XII.
Reading edition
Jeg har drevet omkring uden Maal, uden Med,
Livets Guldkorn jeg spredte som Sand,
Jeg har tilsat min Tro, jeg har mistet min Fred,
Og nu staar jeg ved Afgrundens Rand.
Vilhelm Bergsöe.
XII.
Ein chinesischer Schreiber machte eine tiefe Verbeugung vor Mama und eine weniger tiefe vor Jenny und mir, öffnete eine kleine Tür im Hintergrund, meldete uns auf chinesisch und trat dann zurück, um uns in das Allerheiligste eintreten zu lassen. Ich merkte, daß Jenny ganz blaß wurde und ich muß einräumen, daß mein Herz mir gleichfalls in die Schuhe sank – auch aus meinem Gesicht schien alle Farbe gewichen zu sein und am liebsten wäre ich auf den Boden gesunken.
Uns entgegen trat ein hoher, breitschulteriger Chinese in kaftanähnlicher Kleidung und mit allen äußeren Abzeichen eines hochstehenden Mandarins – die gestickte Seidenkleidung, die breite Schärpe, die funkelnden blauen Knöpfe – und bot Mama auf europäische Weise die Hand, indem er sie gleichzeitig aufforderte, Platz zu nehmen. Jenny verbeugte sich tief und trat augenblicklich zurück, um mich vorzulassen.
Li Bai legte seine zarte Hand auf meinen Arm und sagte seinem Vater in seiner Sprache, wer und was die kleine Mädchengestalt vor ihm war, während ich wie ein altes Taschenmesser zusammenknickte und bei meiner Verbeugung, teils aus Ehrfurcht, teils aus Furcht, mit meinem Gesichtsvorsprung beinahe die Erde abwischte.
Als ich wieder auftauchte, das heißt, nach der tiefen Verbeugung meine verwunderten Augen zum erstenmal zum großen Mandarin aufschlug, von dem ich die unbestimmte Meinung hatte, daß er mir sofort den Kopf abschneiden lassen könnte, wenn er es nur wollte, bemerkte ich, daß der Schatten eines Lächelns über sein Gesicht huschte.
Er reichte mir ebenfalls die Hand zum Gruße, was ich eigentlich gar nicht erwartet hatte, und während ich zum zweitenmal eine mißglückte Art von Kotau oder chinesischer Festverbeugung machte, sagte der Mandarin in einer über Erwarten angenehmen Stimme, wenn er auch nur sehr langsam und vorsichtig englisch sprach (denn deutsch sprach er gar nicht):
»Das also ist die Braut meines Sohnes Li Bai, seine vorherige Lehrerin?«
Ich bejahte und verbeugte mich heldenmütig zum drittenmal, worauf der Mandarin mich selbst zu einem Stuhl geleitete und mich mit einer Handbewegung einlud, mich zu setzen, was ich mit meinen zitternden Beinen nur allzu gern tat.
»Wollen Sie meinem Sohn auch weiter helfen, damit er nach, sagen wir Jahresfrist, nach Europa zurückkehren und die höheren Prüfungen machen kann?«
»Ich werde stets mein Bestes tun,« versicherte ich, und dann nahm ich meinen gesamten Mut in beide Hände, denn ich sagte mir mit Recht, daß ich mir meine Stellung jetzt sichern mußte, wenn dies überhaupt je geschehen sollte, und sagte mit der weichsten Stimme und im bescheidensten Tone, den ich hervorbringen konnte, aber nichtsdestoweniger mit einer gewissen Festigkeit in beiden:
»Ich spreche und schreibe viele europäische Sprachen, Herr Ming Tse, und ich würde sehr glücklich sein, wenn ich während einiger Tagesstunden in der Bank als Korrespondent arbeiten dürfte. In London schon hatte ich viel Uebung in dieser Art Arbeit und ich hoffe mit der Zeit auch Sie, Herr Bankdirektor, zufriedenzustellen.«
Die strengen Augen in dem regungs- und ausdruckslosen Gesichte waren scharf und unbewegt auf mich gerichtet, wenn sie auch, ganz wie beim Sohne, von den Lidern halb verborgen waren.
»Schon der Unterricht Li Bais wird viel Zeit in Anspruch nehmen,« erwiderte der Mandarin, aber da ich ihn unverwandt bittend ansah, fügte er hinzu:
»Ich freue mich, zu sehen, daß Sie über ein so reiches Wissen verfügen und werde mich dessen erinnern, sooft ich Ihrer freundlichen Hilfe bedürfen werde.«
Es war nicht viel, was ich erreicht hatte, aber etwas war doch geschehen. Li Bai war sehr unzufrieden, und schon als sein Vater von einer möglichen Rückkehr nach Europa, mehr noch, als er von den Studien sprach (er wollte um jeden Preis, daß Li Bai das Doktorat in moderner Philologie abgelegt hätte), war meines Verlobten Gesicht so lang wie eine Essiggurke und so sauer, wie eine solche geworden, und als ich nun geendigt hatte, begann er dem Vater auf chinesisch etwas vorzureden, jedenfalls eine Weigerung, mich ausgehen zu lassen. Aber der Mandarin war nicht umsonst Mandarin und Vater mit unumschränkter Macht – er befahl ihm, so schloß ich nämlich aus den strengen Mienen des einen und den unzufriedenen des anderen – energisch still zu sein und setzte sich sodann Mama gegenüber, mit der er die Uebergabe der Dokumente und andere Formalitäten besprach, was lange Zeit dauerte.
Bei chinesischen Heiraten werden alle Einzelheiten immer durch einen Zwischenträger ausgemacht, die nötigen Geschenke werden bestimmt und eine bessere Art Kaufvertrag wird aufgesetzt, während der Zauberer den passenden Tag bestimmt. Ist dieser Vertrag einmal abgeschlossen, so ist eine Lösung der Verlobung nicht mehr möglich – es muß erst geheiratet werden, bevor eine Scheidung in Kraft treten kann, daher bricht man einen solchen Kontrakt nie. Hier lagen die Verhältnisse allerdings anders, aber nach den neuen Gesetzen mußte ein genauer Vertrag aufgesetzt werden, den beide Elternpaare unterschreiben mußten und in dem nicht nur das Vermögen beider Teile festgesetzt wurde, sondern auch bestimmt, was für Strafen für dieses oder jenes Vergehen des einen oder des anderen Teils bestimmt werden sollen – auch Bestimmungen mit Bezug auf das Vermögen im Falle einer Scheidung, Teilung der Kinder usw. und auch, wie oft mein künftiger Gatte mir gestatten mußte, heim nach Europa zu reisen und die Fahrt zu zahlen und auch, auf wie lange Zeit ich ihn verlassen durfte, ob und wie viele Kinder ich mitnehmen sollte und vieles andere. Alle drei Jahre sollte ich drei Monate lang bei meiner Mutter oder Schwester in Europa weilen dürfen, das wurde bestimmt. Die anderen Punkte überließ ich ganz Mama zu bestimmen, da wir alles schon vorher gründlich erörtert hatten.
Als der Tag zur Ueberreichung und Unterschreibung des Dokuments vor dem chinesischen Magistrat (auch eigentlich eines Mandarins) und der Eheschließung am gleichen Tage vor dem deutschen Konsulat bestimmt worden war, trat der Mandarin noch einmal vor mich hin und sagte langsam und feierlich:
»Mein Sohn ist Chinese und seine Mutter wie auch er selbst würde gerne, daß die Trauung, wenngleich mit einer Europäerin, doch nach chinesischer Sitte gefeiert werden möge. Wollen Sie sich darin den Sitten unseres Landes fügen?« Die Frage war leidenschaftslos gestellt, aber schien mehr einen Befehl als eine Bitte zu enthalten.
Ich stimmte sofort zu. Warum sollte ich mich weigern, Li Bai und meiner zukünftigen Schwiegermutter diesen Gefallen zu tun? Mein Herz klopfte nicht wonnig beglückt, wie das einer europäischen Braut, die im weißen Gewande und mit Myrthenkranz und Schleier in eine frohe Zukunft blickt – ich hoffte nur Friede, nur ein wenig Freude und Rettung vor der schreckvollen, graueneinflößenden Einsamkeit. Ich würde mein Bestes tun, mich ganz wie eine Chinesin an diesem Tage zu benehmen, ob ich mich wohl dabei fühlte oder nicht. Dies würde Li Bai gewiß mild stimmen und ihn vielleicht zärtlich gegen mich machen, und danach fühlte ich plötzlich einen brennenden Wunsch. Wenn mich in allen diesen Zweifeln und Bangen doch jemand, der mich selbstlos oder meinetwegen selbst selbstsüchtig liebte, in die Arme genommen hätte! Ich kam mir so furchtbar verlassen und schutzbedürftig vor.
Es war zuerst – als ich noch in Europa war – festgesetzt worden, daß Li Bai und ich einen Haushalt nach europäischem Muster haben und nicht mit der ganzen Familie zusammen wohnen würden, aber nun sagte mir der Mandarin, daß es so furchtbar schwer gewesen sei, eine passende Wohnung zu finden, daß er es für ratsam halte, mich zu bitten, auch eines der für die verheirateten Söhne bestimmten Häuschen zu beziehen, da ich mich weder um die Küche noch um sonst etwas zu kümmern haben würde – alles würde für mich gemacht werden.
Ich war betroffen, da ich mich immer geweigert hatte, unter demselben Dache – und sei es noch so groß – wie meine gelbe Schwiegermutter zu wohnen, aber nachdem mich Li Bai mit Bitten bestürmte und mir versicherte, daß wir ganz abgesondert leben würden, ganz genau wie draußen, und daß er so gern bei seiner Mutter bliebe, daß es sich ja nur um die Wintermonate handle und wir im Sommer gewiß eine eigene Wohnung haben würden und bald wieder nach Europa gingen usw., wie eben ein Mann, der etwas erreichen will, reden und überreden kann, so sagte ich endlich, wenn auch gegen meinen Willen und gegen meine innere Ueberzeugung »ja und Amen«, das Einzige, was mir zu sagen übrig blieb.
Daraufhin bat ich den gestrengen Schwiegervater noch einmal höflich, meine Sprachkenntnisse nicht zu vergessen und über mich zu verfügen, tauchte noch einmal ehrfurchtsvoll unter, um nicht europäisch unhöflich zu erscheinen, und als dies geschehen, gingen wir. Ohne es zu wissen, hatte ich mir den schwer einzunehmenden Mandarin zum Freunde gemacht. Es sollte eine Zeit kommen, wo ich dies sehr, sehr angenehm empfinden würde.
Meine Schwiegermutter sollte ich erst am Tage der Eheschließung kennenlernen, nur mein Bild und die Beschreibung des Mandarins gaben ihr einen schwachen Begriff von dem Geschöpf, das nun ihren Sohn beeinflussen würde, denn fürchtete ich den Einfluß der Schwiegermama – des gefürchtetsten aller Tiger – so war auch sie nicht ohne Furcht vor der verhaßten Europäerin.
Wie die nächsten zwei Wochen vergingen, kann ich kaum sagen. Mir schien es, als sei alles nur ein böser Traum, aus dem ich erwachen mußte, sei es, um mich in liebenden Armen weich beschützt zu finden, sei es, um mich von schlitzäugigen Furien verfolgt zu sehen – eins nur fühlte ich, daß ich vor der Pforte stand, die in ein neues Reich führte, und daß die Pforte merkwürdig verschnörkelt und sehr fremdartig war.
Wir wanderten die ganze Zeit in den Gassen von Tientsin umher. Mama und Jenny machten allerlei Einkäufe, wobei uns erfahrene Europäer sehr liebenswürdig an die Hand gingen. Wir besuchten den großen Park, der nun öde im Winterkleid vor uns lag, besuchten die großen Warenhäuser, zu denen riesige Fahrzeuge während acht Monaten des Jahres Waren von ganz China und von vielen anderen Erdteilen brachten, studierten die orientalische Kunst in Tempeln mit schrecklichen Götzenbildern (es ist eigentümlich, welche Vorliebe die Asiaten für graueneinflößende Gebilde haben, denen man überall begegnet), in Kunstgeschäften und in den Häusern solcher Europäer, die wir kannten und die große Sammlungen solcher Bilder hatten. Eigentümlich ist bei allen Bildern der Mangel jedweden Schattens und jedweder Perspektive. Ein Mann ist größer als das unmittelbar danebenstehende Haus, ein Baum ist kleiner als ein Pferd, und alle Personen, Tiere und Sachen haben, wie einst Peter Schlehmil, ihren Schatten verkauft – oder so scheint es. Einzig in ihrer Art sind die Porzellanmalereien, bei denen man diesen Mangel nicht fühlt. Die Farben sind großartig gewählt und die Feinheit der Arbeit unnachahmlich, besonders schön aber sind alle Elfenbeinschnitzereien und Papierrollen mit chinesischen Zeichen.
Wir gingen auch in eine Seidenspinnerei. Die chinesischen Seidenraupen sind viel größer als die europäischen und werden auch in vielen Privathäusern gehalten und gezüchtet. Man spannt ein großes Stück Papier von der Form eines Tischtuches auf ein Brett und setzt sodann die Seidenraupen an beide Enden, die nun über das Papier hinkriechen und ihre dicken leuchtenden Fäden ziehen. Die chinesische Seide ist viel dicker, widerstandsfähiger und schöner als die europäische und wird dort, so wie bei uns Wollstoffe, für alle Kleider verwendet. Mama und Jenny waren entzückt davon und kauften eine ganze Menge Seidenstoffe ein, obschon ich ihnen sagte, daß sie furchtbar hohen Zoll dafür bezahlen würden.
Auch auf mich machte all das Neue und Schöne einen angenehmen Eindruck, aber ich war zu geschwächt, um mich wirklich dem Genuß alles dessen hingeben zu können. Auch hatte ich meine vorige Genußfähigkeit in hohem Grade eingebüßt – ich konnte nicht mehr so froh sein, als mir dies früher möglich gewesen. Wer einmal die Tore des Todes sich hat öffnen sehen – noch dazu aus eigenem Antriebe – wer sich ihnen bewußt Schritt auf Schritt genähert hat, wem sie dunkel und schaurig wochenlang entgegensahen, dem scheint der Rest des Lebens ein Geschenk, er lebt nicht mehr als Schauspieler auf der Bühne des Lebens, wo alles entweder Tragödie oder Komödie, doch in den meisten Fällen Tragikomödie ist, sondern nur mehr als Zuschauer, für den das Leben noch Interesse, aber nicht mehr das tätige Interesse hat. Er bleibt – weil er nicht gehen kann, aber im Innern ist eine Saite jäh zerrissen.
Ich hatte einsehen gelernt, daß der Begriff »Zeit« eine Illusion ist, daß eine Qual nur deshalb so unerträglich scheint, weil wir in unserer Beschränktheit nicht ihr Ende sehen können, weil sie uns »ewig« dünkt und wir glauben, daß wir »nie« über sie hinwegkommen werden. Aber wenn wir gelernt haben, daß es nur gilt, dem »Heute« aus dem Wege zu gehen, gut oder schlecht durch die Gegenwart zu gleiten, so sind Zukunft und Vergangenheit besiegt. Wenn es uns nur gelingt, die augenblickliche Pein zu dämpfen oder ihr aus dem Wege zu gehen, so ist alles gewonnen. Morgen ist nicht mehr heute und was heute unabwendbar und unveränderlich erscheint, hat morgen schon eine Wendung der Umstände uns aus dem Wege geräumt. Die Schwierigkeit des Lebens liegt im Erträglichmachen und Umgehen des Heute. In diesen zwei Wochen lebte ich nicht – ich ließ das Leben an mir vorübergleiten und daher brachte es keine neuen Aufregungen mit sich.
Mama war sehr zufrieden – Chinese oder nicht Chinese – so war Li Bai doch ein reicher Mann, eine »Partie« wie man bei uns sagt, sein Vater Mandarin, Bankdirektor und einflußreich in Tientsin und über diese große Stadt hinaus. Was wäre da noch weiter zu bedenken? Ob ich glücklich sein werde? I, du Himmel, das hängt von mir ab, nicht von den Müttern. Daß ich so weit entfernt sein werde? Was tut's? Die Verwandten werden sich dennoch über meine Verheiratung ärgern und das genügt Mama. Jenny war zu jung, zu leichtsinnig, zu unerfahren, um sich über mein künftiges Schicksal den Kopf zu zerbrechen. Ich war mit dreizehn Jahren fühlendes, urteilendes Weib gewesen, meine Schwester würde mit vierundzwanzig möglicherweise auch noch »Kind« sein. Daher lachte Jenny den ganzen Tag und Mama sah überaus glücklich aus. Ich war ruhig – weder froh noch traurig – ich schwieg und ich – lebte.
Es ist beklagenswert, daß Mütter auch in Europa geradeso unempfindlich gegen das Geschick ihrer Kinder in einer Ehe sind, wie die phlegmatischen Asiaten, die auf ein Mädchen als unnütze Last herabsehen. Europäerinnen, die in den eleganten Salons und beim five o'clock-Tee die Hartherzigkeit der gelben »Barbaren« so streng verurteilen, gehen oft heim und tun desgleichen. Sie verhandeln ihr Kind an reiche Männer oder solche, die Titel und Würden aufweisen können und die sonst den Eindruck machen, als habe sie der Tod vergessen – alt, häßlich, lasterhaft, brummig und krank – und reden dem ahnungslosen jungen Dinge vor, daß es sich »die Hände oder wenigstens die Finger ablecken muß« eine so gute Partie gemacht zu haben. Sie zwingen mit Drohungen und Versprechen das junge Mädchen in eine solche Ehe und tun dann hocherstaunt, wenn dasselbe sich tief unglücklich fühlt. Sie sprechen unter Umständen noch von »schreiendem Undank«, wenn die junge Frau, die zu spät die volle Bedeutung des Begriffs »Ehe« kennengelernt hat, fühlt, daß die ihr auferzwungene Pflicht über ihre Kräfte geht, und das einzige Mittel ergreift, das ihr in der Regel offensteht, mit einem jüngeren Manne zu fliehen oder sich mindestens mit ihm neben dem reichen Gatten zu trösten, was die Mütter viel milder beurteilen als die Flucht. Bleibt das Geld auf diese Weise doch erhalten! Und das nennt man »europäische Kultur«. –
Die Vorbereitungen hatten etwas über zwei Wochen Zeit in Anspruch genommen – das allermeiste war schon vorher schriftlich erledigt worden, und nun hatten Mama und der Mandarin täglich Konferenzen über die Ausstattung des künftigen Heims, das halb chinesisch, halb europäisch eingerichtet werden sollte, über die Mitgift und ihre Verwaltung, über die Hochzeitsfeierlichkeiten usw.
Der Zauberer hatte den dritten November als den passendsten Tag für unsere Verbindung festgesetzt, und alle hatten sich damit einverstanden erklärt. Morgen sollte ich von chinesischen Mädchen in chinesische Roben gesteckt und in den Brautsessel gehoben werden, der mich in feierlichem Umzug zum Hause meiner Schwiegereltern zu bringen bestimmt war. Die europäische Eheschließung sollte jedoch schon in den Vormittagsstunden in europäischer Tracht auf dem Konsulate vollzogen werden.
Ich sah Li Bai nur auf Augenblicke in allen diesen Tagen, da er bis über den Kopf in Hochzeitsvorbereitungen steckte. Trafen wir uns endlich, war er so höflich und so – zurückhaltend wie immer.
Und die Stunden verflossen und das gefürchtete »morgen« wurde »heute«.
A. F. Seebacher
