Jules Jouy
Joseph Jaffé translation

1855-1897

Lied der Bergarbeiter
Woher kommt Ihr, sagt mir’s doch! In der Erde schwarzem Schlunde Hausen wir, im finstern Loch, Auf verderbenschwangerm Grunde. Da unten strahlt die Sonne nicht, Im Schatten, bei der Grubenlampe Licht Entflieht in trübem Einerlei die Stunde. Das Leben jagt, des Schicksals Kugel rollt, Wenn es uns auch grollt, Ist’s dem Reichen hold, Die schwarze Kohle wird zu rotem Gold. Warum flieht Ihr, sagt mir’s doch! Sind dem Tode grad entsprungen, Unten erntet er im Loch Und vergiftet uns die Lungen, Wie schwarze Vögel durch die Nacht Rauscht das Verderben durch den dunkeln Schacht, Es rafft dahin die Alten und die Jungen, Wir fahren täglich ein um kargen Sold. Wenn das Schicksal grollt, Ist’s dem Reichen hold, Die schwarze Kohle wird zu rotem Gold. Was verdient Ihr, sagt mir’s doch, Wenn Ihr emsig schafft da drinne? Unsere Arbeit dort im Loch Bringt uns Elend zum Gewinne. Vom Morgen bis der Tag erblaßt Sitzt an dem Tisch der Hunger uns als Gast, Die Kinder gehn in Lumpen, Herz und Sinne Verdorren, unser Schicksal hat’s gewollt! Wenn es uns auch grollt, Ist’s dem Reichen hold, Die schwarze Kohle wird zu rotem Gold.


Der bleiche Mann
Du bleicher Mann, kennst Du der Sonne Strahl? Wie alle Welt hab ich gehofft einmal, Er würde leuchten mir in frohen Stunden, Ein Los vergolden auch für mich vielleicht ... Des Elends Dämmerlicht hab ich gefunden, Das hat mein rotes Blut schon längst gebleicht. Du bleicher Mann, ist Hunger Dir bekannt? Wie alle Welt hofft ich am Straßenrand Das Brot zu finden zum bescheidnen Mahle, An Wein zu denken hab ich auch gewagt ... Geleert hab ich des Elends bittere Schale, Die Satten haben frech mein Brot zernagt. Du bleicher Mann, kennst Du der Liebe Macht? Wie alle Welt hab ich einmal gedacht, Auch meiner würde sie sich noch erbarmen, Mir würde auch ein Stückchen Glück beschert ... Das Elend preßte mich mit starken Armen. Es hat mein Hirn, es hat mein Herz geleert.

