GESANG EINES POLNISCHEN DICHTERS
Reading edition
Einsame suchen die Einsamkeit. Weinend gleiten, die schwarzen Flügel hebend, die Schwäne, und ihre Tränen versinken ungesehn in den flimmernden Teich.
Aber ins Gedränge, um die Wärme menschlich Gestalteter nah zu fühlen, in den singenden Haß hoffender Menge hast Du Dich verstoßen, zerrüttet von Melancholie.
Sieh, aus dem Scheitel, der lange Stunden gebeugt war, versank das Blut. Aber in mutlose feuchte Nacht über den stummen Scheitel erhebt sich Blut des Mondes.
Sag dieses Wort: „Mond.“ O metallne Schönheit reimloser Verse. Sei monden Deine Stirn, die zerrüttet von Melancholie sich aufhebt.
Aber Du wanderst mit den Soldaten, zogst erstaunt über schmale Schultern das Kleid der Legion. Die geschliffne Glätte schneidend prunkender Bajonette prüfen eitel Deine waffenlosen Hände.
Dann klebte Schmutz an Kleidern und Gelenken. Der Leib verfiel vor Hunger. Schreie verröchelten in Schaum und Blut neben Dir. Gewitter fiel wöchentlich in die braunen Zelte.
Du knietest hin, und gut weitetest Du Dein blindes Herz. Barbarisch erfüllte das Fleisch der Menge Deine Gesänge. Dein hartes Lächeln, Demokrat!
Du lagst auf mondenen Erden, Du wundertest Dich, allein ein Leib zu sein und nicht die Flutenden alle, Leiber wie Dein Leib, zu werden.
Du hörtest nicht auf, mit gefalteter Stirn und stumm zu fragen, was Menschen ertragen, wie — schwoll Dein Herz — mit Dir die Menschen leben können.