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Ein Volk in Waffen

28. Die Feld-Telephonstation.

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Einige Schritte davon entfernt besuchten wir die Telephonstation, die in dem gemauerten Keller eines im übrigen zusammengeschossenen Hauses eingerichtet war. An den Wänden dieser unterirdischen Kammer war eine ganze Reihe Telephonapparate befestigt; davor saßen einige Offiziere und Soldaten auf Wandbänken. Solange ich unten war, klingelte es ununterbrochen in mehreren Telephonen zu gleicher Zeit. Personal mußte also immer da sein, um zu antworten. Die Station stand mit der ganzen vierten Armee durch ihr Oberkommando in Verbindung, ebenso mit dem Großen Hauptquartier. Ja, man konnte sogar jede Verbindung mit Deutschland erhalten, obgleich natürlich Privatgespräche nicht zugelassen waren. Zwei junge Flieger, Graf Rambaldi und Leutnant Bürger, waren eben von einer Erkundung der französischen Stellungen zurückgekehrt und berichteten ungemein klar und sicher über das, was sie gesehen hatten. Rambaldi stand lange, den Telephonhörer in der einen, seine Karte mit den eingezeichneten Beobachtungen in der andern Hand, und sprach mit einem Offizier des Oberkommandos, der das gleiche Kartenblatt vor sich hatte und sicher auch Bleistift und Notizbuch. Der Rapporteur sagte z. B.: »550 Meter nordwestlich von X. sah ich eine Artilleriestellung von wahrscheinlich nur zwei Kanonen. Auf der Straße, die westlich davon nach Y. führt, war eine stillstehende Kolonne von acht Wagen; konnte nicht unterscheiden, ob Munitions- oder Proviantkolonne. Die Batterie, die gestern in dem Tal südlich von Z. stand, ist heute verlegt worden; wohin? ist im Augenblick nicht festzustellen.«

Durch solche Erkundungen bekommt das Oberkommando viel Wichtiges zu wissen und richtet das Artilleriefeuer darnach ein. Die deutsche Batterie, die die französische bei dem Dorfe Z. beschossen hat, stellt natürlich das Feuer ein, sobald bekannt wird, daß das Ziel die Lage geändert hat, was immer während der Nacht geschieht. Die Geschütze einer französischen Batterie stehen gewöhnlich weit voneinander, teils, um die Gefahr zu vermindern, teils auch, um sie leichter vor Fliegern verbergen zu können.

Von dem Beobachtungsplatz aus waren es etwa zwei Kilometer bis zu den vordersten deutschen Schützengräben, die dreihundert bis fünfhundert Meter von den französischen entfernt liegen, ja, zuweilen tausend Meter. Hier liegen nun die feindlichen Soldaten und belauern einander. Es ist ein Hundeleben in diesen Gräben! Steckt man die Nase über den Rand hinaus, ist man des Todes. Gestern vormittag 10 Uhr sah man eine Schar französische Soldaten aus einem nahen Wald herausschleichen, um sich vorsichtig dem Schützengraben zu nähern. Zwei Salven Schrapnells wurden auf sie abgegeben. Hundertundfünfzig Mann blieben liegen, die übrigen zogen sich zurück. Sie bezahlen mit derselben Münze, sobald sie Gelegenheit dazu haben, und ihre Artillerie steht auf der Höhe, ebenso ihre Zielsicherheit. Ihre Munition soll dagegen weniger gut sein; gestern krepierten von sechsunddreißig Granaten nur sieben, alle übrigen waren sogenannte »Blindgänger«.

Die deutschen Soldaten bewahren sich mitten in Todesgefahr ihre gute Laune und setzen zuweilen spaßeshalber einen herrenlosen Helm auf einen Stock und halten ihn in nickender Bewegung über den Rand des Schützengrabens. Sofort wird er das Ziel des feindlichen Feuers, und die Soldaten wetten, wie viele Treffer es geben wird!

Übertriebene Reinlichkeit kann in diesen Gräben nicht herrschen, wenn man auch das Menschenmögliche tut, um allen Schmutz zu entfernen. In dieser Gegend hatte sich zwischen den beiden Fronten ein Übereinkommen ergeben, daß bei gewissen Gelegenheiten die Soldaten den Graben unbehelligt verlassen konnten, aber nur immer ein Mann, unbewaffnet und in der Richtung auf den feindlichen Schützengraben zu. Der Soldat brauchte bloß einen Spaten über den Grabenrand zu heben und ihn dreimal auf und ab zu schwingen. Nach diesem Signal konnte er ruhig seine Promenade antreten und wieder an seinen Platz zurückkehren. Einmal hatten sich zwei weidende Kühe zwischen zwei in kurzem Abstand voneinander verlaufende Schützengräben verirrt. In der geheimen Zeichensprache der Soldaten kam die Übereinkunft zustande, ein französischer Soldat sollte die eine, ein deutscher die andere Kuh melken! So geschah es, und dann kehrte jeder ruhig in seinen Graben zurück. Das beweist, daß auch die französischen Soldaten ihren guten Humor nicht verloren haben.

Die Schützengräben stehen gleichfalls in telephonischer Verbindung mit der Beobachtungsstation. Einer unserer Freunde fragte mich, ob ich hören wollte, wie sich die Bewohner des am weitesten vorgeschobenen Schützengrabens gerade jetzt befänden. Natürlich wollte ich das! Ich bekam den einen Hörer in die Hand und wurde zunächst nach allen Regeln der Höflichkeit dem Major vorgestellt, der im Schützengraben auf den Anruf antwortete. »Wie geht es, Herr Major?« — »Danke, gut.« — »Haben Sie etwas Besonders zu berichten?« — »Ja, heute nacht wurden einige Schüsse gewechselt, aber ohne Verluste.« — »Wie ist die Stimmung bei der Mannschaft?« — »Vortrefflich, wie gewöhnlich.« — »Haben Sie die acht Maschinengewehre bekommen, die Ihnen gestern nacht geschickt werden sollten?« — »Ja, sie sind da und schon aufgestellt, aber für eines fehlt der Panzerschutz. Wir behelfen uns bis auf weiteres mit Erdschutz.« — »Haben Sie sonst noch Wünsche?« — »Danke, nein, alles in Ordnung.«

Der Major sprach ruhig und sicher, aber man hörte doch einen Unterton von Ernst in seinen Antworten.

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