Die Seele an ihren schlaffenden Leib.
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Ruhe sanft, unaufgeklärter Gefährte dieses schwächeren Lebens! ruhe sie durch diese dunkleren Stunden des Daseyns! erholle dich — vielleicht zum letztenmal — im finsteren irdischen Thale. Lebe sie durch diese todten Stunden der Nächte, bis mir und dir vergönnet seyn wird, in den heiteren Gefilden des ewigen Frühlings zu wandeln. Erholle dich, müder Fremdling! denn mit anbrechendem Tage sollst du wieder deine beschwerliche Reise fortsetzen. Unsicher ist diese Herberg hienieden, und kurz die Erquickung; aber sey getröstet, bald wirst du von allem Ungemach — im sicheren Grabe ausruhen.
Und du, aufrührisches Herz! klopfe nicht so, und wecke durch deine Begierden den schlaffenden Wanderer nicht! —Noch stosset die Brust halbe Seufzer hervor. Da die Natur in nächtlicher Todesstille schlummert, da die Sinnen betäubt, und die Glieder unthätig liegen, noch itzt wachet der Schmerz, und drücket dem Jüngling Thränen aus. Sie starren auf seinem Antlitz, und benarben die glühenden Wangen. Das Loos des Menschen beängstiget mit melancholischen Bildern die Phantasie, und trauert auf den erstorbenen Mienen. Unglücklicher Sterblicher! nur durch die Unsterblichkeit glücklich, laß die Hofnung der Zukunft dein Gesicht erheitern! — versieget, oder eilet flüchtiger über die rötheren Wangen: euch hat sie noch nicht das Alter ausgefurchet, kein blasser Neid, kein schwarzes Gewissen gehöhlet! — doch nein, fließet, ihr sanften Thränen! ihr seyd Zeugen der Ungenügsamkeit an dem Irdischen: — keine Thränen des Weichlings, Thränen der Unsterblichkeit sind sie; diese hoffende Sehnsucht schwimmt in ihrem halb verschlossenen Liechte.
Die Handvoll Erde, hier liegt sie, und trauert um ihren Liebling, den Tag, indessen ich, meiner Würde bewußt, über Wolken dahin schwimme, Triebe der Unsterblichkeit aus erhabneren Sphären sammle, und sie mitleidig auf den weichen, mit Unkraut bewachsenen Boden des Herzens verpflanze.
Täusche nicht, schwarzer Morpheus! Die Einbildungskraft mit über Schatten dahin gauckelnden Tändeleyen der Höfe! täusche sie nicht mit auf Sand gebauten Schlößern zeitlicher Glückseligkeit! denn sie werden wie Träume vor den aufgeklärten Stralen der Zukunft verschwinden: so wird die noch hinter den Bergen glimmende Morgensonne anbrechen; die Nacht und ihre düsteren Kinder, die Nebeln siegreich zerstreuen; über die Welt mit vollem Glanze herschen, und der ganzen schmachtenden Natur neues Leben, und Herrlichkeit mittheilen.
Schon hat die Nacht Ihr trauriges Gefieder Zum leztenmale geschüttelt, schon schmilzt sie hinter die Berge Dämpfend zurück In den Abgrund des Undings; Denn itzund droht Das Liecht den Finsternissen. Es schlief der Aether im Nebel; Er wacht. Schon schwimmet in Wolken Milderes Weiß, Das allmählich erröthet. Schon brennt er dort Mit rothgestreiften Stralen, Der Phönix, zwischen den Bergen Im goldnen Neste herüber: Hofnung glänzt so Aus der seligen Zukunft.
