Zweite Abtheilung. Mercantilische und statistische Notizen.
Reading edition
Handel mit Mexico.
Bordeaux, Havre, Hamburg und Bremen.
Bordeaux hat durch seine geregelte Packetfahrt einen Umfang in dem Handel mit Mexico erlangt, den es ohne dieselbe wohl mit Havre hätte theilen müssen. Die französische General-Post-Direction hat nämlich mit einer Gesellschaft von Schiffs-Rhedern in Bordeaux eine Uebereinkunft getroffen, nach welcher diese, gegen eine Vergütung von 10000 Francs für die Hin- und Herreise, jeden ersten des Monats ein Schiff mit der Correspondez nach und von Mexico abzufertigen und dabei den einen Monat die Briefe nach der Insel Martinique, den andern nach Haity (St. Domingo) mitzunehmen verpflichtet sind.
Diese regelmäßige monatliche Abfahrt von Packetbooten, welche zugleich Kauffahrteischiffe sind, giebt Bordeaux’s Verkehr mit Mexico eine Zuverlässigkeit, welche man anderwärts nicht findet, obgleich Havre in seinen Bemühungen, Theil an dem mexicanischen Handel zu nehmen, nicht ganz zurückbleibt. — Frankreich und die Schweiz senden daher ihre für Mexico bestimmten Fabrikate vorzugsweise über Bordeaux, und selbst die preußischen Seidenfabriken am Rhein thun, bei dem jetzt freigegebenen Transit durch Frankreich, häufig ein Gleiches. Bordeaux hat überdies einen, diesem Hafen bekanntlich eigenthümlich angehörigen, nicht unbedeutenden, und sich stets mehrenden Handel in Wein mit den mexicanischen Häfen, und ist zugleich der Hauptmarkt für die wichtigste Waaren-Retour, welche Mexico zu machen hat, nämlich für Cochenille. Hiervon empfängt Bordeaux jährlich den Werth von circa 3 bis 4 Millionen Francs aus dem Hafen von Vera-Cruz, und findet seinen Hauptabsatz dafür theils nach St. Petersburg, theils nach der Levante.
Seit Spanien seine Colonieen und mithin Cadix sein Monopol des Cochenille-Handels verloren hat, theilen sich hauptsächlich Bordeaux und London in diesen wichtigen Geschäftszweig. — Bordeaux aber, wo bei der mexicanischen Revolution sich viele Spanier und mehrere reiche Mexicaner angesiedelt haben, scheint die, früher in Cadix geheimnißvoll betriebene, Umarbeitung der Cochenille besser zu verstehen, als London und dadurch wo nicht größere, doch jedenfalls gleich große Geschäfte darin zu machen. Auch hierbei zieht Bordeaux Vortheil von seiner Packetfahrt mit Vera-Cruz, indem durch diese regelmäßige Sendungen von Cochenille und andern Waaren gemacht werden können, während den englischen Packeten nicht erlaubt ist, etwas anderes als Comptanten an Bord zu nehmen, und man daher häufig genöthigt ist, aus Mangel an directer Schiffsgelegenheit, Cochenille und sonstige nach England bestimmte Waaren über New-York, oder andere Häfen von Nordamerika zu versenden.
Xalapa und Sasseparila hat Bordeaux gleichfalls viel aus Mexico bezogen, besonders in der letzten Zeit, wo diese Artikel in Folge der Cholera so sehr gestiegen sind. Vanille bildet auch noch einen nicht unbedeutenden Einfuhr-Artikel, er ist jedoch, des leichten Verderbens wegen, ein sehr mißlicher und giebt nur periodisch einen, dann aber freilich oft sehr großen, Gewinn.
Baarsendungen, sowohl in Piastern als auch insbesondere in Doublonen, rendiren in Bordeaux deshalb besser als irgendwo, weil sie, des benachbarten Spaniens wegen, in ihrem gemünzten Zustande Cours haben und deshalb oft sehr hoch stehen, während sie anderwärts, in der Regel, erst umgeschmolzen werden müssen und mithin nur ihren Metallwerth aufbringen.
Unter Frankreichs verschiedenen Ausfuhr-Artikeln (unter welchen Seiden-Waaren natürlich obenan stehen) verdient Papier noch einer besondern Erwähnung. Die unfern Bordeaux gelegenen Papiermühlen lieferten Ende 1831 das 500 Bogen starke Ries des sogenannten Florete, als der geeignetesten Sorte, zu 6 Fr. 15 Cent., und mithin weit wohlfeiler, als es nach allen gemachten Versuchen Deutschland herzustellen möglich ist. In Genua, wo die für Mexico passendste Qualität verfertigt wird, steht der Preis noch niedriger. Es ist zu beklagen, daß Deutschland dergestalt bei einem Geschäftszweige nicht concurriren kann, welcher eine so große Rolle im Handel nach Mexico spielt. Es werden daselbst jährlich nicht weniger als 500,000 Ries Papier eingeführt, oft mehr, und es wird außerdem noch Papier im Lande selbst fabricirt. Der Verbrauch dieses Artikels ist in Mexico deshalb so groß, weil alle Einwohner (selbst die Damen nicht ausgenommen) Papier-Cigarren rauchen, was natürlich einen täglichen Consum von Millionen solcher Cigarren zur Folge hat.
Der Versuch, in Bordeaux eine Niederlage von deutschen Leinen für die Assortirung der Ladungen nach Mexico und Südamerika zu bilden, schlug fehl und mußte fehlschlagen, weil Deutschlands directer Ausfuhr-Handel nach jenen Landen zu lebhaft und bedeutend ist, um einer Vermittlung dabei zu bedürfen; er übersteigt im Werthe den der französischen Häfen und die Ausfuhr von Hamburg und Brennen nach Mexico allein, beträgt, in Leinen und andern Gegenständen deutscher Industrie, wohl an acht Millionen Mark Banco im Jahr! Rechnet man hinzu, was an deutschen Waaren über Nordamerika, England, ja sogar über Chili und Peru nach Mexico geht, so leidet es keinen Zweifel, daß das Minimum des jährlichen Consums in der Republik Mexico, an deutschen Waaren aller Art, auf zehn Millionen Mark Banco (5 Mill. preußischer Thaler) veranschlagt werden kann, und wobei die unter dem Namen von Platilles reales bekannten schlesischen Leinen mit 120 bis 140,000 Stück figuriren.
Nächst dem Leinen sind die Seiden-Waaren aus den Rhein-Provinzen der wichtigste deutsche Artikel in dem mexicanischen Markt; auch spielt das böhmische Glas bei der Ausfuhr von Hamburg nach Vera-Cruz eine große Rolle. — In den letzten beiden Jahren sind allein von Hamburg jährlich 20 bis 22 Schiffe, mit Manufactur-Waaren beladen, direct nach Vera-Cruz und Tampico abgefertigt worden, und zwar alles deutsche, nämlich Hamburger, Bremer, preußische und Altonaer, welche letztere allerdings unter dänischer Flagge fahren, aber darum nicht minder deutsch sind; denn wenn auch Altona unter dänischer Oberherrschaft steht, so liegt es doch in Holstein und Hamburg so nahe, daß die beiden Häfen gleichsam nur ein und denselben bilden; die Altonaer Börse wird aber wirklich an jener von Hamburg abgehalten.
Ausfuhr von Mexico.
Staat von Oaxaca.
Cochenille (Grana).
Obwohl Cochenille (span. Grana) jetzt auch in Honduras und Guatimala in guter Qualität erzeugt und nach Europa ausgeführt wird, so kann man doch noch immer Mexico als die Hauptquelle für diesen wichtigen Farbestoff betrachten. In Mexico selbst aber wird Cochenille ausschließlich in dem Staate von Oaxaca gezogen, und wird daselbst auch nie aufhören gezogen zu werden, wie dieses bei sehr niedrigen Preisen in Honduras und Guatimala wohl der Fall seyn könnte, wo die Zucht derselben bloß speculative Unternehmung von Pflanzern ist, während sich in Oaxaca die indianische Bevölkerung ihren Unterhalt dadurch verschafft und, bei wenig Auslagen und noch wenigeren Bedürfnissen, den Erlös des Products, gleichsam als den Jahres-Verdienst betrachtet, wovon sie leben muß. Die Cochenille-Zucht ist nämlich der Art, daß sie ganze Familien Indianer, jung und alt, auf eine, ihren beschränkten Geistes- und Körperfähigkeiten sehr zusagende, Weise beschäftigt, weshalb sie denn auch, so lange der Artikel nur noch zu irgend einem Preise Käufer findet, gewiß zu keiner andern Arbeit übergehen werden. Die Pflanzer, welche die Cochenille im Tagelohn bearbeiten lassen, und deren es in Oaxaca auch giebt, behaupten, bei Preisen unter 9½ und 10 Realen pr. ℔ nicht bestehen zu können. Die Zucht der Cochenille, bis sie als Handelsartikel in den Markt kommt, erfordert ungefähr ein ganzes Jahr Zeit.
Das junge Insect wird auf den Pflanzungen in den Gebirgen geboren, da die Temperatur und der frühe Regen im Thale der Brut nicht günstig sind. Erst im Juli wird es von den Gebirgen gebracht, und in den Thal-Pflanzungen auf den Naupal (Cactus) gesetzt, und sowohl gegen Regen als gegen Sonnenhitze durch Mattendächer geschützt, welche nur eine kurze Zeit am Morgen gelüftet werden. Auf diese Weise wird das Insect gehegt, bis es im Monat October und November gebiert, wo alsdann dieser Saame, wie man das junge Insect nennt, über die ganze Pflanzung verbreitet wird.
Das Product der ersten Aussaat schlägt man auf das Fünffache, das der zweiten, von der Jahrszeit mehr begünstigten, auf das Zehn- bis Eilffache an, dergestalt, daß eine funfzigfache Vermehrung des Insects in den beiden Jahres-Abtheilungen angenommen werden kann, wenn nicht Unglücksfälle, z. B. plötzlich eintretender Frost oder Wegschwemmnng durch allzu heftige Regengüsse, was allerdings manchmal geschieht, eine Aenderung darin hervorbringen.
Das Insect wirft lebendige Jungen; manche bis zu 200 an der Zahl! wovon jedoch viele verloren gehen. Nach der zweiten Aussaat, wo das Wetter beständiger und zuverlässiger geworden ist, werden die Pflanzen nur mit Busch und Laubwerk bedeckt, obgleich sie dadurch der Beschädigung durch Regen mehr ausgesetzt sind; eine Mattenbedeckung für die ganze Pflanzung würde aber zu theuer kommen, und eine Auslage von $ 3 für jedes Pfund Saamen erfordern.
Das Insect der zweiten Aussaat läßt man nicht zum Gebären kommen; man sammelt es schon im Januar und Februar und tödtet es entweder in kochendem Wasser oder, nach einer jetzt öfter angewandten, bessern Methode, in heißen Oefen, wobei dem Thiere seine Farbe besser erhalten wird. Wenn die “Grana” alsdann ganz getrocknet ist, wird sie gesiebt und von allen fremdartigen Theilen gereinigt, und in dem Zustande zum Verkauf ausgeboten, wie wir sie auf den europäischen Märkten sehen. Die schwarze Cochenille, oder Zaccatilla, ist die Mutter-Grana, nachdem sie geboren hat und eines natürlichen Todes gestorben ist. Die beste Zeit für den Einkauf in Oaxaca sind die Monate November und December. — Die silbergraue Cochenille ist das Thier, wenn es vor dem Gebären auf oben beschriebene Weise getödtet wird.
Die Qualität hängt viel von der Sorgfalt ab, womit man das Insect behandelt während es lebt, und von der Art und Weise des Tödtens; jedoch haben auch allerhand Verfälschungen, besonders früher als die Preise hoch standen, Statt gehabt, und man versucht sie auch jetzt noch, obgleich, des niedrigen Preises wegen, minder häufig. Die dermalen am meisten übliche Verfälschung besteht aus einer Nachahmung; — theils von dem Staub und Bruch, welcher aus der bessern Qualität ausgesiebt worden ist, theils von dem Bodensatz der schon gebrauchten Cochenille. Mit einiger Aufmerksamkeit sind aber beide Arten der Verfälschung leicht zu entdecken, — und noch leichter zwei geringere Gattungen — todte Cochenille (Grana muerta) und wilde Cochenille (Grana silvestre) genannt, — welche sich manchmal mit einschleichen; — erstere hat eine runde Gestalt und gleicht der nachgemachten, zeigt jedoch Streifen wie die ächte Cochenille; letztere ist derselben aber gar nicht ähnlich und hat durchaus keine gewisse und gleichmäßige Form. Wenn, wie manchmal geschieht, die Zaccatilla (die Mutter-Grana nach dem Gebären) gleichfalls durch heißes Wasser getödtet wird, so bekommt sie ein schlechteres Ansehen, nämlich röthlich-schwarz und fuchsig, und wird deshalb wohlfeiler verkauft; da diese Gattung aber eben so viel Farbestoff enthalten soll, wie die besser aussehende, so verdient sie die Aufmerksamkeit derer, welche für den, die Waare selbst verarbeitenden, Fabrikanten in Europa einkaufen, indem dieser alsdann dasselbe Quantum Farbe billiger erhält.
Granilla nennt man die ganz kleinen Insecten und den Bruch der bessern Cochenille; sie wird für den halben Preis und oft noch billiger verkauft, ist aber auch in Europa nicht beliebt.
Die ächte Zacatilla ist leichter als die silbergraue und nimmt bei gleichem Gewicht mehr Volumen ein, sie wird daher auch schon deshalb für den levantischen Markt, wo Cochenille nicht wie in Europa nach dem Gewichte, sondern nach dem Maaße verkauft wird, vorgezogen. Um auch die silbergraue möglichst leicht zu machen, wird sie vor dem Einpacken sehr gut getrocknet. Staub kann jedoch nicht vermieden werden; denn, wenn auch noch so rein gesiebt und noch so fest verpackt worden ist, erzeugt er sich dennoch auf der Reise, und zwar am meisten bei den feinsten Qualitäten, sowohl bei Zacatilla, wie bei der silbergrauen.
Die Verpackung geschieht zuerst in leinene Säcke, dann in Matten, und über diese wird ein Kalbfell festgenäht und geschnürt. Ein solches Colli nennt man Serron oder (spanisch) Sebernali, und es enthält in der Regel 8 Arroben oder 200 ℔ Cochenille. In Oaxaca wird die Cochenille nach dem Pfund verkauft, in dem Seehafen von Vera-Cruz aber, wo sich gleichfalls ein Markt für den Artikel gebildet hat, kauft und verkauft man sie nach Arroben von 25 ℔ und so wird sie auch ins Ausland facturirt. Vera-Cruz ist übrigens der für die Verschiffung dieses Productes nach Europa am zweckmäßigsten gelegene Hafen. In Tampico kommt es gar nicht vor und nach Acapulco an der Südsee verirren sich nur selten einige Serronen. Das größte Quantum Cochenille, was seit dem Jahre 1758, also seit mehr als 70 Jahren, ausgeführt worden ist, war 1,558,125 ℔, im Jahre 1774! Der Durchschnitt von 1770 bis 1780 kann zu 1,000,000 ℔ jährlich angenommen werden. Der Preis variirte aber in derselben Epoche sehr, und während derselbe im Jahre 1770 bei einer Ausfuhr von 1,000,000 ℔, auf 25 Rl. und im Jahr 1771 sogar auf 32 Rl. pr. ℔ gestiegen war, fiel er 1774 bei 1,500,000 ℔ Ausfuhr, auf 17 Rl., und in 1779, bei nur 800,000 ℔ Ausfuhr auf 15 Rl. pr. ℔. Die Ausfuhr nahm nunmehr bedeutend ab und fiel im Jahr 1793 bis auf 334,250 ℔. Der Durchschnittspreis jenes Jahres war dennoch nur 13½ Realen, und als das Jahr darauf die Ausfuhr wieder auf 655,550 ℔ stieg, sank der Preis auf 10½ Rl. pr. ℔. Auf dieser niedern Stufe sollte aber damals der Artikel nicht lange bleiben, und schon in 1800 stand er wieder auf 19 Rl., in 1803 auf 21 Rl. und in 1809 sogar auf 33 Rl.! Der Preis hielt sich bis zur mexicanischen Revolution (1820/21) ungefähr auf jener Höhe, mit der alleinigen Ausnahme des Jahrs 1813, wo seltsam genug die Ausfuhr nur 178,875 ℔ betrug (der geringsten seit 1758) und der Preis auf 15 Rl. sank; das darauf folgende Jahr war er wieder 25 Rl.
Das seltsamste bei dieser Preis-Fluctuation ist, daß sie während einer Zeit Statt fand, wo die Spanier das Monopol dieses Handels hatten, und diesen, in Europa damals den edlen Metallen an Stabilität fast gleich geachteten, Artikel in Cadiz, dem Stapelplatze desselben, immer auf einer bedeutenden Höhe zu erhalten wußten.
Seit der Befreiung des mexicanischen Verkehrs mit Europa war der Gang des Handels mit Cochenille der folgende:
Ausfuhr aus dem Staat von Oaxaca fast ausschließlich nach Vera-Cruz Durchschnitts- preis pr. ℔ in Oaxaca Werth
Pfund Seronen Reales Pesos
in 1823 408,150 oder 2041 16½ 841,809. 3
„ 1824 377,412 „ 1887 16¾ 790,207.—
„ 1825 394,037 „ 1970 19.— 935,839.—
„ 1826 357,612 „ 1788 18.— 804,628.—
„ 1827 610,187 „ 3051 18.— 1,395,470.—
„ 1828 398,187 „ 1991 14. 6 741,714.—
„ 1829 498,862 „ 2494 13.— 810,651.—
„ 1830 400,438 „ 2002 12. 6 625,683.—
„ 1831 350,000 „ 1750 11.— 481,250.—
„ 1832 635,075 „ 3175 9. 6 754,151.—
Da nun der Werth der Waare durch Einkaufs-Provision, Ausgangszoll aus dem Staat von Oaxaca und Fracht nach Vera-Cruz, so wie ferner durch Provision und Spesen in dem Hafen bis am Bord, an 2¼ à 2½ Rl. pr. ℔ gesteigert wird, so kann der Durchschnittswert der Ausfuhr der Cochenille nach Europa, für diese 10 Jahre nach der Eröffnung des mexicanischen Handels, auf circa $ 1,000,000 im Jahr angenommen werden, das Quantum aber zu 443,000 ℔.
Der jährliche Durchschnitt von 1760 à 69 war 870,000 ℔
„ 1770 à 79 „ 1,000,000 „
„ 1780 à 89 „ 680,000 „
„ 1790 à 99 „ 468,000 „
„ 1800 à 9 „ 360,000 „
„ 1810 à 19 „ 342,000 „
„ 1821 à 32 „ 443,000 „
Die Production dieses interessanten Artikels hat also durch die Revolution nicht nur nicht ab-, sondern im Vergleich mit den vorangegangenen zwei Jahrzehnten zugenommen.
Cochenille.
Quantität der Exportation aus dem Staat Oaxaca, Durchschnittspreise pr. Jahr und Total-Werth von 1758 bis 1830.
(Aus der Exposicion des Gouvernements des Staats von Oaxaca von 1831.)
Jahr Pfunde Seronen Preis Rl. Total-Werth $
1758 675,562 3378 16. 6 1,393,346. 5
1759 686,812 3434 16. 6 1,416,549. 6
1760 1,067,625 5338 16.— 2,135,250.—
1761 788,625 3943 15.— 1,478,671. 7
1762 832,500 4162 14. 9 1,534,921. 7
1763 599,625 2998 15. 6 1,161,848. 3
1764 898,875 4494 19. 6 2,191,007. 6
1765 1,082,250 5411 18. 6 2,502,703. 1
1766 932,625 4663 19. 6 2,273,273. 3
1767 849,375 4247 19. 6 2,070,351. 4
1768 621,000 3105 22. 6 1,746,562. 4
1769 1,024,312 5122 24. 6 3,136,957.—
1770 1,043,437 5217 25.— 3,260,742. 2
1771 1,050,187 5251 32.— 4,200,748.—
1772 839,678 4198 30.— 3,148,790. 5
1773 782,438 3912 25. 6 2,494,020.—
1774 1,558,125 7791 17. 6 3,408,398. 2
1775 837,000 4185 16.— 1,674,000.—
1776 808,550 4043 17.— 1,718,168. 6
1777 1,244,812 6224 15.— 2,334,023. 4
1778 1,057,800 5289 16.— 2,115,600.—
1779 842,625 4213 15.— 1,579,921. 7
1780 1,385,437 6927 17.— 2,944,054. 6
1781 464,625 2323 17.— 987,328. 1
1782 1,035,675 5178 17.— 2,200,809. 3
1783 990,000 4950 18.— 2,247,750.—
1784 535,900 2679 16.— 1,071,800.—
1785 537,750 2689 17.— 1,142,718. 6
1786 610,875 3054 16. 6 1,259,929. 6
1787 451,125 2256 16.— 902,250.—
1788 317,662 1588 16.— 635,324.—
1789 478,125 2391 15. 6 926,367. 2
1790 471,150 2356 16.— 942,300.—
1791 538,650 2693 16. 6 1,109,715. 5
1792 433,125 2166 15.— 812,109. 3
1793 334,250 1671 13. 6 564,046. 7
1794 655,550 3278 10. 6 860,409. 3
1795 584,125 2921 12.— 876,187. 4
1796 207,450 1037 17. 6 453,796. 7
1797 493,425 2467 15. 6 956,010. 7
1798 512,325 2562 18.— 1,152,731. 2
1799 452,675 2263 19. 6 1,103,395. 3
1800 374,400 1872 19.— 889,200.—
1801 406,012 2030 18.— 913,528. 1
1802 433,550 2168 19.— 1,029,681. 2
1803 559,350 2797 21.— 1,468,293. 6
1804 346,500 1732 28. 6 1,234,406. 2
1805 191,250 956 23.— 549,843. 6
1806 251,550 1258 27.— 848,981. 2
1807 341,550 1708 29.— 1,238,118. 6
1808 358,200 1791 29.— 1,298,488. 6
1809 343,350 1717 33.— 1,416,318. 6
1810 545,727 2729 29.— 1,978,262. 2
1811 478,912 2395 28. 6 1,706,125. 6
1812 199,800 999 20.— 499,500.—
1813 178,875 894 15.— 335,390. 5
1814 327,937 1640 25.— 1,024,804. 6
1815 283,275 1416 24.— 849,825.—
1816 352,687 1763 32.— 1,410,748.—
1817 315,000 1575 29.— 1,141,875.—
1818 250,412 1252 28. 6 892,092. 6
1819 493,200 2466 27. 6 1,695,375. 5
1820 — — — —
1821 311,787 1559 23.— 896,387. 5
1822 433,063 2165 18. 6 1,001,457.—
1823 408,150 2041 16. 6 841,809. 3
1824 377,412 1887 16. 9 790,207. 3
1825 394,037 1970 19.— 935,837. 7
1826 357,612 1788 18.— 804,628. 1
1827 610,187 3051 18.— 1,395,420. 6
1828 398,187 1991 14. 6 721,714. 7
1829 498,862 2494 13.— 810,651. 4
1830 400,438 2002 12. 6 625,683. 5
1831 350,000 1750 11.— 481,250.—
1832 635,075 3175 9. 6 754,151. 4
Ao. 1820 fehlt aus Mangel an Daten.
Calculation des in Bordeaux einstehenden Werths der Cochenille, wenn in Oaxaca zu 10 Rl. pr. ℔ eingekauft.
10 Seronen zu 8 Arroben oder 200 ℔ netto jede, sind 2000 ℔ à 10 Rl. $ 2500.—
Ausfuhrzoll aus dem Staat von Oaxaca à $ 3. „ 300.—
Einschreibe-Gebühren „ 10. 6
Wägen und reinigen à 6 Rl. „ 7. 4
Packen in Säcke und Häute à $ 4 „ 40.—
Courtage und Lagermiethe 1 pCt „ 25.—
Einkaufs-Provision 5 pCt. „ 125.—
$ 3008.—
Fracht von Oaxaca nach Vera-Cruz à $ 15 pr. Carga (2 Seronen) „ 75.—
Verschiffungs-Kosten in Vera-Cruz à 12 Rl „ 15.—
Provision im Hafen 2½ pCt. auf $ 3200 „ 80.—
$ 3178.—
Diese $ 3178 — 60 Tage Sicht auf Frankreich gezogen zu 5 Fr. macht Fr. 15891.25
Fracht von Vera-Cruz nach Bordeaux zu $ 6 mit 10 pCt. pr. Serone „ 330.—
Assecuranz auf 17000 Fr. zu 2 pCt „ 340.—
Kosten im Hafen von Bordeaux „ 90.—
Fr. 16651.25
2000 ℔ netto in Oaxaca ergeben 1800 ½ Kilogr. in Bordeaux; diese dividirt in Fr. 16651.25 — macht 9 Fr. 25 Cent. pr. ½ Kilogr.
Ausfuhr von Mexico im Allgemeinen und Taback und Kaffee insbesondere.
Das Haupt-Tauschmittel Mexico’s in seinem Verkehr mit Europa, Nord- und Süd-Amerika ist Silber und etwas Gold. — Man kann die jährliche Ausfuhr von beiden edlen Metallen aus allen Häfen der Republik in gemünztem und ungemünztem Zustande zu circa fünfzehn Mill. Dollars annehmen. — Die Ausfuhr in ungemünztem Zustande, d. h. in Barren (wenn erlaubt, was nicht immer der Fall) ist vortheilhafter als in gemünztem, ungeachtet die Ausgangs-Rechte aus Barren 7 pCt. sind, während gemünztes Silber nur 3½ pCt. und gemünztes Gold nur 2 pCt. zahlt.
Die nächstwichtige Ausfuhr von Mexico ist sodann Cochenille, deren Werth, wie die vorangehende Uebersicht ausweis’t, auf Eine Million Dollars im Jahr veranschlagt werden darf.
Die sonstige Waaren-Ausfuhr ist, besonders an der Ostküste, bis jetzt noch sehr geringe. Von den Häfen an der Westküste wird nicht unbedeutend Zucker nach Chili ausgeführt, und Californien liefert ein beträchtliches Quantum von gesalzenen Ochsenhäuten und schönes Pelzwerk, wie Bären-, See-Otter- und andere Felle, aber die Häfen an der Ostküste haben bis jetzt, Cochenille ausgenommen, keine andere Waaren-Ausfuhr als etwas Xalapa, Sassaparilla, Vanille und Tabasco-Pfeffer, deren Gesammt-Werth einige hundert tausend Dollars im Jahr wohl nicht übersteigen dürfte. Dennoch theile ich die Ansicht nicht, daß Mexico zur Ausfuhr tropischer Erzeugnisse (Colonial-Producte) sich deshalb nicht eigne, weil z. B. die Weg-Verbindungs-Mittel im Lande zu schwierig und der Transport nach der Küste mithin zu theuer wäre, sondern bin der Meinung, daß dies nur auf einige, von den Häfen sehr entlegene Theile der Republik anwendbar sei, und daß die nach dem Meere hin gelegenen Staaten, insbesondere jener von Vera-Cruz, bei zunehmender Bevölkerung und dadurch vermehrten Anbau des so überaus fruchtbaren Bodens, dereinst eine große Rolle in der Ausfuhr von Colonial-Waaren spielen werden; namentlich in Taback und Kaffee.
Taback, welcher hauptsächlich in der Gegend von Orizaba und Cordova gezogen wird, war bisher ein Monopol der Regierung, welche den ausschließlichen Aufkauf und Debit des Artikels in der ganzen Republik an eine Actien-Gesellschaft verpachtete und bedeutende Revenüen davon zog, die freie Entwickelung der Cultur dieser Pflanze aber auch, wie natürlich, dadurch hemmte. Die Gesellschaft lös’t sich aber nun auf und der Anbau des Tabacks soll freigegeben werden. — Geschieht dies, so wird eine bedeutende Concurrenz eintreten und der Preis des Artikels wird hinlänglich fallen, um eine Nutzen gebende Ausfuhr möglich zu machen. Die Qualität dieses Blätter-Tabacks ist mitunter sehr schön und dem besten Havanna völlig gleichkommend. Die Fracht von Orizaba nach dem Hafen von Vera-Cruz ist nur ein Dollar pr. Centner, und Ausgangs-Zoll haftet auf keinem der Ackerbau-Producte des Staats.
Kaffee wächst meistens in der Nähe von Cordova; die Qualität ist gut; die Bohne ist klein, grünlich von Farbe und rein von Geschmack; — auch die kleine runde Mocca-Bohne hat man hierher verpflanzt, doch kommt davon wenig an den Markt. — Obwohl nun an Kaffee nicht mehr producirt als im Lande consumirt wird, so sind doch von Zeit zu Zeit kleine Partheien davon von Vera-Cruz ausgeführt worden, meistens nach New-York, wo man die Qualität liebt. Der Preis war im Jahr 1832 10 à 11 $ der Centner ab Vera-Cruz, wobei der Pflanzer, wenn er eine ergiebige Plantage im Gange hat, wie die nachstehende Aufstellung zeigt, sehr schön verdient.
Ich verdanke diese Berechnung einem unserer Landsleute, der vor 6 Jahren zwischen Jalapa und Cordova, mit anfänglich sehr beschränkten Mitteln eine Kaffee-und Zucker-Plantage angelegt hat, und sich jetzt außerordentlich gut dabei steht. — An der Richtigkeit der Preise und Werth-Angaben dieser Calculation dürfte also wohl nicht zu zweifeln seyn.
Berechnung des einstehenden Preises von Kaffee bei freier Arbeit.
Ausgesuchtes Land für 100,000 Kaffee-Bäume, 500 Tareas à 900 Varas jede, würde ungefähr kosten $ 1000.—

Kosten der Bearbeitung:
500 Tareas Unterholz zu fällen à 3 Rl. $ 187.4
„ „ Hochwald „ à 1 $ „ 500.–
„ „ aufzuräumen „ à 6 Rl. „ 375.–
„ 1062. 4
Das erste Jahr braucht dieses Land sechs Reinigungen, jede Tarea à 3 Rl. sind
500 Tareas à 18 Rl. $ 1125
Pflanzen und nachpflanzen „ 100
Aufseher à 4 Rl. pr. Tag „ 200
Mais-Saamen „ 50
Im ersten Jahr wird producirt $ 1475
als Mittelschlag, 300 Cargas Mais à $3 $ 900
Ab Erndte, Einbringen etc. „ 150
„ 750
„ 725.—
Im zweiten Jahr sind abermals sechs Reinigungen erforderlich, wie oben $ 1125
Pflanzen und nachpflanzen „ 100
Aufseher à 4 Rl. täglich „ 200
Frijolen-Saamen „ 50
Producirt dieses Jahr: 125 Cargas $ 1475
Frijolen à 8 $ $ 1000
Ab Erndte, Einbringen etc. „ 150
„ 850
„ 625.—
Das dritte Jahr hat dieselben Ausgaben und Einnahmen wie das zweite, also Ueberschuß der Kosten „ 625.—
Das vierte Jahr producirt nun schon Kaffee und zwar wenigstens 100,000 ℔, und erfordert folgende Ausgaben:
Fürs Abpflücken 2 Rl. pr. Arroba (25 ℔)
„ Reinigen 1 „ „
„ Umwenden 1 „ „
4 Rl. pr. Arroba sind für 1000 Ctr. „ 2000.—
Die sechs Reinigungen bleiben dieselben wie in den frühern Jahren „ 1125.—
Aufseher à 4 Rl. pr. Tag „ 200.—
Eine Kaffee-Reinigungs-Maschine wird nun nothwendig und kostet, von Nordamerika bezogen „ 400.—
Total $ 7762. 4
Hierfür besitzt nun der Pflanzer im vierten Jahr 100,000 ℔ Kaffee, und will er mit diesen seine Anlage ganz frei machen, so muß er dafür in Vera-Cruz, bis wohin ihn der Ctr. 1 $ Fracht und 1 $ Emballage und sonstige Spesen kostet, — 10 $ pr. Ctr. erhalten.
Das fünfte Jahr producirt ihm aber seine Plantage wenigstens das Doppelte, sage 2000 Ctr. Kaffee.
Diese kosten ihn fürs Einsammeln u. s. w. nach obigem Ansatz von 4 Rl. pr. Arroba $ 4000.—
Die mehrerwähnten jährlichen Reinigungen „ 1125.—
Fracht, Emballage und Spesen bis Vera-Cruz wie oben, à $ 2 pr. Ctr. für 200 Ctr. „ 4000.—
$ 9125.—
macht den Ctr. 4½ $ ab Vera-Cruz!
Die darauf folgenden Jahre versprechen alsdann noch vortheilhafter zu werden. — Die Kosten sind hier aufs höchste und die Production aufs niedrigste veranschlagt!