Vorwort.
Reading edition
Es war zwar anfänglich meine Absicht nicht, etwas über eine Reise drucken zu lassen, deren Erfolg den Erwartungen, die ich davon hegte als ich sie unternahm, so wenig entsprochen hat; ich ward aber von so vielen Seiten dazu aufgefordert, daß ich mich am Ende doch entschlossen habe, aus den Briefen, die ich während der Reise an meine Familie und Freunde geschrieben, ein Bild von dem Treiben und Seyn in dem so viel besprochenen heutigen Mexico, während einer ereignißvollen Periode, zu entwerfen, und es nun wage, dieses Bild, nebst einigen wenigen Worten über Hayti und Nordamerika, dem Publicum vorzulegen.
Wenn ich mich damit meinen zahlreichen entfernteren Freunden, mit denen ich nicht in ununterbrochenem Briefwechsel stehe, und die mithin in den letzten Jahren weniger von mir erfahren haben, auf eine freundliche Weise ins Gedächtniß zurückrufe und ihnen eine angenehme Stunde mache, so wird mir ein schöner Lohn für die geringe Arbeit zu Theil.
So oft und viel auch schon über das jetzige Mexico und die Reisen dahin und zurück im Einzelnen geschrieben worden seyn mag, so ist doch, so viel ich weiß, noch nirgends in Deutschland etwas Zusammenhängendes darüber bekannt gemacht worden.
Dies geschieht nun hier im ersten Abschnitt, und wenn auch darin, der Sache nach, für Manchen nichts neues zum Vorschein kommt, so mag es doch in der Art der Darstellung hier und da der Fall seyn, denn jeder hat bekanntlich seine eigenthümliche Auffassung von den Dingen, die er sieht, und giebt sie auf seine Art und Weise wieder. Die Darstellung meiner Ansichten soll übrigens auf kein anderes Verdienst Anspruch machen, als darauf, daß sie hier grade so wieder gegeben sind, wie sie der Eindruck an Ort und Stelle hervorgebracht hat.
Die in dem Anhange geschilderten neuesten Ereignisse in der Republik Mexico, sind mir aus amtlicher Quelle mitgetheilt worden, und liefern den erfreulichen Beweis, daß ich mich nicht irrte, als ich, in meinen Briefen von jenseits, dem Lande, aus der Staatsumwälzung von 1832 u. 33, große Vortheile und Fortschritte auf dem Wege der Civilisation prophezeite.
Der zweite Abschnitt enthält fragmentarische Notizen, sowohl mercantilische wie statistische und administrative, worunter manches noch nicht allgemein Bekannte gefunden werden dürfte.
Das Ganze aber möge dazu beitragen das Interesse der Leser an den vereinigten Staaten von Mexico zu erhöhen, und dadurch Deutschlands Verbindungen und Verkehr mit einem Lande mehr und mehr zu beleben und auszudehnen, dessen Wichtigkeit für ganz Europa eine jährlich wachsende ist, und noch auf lange Zeit seyn wird, weil Mexico unermeßliche Resourcen, vortreffliche Climate und Raum für das Zehnfache seiner jetzigen Bevölkerung besitzt.
Im Juni 1834.
C. C. Becher.