Erstes Kapitel. Daheim bei Vater und Mutter.
Reading edition
Alexander Mackay wurde am 13. Oktober 1849 zu Rhynie in Schottland, dem Vaterland so vieler unvergeßlicher Missionare, als Sohn eines Geistlichen der Freikirche geboren und von den frommen Eltern fromm erzogen. Der hochgebildete Prediger widmete sich mit unermüdlichem Interesse der Ausbildung seiner Kinder und besonders des gutbegabten Alexander, der mit drei Jahren schon im Neuen Testamente gelesen und als Siebenjähriger Miltons »Verlorenes Paradies« gemeistert haben soll. Die biederen Dorfbewohner sahen oft auf den Landwegen Vater und Sohn gehen oder stehen und beobachteten, wie durch mit einem Stock in den Sand gezeichnete Figuren dem lernbegierigen Jungen irgend ein geometrischer Satz oder der mutmaßliche Lauf eines Planeten erklärt wurde. Im Elternhause herrschte ein reger Verkehr mit wissenschaftlich tüchtigen Männern, was viel zur raschen und guten Geistesentwickelung Alexanders beitrug. Den königlichen Geographen Sir Roderick überraschte einst des Kleinen Geschick im Kartenzeichnen und im Handhaben einer kleinen Druckerpresse. Er überreichte ihm beim Abschied ein nützliches Büchlein: »Kleine Anfänge, oder wie man vorwärts kommt«, das den Eifer von jung Alexander noch mehr spornte.
Als er elf Jahre zählte, wandte sich seine Neigung mehr den Dingen in Feld und Garten und sein Interesse daneben auch mechanischen Gegenständen zu. Er besuchte mit Vorliebe die Handwerker in ihren Werkstätten, um ihnen bei der Arbeit zuzusehen und etwas abzugucken. Die nächste Bahnstation war eine Stunde weit entfernt, aber Alexander legte diesen Weg oft zurück, um sich die Lokomotive anzusehen, wenn der Zug auf zwei Minuten hielt. Dem Spiel der Kameraden war er abhold, da sein forschender Geist immer anderswo beschäftigt war. Trotzdem dürfen wir uns Alexander nicht als überklugen und naseweisen Jungen vorstellen. Er bewahrte sich vielmehr in diesen Jahren ein kindlich fröhliches Gemüt und war sonst bei den Altersgenossen gern gelitten.
Die Eltern hatten ihn im stillen schon dem Herrn und Seinem Dienste geweiht. Er sollte einmal Prediger werden. Sie wurden deshalb etwas bekümmert, als sie merkten, daß der Sohn mehr Interesse an Maschinen und Werkzeug als an Büchern fand. Der liebe Gott macht aber keine Fehler in der Erziehung Seiner Boten. Was Alexander jetzt und später in Werkstatt und Fabrik lernte, konnte er in Uganda ebensogut gebrauchen als das, was er aus Büchern sich angeeignet hatte. Der gesegnete Missionsapostel Paton, der auf den Neuen Hebriden wirkte, schrieb einmal: »Ich gestehe gern, daß das, was ich am Strumpfwirkerstuhle gelernt habe, nicht weggeworfen war. Die Handhabung der Werkzeuge und die Behandlung der Maschinen, welche ich verstand, waren mir auf dem Missionsfelde von größtem Nutzen.«