Zwei Tage in den Bocche di Cattaro.
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Schon am frühesten Morgen warf ich mich in meine Kleider und war der Erste auf dem Verdecke. Eine gesunde frische Luft, von Oesterreich's geliebtem Boden, den ich zum erstenmal wieder erblickte, stärkte meine Glieder und mit stiller Wonne betrachtete ich den herrlichen Sonnenaufgang über den dunkelblauen Bergen Dalmatiens. Ein leichter, duftiger Nebel ruhte auf den stillen Wassern und gab dem kommenden Gestirn einen rosig zauberhaften Schein; doch bald fielen die hüllenden Dünste und groß und prächtig schien mir die Sonne in's dankbare Auge. Nun gab auch das neue Licht den melancholischen Gebirgen Farbe und Leben; Felsen, Wälder und einzelne kleine Ortschaften zeigten sich dem Blicke, der mit Ergötzen im Anschauen des theuren Vaterlandes ruhte. Bald langten auch die Reisegefährten an und herzlich begrüßten wir uns auf österreichischem Gewässer. Es erschien mir als eine gute Vorbedeutung, daß gerade bei der Ankunft im Vaterlande die Sonne uns so prachtvoll und hell entgegenkam. Wir nahmen unser Frühstück auf dem Verdecke in der heitersten Laune, und so kamen wir unter munteren Gesprächen zu dem Eingange der berühmten Bocche di Cattaro. Durch einen ziemlich schmalen Canal kommt man in die erste seeartige Meerenge. Der Eindruck ist still und groß, wie der eines ruhigen reizenden Binnensee's; man vergißt das große Meer hinter sich und vertieft sich mit Lust in den Anblick der neuen lieblichen Landschaft. Hier sind nicht mehr die nackten Felsen und gelben Flächen von Hellas, hier herrscht buntes, frisches Leben und mäßige glückliche Civilisation. Man sieht nicht mehr die öden menschenleeren Räume; aus den üppigen Wäldern erheben sich Häuser, deren Wohlstande man anmerkt, daß sie unter dem österreichischen Scepter stehen; und doch hat auch der uncivilisirte Zustand Griechenlands seine besondern Reize! Die belebte Landschaft unter südlichem Himmel und die kahlen rosenfarbenen Gebirge am blauen schäumenden Meere von Lepanto, welch' ein Kontrast! Gegen das Innere des Landes zu erheben sich hohe, felsige Berge in äußerst malerischen Gestalten, welche wohl ebenfalls in den höheren Regionen kahl sind, jedoch mehr das Gepräge des nördlichen Gesteines tragen. Gegen das Meer zu ist das Gebirge niedrig und hat runde, nicht sehr schöne Formen. Dasselbe ist meist von Myrten überwachsen. An den Ufern ziehen sich frische grüne Weinberge mit einigen Villen im italienischen Geschmacke hin. Zwei Punkte sind es jedoch, die das Auge am meisten fesseln: das malerisch gelegene Städtchen Castelnuovo mit seinen eckigen Forts, und das in byzantinischem Styl erbaute griechische Kloster Sabina; ein hell erleuchteter Punkt im üppigsten Grün. Unser Schiff ankerte beim Lazareth von Castelnuovo, welches sich eine halbe Stunde vom Städtchen unmittelbar unter dem Kloster am Meeresstrand befindet. Nachdem wir uns einigermaßen anständig gekleidet hatten, fuhren wir ans Land und betraten mit Jubel nach so vielen Erlebnissen zum erste Mal wieder den festen werthen Boden Austria's. Unser erstes Ziel war das Kloster, welches unsere Neugierde schon vom Schiffe aus gewaltig gereizt hatte. Wie angenehm waren wir überrascht, die deutsche Eiche (quercus germanica) neben dem üppigen Lorbeer zu finden und uns in deren wohlthuenden Schatten zu laben. Auch Wiesen sahen wir nach so langer Zeit wieder, frische grüne Wiesen, welch' Entzücken! Und auf diesen Wiesen sprossen große Orangen-Bäume, umarmt vom nordischen Epheu! Es war ein stilles, liebliches Plätzchen, das unmittelbar vor dem Klosterthor lag: die lieblichste Vermälung der Schönheit des Nordens mit der Glut des Südens. Die heißen Strahlen der Sonne wurden durch das Blätterdach der Eiche in ein wohlthuendes Licht verwandelt, hie und da blickte das tiefe Blau durch die Aeste auf einen weichen Sammetteppich. Eine stolze Cypresse ragte in die reinen Lüfte und zu ihrer Seite, an einer alten Mauer, wiegte sich ein in der Frucht stehender Orangenbaum, dessen Aeste den saftigen Reben zur Stütze dienten; spielend neigte sich die glühende Granate an ihren zarten biegsamen Aesten herab. Am Fuße des leichten Abhanges öffneten sich die herrlichsten Blicke auf die ruhige, spiegelklare See. Wir traten durch einen steinernen Bogen in einen terrassenförmigen Hof. Eine große, eine kleine Kirche und das Kloster erheben sich auf diesem Platze.
Durch Vermittelung unseres gefälligen Kapitäns ließ man uns in das Innere der Kirchen eintreten. Die zwei in dem Kloster wohnenden griechischen Mönche führten uns umher. Einer derselben, ein ältlicher Mann mit langem grauen Bart, sprach gebrochen italienisch, so daß wir uns einigermaßen mit ihm verständigen konnten. Im Inneren des Gotteshauses ist, der griechischen Sitte gemäß, eine reich vergoldete Holzwand mit typischen Bildern vor den Altar gezogen. Alle Christus- und Madonnenköpfe haben dieselben lang gedehnten, nicht sehr schönen orientalischen Züge. Außerdem findet man noch den geharnischten Georg und mehrere andere Heilige dargestellt. Einige der hier befindlichen Bilder sind nicht ohne Kunstwerth. Von der Wölbung hingen reiche silberne Lampen, Straußeneier und plumpe Verzierungen aus Baumwolle, goldenen und farbigen Bändern herab. Da ich den Mönch mit Erstaunen um deren Bedeutung fragte, erwiederte er mir, daß jeder Schiffer, beim Auslaufen eines neuen ihm gehörigen Schiffes, einen solchen geschmacklosen Zierrath an die Kirche spende. In der kleinen Kapelle, welche die zuerst erbaute auf diesem Orte ist, befinden sich sehr schöne fromme Gaben, unter welchen sich besonders ein fein geschnitztes Kreuz und mehrere mit Juwelen besetzte Bilder auszeichnen. Das Innere des Klosters, welches aus nur wenigen Zimmern besteht, ist klein und in einem kläglichen Styl gebaut. Im Refectorium hängen einige alte schlechte Oelgemälde von russischen gekrönten Häuptern.
Wir nahmen Abschied von dem lieben alten Manne, der uns durch die heiligen Räume geleitet hatte, betrachteten noch einmal die herrliche Aussicht vom Klosterhofe aus, und setzten unsern Weg durch den Eichenhain nach Castelnuovo fort. Unterwegs lockte uns eine kleine Capelle auf einer mit Aloën bewachsenen Anhöhe an. Hier hatten wir den umfassendsten Rundblick. Tief zu unseren Füßen die begrenzte See; über den mit Myrten bewachsenen Hügeln schimmert silbern am blauen Horizont das unendliche Meer durch die höheren Spitzen getheilt. Auf der einen Seite die mit Epheu umsponnenen Mauern von Castelnuovo, nicht unweit davon türkisches Gebiet, auf der andern Seite die Wasserstraße zu den übrigen Bocche, an deren Ufern die lieblichsten Villen hingestreut lagen, alles dieses von dem herrlichen blauen Himmel überwölbt und von der mächtigen Sonne durchglüht! Wendete man sich um, so war die Aussicht groß, aber düster; die bizarrsten, bis in den Himmel langenden, schauerlich grauen Felsengruppen zeichneten sich scharf auf schwarzer Gewitterluft. Nur einzelne Häuser hängen an der steinigen Wand, umgeben von dunklen Cypressen. Das Ganze war geisterhaft, und doch zog es das Auge mit dunkler Macht an. Diese Bergwände schließen, bis in die Wolken ragend, die lieblichen Ufer der Bocche von dem düstern Montenegro ab, welches theilweise schon auf den Bergspitzen beginnt. Die Aussicht war so erhaben, einerseits mit südlichen Reizen bezaubernd, andererseits durch stolze Abgeschiedenheit Wehmuth erregend, daß ich zu meinen Reisegefährten sagte, dieser Platz locke mich an, mir hier einst eine Villa in venezianischem Geschmacke zu bauen, von deren Fenstern, Balkonen und Terrassen man jedesmal eine andere Aussicht genösse. Dieser Vorschlag wurde einstimmig mit Enthusiasmus aufgenommen. Wenn man reist, findet sich so mancher Fleck auf der Erde, wo man in feuriger Bewunderung ausruft: »Hier laßt uns Hütten bauen!« und viel zu thun hätte man, wenn man überall diesen heimlichen Wünschen nachgäbe. Den Hauptreiz dieser Gegenden bildete das glückliche Zusammentreffen der verschiedensten Naturerscheinungen: großes Meer, stille, seeartige Gewässer, Vereinigung der südlichen und nördlichen Vegetation, Palme und Eiche, Mittelgebirg und riesige Felsen.
Durch Weingärten und Haine bald steigend, bald sinkend, kamen wir endlich zum Fort spaniol, welches Castelnuovo krönt. In der Nähe desselben sahen wir ein verlassenes, dachloses Haus, dessen Wände dermaßen mit Epheu bewachsen waren, daß das Haus, wie die französischen Hecken, aus Bäumen geschnitten schien. Gleich daneben saß auf dem Wege ein uraltes Weib, eine hexenartige Gestalt; sie ging uns um Almosen an; als wir sie näher betrachteten, fanden wir, daß ihr ganzes Gesicht mit kleinen Kreuzchen bemalt war. Sie versicherte uns, der Pfarrer hätte sie so gezeichnet; vermuthlich geschah dies, um die arme Frau vor dem Aberglauben des Volkes, welches in diesem Punkte in Dalmatien noch sehr zurück ist, zu schützen. Vielleicht ist dies Mütterchen der böse Geist, der in dem verfallenen, mit Epheu besponnenen Gebäude haust. Auf dem der Sonne ausgesetzten Castel war eine glühende, drückende Hitze. Doch erfreute uns der so lange entbehrte Anblick österreichischer Soldaten. Die Weißröcke nehmen sich halt überall gut aus, im tiefsten Süden wie im höchsten Norden. Wir besahen die einzelnen Theile der Befestigungen, welche unter Carl V. von spanischen Truppen gegen die Muselmänner gebaut wurden, nachdem der Kaiser das Städtchen Castelnuovo den Venezianern genommen hatte. Die vier Eckthürme sind von einer außerordentlichen Festigkeit. In dem einen derselben befindet sich eine sehr gut gebaute Cisterne; über dem Eingangsthore ist eine sehr schön ciselirte türkische Inschrift, welche von den Mohammedanern gesetzt wurde, als sie das Fort den Spaniern abgerungen hatten. Beim Eingange der Stadt befindet sich ein freier Raum, von welchem die Volkstradition erzählt, er sei für die oft vorkommenden Zweikämpfe zwischen Spaniern und Muselmännern bestimmt gewesen. Die Stadt ist ärmlich und klein, mit engen und steilen Gäßchen. Am Ende derselben, gegen das Meer, liegt abermals ein aus starken Quadern erbautes Fort, welches in türkischen Händen war; wir besuchten es ebenfalls. Auf allen diesen erhabenen Punkten genießt man der schönsten Aussicht. Die innere Stadt ist ebenfalls mit einer hohen Mauer umschlossen, durch die ein sehr steiles Eingangsthor führt. Ueber diesen abschüssigen, schlecht gepflasterten Thorweg soll einst ein Bey im gestreckten Laufe hinunter gesprengt sein, man findet es fast unglaublich; doch so unbehülflich ein Türke zu Fuße ist, so gewandt und keck ist er auf dem schuhartig beschlagenen Wüstenrosse. Man zeigt auch dem Reisenden eine roth bemalte Stelle der Stadtmauer, auf welcher die Moslemin die blutigen Köpfe der Christen dem schaudernden Volke wiesen. Wir verließen die Stadt, fast verschmachtend vor Hitze, und kehrten durch die kühlenden Haine bei sinkender Sonne an den Mauern des uns so lieb gewordenen Klosters vorbei, zum Lazareth zurück. Nun ging es sich gar lieblich im stillen, friedlichen Abend. Erde, Meer und Lüfte ruhten vom schaffenden Tagesleben aus; und so thaten auch wir. Wir kehrten auf unser Schiff zurück und stärkten unsere müden Körper durch das auf dem Verdecke aufgetragene Mittagsmahl. Nach Tisch verfingen wir uns in einen politischen Streit, welcher einen Theil der Gesellschaft noch bis gegen eilf Uhr wach erhielt. Des andern Tages in der Frühe setzte sich unser Dampfschiff wieder in Bewegung, um uns in die übrigen Theile der Bocche zu bringen. Kaum hat man die Bucht, in welchem sich Kloster und Lazareth befinden, aus dem Auge verloren, so öffnet sich ein neuer, vom Meere gebildeter See. An Schönheit wohl der geringste, aber dennoch lieblich und freundlich. Die Berge, die ihn umgeben, sind sanfter gewölbt, und sind Vegetation und Cultur üppiger; fruchtbare Olivenwälder und reiche Weingärten, in denen sich die heiteren Campagnen befinden, bedecken die sanft aufstrebenden Ufer. Dieser Theil trägt mehr das Bild einer naiven Landschaft; den Gegensatz dazu bildet die nächstkommende Bocche. Das Meer verengt sich zu einem mit hohen Felsen umgebenen Canal; die laue Luft wird kalt und fast beengend, man glaubt sich in ein Felsenlabyrinth ohne Ausweg verirrt zu haben. Plötzlich erweitert sich das schroffe Ufer und man befindet sich in einem stillen melancholischen Gewässer, welches einem abgelegenen Gebirgssee vergleichbar ist. Die kahlen, rauhen Felsen zeichnen sich wiederspiegelnd in den tiefen blauen Fluthen ab. Dem Eingang gegenüber hängt ein niedlicher Ort an der steinigen Wand. Auf diesem freundlichen Punkte ruht das Auge mit Wohlgefallen; er gleicht einem zierlich gebauten Neste, an ernster Kirchenwand. Auf dem blauen Spiegel ruhen zwei Inseln, auf welchen sich Kirchen befinden. Der sonntägige Glockenschall begrüßte uns mit christlichem Ernste; da wir auch eine Messe hören wollten, hielten wir mit dem Dampfer, setzten uns in ein Boot und steuerten diesem Orte, Namens Perasto, zu. Derselbe ist von den Venezianern erbaut und erinnert im Kleinen an einzelne Theile der Hauptstadt des kaufmännischen Volkes. Die Sitze der Nobili, zierlich erbaute Paläste mit Balkonen und maurisch gemischten Fenstern, wechseln im lieblichen Gewirre mit einer für diesen Ort sehr großen Anzahl schön erbauter Kirchen, zwischen welchen sich einige schlanke Cypressen erheben. Als wir an das Land stiegen, fanden wir eine ziemliche Menge Volkes am Quai versammelt. Einzelne unter ihnen zeichneten sich durch ihr schönes eigenthümliches Kostüme aus. Die Trachten in Dalmatien sind, wie überall im Süden, sehr mannigfach und originell. Als wir nach einer Messe fragten, verwies man uns auf eine spätere Zeit. Wir benützten daher die Gelegenheit, einen Besuch auf einer dieser Inseln zu machen, welche durch ihre Madonnenkirche berühmt ist. Das ganze kleine Eiland gleicht einer schönen Terrasse, auf welcher die mit einer Kuppel versehene Kirche im byzantinischen Styl ruht. – Ein Fischer fand der Legende nach das Madonnenbild auf einem kleinen unter der Terrasse befindlichen Felsen; nachdem durch dieses Bild einige Wunder geschehen waren, beschloß man, auf dem Gestein eine Kirche zu erbauen; da aber der Raum zu klein war, warfen die frommen Bürger von Perasto so lange Steine in das Meer, bis sich aus dem Grunde hervor die kleine Insel bildete, auf der sie nun die Kirche bauen konnten, welche in ihrem Innern mit sehr hübschen marmornen Altären geschmückt ist. Doch damit die Fluthen nicht wieder verschlingen, was mühselig zusammen geschleppt wurde, muß jeder Schiffsbesitzer sein mit Steinen gefülltes Fahrzeug bei der Insel in die Fluthen ausladen. Als wir nach Perasto zurückkehrten, kündigte man uns an, daß wir die Messe für heute versäumt hätten. Wir bestiegen wieder unseren Dampfer und fuhren gen Cattaro. Aus dieser felsigen, melancholischen Bocche kommt man in eine andere, an deren einem Ufer die schroffen Felswände bis Cattaro fortlaufen, während sich an dem andern eine der reizendsten Landschaften dem Auge darbietet. Welcher dieser Bocche der Vorzug gebührt, ist schwer zu entscheiden; unstreitig ist aber die letzte die belebteste, denn Haus an Haus steht längs dem Abhange, mit zierlichen Gärten umgeben, in denen Palmen mit Cypressen und Orangenbäume mit Granaten wechseln. Einen besonderen Eindruck macht die Cypresse, welche bei den so häufigen griechischen und katholischen Kirchen überall gen Himmel zeigt. – Die Häuser, welche im frischesten Grün liegen, deuten alle auf Wohlstand; sie gehören auch meist reichen Schiffskapitänen, deren Weiber zu Hause am Spinnrocken plaudern, während die Männer in den amerikanischen Gewässern mit den Wogen kämpfen. Neben manchen Gebäuden sieht man auch Schiffe, welche auf eine glückliche Zurückkunft deuten sollen, in kleinen, gerade für die Größe des Fahrzeugs passenden Docks liegen. Ganz am Ende dieser großen, langen und schönen Bocche liegt das Städtchen Cattaro an einer Felswand angelehnt, auf welcher sich in schwindelnder Höhe das Fort befindet. Neben demselben geht eine, von der österreichischen Regierung gebaute, sehr kunstreiche Straße nach Montenegro, die bestimmt ist, den Verkehr zu erleichtern; – die Montenegriner aber lassen sie unbetreten und ziehen es vor, die steilen Felsen hinunter zu klettern. Da Cattaro eine Festung ist, sieht man beim Ankommen nur wenig von der Stadt, die auf einen sehr engen Raum gebaut ist; man wäre fast geneigt, es für das Ende der Welt zu halten, so umgeben es die drohenden Felsenmassen. Wir ließen unser Fahrzeug auf einige Stunden halten. – Auf der Rhede waren mehrere Schiffe, unter andern der Dampfer Curtatone von der Kriegsmarine. Als wir gelandet hatten durchliefen wir die Stadt, welche außer einem hübschen, halb gothischen, halb byzantinischen Domportale und einigen im venezianischen Style erbauten Häusern nichts Bedeutendes aufzuweisen hat. Gegen vier Uhr kehrten wir auf dem Wege, den wir am Morgen gekommen waren, bei der herrlichsten Abendbeleuchtung zurück. Das Licht war gemildert und die Konturen zeigten sich schärfer. Die verschiedenen Gegenstände hatten noch den südlichen Anstrich, wenn gleich nicht in der Stärke und Wärme wie Griechenland. Dem felsigen Ufer, welches wir des Morgens unberücksichtigt gelassen hatten, nahten wir uns jetzt mehr und sahen, daß es große Naturreize aufweist, und an mehreren Orten mit den freundlichsten Dörfchen geschmückt ist. Abends ankerten wir wieder in der Bucht des Lazarethes. Das Gefühl, welches sich in uns beim Anblick der Bocche geregt hatte, war Staunen, daß man bei uns in der Heimat nicht mehr von dieser herrlichen Gegend wisse. Alles strömt nach Nizza, Florenz und andern halb südlichen Gegenden, während man nicht ahnt, daß man im eigenen Vaterlande so viel Schönes hat, welches allen Reiz der Vegetation vereinigt, und sich des herrlichsten, immer sanften Klima's erfreut. Die venezianischen Paläste stehen leer, sie verlangen nur um 800 bis 1000 Gulden gekauft, und dann bewohnt zu werden, um den Besitzern die herrlichsten Räumlichkeiten und lieblichsten Aussichten darzubieten; aber nein, man rast in die Ferne, läßt sein Geld in Massen unter fremden Völkern aufgehen, und begnügt sich mit einer schlechten Wohnung, nur um in der Fremde zu sein; fühlt sich glücklich weil man sich modern findet und seufzt über das uninteressante langweilige Vaterland. Freilich ist die Civilisation in diesen südlichen Gegenden von Oesterreich nicht sehr fortgeschritten. Entschließt sich aber einmal ein reicher, an Comfort gewöhnter Mann, seine Wohnung hier aufzuschlagen, so ist der Grund gelegt, und die Gescheidten werden sich glücklich fühlen, ein solches Paradies, wo Palme und Eiche brüderlich wachsen, ihr eigen nennen zu können.