S
Reading edition
sabben, sw. v. (beim Essen) den Speichel aus dem Munde fliessen lassen; unreinlich essen.
sabel, zabil, m. Zobel; Zobelfell, Zobelpelz. Zss.: sabel-vel, zabils-hûd (Fell). Adj. sabelen, tzabulen; als Subst. Zobelpelz.
sāchaft u. sāchaftich, zaghaft, furchtsam.
sāchafticheit, Zaghaftigkeit.
sacht(e) (auch sâchte?), adj. u. adv. 1. sanft, weich, milde, angenehm, leise, langsam. 2. bequem, leicht, leichtlich (zur höflichen Milderung eines Urteils).
sachte-levent, m. der unbekümmert u. üppig dahinlebt.
sacht(e)liken, adv. = sachte.
sachten, sw. v. 1. intr. sanft, milde, gelinde werden. 2. trans. sanft machen, mildern, herabmindern.
sacht(e)nisse, Milde; Linderung, Erleichterung.
sachtheit = sachticheit.
sachtich, still, heimlich; sanft, langsam.
sachticheit, 1. Sanftheit, Weichheit, Zartheit. 2. Sanftmut, Milde. 3. Milderung, Erleichterung.
sachtigen, sw. v. sanft machen, mildern, lindern.
sachtigen, adv. sanft, gemächlich.
sachtinge, Sänftigung, Linderung, Erleichterung.
sacht-mêtigen, adv. sanft, leicht.
sacht-modelike(n), adv. = sachtmodich.
sacht-modich, sanftmütig, milde, gelassen. Adv. sachtmodigen.
sacht-modicheit = sachtmôt.
sacht-modigen, sw. v. besänftigen, lindern; sanft, linde werden.
sacht-môt, Sanftmut, Milde, Gelassenheit.
sacken, adj. von (grobem) Sacktuch.
sacken, sw. v. in Säcke thun, sammeln; als geschärfte Todesstrafe, in e. Sack ertränken; refl. sich senken, sinken.
sacker, der das Getreide in die Säcke schlägt.
sacrament(e), n. Sacrament, bes. des Altars; Hostie; auch Bezeichnung Christi.
sacramentes-hûs, Gehäuse für die Hostien.
sacrilegie, Kirchenraub, -schändung.
sacristie, f. Sacristei.
saddel = sadel, Sattel.
sade, f. Sättigung, das Sattsein; Fülle, Genüge.
sadeken, e. Saatkörnlein.
sadel, pl. sedele, m. Sattel, sella.
sadel, m. Hauptgebäude einer Burg; Saal, Halle.
sadel-boge, -bôm, Sattelbaum; -exe, Sattel-, Streitaxt, bipennis; -gordel, S-gurt; -kussen, S-kissen, Sattel; -maker, Sattler; -pert, S-, Reitpferd; -prên, am S. hängender Dolch? -schelle, Schelle am S.; -tasche, S-tasche; -vat, am S. hängendes Gefäss oder Tasche.
sadel-gût = salgût = d. folg.; -hof, Sal-, Sattelhof, freier Oberhof; -hove, f. Sal-, Sattelhufe.
sadelen, sw. v. satteln.
sadeler, Sattler.
sâdel-tît, Saatzeit.
saden, sw. v. 1. satt werden. 2. sättigen, satt machen; sik s. m. Gen., sich s. an; den hunger saden, den Hunger stillen.
sâden, sw. v. seminescere; sadet, sementis, seminarium.
sader-dôk, e. Tuchsorte = sardôk?
sâdich, besäebar, sementis; s. lant, Saatland.
sadicheit, Sattheit, Sättigung.
sadigen, sw. v. sättigen, befriedigen; sik s. mit, sich genügen lassen an.
sadinge, Sättigung.
sâdinge, Saat u. Saatland.
saffarân, saff(e)rân, m. Safran; s-varwe, Safrangelb.
saffîr, Saphir.
safte u. saftich (â?) = sachte, mitis.
sage, st. f. Rede, Gerede, Gerücht, Erzählung, Aussage, Meldung, Ausspruch, Urteil, Entscheidung.
sage, st. sw. f. Säge.
sage, st. m. f. Zaghaftigkeit, Furcht, Zittern; Fieber.
sage, adj. feige, kleinmütig; Subst. Feigling; schlechter Mensch, Schelm.
sage = saie.
sage-blat, das eiserne Blatt der Säge; -blok, -bôm, -klik, ein zu Brettern zu zersägendes Stück Holz; -dele, gesägte Diele; -holt = sageblocke oder = sagedelen; -mole, Sägemühle.
sage-bôm = sagenbôm.
sagel, tzagel, m. Schwanz; der Hintere.
sagel-spene, sgl. Sägespäne.
sagen, vestis cilicina (de pilis caprarum); vgl. saien.
sagen, sw. v. sägen.
sagen, sw. v. (sagede, gesaget) = seggen.
sager, Holz-, Steinsäger.
sagen-bôm, saumus, sabina, saginus, sambucus, accyron.
sagêren, sw. v. Edelmetall, Münzen auf den Gehalt probieren; mndl. assayeren = frzs. essayer, it. saggiare. Vgl. saie.
sage-segger, fabularius.
saie, saige, st. f. Gold-, Silberprobe, Münzprüfung; Probiereisen; probehaltiges Edelmetall? frz. essai, it. saggio.
saie, sage, saige, saye, sw. f. leichtes Zeug von feiner Wolle.
saien, sagen, saigen, sayen, sain, adj. von saie; subst. = saie, davon die Zss. saiens-hôt, -kolte, -rok etc.
saien, sw. v. säen.
sak, pl. secke, m. 1. Sack; e. Teil des menschlichen Leibes; Geldsack, Geldbeutel. 2. Schimpfwort auf unartige, langsame, auch liederliche Weiber.
sak-dragen, Säcke tragen.
sak-drager, -dreger, Sackträger, Lastträger; Bezeichn. des Esels.
sake, f. 1. Sache, Ding, Angelegenheit; wêre it sake, wäre es der Fall, wenn; it en wêre denne sake, es sei denn. 2. Rechtssache, Handel, Prozess. 3. Ursache, Grund; sunder sake, ohne Grund, schuldlos; bi saken, mit Grund.
saken, sw. v. Partic. auch st. gesaken, 1. intr. u. refl. verursacht werden, entstehen; trans. verursachen, bewirken, schaffen. 2. im gerichtl. Sinn: eine Sache, einen Prozess haben, klagen (vor Gericht), einen Prozess oder Anspruch erheben. 3. behaupten, darlegen, erklären?
saken-schriver, Protokollführer.
saken-wolde, sw. m.; -wolder, st. m. jüngere Formen für sake-wolde.
sakerments-dach, Frohnleichnamstag.
sake-schêdent, n. Rechtsentscheidung.
sake-wolde, -welde, sw. m. 1. der gemeinschaftliche Name für Kläger und Beklagten, Partei. 2. der Hauptbeteiligte, Hauptinteressent, Hauptschuldner (im Ggs. zum Bürgen), Aussteller eines Contractes. 3. der bevollmächtigte Vertreter einer verhandelnden oder klägerischen Partei.
sake-woldige, -weldige, sw. m. = sake-wolde.
sakinge, Klage; Rechtsstreit.
sak-lowent, Sack-Leinewand, -Tuch.
sak-man, 1. Trossknecht, Stallknecht. 2. Räuber, Plünderer.
sak-penninge, pl. ein nach Sackzahl berechneter Zoll.
sak-pipe, Sackpfeife, tibia utricularis; -piper, der sie bläst.
saks-bant, Strick zum Zubinden von Säcken.
sak-stuke, n. Gewand von Sacktuch.
sak-tal, Sackzahl; bi s., sackweise.
sak-wolde, -woldige, sw. m. (ältere Form?) = sakewolde.
sal, sāl, st. m., selten n. Niederlassung, Wohnsitz, Aufenthalt; Wohnung, bes. v. Fürsten u. Herren, Palast; Saal, Halle; Söller, Etage (in Hamburg noch »Sahl«).
salât = sallât.
sal-broder, der mit andern in derselben Sache salman ist.
sâlde, f. Glück, Heil, Segen; de ewige s., Seligkeit.
sâlden-rîk, segensreich.
sale, f. 1. = sadelgût, Hauptgut. 2. Grundherrlichkeit.
sale, Seehund, Robbe.
sale-, salamander, m. Salamander.
sal-erve, der Erbe des Hauptgutes.
sale-vel, Seehundsfell.
sale-werte, wol = sarwerte.
sal-gût, das zum sadelhof gehörige Gut.
sal-hunt, Seehund, Robbe.
salich, fuscus = solich.
sâlich, fromm, gut, heilig; beglückend, heilbringend (salutaris); glücklich, beglückt; gesichert, geschützt, unverletzt; selig (im theolog. Sinne); von Verstorbenen, bes. in d. Formel: saliger (ge)dechtnisse, abgekürzt: saliger.
sâlicheit, Heil, Glück; Seligkeit (im theolog. Sinne).
sâlichlike, adv. fromm, heilig; beglückt, glücklich.
sâlich-maker, Seligmacher, Heiland.
sâlich-makinge, Heiligung, salvatio.
sâligen, sw. v. beglücken, segnen, ein Glück, einen Erfolg verleihen; selig machen.
sallât, m. Salat, lactuca, acetarium.
sallûn(e), s. salûn.
sal-man, Plur. -lude, -menne, die Mittelsperson bei einer gerichtlichen Übergabe; spec. Testamentsvollstrecker.
salm(e), sw. st. m. Lachs, salmo, gamarum, rombus.
salme, sw. m. Psalm. salm(e)-bôk, Psalmbuch.
salpeter, Salpeter.
salsa-, salsemente, Gewürz zu Speisen, gewürzte Beispeise.
salsamenten-puder, Gewürzpulver zu Speisen.
salse, f. = salsamente, bes. die gesalzte, gewürzte Brühe.
salsen-krût, Sauerampfer, acetosa.
salsêr, n. u. Dem. salsêrken, Salsennapf, Sauciere; Salz-, Senf-, Essigschüssel.
sal-smer, Seehundsspeck, Robbenthran.
sal-stede, freie Bauer-, Hofstelle.
salt, n. ältere u. dialekt. Form für solt.
salter, m., selten n. Psalter, Psalmenbuch; ein einzelner Psalm; übertragen: der Blättermagen der Wiederkäuer.
salter(i)ane, herba salutaris, pes pulli.
salûn, n., salune, eine wollene Decke, bes. Bettdecke; auch salune-, salûns-deke (nach dem Fabrikationsorte Chalons benannt).
salûn(en)-maker, der salunen macht.
salute, eine gewisse Goldmünze, ndl. saluyt, mlat. salutianus.
saluen (l. salwen?), sw. v. dürre, welk werden.
salvachtich, -echtich, unctuosus.
salve, f. Salbe.
salve-conduît, n. sicheres Geleit, Geleitsbrief, frz. sauve-conduit.
salven, sw. v. salben, beschmieren; zu e. Würde salben, weihen; Heilsalbe aufstreichen, fig. heilen, entschädigen; betrügen, anschmieren? mit gelde s., bestechen.
salven-busse, Salbenbüchse; -maker, -meker, Salbenverfertiger.
salvete, Dem. salvetken, Serviette.
salvich, unctuosus.
salvi-conduct, n. = salveconduît.
salvie, -vye u. salvei(g)e, sw. f. Salvei. Zss. s-n-bêr (Bier), -blat, -wortele.
salvinge, Salbung; letzte Oelung.
sal-visch, Seehund.
sal-werker, -werter, wol = sarwerte.
sal-wide (salt-wide), Sal-, Bachweide.
sam, adv. ebenso, als, wie; same = sam mi (God) helpe, in Beteuerungen: so wahr, bei; vgl. seme, summe.
samele = semele.
samelen, sw. v. = samenen.
samelent, später samelt, n. Versammlung, Zusammenkunft.
sameliken, adv. sämtlich, zusammen.
samelinge = sameninge.
samen, s. samenen.
samen-burger, Mitbürger.
samende, s. sament.
samene, s. tosamene.
sam(e)nen, samen, sammen, sw. v. sammeln; de hende s., zusammenlegen, falten; refl. sich ansammeln; sich verbinden (nam. ehelich).
sam(e)ninge, saminge, samminge, Sammlung; Zusammenkunft, Versammlung; Gesamtheit, Corporation, Gemeinde, geistl. Congregation, revolutionäre Verbindung; Aufgebot, Truppen; Geldsammlung.
samen-lofte, n. und -lovenisse, f. gemeinsames Gelübde, gegenseit. Versprechen.
sament, samet, samt, adj. gesamt, vereinigt, ungeteilt; mit êner samenden hant, zusammen; int samende, insgesamt; to s.: s. tosamende; dat same(n)de, Gesamtgut; Gesamtheit; adv. zusammen; präp. s., mit s., m. Dat. samt, mit.
sament-, samet-, samt-boringe, gemeinsame Geldeinnahme; -bosem, die Verwandten, Bundesgenossen als Ganzes; -entfangen, gemeinsam empfangen; Subst. -entfanginge; -hode, gemeins., gleiches Weiderecht; -klêdinge, gleiche Kleidung mehrerer; -kome, st. m. und -kumst, f. Zusammenkunft; -kôp = samkôp; -kopen, alle auf den Markt gebrachte Ware zusammenkaufen, überh. Grosshandel treiben; -kosent, n. Unterredung; -lik, 1. gesamt, ungeteilt, sämtlich; 2. = somelik, manch, etlich; -nâme, m. gemeinschaftliche Beute; -nêtinge, gemeinsch. Genuss; -weide = samthode.
samer, s. somer.
samfte, samftich, sanft, milde.
samft(e)-mode, -modich, sanftmütig, mansuetus; samftmodigen maken, mitigare.
samften, samftigen, lenire.
samftenêr, ein Teil der Rüstung für die Beine.
sam-gût, Gütergemeinschaft.
samit = sammit.
sam-kôp, Kauf (Verkauf) en gros; adv. samkopes.
sammelen, sammelinge, sammeliken, s. samel-.
sammelot, Kamelot, urspr. ein Zeug von Kameelharen.
sammelt, n. = samelent.
sammen, sammenen, s. samenen.
sammeninge, samminge, s. sameninge.
sammit, sammet, Sammet; -varwe, bissinus; adj. sammitten, sammitsch.
sammitticheit = samwitticheit.
samnen, samninge, s. samen-.
sam-schattes, adv. Gen. in Gesamtbesitz.
samt, s. sament.
sam-witticheit, Gewissen, conscientia; s. maken van, eine Gewissenssache machen aus.
sân, alsbald, sogleich; bestimmt eine Aussage näher, bestärkend oder beschränkend, quidem, tamen, etiam; of sân, auch wann, selbst wenn, obschon.
sandân, e. Fisch, = sandât?
sandât, Sander, Hechtbarsch.
sande, f. = sende.
sandechtich, sandich, sandig.
sand-man = santman.
sane, Sahne, Rahm.
sanfte, sanft.
sange, Ährenbüschel (des noch ungeschnittenen Kornes).
sank, fl. sanges, m. Gesang; Lied; bes. der gottesdienstliche Gesang; den sank benemen, legeren, leggen, durch ein Interdict den Gottesdienst suspendieren.
sank, m.? das Sinken: in s., to sanke gân, zusammen fallen, untergehen; schepe an, in s. schêten.
sank-bok, Gesangbuch, bes. Messbuch; -bret, Notenpult; -hûs, cantuarium, Kirchenchor; -gelt, 1. Einkommen des Schulmeisters von den Singeschülern. 2. = d. folg. W.; -korn, -penninge, Geld-, Kornsteuer zur Haltung von Messen; -leger, n. -legeringe, f. Verbot des Gottesdienstes, Interdict; -mêster, Domcantor; -misse, Ggs. stille misse.
sannekele, senecion; sanicula.
sant, n. (R. Vos 1627 m.?) 1. Sand. 2. sandige Fläche, bes. Strand, Sandbank; over sê unde sant, ausserhalb Landes, halen, bringen, von auswärts holen.
sant-achtich, sandig; -baye, -bage, f. e. Bucht mit Sandgrund; -berch, Sandhügel, Düne; -dreger, Sandträger: Maurerarbeitsmann? Sandverkäufer? -dune, Sanddüne; -grunt, sandiger Grund der See; -hol, n. Sandgrube; -kiste, Sandkiste (beim Hausbau); -klippe, Sandbank; -lant, sandiger Acker; -schelle, Flugsandstrecke; -stên, Sandstein; -stêneken, Sandkorn; -vore, f. das Fahren von Sand, Sandfuhre; -wurp, Strandgut.
sante, heilig (vor Heiligennamen).
santelen u. santen, sw. v. weihen, heiligen, sanctificare.
santelie, Weihe, Heiligung.
sant-man, (schlesw.) aus den freien Landeigentümern gewählter Geschworner oder Richter, dän. sandemand.
sap, n. Saft.
saphîr, s. saffîr.
sapich, saftig.
sapke u. sappe, Taucher, mergulus.
sappe, f. Jauche, Röste? (für den Flachs).
sap(p)el, tzap(p)el, (ê?) Kranz (v. natürlichen oder künstlichen Blumen oder Flitter), bes. als Hauptschmuck der Jungfrauen und bei Processionen. Dem. sappilleken.
sardîn u. sardis, Sarder, e. Edelstein.
sar-dôk, grobes, starkes Zeug, halb Leinen, halb Wolle.
sariante, sargante, sardiante, Diener (entw. Gerichtsdiener oder Diener eines Ritters, Knappe).
sark, sarik, sarek, n., auch m.; sarke, f. Sarg.
sarkot = sorkot.
sark-stên, sarcophagus; Grabstein; jeder Sandstein.
sarok = sardôk; aus sarrok?
sarpentiner = serpentiner.
sar-rok, Rock aus sardôk; = sardôk.
sart, zart.
sarte, tzarthe (= schartse), wollene Bettdecke; l. sarce, tzarche? mhd. serge, frz. sarge.
sarte, sarter = serter.
sartser, zarser, Packer, Verlader, e. engl. Beamter, charger.
sar-want = serwant.
sar-werte, -worte, sw, m.: sarwerter, st. m. Verfertiger von Rüstungen.
sassam, mutwillig, lascivus, petulans.
Sasse, Sachse; sassesch, sächsisch.
sas-vedder, Schwungfeder.
sat, m. Gen. satt, gesättigt; hinreichend, genügend.
sat, m. Einsetzung, institutio.
sât, f. das Säen; Aussaat, Saatkorn; Erntekorn; Saatfeld.
sât, n. Samen von Pflanzen u. Thieren; Saatkorn; Erntekorn: Nachkommenschaft.
-sate, -sete, m. der -sass, -sasse, -sitzer; nur in Zusammensetzungen, z. B. holtsate, -sete; kot-, in-, lant-, môr-, wort-, walt-, undersate etc. Auch -sater, -sating, -sateling. Sehr gewöhnlich wird -sate, -sete, -sater zusammengezogen in ste u. ster, z. B. Holste, inste, lanste, worster, koster u. a.
sate, sw. m. = satesman.
sate (sât), Niederlassung, Baustelle, Hufe.
sate, f. 1. Beruhigung, Ruhe, Stille. 2. Vereinbarung, Vertrag, Vergleich, Friede. 3. Festsetzung, Tarif; Verzeichnis (der dienstpflichtigen Ritter und Dienstmänner). 4. Versetzung, Verpfändung u. concr. das versetzte Pfand, Unterpfand, Hypothek.
sate-bôk, Protocollbuch über saten; -brake, f. Bruch einer sate; -braker, -breker, der e. sate übertritt; -brêf, Urkunde über e. sate; -hêre. = satesman; -schriver, der das satebôk führt.
satelik, ruhig, sanft, gesetzt, geduldig.
saten, sw. v. 1. beruhigen, stillen, sedare. 2. beilegen, schlichten, versöhnen, vereinigen. 3. festsetzen, bestimmen, ein-, ansetzen. 4. versetzen, verpfänden. 5. festsetzen, ins Gefängnis setzen. 6. refl. seinen Sinn u. Thätigkeit worauf setzen; sich vorbereiten, rüsten (gew. mit up); sich verhalten gegen, sich stellen zu (to).
satene = sate, f.
sater-, saters-dach, Sonnabend.
sates-man (Plur. -lude), der bei einer sate zugegen ist, sie bezeugt u. bekundet, der für die Vollziehung derselben zu sorgen hat; überh. Aufseher, Vorsteher, Commissar.
sates-vrede, Friede, über den man sich verglichen hat.
sât-gro(i)ne, saatgrün.
sat-heit, saturitas.
satich, ruhig, friedsam, placidus.
saticheit, Ruhe, Friede; Sanftmut.
satigen, sw. v. 1. stillen, beruhigen. 2. festsetzen, bestimmen, ordnen. 3. refl. sich festsetzen, niederlassen.
satîn, ein halbes Loth (1 M. = 4 ferding, 16 Loth, 32 Satin); im Münzwesen auch der Weisssud.
satinge, sattinge, f. 1. Einung, Vergleich. 2. Einsetzung, Bestimmung. 3. Festsetzung, Wertbestimmung, Schätzung. 4. Festsetzung, Verhaftung. 5. Versetzung, Verpfändung u. concr. Unterpfand.
sât-korn, Saatweizen (Ggs. âtkorn), -lant, Ackerland; -mân, October; -rogge, Saatrocken.
satte, f. = sat, m.
sattinge = satinge.
satureie, Saturei, e. Gewürzpflanze.
save-condût = salveconduit.
savel-, saven-bôm = sevenbôm.
sax, n. Messer (nur noch in fries. Gegenden); -dât, That mit dem Messer, Messerstich.
sc-, s. sch-.
scant, kaum (engl. scanty?); l. scars?
schabbe, Lump, schäbiger, armseliger Kerl.
schabbich, krätzig, schorficht.
schabiose, scabiosa.
schacht (= schaft), m. Schaft, grade, runde, überall gleich dicke Holzstange (zum Messen = 7 Fuss); Lanzen-, Speerschaft, auch diese Waffen selbst; Schaft im Webstuhl; bei Pferden = penis, Rute; als Mass bei Tiefen: eine Rute breit n. lang, ein Fuss tief; Schacht im Bergwerke, Brunnenschacht.
schacht-âl, e. Art Aale als Handelsartikel; -holt, Schachtholz, Reitel; -rowe, Ruhe vom Lanzendienst, Zeit der Befreiung vom Heerdienst; -snider, Schachtschneider, Drechsler (verfertigt Mulden, Schaufeln etc.).
schach(t)-tafele = schaktafele.
schacken: Messer-, Schwerthefte geschacket (als Fehler), an einander gestückt?
schackêret, gewürfelt, wie ein Schachbrett.
schadaftich = schadehaftich.
schade, m. 1. Schaden, Nachteil, Beschädigung. 2. Vermögensnachteil, bes. der durch Verzinsung einer Schuld entsteht, daher = Zins: gelt up schaden nemen, Geld gegen Zins anleihen; up schaden gân, verzinset werden.
schade, m. Schatten.
schade-borge, der Gegenbürge, der für die Bürgschaft eines andern mit einsteht; bes. bei Urfehden, der mit dem Hauptschwörer die Urfehde beschwört, fidejussor; auch medelover genannt.
schade-gelt, Geldschaden, Verlust; Strafgeld, Geldbusse; bes. Zins.
schade-(h)aftich, 1. Schaden nehmend, schadhaft. 2. Schaden verursachend = missedêder.
schade-kôp, venditio periculosa.
schadelik, schädlich.
schade-lôs, ohne Schaden, Nachteil; schadelôs-brêf, Urkunde, worin Schadloshaltung zugesichert wird.
schaden, sw. v. schaden; weh thun (wat schadet di, was fehlt dir?); = beschaden, Geldstrafe auferlegen.
schaderen = schoderen.
schadesam, schädlich.
schadinge, Schädigung, Schaden.
schaduwe, -dewe, m. Schatten.
schaf, was geschabt ist, Schabsel.
schaffen, sw. v. ordnen, bestimmen; bewerkstelligen, ausrichten; herbeischaffen.
schaffer (schaffener), der die Herbeischaffung, Ausrichtung und Besorgung irgend einer Sache hat, procurator; bes. der zu Festlichkeiten einladet, aufwartet, auch die Kasse führt, überh. die ganze Besorgung hat.
schafferie, 1. Besorgung, die ein Schaffer hat. 2. Gelage, Corporationsfestmahl.
schafferschop = schafferie.
schaffoni(e), heleborus.
schaf-isern, Schabeisen.
schafnisse, Verwaltung, Ordnung.
schaf-ris(ch), -rusch; -riet, equisetum hiemale, cauda equina, apparilla, juncus, corrosivus papirus.
schaft, m. Lanzen-, Sperschaft.
schaft, Geschaffenes, Creatur; Beschaffenheit, Gestalt.
schaftich, schaftartig.
schaf-worm, Schabewurm (Aftermade, Springwurm?).
schage = sage, saie (d. Zeug).
schak u. schâk, n. Schach, Schachbrett, -spiel; s. bêden, S. bieten, krigen, schachmatt gestellt werden; up dem schake spelen, dobelen, S. spielen.
schâk, Raub.
schaken, sw. v. rauben.
schakere, Räuber, Schächer.
schak-spil, Schachspiel; dat s. spelen unde tên, S. spielen.
schak-tafele, Schachbrett; Spiel auf demselben; auch schaktafel-spel.
schak-tafelen, sw. v. in Form eines Schachbrettes aufstellen, symmetrisch ordnen.
schal, schal (von Geschmack); v. den Augen: trübe, blöde.
schal, m. Schall, bes. Freudenlerm; Procession (unter Musik); Kunde, Gerücht.
schalback, -ch, e. geringe Sorte Hering; vgl. schawak.
schalbar, anrüchig.
schal-bort, das äussere runde, welches in der Länge eines Stammes vom Bauholze abgesägt wird, damit es die gevierte Form bekommen soll.
schale, f. Napf, Trinkgefäss; ênes s. drinken, jemandes Gesundheit trinken; als bestimmtes Mass (wie beker); Frucht-, Confectschale; Wagschale; als Geschmeide (von Silber) an Frauenröcken; Beschlagstück am Schwertgriff oder Messerheft.
schale, eine Pferdekrankheit, Exostose.
schale, schaler, schaller, schaloen, herumstreifender Possenreisser.
schalêren, lermen, prahlen, mhd. schallieren.
schal-holt, Holz zum Verschalen oder = schalbort.
schalich, schal (von Bier etc.)
schalinge, Verschalung, Verkleidung mit Brettern.
schalk, m. 1. Diener, Knecht. 2. Mann von knechtischer Gesinnung, von bösem, ungetreuem Character, Bube; de olde s., »der alte Adam«. 3. die kleine Stütze, worauf ein Sparren oder Balken ruht.
schalk, adj. boshaft, arglistig, nichtswürdig.
schalkaftich u. schalk(e)lik, adj. = schalk.
schalk-dore, sw. m. Schalksnarr.
schalkernie, Knechtschaft, Sklaverei.
schalkes-vunt, Ränke, Kniffe eines Schalkes.
schalk-gnade, simulierte Gnade.
schalkheit, Büberei, Nichtswürdigkeit.
schal-knôp, Knopf, der zu dem Geschmeide schale gehört.
schalk-krank, scheinkrank.
schalk-vrom, scheinfromm.
schallen, sw. v. schal machen (v. Musikern u. musikal. Instrumenten); lermen, schreien; laut seine Freude kundthun.
schallich = schalich.
schallicheit = schalkheit.
schallik = schalk.
schalm, lauter Ton.
schalm, Becher? (in Kahnform?)
schalmeide, f. Schalmei, Rohrpfeife.
schalmussinge, Scharmützel.
schalp, Schwertscheide, vagina, aus anord. skalpr.
scham, adj. = schamel.
schame, f. Scham; Schimpf, Schande.
schamel, trabale, die beiden beweglichen Querhölzer unter dem Obergestell des Wagens.
schamel, 1. schamhaft, blöde, bescheiden, ehrbar, pudens, pudicus; Unterthanen bezeichnen sich oft der Obrigkeit gegenüber als schamel (wi armen schamelen undersaten); daher 2. = arm.
schamelheit, 1. Scham, Verschämtheit; concr. Schamteile. 2. Armut; concr. arme Leute.
schame-lôs, schamlos, frech.
schamen, sw. v. refl. sich schämen.
schamerne, schamernheit, s. schemerne etc.
schamfeliôn, wahrsch. Giesshorn zu Kanonen. Vgl. schampelûn.
schamfêren etc., s. schanfêren.
scham-hodeken, Schamhütchen: dat s. aftên, unverschämt werden.
schamich, schändlich, abscheulich.
scham(m)onie, s. schamphonie.
schamp = schimp.
schampelûn (-llôn), Muster, Modell, Schablone; die nachgebildete Gestalt, Vogelscheuche, Popanz; Kämpe, Klopffechter (mndl. camperoen = campioen).
schamper, höhnisch, verspottend; unverschämt, frech; adv. schamperlik.
schamp(h)onie, diagridium, eleborus niger, Springkraut.
schamte, f. 1. Scham. 2. genitalia.
schande, f. Schande; schändliche Tat.
schande, dar me mede drecht, portentula; vgl. Brem. WB. IV, 605.
schande-brêf, Schmähschrift.
schandelisêren, trans. ärgern, Anstoss geben.
schandelisêringe, sittliches Aergernis.
schande-sprake, f. Schimpfworte.
schanfêren, sw. v. trans. schimpfieren, Unehre anthun; verletzen, verwunden.
schanfêringe, Verletzung.
schanfêrlik, schimpflich.
schanfêr-nolleken, Spott-, Hohnlied.
schant-deckel, fig. Deckel, mit dem man seine Schande zudeckt, Entschuldigungsgrund.
schant-hoike, m. Schandmantel (als Strafe zu tragen).
schant-lappe, der Streifen im Kleide, den gemeine Weiber tragen mussten.
schant-levent, n. schändliches Leben.
schantlik, schändlich, schändend; adv. schantlike.
schant-mâl, n. Schandmal, -fleck.
schant-man, der die Schande eines andern ausbringt.
schant-ruchte, n. böses Gerüchte, schlechter Ruf.
schant-stên, Schand- oder Lasterstein, den bes. Frauenzimmer öffentlich tragen mussten für irgend ein grobes Vergehen.
schant-vlecken, sw. v. schänden, beschimpfen.
schant-vleckinge, Beschimpfung, ehrenrührige Schelte.
schantze, st. f. (frz. chance), Glückswurf, Glücksfall; de s. wagen, in de s. bringen, slân, setten, wagen, es aufs gute Glück dran setzen, wagen; siner s. war nemen, achtinge hebben, nicht vergeten, seinen Vorteil wahrnehmen; de s. vorsên, die passende Gelegenheit versäumen, sich versehen.
schantze, f. trockenes Reisigbündel; Schanze, Wall, Brustwehr; Schanzkleidung auf dem Schiffe?
schantzen, sw. v. Schanzwälle aufwerfen; to samene sch., fig. zusammenraffen.
schantzen-graver, Fortificationsmeister.
schap, n. flect. schappes, Schrank, um Geld, Speise, Kleider etc. aufzubewahren.
schap? eine der Plagen Pharaos.
schâp, n. Schaf; als Münze (1 fl. = 10 sch.; 1 daler = 15 sch.; 1 sch. = 2 Stüver). Dem. schâpken.
schape, sw. m. (flacher) Tiegel, Pfanne mit Füssen, zum Kochen u. Braten; Glut-, Wärmpfanne; als hölzernes Gefäss: Schöpfkelle?
schâp(e)-gank, Gang wie die Schafe haben, pedetentim; -herde, -herder, Schäfer; -hirde, f. Schafherde; -hunt, Schäferhund; -kêse, Schafkäse; -kotel, Schafmist; -koven, Schafstall; -rode = -hunt; -schar = -hirde; -schêre, Schafschere; -schot, -stal = -koven; -tins, Zins v. Schafen; -vel, Schaffell; -vlêsch, Schaffleisch; -ware, -waringe, Schäferei-Gerechtsame; -weide, Schafweide; -werk, Schafkäsebereitung?
schapel, Schmiedestock, pistellus (= stapel).
schapen, adj. vom Schaf, ovinus.
schapen, gew. st. v. 1. schaffen, hervorbringen. 2. Gestalt geben, verfertigen, formare, plasmare; geschapen, gestaltet, beschaffen. 3. bewerkstelligen, aus-, einrichten.
schaper, Schäfer; -hunt, Schäferhund; -salve, Schäfersalbe (gegen räudige Schafe?)
schapes-hût, Fell; -koldunen, Eingeweide; -kop, Kopf; -levere, Leber; -rump, Rumpf vom Schaf; -pels, Schafpelz; -ram, Widder.
schap-rade, Küchenschrank.
schar, adj. steil, schroff. Daher schār, n. hohe Thalwand, oder aus schore?
schar, n. f. Pflugschar; Keil; (aus scharre?) Striegel, Scharreisen.
schar, m. f. = schare, Haufen.
schar, soviel ein Tier (Schwein) in der Weidezeit frisst? Weidegerechtigkeit für ein oder mehrere Stück Vieh = ware? (zu scharen, scheren).
schar-bîl, bipennis, mittelst dessen die zu fällenden Bäume angewiesen wurden.
schardechtich u. schardich, schartig.
scharden, sw. v. Scharten machen.
schardinge, Teilung, Scheidung, Grenze.
schare, f. Schar, Abteilung des Heeres; Haufen, Menge; Begleitung, Gefolge.
schare, 1. = schore, Stütze, = schorepust. 2. = scharne, Bank; vgl. vêrschare.
schare, eine offene Bahn durch ein Gehölz, Schneise?
schare = schar, Pflugschar.
schare, Ufer; s. schore.
scharen, sw. v. zu oder in Scharen sammeln und ordnen.
scharen, sw. v. abfressen, die Weide kahl machen, weiden; tr. das Vieh auf die Weide treiben.
scharende, Waldhüter (= scherne?).
scharf, n. = scherf.
scharf, m.? Scherbe.
schar-hâr, das lebendigen Tieren abgeschorne Haar.
schariante, Kriegsmann zu Fuss; dann: umherziehender Bettler (wiltloper), Lotterbube.
schar-îs, treibende Eisschollen (zerrissenes Eis).
schar-isern, Schareisen des Pfluges.
schar-jâr(e) maken, einen Vertrag auf mehrere Jahre schliessen; z. B. die Bezahlung einer Schuld auf Jahre verteilen, spec. von hypothekarischen Zinszahlungen, wenn nach einer Reihe von Jahren ein Jahr lang die Zahlung erlassen ward.
schar-klef, Felskliff, -klippe.
scharlaken, n. Scharlach; ein feines Wollenzeug, pannus scarlaticus.
schar-latte, welche Latte? (sollen zu einem Gerüste dienen).
scharlei(ge), eupatorium, wilder Salvei.
scharlot = scharlaken; l. scharlat?
scharm-, s. scherm-.
schar-man, der Aufseher über die Hutung, Vorsteher der Waldmark neben dem holtgreven.
schar-meister = scharman.
scharmutzen, -mussen, -musselen, sw. v. kleine Gefechte liefern; dazu scharmutzel, -mutzinge, Scharmützel.
scharn, Mist, bes. Pferde- und Kuhmist.
scharne, f. Bank, auf welcher Fleisch, Brot etc. feil gehalten wurde; die Gesamtheit solcher Bänke oder Halle, in der sie waren.
scharne-lit, Fleisch-, Brotbank (als Klappe).
scharnen-tît, Zeit, wo die Fleischscharnen geöffnet werden?
scharne-tins, Abgabe für die Verkaufstellen der Schlächter und Bäcker.
scharne-wevel, -wever, Mistkäfer, scarrabeus.
scharnobbe = schornobbe.
scharp, scharf; spitz; erhaben gefasst, von Juwelen (Ggs. slicht); fig. heftig, strenge; scharf, v. den Sinnen, v. Verstand; de scharpe richter = scharprichter.
scharpe, scharp(e)like, adv. scharf; genau; strenge; stark, tüchtig.
scharp-egede, oxygonium.
scharpe-metze, f. eine Kanone des grössten Kalibers.
scharpen = scherpen.
scharpentîn, gew. scharpentiner, ein Geschütz: Feldschlange; -lôt, Geschoss für solche.
scharp-gras, -krût, carex.
scharpheit, acerbitas, asperitas.
scharpleir, -lier, die Leinwandumhüllung eines Packens Wolle, vorn. der Packen selbst, viell. v. bestimmtem Gewicht; vgl. frz. serpillière, engl. sarplier, sarpcloth, ndl. (Kilian. Duffl.) sarpeliere, Packleinwand; engl. sarplar of wool, Sack v. 1120 Pfund Wolle.
scharp-mêster, Scharfrichter.
scharp-ordich, dink, oxygonum.
scharp-richter, Scharfrichter.
scharp-sinnich, scharfsinnig.
scharrâs, n. Schermesser (aus scharsâs).
scharre = scharne, scherne.
scharren, sw. v. mit den Füssen kratzen; scharren.
scharren-breker, d. i. scharm-, schermbreker.
scharsche, adv. kaum, knapp; engl. scarce, ndl. nndd. schaars, frz. échars, it. scarso, scarzo aus mlat. excarpsus, scarpsus = excerptus, gepflückt.
scharsen, sw. v. scherzen (a. d. Hd.).
schart, n. Pl. scharde, Riss, Spalte, Scharte; Wunde; ên schart ûtwetten, auch fig.: Schlimmes wieder gut machen; was in Teile gerissen ist, Scharte von Töpfen, Pfannen; überh. Stück, Teil, z. B. e. Baumstamm; Topf, Tiegel; Rösttiegel, Bratpfanne, confrixorium.
schart, Hemd, Kleid? (= o. l. schort?)
scharte u. scharteke (schartêke?), f. Document, Urkunde; altes Buch; aus frz. charte.
schartse, zottige Wolldecke, frz. serge.
schartz = scharsche.
schartzoene, Knopf, Schnalle? (an Kleidern); vgl. schattsome.
scharven, scherven, sw. v. scherben, in kleine, bes. schräge und blätterige Stücke zerschneiden, als z. B. Kohl hacken; schaben; bildl. dat ruchte sch., den guten Namen jemandes schädigen.
schar-wachte, f. auf Wache ausgestellte, ausgeschickte Mannschaft; s. holden, in Schar wachen, patrouillieren.
schar-warp, n. ein aus Fäden von geschorner Wolle bestehender Aufzug.
schar-wulle, die von lebendigen Schafen abgeschorne Wolle, bes. einschürige.
schat = schacht, Schaft.
schat, m. pl. schatte, schette. 1. Schatz. 2. eine Art Steuer, Abgabe.
schat-borer, Steuerheber, Rentmeister.
schateren, sw. v. 1. krachen, mit Gekrach auseinander reissen. 2. laut, unanständig lachen.
schat-gever, der Schatz, Tribut gibt.
schat-kamer, Schatzkammer.
schat-kaste, st. sw. f. de gemeine s., Staats-, Stadt-, bes. Kirchen- und Armencasse; deren Verwalter schat-kasten-hêre (aus dem Rat), -diaken (aus der Gemeinde).
schat-mêder, Abgabenpächter.
schat-mêster, Schatz-, Rentmeister; schatmêsterinne des hillighen gêstes, v. Maria gesagt.
schat-rint, Rind, als Schatzung, Abgabe gegeben.
schat-snider = schachtsnider.
schattafel = schaktafel.
schattsome? ein (goldenes) Geschmeide = schartzoene?
schatte-hêre, Schatzherr, Steuersammler.
schatten, sw. v. 1. schätzen, nach Zahl, Mass etc. bestimmen. 2. schat, auch Geldstrafe auflegen und eintreiben, exactionare. 3. Schatz, Steuer, Geldstrafe geben.
schatter, Geldeintreiber.
schattigen = schatten 2.
schattinge, Schatzung, Geldzahlung (als Steuer, Loskauf, Strafe etc.).
schat-vri, schatzungs-, steuerfrei.
schave, f. Schabeisen, Hobel, Schermesser.
schav(e)-af, Schabab, Bezeichn. dessen, den man abweist; auch Burgname.
schave-messes, -mes, scalprum.
schaven, st. sw. v. schaben, hobeln, polieren; fig. berauben, schmälern.
schavernacken, -naklen, sw. v. jem. e. Schabernack anthun, molestare.
schavernak, Hohn, Spott, böser Possen.
schawak, eine Art (schlechten) Heringes; l. schalbak?
schecht, 1. Schaft, Stange; bes. Lanzenschaft. 2. als (Acker-) Mass = 7 Fuss.
schechten, mit e. Schaft versehen, z. B. Pfeile, Speere.
schedde-, schedderlik, schädlich, gefährlich.
schede, st. sw. m. u. st. n. Schatten.
schêde, st. f. Scheidung, Begrenzung, Grenze; Schlichtung eines Streites, Schiedsspruch; auch: Entzweiung, Streit?
schêde, sw. f. Scheide einer Waffe; Einfassung, Borte; in der Walkmühle der Balken, an dem der Walkkopf sitzt.
schêde-bôk, Buch, in welches man die richterlichen Entscheidungen schreibt.
schêde-brêf, Scheidebrief, Vertragsurkunde.
schede-hûs, Schattenhaus, Laube.
schêde-klôt, m. Richtloth der Maurer, Richtschnur; als Buchtitel = richtestîch.
schedel, m. der kleine Armknochen, die Speiche, afrs. skidel.
schedel, schedelken, Büchse, Dose, pixis. Vgl. schidele.
schêdel, m. u. schêdele, f. Scheitel; auch Schädel (schedel?)
schêdel-berch, Berg zur Bezeichnung der Grenze.
schêdel-bôm, Grenzbaum.
schêdelen, scheiteln, teilen, discriminare.
schedelerne, adj. Schaden bringend, schädlich.
schêdel-glas, Glas, aus dem man beim Scheiden den Abschiedstrunk thut.
schedelik, schädlich, Schaden bringend; adv. schedeliken.
schêdelik, der zu friedlichen Vergleichen geneigt ist, versöhnlich.
schêdel-jâr, Schaltjahr.
schêdel-kanne, Scheidekanne (beim Abschiedstrunk).
schêdel-klocke, die Glocke, die beim Begräbnisse geläutet wird.
schêdel-mure, Grenzmauer.
schêdel-stên, 1. Grenzstein. 2. Scheidestein (die fünf Paternostersteine im Rosenkranze).
schedel-want, Scheidewand.
schêde-man = schêdesman.
schêde-meker, (Messer-) Scheidenmacher.
schêden, st. sw. v. 1. trans. scheiden, trennen; eine streitige Sache schlichten, streitende Personen versöhnen, bes. als Schiedsrichter; ênen drôm, einen Traum auslegen; entscheiden, bescheiden; ênen strît, einen Streit beenden. 2. intr. weggehen; aussegeln; sich trennen; v. Wegen: sich gabeln; enden, aufhören; van, seine (Zahlungs-) Verpflichtungen gegen jem. erfüllen, mit ihm liquidieren (auch refl.). 3. refl. sich trennen.
schêden = beschêden, bescheiden, gebührlich.
schêdent, n. Entscheidung, Schiedsspruch.
schêde-ordêl, n. Urteilsspruch des Obergerichts auf geschehene Appellation.
schêdes-hêre, Schiedsrichter.
schêdes-man, Schiedsmann, der einen Streit (auf aussergerichtlichem Wege) scheidet, arbiter, divisor.
schêdes-richter, Schiedsrichter.
schêde-stên, coll. Steine zu einer Scheidemauer?
schêdes-vrunt = schêdesman.
schedich, schattig, umbrosus.
schedi(ch)lik, adj. schädlich.
schedigen, sw. v. schädigen, Schaden zufügen.
schediger, Schädiger, schadender Feind.
schêdinge, f. Scheidung, Trennung; Scheiden, Abschied; Teilung des nachgelassenen Gutes; Auseinandersetzung, Liquidation; Entscheidung, Ausspruch des (Schieds)richters; Grenzscheide, Grenze.
schêf, schief, schräge (Ggs. recht, grade); verkehrt, unrecht, schlecht; vom Magen: leer; de schêve klôt, Name einer Kugel (Kreisels?) und des damit getriebenen Spiels; Titel eines satirischen Dramas.
scheffener, m. Schaffner, Verwalter = schaffer, scheffer.
scheffer (= schaffer), Schaffner einer Gilde; Oeconom eines Klosters, Bischofs etc.; Schäffer eines Ritterordens.
schefferie, Haus des Klosterschaffners etc.
schefferinne, Aufseherin; Oeconomin eines Klosters.
schêf-hacke, sw. m. der schiefe Füsse hat, oder der schief auf den Füssen steht.
schêfheit, Schiefe, Schiefheit.
schefte, n. = Geschäft.
scheftich, geschäftig, tätig, gewandt.
schege, f. Ziege.
scheide, scheidel, scheiden etc., s. schêde etc.
scheil(e), s. schêle.
schein = schên, geschehen.
scheire = schêre, adv.
scheit, n. Scheit, Stück Holz.
scheke, ein Wams für Kriegsleute, frz. jaque.
scheken, sw. v. (vgl. schoke) ausserehelich beschlafen.
schêker = schaker.
schel-brade (vom Schweine).
schelde-brêf, ehrenrühriger Brief; Schmähschrift.
schelde-broke? (Ggs. ein grôt broke), Brüche auf ehrenrührige Rede?
schelden, st. v. 1. schelten, mit Worten tadeln; ein Urteil schelten, d. h. verwerfen und an eine höhere Instanz appellieren. 2. laut erklären; quît schelden, für frei, los erklären.
scheldent, n. = scheldinge.
schelder, 1. Schelter, Tadler, Lästerer; herumziehender Sänger und Spielmann, der das schelden für Lohn übte. 2. Appellant.
schelde-rede, Scheltrede.
schelde-wort, Scheltwort, Schimpfwort.
scheldich, scheltend, zornig, böse.
scheldinge, 1. Schelten, Schmähung. 2. Appellation.
schele, sw. m. Beschäler (Zuchthengst).
schel(e), Genus wechselnd. 1. Unterschied, Differenz. 2. Mishelligkeit, Streit; Klage, Beschwerde. 3. das Fehlende, Mangel, Nachteil, Schade. 4. Grenze, Grenzlinie.
schêl(e), schielend, luscus.
schelen, sw. v. 1. verschieden, unterschieden sein. 2. eine Differenz, Hindernis machen, dat en schelet nicht, das macht nichts aus, darauf kömmt es nicht an. 3. in Differenz, Streit sein mit jem. 4. fehlen, mangeln, gebrechen, schaden, wat schelet di? was fehlt dir? was hast du? 5. die Grenze bilden, sein. 6. trans. trennen; unterscheiden.
schêlen, sw. v. schielen, lippire.
schelert, eine Art Taft: Schillertaft?
schelf, ein Brettergerüst, um etwas darauf oder darunter zu stellen.
schel-garn, mangelhaftes Garn?
schel(h)aftich, -achtich, uneinig, streitig.
schel-hamer, grosser Hammer zum Zerschellen von Steinen.
schêlheit, lippitudo, epiphora, morbus oculorum.
schelich = schelhaftich.
schelicheit, Bosheit, Verkehrtheit, = schallicheit? oder schêlicheit?
schelinge = schele (in allen Bedeutg.).
schelken, sw. v. af-, an-, upschelken, ein Wort der Zimmerleute, wenn sie etwas durch Anstückung verlängern.
schelkliken, nach Art eines Schalkes.
schelle, f. Schale einer Frucht, eines Eies, eines Schaltieres, eines Drachen, Schuppe; fig. die Hülle, das Aeussere.
schelle, f. Schelle, kleine Glocke, z. B. am Gürtel, Sattel.
schelle = schele, Unterschied etc.
schelle-bôm = schalbort.
schellen = schallen, Schall machen; zerschellen?
schellen, trans. schälen, abschälen; intr. abblättern, sich abschälen.
schellen = schelen.
schelle-visch, Schellfisch.
schelle-wort, chelidonium majus.
schellich, tobend, unsinnig, zornig, vecors, furiosus.
schelm, m. Cadaver, Aas, gefallenes Stück Vieh; = schelme.
schelm, Schimmel, mucor; schelmich, mucidus, davon: schelmecheit.
schelme, sw. m. und schelmer, Schelm, homo nequam.
schelmen-kule, Unratsgrube.
schelmen-schinder, der die Cadaver gefallener Tiere schindet und vergräbt, Schinder.
schelnisse = schelinge, Fehler, Krankheit.
schelp, n. Schilf; Seetang.
schelpeken, Muschelschale.
schel-stucke = schalbort.
schelt-wort = scheldewort.
schelver, ein (abgeblättertes) Stück.
schel-visch, schel-wort, s. schelle-.
schem-achtich, schattig.
schem-bêr, eine Art Dünnbier; sonst scherbêr.
schem(e), n. = schim, Steg.
scheme, sw. st. m. (f.) 1. Schatten. 2. Dunkelheit zwischen Tag u. Nacht, Dämmerung. 3. als Augenkrankheit. 4. Gespenst. 5. Strahlenschimmer, Heiligenschein.
scheme, f. Scham, Beschämung.
schemede = scheme, m. Schatten, Dunkelheit.
schemede, f. 1. Scham, verecundia. 2. auch n. Schamteile, genitalia.
schem(e)-hôt, Schamhut: den s. aftên, die Scham von sich werfen.
schemel, m. Schemel, scabellum; als Arbeitsgerät im Bergwerk; ein Absatz bei Erdarbeiten, wenn die Erde nicht mehr mit einem Wurfe auf die Oberfläche gefördert werden kann; = schamel, trabale.
schemel, 1. = schamel, schamhaft. 2. schändlich.
schemelen = schimmelen; schemeld hengest = schimmeld.
schemelerne u. schemeler, schamhaft, züchtig.
schemelheit, schemelicheit, Scham, Schamhaftigkeit; genitalia.
schemelie, (verschämte) Armut? l. schernelit = scharnelit? (Schlesw. Stadtrecht § 46.)
schemelik, 1. schamhaft. 2. Scham u. Schande bringend; adv. schemelike(n), turpiter.
scheme-lôs, schamlos.
schemel-schô, Schamschuh: de s. ût-trecken, die Scham bei Seite setzen.
schemen, sw. v. refl. sich schämen.
schemenisse, 1. Scham, Schamhaftigkeit. 2. Beschämung, Schande.
schemeren, sw. v. 1. schattig, dunkel sein oder werden. 2. trans. dunkel machen.
schemeringe, Dunkelheit, Dämmerung.
schemerne, schamhaftig.
schemernheit, Schamhaftigkeit.
schem(e)te = schemede.
schemich, schattig.
schemich, schamhaft, ehrbar.
scheminge, Beschämung.
schemisch, schamhaft.
schemp, schempen etc., s. schimp etc.
schên, unr. v. geschehen, sich ereignen; unternommen, versucht werden; m. Dat. widerfahren, zuteil werden.
schendelik, Schande bringend.
schenden, sw. v. 1. in Unehre halten. 2. in Unehre, Schande bringen, öffentlich beschämen; notzüchtigen. 3. schimpfen. 4. schädigen.
schender, der einen andern öffentlich in Unehre bringt.
schendich, Schande bringend, schimpflich; adv. schendigen.
schene, f. 1. Schienbein. 2. Schiene als Teil der Rüstung, am Wagenrade, in der Sagemühle, als Gerät der Schuster.
schene-bein = schene 1.
scheneke, eine Art Sander, lucioperca?
schenen, schienen, durch Eisen- oder Holzschienen verbinden u. befestigen.
schenen-knoke, Schienbeinknochen.
schene-pipe, die Knochenröhre des Schienbeins; der Schienbeinknochen.
schênigen, sw. v. offenbaren, zeigen; bescheinigen, beweisen; intr. u. refl. erscheinen, sich offenbaren, sich zeigen.
scheninge, Schienung, künstlicher Ansatz.
schenk-brêf der Zunft für die Gesellen: Kundschaft?
schenke, sw. m. Schenke (als Hofbeamter); Schenkwirt.
schenke, st. f. 1. die Handlung des Schenkens, Gebens u. das Geschenk, die Gabe, bes. zur Bewillkommnung von Fürsten, Gästen, zugereisten Handwerksgesellen; die Versammlung zu diesem Zwecke, Willkommsgelage. 2. Schenk-, Wirtshaus. 3. st. n.? ein Schenkmass (Biers, Geldes).
schenke, schenkel, s. schinke etc.
schenke-bêr, Bier, das man als Geschenk gibt; Ausschank-, gewöhnliches Bier.
schenke-kerse u. -licht, Wachskerze als Geschenk, z. B. für Ratsherren, bei Hochzeiten.
schenkel-bank, Tisch oder Bort, um Trinkgefässe darauf zu stellen.
schenken, st. v. schenken, geben.
schenken, sw. v. m. Dat. der Person, 1. schenken, zu trinken geben. 2. schenken, geben. 3. jem. mit einem Trunke begrüssen, bes. zugewanderte Handwerksgesellen mit einer schenke bewillkommenen.
schenker, 1. Schenker, Geber; fem. schenkerinne. 2. = schenke I.
schenkeri(g)e = schenke II, 1.
schenk(e)-schive, f. Gestell für Schenkgeschirr, Büffet.
schenk(e)-vat, Schenkgefäss.
schenke-wîn, Wein als Geschenk.
schenk-geselle, der zugewanderte Geselle, dem »geschenkt« wird.
schentlicheit = schemede II, 2.
schentlik, Schande bringend; adv. schentlike(n).
schent-vlecker, der sich mit Schandflecken bedeckt.
schep, schep-, s. schip, schip-.
schepe, sw. m. = schepene.
schepe-buwer, Schiffbauer.
schepeken, -kîn, Schiffchen, Kahn.
schepel, m. Scheffel.
schepel-bodem, der Boden eines Scheffels.
schepelêr, n. Scapulier, Gewand (bes. der Predigermönche), das Kopf und Schultern bedeckt.
schepelik, schiffbar.
schepel-lant = schepelsât.
schepel-mate, f. die Messung nach Scheffeln; Scheffelmass.
schepel-sât, n. -sêde, Scheffelsaat, als Ackermass.
schepel-schat, eine auf den Ertrag des Ackers an Kornfrüchten gelegte Abgabe.
schepel-tal, Scheffelzahl: na schepeltale kopen.
schepen, sw. v. schiffen: 1. einschiffen, in ein Schiff bringen lassen, es befrachten. 2. aus dem Schiffe bringen lassen, ausladen, löschen. 3. zu Schiff wohin bringen, verschiffen. – Intr. sich einschiffen; in einem Schiffe fahren, navigare.
schepen, sw. v. schöpfen; water s., Wasser schöpfen, holen, (v. Schiff) ziehen oder übernehmen.
schêpen, von Schafen, ovinus; Subst. Schafleder.
schepen(e), sw. m. Schöppe, Schöffe, urteilfindender Beisitzer des Gerichtes, scabinus.
schepen-bank, Schöppenbank, scampnum judiciale, = schepengerichte; -bar, schöppenbar, zum Schöppenamt berechtigt; -bar(e) vri, schöppenbar frei; -gerichte, Sch.-Gericht; -hûs, Gerichtshaus d. Sch.; -kamere, Sitzungssaal der Sch.; -recht, Sch.-Recht; -stôl, Sch.-Stuhl, -Amt, -Gericht.
scheper, Schiffer (selten; aus schephêre? v. schepen?).
schêper, schêperie = schaper, schaperie.
schepes-boddeme, f. Schiffsrumpf; -bort, f. Schiffsbord: an, binnen, Ggs. buten s., auf dem Schiffe, ausserhalb des S.; -bôt, ein zu einem grossen S. gehöriges Boot, ein B. von bestimmter Bauart; -kindere (Pl.), -volk, Schiffsmannschaft; -lanc, n.?, -lenge, -lenkte, f. Schiffslänge, als Mass; -last, Schiffslast v. 2 Tonnen oder 4000 Pfund; -part, Besitzanteil an e. S.; -rêder, Schiffsrheder; -schilt, auf dem S. gebrauchter Schirmschild? von Holz, mit Leder überzogen; -timmerman, Schiffbauer; -touwe, Schiffstau.
schepich, naviticus.
schepinge, 1. Schiffahrt. 2. Schiffe, Flotte.
schep-laken = schiplaken.
scheppen, sw. v. 1. = schippen. 2. = schepen, schöpfen. 3. = schepen, schiffen.
schepenisse, schepper, s. schipp-.
scher, n.? Felszacke, Klippe im Meer oder Fluss.
scher = rôt-scher.
schēr, Weide, Weidegerechtigkeit.
scher-becken, Rasierbecken.
scher-bêr, e. Art Dünnbier.
scher-disch, Schneider-, Zuschneidetisch.
schêr(e), adv. 1. bald, schnell, in kurzer Zeit. 2. bald, ungefähr, fast, bes. bei Zahlen.
schere, f. Abteilung (durch gespannte Leine u. s. w.).
schêre, f. Schere.
scher(e)-meszes, -mes(se)t, -mes, -metzer, Schermesser.
scheren, st. v. 1. schneiden, ab-, zerschneiden, scheren, abscheren; die hervorragenden Fäden des Tuches abscheren (Tuchbereitung). 2. in jüngerer Sprache auch = scheren, sw. v. 2 und 3.
scheren, sw. v. 1. zuteilen, bestimmen, ordnen, einrichten. 2. ein Tau v. e. Punkte bis zu e. andern spannen. 3. den Aufzug, die Längsfäden auf den Weberahmen bringen.
scheren (erst im neueren Nd.), gehen, eilen, laufen.
scheren, spotten, höhnen (aus schernen?).
scherer, Scherer; bes. Tuchbereiter und Barbier.
scherf, n. Scherflein, halber Pfennig, die kleinste Scheidemünze.
scherf-bêr, -brôt, -nagel, Bier, Brot, Nagel, die oder von denen ein gewisses Mass ein Scherf kostet; -wert, Adj. und Subst. von Werte eines Scherfes.
scherg = scherf.
scher-gelt, Lohn des Tuchbereiters.
scheringe, 1. Verteilung; Ordnung, Richtigkeit. 2. Aufzug, Kette (beim Leinweber). 3. Tuchscherung, -bereitung. 4. Weide, Mast; Weideberechtigung.
scherlige, sola regia; eupatorium.
scherlik, scharenweise.
scherlink, Schierling.
scherm, n. Schutz, Schirm; Schirmdach, Schirmwand bei Geschützen.
scherm-breker, ein Geschütz (zur Zerschmetterung der Schirmwände).
scherm(e)-bret, Schirmbrett, -wand; Ofenfender.
schermen, sw. v. sich gegen die Angriffe des Gegners decken; dann überh. fechten; fuchteln.
schermer, Fechter; dann auch Spielmann, baratro, histrio.
scherme-schilt, Schild zum Schirmen; bildl. Schutz, Schirm.
scherme-swert, Kampfschwert, gladius longus.
scherm-keller, tiefer Keller (als Gewahrsam der Verbrecher).
schermnisse, Schutz.
scherm-slach, Fechterschlag, Luftstreich.
schermutzel u. schermutzen, s. scharm-.
scherne, f. m. = scharne.
scherne, m. der über die schere, schare (Hutung, Mast im Walde) zu wachen hat? niederer Forstbeamter.
schernere, Knochen-, Fleischhauer.
scherp = scharp.
scherpe u. scherpede, f. Schärfe; Schneide; fig. Strenge; die Ordnung, wie den Mahlgästen aufgewartet wird?
scherpe-metze u. scherpentiner, s. scharpe-.
scherpen, schärfen, spitzen; fig. die Sinne, e. Urteil schärfen.
scher-rame, Rahmen, auf den das Garn zuerst geschert wird; von da kommt es auf den Garnbaum des Webstuhls.
scherren = scharren.
schers, n. Scherz (aus d. Hd.).
scher-schêre, Tuch-, Gewandschere.
scherve, Scherbe, Bruchstück; Schale, testa; v. Hagelkörnern; de scherven, die Metallstücke, w. Krebs u. Rücken des Panzers verbinden.
schervel, Scherbe.
scherven, n. Bruchstück, Teil.
scherven = scharven.
scher-werk, Frohne, Frohnarbeit (mhd. scharwerk).
scher-werk, 1. das gescherte Garn (Weberei). 2. Abkleidung, Balkenlage, Sparrwerk.
schêt, n. u. m. Entscheidung, Schlichtung eines Streites.
schêt, m.? u. schete, st. m. Schiss, Furz.
schêtel, m. u. schêtele, f. Scheitel.
schêtelen, scheiteln, kämmen.
schêtel-, schêt-hol, Schiessloch, -scharte.
schêten, st. v. 1. trans. schiessen, werfen; erschiessen; contribuieren, Abgabe zahlen; aussondern; de spole, die Weberspule treiben; dat anker, den Anker fallen lassen; sode, Brunnen graben und bebohlen; korn, Korn schütten; de varwe, die Farbe rasch wechseln; êne bede, sake, sîn recht s. an, vor, to, weiterschieben, verweisen, übertragen, Recht bei einer andern Instanz suchen; wat s. up, die Schuld v. etwas auf jem. schieben; up ênen anderen dach, verschieben. 2. refl. vor, sein Recht suchen bei jemand. 3. intr. schiessen, sich rasch bewegen, springen, fallen; to sinne, in dat herte, plötzlich in den Sinn kommen; up, an, grenzen an, sich erstrecken bis an.
schêter, spiculator, sagittarius.
scheteren, agitare = seteren? = ndl. schetteren? Vgl. schateren.
scheterich, mit Durchfall behaftet, cacaturiens; beschmutzt, sterculatus.
schêterie, das Schiessen mit Gewehren; Geschützwesen.
schête-spole = schotspole.
schetter = schatter.
schêve, adv., s. schêf.
scheve, f. Schäbe, die beim Brechen u. Hecheln abfallenden Splitter des Flachses, Hanfes etc., festuca; fig. etwas sehr geringes; s. understeken, schlechte Ware unter gute mengen, unreell handeln.
schevech, voller Schäbe.
schevech? = schovech, schuppicht.
schevel u. schevelink, dummer, armer Tropf?
schevel-hêde, die schlechteste, nicht ganz gereinigte Hede. Adj. -hêden.
schevel-stên = scheverstên.
schevenisse, abgeschabte Felle? abgeschabtes Haar, als Pelzwerk dienend?
schever, m. Splitter oder Blatt v. Stein, Schiefer; Schindel; Abfall von Flachs = scheve.
scheverich stên, Schiefer-Gestein. Ggs. hard stên.
scheverlink = schevel, schevelink?
schever-stên, Schiefer, d. Gestein, wegen seiner Blätterigkeit so genannt; Schieferplatte.
scheverstên(s)-, schever-decker, Schieferdecker; -nagel, Nagel zur Befestigung der Schiefer.
schevesch, schäbig, nichtswürdig.
scheve-vat, Gefäss, in welches man die Schäbe wirft.
schewedich, schäbig, räudig. L. schorve-?
schicht(e), f. (u. n.) Ereignis, Begebenheit, Vorfall; bes. Zwist u. die in Folge dessen absichtlich verübten Feindseligkeiten; Aufruhr, Aufstand; van s., durch Zufall, durch Gewalt (Ggs. van rechte).
schicht(e), f. Ordnung; ordnungsmässige Teilung; Reihe, Schicht; bestimmte Zahl Arbeiter; bestimmte Arbeitszeit.
schichten, sw. v. teilend ordnen; bes. eine Erbschaft teilen; thätig sein, durch Thätigkeit ausrichten, ins Werk setzen; die Bezahlungen (Rechnungen) in Ordnung bringen, abmachen; wechseln.
schichte-hûs, Haus, wo geschichtet wird, Rathaus.
schichtes-galm, aufrührerischer Lerm.
schicht-halve: bi s., zur Sonderung, Teilung.
schichtinge, f. Anordnung, Einrichtung; Erbteilung.
schicht-meker, Unruhestifter.
schicht-spel, Titel einer gereimten Brschw. Chronik.
schicht-tal, gleiches Verhältnis.
schickelicheit, Fügung.
schickelik, schicklich, der Ordnung gemäss; adv. schickeliken.
schicken, sw. v. 1. etwas in »Schick« bringen, zurecht legen, oder stellen, ordnen, anordnen, einrichten, fügen, ordinare, disponere; bes. häufig sîn testament schicken, anordnen; to schicken hebben mit, mit jem. zu thun, zu schaffen haben, bes. in geschlechtlichen Verhältnissen. 2. wohin richten, senden. 3. refl. sich fertig machen, sich anschicken, sich rüsten; in, sich ordnen, fügen in; na, sich richten nach.
schickenisse, Ordnung, Fügung, Bildung, Gestalt.
schickenunge = schickinge.
schicker, Ordner.
schickinge, Anordnung, Einrichtung, Fügung, Veranstaltung.
schide, astutus, gescheit.
schidele, Behältnis, Kiste? Vgl. schedel.
schider, pl. Scheite.
schift, geronnen (schiften, schiffen von der Milch, anfangen zu gerinnen).
schiften = schichten, erbteilen.
schiftinge, Stück oder Arbeit an der Rüstung: Schäftung?
schik, (m.?) Gestalt, Bildung, Form; richtige Gestalt, r. Zustand; to schicke bringen, ordnen, in guten Stand bringen.
schiklik, schiknisse, s. schicke-.
schil, strabo, luscus.
schildeken, Schildchen; schildförmiges Grundstück.
schildeken-bôm, der Baum, an den bei der Gralsfeier die Schilde derjenigen, welche zum Kampfe herausfordern, gehängt werden.
schilde-lêm, Töpfererde.
schilde-padde, Schildkröte.
schilder, Schildmacher; Wappenmaler, überh. Maler.
schilderen, sw. v. malen, anstreichen.
schilder-golt, Goldschaum?
schildich, mit einem Schilde versehen, beschildet.
schiler, schileger = schillink?
schille = schelle, Schale; Spange in Muschelform?
schillen, 1. = schellen, schälen; geschillet heisst auch: mit Schalen versehen. 2. = schelen, verschieden sein.
schillert, s. schelert.
schilli(g)er, m. = schillink.
schillink (schildink), m. (urspr. eine Zahl von 12?) eine Münze, urspr. aus 12 Pf. bestehend; das Pfund hat 20 Schillinge; solidus (argenteus). Bei den vielfachen Münzveränderungen vielfach auch anders gerechnet.
schillink-wert, eines Schillings wert.
schilmech = schelmech.
schilmen, sw. v. schimmeln, muscitare.
schilp = schelp.
schilt, n. u. m. 1. Schild, als Schutzwaffe; fig. Schutz; Wappenschild, Wappen; Bez. des ritterlichen Standes; Schildchen (von Silber) der Handwerksgesellen in der Zunftstube; Wirtshausschild. 2. Schild als Fläche, Feld, bes. die dreiseitigen (gepflasterten) Plätze. 3. Bezeichnung verschiedener Goldmünzen, kaiserlicher, flämischer, französischer, mlat. scudatus aureus, frz. écu d'or.
schilt-bordich, ritterbürtig; -bort, das Brett des Schildes; -junge, Schildbube eines Ritters; -knape, -knecht, Schildknappe; Kriegsknecht; -padde = schildepadde; -rême, Schildriem; in der Baukunst: Band oder Brustwehr am Dache (einer Kirche)? -vetel, -vester, -vorer, Schiltknecht, Trossbube; -wachte, f. Wache in voller Rüstung; -wachter, Wächter in voller Rüstung; -wort, forfella (Huflattich?).
schil-wert = schillinkwert.
schim, eine kleine Brücke, Steg.
schim vel galle, fel.
schimelen, schimelich = schimm-.
schimelink: s. pert, Schimmel.
schimman = schipman, Schiffsmann, Matrose, spec. Schiemann; s. schipman.
schimmel, Schimmel, muscus, mucor.
schimmel (mit u. ohne pert), Schimmelpferd.
schimmelen, schimmeln, muscitare. schimmeld (mit u. ohne pert), Schimmelpferd.
schimmelich, schimmelig, mucidus. Sbst. schimmelicheit.
schimmen, sw. v. schim (= schin, Hautschuppe) hervorbringen?
schim(m)êse, f. aus u. = schin-mêse, Packen, darin Häute sind, später überh. Packen.
schimmich = schinnich, voller Hautschuppen. Subst. schimmicheit.
schimmink, Schimmelpferd.
schimp, m. 1. Spiel, Scherz, Spass; it geit mi ût dem sch., es wird Ernst. 2. Spott, Hohn.
schimp(e)lik, was im Schimpfe, im Spiel geschieht; adv. schimpliken.
schimpel-wort, Scherz-, Schimpfwort.
schimpen, sw. v. 1. intr. mit, Schimpf, d. h. Scherz, Spiel, Spass treiben; up, höhnisch, schimpflich reden über etwas. 2. trans. beschimpfen, mit jem. sein Spiel treiben.
schimper, sartira, jocator.
schimpich, jocosus.
schimp-redich, der scherzhafte Reden zu führen versteht, witzig, jocosus.
schimp-spel, Scherzspiel.
schimp-wort, Schimpfwort, Stichelrede.
schin = schem(e), Schatten. Lies schim?
schin, Schin, die Schuppen, die sich von der (Kopf)haut abblättern, scabies sicca.
schin, e. Art russisch. Fell- oder Ledergeld.
schîn, scheinend, sichtbar; schîn werden oder sîn, sich zeigen, offenbar sein; schîn dôn, zeigen, offenbaren.
schîn, m. Schein, Glanz, Strahl; Augenschein, corpus delicti; augenscheinlicher Beweis, Beweis überh.; Aussehen, Anschein; Vorwand, Vorgeben; tom s. bringen, den des Mordes Beschuldigten an die Leiche des Ermordeten führen, e. gerichtl. Procedur.
schinden, schinder, schinderie, s. schinnen etc.
schînen, st. u. sw. v. scheinen, glänzen, strahlen; erscheinen, sichtbar werden, sich zeigen. Partic. scheinend, glänzend; offenkundig, sichtbar.
schinke, sw. m. Schinken; v. Menschen: Schenkel.
schinkel, m. Schenkel; Wagenachse.
schinken-ketel, Kessel zum Kochen eines Schinkens.
schinken-lach, ein Schinkengelage, Fest, bei welchem Schinken verzehrt wurden.
schinken-sniden, e. Spiel der hansischen Kontoristen in Bergen.
schînlik, scheinend, offenkundig.
schînliken, adv. herrlich (splendide); gleisnerisch.
schîn-los, scheinlos, den Schein verlierend.
schin-mêse, f. ältere Form für schimmêse.
schinne: mit s., mit Strassenraub. Nom.?
schinnen, sw. v. schinden, enthäuten; bildl. bis auf die Haut plündern, berauben; auch m. Acc. des Orts der Beraubung (de heide, de strate).
schinner, 1. Fellbereiter, Gerber; Pelzer. 2. Strassenräuber.
schinnerie, Räuberei.
schinnich, voller Schin, scabiosus.
schîn-schove, feurige Garbe, Stralenkranz..
schînsel, n. Schein, Glanz.
schint-vessel, aus mhd. schiltveƷƷel, Schildträger, Trossbube, scutifer, satelles.
schin-wort, f. chelidonium majus.
schip, n. flect. schippes, (kleiner) Scheffel, Mass für trockene Dinge.
schip, schep, n. flect. schepes, Schiff; to schepe gân, sich einschiffen; to schepe komen, Dienst auf einem Schiffe nehmen.
schip-, schep-bank, Ruderbank; -bêr, Schiffsbier; -brecken, naufragare; -breckig? = schip-brokich; -bre(c)kinge = d. f. W.; -broke, st. m. Schiffbruch; -broken, -brokich, schiffbrüchig; brockinge = schip-broke; -bruchtich = schip-brokich; -dracht (skandin.), tractio navium, das Treideln der Schiffe; -grave, schiffbarer Canal; -here, Schiffsheer, Kriegsflotte; -hêre, Eigentümer und Führer eines S., Capitän; -hure, Mietung und Mietepreis eines S.; -kindere, Schiffsmannschaft; -kiste, Schiffskiste der Matrosen (unten breiter als oben); -knape, Matrose; -lage, f. das Liegen eines S. im Hafen und die Abgabe dafür; -line, Schiffstau; -lôn, naulum; -man, 1. Schiffsmann (Ggs. schiphêre), Matrose, Pl. -manne, -man(ne)s, -lude, 2. Schiffer eines kleinen Fahrzeuges, 3. Schiemann, e. unterer Officier des S.; -mêster, Capitän, Steuermann; -mol(l)e, Schiffsmühle; -punt, Schiffspfund v. 280 oder 300 Pfund; -recht, Seerecht; -reide, (skandin.), f. ein District, dessen Bewohner zusammen ein Kriegsschiff ausrüsten müssen; -rik(e), schiffbar; -roder, Steuerruder; -rôf, -rover = sêrôf, sêrover; -rustinge, Ausrüstung der Flotte; -scriver, Buchführer auf d. S.; -segelinge, Schiffahrt, = schiprecht; -vart, Schiff-, Seefahrt; -volk, Schiffsmannschaft; -vore, f. schiffbare Wasserstrasse, Schiffahrt; -water, schiffbares Gewässer, Canal; -wech, Leinpfad, Treidelweg; -wark = schipwerk? = schipwrak, Schiffswrack? -werk, Kunde u. Ausübung der Schiffahrt, Schiffergilde.
schip-laken, ein besonders fein geschornes Tuch.
schippen, scheppen, sw. v. schaffen, verschaffen, bewirten, einrichten, verordnen, schicken; refl. sich verhalten.
schip(pe)nisse, schippense, 1. Schöpfung. 2. Beschaffenheit, Gestalt. 3. Geschöpf.
schipper, Schöpfer.
schipper-dêl, n. Lohn der Berger für geborgenes schiffbrüchiges Gut.
schippere, sw. m., später schipper, st. m. = schiphêre, woraus d. Wort entstanden ist; später s. v. a. Seemann.
schippinge, Schöpfung, Bildung; concr. das Geschaffene.
schip-scheren, zum letzten Mal Tücher fein scheren.
schîr, 1. rein, klar; ungetrübt, unverletzt; pur, lauter = nichts als, nur. 2. hell, durchsichtig, von der Farbe: weiss. 3. glatt, eben; gerade, schlank. 4. klar, aufgeklärt, aufs Reine gebracht, geordnet.
schîr, n. eine offene Bahn durch das Reith am Ufer.
schîr = schîrdôk.
schîr-dôk, dünne, feine Leinewand, klares, schleierartiges Tuch.
schîr(e), adv. 1. sofort, auf der Stelle. 2. rein, lauter, nur. 3. fast. – Superl. schîrst; schîrstkomende, nächstkommend.
schiren, sw. v. 1. reinigen, klären; ausgleichen, in Ordnung bringen. 2. intr. klar werden, sich abklären.
schîrheit = cîrheit, sîrheit.
schîr-kluftich, ohne Knorren, leicht spaltend, v. Holz.
schîr-kum, sudibulum, e. Gefäss zum Brauen (nnd. schîrküven).
schîr-laken, feine Leinewand.
schirpen, sw. v. = scherpen, schärfen.
schîr-rockeln, Chorhemd v. feiner Leinewand.
schîr-stok, Gerät zum Seihen.
schît, n.? = schite; Interjection der Abwehr, Verachtung.
schite, f. Kot, Dreck jeder Art; nicht ein s. = nicht das geringste.
schiten, st. v. scheissen; schitende suke, Durchfall.
schiter, podex.
schît-hus, Abtritt, stercorium; -kule, Unratsgrube; -vore, Dreckfuhre, Quark, res nullius momenti; -word, n. Wort ohne Wert; -wort, f. bryonia, Zaunrübe.
schive, f. Scheibe; Winde-, Dreh-, Blockscheibe; Rolle, Walze; Rad; Glücksrad; Scheibe im Sprechzimmer der Klöster; Stein im Bretspiel; Glasscheibe; Tischplatte, Tisch, bes. der Esstisch; Platte, Untersatz, Teller; Zifferblatt der Uhr; Bort (in kuntoren)?
schiv(e)-, schivel-haftich, -achtich, scheibenrund.
schiveken, Scheibchen, als Mass v. Wachs.
schivel, schivel-bên, eine Fuss- oder Beinkrankheit der Pferde.
schivel-borden werden unter Tuch- u. Seidensorten genannt.
schivelen, sw. v. schwanken, auf die andere Seite treten, abfallen; unredlich handeln, intrigieren.
schivelie, Schwanken, Winkelzug, Intrige, tergiversatio.
schiven, 1. nach Weise einer Scheibe bewegen, rollen. 2. zerquetschen, pilare, contundere.
schiven-garn, Garn zu einer Windescheibe; -glas, Fensterglas; -kok, Koch, der unter dem grossen Koch arbeitet (im Kloster); -kopper, Kupfer in Scheiben; -laken, Tisch-, Tafeltuch; -rat, Radscheibe (Rad an Kutschen etc.); -rôr, Scheibenrohr (ein Geschütz?).
schiver = schever, Schindel.
scho, m. 1. Schuh. 2. Teil der Pumpe, Blide, Ramme (?); Rumpf in der Mühle.
scho, sco, adv. so sco, sobald als. Lies scon = schôn(e)?
scho-ammet, Schusteramt.
schobant, m. Abdecker, Schinder, Todtengräber.
schobbe, leere(?) Garbe; Dem. schobbek, gelima.
schobben, sw. v. = schoven, die Schuppen von einem Fische entfernen.
scho-bode, Verkaufsbude der Schuhmacher.
schoch-tît, schof-tît, gew. der vierte Teil eines Arbeitstages, Arbeitszeit von 3 Stunden oder ¼ Tag.
schocken, sw. v. das Korn in Garben setzen.
schocken, sw. v. sich hin u. her bewegen, zittern, oscillare.
schode, n. (beim Pferde) die Scheide, das Gemächte.
schode, schodeke, f. Schote; Erbse.
scho-dêf, Schuhdieb.
schoden = schudden, schütten.
schoderen, schaderen, zittern, beben.
scho-dôk, Tuch, das als Socke, Fussbekleidung dient.
scho-duvel, m. 1. Vermummter, Maskierter; s. lopen = schoduvelen. 2. = schoduvelshovet, Maske, Larve, Teufelsantlitz. 3. d. Maskenfest zu Fastnacht oder Weihnachten.
schoduvelen, sw. v. vermummt umherschwärmen.
schoen, schoien, scho(i)gen, sw. v. beschuhen, Schuhe anziehen; einen gropen schogen, ihm neue Füsse ansetzen.
schôf, m. Schaub, was zusammen geschoben ist, Gebinde, Bündel, so von Gefässen, Pfeilen, Glas etc.; spec. Bund Stroh, sowol die Garbe (auch collectiv), als das ausgedroschene Stroh, das Strohbund; Strohwisch als Feuerzeichen; ênen ût dem schove tên, einen vor den andern auswählen.
schoffêren, verletzen, kränken, schänden. Subst. schofferture, schoffêricheit.
schôf-gavel, Stroh-, Streuforke; -holt, Holz in Bunden, z. B. Dauben; -stên, schmale Dachziegel, die über einander geschoben werden.
scho-gelt, Entschädigung des Gesindes für die Kosten des Fusszeugs.
scho-gilde, f. Schuhmachergilde.
scho-hof u. -hûs, Warenniederlage, Verkaufsstelle der Schuster; Versamlungsort der Gilde.
schok, n. Haufen, Hocke; die Zahl von 60, sexagena (bei Rinteln auch ein Fruchthaufe von 12 Garben).
schoke (schouke, schoike), f. Concubine, liederliche Weibsperson, Hure.
schoken-kint, -sone, Hurkind, Bastard (als Schelte).
schok-maker, Stückarbeiter, der schockweise gelohnt wird.
scho-knecht, Schustergesell.
scho-krâm, Schuhladen.
schok-rêde, Seil, zum Schaukeln aufgespannt.
schok-rêden, sw. v. schaukeln.
schok-tal, eine Zahl von 60.
schok-werk, Arbeit eines schokmakers.
scho-lapper, -lepper, Schuhflicker.
scholare, sw. m. = scholer.
scholaster, Schulmeister, rector scolarum; Titel eines Domherrn; sein Amt u. Haus: scholast(e)rie.
(scholden) st. v. Prät. se schêlden, stossen, schieben; entwei s., trennen. Oder ist schellen zertrümmern, anzusetzen? Lübek. UB. VII S. 142.
schole, f. Schule; oft = Versammlung, Menge, Gesellschaft.
schôl(e)-dinge, pl. Schulwissenschaft; -geselle, Hülfs-, Unterlehrer; -holder, Privatschulmeister; -kint, Schulkind; -kunst, Schulbildung, -wissenschaft; -mêster, Schulmeister, Director einer öffentlichen Schule, = scholaster; -rede, Schulrede, akademischer Vortrag.
scholen, sw. v. 1. intr. strömen, Wellen schlagen. 2. trans. spülen; eine Flüssigkeit hin und her bewegen, gurgeln; im Wasser hin und her schwenken.
scholen (schollen), unr. v. schuldig sein (zu bezahlen etc.); bestimmt sein, zukommen, gebühren; mit Infin. auch zur Bezeichnung des Futurs u. Conditionals.
schôlen gân, zur Schule gehen, d. Schule besuchen.
scholer, schôlre, m. Schüler, nam. der zum geistlichen Stande bestimmt ist, ein junger Geistlicher, Cleriker (der auch als Schreiber diente).
schole-water, spülendes Wasser, Wirbelstrom.
scholike kunst, Schulwissenschaft.
scholke, f. Sumpf, Tümpel?
scholle = schulle.
scholpe = schulpe.
schôlrekîn, -ken, scholerken, Dem. zu scholer.
scholt-jâr, Schaltjahr.
scholver = schulver.
scho-maker, -meker, Schuhmacher.
scho-mêster, Schuster in e. Kloster.
schon, = scholen, sollen.
schôn, adj. adv. = schone.
scho-nagel, Schuhpflock.
schônde, f. Schönheit.
schône, adj. schön, hell, klar; bi schonem dage, bei lichtem Tage; schön, herrlich, prächtig; bedeutend, gross, ansehnlich; s. maken, reinigen, putzen; s. vrouwe, meretrix; to schoner hode, zu guter Vorsicht, bloss zur Sicherung einer Sache, eines Vorteils für sich oder andere. Im Superl. dat schoneste, bester, grösster Vorteil; up mîn sch., nach meinem besten Vorteile.
schône, f. 1. Schönheit. 2. Schonung, aufmerksame Behandlung, Verschonung, z. B. siner worde schone hebben, achten auf die Worte, die man spricht.
schone, adv. 1. hell, stralend, schön, herrlich, trefflich; sparsam. 2. im concessiven Sinne: al, oft, wan schone, wenn auch, obwol, obgleich. 3. zeitl.: bereits, schon.
schôn(e)-bart, Maske, Larve; -bose, Gleisner, Heuchler; -brôt, -rogge, Brod aus dem feinsten Rockenmehl von dreieckiger Form; -veder, tinctra, cintra, Feder in e. Schloss; -want, feines Tuch oder Leinen; -werk, feines Pelzwerk.
schôn(e)lik, -liken, adv. auf schöne Weise.
Schôn(e)-market, der zur Schonetîd in Schonen stattfindende Markt; -reise, -vart, Fahrt z. Häringsf. nach Sch.; -tîd, Zeit des Häringsfanges bei Sch. (Spätsommer); -vār(e), -varer, Schiffer der regelmässig nach Sch. fährt, Kaufmann der Schonischen Häringsfang und -handel betreibt, das zu solchem Zwecke dienende Schiff (Schoner), daher Schônfarsegel, Schonfahr-, Schoversegel, e. Art Segel.
schonen, sw. v. 1. schön werden, clarescere. 2. mit Dat., Gen., Acc. oder to u. Inf.: schonen, verschonen, rücksichtsvoll behandeln; sparen, versparen, unterlassen.
schonicheit, Schönheit.
schôpe, f. Schöpfkelle, z. B. der Maurer, bes. die grosse Füllkelle der Brauer.
schope, f. (Fisch)schuppe.
schôpen-bruwer, Brauerknechte, die in ihrem eignen Brot sitzen und den Brauern um einen gewissen Lohn bei jedem Brau helfen.
schôpen-stēl, Stiel einer schope (Benennung einer Strasse).
schop-hengel, Ballen Nasenschleims. Lies snop-?
scho-pinne, Schuhpinne.
schoppe, sw. m. Schuppen, Scheune.
scho-querdel, s. querder.
schor-bûk, m. Scorbut; schorbuckswater, aqua antiscorbutica.
schorde, s. schort.
schordel, Schilf, ulva.
schor-dôk, e. Art groben Wollenzeugs.
schōr(e), n. Gestade, Küste, Vorland.
schore: tor schoer, zum Schutz. Lies schuer?
schore, Stück Geschmeide? Lies schere, Schere?
schore, st. m. Riss, Bruch.
schoren, sw. v. 1. trans. zerreissen, zerbrechen; e. Schar trennen, auflösen; e. Ordnung verletzen, brechen. 2. intr. zerreissen, Risse, Lecke bekommen, bes. von Schiffen, die auf den Grund, eine Klippe stossen; sich losreissen. 3. refl. sich trennen von.
schore-pust, Stützpfosten, -balken der Kappe der Windmühle. Vgl. schare, Stütze.
schorf, m. Schorf, Grind, Räude.
schorfachtich = schorvet.
schorf-lodeke, -ladeke, Grindwurz, rumex acutus.
schorf-wort, -wortele, Grindkraut, Schwärkraut, scabiosa arvensis.
schoringe, Riss, Leck.
scho-rink, Ring am Schuh zur Befestigung des Riemens.
schorit (?) = storit, Harz von styrax offic., Storax.
schorlisse, schorlitze, Hemd (mit langen Ermeln), camisia lintea, supparus; Bezeichnung eines gemeinen Weibes.
schornobbe, m. eine Art Schandkleid? oder Schandstein? auch ein Schimpfwort. Vgl. scharnobbe.
schorpie, f. u. schorpiôn, n. Scorpion.
schorsel-dach, e. Festtag des Kürschneramtes in Bremen bei der Wahl zweier neuen Altmeister.
schor-stên, m. Schornstein, auch der Kamin, die Heerd-, Feuerstätte unter ihm.
schort? m.? pl. schorde, 1. Abteilung, Fach. 2. Graben, Abflussrinne, Rinnstein?
schort, m.? = schorte.
schorte, f. Schurz, Schürze; als Teil der Rüstung: Panzerschurz.
schortel-dôk, Frauenschürze; Schurzfell der Handwerker.
schortel-gelt, Geld zu Schürzen? e. Art Trinkgeld?
schorten, sw. v. 1. kürzen. 2. schürzen, binden, zusammenziehen, knüpfen; de nese schorten, die Nase rümpfen; = upschorten, aufschürzen, aufbinden, bildl. verschieben.
schortse, f. 1. Rinde. 2. Eisscholle.
schorvet, schorvedich, schorvich, schorficht, grindicht, räudig.
schor-wulle, die (lebenden Tieren) abgeschorne Wolle, Schur-, Scherwolle.
scho-snôr, Schuhband.
schôster, Schuster (erst im 16. Jh.)
scho-swarte, Schuhschwärze.
schot, n. Geschoss jeder Art, bes. Pfeil; collect. Geschützmaterial, Munition.
schot, n. (was von den Bürgern zusammengeschossen wird), Schoss, eine directe Steuer vom Vermögen.
schot, n. Riegel, Verschluss, Fall-, Schiebthür, Holzwand, überh. alles, wodurch man irgend eine Sperrung oder Hemmung anlegt.
schot, der 24. Teil einer Mark = 8 Pf.
schôt, m. 1. Schoss der Kleidung, der Rüstung. 2. Schoss des menschlichen Körpers. 3. Flussbett, Meeresschoss, Busen. 4. der hinterste Teil der Kirche.
schot-angel, e. Art Angel (die verboten ist); -bane, f. Schiessbahn; -bar, steuerpflichtig; -boge, Bogen (die Waffe); -bôk, Register der steuerpflichtigen Bürger; -bore, Bahre zum Transport von Erde? -busse, Schiessgewehr, Geschütz; -dele, Brett zur Dielung, Täfelung; -dor, Fallgatter, -thor; -forke, Heu-, Strohgabel; -gaddere = schotdor; -glevige, f. Wurfspeer; -hêre, Ratsherr, welcher die Bürgersteuer einnimmt; -holt = schotdelen; -kamere, 1. Zimmer, wo die Bürgersteuer erhoben wird. 2. Verschlag von Brettern? -line, tormentum, funis navis quo naute utuntur, »aufgeschossenes« Tau? -mêster, ein Ehrenamt im Stahlhof zu London; -porte = schotdor; -reise? Kriegszug, wozu die verbündeten Parteien Beitrag leisten? -renne, 1. Wasserleitung aus Bohlen? mit Verschluss? 2. Kehlrinne am Zusammenstoss zweier Dächer, am Schornstein; -rîs, Schössling, junger Trieb; -spole, Weberspule, -schiffchen; -swîn, Schwein, als Steuer gegeben; -vinger, Zeigefinger (mit w. man schiesst); -ware unde lude, Krämerware u. Krämer? vgl. schotte.
schote, st. m. Schuss; ên s. weges, als Massbestimmung; Pfeil, Ladung des Schiessgewehrs.
schote, schate, f. das Schiessen, Aufwachsen, crescendi ratio.
schôte, Tau, an die untere Ecke des Segels befestigt, um das Segel zu spannen.
schôte (dän. skjøde), f. Eigentumsübertragung (urspr. unter Übergabe einer Erdscholle in den Rockschoss des Käufers).
schôte-brêf, Urkunde über Verkauf von Immobilien, Überlassung von Rechten etc.
schôtel-bêr, das Bier, das beim schôten geschenkt ward; die Schaffer hiessen schôtelhêren.
schôtel-bôk, Buch, in welchem die Eigenthumsübertragungen verzeichnet stehen.
schotel-eit, eidl. Gelöbnis, die Bürgersteuer richtig erlegen zu wollen.
schotel-tins, Beitrag zur Bürgersteuer aus den zu frommen Stiftungen fundierten Zinsen und Renten.
schotel-tît, die Zeit, wo man Abgabe bezahlt.
schotele, Schüssel; s. schottele.
schoten (schaten), sw. v. Schoss geben, (directe) Steuer zahlen.
schôten, sw. v. sein Eigentumsrecht aufgeben zu Gunsten eines andern, mit Übergabe gewisser Symbole, scotare.
schotes-vri, 1. ohne v. e. Geschoss getroffen zu werden. 2. frei v. Abgabe, Steuer.
schôtinge, scotatio = schôte, f.
schotte, e. Schotte, herumzieh. Krämer.
schotts-mâl, n. die in Appellationsfällen vom appellierenden Teile zu erlegende Zahlung, überhaupt Appellation (schlesw.-holst.), dän. skudsmaal, schwed. skottmål.
schottel(e), f. Schüssel; der Gaumen?
schottel-balge, f. Balje, worin Schüsseln gewaschen werden; -bret, discus; -brôt, Brot beim Mahle; auch als eigenes Gericht? in Scheiben als Teller für das Fleisch? -dreiger, Schüsseldrechsler; -dwele, Schüsseltuch; -korf, Korb, in den Schüsseln gesetzt werden, cartallum; -pot, Kochtopf? -water, Spülwasser; -wescher, Küchendiener, der die Schüsseln wäscht.
schotteler, Schüsselmacher, scutellifex.
schotten, tributa dare, exactionare; s. schoten.
schotten, täfeln, dielen, bebohlen.
schotter (flandr.) = schutte, Schütze.
schottilie, Holztafel, Schindel; schottilien, sw. v. täfeln; schottilien-werk, Getäfel.
schottilier, der Tafelwerk, Schnitzereien macht, feinerer Tischler.
schôt-vel, Schoss-, Schurzfell.
schou-, schu-spel, Schauspiel.
schouwe, Schau, Anblick.
schouwen, sw. v. 1. sehen, schauen, beschauen; obrigkeitlich besichtigen, bes. Deiche, Wege etc. 2. zeigen, sehen lassen.
schouwer, Beschauer, Besichtiger.
schouwer (schauer), m. grosser Becher v. Edelmetall mit Deckelaufsatz, bes. für Confect.
schouwinge, 1. Besichtigung der Deiche, Wege etc. 2. Besuch der Wöchnerin.
schove, f. Haufen, Schar.
schove, f. (Fisch-) Schuppe.
schovelink, eine Art feineres Weissbrod.
schoven, sw. v. beschuppen, betrügen.
schow, schu, n. sichtbares Notzeichen.
schow-bank, Schaubank, Servante zur Ausstellung des Prunkgeräts.
schowel-scho, Schauschuhe, Meisterstück der Schuster?
scho-werchte, -werte, -wart, m. Schuhmacher, Schuster.
scho-werk, 1. Schustergewerk, -innung. 2. Schusterarbeit, -gewerbe.
scho-wisch, Schuhwisch, -putzer.
schra, f. (an. skrá, eig. Leder, Pergamentstreifen) Rolle, Statut.
schrachen (u. schraken?), sw. v. laut lachen. Subst. schracher.
(schracken): scrackede, sprang, tanzte; oder v. schrecken?
schrade (schra, schrage), dürr, mager, kümmerlich; dürftig, schlecht.
schrâde, schrâdelink, schrâden, schrâder, dialekt. Formen f. schrôde etc., w. m. s.
schrage, sw. m. (schräges) Gestell (aus zwei paar gekreuzten Beinen, z. B. Sägebock, Tonnenuntersatz etc.), bes. zur Herrichtung von Tischen und Bänken, auch der Warentisch selbst.
schrage, späte Form für schra, Statut; im 16. Jh. durch Einfluss des vorigen Wortes masc. und für jede polizeiliche Verfügung, die auf einem Brett im Rathause aufgehängt ward, bes. für Taxen, Preis- und Tarifbestimmungen.
schragelink = schradelink.
schram, m. Ritze, Kerbe.
schram-hans, ein herumstreichender Leuteplacker.
schramme, f. Hautritzung, Streifwunde, Schmarre.
schrammen, sw. v. auf der Oberfläche ritzen.
schrange, f. m. = scharne, bes. als abgegrenzter Verkaufsraum des Marktes, daher meist m. d. Präp. in u. im Pl.
schrang(e)-, schran(k)-klocke, Glocke, mit w. der Anfang des täglichen Marktes eingeläutet wird.
schrank, n. was absperrt, Gitter, Zaun, Verschluss; Verschlag in der Wand, freistehender Schrank.
schranke, sw. f. = schrank.
schranken, schrankelen, sw. v. 1. cancellare. 2. beim Gehen die Füsse kreuzweise setzen; hinken; vom Sprechen: stottern.
schrank-tûn, ein absperrender Zaun, Pallisade.
schrank-werk, Schranken, Einzäunung, Gitterwerk.
schrape, f. Werkzeug zum Kratzen u. Schaben, Rosskamm; bildl. Ausputzer, Vorwurf, Wischer.
schrape-bottere, von der Tonne abgeschrapte, ranzige Butter?
schrapelse, n. das was man als das letzte (aus einem Gefässe) zusammen schrapt, Rückstand, Nachbleibsel, Abfall.
schrape-mes, Schabmesser.
schrapen, sw. v. (mit Geräusch) schaben, kratzen.
schrât, schräg.
schrât, sbst. = schrôt.
schratele, abgeschnittenes Stück, Schnitzel von Zeug oder Papier; Saum, Streifen am Gewande.
schratelen, sw. v. zerstückeln, zerfetzen, schlitzen.
schrât-rode, Schrägrute (zur hölzernen Turmspitze).
schrât-spleten, schräg gespalten.
schrât-stake, Zaunpfahl (die schräge gegen einander gesetzt werden).
schrât-swîn, einjähriges Schwein, das beim Schlachten gleich zerstückt wird? mageres Schwein?
schrât-vlêsk, vom Schlachter zerstücktes Fleisch, viell. v. bestimmter Grösse.
schrecke, sw. m.? Schrecken (spätes W.).
schrecken (Prät. auch scrahte; vgl. schracken), 1. = schricken. 2. erschrecken.
schrede, st. m. Schritt, Tritt.
schredere, der Schreer, ein Eisen, welches auf den Ambos gesetzt wird, um Nägel u. dgl. abzuhauen.
schrei, m. u. n. Schrei, Geschrei; der einem Tiere eigentümliche Laut; = ruchte, Hülfeschrei; Schlacht-, Parteiruf, Losung.
schreielik, flebilis.
schreien, sw. v. schreien, bes. laut weinen, jammern.
schrei-man, Zeuge des »Geschreies«, des Notrufes.
schreklik, schrecklich, furchtbar (spätes W.).
schrempen, sw. v. schrumpfen, zusammenziehen; (Fleisch) rösten, sengen.
schrendelen, sw. v. zirpen, crocitare?
schrenkel, ein Geschmeide: Spange?
schrenkelen = schrankelen, vacillare.
schrenken, sw. v. 1. quer und überkreuz setzen, verschränken. 2. beschränken, hindern.
schrep, schrepel, dünn, mager, dürre.
schrepe = schrape, Striegel; schrepen, striegeln.
schrepsel, n. = schrapelse.
schrêt-stake (= schrâtstake?), Wegepfahl, Grenzpfahl..
schreve, st. m. 1. (eine mit Kreide gezogene) Linie, Strich; dann überh. vorgeschriebene Linie, die angibt, wie weit man gehen darf; boven oder over den schreve, über das vorgeschriebene Mass hinaus. 2. ein brabant. und flämisch. Weinmass, hält 4 stope oder gelten oder 8 potte.
scribe, sw. m. Schreiber (Schriftgelehrter).
schricht, f. = schrichte.
schrichte, n. Geschrei, bes. der Notruf.
schrichte-note, (Schreigenosse) Zeuge des Notrufs.
schrickel-jâr, Schaltjahr, annus bissextus.
schrickel-note, f. octava.
schricken, sw. v. Hände oder Füsse rasch bewegen: klatschen, in die Hände schlagen, plaudere; springen; tanzen, auch refl.?
schricken-, schrecken-berger, eine grössere Münze, vom Schreckenberge in Meissen (später St. Annaberg) genannt, wo sie geprägt wurde.
schricker, m. Springer, Tänzer.
schridde, sw. m. Landstreicher, Bettler?
schriden, schreiten, treten.
schrie, schrige, n. Geschrei.
schrien, schrigen, st. u. sw. v. schreien, laut rufen; heftig u. laut weinen; laut schallen, hell tönen.
schri-, schriginge, das Schreien.
schrîf-bret, epicausterium, graphium, scriptorium; -hant, die schreibende Hand; -kamere, Schreibstube, Kontor, Kanzlei; -kuntôr, Schreibtisch; -mes(t), -mestken, Federmesser; -mêster, Schreiblehrer; -schole, Elementarschule; -scholer, Elementarschüler; -stôl, epicausterium, cathedra scriptorum; -tafele, Schreibtafel; -touwe, n. Schreibzeug, -gerät, -ve(d)dere, Schreibfeder.
schriflik, schriftlich; aus schriftlik? oder schrîflik?
schrîfninge (aus schwed. skrifning) = schrivinge.
schrift, f. das Schreiben; Geschriebenes; schrift maken, schriftliche Verträge machen; uppe schr. hebben, aufgezeichnet, aufgeschrieben haben; die heil. Schrift.
schriftaftich, schriftgelehrt, homo literatus?
schriftich, schriftlich; der Schrift gemäss, dem Wortlaute nach.
schriftlik, schriftlich.
schriftûr(e), f. Schrift, bes. die heil. Schrift.
schrige, schrigen etc., s. schrie etc.
schrik, Brunnen-, Pumpenpfosten?
schrik (î?), Wiesenknarrer, Wachtelkönig?
schrimpen, st. v. die Nase rümpfen; sw. v. = schrempen.
schrîn, n. Schrein, Kiste, Lade; Sarg, Reliquienschrein; oft bildl., z. B. Maria, ein schrîn der sâlden. Demin. schrineken.
schrînde-meker, Schreiner, Tischler.
schrinden, einen Schrund, Riss bekommen? = schrinen?
schrinen, schmerzlich jucken und brennen.
schrit-scho, (schrît-?) Schuh zu weiten Schritten, petasus; Schlittschuh (auf dem Eise).
schrive- in Zssetz., s. schrîf-.
schriveine (-veie), frz. écrivain, Schreiber, Secretär; bes. Schiffsschreiber.
schrivel-bret, -mes, s. schrîf-; -pennink, Schreibgebühr.
schrivelik, schreibbar; beschreiblich.
schriven, st. v. schreiben; bildlich darstellen; Inf. subst. das Schriftstück.
schriver(e), Schreiber.
schriver-bret, -mest, -schole, -stôl, s. schrîf-; -lach, jährliche Festmahlzeit der Stadtschreiber.
schriverie, 1. das Schreiben. 2. die Schreibstube, Kanzlei.
schrivinge, -unge, das Schreiben.
schrobben, sw. v. = schrubben.
schrôde, schrâde, sw. m. abgeschnittenes Stück, Lappen.
schrôde-bank, sartorium, Schneidertisch; -gelt, Weinschröterlohn.
schrôdelen, sw. v. zerkleinen, zernagen (v. Mäusen).
schrôdelink, schrâdelink, schedula, Schnitzel; e. Art minder guter Wolle.
schrôden, schrâden, st. u. sw. v. schroten, in kleinere Stücke zerschneiden, zerkleinen, z. B. Getreide zu (grobem) Mehl; zernagen; mit der Schere zerschneiden, bes. Zeug, daher: schneidern; überh. schneiden, beschneiden; von Münzen (welche in bestimmter Zahl aus einem bestimmten Gewicht geschnitten wurden): ausprägen, ausmünzen. schrôden kopper, Schrotkupfer.
schrôden, schrâden, sw. v. wälzen, rollen, von Wein- u. Bierfässern; auf- u. abladen (auf zwei Leiterbäumen wälzend oder schiebend fortbewegen).
schrôder, schrâder (fem. -sche, -inne), Schneider; Wein-, Bierschröter; Hirschkäfer.
schrôder-, schrâder-knecht, Schneidergeselle; -mêster, Schneider-Aeltermann; -stede, Schneiderwerkstatt.
schrôdinge, das Schroten; vom Gelde: die Ausmünzung, Ausprägung.
schrofulen, pl. Scropheln.
schroien, sw. v. sengen.
schromen, sw. v. vor, sich fürchten vor.
schrôt, schrât, n. 1. Schnitt, abgeschnittenes Stück; die Stücke Leinen, aus welchen das Bettlaken zusammengesetzt ist; Stück, Seite Speck. 2. Absatz (an einem Gebäude)? 3. ein Schmiedewerkzeug.
schrôt-ambacht, -ammet, 1. Schneiderhandwerk. 2. das Gewerk der Bier- und Weinschröter; -gast, Schneiderkunde; -lôn, Schneiderlohn; -mêster, Münzmeister; -schêre, sargillum, forfex; -tafele, Schneidertisch; -wacht, f. -wage, f. Setz-, Nivellierwage, fig. Norm; -werk = schrôtambacht; geschnittene Ware, Ausschnitt.
schrubben, sw. v. kratzen; reiben, scheuern; rein scheuern.
schruchte = schrichte.
schrûf-werk, Schraubenwerk, Gewinde, Schraubensatz.
schrul, m. 1. Anfall von Unsinn, toller oder übler Laune. 2. dauernde Misstimmung, heimlicher Groll.
schrumpe, f. Runzel, Falte; Knick, Bruch im Zeuge.
schrupelois, scrupulös, ängstlich.
schruten, sw. v. schnarchen, schnaufen; Unmut, Widerwillen äussern.
schruve, f. Schraube, z. B. in der Presse, Wagenwinde; ein pâr schruven der Zimmerleute: Schraubensatz zum Heben und Schieben; (silbernes) Fussgestell, auf w. ein Weinglas geschroben wird; ein Geschmeide an Kleidungsstücken zum Zusammenheften, torquis.
schruven, sw. v. schrauben, winden; durch eine oder zwei Schrauben heben oder von der Stelle rücken.
schu, 1. adj. u. subst., s. schûw, schuwe. 2. = scho, Schuh.
schubbe, f. Schuppe.
schubben, sw. v. die Schuppen entfernen, exsquamare.
schuchteren, sw. v. scheuchen, verjagen, auseinander treiben, zerstreuen, diffugare.
schuchteren, adj. auseinander getrieben, zerstreut; schüchtern, bange.
schuchteringe, das Auseinandertreiben, Zerstreuen.
schucke, Schaukel. Vgl. schocken.
schucken, sw. v. schluchzen, singultire.
schudde-galge, f. Schnell-, Wippgalgen.
schudde-kappe, Name eines (schlechten) Bieres.
schuddelink, Schüttelwolle, frz. laine jettice.
schudden, sw. v. 1. trans. schütten, schütteln. 2. intr. schüttern, beben.
schudder, concussor.
schudde-ût, libitina, est feretrum.
schuddinge, quassatio.
schude, Prät. zu schên.
schûf, e. Schieber; Schubfach.
schûf-bore, f. Schiebbahre.
schûf(e)le, später meist schuffele, f. Schaufel; de s. bekomen, bei der Werbung einen Korb bekommen.
schuffel-bret, Schaufelbret (Mühlengerät); -holt, Holz zu Schaufeln.
schuffelen, sw. v. schaufeln.
schuffelen-dreger, (im Bergwerke) ein Unterbeamter, dem vom Bergmeister das Gericht befohlen ist.
schuffesten: schûf-feste(n?) = Schuftange, plattes Tau, spitz an einem, mit einem Auge am andern Ende, w. als Raaband dient? oder schuve-stên (d. h.?)?
schûf-isern, Eisen zum Auswirken der Pferdehufe.
schûf-kar(e) = schuvekare.
schûf-lade, f. Lade mit Schiebdeckel; Kasten in einem grösseren Behältnis, z. B. Tisch; Dem. schûfladeken.
schuft, m.? Widerrist des Pferdes.
schufût, schuffût, schufvôt = schuvût.
schugge = schuwe, scheu.
schuk-dore, lose Thür, »Schott«? Verlesen? Variante: slingdore.
schuke = schoke.
schûl, n. schule, f. Versteck, Ort, wo man sich versteckt und Schutz sucht.
schûl-blok, Gefangenblock als Strafe eines Flüchtlings, eines die Schule versäumenden Schülers.
schulde, st. f. = schult, bes. Anschuldigung, Klage; schot unde s., alle Abgaben, w. ein Bürger an seine Stadt, schat u. s., w. e. Untertan zu leisten hat.
schuldegen, sw. v. beschuldigen, anklagen, verklagen.
schuldeginge, Beschuldigung, Anklage.
schuldemêre = schuldenêre.
schulden, sw. v. 1. trans. beschuldigen, anklagen. 2. intr. schuldig sein; m. Gen., e. Strafe verdient haben.
schuldenêre, der schuldig ist, debitor; aber auch der, welchem geschuldet wird, Gläubiger; auch Bürge, Gutsager = lover.
schulde-note, Schuldgenosse, Teilnehmer an einer Schuld oder einem Verbrechen.
schulder, Schuldner; Verbrecher.
schulder(e), f. Schulter; Vorderschinken.
schulder-blat, Schulterblatt; -ketel = schinkenketel; -knoke, Schulterknochen; -kussen, Schulter-, Kopfküssen; -mate ketel = schulderketel.
schuldes wesen ênem wat, jem. etwas schuldig sein.
schuldich, 1. berechtigt (zu erhalten, bekommen). 2. schuldig, verpflichtet zu zahlen. 3. schuldig einer Tat, noxius, reus.
schuldinge, 1. Beschuldigung, Anklage. 2. Schuld (Geldstrafe), falls jemand etwas nicht leistet, poena.
schulen, sw. v. verborgen sein; sich versteckt halten, lauern; verstohlen blicken, horchen; refl. sich verbergen; s. gân, heimlich weggehen u. Schlupfwinkel suchen, bes. v. Kindern, w. die Schule schwänzen.
schûl(e)nisse, Versteck, Schlupfwinkel.
schuler, der sich verborgen hält, Flüchtling, Laurer.
schule-wagen: den s. tên, sich verstecken, verbergen.
schûl(e)-winkel, Schlupfwinkel.
schulinge = schulenisse.
schulle, f. Scholle, e. Plattfisch, passer piscis; schullen-vanger, Schollenfischer.
schulle, Rasenstück, Erdscholle.
schullen = scholen, sollen.
schullinge = schuldinge, Geldstrafe, poena.
schul-ôrdich (û?), v. Pferd: scheu, tückisch?
schul-oret (û?), lauernd, heimtückisch?
schulpe, Muschel. Dem. schulpeken.
schulpen, sw. v. eine Flüssigkeit stark hin und her bewegen, schütteln, dass sie überzufliessen droht; intr. von der bewegten Flüssigkeit selbst.
schulpen, sw. v. in Holz oder Stein graben.
schulp-sage, eine Säge, mit der man schulpet?
schult, f. 1. was man einem andern zu geben schuldig ist, Verpflichtung, bes. Geldschuld (mine s., was ich schulde; was man mir schuldet, ich zu fordern habe). 2. Vergehen, Delict. 3. Verschulden, Veranlassung, Ursache. 4. Beschuldigung.
schult-bôk, Schuldbuch.
schult-brêf, Schuldverschreibung.
schulthaftich, mit der Schuld behaftet, schuldig.
schult-hêre, Gläubiger, creditor.
schult-hête, schultête, schulte, sw. m. (der Verpflichtungen befiehlt) Schultheiss, Schulze.
schulthêten-, schultêt-ambacht, -dôm, Schultheissen-Amt; -dink, Sch.-Gericht.
schult-mate, Mass, das bei Zahlung von Zins-Getreide etc. üblich ist?
schult-mudde, Schuld-, Zinsscheffel.
schult-swîn, Schuld-, Zinsschwein.
schult-tale, Verhältnis (rata pars) einer Schuld.
schulver, m. Seerabe, Taucher.
schulveren, sw. v. intr. abblättern, schuppenweise abfallen.
schume, sw. m. u. schûm, st. m. Schaum; Metallschlacke.
schumen, sw. v. 1. schäumen. 2. den Schaum abnehmen, despumare. 3. das Land (die See) raubend, bettelnd etc. durchziehen, landstreichen.
schumer, m. Landstreicher, Nichtsnutz.
schumfêren, sw. v. besiegen.
schumferture, f. Besiegung, Niederlage.
schûm-kelle, f. Kelle, Gelte zum Abschäumen.
schummer, Dämmerung.
schummeringe, Dämmerung.
schummer-licht, Dämmerung, Zwischenlicht, diluculum.
schun, scun, Verkürzung von schulen, scholen, sollen.
schundel-kint, Leichtgläubiger.
schunden, sw. v. reizen, anreizen (zum Bösen).
schundigen, sw. v. = schunden.
schune, f. Scheune.
schunen, sw. v. in eine Scheune bringen.
schunisse? l. schun(de)nisse, Anreizung, Aufforderung?
schunt, Anreizung, Verlockung zum Bösen.
schupe = schope.
schuppe, f. Grabscheit, Schaufel, Schöpfschaufel, pala.
schuppe-stôl, Stuhl (Bank, Brett), von dem man geschuppet, d. i. heruntergestossen wird (ins Wasser, in den Kot), Schnellgalgen, Wippe: entehrende Strafe für eine gewisse Klasse von Verbrechern, bes. Betrüger.
schuppen, sw. v. stossen, fortstossen; vertreiben, verjagen.
schuppinge, das Fort-, Wegstossen, precipicium.
schûr, (Regen-, Hagel- etc.) Schauer.
schûr, n. Schutz, Schirm; in, to schure, geschützt; Scheuer, Schuppen für Geräte, Wagen, Holz, Torf etc.; Schutzdach, z. B. an Häusern über Thüren, Kellerhalsen und Fenstern; Baldachin an Altarschreinen; Abteilung, Fach.
schûr, listig, schlau.
schure, f. Scheuer, Scheune.
schuren, sw. v. schützen, bewahren.
schuren, sw. v. reiben, scheuern; reinigen; refl. sich nicht mit einander vertragen können.
schurer, Putzer, Schwertfeger.
schûrheit, schuricheit, Listigkeit, Schlauheit.
schûr-henne, Scheuerhenne (gallina horrestrea), zahme Henne? (Ggs. Feldhuhn?)
schuringe = schûr, n.
schûr-iseren, Schüreisen.
schurlitz = schorlisse.
schurren, sw. v. schurren, den schurrenden Ton hervorbringen.
schûr-stok, Stock zum Umrühren.
schut, Schirm, Schutz; Gegenrede, Einwand, Einrede (jur.).
schute, f. Spaten, Grabscheit.
schute, f. Name von Schiffen verschiedener Grösse, Bauart (doch stets vorn und hinten spitz?) u. Bestimmung, See-, Fluss- u. Hafenschiff, mit oder ohne Bord, segelt, wird gerudert oder geschoben, Begleitschiff der Orlogskoggen, Frachtschiff, Fischerboot, bes. Leichterschiff.
schute-lage, Fracht-, Leichtergeld für eine Schute; -man, remigator schutae, = prâmkerl.
schuten-meker, der Schuten baut; -schuver, Kahn-, Bootführer.
schut-geverde, n. das Schiessen, Kanonade; ein s. holden mit, dem Feinde ein Schiessgefecht liefern.
schut-hagen, Schüttzaun = schutte-koven.
schutsch, einfältig, grob, abgeschmackt, ndl. schots.
schut-schot = schuttestal.
schutte, sw. m. Schütze, sagittarius.
schutte, n. Geschütz, Schiessgewehr jeder Art.
schutte, f. n. 1. Schott, Vorrichtung zum Stauen oder Abhalten des Wassers; Aufziehschleuse, Fallthüre, Schossthüre (bei den Mühlen); Schirmwand (milit.). 2. Schutz, Schirm, Verteidigung.
schutte, f.? das »geschüttete« Vieh.
schutte-bret, ein Brett, um etwas abzuschotten, bes. um das Wasser aufzuhalten, Aufziehbrett.
schutte-geverde = schutgeverde.
schutte-kost, e. Ausgabe beim Bergbau.
schutte-koven = schuttestal.
schuttel-gelt, Pfandgeld, Geld für das »Schütten«.
schutte-man, e. Arbeiter unteren Grades beim Bergbau.
schutte-mêster, Aufseher über d. Wasserstauungen; überh. Polizeidiener.
schutten, sw. v. schützen, schirmen; hindern, wehren; bes. fremdes Vieh, das Schaden thut, einsperren, als Pfand zurückbehalten; überh. hindern, zurückhalten, mit Beschlag belegen; Wasser aufstauen.
schutten-gevechte, -geverde, n. = schut-geverde.
schutten-hinxt, -pert, Pferd für Schützen, leichtes Pferd.
schutten-lach, n. jährliches Festgelage der bürgerlichen Schützen.
schutten-wal, Wall für die Schützen, Schützengraben.
schutter, der Vieh etc. schuttet (Polizeidiener); ndl. auch Schütze.
schutte-recht, das Recht Vieh zu »schütten«.
schutte-stal, Stall, in dem Vieh »geschüttet« wird.
schuttinge, 1. Sperrung, Abdämmung; Staudamm. 2. Einschliessung, Pfändung, Arrestierung; concr. das geschüttete Vieh. 3. Schutz, Schirm. Als jur. Terminus: 1. Zurückweisung eines Zeugen. 2. Einrede, Ausflucht, Vorwand.
schuttink, m. Schütting, Versamlungshaus der Kaufleute und Gilden; privilegiertes Bierhaus; Gilde, Kompanie.
schutzerie, einfältige Rede, Abgeschmacktheit, nugae; vgl. schutsch.
schuve-kar(e), f. Schiebkarre.
schuveler, eng anliegender Rock.
schuven, st. v. schieben, stossen.
schuver, m. Schieber; das Werkzeug, mit dem man Brod etc. in den Ofen schiebt.
schuve-stake, Schieb-, Schaltstange.
schuvût, -vôt, m. Uhu, strix bubo.
schuw(e), scheu, in Furcht, furchtsam; von Tieren: wild, ungezähmt.
schuw(e), f. m. Scheu, Furcht; Gegenstand des Abscheus, Scheuche, Schreckbild.
schuwelse, n. Scheusal, Schreckbild, Scheuche.
schu(w)en, sw. v. 1. intr. scheuen, scheu werden; s. vor = sik s. vor. 2. trans. scheuen, fürchten, vermeiden; refl. sik s. vor, sich scheuen, zurückscheuen vor.
schuwent, n. Scheu.
schuwinge, Scheu; Gegenstand des Abscheus.
zd(i)ust, m.? afrz. jouste, Turnierkampf.
se, Verkürzung von so, bes. nach Relat.: de se, qui; (so) we se, quisquis, quicunque; wan se, quandocunque.
sê, f. 1. See, Meer; to der sê wart, seewärts, in die See. 2. auch m. Landsee.
sê, pron. sie; Subst. das Weibchen von Tieren.
sê-bal, Seequitte, ein kugelförmiges Seegewächs, alcyonium cydonium.
sê-ballige, f. Seebalje, Priel.
sê-bank, fortlaufender Deich gegen die See, Deichverband.
sê-bare, Seewoge.
sê-bêr, für den See-Export gebrautes Bier.
sê-besie, Haffdorn, Meerkreuzdorn, hippophae rhamnoides?
sê-blat, Blatt der Wasserlilie; diese selbst.
sê-blome, Wasserlilie.
sê-bort, f. Seerand, d. i. Deich.
sê-brant, Nordlicht?
sê-brêf, Schifferpass.
sê-brûk, Seebrauch.
secanen, pl. Zigeuner.
sechtegen, sechtnisse = sachtigen, sachtenisse.
seckele = sekele.
secker = seker.
secker, n. engl. exchequer.
secrêt, n. 1. Geheimnis, geheime Eigenschaft. 2. = secrêt-segel, Geheimsiegel, das kleinere Siegel der Fürsten u. Städte.
secretêr, Geheimsecretär; studierter Stadtschreiber.
secta, secte, 1. religiöse Secte. 2. religiöser Orden.
sectêrisch, ketzerisch.
sê-cundît, Conduct, Geleit-oder Schutzbrief zur See.
seddek, seddel, seddele, sedder, sedduer; s. sedek etc.
sede, st. m., später auch st. f. u. sw. m., Sitte, Art u. Weise, Gewohnheit; gute, anständige Sitte.
sedek, sedik, m. Sittich, Papagei.
sedeker, porphyrio.
sêde-ketel, Kessel zum Kochen.
sedel, st. m. sedele, sw. f. Sitz; Sessel, Bank.
sedele, cedele, tzedule, sw. f.; später auch sedel, m. n. Zettel, beschriebenes Blatt, Schriftstück, scheda, schedula.
sedelêre, Sattler.
sedelhaftich, ansässig.
sedel-hof = sadelhof, Sattelhof.
sedelik, der Sitte gemäss, gebräuchlich; sittsam, anständig, sittlich; adv. sedel(i)ke(n).
sêdel-ketel = sêdeketel.
sêden, st. v. intr. u. trans. sieden, kochen, aufwallen.
seden = saden, sättigen.
sêdendich, siedend.
sêder, Sieder; Salzsieder.
seder, sedder, ceder, Zeder, cedrus; -bôm, -appel.
seder, sedder (sēr), sedert, 1. präp. m. Dat. seit. 2. adv. seitdem, nachher, später. 3. conj. mit folg. dat, seitdem.
sedet, gesittet..
sedewer, cedewer, 1. = seduer. 2. Zeder; -bôm. Adj. cedewaren.
sêdich = sadich.
sedich, sittig, anständig, züchtig; adv. sedigen, sedichliken.
sedicheit, Sittigkeit, Zucht.
sedigen, sw. v. sättigen; zufrieden stellen. – E. ander. W.: gesedeget, gesittet.
sedinge, Sättigung.
sê-drank, m. Ertränken in der See.
sê-driftich, auf der See treibend oder von der See ans Ufer getrieben.
seduer, ceduar, seduwer, sedewer, czedewar, zedewort, zeduarium, seduarium, Zittwerwurzel, amomum zedoaria; und Zittwersamen?
seduer, -bôm, Zeder.
seduer-sât, Wurm-, Zittwersamen, semen cinae.
segaftich, sieghaft.
sege, st. m., später auch sw. m. u. st. f. Sieg; sege striden (sw. v.), vechten (st. v.) siegen.
sege, tzege, sw. f. Ziege; Teil des Spinnrades?
sege = sage, Fieber.
sege, triefend, triefäugig.
sege-bode, sw. m. Siegesbote, Siegverkünder.
segede, f. Schlag-Sichel (bes. um Plaggen zu hauen).
sege-haft, f. Sieg.
sege-haft(ich), siegreich.
sege-heil, n. Sieg.
segel, n. Segel; Schiff; to s. gân, under dat s. komen, die Segel beisetzen, absegeln; under dem s. wesen, die S. beigesetzt haben, segeln, Mühlensegel.
segel (segil), n. Siegel; unser lêven vrouwen s., convallaria polygonatum.
segelacie, f. das Segeln, Schiffahrt, navigatio; segelacies-man, Seemann.
segelacie, besiegelter Brief.
segelbar dôk, Tuch, das durch ein aufgedrücktes Siegel als vorschriftsmässig kenntlich gemacht ist.
segel-brêf, besiegelte Urkunde.
segel-dreger, Siegelträger, -bewahrer.
segelen, sw. v. 1. intr. segeln. 2. trans. segelnd wohin bringen.
segelen, sw. v. siegeln, besiegeln.
segeler, Schiffer, Seemann.
segeler, Siegeler, Siegelbewahrer, sigillator.
segel-garn, (Garn, um Segel zu nähen) Bindfaden.
segel-graver, Petschierstecher, Stempelgräber.
segelinge, das Segeln, Schiffahrt.
segelinge, Besiegelung.
segel-laken, Segeltuch.
segel-maker, Segelmacher.
sege-lôs, sieglos; s. werden, besiegt werden.
segel-rêde, segelfertig.
segel-rode, Raa, Giekbaum.
segel-stên, Magnet.
segel-strenge, antemne, wol: Segeltaue.
segel-was, Siegelwachs.
segen, m. Kreuzeszeichen; Segen, Segensspruch; Zauber-, Beschwörungsformel; den s. geven, segnen, beschwören, verabschieden.
sêgen = seien.
segen, adj. caprinus.
segen-, tzegen-bart, cinum (lonicera caprifolium?); -gras, capria; -herde, Ziegenhirte; -hor, -kotel, Z.-Excremente; -horn, Z.-horn; -hût, -vel, Z.-fell; -kêse, Z.-käse; -koven, -stal, Z.-stall; -ledder, Z.-leder; -melk, Z.-milch; -vlêsch, Z.-fleisch; -vôt, Z.-fuss, Brecheisen.
segene, s. seine.
segenen, segen, sw. v. bekreuzigen, segnen, einsegnen, weihen; besprechen, beschwören.
segenerie, Segnerei, Besprechung.
segeninge, Segen, Einsegnung, Weihung; Besprechung.
segen-rîk, siegreich.
segen(t)-korn, Säe-, Saatkorn?
sege-nunft, -nuft, f. »Siegnahme«, Sieg, Triumph.
seger (segger), Säger.
sêger, 1. = seiger, Säemann. 2. = seiger, Uhr. 3. = seiger, kahnig.
sege-sak = seisak.
sege-salich, siegreich.
sege-vacht, m. (u. f.) -vecht(e), st. m. -vechtinge, Sieg; -vachtich, -vechtich, -vechtelik, adj. siegreich, triumphierend; -vechten, -vachten, sw. v. den Sieg erfechten; -vechter, Sieger.
segge, carex, e. Art Sumpfgras.
segge, f. das Sagen, Ausspruch, (Rechts)entscheidung.
segge-brêf = entseggebrêf, Fehdebrief.
seggel, seggelen, seggeler = segel (Segel u. Siegel) etc.
seggelik, erzählbar, sagbar.
segge-mêster, Münzwardein; vgl. saie I.
seggen (secgen), segen, sw. v. sagen; erzählen; erklären, als richterliche Entscheidung aussprechen; zusagen, versprechen.
seggen(t), n. Infin. 1. das Sagen, Erzählen, Gerücht. 2. das Sagen als Befehl; als (schieds)richterlicher Ausspruch.
segger, 1. Sager, Erzähler; Schwätzer; Verleumder. 2. der Befehle gibt; im Salzwerke ein Beamter des sôtmêsters, der die Aufsicht hat über die Bauarbeiten am Sode und über das Schöpfen und die Verteilung der Sole; Entscheider im Rechtsstreit.
segger, 1. = seger, Säger. 2. = seiger, Uhr.
seggerie, Sagerei, Geschwätz, Gerede.
seggerne, der Neigung hat zu sprechen, geschwätzig.
segges-man, Entscheider, Schiedsrichter.
segge-wort, meistens im Pl.: Gerede, Hörensagen.
segginge, Aussage.
seginge = segeninge.
sê-hân, Seehahn, gallus marinus, eine Art wilder Enten.
sê-hase, stagnilepus, ein Fisch.
sê-hunt, Seehund.
sê-hûs, Brauhaus für den See-Export.
sei = sê, pron.; = sê, See.
sei, seig, m. Malz-Treber, die beim Bierbrauen übrig bleiben.
seiche, f. Harn (mehr hochd.).
seichen, sw. v. harnen.
seide, f. Saite, fides, chorda.
Seide, cuscuta europaea.
seiden = sêden, sieden.
seiden-, sein-bôt, -schip, kleineres, sehr schnell segelndes (nicht tief gehendes?) Kriegsschiff (erst seit dem 16. Jh.).
seiden-klank, -sank, Saitenklang.
seiden-(seidel-)spil, Saitenspiel; musikalisches (Saiten-) Instrument.
seie = saie, sage.
seien, sw. v. säen; besäen.
seien, zuweilen = seggen.
seienschozen, d. i. seiensch hosen, Hosen von seie.
seier, Säemann.
sei(g)-budde, Bütte für die Malztreber.
seigelen, segeln.
seigelik, demütig?
seigen, seiger = seien, seier, säen etc.
seiger, kahnig (von Wein etc.).
seiger, seier, n. u. m. Wasser- oder Sanduhr, dann jede Uhr, Sonnenuhr, auch Schlaguhr, Glocke; umme (des) seigers achte, um acht Uhr.
sei(g)er-klocke, Uhr, horologium; -maker, Uhrmacher; -schive, Zifferblatt; -stunde, Glockenstunde; -venster, Mauerloch für die Turmuhr; -werk, Uhrwerk.
sei(g)-kuven, eine Kufe zu den Malztrebern.
seigszen-têne, pl. Eisenstäbe zu Sensenblättern?
seik = sêk.
seil = sêl, funis.
seil, contrah. aus segel; seilen aus segelen.
seile = sêle.
sein = sên, sehen.
seine, tzeine aus segene, f. grosses Zug-, Schleppnetz.
seiner, der mit seinen fischt, sagenarius.
seinich = sêdendich.
seint = sênt, Sehen.
sei-sak, grobes Tuch (Säesack? Trebersack?).
seise-bôm, das Holzgestell einer Sense.
seisel(e), f. eine Handsichel.
seisen(e), sei(s)se, seitze, f. grosses Zugnetz der Fischer.
seisen(e), sei(s)se, seitze, f. Sense.
seisen-meker, Sensenschmidt.
seit-spil = seidenspil.
seiver = sêver.
sek, n. seke, Sech, Pflugmesser.
sêk, siech; ungesund; bes. aussätzig.
sê-kanne, herba ciclagus (nymphaea).
sê-kante, f. -kant, m. Seeseite, Küste.
sêke-dage = sukedage.
sêk(e)de, seikte, f. Siechheit, Krankheit.
sêke-dôm, m. Siechtum; de rode s., die Ruhr.
sekele, f. Sichel; Dem. sekelîn.
sekel-krût, Sichelkraut, falcaria latifolia.
sêken, sw. v. siechen, kränkeln.
sêken-, sêk-ammet, das officium der Krankenpflege; -hof, -hûs, Krankenhaus, bes. für Aussätzige; -klappe, Klapper der Aussätzigen zur Ankündigung ihrer Anwesenheit; -mêster, Aufseher, Oekonom des Siechenhauses; -stove, sw. m. Krankenstube.
seker, sekeren, Kichererbsen, citrullae(-li).
seker, sicher, 1. von Personen: sorglos, unbesorgt. 2. von Personen und Sachen: zuverlässig, worauf man vertrauen kann, bes. von Zeugen. 3. vor Gefahren geschützt. 4. bestimmt, festgesetzt. 5. ên s., ein gewisser, quidam.
seker, adv. sicherlich.
sekeren, sw. v. sicheren, firmare, tutare, securum reddere; sik s. to, sich in den Schutz begeben von; versichern, geloben, versprechen; sik tosamene s., sich (eidlich) verbinden.
sekericheit, sekerheit, 1. Sicherheit, Sorglosigkeit; Zuversicht. 2. Sicherung, Schutz. 3. Sicherstellung; Gelöbnis, feierliche Versprechung.
sekeringe, 1. Sicherung, Schutz. 2. Bündnis.
sekerlik, sicher, gewiss, zuverlässig; adv. sekerliken, sekerken.
seker-lôs, dessen Wort nicht zu trauen ist.
sêkheit, Siechheit, Krankheit.
sel, m. = sal, Saal.
sel, sēl, m. Seehund, Robbe; der Thran dieses Tieres.
sêl, n. Seil, Strick.
sel-bermen, pl. Seehundsthran?
sêlde, f. Seligkeit, Heil, Glück.
sel-dekene, f. Decke von Seehundsfell.
selden(e), adj. u. adv. selten.
sele, st. m. gerichtliche Auflassung eines Grundeigentums; Grundherrlichkeit, Verfügungsrecht über ein Gut: den (vryen) s. uppe (over) ên gût ênem (uppe) laten; s. und ware dôn, Tradition und Gewähre leisten, selandiam et warandiam, cautionem facere.
sele, f. Zug-, Tragriemen oder-seil; Pferdegeschirr, Sielenzeug.
sêle, (seile), f. 1. Seele; bi miner s. (in Schwurformeln), bei Seligkeit meiner Seele. 2. de s. van deme herten, die grosse Pulsader.
sele (seile), Niederung, Wiese.
sêle = sêlde?
sêl(e)- (selen-) amme(ch)t, (eines Klosters) officium für die Seelen der Verstorbenen.
sele-bant, instita, Tragriemen der Lastträger, Hausierer, Karrenschieber.
sêl(e)-bat, Bad, das armen Leuten im Testament vermacht wird, der Seele des Verstorbenen zum Besten; zuweilen mit einer Spende an Bier und Brod verbunden; dann Spende auch ohne Bad; eine Collation nach der Vigilia mit Essen u. Trinken.
sêle-bedachtenisse, Erinnerung (Memorie) an einen Verstorbenen.
sêle-dach, Totenfeier für die Verstorbenen (um Michaelis).
sêl(e)-gave, -gelt, Gabe für die Seelen Verstorbener.
sêl(e)- (sêlen-) gerêde, n. remedium animae, was testamentarisch zu Seelmessen, Spenden etc. gestiftet wird zum Heil der Seele; überh. Testament, letztwillige Verfügung; der kirchliche Leichendienst.
sêl(e)-gerêder, m. der ein sêlegerêde stiftet, der Testamentierende.
sele-gût, n. -hof, m. -hove, f. = salgût, sadelhof, -hove.
sêleken, Demin. zu sêle, Seele.
sêl(e)-licht, Opferlicht für einen Verstorbenen.
sêle-manersche, altes Weib, das mit Rufen auf den Gassen zu den Seelenmessen einlud? = sêlevrouwe?
sêl(e)-maninge, Memorie, Gebet des Priesters für einen Verstorbenen?
sêle-meker, -maker, Seiler, funifex.
sêl(e)-misse, f. Seel-, Totenmesse.
sêlen, sw. v. seilen, binden, fesseln, ligare fune.
selen-rêp, -tûch, s. sel-.
sêle-qualen, sw. v. Seelenqual erleiden (vom Todeskampfe).
sêl(e)-togen, -tagen, sw. v. in den letzten Zügen liegen, agonisare.
sêle-togich, -tagich, in den letzten Zügen, im Todeskampfe, liegend.
sêl(e)-toginge, Todeskampf, agonia.
sêle-vrouwe, die für die Verstorbenen zu beten hat.
sêl(e)-werder, Testamentsvollstrecker.
sêl(e)-werderschop, Testamentsvollstreckung.
sêle-winder, Seiler.
sêle-wrakinge = sêletoginge; l. -brakinge?
self u. Ableit. u. Zssetz., s. sulf.
sel-hunt, Seehund, Robbe.
sêlich etc., sêligen = sâlich etc., saligen.
sêlichbar, heilbringend.
selik = sedelik.
sel-lant, selant = sedellant, sallant, terra salaricia einer curtis.
selle = geselle, Genosse; Spiessgeselle; Handwerksgeselle; Unterlehrer.
selle, celle, f. Zelle, Kammer, bes. Klosterzelle.
selle = sele, Zug-, Tragriem.
selle-bode, Verkaufsbude.
sellen, sw. v. gesellen, verbinden.
sellen, sw. v. urspr. einem andern (als Eigentum) übergeben; dann: veräussern, verkaufen, namentl. einzeln oder in kleinen Partien.
selleschop = selschop.
sellich u. sellik, gesellig.
sellinge, Verkauf; Handelsbetrieb.
sel-penninge, Abgabe für das Sieden des Seehundsspeckes.
sel-rêp, Zugseil, Strang.
selschop, -schap, f. Gesellschaft, Versammlung; Umgang, Verkehr; Kompaniegeschäft; Handelsgesellschaft, Innung, Ordensgesellschaft; Begleiter, Gesellschafter, Teilnehmer, socius; Vermögen, Haus- oder Abzeichen einer Gesellschaft.
selschoppen, -schapen, sw. v. sik s., sich vereinigen, sich gesellen (mit Dat. oder to); s. s. van, sich absondern, sich trennen von.
selsen (selsem), selten, seltsam, wunderbar; mi nimt s., mich nimt Wunder..
selsen-varwe, couleur changeante?
sel-smer u. -smolt, Seehundsspeck oder -thran.
sel-spek, Seehundsspeck.
sel-strenge, pl. = sel-rêpe.
sel-touwe, selen-tûch, n. Zuggeschirr der Pferde, Sielenzeug.
selt-sen, -sem, -sam = selsen.
sel-var (d. i. self-var), selbstfarbig = sulfgraw.
selve, f. Salvei.
selve, selven, selver, selves, s. sulve etc.
sel-wort, Herren-, Hofstätte = sadelhof.
sem, sēm, Binse, juncus.
sêm, m. Honigseim.
seme, sem (beim Schwur), bei, per; vgl. sam.
sê-man, pl. sêlude, Seemann, Seefahrer.
sê-man, einer der unter dem Pantoffel steht, uxorius.
sêm-budel, Beutel zum Auspressen des Honigseims.
sem(e)de, Biese; semdesc, papiricius; semden-werder, bibilos.
semele, f. 1. Kleie. 2. das feinste Weizenmehl, aus dem die Kleie geschieden ist 3. daraus gebackenes Brod, simila.
sêmen, sw. v. Honig seimen.
semende, ciperus (juncus triangulus).
semene, s. tosamene.
sementen, sementêren, sw. v. cementieren, Metalle zusammen mit andern Körpern in e. verschlossenen Gefässe glühen.
seme(n)tlik(en), adv. sämtlich, insgesamt.
sêmer, Honigseimer.
semes, semesch, adj. sämisch, ölgar (vom Leder).
semes(e), semesse, m.? Gesimse..
semlik, adj. 1. solcher, dergleichen. 2. (l. soml.?) mancher.
semmele = semele. semmene = semene.
semmer, m. Ziemer, Rückenbraten.
sems = semese; semsede lîste, Gesimsleiste, -rand.
sêm-touwer, Fabrikant von sämisch. Leder.
sên, st. v. 1. sehen, besehen; s. laten, zeigen. 2. mit alse oder Adv., aussehen. 3. zusehen, in Betracht ziehen, darauf denken, achten; in de sake s., die Sache untersuchen; su des to mi, glaube mir das; it gerne gût (anders, beter) sên, wünschen, dass ein Streit etc. friedlich beigelegt werde, oder überh. eine Sache geschlichtet werde.
senât, st. m. Senat.
senate, sw. m. senator, st. m. Senator.
sende, f. Sendung, gesandtes Geschenk.
sende- (sendel-) bode, Abgesandter.
sende-brêf, Brief (im modernen Sinne).
sende-gût = sendevê.
senden, sw. v. senden, schicken; 3. Sg. Präs. auch sant (vgl. d. Afrs.).
sender, Sender, Absender; Auftraggeber.
sende-vê, Commissions-(Speditions-)gut, in Commission (Spedition) gegebene Ware. (Vgl as. fehu und an. sendifê.)
sende-wîn, Wein, als Geschenk gesandt.
sendinge, f. Sendung.
sene, f. Sehne, Nerv, nervus; Bogensehne.
sene, Senesstaude-, Blatt.
senen, sw. v. besehnen, nervare.
senentliken, auf sehnsüchtige Weise, voll Sehnsucht u. Schmerz.
senep = sennep.
seneschal, Seneschall, Landeshauptmann.
senet, n., fl. -des, ältere Form für sent.
sen(e)-weldicheit, Rundheit.
sene-wolt (-walt, -welt), rund: kugel-, ei-, walzen-, kreisförmig.
senge, n. Gesang.
sengen, sw. v. sengen, cremare, torrere.
senger, Sänger; Dichter.
senich, sehnig, nervosus.
sênich, aus sêdendich.
senkel, m. Schnalle, Nestel, Schnürriemen. Der Verfertiger: senk(e)ler, senkelmaker.
senkel-korf, mit Bleikugeln beschwerter Fischkorb, Reuse.
senken, sw. v. 1. senken, versenken, niederlassen; (e. Brunnen) tiefer machen; refl. v. Vögeln, v. Wasser etc. 2. durch Senkung versperren.
senne = sene, Sehne.
sennep, sennip, m. Senf; -dreger, Senf-Hausierer; -mole, S.-mühle; -sât, S.-samen; -schottele, S.-schüssel.
senne-wolt, -walt = senewolt.
sēnt, sent, n. m. sente, n., fl. sendes, sentes, Synode, geistliches Gericht; s. sitten, dies Gericht abhalten; der Jahrmarkt, w. sich an dies Gericht schloss.
sênt, n. Gesichtssinn; Sehen, Beschauen; Aussehen, Miene.
sēnt-, sent-broke, st. m. Verbrechen gegen d. geistl. Gericht u. d. Strafe dafür; -dach, Gerichtstag der Synode; -hêre, geistl. Richter; -penninge, pl. Einkommen des Officials für Hegung des Gerichts; -plichtich, verpflichtet zum Besuch des geistl. Gerichts; -recht, Synodalrecht; -stôl, geistl. Tribunal; -wroge, f. Anklage u. Strafe vor d. g. G.; -wroger, d. Ankläger bei demselben.
sente, sanctus.
sentencie, f. Urteilsspruch; Verb. sentenciêren.
sen-wolt (-volt, -balt, -holt) = senewolt.
sêpe, Seife.
sêpen-sêder, Seifensieder.
seper (?), Stender, Pfahl.
sêperie, Seifensiederei.
sê-pige, Matrosenjacke.
sēr, s. seder, seit.
sêr, n. körperliche u. geistige Verletzung; Schmerz, Leid; Schwäre, eiternder Ausschlag, Kruste desselben.
sêr, sêre, wund, verwundet; schmerzhaft, krank; mit Ausschlag behaftet.
serân, cerân, m. Vorrichtung zum Aal- u. Fischfang; Wasserstauung mit Freischütten.
serapen? Ausschlag? vgl. sermen.
serden, st. v. schänden, schädigen, quälen, betrügen.
sêre, f. (u. n.?) = sêr, n.
sêre, adv. schmerzlich, mit Schmerz; gewaltig, heftig, sehr; Compar. in grösserem Masse, mehr; Superl. alse sêrest, so sehr als möglich.
sê-recht, Seerecht.
sêrede, f. Verletzung, Schmerz.
sêreg(h)êt = sêricheit
sêreken, die Kruste auf einem Geschwür.
sêren, sw. v. verwunden, verletzen, Schmerz verursachen, beschädigen; (ein Document) zerreissen, cassieren.
sêrich, verletzt = gesêret; krank (bes. an eiternden Geschwüren oder Ausschlag leidend), grindig, scabiosus.
sêricheit, sêrheit, Verletzung, Schmerz; Ausschlag, Schorf, Grind.
sêrichliken = sêre, valde, maxime.
sêr(i)gen, sw. v. versehren, verletzen, beschädigen.
sêringe, Verletzung, Verwundung, Schmerz.
serk = sark, Sarg.
serkel = sirkel.
sermen, ein Wurm (der ein Krebsgeschwür [oder ähnliches] beim Menschen [im Gesichte] erzeugen soll)? Vgl. serapen.
sêrnisse = sêringe, Verletzung.
sê-rôf, -roverie, -rovinge, Seeraub.
sê-rover, Seeräuber.
serpent, m. Schlange.
serpentîn, -tiner, Feldschlange, ein Geschütz.
sert, cert, adj. gewiss, bestimmt.
serte (czerte), Zärte, cyprinus vimba.
sêrte, n.? = sêr, sêrede.
serte, tzerte, f. = serter, frz. charte.
sertein, bestimmt, gewiss.
serter(e), certer(e), tzerter(e), f. (m.) Vertragsurkunde, frz. chartre.
ser-want, m. Kriegsgewand, Rüstung.
serwen, sw.v. entkräftet werden, kränkeln.
ses, sēs, fl. sesse, sechs; 6 Augen des Würfels; ses-tein(e), sechzehn; ses-tich, sechzig.
sê-schumer, Seeräuber.
sêse, sêsse, f. Schleppnetz..
sêse-kān, Fischerkahn mit hinten befestigtem Schleppnetz.
sêsel = seisele.
sês(e)ne, sêssen, f. Sense.
sêsen-tôm, m. Zug mit dem Netze, Fischfang.
sesken (sisken), eine Münze = 6 miten.
ses-leie, sechserlei.
seslich, sextinus, sexternus.
seslink, sesselink, 1. der sechste Teil (v. Scheffel = Himten?). 2. ein halber Schilling = sechs Pfennige.
ses-man(ne), pl. Collegium von 6 Männern.
sê-stat, Seestadt.
seste, sēste, sechste; seste-half, fünf und ein halb; sester-leie, sechserlei.
sester, ein Mass (lat. sextarius).
ses-valt, -volt, -valdich, -voldich, sechsfältig.
ses-werf, sechsmal.
sesting? ein Geschmeide?
sê-strange, f. -strank, m. Seestrom, See; Meerenge.
sê-strant, m. Seestrand, Küste.
sê-strôm, m. das Meer.
set-angel, Setzangel.
sete, m. (?) Sitz; Wohnsitz.
sete, n. = 1. gesete. 2. Gesäss, After.
setel, m. Sitz; Wohnsitz.
seter, ceter, tzeter, Schetter, ein ostindisches Baumwollenzeug oder sehr feine Leinewand; -garn, -twern, Schettergarn, -zwirn.
seteren, sw. v. zittern.
seterich, tzeterlik, zitternd, trepidus.
seteringe, das Zittern.
sêt-herink, ausgefrischter Pickelhering, der gekocht wird.
setim, ein hartes, unverbrennliches Holz, spina Aegyptia.
sētlik = sedelik.
sette, set, n. = gesette, Gesetz, Anordnung; Satzschrift.
sette-lagel, Legel (kleines Fass) zum Niedersetzen oder Liegen auf den Schragen?
setten, sw. v. 1. sitzen machen, setzen an einen Ort; in der Schiffersprache: Anker werfen, vor Anker gehen. 2. aufsetzen, verfertigen. 3. festsetzen; bestimmen, befehlen, anordnen. 4. einsetzen (Beamte). 5. beisetzen, beilegen, schlichten. 6. ansetzen, namentlich den Preis bestimmen, bes. bei Teilungen von Gut; der eine settet, der andere kêset; das streitige Gut in (zwei) Teile teilen. 7. versetzen (als Pfand). – setten bi, aufs Spiel setzen, wagen; (seine Rechtssache) jem. zur Entscheidung überlassen; sik s. to, seinen Willen worauf richten; sik s. up, sich niederlassen; seinen Sinn worauf richten; van sik s., ein Kind ausstatten, bes. von Söhnen; sik setten wedder (jegen), sich widersetzen, empören (auch sik setten allein, ohne wedder, heisst sich widersetzen).
sette-, set-nagel, das Zeichen der Böttcher auf den von ihnen gemacht. Gefässen.
settenîn (cetemîn), ein Seidengewebe?
setter; setteren = seter; seteren.
sette-wîn, Wein, den man zum Geschenk macht?
settîn, eine Art (wollener oder seidener?) Zeuge; vgl. mhd. satîn.
settinge, 1. Satzung, Gesetz, Ordnung (Zunftrolle). 2. Versetzung, Verpfändung, u. concr. das versetzte Stück, Unterpfand. 3. Ansetzung zu einem Preise. 4. = voresettinge, Kaimauer.
sê-tunne, Seetonne zur Markierung des Fahrwassers.
set-werk uppe pappîr, Buchdruck?
sêtze = seisene.
sê-varende, der die See befährt oder befahren hat, techn. Ausdruck für Schiffer, Seemann.
sê-vart, f. Seefahrt.
se-vacht, -vechte = segevacht.
seve, n. Sieb; als Mass für Hopfen; dat s. (umme) lopen laten, e. abergläubischer Brauch.
seven, sw. v. sieben, cribrare.
seven, fl. sevene, die Zahl sieben; seven-tein(e), siebzehn; seven-tich, siebzig.
seven-(soven-)bôm, juniperus sabina.
sevende (sevede), siebente.
sevenich, septenus.
seven-stern(e), -sternete, septentrio; septistellium, ursa minor u. maior.
seven-valt, -volt, -valdich, -voldich, siebenfältig.
seven-werf, siebenmal.
sever, tzever, m. Käfer.
sêver, m. Schleim aus Nase oder Mund, Geifer.
sêver-bart, Bezeichnung eines unsaubern Trinkers.
sêver-dôk, Geifertuch.
sêveren, sw. v. geifern.
sêveringe, das Geifern.
sêver-mûl, unerfahrener Grünschnabel?
sêver-springe, Wunde an der Lippe, dass man den Speichel nicht halten kann; Speichelfluss.
sê-visch, Seefisch.
sê-vogel, bildl. Schiffer.
sê-vunt, m. was man auf der See oder an der Küste findet, Strandgut (Regal des Landesherren); adj. sêvundisch (gût).
sê-were, Verteidigung zur See; Säuberung der See von Piraten.
sexte, f. die 6. kanonische Hora.
sibbe, adj. blutsverwandt.
sibbe, f. Blutsverwandtschaft, Sippe; Grad derselben.
sib(be)-blôt, -schop, Blutsverwandtschaft; -genote, Blutsverwandter; -tal, Grad der Sippe; sibschop-tafele, Stammbaum.
sibe(l)link, siboldink, eine Apfelart.
zibete, Zibeth (Absonderung der Zibethkatze).
(sibum) cibum gân, müssig gehen, nicht arbeiten.
sicht, f. das Schauen; die Erkenntnis.
sichte, f. = segede.
sichte, n. 1. Gesicht, Ansicht; Vision. 2. Angesicht, Aussehen. 3. Vorderseite, Front.
sichte-budel, Sichtebeutel; -kaste, -kiste, Beutelkiste.
sichtelse, n. das Ausgesichtete.
sichten, sw. v. sieben, sichten, beuteln (das Mehl).
sichten, sw. v. mit der sichte, Sichel, abmähen.
sichten-hower, sichter, der mit der sichte haut, Schnitter.
sichter (sechter), m. eine hölzerne Wasserrinne quer unter den Wegen; bedeckter Ableitungskanal für Wasser, Jauche etc.
sichte-vat, Sichtfass (in der Mühle).
sichtich, sichtlik, sichtbar.
sickel, tzicken, tzicke-lîn, -len, -ken, n. Zicklein.
sickeltûn, mit Gold durchwirktes Seidenzeug, figurierter Seidenstoff (als Altardecke, Bettüberzug etc.), span. ciclaton, frz. siglaton.
side = segede, sichte.
side, f. Seite; als Teil des menschlichen Leibes; Partei; Gegend, Küste, s. speckes, Speckseite; de siden geven, einwilligen, geneigt sein; over eine side, over side (sît), over sides, bei Seite.
side, f. Seide.
side, niedrig; s. sît.
side, adv. weit, nur in: wide (unde) side, widen u. siden, wît u. sît, weit u. breit.
sidegen, sw. v. erniedrigen.
side-kint, Seitenkind, d. h. ein ausser oder vor der Ehe erzeugtes Kind.
si(d)el-dîk, Flügeldeich; -dore, Seitenthür; -gat, Seitenloch; -spek, Seitenspeck; -stên, Trottoir-, Kantstein.
sidelinge, adv. seitlings, schräg.
siden, sw. v. niedrig machen, erniedrigen.
siden, adj. aus Seide, seiden; Subst. n. Seidenzeug.
siden-sticker, Seidensticker; -stripet, mit seidenen Streifen (v. Zeug); -verwer, Seidenfärber; -wever, Seidenweber; -worm, Seidenwurm.
siden-ovel, n. Schmerz in der Seite.
sider, seitdem, später.
side-vrouwe, Frau, w. in Seide arbeitet.
side-, sît-wendinge, Seitendeich, w. im Winkel an den Hauptdeich stösst, Querdeich.
sidik = sedek.
sidinge, 1. Minderung, Herabsetzung. 2. Niederung, Thal.
sie, f. Seiher, Durchschlag.
si(e)-dôk; -korf; -vat, Seihtuch; -korb; -fass (der Brauer).
sien, sw. v. seihen; tröpfeln, triefen.
sier, Senknetz, Binsenreuse.
sifelit, siphelet, n. Pfeife, bes. Bootmannspfeife, frz. sifflet.
cifer, cifre, Ziffer.
sifert, czifert, eine kleine Scheidemünze.
sige, sigge; sigen, siggen = sie; sien.
sigen, st. v. niedersinken.
signêt, n. Siegel; signêtes-bôch, Siegelring.
sik = sek, Sech; sik-bant, m. zur Befestigung desselben.
sîk, m. sumpfige Niederung, Tümpel.
sîl, m. Siel: Entwässerungsgraben, auch die verschliessbare Mündung dess., w. unter einem Damm oder Deich durchgeht (bes. in der Marsch); offener oder bedeckter Unratscanal, Cloake (in der Stadt).
sîl-dêp, n. -grave, sw. m. -toch, n.? -vlêt, n. -wetteringe, f. = sîl, Wasserlösung oder spec. der Hauptsielgraben; -gat, e. Sielmündung; -mêster, Aufseher über die Reinigung der Stadtsiele; -richter, -rechter, Aufseher über Marschsiele; -schot, n. Verschluss des Siels, Schleusenthor; -vestene, f. Sielacht, -verband, -interessentschaft.
sil-breke, flamula (ranunculus flammula?); vgl. sulfbreke.
silen, entwässern.
silf = sulf.
silich, adj. von Sielen durchzogen.
silken, sw. v. zwitschern.
sille = sul, Schwelle.
si-lôs, adj. unerwartet, unvorhergesehen, plötzlich, zufällig; adv. silosen. L. sinl-?
silve, silven, silver, silves, s. sulve etc.
silver, Silber; s. sulver.
silvestren, pl. Silvestriner, e. Mönchsorden.
simboria, Baldachine über Fenstern, Statuen etc.
simfenige, f. ein musikal. Instrument (eine Art Orgel?)
simpel, 1. einfach. 2. ungelehrt, einfältig, dumm; adv. simpeliken.
simpelheit, Einfachheit; Einfalt, Dummheit.
simper, der 8. oder 9. Tag nach h. drei Könige.
sîn, pron. sein.
sîn, unr. v. sein, s. wesen.
sin, m. 1. Sinn, äusserer Sinn; na minen vîf sinnen, nach bestem Wissen. 2. innerer Sinn, Denken, Verstand; gern im Plur. 3. Sinn, Absicht, Meinung, Entschluss. 4. Sinn, Zusammenhang, Inhalt. 5. Art und Weise, ratio; alles sins, durchaus, überall; nines sins, durchaus nicht; ander(s)sins, anderweitig, sonst.
sinamôm(e), Zimmet.
sindal, sindel, (leichterer) Seidenstoff (Taffent).
sinde, n. Gesinde; auch d. einz. Diener.
sindel-dort, -tort, Seidenstoff aus sindel (gedrillter, gedrehter Zindeltaft)? Seidenflor?
sindel-taft, Zindeltaft.
sinder (sindel), coll. Hammerschlag, Metallschlacke; sinder-klôt, der einz. Klumpen.
sindouwe, entw. drosera rotundifolia, Sonnenthau, oder alchemilla vulgaris, Thaubehalt.
siner-lei, seiner Art.
sineckel, herba saniculae.
singel-bôm, Schlagbaum.
singele, tzingele, f. 1. äusserste (meist hölzerne) Einfriedigung einer Stadt, Burg etc.: im spec. Gebrauche ein eingefriedigter Raum vor dem äussersten Thore (Hameide); später jede Art (hölzerner) Einfriedigung. 2. Kiesel-, Geröllbank vor der Küste.
singel-misse, gesungene Messe, Ggs. stille Messe.
singen, st. v. singen; dichten; gesangartig hersagen, techn. vom Recitieren der Messe; singende misse = sanc-, singelmisse.
singer, m. Sänger, Dichter, Spielmann.
sin-grone (immer grün), potentilla, semperviva.
sin-kal(e), bleibende, immerwährende Kahlheit.
sinke, czinke, die 5 auf dem Würfel, quinio.
sinken, st. v. sinken, untergehen.
sink-isern, e. Werkzeug eines Tischlers.
sinlicheit, sinnelcheit, 1. Sinnlichkeit, natürl. Anlage; sinnl. Lust. 2. Besinnung, Verstand.
sinlik, 1. sinnlich, Ggs. geistig. 2. bei Verstande, verständig. 3. mi is s., mir ist erinnerlich, bewusst; ich beabsichtige. Adv. sin(ne)liken, ingeniose.
sinne = sinde.
sin(ne)-lôs, der Sinne beraubt, irrsinnig; bewusstlos, ohne Besinnung.
sinnen, st. v. 1. denken, glauben, vermuten. 2. ansinnen, begehren, eine Forderung stellen; insbes. seitens des Dienstmannes die Belehnung suchen, das Lehn muten. 3. auf etwas denken, ersinnen.
sinnich, 1. was in die Sinne fällt, sinnlich wahrnehmbar. 2. verständig, bei Sinnen. 3. bedachtsam, still, leise.
sinnicheit, 1. Sinnlichkeit; äusserer Anschein. 2. Verstand.
sin-rîk(e), sinnreich, verständig, geschickt; s. wesen m. Gen., verstehen, erfahren sein in. Subst. sinrikecheit.
sinnunge, f. das Begehren, die (Lehns)-mutung.
sint (sunt, sent), 1. adv. seitdem, später, darauf. 2. präp. mit Gen. u. Dat. seit. 3. conj. der Zeit u. des Grundes, quum.
sinte, sanctus.
sînte, dat, das seinige.
sintel, sinter (mehr ndl.) = sinder.
sintel(e), czintel, spicus, instrumentum ferrum, quo nautae utuntur, dat holdet dat schep: Eisenband, -reif? aus span. cintilla? Spieker, Sentspieker (e. Art Nägel)? sintelen auch zu Schlagbäumen u. Brunnenleitungen.
sintel-negele, grosse eiserne Nägel?
sintel-rode, succudo, instrumentum quo nautae utuntur: Sente?
sintenêre, tzintener, m. Zentner.
sîntlik, sichtbar; s. werden up, sein Augenmerk richten auf?
sint-rôr, Zündrohr, d. i. Feuergewehr.
sint-vlôt (= sin-vlôt), grosse, allgemeine Flut.
sîp, m. u. n. sipe, sw. m. kleines Flüsschen, Bächlein.
sipe, f. feuchtes Land, Niederung, Wiese.
sipel(e), sw. st. m. = sipolle.
sipen, st.? sw. v. tröpfeln, triefen, sickern; bes. von Augen.
czipers = czipresch, von Cypern.
sipich, träufelnd, triefend.
sipinge, das Träufeln, Lecken, Durchsickern.
sîp-ogich, triefäugig.
sipolle, tzipolle, Zwiebel, cipollen-hoker, Zw.-Händler; -sât, Zw.-Samen, -spise, ceparium.
sîr = sinere, seiner.
sîr, 1. schön, fein, zierlich. 2. listig, schlau.
sîr, Pracht, Herrlichkeit.
sîr (sier): gût s. maken = frz. faire bonne chêre, herrlich speisen, fröhlich sein.
sirât, ciret, tzirot, Zierat, Schmucksache.
siren, tziren, sw. v. zieren, schmücken.
sîrheit, tziricheit, 1. Schmuck. 2. Klugheit, List.
siringe, tziringe, Zierung, Schmückung; Zier, Schmuck.
cirke, Zirkel (als Instr.).
cirkel, tzirkel, m. Zirkel, sow. d. Instrum., als die mathemat. Figur, Kreis; der sonnen c., cyclus solaris; der werlde c., Weltall, Erdkreis. Als Instr. Abzeichen der Zirkelbrüder (cirkeler, cirkelbroder, -hêre) in Lübek, als Kreis Stempel der Heringstonnen (cirken, so stempeln).
cirkel-echtich, -ich, circularis.
cirkel-knecht, Kriegsknecht, w. die Runde geht.
sirken, sw. v. zirpen.
sîrlik, tzîrlik, zierlich, schön, schmuck; adv. cîrliken.
sirnink, Röhre, Pfeife, Katheter (aus lat. syrinx).
sirup, sirop, m. Sirup, überh. e. Medicintrank.
(sise), czitze, Zeisig.
sise, scise, tzise, f. Accise; -bode (Bude); -hêre, Ratsherr, w. d. A. verwaltet: -knecht, -mêster, -schriver, -voget (Einnehmer).
sise-bar, steuerpflichtig.
sisek, cisek, sisex, ziseke, Zeisig.
cisiojanus, Datierung nach Festen und Heiligentagen; so benannt nach dem Anfang der Memorierverse.
sissen, tzissen, sw. v. zischen.
sit, m. Sitz, Sitzplatz.
sît, f. Seite. sît, weit; s. side.
sît, side, niedrig, eigentl. u. bildl.; mit sider stempne, leise; dat sideste recht, gerichte, die unterste gerichtliche Instanz; adv. side.
sît-disch, Nebentisch.
sît-drivende werk, e. Belagerungswerkzeug = katte (s. d. W.), Ggs. ho- (hoch-)drivende w.
siter(e), siterie, Kammer, festes Gewölbe an einer Kirche (wohl aus lat. zeta, zetarium).
sît-glepe, pl. e. Art Ziegel; vgl. glepe.
sît-halven, von der Seite her.
sît-hamer, e. Schmiedehammer (Ggs. vorhamer?).
sît-hank, dextrale, Seiten- oder lang herabhängender Vorhang?
sît-hole-kelen, pl. e. Art Ziegel.
sitlik = sedelik.
sîtlink und sîtliken = sidelinge.
sîtnisse, niedriger Grund, Thal, Niederung.
sît-rême, Seitenriem, Ziehstrang am Pferdegeschirr.
sît-rêp, e. Art Tauwerk, z. B. zur Ramme.
sitte-bank, -benke, Sitzbank.
sittelose, czitelose, f. Zeitlose; wahrsch. die (gelbe) Narcisse, Osterblume; weniger die Herbstzeitlose.
sittel-schot, eine Abgabe der Hausleute an die Gutsherrschaft.
sittelse, Sitz, Stuhl.
sittel-stede, Sitzstätte, Sitz.
sitten, st. v. 1. sich setzen, bes. zu Pferde steigen; s. van, vom Pferde steigen. 2. sitzen; seinen festen Wohnsitz haben, sich aufhalten; sitten under iem., jem. unterthänig sein; vielfach in übertr. Bedeutung, bes. in der Regierung sitzen, auf dem Rathsstuhl sitzen, an der Regierung sein; gefangen sitzen, in neringe s., einen Erwerb haben; sitten gân, sich setzen. 3. sitzen, anstehen, sich geziemen. 4. trans. sitzend ausüben, bes. vom Richter: dat richte s.; dat schot s., die Abgabe der Bürger in Empfang nehmen.