Viertes Kapitel. Die Trostbuben.
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Reisen, Schmausen und Lachen macht müde. Unversehens trat der Sandmann hinter Mathes und Peter; denen fielen die Augen zu, und sie waren recht froh, als Fräulein Eva vom Zubettgehen sprach. Sie sagten schon halb schlafend gute Nacht, und in ihrem Zimmer sahen sie nicht einmal mehr nach dem Spielschrank. Sie purzelten beinahe in ihre Betten. Als Frau von Ringewald ein Weilchen später nachsehen kam, fand sie die beiden schon im festen Schlaf liegen.
Eva saß neben den Betten, und sie flüsterte der Mutter heiter zu: „Ich wollte ihnen noch ein Märchen erzählen, ich habe aber nur gesagt: ‚Es war einmal —‘ da schliefen sie schon.“
Frau von Ringewald sah sinnend auf die Buben nieder. Sonderlich schön waren sie nicht, aber wie sie so mit roten Backen in ihren weißen Betten lagen, waren sie doch lieblich anzuschauen.
Die Frau seufzte tief. So sanft und friedlich hatte auch einst ihr Bube geschlafen, und viele Stunden hatte sie an seinem Bett gesessen und seinen Schlaf treu bewacht. Ihr Liebling, wo war er jetzt?
Tränen kamen in die Augen der Mutter, und Eva, die das sah, legte zärtlich ihre Arme um der Mutter Hals. „Sei nicht traurig,“ bat sie, „unser Fritz kommt wieder. Er muß ja wiederkommen!“
„Er muß ja wiederkommen!“ wiederholte die Geheimrätin, und eine leise Hoffnung durchzitterte ihre Stimme.
„Wie könnte er die beste Mutter je vergessen!“ Eva zog die Mutter auf den Stuhl zwischen den Betten nieder, kauerte zu ihren Füßen, und so, während die Sternbübles schliefen, Mathes im Traume lächelte und Peter etwas grimmig dreinsah, redeten Mutter und Tochter leise miteinander von dem Sohn des Hauses, der ohne Abschied vor zwei Jahren in die weite Welt gezogen war.
„Wäre der Onkel doch nicht so streng gewesen!“ klagte Eva.
„Darum durfte er uns doch nicht verlassen!“ Frau von Ringewald hatte dies Wort schon oft und oft gesagt, denn sie konnte es nicht verstehen, daß ihr Junge, ihr zärtlich geliebtes Kind, so von ihr gegangen war. Heimlich, ohne Abschied, ohne jemals zu schreiben.
Freilich, ihr Bruder, der Vormund ihrer Kinder, war sehr hart gewesen. Der Konsul Bucher war ein strenger Mann, und besonders Fritz von Ringewald hatte seine Strenge zu fühlen bekommen. Der sollte studieren wie sein verstorbener Vater oder Buchhändler werden wie sein Onkel. Zu beidem hatte Fritz keine Lust gehabt. Musik wollte er studieren, Geiger werden, nichts anderes.
Der Mutter war es recht. Aber ihr Bruder sagte nein, und er zwang seinen Neffen, in seine Buchhandlung einzutreten. Ein halbes Jahr hielt der es aus, dann — Mutter und Schwester waren gerade auf einer weiten Reise — ging er davon, ohne Abschied.
Es wäre wohl anders gekommen, wäre die Mutter dagewesen. Die erfuhr nie, was zwischen ihrem Bruder und ihrem Sohn eigentlich vorgegangen war. Der Konsul schwieg darüber, und Fritz schrieb nicht, nie, seit zwei langen Jahren nicht.
Eva tröstete alle Tage die Mutter mit dem gleichen Wort: „Unser Fritz kommt wieder; wenn er etwas erreicht hat, kommt er wieder.“
Er kommt wieder! Die Mutter hoffte es, aber zwei Jahre sind lang für die Sehnsucht einer Mutter. Eva sah das liebe, gütige Antlitz täglich blässer werden. Die Geheimrätin mochte nicht mehr ausgehen, ihr Gram war wie eine Spinne, die ein dichtes graues Netz spinnt, das Licht und Freude absperrt.
Eva schlug allerlei Reisen vor, aber die Mutter war zu müde dazu. Auch nach Breitenwert in den Silbernen Stern wollte Eva reisen, und wie auch da die Geheimrätin nein sagte, fiel es Eva eines Tages ein, sie könnte die Sternbuben einladen, der Mutter zum Trost und zur Freude.
Mathes und Peter Hinz als Trostbübles! Dies Amt ihnen zuzutrauen, darauf wäre in Breitenwert wohl niemand gekommen. Aber als Eva von Ringewald die beiden so friedlich schlafen sah, dachte sie: Es war schon recht, die beiden einzuladen, Mutter wird gewiß ihre Freude an ihnen haben.
Von ihrem hohen Amt, Trostbübles zu sein, ahnten die beiden nichts. Denen raubte kein Kummer den Schlaf, auch die vielen Bröter, Äpfel und anderen guten Dinge lagen ihnen nicht im Magen, die schliefen wie zwei Murmeltiere, ohne nur einmal aufzuwachen.
Nun hatten die Sternbuben aber eine dumme Angewohnheit. War Schule, dann schliefen sie wenn möglich bis Mittag, waren Ferien, dann wachten sie in aller Herrgottsfrühe auf. Daheim schalt Mina oft über diese dumme Angewohnheit, denn sie meinte, Buben wären in den Ferien am besten im Bett aufgehoben, da richteten sie am wenigsten Unheil an.
Weil in Leipzig die Breitenwerter Schule den Buben so entfernt lag wie Afrika, wachten sie natürlich sehr früh auf und wußten gar nicht, wo sie waren.
Sie blickten sich eine Weile höchst verdutzt an, meinten, sie tummelten sich noch in einem Träumchen herum, aber da knurrten ihnen auf einmal ihre Magen sehr vernehmlich. Na, und so etwas pflegt man meist nicht zu träumen.
„Wir sind verreist!“ schrie Mathes plötzlich.
Peter stopfte nachdenklich seinen Bettzipfel in den Mund. Das Verreistsein so am frühen Morgen war ihm etwas ungemütlich, er hätte lieber daheim in seinem Bett gelegen. Eben wollte er darüber stöhnen und knurren, als sein Blick auf den Spielschrank fiel. „Das Schlüssele steckt,“ schrie er, und hops! da war er auch schon aus dem Bett.
Hops! sprang Mathes ihm nach. Beide kauerten am Schrank nieder und begannen höchst vergnügt seine Herrlichkeiten auszuräumen. Nur mal ansehen, dachten beide.
Zuerst kamen ein paar Geduldspiele zum Vorschein. Die legten die beiden schnell wieder weg; Geduld war nichts für sie, und daheim nahmen sie diese Spiele auch nur vor, wenn sie vor Langeweile gar nicht wußten, was anfangen. Ein bißchen Puppenkram, der noch aus Eva von Ringewalds Kindheit stammte, betrachteten Mathes und Peter sehr von oben herab. Sie verrenkten und verdrehten den Gliederpüppchen die Glieder, und dann räumten sie weiter. Ein Baukasten und einer mit allerlei Getier gefiel ihnen schon besser, aber dann packten sie noch ein paar Tiere aus, bei deren Anblick sie in das hellste Entzücken gerieten. Es waren ein paar Mäuse, eine Ente und ein Hahn, die laufen konnten, wenn man sie aufzog. Ähnliche Tiere hatten die Sternbübles letztes Jahr zu Weihnachten bekommen, die hatten aber so viel im Silbernen Stern und auf der Löwengasse herumlaufen müssen, daß ihnen sehr bald die Eingeweide entzweigegangen waren.
Die Buben drehten nun flink Mäuse, Hahn und Ente auf. Da krähte der Hahn und schlug mit den Flügeln, die Ente schnatterte, und die ganze Gesellschaft lief lustig in der Stube herum. Sie rannten, standen still, Mathes und Peter drehten sie wieder auf, und sie vergaßen über dem Spiel ganz und gar, sich anzuziehen. Auf einmal, just als die Mäuse wieder frisch aufgezogen herumrannten, tat sich die Türe auf, und herein spazierte Hulda, die eine Kanne warmes Wasser brachte.
Eine lebendige Maus wäre vielleicht vor so einer wichtigen Person, wie es Hulda war, ausgerissen. Die Spielmaus aber war höchst frech, die lief dem Mädchen gerade zwischen die Füße.
Hulda schrie fürchterlich. Sie tat wahrhaftig, als wäre ein Löwe im Zimmer, und die Buben, die das Geschrei für Spaß ansahen, lachten laut und tapsten in ihren Nachthemden hin und her.
Da schnurrte auch die zweite Maus daher, und Hulda, die sich ganz entsetzlich vor Mäusen fürchtete, hielt beide für lebendig. Klatsch! warf sie den Wasserkrug hin und rannte jammernd aus dem Zimmer.
Draußen durchgellte ihr Geschrei die Wohnung, und die Geheimrätin, Eva, selbst die kranke Ida liefen herbei, alle meinten sie, irgendein Unglück sei geschehen.
„Was ist mit den Jungen?“ fragte Frau von Ringewald.
„Brennt es? Soll ich die Feuerwehr holen?“ quiekte Ida, die sich noch ihren Rock zuheftete.
„Mäuse, Mäuse! Die Bengels haben Mäuse mitgebracht, und nu lachen se noch!“ Hulda schüttelte ihre Röcke, sie fürchtete, die Mäuse wären an ihr heraufgekrochen. „Sie beißen, sie beißen!“ stöhnte sie.
„Die Jungen sind an den Spielschrank gegangen,“ rief Eva. „Hulda, schämen Sie sich, Sie sind ein rechter Hasenfuß, laufen vor ein paar Spielmäusen davon!“
Sie ging in das Zimmer, und dort fand sie die Hemdenmätze mitten in der Überschwemmung stehen. Die Mäuse, Hahn und Ente hatten das Laufen eingestellt; Wasser vertrugen sie nicht, selbst der Ente war es zu viel. Mathes und Peter waren sehr verdutzt über Huldas Davonlaufen. Und als sie die draußen schluchzen und jammern hörten, denn Evas Wort vom Hasenfuß hatte die treue Seele bitter gekränkt, dachten sie, das Klagen gelte dem Kruge, und sie riefen Eva eifrig entgegen: „Das Krügle ist net ganz entzwei!“
„Nur der Henkel ist ab!“ erklärte Mathes.
„Ein paar Sprüngle hat’s,“ fügte Peter hinzu.
„Und laufen tut es vielleicht auch.“ Eva nahm lachend Mathes den Krug aus der Hand; sie sah den ausgeräumten Spielschrank, die Tiere in der Wasserflut, und sie zwang sich zu einem ernsten Gesicht und sagte: „Spielt ihr in Breitenwert auch erst, ehe ihr euch anzieht? Das ist bei uns nicht Mode!“
Den Buben fuhr der Schreck gewaltig in die Glieder, und sie stürzten sich eilfertig auf ihre Sachen. Das liebliche Fräulein Eva mochten sie gewiß nicht kränken.
Rips, raps, rups — ging es. Mathes zog zwei Strümpfe über ein Bein, Peter versuchte verkehrt in seine Hosen zu schlüpfen, und dann schrie Mathes: „Das sind meine!“ und Peter schrie noch lauter: „Meine sind’s!“ Einer zog nach rechts, einer nach links, dann gab einer dem andern einen Puff, und die Hösles flogen hoch im Bogen durch das Zimmer.
„Streitet euch doch nicht!“ Eva mahnte es, aber da sah sie, wie sich die Brüder vor Lachen krümmten, und sie ahnte, so machten die es oft. Sie räumte flink den Spielschrank ein, zog vorsichtig wieder den Schlüssel ab und sagte plötzlich gelassen zu den beiden, die sich noch immer um ihre Kleidungsstücke rauften: „So, wer jetzt nicht in fünf Minuten fertig ist, der bekommt kein Frühstück!“
Das Wort half wunderbar gut. Jetzt fuhr auf einmal jeder Bube ins rechte Hosenbein, und bald standen beide blitzblank und fertig da, und Eva führte sie in das Frühstückszimmer. Dort wartete Frau von Ringewald schon am zierlich gedeckten Tisch. Und Hulda stand da, bereit, Kaffee einzugießen, aber mit einer Miene wie eine Pulvertonne, die in die Luft fliegen will.
Das kleine, behagliche Zimmer lag nach dem Garten hinaus, der jetzt im bunten Herbstschmuck prangte. Freilich waren der Staub und der Ruß der großen Stadt auf Büsche und Bäume niedergesunken; alles sah ein bißchen schwärzlich aus, und dann gab es auch nur ein paar wohlgepflegte Beete und sorglich geglättete Wege in dem mäßig großen Garten.
Spielen kann man da nicht drin, dachten die Sternbuben, und gerade da fragte Fräulein Eva, die sehr stolz auf den grünen Winkel war: „Gefällt euch unser Garten?“
„Noi!“ riefen die Buben wie aus einem Munde, und beide schüttelten so heftig die Köpfe, damit auch gar kein Zweifel an ihrem Mißfallen blieb.
„Na, solch freche Jungen! Finden unsern Garten nicht schön!“ brauste Hulda empört auf. „Ihr habt wohl gleich ’nen Park am Hause, he?“
„Aber Hulda!“ Evas Stimme klang vorwurfsvoll, und dann fragte sie freundlich: „Was gefällt euch denn nicht an unserem Garten?“
Die Buben sahen sich verlegen an. Was ihnen eigentlich an dem sauberen Gärtchen nicht gefiel, wußten sie selbst nicht zu sagen. Sie dachten eben nur an die Gärten, die sich daheim hinter den Häusern der Löwengasse hinzogen, und die so ganz anders waren, so viel lustiger und freier.
„Man kann net drin spielen,“ platzte endlich Mathes heraus.
„Er ist so — so fein!“ stotterte Peter.
„Natürlich, für euch zwei ist er zu fein!“ Es war gut, daß draußen die Flurglocke ertönte und Hulda das Zimmer verlassen mußte, sie hätte sonst gewiß noch allerlei gesagt, was den Buben recht unangenehm gewesen wäre. Fräulein Eva war viel netter, die schwieg von dem Garten. Sie sah nur wehmütig hinab. Ach, was wußten so ein paar dumme Breitenwerter Buben davon, wie froh ein Großstadtkind über so ein grünes Fleckchen sein kann!
„Erzählt einmal von eurem Garten!“ forderte die Geheimrätin auf, während sie Semmeln recht dick und lecker mit Mus für ihre Gäste bestrich.
Von ihrem Garten sollten sie erzählen! Die Sternbuben dachten nach. Am meisten ließ sich vom Lindengarten erzählen, der ein Räuberschlößle hatte, und gerade wollten sie den Garten ihrer Freunde preisen, als Hulda wieder das Zimmer betrat. Die brachte Briefe, und darüber vergaßen Mutter und Tochter den Garten und ihre Gäste, denn jedesmal, wenn Briefe kamen, schlugen ihnen die Herzen, sie dachten: Vielleicht ist einer von unserm Fritz dabei!
Auch Hulda, die schon viele Jahre im Hause war, dachte das, sie blieb darum mitten im Zimmer stehen und wartete, ob die Geheimrätin oder Eva nicht etwas sagten. Sie blickte still und fragend zu beiden hinüber, die Sternbuben aber meinten, Hulda blicke sie so unentwegt an. Das machte sie arg verlegen, und weil sie nicht recht wußten, wie sie sich helfen sollten, begannen sie ihre Mussemmeln zu essen.
Nun kümmerte sich daheim im Silbernen Stern, wo es alle immer recht eilig hatten, niemand viel darum, wie die Bübles aßen. Die pflegten daher oft von ihren Brötern erst das Mus abzuschlecken und dann das nackte Brot zu essen, wie das Gundel nannte, die oft über diese Art zu essen schalt.
Schön war es auch nicht, niemand konnte das finden. Daheim hatte Trinle Grill auch schon mal gesagt: „Ihr seid die reinen Saubarteles!“ was auch nicht schön war, aber in Breitenwert redete man halt so. Doch kein Mensch hätte dort so ein ungeheures Geschrei erhoben, wie dies Hulda plötzlich tat. Die vergaß Briefe und alles, schlug die Hände über dem Kopf zusammen und schrie wohl zwanzigmal hintereinander: „Pfui, pfui!“
Mathes und Peter erschraken heftig, und Peter klatschte sich seine Semmel vor Schreck an die Nase, und da sah er nun aus wie ein rechter kleiner Schmierfink.
Fräulein Eva, die über einem Brief ihrer liebsten Freundin die kleinen Gäste ganz vergessen hatte, sah auf und rief auch erschrocken: „Pfui!“
Dieser Ruf des lieblichen Fräuleins bekümmerte die Buben sehr. Mathes stopfte vor Schreck seine Semmel in seine Tasse, schwapp! lief die über; Peter wollte dem Bruder helfen, dabei riß er seine eigene Tasse um, und über den zierlich gedeckten Tisch rann ein braunes Flüßlein.
„Sagt’ ich’s nicht, von denen kommt nur Ärger?“ kreischte Hulda. „Auf, marsch, raus, ihr Schmierfinken, ihr!“
„Halt!“ Frau von Ringewald legte sacht ihre Hand auf die Huldas, die eben mit hartem Griff Mathes von seinem Stuhle herabzerren wollte. „Mit Gästen geht man sanfter um, Hulda, und mit Kindern hat man Geduld.“ Über das feine, traurige Gesicht der Geheimrätin lief ein Lächeln, als sie den Buben die beschmierten, erschrockenen Gesichter streichelte. „Jetzt geht mit Eva, die wird euch waschen,“ sagte sie tröstend.
Hulda schwieg muckstill, und Eva stand rasch auf, nahm die Buben an die Hand und führte sie in das Schlafzimmer zurück. Sie dachte dabei, wie gut doch Mutter ist, und so gut war sie auch immer gegen den wilden Bruder. Ist’s möglich, kann der eine so gute Mutter wirklich vergessen?
Mathes und Peter waren die Herzen schwer. Die Patentante gefiel ihnen so gut, und Fräulein Eva gefiel ihnen so gut, und nun waren sie gewiß alle beide sehr böse, und weil sie das bedrückte, darum seufzte erst Mathes schauerlich tief und dann Peter noch tiefer. Da kehrten Evas Gedanken zu den beiden zurück, und sie fragte: „Warum seufzt ihr denn so?“
„Weil — weil du uns böse bist,“ stammelte Mathes.
„Jaa!“ seufzte Peter.
Eva lachte. „Ich bin schon wieder gut,“ versicherte sie, „wenn ihr jetzt nur brav sein wollt.“
Bei den Sternbübles wurde sehr rasch aus schlecht Wetter gut Wetter. Im Umsehen stellten sie das Geseufze ein, und Hulda machte ein ganz verwundertes Gesicht, als ein paar Augenblicke später die Buben blitzblank und purzelvergnügt wieder zurückkamen und nun ganz säuberlich und manierlich aßen und tranken. Sie benahmen sich so nett, daß Eva nach dem Frühstück sagte, nun würde sie den beiden die Stadt zeigen.
„Mit ’nem Schutzmann als Begleiter, sonst bringen Sie die beiden doch nicht heil und ganz wieder zurück,“ brummte Hulda.
Aber weder Eva noch die Sternbuben taten, als hörten sie Huldas Unkenruf. Eva sagte: „Nun macht euch fein, ich tue das auch; in einer Viertelstunde gehen wir.“
Und schon nach fünf Minuten standen Mathes und Peter im Flur. Sie hatten sich äußerst fein gemacht, Alettes Handschuhe hatten sie angezogen und Trinles Tüchle in ihre Brusttaschen gesteckt, und sie waren ein bißchen geärgert, als Fräulein Eva darüber lachte und meinte, dies alles wäre nicht nötig.
„Man sieht ihnen eben die Kleinstädter an der Nasenspitze an.“ Das war Huldas letztes Wort, das den Spaziergängern noch nachhallte. Es kränkte sie aber nicht, denn draußen sagte Eva: „Wir fahren nun zuerst mit der Elektrischen in die Stadt hinein; flink, dort oben hält sie, und ich höre sie schon klingeln!“
Da liefen die Buben wie zwei Windhunde und vergaßen Hulda und ihren Zorn. Zum erstenmal in einer elektrischen Bahn fahren, das war doch noch eine Sache!