S (continued 2)
Reading edition
sitten, sittent, n. Sitzen, Session.
sîttende, (Dativ) ein Teil des Hauses (etwa das Mittelhaus als Wohnung?).
sittenisse = sîtnisse.
sitter, 1. Stillsitzer, Neutraler. 2. Beisitzer eines Gerichts.
sittêren, cittêren = citêren, sw. v. citieren, vorladen.
sittinge, 1. Sitz, Platz. 2. Besitz.
slabab(be)sch, (von e. geringeren Sorte Feigen u. Rosinen) weich?
slabbas, slabberbas, Trunk, Schluck? Bissen, Happen?
slabben, schlappen, schlürfen; schwerfällig sprechen, als wenn man schlürfte.
slach, m. 1. Schlag; plötzlicher Krankheitsanfall; göttliche Strafe; Niederschlag, Tötung; Hufschlag, Spur, Fährte; Weg, Richtung. 2. Schlag einer Glocke oder Uhr, Stunde. 3. Mass, Tact. 4. Schlag des Geldes, Gepräge. 5. Weise, Methode des Arbeitens, z. B. von der Tuchbereiterei. 6. Zuschlag, was jem. zugeschlagen, angewiesen wird; überh. Abteilung, z. B. des Ackers, Deiches, Weges.
slach, n. Verschluss, Riegel, Schlag-, Sperrbaum.
slach-bôm = d. vor. W.
slach-brade, hilla (Bratwurst?).
slach-brugge, Zugbrücke.
slach-bûr, aucipula, Vogelfalle.
slach-(slacht-, slage-)dôk, 1. Schlagtuch, d. h. das um einen Packen Tuch geschlagene Mustertuch. 2. was in Ausgaben für Pferde?
slach-gelt, Zoll für das Passieren eines Schlagbaumes.
slach-hamer, Schlaghammer zum Zerspalten der Steine, oder Schlägel.
slach-holt, 1. Schlagholz, ligna caedua. 2. Bleuel.
slach-kam, ein Webergerät.
slach-mâl, der (blaue) Fleck, der von einem Schlage herrührt.
slach-nesich, stumpfnasig.
slach-orde, f. Schlachtordnung.
slach-pinne, Pinne am Schlagbaum?
slach-regen, plötzlicher heftiger Regen.
slach-schat = slegeschat.
slach-schene, Eisenschiene als Beschlag? am Pfluge?
slacht, f. 1. Schlachte, das Pfahlwerk, Bohlenwerk (später oft durch Steine ersetzt) am Ufer der Flüsse, bes. zum Zweck der Mühlenanlagen und zum Anlegen der Schiffe. 2. das Schlachten. 3. Schlacht, Gefecht. 4. Gattung, Art.
slacht-brêf, Geschlechtsbrief, d. h. schriftliche Urkunde der Geschlechtsverbindung zu gegenseitiger Hülfe.
slachte, n. = slechte.
slachte-bank, Schlachtbank; -hûs, Schlachthaus.
slachtel-mân = slachtmân.
slachten, sw. v. 1. eine slacht, Pfahlwerk, einschlagen. 2. schlachten, mactare.
slachter, Schlachter.
slacht-holt, Holz zu einer Schlachte.
slachtich, der Schlägereien macht, aufrührerisch.
slachten, sw. v. na, oder m. Dat., arten nach; gleich, ähnlich sein.
slachte-, slachten-, slachter-nut, Zuss. von slacht, Art und nut, Nutzen, Nutzung; bes. häufig mit al verbunden, aller slachte nut, Nutzung jeder Art; vielfach verderbt und als Ein Wort angesehen = Nutzung.
slachtinge, 1. das Schlagen, Schlägerei, Prügelei. 2. Totschlag, Mord; Gemetzel, das Schlachten. 3. Schlacht.
slacht-mân, Schlachtmonat, d. i. gew. November.
slacht-ordeninge, -orde, f. = slachorde.
slacht-swert, Schlachtschwert.
slach-vinster, Fenster, welches auf- und zugeschlagen werden kann, bes. die als Ausstellungsbank für Waaren dienende Fensterluke.
sla-dâl, niederfallender Kragen..
sladdich, ein wenig aufgekocht?
slafante, Bezeichnung für e. Geistlichen niederen Grades; vgl. d. Slavanten-Kloster bei Maastricht und slavine?
slage, f. 1. Werkzeug, womit man schlägt, Schlägel. 2. Hufschlag, Spur. 3. Schlagbaum..
slage (slagen), ein länglich-rund geformter Klumpen Butter.
slage-dôk = slachdôk.
slagen, sw. v. schlagen; schlachten; einen Schlagbaum fertigen.
slagge, 1. m. Schlacke v. Metallen und Kohlen (davon: slaggen-berch, -hutte, slagge-werk). 2. f.? schlackiges, regnerisches Wetter.
slaggen, sw. v. schlackiges, regnerisches Wetter sein..
slak, schlaff, schwach.
slaken, sw. v. slak, schlaff, sein u. trans. slak machen.
slak-side, Bauchseite (des Aals)?.
slam, m. Schlamm, Dreck; in der Mühle: der Abfall beim Mahlen des Getreides, bes. der Gerste?
slam-kiste, cisterna; Kiste für den Mühlenschlamm.
slammich, schlammig.
slampamp, slampamperie, üppige Schlemmerei.
slampampen, sw. v. üppig schlemmen.
slân, st. v. 1. schlagen. 2. erschlagen, bes. vom Vieh: schlachten, mit dem weiteren Begriff des Zerschlagens, Zerlegens. 3. ein-, aufschlagen, ein-, aufpacken. 4. zuschlagen, stopfen. 5. anschlagen (Glocken). 6. in dat gras, treiben (Vieh auf die Weide); drek, mes, zusammen und auf den Wagen bringen. 7. schlagend machen, durch Schlagen verfertigen, z. B. ênen wech, dîk, garn (drât, kabel, rêp, touwe), wullen (Wolle rein u. locker schl.), kopper etc. (platt schl.), lêmen (zu Lehmhäusern); übertr. von Bündnissen, Vereinbarungen, Rat etc.; sik s., aus dem Wasser springen, sich überschlagen (v. Fischen). Na dem ende s., ein Ende womit zu machen suchen; in, hinein werfen, stossen, thun; na, nacharten; up, anschlagen, rechnen; beachten, berücksichtigen; van sik, von sich thun, sich entäussern; vor nicht, für nichts rechnen; jegen, (eins gegen das andere) rechnen; sik slân an, sich begeben zu, sich anschliessen an. – Intr. schlagen, sich wohin neigen (v. der Wage); einen Weg einschlagen, sich wenden, ziehen; in dat lant slân, einfallen; dorch de lantwere slân, brechen.
slange, m. u. f. 1. Schlange. 2. f. Geschütz mit langem Rohre.
slangen-busse = slange 2. -krût, -lode, Pulver, Kugel zu ders.
slank, schlank, biegsam.
slanken, sw. v. biegsam machen; slankinge, liquescencia.
slânt, n. das Schlagen; Kampf, Gefecht.
slâp, m. Schlaf.
slap, schlaff; träge; adv. slaplik.
slâp-bank, -benke, -bedde, Schlafbank, -bett.
slâp-brade? (mhd. slaufbrate?)
slâp-drank, Schlaftrunk; Einschläferungsmittel.
slape-lôs, schlaflos.
slapen, st. v. schlafen; bi slapender dêt, tît, zur Nachtzeit, vgl dêt.
slaper, Schläfer.
slaperen, sw. v. schläfrig werden, sein; auch unpers. mi slapert, ich bin schläfrig.
slaperich, slaperaftich, schläfrig, schlaftrunken. Subst. slaperheit, slaper(i)cheit.
slapheit, Schlaffheit.
slâp-hûs, Schlafsaal, -stätte in den Klösteren und sonst, dormitorium.
slapich, schläfrig.
slapinge, das Schlafen.
slâp-kamer, Schlafzimmer.
slâp-klocke, Nachtglocke (mit w. der Anfang der Schlafenszeit bezeichnet wird).
slâp-laken, Betttuch, linteamen.
slâp-lêve, Beischläferin.
slâp-love, Schlaflaube, Söller.
slappe, f. der Lederhang am Helme, zum Schutze des Hinterkopfes und des Nackens.
slappen, sw. v. schlaff werden.
sla(p)pinge, liquescencia.
slâp-sack, Schlafsack, als Schelte: Faulpelz.
slâp-scholer, Schlafschüler, d. h. ein Schüler, der im Kloster etc. auch schläft, Pensionär, Internar.
slâp-stede, Schlafstatt, -stelle.
slât, e. moorige Vertiefung (in der Heide).
slatte, Lumpen, Fetzen.
slaven, sw. v. Sklave sein; sklavische, schwere Arbeit verrichten.
slavine, f. grobes Tuch, Pilgergewand, mhd. slavenîe.
slavune, Art grosser Anker? Galeere, eig. slavonisches Schiff?
slawe, f. Hufschlag, Wagenspur; Fährte.
slê, stumpf (bes. von den Zähnen).
slê, f. Schlehe, prunus spinosa; slê-bôm, Schwarzdorn.
slecht u. Ableitungen, s. slicht.
slecht-bôk, Geschlechtsregister.
slechte, n. 1. Geschlecht, Abstammung. 2. Geschlecht, alle Geschlechtsangehörigen.
slechter, Schlachter.
slechtes-man, der zu demselben Geschlechte gehört, gentilis.
sleck(e), niederrh. = snecke, testudo.
sleckeren, sw. v. beflecken, unrein machen.
slede, (sledde), m. Schlitten; Schleife, räderloses Fahrgestell; Schlitten der Reepschläger.
sleden-driver, -vorer, Schlitten-, Schleifenfuhrmann.
sleden-schemel, epireda, epiredia.
slede-wech, Schlittenbahn.
slê-dorn, prunus silvestris.
slêf, sleif, m. ein grosser Koch-(Topf-) Löffel, meist von Holz; Schelte für einen dummen, ungeschliffenen Menschen.
sleger = sloier.
sleger, Schläger, Raufbold.
slege-, slei-schat, m. Schlagschatz, d. h. die an den Inhaber der Münzgerechtigkeit zu zahlende Abgabe für die Prägung des Geldes oder für die Erlaubnis, alte u. fremde Münzen ausgeben zu dürfen oder gegen neue, einheimische einzuwechseln.
sleifen = slepen (spätes W., aus d. Hd.); dat korn s., im Kriege das Getreide auf dem Felde durch Wagen, denen man die Hinterräder abgezogen hatte, verderben.
sleiger, sleiger-dôk = sloier etc.
slein(e), slên(e) = slê; slên-bêr, Bier mit Schlehensaft; -bôm, -dorn = slê-bôm, -dorn.
slei-, slê-stuke, burellum; vgl. stuke u. Hor. Belg. 7a, 19: sloy, syrma, cauda vestis feminarum.
sleke, st. m. Schlich, Schleichweg.
slenge, f. Schleuder, funda.
slenge, n. = slink.
slengelse, n. Beschlengung, Einfassung; e. Art Zeugsäumung.
slengen, sw. v. winden, flechten, in einander schlingen.
slenger(e) und slenker(e), f. Schleuder; Wurfmaschine.
slengeren = slingeren 2.
slenkeren, sw. v. schleudern; s. gân, herumschlendern.
slên-sap, Schlehensaft.
slêpe, f. Schleife, Schleiffuhrwerk; als Kriegsgerät (zur Belagerung?)
slepe-hoike, (langer) Schleppmantel.
slepen (und slêpen?), sw. v. schleppen, schleifen, bes. zum Richtplatz; intr. schleppend, langsam gehen.
slepe-nette, Schleppnetz.
sleper, 1. Schlepper, Träger. 2. das Schleppbuch, in welchem fortlaufende Rechnungen, Einnahme und Ausgabe, verzeichnet werden.
slêper, Schläfer; Faulpelz; f. slêpersche.
slêper, 1. eine Münze (= 6 Schillinge oder 10 Stüver). 2. ein Satz Gewichte (zur Goldwage?)? auch (Pl.) sleper-lode.
slêperen, slêperich = slaperen, slaperich.
sleppe, f. = slippe? Schleiertuch?
sleppeken, ledernes Barett?
slep-stert, Schleppschwanz, langes auf der Erde schleppendes Kleid.
slê-sap, Schlehensaft.
slêt, n.? rohe, biegsame Holzstange; coll. junges Holz, zur Belegung der Balken, um Heu, Stroh, Garben etc. darauf zu legen; überh. Kleinholz zu allerlei Gebrauch.
slete (slette), st. m. 1. Abnutzung durch den Gebrauch, Verschleiss; Aufwand für verbrauchte Dinge, überh. Unkosten, Schaden. 2. Abgang, Beilegung eines Streites, Compromiss. 3. Verschleiss, Verkauf im Kleinen.
sletesch, umgänglich, verträglich.
slet-haftich, verschlissen, abgängig durch Gebrauch.
slet-haver? (neben brimhaver, ruhaver).
slêt-holt, Holz, das zu slêten dient.
sleth-schat = slegeschat?
slêt-werk, Werk, das sich abnutzt und daher zeitweis der Erneuerung bedarf? (v. e. Brunnen, Ggs. gront-werk).
slêveren, sw. v. das Fachwerk mit Lehm ausfüllen und bekleiden.
slî, m. Schlei, d. Fisch.
slibberaftich, slibberich, schlüpfrig, glatt.
slich? blandus.
slicht, slecht, 1. schlicht, eben; in grader Fläche, flach gefasst (v. Juwelen); ungeschlitzt (v. Kleidung); glatt (v. Eise); schlaff (v. leeren Beutel). 2. bildl. schlicht, einfach, gewöhnlich; slichte lude, Leute von niedriger Geburt; geordnet, fertig.
slichte, slechte, adv. einfach, ohne Umschweife, ohne weiteres, gänzlich.
slichtelik = slichte.
slichten, slechten, sw. v. schlicht, eben machen; bildl. schlichten, ins Reine bringen.
slichtes, slechtes, adv. 1. einfach, ohne Winkelzüge, bloss. 2. schlechterdings, durchaus, gänzlich; oft: überhaupt (das Ganze zusammenfassend, summatim).
slichticheit, 1. ebene Fläche. 2. Schlichtheit, Einfachheit.
slichtlike(n), adv. 1. eben, in der Ebene. 2. einfach, ohne Prunk, ohne weiteres.
slickachtich, slickich, s. slik-.
slicken u. slickeren, sw. v. lecken, schlecken, naschen.
slicker, Fresser, Leckermaul.
slickerie, Näscherei.
slîg = slî.
slihen (aus sliden), auf dem Eise glitschen.
slî-hudich, der eine (schlüpfrige) Haut hat wie ein sli.
slîk u. slik, m. (u. n.?) Schlick, Schlamm, nam. der Uferschlamm.
slik-achtich, -echtich, schlammig.
sliken, st. v. schleichen, leise gehen.
sliker, Schleicher.
slikich, schlammig, feucht, schlüpferig.
slîm, m. u. n. Schleim; Schlamm, weicher Schmutz.
slim, schief, krumm; nicht in ordnungsmässiger Beschaffenheit, elend, schlecht (bes. von Kleidern), niedrig; moralisch schlecht.
slimen, essen, schmarotzen? schleimig machen oder werden?
slimerich, schleimig, schlüpfrig.
slimheit, Niedrigkeit, Wertlosigkeit, schlechte Beschaffenheit; schlimme Lage, Elend.
slimich, schleimig; schlüpferig; bildl. schmeichlerisch.
slimlike(n), slimmel(i)k(en), adv. elend, schlecht, übel.
slimmenitze, einer von niedriger Abkunft, Nichtsnutz (persönl. gebrauchtes slimnisse?)
slimmich = slim; slimmicheit = slimheit.
slimnisse = slimheit.
slinden, st. v. (durch den Schlund gehen lassen) verschlingen, fressen.
slinderen = slingeren, sich winden.
slindich, gefrässig.
slindinge, glutio.
slinge = slenge.
slingen, st. v. 1. intr. sich winden, sich drehen, kriechen (in Schlangenbewegung), selten refl. 2. trans. winden, flechten. 3. verschlingen, hinunterschlucken, fressen.
slingere = slengere.
slingeren, sw. v. 1. intr. = slingen 1. 2. trans. hin- und herschlenkern, winden.
slink, fl. slinges, n. 1. Rand, Einfassung. 2. Schlagbaum, Gatter. 3. Pfahlrost.
slink-dore, Gatter-, Heckthür.
slinken, sw. v.? allmählich vergehen, zusammenschrumpfen.
slink-ferten und -fîsten, sw. v. herumschlendern, müssig gehen.
slink-holt, Holz zu einem slink.
slins (?), Schlund, vorago.
slint-sucht, starke Esslust, Fressgier.
slip (î?), Eisenschlacke, Hammerschlag.
slipe = slippe, Zipfel, Flügel?
slipen, st. u. sw. v. 1. intr. gleiten, schleichen, schlüpfen; slipen unde wenden, glattzüngig sein und nach dem Munde reden. 2. trans. schleifen, glatt, scharf machen; schleifen, schleppen.
sliper, Messer-, Scherenschleifer.
sliperich und sliperne, 1. schleichend, schmiegsam, schmeichlerisch. 2. nachlässig, unachtsam.
sliperneheit, Nachlässigkeit, Unachtsamkeit.
slip-hoike, Mantel mit einer slippe, Schlappe? (vgl. slepehoike u. slippen.)
slîp-, slipe-kote, sw. m. Schleifhütte.
slîp-mole, Schleifmühle.
slippe, f. (u. m.) Rockschoss, Rockzipfel; bi der slippen nemen, als symbol. Handlung: Zeichen der Besitzergreifung; de slippen afsniden, bildl. fahren lassen. – Bildl. Streifen (Landes).
slippen, sw. v. einschneiden, schlitzen, zerreissen.
slippen, sw. v. 1. gleiten und gleiten lassen. 2. den Mantel über den Kopf hängen.
slipper, slipperich, schlüpfrig, glatt. Subst. slippericheit.
slîp-, slipe-stên, Schleifstein.
slip-swarte, eine aus dem slip (Eisenschlacke) in Verbindung mit Galläpfeln bereitete schwarze Farbe.
slîp-tît (?) des haringes, Zug-, Laichzeit des Herings?
sliren, sliriken, sw. v. schmeicheln, gut heissen.
slise, Bündel, Packen?
slisse, f. scissura, Schlitz im Zeuge.
sliten, st. v. 1. schleissen, zerreissen, zerstören, trennen; de selschup, die Handelsgenossenschaft auflösen. 2. schleissen, aufbrauchen, durch täglichen Gebrauch abnutzen, auch intr., atterere u. atteri; de tît s., die Zeit hinbringen. 3. jem. sliten (auf- und verbrauchen, wie jemand ist), einen mit Glimpf behandeln, einem nachgeben, geduldig ertragen; machen, dass man in Güte von jem. loskomme. 4. endigen (einen Streit), schlichten, sühnen. 5. verschleissen, bes. nach und nach bei kleinem verkaufen. Refl. sich losreissen, sich trennen, davon gehen; sich endigen, sich verlaufen; sich versöhnen; sich schicken.
slitenheit, Verträglichkeit; Versöhnung. L. sliternh.?
slitich, geduldig, verträglich, sanftmütig.
slitinge, 1. Verschleissung, Verbrauch. 2. Endigung, (Be)schliessung.
sli-winter, milder Winter. L. slikw-?
slôch? Wiese, Bruch? (vgl. ags. slôh, schwed. slog.) L. slôth?
sloddik, eine saure Apfelsorte.
sloier, sloiger, sloyer, sloger, m. Schleier.
sloier-dôk, Schleiertuch, Schleier.
sloifen, slofen = sleifen.
sloke, st. m. 1. Kehle, Schlund. 2. Schluck, Trank oder Bissen, der durch die Kehle geht.
sloker-drunk, ein grosser Trunk, haustus magnus.
slokerich, gefrässig.
slommen = slômen.
slomen, slommen, sw. v. schlafen (u. einschläfern?).
slômen, sw. v. schlemmen, üppig leben.
slômer, Schlemmer, Verschwender.
slomeren, sw. v. schlummern.
slone = slê, Schlehe.
slôp, n.? Schlupf-Loch, wodurch man schlüpfen kann, Zaunloch.
slope, f. Schleife, Schlinge.
slope = slêpe, f. Schleife, schlittenartiges Fahrzeug zur Fortschaffung von Waren.
slopen, sw. v. schlüpfen, schleichen, sich langsam trollen.
sloppen? en sloppende vat, futilis.
slôr, m. langsamer, träger Gang; de olde slôr, der Schlendrian.
slorpen, sw. v. schlürfen.
slôs(s)e, sloitze, eine Art Schuh, Sandale, Pantoffel.
slosen, sloisen, sw. v. s. gân, schlendern.
slôster, Schale, Hülse einer Frucht.
slôt, m. (tiefer) Graben; Sumpf?
slot, n. 1. Schloss, sera; Fessel; Buchclausur; im Pl., festes Gewahrsam. 2. Schloss, castrum. 3. Schluss, Ab-, Beschluss.
slot-balke (in einer Mühle)?
slot-borch, castrum, urbs.
slot-borge, Bürge des mit einem Schlosse Belehnten für Innehaltung des Schlossbriefes.
slot-brêf, Urkunde über Verpflichtungen wegen Schlossbesitzes oder -verwaltung.
slot-brot, Schlossbrod, d. i. feines Brot, pastellum.
slotel, m. Schlüssel.
slotel-dreger, Schlüsselträger = sluter; v. Papst.
slote-maker, Schlosser.
sloten, pl. Schlossen, Hagel.
sloten, sw. v. einen slôt, Graben, machen oder bessern.
slot-gader, schliessbares Gatter?
slot-gelove = slotlove.
slot-haftich, -achtech, verschliessbar.
slot-hêre, Schlossherr.
slot-lage = slot-stede.
slot-(slotes-)love, Schlossglaube: die pfandweise oder administrative Übertragung von Landesschlössern geschah in, uppe, to slotloven, »zu treuer Hand«; die schriftliche Urkunde darüber.
slot-lude, Schloss-, Burgleute.
slot-nagel, Schlossspieker, »grosser vierkantiger Nagel mit breitem runden Kopf zur Befestigung von Schlössern an Thüren und Thoren«.
slot-sete, sw. m. Schloss-Eingesessener, -Besitzer; adj. -seten.
slot-stede, Schloss-, Burgstätte.
slot-stên, Schlussstein, bes. der eines Gewölbes, Eckstein.
slottel = slotel.
slot-tunne, eine verschliessbare Tonne.
slot-vast, verschliessbar, mit Verschluss.
slot-voget, Schlossvogt.
slot-wort, beslotene krud, daucus agrestis.
slû, f. Schale, Balg der Hülsenfrüchte oder eines Eies.
slubberen, sw. v. schlürfen, etwas Dünnes essen.
sluberken, ein feines Gebäck.
slû-betsch, heimtückisch, bissig.
slucht? träger, einfältiger Mensch?
sluchter, wilder Schössling eines Baumes.
slû-horer, Horcher, Lauscher.
slucken, sw. v. = sluken.
sluder(e), f. Schleuder; = blide; sluder-werper, Schleuderer.
sluderiensen? gute Trünke, Schlucke.
sluk, fl. sluckes, m.? Schluck, d. h. mit erdigen Teilen vermischter Bernstein.
slûk-broder, sluker, gieriger Fresser u. Saufer.
sluken, st. v. schlucken, über-, hinunterschlucken, geniessen.
slûk-up, -vreter, Schluckauf, Prasser.
slummeren, soporare.
slump, m. 1. glücklicher Zufall. 2. adj. der alles dem Zufall überlässt, nachlässig.
slumpen, sw. v. durch Zufall gelingen.
slumpich = slump 2.
slune? Beischläferin, gemeines Weib (vgl. sluve).
slungel, (Pflanzstock?) bildl. ein fauler, arbeitsscheuer Mensch.
slunich, schleunig (selten W.).
slunk, m. Schlund, Kehle.
slupen, st. v. schlüpfen, schleichen.
sluperlinges, auf schleichende, tückische Weise. L. slupel.?
sluperne u. sluperich, schleichend.
slûp-hol, -lok, Schlupfloch, Versteck.
slûp-morder, heimlicher Mörder; slûp-morderie, heimlicher Mord.
slupperich, schlüpfrig.
slûp-reise, heimliche Reise.
slûp-wacht, heimliche, Schleichwacht.
slûp-wachter, heimlicher, Schleichwächter, Häscher.
slûr-affe, Schlaraffe (a. d. Hd.).
sluren, sw. v. schlottern, los und welk hangen; träge sein.
slurren, sw. v. schlurfen, den Boden streifend gehen.
sluse, f. Gerät oder Einrichtung zum Einschliessen, bes. der Fische, gurgustium, und des Wassers, Schleuse, exclusa; daher: sluse-gelt, Abgabe für Durchschleusen von Schiffen; -mêster, Schleusen-Aufseher; -strôm, -vlêt, Wasserlauf ober- oder niederhalb einer Schleuse.
slût, n. Schluss, Beschluss.
slût-ammet, Schliessamt, officium subcustodie.
slutel-gelt, Schliessgeld für Verwahrung von Gefangenen.
sluten, st. v. schliessen, zu-, einschliessen; beschliessen, einen Entschluss fassen; umfassen, begreifen; endigen; sich schliessen, sich an einander fügen, passen.
sluter, Schliesser, Thorwächter, Gefangenenwärter, Kastellan; auch Oekonom, Schaffner, Kellermeister (im Kloster)? in Dithmarschen eine höhere, obrigkeitliche Person, Kirchspielsvorstand, in Eimbek eine Würde innerhalb des Stadtrates.
sluterschop, Amt eines sluters.
slût-isern = slotnagel; -rede, Schlussrede, Epilog; -stên = slotstên.
sluve? gemeines Weib, meretrix (vgl. slune).
sma = smahe.
smacht, m. hoher Grad von Hunger.
smachten, sw. v. 1. intr. hungern, vor Hunger vergelten. 2. trans. verhungern lassen.
smacht-hals, ein armer Hungerleider.
smachtich, hungrig.
smackachtich, schmackhaft.
smacke, der Sumach, rhus coriaria.
smacke, f. 1. eine Art Segel: Gaffelsegel? 2. Schmacke, eine Art Schiffe.
smacken, sw. v. schlagen, werfen, jacere; intr. schlagen, fallen.
smacken, sw. v. 1. schmecken. 2. schmatzen, mit den Lippen (namentl. beim Essen, wie die Schweine thun).
smacken-boyer, Bojer (Schiff) mit einem Schmacksegel.
smadden, sw. v. schmähen, tadeln, schelten.
smaden, sw. v. verschmähen.
smadenisse u. smaddunge, smaginge, Hohn, Schmähung.
smahe, f. = smaheit.
smaheit, Schmach, Verachtung.
smak, m. u. smake, f.? 1. act. Schmecken, Geniessen; Geschmack als Sinn, gustus; auch = Geruch. 2. pass. Geschmack; Geruch, den eine Sache hat, sapor, odor.
smak(e)lik, schmackhaft.
smaken, sw. v. schmecken, kosten; bildl. empfinden, erfahren; intr. einen Geschmack von sich geben; mi smaket, mir schmeckt, gefällt.
smak-segel = smacke 1.
smal, schmal, enge, dünne, schmächtig, schlank; klein, gering; vom Gelde: smal gelt, smale grossen, Ggs. brêt (breite Gr. sind die Böhmischen).
smal-bant, (Ggs. buket-bant) schmal gebundene Tonne; als Mass.
smal-bant, kleiner Lachs?
smale-hans, Hungerleider.
smalen, sw. v. 1. verschmälern, verengern, verkleinern. 2. up, an, schmälen, schelten, herabsetzen.
smalich, schmählich.
smalicheit, Schmählichkeit, Verachtung.
smal-laken, Laken von geringer Breite.
smal-sât, legumen.
smal-schene, (Ggs. grôt-schene) gracilium, Schuster-Instrument.
smalt, ältere u. dial. Form für smolt.
smal-tegede, der kleine Zehnte, von lebendem Vieh genommen; Ggs. der Korn-, Getreidezehnte.
smal-towe, 1. klein. Fischernetz. 2. s. f. W.
smal-wever, Weber, der nur schmale Leinwand auf d. smaltowe fertigt; fem. -sche.
smant, Rahm der Milch, oxigallum; -emmer, Eimer für diese.
smarre, f. Schmarre.
smarte etc., s. smerte etc.
smâ-skin, -schin, -schen, -tzken, als Pelzwerk zugerichtete, fein gekräuselte Lammfellchen.
smâschen-voder, Futter von Schmaschen.
smât, f. = smaheit.
sma-wort, Schmähwort.
smê = smê-, smaheit, Geringschätzung.
smêchen, smêcher = smêken, smêker.
smechtigen, sw. v. hungern lassen.
smechtich, 1. = smachtich. 2. spericus, d. i. sphaericus, schmächtig, dünne?
smeckaftich, schmackhaft.
smecke-kost, leckere Mahlzeit, eine Art Gildenausrichtung.
smecken, sw. v. 1. intr. Geschmack haben, sapere; smeckende, sapidus; Geruch von sich geben, riechen. 2. trans. kosten, schmecken.
smeckinge, das Schmecken, Kosten.
smede, f. Schmiede; Münzschmiede.
smede-ammecht, -gilde, Schmiede-Innung; -gast, Kunde eines S.; -knecht, 1. = smede-geselle, 2. Heupferdchen; -mêster, S.-Aelterleute; -stok, pistillus; -tange, forceps; -touwe, n. S.-Gerät; -werk, S.-Arbeit, -Innung.
smêdelik = smêlik.
smeden, sw. v. schmieden; = besmeden, in eiserne Fesseln schmieden; Geld prägen.
smêdunge, Schmähung.
smêgichliken, adv. schmähend.
smêkelik, schmeichlerisch.
smêkeler, Schmeichler.
smêken (smeiken), sw. v. schmeicheln, freundlich thun mit jem.
smêker, Schmeichler.
smêkerie, smêkinge, Schmeichelei.
smek-mêster, der die Speisen und Getränke zu schmecken hat, Speisemeister.
smelen = smalen.
smêlicheit, Schmach.
smêlik, schmählich, verächtlich; adv. smêliken.
smelinge, Schmälerung.
smelt, n. Schmelz, metallisches Glas, frz. émail.
smelt(e)-grove, -hutte, Schmelzgrube, -hütte.
smelten, st. u. sw. v. schmelzen, sow. trans. als intr.
smeltich, liquabilis.
smênisse, Schmach.
smer, smēr, n. Schmer, Fett; ein Stück desselben v. bestimmter Form, Grösse oder Gewicht?
smer-ammer, Eimer für Schmer.
smê-rede, Schmährede.
smeren, sw. v. schmieren, salben; schminken; fig. bestechen u. prügeln.
smerer, Schmierer (Salbenschmierer?)
smeringe, Beschmierung.
smer-hêre, Verkäufer von Fettwaren.
smerich, schmierig, fettig; mit Schmer verfälscht, v. Wachs.
smerle u. smerlink, Goldammer, amarillus.
smer-snider, Fettverkäufer, -händler.
smerte, f. Schmerz.
smerten, sw. v. schmerzen, weh tun.
smer-vlome, (tautol.) Fett.
smet = smit.
smete, st. m. Schmiss, Schlag.
smette = smitte.
smicke, der vorderste (ausgeriffelte) Teil einer Peitsche, dann überh. Peitsche.
smide, n. 1. geschmiedetes Metall, Schmiedewerk. 2. Geschmeide, Schmuck von Metall.
smide-lade, Schmuckkasten.
smiden, sw. v. mit Geschmeide versehen, besetzen, zieren.
smide-schap, Schmuckschrank.
smidich, weich, geschmeidig; fig. gefügig, nachgiebig.
smidicheit, Geschmeidigkeit.
smidigen, sw. v. geschmeidig machen.
smiliken? freundlich?
smilten = smelten.
smit, smet, fl. smedes, Schmied.
smite, f. Segelhals der unteren Segel, mittels dessen sie niedergeholt werden.
smiten, st. v. schmeissen, werfen; schlagen, stäupen; fig. unmôt s. up, abgeneigt werden.
smitte, f. (u. m.) angeworfener Schmutzfleck; dann überh. Schmutz, auch im moral. Sinne; in der Weberei der Kleister, womit man den Aufzug, die Scherung, stärkt.
smittelisse, »Gebühr der Leineweber für die Stärke der Scherung«.
smitten, sw. v. schmutzen, flecken; das Garn oder die Scherung mit einem Kleister stärken.
smittinge, Beschmutzung.
smit-wech, Weg zur Schmiede.
smode u. smodich, smodigen = smidich, smidigen.
smôk, m. Schmauch, Rauch, Qualm; fig. Spur, Kennzeichen, Gerücht.
smoken, sw. v. schmauchen, räuchern; durch Rauch ersticken.
smoker, Räucherer.
smokicheit, Rauch; Hitze, Dürre.
smolt, n. Schmalz.
smolten = smelten.
smoren, sw. v. 1. dämpfen, die Luft benehmen, ersticken, langsam in einem bedeckten Gefässe kochen oder braten; 2. intr. ersticken..
smôr-pot, Topf zum Schmoren.
smoterken = smotteren?
smotteren, schmeicheln, liebkosen.
smucken, sw. v. schmiegen; an sich schmiegen, küssen.
smucken, sw. v. schön machen, schmücken.
smuckerne? schmückend, schmuck.
smudde-pot, Schmutztopf.
smuk, n. Schmuck, Zierat.
smuk, geschmeidig, biegsam; schmuck, schön, zierlich.
smuke, smoke, f. Hure.
smurre, Striem, Schmarre, Schnitt, Riss.
smurten, sw. v. die Luft benehmen, ersticken.
smuser-, smucer-lachen, sw. v. lächeln, schmunzeln.
snabbe, Schnabel; Schuhschnabel.
snabben, sw. v. schnappen.
snacken, sw. v. sprechen, reden, bes. viel unnützes: schwatzen.
snacker, Schwätzer.
snackerie, Geschwätz.
snak, m. Gerede, Gewäsch.
snak, adj. wortreich, beredt.
snake, f. m. Schlange, Ringelnatter.
snaken-wort, f. Drachenwurz, -kraut.
snappe, der Rotz aus Nase und Mund = snoppe.
snap-hane, 1. Wegelagerer zu Pferde, Strassenräuber. 2. eine Münze mit dem Bilde eines Reiters (= 5 o. 6 Stüver, Schillinge).
snappen, sw. v. 1. na, rasch mit dem Munde, dem Schnabel haschen nach; na dem ademe, agonia; trans. erschnappen, greifen, fassen. 2. eilfertig reden. 3. schnellen; s. laten, fahren lassen, los lassen.
snapper, Schwätzer.
snapperen, sw. v. schwatzen.
snappich, rotzig.
snare, f. (u. snar, n.?) Seite einer Harfe etc., fides.
snare, f. (aus älterem snore?) des Sohnes Frau, Schwiegertochter, Schnur.
snaren-spil, Saitenspiel.
snar-iseren, Richteisen, Winkelmass?
snarken = snorken.
snarliken, adv. schnell (schnurstracks).
snar-meker, Bereiter eines Tuches, snar genannt?
snarren, sw. v. schnarren, ein schnarrendes Geräusch machen; schwatzen, plappern; murren, brummen.
snarringe, Lerm, Gekeife.
snascherie, Nascherei.
snat, m. Streichmass (Ggs. gehäuftes Mass?); achten uppen snat, es genau nehmen.
snât, m. Grenze, Grenzlinie.
snât-bôm, Grenzbaum, in den ein Zeichen (snât-kruce) geschnitten wurde.
snatelen, sw. v. die (kleinen) Zweige abschneiden, abramescere.
snateren, sw. v. schwatzen.
snât-pâl, Grenzpfahl.
snavel, m. Schnabel, Rüssel; lange, aufgekrümmte Schuhspitze.
snaven, sw. v. 1. straucheln, stolpern, stürzen, fallen. 2. fig. irren, verkehrt handeln oder sprechen, in der Rede stecken bleiben.
snavelen, sw. v. = snaven 1.
snavinge, das Straucheln.
snê, m. Schnee.
snê-aftich, -achtich, schneeig.
snebbe = snibbe.
snê-berch, die Alpen.
snede, st. m. 1. Schnitt, Einschnitt. 2. Ausschnitt, Gewandschnitt, Kleinverkauf des Tuches. 3. Kleiderschnitt, Mode. 4. Durchsägung von Holz, bes. der Länge nach; gesägtes Bauholz. 5. Formung von Zierziegeln durch Beschneiden vor dem Brand; solcher Stein selbst, gerne collectiv gebraucht. 6. Schneide, Schärfe, auch fig.
snede, st. f. 1. Schnitte (Brodes etc.). 2. selten = snede I, 2.
snêde, st. f. Grenze, Grenzlinie; ein Grenzzeichen.
snêde-bôm, Grenzbaum.
snede-kôp, Schnittkauf, Verkauf im einzelnen.
snede-lôk, Schnittlauch.
sneden-stên, -werk, auch bloss sneden, gesneden, n.? geschnittene Ziegelsteine = snede I, 5.
sneder, Schnitter.
snêdich (u. snedich?) = sneidich.
snegel, Schnecke.
snei = snê.
snêich, schneeig.
sneidich, listig, schlau, gewandt; adv. sneidigen, sneideliken.
sneidicheit, List, Schlauheit, Gewandtheit.
sneil m. u. sneile, f.? Schnecke.
snel, schnell.
snelheit, Schnelligkeit.
snellen, sw. v. schnell sein, sich beeilen; gew. refl.; snellende, impetuosus.
snellicheit, Schnelligkeit.
snellik u. snellich, schnell, rasch, plötzlich; adv. snellik(en) u. snellich(liken).
snellinge, rasche Bewegung.
snel-radich, der schnell mit dem Rat bei der Hand ist.
snene? Grenze (= snede?).
snepel (sneppel), ein Fisch, Schnäpel.
sneppe = snippe, Schnepfe.
sneppel, Schnipfel, Zipfel?
snere, Schnürlitze?
snerink-penninge, denarii censuales, Zins von verpachteten Grundstücken (oder Wortzins?).
snêse, Baumreis, Schnur, woran etwas gereiht wird; ein Zahlbegriff, 7-20 (namentl. von Fischen, bes. Aalen).
snêt, m. die (gespaltene) Klaue, Hufe des Viehes.
snêt-bôm = snêdebôm.
snêtelen = snatelen.
sneteren, sw. v. 1. = snateren. 2. klappern, an einander schlagen, von den Zähnen.
snêt-stên, Grenzstein.
snevel = snavel.
sneven, sw. v. = snaven.
snê-vlocke, Schneeflocke.
snê-water, Schneewasser.
snê-wit, schneeweiss.
snibbe, f. Schnabel.
snicke, f. ein kleines (Kriegs)schiff.
snicke-mêster, Bootsmeister (in Lübeck).
sniddeken, sw. v. schnitzen.
sniddeker, (Holz-)Schnitzer, Bildner; Tischler.
snidde-werk, Schnitzerei, Tischlerarbeit.
snide, Schneide, Schärfe.
snide-blok, -klik, Block, der zu Dielen zerschnitten wird.
snide-bret, Schneidebrett, bes. der Lederarbeiter.
snide-brôt, grösseres Brod?
snide-kô, Vieh zum Schlachten.
snide-lade, Schneidelade zum Häckselschneiden.
snidel-gelt, Schneide-, Schnittgeld (je nach der Art des Schneidens verschieden).
snidels, abgeschnittenes Stück (Tuch).
sniden, st. v. 1. schneiden; zerschneiden, zersägen. 2. im einzelnen (zerschnitten) verkaufen. 3. schlachten. 4. schneidend machen, bes. (aus Holz oder anderem Stoffe) schnitzen; gravieren; (Zeug) schlitzen.
snider, jeder der schneidet, daher 1. der Schnitter. 2. Schnitzer; Bildhauer. 3. der Ausschnittwaren-Händler, Gewandschneider. 4. Schneider, Kleidermacher (selten). 5. Graveur.
snide-schillink (= snidelgelt?) als Abgabe.
snide-, snidel-swîn, Schwein zum Schlachten.
snide-werk = sniddewerk.
snidinge, messio.
snien, snigen, sw. v. schneien.
snigge, m. f. Schnecke.
snig(ge)-, sniggen-hûs, Schneckenhaus; Muschel.
snip, Pips, pituita, pestis pulli.
snippe (snippel), m.? Schnepfe.
snippe, f.? Schneppe, Schuhschnabel.
snir-rême, Schnürriemen.
snît-gras, carex (carex acuta?).
snît-hepe, -heipe, (krummes) Messer zum Schneiden, Winzermesser.
snît-isern, Schneide-Eisen (an Pfählen zur Hinderung des Fischfanges?).
snitker u. snitzer = sniddeker.
snitse, ein Gebäck, Schnitzel.
snît-, snit-werk = sniddewerk.
snoddele? ein Kleidungsstück.
snode, schlecht, gering, erbärmlich, wertlos.
snodel, (hängender) Nasenschleim.
snodeliken, auf eine elende, erbärmliche Weise.
snoderen, sw. v. den Nasenschleim auswerfen, den Schnupfen haben.
snodicheit, Elendigkeit, Erbärmlichkeit.
snoie, Wickelranke, Schlinge, cirrhus.
snoien, sw. v. einem Baume die Zweige abhauen, beschneiden.
snôk (snokel), junger Gras-Hecht, überh. Hecht.
snoppe, Nasenschleim.
snoppel-kîl, (hängender) Nasenschleim.
snoppen, sw. v. die Nase schnauben.
snoppich, nasenschleimig; verschnupft.
snôr, m. (snôre, f.) 1. Schnur, Messschnur, Richtschnur; over den s. houwen, über das erlaubte Mass hinausgehen. 2. Schnur, Litze, Riemen, als Band und Schmuck, bes. Haarband. 3. Gerät zum Fischfang. 4. Bogensehne.
snôr-lîk(e), -recht, schnurgerade; -pipe, Nestelstift, -beschlag; -rême, Nestel, Schnürriemen; -rok, Rock mit Schnüren.
snore, 1. s. snare, nurus. 2. Schwägerin? Schwiegermutter?
snoren, sw. v. schnüren, zu einer Schnur aneinander reihen; zuschnüren; mit der Schnur messend bestimmen; mit Schnüren versehen, zieren.
snorken, sw. v. 1. schnarchen, schnaufen. 2. schnaufen, wie es der Zornige, Hochmütige, Prahler thut.
snorker, Prahler.
snorren, sw. v. brummen, murren.
snôtheit, snôtliken = snodicheit, snodeliken.
snotte, m. Nasenschleim.
snotten = snuten.
snouwe, dumm?
snouwen, sw. v. schnauzen, schnappen, das Maul gegen jem. wenden; heftig anfahren.
snove, st. m. 1. Witterung, Geruch. 2. Schnupfen = snuve; snovich = snuvich.
snoven u. snubbelen = snaven.
snucken, sw. v. schluchzen.
snuf, (û?) = snuve.
snurren, sw. v. ein schnarrendes Geräusch machen; Roulette oder Quekebret spielen?
snûte, f. Schnauze.
snût(el)-dôk, Schnupftuch.
snuten, sw. v. schneuzen; das Licht putzen.
snuterken, (e)munctorium: Schnupftuch oder Lichtschere.
snûtlik? den Mund, die Lippen aufwerfend?
snutse (snusse) = snûte.
snuve, sw. m. Schleimfluss der Nase, Katarrh, Schnupfen.
snuve(l)-dôk, Schnupftuch.
snuven, st. v.? 1. schnauben, susurrare. 2. die Nase reinigen. 3. schnaubend, mit Geräusch daherfahren.
snuve-schêre, Lichtschere.
snuvich, mit Schnupfen behaftet; vom Pferde: rotzig.
sô, so: 1. demonstr. so sehr, so grôt ein (ên), meist so groten, ein so groten, ein so grosser; in solcher Weise; ebenso; dann, bes. im Nachsatze. 2. relat. wie, als; wann, wenn; weil; während doch, obgleich; = Relativpronomen. 3. so dat, so als, weil; so vorder, insofern; so vort, bald darauf, gleich nachher. 4. so we so, so we, we so und ebenso mit welk, wanne, war etc. = swe, swelk etc., quicunque etc. 5. so – so, so – wie, wie – so; bald – bald; je – desto.
sober, mässig; nüchtern; adv. -like(n).
soberheit, Mässigkeit.
soch, n. das Saugen, die Saugung; auch was man saugt, Muttermilch, Frauenmilch. Zus.: soch-kalf, -kinder, -vole.
socke, Socke, Fusstuch, Filzschuh.
sockeren, Kichererbsen, cicer.
so-dân, -dan, soden, so gethan, so beschaffen, solch, talis; sodam, -dem, Dat. Sg. Mit Artikel sodân ên, so-danen.
so-danich, -dannich = sodân.
sodder, seit; seitdem (= seder).
sode, sodde, st. m. Sud, Sieden; soviel man auf einmal kocht, siedet.
sôde, Rase, abgestochene Erd- oder Torfscholle.
sôde, das Sotbrennen.
soge, Sau, Mutterschwein.
so-gedân = sodân.
sôge-kint, Säugling.
sôgen, sw. v. säugen, die Brust geben; bildl. Freundliches erweisen, mit freundlichen Worten füttern. – Zuw. = sugen.
sogen-gelach, schweinisches, unsauberes Gelage.
sogen-putte, Schweinepfütze.
sogesch, schweinisch, suinus.
soke-drunk, (der einen Trunk sucht) Schmarotzer.
sokelicheit: êgene s., Selbstsucht, Eigennutz.
soken, sw. v. 1. suchen; trachten nach. 2. besuchen; bes. von Kaufleuten, mit to und af, van, hin und zurück. 3. untersuchen. 4. feindlich suchen, angreifen. 5. Im rechtl. Sinne: a. besuchen (das Gericht) um Recht zu sprechen oder sich Recht sprechen zu lassen; b. sein Recht suchen, verfolgen (gerichtlich), klagen. 6. to soken maken, machen, dass man jem. wieder ansuchen muss, nicht gleich bewilligen.
soker, 1. Sucher; Haussucher; der eines andern Gut sucht, angreift, Räuber. 2. Instrument der Chirurgen, Sonde, Sondiernadel; Brunnenhaken; Fleischhaken.
soke-schult, Schuld, die man aus Chicane herbeisucht, nicht in der That begründet ist?
sokinge, 1. das Suchen, Nachsuchen. 2. = sukinge.
sol, n. das kleinste Mass für die Verteilung der Sole am Sode.
sol, n. mit stehendem Wasser angefüllte Niederung, Teich.
solâs, Trost, Zerstreuung, Vergnügen.
soldenêr, seltener soldate, soldêr, Söldner, stipendiarius.
solder, soller, m. Söller, Boden.
solderî(g)e, soldî(g)e u. soldinge, Besoldung, Ausgabe für Söldner.
soldûr, Lötung (mit Borax, chrysocolla?); dazu das Verbum: solduren.
sole, f. Salzsole, salsugo; überh. Salzwasser.
sole, f. Fusssohle; Schuhsohle; Haussohle, Schwellbalken.
solen, sw. v. 1. in Schmutz u. Kot umwälzen, schmutzig machen, besudeln. 2. schmutzige Arbeit verrichten, sichs sauer werden lassen.
solen = scholen, sollen.
sole-wide = salwide.
solfêren, sw. v. die Tonleiter singen, solfisare.
solich (salich), schmutzig.
solik, sollik, sollek, solk, auch mit nachfolg. ên, solcher.
solt, tzolt, m. n. Sold, Lohn, Gehalt.
solt, n. Salz.
solt, adj. salzig, gesalzen; dat solte water, die See.
solt-ampt, Gewerk der solters; -berch, salzhaltiger Berg; -born, Solquelle; -brôk, solhaltige Niederung; -broke, st. m. Vergehen im Salzhandel u. d. Strafe dafür; -ertze, Salzerz; -kane, -prame, -schip, Schiff zur Ausfuhr, auch zum Verkauf v. Salz; -keller, Keller zur Lagerung u. z. Verkauf v. S.; -kôp, S.-handel, auch der Preis des S.; -menger, S.-händler; -kote, S.-siedehütte; -punder, S.-wage; -sêder, S.-sieder; -stoter, der das S. in Tonnen verladet; -sule, S.-säule (v. Loth's Weib); -toln(e), S.-zoll; -tunne, S.-tonne v. bestimmt. Form u. Grösse; -vat, S.-fass (Hausgerät); -vlade, S.-kuchen; -vorer, S.-händler; -water, S.-wasser, Lake; -werk, Saline.
solten, salzig.
solten, st. v.? salzen; Part. gesulten.
solter, Salzsieder; Salzverkäufer.
solter = salter, Psalter.
soltich, salzig. Subst. solticheit.
sotinge, das Einsalzen.
soltink, Byzantin. Goldsolidus; aus russ. solotnik.
solt-stede = salstede, sadelstede, Hofstelle.
solt-wide = sal-wide.
sol-vluchtich, von seinem Grundstück flüchtig?
sol-water = sole I.
som = sum, irgend einer, etlich.
som? der Ankerschmidt soll unter andern schmieden 2 some d. h.?
sôm, m. Saum, Rand.
sôm, some, Last eines Saumtieres; bestimmt. Mass.
someken, Demin. zu sôm, Zipfel, Franse, Schleppe.
somelik, summelik, irgend einer; Plur. einige, manche.
somer, ein langer, schlanker, grader Pfahl oder Baum.
somer (sommer, samer), m. Sommer; (des) somers, im S.
sômer (sommer, samer)-bede, -schat, im Sommer fällige Steuer; -dach, Sommer-, d. i. langer Tag; -dages = somers; -gast, -vare, Kaufmann, w. den S. über in Nowgorod weilt; -gesette, -hûs, -love, S.-haus, -laube, Söller; -gût, -herink, im S. gefang. Hering, dän. sommersild; -kleit, Kleid für den S.; -lode (lade), -late, -telge, Schössling, Spross, wie er in einem Sommer wächst; -lôn, Lohn für das S.-Halbjahr; -makent, n. Festlichkeit zum Empfang des S.; -nette, Zugnetz zur Fischerei während des S.; -sât, f. S.-korn; -tît, S.-zeit; -vallich, Adj. zu -valge, f. S.-brache; -vart, Reise im S., s. somergast; -verken, diesjähriges Ferkel; -vogel, Schmetterling.
somer(e), 1. Saumtier. 2. u. somerer, der ein Saumtier führt. Zss. somerlechelen, n. Saumfässchen.
so-mêr(e), 1. beinahe, fast, grösstenteils. 2. somêr – alse, sowol – als. 3. jedesmal?
someren (sommeren), sw. v. Sommer werden, sein.
somerlik, adj. sommerlich.
somes, adv. zum Teil; bisweilen.
somich, sommich, summich, irgend einer; Plur. einige.
sommern = summeren.
sommers-nacht, der Tag Joh. des Täufers.
sôm-schrîn, Schrein auf einem Saumtier, Reisekasten.
sôm-stucke, Hüftstück des Ochsen.
som-tît, -tides, -wile, -wilen, s. sum-.
sôn, m. = sône, f.
son-avent, seltenere Form für sunn-.
son-dach, spätere gewöhnl. Form für sunnen-.
sonder, sonder, u. Ableit., s. sunder.
sone, m. Sohn; Acc. sone, sonen, Plur. sone, sones, sonen.
sône, f. Sühne: 1. endliche Ausgleichung eines Streites, Aussöhnung, compositio. 2. die Genugthuung, die der Beleidiger dem Beleidigten zu leisten hat.
sôn(e)-brake, f. Friedensbruch; -brêf, Sühnungs-Urkunde, Friedens-Instrument; -brokich, -vluchtich, der den Vergleich bricht; -man, Plur. -manne, -lude, Vermittler oder Zeuge einer Sühne; -sprake, Sühne-Beredung.
soneken, Söhnchen.
sônel-dach, 1. Sühntag. 2. Sonntag (l. sonnel-?).
sonelik, einem Sohne gemäss, kindlich.
sônen, sw. v. absol. oder s. mit oder refl. oder êne sone s. (auch refl.), den Streit beilegen, sich aussöhnen, sich vergleichen; it s., eine Sache sühnen u. schlichten; dat orloch, Frieden schliessen; diuve, rôf, Diebstahl, Raub durch Ersatz sühnen.
sônerinne, Sühnerin, Versöhnerin.
sônes-dach, Tag des jüngsten Gerichtes; -lude = sônelude.
sones-dochter, neptis; -sone, nepos; -wîf, nurus.
sônlik, adj. was zur Sühne gehört.
sope, st. m. Trunk, Trank.
sophîr = saffîr.
soppe, sw. f. Suppe, Brühe, flüssige Speise.
sôr, trocken, dürre; fig. kraftlos.
sorch-dênst, Dienst oder Pflicht der Fürsorge.
sorch-(h)ertich, sorgherzig, voll Besorgnis, sorgfältig. Subst. sorcherticheit.
sorchlik u. sorchsam, Besorgnis erregend, gefährlich.
sorch-voldich (veldich, -valdich), 1. sorgend, besorgt um etwas. 2. bedenklich, bedrohlich, gefährlich. Adv. sorchvoldichliken.
sorch-voldicheit, 1. Sorgfalt; Besorgung; Besorgnis. 2. Gefährlichkeit; Gefahr, besorgliches Unternehmen.
sorch-volt = sorchvoldich.
soren, sw. v. 1. trocken, dürre, welk machen oder werden lassen. 2. trocken werden, verwelken, absterben.
sorder, seductor.
sorge, f. Sorge, Fürsorge; Bekümmernis, Angst.
sorge-last, Sorgenlast, schwere Sorgen.
sorgen, sw. v. sorgen; bekümmert sein.
sorich-, s. sorch-.
sorkot, st. n. m.? sorkote, sorkte, sw. f. langes Oberkleid mit aufgeschlitzten Ermeln.
sort, n.? sorte, f. Sorte, Qualität; Sortiment, Partie.
sorten, pl. in Bremen ein Ausschuss der verständigsten Bürger, aus den Älterleuten, der Kaufmannschaft und den Ämtern, mit welchen der Rat Sachen von Wichtigkeit überlegte.
sort(e)-, sorten-werk, die aussortierten grössten und schönsten Stücke Bernstein.
sos u. Ableit., s. ses, sechs.
sosi-, sosoninne = suseninne.
sot, fl. sottes, schwachsinnig, thöricht; Subst. Narr, Thor.
sôt, m. flect. sodes, aufwallendes Wasser: 1. Quelle. 2. Ziehbrunnen. 3. Salzborn, fons salinae, und der Brunnenschacht, puteus s., in w. die Salzquellen geleitet werden.
sôt, n. flect. sodes, Gekochtes, Absud, Brühe, jus, brodium.
sôt, n. Russ, fuligo, ndl. zoet, engl. soot.
sôt-ammer, Brunnen-Eimer; -bulle? B.-schwengel? -grever, -meker, B.-gräber, Pumpenmacher; -mêster, der erste Beamte der Sülze in Lüneburg; -rode, Stange, an w. der Schöpfeimer hängt; -slenge, B.-Einfassung; -stên, Stein zur Ausmauerung eines Sodes (in e. Badstube); -stôl, Gerüst zur Wasserschöpfung (mittels sôtrode u. sôtswengel) aus einem Flusse; -swengel, B.-schwengel; -vart, die unterirdische Leitung der Salzquellen in den sôt.
sote, sute, süss; milde, angenehm, lieblich; liebenswürdig, freundlich; s. klank, sank, melodia, eufonia.
sote, f. Süssigkeit.
sote-bast, laureola (daphne mezereum).
sôtlik, -like(n), adv. zu sote.
soten, sw. v. süss, angenehm machen, versüssen.
sotheit, Thorheit.
sôt-herticheit, Süssherzigkeit, d. i. Milde, Gunst.
soticheit, Süssigkeit, Annehmlichkeit.
sotternie, Thorheit, Dummheit, Thun u. Wesen eines sots; concr. Posse, possenhaftes Lustspiel.
soven u. Ableit., s. seven, sieben.
soven-bôm = sevenbôm.
soverrin, ndl. sovereyn, supremus balivus (in Flandern); l. soverein?
spade, m. Spaten; den spaden steken, durch Einsteckung eines Spatens Land dem Eigentümer wegen Verfalls des Deiches aberkennen; den s. tên, durch Herausziehung (von Seiten des E.) Leistung der Deichpflicht geloben oder (v. S. des Gerichts) jenes Erkenntnis rechtskräftig machen.
spade, adj. spät; adv. spâd(e), spaden.
spade-gût, -lant, eingedeichtes Land.
spâden, sw. v. säumen, versäumen.
spaden, sw. v. 1. mit dem Spaten arbeiten. 2. nach dem spadenrecht für verfallen erklären = vorspaden.
spadich, spät.
spak, dürre, trocken.
spake = spêke.
spaken, pl. abgefallene dürre Äste und Zweige.
spaken, sw. v. trocken sein oder werden, von Hitze und Trockenheit Risse bekommen.
spakeren, sw. v. sprühen; l. sparkeren?
spak-, spāk-holt, anbrüchiges Holz, vom Winde gebrochen.
spal, n. spalle? ein gewisses Mass (etwas über 3 Bremer Scheffel) Landes im Herzogt. Bremen.
spalden, st. v. trans. spalten, splittern, auch refl.; intrans. auch: zergehen, sich verteilen (v. Gerüchen).
spalderen, sw. v. spalten.
spaldenêr = spoldenêr.
spaldinge, Spaltung, fig. Uneinigkeit, Zwist.
spalk, m. Geschrei, Lerm, wüstes Wesen.
spalkeren, sw. v. lermen, toben, laut rufen.
spalter, umges. für psalter.
span, n. fl. spannes, Gespann, Paar; span landes = Hufe?
span, n.? fl. spannes, die einander gegenüberstehenden und mit einander verbundenen Dachsparren; Seitenrippe eines Schiffes.
span, n. fl. spannes, ein hölzernes (gehenkeltes) Gefäss (zuweilen auch von Leder); als Massbestimmung.
span, n. fl. spannes, Spange, an einem Buche, Kleide etc.
span (â?) m.? fl. spanes, Holzspan.
span-ader, varex, nervus.
span-bedde, zusammenlegbares Bettgestell; Tragbette.
span-dake, scandularia tecta, sc. culmina.
spandel (span-dêl?), n. Gespann?
spander, spannier, Mantel nach spanischer Weise? (ad medium corpus).
spanen, st. v. locken, verlocken.
spanen, sw. v. = spenen.
spange, f. Spange zum Hefteln der Kleider; streifenartiger metallener Besatz als Schmuck an Kleidern.
spanget, mit Spangen versehen.
spangen-, span-hoike, Mantel mit Spangen.
span-gordel, Winde zum Spannen der Armbrust.
span-hake, Winde zum Spannen der Armbrust, verschieden v. spangordel.
span-maker, der spanne (hölzerne Gefässe) macht, Kleinbinder.
span-nagel, Deichselnagel, -pflock, der das Vorderteil des Pfluges mit dem Hinterteil verbindet.
spanne, f. Spanne, e. Mass.
spanneken, Dem. v. span, Gefäss.
spannel-tûch, Gerätschaft zum Spannen der Armbrust?
spannen, st. v. 1. spannen, z. B. Bogen, Armbrust; dehnen, ausrecken. 2. anspannen (Zugtiere vor einen Wagen), anschirren. 3. in Fesseln spannen, fesseln. – de bank, dat gericht sp., (feierliches) Gericht halten; ênen râtslach, e. Beratung halten.
spannen, sw. v. heften, festbinden; fig. nowe, enge sp., genau, strenge nehmen, nach dem Wortlaut den Begriff beschränken.
spannes-wise, adv. in der Art wie Spangen.
Spa(n)nigerd, Spanier.
span-rême, -sêl, Riemen, Seil zum Spannen.
span-stok, ein Stock (oder eiserner Pflock) zum Spannen = spannagel.
spans-(spanges-)grôn, Spanischgrün, d. i. Grünspan.
sparden = sporden.
spare, sw. m. = spore.
spare, f. Sparre, tignus.
spar-ei, das erste, gewöhnlich sehr kleine Ei, welches eine Henne legt? vgl. sporei in Adelung's WB.
spare-munt, Geiziger, Knauser.
sparen, sw. v. sparen, hegen; schonen, verschonen; ungebraucht, ungethan lassen, säumen; refl. sich schonen.
sparen, sw. v. mit Dachsparren versehen.
sparer, Sparer.
sparge, m.? spergula arvensis.
spar-glas, sparus, Marienglas?
spar-holt, Holz zu Sparren.
sparich, sparsam, selten.
sparicheit, Seltenheit, geringe Menge; Sparsamkeit.
sparinge, Sparen, Sparsamkeit.
spar-kalk, Gips, aus Gips gebrannter Kalk.
sparke, m.? Funke.
sparken, sw. v. Funken sprühen, funkeln.
spar-keste, f. Sparkiste, -büchse.
sparlen = spartelen, zappeln.
sparlik(en), adv. spärlich, hie und da.
sparlink, s. sperlink.
spar-matich = spormatich.
spartelen = sportelen.
sparwer = sperwer.
spar-werk = sperwerk.
spassêren, spatzêren, sw. v. spazieren.
spat, n. die bekannte Fusskrankheit der Pferde.
spât, Spat, blättrig brechendes Gestein; Marienglas.
spat-holt, Holz zu Spaten?
spê, spei, n.? Hohn, Spott, Beschimpfung; Feindseligkeit; to speige, uppe spê, höhnisch (v. spien, speien).
spê, spei, adj. spöttisch, höhnisch, naseweis; feindselig; schäbig, unansehnlich. Adv. speige.
spê-bank, Spottbank.
specerie = spisserie.
specht, m. Specht.
specialik, adv. namentlich, insbesondere.
specke, f. ein aus Buschwerk, Erde und Rasen (Soden) durch sumpfige Gegenden aufgeworfener Weg.
speckels = spettelesch, aussätzig.
specken, sw. v. 1. spicken, lardare. 2. e. specke, Dammweg machen; mit Erde bedecken.
speckinge, das Schlagen u. Aufwerfen eines spekdammes, der Weg selbst.
spêde, spät.
spedel, Speichel.
spê(e)n, sw. v. spähen; erforschen, erkunden.
spê(e)r, Späher, Spion.
spê-gat, n. -gote, f. Sprützloch, Seitenöffnung der Schiffe, durch welche das Wasser wieder abläuft; vgl. engl. spigot und unten spigat. Umgedeutetes Fremdwort?
spêgel, spei(g)el, m. u. n. 1. Spiegel. 2. Vorbild, Muster, Norm, Warnung; Titel belehrender Bücher.
spêgel-, spei(g)el-glas, Spiegelglas, Glasspiegel; -hars, Spiegelharz, Kolophonium; -vechtent, -vechtinge, Spiegelfechterei.
spêgelen, speigelen, sw. v. spiegeln; sik s. in, sich beschauen in; an, e. Beispiel, e. Warnehmung nehmen an.
spêger, Späher.
spei, speige; speien; speigel, s. spê etc.
speigel, Hohn, Spott.
speiger, Spiegel?
speiheit, spöttisches Benehmen, Hohn.
speilik = spêlik.
speise, speisse, f. langer Spiess, Pike, e. Waffe im 16. Jh., bes. der Landsknechte; es gab hêle u. halve.
speit = spêt.
spei-vogel, -wort, s. spê-.
spek, n. Speck.
spek-bret, Brett zum Speckschneiden; -hoker, -snider, Fettwarenhändler; -mân, December; -natel, Spicknadel; -side, Speckseite; -swîn, Mastschwein.
spêke (speike), f. Speiche, bes. Radspeiche; Handspeiche.
spêke, f. Speichel.
spêkele, f. Speichel.
spêkelen, sw. v. speicheln, den Speichel auswerfen.
spel, spēl = spil.
spelderen, pl. abgespaltene Stücke Holz, das nicht als Nutzholz brauchbar ist.
spele-, meist spel-, speel-, selten spil-bal, Spielball; -bret, -bert, Spielbrett; -broder, unehelicher Bruder; -dach, freier Tag, blauer Montag; -dât, unvorsätzliche Verwundung beim Spiel; -gaden = spelhûs; -gânt, das Lustwandeln, Spielen; -gelt, Nadelgeld der Ehefrau; -grêve, Musikdirektor; -hûs, Spiel-, Tanzhaus, überh. Gemeinde-, Stadthaus; -kint, Bastard, spec. der vor der Ehe gezeugte; -man, pl. -lude, Spielmann, Musikant, Gaukler; -note, Spielgenosse, -in, -kamerad; -penninge, denarii truphales, truphatorii, ludibiles, e. Art Nadelgeld, w. die Tochter von den Eltern ausser der Mitgift erhielt; -sone, unehelicher Sohn; -vogel, Vogel, mit w. man spielt; v. Menschen, bes. Kindern: Spielpuppe, Liebling; -vrouwe, -wîf, Concubine, Kebsweib; Musikantin, Gauklerin; -werk, Spielwerk, bes. musik., Glockenspiel.
spelen, sw. v. 1. in lebhafter, freier Thätigkeit sein, z. B. v. den Augen. 2. Scherz treiben, sich vergnügen; spelen varen, gân, spazieren gehen. 3. ein Spiel, bes. ein Glücksspiel treiben. 4. musikalisch oder scenisch spielen; dramatisieren. 5. brünstig sein; Euphem. für: die Geschlechtslust stillen.
speler(e), spelre, Spieler.
spêlik, adj. spêliken, adv. höhnisch.
spelinge, ludibrium.
spelling, die gemeine, gelbe Pflaume.
spelte, f. abgespaltenes Stück; Knoblauchszehe; = rörken, siphunculus (Kiel, Spule? vgl. rôr).
spelte, Spelz, ador.
spen, Zwist, Zerwürfnis, Streit.
spen, Spanne, palma.
spên (gew. spôn), m. (Holz) Span.
spende, f. Spende, Gabe an die Armen, Almosen.
spend(e)-broder, Almosen-Empfänger; -brôt, an Arme ausgeteiltes Brot; -gelt, -pennink, Almosen in Geld; -licht, kleines zu gottesdienstlichem Gebrauche gegebenes Wachslicht; -molder, -molt = 6 spikerschepel.
spendel = spenele.
spenden, sw. v. spenden, schenken.
spene, f. Brustwarze der Säugenden; Muttermilch.
spenele, f. Stecknadel, Heftel.
spenen (spennen), sw. v. von der Mutterbrust entwöhnen, ablactare.
spen(e)-verken, Spanferkel.
spenge, knapp, eingeschränkt; mässig im Essen u. Trinken.
spengen, sw. v. knapp u. strenge halten, in Schranken halten, kasteien; refl. sich enthalten, bes. der Speise, fasten.
spenger, Kasteier, Peiniger.
spengicheit, spenginge, Kasteiung, Enthaltsamkeit, abstinentia.
spenich, entwöhnt, ablactatus.
spen-, spens-grôn = spansgrôn.
spenkeren, sw. v. 1. wegjagen, vertreiben, antreiben zum Laufen. 2. intr. von einem Ort zum andern laufen.
spenne, f. Spanne, palma.
spenne = spinne, Spinne.
spennele, f. = spenele.
spennen, sw. v. 1. = spannen. 2. = spenen.
spenne-wobbe = spinnewobbe.
spennich, streitig.
spense, Speise-, Getränkkammer; spenser, Ausgeber, Kellermeister (im Stahlhof zu London, engl. spence, spencer).
spent-, s. spende-.
spen-wêler, Spinnradmacher?
sper (spere), gew. n. Speer; spere breken, speer steken, turnieren.
sper, n. Gespärre, Sparrwerk (am Hause, sperwagen), tignus.
sper, nitrum specular; auch sperstein; pulverisiert: sperpulver.
sper-bôm, Holzapfelbaum, sorbarius.
spere-hant, Speer-, d. h. Manneshand.
speren, sw. v. 1. sperren, auseinanderbreiten, distendere; en hûs, tignare, den Dachstuhl aufsetzen; sperde wagen = sperwagen. 2. versperren, hindern. 3. ghesperet, hastatus.
speres-ort, Speerspitze; Speerkraut, ranunculus flammula?
sperete, sperte, n. Sparrwerk, Dachstuhl.
sper-galge, Wipp- oder Schnellgalgen.
spergen, sw. v.: 9 orde gesperget, 9 Speerspitzen geschäftet?
sper-glas = sparglas.
sper-haftich, sperraftich, entzweit, uneinig.
sper-hake, Sperrhaken, eisernes Instrument der Schmiede, circula.
speringe, Hinderung, bes. Beschlagnahme.
sper-kalk = sparkalk, Gips.
sper-kule, Stoss-, Fischerstange.
sper-laken, Tuch, das man ausbreitet, ausspannt (über Tische, Betten, Wagen etc.).
sperlink, m. Sperling; sperlinge, f.
sper-rennent, Speerrennen, d. i. Turnier.
spersel, n. = sperete.
sper-stake, Speer-, Lanzenschaft; Turnierlanze.
sper-stekent, -stekinge, Speerstechen, d. i. Turnier.
sper-stên, s. sper.
sperte = sperete.
spertelen = sportelen.
sper-venster, ein Fenster, das sich öffnen lässt, Schlagfenster?
sper-wagen, Wagen, über den eine Decke (sperlaken) gebreitet ist, eine Art Kutsche, bes. für Frauen und Vornehme.
sperwer, Sperber.
sper-werk = sperete.
sper-wessele, -wesselinge, f. Speerwechsel, Kampf.
spê-schoitgens, Schmähreden, scommata, convicia.
spêse, spêsse = speise.
spêt, n. (m.) Spiess, die Waffe.
spet, n. = spit.
spetâl, spettâl, n. Pflegehaus für Alte, Kranke, Arme, Siechen-, Leprosenhaus.
spetâl, spettâl, m. (selten n.) Aussatz, lepra; Schimpfwort auf einen Nichtsnutz.
spetalecht, spetêlich = spetalisch.
spet-brade, Spiessbraten.
spetêl(e)re, spetaler, spett-, 1. der Aussätzige. 2. Vorsteher eines Spitals. 3. Johanniter.
spetêlesch, spetâlesch, spett-, aussätzig, leprosus.
spêten? speten? sw. v. spiessen.
speten, sw. v. graben.
spêt-isern, die eiserne Spitze des Spiesses.
spêt-junge, Spiessjunge, Diener eines Ritters, Waffenträger.
spêt-stake, Spiessschaft.
spêt-wagen, Kriegswagen (um Spiesse zu fahern).
spêtze = speise.
spê-, spei-vogel, Spötter.
spê-, spei-wort, schmähendes, naseweises Wort.
spie = spê, höhnisch.
spie, spige, f. Speichel.
spien, spigen (spiggen), st. u. sw. v. speien; bes. vomieren, sich erbrechen.
spigat, Zierat an einem turbanähnlichen Hut: mit 7 spigaten (Var. speegaten) schufern, knôpken mit spigatten; v. it. spigato, sp. espigado, ouvrage à grains d'orge? l. schrufen? Spangen, Schnallen (s. schruve) in Form von spêgaten (s. d. W.), d. h. platten Ringen?
spige-, spigel-drank, Vomitiv, Brechmittel.
spigilie, Spitzenborte, span. espiguilla.
spi(g)inge, Speien, Vomieren.
spik, adj. trocken.
spikenardi, -nard(us), -nardes, m. nardus Indica, andropogon nardus; -bêr, damit gewürztes Bier.
spiker, m. Speicher, Lagerhaus (für Korn, Salz etc.); Lagerboden, Vorratskammer.
spiker, m. e. Art eiserner Nagel oder Bolzen.
spiker-ammet, officium granarii (im Kloster); -mate, Spint, Viertel? -malder, -molder u. schepel, Sp.-malter, -scheffel, bestimmte Masse.
spiker-bor, Spieker-, Nagelbohrer.
spik-glas, antimonium, Spiessglas.
spik-herink, getrockneter Hering.
spîk-oli, oleum nardinum.
spil, n. fl. speles, Spiel, Scherz, Kurzweil, Lust, Vergnügen, Unterhaltung; ût dem spele gân, bringen, Ernst aus dem Spiele werden, machen; wat to spele hebben, wes spil hebben, als Scherz nehmen; euphem. Beischlaf; e. bestimmtes Spiel, so v. Turnier, Bühnen-, Würfel- und sonstigen Glücksspielen; Wagnis, Unternehmen auf gut Glück, oft v. Aufruhr; Musik, auch die musik. Instrumente u. die Musikanten.
spil-, s. spele- u. spille-.
spilde, adj. verschwenderisch, unnütz.
spilde, f.? spilt, m.? Verbrauch, Verlust. Nur in der Verbindung: to spilde, bes. mit komen, umkommen, in Verlust geraten, abhanden kommen.
spilde-gelt, Ausgabe oder Einnahme für Kleinigkeiten.
spildelik, verschwenderisch.
spilden, spillen, sw. v. aufbrauchen, anwenden, bes. zu unnützen Dingen, verschwenden; (auch mit partitiv. Genet.) neben ab fallen lassen, verschütten, ungenutzt, unangewandt lassen.
spilder, Verschwender.
spilderen, sw. v. zerstreuen.
spilderen, adv. zerstreut, einzeln.
spilderne, spilderen, adj. verschwenderisch.
spildicheit, Verschwendung, Vergeudung.
spildinge, Verbrauch, Verlust, Unkosten.
spile, f. ein dünner (zugespitzter) Stab, zu verschied. Zwecken, z. B. um daran Fleisch, Würste etc. aufzuhängen, Fische zu spreizen, den Braten zu befestigen, Würste zu schliessen, Abteilungen in Bienenstöcken zu machen etc.
spilen, sw. v. 1. zur Trennung der Lagen (in Heringsfässern) spilen legen; überh. in Tonnen verpacken? 2. mit spilen auseinander sperren, überh. aufsperren, spreizen.
spil-iseren, Meissel, Grabstichel u. ä.
spille, f. Spindel (als Hauptinstrument weiblicher Thätigkeit); Bezeichnung der weiblichen Erbfolgelinie, überh. des weiblichen Geschlechts; jede Walze, Winde, Welle.
spil(le)-bôm, fusarius (evonymus europaeus?).
spillen = spilden.
spillen-dreier, Spindeldrechsler.
spil(le)-mâch, -mage, Verwandter von weiblicher Seite.
spil(le)-, spillen-side, die weibliche Seite, Linie.
spille-stên, eine Art Formstein.
spillink = spellink.
spil-maker = spillendreier.
spilter-naket, splitternackt.
spîl-tûn, Zaun, Befriedigung aus spitzen Pfählen (spilen) gemacht.
spin, n. Gespinnst? Lohn für Spinnen?
spinde, f. u. n. Spinde, Schrank, bes. Speiseschrank.
spinden = spenden.
spinde-vat, ein Fass, das den Inhalt eines Spints hat.
spin-halve, f. die weibliche Seite, Linie.
spinkel, Fleck, Sommerspross.
spinkelich u. spinkelt, fleckig, bunt, buntfarbig gesprenkelt.
spin-lôn, Spinnlohn.
spinne, Spinne.
spinnel-side, die weibliche Linie.
spinnen-klôt, m. Spindelring, Wirtel.
spinnen, st. v. spinnen.
spinnen-vient, sehr feind.
spinner(e), spinre, Spinner, bes. Wollspinner; f. spinnersche.
spinne-wobbe, -webbe, n. u. -wef, m. Spinngewebe.
spinne-wocke, sw. m. Spinnrocken, colus.
spin-rat, Spinnrad; Zss. spinrade-maker.
spinsal, n. Gesponnenes, Gespinst.
spinsterinne, Spinnerin.
spint, n. das weiche und weisse Holz zwischen dem Kern und der Rinde des Baumes.
spint, n. (m.) Spint, ein Hohlmass für Getreide, Mehl etc., Viertelhimpten.
spint, n. (u. m.?) = spinde, Schrank.
spint-, s. spende-.
spîr, n. jede kleine Spitze, bes. Gras- und Kornspitze, spica, arista; ein wenig, eine Kleinigkeit.
spiresch, Speiersch, eine Art Tuch.
spîrlink (spirink), ein kleiner Fisch, cyprinus aphya.
spîr-swale, -swaleke, Turm-, Mauerschwalbe.
spis, spitz.
spise, f. 1. Speise; Proviant. 2. Glockenspeise, Erz, Metall.
spise-brôt, grobes Rockenbrot; -dreger, dapifer; -gever (l. gevern?), mildtätig; -kamer, Speisekammer; -kaste, Kasten für Esswaren; -kôp, Victualienhandel; -kost, Lebensmittel (gewöhnl. Sp.); -krût, ein Gewürz: Brotkümmel (carum carvi)? -lechelen, Fässchen für Esswaren; -man, Pfründner einer Stiftung; -meister, Speisemeister, Oekonom einer Stiftung, eines Spitals; -molde, Fleischmulde? -penninge, pl. Geld zum Unterhalt; -pôk, Tranchirmesser; -rike, dapsilis, freigebig; -sak, Esssack (Reisetasche); -schap, -spint, Ess-, Brotschrank; -schip, Proviantschiff; -vat, Essnapf, -schüssel; -visk, gewöhnl. Kochfisch; -vlêsk, gewöhnl. Tischfleisch; -wagen, Proviantwagen.
spiselik = spise-rike.
spisen, sw. v. 1. mit Speise versehen: beköstigen; verproviantieren. 2. von Speisen: sättigen, nähren. 3. in der Technik: mehrere Metalle zu einander mischen, legieren.
spiser, Speisemeister.
spisigen, sw. v. = spisen 1.
spisse, f. 1. Spitze. 2. die erste Reihe des Heeres, überh. Schlachtreihe; de spissen schicken, aciem instruere; die Schlacht selbst. 3. = speise.
spissen, sw. v. 1. intr. spitz werden. 2. trans. spitzen, scharf machen; mit Worten sticheln auf. 3. refl. up, die Hoffnung richten auf.
spisseri(g)e, Spezerei, Gewürz; kurze Waren, kleine Krämer-Waren.
spit, n. fl. spetes, Bratspiess; Stange, Stock, woran Fleisch, Fische o. a. Waren hängen; 1 spit Häringe = 30 Stück.
spît, n. fl. spetes, Spatenstich, soviel man auf einmal mit einem Spaten aufwerfen oder so tief man mit demselben stechen kann; coll. Torfstich auf dem Moore.
spît, m. 1. Verdruss, Hohn, Kränkung; to spite, zum Hohne; mit spite, höhnisch. 2. als Präp. trotz.
spiten, sw. v. m. Dat. verdriessen, ärgern, leid sein.
spitich, höhnisch; von Pferden: stössig. Adv. spitigen.
spitisch, höhnisch.
spit-isern ?
spîtlik, höhnisch, verletzend; adv. spîtliken.
spi(t)tâl u. Ableit., s. spetâl.
spitten, sw. v. graben.
spitz, spitze, spitzen, s. spis etc.
spitz-êser, spitzzulaufende Tasche?
spitz-hôt, Spitzhut; gilt als Zeichen eines hinterlistigen, schmeichlerischen Menschen; daher: Betrüger, Schmeichler, Mantelträger.
spitz-vunt, ein spitzfindiger Mensch.
splete, st. m. (f.?) Spliss, Riss, Spalte.
splet-nagel, welche Art Nägel?
splet-stên, lapides fissi.
splinte, (splente), f.? Splint, ein (gew. plattes) Eisen, das durch das Loch eines Riegels, einer Lünse etc. gesteckt wird oder als Schlüssel für eine Art Schlösser dient.
spliten, st. v. 1. trans. spleissen, auseinander reissen, in Stückchen spalten. 2. intr. sich spalten.
splittere, splettere, scissura, spatula, Splitter, Holzscheit.
splitteren, spletteren, sw. v. zersplittern, spalten; fig. spalten, trennen, entzweien; auch refl.
splitterich, streitig.
splitteringe, Zerreissung, Spaltung, Zwietracht.
spoden, sw. v. beeilen, fördern; refl. sieh sputen, sich rasch fort machen.
spodich, eilig, eifrig. spodicheit, Eile.
spoi(g)e, f. Umherspritzen, Schaum; Schleuse.
spoiten, sw. v. spritzen.
spôk, spûk, n. Spuk, und concr. spukhaftes Wesen, Gespenst.
spôkaftich, spuk-, gespensterhaft.
spoken, sw. v. spuken; Zauberei treiben.
spôk(e)nisse, n. Spuk, Gespenst; ên spokense-lîcham, ein Scheinkörper, kein wirkl. Leib.
spokerie, Spukerei.
spôkne, f.? pl.? = spôk.
spôk-ungehure, Spuk-Ungeheuer.
spôl, Spülwasser, popisma.
spol, spolen = spil, spelen, Spiel, spielen.
spolden, st. sw. v. = spalden, spalten.
spoldenêr, inneres (Schulter)stück der Bekleidung Gewappneter, mhd. spaldenier.
spôl-drank = spolinge.
spole, Spule, Federspule, bes. Weberspule.
spole-backe, Saufaus, Saufbruder.
spolen, sw. v. spülen.
spolen, sw. v. spulen.
spolinge, Spülung; Spülwasser, popisma; Spülung (ablutio) heisst auch der nicht geweihte Wein, der in der kathol. Kirche auch den Laien im Kelche gereicht wird.
spolnisse? anathema; l. speln. = spilden.?
spôl-rat, Spulrad.
spôlte, f. eine (Wasser)spritze.
spôl-touwe, Gerätschaft zum Spulen; Spule, retum.
spôl-worm, Spulwurm, lumbricus.
spôn, m. (u. f.?) Span, dünne Scheibe Holz, wie sie beim Holzhauen etc. abfallen; platter Löffel, Spatelchen; bildl. etwas nichtiges; over spôn treden, über die Schnur, das gesetzliche Mass gehen.
spôn-bêr, Bier, das durch (tannene) gekochte Späne, die in Bündelchen in das Bier gelegt werden, gegen Verderbnis geschützt wird.
sponde, f. Bettgestell.
spon(e), f. n. = spene, Saugwarze; die Milch daraus.
sponeken, Spänchen.
sponen = spenen.
spon(e)-verken, Saug-, Milchferkel.
sponich = spenich.
spôn-kede, Kette mit platten Gliedern?
spôn-luchte, Leuchte mit Hornspänen statt des Glases?
spor, n. Spur, Fuss-, Wagenspur.
sporden, pl. die getrockneten Kehlstücke, Kehlgräten etc. und sonstiger Abfall von den Stockfischen.
spore, sw. m. Sporn; fig. Anstoss, Anreizung.
sporen, sw. v. spüren, suchen; aufspüren, merken, erfahren.
spor-hunt, Spürhund.
sporkel-mânt, Februar.
sporner, Sporenmacher.
sportelen, sw. v. zappeln, palpitare; sich sträuben, sich widersetzen; entwei s., mit einander in Streit geraten.
spôt, m. n. u. f. guter, glücklicher Fortgang, dann überh. Fortgang, Eile, Beschleunigung; mit der spôt, eilig, sogleich.
spot, m. n. Spott, Hohn; Scherz, Spass.
spotlik, spöttisch; adv. spotliken.
spot-spigen, zum Spotte bespeien.
spottel-kint, Kind, mit w. man scherzt.
spotten, sw. v. spotten; scherzen; trans. verspotten.
spotter, Spötter.
spottich, spöttisch; spasshaft, lächerlich.
spottinge, Verspottung.
sprake, f. 1. Sprache, die Fähigkeit zu sprechen. 2. Wortschatz, Sprache eines Volkes; up de s. dôn, jem. in ein Land od. zu jem. zur Erlernung einer Sprache schicken. 3. Gespräch, Unterredung, Beredung. 4. Anspruch, Klage.
sprake-lêrer, Sprachlehrer.
sprake-lôs, 1. der Sprache beraubt, sprachlos. 2. ohne Anspruch auf etwas, frei von Ansprache.
sprâk-hûs, -kamere, euphem. Abtritt.
sprâk-venster, Sprechfenster im Kloster, Schalter.
sprank, m. Sprung; Quell; Muster, Zeichnung im Zeuge; den s. tobringen, ein Beweisverfahren bei Klagen wegen Verwundung od. Schadens (Ditmars.).
spranke u. sprankele, Heuschrecke.
spranken, sw. v. funkeln, glänzen.
sprank-mast, unvollkommene Eichelmast eines Waldes oder in einem unfruchtbaren Jahre.
sprank-stucke, gemustertes, gesprenkeltes, buntes Zeug.
sprêden, spreiden, sw. v. spreiten, spreizen, ausbreiten.
sprêi = sprên.
sprek-aftich, geschwätzig.
spreke, f. = sprake und sproke.
spreken, st. v. sprechen, aussprechen; lauten, bedeuten; vrede spr., Frieden verabreden, schliessen; ênen dar to spr., durch Sprechen wozu bewegen, zureden, überreden; Ggs. dar af sp. – spr. up, Anspruch, Klage erheben gegen jem.; von Schuldverschreibungen: lauten. Refl. (Dat.) = spr. (im Volkston); (Acc.) sich besprechen.
spreker, Sprecher, Fürsprecher.
sprekerne, gesprächig, beredt.
spreke-venster = sprâkvenster.
sprên, m. Staar.
sprengel, m. Weihquast; Sprengel, Bischofsbezirk, soweit von einem Bischofssitz das Weihwasser versandt wird.
sprengel u. Dem. sprengelken, Heuschrecke.
sprengen, sw. v. (springen machen) 1. sprengen, streuen; sprenget vlêsch, mit Salz bestreutes, gesalzenes Fleisch; Zeug mit Mustern durchsetzen, bunt machen; spritzen, schiessen; bildl. aussprengen, ausplaudern. 2. ein Pferd springen machen, daher sprengen, galoppieren; dann überh. rasch herankommen.
sprenger, Heuschrecke.
sprenglicht, mustelinus = sprinkelich.
spreng-schote, m. Sprengschuss (von zu hoch gerichtetem Geschütz).
sprenk, Gespreng, entgegenlaufende Stollen mit ungleicher Sohle, jäher Abschuss? Quell?
sprenkel, Dem. sprenkelken, Heuschrecke.
sprenken = sprengen.
sprenseke = sprinze.
sprêt, n. Stange oder Baum; bes. eine Segelstange.
sprêten = spruten, spriessen.
sprêt-holt to der groten bussen:?
spriddel-docke, Beisitzerin der Braut auf dem Brautwagen (Ditmarsch.).
sprik, n. dürres, leicht zerbrechliches Reis eines Baumes, das abgefallen ist. Dem. sprickelîn.
sprile = spîr, (Gras)halm.
springel-hûs, Tanzhaus.
springal, eine Wurfmaschine, frzs. espringalle.
springel, Sommerspross.
springen, st. v. springen; tanzen; von der Bewegung der Schachfiguren; entspringen, hervorsprudeln.
springer, Springer; auch Name eines Frauenkleidungsstückes.
sprink, m. (n.) Quell, Quelle; Springflut.
sprink-born, m. Quelle; Quellwasser.
sprinke, Heuschrecke.
sprinkel, Vogelstrick, Fangschlinge.
sprinkel, Fleck im Gesichte, Sommerspross.
sprink(e)lich, -echt, -echtich, sprinkelt, gesprenkelt, betupft, fleckig, buntfarbig.
sprink-grunt, Ursprung.
sprink-hane, Heuschrecke.
sprink-horn, euphorbia lathyris.
sprink-korn, lathyris, siliquastrum; auch wilder Kürbis, coloquintida.
sprink-slot, Federschloss.
sprink-storm, Springflut.
sprink-water, Quellwasser; Quelle.
sprink-worm, Heuschrecke.
sprink-wort, Springwurz, euphorbia lathyris.
sprinze, f. Sperberweibchen, zur Jagd auf kleinere Vögel gebraucht.
sprok u. sprockel, n. dürres, leicht zerbrechliches Reisig, Leseholz.
sprok, ein Vogel: hezere (?), sprock, avis.
sprok-wide, salix fragilis, Bruch-, Sprockweide.
sproke, st. m. 1. Gerede, Erzählung. 2. Spruch, Ausspruch. 3. Sprichwort, Lehre.
sproke-wort = sproke 3.
sprot, ein kleiner Fisch, geräucherte Sardelle, sarda.
sprote (sprate), f. Leitersprosse.
sprote u. sprute, (Sommer)sprosse, Fleck, lentigo.
sprotele u. sprutele, Sommersprosse.
sprotich u. sprotelich, bunt, gesprenkelt, bes. sommerfleckig.
sprotlink, Sprössling, Zweig.
sprunk, m. 1. Sprung; Tanz. 2. Quelle.
sprût(e), Spross, Sprössling.
spruten, st. u. sw. v. spriessen; entspriessen, entstammen; resultieren, folgen.
sprutte, f. Spritze; Feuerspritze.
spruwe, f. e. Geschwulst im Halse; bei Pferden auch an der Köthe: Strahlfäule. Verb. spruwen, an dieser Krankheit leiden.
spuddich, schmutzig, unansehnlich; adv. spuddigen.
spûk = spôk.
spunde = sponde.
spunde, spunne, spunge, f. Bettstelle.
spundel-gelt, Geld für das Verspunden.
spunden, sw. v. mit einem spunt, Zapfen, verschliessen; in ein Fass schliessen.
spunder, der Spünde macht oder der verspundet.
spunt, n. 1. Verschlusszapfen, bes. mitten oben auf dem Fasse; Pflock zur Ausbesserung schadhafter Stellen in Planken oder Balken. 2. Spundloch.
spunt-bîl, Beil zum Spunden? -hol, Spundloch; -holt, Holz zum Spunden oder = spunt 1; -knôp, Knopf in Form eines Spundes? -nagel, Brettspieker, Dielennagel; -vlasche, gespundete Flasche.
sputh? ein Mass für Salz (½ Tonne?).
squille, wilder Knoblauch, wilde Meerzwiebel.
sta-bi, steh beiseite, gieb nach! bildl. für Schlag: ênen s. geven.
stach, n. Stag, ein dickes Tau zur Befestigung der Maste und Stengen nach vorne.
stach-klêdinge, dünnes Tau (Trensing), welches zur Stärkung um das Stag gewickelt wird?
stacie, stacien, f. Station, Standort; in der kirchl. Sprache bes. die Stationen der Kreuztragung Christi u. gewisse Haltestellen bei Processionen u. spec. die Unterbrechung oder Beschliessung dieser durch einen Hauptgottesdienst: stacien stân, de st. holden.
stackele, Stachel, Spitze.
stackel-wegge, Brod mit scharfen Ecken, Timpenbrod?
stackit, stacket, n. Stacket, Zaun von Staken, Latten, Pfählen etc., auch = stak.
stade, sw. m. = stadel.
stade, n. Gestade, Ufer.
stade, f. Gestattung, Unterstützung, Beistand; günstiger Umstand, gute Gelegenheit, Nutzen; to stade komen, zur Ruhe kommen; mit stade(n), gemächlich.
stade = stêde, fest.
stadegen, sw. v. = stêdigen.
stadel, n. u. m. Stelle, wo man Frucht, Ware etc. aufschüttet, Tenne, Diele, auch wohl Scheune.
stadelike, adv. beständig, fortwährend, regelmässig, häufig.
staden, sw. v. = steden.
stades-bode, städtischer Bote, Läufer; -sone, Sühne, welche e. Bürger dem andern zu leisten hat; wegen anderer Zss. s. stat-.
stadich, stetig, beständig.
stadicheit, Stetigkeit, Festigkeit.
stadinge, Ausstattung.
staf, m. Pl. stave, steve, Stab, bes. zur Stütze beim Gehen, zum Reiten (Steckenpferd); Hirtenstab; Bischofsstab; Fassdaube.
staf-dreger, Kirchenbeamter, welcher der hohen Geistlichkeit das Amts-Scepter vorträgt; -holt, Daubenholz; -isern, Stabeisen; -slach, Schlag mit einem Stock; -swert, sica, gladius bacularis; -wade, eine Art Fischernetz; -wort, abrotanum, Stabwurz.
staffel(e) = stavele.
staffêren, sw. v. = stoffêren.
stak, n. fl. stackes, ein quer oder schräg in den Fluss gelegter Damm von Pfahl- und Strauchwerk.
stake, sw. m. Stange, z. B. Zaunstange, Fahnenst., Windlichtstock, Schiebstange der Schiffer; Messrute (8 Ellen); Gefangenblock, Gefängnis; ein Mass für Heu.
stakel-wegge, pistillus = stackelwegge.
staken, sw. v. 1. Pallisaden setzen; Stäbe in eine Flechtwand einsetzen. 2. Garben, Heu etc. mit der Heu-, Korngabel auf- oder abladen. 3. mit einem staken schlagen oder stossen, daher treiben, vertreiben. 4. (?) = stocken, ins Gefängnis setzen. Refl. sich stechen; vom Pferde: sich etwas in den Fuss treten.
stake-nette, eine Art Fischernetz.
staker, der Heu, Getreide mit der Heu- oder Korngabel auf- oder abladet.
stak-holt, Holz, aus dem man staken macht.
stakit, staket = stackit.
stal, m. Harn (der Pferde).
stal, m. (n.) Stall.
stal, stāl, m. n. = stale, Muster.
stâl, m. Stahl, chalybs.
stāl-blaw, probemässig blau, v. Tuch.
stāl-bôk, Register der geprüften Tuche.
stal-boldich, halsstarrig?
stal-bôm = stelbôm.
stal-broder, Stallbruder, -genosse, contubernalis; Genosse, Kamerad.
stale, sw. m. jedes Muster, nach dem etwas gemacht wird, Probe jeder Art, eine s. g. Patrone; bes. Probemünze und Zeugmuster, Kleidermuster.
stale, 1. Stolle, Bein oder Fuss (einer Kiste etc.). 2. der Grund, worauf ein Deich liegt; überh. Damm.
stale (stalen?), Beschäler.
stale-hof = stalhof.
stalen, sw. v. nach dem Urbilde prüfen und als demselben entsprechend beglaubigen (durch ein angehängtes Bleizeichen).
stâlen, sw. v. stählen, schärfen.
stâlen, stählern.
staler, der Prüfer der Tücher (nach dem stale).
stāl-gelt, das Geld, das für das stalen der Tücher gezahlt wurde.
stāl-grone, probemässig grün, v. Tuch.
stal-hêre, Stallherr, Ratsherr, unter dem der Marstall steht.
stāl-hof, die bekannte hansische Niederlassung, Factorei, in London (urspr. Halle, zur Prüfung – stalen – der zu exportierenden Wollenfabrikate?)
stal-holt? dünnes Holz zum Zäunen der Wände? (oder = stelholt?)
stalinge, adv. heimlich.
stal-junge, Stalljunge.
stalle-, stal-knecht, Stallknecht.
stallen, sw. v. harnen (von Pferden, Eseln).
stallen, sw. v. in den Stall (Behausung) bringen, aufstallen; mit Auslassung des Objectes Pferde: sich einquartieren; stallen vor, sich vor eine Burg oder Stadt lagern, sie belagern.
staller, eine hohe obrigkeitliche Würde bei den Eiderfriesen, stabularius.
stal-licht, auf einen Kandelaber oder sonst aufgestelltes Licht.
stallinge, Stallung; Stall.
stal-man, Stallknecht.
stâl-menger, Eisenkrämer.
stal-mest, (â?) ein Gerät der Schuster.
stal-mêster, Stallmeister.
stāl-mêster, der die Aufsicht über das stalen der Tücher hat.
stal-page u. -pert, Stallpferd, caballus stabulatus, d. h.? vgl. stelpert.
stal-revel, wahrscheinlich: Stäbe zum Holzgewandgerippe eines Stalles.
stalpen, stagnare.
stalt = gestalt, gestaltet.
stalt, Gestalt.
stalt-, staltenisse, f. Gestalt, bes. schöne Gestalt; Beschaffenheit.
stâl-vat, Fass für oder voll Stahl.
stal-werder, -warder, Stallwärter, stabularius.
stam, m. Stamm, Baumstamm; Geschlecht, Abstammung.
stamelen, sw. v. = stameren.
stamer u. stamerich, stammelnd, stotternd.
stamer-buk, Stotterhans.
stameren, sw. v. stammeln, stottern.
stameringe, das Stammeln.
stam-harich, als Fehler an der Wolle.
stamme, sw. m. = stam.
stammen, sw. v. einpflanzen?
stamme-tal, Grad der Abstammung.
stammête, eine Art feineren Tuches.
stamp, m.? u. stampe, f. Stampfe, Mörser, Stampfmühle.
stampen, sw. v. zerstampfen.
stân, unr. v. 1. stehen, bestehen, dauern; sich verhalten, sich befinden, sein; Inhalt haben, lauten (v. Briefen); s. gân, sich stellen, aufstehen; s. laten, anstehen lassen, unterlassen. 2. mit Gen. d. Sache: zugestehen, bezeugen; einstehen für, über sich nehmen. 3. m. Dat. d. Pers.: zustehen, zukommen, gebühren; zu Pfande stehen; zu stehen kommen, kosten. 4. den slete s., die Unkosten bestreiten; eventûr s., auf dem Spiele stehen, = de vare s., Gefahr stehen, riskieren. 5. s. an, bestehen in, beruhen auf, ankommen auf; mede, übereinstimmen, es halten mit jem., gut oder schlecht stehen bei jem.; na, trachten nach; over, mit e. Sache beschäftigt sein; up = s. an, der Entscheidung jemandes überlassen sein, bestehen oder beharren auf; vor, gut stehen für, gelten für, vertreten (v. Ämtern, welche jem. bekleidet).
stande, f. Kübel von Holz oder Metall (Zinn), unten breit und oben schmal, Stellfass.
standel-wort, Knabenkraut, satirion.
stander, m.? = stande.
standerde, f.? stander, m. Standarte, vexillum, frz. estendard.
stange, sw. m. f. Stange, bes. Fahnenstange.
stangen-kreier, ein grösseres (dreimastiges) Schiff; -luchter, Leuchter auf einer Stange, Processionsleuchter; -tasche, Tasche mit eisernem Gestell.
stangerde, -yerde = standerde.
staninge, das Stehen.
stank, m. Geruch: Wohlgeruch; meist: Gestank; bildl. Anstoss, Verdruss; scherzhaft: des hebbe st. = dank, resp. undank.
stânt, n. u. stant, m. 1. das Stehen, der Stand. 2. = bestant, Stillstehen der Feindseligkeit, Friede. 3. Bestehen, Beständigkeit.
stant-(h)aftich, -achtich, fest, bestehend, standhaft. Sbst. -ticheit.
stant-genote, stant-, stande-note, Standgenosse, d. i. Schöffe, Gerichtsbeisitzer.
stanthart, m. (frz. estendard) Standarte; eine Kopfbedeckung der Weiber?
stant-vast, was fest steht, unbeweglich, beständig.
stant-vasticheit, Beständigkeit.
stant-wort = standelwort.
stapel, Heuschrecke.
stapel, m. 1. Säule, jeder säulenartige Gegenstand; z. B. Grenzpfahl; der Kirchturm (ohne die Spitze); Wachsstock, Kerze. 2. jede Unterlage, auf der etwas ruht, Block, z. B. Haublock, Amboss; in der Schiffsbaukunst die Unterlage zur Erbauung e. Schiffes. Im bes. ist st. auch die Bühne, von der das Urteil des Richters gesprochen wird; daher Gerichtsstätte, Gericht. 3. aufgeschichteter Haufe von Holz oder Waren, Ballen. 4. Verkaufsstelle, Stapelplatz.
stapel-gelt, Geld, w. die Flaminge 1392 zahlten, damit der Hansische Stapel wieder nach Brügge kam; -gût, Gut, das auf den stapel gebracht werden darf (Ggs. ventegût), schichtbare Waren (Tuch); -hof, Warenniederlage; -licht, grosses Wachslicht = tortisie.
stapelen, sw. v. 1. die Grenze durch Pfähle etc. bezeichnen. 2. aufstapeln; e. Ware auf den Stapelplatz bringen.
stapen, st. v.? = stappen.
stappe, sw. m.? Fussstapfe; in Wappen: Schindel.
stappe, sw. m. 1. Bein an Hausgerät. 2. ein kleines, hölzernes Gefäss mit einer längern Daube, die als Handhabe dient (für Milch, Butter). 3. Falle, Schlinge.
stappen, sw. v. 1. stapfen, schreiten. 2. Part. stappet, mit Beinen versehen (von Kisten etc.).
stappen-maker, der stappen macht, Böttcher.
star, n. Staar, die Augenkrankheit; de oghen stâd to stare, v. e. Toten: in Starrheit?
star-blint, staarblind.
star(e), m.? Staar, der Vogel (selten).
staren = starren.
stark, stark, fest; kräftig, gewaltig; als Titel: strenuus; vom Gesicht und Geschmack: scharf.
stark-armich, der starke Arme hat.
starke = sterke.
starken = sterken.
stark(e)like(n), adv. fest, kräftig, gewaltig, strenge.
starkes, umges. für strackes.
stark-halset, der einen starken (steifen) Hals oder Nacken hat, halsstarrig.
starkheit, Stärke.
stark-modich, willenskräftig.
stark-mogendicheit, Tapferkeit, Stärke.
starkte = sterkede.
starling = sterling.
starlissen (scarlissen?) = schorlitze?
starren, sw. v. mit starren Augen blicken, stieren.
starrik = stark.
star-steken, das Stechen des Augenstaares.
start = stert.
starve = sterve.
staruste, Starost, Landeshauptmann in Polen.
stat, f. 1. Stelle, Ort; Hofstelle, up der stat, van stade(n) (steden) an, auf der Stelle, sogleich; van steden to steden, stellenweise, hie und da. 2. Statt, Stelle, die jem. vertritt: an, in – stat.
stat, f. (älterer Gen. Sing. der stades, dann des stades u. Dat. deme stade, spät. Gen. Dat. der stat, Plur. stede, im 15. Jh. häufig stedere) Stadt: de stad van oder to Bremen etc.; auch Ortschaft, Burg: van stade (stede) to stade (stede), von Ort zu Ort, in allen Städten nach der Reihe.
stat, n. fl. stades, Gestade, Ufer.
stât, m. (u. n.?) aus lat. status, fl. states, selten stades, 1. Stand, Stellung, Ordnung. 2. Zustand, Beschaffenheit; Stand im Leben, im Staate, bes. hohe Stellung, Ehrenstand, Würde, Rang. 3. Pracht, Herrlichkeit, Staat, Prunk.
stat-becker, der zünftige Bäcker, veilbecker (Ggs. hûs-, innebecker); -beste, n. Wohlfahrt der Stadt; -bôk, Stadtbuch: Rechtsbuch, Denk- oder Protokollbuch, Erbebuch etc.; -bove, Erzschurke der Stadt; -bulle, der städtische Gemeindestier; -dans, Tanzfest der ganzen Bürgerschaft; -dêner, niederer städtischer Beamter; -dink, Stadtgericht; -grave, m. Stadtgraben; -holt, städtischer Wald; -hunt, Ggs. lanthunt, andrs. de edele h.; -hûs, Rathaus; -kelre, -keller, Ratswein- oder -bierkeller; -knape, -knecht = statdêner; -loper, Stadtbote; -maget, Stadtmädchen, Ggs. dorp-, hovemaget; -mêster, Bürgermeister; -mure, Stadtmauer; -ordeninge, politia; -piper, Ratsmusikant; -plicht, Bürgerpflicht, jeder der Stadt zu leistende Dienst oder Abgabe; Adj. -plichtich; -porte, Stadttor; -recht, Rechtssatzung einer Stadt; -rochtich, -ruchtich, stadtkundig; -schriver, Stadtsecretair; -upkome, Stadt-Einkünfte; -velt, Stadtfeld, -marke; -veste, Stadtverfestung, -acht; -voget, Stadtvogt, bes. der Gerichtsvogt u. der Ausreitervogt; -vorrêder, Stadtverräter.
state (selten) = stât.
state-dach, Festtag?
stat(e)lik, (â?) stattlich, ansehnlich. Sbst. statlicheit.
stat-(h)aftich, -heftich, (â?) statthaft; im Stande seiend, tüchtig, begütert, angesehen, stattlich; adv. stathaftigen, gehörig, angemessen? beständig?
stat-, stāt-holder = stedeholder.
stature, Statur, Wuchs, Gestalt.
stave, staver = stove, stover.
stavel(e), stavile, Stiefel. stavelen, sw. v. stiefeln.
stavelen = staven.
stavelik = stevelik.
stavelen-bolte, intrusula, Instrument der Schuster zum Ausspannen der Stiefel.
stave-licht, Windlicht, Fackel.
staven, sw. v. 1. den êt staven, den Eid buchstäblich, wörtlich vorsagen, den der Schwörende nachzusprechen hat; den Eid abnehmen. 2. m. Acc. der Person: beeidigen. – stavedes êdes, mit gestaveden êden sweren, feierlich schwören.
stavener, stavere = stevere.
staven-wort = stafwort.
stech, n. Steg, viale, semita: enger Weg, Fusspfad; schmales Brett als Brücke; to wege unde stege, to stege u. strate gân, ausgehen können, nicht bettlägerig, gesund sein; in städt. Testamenten wird regelmässig etwas to wegen unde stegen der Stadt vermacht.
stecken, 1. sw. v. intrs. stecken. 2. st. v. trs. dialekt. = steken, stechen, stecken.
stedde, f. = stede; steddich = stedich.
stede, f. 1. Stelle, Platz; Ortschaft, Hofstelle; stânder stede, sofort, auf der Stelle; uppe (der) stede, augenblicklich, jetzt; sodder stede, seitdem, später; van steden, sofort; weg, fort; an, in – stede, anstatt. 2. Stätte, Raum, Erlaubnis; stede geven, Platz machen, nachgeben, erlauben; stede hebben, stattfinden können; stede u. stunde, Ort u. Zeit, Gelegenheit; in steden stân, zu Statten kommen.
stêde, f. Stätigkeit, Festigkeit; Treue.
stêde, adj. fest, beständig, treu; stêde sîn, bliven, rechtsbeständig, gültig sein; = stedich, stedisch.
stêde, adv. fest, beständig; stets, immerwährend: stêde unde vast, stêde-vast; stêde hen, stêde wech, in einem fort, fort und fort.
stede-gelt, Stättegeld, Zahlung für die Benutzung einer Stätte, Grundzins; bes. die zu zahlende Abgabe für den Platz beim Verkauf, Schaustellungen etc.
stede-holder(-holdener), Statthalter, Vertreter, Vicarius.
stede-holdinge, Genehmigung.
stêdelike(n), adv. fest, sicher; fortwährend, häufig.
stêdelikes, stets, immer.
steden, sw. v. 1. trs. stellen, setzen, befestigen; refl. sich festsetzen, sich stützen, sich verteidigen. 2. gestatten: ênen in, to, uppe, jem. zulassen zu, aufnehmen; to worden, das Wort gönnen; van sik, loslassen, freigeben; ênem wes (wat), zugestehen, erlauben, bewilligen. 3. m. Dat. zu statten kommen, passen, nützen.
stede-pennink = stedegelt.
stêde-vast, -wech, s. stêde.
stêdes, stets, immer; stêdes hen, stetshin.
stedes = stedesch, s. stedisch.
stedich, stätisch, von Pferden, die nicht von der Stelle wollen.
stêdich, stätig, beständig; adv. stêdigen, stêdichliken.
stêdicheit, Festigkeit, Beständigkeit, Sicherheit.
stêdigen, stêdegen, sw. v. festsetzen, bestimmen; befestigen, bestätigen.
stedigen, sw. v. = steden 3.
stêdinge, Bestätigung; Festigkeit, Stütze.
stedinge, Einsetzung, Bestallung.
stedisch, (von Pferden) stätisch, widerspenstig.
stêf-dochter, -kint, -moder (-mome, -mone), -sone, -vadere, Stief-Tochter, -Kind, -Mutter, -Sohn, -Vater.
stege, m. u. f. Pferch, bes. für die Schweine.
stege, (ê?) f. gradus, Stufe, Treppe.
stêge, (ê?) steiler Weg, Anhöhe; überh. Weg?
stêgel, steil.
stegele, f. Tritt zum Übersteigen über einen Zaun; Stufengang, bes. vor Kirchen.
stegelitze, -lisse, Stieglitz.
stegen, sw. v. Steg bereiten.
stêger = steiger.
stege-, stegel-rêp, Stegreif, Steigbügel (Steigring).
stegerêp-amber, Eimer, am Steigbügel getragen? l. -armborst?
stegerêp(es)-armborst, e. Armbrust, die man durch Treten in einen Steigring oder Bügel, vermittelst einer Maschine, antwerk, krîch, spannen musste.
steide = stêde.
steiger, steil; s. dal, declivis.
steiger, steier, m. Baugerüst; überh. Gerüst; Stockwerk; in den Fluss gebauter Damm.
stei(g)eren, sw. v. steigern, höher machen; verteuern.
stei(g)eringe = steiger, m.
steil, steil; bildl.: trotzig, hoffärtig, stolz; steile upwart, acclivus.
steilicheit, bildl.: Trotz, Hoffart, Stolz.
steilinge, jäher, steiler Berg.
stein, Stein, u. Abl.: s. stên etc.
steke, st. m. 1. Stich. 2. stechender Schmerz (Seitenstechen). 3. das Stechen, Turnieren. 4. concr. Stachel. 5. = stekelade. – den s. holden, Stich, Probe halten; im s. unde lope laten, im Stich lassen.
steke-bane, Stechbahn, Turnierplatz.
steke-bant, Eisenband, welches zwei Balken aneinander schient.
steke-dach, Stichtag, festgesetzter Tag.
stek(e)-harnes, Turnierharnisch.
stekel, leicht verletzt, leicht beleidigt.
stekel, devexus.
steke-lade, eine Art Fischreuse od. -netz.
stekel-dorn, Stechdorn.
stekele = stekelink.
stekel-gerêde, n. Turniergerät.
steke(l)-helm, Turnierhelm.
stekelich, stechend, verletzend.
stekelink, ein kleiner, stachlichter Fisch, Stichling, Gründling.
stekel-schip = stekelvarerschip.
steke(l)-spel, m. Stechspiel, d. i. Turnier, wo mit Lanzen nach dem Gegner oder nach einem Kranze oder Ringe gestochen wurde.
steke(l)-sper, Turnierspeer.
steke(l)-tuch, Turnierrüstung.
stekel-varer = stekenitzevarer.
stekel-wege, laganum = stackelwegge.
steke-messet, -mest, Messer zum Stechen, Dolch.
steken, st. v. 1. stechen; ein Pferd spornen; verwunden, verletzen; erstechen; durch einen Halsstich schlachten; turnieren; den Staar stechen; ein Fass anstechen; den Schmelzofen anstechen: dat sulver s.; reizen, Begierde erwecken. 2. trans. stecken, festheften; ein dünnes Tau (aus 2 oder 3 Garnen) drehen; hineinthun; festsetzen, bestimmen; zustecken, hinterbringen; intrs. stecken, festhaften; refl. in, sich einmischen; an, sich in Besitz setzen.
steken, sw. v. intrs. stecken.
steke-nâlde, Stecknadel.
stekenitze-, steken-varer, Schiffer auf dem Stecknitz-Canal.
steke-pennink, das Geld, womit man einen besticht.
stek(e)-pille, zerfliessende Sachen, welche Kranken zur Beförderung des Stuhlganges im After beigebracht werden.
steker, ein Fisch, pecten.
steke-recht (stekerecht-dach) setten, einen Termin zur Verhandlung eines Prozesses und Beibringung der Beweismittel anberaumen.
steke-rei, Stechreigen, Turnier.
steke-rink, Turnierplatz, Turnier.
stekerlink = stekelink.
steke-tît = stekedach.
steke-wîn, der Wein, der beim Anstich eines neuen Fasses dem Rate gebührt (sonst: der zur Probe mit dem Heber aus dem Fasse gestochene Wein).
steke-wort, Stichelrede.
stel, stēl, (aus stele?) m. Stiel, Handhabe; Stengel; Ladestock?
stel, n. Gestell, Stockwerk eines Hauses.
stel-bôm, Baum, Stange zu Gerüsten, Stellagen.
stel-brêf (= bestelbrêf, Bestallungsurkunde?) Kaperbrief, Commissionsbrief, der auslaufenden Kapern erteilt wird.
stel-dele, Diele, die zum Gerüste, Gestelle dient.
stêlen, sw. v. stählen, verstahlen.
stêlen, stählern.
stelen, st. v. stehlen; refl. sich heimlich entfernen.
steler, Dieb.
stel-hamer, grosser Schmiedehammer; Stimmschlüssel, plectrum.
stel-hol = stellegat.
stêliken = stêdeliken.
stêlken, weisse, linnene Hauben (der Laischwestern).
stelle, n. Gestell, z. B. des Wagens, Webestuhl, Baugerüst.
stelle-anet, Stellente, Lockente.
stelle-gat, Mauerloch, in welches der Gerüstbalken gelegt wird.
stelle-, stel-holt, n. Holz zu Gerüsten, Dämmen etc.
stellen, sw. v. stellen, hinstellen, anstellen; betreiben, machen; m. Dat. nachstellen, Fallen stellen, jagen; an, to, anheimstellen; na, trachten nach, sein Augenmerk richten auf; up, richten, einrichten auf; refl. Stellung nehmen, sich richten; sich anstellen, sich geberden. Prtcp. gestalt, gestelt, gestaltet, beschaffen; gerichtet, gestimmt.
stell-ende = stelle-anet.
stelle-stake, Pfahl zu einem Gerüste.
stel(le)-wede, Weidenband zum Gerüste.
stellinge, 1. Stellung, Lagerung; Bestellung des Ackers, Düngung etc.; Versetzung des Bieres in Gärung. 2. Stallung, Stall; Gestell, Bühne, bes. Baugerüst, Abteilung desselben, daher Höhenmass (46 Zoll).
stel-pert, Pferd, das in die Karrengabel gespannt wird.
stel-rame, Gestellrahm der Weber.
stel-rover, Dieb und Räuber.
stelte, f. Stelze; Stelzschemel der Krüppel.
steltener, stelter, gipsaticus, claudus.
steltnisse = staltnisse.
stemme, stemne, s. stempne.
stemmen, sw. v. stimmen, votieren.
stemmen, sw. v. steif, fest machen, halten; sik tohope s., sich zusammen drängen.
stempel, ein Werkzeug zum Stampfen, Stössel, Mörserkeule; Stampfer, Ladestock der Kanone; Grabstichel, Prägestock, Stempel; ausgeprägtes Bild, Vorbild.
stempel-mole, Stampfmühle.
stempen u. stempelen, sw. v. stampfen, stossen; stossend bilden, Figuren in Metall treiben; stempeln, marken; bildl.: etwas formieren, betreiben, anstiften, ins Werk setzen; absol. etwas böses betreiben, Verrat üben, betrügen.
stemper, 1. Stössel, Stampfblock. 2. Betreiber, Anstifter (in bösem Sinne).
stemperie, Betreiben, Agitation, Aufwiegelung.
stemp-isern, Stempel-, Mark-Eisen.
stempne (stemne), stemme, f. u. m. Stimme; Votum.
stem-rême, in die Nähte der Beutel, des Schuhzeugs eingenähter schmaler Lederriemen.
stên, unr. v. = stân, stehen.
stên, m. Stein; als Bau-, Mauerstein, oft collect.; als Geschoss, Schandstein, Badestein; Schwelle; Würfel, Brettstein; Blasenstein; Kern der Steinfrüchte; steinernes Haus, Turm, Gefängnis; als Gewicht für Wolle, Flachs (gew. 20 Pfund).
stên-bedde, Hünengrab; -berch, felsiger Berg, Steinbruch; -bicke, Spitzaxt zum Brechen, Zerhauen, Behauen der Steine, zum Schärfen der Mühlsteine; -bicker, 1. Steinhauer, 2. = d. f.; -bit(e), -biter, fundiculus, saxatilis, Steinbiss, Gründling, Schmerle; -bodene, die hölzerne Einfassung des Mühlsteins; -bore, Tragbahre zu Steinen; -breke, Steinbrech, e. Pflanze; -breker, der im stên-broke, Steinbruch arbeitet; -brugge, 1. steinerne Brücke, 2. Strassenpflaster; -bruggen, sw. v. die Strasse pflastern; -brugger, Strassenpflasterer; -budde(n?), wohl = stênbodene; -buk, -bok, ibex, capricornus; -busse, 1. alabastrum, steinernes Fläschchen, 2. Geschütz, aus w. Steine geschossen werden; -but, Steinbutt, e. Fisch; -dam, Steindamm, gepflasterte Strasse; -decker, Ziegeldachdecker; -exe = stênbicke; -gelt, Geld, w. der Gefangene für den Aufenthalt im Gefängnisse zahlen muss; -glint, Einfriedigung v. Stein; -grant, Steinkies, -gerölle; -grove, Steingrube, -bruch; -grunt, fundus arenosus; -grûs, n. Steinbröckel; -hôp u. -hupe, Steinhaufen; -houwer, Steinhauer, Steinmetz; -hovet, Steinbollwerk am Wasser, fundamentum lapideum; -hûs, massives Haus, auch: festes Haus, Feste; -kalk, Steinkalk; -kamere, 1. feuerfestes Gemach, auch: Gefängnis, 2. Steinbruch; -kanne, Schenkkanne v. Thon; -klêver, mellilotum, wilder Klee; -klippe, Felsklippe; -kole, Steinkohle; -krôs, Krug v. Thon; -kule = stêngrove; -lîm, Steinkitt; -march, Steinmark oder Mondmilch, e. weisse Erde; -mel, Mehlabfall zwischen den Mühlsteinen; -minte, calaminta, Steinmünze; -nagel, eiserner Nagel zu Dachpfannen, -schiefern; -nette, mit Steinen beschwertes Fischernetz (eine bes. Art); -olt, sehr alt; -peper, sedum acre, Steinpfeffer; -piler, Pfeiler v. Stein; -pot, Topf v. Thon; -prâm, Prahm zum Fortschaffen v. Ziegel- u. a. Steinen; -rose, -ruse, -rudse, -rusche, f. Fels, Felsabhang; -rute, capilli veneris; -setter = stênbrugger; -slope, Schleife zum Transport von Steinen; -sniden, den Blasenstein schneiden; -strate, gepflasterte Strasse; -sule, Säule v. Stein, als Brunnen? -troch, Trog v. Stein; -ule, Steineule; -varn, polipodium; -vat, Gefäss aus Stein, Thon; -vore, Steinfuhre, Fahren v. Steinen; -want, Wand v. Stein; -wech, Strassenpflaster, gepflasterter Weg; -werk, stein. Bauwerk, Steinmetz-, Mauer-Arbeit; -wer(ch)te, -werter, -werker jeder Stein-Arbeiter, bes. Steinhauer u. Steinmetz, aber auch Ziegler u. Maurer; -winde, Winde für Steine; -worp, Steinwurf, als Längenmass.
stênaftich, -achtich, steinern.
stendeke, Dem. zu stande, cadulus.
stendel-wort, leporinum u. satirion.
stender, m. Pfosten, Pfahl der trägt.
stender-werk, Zimmerwerk, Fachwerk.
stendich, geständig, zugestehend, einräumend.
stêne-lôt = stênen lôt, Geschoss aus Stein.
stênen, adj. steinern.
stênen, sw. v. mit Steinen bewerfen, steinigen; mit Edelsteinen besetzen, schmücken.
stenen, sw. v. stöhnen.
stêne-wrak, coll. untaugliche u. zerbrochene Ziegel.
stengel, Stengel der Pflanzen.
stênich, steinig, steinhart; voll Steine; adv. stênigen.
stenken, sw. v. bis zum Übermasse sättigen?
stênte, n. Gestein, bes. Edelgestein.
stêr, m. Stier.
sterf-dach, Todestag; -drôs, Pestbeule.
sterflik, sterblich; tötlich.
sterfnisse u. sterfte, f. = sterve.
sterk = stark.
sterke, f. eine junge Kuh, die noch nicht (oder zum erstenmal) gekalbt hat, ein überjähriges Kalb.
sterke, f. u. sterkede, f. Stärke; Stärkung.
sterken, sw. v. 1. intr. stark werden. 2. tr. stärken, stark machen, befestigen, unterstützen, verstärken. 3. refl. sich stärken, sich erquicken, sich verstärken.
sterker, der stark macht, unterstützt.
sterkheit, Stärke.
sterkliken, adv. stark, kräftig.
sterknisse, confortacium.
sterne, f. (u. stern, n.?) Stirne.
sterne, sw. st. m. u. f., stern, st. m. Stern; sternartiger Fleck.
stern(e)-kiker, Astronom, Astrolog; -krone, Sternenkrone; -schot u. -suver, Sternschnuppe; -wagen, ursa minor.
sternete, n. die Gestirne (collect.) und ein Gestirn.
sterninge, Gestirn.
sterre, sw. m. Stern.
stert, m. Schwanz; Hintere; up den stert houwen, jem. verhöhnen; den stert hôch holden, dregen, sich stolz bezeigen; bildl. das äusserste Ende einer Sache; fractillus, Zacke, Zipfel an Gewändern.
stertelink, Wolle an den Schwänzen der Schafe.
stertel-krût, capsia.
stert-lôs, ohne Schwanz.
stert-rême, Schwanzriemen.
stert-wisch, nepus.
sterve, m. f. das Sterben; ansteckende, tötliche Krankheit, Pest, Epidemie.
sterven, st. v. sterben; (als trans.) durch Todesfall vererben.
sterven, sw. v. sterben machen, töten, ertöten.
stervent, n. = sterve.
sterver, der Sterbende.
stervesch, gefallen, crepiert (vom Vieh).
stervich, Tod bringend.
stervinge, f. 1. = sterve. 2. Ertötung.
stevel, m. Stiefel.
stevelen, sw. v. stiefeln, Stiefel anziehen.
stevelen = stevenen (den Eid).
steveler = stevere.
stevel-gelt, Geld zu Stiefeln.
stevelik, fest, sicher, genau, bestimmt.
steven, f. Vorderbalken, Schnabel des Schiffes.
steven-dach, festgesetzter Tag, Termin.
stevene, f. bestimmter Tag u. Ort zum Erscheinen (vor Gericht, zur Versammlung der Gilde etc.); Versammlung, Verhandlung.
steven(en), sw. v. = staven, den Eid staben.
steven(en), sw. v. einen festen Tag bestimmen zum Erscheinen vor Gericht etc., citieren; anberaumen, fordern.
stev(en)inge, Ladung vor Gericht, Citation.
stevere, Eidstaber, der den Eid feierlich abnimmt.
stevich, fest, beständig.
stîch, m. Steig, Fussweg.
stîch-ledder, n. Steigleder, die Riemen, an welchen die Steigbügel hängen.
stîch-leddere, f. Steig-, Sturmleiter.
sticht(e), n. 1. Ordnung, Stiftung, Festsetzung. 2. geistliche Stiftung, Stift, Bistum, Abtei.
stichtelik, fest, dauerhaft; erbaulich.
stichten, sw. v. 1. stiften, gründen; einsetzen (Beamte); ordnen, einrichten; ins Werk setzen, veranstalten, verursachen, anstiften. 2. bildl. erbauen.
stichte-note, Stiftsgenosse, Ministerial des Stiftes, Bistums.
stichter, Stifter, Gründer, Schöpfer.
stichtich, erbaulich.
stichticheit, Festigkeit; Erbauung.
stichtichlik, erbaulich, was zur Erbauung dient.
stichtigen, sw. v. = stichten.
stichtiger, Stifter.
stichtinge, 1. Stiftung, Gründung. 2. bildl. Erbauung.
stichtisch, zu e. geistl. Stift gehörig.
sticke, sw. m. Stecken, spitzer Stab von Holz oder Metall, Griffel, Nadel; in die Erde geschlagener Pfahl, Pranger; Zielpflock, Scheibenstift, daher fig. Ziel, Ende, Punkt; Zünglein in der Wage; ein Mass für Zeug (Elle?), Flachs, Fische etc.
sticke, sw. m. = steke, Seitenstechen.
sticke-, sticken-dûster, stockfinster.
sticke-lappede scho, grobe Bauernschuhe.
stickelik, stachelig.
stickelse, n. Gesticktes, Stickerei (gestickter Schleier).
sticken, sw. v. 1. stecken, aufstecken, figere; schot, pile, s. pîlsticker; st. bliven, stecken bleiben; bildl. festsetzen, bestimmen. 2. sticken, acu pingere; refl. sich schmücken, zieren.
sticken, sw. v. anzünden, anstecken, entfachen; auch bildlich.
sticken, sw. v. ersticken.
sticker, Sticker, Bordierer; f. stickersche.
stickinge, Gesticktes.
stidde, f. = stede (im Braunschw.).
stide, steif, fest, hart; schwer verdaulich; bildl. trotzig.
stiden, sw. v. steif und hart werden; quillen, hoch aufgehen wie ein Teig, Erbsen, Reis u. a.
stîf, steif; bildl. fest, unbeugsam, hartnäckig; anhaltend.
stîfliken, adv. fest, kräftig.
stîf-steken, ästig, knorrig?
stift, Stift, kleiner Nagel.
stift(e), stiften, stiftinge, s. stichte etc.
stige, f. (n.) Zahlmass, Zahl von 20 einerlei Art.
stigen, st. v. 1. intr. steigen; sich erheben, in die Höhe gehen, im Wert steigen, an Macht zunehmen. 2. tr. besteigen; erstürmen.
stigen, sw. v. stige (Kornstiege = 20 Garben) machen oder aufstellen.
sti-hake, d. i. stîch-hake, Steighaken, einbäumige Leiter mit Quersprossen u. einem Haken (für Waldarbeiter zur Besteigung der Bäume).
stik, n.? Stich; Punkt, Augenblick? Windstoss?
stik-dorne, Stechdorn; -harich, von Pferden: mit weissen Haaren durchsetzt; -luchter, Leuchterröhre, welche auf e. Untersatz gesteckt wird; -modich, hoffärtig; -natele, spinter; -sage, eingriffige Säge mit schmalem Blatt; -sunich, kurzsichtig; -vat? stickuate edder schottelen.
stil, m. fl. steles, Stiel.
stîl(e?), Pfeiler, Säule.
stiles, m. stilus, Schreibgriffel; Pfriem, Ahle.
stil-geswegen, adv. in der Stille.
stilheit, Stille.
stil(le)-dink, -gerichte, das heimliche Ding, Gericht (des Femgerichtes).
stille, still; de s. vridach, Karfreitag; de s. weke, die Woche vor Ostern; s. misse = stilnisse 3.
stillen, sw. v. 1. intr. still werden, still stehen. 2. trans. still machen, beruhigen, beschwichtigen; befriedigen, bezahlen; beseitigen.
stillen(is)se, f. n. = stilnisse.
stil(le)-stant, m. Stillstand; Waffenstillstand.
stillich u. stillik, adj. still, verborgen.
stillicheit, Stille.
stillichliken, adv. still, heimlich.
stilliken, stilken, adv. heimlich, verborgen, unbemerkt.
stillinge, Ruhe.
stil-misse, f. n. = stilnisse 3.
stilnisse, f. n. 1. das Stillen der Kinder, Säugen. 2. Stille, Ruhe, Schweigen. 3. n. (selten f.) derjenige Teil der Messe, der die Consecration und die damit zusammenhängenden Gebete enthält, der vom Priester leise zu flüstern ist.
stîls, m. = stiles.
stîm(e), m. Lerm, Getöse, Toben.
stimen, sw. v. lermen, tosen, toben.
stimme, s. stempne.
stimmen, sw. v. stimmen, anstimmen; votieren.
stimpt, f. bestimmter Tag zu einer Zusammenkunft.
stinken, st. v. stinken; trans. durch üblen Geruch belästigen.
stinkendich, fetidus.
stinkendicheit, fetiditas.
stint, m. Stint, gubius.
stint-kulderinge, das Laichen der Stinte; -pâl, -ruse, Pfahl, Reuse zum Stintfang; -tît, Fangzeit des Stintes.
stip, n. stippe, Punkt, Tupf.
stipel-touw, welches Gerät?
stip-gat, n. verschliessbares Loch im Herdpfeiler oder in der Wand neben dem Herde zur Aufbewahrung kleinerer Sachen; Loch im Taubenschlage.
stippeken, stipken, ein kleiner Tupf oder Punkt.
stippen, sw. v. Tupfe od. Punkte machen; mit der Spitze (des Fingers, Stabes etc.) berühren; eintunken, intingere; steppen, sticken.
stip-werk, Getüpfeltes, Gesticktes.
stitze, stitzeke, f. junge Kuh, die erst einmal gekalbt hat.
stive, Adv. zu stîf.
stivele, Stütze, bes. hölzerne, z. B. für Erbsen, Weinstöcke etc.
stivels, Stärke, Amidam.
stiven, sw. v. steif machen, stärken, unterstützen.
stive-nacket, steifnackig, halsstarrig.
stivicheit, Steifheit, Hartnäckigkeit.
stivinge, Steifmachung, Stärkung.
stockel-knecht, Büttel, Gefängniswärter.
stocken, sw. v. in den Gefangenstock, ins Gefängnis werfen, incippare.
stocke-nette, eine Art Stellnetz der Fischer.
stocker, Büttel, Henker.
stockinge, das Setzen in den Gefangenstock.
stoderie, Einfriedigung od. Umzäunung (Weideplatz) für Pferde.
stof, n. m. fl. stoves, Staub, bes. Sand, pulvis, u. Spreu; Stäubchen; fig. Schmutz, Unbedeutendes.
stoffame? Geländer, Brustwehr.
stoffêren, sw. v. staffieren, aufzieren, schmücken; den Anschein des Echten geben, fälschen; ins Werk setzen, abkarten.
stoffêrer, Hutstaffierer.
stôf-hûs, Badehaus, Wirtshaus.
stof-mel, Staubmehl.
stof-regen, Staubregen.
stoite, ein Schenkgefäss. L. toite?
stok, m. 1. Stock; Zeichen der Amtsgewalt; Stab zum Losen; Kerbstock; Streichbrett; Weinstock; de witte stock, Bettelstab. 2. Baumstumpf. 3. Brunnen, Pumpe. 4. Münzstock. 5. Bienenstock. 6. hoch aufrecht stehender Behälter für Geld, Almosen, Urkunden etc. 7. von Holz aufgerichtetes Ständerwerksgebäude. 8. die hölzerne Strafmaschine, in welche die Füsse der Gefangenen gesteckt wurden, daher: Gefängnis. 9. ein Mass Gerste oder Malzes = 3 Wispel. 10. Elle.
stok-arn, Steinadler; -blint, ganz blind; -borge, Bürge für einen Gefangenen; -bret? -brêt? eine Art Kleiderstoff; -brôt, langes Brot? -dele, eine Art v. Dielen oder Brettern; -dôt, völlig tot; -dreger, Polizeidiener, beim Wollenweber-Amt der Vermesser; -gelt, -gulden, Vergütung, vom Gefangenen dem Stockmeister zu entrichten; -hûs, Gefängnis; -lemede, Lahmheit, w. nötigt am Stocke zu gehn; -mêster, Gefängniswärter; -naket, völlig nackt; -neven = nevenink; -ro(d)de, grosser Hund; -visch, Stockfisch; -visch-hoker, -wêker, der Stockfische weicht u. verkauft; -wort, Stockwurz, Eibisch.
stoke-brant, Brandschürer; Anschürer, bildl. in bösem Sinn.
stokelen, Dem. zu stoken, instigare.
stoken, sw. v. mit einem stechenden, spitzen Dinge wiederholt stechen, stochern; das Feuer aufstochern und nähren.
stoken = stoveken.
stoker, Stocher, als Werkzeug zur Pflugreinigung; bildl. ein Stocherer, Anschürer, stimulator.
stokinge, Anreizung.
stōk-isern, Schüreisen? = stoker?
stôl, m. 1. Stuhl, bes. vom Sitz des Rates, Thron des Kaisers, Papstes etc.; de vrie stôl, Femgericht. 2. Capital, das auf Zinsen ausgeliehen ist.
stôl-broder, College in einer Behörde, Ratsmitglied; -dreier, Stuhldrechsler; -erve, Thron-Erbe; -gank, Stuhlgang; -kerke, Kathedralkirche; -kussen, Stuhlkissen; -laken, Decke über einen Stuhl; -lene, St.-lehne; -maker, St.-macher; -pûst = stôlkussen; -rover, Capital-, Geldräuber, Wucherer; -schriver, öffentl. Schreiber, welcher für Illitteraten Briefe etc. verfasste, Schreibmeister in Schulen; -vire, das Fest cathedra Petri; -werk, eine Art Kürschner-Arbeit.
stole, f. Stola, Binde des Messpriesters.
stolkeren, arrogare.
stolle, Stollen im Bergwerk.
stolpe, Schmalz oder eine andre Fettart?
stolpe, stolp-stucke, wahrsch. kleiner Balken, Pfosten.
stolt, herrlich, stattlich, ansehnlich, schön; im moral. Sinn: hochgemut, stolz; hochmütig.
stôlte (stûlte), n. das Gestühle (in den Kirchen).
stolt(e)-, stoltichlik(en), adv. zu stolt.
stoltern, arrogare.
stoltheit, Stolz, Aufgeblasenheit.
stoltink, (stolzer) Held.
stolt-modicheit, stolzer Sinn.
stomelen, sw. v. verstümmeln.
stonen, sw. v. stützen.
stôp, m. 1. Becher (ohne Fuss, in Eimerform). 2. ein bestimmtes Mass. – Dem. stôpken.
stôp-bêr, Bier, d. stôpwise verkauft wird?
stope, f. Stufe, Treppe.
stoppe, Stoppel?
stoppe, Werg, Hede.
stoppe, Köcherdeckel.
stoppel, st. m. Stachel; stimulus.
stoppel, st. m. Stoppel; stoppelmeter, Stoppelmesser, spöttisch für Zehnteinsammler.
stoppen, sw. v. 1. stopfen, aus-; zu-, verstopfen. 2. anhalten, hindern.
stordelinge = storlinge.
stor(e), st. m. Stör.
store-mân, herba luminaria.
storen, sw. v. stören, hindern.
store-sleger, Böttcher, w. Tonnen für Störe fertigt u. zuschlägt?
store-vanger, Störfischer; storevank, Störfang.
storinge, Zerstörung.
stor-isern, sagillum fabri.
storit, Storax.
stork, m. Storch; storks-nest, Storchnest.
storlinge, Zwietracht, Streit.
storm, w. Sturm, Sturmwind, Unwetter; Ungestüm, Getobe; heftiger Angriff; vom Todeskampfe.
storm(e)-bok, Mauerbrecher; -hake, Geschütz zum Stürmen von Festungen; -huve, Schlachthelm; -klocke, Sturmglocke, auch Polterer, Tollkopf; -korf, Faschine; -mânt, Monatssold der Soldaten für einen Sturm; -regen, Regensturm; -tartze, ancile; -we(d)der, Sturm-, Unwetter; -wint, Sturmwind.
stormen, sw. v. 1. intr. stark wehen; stürmen, toben, poltern. 2. tr. stürmend angreifen und nehmen.
stormere, Stürmer, Polterer, Schreier; Angreifer, Bedränger.
stormich, stürmisch; von Menschen: unruhig, polternd.
storminge, das Stürmen, Kampf; Erstürmung.
storte, f. 1. Stürze, der Ort, wo man die Erde etc. aus dem Karren hinschüttet. 2. Stürzkarre.
storte-kare, f. eine Karre mit zwei Rädern, dessen Kasten man beim Abladen hinten niederlässt, dass die Last selbst herausfällt. 2. Wippgalgen?
storte-kule, Stürzgrube.
stortelinge = storlinge.
storten, sw. v. 1. intr. stürzen, fallen; to hope storten, zusammenstürzen, an einander geraten; de stortende suke, Epilepsie. 2. tr. umstürzen, den Inhalt eines Gefässes ausschütten; Bäume fällen; eine Erbschaft storten, d. i. verteilen; in Fülle ein- oder vergiessen; bestürzt machen, erschrecken.
stortere, der fällt; der etwas umstürzt, z. B. der Kohlenträger.
stortinge, f. 1. Niederstürzen, Niederschlag, Tötung. 2. das Ausstürzen einer Masse, Erbschaft etc.
stor-vat, Fass zur Verladung von Stören?
stossich, stutzig, widerstrebend.
stôt, m. 1. Stoss. 2. Anstoss, Zwist. 3. ein Stück Werks, Arbeit oder Zeit.
stôt, f. Einfriedigung, Umzäunung für Pferde (im Freien), Pferdebahn, equirreum; dann die in der Einzäunung behaltenen (wilden) Pferde, Haufen Pferde, meist zur Zucht bestimmt, Gestüt, Stuterei.
stôt, Halfter, capistrum.
stôt-degen, Degen zum Stossen.
stote-gelt? L. storte-gelt, Lohn der Kohlenträger?
stotelen, Werkzeuge zum Stossen? L. scotelot, Blei für Geschütze?
stote-mande, Seih-korb?
stoten, st u. sw. v. 1. trs. stossen; schieben, werfen; hineinstossen, z. B. Waren verladen, Pfähle rammen; Baken setzen; zerstossen, zerstampfen; ein Schiff scheitern machen; rädern; aufstossen, gewaltsam öffnen; vorwärts bringen, ausrichten, abwerfen; in, in ein Blasinstrument stossen; up, etwas jem. zuschieben, zur Entscheidung überlassen; vor dat hovet, Anstoss geben, zur Besinnung bringen. 2. intrs. auf den Grund stossen, scheitern. 3. refl. an, Anstoss nehmen; gehindert werden.
stoter, m. der Waren in Gefässe stösst, verladet; Stösser, Stämpfel; Name einer kleinen Münze = 2 Stüber.
stote-ramme, Ramme, womit man die Pfähle einrammt.
stoter-bok, Stammeler.
stoteren, sw. v. stottern; stoterer, Stotterer.
stotesch, stössig.
stôt-galge, (eculeus?) Wippgalgen.
stôt-herde, Pferdehirt; -hingest, Beschäler.
stotinge, Anstoss; Zwist.
stôt-isern am Pfluge, Wagen: Stössel, Vorstecker, u. Stosseisen?
stôt-mate, f. Mass, nach welchem das Getreide in das Gemäss eingestossen, nicht lose aufgeschüttet wird.
stôt-pedden, sw. v. mit den Füssen stampfend treten.
stôt-pert, n. 1. Pferd, das in einer stôt ist, wild umherläuft. 2. Mutterpferd.
stotter, stotternd.
stotzelen, pl. eine Art Geschwür (drose).
stou-stên, Mühlenstauwerk von Stein?
stou(w), stow, n. Stauung, Hemmung des (fliessenden) Wassers, Wehre, Stauwerk; Ufereinfassung, Kaje.
stouwen, stowen, sw. v. 1. trans. urspr. wol: aufhäufen, acervare, cogere (z. B. Steine, Torf, Erde, Waren etc.), packen; dann durch Anhäufung von Erde, Holz oder Steinen das Wasser hemmen, abdämmen; überh. hemmen. 2. intr. aufstauen, in die Höhe steigen.
stouwinge, Stauung, Abdämmung, inundatio.
stove (stave), sw. m. 1. Badestube, Einrichtung zu warmem Baden; heizbares Gemach. Solche Badstuben waren häufig auch Zechstuben, Wirtshäuser manchmal gemeiner Art. 2. überh. Wohnung, Stube.
stoveken, stoviken, n. Stübchen, Mass für Flüssigkeiten, bes. Bier.
stoveken, (Dem. zu stof) Stäubchen.
stoven, st. m. = stove.
stôven, sw. v. stäuben; vom Staube reinigen; schnell jagen; suchend jagen, aufstöbern.
stoven, sw. v. bähen, fovere; in der Kochkunst: was erst im Wasser gekocht ist, in einem bedeckten Gefässe mit Butter und Gewürzen gelinde kochen.
stoven-bat, warmes Bad; in öffentlichen Bädern oft mit e. Schmaus verbunden: stovenbade-koste; -budel, Beutel für Bade-Utensilien; -delen, die terrassenförmigen Bänke der B.-St.; -dor, Thor einer Badestube, aus Latten? -gânt, n. Besuch der Badestube; -gelt, -lôn, Badegeld, als Trinkgeld gegeben; -lach, Gelage i. d. Badestube; -maged, ambubagia; -mêre, Gerede in der Badestube, allgemeines Gerücht; adj. allbekannt; -quast = badequast.
stover, m. Bader; -knecht, Badergeselle.
stôver, m. Spürhund.
stoveren, stöbern, wegjagen, jem. Beine machen.
stove-rok, m. spöttische Bezeichng. von?
stovich, staubig.
strabunzen, sw. v. Raubfischerei treiben ohne Schonzeit? vgl. fläm. strabantie, Unordnung.
stracken, sw. v. strecken.
strackes, s. strak.
strafbar, strafbar.
straf-bote, Verbüssung einer Strafe.
straffe, f. 1. Verweis, Tadel. 2. Strafe, Züchtigung.
straffen, sw. v. 1. tadeln, schelten. 2. strafen, züchtigen.
straffer, 1. Tadler. 2. Bestrafer; spec. Henker, Schinder.
straffinge = straffe.
straflik, straf-werdich, tadelnswert.
strak, fl. strak – u. meist strack –, gerade emporgerichtet, steif, straff, stark; bildl. gerade, fest, strenge, ohne Umschweife.
strak u. stra(c)kes, adv. gerade gestreckt, geradezu; von der Zeit: sofort, ohne weiteres.
straken, sw. v. überstreichen, streifen; streicheln, schmeichelnd berühren.
strakheit, Straffheit, Stärke.
strale, sw. st. f. (m.) Pfeil; Sonnen-, Wetter-, Lichtstral; Stachel der Biene; der pfeilartige Streifen unter dem Fusse des Pferdes.
strale(n)-gelt, -mark, -pennink, -witte, Geld mit einem Pfeile bezeichnet = Stralsunder Geld.
stram, steif, straff, gespannt.
stram = strôm; (â?) Gen. strames, adv. strömend, fliessend; strames- oder stramvlêtende, frei fliessend.
strampen, sw. v. mit den Füssen heftig auftreten.
stram-wunde, heftig blutende Wunde?
stranden, sw. v. stranden, an den Strand treiben.
stran-(strant-)dôk, e. Art grobes Tuch.
strange, f. = strank 2.
strank, m. fl. stranges, 1. Strang, (zusammengedrehter) Strick, z. B. des Henkers; als bestimmtes Mass Landes, Zeuges. 2. ein Strang des Wassers, lang hin gezogen, Meeresarm.
strankelen, sw. v. wanken, schwanken. L. scr-?
strank-oge, Augenkrankheit des Pferdes.
strank-side, Seidenschnur zum Siegelanhängen?
strant, m. Strand, Meeresufer.
strant-driftich, was die See an den Strand wirft; -lude, -man, Strandbewohner; -rôf, -rover, Raub, Räuber gestrandeter Güter; -voget, Aufseher über den Strand u. das an ihm strandende Gut.
strate, f. Strasse; tor strâtwerts, strassenwärts.
strate-lank, adv. längs der Strasse.
straten, sw. v. Strasse machen, pflasteren.
straten-bodel, lermender Gassenjunge; -hor (-har), Strassenkot; -maker, St.-pflasterer; -mêre, allgemeines Gerede; adj. allbekannt; -rôf u. -schinnent, St.-raub; -rover u. -schinder, -schinner, St.-räuber; -ruchtich, allbekannt; -veger, Gassenfeger; -wech, allgemeiner Weg.
strazeborger, ein Kleiderstoff (aus Strassburg).
strecke, st. m. = streke.
strecke-bên, der die Gebeine der Menschen ausstreckt, der Tod.
streckelink, Landstreicher.
strecken, sw. v. 1. trs. ausbreiten, dehnen, verlängern; niederstrecken; d. Schiffskiel legen; Tuch s.? 2. intrs. u. refl. ausgedehnt sein, sich erstrecken, reichen. 3. refl. sich recken, sich niederlegen; an, Anspruch erheben auf, sich vergreifen an; jegen, sich widersetzen; to, sich entwickeln zu, von Summen: anschwellen, sich belaufen auf.
strecke-vôt = streckebên.
streckinge, Ausdehnung u. Gestaltung.
streckit, Stacket.
strede, st. m. Schritt; als Mass.
strede-hûs, -stal? l. strode, gestroht, strohgedeckt?
stref, straff, gespannt, nicht gelenkig, steif, fest; tüchtig, hartnäckig.
stref, n. Strebebogen, -pfeiler, Stütze.
stregen, strei(g)en, sw. v. = stroien, streuen.
streke, st. m. 1. Strich, Streifen, Linie; Strich Weges, Strecke; Strich Landes, Gebiet; Streich, Schlag.
streken, sw. v. 1. = strecken. 2. den Acker stürzen, mit weitläufigen Furchen pflügen (vom ersten Umpflügen).
strêken, streiken, sw. v. glatt streichen (die Haare), kämmen.
streme, sw. m. Streifen, Strich; Wundennarbe.
stremel, m. langer, schmaler Streifen von Leinewand, Tuch, Papier etc.
stremsel, die (aus Kälbermagen) bereitete saure Feuchtigkeit, um Milch zum gerinnen zu bringen (zu stram).
strenge, sw. m. = strank.
strenge, 1. gerade gestreckt, rigidus. 2. gestreckt, fest angezogen, straff, enge. 3. hart, herbe, strenge. 4. tapfer, tüchtig, energisch; oft im Titel, strenuus.
strengelicheit, Strenge.
strengelik(en), heftig, sehr, stark, strenge, ernstlich.
strengen, sw. v. (strängen): strengede ringe, Ringe aus in einander geschlungenen Strängen, s. g. Allianzringe.
strengen, sw. v. (strengen): sik s. an, sich an etwas machen, um es zu besitzen oder zu hindern, antasten.
strengicheit (strenicheit, strenkheit), Strenge; als Titel.
strenk, st. m. (n.?), fl. strenges, 1. Strang, Tau, Seil, Strick. 2. Strom, Flussarm.
strenlike = strengelike.
strente, f. Pfeife, Röhre; Spritze.
strenten, sw. v. spritzen.
strepelen, sw. v. streifen, abstreifen, die Haut oder den Bast abziehen.
streve-katte, eig. e. strevende Katze, daher Name v. Münzen mit steigenden Tieren; de s. tên, sik strevekatten, ein Spiel, in w. zwei Spieler kniend ein Tuch mittels je eines an dessen Enden befestigten u. von ihnen im Munde gehaltenen Knebels einander zu entziehen suchten, bildl.: sich zanken u. katzbalgen, bes. v. unverträglichen Eheleuten, im guten Sinne: wetteifern.
streveliken, unverzüglich? eiligst?
strevich, ausgereckt.
strevicheit, das Ausgerecktsein, Starrheit.
streven, sw. v. intrs. u. refl. steif oder straff sein oder werden, ragen, sich recken, sich regen, sich sträuben, widerstreben, streiten, kämpfen, ringen, sich abmühen, trachten nach, sich richten oder gestalten nach.
stricken, sw. v. knoten, stricken, flechten, schlingen, schnüren, binden; bestricken, verstricken, fangen; stricken, z. B. Strümpfe.
stricket, -kit, n. Stacket.
strickit, gestricktes (Kopf)tuch der Frauen? auch stricketesdôk.
strîd-aftich, s. strîthaftich.
stridde, sw. m. Dreifuss, als Untersatz.
stridden, sw. v. streiten, kämpfen.
striddich = stridich.
stridelik, streithaft.
striden, st. v. 1. die Beine auseinandersperren, sowol seitwärts als vorwärts, weit ausschreiten, bes. um zu messen. 2. streiten, kämpfen.
striden, sw. v. streiten, kämpfen, zanken.
stride-towe, Streitgerät; -vorste = strît-vorste.
strîdich, zum Streit geneigt, streitsüchtig; im guten Sinne: streitbar.
stridinge = strît.
strif, adj. = stref.
strik, n. u. m. Strick, Schnur, Band, Schlinge; bildl. Nachstellung.
strîk-, selten strike-benke, Zugbank der Böttcher; -bret = strîkholt; -glas, Glaswalze zum Plätten; -holt, Holz zum Abstreichen des gefüllten Masses; -iseren, Schabeisen der Gerber; -leddere, Leiter v. zwei Bäumen zum Herabgleiten v. Fässern; -mate, gestrichenes Mass; -mure, steinerne Brustwehr; -schepel, der gestrichene, gemeine Scheffel; -stâl, Messerschärfer v. Stahl; -stên, Probierstein; -up, kleines Netz in engen Gewässern; -were, f. Brustwehr, Streichwehr der Festung; -wisch, Kehrwisch.
striken, st. v. 1. intrs. sich in grader Linie leicht fortbewegen, laufen, eilen; gehen, ziehen, wandern; umherstreichen; weggehen, weichen; nachgeben, klein beigeben; s. gân, sich davon machen; dat anker s. laten, das Anker fallen lassen. 2. trans. schlagen; Taue verfertigen; wischen, streifen; glätten, plätten; schärfen, wetzen; schmieren, aufstreichen; in lîm s., leimen; das Kornmass abstreichen; Tuch und Leinen messen; das Segel einziehen; die Flagge streichen, sich ergeben (auch ohne Obj.).
striken-, strîk-vul, ganz bis an den Rand voll, gestrichen voll.
striker, Streicher, bes. der (geschworne) Tuchmesser.
strikersche, Herumstreicherin?
strikliken, adv. nach Art eines Strickes, fest.
strime, sw. m. Streifen, Strich; Mal auf der Haut v. Rutenstreichen etc., Schmiss, Streich; Strahl, de witte s. an dem hemmele, die Milchstrasse.
strimele, Streifen.
strintze, (wildes) Mutterpferd.
strîp-achtich, streificht.
stripe, f. Streifen, bes. am Zeug; Strippe am Stiefel? schmales Stück Ackers.
stripelechtich, streificht.
stripet, gestreift, bunt; als Fehler im Tuche.
strippe, glanga, glandia, d. h.?
strippe, ein aus Riemen zusammengewundener Strang; Schleife, Schlinge des Geldbeutels.
strît, m. Streit, Kampf; Schlachtreihe; Krieg; Zank, Zwist.
strît-bar, -barich, streitbar, bewaffnet; -degen, -helt, tapferer Held; -gerich, -girich, streitlustig; -geverde, Kriegsgerät, -mittel; -(h)aftich, kriegerisch, streitsüchtig; -hamer, Streit-, Fausthammer; -lik, streitbar, kriegerisch; -liken, adv. heftig; -meister = strît-vorste; -sam, streitliebend; -schip, Kriegsschiff; -scho, Schlittschuh; -vli(g)er, Händelsucher? -vorste, Heerführer, Feldhauptmann; -wagen, Wagen zur Wagenburg? mit Sensen? -weldich, streitgewaltig; -werk, Kriegshandwerk; -winnich, siegreich.
strô, n. Stroh, Strohhalm; Strohkorb, Strohgeflecht als Gebinde für verschiedene Waren: Behältnis, welches mehrere Fastagen enthielt, in denen das Wachs in grossen Stücken lag; bes. auch von Bückingen; nicht ên stro, wenig, garnichts.
stro-bedde, Bett, Matratze von Stroh; -belde, Strohmann, -scheuche, -bôt, e. Art Kahn; -dak, Strohdach.
stroden, sw. v. ein stroder sein, rauben, plündern.
stroder, 1. Strauchdieb, Buschklepper. 2. der strôt, Gebüsch, ausreutet.
stroderen, sw. v. strôt, Gebüsch: ausreuten?
stroderie, Räuberei; coll. Raubhorde.
strôflink (l. strôpl.?) = strôphose.
strogen, stroien, sw. v. = strouwen, streuen.
stro-hacker, Häckselschneider, -halm, Strohhalm; -hôt, Strohhut; als Kopfbedeckung eines Narren.
stroifen, sw. v. (aus d. Hd.) = stropen.
stro-karte (-karde), auf dem Felde gewachsene Karde; -kote, Strohhütte; -korf, Strohkorb zum Deichen.
strôm, m. Strom; Strömung, bes. Flut- und Ebbestrom; hôch s., Springflut.
stro-man, mit Stroh ausgestopfte Puppe.
stromelink, ein Fisch: die kleinere Sorte Hering.
strôm-gank, Stromlauf.
strôm-hure, Stromheuer, Pacht für die Benutzung des (Mühlen)stroms.
stro-mul, Strohgrus, -abfall.
strôm-vlêtende water, Wasser, das strömend fliesst.
strop, m. gedrehter Strick.
strop-ballie, Balge, die statt des eisernen Bügels, den ein Eimer hat, einen Stropp hat.
stropen, sw. v. trans. abstreifen, abziehen; berauben, plündern; intr. streichen, ziehen, umherstreifen.
strôp-hose, strumpfartige Hose.
stropinge, Streifräuberei.
stro-sak, Strohsack (als Bett); -sêl, Strohseil.
strôt, m. Gebüsch, Dickicht.
strote (strotte, strate), f. Kehle, Gurgel, Luft- und Speiseröhre.
stroter, Kehlabschneider.
strousse = struse.
strouwe, f. Streu.
strou(we)-holt, Bohlen als Decklage, Dielung? -krût, 1. Gras etc. zur Bestreuung des Fussbodens, 2. e. Gewürz oder Confect.
strouwen (stroien, streien), sw. v. streuen; spec. mit Bildwerken besetzen; bestreuen; zerstreuen; intr. sich zerstreuen (gew. refl.).
stro-vakele, Strohfackel; -wîp, -wisch, Strohwisch.
strubbeken, niedriges Gesträuch, Gestrüpp.
strûf, empor starrend, rauh, uneben, nicht glatt, hirsutus, rugosus; von Personen: rauh, strenge, kurz angebunden.
strûfheit, Rauhheit.
strûf-werk, in der Weberei dem slichten entgegengesetzt.
strûk, m. Staude, Busch; abgebrochener Zweig; coll. Gesträuch, Gebüsch; Strauchwerk.
strûk-dêf, -han, -hôn, -rover, Strauchdieb, Buschklepper.
strukelen, sw. v. straucheln.
strulle, f. Wasserröhre, durch die das Wasser mit Geräusch sprudelt.
strulle-becken, -tubbeken, Nachtgeschirr.
strullen, mingere.
strump, 1. Stumpf, Stummel, verstümmeltes Glied; it geit em to strumpe, es geht ihm unglücklich, schlägt übel aus. 2. Halbhose, Hosenstrumpf (gestutzte Hose), Strumpf, Beinling; Armstrumpf, unter weitem Aermel getragen. 3. eine Art Brod.
strumpen, strumpelen, sw. v. straucheln, anstossen.
strunk, m. der Stengel eines grösseren Krautes; bildl.: der Strumpf ohne vôtlink. Dem. strunkelken.
strunkelen, sw. v. straucheln.
strunt, m. Kot, Dreck, merda.
struppe? = strump, Stumpf, Stummel.
strûs, m. der Vogel Strauss.
struse, f. breites, flaches Flussschiff (Weichsel, Düna).
strus-iseren, Werkzeug der Wandscherer.
strûs-vedere, f. Straussenfeder.
strutte, die edleren Eingeweide der Tiere (Herz, Lunge, Leber).
struve, eine Art dünnen, krausen Backwerkes: (Zucker)straube.
struven, sw. v. refl. sich strûf machen, widerstreben, sich sträuben, wehren.
stubbe, sw. m. Baumstumpf.
stubbe, n. Staub.
stubben, sw. v. stäuben, den Staub wegschaffen.
stucke, n. Stück, Teil eines Ganzen; im Zählen ein Individuum; Ackerstück, Geldstück, Gewichtstück, Geschütz, Fass (Wein); e. zusammenhängendes Gewebe, v. Leinen, Tuch etc., zuw. v. bestimmter Grösse; gulden, sulvern s., gold-, silberdurchwebtes Zeug; das Bahrtuch; Einzelbestimmung, Artikel; Schelmstreich; überh. Sache, Ding, Umstand, Einzelheit. Dem. stuckeken, stuckelîn.
stuckelingen, in Stücken, minutatim.
stucken, sw. v. 1. aus Stücken zusammensetzen. 2. in Stücke teilen, zerschneiden.
stucke-werk, Stückwerk (s. arbeiden, Ggs. dachwerk); wahrsch. auch einzelne Ellen Tuch, welche die Schneider u. Privatleute dem Tuchscherer zum Scheren bringen.
stude, n. Staudicht, Gesträuch, Gebüsch; stude unde busk, abgeholzter u. dann wild aufgeschossener Wald.
studium, n. Universität; häufig dat mêne (allgemeine) st.
stûf, stumpf, d. h. ohne Spitze.
stûf-mule, Butzkopf, e. Walfischart.
stûf-slach, s. stuveslach.
stûf-stert, stumpfschwänzig.
stûfte, s. stuvete.
stu(ge)-horn u. stu(ge)-, stuger-kop, Schröpfkopf.
stugen, sw. v. schröpfen, zur Ader lassen.
stuger, Aderlasser, Bader.
stuginge, Schröpfung, Aderlass.
stu-isern = stuge-isern, Schröpfkopfschnepper, Lasseisen.
stuke, Stauche, weiter, herabhängender, offener Ermel an Frauengewändern, der den engen umgab; auch Kopfbinde oder Schleier, velum, vitta. gestuket rok, vestis duplices manicas habens.
stuke, f. 1. Baumstumpf. 2. kleiner Haufe, vom Flachse, sabucia; bes. vom Torfe (6 Stücke).
stukel-bant, (silbernes) Haarband der Frauen, womit das Haar oder die Haube, das Kopftuch (stuke) festgebunden wird.
stuker, der den Torf in stuken setzt.
stûk-vetter, der stuke (d. h.?) aufladet.
stulpe, f. Stülpe, Hülle; bes. Topfdeckel.
stulpen, sw. v. 1. up, e. stulpe über etwas legen; under, verbergen unter einer solchen. 2. umstürzen, umkehren.
stulper, Stülper, Deckel (auf einen Topf).
stulten, stolten, sw. v. dick, fest werden, aufhören zu fliessen, gerinnen.
stum, stumm; stumme sunde, Sodomiterei.
stumelen, sw. v. verstümmeln.
stumen, sw. v. wüten, stumich, wütig.
stump, m. Baumstumpf.
stump, stumpf, d. h. ohne Schärfe oder Spitze; bildl.: geistig stumpf, dumm, unerfahren.
stumpel, m. Stumpf, Stummel, Überbleibsel.