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Mexico in den ereignißvollen Jahren 1832 und 1833

Der mexicanische Tarif.

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Der Grundsatz nach welchem die Besteuerung der zur Einfuhr in Mexico erlaubten Waaren stattfindet, ist 40 pCt. vom dortigen Werth und es heißt deshalb auch in den Bestimmungen des Tarifs, daß alle darin nicht benannten Waaren im Hafen geschätzt und hierauf 40 pCt. erlegt werden sollen. Der Tarif ist indessen sehr ausführlich, und bezeichnet fast alle Einfuhr-Artikel bei Namen, mit genauer Bestimmung des darauf fallenden Zolls.

Hieraus entsteht nun eine große Ungleichheit in der Besteurung, viele Artikel bezahlen weit weniger als 40 pCt. von ihrem Werthe, andere bedeutend mehr.

Der Tarif ist für alle Theile der Republik derselbe, mit Ausnahme des Staates von Yucatan und der beiden Californien, welche der Eigenthümlichkeit ihrer Lage wegen nur ⅗ der eingehenden Rechte entrichten; wenn jedoch von da aus Waaren nach den andern Theilen der Republik versandt werden, so müssen die fehlenden ⅖ der vollen Rechte schon bei der Verschiffung im Hafen nachbezahlt werden.

Niederlagen für die Wiederausfuhr, oder Rückzölle bei derselben, gestattet das mexikanische Zollsystem keine. — Alle eingeführten Waaren müssen den vollen Zoll erlegen, und man bekommt davon bei der Wiederausfuhr nichts zurück. Die mexicanischen Häfen erhalten mithin auch keine andere Zufuhren, als die für den Consum des Landes berechneten.

Verboten für die Einfuhr sind:

Zucker, Kaffee, Chocolade (Cacao ist erlaubt), Reis, Getreide, Mehl (letzteres ist zur Einfuhr nach Yucatan erlaubt), geräuchertes und gesalzenes Fleisch, Salz, Taback und Cigarren; Brantewein der nicht ans Trauben gewonnen wird, mit Ausnahme von Genever, dessen Einfuhr erlaubt ist; verarbeitetes Wachs, Seife und Talg, Blei und Kupfer, Stiefel und Schuhe und Sattelwerk, so wie alles was aus Leder gearbeitet ist; — fertige Kleidungsstücke, Nähgarn unter No. 20, wollene Decken; ordinaires Tuch, gemeines Theegeschirr, Schnüre und Tressen u. dgl. m.

Diese Verbote rechtfertigt man dadurch, daß die enumerirten Artikel im Lande selbst erzeugt und angefertigt würden.

Frei von allen Abgaben bei der Einfuhr sind:

Gedruckte Bücher, geographische Charten, Maschinen und Instrumente für Künste und Wissenschaften, Ackerbau und Bergbau; gedruckte oder geschriebene Musik und Schieferschreibtafeln mit hölzernen Rahmen für Schulen, Quecksilber, Häuser von Holz, Schiffe und Fahrzeuge zur Nationalisirung und Verkauf, ausländische Pflanzen und deren Sämereien, ausländische Thiere und endlich englisches Wundpflaster.

Ausfuhr-Verbote enthält der mexicanische Tarif, mit Ausnahme des Samens oder der Brut der Cochenille, keine, denn das Verbot der Ausfuhr der edlen Metalle im ungemünzten Zustande, ist schwankend, und wird häufig suspendirt und aufgehoben. Alle Landesproducte gehen ganz frei aus und nur die edlen Metalle bezahlen an ausgehenden Rechten das Folgende:

Gold, in gemünztem oder verarbeitetem Zustande 2 pCt.

Silber, in demselben Zustande 3½ „

„ in ungemünztem Zustande, d.h. in Barren 7 „

Außerdem werden aber auch noch 2 pCt. Circulations-Rechte bei der Versendung von Comptanten aus dem Innern nach der Küste erhoben, dergestalt, daß der mexicanische Dollar oder Peso gar viele Abzüge erleidet ehe er in Europa zur Realisation kommt, nemlich:

1) 1 pCt. mehr oder weniger, Spesen der Conducta bis in den Hafen

2) 2 „ Circulations-Rechte

3) ¾ „ Provision und Spesen im Hafen

4) 3½ „ Ausgangs-Rechte

5) 1¼ „ Seefracht und Spesen bis in die Bank von England

6) 1⅜ „ Assecuranz und Stempel

7) ¾ „ Provision, Courtage und Spesen beim Verkauf

10⅝ pCt.

Der Brutto-Werth des Dollars in England ist beim Preis von 57 d. pr. Unze 49¼ à ⅜ d.

Hiervon ab 10⅝ pCt. Kosten 5¼ d.

Bringt die Parität des Wechsel-Courses mit der Baarsendung von Mexico auf London, auf 44– à ⅛ d.

und von Vera-Cruz, wo 1, 2, 3 der Spesen wegfallen, auf 45¾ à ⅞ d.

Berg-Bau und Silber-Gewinnung in Mexico.

Es ist notorisch, daß der Boden Mexico’s unerschöpfliche Massen der edlen Metalle, namentlich des Silbers, enthält. Minder bekannt dürfte seyn, daß eine große Verschiedenheit in dem Gehalt der Erze, welche man aus der Erde gräbt, obwaltet, und daß, während man z. B. in der Provinz Sonora Gruben hat, in welchen man fast gediegenes Silber findet, es in anderen Gegenden Bergwerke giebt, die zwar an Erzen sehr ergiebig sind, welche in Europa, wo man durch vollendete Schmelzproceduren auch den kleinsten Silber-Gehalt aus dem Erze zu ziehen versteht, für reich gelten würden, die aber in Mexico, der unvollkommenen Zugutemachungs-Anstalten wegen, völlig werthlos sind und mithin unbenutzt bleiben; denn wenn die im Erz enthaltene Mark Silber mehr zu extrahiren kostet, als sie in der Münze werth ist, so setzt man natürlich eine solche Operation auf die Dauer nicht fort, man vernachlässigt mithin alle Werke, deren Erze nicht genug reichhaltig sind, die kostspielige Extrahirung durch die Amalgamation mit Quecksilber zu ertragen, und selbst dann noch einen Ueberschuß zu liefern, wenn durch diese Procedur, wie stets der Fall, 40 bis 50 pCt. Silber verloren gegangen sind.

Bittere Erfahrungen sind in dieser und anderer Beziehung von den europäischen und nordamerikanischen Minen-Spekulanten gemacht worden, man hat theils die Verhältnisse des mexicanischen Bergbaues nicht gehörig erkannt, theils Mißgriffe in der Wahl der Bergwerke und ihrer Dirigenten gemacht, und ist in keinem einzigen Fall mit der nöthigen Oeconomie zu Werke gegangen. Ganz besonders aber hat man es darin versehen, daß man sich durch glänzende Namen, früher freilich ergiebiger, aber nun ins Stocken gerathener und zum Theil ersoffener Gruben, täuschen ließ, und enorme Summen Geldes für die Erlaubniß, sie zu bearbeiten, an die Eigner, welche sie bereits als verloren betrachteten, bezahlte, statt in andern Revieren jungfräuliche Gruben aufzusuchen, die man umsonst hätte haben können. Viele Unternehmungen sind daher auch nach vergeblich verausgabten Millionen gänzlich aufgegeben, andere von ihrem ursprünglich über die Maaßen ausgedehnten Umfange auf einen engen Kreis zurückgeführt worden.

Zu diesen letzteren gehört der uns am nächsten stehende Deutsch-Amerikanische Bergwerks-Verein,

welcher jetzt nur noch die Gruben im Mineral von Anganguco betreibt, und alle die kostspieligen, gemeinschaftlichen Unternehmungen mit Revilla — worauf Hunderttausende verwandt worden — als Verlust bringend, aufgegeben hat. Aber auch Anganguco würde, da die hauptsächlichsten Gruben, Purissima und Valenciana, nur arme Erze liefern, nicht fortgebaut werden können, wenn nicht, durch einen äußerst geschickten und wissenschaftlich gebildeten, deutschen Schmelzer, einen Herrn Franz Schmitz aus Stift Keppel bei Siegen, eine so vervollkommte Schmelzmethode auf den Werken des D. A. Bergwerks-Vereins zu Anganguco eingeführt worden wäre, daß jetzt aus diesen armen Erzen die Mark Silber zu 3¼ Pesos extrahirt wird, während sich früher die Kosten des Schmelzens auf 10 bis 12 Pesos pr. Mark, also auf mehr als den Werth des Silbers, beliefen, die Erze somit gar nicht benutzt werden konnten. Die Amalgamation kam aber durch den enormen Silber-Verlust von 60 pCt. (bei so armen Erzen) noch höher zu stehen.

Man kann also gewissermaßen dieser vervollkommten Schmelzmethode des besagten Herrn Schmitz die Rettung des Unternehmens zuschreiben, wenn, wie zu hoffen steht, diese durch die zweckmäßigen Einrichtungen des Herrn Bevollmächtigten Schleiden nunmehr überhaupt bewirkt ist. Ohne eine solche, verbesserte und verwohlfeilte Schmelzmethode, würde die große Erz-Ergiebigkeit der Grube Purissima dem Verein von keinem Werth seyn, und auch dieses letzte Werk desselben hätte aufgegeben werden müssen, während nunmehr Aussicht vorhanden ist, daß, bei der stattfindenden Vermehrung der Schmelz-Oefen nach der Schmitzschen Methode, ein hinlängliches Quantum von Silber mit Nutzen gewonnen werden wird, um dem Verein endlich eine nachhaltige Ausbeute zu verschaffen.

Die mehrerwähnte vortreffliche Schmelzmethode, welche Herr Schmitz im April-Heft 1832 im Registro Trimestre in Mexico bekannt gemacht und genau beschrieben hat, zog denn auch bereits die Aufmerksamkeit anderer Bergwerks-Besitzer in Mexico auf sich, und dürfte leicht eine bedeutende Revolution in der Silber-Production von Mexico zur Folge haben, indem eines Theils der große, Niemanden zu Gute kommende Silber-Verlust bei der Amalgamation dadurch vermindert und mithin für die Production im Allgemeinen gewonnen werden würde, und andern Theils die jetzt gänzlich werthlos erachteten und mithin, weder durch Amalgamation, noch auf dem Wege der Schmelzung benutzten Erze mit in die Silber-Production hinein gezogen und diese also sehr vermehrt werden könnte.

Ein vortheilhafteres, gewinngebenderes Unternehmen als ein Schmelz-Etablissement nach der Schmitz’schen Manier, in einem Mineral, wo viele arme Erze zu Tage gefördert werden, welche die Mexicaner nicht zu Gute zu machen verstehen, dürfte es denn auch nicht leicht geben, und es würde den unberechenbaren Vortheil über jede Bergwerks-Unternehmung haben, daß dabei von keiner Ungewißheit unter der Erde, von keinen illusorischen Hoffnungen, von keinem Glückauf! die Rede wäre. Ein solches Schmelz-Geschäft würde ein rein mercantilisches Unternehmen seyn; die Erze würden dabei nicht aus dem Schooß der Erde geholt, sondern erst wenn sie bereits über derselben liegen, gekauft, geschmolzen und mit dem darauf gemachten Gewinn in der Münze realisirt werden, und zwar, wo nicht wöchentlich, doch monatlich.

Angenommen, daß die Schmelz-Vorrichtung in einem der zahlreichen, mit Kohlen und Wasser hinreichend versehenen, Reviere angelegt würde, in welchen von den vielen eingebornen kleinern Bergleuten stets arme Erze, von 7 à 9 Unzen Silber in der Carga von 300 ℔, genug gewonnen werden, welche sie jetzt gerne zu 1 Peso die Carga verkaufen, so wäre folgendes die Berechnung:

Die Schmelz-Oefen und Vorrichtung für einen Betrieb von nur 150 Cargas die Woche veranschlagt, erfordert ein Capital von 10 à 12000 Pesos.

Ankauf von 150 Cargas Erze à $ 1, oder möglicherweise bei vermehrter Nachfrage 1¼ à 1½ $, sind pr. Woche à 1½ $ $ 225

Das Schmelzen, nach den vorliegenden Erfahrungen, 3¼ $ pr. Carga „ 487½

$ 712½

Jene 150 Cargas Erze liefern 150 Mark Silber, à 8¼ $, als Preis in der Münze „ 1237½

wöchentlicher Ueberschuß $ 525

monatlich zu realisiren mit $ 2100, oder jährlich mit $ 25,200.

Da in den Schmelzkosten von 3¼ $ pr. Carga alle Kosten und Löhne mit einbegriffen sind, so wäre von diesem großen Gewinn nur das Gehalt des dirigirenden Schmelzers abzuziehen, der jedoch zugleich Bevollmächtigter und Betheiligter bei der Sache seyn müßte. Einem solchen Unternehmen könnte natürlich eine noch weit größere Ausdehnung gegeben werden, und eine hierauf sich bildende Actien-Gesellschaft dürfte gewiß seyn, bessere Geschäfte zu machen, als die bisherigen Bergwerks-Vereine.

Aehnliches besteht übrigens bereits schon in Mexico, unter der dort sehr bekannten Benennung von Rescate-Geschäft; die Rescadores kaufen in den verschiedenen Revieren den Bergleuten die Erze so wohlfeil ab, wie sie können, und machen sie, theils durch Amalgamation, theils durch Schmelzung zu Gute, und finden dabei zwar ihre Rechnung, jedoch nur spärlich, da sie bei ihrer unvollkommenen Verfahrungsweise nur die reicheren und mithin theureren Erze gebrauchen können, und auch diesen nicht so viel Silber abgewinnen, als die deutsche Methode aus den armen Erzen zieht.

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Trotz aller Unvollkommenheiten des mexicanischen Bergbaus, fördert derselbe dennoch alljährlich mehr als 15 Millionen Pesos in Silber und Gold zu Tage, und Mexico führt diese auch aus! — hauptsächlich durch die Packetfahrt nach England, wohin in der Regel auch Deutschland und Frankreich ihre Retouren in Geld gehen lassen, weil directe Verschiffungen für Comptanten nach deutschen und französischen Häfen selten sind; nächstdem wird viel Geld nach Nordamerika versandt, sowohl von Vera-Cruz nach New-York, wie insbesondere von Tampico nach New-Orleans; endlich wird dann auch noch viel Silber, Gold und Goldstaub (letzteres aus den reichen Minen von Sonora) über die Häfen von St. Blas und Acapulco an der Westküste ausgeführt, dergestalt, daß die genannte Summe der Gesammt-Ausfuhr an edlen Metallen aus der Republik Mexico nicht zu hoch erscheint; auf die englischen Packete allein fallen davon bekanntlich circa 8 à 10 Millionen Pesos im Jahr.

Von allen Häfen der Republik führt anjetzo Tampico das meiste Silber aus. Dorthin dirigiren sich nämlich die reichen Conducten von Guanaxuato, Zaccatecas, St. Luis Potosi u. s. w., und es sammelt sich häufig mehr Geld im Hafen, als das englische Packet, welches gesetzlich auf eine Million Pesos beschränkt ist, auf einmal einnehmen kann.

Vera-Cruz erhält die Comptanten, zur Verschiffung ins Ausland, hauptsächlich durch die Conducten von Mexico, Puebla, Oaxaca u. s. w., zusammengenommen aber weniger als Tampico.

Die Gesetze über die Silber- und Gold-Ausfuhr aus Mexico haben oft darin geschwankt, daß die Ausfuhr in Barren, d. h. im ungemünzten Zustande, bald erlaubt bald verboten war. Geprägte Dollars zahlen 3½ pCt. Ausgangsrechte; Silberbarren dagegen 7 pCt., und man glaubte in diesen additionellen 3½ pCt. eine hinlängliche Entschädigung für die Nichtbenutzung der Münz-Anstalten im Lande zu erhalten. Das Gouvernement fand aber bald, daß die Münz-Etablissements hierunter allzusehr litten, und fast ganz unbeschäftigt blieben; die Ausfuhr von Silber, in anderer als gemünzter Gestalt, ward daher wieder verboten. Jetzt scheint man aber einen Mittelweg einschlagen und ausnahmsweise denen Minen-Districten, welche allzuweit von einem Münz-Etablissement entfernt liegen, die Silber-Ausfuhr in Barren gestatten zu wollen.

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Die Münze in der Hauptstadt Mexico ist ein schönes, großartiges und gut administrirtes, von dem Gouvernement in finanzieller Hinsicht gänzlich unabhängiges Etablissement, und diese Unabhängigkeit ist unter andern, während der Revolution von 1832, von allen Parteien, selbst unter den größten Geld-Verlegenheiten, respectirt worden! Die an der Spitze stehenden Männer sind in ihrem Fache wissenschaftlich gebildete Leute, und es herrscht in allen Zweigen der Münze die größte Ordnung und Pünktlichkeit. Man prägt in derselben nicht allein Gold und Silber, sondern auch viele Kupfer-Münzen, letztere fast alle für Rechnung der Regierung, die ein Gesetz erlassen hat, daß in allen Zahlungen ein Drittheil in Kupfergeld angenommen werden solle, da dies nun in Wechsel-Geschäften nicht wohl ausführbar ist, so verliert das Kupfergeld im Groß-Handel oft 2 bis 3 pCt.

In Guanaxuato hat, mit Genehmigung des Staats, eine englische Gesellschaft ein Münz-Etablissement errichtet, welches gut rendiren soll, und dem Minen-Besitzer den Vortheil und die Annehmlichkeit bietet, daß ihm gleich bei Einlieferung des Silbers der genaue Gegensatz in gemünzten Dollars ausbezahlt wird, während man in der Münze zu Mexico, zwei, drei, ja oft vier Wochen warten muß, ehe man das gemünzte Geld gegen die eingelieferten Silberbarren wieder erhält; sind nun gar die Barren goldhaltig, so dauert es oft Monate, ehe die Münze den Gegensatz dafür wieder giebt, da man für diese Ausscheidungs-Operation stets erst ein gewisses Quantum abwartet.

Diesem Uebelstande in der Münze ist es wohl zuzuschreiben, daß ein Franzose ein Privat-Etablissement für die Gold- und Silber-Scheidung durch chemische Procedur errichtet hat, was guten Fortgang haben soll.

Banco de Avio. (Industrie-Belebungs-Bank.)

Mag es immer wahr seyn, daß Mexico in seiner Cultur noch weit zurück ist, und in der fortschreitenden Entwickelung seiner Civilisation durch die, leider nur allzuhäufigen, innern Unruhen sehr gehemmt wird, so kann es doch dem Auge des vorurtheilsfreien Beobachters nicht entgehen, daß, seit der Emancipation des Landes vom spanischen Joche, ungeheure Fortschritte in der Aufklärung gemacht worden sind, und daß sich überall ein Streben kund thut, die Nation auf eine höhere Stufe der Ausbildung zu führen. Die mitunter zum Erstaunen ausführlichen Berichte der verschiedenen Ministerien des Innern, der Finanz, Justiz u. s. w., welche gesetzlich jedes Jahr den Kammern vorgelegt und dann durch den Druck veröffentlicht werden, liefern schöne Beweise von dem bereits Geschehenen und von dem guten Willen mehr zu thun! Ich habe jene Berichte vom Jahre 1832 vor mir liegen, und finde darin vieles was kein europäisches Gouvernement zu adoptiren Anstand nehmen würde. Besonders erfreulich sind aber dabei die Unterstützungen, welche, obgleich freilich noch nicht in hinlänglichem Maße, den Civil-Institutionen und Unternehmungen zugewandt werden; denn wenn auch, wie nicht zu läugnen, dabei hier und da Mißgriffe stattfinden, so tragen solche Bestrebungen doch stets dazu bei, Licht zu verbreiten, Ideen zu wecken und zu berichtigen, kurz das Ganze vorwärts zu bringen.

Hierher gehört besonders die vielbesprochene Banco de Avio (Industrie-Belebungs-Bank), eine Schöpfung des Ministers Alaman, welche von seinen zahlreichen Widersachern häufig scharf getadelt worden ist, die ich aber in ihrer Theorie vollkommen billige und mithin auch den gemachten großartigen Versuch in Schutz nehme, ohne darum gerade jede einzelne Verhandlung der Bank gutheißen zu wollen.

Die Idee im Allgemeinen spricht mich aber sehr an! Alaman dachte, und wie mich dünkt mit Recht, da bereits aus mehreren Punkten der Republik ein gewisser Grad von Fabrik-Industrie existire, so würde die Anlage von Normal-Anstalten dazu beitragen, die Zahl z. B. der Spinnereien und Webereien u. s. w. zu vermehren, und Kenntnisse des Auslandes heranziehen, welche die Verarbeitung derjenigen rohen Producte, die Mexico nicht mit Vortheil ausführen kann, wie z. B. Wolle und Baumwolle, im Lande selbst befördern müßten. Er dachte ferner, und wie ich glaube, mit gleichem Rechte, daß in einem Lande wie Mexico, wo der Zinsfuß so hoch ist, daß selbst das Gouvernement oft 3-4 ja 5 pCt. pr. Monat bezahlt, Fabrik-Unternehmungen und neue Ackerbau-Anlagen einer wohlfeileren Capital-Unterstützung bedürften, und setzte es daher bei den Kammern durch, daß von den Zöllen auf Baumwollen-Waaren, ein Theil zurückgelegt würde, um daraus für die besagte Banco de Avio, den Fond von einer Million Dollars zu bilden, der alsdann, unter der Leitung einer besonderen Administration, zu den oben angedeuteten Zwecken verwandt werden sollte. Dieser Fond war nun zwar noch nicht completirt, die Bank aber doch schon seit 14 Monaten in Wirksamkeit getreten, und die Direction, an deren Spitze der Minister Alaman steht, hat in diesem Jahre einen Bericht darüber erstattet, von dem ich hier einiges aushebe:

“Die Aufmerksamkeit des Etablissements richtete sich vor allen Dingen auf die Schaafzucht, auf die Bienenzucht für die Gewinnung des Wachses, und auf die Baumwollenstaude, in der Absicht, diesen wichtigen Zweigen im ganzen Lande nach Maaßgabe der verschiedenen climatischen und andern Verhältnisse, die möglichste Nachhülfe zu leisten. Die aus allen Theilen der Republik eingelaufenen Berichte haben leider ergeben, daß der jetzige Stand der Landes-Industrie keinesweges ein günstiger ist. Bedeutende Strecken Landes, welche Wasser und Wiesengrund genug haben, um große Heerden Schaafe zu unterhalten, liegen brach und bleiben, theils aus Mangel an Capitalien zur Anschaffung der Heerden, theils aus Trägheit des Volkes, unbenutzt. Die wenige Wolle welche man sammelt, wird zu den gröberen Geweben verwandt, weil man die Kunst der Veredlung des rohen Materials nicht kennt, das feste und dauerhafte Färben nicht versteht und noch keine Begriffe von den Mitteln hat, wodurch die fremden Nationen die feinern und bessern Arbeiten dieser Art hervorbringen.”

“Die Zucht der Seidenwürmer ist durchaus nicht allgemein; in den Staaten von Oaxaca und Jalisco beschäftigen sich zwar einige Personen damit zu ihrem Vergnügen, aber nirgends besteht ein förmliches Etablissement, welches versuchte, aus diesem Insekt einen einträglichen Handelszweig zu bilden, und im Allgemeinen kennt man die rechte Methode noch nicht den Wurm zu tödten und die Seide abzuwickeln; an vielen Orten ist ein Ueberfluß an Maulbeerbäumen, welche wild wachsen, aber niemand hat noch daran gedacht, sie methodisch zu ziehen und zu pflegen, und man scheint oft gar nicht zu wissen, daß die Blätter dieses Baums die alleinige Nahrung des Seidenwurms sind.”

“Die Bienenzucht beschränkt sich gleichfalls auf wenige Orte und Personen, welche in ihren Gärten oder Feldern eine kleine Anzahl Bienenschwärme halten, jedoch mehr um des Honigs, als um des Handels mit Wachs willen. An mehreren Orten der Sierra-madre aber und in andern Gebirgsgegenden, in deren Nähe sich Gesträuche und Blumen befinden, giebt es eine solche Menge wilder Bienen, daß sich die dortigen Eingebornen keines andern Lichtes bedienen, als was sie aus dem Wachs anfertigen, welches sie so, ohne Mühe und Sorgfalt um die Bienen, in Felsenklüften und hohlen Bäumen finden. Dies Wachs ist gelb, weil sie es nicht zu bleichen verstehen, und der Honig ist dunkel; aber es geht doch hieraus zur Genüge hervor, daß die Elemente zur Gewinnung des Wachses im eignen Lande vorhanden sind, und daß es mithin zu beklagen ist, daß aus bloßem Mangel an Thätigkeit im Volke, jährlich so viel Geld dafür aus dem Lande geht. Nach genauen Berechnungen der Einfuhr in Vera-Cruz und andern Häfen, und Veranschlagung dessen, was der Wahrscheinlichkeit nach eingeschmuggelt wird, darf man den jährlichen Consum von Wachs in unserer Republik zu 28,000 Arroben annehmen, welches zum Mittel-Preis von 25 Pesos die Arroba geschätzt, die enorme Summe von 700,000 $ macht, welche alljährlich dem Auslande für eine Sache bezahlt wird, die wir in der Heimath gewinnen können.”⁠[25]

“Der Anbau der Baumwolle, dieses köstlichen Productes aller heißen Länder, und so besonders passend für die Südküste der Republik, wo vor dem Jahre 1810 so viel, und selbst im Jahre 1825 noch 50,000 Arroben (1,250,000 ℔) gezogen wurden, ist so in Verfall gerathen, daß das Jahr 1830 nicht mehr als 5000 Arroben producirte. Hieran ist nun theils Mangel an Capital, theils der beklagenswerte Bürgerkrieg in jener Gegend, Schuld.”

“Um nun allen diesen, für das öffentliche Wohl so wichtigen Industrie-Zweigen aufzuhelfen, fordert die Direction dieser Bank die Staaten der Republik auf, Actien-Gesellschaften zu bilden, durch welche die Sachkenntniß mehrerer Personen in Ausübung gebracht werden würde, und welchen alsdann die Banco de Avio mit Capital-Zuschuß, so viel es ihre Kräfte erlaubten, nachhelfen wollte.”

Der Bericht fährt nun fort, zu sagen, wie sich, in Folge dieses Aufrufs, in den verschiedenen Theilen der Republik 14 Gesellschaften für die Belebung der Industrie auf Actien gebildet hätten, die jedoch noch zu sehr in ihrer Kindheit wären, um Resultate vorlegen zu können. Für mehrere derselben wären Maschinen in Nordamerika und Europa bestellt worden, wovon einige bereits angekommen, andere unterweges wären; auch hätte man Werkmeister und Mechanici vom Auslande kommen lassen, um die Kenntnisse der Fabrication von Wollen- und Baumwollen-Waaren im Lande zu verbreiten. In der Seiden-Zucht waren große Fortschritte gemacht, ein Etablissement in Coyoacan (Staat von Mexico) hatte Ende 1831 bereits schöne Resultate geliefert und ein anderes in Celaya berechtigte zu großen Erwartungen und man dachte schon an die Fabrication von seidnen Bändern. Saamen der Seidenwürmer war nach allen Richtungen ausgetheilt worden, besonders in die Gegenden, wo bereits Ueberfluß an Maulbeerbäumen ist. Für die Beförderung der Bienenzucht hatte man auf dem Lande Bienenkörbe vertheilt und junge Schwärme anzuschaffen getrachtet, wovon man zwar noch keine Resultate nachweisen konnte, aber schöne Hoffnungen daran knüpfte. Aus Frankreich hatte man Merino-Schaafe zur Veredlung der Race kommen lassen, so wie auch Tibet-Ziegen. In Peru waren Vigoña-Schaafe und Lamas bestellt, und man hoffte beide Gattungen in der Republik Mexico einheimisch zu machen. Sogar auf die Einfuhr von Kameelen war man bedacht, und versprach sich davon die wohlthätigsten Resultate für den Waaren-Transport im Lande, falls es, wie man hoffte, gelingen sollte, diese nützlichen Thiere in Mexico zu nationalisiren. Nach manchen schwierigen und vergeblichen Unterhandlungen war die Banco de Avio mit einem Hause in Marseille übereingekommen, 20 Kameele, 6 männliche und 14 weibliche, direct von Alexandrien nach Vera-Cruz zu senden, und berechnete die Kosten, einschließlich der Fracht, für ein Schiff von 200 Tonnen, der nöthigen Fourage u. s. w., auf nicht mehr als 7000 $.

Endlich hatte man denn auch noch eine Anzahl Bücher über Gegenstände der Fabrication und des Ackerbaues angeschafft, und diese in den verschiedenen Staaten, wo sich Anregung für dergleichen Industrie zeigte, gratis vertheilt.

So weit der amtliche Bericht des Ministers Alaman über diese von ihm gegründete Favorit-Anstalt. Seine Feinde werfen ihm vor, daß er darin der Zeit vorgegriffen, und Geld für bis jetzt noch unausführbare Projecte verschwendet habe, welches zu nützlicheren Zwecken hätte verwandt werden können und sollen. Kann seyn, — aber trotz alle dem ist doch nicht zu läugnen, daß der Sache eine großartige und patriotische Idee zum Grunde lag, die gewiß alle Anerkennung verdient. Es ist daher auch zu bedauern, daß die bürgerlichen Unruhen des Landes und der Sturz des Ministeriums, die Entwickelung dieses Instituts unterbrochen, ja gleichsam in der Geburt erstickt haben! Ganz untergehen wird man es übrigens wohl nicht lassen, indem es bereits zu sehr im Lande verzweigt ist und an mehrere Anstalten zu starke Forderungen hat, wie z. B. 40,000 $ an die Eisen-Schmelzerei auf dem Sitio in der Nähe des Popocatepetl, von welcher ich in meinen Briefen geredet habe, und über welche ich hier noch einige Notizen hinzufüge.

Die Eisen-Schmelzerei (auf dem Sitio.)

(Siehe Anhang zum Briefe vom 31. Mai, pag. 91.)

Die Eisenerz-Gruben liefern wöchentlich bei sehr langsamer Bearbeitung 300 Ctr. Erz.

Die Schaffungskosten eines Ctr. Erzes und Fuhrlohn bis aufs Werk kommen 2 Rl.

Ein Ct. Holzkohlen stellt sich auf 6 Rl.

26 Arroben Eisenerz sollen 12 Arroben frisch Eisen in 24 Stunden liefern.

geschweifte Klammer
geschweifte Klammer

5 „ Zuschlag

44 „ Kohlen

Das Gebläse ist das bekannte Wasser- oder Trommel-Gebläse. Die Erze sind so leicht flüssig und von so verschiedenem Gehalt (von 30 bis 70 pCt. eisenhaltig), daß die Mischung dergestalt bereitet werden kann, daß wenig oder gar kein Zuschlag nöthig ist.

Das ganze Gefälle ist 100 Fuß; das halbe Gefälle reicht aber schon zum vollständigen Betrieb hin.

Bevölkerung von Mexico.

Die Bevölkerung der vereinigten Staaten von Mexico wird sehr verschiedentlich angegeben, dürfte sich aber doch wohl im großen Ganzen auf acht Millionen Seelen belaufen, was noch immer eine sehr dünne Population ist, für einen Flächenraum von circa 10000 Leguas von 20 auf den Grad, die man der Republik in ihrer ganzen Ausdehnung beimißt. Nach dem Maaßstabe europäischer Bevölkerung könnte sich die mexicanische auf ihrem jetzigen Raume ganz bequem verzehnfachen.

Quadrat
Quadrat

Die außerordentliche Schwierigkeit einer genauen Volkszählung, in einem so weitläufigen Gebiete wie dem mexicanischen, leuchtet ein, denn nur wenige seiner Staaten sind für einen solchen Zweck so gut organisirt, wie z. B. der von Vera-Cruz; unbegreiflich bleibt es jedoch immer, wie in ein und demselben Jahre zwei so verschiedene Angaben der Volkszahl gemacht werden konnten, wie die, welche der Minister Alaman im Anfange des Jahrs 1832 dem Congreß vorlegte, und jene, welche in dem Almanach von Galvan fürs Jahr 1833 Ende 1832 erschien.

Nach untenstehender Tabelle schätzt der Minister die Population auf 6,382,264; Galvan dagegen auf 7,734,292, welche letztere Angabe aber der Wahrheit gewiß näher kommt als erstere, indem der Minister selbst in seinem amtlichen Bericht eingesteht, daß seine Veranschlagung auf alten Daten beruhe, der Wahrscheinlichkeit nach zu niedrig sei, und die Volkszahl als 7 Millionen übersteigend angenommen werden dürfe. Er drückt sich dabei wörtlich folgendermaßen aus:

“Wenn man die Schwierigkeiten bedenkt, eine Bevölkerung genau zu zählen, welche über ein so ungeheuer weitläufiges Territorium, begränzt von Regionen, wo Nomaden-Stämme in fruchtbaren Landstrichen und günstigen Climaten umher wandern, zerstreut ist, so wird es nicht übertrieben erscheinen, die Volkszahl der Republik, obgleich die vorliegende Tabelle nur 6,382,264 ausweise, als Sieben Millionen Seelen übersteigend anzunehmen, zumal da die Listen des Census, welche der Tabelle zur Basis gedient haben, mitunter 4, 6 ja 8 Jahre alt sind, und doch anzunehmen ist, daß trotz aller gelegentlichen Verluste, die Bevölkerung binnen einer solchen Zeit gradatim zugenommen hat. Ein ausgedehntes Land mit einem fruchtbaren Boden und einem den Menschen befreundeten Clima, begünstigt natürlich das Fortschreiten des Menschen-Geschlechts, und die Wohlthaten, welche diesem dann zu Theil werden, wenn freie Institutionen ihren heilsamen Einfluß über alle verbreiten, welche die unschätzbaren Vortheile einer volksthümlichen Regierung zu erkennen wissen, sind unberechenbar.”

Im Jahre 1830 hatte die Zunahme der Bevölkerung einen Stoß durch einen heftigen Ausbruch der Blattern-Epidemie (epidemia de viruelas) erlitten; man suchte der Seuche durch Vaccination möglichst entgegen zu arbeiten, aber die Materie (el pus) fing an zu mangeln und unwirksam zu werden; die von England verschriebene, obgleich in kristallenen Gefäßen gesandt, wollte nicht anschlagen; die Hoffnung, daß man in dem Staat von Chihuahua an den Kühen die ächte Materie entdeckt habe, schlug auch fehl, und schon drückte der Minister in seinem Jahres-Bericht von 1831 die Furcht aus, zu der umständlichen und kostspieligen Maßregel übergehen zu müssen, die Materie zur Impfung von den nächsten, aber sehr entlegenen, Puncten in Nordamerika durch Kinder, gleichsam von Arm zu Arm zu übertragen und so heranzuziehen. Aus dem ministeriellen Bericht von 1832 geht indessen hervor, daß man nicht nöthig hatte zu diesem Extrem Zuflucht zu nehmen, und daß die Kuhpocken-Impfungs-Materie nunmehr wieder vorhanden war, es wird jedoch nicht gesagt wie man sie sich verschafft hat. Der Bericht von 1832 lobt sodann den Gesundheits-Zustand der Republik, und drückt nur Furcht und Sorge aus, daß die Cholera das Land heimsuchen und die Bevölkerung decimiren werde, weshalb denn auch Quarantainen und andere Vorsichtsmaßregeln in Anwendung kamen, die aber, wie wir jetzt wissen, das gefürchtete Uebel nicht abzuhalten vermochten. Die Cholera hat im Jahr 1833 große Verwüstungen in Mexico angerichtet; in der Hauptstadt allein sind an 16 bis 17000 Menschen, also der zehnte Theil der Einwohner, das Opfer derselben geworden.

Alle Volkszählungen in Mexico ergeben übrigens eine Mehrzahl des weiblichen Geschlechts über das männliche; in manchen Staaten sogar eine bedeutende, wie z. B. in Jalisco eine von 11 pCt., in Puebla von 7 pCt. u. s. w.

Die in den verschiedenen Theilen der Republik herrschende große Verschiedenheit der Bevölkerung, mit Bezug auf den respectiven Flächenraum, geht aus der anliegenden Tabelle gleichfalls hervor, und es kann daher nicht auffallen, daß während in den ganz dünn bewohnten Regionen an Gewerbe und Kunstfleiß noch nicht zu denken ist, in den mehr bevölkerten Staaten und den oft sehr volkreichen Städten sich dessen in nicht unbedeutendem Maaße findet und auszudehnen verspricht. Im Parian zu Mexico und auf den Märkten anderer Städte, wie z. B. Puebla u. s. w., sieht man denn auch wirklich viele schön und gut gearbeitete Waaren, welche im Lande selbst angefertigt sind; z. B. wollene Decken aller Art (poncho’s Zerapa’s u. s. w.) in allen Farben; sodann die bekannten bei der Bekleidung einer Mexicanerin, gleichviel ob reich oder arm, nie fehlenden langen Umschlagtücher von Baumwolle, oder Baumwolle und Seide; Hüte jeder Art mit breiten Rändern nach mexicanischer Sitte, nebst deren Zierrath, den silbernen oder goldenen Treffen und Tasseln; baumwollene Schnüre und Bänder; die oft sehr reichen mit vielem Gold und Silber besetzten Reiter-Mäntel, deren sich auch Damen bedienen; Leder-Arbeiten aller Art und namentlich mexicanische Pferde-Sättel (unsern Husaren-Sätteln nicht unähnlich), mit kostbaren Pelz-Ueberlagen u. dergl. m. Hierzu kommt in Puebla noch Glas und Seife, womit viel Handel nach andern Städten getrieben wird.

In Mexico selbst haben sich denn in der neusten Zeit auch mehrere Fremde, Deutsche und andere, als Hutmacher, Meubel-Schreiner, Kleidermacher u. s. w. niedergelassen und machen zum Theil sehr gute Geschäfte.

Mit Colonisations- und Einwanderungs-Plänen zur Vermehrung der Bevölkerung hat es den Mexicanern bis jetzt noch nicht glücken wollen, und wird ihnen auch nicht glücken, bis sie durch Annahme der Religionsfreiheit und liberalerer Grundsätze bei der Ansiedlung von Fremden, die Auswanderung aus Europa, die jetzt fast ausschließlich nach Nordamerika gerichtet ist, theilweise nach ihrem schönen Lande zu ziehen verstehen.⁠[26]

Die Colonisirung einiger Hundert Franzosen am Fluß Cuatzacualcos im Staat Vera-Cruz schlug gänzlich fehl, weil die Unternehmer den Einwanderern Versprechungen gemacht hatten, die sie nicht erfüllen konnten, und weil sie in der Wahl der Subjecte nicht vorsichtig genug waren. Sie sind theils nach Frankreich zurückgekehrt, theils haben sie sich in andern Theilen der Republik niedergelassen.

Die Colonisirung von

Texas oder Tejas (sprich Techas)

hat dagegen zwar, was die Zahl der Ansiedler betritt, einen guten Fortgang, aber diese Vermehrung der Population, welche lediglich aus den angränzenden Staaten von Nordamerika herströmt, gereicht Mexico eher zur Last und zum Nachtheil, als zum Vortheil, denn die schwer zu zügelnden Nordamerikaner wollen sich nach den mexicanischen Gesetzen nicht fügen, sondern eigne machen und aufstellen, wie es wirklich bereits an dem Hauptorte der Ansiedlung, Austen Town (so genannt nach dem Namen des ersten Unternehmers), der Fall ist. — Bei der außerordentlichen Entfernung von dem Sitze der mexicanischen Regierung, wird es dieser schwer fallen, wo nicht unmöglich seyn, ihre Autorität geltend zu machen, während andererseits der Andrang der nordamerikanischen Einwanderung so wachsen wird, daß vorauszusehen ist, es werde sich dort ein eigner Staat bilden, der mehr zur nordischen als zur mexicanischen Union gehört.

Beide Theile sehen dies kommen, und man sagt, die vereinigten Staaten von Nordamerika hätten denen von Mexico wirklich bereits zehn Millionen Pesos, für den Abstand der Provinz Texas, geboten. Die mexicanische Regierung scheint es aber nicht zu wagen, eine solche Proposition dem National-Congreß vorzulegen, und in der That würde Mexico mit Texas einen seiner schönsten und wichtigsten Landestheile verlieren! Das Clima daselbst ist vortrefflich und gesund, das Land wird von großen und schönen Flüssen, dem Rio Bravo und Colorado, durchschnitten, ein Vortheil der dem übrigen Mexico ganz abgeht, und der Boden von Texas ist außerordentlich fruchtbar, während es an Ausdehnung nicht fehlt; der Flächenraum wird auf 160 Millionen englische Acker Landes geschätzt! Großbrittannien und Irland haben deren nur 47 Millionen angebaut!

Man urtheile also, welche Anzahl von Ansiedlern dort noch Raum und Auswahl des Terrains finden könnte, denn die jetzige Bevölkerung von Texas ist fast Null!

Dorthin sollten deutsche Auswanderer sich wenden, sie würden besser dabei fahren als am Missouri, und ein besseres Clima und fruchtbareren Boden daselbst finden.

Census der vereinigten Staaten von Mexico.

Staaten und Territorien Hauptstädte Seelen-Zahl

nach Vorlage des Ministers Alaman in 1832 nach dem Almanach von Galvan fürs Jahr 1833

Föderal-District Mexico 250,000 350,000

Staaten:

Chiapas San Cristobal 118,775 96,000

Chihuahua Chihuahua 112,694 166,000

Coahuila u. Tejas Leona Vicario 77,795 127,000

Durango Durango 149,121 250,000

Guanajuato Sta. Fé de Guanajuato 500,000 643,000

Jalisco Guadalaxara 656,830 680,000

Mexico Toluca 1,000,000 1,200,000

Michoacan Morelia 422,472 285,000

Nuevo Leon Monterey 83,093 113,419

Oajaca Oajaca 457,504 693,000

Puebla La Puebla 584,358 954,000

Querétaro Querétaro 114,437 280,000

S. Luis Potosi San Luis 298,230 192,000

Sinaloa — 100,000 254,705

geschweifte Klammer
geschweifte Klammer

Sonora — 100,000

Tabasgo Villa hermosa 60,000 82,000

Tamaulipas Vittoria 80,000 166,824

Vera-Cruz Jalapa 242,658 194,000

Yucatan Merida 500,000 630,000

Zacatecas Zacatecas 276,053 296,066

Territorien:

Alta California S. Carlos de Monterey 27,000 30,000

Baja California Loreto 15,000 6,000

Nuevo Mexico Santa Fé 50,000 52,300

Colima — 40,000 ? ?

geschweifte Klammer
geschweifte Klammer

Tlascala — 66,244

Total der Bevölkerung nach Alaman 6,382,264

Total der Bevölkerung nach Galvans Angabe 7,741,314

Der Staat von Vera-Cruz.

Dieser Staat ist einer der bestorganisirten in der Republik. Der Jahresbericht, den der Gouverneur dieses Staats, Don Sebastian Camacho, im Jahre 1832 der in Jalapa versammelten Legislatur abgestattet hat, ist eins der ausführlichsten Documente, welche man in der Art sehen kann; es füllt über 300 Quart-Seiten und ist dennoch in den meisten Dingen unvollkommen und ungenügend, da nicht alle Cantone des Staates mit gleicher Pünktlichkeit und Ausführlichkeit berichtet haben. Am detaillirtesten sind die Tabellen über die Population, wovon einige die Zahl der Kinder, Weiber und Männer, verheiratete und unverheiratete, Wittwer und Wittwen, alles klassificirt nach dem Alter von 10 bis 100 Jahren, so genau und speciell angeben, daß ich nicht glaube, daß wir etwas ähnliches in Europa besitzen. Im Auslande kann dies aber nur wenig Interesse haben, dort genügt es, zu wissen, welche Bevölkerung der ganze Staat und etwa die größeren Städte desselben enthalten, und diese ist wie folgt angegeben:

Die Stadt Orizaba 15,386

Der ganze Canton dieses Namens 46,991

Die Stadt Cordova 6,098

Der ganze Canton dieses Namens 24,521

Die Stadt Vera-Cruz 6,828

Der ganze Canton dieses Namens 24,556

Die Stadt Jalapa 10,628

Der ganze Canton dieses Namens 42,704

Die Total-Bevölkerung des Staates Vera-Cruz 245,256

Im Jahre 1826 war dieselbe 242,658

mithin eine Vermehrung von 2,598

oder von ungefähr ein vom Hundert, was denn aber auf einen fünfjährigen Zeitabschnitt, so gut wie gar keine Zunahme ist.

Die mitunter allerdings ganz interessanten Bemerkungen des obenerwähnten Berichts von Don Sebastian Camacho, verlieren, wie schon gesagt, ihrer Unvollkommenheit wegen ihr meistes Interesse für das Ausland und ich beschränke daher den weitern Auszug davon auf die Bemerkungen, welche darin über die Erziehung der Jugend gemacht werden. Der Bericht sagt nemlich hierüber, daß man damit umgehe, das Lancaster’sche Unterrichtssystem einzuführen, und dafür 30,000 Pesos bestimme, und daß mittlerweile, obgleich ohne Uebereinstimmung des Systems, Schulen in fast allen Ortschaften des Staates beständen, deren Kosten von den Municipalitäten bestritten würden, so wie, daß außerdem an verschiedenen Punkten höhere Schulen angelegt seien, deren Lehrer den Staat von Vera-Cruz jährlich 5 bis 6000 Pesos kosten! Das General-Budget der Föderation wirft sodann für die Errichtung und Vervollkommnung von Primair-Schulen in der Republik 80,000 Pesos aus!

Dies beweiset denn doch, daß man den hochwichtigen Gegenstand der Volks-Erziehung nicht ganz außer Acht läßt.

Finanz-Departement.

Es wird nicht ohne Interesse seyn, das Budget kennen zu lernen, welches der Finanz-Minister Mangino dem Congreß in Mexico für das Jahr von Juli 1832 bis Juli 1833 vorgelegt hat. Es ist aber nur in den Ausgaben klar, und drückt sich über die Einnahmen so dunkel aus, daß es unmöglich ist, eine Bilanz zu ziehen; die Ausgaben werden auf nicht weniger als 22,392,508 Pesos veranschlagt, wobei zu bemerken ist, daß dies nur Ausgaben der Föderation sind, die mit den Ausgaben der einzelnen Staaten für ihre Congresse und sonstigen Local-Bedürfnisse nichts gemein haben.

Jene Ausgaben der Föderation zerfallen in folgende Haupt-Rubriken:

a. Departement des Innern und Auswärtigen $ 1,049,438. 4

b. do. der Justiz und geistlichen Angelegenheiten „ 434,756.—

c. do. des Krieges!! „ 16,465,121. 3

d. do. der Marine „ 322,221. 1

e. do. der Finanz und Kosten des General-Congresses „ 4,120,971. 3

$ 22,392,508.—

Als Details die am meisten Aufmerksamkeit erregen, mögen hier stehen:

ad a. Gehalt des Ministers (so wie aller Minister) $ 6,000

Fernere Gehalte in diesem Bureau „ 24,000

Für Papier und Druckkosten „ 29,609

Außerordentliche Ausgaben „ 20,000

Für geheime Ausgaben im auswärtigen Departement „ 100,000

Gesandtschaften und Consulate:

Zwei Gesandten bei dem großen amerikanischen Congreß, der bekanntlich erst in Panama, dann in Mexico gehalten werden sollte, aber nie ins Leben getreten ist „ 13,200

Chargé d’affaires in den vereinigten Staaten von Nordamerika, nebst Secretariat „ 10,200

Außerordentliche Legation nach Central-Amerika und Columbien, nebst Reisekosten „ 17,800

Außerordentliche Legation nach den Republiken des südlichen Amerika’s, nebst Reisekosten „ 28,250

Gesandtschaft in England:

Der Minister $ 12,000, Secretair u. s. w. $ 8200, Total „ 20,200

Gesandtschaft in Frankreich:

Der Minister $ 10,000, Secretair u. s. w. $ 5700 „ 15,700

geschweifte Klammer
geschweifte Klammer

Für die Reise dahin und Einrichtung des Hotels „ 12,100

Chargé d’affaires in Holland nebst Secretariat „ 8,300

Chargé d’affaires in Preußen, nebst Secretariat „ 6,700

geschweifte Klammer
geschweifte Klammer

Für die Reise dahin und Einrichtung des Hotels „ 5,100

Consulate in New-Orleans „ 2,600

„ in Bordeaux „ 2,600

Consulate in Hamburg, für die Hanse-Städte „ 3,600

Endlich noch für eine Gesandtschaft nach Europa, welche der politischen Constellation nach wahrscheinlich nothwendig und nützlich werden würde, (hierbei hat man ja wohl auf Spanien angespielt) „ 29,750

Sodann, für Errichtung und Vervollkommnung von Primair-Schulen „ 80,000

Zur Unterstützung des Theaters „ 20,000

ad b. “Geistliche Angelegenheiten,” hiebei genüge die Bemerkung, daß für die Gesandtschaft in Rom $ 15,100, und für außerordentliche und geheime Ausgaben bei derselben $ 30,000! zusammen $ 45,100

ausgeworfen sind.

ad c. “Kriegs-Departement:”

8 Divisions-Generäle im Dienst à 6000 $ im Jahr 3 Divisions-Generäle nicht im activen Dienst à 4000 „ 14 Brigade-Generäle im Dienst à 4500 „ 4 Brigade-Generäle nicht im activen Dienst à 3000 „ $ 135,100

geschweifte Klammer
geschweifte Klammer

4 General-Inspectoren der Truppen im Innern und den beiden Californien zu 4000 $ nebst 6 General-Adjutanten zu 3000 $ $ 34,000

geschweifte Klammer
geschweifte Klammer

12 Bataillone Infanterie der Linie „ 1,791,795

12 Regimenter Cavallerie der Linie „ 1,848,419

3 Brigaden Artillerie der Linie „ 509,477

12 Compagnien Artillerie der Miliz im activen Dienst „ 259,896

1 Brigade Mineurs „ 118,360

Das Ingenieurcorps „ 80,093

1 Bataillon Invaliden in Mexico „ 118,634

Das Sanitätscorps „ 77,929

Die Hospitäler „ 503,470

6 Compagnien permanente Cavallerie in Californien „ 128,440

38 Compagnien permanente Cavallerie in verschiedenen Theilen der Republik „ 998,985

20 Bataillone active Miliz, unter den Waffen, im Innern der Republik „ 4,239,465

13 Bataillone Küsten-Wächter, Miliz „ 1,181,482

6 Schwadronen derselben „ 499,083

Und noch mehrere Cavallerie und Infanterie Miliz-Abtheilungen im Innern „ 1,000,000

Entschädigung an die Miliz, für die Bekleidung, zu 5 Reales monatlich an die Infanterie und zu 10 Reales monatlich an die Cavallerie „ 460,920

Für geheime Ausgaben im Kriegs-Departement „ 40,000

ad c. “Finanz-Departement:”

General-Congreß

Diäten an 76 Deputirte $ 228,000

Diäten an 40 Senatoren „ 120,000

Reise-Gelder der Deputaten und Senatoren aus den verschiedenen Staaten, her und zurück „ 150,000

Secretariat und Kosten „ 76,994

Kosten des General-Congresses $ 574,994

Gehalt des Präsidenten der Republik $ 36,000

Civil-Pensionen „ 117,925

Pensionen an Spanier, welche durch das Gesetz von 1827 von ihren Aemtern entsetzt wurden „ 53,295

Für die Dividenden der auswärtigen Anleihen „ 942,000

als den wahrscheinlichen sechsten Theil der Einnahme an den Douanen von Vera-Cruz und Tampico. U. s. w.

Diese ungeheure Gesammt-Ausgabe von $ 22,392,508, schlägt übrigens der Minister vor, um 5,312,914 $ auf den Kriegs-Etat, zu vermindern und dergestalt auf $ 17,079,594 zurückzuführen, was sie in Einklang mit der Einnahme des vorhergegangenen Jahres bringen würde.

Das reine Product aller Zweige der Finanz war nemlich für das Jahr von Juli 1830 bis Juli 1831 $ 17,256,882

Hierin figuriren die Douanen in allen Häfen der Republik mit $ 8,287,082

Die Douanen des Distrikts der Föderation und Landes-Gränzen mit „ 1,737,484

(Hierin sind die Zölle und Abgaben nicht begriffen, welche die einzelnen Staaten als Consumozoll erheben, und welche natürlich in die Staaten-Finanz und nicht in die Föderatif-Casse fließen.)

Die Briefpost-Administration mit „ 230,683

Die Lotterie mit „ 41,260

Die Salinen mit „ 66,505

Verkauf von National-Gütern „ 11,924

Die Münze in der Föderatifstadt Mexico „ 135,480

Beiträge der Staaten zur Föderations-Casse „ 1,356,563

(Der Minister beklagt sich, daß diese Summe nicht größer gewesen, was dem Gesetze nach der Fall hätte seyn müssen.)

Die 2 pCt. Circulations-Rechte auf Silber und Gold, vom Innern nach der Küste „ 74,913 u. s. w.

Man sieht, daß noch vieles unausgeführt geblieben ist, die Summe von $ 17,256,882 auszugleichen, so wie, daß nirgends eine Sicherheit der gleichmäßigen Einnahme für das nächste Jahr existirt! Das Budget des Herrn Finanz-Ministers ist mithin allerdings ein sehr unzuverlässiges und schwankendes, es liefert aber doch dem prüfenden Auge des unpartheiischen Beobachters den Beweis, daß in Mexico für einen geregelten Staatshaushalt, ohne übertriebenen Militair-Etat, Resourcen genug vorhanden sind, nicht allein um das Laufende zu bestreiten, sondern auch um die National-Schuld gradatim zu tilgen.

Karte von Mexiko
Karte von Mexiko

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Karte von Mexiko, westlicher Teil
Karte von Mexiko, westlicher Teil
Karte von Mexiko, östlicher Teil
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