls meilenweit herzuholen gezwungen war; bald folgten sich beinahe unpassierbare Sümpfe, dichtverwachsene Wälder, deren Durchlichtung auf 12 m Breite nötig wurde, steiniger Boden, zerrissene Bergketten und breite Einschnitte, welche das Meer bis weit in das Land hinein gebildet hat, unmittelbar in ermüdendem Wechsel aufeinander; in anderen Gegenden wieder waren die nötigen Arbeitskräfte infolge der ansteckenden Krankheiten, welche die Eingeborenen seit der Besitznahme der Insel durch die Europäer scharenweise dahinraffen, durchaus nicht zu beschaffen.

Auf der Insel Sumatra stößt man nach amtlichen Berichten der niederländisch-indischen Telegraphenverwaltung auf große Schwierigkeiten, die Leitungen aufrecht zu erhalten, da sie häufig von den Elefanten zerstört werden. In den Jahren 1874–1877 sind 60 solcher Störungen vorgekommen. Am 25. Mai 1876 wurde die Linie Mnara-Dura-Lahat in einer Länge von drei Pauls gänzlich zerstört; der Draht und die Isolatoren wurden teilweise in die Rohrdickichte verschleppt. Was bei Tag ausgebessert worden war, wurde in drei aufeinander folgenden Nächten wieder zerstört. Außerdem machen es die zahlreichen Tiger, Bären, wilden Büffel u. s. w. äußerst schwierig, die Leitungen in den dichten Urwäldern zu überwachen, während große und kleine Affen auf den Drähten ihre gymnastischen Übungen bewerkstelligen, dieselben zerreißen oder die Isolatoren zerschlagen.

Im Territorium Dakota in Amerika richten die wilden Büffel großen Schaden an, indem sie ihre mächtigen Stirnen sehr heftig an den Telegraphenpfählen reiben.

Außer den Schwierigkeiten, die mit der Aufstellung der Linien schon an sich verbunden sind, gab es in der ersten Zeit der Einführung des Telegraphen auch noch Hindernisse anderer Art zu überwinden: Vorurteile und Aberglauben. Hierfür nur ein paar Beispiele!

Als im Jahre 1848 eine elektromagnetische Linie von Hamburg nach Kuxhaven im Bau begriffen war, legten die Bewohner vieler Ortschaften im Hannöverschen, durch deren Gemarkungen dieselbe ging, bei der Behörde und in öffentlichen Blättern gegen die Durchführung Protest ein, da der Telegraph einen nachteiligen Einfluß auf das Gedeihen der Feldfrüchte ausübe; die Drähte zögen, behaupteten die Bauern, bei aufkommenden Gewittern die Elektricität in solchem Grade ab, daß sich die Gewitterwolken des fruchtbringenden Regens nicht entladen könnten, die Pflanzen müßten also notwendig verdorren; und nicht bloß ihr Eigentum, sogar ihr Leben werde gefährdet, indem die Drähte den Blitz plötzlich anzögen und nicht stark genug wären, selbigen fortzuführen. Auch unterließen sie nicht, einfließen zu lassen, daß sie, die Bauern, eigentlich die kompetentesten Beurteiler in derartigen Fragen seien; denn sie allein hätten von den Gesetzen der Natur infolge täglicher Anschauung einen klaren, gesunden Begriff. Und als am 18. Juli 1849 bei dem Dorfe Warstade ein in der Nähe der Telegraphenlinie befindliches Bauernhaus von einem Blitzstrahle entzündet wurde, konnte man die Bewohner nur mit Mühe abhalten, die Stangen umzuhauen. Die Telegraphenlinie aber mußte, soweit sie durch das Dorf lief, verlegt werden. Es sind dies Vorkommnisse, wie sie gelegentlich auch heute noch sich zutragen. Als 1870 die englischen Telegraphen in Staatsverwaltung kamen und eine bedeutende Erweiterung erfahren sollten, schlossen sich aus irgend welchen Gründen einige Städte von der Wohlthat des neuen Verkehrsmittels aus, indem sie die Drähte nicht in ihr Weichbild hereinzuziehen gestatteten[6].

B. Versenkte Leitungen[7].

1. Unterirdische Leitungen.

1. Geschichtliches. Die zahlreichen und erheblichen Störungen, denen die oberirdischen Leitungen ihrer Natur nach ausgesetzt sind, haben schon früh das Verlangen nach unterirdischen Telegraphenverbindungen angeregt. Der erste Gedanke, die Leitung unterirdisch zu führen, tauchte nachweislich 1774 auf. Lesage in Genf wollte dazu glasierte Thonröhren benützen, die von Toise zu Toise Scheidewände aus glasiertem Thon oder Glas enthielten. Die Scheidewände hatten Löcher, und diese bildeten die Lager für die durchzuziehenden Drähte. 1794 schlugen Deutsche, Namens Reusser und Böckmann, unterirdische Leitungen vor; 1816 hatte Ronalds in England einen Draht in Glasröhren geführt. Hierauf versuchten noch mehrere Physiker das Problem der unterirdischen Leitung zu lösen, bis Jacobi im Jahre 1842 auf dem Admiralitätsplatz zu Petersburg eine 2835 m lange Leitung in Glasröhren legte. Ein befriedigendes Resultat wurde indes auf diesem Wege nicht erreicht.

In Amerika hatte Morse 1837 vorgeschlagen, den Leitungsdraht in eiserne Röhren zu legen; aber auch auf diese Weise gelang es nicht, den Draht vollkommen zu isolieren. Da empfahl 1846 der damalige Artillerie-Lieutenant Werner Siemens die von dem englischen Arzte Dr. Montgomery (in Singapore) nach Europa gebrachte Guttapercha als einen zur Isolierung der Leitungsdrähte vollständig geeigneten Körper[8]. Die angestellten Versuche ergaben ein befriedigendes Resultat, und so entschloß sich die preußische Regierung im Jahre 1847, die mit Guttapercha isolierten Leitungsdrähte in einem größern Maßstabe anzuwenden; es wurden ca. 2250 km gelegt. Leider wurde mit diesen unterirdischen Leitungen der Zweck nicht vollständig erreicht; denn bei dem gänzlichen Mangel an Erfahrungen über die Eigenschaften des zur Verwendung kommenden Materials, bei den damals noch sehr unvollkommenen Maschinen zur Herstellung des Überzuges und durch die Übereilung, mit der die Linien angesichts der drohenden politischen Verhältnisse damals eingeführt wurden, hatten sich viele Mängel eingeschlichen, infolge deren diese Linien nach einiger Zeit den Dienst fast ganz versagten. Durch diese Erfahrungen zurückgeschreckt, verließ man nun in Preußen das System der unterirdischen Leitung.

Ähnlich wie in Preußen ging es mit den unterirdischen Leitungen in anderen Ländern, so in Österreich, Sachsen, Dänemark und Rußland; überall wurden dieselben nach kurzer Zeit wieder beseitigt.

Die Fachmänner verloren indes die Sache nicht aus dem Auge, und so kam es denn im Jahre 1876 wiederum zur Anlage unterirdischer Telegraphenlinien, und zwar, dank der Energie des Generalpostmeisters Dr. von Stephan, zuerst in Deutschland.

Am 13. März 1876 wurde hier der Bau eines unterirdischen Telegraphennetzes in Angriff genommen und am 26. Juni 1881 vorläufig abgeschlossen. Dasselbe verbindet nicht weniger als 221 Städte, darunter alle bedeutenderen Waffen-, See- und Handelsplätze des Landes. Die zur Verlegung gekommenen Kabel haben eine Gesamtlänge von rund 5500 km, und die in den Kabeln enthaltenen Leitungen haben eine solche von über 37000 km. Im ganzen sind 58 Monate auf die Ausführung verwendet worden und Kosten im Gesamtbetrage von über 30 Millionen M. entstanden. Die Kabel sind zur Hälfte aus der Fabrik von Felten und Guilleaume in Mülheim a. Rh., zur andern Hälfte aus der von Siemens und Halske in Berlin hervorgegangen.

In den übrigen Staaten schenkte man diesem Vorgehen Deutschlands die größte Aufmerksamkeit, und nachdem das große Werk glücklich zu Ende gebracht worden, entschloß sich zuerst Frankreich, dem gegebenen Beispiele zu folgen. Im Jahre 1884 waren denn in diesem Lande bereits etwa 2500 km mit rund 18000 km Leitung gelegt.

Andere Länder haben es vorerst noch nicht über sich gebracht, Deutschland und Frankreich in dieser Beziehung nachzuahmen.

2. Der Leitungsdraht. Bei unterirdischen Leitungen hat aus mehrfachen Gründen der Kupferdraht den Vorzug vor einem Eisendraht von gleicher Leitungsfähigkeit. Man verwendet dazu möglichst reines Kupfer, weil die Leitungsfähigkeit von der chemischen Reinheit des Materials wesentlich abhängt. Da es schwer hält, längere Kupferdrähte herzustellen, welche auf der ganzen Länge frei sind von weicheren oder spröden Stellen, die später leicht zu einem Bruch führen können, so setzt man häufig den Leitungsdraht aus 3–7 feineren kupfernen Drähten zusammen, die man nach Art eines Seiles zu einem einzigen Strange, der sogenannten Litze, vereinigt.

Bei dem geringen Widerstand, den das Kupfer dem galvanischen Strom entgegensetzt, reicht man mit einer verhältnismäßig dünnen Kupferader aus, um selbst auf bedeutende Strecken mit Sicherheit die telegraphische Korrespondenz zu besorgen. Bei den Kabeln des Deutschen Reiches gebraucht man Kupferlitzen aus 7 Drähten von je 0,7 mm.

3. Isolieren des Leitungsdrahtes. Als Isolationsmaterial des Leitungsdrahtes verwendet man gegenwärtig fast nur ganz reine Guttapercha oder Kautschuk[9], in einzelnen Ländern auch wohl Asphalt.

4. Schutzmittel für unterirdische Leitungen. Die Erfahrung hatte bald gelehrt, daß die von Guttapercha oder Kautschuk umgebenen Leitungsdrähte, wenn sie direkt in die Erde gelegt wurden, vielfachen Beschädigungen ausgesetzt waren. Man legte sie deshalb in hölzerne Rinnen und umgab sie mit einem geteerten Hanfseile; aber auch diese Schutzmittel, wie manche andere, die noch zur Anwendung kamen, erwiesen sich den Beschädigungen gegenüber, welchen die Erdkabel ausgesetzt sind, unwirksam. Selbst die Verwendung von eisernen Röhren, in welche die Leitungsdrähte einzeln lose eingezogen wurden, hat als Schutzmittel der letzteren keinen dauernden Bestand gehabt, weil bei einer größern Anzahl von eingezogenen Drähten die Auswechslung eines beschädigten Drahtes stets mit der Beschädigung anderer Drähte verbunden war. Seitdem verwendet man bei unterirdischen Leitungen nicht mehr einzelne mit isolierendem Material versehene Drähte, sondern vereinigt dieselben zu einem einzigen Strange oder Kabel, das man zum Schutze gegen äußere Angriffe mit einer metallenen Hülle, in der Regel einem seilartigen Überzuge von eisernen Drähten versieht.

Illustration from Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt

Fig. 8. Deutsches siebenadriges Erdkabel.

a Die Leitungsader, 7 Kupferlitzen. b Die Leitungsader, mit Guttapercha umsponnen. c Die erste Umspinnung mit Hanf in Längsfäden. d Die zweite Umspinnung mit Hanf. e Die eisernen Schutzdrähte. f Hanf-Asphalt-Überzug.

5. Konstruktion der Erdkabel des Deutschen Reichs. Das Erdkabel der unterirdischen Leitungen des Deutschen Reichs enthält, wie Fig. 8 zeigt, sieben voneinander isolierte einzelne Guttapercha-Adern von je 5,2 mm äußerm Durchmesser, also sieben getrennte Drahtleitungen. Eine jede dieser Adern hat eine Kupferlitze von sieben Drähten, und jeder dieser Drähte hat einen Durchmesser von 0,7 mm. Diese sieben Kupferdrähte gruppieren sich so, daß ihrer sechs um den siebenten verseilt sind und so eine einzige leitende Litze entsteht. — Jede dieser Litzen erhält zuerst einen Überzug von sogen. Chatterton-Masse, dann eine Lage Guttapercha, nun wieder eine Lage Chatterton-Masse und zuletzt noch eine Lage Guttapercha, also im ganzen zwei Lagen Chatterton-Masse und zwei Lagen Guttapercha.

Die sieben Guttapercha-Adern werden dann wieder derart zu einem Strange, der Kabelseele, vereinigt, daß ihrer sechs um den Siebenten verseilt werden. Nun erhält die Kabelseele eine doppelte Lage von geteertem Hanfgarne von 6 mm Stärke, und erst um diese legt sich die äußere Armatur von 18 verzinkten Eisendrähten von je 3,8 mm Dicke.

Das so hergestellte Kabel wird nun asphaltiert, nochmals mit 1,5 mm dickem Garn umsponnen und diese Garnhülle mit einer Schicht von Clarks Compound überzogen. Schließlich erhält das Kabel, um das Aneinanderkleben der einzelnen Lagen beim Aufwickeln zu verhindern, noch einen Anstrich von Kalkmilch. — Die Flußkabel für die großen Linien unterscheiden sich nur dadurch, daß sie noch eine zweite Rüstung von 8,6 mm starkem verzinktem Eisendraht erhalten.

6. Legung unterirdischer Kabel. Die unterirdischen Kabel sind für gewöhnlich in einen mindestens 1 m tiefen Graben zu versenken. Zur Ausschachtung und nachherigen Wiederausfüllung dieses Grabens sind zwei größere Erdarbeiter-Kolonnen erforderlich, welche durch eine kleinere dritte, die eigentliche Auslegung des Kabels besorgende Arbeiter-Abteilung getrennt sind. Zur Legung des Kabels dient ein besonderer Wagen, auf welchen der Haspel mit der bestimmten Kabellänge so aufgelegt wird, daß letzterer, um eine feste Achse sich drehend, das Kabel abrollt. Sind zwei Kabelstücke gelegt, so werden die aneinanderstoßenden Enden in der Art miteinander verbunden, daß die entsprechenden Kupferadern in sichern metallischen Kontakt kommen. Nach Herstellung der Verbindung wird die Lötstelle in Bezug auf ihre Isolation geprüft, mit der vorher abgelösten Hanfumspinnung wieder überkleidet und sodann eine eiserne Muffe darüber gezogen.

Hat das Kabel ein Eisenbahngeleise zu kreuzen, so wird dasselbe unter dem Geleise durchgezogen.

Ist es nicht thunlich, das Kabel hinreichend tief zu versenken, so wird die Sicherstellung gegen mechanische Verletzung durch Umkleidung mit eisernen Röhren, diejenige gegen die Einwirkung der Luft durch Umhüllung mit Schlackenwolle bewirkt, welche durch geringe Wärmeleitungsfähigkeit ausgezeichnet ist.

Die bei der Überschreitung von Wasserläufen zur Verwendung kommenden Flußkabel erhalten an solchen Stellen, wo sie gegen Schiffsanker gesichert werden müssen, noch eine Umkleidung von starken, gußeisernen, verzinkten Muffen von je 50 cm Länge, welche zu einem biegsamen, das Kabel umschließenden Rohr miteinander verbunden werden.

7. Statistik der unterirdischen Leitungen. Ein ausgebildetes Netz unterirdischer Linien besitzt dermalen nur das Deutsche Reich mit rund 5500 km Linien und 37600 km Leitungen. Die einzelnen Linien und Leitungen desselben betrugen Ende 1881 in Kilometern:

Linien. Leitungen.

Berlin-Halle-Kassel-Frankfurt a. M. 595 4166

Halle a. d. S.-Leipzig 35 141

Berlin-Hamburg I 298 2086

Desgleichen II 298 2086

Hamburg-Kiel 100 701

Frankfurt a. M.-Straßburg 263 1839

Berlin-Magdeburg-Hamm-Köln 693 4852

Barmen-Köln 55 220

Hamburg-Kuxhaven 131 523

Hamburg-Bremen-Oldenburg-Emden 285 1992

Bremen-Bremerhaven 59 237

Sande-Wilhelmshaven 11 45

Köln-Koblenz-Trier-Metz 326 2281

Köln-Mainz 92 642

Metz-Straßburg 186 1299

Berlin-Dresden 236 1654

Berlin-Breslau 369 2585

Berlin-Thorn 418 2926

Berlin-Stettin 155 1087

Thorn-Danzig 230 1607

Danzig-Königsberg 189 1325

Stettin-Danzig 368 2578

Köln-Aachen 71 498

Kiel-Flensburg — 86

Flensburg-Hoyer — 62

Im ganzen waren an unterirdischen Leitungen am Schlusse des Jahres 1881 vorhanden:

Länder. Länge (in Kilometern)

der Kabel. der Leitungsdrähte.

1. Deutschland 5615,94 37932,39

2. Österreich-Ungarn 29,52 511,03

3. Belgien 11 232

4. Dänemark 3 79

5. Frankreich (einschließlich der überseeischen Besitzungen[10]) 850,97 11880,49

6. Großbritannien und Irland 771,19 17700,34

7. Niederlande 95,80 591,50

8. Rumänien 11,38 56,12

9. Rußland 202,50 250,10

10. Schweiz 45,60 327,10

Die Gesamtlänge der unterirdischen Kabel beträgt somit rund 7500 km, die der unterirdischen Leitungsdrähte fast 70000 km.

2. Unterseeische (submarine) Leitungen.

1. Geschichtliches. Die Telegraphenleitung unter Wasser fortzuführen, suchte zuerst Soemmerring 1809 möglich zu machen. Ernster machte sich Soemmerrings Freund, Baron Schilling von Kannstadt, an die Herstellung eines elektrischen Leitseils, mit welchem man durch feuchte Erde und Wasser zu telegraphieren und Pulver zu entzünden vermöchte, und im Herbste des Jahres 1812 führte er in Petersburg in Gegenwart des Kaisers Alexander durch das Wasser der Newa hindurch wirklich Sprengungen aus. Größere Versuche mit der Versenkung einer Telegraphenleitung in Wasser machte Schilling 1836, und diese hätten beinahe schon damals zur Anlage eines unterseeischen Telegraphen zwischen Kronstadt und Peterhof geführt[11]. Die erste wirkliche Leitung unter Wasser scheint Dr. O’Shaugessy 1839 in der Nähe von Calcutta durch einen Arm des Ganges gelegt zu haben. 1840 bereits trat Wheatstone mit einem Plan zur Verbindung von Dover und Calais hervor, und 1843 regte Morse die unterseeische Verbindung Amerikas und Europas an. Allein man kannte damals noch nicht die isolierende Eigenschaft der Guttapercha, und so kam auch weder der Vorschlag Wheatstones, noch der von Morse zur Ausführung. Als jedoch in der Guttapercha ein Material gefunden worden war, welches zur Isolation des Leitungsdrahtes sich vorzüglich eignet und dabei leicht zu behandeln ist, da war das Haupthindernis der Unterseeleitung überwunden. Weder größere Flüsse und Meeresarme, noch selbst die Oceane konnten von jetzt an der Herstellung einer telegraphischen Verbindung zwischen den dadurch getrennten Ländern unübersteigliche Hindernisse entgegensetzen.

Im Januar 1849 wurden, nachdem Pläne und Versuche von Wheatstone, Morse, Armstrong, Siemens und Play in dieser Beziehung ausgeführt waren, zuerst durch den Engländer Walker, den Dirigenten des Telegraphen der Südwest-Eisenbahngesellschaft, auf einer über 2 Meilen langen Seeleitung ohne alle Schwierigkeiten telegraphische Depeschen gegeben. Durch derartige Versuche ermutigt, beschloß J. Brett, ein sehr geschickter Techniker und ein Mann von großem Unternehmungsgeiste, Dover mit Calais unterseeisch zu verbinden. Nachdem er von der französischen Regierung ein Patent auf 10 Jahre für die Herstellung submariner Leitungen zwischen Frankreich und England erhalten hatte, bildete er eine Aktiengesellschaft und begann die Fabrikation des Leitungsdrahtes. Am 28. August 1850 wurde der sechs deutsche Meilen lange Telegraphendraht, 2½ mm dick und mit einer Hülle von Guttapercha umgeben, glücklich ins Meer versenkt (das Jahr 1850 kann daher als das Geburtsjahr der unterseeischen Telegraphie gelten); leider aber zerriß derselbe wenige Tage nachher. Die Gesellschaft ließ nun ein viel stärkeres, 180000 Mark kostendes Tau verfertigen, dessen Kern aus vier mit Guttapercha überzogenen Drähten bestand, und das mit zehn galvanisierten Eisendrähten überzogen war. Die Legung dieses ca. 12 cm dicken Kabels begann am 25. September 1851 und gelang in drei Tagen vollständig.

Damit hatte die unterseeische Telegraphie festen Boden gewonnen. Schon 1852 wurden England und Schottland mit Irland, Fünen mit Seeland und Jütland, England mit Belgien und Holland, 1854 Seeland mit Schweden, Italien und Sardinien mit Corsica verbunden.

Bei allen diesen mit mehr oder weniger Glück durchgeführten Verbindungen wurden reiche Erfahrungen gesammelt und die Technik der elektrischen Telegraphie sehr verbessert. Was war nun natürlicher als der Gedanke, die Alte und die Neue Welt durch ein Kabel miteinander zu verknüpfen? Der Amerikaner Cyrus Field faßte denn bereits 1854 den Plan, zwischen Amerika und Europa eine telegraphische Verbindung zur Ausführung zu bringen. Am 6. August 1857 begann auch schon die Legung des Kabels von der Insel Valentia aus im Südwesten von Irland; aber das Tau riß am 11. August, 274 englische Meilen von der Küste. Das teure Lehrgeld schreckte jedoch weder Engländer noch Amerikaner zurück, und von nun an schien ihnen das Glück auch hold zu sein. Am 5. August 1858 tauschten Amerika und Europa die erste telegraphische Botschaft aus. Der Präsident der Vereinigten Staaten und die Königin Victoria von England hatten sich in unterseeischen Depeschen zur Vollendung des großen Werkes beglückwünscht; die parlamentarischen Körperschaften, die Presse, die Litteratur und die Dichtkunst hatten gewetteifert, das Kabel als eine Bürgschaft des Friedens und einen Hebel für die Annäherung der Völker zu feiern.

With clasped hands the continents Feel throbbings of each other’s heart,

sang ein amerikanischer Poet; mit gleicher Begeisterung erwiderte der elsässische Pfarrer Adolf Stöber:

Nein, kein Ocean mehr trennet die Alte Welt Von der Neuen, ein Band schlingt um beide sich; Eines Hauses Genossen Sind die Völker Von Pol zu Pol[12].

Die Leistungsfähigkeit des Kabels ließ indes bald nach, es traten Störungen ein, und am 1. September 1858 versagte es gänzlich den Dienst.

Während der drei Wochen, die das Kabel in Thätigkeit gewesen, hatten im ganzen 400 Telegramme mit zusammen 4359 Wörtern Beförderung erhalten. 4359 Wörter für 8 Millionen Mark — soviel hatte das Unternehmen gekostet — jedes Wort also über 1800 Mark! Gewiß die höchste Depeschengebühr, die je vorgekommen ist![13]

Der Physiker Babinet, der das ganze Unternehmen der Kabellegung für wahnsinnig erklärt hatte, schien recht zu haben. Das Werk ruhte nun jahrelang, und der Plan des amerikanisch-sibirischen Telegraphen trat an seine Stelle, bis 1865 durch Cyrus Field, den Hauptförderer der atlantischen Kabellegung, ein neuer Versuch unternommen wurde. Man hatte das Kabel weit sorgfältiger, nach ganz neuen Principien gearbeitet und zu dessen Abwicklung das berühmte Riesenschiff „Great Eastern“ gemietet. In Bezug auf Festigkeit und Isoliertüchtigkeit ließ der neue Draht, der das Gewicht von 82000 Centnern repräsentierte, nichts zu wünschen übrig, und am 23. Juli 1865 begann dessen Legung von Valentia aus. Schon war man 1000 Meilen von Valentia mit dem Kabel nach Westen vorgedrungen, da riß es abermals und war trotz vieler Mühe nicht mehr zu finden. Errungen wurde der große Sieg endlich 1866; abermals lief der „Great Eastern“ am 13. Juli von Valentia aus, glücklich versenkte er seine Last in den Ocean, und am 27. Juli war Trinity Bay auf Neufundland erreicht und damit die dauernde Verbindung hergestellt. Den umfassendsten Gebrauch von der neuen Kabelleitung machte sofort der New-Yorker Herald. Denn schon den nächsten Tag nach dieser denkwürdigen Errungenschaft des menschlichen Geistes ließ sich die genannte Zeitung auf diesem neuen Wege die vollständige Rede zugehen, die König Wilhelm von Preußen nach der Rückkehr von Sadowa vor seinem Landtage hielt. Das Telegramm kostete 36000 Francs[14].

Gleich nach Vollendung der Kabellegung wurde auch das 1865 verlorene Kabel wieder aufgefunden, und Europa und Amerika hatten nun eine doppelte telegraphische Verbindung. Seitdem arbeiteten beide Kabel, trotz mehrfacher Unterbrechungen, lange zur vollsten Zufriedenheit, und die Gesellschaft konnte, obgleich die Unternehmungen von 1857 und 1858 350000, die von 1865 und 1866 je 600000 Pfd. St. gekostet hatten und die anfängliche Beförderungsgebühr von 20 Pfd. für 20 Wörter wiederholt herabgesetzt worden war, für das Jahr 1869 über 24% Dividende zahlen.

Neue Unternehmungen in großem Stile folgten nun rasch nacheinander und wurden nach mancherlei Wechselfällen auch glücklich durchgeführt.

2. Fabrikation unterseeischer Kabel. Es ist klar, daß je nach dem Zwecke, für den ein Telegraphenseil bestimmt ist, die Zusammensetzung desselben sehr verschieden sein wird. Ob ein oder mehrere voneinander isolierte Leitungsdrähte den innern Kern bilden sollen, ob das Kabel in bedeutende Tiefen versenkt werden muß, oder ob es für seichte Gewässer bestimmt ist, ob dasselbe der Gefahr von besonderen Beschädigungen ausgesetzt ist oder nicht, all das ist auf die Zusammensetzung des Kabels von wesentlichem Einfluß.

Als Leiter wird für Kabel durchweg Kupfer verwendet. Dasselbe besitzt eine große Leitungsfähigkeit, so daß die Drähte dünn genommen werden können. Infolge davon ist weit weniger Guttapercha, deren Preis sehr hoch ist, als bei Eisendraht erforderlich. Außerdem verträgt der Kupferdraht eine geringe Dehnung ohne Nachteil. Zu größerer Sicherheit gegen einen vollständigen Bruch des Leiters nimmt man gewöhnlich nicht einen einfachen Draht, sondern man vereinigt mehrere (4–7) dünnere Drähte zu einer einzigen metallischen Litze, bei welcher der leitende Zusammenhang noch erhalten bleiben kann, wenn selbst einer der Drähte oder mehrere reißen.

Als isolierende Hülle dient Guttapercha. Da aber bei einem so vielen Unfällen ausgesetzten und nach geschehener Legung nicht mehr erreichbaren unterseeischen Kabel die Isolation des Leitungsdrahtes möglichst vollkommen sein muß, so begnügt man sich nicht mehr mit einer doppelten Umpressung des Kupferdrahtes mittels der Guttapercha, sondern man überzieht ihn mindestens dreimal und bringt außerdem zwischen je zwei aufeinanderfolgenden Guttapercha-Schichten noch besondere flüssige Isolationsmittel an, damit dieselben nicht bloß in die einzelnen Poren der Guttapercha dringen, sondern auch durch ihre Klebrigkeit die Schichten von Guttapercha fest miteinander vereinigen. Ja auch zwischen den Draht und die erste Lage Guttapercha giebt man vielfach behufs Ausschließung der Luft und zur Verhütung der Blasenbildung durch dieselbe eine isolierende Mischung (z. B. Chatterton-Masse).

Die mit dem Isolationsmateriale umpreßten metallischen Adern werden schließlich zur Sicherung gegen äußere Beschädigungen mit einer Hanfumwicklung und einer Hülle starker Eisendrähte oder auch statt dieser letzteren nach dem Vorschlage von Siemens mit einem Überzuge von dünnen kupfernen Bändern versehen.

Die Hauptfabrikanten solcher Kabel sind in England: Newall & Co.; Henley, India Rubber, Gutta Percha and Telegraph Works Company, Siemens Brothers, Submarine Telegraph Company, Telegraph-Construction and Maintenance Company; in Deutschland: Felten & Guilleaume zu Köln, Siemens & Halske in Berlin; in Frankreich: Rattier & Co., ferner Menier in Paris.

Die Fabrik von Felten & Guilleaume zu Köln geht bei der Fabrikation der Guttapercha-Drähte und Kabel mit ganz besonderer Vorsicht zu Werke, weshalb denn auch ihre Kabel über den ganzen Kontinent verbreitet sind.

In den folgenden zwei Figuren (9 u. 10) sind Ansichten und Querschnitte zweier Tiefseekabel dargestellt.

Das französisch-atlantische Kabel vom Jahre 1869 mit einer Länge von 4785 km (von Brest in Frankreich bis St. Pierre südlich von Neufundland) erforderte zu seinem siebendrähtigen Leiter 533 t Kupferdraht. Ferner wurden zu demselben verbraucht 549 t Guttapercha, 500 t Jute, 4727 t Eisendraht und 1286 t Manila-Hanfstränge. Das Kabel kostete 584496 Pfd. St.; die Gesamtkosten beliefen sich auf 920000 Pfd. St. = 18⅖ Mill. M.

3. Legung unterseeischer Kabel[15]. Die Legung eines Unterseekabels ist immer eine höchst schwierige Aufgabe; dem Scharfsinn und der Energie der Seeleute, Ingenieure und Telegraphentechniker werden hierbei nicht geringe Aufgaben gestellt.

Illustration from Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt

Fig. 9.

Zweites transatlantisches Kabel von 1865.

Fig. 10.

Malta-Alexandria- Kabel.

a Kupferdraht. b Guttapercha, 4 Lagen. c Geteerter Hanf. d Mit Hanf umsponnener Eisendraht.

Nach der gewöhnlichen Art des Einlegens submariner Leitungen wird das Kabel auf ein Schiff gebracht. Schon diese Operation und die genaue Einlegung des letztern in konzentrische Ringe macht wegen der enormen Last und der Steifheit des Kabels große Schwierigkeiten. Dann ist bereits vor der Versenkung der mit dem Tau einzuschlagende Weg genau festzustellen und zu diesem Behufe Tiefe, Beschaffenheit und Gestalt des Meeresbodens durch Sondierungen möglichst genau zu erforschen. Die Landungspunkte namentlich sollen möglichst frei von Brandung und Klippen sein, auch keinen guten Ankergrund bieten, damit das Tau nicht durch Schiffsanker verletzt werde. Ist das alles geschehen und das Küstenkabel auf dem Lande befestigt, so fährt das Schiff die projektierte und genau sondierte Linie entlang, wobei man das Tau nach und nach ins Wasser hinabläßt, in welchem es durch sein eigenes Gewicht niedersinkt und so auf dem Grunde sich festlegt. Dabei ist es besonders notwendig, die Schnelligkeit, mit welcher das Kabel vom Schiffe ins Wasser sinkt, zu regulieren. Denn dieselbe würde sonst sehr bald außerordentlich groß und weit größer als die des Schiffes werden; infolgedessen würde aber das Tau in verschlungenen Ringen statt in einer nahezu Geraden sich niederlegen, überdies würde es durch die Reibung in hohem Grade leiden und sich selbst und das Schiff beschädigen. Von der Zweckmäßigkeit der hierzu verwendeten Maschinen und der guten Führung des ablaufenden Taues ist das Gelingen des ganzen Werkes wesentlich mitbedingt. Endlich müssen während des Versenkens fortlaufende Messungen des Isolations- und Leitungszustandes des Taues angestellt werden, damit man beim Auftreten eines Fehlers diesen sofort merkt und beseitigen, beziehungsweise das versenkte Taustück wieder emporheben kann. Zu diesem Zwecke bleibt das Schiff, welches das Tau versenkt, durch dieses hindurch beständig mit einer Station am Lande in telegraphischer Verbindung.

Ein Dampfschiff ist für die Legung einem Segelschiff vorzuziehen, weil es von Wind und Wellen weniger abhängt; doch muß es genügende Größe, Stabilität und Tragfähigkeit haben. Bei mehreren derartigen großen Unternehmungen hat sich das Riesenschiff Great Eastern von über 3000 t Netto-Gehalt vortrefflich bewährt. Noch geeigneter sind die besonders für die Zwecke der Kabellegung und -ausbesserung gebauten großen Dampfer der Kabelgesellschaften, beziehungsweise Kabelfabrikanten. Gegenwärtig sind 29 solcher Dampfer mit Legung neuer Strecken und Reparaturen der alten unausgesetzt beschäftigt.

Diesen Schiffen liegt, namentlich wenn es sich um Versenkung größerer oder um das Auffischen und Zusammenspleißen gebrochener Kabel handelt, eine Arbeit ob, die das Schiff, die Mannschaft und die Ladung den bedenklichsten Wechselfällen aussetzt. Abgesehen von den Launen der Witterung und des Meeres, denen die Kabelschiffe durch ihre Belastung und die zur Versenkung der Kabel erforderlichen Vorrichtungen in erhöhtem Maße ausgesetzt sind, werden die Bewegungen dieser Schiffe durch ihre Arbeiten in einer Weise gehemmt, die es ihnen außerordentlich erschwert, anderen Schiffen auszubiegen. Die Gefahr eines Zusammenstoßes mit anderen Fahrzeugen ist um so größer, als die Arbeiten der Kabeldampfer regelmäßig auf den belebtesten Hochstraßen des Oceans auszuführen sind und ihrer Natur nach nicht unterbrochen werden dürfen. In nicht seltenen Fällen hat zur Rettung des Schiffes das Kabel an unpassenden Stellen gelegt oder gar abgeschnitten und dem gänzlichen Verlust ausgesetzt werden müssen. Vor ca. 10 Jahren ging der Dampfer Gomos bei Legung des Kabels von St. Vincent nach Pernambuco infolge eines Zusammenstoßes zu Grunde. Aus gleicher Ursache wurde der Telegraphendampfer Robert Lowe in den Gewässern von Neufundland schwer beschädigt.

4. Kabelschutz. Bei dem großen Anlagekapital und bei der Wichtigkeit der telegraphischen Verbindungen ist es begreiflich, daß man schon sehr frühe daran dachte, wenigstens die Kabellinien unter den Schutz der Mächte zu stellen. Die ersten derartigen Bestrebungen gingen bereits 1869 von den Vereinigten Staaten von Amerika aus, aber erst auf der internationalen Konferenz zu Paris vom 27. Oktober 1883 kam eine diesbezügliche Vereinbarung zu stande. Die Übereinkunft, welche von 32 Staaten abgeschlossen wurde, bezweckt den internationalen Schutz der Kabel wenigstens in Friedenszeiten. Das von Cyrus Field angestrebte Ideal, die unterseeischen Telegraphen-Verbindungen vollständig zu neutralisieren, ist durch den Vertrag nicht erreicht worden.

5. Statistik der unterseeischen Telegraphenverbindungen. Die Zahl sämtlicher submariner Kabel beträgt 731. Hiervon gehören 546 Kabel den Staatsverwaltungen, 185 sind Eigentum von Privatgesellschaften. An letzteren gab es 1883 23, von denen 17 ihren Sitz in London hatten. Die ausgedehntesten submarinen Leitungen (fast 17000 Seemeilen) besitzt die Eastern Telegraph Company. Die Länge sämtlicher Privatkabel übertrifft jene der Staatsverwaltungen fast um das Zwölffache.

Die Ausdehnung der sämtlichen unterseeischen Telegraphenverbindungen für das Jahr 1883 erhellt aus folgender, dem Journal télégraphique entnommenen Zusammenstellung.

A. Staatsverwaltungen.

Länder. Zahl der Kabel Länge (in Seemeilen)

der Kabel. der Drähte.

Deutsches Reich 32 436,19 1042,24

Österreich 29 97,49 103,94

Dänemark 32 111,68 410,18

Spanien 3 129,10 129,10

Frankreich 41 2329,273 2345,273

Großbritannien und Irland 92 576,194 1528,163

Griechenland 13 104,60 104,60

Italien 15 250,29 262

Norwegen 224 245,76 245,76

Niederlande 14 40,70 61,81

Europäisches und kaukasisches Rußland 5 201,80 209,84

Schweden 7 58,60 58,60

Türkei 12 330,66 333,66

Britisch-Indien 7 1743,35 1743,35

Japan 11 55,498 103,368

Russisch-Asien 1 70,017 70,017

Süd-Australien 2 43,50 43,50

Neu-Caledonien 1 1 1

Niederländisch-Indien 1 54,91 54,91

Neu-Seeland 3 196,315 284,94

Britisches Amerika 1 200 200

546 7276,927 9336,281

B. Privatgesellschaften.

Namen der Gesellschaften. Zahl der Kabel Länge (in Seemeilen)

der Kabel. der Drähte.

1. Submarine Telegraph Company 10 803,69 3728,64

2. Vereinigte deutsche Telegraphen-Gesellschaft 2 1119 1794

3. Hamburg-Helgoländer Telegr.-Gesellschaft 1 32 32

4. Direct Spanish Telegraph Company 2 699,13 699,13

5. Mediterranean Extension Telegr. Company 3 198 198

6. Black Sea Telegraph Company 1 350 350

7. Indo-European Telegraph Company 1 8 24

8. Great Northern Telegraph Company 17 5916 6142

9. Eastern Telegraph Company 49 16814,85 16859,85

10. Eastern and South African Telegraph Company 4 3858 3858

11. Eastern Extension Australasia and China Telegraph Company 15 11265 11265

12. Anglo-American Telegraph Company 15 10437,56 11035,70

13. Directed United States Cable Company 2 2983 2983

14. Compagnie française du Télégraphe de Paris à New-York 4 3409,34 3409,34

15. Western Union Telegraph Company[16] 4 5537 5537

16. Brazilian Submarine Telegraph Company 4 4296 4296

17. Cuba Submarine Telegraph Company 3 940 940

18. West-India and Panama Telegr. Company 20 4119 4119

19. Western and Brazilian Telegraph Company 9 3801 3801

20. River Plate Telegraph Company 1 32 64

21. Mexican Telegraph Company 2 709 709

22. Central and South American Telegraph Company 9 3178,11 3178,11

23. West Coast of America Telegr. Company[17] 7 1698,72 1698,72

185 82214,40 86721,49

C. Zusammenfassung.

Zahl der Kabel Länge (in Seemeilen)

der Kabel. der Drähte.

Staatstelegraphen 546 7276,927 9336,281

Privat-Gesellschaften 185 82214,40 86721,49

Im ganzen 731 89491,327 96057,771

Nach der neuesten Statistik können die Kabel der Privatgesellschaften auf 180000 km Länge mit 200000 km Leitung veranschlagt werden, während die in Staatsverwaltung befindlichen Kabel nur 15000 km Länge und etwa 18000 km Leitung besitzen. Die Länge sämtlicher Kabel der Erde beträgt somit 195000 km mit 218000 km Drähten[18]. Bedenkt man, daß es vor wenigen Decennien noch für unmöglich galt, Kabel durchs Meer zu legen, so ist dieses Resultat wahrlich im höchsten Grade bewundernswert.

6. Kosten der Kabel. Der Wert der sämtlichen Kabel beläuft sich auf über 600 Millionen Mark. Durchschnittlich betragen die Kosten der atlantischen Kabel pro englische Meile (= 1,6 km) 550 Pfd. St. = 11000 M.; andere submarine Leitungen wurden dagegen schon um 200 Pfd. St. pro englische Meile erstellt. Beträchtlich wohlfeiler kommen die oberirdischen Leitungen zu stehen: im Durchschnitt pro englische Meile auf 80 Pfd. St. = 1600 M., die unterirdischen dagegen kosteten in Deutschland für die gleiche Entfernung 450 Pfd. St. = 9000 M.[19]

7. Tarifentwicklung für Kabeltelegramme. Die nachstehende Tabelle veranschaulicht in übersichtlicher Weise, wie der Preis für transatlantische Telegramme seit der Inbetriebnahme der ersten überseeischen Kabel und infolge des fortwährenden Hinzutretens von neuen Verbindungen fast stetig sich ermäßigte, bis er schließlich zu dem jetzigen verhältnismäßig billigen Satze herabsank, welcher auch den weniger Bemittelten gestatten dürfte, in Fällen großer Dringlichkeit von den überseeischen Verbindungen Gebrauch zu machen.

Für ein Telegramm bis zu 20 Worten Inhalt wurden bezahlt:

bis zum Jahre 1867 M. 400,—

vom 1. November 1867 ab „ 200,—

„ 1. Dezember 1867 ab für ein Telegramm bis zu 10 Worten „ 100,—

„ 1. September 1868 „ „ „ „ „ „ 67,40

„ 1. Juni 1869 „ „ „ „ „ „ 40,—

„ 10. August 1869 „ „ „ „ „ „ 30,—

„ 12. Dezember 1870 „ „ „ „ „ „ 60,—

„ 1. Juli 1871 „ „ „ „ „ „ 40,—

Vom 1. Mai 1872 ab wurde die Worttaxe eingeführt, und zwar

wurde zunächst berechnet für jedes Wort M. 4,—

vom 1. Mai 1875 ab „ 2,—

und vom 24. Dezember 1884 ab „ 1,60

Die zuletzt genannte Ermäßigung war eine Folge der Verlegung der Bennett-Mackay-Kabel, die von Waterville in der Nähe der Insel Valentia ihren Ausgang nehmen. Die Eigentümer dieser Kabel, welche die Commercial Cable Company bilden, setzten bei der Inbetriebnahme derselben den angeführten Satz von 1,60 Mark für ein Wort fest, und die augenblickliche Folge davon war, daß auch alle übrigen Eigentümer von transatlantischen Kabeln sofort den gleichen Satz in Anwendung bringen ließen[20]. Seitdem ist sogar noch eine weitere Verwohlfeilung des telegraphischen Verkehrs zwischen Europa und Amerika eingetreten. Um nämlich die Commercial Cable Company zu veranlassen, dem Bunde der übrigen Kabelgesellschaften beizutreten, haben die letzteren am 5. Mai 1886 die Wortgebühr für die Beförderung von Telegrammen zwischen London und New-York sowie den wichtigsten Handelsstädten Nordamerikas für ihre sämtlichen Linien auf den Satz von M. 0,50 herabgesetzt. Besondere Konzessionen wurden gleichzeitig den Zeitungen gemacht, indem für Preßtelegramme mittels besonderen Abkommens eine Ermäßigung der Gebühr auf sogar 0,25 M. für das Wort vereinbart werden kann. Die Beförderungsgebühren werden indes auf diesem Satze nicht allzulange beharren[21].

Drittes Kapitel. Übersicht über die wichtigsten Telegraphenlinien der Erde.

A. Die großen Kontinentallinien.

Die bedeutendsten diesbezüglichen Linien sind:

1. Der europäisch-indische Überlandtelegraph. Derselbe läuft bis zum persischen Hafen Buschir in doppelter Linie, einerseits über Konstantinopel, Bagdad und Basra (nur die kurze Strecke Fao-Buschir ist Kabelleitung), andererseits von Rußland her über Tiflis, Teheran und Ispahan. Von Buschir taucht die Leitung in den persischen Meerbusen, landet dann bei Jask in Südpersien und wieder bei Gwadur und Karratschi und zieht dann über Land nach Bombay, Madras, Calcutta und Mulmein, letzteres in Hinterindien.

2. Der sibirische Überlandtelegraph. Er zieht von St. Petersburg über Kasan, Perm, Tjumen, Omsk, Tomsk, Krasnojarsk, Irkutsk, Kiachta, Nertschinsk nach Nikolajewsk am Ochotskischen und Wladiwostock am Japanischen Meer.

3. Der australische Überlandtelegraph. Er führt von Port Darwin in Nordaustralien nach Melbourne in Südaustralien. Außerdem läuft hier ein Telegraph von Melbourne an der Ostküste entlang über Sydney nach dem Golf von Carpentaria; desgleichen eine Leitung an der Südküste nach Westen bis Perth, Geralton und Roeburne.

4. Der transkontinentale Telegraph Nordamerikas. Er verbindet den Osten (New-York) mit dem Westen der Vereinigten Staaten (San Francisco).

5. Die transandinische Linie Südamerikas. Sie verknüpft Argentinien und Uruguay mit Chile, indem sie die Pampas durchzieht und die Anden übersteigt.

B. Die wichtigsten unterseeischen Verbindungen[22].

Sie zerfallen in folgende Hauptgruppen:

I. Linien zwischen Europa und Nordamerika, zugleich für den Verkehr mit Mittelamerika und Westindien.

1. Drei Linien von der Insel Valentia an der Südwestküste von Irland nach Hearts Content auf Neufundland: a. 1873er Kabel, 3475 km; b. 1874er Kabel, 3403 km; c. 1880er Kabel, 3000 km.

Illustration from Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt

Fig. 11. Die unterseeischen Verbindungen zwischen Europa und Nordamerika.

2. Eine Linie von der Ballinskelligbai (bei Valentia) nach Tor Bai auf Neuschottland.

3. Zwei Linien von Waterville (nächst der Ballinskelligbai) nach Dover Bai.

4. Zwei Linien von Sennen Cove an der Westspitze der englischen Halbinsel Cornwall nach Dover Bai.

5. Zwei Linien von Brest (Frankreich) nach St. Pierre-Miquelon (südlich von Neufundland).

II. Linien zwischen Europa und Südamerika.

Die Doppel-Linie Lissabon-Madeira-St. Vincent-Pernambuco; jedes Kabel hat eine Gesamtlänge von je 7260 km. Von Pernambuco wurden ferner Kabel entlang der Küste nördlich bis Pará, südlich nach Bahia, Rio de Janeiro, Montevideo und Buenos-Aires gelegt.

Zwischen Europa und Amerika bestehen somit gegenwärtig nicht weniger als 12 submarine Leitungen; 10 derselben verbinden Europa und Nordamerika.

III. Linien zur Verbindung von Europa und Afrika, sowie von Europa und Asien, beziehungsweise Australien.

1. Marseille-Algier (3 Linien) und Marseille-Bona (2 Linien).

2. Falmouth-Gibraltar-Malta-Alexandrien.

3. Modica (Sicilien)-Malta-Alexandrien.

4. Otranto (Unteritalien)-Zante-Alexandrien mit verschiedenen Abzweigungen.

5. Cadiz-Teneriffa-St. Louis-Dakar (franz. Senegambien)-Bathurst-Bulama-Konakry.

6. (Alexandrien-)Suez-Aden-Bombay (2 Linien).

7. Suez-Aden-Zanzibar-Mozambique-Delagoabai-Port Natal(-Kapstadt). Dieses Kabel ist 7289 km lang.

8. (Bombay-)Madras-Penang-Singapore.

9. Singapore-Batavia.

10. Singapore-Banjoewangie (Java)-Port Darwin (Nordaustralien).

11. Singapore-Saigon-Hongkong (China)-Shanghai-Nagasaki (Japan)-Wladiwostock (im russischen Amurgebiet am Japanischen Meer).

12. Saigon-Hué-Haiphong-Hongkong-Amoy-Shanghai.

13. Melbourne-Low Head (Tasmanien) und Sydney-Nelson (Neu-Seeland).

14. Für den internationalen Verkehr ist noch von Wichtigkeit die Kabelleitung durch den persischen Golf: Fao (an der Mündung des Schat-el-Arab)-Buschehr-Karratschi.

IV. Zwischen Nord- und Südamerika.

Galveston-Tampico-Vera Cruz-[Coatzacoalcos (Mejico)-Salina Cruz (am Stillen Ocean)]-la Libertad-San Juan del Sur-Panamá-Buenaventura-Sta. Elena (im Staat Ecuador)-Payta (Peru)-Chorillos bei Lima. Die Leitung wurde erst 1882 fertiggestellt, und erst seitdem ist zwischen Nord- und Südamerika ein direkter telegraphischer Verkehr möglich; bis dahin war das nur über Europa der Fall mittels der Leitung Lissabon-Pernambuco. Ein Telegramm von Nordamerika nach Südamerika mußte also zweimal den Atlantischen Ocean durchkreuzen. Und welche Kosten waren hiermit verknüpft! Für das Taxwort eines Telegrammes von Panama nach Callao (Peru) waren z. B. nicht weniger als 13 Dollars oder 52 Mark zu entrichten. Von Lima zieht dann eine Kabelleitung südwärts nach Valparaiso, das selber wieder durch die transandinische Linie mit der Ostküste Südamerikas in Verbindung steht.

V. Projektierte unterseeische Linien.

An unterseeischen Linien sind in Aussicht genommen:

1. Die Fortsetzung des Kabels an der Westküste von Afrika und zwar von Konakry über St. Thomas (im Gabunlande), Loanda, Benguela, Mossamedes nach Kapstadt.

2. Ein Kabel von Brest nach Guadeloupe, einer der Kleinen Antillen.

3. Verbindungen von Waterville, Brest, Vigo und Lissabon über die Azoren- und Bermuda-Inseln mit Halifax, New-York, Havana und Kingston (auf Jamaica).

4. Ein Kabel von Fortaleza (in Brasilien) nach New-York.

C. Weltlinien.

Von besonderer Wichtigkeit ist die Kombination der einzelnen submarinen Kabel mit Überlandlinien zur Herstellung sogen. Weltlinien, durch welche mehrere Erdteile miteinander in direkten Verkehr gesetzt werden.

Die längste durchgehende Linie dieser Art reicht von San Francisco an der Westküste Nordamerikas einerseits und von Valparaiso an der Westküste Südamerikas andererseits bis Wladiwostock am Japanischen Meer und Nikolajewesk am Ochotskischen Meer. Sie wird durch folgende vier Hauptstrecken gebildet: die nordamerikanische, beziehungsweise südamerikanische Landroute, die atlantischen Kabel, die Linie von England bis Petersburg und die russisch-sibirische Strecke. (Siehe Karte.)

Die wichtigsten Telegraphenverbindungen der Erde.

Illustration from Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt

❏ GRÖSSERE BILDANSICHT

Die wichtigsten Telegraphenverbindungen der Erde (1).

Illustration from Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt

(Europa, Asien, Afrika und Australien)

Die wichtigsten Telegraphenverbindungen der Erde (2).

Illustration from Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt

(Amerika, Europa und Afrika)

Eine zweite durchgehende Linie zieht sich durch Europa in südöstlicher Richtung nach dem Süden Asiens und weiterhin nach Australien[23]. Sie nimmt ihren Weg von Konstantinopel über Bagdad und Basra, zieht hierauf über Bombay nach Madras, um von dort per Kabel Singapur zu erreichen. Von Singapur führt dann eine Doppelleitung über Java nach Port Darwin in Australien, wo sich der Überlandtelegraph anschließt. — Mit dieser Weltlinie vereinigen sich in Bombay die zwei von Suez über Aden kommenden Kabel und in Buschir am Persischen Meerbusen die von Europa über Tiflis, Teheran und Ispahan laufende Leitung. Ferner zweigt von Singapur ein Kabel ab über Hongkong, Shanghai, Nagasaki (Japan) nach Wladiwostock zum Anschluß an die sibirische Linie.

Zur Vollendung des telegraphischen Weltnetzes fehlt nur noch die Verbindung zwischen Amerika und Asien. Ist diese Verbindung hergestellt, dann ist der elektrische Gürtel um die Erde geschlossen.

Viertes Kapitel. Leitungsstörungen[24].

Die Beeinträchtigungen, welche die Telegraphenanlagen zu erleiden haben, sind mannigfacher Art. Was zunächst die oberirdischen Leitungen betrifft, so sind dieselben zahlreichen schädlichen Einwirkungen durch die elementaren Naturkräfte ausgesetzt. Als besonders nachteilig erweisen sich z. B. die aus dem Wechsel der Witterung hervorgehenden atmosphärischen Einflüsse. Die Niederschläge, wie Regen, Nebel und Tau, stören nämlich die Isolation der Leitungen, und dadurch wird der galvanische Strom so geschwächt, daß er oft nicht im stande ist, die Apparate auf weitere Strecken hin in Thätigkeit zu setzen. Scheidet sich im Winter der Wassergehalt der Atmosphäre in gefrorenem Zustande aus, so hängt er sich als Rauhfrost oder Schnee an die Drähte und überzieht dieselben mit dicken Krusten von beträchtlicher Schwere. Es sind in dieser Beziehung Fälle beobachtet worden, in welchen die Eiskruste einen Durchmesser von 15–20 cm erreichte und jeden einzelnen Draht innerhalb der gewöhnlichen Stangenintervalle mit einem Mehrgewicht von 1000–1500 kg belastete. Daß eine solche Vermehrung des eigenen Gewichtes, zumal bei starken Luftströmungen, vielfach Draht- und Stangenbrüche im Gefolge hat, bedarf keiner Ausführung. — Durch Eisgang und Hochwasser werden nicht selten Stangen, die aus örtlichen Gründen im Überschwemmungsgebiet der Flüsse haben aufgestellt werden müssen, unterspült und demnächst fortgerissen. — Ferner fegt der Sturmwind, der die Stangen niederlegt und ihre Drähte zu schwer entwirrbaren Knäueln verwickelt, breite Breschen in die oberirdischen Leitungen. So hat der orkanartige Sturm, der in den Tagen vom 9. bis 12. März 1876 das mittlere Europa, an letzterem Tage namentlich Mitteldeutschland heimsuchte, ⅖ der sämtlichen Telegraphenleitungen des Deutschen Reichs, nämlich 52390 km Leitung mit einem Anlagewert von ca. 9 Millionen Mark, auf mehrere Tage außer Betrieb gesetzt. Tagelang gab es in Mittel- und Süddeutschland, einem großen Teil von England, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und bis nach Rußland hinein keinen telegraphischen Verkehr. Der Sturm am 4. November 1878 richtete in den österreichisch-ungarischen Telegraphenleitungen derartige Verheerungen an, daß Wien vier Tage lang von jeder elektrischen Verbindung abgeschnitten war. — Der schädliche Einfluß der Gewitter auf die Telegraphenlinien äußert sich in doppelter Weise. Trifft ein Blitzschlag die Linie unmittelbar, so werden zumeist die Tragstangen zersplittert und umgeworfen, die Isolatoren zertrümmert, die Leitungsdrähte beschädigt; außerdem wirken die in der Nähe der Leitungen sich vollziehenden Entladungen auf die Betriebsfähigkeit insofern, als sie in den Leitungen elektrische Strömungen hervorrufen, welche die Wirkung der Telegraphenströme zeitweise stören oder aufheben. — Noch nachhaltiger als die Gewitterstörungen sind die Einwirkungen der in der Regel mit Nordlichterscheinungen verknüpften sogen. magnetischen Gewitter, die in den Telegraphenleitungen oft stundenlang andauernde Gegenströmungen von erheblicher Stärke hervorrufen.

Ein nicht unerheblicher Teil der an den oberirdischen Leitungen vorkommenden Beschädigungen ist auf die gewöhnliche Abnutzung der verwendeten Materialien zurückzuführen. Es gilt dies namentlich von den hölzernen Stangen, die zwar mit antiseptischen Stoffen (Kupfervitriol, Quecksilbersublimat) getränkt sind, deren endliche Zerstörung dadurch indes nur aufgehalten, nicht aber vollständig abgewendet werden kann, und ferner von den Eisendrähten, die nach dem unausbleiblichen Schwinden des Zinküberzuges dem Roste mehr und mehr erliegen und schließlich reißen. — An stark mit Leitungen belasteten Gestängen treten Berührungen der Leitungsdrähte unter sich ein; sie werden durch Stürme, durch Lockerung oder Brechen der Bindedrähte hervorgerufen und veranlassen dadurch Stromüberleitungen von einem Draht auf den andern und somit gleichfalls Betriebsstörungen. Auch Berührungen der Leitungen mit Baumzweigen u. dgl. können Überleitungen von einer Leitung zur andern, wie Ableitungen zur Erde zur Folge haben. Desgleichen sind Verunreinigungen der Isolatoren geeignet, unter Umständen Anlaß zu Stromableitungen zu geben.

Auch seitens mancher Tiere erfahren die oberirdischen Leitungen Beschädigungen. So hacken die Spechte in die Telegraphenstangen Löcher, welche nicht selten die ganze Stange durchdringen. Betriebsstörungen entstehen ferner durch das Anfliegen größerer Vögel gegen die Leitungen. Ein Drahtbruch oder eine Verschlingung mehrerer Leitungsdrähte kann hiervon die Folge sein. Man hat dergleichen Störungen durch gegenfliegende Schwäne, Störche, Trappen, wilde Enten und andere Vögel beobachtet. Namentlich aber sind es die Gänse, welche in Gegenden mit starker Gänsezucht zu einer wahren Plage für die Telegraphenleitungen werden können. Gar manche Stangen werden auch von Bären und Wölfen umgelegt, da sich diese Tiere, durch den Ton der durch die Luft in Schwingung versetzten Drähte getäuscht, in der Nähe eines Bienenstockes zu befinden glauben und nach dem Honig fahnden. In Japan sind es die Spinnen, welche die Depeschen verderben. Während der Nacht nämlich weben und spinnen diese fleißigen Arbeiter ihre Netze zwischen den in der Luft schwebenden Drähten und den sie stützenden Stangen. Zu gewissen Jahreszeiten fällt nun reichlicher Tau, und dann werden diese Spinngewebe in nassem Zustande zu guten Elektricitätsleitern, welche oft große Abweichungen und Stromverluste hervorbringen, so daß manchmal des Morgens von einem Punkte der Linie bis zum andern die größte Konfusion herrscht. Erst nach Sonnenaufgang, wenn die Gewebe wieder trocknen, oder nachdem man dieselben zerstört hat, tritt wieder Ordnung ein.

Neben den vorerwähnten Einflüssen kommen bei der Instandhaltung der oberirdischen Leitungen auch solche Beschädigungen in Betracht, welche durch Erd- und Gesteinsrutschungen, Felsstürze, Feuersbrünste, Eisenbahnunfälle etc. entstehen.

Endlich giebt es noch solche Störungen, welche in der Böswilligkeit oder dem Unverstande der Menschen ihren Grund haben. Wiederholt ist z. B. die Wahrnehmung gemacht worden, daß jugendliche Arbeiter oder Schulknaben sich vorzugsweise die Isolatoren zum Ziel ihrer Steinwürfe wählen und dieselben hierbei häufig zertrümmern. Oft auch werden die Leitungen durch Auflegen von Gegenständen zum Nachteil des Betriebes miteinander verbunden. Namentlich giebt das Spiel mit Papierdrachen zu Störungen Veranlassung. Beschädigungen treten ferner ein beim Fällen von Bäumen, bei Vornahme von Sprengungen, bei Ausführung von Häuserbauten, infolge Umfahrens von Stangen durch Fuhrwerke u. dgl. Auch darunter, daß ab und zu die Drähte zum Wäschetrocknen geeignet befunden werden, hat der telegraphische Verkehr zu leiden. Vor nicht langer Zeit hat sogar ein Schornsteinfeger die über die Dächer geführten Stadt-Fernsprechleitungen behufs bequemerer Ausübung seines Handwerks zusammengebunden und dadurch den Betrieb auf diesen Leitungen für längere Zeit unmöglich gemacht. Die Wilden Australiens erhalten zwar dadurch Respekt vor dem Telegraphen, daß man die eisernen Träger der Leitung in gewissen Abständen mit einer Vorrichtung versieht, vermöge deren jede Berührung mit einem kräftigen elektrischen Schlage vergolten wird; solche Torpedostangen vermögen aber nur die Träger der Leitung zu schützen, sie sind indes machtlos gegen Beschädigungen des Drahtes und der die Zerstörungswut besonders herausfordernden Isolatoren. Die schwarzen Eingeborenen haben denn auch die Isolatoren und den Draht zur Bewehrung ihrer Speere und für Angelhaken recht geeignet befunden. Die Tscherkessen wieder wählen diese friedlichen Geräte mit besonderer Vorliebe zum Zielpunkt für Schießübungen.

Sehr interessante Mitteilungen werden über die fast ganz im Bereich der Tropen befindlichen brasilianischen Staatstelegraphen gemacht. Von den Schwierigkeiten, die sich der Erhaltung solcher Linien entgegenstellen, hat man in Europa fast keine Vorstellung. In der tropischen Dampfatmosphäre faulen die hölzernen Gestänge und rosten die Drähte, oder es zerspalten infolge von sechs- bis achtmonatlicher Dürre die Stangen. Die plötzliche Abkühlung der Luft bei Sonnenuntergang verursacht wiederum häufiges Reißen der Leitungsdrähte und Zerspringen der Porzellan-Isolatoren. Trotz aller Anstrengungen der Linienaufseher überwuchert auch die tropische Vegetation die Leitungen. Ferner stellt die Tierwelt gegen die Telegraphen ein ganzes Heer erklärter und unversöhnlicher Feinde; Marder, die Sippe der Stinktiere, die Biscachas und die Gürteltiere unterminieren die Pfosten, so daß diese umfallen, wenn nicht rechtzeitig Hilfe geschafft wird; desgleichen sind die zahlreichen Affenarten stets bereit, Verwirrung und Verschlingungen an den Leitungsdrähten zu verursachen. Die Belästigungen der Linien durch die Vögel sind wieder doppelter Art. Gewisse Vögel bauen mit ganz besonderer Vorliebe ihre Wohnungen auf die Spitzen der Telegraphenstangen und umhüllen dieselben in wunderbarer Geschwindigkeit mit feuchter, dem Erdboden entnommener Thonerde, oder mit Nestern, die aus Stöcken, Gras und Federn zusammengebaut sind. Sehr oft werden hierbei nicht nur die Stangenspitzen, sondern auch die Isolatoren und Drähte mit eingehüllt, wodurch letztere, wenigstens bei feuchter Witterung, in gegenseitige Beziehung gebracht werden. Außerdem wirken Vögel störend dadurch ein, daß ganze Schwärme gleich nach Sonnenuntergang oder kurz vor Sonnenaufgang umherziehen. Sie fliegen hierbei oft, da die Leitungsdrähte der Dämmerung wegen kaum sichtbar sind, gegen dieselben an, geraten dabei zwischen die Drähte, die dann verwickelt oder gar gebrochen werden, wobei allerdings auch die Angreifer sehr oft zu Schaden kommen. Auch die in Brasilien in so großen Massen auftretenden Insekten sind gefürchtete Feinde der Telegraphenlinien. Die gefährlichsten Zerstörungen der brasilianischen Leitungen werden jedoch durch die tropischen Gewitter verursacht.

Die unterirdischen Telegraphenlinien sind im großen und ganzen weniger Gefahren ausgesetzt als die oberirdischen Leitungen. Immerhin bleiben auch sie von Anfechtungen nicht ganz befreit. Beispielsweise sind Verletzungen von solchen vorgekommen durch Aufgraben des Erdbodens in deren unmittelbarer Nähe. Durch die dabei angewendeten Hacken u. s. w. wurden, trotz der vorhandenen eisernen Schutzdrähte, die inneren isolierenden Guttapercha-Hüllen mehrfach verletzt oder gar die Kupferlitzen zerstört. Auch durch den Gebrauch von Feuer zum Schmelzen des Bleies behufs Dichtung von Gas- und Wasserleitungsröhren, die in der Nähe von Kabeln lagen, gelangten Guttapercha und Kupferdrähte so weit zur Erwärmung, daß die Drähte aus der isolierenden Hülle heraustraten und miteinander oder mit den Schutzdrähten in Berührung kamen. In einem Falle wurde eine unterirdische Linie unabsichtlich durch Eintreiben eines mit einer Eisenspitze versehenen Pfahls verletzt, welchen ein Seiltänzer behufs Befestigung des von ihm zu seinen Schaustellungen nötigen Gerüstes benutzen wollte. In einem andern Falle führte ein mit dem Ausroden von Baumwurzeln beauftragter Arbeiter dadurch eine vollständige Unterbrechung einer unterirdischen Linie herbei, daß er das in der Erde liegende Kabel für eine Wurzel hielt und durchhieb. Glücklicherweise gehören derartige Beschädigungen unterirdischer Leitungen zu den Seltenheiten, und es darf daraus der Beweis entnommen werden, daß die getroffenen Sicherheitsvorkehrungen sich als wirksamer Schutz gegen die Mehrzahl aller absichtlichen und unabsichtlichen Angriffe bewähren.

Nicht ganz so ausreichender Schutz hat den durch Flüsse und Seen geführten Kabeln verliehen werden können. Letztere werden hin und wieder durch schleppende Schiffsanker aus ihrer Lage gehoben und zerrissen. In Flüssen mit starkem Gefälle leiden die Kabel wohl auch durch die fortwährend auf die äußere Schutzhülle zerstörend einwirkenden Flußgeschiebe oder durch das immerwährende Scheuern auf steinigem Untergrunde. In Fällen der letztern Art werden die Schutzdrähte vollständig durchgeschliffen und die Kabelseele der Zerstörung preisgegeben.

Was die submarinen Kabelleitungen betrifft, so werden jene der nördlichen Breiten häufig von Eisbergen oder Eisstücken beschädigt. Solche treiben oft mehrere hundert Fuß tief im Wasser, kommen an seichteren Stellen mit dem Kabel in Berührung und zerstören es auf diese Weise. Eine andere Ursache des Bruches bilden die am Meeresboden befindlichen scharfen Felsen, gegen deren Kanten das Kabel reibt, bis die äußere Umhüllung und Lage auf Lage des Schutzmaterials durchgescheuert sind. Erdkontakt der inneren leitenden Drähte ist die Folge davon, und das Kabel vermag telegraphische Zeichen nicht länger zu übermitteln. — Andere natürliche Ursachen der Zerstörung sind Erdbeben, unterseeische Strömungen und die höhere Temperatur des Wassers in den Tropengegenden.

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Fig. 12.

Teredo norvegica. (Nach Ternant, Les Télé- graphes.)

In zahlreichen Fällen sind die Kabel durch Fische zerstört worden. Bemerkenswerte Beispiele bieten das Kabel zwischen Brasilien und Portugal, sowie die Küstenkabel, welche am östlichen Rande Südamerikas entlang geführt sind. Auf diesen Linien wird das Kabel fast chronisch vom Sägefisch angegriffen. Knochenstücke von der Säge dieses Tieres sind wiederholt so tief eingebettet im Kabel gefunden worden, daß dadurch selbst die Leitungsdrähte verletzt waren. Ein noch sonderbarerer Vorfall ereignete sich mit dem Kabel im persischen Golf, welches plötzlich leitungsunfähig wurde. Bei näherer Prüfung ergab sich, daß ein großer Walfisch in die Linie sich verwickelt hatte. Das Tier war mit Parasiten bedeckt und hatte wahrscheinlich versucht, am Kabel den lästigen Anhang abzureiben. Ein Schlag seines mächtigen Schwanzes zerbrach jedenfalls die Linie, und dann verwickelte es sich beim Umherrollen derartig in das Kabel, daß es durch Erwürgung einen Selbstmord beging. — Zu den schlimmsten Feinden unterseeischer Kabel zählen noch einige Tiere niederer Ordnung. So durchdringen die Teredo navalis und ihre Stammverwandte, die Xylophaga, welche Huxley zuerst im Jahre 1860 an einem Kabel der Levante entdeckte, die Hanfumhüllung und die Guttapercha, wo die Zwischenräume zwischen den äußern Umhüllungsdrähten ihnen nur irgend einen Zutritt gestatten. Auch die Teredo norvegica, ein ziemlich langer Wurm, hat an ihrem vordern Teile zwei Schalen, womit sie das härteste Holz zerschneiden kann. Ebenso bahnt sich die Limnoria lignorum, eine kleine Krustacee, ungefähr von der Gestalt einer Ameise, einen Weg bis ins Innere der Kabel. Im Persischen Golf, im Indischen Ocean und auch an der irischen Küste sind die Kabel durch die Verwüstungen dieses Tierchens ernstlich beschädigt worden. — Im Mittelmeer hat auch der Blitz schon Kabelleitungen zerstört.

Sehr verderblich wird den Kabelleitungen zuweilen auch das Ankern der Schiffe, sowie die Seefischerei. So wurden in der verhängnisvollen Nacht des 2. Januar 1856 durch ein Segelschiff, das Anker geworfen hatte, die Kabel von Dover nach Ostende und von Dover nach Calais, damals die beiden einzigen Leitungen zwischen England und dem Kontinent, zerstört, und an den Küsten Algiers wieder sind nicht selten Korallenfischer durch ihre Geräte Urheber von Kabelbrüchen.

Endlich fehlt es sogar nicht an absichtlichen Angriffen des Schiffsvolks auf die Kabel, indem letztere, von dem Schiffsgerät erfaßt und an die Oberfläche gebracht, nicht sorgfältig und vorsichtig losgemacht und wieder versenkt, sondern einfach, um das Gerät schnell wieder klar zu machen, durchhauen werden.

Eine häufig auftretende Folge von Leitungsstörungen sind — und deshalb sei ihrer an dieser Stelle gedacht — Verstümmlungen oder Entstellungen von Telegrammen[25]. So telegraphierte eine Londoner Firma ihrem Agenten: „Sendet Schienen zehn (engl. ten) Fußlängen.“ Die Buchstaben t und e werden nun im Morse-Alphabet durch einen Strich, beziehungsweise einen Punkt dargestellt; bei der Übermittlung des Telegramms erzeugte jedoch der empfangende Apparat statt des Striches einen Punkt; dadurch wurde aber aus dem Worte „ten“ „in“, und die Depesche lautete jetzt also: „Sendet Schienen in Fußlängen.“ In ähnlicher Weise wurde ein Telegramm verstümmelt, in welchem der Aufgeber bat, ihn am Bahnhofe mit einem Mietwagen (englisch hack) zu erwarten. Der Buchstabe h wird nun durch vier Punkte dargestellt; statt dieser gab aber der Apparat nur drei (s), und das Wort hack wurde in sack (Sack) umgewandelt. Die Folge war, daß der Aufgeber des Telegramms bei seiner Ankunft nicht den verlangten Wagen, sondern einen Sack vorfand. Besonders oft verwechselt der Telegraph die Buchstaben x und y. Immer wieder haben daher vielgeplagte Eisenbahnbeamte nach einem verlorenen „black boy“ (Negerjunge) suchen müssen, weil der Telegraph in seiner Schwäche aus x ein y machte und statt „black box“ (schwarzer Koffer) die Worte black boy wiedergab.

Mitunter begegnet es dem Telegraphen, den Botschaften, welche über seine Drähte eilen, vom Original ganz abweichende Worte zu unterschieben. So war Herr So-und-So, welcher telegraphisch Eis bestellte, wütend über die Neckerei des Telegraphen, der „Eis“ in „Thee“ veränderte, so daß von diesem sogleich eine große Kiste an ihn abging. In derselben Weise wurde ein Telegramm mitleidslos entstellt, worin ein Reisender um Nachsendung seiner in einem Coupé zurückgelassenen Perücke (wig) bat. Als das Telegramm seinen Bestimmungsort erreichte, war aus „wig“ „wife“ (Weib) geworden. Sofort wurden die eingehendsten Nachforschungen nach der vermißten Dame angestellt, doch ohne Erfolg, bis der Irrtum aufgeklärt und der verlorene Gegenstand seinem Eigentümer wieder zugestellt wurde. Gelegentlich der von dem Papstgegner Murphy in Bury (Lancashire) gehaltenen Vorträge erlitt derselbe durch den Pöbel Mißhandlungen; hierbei wurden einem Telegramm zufolge sieben der Excedenten „boiled“ (gekocht) statt „bailed“ (verhaftet) und gegen Bürgschaft freigelassen.

Viele der Entstellungen entstehen freilich auch ohne Schuld des Apparates. Zuweilen sind solche durch nachlässiges Arbeiten der Beamten veranlaßt. So wurde ein berühmter Arzt auf eine nutzlose Reise geschickt durch ein Telegramm folgenden Inhalts: „Kommen Sie nicht zu spät.“ Das Ursprungstelegramm hatte gelautet: „Kommen Sie nicht, zu spät.“ Bei der Beförderung der Depesche wurde aber das Komma fortgelassen, und so erwuchs dem Empfänger die Unannehmlichkeit einer nutzlosen Reise. Andere Irrtümer entstehen dadurch, daß die Aufgeber sich eine zu kurze Abfassung des Telegramms gestatten. Diese ist, nebenbei bemerkt, auch Ursache, daß zuweilen im Privatverkehr ganz sonderbare Telegramme vorkommen, wie: „Onkel soeben gestorben, komme mit dem Kurierzug“; oder: „Geld erhalten, danke bestens, nächstens mehr“. Ein anderer, nicht weniger häufiger Fehler der Aufgeber ist schlechte Schrift. Einige gelungene Beispiele von hierdurch veranlaßten Entstellungen mögen diesen Abschnitt beschließen. Ein Kellermeister erhielt einst zu seiner großen Verwunderung von seinem Herrn den telegraphischen Auftrag, ihm sofort „ten bobs“ (zehn Faustschläge) zu senden, da er derselben dringend bedürfe. Die „ten bobs“ waren aber ursprünglich „tin boxes“ (zinnerne Büchsen). So telegraphierte auch gelegentlich der Versammlungen, welche vor einigen Jahren in Braemar periodisch stattfanden, ein Graf nach Edinburg, man möge ihm einen „cocked hat“ (Dreimaster-Hut) senden. „Cocked hat“ wurde indes zu „coocked ham“ (gekochter Schinken) gemacht, den man auch sogleich absandte, zu maßloser Überraschung und Entrüstung des hohen Herrn. Ein anderes Telegramm erhielt man mit folgendem Inhalt: „Bitte, schicken Sie mir Ihr Schwein (pig) an den Bahnhof entgegen“; es sollte heißen „gig“ (ein Wagen). In einem Falle hatte ein Telegraphenbeamter zu Philadelphia Quartier für eine Anzahl „prisoners“ (Gefangene), anstatt für ebensoviel persons (Personen) bestellt; ein anderer hatte in einer Depesche, in welcher eine auf Reisen befindliche Tochter, die von ihrer Mutter lange Zeit keine Nachricht erhalten hatte, ihre Besorgnis hierüber mit den Worten ausdrücken wollte: „ich bin ängstlich (worried)“, statt des Wortes „worried“ das Wort „married“ (verheiratet) substituiert. Diese der Mutter ganz unvorbereitet gekommene Mitteilung veranlaßte dieselbe, da sie sich durch eine so übereilige und selbständige Handlungsweise ihrer Tochter aufs tiefste verletzt fühlte, eine ganze Flut von eben nicht schmeichelhaften Herzensergießungen auf das Haupt der Unschuldigen auszuschütten. Ein anderer Schnitzer, der ernstlicherer Natur war und in Cleveland (Ohio), wohin die Depesche aufgegeben war, bedeutende Aufregung hervorrief, bestand darin, daß der Telegraphenbeamte in dem Telegramm sagte: Präsident Hayes „starb“ (died), während er sagen wollte: Präsident Hayes „dinierte“ (dined).

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Fig. 13. Limnoria lignorum.

(Nach Ternant, Les Télégraphes.)

Fünftes Kapitel. Der Telegraph als Verkehrsmittel[26].

Durch das erfolgreiche Zusammenwirken von Forschern und Erfindern war der Telegraph zwar zu einem äußerst praktischen Verkehrsmittel gestaltet worden; an einer allgemeinen Verwertung desselben im Dienste des öffentlichen Lebens fehlte indes noch viel.

Ein Haupthindernis bildeten schon die hohen Gebühren, welche für die Beförderung von Telegrammen festgesetzt waren. So enthält das erste preußische „Regulativ über die Benutzung der elektromagnetischen Staatstelegraphen seitens des Publikums“ vom 6. August 1849 einen „vorläufigen Tarif“, in welchem für jede Meile der Entfernung zwischen Aufgabe- und Bestimmungsort etwa 1½ Silbergroschen pro Wort berechnet sind. Nach diesem Tarif kostete ein einfaches Telegramm (20 Wörter) von Berlin nach Aachen (94 Meilen Linie) 5 Thlr. 6 Sgr., von Berlin nach Köln (84¾ Meilen) 4 Thlr. 20 Sgr. Für je 10 weitere Wörter wurde ein Viertel des ursprünglichen Betrags erhoben; zur Nachtzeit aufgegebene Telegramme kosteten das Doppelte. Ein in Berlin nach 9 Uhr abends für Aachen ausgeliefertes Telegramm von 50 Wörtern, das heute für 2,70 M. (27 Sgr.) befördert wird, kostete nach dem Tarif von 1849 18 Thlr. 6 Sgr. an Gebühren und 5 Sgr. an Bestellgeld, also 18 Thlr. 11 Sgr. oder 55,10 M.!

Auch in anderen Ländern stand es in dieser Beziehung anfangs nicht besser. In Frankreich z. B. war durch Gesetz vom 29. November 1850 ein Tarif aufgestellt worden, nach welchem für ein Telegramm von 20 Wörtern 3 Franken und außerdem 12 Centimen für je 10 km Entfernung erhoben wurden. Hiernach kam ein einfaches Telegramm von Calais nach Marseille etwa auf 17 Franken zu stehen.

Aber selbst abgesehen von den hohen Gebühren, die ja doch bald eine Ermäßigung erfuhren, so standen der allgemeinern Verwendung des Telegraphen gleichwohl noch eine Reihe anderer Hindernisse entgegen, teils politischer, teils betriebstechnischer Art. Dieselben sollten indes nicht zu lange bestehen. „Die Telegraphie,“ sagt Fischer so schön, „ist ihrem Wesen nach ein internationales Institut. Vorzugsweise bestimmt, in weite Fernen zu wirken, und mit einer Kraft ausgerüstet, vor deren Schnelligkeit die Raumunterschiede des Erdballs zu verschwinden scheinen, kann der Telegraph nicht Halt machen vor den Hemmnissen, welche die politischen Abgrenzungen der Staaten dem Verkehr bereiten.“ Das Bestreben der Telegraphenverwaltungen zielte daher schon frühzeitig auf die Ausbildung internationaler Einrichtungen, und diese Bemühungen waren denn auch, wie die folgenden Zeilen des nähern darthun werden, von dem glänzendsten Erfolge gekrönt.

Zunächst errichteten Preußen, Österreich, Bayern und Sachsen 1850 den deutsch-österreichischen Telegraphenverein, dem in den nächsten Jahren das übrige Deutschland und die Niederlande beitraten. In ähnlicher Weise schlossen sich die westlichen und südlichen Staaten Europas an Frankreich an. Beide Gruppen traten sodann durch einen 1852 von Preußen mit Frankreich und Belgien abgeschlossenen Vertrag in engere Beziehungen.

Der erste internationale Kongreß wurde 1865 in Paris abgehalten und war von 20 Staaten Europas beschickt. Er stellte namentlich gemeinsame Grundsätze für die Taxierung (Zwanzig-Wort-Tarif) und Abrechnung auf und brachte mehrere Erleichterungen in der Benutzung des Telegraphen. Als einheitlicher Apparat für den internationalen Dienst wurde der Morse-Apparat angenommen.

Ein weit umfassenderer Vertrag ward durch die im Juni und Juli 1868 in Wien tagende internationale Telegraphenkonferenz bearbeitet. Ein wichtiges Ergebnis dieser Konferenz war z. B. die innige Verbindung sämtlicher europäischen und asiatischen Telegraphenverwaltungen. Die bedeutsamsten Neuerungen aber waren die Zulassung des Hughes-Apparates für die Korrespondenz zwischen den Hauptplätzen der Vereinsstaaten, sowie die Einrichtung des internationalen Bureaus der Telegraphenverwaltungen in Bern. Letzteres besorgt unter anderem auch die Herausgabe des ausgezeichnet redigierten „Journal télégraphique“. Auch die nächsten Konferenzen (zu Rom 1871, St. Petersburg 1875, London 1879) haben die internationale Telegraphie einer immer vollkommenern Organisation zugeführt. Keine befriedigende Lösung fand indes auf all diesen Konferenzen die Tariffrage. Zwar hatte schon auf der Konferenz zu St. Petersburg der deutsche Generalpostmeister Dr. von Stephan auf die Unhaltbarkeit des damaligen Tarifwesens hingewiesen. Nachdem aber die Petersburger Konferenz in dieser Beziehung erfolglos verlaufen war, ging die deutsche Telegraphenverwaltung zunächst innerhalb ihres eigenen Gebietes mit einer grundlegenden Umgestaltung des Tarifwesens vor.

Mit dem 1. März 1876 trat im Deutschen Reiche an Stelle des Gebührensatzes für die Depesche von 20 Worten ein Tarifsystem in Kraft, nach welchem die Taxe für das Telegramm aus zwei Teilen zusammengesetzt ist: einer festen, von der Länge des Telegramms unabhängigen Gebühr — der Grundtaxe (20 Pf.) — und der für die einzelnen Wörter zu entrichtenden Worttaxe von 5 Pf.

Dieses Worttarifsystem hat sich sehr bald sowohl für das Publikum, wie für die Verwaltung als durchaus vorteilhaft bewährt; für ersteres, indem es demselben gestattet, die Depesche so kurz zu fassen, als es seinem Korrespondenzbedürfnis entspricht, für letztere, indem der Telegraph von dem Ballaste überflüssiger Zeichen befreit und eben dadurch in den Stand gesetzt wird, in derselben Zeit einer größern Zahl von Menschen dienstbar zu sein. In der That betrug denn auch 1875 die Länge eines Telegramms im innern Verkehr durchschnittlich 18,32 Wörter, nach Einführung des Worttarifs aber 1876 14,24, 1880 12,14 und 1881 gar nur noch 11,90 Wörter.

Der deutsche Worttarif fand aber auch bei den Nachbarstaaten sehr bald Anklang; so brachten die Schweiz, Frankreich und Österreich-Ungarn schon in den nächsten Jahren denselben im innern Verkehr zur Anwendung.

Auf diese Erfolge gestützt, hat die deutsche Telegraphenverwaltung der fünften Telegraphenkonferenz in London 1879 Vorschläge zur einheitlichen Regelung des Tarifwesens innerhalb der europäischen Staaten unterbreitet. Die Hauptanträge lauteten:

1. Der Tarif für das internationale europäische Telegramm setzt sich zusammen: a. aus einer festen Gebühr von 50 Centimen, b. aus einer Gebühr für jedes Wort von 20 Centimen.

2. Jede Verwaltung bezieht ungeteilt die Gesamtgebühren für die aus ihrem Gebiete herrührenden Telegramme und bestreitet daraus die etwaigen Land- und See-Transit-Gebühren.

Diese Vorschläge bedeuteten eine durchgreifende Reform des ganzen Telegraphenwesens. Nicht nur wurde hierdurch an Stelle vielfältiger und abweichender Tarifsysteme eine einheitliche Grundlage für die Tarifbildung und gleichzeitig eine wesentliche Herabsetzung der Gebühr für die internationale Korrespondenz erstrebt, sondern auch das bisherige weitläufige und verwickelte Abrechnungswesen zwischen den bei der Beförderung beteiligten Staaten mußte durch die Einführung des auch im Weltpostverein glänzend durchgeführten Ausgleichungsgrundsatzes teils ganz beseitigt, teils außerordentlich vereinfacht werden. Es kam indes auf der Londoner Konferenz nur zu einer Würdigung der gemachten Vorschläge, nicht aber zu deren Annahme; dagegen wurde die allgemeine Durchführung des Worttarifs einstimmig angenommen.

Auf der sechsten internationalen Telegraphenkonferenz zu Berlin im Jahre 1885 wiederholte die deutsche Reichs-Telegraphenverwaltung ihre Anträge. Die Vorbedingungen zu einem Erfolge waren aber auch diesmal nicht gerade vielversprechende, namentlich wenn man erwägt, daß es zur Einführung der in Aussicht genommenen Umformung der Grundlagen des Tarifierungssystems der Einstimmigkeit aller vertretenen Verwaltungen bedurfte. Gleichwohl gelangte die Telegraphenkonferenz in verhältnismäßig kurzer Zeit zu einem nach mehrfacher Richtung hin günstigen Ergebnisse. Zwar wurde nicht die deutscherseits ursprünglich ins Auge gefaßte Gleichmäßigkeit der Gesamtgebühr für die internationale telegraphische Korrespondenz innerhalb Europas (bei gleicher Wortzahl der Telegramme natürlich), wohl aber die Gleichmäßigkeit der seitens der einzelnen Verwaltungen für die europäische Korrespondenz zur Erhebung kommenden Wortgebühr erreicht. Ferner kam der reine Worttarif zur Geltung, indem sowohl die Grundtaxe, als auch jene mit der Grundtaxe gleichbedeutende Zuschlagsgebühr von fünf Worten zur wirklichen Wortzahl der Telegramme abgeschafft wurde.

Für den außereuropäischen Verkehr gelang es, dank dem opferwilligen Vorgehen einzelner Verwaltungen und dem Entgegenkommen verschiedener Kabelgesellschaften, für eine Anzahl außereuropäischer Beziehungen, beispielsweise für die Korrespondenz mit Indien, Japan und Brasilien, erhebliche Gebührenermäßigungen zu erzielen; für andere, nicht minder wichtige Verbindungen stehen Herabsetzungen der Taxen in bestimmter Aussicht.

Als Zeitpunkt für das Inkrafttreten der Beschlüsse der Telegraphenkonferenz wurde der 1. Juli 1886 festgestellt, als Ort des Zusammentritts der nächsten für das Jahr 1890 in Aussicht genommenen internationalen Telegraphenkonferenz die Stadt Paris gewählt.

Gegenwärtig umfaßt der internationale Telegraphenverein folgende Gebiete: Deutschland, Österreich, Ungarn, die Schweiz, die Niederlande, Luxemburg, Belgien, Frankreich mit Algier und Tunis, Großbritannien, Norwegen, Schweden, Dänemark, Rußland mit Kaukasien und Russisch-Asien, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Türkei mit Türkisch-Asien, Griechenland, Italien, Spanien, Portugal, Persien, Britisch-Indien, Birma, Siam, Französisch-Cochinchina, Niederländisch-Indien, Japan, Ägypten, das Kapland, Natal, Senegambien, Brasilien, Victoria, Südaustralien, Neu-Südwales, Tasmania und Neu-Seeland. Auch die Commercial Cable Company ist dem Verein beigetreten. (Siehe die Karte.)

Illustration from Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt

Fig. 14. Der internationale Telegraphenverein.

❏ GRÖSSERE BILDANSICHT

Sechstes Kapitel. Statistik des Telegraphenwesens[27].

1. Stand des Telegraphenverkehrs in Europa für das Jahr 1882.

Staatstelegraphen.

Länder. Länge (in km) Anzahl der

der Linien. der Drähte. Stationen. Apparate aufgelieferten Telegramme.

Deutschland 74313 265058 10803 14174 15091576

Großbritannien u. Irland 43632 213254 5747 15107 30652277

Frankreich 75091 232451 6319 9217 23987237

Rußland, europäisches 94057 173547 2824 2962 9059470

Italien 27788 93974 2590 2789 6251593

Österreich 23545 63525 2696 3812 5135554

Türkei, europäische 23388 41688 464 1240 1133286

Spanien 21094 46223 647 803 2425335

Ungarn 14569 37706 1173 1697 2558025

Belgien 6147 29122 855 1487 2892577

Schweden 8373 20433 823 955 840391

Schweiz 6743 16335 1160 1698 2308774

Norwegen 7574 13757 300 467 719365

Niederlande 4132 15486 443 562 2553510

Dänemark 3653 10105 316 313 721478

Rumänien 4621 9636 214 510 1041518

Portugal 4469 11335 220 360 544665

Griechenland 4667 5743 112 195 485186

Serbien 2252 3258 68 127 224887

Luxemburg 310 536 63 38 53036

Montenegro (1880) 338 338 15 15 ?

Bulgarien 2498 3503 44 95 237408

Bosnien-Herzegowina 2492 4758 88 112 298603

Europa (rund) 455746 1311774 37984 58825 109215721

Nach dieser Tabelle besitzt in Europa die größte Länge der Linien Rußland mit 94057 km; ihm kommen zunächst Frankreich mit 75091 und Deutschland mit 74313 km. Die geringste Länge der Linien findet sich in Luxemburg (310 km) und Montenegro (338 km). — Wesentlich anders als bezüglich der Länge der Linien gruppieren sich die Staaten hinsichtlich der Länge der Drähte. Hier kommt in erster Linie das Deutsche Reich mit 265058 km; daran reihen sich Frankreich mit 232451 und Großbritannien und Irland mit 213254 km. Rußland mit 173547 km erscheint hier erst an vierter Stelle. In letzter Reihe stehen auch nach diesem Gesichtspunkte Montenegro (338 km) und Luxemburg (536 km).

Die meisten Telegraphenstationen weist in Europa das Deutsche Reich auf: 10803; in den beiden nachfolgenden Staaten, Frankreich und Großbritannien mit Irland, sinkt deren Zahl schon auf 6319, beziehungsweise 5747. Österreich-Ungarn besitzt 3869, Rußland 2824.

Die wenigsten Telegraphenanstalten zählen Bulgarien (44) und Montenegro (15)[28].

Im Besitze der meisten Apparate ist in Europa Großbritannien und Irland; es hat deren 15107. Ihm kommt ganz nahe Deutschland mit 14174. Frankreich verfügt über 9217, Österreich-Ungarn über 5504 und Rußland über 2962. Die wenigsten Apparate weisen aus: Montenegro (15) und Luxemburg (38).

Das meistgebräuchliche System ist das Morsesche. Nach der Statistik, die nach offiziellen Dokumenten des internationalen Telegraphenbureaus zu Bern für das Jahr 1883 zusammengestellt worden ist, waren auf dem ganzen Erdenrunde (es fehlen nur die Privatgesellschaften Nordamerikas) 65543 Telegraphen-Apparate im Betriebe, darunter 42830 Morse-, 1665 Hughes-Apparate und 19048 verschiedener Systeme.

Die höchste Zahl der Depeschen trifft auf Großbritannien und Irland: 30652277. Ihm zunächst stehen Frankreich mit 23987237 und Deutschland mit 15091576. Hieran reihen sich Rußland mit 9059470 und Österreich-Ungarn mit 7693579 Depeschen. Die geringste Zahl von Depeschen trifft auf Luxemburg (53036).

Wie überall, so sind auch im Telegraphenverkehr die relativen Zahlen von weit größerem Interesse als die absoluten. Erstere sind ja gewissermaßen ein Gradmesser der Verkehrsbewegung, ja der Kultur selbst. Die Tabelle (S. 47) giebt uns hierüber nähern Aufschluß.

Die hohe Entwicklung des Telegraphennetzes in den einzelnen Ländern Europas veranschaulicht uns in nachstehender Tabelle vor allem die Angabe, auf welchen Flächenraum eine Telegraphenanstalt entfällt. In dieser Beziehung zeichnen sich unter den Staaten Europas vor allem Belgien und die Schweiz aus. Es befindet sich nämlich in Belgien schon auf 34,5 qkm und in der Schweiz auf 35,7 qkm ein telegraphisches Bureau. Am weitesten sind in dieser Hinsicht zurück Rußland, Bulgarien und Norwegen, wo ein Bureau erst auf 1908,5, beziehungsweise 1409,6 und 1060,6 qkm entfällt.

Relativer Stand des Telegraphenverkehrs in den europäischen Staaten.

im Zusammenhange mit den maßgebenden Elementen.

Länder. Zahl der auf eine Station entfallenden Länge (in km) der auf 100 qkm entfallenden Linien. Zahl der aufgelieferten Telegramme auf 100 Einwohner. Auf 1000 Einwohner kommen Besucher der Volksschule.

qkm. Einwohner.

Großbritannien und Irland 55,1 6141 137,7 86,9 123

Schweiz 35,7 2441 162,9 81,5 157

Frankreich und Corsica 83,6 5952 142,1 63,7 133

Niederlande 74,2 9420 125,7 61,2 134

Belgien 34,5 6533 208,7 51,8 126

Norwegen 1060,6 6410 23,8 37,4 135

Dänemark 125,4 6268 94,7 36,4 123

Deutschland 49,9 4187 138 33,4 157

Luxemburg 41,1 3327 119,8 25,6 142

Bosnien-Herzegowina 693,9 13164 40,8 25,8 28

Griechenland 565,1 17619 73,7 24,6 50

Österreich 111,3 8214 78 23,2 107

Italien 114,4 11178 93,8 21,6 73

Rumänien 748,4 23551 28,9 20,7 22

Schweden 538,1 5556 19 18,4 146

Türkei 565,5 14294 89,1 17,1 —

Ungarn 285,7 13308 45,2 16,4 110

Spanien 783,7 25860 41,6 14,5 106

Serbien 715,5 25294 46,3 13,1 22

Portugal 419,3 20685 48,4 12 46

Bulgarien 1409,6 45431 40,3 11,9 66

Rußland, europäisches 1908,5 29624 17,4 10,8 23

Montenegro (1880) 628,9 19067 35,8 ? —

Europa (rund) 258 8635 46 33 —

Was die Dichtigkeit des Telegraphennetzes betrifft, so befindet sich unter den Ländern Europas Belgien mit 208,7 und die Schweiz mit 162,9 km Linien auf je 100 qkm in der günstigsten Lage. Die geringste Dichtigkeit des Netzes zeigen Norwegen mit 23,8, Schweden mit 19 und Rußland mit 17,4 km Linien auf je 100 qkm.

In Bezug auf die Leistungen im Telegraphendienst übertrifft in Europa Großbritannien und Irland alle anderen Staaten. Es kommen dort jährlich 86,9 Telegramme auf je 100 Einwohner. Demnächst ist der Verkehr am stärksten in der Schweiz mit 81,5. Am geringsten ist der telegraphische Verkehr in Europa in Portugal, Bulgarien und Rußland, wo 12, beziehungsweise 11,9 und 10,8 Depeschen auf je 100 Einwohner entfallen.

Der innere Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der telegraphischen Korrespondenz und dem allgemeinen Bildungsgrad der Bevölkerung tritt namentlich dann hervor, wenn man den in unserer Tabelle dargestellten Besuch der Volksschule mit der Relativzahl der Telegramme in Vergleich zieht. Freilich wirken hierbei auch specifische und lokale Umstände mit; die hohe Verhältnisziffer der Schweiz, 81 Depeschen auf 100 Einwohner, läßt sich z. B. auf die Lebhaftigkeit des Fremdenverkehrs in diesem Versammlungsraum aller Nationen zurückführen; in England (87 Depeschen auf 100 Einwohner) ist es die Mächtigkeit der Handelsbewegung einzelner Centralplätze, welche trotz der Höhe des Tarifs die Verkehrsentwicklung beeinflußt.

Die nachfolgende Übersicht zeigt (nach Veredarius) den Bestand an Telegraphen-Linien und -Leitungen in den wichtigsten Ländern Europas nach dem Stand des Jahres 1884 (soweit nicht anders angegeben) nebst einigen Vergleichszahlen.

Länder. Telegraphen- Telegr.-Anst. (einsch. der d. Privatverk. geöffneten Eisenbahn- Telegr.-Anst.) Eine Telegraphen- anstalt entfällt auf

Linien Leitungen

(einschl. der Eisenb.)

km km qkm Einw.

Belgien 6299 30934 885 33,3 6464

Dänemark mit den Faröern 5902 15157 350 113,2 5659

Deutschland 100889 357389 12478 43,2 3625

Frankreich 98058 353390 8089 65,3 4657

Großbritannien und Irland 45355 250465 6027 52,6 5967

Italien 29374 103256 2915 101,6 9930

Niederlande 6932 23429 562 58,5 7613

Norwegen 8959 16036 314 1013,4 6182

Österreich 37807 98094 2903 103,3 7628

Portugal m. Madeira u. Azoren(1883) 4871 11611 237 389,2 19201

Rußland, europäisches (1883) 123996 237133 2960 1820,9 28263

Schweden 12618 31734 856 517,3 5378

Schweiz 8234 21583 1214 34,1 2333

Spanien 26105 64075 882 574,9 18970

Türkei, europäische (1882) 23388 41688 464 565,5 14294

Ungarn 16543 61619 1349 231,5 11595

In ganz Europa (einschl. der in obiger Übersicht nicht aufgeführten Länder, rund) 575000 1748000 43100 227,5 7657

2. Ausdehnung des Telegraphenverkehrs außerhalb Europas.

Amerika.

Länder. Länge (in km) der Anzahl der

Linien. Drähte. Stationen. Telegramme.

Vereinigte Staaten[29] (1882) 231002 696688 12917 40581177

Canada (1882) — 72419 2550 1142000

Mejico (1883) 28122 — 282 745000

Argentina (1882) 13543 23288 307 438090

Chile (1882) 9393 — 136 433475

Brasilien (1881/82) 7419 13250 136 739906

Columbien (1880) 2960 — — 150204

Peru (1878) 2211 2211 34 111000

Uruguay (1879) 1213 — 21 38000

Guatemala (1882) 3114 3114 63 219700

Bolivia 290 — — —

Costarica 727 — — 27600

Honduras 1046 — — 745000

Ecuador (1877) 336 — 10 —

Paraguay (1882) 72 — — —

Cuba (1880) 4500 — 187 —

Venezuela (1880) 539 — — —

Portorico (1880) 750 — — —

Nicaragua (1882) 1250 1287 26 81145

Amerika 308487 812257 16669 45452297

Asien.

Länder. Länge (in km) der Anzahl der

Linien. Drähte. Stationen. Telegramme.

Britisch Ostindien (1882) 37949 107967 1625 1662955

Rußland (1877) 14380 28760 147 —

Niederländisch Indien (1882) 5887 7546 85 357412

Persien (1879) 5835 9516 78 500000

Japan (1882) 7808 21031 265 2769415

China (1881) 1510 — — —

Cochinchina u. Cambodja (82) 1692 1944 26 80407

Ceylon (1878) 1308 — — —

Philippinen (1880) 1149 — 37 —

Asien 77518 176764 2263 5370189

Australien.

Länder. Länge (in km) der Anzahl der

Linien. Drähte. Stationen. Telegramme.

Neu-Südwales (1880) 12803 21224 323 1320000

Victoria (1882) 5623 11124 331 1431849

Süd-Australien (1880) 7651 11111 159 564000

Queensland (1880) 9283 13116 159 523000

West-Australien (1880) 2502 2563 26 67000

Tasmanien (1880) 1413 1764 64 109000

Neu-Seeland (1882) 6565 15845 356 1589965

Sandwich-Inseln (1877) 64 64 — —

Neu-Caledonien (1880) — 1300 23 —

Australien 45904 78111 1441 5604814

Afrika.

Länder. Länge (in km) der Anzahl der

Linien. Drähte. Stationen. Telegramme.

Ägypten und Sudan (1882) 8645 14005 171 676700

Algerien (1882) 8965 16366 186 1423464

Illustration from Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt

Tunis

Kap-Kolonie (1881) 5246 — — —

Oranje-Freistaat 441 — — —

Transvaal-Staaten (1882) 175 — — —

Afrika 23472 30371 357 2100164

Am besten sind hiernach von den außereuropäischen Gebieten mit Telegraphen ausgerüstet: die Vereinigten Staaten von Amerika, das Indo-britische Kaiserreich und der östliche Teil Australiens.

Fast ganz entbehren des Telegraphen noch Arabien, Sibirien und das Kaiserreich China, dann ganz Afrika (abgesehen von Ägypten, Senegambien, dem Kapland, Tunis und Algier), der größte Teil Südamerikas und nahezu ganz Britisch-Nordamerika.

Die Zusammenstellung der Angaben für die einzelnen Weltteile führt zu folgenden ungefähren Totalziffern für das

3. Telegraphennetz der Erde.

Weltteile. Länge (in km) der Anzahl der

Linien. Drähte. Stationen. Telegramme.

Europa (1882) 456000 1312000 38000 109000000

Amerika (1880/82) 308500 812300 16700 45452000

Asien (1882) 77500 176800 2300 5370000

Australien (1880/82) 45900 78100 1500 5605000

Afrika (1882) 23500 30400 400 2100000

Total 911400 2409600 58900 167527000

„So verfügt denn,“ sagt Neumann-Spallart, „die civilisierte Menschheit heute über ein großartiges und wohlgeordnetes Netz telegraphischer Verbindungen. Der Gebrauch, welcher davon mittels der nahezu 60000 Telegraphenämter der Welt für all die tausendfachen menschlichen Beziehungen gemacht wird, findet seinen Ausdruck in der Ziffer von jährlich nahezu 168 Millionen Depeschen, welche — unbehindert durch die brausenden Wogen des Oceans oder die Eisregionen des Hochgebirgs — von Ort zu Ort, von Land zu Land, von Erdteil zu Erdteil mit prometheischer Kraft den Gedanken tragen und ein sprechendes Zeugnis eines ergreifenden und mächtigen Kulturfortschritts der Menschheit liefern.“

Nach Veredarius[30] repräsentierten 1884 die oberirdischen und versenkten Linien zusammen eine Länge von rund 1200000 km mit 3650000 km Leitungsdrähten. Letztere würden also hinreichen, neunzigmal den Gleichen zu umspannen.

Der Gesamtaufwand an Kapital für Land- und Seetelegraphen betrug nach Mulhall bis zum Dezember 1882 rund 88 Mill. Pfd. St. = 1760 Mill. Mk.

4. Gebührentarif für Telegramme von Stationen des Deutschen Reiches[31].

(Für den billigsten und gebräuchlichsten Weg berechnet.)

A. Die Wortlänge ist festgesetzt auf 15 Buchstaben oder 5 Ziffern im Verkehr mit: Wort- Taxe Mark.

Deutschland (innerer Verkehr) 0,06

Afrika (West-): Kanarische Inseln 1,45

Senegal 2,65

Bolama 5,85

Bissao u. Konakry 5,90

Algerien-Tunis 0,27

Belgien 0,10

Bosnien-Herzegowina 0,20

Bulgarien 0,25

Dänemark 0,10

Frankreich 0,15

Gibraltar 0,25

Griechenland

a) Festland und Insel Paros 0,40

b) nach den übrigen Inseln 0,45

Großbritannien und Irland 0,20

Außerdem ist für jedes Telegramm nach Großbritannien u. Irland eine Grundtaxe von 0,40 Mark zu erheben.

Helgoland 0,15

Italien 0,20

Luxemburg 0,06

Malta 0,40

Montenegro 0,20

Niederlande 0,10

Norwegen 0,20

Österreich-Ungarn 0,10

Portugal 0,25

Rumänien 0,20

Rußland, europäisches u. kaukasisches 0,25

Schweden 0,20

Schweiz 0,10

Serbien 0,20

Spanien 0,25

Tripolis 1,05

Türkei 0,45

B. Die Wortlänge ist festgesetzt auf 10 Buchstaben oder 3 Ziffern im Verkehr mit: Wort- Taxe Mark.

Afghanistan (via Bushire) 4,10

Afrika (Ost- und Süd-): Zanzibar 7,70

Mozambique u. Lorenzo-Marquez 8,75

Durban in Natal 8,70

den übrigen Anstalten Natals, Kapkolonie, Oranje-Freistaat 8,90

Transvaal 9,05

Ägypten:

I. Zone Alexandrien 1,45

Illustration from Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt

übrigen Anst. Nieder-Äg. 1,50

II. Zone (b. Wadi Halfa i. Nubien) 1,70

Suakim, via: Kabel Suez-Suakim 2,35

Annam (via: Bushire, Tavoy) 5,90

Arabien (Aden, Perim, Hedjas und Yemen) 3,60

Argentinische Republik (via: Lissab.) 7,25

Australien (via: Bushire, Penang):

Süd-Australien 9,35

Victoria und Westaustralien 9,45

Neu-Süd-Wales 9,60

Queensland 9,85

Tasmania 10,05

Neu-Seeland 10,65

Balutschistan (via: Bushire) 4,10

Birma: Mandalay (via: Bushire) 4,50

Bolivien (via: Galveston): Cotagaita, Huanchaca, Potosi, Sucre (oder Chuquisaca), Tupiza 11,85

La Paz (über Mollendo) 13,55

Brasilien (via: Lissabon):

nördl. Region: Pernambuco 7,25

Para 13,45

Fortaleza, Maranham u. den übrigen Anstalten 9,75

mittl. Reg.: (Bahia, Rio de Jan. etc.) 8,20

südl. Region: (Santos, Desterro, Rio Grande do Sul etc.) 8,95

Kapverdische Inseln: St. Vincent 4,00

Santiago 4,90

Chile (via: Lissabon): Valparaiso, Caldera, Concepcion, Copiapo, Coquimbo, Santiago, La Serena, Valdivia und Alt-Chile 9,15

Neu-Chile: Antofagasta u. Iquique 14,10

Arica und Tacna 15,65

China: Hongkong, Amoy, Foochow, Gutslaff, Saddle Island, Shanghai 7,00

Canton und Macao 7,45

Chinchow 7,90

Chining, Kiukiang und Puching 8,10

Chinkiang, Lingchow, Nanking, Nanning, Ningpo und Swatow 7,95

Chinkiangpoo, Lanchee, Nganking und Wuhu 8,00

Faltschan 7,65

Füng-Hwang-Ting 9,50

Hankow, Kinning und Tsinanfoo 8,15

Hweichow, Shaoking, Soochow und Woochow 7,85

Paoting-Foo 8,90

Newchwang 8,35

Ngouchow 7,50

Peking, Hoihow, Kiungchow, Tungschow und Yamchow 8,65

Tientsin, Chefoo, Kaiping, Liemschow, Pakhoi und Taku 8,25

Cochinchina, französisch (via: Bushire, Tavoy) 5,15

Columbien (via: Galveston): Buenaventura 4,90

den übrigen Anstalten 5,20

Notes in this chapter

Note 1 · Litteratur: Zetzsche, Katechismus der elektrischen Telegraphie. 6. Aufl. Leipzig, Weber, 1883. — Schweiger-Lerchenfeld, Das eiserne JahrhundNote 2 · Das Wort „Telegraphie“ stammt von den griechischen Wörtern têle = in die Ferne, und gráphein = schreiben.Note 3 · Allgemeine Zeitung, Beil., Nr. 311, 1884; auf derselben Ausstellung befand sich auch ein automatischer Apparat, der in der Minute 1500 WorteNote 4 · Die Versuche, die man in neuester Zeit mit Eisen- und Kupferdrähten in England mit Rücksicht auf ihre Tauglichkeit für telegraphische ZweckeNote 5 · Nach Fischer (a. a. O. S. 61–66) u. a.Note 6 · Vgl. hierzu Schöttle, Der Telegraph in administrativer und finanzieller Beziehung. Stuttgart, Kohlhammer 1883, S. 19 und 20.Note 7 · Vgl. hierzu die oben citierten Werke von Schellen-Kareis, Fischer, Veredarius, Zetzsche; dann Jüllig, Die Kabeltelegraphie (Wien, Hartleben Note 8 · Die Guttapercha ist der verdickte Saft der Isonandra Gutta, eines auf Java, Borneo und sonst in Ostindien vorkommenden 19–22 m hohen und 2 mNote 9 · Das Kautschuk ist das Produkt verschiedener tropischer Pflanzen, namentlich der südamerikanischen Siphonia cahucu, des ostindischen Acorus aNote 10 · 1884: 2500 km Linien, 18000 km Leitungen (Veredarius a. a. O. S. 267).Note 11 · Nach Fahie (History of Telegraphy to 1837) stammt die erste Idee eines unterseeischen Telegraphen von dem berühmten Physiker Salva von BarceNote 12 · Fischer a. a. O. S. 82.Note 13 · Veredarius a. a. O. S. 261.Note 14 · Von anderen sehr kostspieligen Zeitungstelegrammen sei die der amerikanischen „Tribune“ über die Schlacht von Gravelotte zugegangene DepeschNote 15 · Hauptsächlich nach Fischer a. a. O. S. 85–88.Note 16 · Die Western Union Telegraph Company in Amerika ist die bedeutendste aller Telegraphen-Gesellschaften der Welt. Ende Juni 1884 betrug die LänNote 17 · Zur Zeit gibt es 26 Kabelgesellschaften, von denen 16 ihren Sitz in London, 3 in Berlin, 1 in Kopenhagen, 1 in Paris, 1 in Buenos-Aires und Note 18 · Veredarius a. a. O. S. 367.Note 19 · Mulhall, Dictionary of Statistics, S. 442. London, Routledge and Sons, 1884.Note 20 · Deutsche Verkehrszeitung 1885, Nr. 7, S. 54.Note 21 · Deutsche Verkehrszeitung 1886, Nr. 19.Note 22 · Als Quellen hierfür dienten: Carte générale des grandes communications télégraphiques du monde, dressée par le Bureau international des AdmiNote 23 · Die Länge der Telegraphenlinie zwischen London und Adelaide beträgt 22908 km. Ein Telegramm von London nach Melbourne braucht durchschnittliNote 24 · Hauptsächlich nach den Mitteilungen in der „Statistik der deutschen Reichs-Post- und Telegraphen-Verwaltung für 1881“, und Ternant, Les TéléNote 25 · Die nachfolgenden Beispiele von Telegramm-Verstümmlungen sind der Deutschen Verkehrszeitung entnommen. Ähnliche Beispiele enthält auch Hyde,Note 26 · Vgl. hierzu Veredarius a. a. O. 277–281; Zetzsche a. a. O. 449–452; Fischer a. a. O. 113–124, und Deutsche Verkehrszeitung 1885, S. 335 u. 3Note 27 · Die bezüglichen Angaben sind, soweit nicht anders angegeben, Neumann-Spallarts „Übersichten der Weltwirtschaft“ (Stuttgart, Julius Maier, 18Note 28 · Das größte Telegraphenamt der Welt ist das Centraltelegraphenamt in London. Die Zahl der Drahtbotschaften, die hier täglich einlaufen, beträNote 29 · Am 30. Juni 1884: 263927 km Linien und über 900000 km Drähte.Note 30 · A. a. O. S. 367.Note 31 · Nach Hendschels Telegraph (Große Ausgabe) vom 1. Juli 1886.
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