Die Geschichte eines Suchenden. (continued 8)
Reading edition

Euch Königen. Höret mein Lied! Schaut um euch und schaut rückwärts, Ob das, was ich singe, Wahr sei und recht! Ihr aber werdet sehen: Es ist so! Ungerechtigkeit verwüstet alle Länder, Und loses Leben stürzet die Stühle der Gewaltigen! So höret nun, ihr Könige, Und merket! Lernet, ihr Richter auf Erden! Horcht auf, ihr, die ihr über viele herrschet, Und nehmt's euch zu Herzen, Ihr, die ihr euch erhebt über die Völker! Denn euch ist die Obrigkeit gegeben vom Herrn! Und die Gewalt vom Höchsten, Welcher wird fragen, wie ihr handelt, Und forschen, was ihr ordnet! Denn ihr seid seines Reiches Amtleute; Aber ihr führet euer Amt nicht fein, Und haltet kein Recht! Und tut nicht nach dem, Was der Herr geordnet hat! Er wird gar greulich und kurz über euch kommen, Und es wird gar ein scharf Gericht gehen Über die Herren! Denn den Geringen widerfährt Gnade. Aber die Gewaltigen werden gewaltig gestraft werden, Denn der, so aller Herr ist, Wird keines Person fürchten, Noch keines Mächtigen Macht scheuen! Er hat beide, die Kleinen und die Großen, gemacht Und sorget für beide gleich! Über die Mächtigen aber wird ein stark Gericht gehalten werden! Mit euch, Tyrannen, rede ich, Auf daß ihr Weisheit lernet, Und daß es euch nicht fehle! Denn wer heilige Lehre heiliglich hält, Der wird heilig gehalten! Und wer dieselbige wohl lernet, Der wird bestehen! — So laßt euch nun meine Rede gefallen; Begehret sie und laßt euch lehren! Denn die Weisheit ist schön und unvergänglich, Und läßt sich gerne sehen vor denen, Die sie lieb haben, Und läßt sich finden von denen, Die sie suchen! Ja, sie begegnet Und gibt sich selbst zu erkennen denen Die sie gern haben! Wer sie gern bald hätte, Der bedarf nicht vieler Mühe: Er findet sie vor seiner Tür auf ihn warten! Denn nach ihr trachten, Das ist die rechte Klugheit! Und wer dürstet nach ihr, Darf nicht lange sorgen! Denn sie gehet umher und suchet, Wer ihrer wert sei! Und erscheint ihm gern unterwegs, Und hat acht auf ihn, daß sie ihm begegnet! Denn wer sich gerne läßt weisen, Das ist gewißlich der Weisheit Anfang! Wer sie aber achtet, Der läßt sich gern weisen, Wer sich gern weisen läßt, Der hält ihre Gebote; Wo man aber die Gebote hält, Da ist ein heilig Leben gewiß! Wer aber ein heilig Leben führt, Der ist Gott nahe! Wer nun Lust hat zur Weisheit, Den macht sie zum Herrn. Wollt ihr nun, ihr Tyrannen im Volk, Gern Könige und Fürsten sein! So haltet die Weisheit in Ehren, Auf daß ihr ewiglich herrschet.

Meiner Königin! Um eine Handvoll Sonnenschein Für meines Lebens Arbeit bat ich dich! Da griffst du strahlend In den blauen Himmel Und warfst mir lachend Eine Handvoll Sonne zu — Und Wunder über Wunder! In Sonne strahlte plötzlich alles Land. Und sonnenübergossen stand ich da. Und wohin ich ging, Und wohin ich kam, Zu reich und arm, Zu krank und siech, Sie alle faßten meine Hand Und küßten sie: Du Sonnenspender, hilf uns! Gib uns von deiner Wärme, Deinem Licht, Und führ' uns! Da zog ich alle an mein Herz, Ob reich, ob arm, Ob krank und siech, Und küßte sie auf ihre Stirn Und ihren Mund Und heilte sie. Doch keiner wußte, Daß es deine Sonne war, Die sie geheilt, Die du vom Himmel mir herabgeholt. Nur einer weiß es, Der auch deine Sonne ist, Und das genügt. Du aber hab' Dank Für deine Wärme und dein Licht, Das du auf meinen Lebensweg Mir warfst, Und laß zum Dank Für dich mich leben In deiner Sonne!

Als ich zu Ende gelesen, warf ich mich angekleidet auf mein Lager. Und als ich so dalag, und nun, ein Heimkehrender, meine Reise überdachte, da war es mir, als sei das abgebrannte Gotteshaus in mir selbst wieder neu erstanden. Wie unten in den Gewölben der zerstörten Kirche die vermoderten Gebeine von Generationen ruhten, so hatte ich die verrotteten Vorurteile, die uns und unsere Kultur hemmen und binden, abgestreift und in dem tiefsten Keller meines Herzens begraben.
Aus der Fülle der Erinnerungen aus meiner Jugend und meiner Kampfzeit heraus hatte ich, wie die Bauleute auf den stehengebliebenen Fundamenten der alten Kirche den neuen Bau ausführten, neue Kraft, neue Hoffnungen geschöpft und nun mit der Kraft der neuen Erfahrungen und Erkenntnisse einen neuen Turm in den Himmel meiner Hoffnungen und meines Aufwärtsstrebens erbaut.
Fest und gerade wuchs er empor. Säulengleich trug die Erkenntnis von der Bedeutung des Weibes als der Sonne unseres Lebens die Kuppel des ganzen stolzen Baues: das uns über die Erde hebende Bewußtsein, daß wir eins sind in unserem Geiste mit dem Geiste, der das All beherrscht, mit Gott, — dem Geiste, dessen Wesen gipfelt in dem einen Begriffe, in der Liebe — in der Liebe zu unserem eigenen besseren Ich, in der Liebe zu unserem Nächsten, in der Liebe zu unserem Volke, in der Liebe zur Menschheit! — —
Dann schlief ich ein, und schlief so tief und ruhig, wie auf der ganzen Reise nicht, — wie einer, der weiß, daß er nun bald daheim ist.
Wundervoll führte mich mein Traum. Ich saß in der neuerbauten, großen Michaeliskirche, neben mir, Hand in Hand, mein Weib. Und an der Orgel saß Gustav, mein lieber, junger, blinder Freund, dem ich von Pará aus den Text zu meinem Oratorium geschickt hatte. Aber er war sehend geworden.
Und um ihn herum der Kirchenchor. Es war das Fest der Einweihung der neuen Kirche. Der Senior hatte seine Predigt gerade beendet. Nun erklang die Orgel. Wie die Melodie sich mit meinem Texte verwob, als nun der Chor einsetzte! — So ist's im Leben, — unser eigenes, inneres Leben ist die Melodie, — die Begleitung, das ist der Lärm des Tages, die Freude und die Not, die uns umgibt; jauchzend und klagend begleitet sie uns durchs Dasein, wo immer wir auch sein mögen; — dumpf und tief, wie die Baßnoten der Begleitung klingen die Nöte und das Leben der fremden Völker in unseres eigenen Lebens Symphonie hinein, — machtvoll, ergreifend, bestimmend, — und doch immer wieder drängt die eigene Melodie sich vor mit ihrer Sehnsucht nach Liebe und ihrer Sehnsucht, Liebe zu geben. —
Und mein Kaiser saß in der Kirche, mitten unter seinem Volke, um unseren neuen Tempel weihen zu helfen! —
Da schließlich klang das Oratorium aus in einen Jubelhymnus, alle Not übertönend, mit allem Irdischen, mit dem Tode selbst uns versöhnend. — Dann andachtsvolle Stille, — und — — — — —
Und nun, — was ist das? —
Mir träumte weiter, die Tür sprang auf und herein stürmte die Schar meiner Kinder, mit Blütenzweigen in den Händen, und jubelten und lachten und küßten mich.
Plötzlich wachte ich auf. Der Kapitän hatte mich bei der Schulter gefaßt und schüttelte mich: »Doktor, wir sind in Hamburg! Liegen Sie hier bei offener Kabinentür, daß der Schnee Ihnen auf die Koje weht!« — Da sprang ich auf. Und wie ich aus der Tür auf Deck trat, brach durch allen Nebel und winterliches Gewölk mit einem Male in vollem. Strahlenglanze die Sonne durch, das Schiff, den Hafen, die Vaterstadt und weiterhin den Fluß, die Deiche, die weiten Heideberge mit Frühlingszauber überschüttend. Vor mir aber lag hochaufragend, neu erstanden aus Schutt und Asche, in hellem, goldenen Sonnenlichte die neuerbaute Kirche und auf hohem Hügel ihr gegenüber übermenschlich, groß, ernst, hoheitsvoll, gebieterisch, wie der Geist der Weltgeschichte selbst, das granitene Standbild des größten deutschen Mannes, des Mannes der Tat.
So war ich denn wieder daheim. Einst war ich niedergebrochen gewesen durch die Größe des menschlichen Elends und die Lieblosigkeit der Menschen und hatte gedacht, all diesem zu entfliehen, wenn ich übers Meer ging. Aber ich fand Elend und Herzeleid, wohin ich ging. Doch das Elend, das mich erdrücken wollte, das Elend meiner Heimat, meines Volkes, meines Vaterlandes lernte ich aus der Ferne übersehen, — ich gewann neuen Überblick.
Ich übersah aus der Ferne die Scharen der Mitkämpfenden besser, als ich es vordem in der Heimat gekonnt hatte, sah, daß die Scharen der Freunde und Gleichgesinnten bereits Legion war, — gerade da draußen in der Fremde, da war es mir so recht zum Bewußtsein gekommen, welch gewaltige Zahl der Besten und Klügsten in der vordersten Schlachtreihe kämpfte.
Gleichzeitig lernte ich fremde Menschen kennen, von denen der eine dieses, der andere jenes Unglück erlitten — und überwunden hatte, fremde Völker, von denen das eine dieses Elend, das andere jenes Elend aus der Welt geschafft und so unsere menschliche Kultur gefördert hatte.
Da wurde ich befreit von dem Drucke, der auf mir lastete, und bereichert und gekräftigt und gesundet kehrte ich heim, — mit neuer Kraft, zu neuem Leben, zu neuem Kampfe, zu neuem Lieben.
Denn das war der größte Gewinn dieser Reise, das fühlte ich, — die Einsicht, daß wir vor allem dieser einen Kraft mehr bedürfen, als bisher, um das Unglück und das Böse, um alles Dunkele, um den Tod zu überwinden, dieser einen Kraft viel, viel mehr bedürfen, als wir je uns klar gemacht, — der Liebe: Der Liebe zu unseren Vorfahren, der Liebe zu unseren Kindern und Kindeskindern, der Liebe zu Kraft und Gesundheit, der Liebe zu unserem Körper, als dem Gefäße unserer Seele und dem Samen für unsere Nachkommen, der Liebe zur Schönheit, der Liebe zur Kunst, der Liebe zur Natur; der Liebe zu unserer Rasse, zu dem Menschengeschlechte, wie der Liebe zu den Pflanzen und zum Tiere; der Liebe zu unserer Heimat mit ihren Hecken und Blumen, mit ihren Flüssen und ihren Wäldern, mit ihren Heiden und ihren Seen, zu unserem Vaterlande, zum Meere, dem unendlichen Meere, und zu der Ferne dort drüben über dem Ozean, wo Raum für neue Menschheiten ist.
Wir müssen die Erinnerung mehr lieben; denn sie verlängert unser Leben ins Unendliche, weil wir aus der Unendlichkeit stammen. Und die Hoffnung, denn sie ist der Pfad, der uns aus kalten Schattentälern zu sonnenbeschienenen Höhen führt!
Vor allem aber müssen wir die Gegenwart mehr lieben. Schön soll sie sein und reich an Liebe und Sonnenschein für uns und die anderen, damit die Erinnerung aus ihr schöpfen und die Zukunft auf ihr fußen kann!
Und das ist wahr! Das Weib muß den Mann wieder mehr lieben um des Mannes willen, und der Mann das Weib um des Weibes willen. Denn das Weib ist für den Mann das, was Gott für die Welt ist, — das Weib ist das Symbol für die Seele der Welt. So sei das Weib die Seele des Mannes: rein, weich, keusch, stark und feurig. Das Weib muß die Liebe selbst sein und eins mit dem Manne, dem Symbol der kreisenden, schaffenden Welt.
Und das, was beide zusammen erzeugen, bedarf unserer größten Liebe: wir müssen das Kind mehr lieben, denn es ist hilflos und bedarf unserer Stärke! So müssen wir auch die Armen mehr lieben und die Unterdrückten, denn sie bedürfen unserer Kraft! Unser ganzes Volk müssen wir mehr lieben, denn aus ihm sind wir entsprossen; und unsere Fürsten, denn sie sind unser Hort. Und die Fürsten, sie müssen ihre Völker mehr lieben; denn ohne ihre Völker sind sie wesenlose Schatten!
Wir müssen die Pflicht mehr lieben, denn sie ist das Band, das die Menschheit zusammenhält; und die Freiheit, damit jeder einzelne das werden kann, wozu er berufen ist, — ein Mensch! Wir bedürfen größerer Liebe für den Ernst des Lebens und für die Fröhlichkeit, einer größeren, heiligen Liebe zur Einsamkeit und Ruhe nach ernster Arbeit und frohem Feste, einer größeren, heiligen Liebe für die Wahrheit und die Gerechtigkeit. Wir müssen den Stolz mehr lieben, wir selbst zu sein, und müssen Liebe hegen gegen die Ehrfurcht vor dem Größeren. Wir müssen den Haß wieder lieben lernen, den Haß gegen alles Schlechte und Gemeine, gegen alles Niedrige und Kleinliche, den Haß gegen alles, was uns krank und schwach macht. Wir müssen das Wort mehr lieben, auf daß es schön und groß und gut und friedfertig sei; aber mehr noch als das Wort müssen wir die Tat lieben. Das ist der Weg, der allein unsere Kultur zum Ziele führen kann: mehr Liebe!
Wir müssen das Leben mehr lieben lernen und den Tod und vor allem Den, Der in diesem allen lebt, dieses alles umfaßt und begreift, den Geist des Alls — Gott! Denn Gott ist die Liebe, und Leben heißt Lieben. So laßt uns mehr leben durch mehr Liebe! Denn Liebe ist Sonne, und ohne Sonne kein Leben. Wie die Sonne der Tropen soll die Liebe unser Leben durchfluten, erhellend, erwärmend! Mehr Sonne, mehr Liebe! — — —
Als ich die Blätter, die mein sterbender Freund mir anvertraut, gelesen hatte, sah ich in meinem Geiste ein seltsames Bild: ein leuchtendes Leben hob sich von einem gewaltig großen, dunklen Hintergrunde ab. Aber am Horizonte lichtete sich das Dunkel. Golden und purpurn stieg da der junge Tag herauf.
Und während ich noch das Bild mit meinem inneren Auge sah, hörte ich eine schlichte, aber starke Melodie und ein Brausen, wie mächtige Orgeltöne einer wunderbar ergreifenden und erhebenden Begleitung.
Und dann schritt ich im Geiste mit traumhaft großen Schritten neben meinem Freunde über die Heide und sog den ganzen Zauberduft des Nordens ein. Er aber wies auf eine Reihe roter Ziegeldächer am Waldessaume hin, von denen leichte Wölkchen Rauch aufstiegen, — ein Bild des Friedens.
Und höher und immer höher stiegen wir bergan, bis der Wald aufhörte, — da, wo der ewige Schnee begann. Und das weite Land mit seinen qualmenden Städten und seinen duftenden Heiden lag wie Ameisengewimmel zu unseren Füßen.
Da verstand ich ihn, was er meinte, wenn er so oft sagte, wir müßten wieder lernen, die großen Probleme unserer Kultur aus der Vogelperspektive zu sehen.
Seltsam, — es war mir, als ob er noch lebte, und war doch nun gestorben, wie wir alle sterben müssen. Und hatten ihn da oben unter den Schnee gebettet, — ganz nahe der Sonne.
Und im Frühling, — mußte ich denken, — wenn der Schnee kam, dann löste auch sein Leib sich in seine Atome auf, und die Schneewässer nahmen sie mit zu Tal und düngten mit den Atomen die Wiesen und Äcker und verwandelten so seinen Leib in Algen, Halme und Blumen.
Aber das, was Geistiges an ihm war, seine große Liebe zu den Menschen und den Tieren und den Blumen und zu der Summe aller der Liebe, die das All durchflutet, die er Gott nannte, dieses Geistige, — nennen wir es seine Seele — das hatte längst Wellenringe der Liebe ausgestrahlt, die ebensowenig untergehen werden, wie die Atome seines Leibes, die die Schneewässer zu Tal führen.
Diese lose aneinandergereihten Blätter hatten eigentlich ein Buch werden sollen, hatte er mir kurz vor seinem Tode einmal anvertraut, ein großes, starkes Buch, das den Menschen helfen sollte, gesunder und froher, freier und glücklicher zu werden, ein Buch für Völker und Könige.
Aber der Tod war ihm zuvorgekommen. So sende ich denn diese Blätter in die Welt, wie ich sie von ihm empfangen habe. Mögen Wellenringe des Guten von ihnen ausgehen und, wie der Lebende es wünschend im Geiste geschaut, sich umwandeln durch Liebe in die Tat zu neuem Leben.
Verlag von Ernst Reinhardt in München
Im Kampf um die Ideale
Die Geschichte eines Suchenden von Georg Bonne
Vollständige Geschenkausgabe
544 Seiten 8° — Preis broschiert M. 4.—, gebunden M. 5.— Gekürzte Volksausgabe 17.— 20. Tausend. Preis gebunden M. 3.50
Eine Voraussage des Weltkrieges Von der deutschen Dichtergedächtnisstiftung in 1500 Exemplaren angekauft
Urteile der Presse:
»Hamburger Nachrichten« 12. Juli 1910. Wir müssen sagen, wenn das Wesen eines wertvollen Buches darin besteht, daß es durchaus nur von dem einen geschrieben werden kann, der es schrieb, und daß es dessen ganze Persönlichkeit in sich zusammengefaßt und einen Teil von deren lebendiger Wirksamkeit auf den Leser zurückstrahlt, dann gehört das Buch sicher zu den wertvollen. Die Persönlichkeit des Verfassers spiegelt so daraus hervor, daß man zugleich Respekt vor ihr hat, Respekt vor ihrer Geradsinnigkeit und ihrem rüstigen Mut, die Dinge anzugreifen und zu wirken, wo überhaupt sich ein Wirkungsfeld zu erschließen scheint.
»Kölnische Zeitung« 17. August 1910. Ein warmes, lebhaft pochendes Herz breitet hier seine Sehnsucht, seine Hoffnungen und seine Ideale vor uns aus; ein Arzt, den seine Fahrten vielfach in der Welt umhergeführt haben, den seine Praxis mit dem Bettler und mit dem Protzen zusammengeführt hat, und der manches Mannes Gemüt erkundet hat, erzählt, bald behaglich plaudernd, bald mit dichterischem Schwung, aber stets des Zieles wohlbewußt, allerlei Beobachtungen, Erlebnisse und Schicksale aus dem bunten Leben der Menschen, die der Wahn und die Leidenschaft oft irregeführt und die eine treue Freundeshand zuweilen rettet. Man kann dem Werke nur gute Fahrt wünschen.
»Neue Hamb. Zeitung« 17. September 1910. Seine mutigen, helltönenden Anklagen gegen die kleinen und großen Mächtigen dieser Erde verdienen ein lautes Echo. Und darum ist dem Buche schnell eine zweite Auflage zu wünschen, der dann — man müßte sich schwer getäuscht haben, wenn es anders wäre — weitere folgen werden.
Dr. Holitscher schreibt in der »Internationalen Monatsschrift zur Erforschung des Alkoholismus«: Schon lange, lange habe ich nichts gelesen, was mich so tief gepackt und erschüttert hat wie diese Blätter. Ich habe sie mit dem Gefühl aus der Hand gelegt, neben diesem Prachtmenschen, der das geschrieben, gedacht und gefühlt hat, ein schwacher, armer, unwürdiger Irrender zu sein, aber auch mit dem sicheren Empfinden, daß mich dieses Buch besser gemacht hat, wie noch kaum je eins zuvor. Das ist Christentum, das ist Liebe, das ist Wahrheit! Ja, mögen die Wellenringe all des Guten, das es enthält, von ihm ausgehen, Liebe säen und neues Leben erwecken.
»Hamburger Hausfrau« 18. September 1910. Was für ein gesundes, starkes, freigewordenes Buch ist es! Das Donnern und Brausen des Ozeans tönt darin; die fruchtbaren Wälder rauschen in ihrem köstlichen Grün, die Maschinen stampfen; die Menschen leben ihre Ruhetage in ihren Leidenschaften und Hoffnungen; aber die Sonne des Südens steht darüber wie eine große heilige Freude, und die Sprache, die darin anklingt, ist wahr und tönend vor Liebe.
Solche Bücher braucht unsere materialistische Zeit, braucht ein Geschlecht, das der schrankenlosen Erotik weihrauchumduftete Altäre errichtet hat. Männer und Frauen aller Stände sollten es lesen. Pädagogen und Politiker, Kaufleute und Handwerker, Ärzte und Priester, keiner, er mag zu all diesen Fragen stehen wie er immer will, wird sich der flammenden Wahrheit, die aus diesen Blättern herausleuchtet, entziehen, und keiner wird unberührt bleiben von dem hohen Idealismus, der uns daraus entgegenweht.
»Deutscher Guttempler« 1910, Nr. 25. »Im Kampf um die Ideale« ist ein außergewöhnliches Buch. Außergewöhnlich seines eigenartigen Aufbaues wegen. Der gewaltige Stoff, die Fülle reichen Lebens, die Kämpfe und Probleme, an die uns der Dichter heranführt, ließen sich schwer in die Form einer geschlossenen romanhaften Erzählung pressen. Dafür gestattet das Buch aber demjenigen, der seinen reichen Stoff beherrscht, beliebig oft kleine Ausschnitte herauszugreifen und als selbständigen Unterhaltungsstoff einem kleinen oder großen Kreise von Zuhörern zu bieten. Neulich erlebte ich das in einer Loge in Hamburg, in welcher ein Mitglied recht geschickt die Geschichte, wie Bonne zum Orden kam und Guttempler wurde, vorlas. Das wirkte so tief, so wirklich ergreifend auf uns Zuhörer, daß wir geradezu erschüttert waren. Da ging mir die Gewißheit auf, daß hier ein wahrer Schatz für unsere Logen uns beschert worden ist, an dem wir reiche Freude finden müssen.
»Tägliche Rundschau« 22. November 1910. Ich habe noch kein Buch gelesen, dem in so reichem Maße die Kraft innewohnt, den ermüdeten Kämpfer zu stärken, dem Verzweifelten die Zuversicht an dem endlichen Siege des Guten wiederzugeben, es sei denn — das Evangelium. Und in der Tat: Geist des Evangeliums ist es, der diesem Buche seine Kraft, sein Feuer und seine anziehende Milde verleiht.
Starke Persönlichkeiten fordern immer auch den Widerspruch heraus. Aber man wird stets wieder nach dem Buche greifen; denn es zieht an, es fesselt durch die Fülle und Größe der Gedanken gleich wie durch die Kraft, mit der sie vorgetragen werden, durch den Reichtum und Fülle der Empfindungen und vor allem durch die Macht der Persönlichkeit des Verfassers, von der ein suggestiver Zwang ausgeht, welcher den Leser in den Kreis seiner Ideen nötigt. Es ist ein starkes Buch; eines, welches Wellenringe des Geistes aussendet, die fortwirken werden, gleichgestimmte Schwingungen erregend. Es ist ein Trompetenruf zum Sammeln, wie er not tut in unserer Zeit, in welcher viele Menschen nur ihre eigenen Interessen sehen und verfechten, zur Sammlung um die hohen Güter unserer deutschen Kultur.
»Die Hilfe« 31. Dezember 1910. Das ganze Buch will nichts anders mit seinen oft lose aneinander gereihten Blättern sein als das schlichte, offene Bekenntnis eines warmherzigen und tatkräftigen modernen Arztes. Als solches kann es auch wiederum manchem Leser zu einem wertvollen, starken Lebensbuche werden. Gerade solchen, die inmitten der Nöte unseres gesamten öffentlichen und sozialen Lebens oft den Mut verlieren wollen, sei dieses Buch als Führer zu einem tatkräftigen Idealismus empfohlen. Der Druck des Buches ist ausgezeichnet und fehlerfrei.
Weitere belletristische und sozial-hygienische Schriften von Sanitätsrat Dr. G. Bonne, Kl. Flottbek.
1. Ein Mahnruf aus Jungdeutschland an Jungdeutschland. Th. Stauffer, Leipzig, 1881.
2. Kampfgesänge u. Friedensklänge. Georg Hertz, Würzburg, 1891.
3.Vorschläge zur Vereinfachung und zum Ausbau unserer heutigen Arbeiterversicherungen. Georg Hertz, Dresden, 1896.
4. Die Notwendigkeit der Reinhaltung der deutschen Gewässer. F. Leineweber, Leipzig, 1901. M. 4.—
5. Die Notwendigkeit einer systematischen Dezentralisation unserer Großstädte in hygienischer und sozialer Beziehung. Gustav Fischer, Jena, 1904.
6. Unsere Trinksitten in ihrer Bedeutung für die Unsittlichkeit nebst deren Folgen. Chr. G. Tienken, Leipzig, 1901. 25 Pf.
7. Mäßigkeit, Enthaltsamkeit und Christentum. 5. Auflage. Deutschlands Großloge II des J. O. G. T., Hamburg, 1902.
8. Über den Trinkzwang beim Broterwerb. 4. Aufl. Deutschlands Großloge. 1903. 10 Pf.
9. Unsere Trinksitten in ihrer Bedeutung für den Eisenbahner und das reisende Publikum. 2. Auflage. Deutschlands Großloge II des J. O. G. T., Hamburg, 1903. 25 Pf.
10. Die Bedeutung der modernen Alkoholfrage für den deutschen Kaufmannsstand. 2. Auflage. Deutschlands Großloge II des J. O. G. T., Hamburg, 1903. 50 Pf.
11. Der Giftbaum des deutschen Volkes. 3. Auflage. Deutschlands Großloge II des J. O. G. T., Hamburg, 1903. 10 Pf.
12. Die Alkoholfrage in ihrer Bedeutung für die ärztliche Praxis. 2. Auflage. Osiander'sche Verlagsbuchhandlung, Tübingen, 1904.
13. Die Zustände in der Unterelbe u. ihren Nebenflüssen im Jahre 1911. Kommissionsverlag Gebrüder Lüdeking, Hamburg, 1912.
14. Die Klagen der deutschen Binnenfischer über die zunehmende Verunreinigung unserer Gewässer. Kommissionsverlag Gebrüder Lüdeking, Hamburg, 1912.
15. Die soziale Frage als Bergkristall betrachtet. Ein Wegweiser im Kampf um die Ideale. Vortrupp-Verlag, Hamburg, 20 Pf.
Soeben erschien von dem Verfasser von »Im Kampf um die Ideale«:
Heimstätten für unsere Helden
Ein Mahnruf an alle Vaterlandsfreunde von Sanitätsrat Dr. Georg Bonne, Oberstabsarzt d. R. 128 Seiten. Preis M. 1.80.
Vom Bund deutscher Bodenreformer den Mitgliedern des deutschen Reichstages überreicht.
Mehr Nahrungsmittel!
Praktische Lehren des Weltkrieges über die Notwendigkeit der Harmonie zwischen Hygiene und Volkswirtschaft von Sanitätsrat Dr. Georg Bonne, Oberstabsarzt d. R. 208 Seiten. Preis brosch. M. 4.—, gebunden M. 5.—
Osterglocken, Heimatklänge, Suchende Liebe
Dichtungen von Georg Bonne. 243 S. Preis steif brosch. M. 2.80.
Lieder der Arbeit
Von Georg Bonne. 32 Seiten stark geheftet Preis 50 Pf.
Vorwärts mit Gott!
VonGeorg Bonne. Lieder an mein Volk. Steif geheftet Preis 50 Pf.
Der Tempel der Schönheit
Schauspiel in drei Aufzügen von Georg Bonne. Neue, für die Bühne bearbeitete Auflage. Preis M. 1.50.
Die Zeitschrift »Bühne und Welt« schreibt in der Nummer vom 1. Mai 1914: Das vorliegende dramatische Gedicht in drei Akten steht hoch über dem Durchschnitt. Es ist die Schöpfung eines echten Dichters und Dramatikers nach Handlung und Charakteristik. W.