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Der Held von Uganda

Elftes Kapitel. Zwischengefechte mit Arabern und Katholiken.

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In seinen Reisebriefen hören wir Mackay oft über die arabischen Sklavenhändler klagen. Mit flammenden Worten haben vor ihm Livingstone und Stanley schon die zivilisierte Welt auf das schreckliche Treiben der mohammedanischen Menschenhändler aufmerksam gemacht. Mackay nennt sie die »getünchten Gräber«, welche alle Gebetsvorschriften ihres falschen Glaubens genau erfüllen und sich durch den Sklavenhandel täglich der grauenhaftesten Schandtaten schuldig machen. Ihre Sklaven schickten sie auf Plünderung aus, um Weiber und Kinder als Beute zurückzubringen. Ihre Pfade seien Wege der Hölle.

Als Mackay nach Uganda an den Hof kam, waren die Halbblutaraber schon lange als Händler im Lande seßhaft. Für ihre Waren tauschten sie aber nur Sklaven ein. Einige hatten beständig am Hofe Zutritt. Mtesa galt eine Zeitlang auch als Anhänger Mohammeds. Er war es aber in Wirklichkeit ebensowenig, als er später ein überzeugter Christ war. Eines Tages bot ein arabischer Händler am Hofe Flinten und Zeug an, wofür er »nur« Sklaven haben wollte: für ein Stück rotes Zeug einen, für eine Muskete zwei männliche Sklaven, für hundert Zündhütchen eine Sklavin. Mackay trat sofort gegen ihn auf und wies den König auf die Dekrete des Sultans von Sansibar gegen den Menschenhandel und auf die Greuel hin, welche mit diesem Handel verbunden sind. Dann gab er eine Lektion über Physiologie und fragte, warum solch ein Organismus wie der menschliche Leib, den keines Menschen Hand zu bilden vermöge, für ein Stück Zeug, das jeder an einem Tage herstellen könne, verkauft werden solle. Das Ergebnis war nicht nur die Ablehnung des Angebots des Arabers, sondern auch eine königliche Verordnung, nach welcher bei Todesstrafe in Uganda niemand einen Sklaven verkaufen dürfe.

Dies Gebot war praktisch damals gar nicht durchführbar, wie Mtesa später selbst zugab, da der Sklavenhandel fast der einzige Handel Afrikas war. In Uganda selbst wurden jährlich etwa zweitausend Sklaven von den Arabern gekauft und zur Küste gebracht. Die Araber wurden jetzt zu heftigen Gegnern der Mission, nicht aus religiösen Gründen, sondern weil sie den Markt in Uganda nicht mit den Weißen teilen und im Sklavenhandel ungestört bleiben wollten. Mackay sollte bald erfahren, daß er in ihnen am Hofe grimmige und listige Gegner hatte. Mehr als einmal brachten sie durch Verdächtigungen aller Art sein Werk und Leben in die größte Gefahr.

Einmal hinterbrachten sie dem König eine schreckliche Lüge über das Vorleben Mackays. Er sei ein landflüchtiger Verbrecher, habe zweier Morde wegen sein Vaterland verlassen müssen und dann das Schiff, auf dem er floh, in die größte Gefahr gebracht; der Kapitän hätte ihn in Sansibar ans Land gesetzt. Aber auch auf dieser Insel wäre seines Bleibens nicht gewesen. Nachdem er wieder einen Doppelmord auf dem Gewissen gehabt, sei er nach Uganda gekommen. Einem Sklaven, der das alles wisse, hätte er hohes Schweigegeld geboten. Ein andermal erzählten sie am Hofe, die Königin von England hätte Mtesa eine Spieldose, tausend Flinten und viel Zeug gesandt, aber die Missionare hätten alles unterschlagen. In der Spieldose seien übrigens lauter lebendige Teufel; wenn Mackay pfeife, fingen sie an zu spielen; wenn er ihnen »Halt!« zuriefe, würden sie still.

Als Mackay am Missionshaus baute, raunten sie dem König und seinen Räten ins Ohr, das sollte eine Festung werden und das sei der Anfang zur Eroberung des Landes. Fünfzig Sklaven wären schon einexerziert, und andere Soldaten kämen von der Küste. Das politische Motiv spielten sie übrigens in allen Tonarten, um Mißtrauen gegen die Fremden und besonders gegen die Missionare zu säen. Diese seien nur politische Spione und Agenten. Nach ihnen kämen die Engländer, um das Land »aufzuessen«. Im Gottesdienst am Hofe erschwerten sie die Lehrtätigkeit durch lästige Zwischenbemerkungen, z. B.: die Weißen seien Bilderanbeter, hätten eine falsche Religion, äßen Schweinefleisch, hielten Hunde und seien schlecht, am schlechtesten aber wären die Engländer. Solange Mackay in Uganda war, kämpften sie mit allen Mitteln gegen ihn, und als er endlich die Hauptstadt verließ, wozu sie viel beigetragen hatten, frohlockten sie, freilich zu früh, denn ihre Zeit ging damals zu Ende und die des Christentums begann erst recht.

Neben den Muselmännern stellten sich aber noch andere Gegner ein, denen Mackay zu begegnen hatte und zu begegnen wußte.

Am 23. Februar 1879, einem Sonntag, gingen die Missionare nach ihrer Gewohnheit an den Hof, um zu predigen. Aber dort war große Aufregung, und niemand kam zum Gottesdienst. Es sollten zwei Weiße als Gäste des Königs angekommen sein. Die Missionare hatten keine Ahnung, wer das sein könnte. Es waren jesuitische Gegenmissionare, französische Untertanen von den Vätern des Kardinals Lavigerin aus Algier. Vergebens erinnerte sie Mackay an ein altes Abkommen, daß man Mohammedanern und Heiden nicht das bedauerliche Schauspiel einer in sich gespaltenen Religion bieten, sondern auf getrennten Feldern arbeiten wolle. Die Priester erklärten, sie seien an jenes Abkommen von Bagamoyo nicht gebunden, da sie einem anderen Orden angehörten.

Dem König, dem die Franzosen sehr wertvolle und sorgfältig ausgewählte Geschenke machten, war es ganz willkommen, wenn er die beiden Missionen gegeneinander ausspielen und aus beiden Vorteile ziehen konnte, ohne sich für das eine oder für das andere entscheiden zu müssen.

Bald kam es zu häßlichen Auftritten am Hofe. An einem Sonntag hielt Mackay Gottesdienst. Lourdel und sein Genosse, den Mackay noch nicht kannte, waren auch zugegen. Die Grüße des Engländers erwiderten sie kaum. Der Gottesdienst begann. Mackay schlug sein »Prayerbook« auf, und alle knieten nieder zum Gebet. Nur die römischen Priester blieben sitzen und schwatzten dabei. Mtesa stellte sie darüber zur Rede und fragte, ob sie nicht an Christum glaubten und Ihn anbeteten. Lourdel erging sich nun in den beleidigendsten Ausdrücken, nannte Mackay einen Lügner und die Bibel ein Lügenbuch. Mackay seufzte innerlich um Gnade, sich jetzt recht verhalten zu können. Der Herr stand ihm bei, so daß er in aller Ruhe und Klarheit erzählen konnte, was die Protestanten von Rom trennt. Die Römischen hätten den Papst als Oberhaupt, die Evangelischen hätten die Bibel als einzige Autorität und verehrten keinen anderen Herrn als Jesum Christum. Um die Gemüter zu beruhigen, setzte er hinzu, in vielen Dingen stimmten beide Konfessionen überein. Der aufgeregte Priester wollte aber nichts vom Frieden wissen und wiederholte seine Schmähungen. Niemals hörte Mackay so oft das Wort muongo (Lügner) auf sich anwenden als von jenem römischen Pater. Die Verwirrung unter den Zuhörern war schließlich so groß, daß Mtesa erklärte: »Die Araber lehrten mich, an einen Gott zu glauben, Mackay sagte mir von zweien (Gott und Christus), und die Franzosen haben gar drei (Gott, Jesus und Maria); nun glaube ich keinem mehr. Jeder weiße Mann hat ja eine andere Religion.«

Vierzehn Tage nach den Jesuiten traf ein Brief des englischen Generalkonsuls in Sansibar ein, in dem u. a. stand, die englischen Missionare hätten nichts mit der Politik zu tun; sie seien aus eigenen Antrieb gekommen und nicht direkt von der Königin gesandt. Dadurch sollte bei Mtesa der Verdacht zerstreut werden, daß die Missionare politische Agenten seien. Mtesa befahl den Arabern, den Brief zu übersetzen. In ihrem Hasse gegen die Christen übersetzten sie nun falsch und lasen, daß »kein Engländer in Uganda von der englischen Königin komme oder Briefe von der englischen Regierung habe«. Nun hatten aber wenige Wochen vorher drei Missionare, die zu Mackays Unterstützung kamen, ein Schreiben vom Premierminister im Namen der Königin überreicht.

Es gab einen neuen, schrecklichen Auftritt. Mtesa nannte Mackay und seine Mitarbeiter Betrüger und erklärte den Brief von England als eine Fälschung. Die Einsicht in den Brief des Konsuls wurde ihnen vorenthalten. Sie mußten alles über sich ergehen lassen und stellten es Gott anheim, der da recht richtet und den Wahrhaftigen hilft. Da sie trotzdem noch geduldet wurden, fuhren sie desto eifriger in der Ausbreitung der Wahrheit fort.

»Es scheint mir,« schreibt Mackay, »daß Gott das Eindringen der falschen Lehren zugelassen hat, damit wir die Wahrheit um so eifriger verbreiten. O, daß wir die kurze uns zur Verfügung stehende Zeit mehr zur Verherrlichung Gottes gebrauchen könnten und wollten! Wir taten, was wir konnten, zu verhindern, daß Unkraut unter den Weizen gesät würde, als die ersten Papisten im Anzuge waren, und nun werden sie sich neben uns festsetzen. – Wir müssen alle Kraft daransetzen, dem Volke die Heilige Schrift in ihrer eigenen Sprache zu geben und sie lehren, dieselbe zu lesen und zu glauben.«

Darin sah Mackay mit Recht die beste Waffe und das beste Abwehrmittel gegen alle Feinde, auch gegen die katholische Propaganda. Bald nach seiner Ankunft in Uganda begann er eine beträchtliche Anzahl Lesetafeln herzustellen. Er verfertigte große Lettern aus hartem Holz und druckte mit Hilfe seiner kleinen Presse Buchstaben, Silben, Wörter und auch ganze Sätze auf zugerichtete Tafeln. Die Fibeln gab er den herzuströmenden Lernbegierigen und unterrichtete sie dann in der Lesekunst. Den Fortgeschrittenen händigte er gedruckte Bibelsprüche ein und unterwies sie zugleich in den geoffenbarten Wahrheiten.

Das größte Verdienst erwarb sich Mackay aber durch seine Übersetzungsarbeiten. Seine Mitarbeiter wechselten oft, zu oft, um mit der Landessprache völlig vertraut zu werden und zuverlässige sprachliche Arbeiten anfertigen zu können. Mackay dagegen war neun Jahre ununterbrochen am Orte und stand nach seiner Verdrängung noch zweieinhalb Jahre im regen Verkehr mit den Waganda, deren Sprache er wie seine eigene kannte. Im Januar 1880 begann er mit der Übersetzung des Evangeliums Matthäi mit dem Gebete: »Möge der Heilige Geist, der das Wort zuerst eingab, mir Herz und Hand zu dieser Arbeit reinigen und dieselbe heiligen zur Ehre meines hochgelobten Herrn und Meisters Jesus Christus!« In diesem Geiste und der ihm eigenen Sorgfalt und Gründlichkeit übersetzte er im Laufe der Jahre nicht nur das Matthäus-, Lukas- und Johannesevangelium, sondern auch ausgewählte Psalmen, Gebete und Lieder in die Landessprache. Dann druckte er sie auch und band die Bücher, wobei ihm seine Mitarbeiter fleißig Handreichung taten. Außerdem wurde auch das Suahelitestament in Uganda sehr verbreitet, besonders im Anfang, weil viele dieser Sprache mächtig waren.

Das Übersetzte wurde wiederholt unter dem Beistand seiner Mitarbeiter und geförderter Wagandachristen revidiert und korrigiert. Mit ihnen saß er auch in der schweren Verfolgungszeit nach Mtesas Tode (1884) manchen Tag und manche Nacht über dem heiligen Texte. Die meisten Exemplare wurden verkauft, nicht verschenkt, und gingen so rasch ab, daß immer neue Auflagen gedruckt werden mußten. Das bereitete Mackay neben der Freude auch manche Not, da die Mittel und Hilfsmittel so dürftig waren, wie sie nur sein konnten.

Das Wort Gottes wurde unter dem Volke ein Same der Wiedergeburt und die tägliche Seelenspeise der Bekehrten. Stanley, der 1889 in der Nähe Ugandas war, beobachtete mit Staunen die christlichen Flüchtlinge aus Uganda – es war gerade zur Zeit der Verfolgung –, wie »fast jeder von ihnen ein Buch hatte, Gebete und das Evangelium Matthäi, wie sie in ihren Hütten sich auf den Boden legten, ihre Bücher hervorzogen und darin lasen« und ihm erzählten, sie seien alle – etwa 2500 – Mackays Schüler und gehörten zu Mackays Mission; jeder hätte persönlich das Buch von ihm empfangen.

So kämpfte der Held von Uganda mit dem Schwert des Geistes unermüdlich gegen die furchtbare Macht der Finsternis im dunkelsten Afrika. Zur Bekämpfung des abscheulichen Sklavenhandels hat er in seinen Briefen an Londoner Zeitungen viel Anregung und wertvolle Winke gegeben. Er klagt darin besonders über den Freihandel, durch den es den Arabern gestattet war, sich und ihre Helfershelfer mit Pulver und Gewehren zur Menschenjagd auszurüsten. Ohne diese Mordwaffen könnten weder die Araber noch die Eingeborenen die Sklavenjagd betreiben. Die uneingeschränkte Einführung von Mordwaffen in Afrika sei die reine Wahnsinnspolitik. »Die englischen Schiffe, welche Missionare und Bibeln zur Bekehrung Afrikas hierherführen, bringen in weit größerer Anzahl Gewehre mit, die diesen Weltteil in eine Hölle verwandeln. Immer wieder haben mir die Waganda gestanden, daß ihnen nur die Gewehre ihre Raubzüge in die Nachbargebiete möglich machten. Die schwarzen Könige würden sich bald vertragen, wenn ihre Pulverkammern leer wären.«

Illustration from Der Held von Uganda: Leben und Wirken des Pioniermissionars Alexander Mackay

Afrikanischer Häuptling.

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