III. Geologische Übersicht
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Von den Randgesteinen abgesehen, die den deutlich begrenzten Gebirgskern mantelartig umgeben, besteht das Massiv des Harzes zum bei weitem größten Teile aus sedimentären, zum kleineren aus eruptiven Gesteinen.
Verbreitung des Devon.
Die Sediment- oder geschichteten Gesteine — sie heißen auch paläozoische d. i. alttierische — welche sich, die erste, ursprüngliche Grundlage für unser Gebirge bildend, aus den trüben Fluten des noch alle Lande bedeckenden Meeres als Schlamm, Sand und Kies horizontal oder in geringer Neigung niederschlugen, ablagerten und erhärteten, gehören im Westharze dem Devon-, im Ostharze vorwiegend der Kohlenformation an. Die devonische Bildung kommt im Harze in allen ihren Niveaus, als Unter-, Mittel- und Ober-Devon vor.
Von dem Unter-Devon hat man in neuester Zeit die ältesten Schichten abgetrennt und dieser Gruppe den Namen Obersilur zuerkannt. Es sind dies namentlich die Graptolithenschiefer bei Lauterberg, Wernigerode, Harzgerode, Treseburg und der feste, feinkörnige und helle Quarzit, aus dem der Rücken des Bruchberges und des Ackers besteht.

Abb. 9. Marktkirche in Klausthal. (Nach einer Photographie von Fr. Zirkler in Klausthal.)
Dem Unter-Devon gehören zum größten Teil die „Unteren Wieder-Schiefer“ — harte Schiefer mit eingelagerten Kalklinsen — und ähnliche Schiefern bei Zorge, Harzgerode und Mägdesprung, sowie der „Hauptquarzit“ des Unterharzes, die sich südöstlich an den Oker-Bruchberg anschließenden Quarzite und neben sandigen Schiefern des Rammelsberges, der nach seinen zahlreichen Versteinerungen, den zu den Armfüßern gehörenden Spiriferen oder Windungsträgern benannte Spiriferen-Sandstein an, welcher die Berggruppe zwischen Oker und Innerste, also den Rammelsberg, den Kahlenberg und Bocksberg, die höchsten Kuppen der Klausthaler Hochebene, bildet.
In das Mittel-Devon rechnet man außer einem Teile der Wieder-Schiefern (bei Hasselfelde, im Selkethal) besonders die „Wissenbacher“ (oder Goslarer) und die Calceola-Schiefer. — Die Calceolaschichten, welche sich eng an den Spiriferen-Sandstein anschließen und sich durch ihren großen Reichtum an Petrefakten auszeichnen (Leitmuschel Calceola sandolina, gemeine Pantoffelmuschel) finden sich zwischen Oker und Innerste in schmalen Säumen, in Mulden und in sattelförmigen Hervorragungen. Die auf ihnen folgende Zone der Goslarer Schiefer ist von hervorragender Bedeutung: nicht nur werden die härtesten dieser blau- oder grauschwarzen, dichten Thonschiefer als Dachschiefer benutzt, sondern es ist ihnen auch das berühmte, trotz fast tausendjährigen Betriebes noch immer nicht erschöpfte Erzlager des Rammelsberges eingeschaltet. — Mitteldevonisches Gestein findet sich auch in dem Zuge, welcher — wegen der in ihm auftretenden Diabase und Roteisensteine meistens als Diabas- (Grünstein-) oder Eisensteinszug bezeichnet — von Osterode bis über Altenau hinaus in gerader Linie als 400 Meter breiter Streifen verläuft. Es steht den Wissenbacher Schiefern gleich und wird von Tentakuliten-Schiefern überlagert.

Abb. 10. Doppelthaler vom Jahre 1688.
Die jüngsten Schichten des Mittel-Devon sind die durch reiche Eisensteinslager ausgezeichneten Stringocephalenkalke (Leitmuschel Stringocephalus Burtini, Burtins Eulenkopf) der Elbingeroder Mulde, die auch in dem soeben genannten „Eisensteinszuge“ zwischen Herzberg und Altenau auftreten.
Das Ober-Devon ist in seiner unteren, älteren Zone vorwiegend Intumescenskalk, in seinen oberen, jüngeren Schichten Cypridinenschiefer. Jener ist nach der zu den Ammonshörnern gehörenden Goniatites intumescens, dieser nach dem Muschelkrebs benannt. In die Intumescensstufe gehört vor allem der völlig ungeschichtete Massenkalk des höhlenreichen Iberges und Winterberges bei Grund, eines Korallenriffes mit dem reichsten Schatze von Versteinerungen, und der „Iberger Kalk“ der Elbingeroder Mulde mit den berühmten Rübelander Höhlen. Auch die schwarzen Kalke (mit Cardiola angulifera) am Wasserfallfelsen bei Romkerhalle, am Kellwasser u. s. w. gehören diesem unteren Niveau an. — Cypridinenschiefer finden sich u. a. im Diabaszuge der Klausthaler Hochebene, und als Clymenienkalk bei Lautenthal, am genannten Wasserfall, bei Mägdesprung u. a. O.
Verbreitung des Karbon.
Die nicht devonischen Schichten des Oberharzes gehören dem Karbon (der Kohlenformation) an, für den der englische Lokalname Kulm hier zuerst in Anwendung gebracht ist. Seine unteren Schichten bestehen aus Kiesel- und Posidonienschiefern, seine oberen aus Grauwacke.
Die Kieselschiefer, meist grau oder schwärzlich, vom Messer nicht ritzbar, S-förmig gestaucht und gefaltet, finden sich in geringer Mächtigkeit in der Gegend von Lautenthal und im mehrgenannten Diabaszuge, vielfach im Wechsellager mit hellem Wetzschiefer, schwarzem Alaunschiefer und (z. B. am Lerbacher Hüttenteiche) bunten, rotgrünen Adinolen (Bandjaspis). Die Charakter-Versteinerung Posidonia Becheri (Bechers Poseidon-Klaffmuschel), die den mit den Kieselschiefern unmittelbar verknüpften, doch auch — in zwei breiten Zonen zwischen Schulenberg und Laubhütte — unabhängig auftretenden eigentlichen „Posidonienschiefern“ eignet, findet sich nicht selten auch in jenen. Vereinzelt (z. B. zwischen Hübichenstein und Iberger Kaffeehaus) sind schwärzlich-graue Kalke eingelagert, die gleichfalls dem unteren Kulm angehören.

Abb. 11. Wildemannthaler von 1665. (Oberharzer Museum.)
Dagegen nehmen die Kulm-Grauwacken, die jüngsten Schichten des Kerngebirges, am Tage große Flächen ein. Im frischen Zustande blaugrau, durch Verwitterung rostbraun, auch rot, besteht dieses meist in dicken Bänken abgelagerte Gestein im wesentlichen aus Sandkörnern, die nebst Bruchstücken von Gangquarz, Kieselschiefer und Thonschiefer sowie Feldspat- und Kalkspatkörnern in ein thonig-sandiges Bindemittel gebettet sind. In der Gegend von Grund haben diese Bestandteile, unter denen sich Granit- und Porphyrgerölle nichtharzischen Ursprungs finden, oft Faustgröße. Die pflanzlichen Versteinerungen, unter denen neben undeutlichen kohligen Blattabdrücken namentlich die Calamiten (baumartige Schachtelhalme) vertreten sind, kommen nur sporadisch, von tierischen nur die Posidonienmuschel ganz vereinzelt vor. Als Baustein — namentlich bei Klausthal — schön zu bearbeiten, liefert die Grauwacke in den großartigen Steinbrüchen bei Wildemann treffliche Pflastersteine.

Abb. 12. Ausbeutethaler von 1685. (Oberharzer Museum.)
Dem gleichen Niveau wie die von erzreichen Gangspalten durchsetzte Oberharzer Grauwacke gehören die Tanner und Elbingeroder Grauwacke, sowie die „Zorger Schiefer“ an.
Zu Ende der Kulmzeit wurden die bis dahin vom Meere bedeckten paläozoischen Sedimente in Mitteleuropa zu einem gewaltigen Kettengebirge zusammengeschoben, dessen Falten sich vom Centralplateau Frankreichs durch ganz Deutschland, wo sie um das böhmische Gebirgsviereck in einem gegen Norden konvexen Bogen herumliegen, bis nach Rußland verfolgen lassen.
Darum hat der Harz wie der Thüringer Wald und das rheinisch-westfälische Schiefergebirge, deren ursprünglicher Zusammenhang erst allmählich durch die „abradierende“ Thätigkeit des Meeres und durch wiederholte Abbrüche aufgehoben wurde, „niederländisches Streichen“ d. i. seine Schichten haben die Richtung von Südwest nach Nordost. Dieses Zusammenschieben der erhärteten Sedimente geschah durch seitlichen („tangentialen“) Druck und konnte nicht anders, als unter Faltung, Zerreißung und Aufrichtung, selbst Kippung der Schichten geschehen. In die entstandenen Spalten und Risse ergossen sich die sogenannten prägranitischen Eruptivgesteine, besonders Diabas, auch Kersantit und gewisse Porphyre, die feuerflüssig aus dem Innern emporquollen. So ist es auch zu erklären, daß der „Grünstein“ des Diabaszuges zwischen Osterode und Altenau trotz seiner deckenartigen Ausbreitung stets der Richtung der Schichten folgt und an deren späteren Knickungen und Verwerfungen teilnimmt.

Abb. 13. Andreasthaler von 1726. (Oberharzer Museum.)
Das Harzgebirge sah damals nur wenig und nur in seinen bedeutend emporgehobenen Teilen aus dem Meere hervor. Dieses begann nun seine „abradierende“ Thätigkeit: wie es noch heute an felsiger Meeresküste geschieht, zernagten und unterspülten Wogen und Brandung die trocken gelegten Massen, bis diese zusammenstürzten, zertrümmerten und zerrollten dann die Brocken zu Kies und Schlamm, füllten damit die bei der Faltung entstandenen Vertiefungen aus und bildeten fast ebene „Abrasionsflächen“.
Das Rotliegende.
Man nennt diese aus Konglomeraten von Harzgesteinen bestehende Ausfüllung der Mulden das untere Rotliegende. Am stärksten entwickelt ist diese Formation in der Grafschaft Mansfeld, wo sich zwischen ihr mächtige zu Mühl- und Bausteinen geeignete thonige Sandsteine finden, in der Gegend von Ilfeld, wo sie hoch in das Gebirge hinaufsteigt, und im Ermsleber Becken; doch umzieht sie, mehrfach unterbrochen, auch über Lauterberg den Harz bis Hahausen. An drei Stellen, bei Meisdorf und Opperode östlich von Ballenstedt, bei Grillenberg in der Nähe von Wippra und bei Sülzhain-Ilfeld-Neustadt enthält sie auch dunkle Schieferthone und wenig (¾-1½ Meter) mächtige Steinkohlen.
Porphyr und Granit.
Die Eruptionen dauerten fort. Zunächst entquollen, die Sedimente gewaltsam durchbrechend, dem Innern des noch immer mit Wasser bedeckten Harzes, besonders nördlich von Ilfeld, Ströme schwarzen Melaphyrs und ergossen sich über die unteren Schichten des Rotliegenden; ihnen folgte, weithin alles bedeckend, feuerflüssiger grauer Porphyr, der zum Teil auch in den darüber lagernden mächtigen postporphyrischen Konglomeraten als Geröll noch erhalten ist. Vielleicht sind zur selben Zeit — jedenfalls nach der Kulmperiode und nach der Entstehung des Diabases — die Porphyrmassen aufgestiegen, welche die fast parallelen, von Nord nach Süd streichenden Gangspalten des Kerngebirges zwischen Ilfeld und Wernigerode und Diabaszüge nach ihrer Faltung ausfüllten und durchsetzten; höchst wahrscheinlich auch die gewaltigen Ströme von Quarzporphyr, deren Reste wie im Auerberge bei Stolberg und in der Gegend von Lauterberg (Knollen, Ravenskopf) erkennen, wo einzelne Gänge eine Mächtigkeit von 20 Meter und eine Länge von 11 Kilometer erreichen.

Abb. 14. Apotheke in Zellerfeld. (Nach einer Photographie von Fr. Zirkler in Klausthal.)
Ebenso jung ist der Granit, den man einst für das eigentliche Urgestein unseres Planeten hielt. Er tritt in zwei großen Massiven auf: Ramberg-Bodethal und Brocken-Okerthal. (Der Okergranit ist eine nur oberflächlich abgetrennte Partie des Brockengranits.) Die vom Hexentanzplatz auslaufenden Apophysen („Auswüchse“, Ausläufer), denen das Brockenmassiv bei Hasserode kleinere Gänge derselben Facies entgegensendet, lassen keinen Zweifel darüber, daß der Granit erst nach der Faltung des Gebirges und später als der Diabas emporgequollen ist. — Rings um beide Granitmassen sind durch die schnellere Abkühlung und Erstarrung der feuerflüssigen Ströme die Sedimentsteine in der Weise verändert, daß sie sich durch krystallinische Beschaffenheit und massige Struktur, größere Härte und muschligen Bruch von den gleichnamigen nicht veränderten Gesteinen unterscheiden. Durch diese „Kontaktmetamorphose“ sind der Hornfels und seine Verwandten entstanden.
Zechsteinformation.
Nach diesen Ergüssen und Bildungen, die in die lange Periode des Rotliegenden fallen, erfolgte in dem größten Teile Deutschlands eine allgemeine Senkung der Erdrinde. Das Meer, welches über dem Harze flutete, wurde somit tiefer und lagerte seinen Schlamm gleicherweise auf den abradierten Ebenen der alten Sedimente, wie auf den in den Becken und Mulden neu entstandenen Geröllmassen des Rotliegenden ab. Bei ihrer Erhärtung bildete diese neue Ablagerung Zechstein und Kupferschiefer. Diese stets zusammen auftretenden Schichten — die mit dem Rotliegenden auch Perm heißen — umziehen den ganzen Südrand des Harzes von Hahausen bis in die Grafschaft Mansfeld, doch hat sich bis jetzt nur in dieser, wo Silbererze die vom Schiefer eingeschlossenen Kupfererze begleiten, das Flöz bauwürdig erwiesen. Die oberen Schichten der „Zechsteinformation“ bestehen aus Anhydriten und Gipsen, die besonders aus dem an Höhlen und Erdfällen reichen Zuge bekannt sind, der — vielfach pittoreske Felspartieen bildend — den Südrand des Harzes von Badenhausen bis Sangerhausen mauerartig umwallt; ferner aus Dolomiten und Letten; und auch die bis 1000 Meter mächtigen Steinsalze und die darüber lagernden Kalisalze, deren Abbau im letzten Jahrzehnt mit regem Eifer begonnen hat, gehören noch in diese Formation. —
Die Bildung der Bergzüge und Hügelreihen, welche den Harz im Norden mantelartig umziehen, und die Ausfüllung der von da in das Gebirge eingreifenden Thäler ist in den nun folgenden drei geologischen Perioden der Trias-, der Jura- und der Kreideformation erfolgt.

Abb. 15. Erzstoß im Burgstätter Hauptgang. (Nach einer Photographie von Fr. Zirkler in Klausthal.)
Erdgeschichte des Harzes.
Die Trias (d. i. bunter Sandstein, Muschelkalk und Keuper) legen sich bandförmig von Hahausen bis Gernrode in der Weise um den Nordrand, daß der Sandstein — dem die Solquelle bei Harzburg entspringt — und der Keuper, der meistens als Letten und Mergel auftritt, die Thäler, der Muschelkalk die — später umgekippten — Höhen bildet. (Am Südrande liegen die Trias wegen der Breite der Zechsteinformation weit ab vom Gebirge.) — Der Jura kommt nur in dem Busen des Schiefergebirges zwischen Langelsheim und Harzburg und in der Nähe von Quedlinburg vor; seine Liasschichten liefern der Harzburger Hütte schönen Roteisenstein. — Die Kreide, mit ihren unteren Schichten, Hils und Gault, bis Harzburg, mit jüngeren bis Ballenstedt reichend, führt in der unteren Lage des Gault guten Quadersandstein, der vor dem Breitenthor vor Goslar den zu einer Kapelle ausgehöhlten Felsen der Klus bildet und am angrenzenden Petersberge zur Anlage eines großartigen Steinbruchs Anlaß gegeben hat. Den Schichten der senonen Kreide gehören der durch seinen Reichtum an Petrefakten ausgezeichnete Sudmerberg bei Goslar und die Quadersandsteinreihe Regenstein-Teufelsmauer an.

Abb. 16. Hahnenklee, vom Bocksberg gesehen. (Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)
Die Tertiärformation (Braunkohlenbildung) ist nur ganz schwach am Harzrande vertreten. —
Zur Zeit, als Trias, Jura, Kreide und Braunkohlen sich nacheinander ablagerten, war der Harz noch völlig vom Meere bedeckt. Hätte er auch nur teilweise soweit aus den Fluten hervorgeragt, daß eine Brandung entstehen konnte, so müßten sich Gerölle vom Harzgestein, von Grauwacke, Kieselschiefer u. s. w. in jenen vier Formationen finden. Dem ist aber nicht so. Sie sind eben keine Strandbildungen, sondern genau so zusammengesetzt, wie die in größerer Entfernung vom Harze in ganz Norddeutschland vorhandenen gleichnamigen Gesteine, also Ablagerungen aus flacherem oder tieferem Wasser. Vereinzelte Stückchen Kieselschiefer, welche in der oberen Kreide am Sudmerberge vorkommen, können einesteils aus dem Rotliegenden stammen, andernteils gleichen sie nicht im geringsten dem Schutt, den heutzutage die Flüsse vom Harze hinunterspülen. Und kleine Bröckchen Kieselschiefer, welche sich in der Gegend von Gittelde im Miocän (der mittleren Stufe der Tertiärgebilde) finden, werden aus dem rheinischen Schiefergebirge stammen, da ihre Häufigkeit in der Richtung auf Kassel stetig zunimmt.

Abb. 17. Hirt. (Nach einer Photographie von Fr. Zirkler in Klausthal.)
Wie am Rande, so müssen sich auch auf dem unter den Wellen liegenden Gebirge selbst die mesozoischen Schichten (welche Tierreste enthalten, die den noch jetzt vorhandenen sich annähern, also Trias, Jura u. s. w.) nacheinander abgelagert haben. Diese mesozoische Decke aber mag in Bewegung gekommen und teilweise fortgespült sein, als der Harz, ohne vorerst noch aufzutauchen, sich zu heben begann. Auf diese Weise sind vielleicht die mesozoischen Gerölle in das „Hilskonglomerat“ des unteren und in das „Sudmerbergkonglomerat“ und das „Heimburggestein“ der oberen Kreide gekommen. Jedenfalls aber ist seine Decke ganz fortgespült und weggewaschen, als der Harz sich mählich aus der Flut erhob.
Die Gebirgsfaltung.
Dies geschah am Ende der Miocänzeit, zu derselben Zeit, als die Göttinger und Kasseler Berge, der Meißner, die Rhön und fast alle andern Gebirge emporstiegen und auftauchten. Infolge eines Druckes, der „tangential“, in der Richtung der kurzen Achse unserer Gebirgsellipse, also von Südsüdwest nach Nordnordost, wirkte, bauchte und wölbte sich der Harz allmählich auf, die Gesteinsschichten rissen und spalteten dabei senkrecht zur Druckrichtung, also parallel der langen Achse, und brachen in bajonettartig absetzenden Linien von den Vorlanden ab. Die Wirkung dieser Pressung ist verschieden: während die Schichten am Südrande nur eine Aufbauchung von etwa 20° aufweisen, ist im Norden die ehemalige Oberfläche der Kernschichten samt dem darauf gelagerten Zechstein u. s. w. ganz steil aufgerichtet, ja nach Westen sogar übergekippt. Und ebenso ist der massige Granit dem Nordrande näher als dem Südrande in die Höhe gepreßt. Vielleicht wirkte der Druck, der den Harz zum heutigen Gebirge umwandelte und zurecht schob, von Süden; wahrscheinlich war aber schon damals, was zur Erklärung ausreicht, die Erdoberfläche den Südrand entlang höher als im Norden.
Die Überkippung der bei der Zusammenschiebung der Schichten entstandenen Falten hatte auch den (inneren) Bruch derselben und das Hinüberschieben des einen Flügels über sein Liegendes zur Folge: die älteren übergeschobenen Schichten sind jüngeren Bildungen aufgelagert. Diese Überschiebungen, die also nur aus übergekippten Falten hervorgehen können, nennt man Faltenverwerfung. Sie ist besonders bei den sogenannten Ruscheln, schmalen Gesteinsklüften im Innern des Gebirges, die meist mit Gangthonschiefer ausgefüllt sind, klar zu ersehen; hie und da beträgt die Höhe der Verschiebung kaum ein Meter, andernorts aber (am Devonzuge) wenigstens mehrere hundert Meter.
Mit ihnen dürfen die vormals offenen Spalten nicht verwechselt werden; diese sind jünger, denn sie werden von den (innern) Klüften der Ruscheln in der Richtung abgelenkt.
Die Spaltenverwerfung umfaßt also ein zweites System von Störungslinien. In den „Spalten“, die sich mehrfach bis in die Vorlande verfolgen lassen, lagerte das einsickernde Wasser neben Quarz, Kalkspat und andern Gesteinen namentlich die wertvollen Erze ab und schuf sie dadurch zu „Erzgängen“ um; und wo der Hohlraum nicht ganz gefüllt ward, bildeten sich Quarz- und Erzdrusen mit ihren oft prachtvollen Krystallen.
Minerallösungen.
Eine spätere entgegengesetzte Aufbauchung des Harzes in der Richtung der großen Achse — also von Südost nach Nordwest, durch welche die Schichten auch in der Richtung der kurzen Achse zerrissen und gespalten wurden, so daß nun die einzelnen Schollen oft in unregelmäßig viereckigen Stücken mosaikartig verschoben nebeneinander liegen — scheint auch durch Bildung der Thalfurchen den Flüssen und Bächen den Lauf vorgezeichnet zu haben. Es wäre sonst auffällig, daß das Gebirge die Flüsse nicht auf beiden Ufern gleichweit begleitet. Daß sich diese Spalten auch in den dem Harze vorgelagerten jüngeren Gesteinen unterirdisch fortsetzen, beweisen die mächtigen Quellen bei Altwallmoden und Baddekenstedt, die unzweifelhaft das bei Langelsheim teilweise versiegende (d. i. in die Tiefe fallende) Wasser der Innerste — doch auch das damit verbundener Nebenspalten, denn nach Abteufung der Kalischächte hat es an Reinheit eingebüßt — in gewaltigen Massen wieder zu Tage fördern.

Abb. 18. Wildschweine im Winter. (Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)
Während durch die schwache, aber stetige Arbeit des Minerallösungen einführenden Wassers die Klüfte, Gänge und Spalten bis auf die Drusenräume immer wieder verkittet und ausgefüllt wurden, erweiterte es, oft bachartig auftretend, die weit klaffenden Hohlräume im Kalk und Dolomit, in Gips und Steinsalz durch seine auflösende Eigenschaft zu großen Höhlen, füllte diese mit Lehm und schmückte ihre Wandungen in späteren Zeiten, als das Gebirge sich weiter gehoben hatte, mit den wundersamen Tropfsteingebilden. Auch die sogenannten Gletschertöpfe beim Iberger Kaffeehause, schlotartige Vertiefungen, sind wohl — ähnlich wie die Erdfälle — auf diese auflösende, nicht auf die mechanische Thätigkeit des Wassers zurückzuführen und als „geologische Orgeln“ anzusprechen. Grundmoräne und Moränenschutt, die Gletscherprodukte im Flachlande, fehlen auf dem Harze; die Geschiebe nordischer Gesteine, welche sich auf der Hochfläche des Unterharzes finden, waren vermutlich in Eisberge eingefroren, welche die Fluten der Eiszeit hierher wälzten.
Auch an der Umwandlung, der „Metamorphose“ der Gesteine ist das sickernde Wasser stark beteiligt. Es löste die Kieselsäure der Eruptivgesteine und „verkieselte“ die mit diesen im „Kontakt“ stehenden Sediment- und Kulmschichten; wo Kalk in den Gesteinen war, bildete es „Silikate“ — Granaten und „Katzenaugen“ und andre — und neben Diabas und Schalstein verwandelte es den Kalk in Eisenstein.
Finden sich in den erwähnten Moränen des Flachlandes große Massen von Harzgesteinen, die es beweisen, daß schon in jener Zeit der Harz soweit als Gebirge hervorragte, daß seine Flüsse Gerölle hinunterführen konnten, so verstärkte eine letzte Heraushebung des Harzes, deren Zeitpunkt wir nicht kennen, diese Wirkung des Wassers bedeutend, denn nun wurden die Berge höher, die Schluchten und Thäler tiefer, das Wassergefälle bedeutender; und der bis heute dauernden Erosion verdanken wir den anmutigen Wechsel von Berg und Thal, der jedwedes Herz erfreut.