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Gedichte

XII. Denkzettel.

Reading edition

Offenes Visier.

Schlag frei des Geistes Auge auf im Angesicht der Welt Und modle deine Rede nicht, daß allen sie gefällt; Der Feige gibt ein schillernd Wort gelegner Deutung hin — Ein Sinn beherrsche jedes Wort; doch nie das Wort den Sinn.

Karriere.

Er stieg von Amt zu Amt mit stetem Glück, Verkehrte höflich selbst mit Erzhallunken, Wich freundlich hier und freundlich dort zurück — Und so ist er gemach emporgesunken.

Der Diplomat.

Herr Luchs spricht keinem Menschen nach dem Mund; — Und doch gelang es ihm, so hoch zu steigen? Ja: denn der Schalk versteht die feinre Kunst, Den großen Herren nach dem Ohr zu schweigen.

Ein Korrekter.

Das ist ein Kerl nach der Zeiten Gebot! Und bät ihn Gott selbst um ein Stücklein Brot, Er fragte zunächst, was, wenn er’s schenke, Die vorgesetzte Behörde denke.

An eine kleine Pharisäerin.

„Dieser Mann ward arm durch eigne Schuld! Und mit voller Hand sollt’ ich ihm geben?“ Edle Dame voller Lieb’ und Huld, Ja! — Denn von der Schuld kann er nicht leben.

Den Feinden der Mode.

Wer schilt mir noch die Mode gar? Erscheint’s euch denn so wunderbar, Daß, was die „halbe Welt“ beglückt, Die andre Hälfte mit entzückt?

Auf einen feisten Monarchen.

Kein Schlemmer hat bei Spiel und Bauch-Ergetzen Solch ein Gewicht wie König Rülps erreicht. Auf seinen Grabstein wird sein Volk ihm setzen Das schlichte Wort: „Er sei der Erde leicht!“

Der Snob im Theater.

Des Volkes Stimme macht Ihm nie Beschwerde; Ihm gilt kein Urteil, das nicht Er gefällt. Er hält ein ganzes Volk für eine „Herde“, Eh’ Er Sich Selbst für einen Ochsen hält.

Auf einen bürokratischen Emporkömmling.

I.

„Wem Gott ein Amt gibt, gibt er auch Verstand.“ O Lügenwort, das Ohnmacht sich erfand! Dem Flachkopf, der durch Gunst ein Amt erklommen, Hat Dünkel bald den Rest von Hirn genommen.

II.

Seitdem er stieg, trägt er ein frommes Kleid. Ich schätz’ ihn wegen dieser Dankbarkeit. Er fühlt’s: So dumm sein und so hoch es bringen, Das geht nur zu mit überirdschen Dingen.

III.

(Er ist vermählt.)

Justitia fit. Wer draußen wird geplagt, Der findet still daheim, was ihm behagt. Und wer im Amte frech auf Stelzen wandelt, Wird meist zu Hause subaltern behandelt.

Aktuell um jeden Preis.

„Nur aktuell, und ganz im Dienst des Tages stehn!“ Der Edle schreit es aus als Grundsatz seiner Zeitung. Das Korn vom Tag vorher mag auf dem Halm vergehn; Dem Mäusedreck von heut verhilft er zur Verbreitung.

Auf einen Skandal-Journalisten.

Er schimpft und tobt, ein wahrer Schlammvulkan! Und tut dabei, als ob nicht Haß ihn triebe. Und wahrlich habt ihr Unrecht ihm getan: Er schimpft wie eine Priesterin der Liebe.

Auf einen Redakteur.

Wie kommt der Wicht dazu — beim Element! — Sich mastig wie ein Osterochs zu dehnen? — Der Mann besitzt das Recht und das Talent, Die Werke eines Shakespeare abzulehnen.

Auf einen finsteren Kunstrichter.

Kein Geschöpf trägt seinen Namen; Hoffet nicht, ihn zu erbitten. Unfruchtbare alte Damen Haben schrecklich strenge Sitten.

Passende Beschäftigung.

Neidgelber Schuft, du suchst dein Element? Leck ab die Stiefel aller fremden Dichter; Das spuck den heimischen in die Gesichter, So wirst du ein moderner Rezensent.

Der Einzige und sein Eigentum.

Er ist und bleibt der schärfste Rezensent; Denn just das Beste ist für ihn das Schlechte. Ist jedes Buch, das er als gut erkennt, Ein frecher Eingriff doch in seine Rechte.

Auf einen Pornographen.

Er hat Talent. Nur muß er sich ergehen In Schweinerei’n: so glückt ihm sein Gedicht. Die Muse hat — verzeihlichstes Versehen — Geküßt ihn aufs konträre Angesicht.

Beliebtes Rezept.

Das faßt die Jugend heut beim ersten Wink: Die Ruhmbekränzten muß man dreist vermöbeln! Selbst kann man nichts — so bleibt nur eins: sich flink An Männern von Verdienst emporzupöbeln.

Einem Pessimisten.

Von Weltverachtung strotzen deine Lieder — Und langst doch gierig nach des Ruhmes Kränzen. Du lügst. Wem diese Welt im Grund zuwider, Verachtet es gewiß, in ihr zu glänzen.

Einem jungen Welthasser.

„Unzufrieden bin ich mit der Welt!“ Also rufst du trotzig und entschieden. Hast du, junger Freund, schon festgestellt, Ob die Welt denn wohl mit dir zufrieden?

Wohlgemeinter Rat.

Du sollst dich nie so weit verlieren, Mit einem Esel zu disputieren. Deine schärfsten Beweise erscheinen ihm ja Als kollegiales Y—a, Y—a.

Homo novus.

Da seht mir den Parvenu, den verrannten: Er will nicht von tierischen Ahnen kommen! Kaum ist er ein wenig emporgeklommen, Verleugnet er schon seine nächsten Verwandten.

Den Rückwärtsern.

I.

„Historisches Werden! Historisches Wachsen!“ Mit euren Phrasen! Mit euren Faxen! Werden und Wachsen — kann’s denn geschehn Ohne die Sonne neuer Ideen?

II.

Neue Ideen (wie die Sonn’ im Lenz!) Treiben aber mit Vehemenz. Oder verlangt ihr von Alt und Jung Temperierte Begeisterung?

III.

Um die Rechte des Volks zu morden, Was nicht habt ihr als Recht gefodert! Ja, euer Recht war historisch geworden; Aber nun ist es historisch vermodert.

Der dichtende Schimpfbold.

Hei, wie hast du die andern verrissen! Und nun du selber? Du „dichtest“ ja vieh’sch! Eines, Freundchen, solltest du wissen: Schimpfen verpflichtet. Poeblesse oblige.

Auf einen Rezensenten.

Der Mann verriß die Verse aller Dichter — Sein erstes Lied erweist ihn als gerecht: Nicht war er andern nur ein harter Richter, Er macht auch seine eignen Verse schlecht.

Der Geheimnisser.

Ein „Magus des Nordens“ in jedem Gedicht, Fügt er geschäftig Reim an Reim. Ob er gedacht dabei oder nicht, Das hält er wunderbar geheim.

Auf einen Herausgeber,

der von einem Schriftsteller namens Alfred Gold abschrieb.

I.

Oh, sein Talent ist nicht so eng begrenzt! Vielseitig ist er schon, der Sakramenter! Es ist nicht alles „Gold“, was bei ihm glänzt; Nein, hin und wieder stahl er auch bei Schlenther.

II.

Kein schmählicher Verdacht verkenne ihn! Er ist ein ehrliches, ein braves Haus; Er ist ein neuer heiliger Crispin: Er stiehlt nicht nur; er gibt ja auch heraus.

III.

Siegfried der Niblung war kein übler Herr: Doch deine Glorie zehnfach heller prangt. Er war defekt; doch du bist integer. Ich meine: was die Hornhaut anbelangt.

Der Mystikus.

O hättest du immer „dunkel“ geschrieben, Du wärst ein Symbolist geblieben! — Zum ersten Male schrieb er klar — Da sah man’s, daß er ein Simpel war.

Neustes Rezept für Lyrik.

Paßt in den Vers das Wort, das mir vonnöten, So halt ich’s mit der Klarheit und mit Goethen. Gerät der Ausdruck mir konfus und schief, Alsdann, ihr Trottel, bin ich eben tief.

Auf einen Minister.

Das ist ein Mann! Soll er was Rechtes tun, So hält er’s „jetzt noch nicht für opportun“, Und hilft ihm keine Ausflucht dran vorüber, So stellt er sich „sympathisch — gegenüber“.

Auf einen Parteiführer.

Ei, seht mir doch den alten Freiheitsknaben! Wie seine Herrschsucht alles niederhaut! Die Freiheit liebt er, traun, wie eine Braut; Er möchte sie für sich alleine haben.

Emanzipierte Frauen.

Ihr spielt mit falschen Bärten, liebe Närrchen. Wie gern vertraut man echten, starken Frauen! Nun aber seid ihr nachgemachte Herrchen — Kein Laie wird, kein Geistlicher euch trauen.

Der kreißende Dichter.

Ein großer Wurf liegt ihm im Sinn, Wie wogt sein Dichterbusen! Gleich fallen alle Neune hin! Zwar Kegel nicht, doch Musen.

Warnung.

Setz, was du willst, mein Freund, den Deutschen vor, Nur keine — wenn ich raten darf — Komödie. Sie richten Lerchenlied und Rosenflor Standhaft nach den Gesetzen der Tragödie.

Pharisäer und Heuchler.

Wie um Kleist, um Hebbel sie klagen In spätem Bewunderungsfieber! — Hört zu: Sie wurden erschlagen Durch Kerle von eurem Kaliber.

Der „Tiefe“ im Lustspiel.

Und lachen Götter und Menschen und Engel — Er ist zu bedeutend; drum lacht er nie. Recht hast du, erhabener Würdebengel; Das Lachen scheidet den Menschen vom Vieh.

Auf einen Polizeiminister.

In jeglichem Erlasse trachtest du, Wie du mit Ketten fester uns umschließest. Das wär’ fürwahr dein trefflichster Erlaß, Wenn du dich selber uns erließest.

Diplomatie.

Seid ihr mit Pulver und Blei bewehrt, Dann laßt die Diplomaten schalten! Die werden solange den Frieden erhalten, Bis einer von ihnen den Krieg erklärt.

Der Bescheidene.

„Ich weiß, ich habe viel und große Mängel!“ Er spricht es nicht mit Scham, nein, mit Erdreisten! Und denkt bei sich: Ein so famoser Bengel Wie ich kann sich ein Schock von Fehlern leisten.

Kein Wunder.

Das wär’ mein Stück? Das kann ich nicht verstehen! Als baren Unsinn zeigt mir’s dieser Mann! „Ich ließ dies Drama durch den Kopf mir gehen,“ So schreibt der Kritikus. Ja freilich: dann — —!

Auf einen Hosenknopf-Naturalisten.

„Fort von der Bühne Traum- und Fabelwesen! Man spuke nicht! Allein man spucke dreist!“ O wäre Shakespeare doch wie du gewesen! Wir hätten einen Hamlet ohne Geist.

Bescheidenheit.

Wir sagen’s frei: „Wir Menschen irren alle.“ Bescheidenheit stand keinem jemals schlecht. Nur — zeigt man uns an einem Einzelfalle, Daß wir geirrt — so sind wir da im Recht.

Hinc illae lacrimae.

Es gibt kein Stück, das ihn bewegt; Er beißt und spuckt wie nur ein Lama. Wo sonst ein Herz den Menschen schlägt, Trägt er ein ungespieltes Drama.

Le précieux ridicul de Berlin.

Er ist ein Fatzke, meiner Seel’; Doch manchmal hat er auch Urteil und Schick, Und kurz und gut: er ist ein Juwel Im Schmockkasten unsrer Theaterkritik.

Der lautere Künstler.

(Faust I, Hexenküche.)

Weh denen, die durchs Drama Geld erwarben! Mit Gift bespeit er sie in vollen Garben. Wie glücklich würde sich der Affe schätzen, Könnt’ er nur auch in jenes Lotto setzen!

Zierden des Vaterlands.

(1910.)

I.

Vier Anonymi fielen mich an: Ich sei — bum bum! — kein deutscher Mann. Lieb Vaterland, magst ruhig sein: Vier Hunde kneifen die Schwänze ein.

II.

Verzeiht, ich habe mich geirrt; Schaut her, wie sich das Bild entwirrt: Nicht vier der Hunde — das muß ich ergänzen — Ein Köter war es mit vier Schwänzen.

Altes Lied von der Zufriedenheit.

Herr Plutus lehrt bescheid’nen Sinn; Er singt so schön, er singt so gut: „Was fragt ihr viel nach Geld und Gut, Wenn ich zufrieden bin?“

Inschrift.

Warum ihr Frau Justizia heut Mit einer Binde schaut? Sie sieht nicht, was das Zünglein deut’, Und nicht, wohin sie haut.

Ein Biedermann.

„Mir handelt es sich nie um die Person! Mein Sinn ist auf die Sache nur gestellt!“ Er überzeugt durch echten Herzenston; Denn jene hehre Sache ist das Geld.

Verbesserte Auflage.

Zum zweitenmal erscheinen deine Lieder. „Verbessert“ schriebst du drauf mit kühnem Sinn. Ich blätt’re zweifelnd nach — und blätt’re wieder — Und wirklich sind jetzt weniger darin.

Der beliebige Meyer.

Ich bin blamiert! Ich bin moralisch tot! Mein Ruhm ist futsch! Mein Ansehn ist zum Geier! Denn Meyer schreibt, ich wär’ ein Idiot. Wer? Meyer! Meyer??! Ausgerechnet: Meyer.

Meyer II.

Daß nichts ich kann, sucht Meyer euch zu zeigen; Was kann dagegen Meyer, dieser Held! Er kann mir rückwärts auf- und niedersteigen Und Einkehr halten, wo es ihm gefällt.

Meyer III.

Er hat ein Stück um ein Klosett geschrieben, Und dennoch ist es ungespielt geblieben. Dies sei dir Trost, du wilder Stückerichter; Noch spielt man nicht die wahren Afterdichter.

Derselbe.

Den Abort hat er in ein Stück gebrungen Und ist damit nicht an das Licht gedrungen. Hinfüro hat er fremde Kunst besprochen, Und sieh: Der fromme Dichter wird gerochen.

Hartgesotten.

„Geh in dich!“ rief ein Moralist, „Gott warnt durch mich zum letzten Male!“ Was gab zur Antwort der Sophist? „Ich gehe nicht in schlechte Lokale.“

„Haltet den Dieb!“

Ei, ob der Mann gescheit ist, sapperlot! Soll er ein Drama mit Kritik bedenken, So schimpft er „Schwachkopf“, „Stümper“, „Idiot“, Um auf den Dichter den Verdacht zu lenken.

Ein Typus.

Mit neunzehn entließ ihn die Oberklasse; Dann hat eine Zeitung ihn angestellt; Mit zwanzig ertrank er im Tintenfasse Und richtet von dort aus nun Menschen und Welt.

Nil admirari.

Das ist dein Grundsatz: „Ich bewundre nie. Und bringt ihr zehnmal Gold — ich nenn es Messing.“ Ja, zeugte kalte Schnauze von Genie, Dann wäre freilich jeder Hund ein Lessing.

Je nachdem.

Hand aufs Herz und ohne Phrasendunst: Fällt nicht euer Urteil ganz, „wie’s trefft“? Wenn ihr’s selber machtet, war es Kunst; Wenn’s ein andrer machte, war’s „Geschäft“.

Auf einen Berliner Preßjüngling.

Wie du die Dichter schmähst mit sittlichem Erbosen, Das, holder Freund, muß jedem klar beweisen: Wär’n ihre neuen Stücke alte Hosen Und deine Ware, würdest du sie preisen.

Der Selbstdichter.

„Noch fehlt uns das moderne Trauerspiel, Mit dem ein Shakespeare bald uns überrasche! Das Drama unsrer Zeit im großen Stil — — —“ Na ’raus damit, du hast’s ja in der Tasche.

Noch einer von den vielen.

(Frei nach Gerhart Hauptmann.)

Auch dieser Schimpfbold schrieb ein Trauerspiel Mit Namen „Sehnsucht“, welches nicht gefiel. Weshalb er mir den Hals nun umzudrehn sucht. A jeder Schmierfink hat halt seine „Sehnsucht“.

Ältester Adel.

Wähne sich auch noch so alt dein Adel — Herr v. Protz trägt ältren Adels Zier. In der Wüste sonder Furcht und Tadel Sprang sein Ahn schon um das goldne Tier.

Poetaster.

Wer nach dem Ausdruck sucht, ist darum nicht schon Poetaster; Wer nach Eindrücken sucht, das ist der Stümper von Fach.

Die „Ernsthaften“.

Die rechten Kritikaster die seyn finster; Ein hell und herrlich Jauchzen bringt in Zorn sie, Und lacht aus ödem Kraut ein goldner Ginster, So schnaubt und grunzt das seriöse Hornvieh.

Auf eine Reklamegröße.

Wie kommt’s, daß diesen Dichter alle kaufen? Man ist nach seinen Büchern auf der Jagd! Wie macht’ er nur so schnell sich einen Namen? Ei, einen Namen hat er sich — gemacht.

Auf einen Jambenrassler.

Das brüllt und lärmt und spritzt nach jeder Richtung Und ist ein ewig Gischt- und Schaumgetrief’! Ein wildes Wasser, Freund, ist deine Dichtung — Und stille Wasser, sagt man, wären tief.

Auf einen käuflichen Literaten.

Zehntausend Bogen füllt nun dein Geschmier; Für Lug und Schwindel wächst dir Gold in Klumpen. Drum wandelst du dich mählich in Papier, Und das ist freilich der Beruf der Lumpen.

Der Handelsmann im Norden.

Ja, „Rundschau“ nennt er sein Monatsheft (Man ergänze: „über mein Büchergeschäft“!) Und tut wie der einzige große Christoffer. Nicht „Rundschau“ sagen! Sag: „Musterkoffer“.

Nur bescheiden.

Wer Großes mit Bewußtsein schafft, Den nennen die Lumpe dünkelhaft. Ein rechter Leu muß, wie sie meinen, In einer Eselshaut erscheinen.

Die Rechten.

Und bist du der beste der Menschen gewesen, Und öffnet Gott selbst dir das Himmelstor, So rufen just die gemeinsten Streber: „Er drängt sich vor!“

Der größte Lacherfolg.

In allen Künsten dieser Zeit Wetteifert vieles in Lächerlichkeit. Eins aber bleibt ohne Konkurrenz: Die große Gebärde der Impotenz.

Einem kleinen Kometen ins Stammbuch.

Der Himmel blüht von Millionen Welten — Wir blinzeln faul hinauf und gehn fürbaß. Du aber bist geschwänzt und machst dich selten — Begeistert sucht dich jedes Opernglas.

Amnestie.

Wie? Alles lobt und preist mit vollen Wangen Ihn, dessen Werk man gestern frech verhöhnt? Ihm starb sein Weib. Von Wahnsinnsnacht umfangen, Ging er ihr nach. Nun ist der Neid versöhnt.

An ein Rauhbein.

Was höhnst du die Höflichkeit so bitter Und die guten Formen, die feinen und zarten? Sie sind die unentbehrlichen Gitter In einem zoologischen Garten.

Das „Dr.“ vor dem Namen.

Tief vor deinem „Drrrr“ soll ich erschauern, War dies „Drrrr“ doch deines Studiums Zweck. Sterb einst ich, so wird mein Name dauern; Stirbst hingegen du, so bleibt ein Dr...

Auf einen Rezensenten namens Kuh.

Herr Kuh versucht, mich in den Staub zu zieh’n. Wieso denn „Kuh“? Warum so feminin?

Falsche Rechnung.

„Viele Hunde sind des Hasen Tod“; Also hetzt ihr wie die schwere Not. Dennoch geht der Fang euch aus der Nase; Seid ihr Hunde, bin doch ich kein Hase.

Disputation.

„Ich opfre dem Glauben gern den Verstand! Das muß man!“ schrie er fromm entbrannt. Vergiß nur nicht, mein lieber Mann, Es kommt auf die Größe des Opfers an!

Ein Frommer.

„Willst du vollkommen sein“ — das fiel ihm ein — „Verkauf dein Gut und gib’s den Armen hin!“ Und er empfand’s mit dankerfülltem Sinn: Gottlob! ein Mensch kann nicht vollkommen sein!

Unsere Protestanten.

„Kampf gegen jede Fäulnis und Zermorschung! Gewissensfreiheit! Freie Bibelforschung!“ — Wie hab’ ich euren Mut so oft bewundert; Das alles fordert ihr — fürs sechzehnte Jahrhundert!

Den Dunkelmännern.

Was nicht ihre Gesinnung bekundet, Schelten sie „unreif“ mit bösem Gekeif. Ist denn die Distel darum reif, Weil sie dem Esel mundet?

Ökonomie.

Ward je ein großes Glück dir zugemessen, Zwei Drittel schiebe still davon beiseit’. Bei einem denk’: „Das wird die Scheelsucht fressen“; Beim andern sage dir: „Das frißt der Neid“.

Der Prophet im Vaterlande.

Sie ehren das Große der Heimat nie. Sie schließen im stillen nach Analogie: Wie wüchsen wohl große Geister hier, Wo solche Kälber gedeihn wie wir.

Illustration from Gedichte
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