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Sämtliche Werke 13

Erster Teil. Westeuropäisches (continued 3)

E. K. Rahsin translation

4. – Möge man das für die phantastischste meiner Annahmen halten, ich bin im voraus damit einverstanden –: Ich bin überzeugt, daß der Kampf zugunsten des Ostens enden wird, zugunsten des östlichen Bundes, daß Rußland nichts zu fürchten hat, wenn der orientalische Krieg mit dem alleuropäischen zusammenfließt, und daß es sogar besser ist, wenn die Sache derart entschieden wird. Es ist furchtbar, daß so viel wertvolles Menschenblut fließen muß! Doch kann die Überzeugung, daß dieses vergossene Blut Europa vor zehnfach größerem Blutvergießen bewahrt, wenn sich die Sache hinausschieben und nochmals hinziehen würde, immerhin zum Trost gereichen, um so mehr, als dieser große Kampf zweifellos schnell enden wird. Dafür aber wird auf einmal so vieles endgültig entschieden – die römisch-katholische Frage samt dem Schicksal Frankreichs, die deutschen, die orientalischen und die mohammedanischen Fragen – so viel Angelegenheiten werden in Ordnung gebracht, Probleme, die im alten Gang der Dinge ganz unlösbar waren. Und dermaßen wird sich Europas Angesicht verändern, so viel neues Zukünftiges wird in den Beziehungen der Menschen einsetzen, daß es vielleicht unnütz ist, zu trauern und vor diesem letzten Kampf des alten Europas am Vorabend seiner sicheren und großen Erneuerung zurückzuschrecken.

Zum Schluß füge ich noch eine Erwägung hinzu: wenn man es als Regel annimmt, daß man über alle Weltereignisse (sogar über die, welche schon auf den oberflächlichsten Blick von allergrößter Wichtigkeit zu sein scheinen) unbedingt nach dem Prinzip: „heute so wie gestern, und morgen so wie heute,“ urteilen muß, so wird es dann wohl augenscheinlich werden, daß diese Regel entschieden der Geschichte der Nationen und der Menschheit widerspricht. Währenddessen wird gerade dieses Prinzip von der sogenannten realen, nüchternen „gesunden Vernunft“ vorgeschrieben, so daß fast ein jeder, der sich erdreistet, anzunehmen, eine Sache könnte am nächsten Tage vor aller Augen vielleicht anders erscheinen, als am Tage vorher, verlacht und ausgepfiffen wird. Sogar jetzt, da doch schon die Tatsachen sprechen, glauben noch sehr viele, daß die klerikale Bewegung die kleinlichste Sache sei, daß Gambetta eine Rede halten, und alles wieder so wie gestern seinen alten Gang nehmen werde, daß unser Krieg mit der Türkei sehr, sehr leicht vor dem Winter beendet sein könne, und dann wieder das Börsenspiel beginnen, der Rubel erheblich steigen wird, wir wieder ins Ausland reisen werden usw. Die Undenkbarkeit der Fortdauer der alten Verhältnisse war in Europa vor der ersten Französischen Revolution für die führenden Geister eine auf der Hand liegende Wahrheit. Währenddessen aber – wer konnte am Vorabend der Einberufung der Etats Généraux die Form voraussehen, die die Situation beinahe schon am zweiten Tage annahm? Und als die Situation sich verändert hatte, wer hätte dann das Erscheinen Napoleons I. prophezeien können, der doch im Grunde wie ein vorherbestimmter Vollender der ersten historischen Phase derselben Tat, die 1879 begonnen worden war, eingriff? Ja, selbst zur Zeit Napoleons I. schien es in Europa vielleicht jedem einzelnen, daß sein Erscheinen ein vollkommener Zufall war, der nicht im geringsten mit diesem selben Weltgesetz verbunden sein konnte, nach dem sich zu verändern der Alten Welt seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts vorherbestimmt war.

Ja, auch jetzt klopft jemand an die Tür, irgendwer, ein neuer Mensch, mit einem neuen Wort. Er will die Tür öffnen und eintreten ... Wer aber ist Er – das ist die Frage: ist es ein ganz neuer Mensch, oder einer, der wieder uns allen, uns alten Menschen, gleicht!?

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