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Sämtliche Werke 13

Zweiter Teil. Russisches (continued 4)

E. K. Rahsin translation

Sie sagen, meine gebildeten Herren Israeliten und Gegner, daß dieses nichts als Unsinn sei, und: „... Wenn es auch einen status in statu gibt, – das heißt, selbstverständlich: früher einmal einen gegeben hat, von dem jetzt vielleicht noch schwache Spuren vorhanden sein mögen, – so haben einzig die Verfolgungen aller Zeiten und besonders des Mittelalters zu ihm geführt; folglich ist dieser status in statu ausschließlich aus dem Trieb der Selbsterhaltung entstanden; setzt er sich auch heute noch fort, besonders in Rußland, so geschieht das nur, weil der Israelit hier noch nicht dieselben Rechte genießt wie der Russe.“ Ich aber glaube, daß er, selbst wenn er die gleichen Rechte hätte, doch auf keinen Fall seinem status in statu entsagen würde. Den status in statu nur den Verfolgungen und dem Selbsterhaltungstrieb zuzuschreiben, geht meiner Meinung nach nicht an. Die Widerstandskraft zur Selbsterhaltung würde dann doch nie und nimmer für ganze vierzig Jahrhunderte ausgereicht haben. Selbst die größten und stärksten Kulturen haben sich nicht einmal durch die Hälfte von vierzig Jahrhunderten erhalten können und haben ihre politische Kraft und selbständiges Volkstum in noch kürzerer Zeit eingebüßt. Hier ist nicht die Selbsterhaltung die erste Ursache, sondern eine Idee, die mit sich fortreißt, die leitet und erhält; hier handelt es sich um etwas Weltbeherrschendes und Ewiges, worüber das „letzte Wort“ zu sagen die Menschheit vielleicht noch gar nicht fähig ist. Daß der religiöse Charakter in dieser Idee das Übergewicht hat – darüber kann kein Zweifel bestehen. Es ist doch klar, daß der Fürsorger dieses Volkes unter dem Namen des früheren alten Jehova fortfährt, mit seinem Ideal und seiner Verheißung sein Volk zum festen Ziele zu führen. Es ist ja ganz unmöglich, wiederhole ich, sich einen Juden ohne Gott vorzustellen, oh, und ich glaube auch nicht an gebildete jüdische Atheisten: alle sind sie eines Wesens, und Gott weiß, was der Welt von der jüdischen Intelligenz noch bevorsteht! Als Kind habe ich oft von den Juden sagen hören, daß sie auch jetzt noch unverzagt ihren Messias erwarten, alle, wie der niedrigste so der höchste von ihnen, der gelehrteste Philosoph wie der kabbalistische Rabbiner; daß sie alle glauben, ihr Messias werde sie wieder in Jerusalem versammeln und alle Völker mit seinem Schwerte zu ihren Füßen legen; daß nur aus diesem Grunde die Juden – wenigstens in ihrer übergroßen Mehrzahl – bloß eine einzige Arbeit allen anderen vorzögen: den Handel mit Gold und mit allem, was sich schnell in Gold verwandeln läßt –, und daß sie dies nur deshalb täten, hieß es, um dereinst, wenn der Messias kommt, kein neues Vaterland zu haben, nicht durch Besitz an das Land Fremder gebunden zu sein, sondern ihr Hab und Gut in Gold und Wertsachen mit sich führen zu können –

„Wenn erglänzt das Licht der Morgenröte Und Cinellen, Cymbeln, Pauken und Schalmeien tönen – Dann bringen wir nach Palästina In den alten Tempel unsres Gottes Alle Schätze, die wir haben: Edelsteine, Gold und Silber“ ...

Ich habe das als Legende gehört, doch bin ich fest überzeugt, daß dieser Glaube unbedingt vorhanden ist, vielleicht nicht bewußt im einzelnen, wohl aber in Gestalt eines instinktiven, unbezwingbaren Triebes in der ganzen Masse der Juden. Damit aber ein solcher Glaube lebendig bleibe, ist es natürlich erforderlich, daß der status in statu aufs strengste erhalten werde. Und so wird er denn erhalten. Folglich ist und war nicht nur die Verfolgung die Ursache des status in statu, sondern – die Idee ...

Haben aber die Juden wirklich solch ein besonderes inneres, strenges Gesetz, das sie zu etwas Ganzem und Besonderem zusammenbindet, so kann man ja noch über die Frage, ob man ihnen die volle Gleichberechtigung mit dem eigenen Volke geben soll, nachdenken. Selbstverständlich muß alles, was Menschlichkeit und Gerechtigkeit verlangen, für die Juden getan werden. Doch wenn sie in ihrer vollen Rüstung und Eigenart, in ihrer nationalen und religiösen Absonderung, im Schutze ihrer Regeln und Prinzipien, die den Grundsätzen, nach denen sich bis jetzt die ganze europäische Welt entwickelt hat, so durchaus entgegengesetzt sind, – wenn sie bei alledem noch die vollständige Gleichberechtigung mit der autochthonen Bevölkerung in allen möglichen Rechten verlangen: bekämen sie dann nicht, wenn man sie ihnen gewähren würde, bereits mehr als das, was das autochthone Volk selbst hat, etwas, was sie über letzteres stellen würde? Hierauf wird man natürlich auf die anderen Fremdvölker in Rußland hinweisen: „Die sind gleichberechtigt oder doch so gut wie gleichberechtigt, wir Israeliten aber haben von allen Fremdvölkern die geringsten Rechte, und das nur, weil man uns fürchtet, weil wir Juden, wie es heißt, schädlicher als alle anderen Fremdvölker sein sollen. Doch wodurch sind denn gerade wir Israeliten schädlich? Wenn unser Volk auch einige schlechte Eigenschaften haben mag, so hat es sie doch nur, weil das russische Volk selbst zur Entwicklung dieser Eigenschaften beiträgt, und zwar einfach durch seine eigene Unwissenheit, durch seine Unbildung, durch seine Unfähigkeit, selbständig zu sein, durch seine geringe ökonomische Begabung. Das russische Volk verlangt ja selbst nach einem Vermittler, einem Leiter, einem Vormund in den Geschäften, einem Gläubiger, ruft ihn selbst und verkauft sich ihm freiwillig! Seht doch, wie es in Europa ist: dort haben die Völker einen festen und selbständigen Willen, eine starke nationale Entwicklung und Verständnis für die Arbeit, an die sie von jeher gewöhnt sind – dort fürchtet man sich auch nicht, den Israeliten dieselben Rechte zu geben! Hört man etwa in Frankreich von einem Schaden, den der status in statu der dortigen Israeliten der französischen Nation verursachte?“

Allem Anschein nach ein starker Einwand; aber geht aus ihm nicht hervor, daß die Juden es gerade dort gut haben, wo das Volk noch unwissend ist oder unfrei oder wirtschaftlich wenig entwickelt, – daß es für sie also gerade dort vorteilhaft ist, zu leben? Anstatt nun durch ihren Einfluß das Niveau der Bildung zu heben, das Wissen zu verbreiten, die wirtschaftlichen Fähigkeiten in der eingeborenen Bevölkerung zu entwickeln, wie es die anderen Fremdvölker tun, haben die Juden überall, wo sie sich niedergelassen, das Volk noch mehr erniedrigt und verdorben, überall dort ist die Menschheit noch niedergebeugter, und ist das Niveau der Bildung noch tiefer gesunken, hat sich noch schrecklicher aussichtslose, unmenschliche Armut verbreitet, und mit ihr die Verzweiflung. Man frage doch in unseren Grenzgebieten die eingeborene Bevölkerung, was die Juden treibt, und was sie so viele Jahrhunderte hindurch getrieben hat? Man wird nur eine einzige Antwort erhalten: „Die Unbarmherzigkeit! ... Getrieben hat sie so viele Jahrhunderte bloß ihre Gier, sich an unserem Schweiß und Blut zu sättigen.“ Die ganze Tätigkeit der Juden in unseren Grenzgebieten hat bloß darin bestanden, daß sie die eingeborene Bevölkerung in eine rettungslose Abhängigkeit von sich gebracht haben, und zwar unter einer wirklich bewunderungswürdigen Ausnutzung der Verhältnisse. Oh, in solchen Angelegenheiten haben sie es immer verstanden, die Möglichkeit zu finden, über Rechte zu verfügen. Sie haben es immer verstanden, gut Freund mit denen zu sein, von denen das Volk abhängt; in dieser Beziehung wenigstens sollten sie doch über ihre geringen Rechte im Verhältnis zum russischen Volke nicht klagen. Sie haben ihrer bei uns schon übergenug –, dieser Rechte über das russische Volk! Was in den Jahrzehnten und Jahrhunderten aus dem russischen Volke dort geworden ist, wo die Juden sich niedergelassen haben – davon zeugt die Geschichte unserer russischen Grenzgebiete. Bitte jetzt irgendein anderes Volk von den Fremdvölkern Rußlands zu nennen, das sich in dieser Beziehung mit den Juden messen könnte? Man wird keines finden. In dieser Beziehung behaupten die Juden ihre ganze Originalität, im Vergleich zu den anderen Fremdvölkern Rußlands, und die Erklärung dieser Tatsache ist natürlich in diesem ihrem status in statu zu suchen, dessen Wesen gerade diese Unbarmherzigkeit allem gegenüber, was nicht Jude ist, gerade diese Verachtung jedes Volkes und jeder Rasse und jedes menschlichen Wesens, das nicht Jude ist, ausmacht. Und was ist denn das für eine Rechtfertigung, daß im Westen Europas die Völker sich nicht haben besiegen lassen, und daß somit das russische Volk selbst die Schuld daran trägt, wenn der Jude es knechtet? Weil das russische Volk in den Grenzgebieten sich schwächer als die europäischen Völker erwiesen hat – infolge seiner schrecklichen, viele Jahrhunderte langen politischen Darniederlage –, nur deswegen soll man es also endgültig durch Ausbeutung erwürgen, anstatt ihm zu helfen?

Und im übrigen – da sie auf Europa, auf Frankreich z. B., hinweisen: auch dort ist dieser status in statu wohl kaum so unschädlich gewesen, wie es anfänglich scheinen mag. Das Christentum und seine Idee sinken dort natürlich nicht durch die Schuld der Juden, sondern durch jener Völker eigene Schuld, doch nichtsdestoweniger kann man auch in Europa auf einen großen Sieg des Judentums, das viele früheren Ideen schon durch seine Idee verdrängt hat, hinweisen. Oh, selbstverständlich hat der Mensch zu allen Zeiten den Materialismus vergöttert und ist immer geneigt gewesen, die Freiheit bloß in der Sicherstellung seiner selbst durch „aus allen Kräften angesammeltes und mit allen Mitteln erhaltenes Geld“ zu sehen und zu verstehen. Doch noch niemals sind diese Bestrebungen so offen und so dogmatisch zum höchsten Prinzip erhoben worden, wie in unserem neunzehnten Jahrhundert. „Jeder für sich und nur für sich und alle Gemeinschaft zwischen den Menschen einzig für mich“ – das ist das moralische Prinzip der Mehrzahl der heutigen Menschen[38] und nicht einmal schlechter, sondern arbeitender Menschen, die weder morden noch stehlen. Und die Unbarmherzigkeit zu den niedrigeren Massen, der Verfall der Brüderlichkeit, die Ausnutzung des Armen durch den Reichen – oh, natürlich ist das auch früher schon und überhaupt immer gewesen, aber – aber es ward doch nicht zu einer Wahrheit und Weltanschauung, sondern ist vom Christentum stets bekämpft worden! Jetzt aber wird es im Gegenteil zur Tugend erhoben! So darf man wohl annehmen, es sei nicht einflußlos geblieben, daß an den Börsen dort allenthalben Juden herrschen, daß nicht umsonst sie die Kapitale lenken, nicht umsonst sie die Kreditgeber, und nicht umsonst, ich wiederhole es, sie die Beherrscher der ganzen internationalen Politik sind!

Und das Ergebnis: ihr Reich nähert sich, ihr volles Reich! Es beginnt der Triumph der Ideen, vor denen die Gefühle der Menschenliebe, der Wahrheitsdurst, die christlichen und die nationalen Gefühle, und sogar der Rassenstolz der europäischen Völker sich beugen. Der Materialismus triumphiert, die blinde, gefräßige Begierde nach persönlicher materieller Versorgung, die Gier nach persönlichem Zusammenscharren des Geldes, und – der Zweck heiligt das Mittel –: all das wird als höchstes Ziel anerkannt, als das Vernünftige, als Freiheit, an Stelle der christlichen Idee der Rettung einzig durch engste ethische und brüderliche Vereinigung der Menschen. Man wird hierauf vielleicht lachend erwidern, daß das keineswegs durch die Juden so gekommen sei. Natürlich nicht durch die Juden allein; doch wenn die Juden in Europa gerade seit der Zeit – da diese neuen Grundsätze dort den Sieg davongetragen – die Oberhand gewinnen und gedeihen, sogar in dem Maße, daß ihre Grundsätze zum moralischen Prinzip erhoben werden, so kann man doch wohl sagen, daß das Judentum einen großen Einfluß gehabt hat. Meine Gegner weisen immer daran hin, daß die Juden im Gegenteil arm sind, und zwar überall, in Rußland nur noch ganz besonders; daß nur der kleine Wipfel dieses Volksbaumes reich ist, die Bankiers und die Könige der Börsen, von den übrigen aber fast neun Zehntel buchstäblich Bettler sind, die sich für ein Stück Brot zerreißen und Maklerdienste tun, um eine Kopeke zu erhaschen. Ja, das ist wahr, doch was sagt das schließlich? Sagt das nicht gerade, daß sogar in der Arbeit der Juden, daß sogar in ihrer ausbeutenden Tätigkeit selbst etwas Unrechtes, Unnormales, etwas Unnatürliches ist, das seine Strafe bereits in sich trägt? Der Jude verdient durch Vermittlergeschäfte, er – handelt mit fremder Arbeit. Ein Kapital ist angesammelte Arbeit; der Jude schlägt sein Kapital aus fremder Arbeit! Doch all das ändert bis jetzt noch nichts an dem Gesagten: dafür erobern die reichen Juden immer mehr die Herrschaft über die Menschheit und streben immer eifriger darnach, der Welt ihr jüdisches Antlitz aufzudrücken und ihr jüdisches Wesen zu verleihen. Spricht man über diese Eigenschaft der Juden, so sagen sie immer, auch unter ihnen gäbe es gute Menschen. Herrgott! Handelt es sich denn hier etwa darum? Ich spreche doch in diesem Fall nicht von guten oder schlechten Menschen. Und gibt es unter den Juden nicht gleichfalls gute? War denn der verstorbene James Rothschild etwa ein schlechter Mensch? Ich spreche doch nur im allgemeinen vom Judentum und von der jüdischen Idee, die die ganze Welt ergreift, an Stelle des „mißlungenen“ Christentums.

Doch es lebe die Brüderlichkeit!

Aber – was rede ich eigentlich, und wozu? Oder bin ich vielleicht wirklich ein Judenhasser? Sollte es doch wahr sein, was mir eine zweifellos gebildete und edle junge Israelitin schreibt – bin ich wirklich, wie sie sagt, ein Feind dieses „unglücklichen“ Volkes, das ich „bei jeder Gelegenheit grausam angreife“? „Ihre Verachtung für das jüdische Volk, das an nichts anderes als an sich selbst denkt, wie Sie sagen,“ schreibt sie mir, „ist nur zu augenscheinlich“. – Nein, gegen diese Augenscheinlichkeit lehne ich mich auf und bestreite sie. Im Gegenteil, ich sage und schreibe gerade, daß „alles, was Menschlichkeit und Gerechtigkeit verlangen, alles, was die Gebote Christi von uns fordern, für die Juden getan werden muß“. Diese Worte habe ich schon einmal geschrieben und jetzt füge ich nur noch hinzu: ja, trotz aller Bedenken, die von mir ausgesprochen worden sind, bin ich doch für die größte Erweiterung der Rechte unserer Juden in der russischen Gesetzgebung und, wenn es nur durchführbar ist, auch für die vollste Gleichheit der Rechte mit denen der eingeborenen Bevölkerung – NB. obgleich sie schon jetzt vielleicht mehr Rechte haben, oder richtiger, mehr Möglichkeiten, sich ihrer zu bedienen, als das eingeborene Volk selbst. Hier geht mir nun wieder etwas anderes durch den Sinn: wenn unsere Dorfgemeinde, die unseren armen Bauern vor so viel Bösem bewahrt[39] aus irgendeinem Grunde ins Wanken und Zerbröckeln käme – wie, wenn dann diesen befreiten Bauer, der so unerfahren ist und so wenig der Verführung zu widerstehen weiß, und den bis jetzt gerade die Dorfgemeinde bevormundet hat, die Juden überfielen – was dann? Dann würde es ja mit ihm einfach zu Ende sein, dann hätte er im Augenblick alles verloren: sein ganzes Eigentum, seine ganze Kraft würde dann schon am nächsten Tage in die Hände der Juden übergehen – und dann käme eine Zeit, die man nicht nur mit der Zeit der Leibeigenschaft vergleichen könnte, sondern eher mit der des Tatarenjoches.

Doch abgesehen von allem, was mir in den Sinn kommt und was ich geschrieben habe, bin ich für ihre vollständige Gleichstellung in den Rechten, – denn also will es das Gebot Christi. Wozu aber habe ich dann so viele Seiten geschrieben, was habe ich sagen wollen, wenn ich mir so widerspreche? Gerade das habe ich sagen wollen, daß ich mir nicht widerspreche, daß ich russischerseits kein Hindernis für die Erweiterung der jüdischen Rechte sehe. Nur behaupte ich, daß es solcher Hindernisse weit mehr auf der Seite der Juden selbst gibt; und wenn sie bis jetzt noch nicht gleichberechtigt sind, so trägt der Russe weniger Schuld daran als der Jude selbst. Denn gleichwie der einfache Jude mit Russen weder zusammen essen noch mit ihnen verkehren will, und diese sich darüber nicht nur nicht ärgern, sondern es sofort begreifen und verzeihen („das tut er bloß, weil er solch einen Glauben hat“), ebenso sehen wir auch im intelligenten, gebildeten Juden ungemein häufig dasselbe maßlose und hochmütige Vorurteil gegen uns Russen. Oh, man höre nur, wie sie schreien, daß sie die Russen liebten! Einer von ihnen schrieb mir sogar, es bereite ihm großen Kummer, daß das russische Volk „keine Religion hat und sich unter seinem Christentum nichts denkt“! Das ist wohl etwas zu weit gegangen für einen Juden, und es erhebt sich da nur die Frage: was versteht denn dieser hochgebildete Israelit selber vom Christentum? Dieser Eigendünkel und Hochmut ist für uns Russen eine der am schwersten zu ertragenden Eigenschaften des jüdischen Charakters. Wer ist von uns unfähiger, den anderen zu verstehen: der Jude oder der Russe? Ich rechtfertige eher den Russen: der Russe hat wenigstens keinen religiösen Haß auf den Juden – entschieden nicht! Die anderen Vorurteile aber – wer hat davon mehr? Da schreien nun die Juden, daß sie so viele Jahrhunderte lang verfolgt und unterdrückt worden seien, es sogar jetzt noch seien, und daß der Russe dies zum mindesten in Betracht ziehen müsse, wenn er den jüdischen Charakter beurteilt. Gut, wir ziehen es auch in Betracht, was wir sofort beweisen können: in der intelligenten Schicht des russischen Volkes haben sich mehr als einmal Männer erhoben, die für die Rechte der Juden eingetreten sind. Was aber tun die Juden? Ziehen sie etwa die langen Jahrhunderte der Unterdrückung und Verfolgung, die das russische Volk ertragen hat, in Betracht, wenn sie die Russen anklagen? Wäre es möglich, zu behaupten, daß unser Volk weniger Leid und Elend erfahren hätte als die Juden, gleichviel wann und wo? Und wäre es möglich, gleichfalls zu behaupten, daß es nicht der Jude gewesen ist, der sich mehr als einmal mit den Unterdrückern des russischen Volkes vereinigte – daß nicht er zur Zeit der Leibeigenschaft den russischen Bauern aufkaufte und somit sein unmittelbarer Beherrscher war? Das ist doch wahr, ist doch Geschichte, unbestreitbare Tatsache! Doch noch nie haben wir gehört, daß das jüdische Volk darüber Reue empfände; es klagt immer nur den russischen Bauern an und wirft ihm vor, daß er den Juden wenig liebe.

Einmal wird volle und geistige Einheit unter den Menschen herrschen, und es wird kein Unterschied in den Rechten mehr bestehen. Darum bitte ich meine Herren Israeliten-Gegner und -Korrespondenten vor allem, doch auch uns Russen gegenüber nachsichtiger und gerechter zu sein. Ist der Hochmut der Juden, ihr ewiger „mäkelnder Widerwille“ der russischen Rasse gegenüber nur ein Vorurteil, ein „historischer Auswuchs“, und verbirgt sich darunter nicht irgendein viel tieferes Geheimnis ihrer Gesetze oder ihres Wesens – so wird sich all das nur um so früher zerstreuen, und wir werden uns einmütig in guter Brüderlichkeit zusammentun zu gegenseitigem Beistand und für die große Sache: unserer Erde, unserem Staate und unserem Vaterlande zu dienen! Die gegenseitigen Anklagen werden allmählich aufhören, und damit wird auch die Ausnutzung dieser Anklagen, die das klare Verständnis der Dinge verhindern, verschwinden. Für das russische Volk kann man bürgen: oh, es wird dem Juden die größte Freundschaft entgegenbringen, trotz des Glaubensunterschiedes, und doch wird es volle Achtung für die historische Tatsache dieses Unterschiedes bewahren. Trotzdem aber ist zu einer vollständigen Brüderlichkeit – Brüderlichkeit beiderseits erforderlich. Also möge doch der Jude wenigstens ein wenig brüderliche Gefühle zeigen, um den Russen zu ermutigen. Ich weiß, daß es unter den Juden auch jetzt schon viele gibt, die sich nach der Beseitigung der Mißverständnisse sehnen und wirklich äußerst menschenfreundlich sind – ich will die Wahrheit nicht verschweigen. Und eben damit diese nützlichen und menschenfreundlichen Leute nicht den Mut verlieren, ihre Vorurteile ein wenig abzuschwächen und damit den Anfang der Sache zu erleichtern, wünschte ich die Erweiterung der Rechte des jüdischen Volkes, wenigstens soweit sie möglich ist: eben soweit das jüdische Volk die Fähigkeit beweist, sich dieser Rechte zu bedienen, ohne daß die eingeborene Bevölkerung darunter zu leiden hat. Nur eines fragt sich noch: werden diese tapferen und guten Israeliten auch viel erreichen, und inwieweit sind sie selbst befähigt zu der neuen schönen Aufgabe der wirklichen brüderlichen Vereinigung mit Menschen, die ihnen dem Glauben und dem Blute nach fremd sind?

Die Beerdigung des Allmenschen

Ich hatte eigentlich die Absicht, mich über sehr vieles in dieser Märznummer meines „Tagebuches“ auszusprechen; doch nun ist es wieder geschehen, daß ich über ein einziges Thema, über das ich nur einige Worte hatte sagen wollen, ganze Seiten geschrieben habe. So nehme ich mir, zum Beispiel, immer vor, etwas über Kunst zu sagen! Auch wollte ich über das neueste Bild Semiradskis sprechen – nur ein wenig –, und vor allen Dingen über den Idealismus und den Realismus in der Kunst, über Repin und Raphael; aber das werde ich noch aufschieben müssen. Und wie lange nehme ich mir schon vor, über die Briefe, besonders die anonymen, die ich so oft erhalte, zu schreiben!

Nun aber will ich doch einen Brief anführen, keinen anonymen, sondern einen von einer mir sehr gut bekannten Dame, Fräulein L., einer jungen Jüdin, deren Bekanntschaft ich in Petersburg gemacht habe. Sonderbarerweise haben wir kein einziges Mal über die „Judenfrage“ gesprochen, obgleich sie eine strenge und ernste Israelitin zu sein scheint. Wie ich sehe, hat ihr Brief eine Beziehung zu dem heute von mir geschriebenen Kapitel über die Juden. Es wäre vielleicht zuviel über dasselbe Thema, doch hier handelt es sich um etwas anderes: der Brief zeigt eine ganz andere Seite der Frage, vielleicht die entgegengesetzte, und außerdem enthält er geradezu einen Hinweis auf die Lösung des Problems. Ich hoffe, Fräulein L. wird mir verzeihen, wenn ich hier jenen Teil ihres Briefes wörtlich wiedergebe, der von der Beerdigung des Doktors Hindenburg in M. handelt. Unter dem frischen Eindruck dieser Beerdigung hat sie so aufrichtige und in ihrer Wahrheit so rührende Worte gefunden. Ich will nochmals hervorheben, daß dieser Brief von einer Jüdin geschrieben ist, daß diese Gefühle – Gefühle einer Jüdin sind ...

„Ich schreibe Ihnen unter dem tiefen Eindruck des Trauermarsches. Der 84jährige Doktor Hindenburg ist heute beerdigt worden. Da er Protestant war, wurde er zuerst in der lutherischen Kirche aufgebahrt, und von dort aus erfolgte dann die Überführung auf den Kirchhof. Solche Trauer, so von Herzen kommende Worte, so heiße Tränen habe ich noch an keinem Grabe gesehen ... Er starb in der größten Armut, so daß man zuerst nicht wußte, wie die Beerdigungskosten bestritten werden sollten.

58 Jahre praktizierte er schon in M. ... Und wieviel Gutes hat er in dieser langen Zeit getan! Wenn Sie wüßten, Fjodor Michailowitsch, was das für ein Mensch war! Er war Doktor und Frauenarzt; sein Name wird hier ewig weiterleben, es sind schon Legenden über ihn entstanden. Alle Armen nannten ihn ‚Vater‘, liebten und vergötterten ihn; doch erst seit seinem Tode begreifen sie ganz, wen sie in ihm verloren haben. Als er noch in der Kirche aufgebahrt lag, gingen alle, aber auch alle hin, um an seinem Sarge zu weinen und seine Füße zu küssen; besonders die armen Jüdinnen, denen er soviel geholfen hat, weinten und beteten für ihn, damit er geradeswegs in den Himmel komme. Heute kam unsere frühere Köchin (sie ist furchtbar arm) zu uns und erzählte, er habe bei der Geburt ihres letzten Kindes, da er gesehen, daß keine Kopeke im Hause war, 30 Kopeken gegeben, damit man ihr eine Suppe koche; und darauf sei er jeden Tag gekommen und habe jedesmal 20 Kopeken hinterlassen; und als sie sich ein wenig erholt hatte, habe er ihr zwei Feldhühner geschickt. So hat er auch einmal bei einer furchtbar armen Wöchnerin (solche wandten sich immer an ihn) sein Hemd ausgezogen und sein Kopftuch abgenommen (sein Kopf war immer mit einem Tuch umwunden) und beides zu Windeln zerrissen. Auch erzählt man sich hier, wie er einen armen Juden, einen Holzfäller, und dessen ganze Familie kuriert hat. Jeden Tag ist er zweimal zu ihnen gekommen und nachdem er alle wieder auf die Füße gebracht, hat er den Mann gefragt: ‚Wie wirst du mir nun alles bezahlen?‘ Der soll ihm geantwortet haben, daß er nichts habe, außer der letzten Ziege, die er sofort verkaufen werde. Das hat er denn auch getan, hat sie für 4 Rubel verkauft und diese dem Doktor gebracht. Der Doktor hat darauf den Holzfäller nach Haus geschickt und seinem Hausknecht 16 Rubel gegeben, damit er eine Kuh kaufe. Nach einer Stunde wird dem Holzfäller eine Kuh gebracht und gesagt, der Doktor habe die Ziegenmilch schädlich gefunden.

So hat er sein ganzes Leben lang Gutes getan. Zuweilen hat er sogar 30 bis 40 Rubel an Arme gegeben. Dafür ist er jetzt wie ein Heiliger begraben worden. Alle Juden hatten ihre Läden geschlossen und folgten dem Sarge. Bei unseren Beerdigungen singen gewöhnlich kleine Knaben Psalmen, doch ist es ihnen verboten, auch zur Beerdigung Andersgläubiger zu singen. Hier aber gingen während der ganzen Prozession unsere kleinen Knaben vor dem Sarge her und sangen ihre Psalmen mit lauter Stimme. In allen Synagogen wurde für seine Seele gebetet, und ebenso läuteten die Glocken aller Gotteshäuser während der Prozession. Die Militärkapelle spielte Trauermärsche und die jüdischen Musikanten waren zum Sohn des Verstorbenen gegangen, um ihn um die Erlaubnis zu bitten, während der Prozession spielen zu dürfen, was sie sich zur Ehre anrechnen würden. Alle armen Israeliten haben 10 oder 5 Kopeken gebracht, um für ihn Kränze zu kaufen; die reichen Israeliten aber haben viel gegeben und einen großen prachtvollen Kranz gestiftet, aus frischen Blumen mit einer schwarz-weißen Schleife, auf der in goldenen Lettern seine Hauptverdienste standen, wie z. B. die Gründung des Krankenhauses und ähnliches. Ich habe nicht alles entziffern können, und kann man denn überhaupt seine Verdienste aufzählen?

An seinem Grabe sprachen der Pastor und unser Rabbiner, und beide weinten. Er aber lag in seinem alten, fadenscheinigen Rock, den Kopf mit dem alten Tuch umwickelt, – dieser liebe Kopf! Es war, als ob er schliefe ...“

Ein einzelner Fall

Das ist ein einzelner Fall, wird man sagen. Nun, dann ist es wieder meine Schuld, wenn ich in einem einzelnen Fall den Anfang der Lösung eines ganzen Problems sehe ...

Die Stadt M. ist eine große Gouvernementsstadt im Westen, und es gibt dort sehr viele Juden, Deutsche, Russen natürlich, Polen und Litauer, und alle diese Nationalitäten liebten den Alten, als ob er zu ihrer Nationalität gehört hätte. Selbst aber war er Protestant und Deutscher, – gerade ein Deutscher: die Art und Weise, wie er dem armen Juden die Kuh schenkte, ist ein echt deutscher Witz. Zuerst verblüfft er ihn: „Wie wirst du mir nun alles bezahlen?“ Und natürlich hat der Arme, als er hinging, um seine letzte Ziege zu verkaufen, um den „Wohltäter“ bezahlen zu können, keineswegs gemurrt, sondern nur in tiefster Seele bedauert, daß die Ziege im ganzen nicht mehr als 4 Rubel wert war. Was aber sind 4 Rubel für alle von dem armen Doktor ihm und seiner Familie erwiesenen Wohltaten? Und wie zufrieden muß der alte Doktor bei sich gelächelt haben, als die Kuh zum Juden gebracht wurde. „Na, ich werde ihm mal unseren deutschen Witz zeigen,“ sagt er sich und ist womöglich die ganze Nacht, die er am Bette einer armen Wöchnerin verbringt, in froher Stimmung. Wenn ich Maler wäre, würde ich bestimmt ein Bild in diesem Genre malen, so eine Nacht in einer grauenvollen armen Hütte. Über alles liebe ich den Realismus in der Kunst, doch in den meisten Bildern unserer heutigen Realisten fehlt das „sittliche Zentrum“, wie sich vor kurzem ein großer Dichter und feiner Künstler in seiner Kritik über Semiradskis Bild ausgedrückt hat. Hier, in diesem von mir für ein Genrebild vorgeschlagenen Stoff würde, glaube ich, solch ein sittliches Zentrum sein. Und welch ein prachtvoller Stoff für einen Künstler! Erstens, die ideale, die schier unmögliche, schmutzigste Armut der jüdischen Hütte. Man kann sogar noch viel Humor hierbei verwenden; Humor ist ja doch die Spitzfindigkeit eines tiefen Gefühls – diese Bezeichnung gefällt mir ungemein. Mit feinem Gefühl und Verstand könnte der Künstler viel aus dem alten Hausgerät der armen Hütte machen. Und prachtvoll würde sich die Beleuchtung ausnehmen: ein brennendes Stümpfchen Talglicht auf einem schiefen Tisch und durch das einzige bereifte Fenster, durch die Eisblumen der Scheibe, das Morgengrauen des anbrechenden Tages. Die Frau hat erst bei Tagesanbruch geboren, und nun müht sich der alte Doktor um das Neugeborene. Keine Windeln, kein einziger Lappen im Hause (es gibt solche Armut, meine Herrschaften, ich versichere Sie, es ist der reinste Realismus – ein Realismus, der sozusagen bis ans Phantastische reicht) – und da hat denn der Greis schon seinen fadenscheinigen Rock ausgezogen und darauf das Hemd, das er nun zu Windeln zerreißt. Sein Gesicht ist ernst und nachdenklich. Der kleine neugeborene Judenbengel zappelt vor ihm auf dem Bett, und der Christ nimmt das Jüdchen auf seinen Arm und wickelt es in das Hemd, das er von seinen eigenen Schultern gezogen. Darin steckt die wahre Lösung des Judenproblems, meine Herrschaften! Der achtzigjährige nackte und von der Morgenkälte zitternde Körper des Doktors kann im Bilde im Vordergrunde stehen. Viel läßt sich natürlich aus seinem Gesichtsausdruck, sowie dem der jungen Mutter machen: sie sieht auf ihr Neugeborenes und wundert sich über das, was der Doktor mit ihm anstellt. „Dieser arme, kleine Jude wird groß werden und vielleicht auch einmal sein Hemd abziehen, um es einem Christen zu geben, wenn er sich der Geschichte seiner Geburt erinnert“ – denkt vielleicht in naivem und edlem Glauben der Alte bei sich. Wird das je geschehen? Wahrscheinlich nicht, aber es ist doch nicht ausgeschlossen, daß es geschieht. Das Beste, was wir tun können, ist – glauben, daß es geschehen könne und werde. Der Doktor aber hat schon ein Recht, daran zu glauben; denn in ihm ist es ja schon geschehen: „Habe ich es getan, so wird es auch ein anderer tun; bin ich denn besser als ein anderer?“ sagt er sich, um sich zu stärken ... Ja, dieses Bild würde, glaube ich, ein „sittliches Zentrum“ haben.

Ein einzelner Fall! Vor zwei Jahren schrieb man aus dem Süden Rußlands – ich habe vergessen, aus welch einer Stadt – von einem Doktor, der am Morgen eines heißen Tages aus der Badeanstalt kam und gerade schnell nach Hause eilte, um Kaffee zu trinken, und deshalb an einem beim Baden Ertrunkenen keine Wiederbelebungsversuche machen wollte, trotz der Bitte der Volksmenge. Ich glaube, er ist deswegen verurteilt worden. Aber das war vielleicht ein gebildeter Mensch, ein Anhänger der neuen Ideen, ein Fortschrittler, der bloß „im Prinzip“ neue Gesetze und Gleichberechtigung verlangte, „einzelne“ Fälle jedoch nicht weiter beachtete. Vielleicht glaubte er sogar, die einzelnen Fälle könnten eher schaden, indem sie die allgemeine Entscheidung hinausschöben, und daß es in betreff einzelner Fälle „je schlimmer, desto besser“ sei. Jener „Allmensch“, wie ich den anderen Typ, jenen alten Doktor, nennen möchte, hat doch, wenn er auch nur ein einzelner war, über seinem Grabe die Bevölkerung einer ganzen Stadt vereinigt. Die russischen Weiber und die armen Jüdinnen haben gemeinsam seine Füße geküßt, haben sich gemeinsam an seinen Sarg gedrängt und zusammen geweint. Achtundfünfzig Jahre Dienst für die Menschheit, achtundfünfzig Jahre unermüdlicher Liebe haben alle wenigstens einmal um einen Sarg in gleicher Begeisterung und in gemeinsamer Trauer vereinigt. Die ganze Stadt begleitet ihn, die Glocken aller Gotteshäuser läuten, und in allen Sprachen werden die Gebete für ihn gesungen. Der Pastor und der Rabbiner reden an dem offenen Grabe, jeder in seiner Sprache, jeder in seiner Art, und doch mit den gleichen Gefühlen. In diesem Augenblick war doch die „Judenfrage“ überwunden! Der Pastor und der Rabbiner haben sich an diesem Grabe in gemeinsamer Liebe vor allen Christen und Juden vereinigt. Was liegt daran, daß jeder, wenn er vom Kirchhof zurückgekehrt ist, wieder in seine alten Vorurteile verfällt? Steter Tropfen höhlt den Stein: diese „Allmenschen“ besiegen die Welt, indem sie sie vereinigen. Die Vorurteile werden mit jedem „einzelnen“ Fall mehr und mehr verblassen und endlich ganz verschwinden. „Über den Alten haben sich Legenden gebildet,“ schreibt Fräulein L., gleichfalls eine Jüdin. Die Legende aber ist der erste Schritt zur Sache; sie ist eine lebendige Erinnerung und ein unermüdliches Erinnern an diese „Besieger der Welt“, denen die Erde gehört. Hat man aber einmal den Glauben gefaßt, daß das wirklich Besieger sind, und daß solchen Menschen wirklich „die Erde gehören wird“, so hat man sich fast schon mit allem ausgesöhnt. All das ist furchtbar einfach, – schwierig scheint nur eines zu sein: nämlich, sich zu überzeugen, daß jede große Gesamtzahl sich aus Einern zusammensetzt. Alles würde sonst auseinanderfallen, wenn diese Einzelnen nicht wären. Diese Einzelnen geben den Gedanken, geben den Glauben, geben das lebendige Beispiel, somit also auch den Beweis. Es ist durchaus kein Grund vorhanden, so lange zu warten, bis alle oder wenigstens sehr viele ebenso gut geworden sind wie sie: es sind nur sehr wenige solcher Menschen erforderlich, um die Welt zu retten, dermaßen stark und mächtig sind sie. Ist dem aber so, – wie soll man dann nicht hoffen?

Notes in this chapter

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