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Ein Volk in Waffen

38. Löwen.

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Der 12. Oktober war ein strahlend schöner Tag. Die Chaussee de Louvain führte, schön gepflastert, durch dichten Buchenwald, wo kaum ein Sonnenstrahl bis zum Boden durchdrang. Man sieht in dieser Gegend keine deutschen Soldaten, es ist, als wäre nichts anderes geschehen, als daß der Herbst über dieses unglückliche Land hereingebrochen ist. Hier fahren keine Kolonnen. Die Wagen, die die Straße benutzen, sind bürgerliche Lastfuhrwerke. Die Equipagen der vornehmen Welt aber sind verschwunden, seit ihre Besitzer nach andern Ländern aufgebrochen sind.

Achtzehn Kilometer bis Löwen. Innerhalb der Stadt fährt man ein gutes Stück, bis man die ersten Ruinen erreicht. Ganz Löwen ist keineswegs zusammengeschossen, wie man sich vorgestellt hat. Kaum ein Fünftel der Stadt ist zerstört. Zwar kommen auf dieses Fünftel mehrere kostbare und unersetzliche Bauten; besonders beklagenswert ist der Verlust der Bibliothek. Inmitten dieser Verwüstung erhebt sich aber wie ein Fels im Meer das Rathaus, das stolze Kleinod aus der Zeit von 1450 mit seinen sechs schlanken Türmen in durchbrochener Arbeit. Ich ging um das Rathaus herum und konnte mit dem besten Willen keine Schramme in diesen mit verschwenderischem Reichtum geschmückten Mauern entdecken. Vielleicht findet sich irgendwo eine Ritze von einem Granatsplitter, die meiner Aufmerksamkeit entgangen ist. Dank der Treffsicherheit der deutschen Artillerie ist auch nicht ein Gesims der sechs Türme beschädigt. Der Anlaß zum Bombardement von Löwen ist bekannt. Beim Einzug in die Stadt wurden die deutschen Truppen von der Zivilbevölkerung aus den Fenstern beschossen, und da das Verbrechen nicht auf andere Weise bestraft werden konnte, wurden die Häuser in Brand geschossen. Als dann deutsche Soldaten das Feuer in den dem Rathaus benachbarten Häusern zu löschen suchten, lauerten ihnen die Franktireurs wieder mit ihren Büchsen auf! Jede andere Armee der Welt hätte ebenso gehandelt, und die Deutschen haben es selber tief beklagt, daß sie gegen ihren Willen gezwungen wurden, zu solchen Mitteln zu greifen.

Von Löwen fuhr ich nach Mecheln, eine lange Strecke den Kanal entlang, der die beiden Städte vereint und wo man plötzlich die Masten von Schuten zwischen den Bäumen der Parks und Alleen hervorlugen sieht. Nach Mecheln kamen wir gerade zu der Beerdigung eines Marinesoldaten, der auf seinem Posten gefallen war. Der Tote wurde auf einem belgischen Leichenwagen zu Grabe gefahren, hinterdrein gingen etwa hundert Soldaten aus der Armee und Flotte. Nach Hinabsenkung der Leiche wurden drei Gewehrsalven abgegeben und das Grab zugeschüttet. Auf dem kleinen Kirchhof waren viele deutsche, mit Kränzen und Helmen geschmückte Gräber und zwei Massengräber.

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