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Ein Volk in Waffen

44. Die B(apaumer) Z(eitung) am Mittag.

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Bapaume hat auf seinem kleinen Marktplatz ein Rathaus, das für ein Landstädtchen eine ganz prächtige, auf einer Arkade in gotischem Stil errichtete Fassade hat. An einer Säule hängt eine Anschlagtafel, auf der täglich die letzten Kriegsnachrichten zu lesen sind. In Bapaume erscheint nämlich eine am Orte gesetzte und gedruckte Zeitung, die »B(apaumer) Z(eitung) am Mittag«, deren Redakteur Herr Clewing ist. Sie erscheint in einer Auflage von 600 Exemplaren, immer nur eine Seite mit großen Lettern auf gelbem, dünnen Papier.

Die »Bapaumer Zeitung am Mittag« befolgt die gleichen ehrlichen Grundsätze wie die ganze deutsche Presse, die ihre große Verantwortung gegenüber der Nation und der kämpfenden Armee wohl erkannt hat. Für die Soldaten, die Tag und Nacht die schwerste Last zu tragen haben und fürs Vaterland ihr Leben hingeben, ist nur die Wahrheit, die reine, klare Wahrheit gut genug. In den Ländern der Entente hat die Presse noch eine besondere und sehr wichtige Aufgabe, die der deutschen Presse nicht obliegt, nämlich die, den Mut der Soldaten anzufeuern und die Hoffnungen der Masse des Volkes aufrechtzuerhalten. Da nun frohe Nachrichten dort sehr dünn gesät sind, werden sie in den Redaktionen der verschiedenen Zeitungen fabriziert. Die deutsche Presse braucht nicht den Mut der Nation anzufeuern, er brennt in klarer, reiner Flamme! Das deutsche Volk verlangt von seiner Presse, die ganze Wahrheit zu erfahren, sei sie nun gut oder schlimm. Gute Nachrichten werden nicht aufgebauscht, schlimme nicht unterschätzt. Die ganze Nation will über alle Kriegsschauplätze gut orientiert sein und ihre Zukunftspläne nicht auf einem auf die Dauer doch unhaltbaren Gewebe von Lügen aufbauen. Ist es verkehrt gegangen, so ist es am besten, man erfährt das Unglück in seinem ganzen Umfang, um die Schäden wieder gutmachen und sie in Zukunft vermeiden zu können. In Deutschland verläßt sich das Volk auf die Wahrhaftigkeit und das Verantwortlichkeitsgefühl der Presse. Da strömen die Freiwilligen zu Hunderttausenden unter die Fahnen, ohne daß Künste und Fälschungen angewandt werden müssen. Sie treibt der germanische Geist, Nationalstolz, Pflichtgefühl und Ehrgeiz. Nicht ein Waffenfähiger zaudert, hinauszuziehen und zu sterben; denn das ist allen klar: will die Vorsehung, daß Deutschland untergeht, so soll wenigstens der letzte Deutsche auf der letzten Schanze gefallen sein, wenn die Wellen über dem Wrack zusammenschlagen. Deshalb hat in diesem Krieg die Presse der Zentralmächte eine viel leichtere Aufgabe als die Presse der feindlichen Länder. Sie hat nur den Verlauf der Ereignisse zu registrieren und die Neuigkeiten aus Ost und West und von fernen fremden Meeren mitzuteilen; sie braucht aber nicht zu dem ehrlosen Mittel zu greifen, ihre Leser zu betrügen und mit erdichteten Siegesnachrichten neue Scharen in die Werbelokale zu treiben.

Jeden Tag, sobald die »B. Z. am Mittag« erschienen ist, versammelt sich vor der Anschlagstafel des Bapaumer Rathauses eine Gruppe eifrig lesender Soldaten. Es ist erfrischend, sie zu beobachten. Zigaretten oder Pfeifen im Munde, die Hände in den Hosentaschen, lesen sie langsam und genau. Noch sind kaum andere als frohe Nachrichten zu melden gewesen, aber die Soldaten bewahren ihre Ruhe. Höchstens kann man ein schwaches Lächeln bemerken oder ein Aufblitzen in den Augen. Dieselbe Ruhe zeigen sie, wenn einmal eine betrübende Nachricht gebracht wird, zum Beispiel daß ein Kriegsschiff verloren gegangen ist.

Zuweilen sieht man Soldaten, die sich nicht damit begnügen, zu lesen — sie schreiben gleich die ganze Zeitung in ihre Notizbücher ab. Weshalb? Wahrscheinlich sind sie nach der vordersten Front unterwegs, nach den Schützengräben, wo sie ihren von der Welt abgeschlossenen Kameraden den Inhalt der Telegramme mitteilen wollen. —

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