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Was ich geschaut

Der Unwiderstehliche.

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»Treue –?! Glaubst Du wirklich noch immer, daß es diesen Artikel echt und unverfälscht giebt? Hat Dich das Leben nicht darüber belehrt, daß dies ein Begriff ist ohne realen Hintergrund, eine Vorstellung, die sich mit den Thatsachen nicht deckt, ein leeres Wort, das die Menschen nur zu dem Zwecke erfunden haben, um sich selbst etwas vorzulügen, um sich vor sich selbst besser zu machen, als sie wirklich sind?« – so fragte das Gespräch fortsetzend, mein Freund Theodor mit lauter Stimme, um den polternden Lärm des Eisenbahnzuges zu übertönen, der uns aus der Residenz nach dem lieblichen Landsitze eines gemeinsamen Freundes führte, von dem wir zur Feier des Namensfestes seiner Frau zu Gast geladen waren.

»Echte, unverfälschte Treue,« fing ich sein Wort auf. »Was meinst Du damit? Was Du da sagst, ist ein Pleonasmus. Treue muß echt sein. Verfälschte Treue ist ja nicht mehr Treue, sondern ihr Gegentheil.«

»Keine Spur!« rief Theodor, den Rest seiner Cigarre zum Waggonfenster hinauswerfend. »Es giebt eine echte Treue und eine unechte. Das werde ich Dir gleich an einem Beispiele erläutern.«

Dann steckte er sich eine andere Havana in Brand und fuhr fort:

»Solche Treue, die das nothwendige Ergebniß der Empfindungen ist, ist echt; solche, die aber nur die Folge zufälliger äußerer Verhältnisse und Umstände ist, kann unmöglich für echt gelten. Die Treue einer Frau, die zufällig keinem Manne begegnete, der ihr besser gefiel als ihr Gatte, ist eine unechte Treue.«

»Das sind Sophismen,« warf ich ein. »Da könnte man ja bei dem erhabensten Beispiele weiblicher Treue die Behauptung aufstellen, dieselbe sei nur durch zufällige Umstände bedingt.«

»So ist es auch,« sagte der Andere ruhig lächelnd, indem er sich in die Wagenkissen behaglich zurücklehnte. »Kein Mensch, weder weiblichen noch männlichen Geschlechtes, kann bedingungslos für seine Treue bürgen. Immer handelt es sich darum, ob das Schicksal dem Betreffenden den Rechten oder die Rechte entgegenführt, denen die Macht gegeben ist, ihre Treue zu erschüttern. Eben darum behaupte ich, daß es auf unserem Planeten keine echte Treue gebe.«

»Du hast vielleicht eine solche noch nicht kennen gelernt,« erwiderte ich gereizt, denn seine überlegene Art, mit seiner Lebens- und Erfahrungsweisheit groß zu thun, ärgerte mich immer. »Aus Deinen persönlichen Erfahrungen gleich auf die Allgemeinheit zu schließen, ist aber doch etwas voreilig.«

»Pah, es handelt sich immer nur darum, ob der Rechte kommt,« wiederholte Theodor heiter lächelnd, und zwirbelte mit seinen weißen Fingern den blonden, wohlgepflegten Schnurrbart.

Jetzt mußte auch ich lächeln. Mir ging plötzlich ein Licht auf. Er, Theodor, war ja dieser »Rechte«, dem gegenüber, sowie er kam und siegen wollte, keine Frauentreue standzuhalten, kein Mädchenherz unverwundet zu bleiben vermochte. Hieß er denn nicht seit der Tanzschule her »der Unwiderstehliche«? Und hatte er sich während der seit jenen Tanzstunden verflossenen Reihe von nahezu fünfzehn Jahren diesen Namen nicht bewahrt und stetig mehr verdient!

Halb »Löwe«, halb Dandy, bald heldenhaft kühn, bald lyrisch schmachtend, hatte er – so ging die Sage – seit seiner frühesten Jugend fabelhaftes Glück bei den Frauen gehabt und – auch dies erzählte die Fama – das Glück gepackt, wo und so oft es sich haschen ließ.

Alles dies fiel mir jetzt wieder ein, als ich bei seinen letzten Worten meinen Blick über ihn hingleiten ließ, während er den aus seiner Cigarre aufsteigenden blauen Ringelwölkchen sinnend nachschaute.

Theodor war ein auffallend schöner Mann. Schlank und zierlich gebaut, das fein geschnittene, blasse Gesicht von seidenweichen blonden Locken und einem üppigen Vollbart umrahmt, der die Lippen so weit frei ließ, um das verführerische, zuweilen etwas frivole Lächeln, das den Frauen so leicht gefährlich wird, zur vollen Geltung kommen zu lassen, mit großen, dunklen, bald träumerisch, bald verwegen blickenden Augen – war seine äußere Erscheinung so recht angethan, um seinen beliebten Wahlspruch: Veni, vidi, vici nicht Lügen zu strafen. Vorzüglicher Reiter und Tänzer, amusanter Causeur, der eine Menge pikante Geschichtchen und schnurrige Anekdoten zu erzählen wußte, stets elegant und mit feinstem Chic gekleidet, konnte es wahrlich nicht wundernehmen, daß alle Damen für ihn schwärmten, daß es keine Gesellschaft gab, zu der er nicht geladen wurde, und keinen Ball, dessen Cotillon nicht er führen mußte. Dabei hatte er eine so ganz besondere Art, mit den Damen zu verkehren. Voll ritterlicher Galanterie und doch nie ohne einen gewissen Anflug selbstbewußter Ueberlegenheit und leichter Blasirtheit.

»Nun, giebst Du mir recht?« fragte er, die entstandene Pause plötzlich unterbrechend. »Oder bleibst Du trotz aller Vernunftgründe immer der alte, unverbesserliche Idealist, der Du warst?«

»Im Durchschnitte magst Du ja recht haben,« erwiderte ich. »Du wirst aber doch nicht behaupten wollen, daß es nicht auch Ausnahmen –«

»Giebt es nicht,« fiel er ein.

»Doch!« bemerkte ich beinahe eingeschüchtert. »Glaubst Du nicht, daß Margarethe zum Beispiel –«

Margarethe war die Frau jenes Freundes, zu dem wir uns auf dem Wege befanden.

»Ach, Margarethe!« wiederholte er mit einem leichten Seufzer. »Ja, ich hätte es denken können, daß Du sie als Beleg Deiner unhaltbaren Theorie werdest heranziehen wollen.«

»Nun –?!«

»Wer sagt Dir, daß sie eine solche Ausnahme ist! Daß nicht auch ihre bis jetzt allerdings geradezu phänomenale Verliebtheit in den guten Jungen, der seit vier vollen Jahren das Glück hat, ihr Gatte zu sein, doch nichts anderes ist als das Werk des Zufalles? Des Zufalles nämlich, daß sie bis jetzt noch keinen Mann kennen lernte, der –«

»Eben der Rechte wäre. Ich weiß schon, Du hast es ja gerade gesagt,« unterbrach ich ihn ungeduldig.

»Ja, allerdings, das meine ich. Oder auch, daß dieser Rechte sich vielleicht noch nicht die Mühe gegeben, die Dichtigkeit ihres Herzenspanzers zu erproben.«

»Ich aber meine, daß es eine Vermessenheit ist, von einer Frau, wie Margarethe, deren Charakter den leisesten Schatten eines Mißtrauens zu bannen geeignet ist, so geringschätzig zu denken.«

Ich war bitterböse auf Theodor. Sein Gleichmuth aber blieb unerschütterlich.

»Einen allgemein giltigen Maßstab an den Einzelnen anlegen,« erwiderte er, »heißt nicht geringschätzig denken über ihn. Ich besitze nur eben genug Menschenkenntniß, um die Handlungen der Menschen auf ihre innere Quelle zurückführen zu können. Warum sollte Frau Margarethe anders sein als die anderen Frauen? Sie ist eben ein Weib. Und denselben Naturgesetzen, die den Charakter des Weibes im Allgemeinen beherrschen, ist – wie alle Anderen – auch sie unterworfen. Daran läßt sich nichts ändern.«

Ich schwieg. Einsehend, daß Theodor's Ansichten zu fest wurzelten, um sich durch Worte widerlegen zu lassen, hielt ich eine Fortsetzung unseres Disputes für ebenso zwecklos wie ermüdend. Meine Gedanken flogen voraus, den Freunden entgegen. Und indem ich an sie dachte, mußte ich in mich hinein über Theodor lachen, dessen mit solch apodiktischer Sicherheit verkündeten Anschauungen eben durch sie eine so schlagende Widerlegung fanden. Arthur's und Margarethens Ehe war die glücklichste, die ich je gesehen. Der verstockteste Pessimist mußte durch ihren Anblick bekehrt werden. Allerdings waren Beide noch sehr jung, Arthur zählte sechsundzwanzig, Margarethe zwanzig Jahre. Und wer die Beiden sah, hätte sie eher für übermüthige Geschwister, denn für Ehegatten halten können. Manchmal, wenn ich zu ihnen gekommen, fand ich sie im Garten herumtollen, als ob sie noch Kinder wären. Noch hatte kein Schatten die frohe Laune ihres Jugendmuthes getrübt. Das Leben konnte wohl sie ernster machen, sie konnten mitsammen reifen und – altern. Aber trennend, ihre zu einem wohlklingenden Accord zusammengestimmten Seelen trennend, konnte nichts zwischen sie treten. Diese beiden herzlieben Geschöpfe paßten füreinander, als ob sie eigens füreinander geschaffen wären. Sie lebten vollkommen für- und ineinander. Und jedes war glücklich durch die Existenz des Anderen. Theodor kannte sie nicht so gut wie ich; wenn er sie näher kennen lernte, würde er bald einsehen, daß wenigstens dies eine Beispiel seine Ueberzeugungen Lügen strafte.

Den Faden des behandelten Themas weiter spinnend, fragte ich Theodor nach einer kleinen Weile:

»Deine Anschauung über den weiblichen Charakter im Allgemeinen und über weibliche Treue im Besonderen ist wohl auch die Ursache Deines Widerwillens gegen das Ehejoch?«

Theodor nickte lächelnd.

»Ich bewundere Deine Combinationsgabe! Allerdings ist dies die Ursache. Ich schätze meine Ruhe über alles. Was hätte ich nöthig, mich zu verheiraten und diese Ruhe und meine Freiheit aufzuopfern? Die Annehmlichkeiten des Ehestandes stehen ja dem Junggesellen, der verheiratete Freunde hat, beinahe in ebenso reichlichem Maße zur Verfügung wie den Ehemännern. Ihre Frauen sind unsere Freundinnen, an ihrem Tische, an ihrem Kamin ist stets ein Plätzchen für uns bereit. So oft wir eintreten, sind wir willkommen. Wir erheitern ihre Einsamkeit, die vielleicht gerade in dem Augenblicke als wir kamen, anfing, sie ein bißchen zu langweilen. Auf diese Weise wahren wir unsere Unabhängigkeit und genießen doch alle Vortheile des Ehestandes, ohne dessen Mühen, Lasten und beunruhigenden Sorgen zu haben. Ja, wäre doch jeder ein Thor, der die Lasten und Sorgen auf sich nähme, damit ein Anderer sich des Glückes ohne diesen bitteren Beigeschmack erfreue, ein Thor, der die Hefe des Bechers leerte, von dem ein Anderer den süßen Schaum fortgenippt.«

Ich fand keine Zeit mehr zu antworten. Der Pfiff der Locomotive verkündete uns, daß wir uns dem Ziele näherten. Wir griffen nach unseren Handkofferchen und Ueberziehern, stiegen aus und warfen uns in einen Wagen, der uns in einer halben Stunde nach Arthur's allerliebsten Landsitz brachte.

Der Empfang, der uns, namentlich aber Theodor zutheil wurde, brachte mich auf den Gedanken, daß er in der That nicht unrecht habe, seinen Junggesellenstand als einen glücklichen zu preisen. Alles, was er über sein beneidenswerthes Los gesagt, schien sich zu bestätigen. Die sichtliche Freude, die seine Gegenwart hervorrief, das herzliche Entgegenkommen, das der Hausherr ihm entgegenbrachte, das reizende Lächeln, das Margarethe ihm spendete, das Bemühen, den Aufenthalt im Heim des Freundes ihm wohl und behaglich zu gestalten, alles vereinte sich, um die Wahrheit seiner Schilderung zu bezeugen.

Bald fand sich eine zahlreiche Gesellschaft ein, in der Theodor die Hauptrolle spielte. Seine vorzügliche Unterhaltungsgabe bewährte sich wieder aufs glänzendste und sämmtliche Damen, Margarethe nicht ausgenommen, schienen im Banne seines Zaubers zu liegen.

Groll erfaßte mich, denn ich bemerkte bald, daß sie es war, die er sich als Opfer eines neuen Eroberungszuges ausersehen, vielleicht, um mir den Beweis für die Richtigkeit seiner mir so abscheulich dünkenden Theorien zu liefern.

Einen Augenblick dachte ich daran, seine Absichten zu durchkreuzen, etwa Margarethens Stolz Theodor gegenüber durch Mittheilung seiner Auffassung des weiblichen Charakters, namentlich aber des seinen gegen sie gerichteten Feldzugsplänen zweifelsohne zugrunde liegenden Motives herauszufordern, oder die Vorsicht ihres, wie mir schien, von allzu argloser Vertrauensseligkeit erfüllten Gatten durch eine bei passender Gelegenheit angebrachte Warnung wachzurufen. Doch bald ließ ich den Gedanken wieder fallen. Was hatte ich mich in Anderer Angelegenheiten zu mischen? Waren Theodor's Anschauungen die richtigen; war mein Glaube an Frauentugend und Treue wirklich nur eine auf Unkenntniß der Weibesseele beruhende kindische Schwärmerei, dann verlohnte es sich wahrlich nicht, dem Siegeslaufe des Unwiderstehlichen durch Verrath seiner Pläne Einhalt zu thun. Mein Alarmruf konnte wohl in diesem einen Falle seinen Sieg vereiteln; der Widerstand, der ihm aus diesem Anlasse entgegengesetzt würde, wäre jedoch fürwahr nicht geeignet, mein Vertrauen zu rechtfertigen, sondern er würde im Gegentheile Theodor's Ansicht bestätigen, daß alle Treue nur ein Werk des Zufalles sei.

Diese Ueberlegung bestimmte mich, die weitere Entwickelung der Dinge ohne Einmischung meinerseits ruhig abzuwarten. Mit Argusaugen überwachte ich Margarethens Benehmen gegen Theodor. Aber meine anfänglich siegessichere Zuversicht, daß das Ergebniß der Bemühungen Theodor's meinen von ihm so grausam verspotteten Ueberzeugungen recht geben möchten, schwand immer mehr, je lebhafter das Feuer ihrer seinen Blicken begegnenden Augen sprühte, je reicher und von einer seltsamen Unruhe durchbebt der Tonfall ihrer Stimme wurde, je heller ihr Lachen an mein Ohr schlug, mit dem sie seine witzigen Einfälle lohnte.

Nicht sie allein war es, die an seinem Triumphwagen zog. Auch alle anderen anwesenden Damen schienen völlig berauscht von der hinreißenden Macht seiner Persönlichkeit. Sie verfolgten ihn mit brennenden Blicken, während er, wie ein schillernder Schmetterling von Blume zu Blume flattert, von der einen zur anderen unermüdlich und unermüdend die ewige Lüge seines verlockenden Lächelns, seines verstohlenen und doch so vielsagenden Augenspieles, seiner leise geflüsterten Huldigungen trug.

Als es Abend wurde und die Wärme des heiteren Frühlingstages der nächtlichen Kühle wich, wurde ein Tänzchen arrangirt, wobei Theodor natürlich wieder neue Gelegenheit fand, als der anerkannt beste und eleganteste Tänzer alle übrigen Herren in den Hintergrund zu drängen, gleichwie das Licht der Sterne vor dem siegreichen Glanz der Sonne erbleichen muß.

Mit einer anderen Dame plaudernd, stand ich neben Margarethe, als Theodor an sie herantrat, um sie um die letzte Quadrille zu bitten.

»Bedauere, ich bin schon engagirt,« sagte sie freundlich, indem sie mit dem Fächer auf mich wies.

»O, wie schade!« säuselte Theodor. Dann fügte er, sein schönes Haupt gegen sie gebeugt, ein paar leise Worte hinzu, die ich nicht verstand und die von Margarethe ebenso leise beantwortet wurden, während eine flüchtige Röthe über ihre zarten Wangen glitt.

Gleich darauf wurde eine Schnellpolka gespielt und Margarethe flog an Theodor's Arm durch den Saal dahin.

Nachdem auch ich einige Touren getanzt, schlängelte ich mich wieder in Margarethens Nähe, die soeben mit blitzenden Augen und hochwogendem Busen sich auf ein kleines Ecksofa niedergleiten ließ, während Theodor vor ihr stehend, ihr mit dem Fächer Kühlung zuwehte. Ich war mir dessen vollbewußt, eigentlich eine lächerliche Rolle zu spielen, wenn ich mich stets, wenn auch für Andere so unauffällig wie möglich, in Margarethens Nähe drängte. Aber der Groll über des Unwiderstehlichen – des Unausstehlichen, wie ich ihn meinem Inneren nannte – neue Triumphe packte mich so mächtig, daß ich dem Drange, den Aufpasser zu machen, selbst auf die Gefahr hin, abgeschmackt zu scheinen, nicht zu widerstehen vermochte.

Diesmal aber schien es sich nicht zu lohnen, den Lauscherposten zu beziehen, denn Beide plauderten ganz harmlos über einen Pavillon, den Arthur in dem bis an den Garten sich hinziehenden Walde hatte bauen lassen.

»Es ist mein Lieblingsplätzchen,« erzählte Margarethe, »wo ich mit einer Arbeit, oder einem Buche manche Stunde verbringe. Der dichte Nadelwald, die kleine Anhöhe, von welcher aus sich ein weiter Blick über das Thal öffnet, bieten einen reizenden Aufenthalt. Um mir denselben bequemer zu machen, überraschte mich Arthur mit dem Lusthäuschen.«

»Wie tollkühn, so allein viele Stunden im Walde zuzubringen,« fiel Theodor ein.

»Durchaus nicht allein,« erwiderte Margarethe. »Mein Pluto begleitet mich stets auf meinen Wegen. Und er ist ein gar wackerer und treuer Beschützer.«

»Und trauen Sie Ihrem Pluto eine so famose Witterung zu,« mischte jetzt ich mich in das Gespräch, »daß er vermöge seiner feinen Nase jede Gefahr erkennt, die Ihnen von unvermutheter Seite droht?«

Theodor warf mir einen erzürnten Blick zu, der mich einschüchtern und mir Schweigen gebieten zu wollen schien. Margarethe aber erwiderte mit feinem Lächeln:

»Pluto und ich wir ergänzen einander vortrefflich. Wo sein Witterungsvermögen aufhört, da beginnt das meine.«

»Wäre es aber nicht klüger, das Schicksal nicht durch allzu große Kühnheit herauszufordern?« fragte ich, meine verblümten Warnungen mit ungeschickter Hartnäckigkeit fortsetzend.

Da lachte Margarethe, und Calderon citirend erwiderte sie:

»Wer Gefahren ängstlich flieht, der stürzt sich in Gefahr.«

Theodor aber gab mir den Rath, um Pluto's feine Spürnase zu erproben, mich als Vagabund verkleidet bei seiner Herrin in der Waldeinsamkeit anzuschleichen. »Da würdest Du erfahren, ob er Freund und Feind zu unterscheiden vermag,« schloß er spöttisch. »Und Pluto's Zähne würden Deine Wißbegierde befriedigen.«

Nun wurde ich wieder böse und mit scharfem Tone entgegnete ich, daß börsengierige Strolche nicht die schlimmsten Feinde seien. Die scheinbare Freundschaft mancher Leute sei weit gefährlicher als offenkundige Feindschaft, gegen die man sich wappnen könne.

»Natürlich! Der berüchtigte Wolf im Schafspelz ist ein gar böses Thier!« rief Theodor lachend. »Eine höchst interessante Entdeckung, nur nicht ganz neu.«

Ich hatte mich abgewendet und im Weggehen hörte ich noch Beide lachen. Ich fühlte mich gekränkt, nicht nur von Theodor, auch von Margarethe, die sich an seinen Witzen über mich belustigte. Am liebsten hätte ich mein Engagement mit ihr zur Quadrille Theodor abgetreten. Da dies aber doch nicht anging, fand ich mich, als das Zeichen zur Quadrille gegeben wurde, pflichtschuldigst bei Margarethe ein.

Als ich mich ihr näherte, stand ihr Gatte neben ihr. Sie sprachen eifrig und lächelnd miteinander und ganz deutlich schien es mir, Theodor's Namen aus Margarethens Munde zu hören. Welche Arglist! Sie spottete wohl mit Arthur über ihn, um diesen in Sicherheit zu wiegen und desto bequemer und unbeargwohnt ihre süßen Tändeleien mit ihrem Courmacher fortsetzen zu können. Mir ward ganz übel zu Muthe, Margarethe von solcher Seite kennen zu lernen, mit so schnöder Hand das ideale Bild, das ich von der Lauterkeit ihres Charakters in meiner Seele trug, verwüstet zu sehen.

Doch jetzt wurde die Introduction zur Quadrille intonirt, die Paare traten in die Reihe und ich hatte keine Zeit, mich meinen trübseligen Betrachtungen hinzugeben. Schweigend verbeugte ich mich vor Margarethe und bot ihr meinen Arm.

»Sie machen ja ein Gesicht, als ob Sie bei meinem Begräbnisse wären, nicht aber bei einem zur Feier meines Namensfestes veranstalteten Tanzkränzchen,« sagte sie, mir treuherzig in die Augen blickend.

Auf diesen Vorwurf nicht vorbereitet, stotterte ich ein paar Worte der Erwiderung, deren ich mich nicht mehr erinnere, die aber sicherlich recht albern waren, denn Margarethe lachte. Sie verbarg zwar ihre spöttisch zuckenden Lippen in dem Blumenstrauße, den sie an ihr Gesicht drückte. Ich fühlte es jedoch, daß sie lachte, mich auslachte. Aber ich zürnte ihr nicht. Sie war so berückend schön in diesem Augenblicke, die dunklen Augen, die über die Blumen hinweg schelmisch auf mich hinüber blitzten, das zarte Adlernäschen, dessen feingeschwungene Flügel sich leise hoben und senkten, indem sie den Duft der Blumen begierig einsogen, der volle und doch schlanke weiße Nacken, der durch das schwarze Spitzengewebe der Corsage wie beseelter Marmor schimmerte – es war ein so entzückend liebliches Bild, das sich meinem Auge darbot, daß ich nicht an mich selbst zu denken vermochte, sondern nur an sie, die in der ganzen Glorie ihrer jugendfrischen Schönheit, auf meinen Arm gestützt, leichtfüßig dahinglitt. Ja, nur an sie dachte ich und an den, dem es gelingen sollte, vielleicht schon gelungen war, bloß um seiner nimmersatten Eitelkeit zu fröhnen, das Herz dieses reizenden Wesens mit den Fallstricken seiner auswendig gelernten feurigen Blicke, seiner allerorten wiederholten lügenhaften Liebesbetheuerungen zu umgarnen.

»Nun, wollen Sie mir nicht verrathen, was Sie so traurig stimmt?« fragte sie, als ich nach dem »Herren-Eté« an ihre Seite zurücktrat.

»Warum nicht,« erwiderte ich. »Es ist der Neid, grimmer Neid, der mir die Laune verdirbt.«

»O, wie häßlich! Und solches Laster gestehen Sie so ruhig ein?«

»Sie wissen ja, wovon das Herz voll ist –«

Die nächste Figur trennte uns. Dann, beim »Balancer«, fragte sie:

»Und darf man wissen, wer der glückliche Unglückliche ist – denn daß es ein Er, steht wohl außer Zweifel – dessen Los Ihnen so beneidenswerth dünkt?«

»Sagt es Ihnen Ihr Herz nicht?«

»Mein Herz schweigt.«

»Nun, so will ich es denn gestehen. Ihr Pluto ist es, den ich beneide. Ich beneide ihn um den Vorzug, Sie gegen alle Ihnen drohenden Gefahren beschützen zu dürfen.«

»Ach ja, gegen den Wolf im Schafsfell,« lachte Margarethe und warf einen raschen Blick auf Theodor, der uns gegenüber tanzte, und, ohne uns Beachtung zu schenken, mit seiner Dame eifrig plauderte.

Ich fing den Blick auf und ärgerte mich schon wieder.

»Sehen Sie nur, was die kleine Baronesse Mischi für selige Augen macht, der Auszeichnungen des Unwiderstehlichen gewürdigt zu werden,« sagte ich boshaft.

Eine neue Figur hinderte Margarethe, mir zu antworten. Dann aber beim »Tour de main« fragte sie:

»Wie sagten Sie vorhin? – Der Unwiderstehliche?«

»Allerdings. Wissen Sie nicht, daß Theodor, ob der Legion weiblicher Herzen, die ihm nur so entgegenfliegen, unter seinen Intimen der Unwiderstehliche genannt wird?«

»Wie komisch!« lächelte sie. »Und doch, wie zutreffend – der Unwiderstehliche! – Da wir aber gerade von Theodor sprechen – ich habe einen Auftrag meines Mannes an Sie und ihn: Sie Beide zu bitten, unsere Landeinsamkeit für einige Tage zu theilen. Sie bleiben doch?«

Ich verbeugte mich, die Einladung annehmend.

Das also war es, was sie vorhin mit ihrem Manne gesprochen, wobei ich Theodor's Namen gehört. Sie wollte das Glück des Zusammenseins mit dem Geliebten – denn daß sie ihn liebte, darüber gab ich nun schon gar keinem Zweifel mehr Raum – verlängern, und ich wurde dabei als das mindest störende Element – als Elephant, wie ich grollend mich selbst benamste, ins Schlepptau genommen. Aber sie hatten die Rechnung ohne den Wirth gemacht, und ich beschloß, durch dieselbe einen dicken Strich zu machen. »Pluto, Pluto!« rief es in meinem Inneren, »ich werde Dein Verbündeter, wir werden sie beschützen!« Alle meine löblichen Erwägungen, daß mich die Sache doch gar nichts angehe, daß ich kein Recht hätte, mich in Anderer Herzensangelegenheiten zu mengen, waren verflogen wie Spreu im Sturm meiner Entrüstung. »Ja, Margarethe, gegen Deinen eigenen Willen werde ich Dich schützen mit diesen Armen, in denen Du jetzt ruhst!« sprach ich im Geiste zu ihr, während ich im Walzerschritt mit ihr durch den Salon hinraste.

Doch dabei verwickelte ich mich mit einem Fuße in das Kleid einer anderen Tänzerin, strauchelte und würde Margarethe um ein Haar mit mir zu Boden gerissen haben, hätte nicht Theodor, der, weiß Gott wie, in diesem Augenblicke neben uns auftauchte, sie aufgefangen, wobei er mir einen Blick zuwarf – einen Blick so voll lächelnder, fröhlicher Geringschätzung, daß ich mich völlig vernichtet fühlte.

Mit einer Empfindung, als wollte ich unter den Boden versinken, stotterte ich vor Margarethe meine Entschuldigung. Sie tröstete mich gütig, indem sie meinte, solch ein Malheur passire allzu leicht. Ich aber fühlte mich vor Margarethe und Theodor schmählich blamirt und dachte im Stillen, ob dies etwa eine Vorbedeutung wäre, daß ich mich vor den Beiden auch in meinem Rettungswerke blamiren sollte?

Unbemerkt drückte ich mich aus dem Salon, denn ich schämte mich meiner Niederlage viel zu sehr, um eine der Damen, die sie ja alle gesehen, noch zum Tanze aufzufordern. Ich zog es vor, im Speisezimmer, wo das Buffet aufgestellt war, eine Cigarre zu rauchen und das schmerzliche Gefühl meiner Demüthigung mit ein paar Gläsern Rheinwein hinabzuspülen.

Zwischen dem Speisezimmer und dem Salon, in dem getanzt wurde, lag ein zweiter, etwas kleinerer Salon mit einem Altan nach dem Garten. Die Verbindungsthür dieses Gemaches mit dem Tanzsaale war entfernt worden, und manches der tanzenden Paare benützte diesen Raum, um seine Touren zu verlängern.

Die Nacht war milde; ich trat auf den Balcon, dessen Glasthür offen stand, und labte mich an der freien, frischen, vom balsamischen Duft zahlloser Rosen und blühender Nachtschatten gewürzten Luft. In stillem, erhabenem Frieden lag die schlummernde Natur vor mir ausgebreitet; die Sterne glänzten über meinem Haupte, ein leises Wehen flüsterte durch das Laub der Bäume, und mir ward zu Muthe, als ob eine weiche, schmeichelnde Hand allen Groll, alle Verstimmung, alle Kränkung meiner tiefsten Gefühle, welche die Eindrücke des heutigen Tages in meinem Inneren hervorgerufen, hinwegstreichelte, und wohlige Ruhe zog in meine Seele. Die Musik, die aus dem Saale zu mir herübertönte, das gedämpfte Geräusch der Tanzenden, das Schleifen der Schritte, das Murmeln der entfernten Stimmen störte mich nicht, es erhöhte noch die Empfindung des stillen, wonnigen Friedens, der sich wie ein süßer Traum über mein innerstes Wesen breitete.

Der Laut eines munteren Lachens weckte mich plötzlich aus meinen Träumereien. Ich brauchte mich nicht umzusehen, um zu wissen, wer es sei, der wenige Schritte vor mir an der offenen Thür stand. Ich kannte dieses silberhelle, perlende Lachen. Nur Margarethe lachte so.

Und jetzt ließ sich auch Theodor's schmelzender Bariton vernehmen:

»Nein, noch gebe ich Sie nicht frei! Warum wollen Sie grausam mir die köstlichen Minuten kürzen, da ich Sie in meinen Armen halten, Ihr Herz an dem meinen pochen fühlen darf! Solchen Augenblick, zu dem ich wie Faust spreche: Verweile doch, Du bist so schön!«

»Wunderbar gesprochen!« scherzte Margarethe. »Doch sagen Sie mir ehrlich, ist es zählbar, auf wie viel Bällen, wie vielen Damen Sie diese Tirade schon wiederholt haben?«

»Es scheint Ihnen Vergnügen zu gewähren, mich zu quälen,« flötete Theodor. »Sie müssen doch erkennen, daß es nur widerwillig geschieht, wenn ich meine Huldigungen scheinbar Anderen zuwende, daß ich dieses Opfer nur zu dem Zwecke bringe, um meine wahren Empfindungen zu verbergen.«

Weiter hörte ich nichts mehr. Die unfreiwillig Belauschten hatten wieder in den Saal zurück getanzt.

Bald darauf ging die Gesellschaft auseinander. Einige der Gäste kehrten nach ihren benachbarten Landsitzen heim, andere fuhren nach der Bahnstation, um nach der Hauptstadt zurückzukehren. Theodor und ich begaben uns auf unsere Zimmer.

»Nun, hast Du Dich von Deiner Niederlage schon erholt? Keine Beulen davongetragen? Du trägst ja eine Jammermiene zur Schau, als ob Du große Schmerzen fühltest?« spottete Theodor, nachdem der uns führende Diener sich entfernt hatte.

»Immer noch besser, eine Jammermiene, als die Rolle eines Polichinells,« versetzte ich gereizt.

»Ah – wen meinst Du mit dem Polichinell?« frug Theodor sanft, während er sich seiner Handschuhe und Halsbinde entledigte.

»Niemand Anderen als Dich,« antwortete ich, an der offenen Thür meines Zimmers stehend.

»Ei wirklich, und warum denn das?«

»Darum, weil ich es für einen Mann lächerlich finde, wie ein kokettes Salondämchen keinen anderen Ehrgeiz zu kennen, als den, Eroberungen zu machen.«

»So, so! Nun, wenn es Dich lächert, zu sehen, daß die Damen sich mit mir lebhafter unterhalten und lieber tanzen als mit Anderen, so will ich Dir das Vergnügen nicht wehren, Dich über diesen Anblick zu belustigen. Uebrigens kenne ich ein altes Sprichwort: Wer zuletzt lacht und so weiter.«

»Wer zuletzt lacht,« wiederholte ich. »Wer dies sein wird, muß sich erst zeigen.«

Ich war in mein Zimmer gegangen. Einige Minuten später – Theodor kroch gerade unter die Decke – trat ich wieder unter die Thür.

»Ich habe mich vorhin schlecht ausgedrückt,« begann ich neuerdings. »Nicht nur lächerlich, unrecht finde ich es, seine persönlichen Vorzüge dazu auszunützen, zur Befriedigung seiner Eitelkeit den Frieden und das Glück der Menschen zu zerstören.«

Theodor erhob sich ein wenig. Den Ellbogen auf das Kopfkissen, das Kinn in die hohle Hand gestützt, sah er mich lächelnd an.

»Lieber Freund,« sagte er nach einer kleinen Weile, »Du hast entschieden Deinen Beruf verfehlt. Du hättest Mönch werden sollen, um von der Kanzel herab gegen die Verderbtheit der Welt zu donnern. Wer sagt Dir denn, daß ich dem Frieden und dem Glücke der Menschen Eintrag thue? Man unterhält sich, man – nun, man liebäugelt ein wenig und man trennt sich wieder, ohne Gram und Kummer. Und bedenke auch, daß Du selbst es bist, der mich dazu herausgefordert hat, in Betreff dieser Frau, um deren Herzensruhe Du jetzt so besorgt zu sein scheinst, die Stichhältigkeit Deiner Theorien meinen Ueberzeugungen gegenüber auf die Probe zu stellen. Entweder – oder. Ein drittes giebt es nicht. Entweder Deine Anschauungen sind die richtigen, dann ist ja doch für sie keine Gefahr vorhanden; ihre Treu erweist sich als echt, meine Ansichten finden Widerlegung. Oder die letzteren bestätigen sich: dann ist das Unglück auch nicht gar so groß. Denn die Wahrung einer Treue, die nur ein Werk des Zufalles – ist wahrlich von keinem großen Werthe. Uebrigens verspreche ich Dir, daß ich, wenn es mir nicht gelingt, binnen der drei Tage meiner Anwesenheit hier – denn in drei Tagen muß ich wieder zu Hause eintreffen – von Margarethens holden Lippen das Geständniß ihrer Liebe zu hören, die Feuerprobe nicht länger fortsetze und mich vor Dir feierlich als besiegt erkläre. Bist Du nun zufrieden?«

Ich zögerte nicht, mich einverstanden zu erklären. Theodor's Hoffnungen für eitle Vermessenheit haltend, glaubte ich, davon überzeugt sein zu dürfen, daß es dem selbstgefälligen Gecken niemals, zum mindesten aber nicht binnen einer so kurzen Frist, gelingen werde, Margarethens Herz in Banden zu schlagen und ihr ein Liebesgeständniß zu entreißen. Ja, ich freute mich im voraus der heilsamen Lection, welche Theodor's Eitelkeit zutheil werden, des Widerstandes, der dem »Unwiderstehlichen« doch endlich entgegengesetzt werden sollte.

Völlig beruhigt schlief ich ein – um am anderen Tage, als ich die Beiden wieder beisammen sah, dennoch wieder von neuen Zweifeln gequält zu werden. Es schien mir, als sähe ich aus den zwischen ihnen verstohlen getauschten Blicken zarte Fäden sich hin und wieder spinnen, die sich zu einem dichten Netze verschlangen. Kein Wort wurde, wenigstens in meinem Beisein – und ich verließ sie selten – von ihnen gewechselt, das nicht auch zu jedem Anderen gesprochen werden könnte, und dennoch glaubte ich aus dem Klange der Stimme, womit alles gesagt wurde, einen ganz besonderen Ton herauszuhören, einen Ton, der beileibe nicht derselbe war, als wenn sie ihre Rede an Andere richteten, und der meine peinvolle Sorge von Stunde zu Stunde steigerte. Ich versuchte es wohl, mich mit dem Gedanken zu beruhigen, es sei unmöglich, daß Margarethen an der Seite eines von ihr geliebten Gatten, der – in meinen Augen wenigstens – weit liebenswerthere Herzens- und Geisteseigenschaften besaß als Theodor, dessen Verführungskünste sollten gefährlich werden. Dann aber fiel mir wieder ein, welch große Macht dem Reiz des Wechsels gegeben sei. Es gehört zu den schmerzlichsten Geheimnissen der Liebe, wie es manchen Menschen möglich ist, in der Vereinigung mit den ausgezeichnetsten Wesen, welchen sich ihr Herz in tiefster Neigung erschlossen hatte – bloß durch den Reiz der Abwechslung verlockt – sich wieder einem Anderen zuzuwenden. Sonst wäre es nicht möglich, daß, wie so viele Beispiele zeigen, die liebenswürdigsten, edelsten Männer und Frauen oftmals um der schalsten Persönlichkeiten willen, die den Vergleich mit jenen in keiner Weise auszuhalten vermögen, betrogen werden.

So von den widersprechendsten Gefühlen hin und her bewegt, bald von heiterer Zuversicht gehoben, bald gedrückt von quälender Sorge, verbrachte ich die nächsten beiden Tage in denkbar unbehaglichster Gemüthsstimmung. Unsere Gastfreunde boten alles auf, um uns Vergnügungen zu bereiten. Ausflüge zu Fuß und zu Wagen, Kahnfahrten auf dem nahen Flusse, Pistolenschießen, Musik oder ein Spielchen des Abends, dazu bei den von heiterster Laune der Theilnehmer gewürzten Mahlzeiten das Beste, was Küche und Keller zu bieten vermögen – ein solches Leben hätte das Gemüth des düstersten Griesgrams aufheitern müssen. Ich aber konnte nicht froh werden. Auf jedes Wort, jeden Blick, auf jede Miene und Bewegung Margarethens und Theodor's lauernd, war mir alle Freude verdorben. Am meisten mußte ich mich über Arthur ärgern. War er denn mit Blindheit geschlagen, daß er es nicht wahrnahm, mit welch verwegener Unverfrorenheit Theodor seiner Frau den Hof machte und mit welcher Befriedigung sie es sich gefallen ließ? So gut wie ich mußte doch auch er es bemerken, wie Theodor's Hand jene Margarethens drückte, wenn er ihr beim Scheibenschießen die für sie geladene Pistole reichte; wie sein Arm ihre Schultern streifte, wenn er die Fröstelnde in den wärmenden Shawl einhüllte; wie sein Knie das ihrige berührte, wenn er ihr gegenüber im Wagen saß, und welche Blicke sie tauschten, wenn sie sich unbeachtet wähnten.

Aber Arthur schien von allem nichts zu sehen. Ja, manchmal däuchte es mir geradezu, als ob seine stets frohgemuthe Laune um so fröhlicher würde, je kühner Theodor's seiner Frau dargebrachten Huldigungen sich äußerten.

In völlige Verblüffung versetzte es mich, als unser Wirth am Abend des zweiten Tages uns mittheilte, daß er eines Brandes wegen, durch den eine zu seiner Besitzung gehörende Sägemühle zerstört worden, behufs Besichtigung des Schadens und zu treffender Anordnungen hinsichtlich des Neubaues, sich am folgenden Morgen an Ort und Stelle begeben und nicht vor Abend zurückkehren werde.

Das fehlte gerade noch, die Beiden einen ganzen Tag allein zu lassen – denn meiner unbequemen Nähe würden sie sich, wenn es ihnen so genehm, wohl zu entziehen wissen.

Ich versuchte es, Arthur zu einem Aufschub seiner geschäftlichen Excursion zu bestimmen. Ich bat ihn, dieselbe am zweitnächsten Tage anzutreten, an welchem Theodor und ich nach der Hauptstadt zurückkehren würden. Arthur meinte aber, daß dies gerade der Grund sei, warum er die Ordnung dieser Angelegenheit nicht verzögern wolle, denn so lange wir hier seien, wisse er, daß seine Margarethe sich nicht langweilen würde, und trotz meiner verschiedensten Einwendungen blieb er bei seinem Entschlusse.

Theodor strahlte und auch in Margarethens Augen blitzte ein Freudenschimmer, der mich fast rasend machte vor Grimm, und ich beschloß, meine letzte Karte auszuspielen, um Arthur von seinem Vorhaben zurückzuhalten.

Nach dem Thee, während Margarethe uns einige Lieder sang, zu welchen sie Theodor, wie gewöhnlich auf dem Clavier begleitete, brach ich die Gelegenheit vom Zaune, um meinem Freunde, mit Ausnahme des auf Margarethe bezüglichen Details, mein ganzes mit Theodor während der Bahnfahrt geführtes Gespräch zu erzählen. Mit wahrer Wonne verbreitete ich mich über die eines Don Juan's würdigen Anschauungen des »Unwiderstehlichen« über Liebe und Treue und entblödete mich nicht, auch seines, wie er behauptete, aus seinen intimen Erfahrungen geschöpften Wahl- und Wahrspruches: Veni, vidi, vici! Erwähnung zu thun. Wer beschreibt jedoch meine Fassungslosigkeit, als ich sah, daß auch dieses Mittel nicht verfing!

Mit ruhigem Lächeln hörte Arthur mir zu, und als ich schwieg, sagte er ganz unbefangen:

»Ja, ja, ich kenne das. Solche Ansichten sind bei den Männern gang und gäbe, namentlich bei den Junggesellen.«

Ich war wie vor den Kopf geschlagen und starrte ihn an, als hätte er plötzlich angefangen, chaldäisch zu sprechen. Auch muß ich in meinem grenzenlosen Staunen ein etwas dummes Gesicht gemacht haben, denn er lachte geradezu, als er mich ansah. Ich wurde so erbittert über ihn, daß ich ihm sicherlich etwas Grobes gesagt hätte, wenn nicht in diesem Augenblicke ein von Margarethe vorgetragenes Gounod'sches Lied beendigt und sie zu uns herangetreten wäre, wodurch unser Gespräch abgeschnitten war.

So zwang ich mich denn, gegen Margarethe gewendet, zu ein paar artigen Floskeln über ihren Gesang – von dem ich diesmal freilich wenig gehört hatte – während ich innerlich Arthur mit Molière apostrophirte: Tu l'as voulu, George Dandin! Am anderen Morgen, als Arthur, seinem Vorhaben gemäß, fort fuhr, stand Margarethe, so zeitlich früh es auch war, am Wagen, um ihm Adieu zu sagen. Am offenen Fenster stehend, sah ich, wie sie sich zärtlich umarmten und küßten und hörte Margarethe sagen:

»Also pünktlich, Arthur, keine Verspätung!«

»Pünktlich, wie eine Sonnenuhr!« rief er zurück, während er lachend in den Wagen sprang.

Ich aber dachte: »Sei Du nur pünktlich, mein Lieber, so pünktlich kannst Du doch nicht sein, um Deinem Unheil zuvorzukommen, dem Du kopfüber entgegen rennst!«

Der Vormittag verging wie die anderen, ohne daß etwas Besonderes vorfiel. Nur glaubte ich an Theodor sowohl wie an Margarethe eine gewisse nervöse Unruhe zu bemerken, als ob sie irgend etwas mit Spannung erwarteten.

Bei Tische – das Dessert war eben aufgetragen worden – griff Theodor nach seinem mit edlem Wein gefüllten Glase und es emporhaltend, sprach er zu Margarethe gewendet:

»Es verstößt zwar gegen die gute Lebensart, sich selbst zum Hauptgegenstande des Gespräches zu machen. Dennoch kann ich es mir nicht versagen, zu bemerken, daß ich heute mein Geburtsfest feiere. Gestatten Sie mir, gnädige Frau, mein Glas auf Ihr Wohl zu leeren, indem ich Ihrer Güte und Ihrer liebenswürdigen Einladung, in Ihrem Hause zu weilen, es danke, daß der heutige sich zu dem schönsten und reizvollsten Geburtstag meines Lebens gestaltet.«

Margarethe schlug sich in die Hände.

»Ihr Geburtstag ist heute!« rief sie heiter. »Das trifft sich ja köstlich! Schade, daß Sie es nicht früher gesagt, dann hätten wir ein kleines Fest veranstaltet. Never mind, noch ist es ja nicht zu spät dazu.«

Ein schelmisches Lächeln flog über ihr Gesicht. Sie erhob ihr Glas und die Becher klangen aneinander.

Mich aber faßte es wie ein Taumel. Indem ich mit dem Rande meines Glases dasjenige Margarethens berührte, rief ich lustig:

»Evviva, Theodor! Ein Hoch dem Unwiderstehlichen und seiner Siegesbahn!«

Theodor blickte mich betroffen an. Margarethe lachte.

»Das gilt nicht,« rief sie. »Darauf stoße ich nicht an.«

»Mein Freund hat sich falsch ausgedrückt,« fiel Theodor ein. »Manche Spötter geben mir allerdings diesen Namen. Dies beruht jedoch auf einer Verwechslung der Begriffe. Kein einzelner Mensch ist unwiderstehlich, nur die siegreiche Allmacht der Liebe ist es. Wollen Sie auf die Macht der Liebe trinken, gnädige Frau?«

Während Theodor sprach, hatte Margarethe den Blick gesenkt. Jetzt sah sie wieder auf.

»Es lebe die Liebe!« sagte sie.

Nochmals erklangen die Gläser und Theodor's und Margarethens Blicke begegneten sich in stummer und doch beredter Sprache.

Nach Tische zog Margarethe sich für kurze Zeit zurück, um, wie sie mir zuflüsterte, für Theodor's Geburtstag eine kleine Ueberraschung vorzubereiten.

»Du wolltest mir mit Deinem Toast eine kleine Grube graben,« sagte Theodor, als Margarethe uns verlassen hatte. »Ich fürchte jedoch, daß sich wieder einmal das Sprichwort von solchem Gebaren bewähren werde. Nicht ich werde es sein, der hineinstürzt. Deine Theorien werden mit einem großen Plumps hineinfallen.«

»Morgen geht die Frist zu Ende,« versetzte ich.

»Allerdings. Aber zweifelst Du wirklich noch daran, daß meine Anschauungen Recht erhalten werden?«

Ich zuckte mit den Achseln und gab keine Antwort.

Eine halbe Stunde später vereinigten wir uns im kühlen Billardzimmer zu einer kleinen Partie, denn noch war es zu heiß, um ins Freie zu gehen. Später sollte eine Kahnfahrt und nach derselben ein Spaziergang in den Wald unternommen werden. Margarethe wollte uns zu dem an ihrem Lieblingsplätzchen erbauten Pavillon führen, den sie uns noch nicht gezeigt hatte.

Alles verlief ganz programmgemäß. Aber während ich ruderte, bemerkte ich wiederholt, wie Theodor, der am Steuer saß, mit Margarethen leise Worte tauschte. Auch schien es mir, daß sich die von mir schon früher wahrgenommene erregte Spannung ihres Wesens sichtlich steigerte.

Schon neigte sich die Sonne ihrem Untergange zu, ihre schräg auffallenden Strahlen glitzerten und glänzten auf den Wellen wie flüssiges Gold. Die Abendkühle senkte sich erfrischend hernieder.

An einer buchtähnlichen Biegung des Flusses, an dessen Ufer eine Bank stand, landeten wir, um von dort aus den Weg durch den Forst nach dem Pavillon einzuschlagen. Wir hatten jedoch erst einige Schritte zurückgelegt, als Margarethe erklärte, vorher noch nach Hause gehen zu wollen, um sich einen Shawl zu holen. Der Abend sei plötzlich so kühl geworden.

Theodor meinte jedoch, wir sollten vorangehen, er würde nach Hause eilen, um das Gewünschte zu bringen.

Er setzte sich in Schnellschritt – doch nur, um nach zwei Minuten einen kleinen Schrei auszustoßen und, indem er hinkend zu uns zurückkehrte, die Erklärung abzugeben, er sei gestrauchelt, habe sich den Fuß verletzt und bäte daher mich, die Mission zu übernehmen, da er unmöglich so rasch zu gehen vermöchte. Sie Beide würden hier auf der Bank meine Rückkehr abwarten.

Ich verstand – und vermochte es nicht, ein spöttisches Lächeln zu unterdrücken. Fragend blickte ich auf Margarethe, doch als sie mit freundlicher Bitte sich Theodor's Anordnung anschloß, sah ich, daß es ihr Wunsch sei, daß ich sie verlasse, und begab mich auf den Weg.

»Das also haben sie mitsammen abgekartet, als ich sie flüstern sah,« dachte ich, während ich beinahe laufend dem Hause zustürmte. Dort ließ ich mir von einem Diener irgend einen Shawl Margarethens geben und kehrte wieder zurück. Etwa zwanzig Minuten mochten verflossen sein, so war ich wieder zur Stelle. Doch die Bank war leer. Weder von Margarethe noch von Theodor eine Spur.

Ich rief, aber keine Antwort tönte zurück.

Da lachte ich laut auf – doch that mir dieses Lachen so wehe, als ob ich weinte.

Dann überlegte ich, was ich thun sollte. Hier warten? – Wozu! Hierher kamen sie gewiß nicht mehr. Nach Hause zurückkehren, allein? – Damit riskirte ich, Margarethe zu compromittiren, deren Escapade mit Theodor dadurch bekannt wurde. Den Beiden auf dem Wege nach dem Pavillon folgen? – Das war unmöglich, denn ich kannte den Weg nicht, der eine Steinwurfweite von der Bank entfernt sich in drei verschiedenen Richtungen nach dem Walde hin trennte. Also was thun –?

Plötzlich schoß mit ein Gedanke durch den Kopf. Spornstreichs eilte ich wieder zur Villa zurück und rief Pluto heran, Margarethens prächtige dänische Dogge, deren specielle Freundschaft ich mir bereits erworben hatte und die mir ohne Widerstreben folgte. Zum viertenmale legte ich, jetzt von Pluto begleitet, den Weg zur Bank am Flußufer zurück. Dort angelangt, rief ich dem Hunde zu:

»Such' die Frau, such' Deine Herrin, Pluto! Such', such'!« und ich hielt ihm Margarethens Tuch an die Nase, auf daß er besser verstehe, wen er suchen sollte. Und das kluge, schöne Thier verstand mich vortrefflich.

Erst hob es den Kopf empor und schnupperte in die Lüfte, dann den Weg entlang. Und ein leises, kurzes Gebell anschlagend, sprang es in weiten Sätzen auf einem der sich kreuzenden Fußpfade dem Walde zu.

»Langsam, Pluto, langsam!« rief ich ihm zu, da ich ihm kaum zu folgen vermochte.

Der Hund mäßigte seinen Lauf und nun ging es, von ihm geleitet, in den Wald hinein.

Es dämmerte bereits und im Forste lag schon tiefes Dunkel. Mit den Füßen über Wurzeln stolpernd, mit dem Kopfe an Bäume stoßend, das Gesicht gepeitscht von den niederhängenden Zweigen, folgte ich im Laufschritte meinem wackeren Führer.

Plötzlich sah ich eine Lichtung vor mir und in demselben Augenblicke hörte ich Pluto, der mir in den letzten Minuten vorangeeilt war, laut und freudig aufbellen. Dann ließ sich Margarethens Stimme vernehmen:

»Pluto, Du hier! Wie kommst Du hierher, mein Braver?«

Und darauf Theodor:

»Er wird aus dem Garten entkommen und Ihrer Spur gefolgt sein.«

Da waren sie also! – Tief aufathmend blieb ich stehen. In diesem Zustande, athemlos, keines Wortes mächtig, mit zerzaustem Haar, die Kleider in Unordnung vom wilden Lauf, konnte ich unmöglich vor die Beiden hintreten. Was würden sie von mir denken! Auch mußte ich mich erst besinnen, was ich ihnen zur Erklärung meiner seltsamen Parforcejagd sagen wollte.

Behutsam, um meine Nähe durch kein Geräusch zu verrathen, drang ich bis an den Saum des Waldes vor. Nur der dämmernde Lichtschein, der von dort in das Dickicht fiel, leitete mich jetzt. Denn die Stimmen der Gesuchten waren verstummt. Am Rande der Lichtung, vom tiefen Schatten der Bäume gedeckt, hielt ich nochmals inne. Und jetzt erblickte ich die Beiden.

Inmitten der kleinen Waldwiese, nahe dem im Stile eines Miniaturschweizerhäuschens gebauten Pavillon, stand Margarethe, das Haupt zu Theodor herabgeneigt, der vor ihr auf den Knien lag –

Und mit bebender Stimme sprach er:

»Zürne mir nicht, Margarethe, daß ich es wage, Dir das Geheimniß meines Herzens zu entdecken. Ich liebe Dich, liebe Dich unsäglich!«

Margarethe trat einen Schritt zurück.

»Wie unvorsichtig!« flüsterte sie hastig. »Wissen Sie denn nicht, daß nicht nur Wände, zuweilen auch die Bäume Ohren haben? – So stehen Sie doch auf!«

Theodor erhob sich. Und die Hand nach dem Pavillon ausstreckend, bat er:

»Margarethe –?!«

Die Thür öffnete sich und Beide verschwanden im Inneren des Häuschens.

In einer Secunde stürmte blitzartig eine Fluth von Gedanken und Gefühlen durch mein Inneres.

Ein Schmerz durchzuckte mich, wie er heftiger nicht hätte sein können, wäre ich Margarethens Gatte oder Bruder gewesen. Einen Augenblick fühlte ich mich versucht, ihnen nachzustürzen und Theodor zu Boden zu schlagen. Aber hatte ich etwa ein Recht dazu? Wahrlich nicht! Dann ergriff mich Scham, als ob ich es wäre, der einen Frevel begangen, und eine wilde Qual, meinen Glauben an Tugend, an die Unwandelbarkeit treuer Liebe so schmählich und auf so lächerliche Weise zerstört zu sehen. Und alle diese Gedanken und Empfindungen waren in wenigen Augenblicken zusammengedrängt, denn als ich mich wieder zusammenraffte, fiel hinter den Beiden erst die Thür ins Schloß.

Doch was war dies? – In dem Häuschen blitzte plötzlich ein Lichtschein auf und ein schwacher Schrei ertönte.

Ich schritt vorwärts, und durch ein Fenster in den Pavillon spähend, bot sich mir der überraschendste Anblick.

In der mir gegenüber liegenden Fensteröffnung las ich die durch ein glänzendes Transparent gebildeten Worte:

»Veni, vidi – non vici.«

Und nun wurde es hell im Pavillon. Unter Margarethens Händen flammte eine Lampe auf. Und ich sah auf einem Tischchen allerlei kostbare Gegenstände zierlich geordnet: einen eleganten Briefbeschwerer, eine prachtvolle türkische Pfeife, ein Cigarrenetui und noch manches andere, dessen ich mich nicht mehr entsinne.

Neben dem Tischchen aber stand Margarethe – an Arthur's Schulter gelehnt und Beide blickten lächelnd auf Theodor, der starr wie eine Bildsäule an der Thür stand.

Jetzt trat Margarethe auf ihn zu.

»Hab' ich mein Wort gehalten?« fragte sie. »Ich sagte doch, Ihr Geburtstag treffe sich köstlich. Schade, daß unser Freund, den wir so schmählich im Stiche gelassen, nicht anwesend ist, sich auch an der Ueberraschung zu laben.«

»Ihr Wunsch ist erfüllt, gnädige Frau,« fiel ich ein, lachend durch die Thür tretend. »Freund Pluto hat mich hierher geführt.« Und gegen Theodor gewendet, flüsterte ich: »Wer zuletzt lacht –«

Theodor hatte endlich seine Fassung wieder gewonnen und mit der Gewandtheit des Weltmannes gute Miene zum bösen Spiele machend, dankte er mit erzwungener Heiterkeit für die allerliebsten Geburtstagsgeschenke und – leise zu Margarethe – für die heilsame Lehre.

Ob diese Radicalcur ihn von dem Wahne seiner Unwiderstehlichkeit und von jenem, daß es keine echte Treue gebe, gründlich geheilt hat? – Ich weiß es nicht. Mir gegenüber vermeidet er es ängstlich, auf dieses Thema zurückzukommen.

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