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Der Held von Uganda

Achtes Kapitel. Ankunft in Uganda.

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Aus der heiligen Geschichte wissen wir, daß der Nil durch seine Überschwemmungen mit fettem Tonschlamm den Boden Ägyptens befruchtet und so der Schöpfer und Erhalter der Fruchtbarkeit jenes Landes ist. Wir befinden uns, wie wir früher schon hörten, jetzt mit Mackay in dem interessanten Quellgebiet des mächtigen Nilstromes oder, wie die Geologen sich ausdrücken: »im Seengebiet der Nilquelle«. Das Steigen und Fallen des Wassers im Viktoria Niansa entscheidet eigentlich über den Verlauf der Ernten in Ägypten. Mackay gibt in seinen geistreichen Briefen auch eine beachtenswerte Erklärung über die sieben fetten und mageren Jahre zur Zeit Josephs. Nach seiner Ansicht bildete die im Süden des Niansa liegende Landschaft Usukuma mit diesem See zusammen früher ein großes Binnenmeer. Da habe sich eines Tages das Bett des heutigen Niansa gesenkt, der große See floß allmählich aus, und die abfließenden Wasser riefen die sieben fetten Jahre in Ägypten hervor. Der riesige Wasserbehälter schrumpfte dann in den See zusammen, den wir heute Viktoria Niansa nennen. Kein Wunder, daß nun die stark verminderten Wasserzuflüsse durch die Ripponfälle (Somersetnil) die Hungersnot in dem Kornlande zur Folge hatten. Nach und nach wurde das durch den Seeausfluß hervorgetretene Land Usukuma von Regengüssen getränkt, der Überfluß an Wasser strömte in den See und von da in den Nilstrom. Dadurch wurde nach sieben Jahren das Gleichgewicht wiederhergestellt, und jetzt steigt und fällt der Nil alljährlich wie in alter Zeit.

Als Mackay diese lehrreichen Beobachtungen machte, kam der in Rubaga stationierte Pastor Wilson nach Kagai, um seinen Mitarbeiter abzuholen. So rasch ging es aber noch nicht mit der Abreise. Mackay mußte sich erst noch von einem heftigen Fieberanfall erholen. Dann wurde das Boot noch einmal nachrepariert. Endlich schlug die Stunde der Abfahrt nach Uganda. Vier Tage lang hatten sie gute Fahrt. Dann warf ein Sturm die »Daisy« an das Gestade von Nsougora. Mit Mühe und Not konnten die Missionare sich und ihre wertvolle Habe retten. Die herbeigeeilten Eingeborenen blickten neidisch auf das Gepäck der Schiffbrüchigen, weigerten sich aber hartnäckig, ihnen in den Bemühungen um das Boot beizustehen. Die unbarmherzigen Wellen rissen schnell das ganze Fahrzeug auseinander. Um es einigermaßen wiederherzustellen, bedurfte es acht Wochen angestrengter Arbeit. Mackay sagt, es sei so gewesen, als wenn man aus einem Stiefel einen Pantoffel zu machen sucht. Sie rafften die Trümmer zusammen, ließen in der Mitte etwa acht Fuß wegfallen, setzten zusammen, was vom Vorder- und Hinterteil geblieben war, und flickten es mit dem aus der Mitte gefallenen Holze wieder aus. Dann stachen sie aufs neue in See und setzten mutig ihre Reise fort.

Aus einer Zeitung erfuhr Mackay, daß Stanley früher an demselben Orte gestrandet war und mit knapper Not der Niedermetzelung entging. Ein Glück, daß er sich nachher nicht rachsüchtig zeigte. Hätte er nachträglich auch nur einen Schuß auf sie abgegeben, so hätten sie sich jetzt jedenfalls an diesen weißen Schiffbrüchigen gerächt. Aber Gott hat in Seiner Güte und Vorsehung über Seinen Boten gewacht und sie nach vielen Erfahrungen Seiner leitenden Liebe und helfenden Treue endlich an das Ziel ihrer Reise gebracht.

Am 6. November 1878 zogen sie in Rubaga, der Hauptstadt Ugandas, ein. Nach zweieinhalbjährigem Reisen und Harren hatte unser Held seinen Kampfplatz erreicht, auf dem er zwölf Jahre ununterbrochen bleiben, leiden, streiten und schließlich sterben sollte.

Von Mtesa und seinen Häuptlingen wurde Mackay glänzend empfangen. Der König liebte es, sich mit dem Pomp und Glanz eines morgenländischen Herrschers zu umgeben. Die Missionare wurden von weißgekleideten Pagen den Königsberg hinaufgeleitet. Dort lag der »Palast«, ein langes, hohes Gebäude aus Rohr und Gras. In den Höfen standen Soldaten mit Uniformen, in der großen Empfangshalle saßen und standen die Großen des Landes. Im Hintergrunde thronte die schwarze Majestät auf einem weißen Lehnstuhl. Vor ihm war ein Leopardenfell, das Zeichen königlicher Würde, ausgebreitet. Huldvoll wird Mackay begrüßt, dankbar werden seine Geschenke entgegengenommen. Dann läßt der König einen Freudenwirbel trommeln. Alle Häuptlinge nicken taktmäßig mit dem Kopfe, klatschen in die Hände und rufen: »njausig, njausig!« (danke, danke!). »Das ist für den Namen Jesu,« erklärte der König herablassend, und der erste Empfang war beendet. Abends sandte Mtesa seine Gegengeschenke: zehn Ochsen, Tabak, Kaffee und Honig.

Von ihrem Lande und ihrer Größe haben König und Volk hohe Begriffe. Sie halten sich für das mächtigste Reich der Welt. Mtesa versicherte Mackay großmütig: »Wenn England nicht mit mir Streit sucht, ich werde nie Händel mit ihm anfangen.« Ein König, der nichts als die Schmeichelei seiner Höflinge kennt, deren Leben er ganz in seiner Gewalt hat, ist selbstverständlich schwer zu behandeln. Die Missionare gebrauchten hier viel Schlangenklugheit und Taubeneinfalt, um das Wort der Wahrheit recht zu teilen.

Aus Unvorsichtigkeit hätte sich Mackay im ersten Monat beinahe selbst vergiftet. Er sammelte Rizinussamen und aß etwa ein halbes Dutzend der Körner. Heimgekehrt, las er in seinem medizinischen Ratgeber, daß die Körner Gift enthalten und drei genügen, den Tod herbeizuführen. Mackay nahm Gegengift, befahl sich, die Seinen und sein Werk dem Herrn und legte sich hin zum Sterben. Nach sechs Tagen aber konnte er wieder, wenn auch zum Skelett abgemagert, an den königlichen Hof gehen. Der Herr hatte Seinen Diener gerettet, wie Er Mark. 16 zugesagt hat.

Am Hofe wurde die Suahelisprache fast allgemein verstanden. Mackay hatte diese Sprache schon unterwegs erlernt und besaß viele Teile der Bibel in Suahelisch. So konnte er dem König und seinem Hofe oft daraus vorlesen und sonntäglich Gottesdienst halten. Durch Stanley war der König ja der Form nach für das Christentum gewonnen. Das Volk zeigte regen Eifer zum Lernen. Viele drängten sich zum Unterricht, lernten lesen und studierten dann die übersetzten Teile der Heiligen Schrift. Anfang des Jahres 1879 erließ der König ein Gesetz, das den Sklavenhandel und die Sonntagsarbeit in Uganda verbot. Wenn es auch unmöglich war, diese Gesetze durchzuführen, so sind sie doch ein Beweis, daß die Missionare bereits in hohem Ansehen standen und großen Einfluß ausübten. Mackay durfte die Baraza, die Ratsversammlung, besuchen, in der die öffentlichen Angelegenheiten besprochen wurden, und war bald die wichtigste Persönlichkeit in Uganda.

Illustration from Der Held von Uganda: Leben und Wirken des Pioniermissionars Alexander Mackay

Mackays Empfang beim König Mtesa. (Text siehe Seite 54.)

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