Meeresrauschen.
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Mehr noch als der Anblick des Meeres überrascht seine Stimme. Sie wird überall vernommen auf hoher See und am Strande, und immer wechselnd bewegt sie in immer neuer Weise das Gemüt. Bald erbraust sie in erhaben-gleichförmigem Rhythmus; es ist die Sprache der Wasserwüste, das Nachtönen des „Werde!“, welches die Schöpfung ins Dasein rief. Bald glaubt man ein tiefes Atemholen der Flut zu hören oder ein träumerisches Murmeln und dann wieder ein Klatschen und Schmettern mit langgezogenem Widerhall, bis die Stunde des Sturmes kommt, da das Element in entfesselter Größe überschwillt und mit seinen rollenden Donnern die Erde zittern macht. Aber die empörten Wogen kehren wieder in ihre Bahn zurück, und nun scheint ihre Stimme nicht mehr zürnend, sondern voll klagenden Gesanges. Das Ohr unterscheidet allmählich auch die leiseren Töne in dem Riesenorchester, das Flüstern und Klingen der einzelnen Wellen, und in das Spiel der Phantasie verloren, vermeinen wir wohl die Bäche und Bächlein der Heimat wieder zu vernehmen, die im Ozean nach langer Wanderung ein Ziel gefunden haben. Auch das sind Meeresszenen voll tiefen, fast feierlich-sehnsüchtigen Reizes, der freilich dann am ergreifendsten wirkt, wenn im Dufte des unendlichen Horizontes die Gestirne der Nacht aufsteigen oder versinken vor dem Auge des Schiffers.
Herm. Masius.
