Kindheit
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Etwa um das Jahr 1860 fand in Wien, im Hause einer adeligen Dame, eine Ausstellung von Miniaturen statt, in der besonders zwei Sammlungen, die Adalbert Mannsthals, des Besitzers oder Großaktionärs der Mannsthal-Werke, und die des Nervenarztes Dr. Clemens Urbacher, Aufmerksamkeit erregten.
Mannsthals Sammlung war die eines sehr reichen Mannes, der sich sowohl Bestes als auch Reichhaltigkeit gönnen konnte. Sie unterschied sich wesentlich von der Urbachers, der als theoretischer Gelehrter über geringe Einkünfte verfügte, als wohlhabender Bürgerssohn nicht mehr als einer angenehmen Sorglosigkeit sich erfreute. Seine Miniaturen waren mit Bedachtsamkeit ausgewählt und niemals ohne das Bewußtsein des Luxus, den der Ankauf bedeutete. Er fand es sündhaft für ein Bildchen, für eine bemalte Dose oder Brosche viel Geld auszugeben, als Philanthrop fühlte er dies angesichts des menschlichen Elends, der Spitalsnot, der wirtschaftlichen Wirren. War er nun aber wahrhaftig solch ein Sünder, der vor einem Elfenbeinangesicht, das mit verträumten Augen in ein entschwundenes Leben lächelt, an schlecht dotierte Nervenanstalten, skrofulöse Kinder und rekonvaleszente Frauen vergessen konnte, so mußte Adalbert Mannsthal, trotz seiner wohltätigen Aktionen, ein noch viel größerer Frevler gewesen sein. Seine Leidenschaft für diese verbleichende Kunst, die um so rührender ist, weil sie wohl auf immer der Vergangenheit angehört, war so groß, daß er ihr seine lebendige Frau geopfert hat, seine liebliche und sanftmütige und noch jugendliche Frau. Die Sache hatte seinerzeit in Wien viel von sich sprechen gemacht, denn das kleine Mädchen, das Frau Martha Mannsthal in die Ehe gebracht hatte, verblieb bei dem Stiefvater. Es verlautete, daß zur Zeit der Heirat ein Kontrakt zustande gekommen war, wonach Arabella, das Kind, im Falle einer Scheidung, wie ein in der Ehe geborenes, dem schuldlosen Teile zugesprochen werden sollte. Man hatte herumgedeutet, was wohl die Beweggründe dieses nicht alltäglichen Vertrages sein mochten. Die einen waren der Ansicht, daß Mannsthal dadurch die Frau fester an sich binden wollte. Böse Zungen meinten darin ein Warnungszeichen zu erblicken, ein Mißtrauen gegen die Beständigkeit der Dame. Andere behaupteten, Mannsthal hätte das kleine Mädchen so lieb gewonnen, daß ein etwaiger Verlust ihm unerträglich schien, und ein nicht ganz harmloser Spötter, der zu dieser Gruppe gehörte, deutete, daß es ja immerhin möglich wäre, daß das kleine Mädchen der entscheidende Grund zur Heirat gewesen sei, und daß nicht die Frau, sondern das Kind es vermocht hatte, aus dem Sonderling und Eigenbrödler einen seßhaften Ehemann zu machen. Keinesfalls konnte ein Zweifel darüber herrschen, daß Mannsthal seine Frau nach der Geburt des Töchterchens kennen lernte, denn sie hatte mit ihrem kranken Manne in Ägypten gelebt, während Mannsthal gerade in diesen Jahren keine größere Reise unternommen hatte. Das Gericht hatte möglicherweise Mannsthal als den richtigen Vater anerkannt, was wohl eine Bedingung zur Abfassung des Vertrages gewesen sein mochte. Wenige Wochen vor der Scheidung hatte man in Gesellschaft der hübschen Frau einen Ausländer auftauchen sehen, dem alle äußeren Merkzeichen eines Frauenverführers zuzusprechen waren. Diejenigen, die die Vereinbarung dieser Eheschließung kannten, waren über die Kühnheit verwundert, mit der die Mutter mit dem Feuer spielte. Zu dieser Zeit hatte Mannsthals Sammlerleidenschaft ihren Höhepunkt erreicht und man schwärzt ihn nicht an, wenn man behauptet, daß er ihr seine Frau hintanstellte und deren Wünsche den Unsummen opferte, die er für seine Miniaturen verausgabte. Auffällig war, daß das kleine, ungemein zarte Mädchen nach wie vor wie ein Prinzeßchen gehalten wurde und sich über keinerlei Zurücksetzung von seiten des Stiefvaters zu beklagen hatte.
Urbacher kam kurze Zeit nach der Scheidung in Mannsthals Haus, um eine seiner Neuerwerbungen zu besichtigen, und bei dieser Gelegenheit lernte er sein Töchterchen Arabella, das Vögelchen, kennen. Niemand dachte daran, daß dieses Mädchen — es war damals etwa fünf Jahre alt — einen andern Namen führen könnte. Es war scheu, lebhaft, sanft und versonnen, zart und wärmebedürftig, irgendwie der Natur, ja dem Erdmagnetismus verschwistert, und seine Stimme war wie ein Sang, der durch eine Stille tönt. Unwillkürlich schwieg alles, wenn Vögelchen sprach. Jeder fühlte sich geneigt, es wie ein aus dem Nest gefallenes Junges gleichsam mit der warmen, gehöhlten Hand zu decken und zu schützen, und blieb dennoch zaghaft, vorausahnend, daß es mit leichten Flügeln den zarten Körper heben und entflattern würde, wenn man sich ihm allzusehr näherte. Und doch war es so zutraulich, daß von ihm selbst Ermutigung auszugehen schien, es zu greifen.
Was Vögelchen auch in den späteren Jahren über die Maßen reizend machte, war das völlig Unbewußte, fast Heilige ihres Wesens, das nicht dem eines Menschenkindes glich und etwas von der berückenden Schuldlosigkeit der Tiere an sich hatte. Urbacher fiel es gleich an ihrem Äußern auf, daß sie eine große Ähnlichkeit mit jenen malerischen Gebilden hatte, die Adalbert Mannsthal zu seiner Gesellschaft erkoren hatte. Ihr Gesichtchen war so weich, zart und unwirklich wie das der Miniaturen, ihre Züge wie mit einer leisen Feder gezeichnet, ihre Augen klug, lächelnd und von Sehnsucht erleuchtet, so stark im Ausdruck, daß dies unheimlich Heimliche der Seele klar zu sprechen schien und gewiß nur die menschliche Stumpfheit schuld trug, wenn sie diese Botschaft nicht erfassen konnte. Alles Beiwerk ihrer Erscheinung verflüchtigte sich gänzlich, war wie aufgelöst durch ihren überstrahlenden Blick. Als Urbacher Vögelchen inmitten dieser Bildchen sah, die ihren Namen, wie Diderot behauptete, von dem zart einschmeichlerischen Worte mignard ableiten, fiel ihm jener Spötter ein, der vielleicht im bösen Sinne die wahre Deutung von Adalbert Mannsthals Ehe gefunden hatte.
Wenn man also mit hinlänglicher Sicherheit davon ausgehen konnte, daß die erblühte Anmut der geschiedenen Frau den Schönheitssucher Mannsthal weniger gefesselt hatte als die des kleinen Mädchens, so war die Eifersucht, die ihre Mutter der Sammelwut ihres Gatten entgegenbrachte, ein Kampf um die Vorzugsstellung, die dieser der Tochter einräumte, der Kampf der Blüte gegen die Knospe. Man bedenke, daß sie die Klausel des Ehekontraktes kannte, in die sie in der vollsten Sicherheit ihrer selbst wie in eine Laune gewilligt hatte, da sie in ihr nur den Beweis einer starken Zuneigung vermutete. Man mußte jedoch Adalbert Mannsthal kennen, um es zu wagen, den Verdacht auszusprechen, daß er vom Augenblick, da er Vögelchen sah, planmäßig vorging, um eines Tages in ihren alleinigen Besitz zu gelangen. Man mußte seine Natur kennen, die es glaubhaft machte, daß er seine Frau nicht einmal als die beste Pflegerin Vögelchens neben diesem duldete, wiewohl er an dieser etwas willensmüden Gefährtin sicherlich seine Freuden hatte.
Mannsthal hatte jene Freundschaft mit dem Ausländer, die ihm den Vorwand zur Scheidung bot, gleichmütig, ja wie mit Schadenfreude geduldet. Weiß Gott, welch teuflischer Plan in ihm erwacht war. Es erscheint nicht unmöglich, daß er selbst es gewesen sein konnte, der diesen Aventurier gedungen, seine Frau zu versuchen.
Die Sammler sind ein eigenartiger Menschenschlag. Sie haben etwas von den rastlosen, unterirdischen Tieren, von den neidischen Hamstern und Mardern. Von diesen heißt es, sie seien klug, listig, mißtrauisch, behutsam, äußerst mutig, blutdürstig und grausam, gegen ihre Jungen aber ungemein zärtlich. Die Art, wie der Hamster sich für magere Zeiten versorgt, ist allen bekannt. Jedenfalls schien Mannsthals Bemühen um dieses Kind ein Aufsparen für die Zukunft.
Die Erziehung und Pflege, die der Kleinen zuteil wurde, war ganz darauf gerichtet, lange in ihr das Kindliche zu schonen und zu erhalten. Vögelchen besuchte niemals eine Schule, ja, es fanden sich erstaunliche Lücken in ihrem Wissen, als sie den Jahren nach schon ein großes Mädchen war. Von den Zielen der Aufklärung, die damals im Unterrichtswesen allmählich Wurzel faßten, blieb Vögelchen gänzlich unberührt. Ihre Körperpflege war danach angetan, ihr eine kühle Zartheit zu bewahren. Mannsthal ließ sie niemals aus den Augen; ohne daß sie dies fühlte, war sie allüberall von seiner Wachsamkeit umstellt. Das bedeutete nicht, daß Vögelchen ängstlich abgeschlossen war. Sie sah Kinder um sich, aber sie waren meist viel jünger als sie selbst und niemals altklug. Auch vom Kreise der Erwachsenen, die in Wien bei ihrem Stiefvater aus- und eingingen, verbannte man sie nicht, wohl weil sie selbst niemals unter ihnen blieb, sie flatterte an ihnen vorüber. Anders wollte sie es selbst nicht. Sei es daß Mannsthal eine Art Hypnose auf das Kind ausübte oder daß alles, was sie tat, sein Wunsch zu sein schien, weil er nichts anderes zu wünschen vermochte, eine seltsame Harmonie herrschte zwischen den beiden, die manchmal ein leidenschaftliches Aufflammen der Seelen krönte. Trotz allem schien es, daß Vögelchen Mannsthal nicht liebte wie einen Vater. Es war auch etwas von der Anhänglichkeit der Zirkuskinder für ihren Peiniger, der Wunderkinder für ihren Impresario in ihrem Gefühl. Ein viel zu starkes Innenleben wohnte ihr inne, um nicht im Unbewußten zumindest Ahnung zu erwecken, daß man an ihrer Mutter gefrevelt und sie um diese beraubt hatte. Man hatte ihr nichts erklärt, und sie schwieg. Aber, wenn sich der Eindruck des nestlosen, frierenden Vögelchens verstärkte, war es, als dächte sie an die Mutter, die nach einem hartnäckigen Kampf es aufgegeben hatte, ihr Töchterchen zurückzugewinnen. Dennoch war ihr Verteidiger und Anwalt ein leidenschaftlicher junger Geist, ein fulminanter Redner gewesen, von dem die Rechtswelt noch viel erwartete. In seinem Plaidoyer hatte er den Spieß umgekehrt und Mannsthal des Treubruches angeklagt. „Ist es nicht ganz unwesentlich,“ hatte er gesagt, „ob die Frau, der ich ein Vermögen opfere, der ich mich mit allen Fibern hingebe, um derentwillen ich mein angetrautes Weib der Verlassenheit und ihren Gefahren preisgebe, ist es nicht unwesentlich, daß diese Frau nicht eine greifbare Verführerin ist? Der Sammelleidenschaft hat Herr Adalbert Mannsthal gehuldigt, mit ihr hat er Orgien gefeiert. Er hat dem Laster gefrönt. Und wenn in Ihren Augen auch der Verdacht gegen Frau Mannsthal berechtigt erscheinen könnte, wenn man auch sie des Lasters bezichtigen könnte, Sie werden sich nicht der Gerechtigkeit versagen, Adalbert und nicht Martha Mannsthal als den schuldigen Teil zu erkennen. Denn, meine Herren, was ist das Laster überhaupt? Laster ist unendliche Hingabe. Vielleicht finden wir darin den Schlüssel, daß es Menschen gibt, die durch die Gewalt ihrer Hingebungsfähigkeit zugleich Heilige und Lasterhafte sind. Wenn nun ein Mensch seine Hingebungsfähigkeit, die ein anderer verkannt und verraten hat, einem Menschen schenkt, der mit den heißesten Wünschen darum wirbt, der Verräter und Verkenner dieses Gefühles sich hingegen an ein Phantom verliert, einer Unwirklichkeit das lebendig zuckende Herz opfert: welcher von den beiden, meine Herren, ist der Sündhaftere, der Schuldige?“
Der junge Verteidiger vermochte die Herren des Gerichts nicht zu überstimmen, der Prozeß konnte nur im Vergleichsweg ausgetragen werden. Martha Mannsthal aber verheiratete sich nach Jahresfrist mit ihrem Rechtsanwalt.
„Aller guten Dinge sind drei,“ sagte ihr zweiter Mann, als er es erfuhr.
Vögelchen aber wußte nichts von dem freiwilligen Verzicht, den der feurige junge Redner ihrer rechtsunkundigen Mutter abgezwungen hatte zur Erlangung eines beträchtlichen Vermögens, das Mannsthal bot, und zur Vermeidung einer allfälligen strafrechtlichen Verfolgung. Vögelchens Augen fragten zwar unablässig in das Leben, das ihr fremd und weit war, aber sie schienen eine Antwort nicht abzuwarten, als scheuten sie ihr Wissen. Nirgends verblieben sie lange, als fürchteten sie, zu warm zu werden, so stark war ihr Schauen. So hielt sie denn bei niemandem still. Urbacher war es damals allein beschieden, ihres Rastens froh zu werden. Von allen Menschen, die bei Adalbert verkehrten, war er der einzige (wohl auch dank seiner Eigenschaft als Arzt), dem Vögelchen sorglos anvertraut wurde. Niemals aber — und wie recht gaben die zukünftigen Ereignisse diesem Empfinden — fühlte er dieses Vertrauen als festen Besitz. Dennoch gelang es ihm im nahen Beisammensein den Sinn zu erforschen, der Vögelchens Fliehen und Flattern bewegte. Sie war ein kleiner Zugvogel, der in unserer Kühle nicht Heimat hat, einer großen Wärme bedürftig und dennoch die große Flamme fürchtend; einer Glut schien sie aufgespart, die sie ersehnte und scheute. Irgendwo im Leben wartete sie und vielleicht war sie nicht allzu ferne. Dem Freund ward nicht bange. Vögelchen hatte Schwingen, die kein Feuer versengen und verzehren würde.
Urbacher schrieb damals in sein Tagebuch, das nach seinem Tode einigen vertrauten Freunden zugänglich gemacht wurde: „Ich kann es nicht verschweigen, daß jede Guttat, die ich verrichtete, mir auf geheimnisvolle Weise von Vögelchen abgefordert wurde. Ich befand mich oft in einem Zustand äußerster Anspannung, in einem traumhaften Bann, der mich zum Vollstrecker allerlei Zartheiten machte und meine Feinfühligkeit erregte. Aber ich muß gestehen, daß ich meine Sehnsucht nach einem Übermaß der Güte, ja eines Heiligseins schließlich nur aus dunklen Trieben zu sättigen vermochte. Es ist ein eigen Ding um solches Sehnen, das sich mit einer falschen Antwort auf seine Fragen beruhigen läßt, als müßte aus dem wissentlichen Unterliegen rein und klar die Demut erwachsen, wie oft eine wunderliebe Blume aus dem Morast ihre Reinheit erhebt. Meine eigene Schwachheit flößte mir Mitleid ein und Verstehen. Daraus erklärt sich, daß ich Mannsthals Freund geblieben war, als ich ihn vor meinem innern Auge entlarvt hatte. Um Vögelchens willen mußte ich ihm Handlungen verzeihen, die ich selbst wohl niemals begangen hätte. Ich empfand vor der Planmäßigkeit, mit der er seinen Besitz erschlichen, bewahrte und verwahrte, ein fast physisches Gefühl, das Grauen und Lust in sich paarte. Mannsthal schien ein Kühler. Sein Geist war durch nichts überwuchert, mit nichts durchsetzt, er war gleichsam durch die Sinne zur äußersten Oberfläche seiner Handlungen getrieben, und hier in stetem Spiel. Ich habe niemals ein Gefühl bei ihm entdeckt, das ganz schlackenlos und, wenn ich sagen dürfte, geistlos aus ihm loderte. Ich ahnte, daß er äußerster Dinge bedurfte, um seinen Geist zum Scheintod zu zwingen. Ein Hang zur Unmäßigkeit war ihm eigen. Entschlüsse brachen blitzartig aus ihm, er war ihnen verfallen wie einem geheimen Befehl seines Unterbewußtseins. Der Abbruch unserer Beziehungen war ein solcher Entschluß. Und dennoch war Mannsthal unbedingt das, was man einen edlen und in mehrfachem Sinn einen gemeinnützigen Menschen nennt. Es fehlte ihm weder an impulsiver noch an wohlbedachter Güte, obwohl auch an seiner Schädlichkeit nicht zu zweifeln war.“
Zu jener Zeit verfolgte Mannsthal dem Kinde gegenüber die Verwirklichung seiner Vorstellungen in einer Art, die grausam zu nennen war. Er wollte Vögelchen wie ein Wesenloses, ein Bild genießen, er hätte sie hungern lassen, damit sie leicht bleibe wie ein Schmetterling. Er wollte sie wie eine Vision in seinem Leben haben, er vergötterte und förderte ihre Zerbrechlichkeit. Urbacher aber liebte ihre Zartheit, die ihm wie eine Gefahr schien, für die er immer bereit sein mußte. „Wundersam war es mir,“ so schrieb er, „die Wandlungen zu beobachten, denen Vögelchens Wesen unterworfen war. Wie die starre Unzugänglichkeit der byzantinischen Malerei sich in die kindliche Freundlichkeit der toskanischen und sienensischen Mystiker wandelt, so erblühte aus dem strengen Kind ein magdhaftes, stolzes und doch schüchternes Wesen, wie Ambruogio Lorenzetti, der stille seine Madonnen malte, als eben der heilige Franziskus die Natur entsühnt hatte. Das sinnend zur Seite geneigte Köpfchen, die minnigliche Holdseligkeit der schmalen Arme und Hände, die Biegung der Gestalt, über all dies körperlich Verengte, über die überirdische Lieblichkeit, diese Schwingungen der Zartheit, schwebte der träumerische, himmlische Friede des Trecento. Als wäre sie aus den Bildern jenes anmutreichsten Deutschen, aus Stephan Lochners Tafeln, zu uns herabgestiegen mit der mädchenhaften Schalkhaftigkeit seiner Madonnen, als käme sie aus den Welten jenes Fraters, der hinter den Klostermauern von San Marco schuf. Ihr Füßchen schien feucht von den Wiesen auf Fra Angelicos Bildern, die im Frühlingsschmuck prangen, und manchmal waren kleine, ungefährliche Teufelchen um sie, wie sie der Gute, Lichte gemalt. Oft aber, wenn sie eben getollt und gelacht hatte, geschah es, daß sie reglos still wurde, als horche sie. Da konnte sie ihre artigen Manieren vergessen und minutenlang in ein Antlitz starren mit einer Neugier, die grausam schien. Wenn der von ihr Gemusterte umgesunken, wenn vor der Tür ein Schuß gefallen wäre oder eine ersehnte, unerwartete Stimme sie gerufen, sie hätte den festgesaugten Blick nicht von dem Gegenstand ihrer Wißbegierde gewandt. Was sie erforschte, erzählte sie nicht, doch war es oft erstaunlich, wie unterrichtet sie war. Ihre kindliche Ahnungslosigkeit blieb dennoch unerschütterlich. Sie selbst aber glaubte mit einer gar zu drolligen Genugtuung, den Dingen auf den Grund gekommen zu sein.“
Adalbert Mannsthal hatte gleich nach seiner Scheidung das alte Familienhaus verlassen und ein Haus gekauft, in einem Bezirk, in dem noch alte Gärten vom merkantilen Unternehmersinn verschont geblieben waren. Es wäre ganz undenkbar gewesen, daß Mannsthal, der in feudaler Umgebung aufgewachsen war, mit fremden Leuten in einem Hause wohne, in einem Zinshaus. In seinem Heim erinnerte eigentlich nichts an eine bestimmte Zeit. Die Räume waren alle groß, still und nicht sehr hell. Die Luster waren Kerzenträger, die Spiegel hatten Metallrahmen, die Bücher standen hinter schweren smaragdfarbenen Seidenvorhängen, die Sitzmöbel schienen unbeweglich, so massiv waren sie. Antike Kunstwerke und wertvolles Porzellan schmückten die Wände. Vögelchen sah um so zierlicher aus in dieser Umgebung. Aber die ein wenig düstere Lage des Hauses und der tiefe Schatten des umschlossenen Gartens machten einen längeren Sommeraufenthalt für das Kind unumgänglich. Mannsthal besaß aus der Erbschaft nach einer Tante ein Landhaus an einem See der Kalkalpen. Dieses bestimmte er für Vögelchens Sommersitz. Er selbst verbrachte gewohnheitgemäß einen Teil der warmen Jahreszeit in einem Wildbad, das er einmal wegen eines Leidens aufgesucht hatte. Seltsam verjüngt kehrte er immer von dort zurück. Während seines Fernseins wohnte Urbacher in dem Landhaus am See und verließ es gewöhnlich bald nach Mannsthals Eintreffen, um seine einsamen Gebirgswanderungen anzutreten.
Der Aufenthalt am See ward Urbacher die schönste Lebenszeit. Wie beglückend war ihm das Bewußtsein, daß der künftige Tag und die vielen folgenden ein Wiedersehen mit Vögelchen bargen, daß er sie sehen konnte, wann er wollte, bei ihren kleinen Gärtnerarbeiten, bei den ergötzlichen Schulstunden, die sie, die Unbelehrte, mit den Bauernkindern abhielt, im Kahn, im Bade, im Walde, wo sie so durchscheinend blaß erschien, in ihrem Zimmerchen, das ein wenig phantastisch war, etwa wie das Zelt eines kleinen Indianerhäuptlings. Vögelchen liebte Fische. In dem Teich mit der Fontäne, deren Stimme sich in ihre Träume mischte, zog sie große Goldfische und eine andere weißliche Art, die sie Mondstrählchen nannte. Sie verehrte sie wie heilige Tiere.
Die Wochen, da ihr Stiefvater abwesend war, benützte Urbacher, sie zu belehren, und ihren Geist von dem eigenen bewegten Innern auf dieses anderer Menschen und Geschehnisse zu lenken. Märchen ergötzten sie nicht. Sie schienen farblos zu sein gegen solche, die sie selbst ersann. Waren ihr doch die wirklichen Ereignisse wundersame Begebenheiten, für die sie absonderliche und unzutreffende Deutungen fand. Daß sie das Leben wie ein Wunderland sah, unheimlich und doch nach ihrem Sinne, ohne Unerklärlichkeit, das erfüllte den Freund oft mit dem Bangen wie vor einer unabwendbaren Katastrophe. So marionettenhaft ihr auch die erdachten Märchen erschienen, so unermüdlich horchte sie den Berichten aus fremden Ländern. Sie war darin wie ein Junge. Ihre Bibliothek bestand aus Reisebeschreibungen. Sie liebte auch die Berichte von großen Taten und die Schicksale der Hilfsbedürftigen und Bresthaften fesselten sie. Aber auch das Dämonische und Grausame erweckten in ihr eine fast fieberhafte Neugier und es war unklar, ob dies aus Mitleid für die Opfer oder aus jenem bösen Instinkt geschah, der Kindern mehr als Tieren eigen ist. Urbacher fragte sich oft, ob Vögelchen ihre Lebensweise nicht eines Tages als Zwang empfinden würde, ob nicht schon Sehnsucht heimlich an ihr zehrte. Man ergründete niemals die eigentliche Quelle ihrer Zartheit. Noch schien sie ganz ruhig, ausschließlich auf die kleinen Dinge gerichtet, mit denen sie ihr Leben bevölkerte. Sie hatte eine seidenhaarige Katze, Fische, Reisebücher, Blumen und einen kleinen buckligen Bauernbuben zum Pagen. Sie trug jahraus jahrein weiße Kleider und farbige Ketten, die sie selbst verfertigte, des Sonntags eine zierliche echte Perlenschnur, ein Andenken von der Mutter. Sie sammelte Muscheln, Schmetterlinge und Käfer und nähte mit ihrer alten Wartefrau Kleidchen für arme Kinder, die meist zu klein ausfielen. Mit Mannsthals Gästen freute sie sich, obwohl sie viele unter ihnen nicht liebte, und stürzte sich mit hungrigen Fragen auf sie. Von der Welt, die man die Gesellschaft nennt, schien sie nichts zu wissen. Ihr war jeder Mensch ein zusammenhangloses Wesen und sie hielt ihm nichts zugute, da sie die Beziehungen seines Lebens nicht kannte und verstand. Oft aber entzückte sie ein Selbstverständliches. Urbacher verfiel immer wieder in Grübeleien über Vögelchens Zukunft. Mannsthal aber war keinerlei Erwägungen zugänglich. Man schlug ihm vor, mit Vögelchen zu reisen, da ihr Interesse für fremde Gegenden oft leidenschaftlich hervorbrach. Wenn nun auch Arabella noch keinerlei Unruhe zeigte, durfte Mannsthal ganz sicher sein, daß sie nicht in ihr unsichtbar sich vorbereitete? Als man ihm darüber Vorstellungen machte, meinte er, die Kleine sei eben nicht wie andere Vierzehnjährige, und sein Lächeln schien hinzuzufügen, er habe dafür gesorgt, daß ihr noch keine Flügel wüchsen. Es geschah jedoch, wie Urbacher es voraussah.
Es begab sich, daß Mannsthal, der Doktor und Vögelchen an einem blauen Juliabend an das jenseitige Ufer des Sees ruderten. Dort war vor kurzem ein verlassenes Schloß zu einer Fremdenherberge verwandelt worden. Auf der Terrasse, die weit ins Wasser hinausgebaut war, standen die Tische und Sessel, in denen die Reisenden und erholungsuchende Menschen sich müßig gegenüber saßen. Man konnte weithin den erhellten Saal sehen, aus dem oft wiegende Tanzmelodien klangen. Modisch gezierte Leute gingen hin und wieder. Adalbert, der diese Welt nicht suchte, aber niemals mied, begann mit Spott über dies Leben zu sprechen, das die Menschen zu Pagoden mache, in die Landschaft schlechte Farben und grelle Töne brächte. Es schien plötzlich eine Unrast in ihm zu sein wie in einem Tier, das etwas wittert. Der Abend barg eine von fremdem Duft beladene Schwüle, wie sie Gewitternächten vorangeht. Adalbert und der Doktor hatten fast den ganzen Tag im Studierzimmer verbracht, in die Angelegenheit einer Fälschung vertieft, der sie auf der Spur zu sein glaubten. Auch Vögelchen war den ganzen Tag über allein gewesen, wie vergraben zwischen ihren Blumen und Tieren. Das belebte Gelände am See erschien den aus der Einsamkeit Tauchenden wie eine Luftspiegelung; ganz fremd sah es in ihr Leben. Aber während Adalbert weiter sprach, als fürchtete er eine Stille, in die dies Fremde lauter tönen könnte, waren Vögelchens Augen mit jenem sich ansaugenden Ausdruck auf das Gestade gerichtet. Mannsthal saß am Steuer, während Urbacher in lässiger Betrachtung des neuen Bildes die Ruder gesenkt hielt.
Als er sie wieder aufnahm, sagte Vögelchen: „Bleiben wir noch.“
„Nein, wir müssen zurück. Es kommt Sturm,“ mahnte Mannsthal.
„Steigen wir aus,“ bat Vögelchen. „Ich will nicht bei Sturm auf dem See sein, bitte, Va.“ Sie sagte Va. Sie vermied, Vater zu sagen.
„Unmöglich, Kind.“
In dem völligen Gleichklang der Wünsche, der zwischen Vögelchen und ihrem Stiefvater herrschte, war dieser Mißton ein Ereignis, der schon einer starken Reibung gleichkam. Vögelchen biß die Lippen zusammen und preßte erbleichend die Hände aneinander. Ihr Blick blieb unverwandt auf das Ufer gerichtet, während Urbacher langsam heimwärts ruderte. Doch plötzlich schien sich die Pein zu lösen und einer neuen Hoffnung zu weichen.
„Ich möchte dort wohnen,“ sagte sie und ihr schmales Gesichtchen war von einer Freude und wie von einem Erstaunen über diese erhellt. Aber in diesem Augenblick, da ein heißer, plötzlicher Wunsch ihrer Sehnsucht die Tore brechen wollte, sah sie den Widerstand und der Anprall war stark.
„Was müßte geschehen, Va, daß ich in diesem Schlosse wohnen kann?“ rief sie.
„Nichts kann hiezu geschehen,“ sagte er.
„Müßte das Schiff brechen und wir von den Leuten dort gerettet werden?“ fragte sie weiter.
„Keiner würde für uns seine feinen Schuhe naß machen,“ erwiderte Mannsthal.
„Wenn wir nun heimkämen und das Haus stünde nicht mehr da,“ fragte sie, sich an das Wunder klammernd. Und als sie Mannsthal lächeln sah, fuhr sie fast böse auf. „Könnte es denn nicht abgebrannt sein oder eingestürzt? Wenn ich es ganz fest wollte, Va. Dann müßten wir im Schloß bleiben, es ist das einzige Obdach,“ jubelte sie.
„Und dein Dachzimmer mit den Puppen, Ari,“ sagte Mannsthal fast höhnisch, als wollte er sich rächen.
Vögelchen errötete und verstummte. In einer Mansarde bewahrte sie noch Spielzeug auf und ihr kleiner buckliger Page hatte jüngstens verraten, daß sie dort heimlich spiele.
Spät abends an dem darauffolgenden Tage, da Mannsthal in einer geschäftlichen Angelegenheit in die Kreisstadt gefahren war, spürte man plötzlich im Wohnhaus einen beizenden Geruch. Rauch schlug aus dem schwedischen Ofen. Gleichzeitig polterte der Knecht aus seiner Kammer die Bodenstiege herab. Das Haus brannte. Urbacher warf sich in seine Kleider und stürzte in Vögelchens Zimmer. Das Bett war zerwühlt. Er rief nach dem Kinde — kein Laut. Die Dienerschaft war schon auf den Beinen. Niemand hatte Arabella gesehen. Er gab Befehle, aber alles schien unwichtig, ehe man nicht Vögelchen gefunden hatte. Das Feuer ging von einer Vorratskammer am Dach aus. Es war zweifelhaft, ob man das Haus würde retten können, da es fast ganz aus Holz gebaut war. Das Wasser war nahe, aber außer einem Gartenschlauch gab es keine wirksamen Löschgeräte. Etwa zehn Minuten entfernt lagen drei kleinere Ansitze, das Dorf war doppelt so weit und seine Bewohner waren Mannsthal übel gesinnt seit einer Straßenangelegenheit, die er durchquert hatte. Es war nicht viel Hilfe zu erhoffen. Alles lief in fieberhafter Angst umher, hatte man nur Vögelchen in Sicherheit, dann mochten Hof und Haus in Trümmer zerfallen! Urbacher riß Türen auf, lief in den Garten, stürzte ins Haus zurück, hinauf bis zum qualmenden Dachboden. Da hörte er schluchzen. Es war das Weinen eines Kindes, das sich verlassen fühlt und dennoch, wie von Trotz gehalten, nicht um Hilfe rufen will. — In der kleinen Mansarde neben ihren verborgenen Puppen kniete Vögelchen. Der Rauch wob einen Schleier um sie, in ihrem Nachtkleid mit dem aufgelösten Haar war sie einem Engel vergleichbar. Dies hatte sie heraufgetrieben: sie wollte die Puppen retten und schämte sich, sie aus ihrem Versteck zu ziehen. „Vögelchen,“ rief Urbacher glückselig, und gleichzeitig fühlte er, wie eine andere Angst noch als die um des Kindes Sicherheit ihn freiließ. Sie war es nicht, die den Brand gelegt hatte. In diesem Falle hätte sie die Puppen, an denen sie so sehr hing, schon früher in Sicherheit gebracht. Aber warum weinte sie nun, da sie das Feuer tags zuvor erwünscht hatte? Sie sah Urbacher nun aus einem totenbleichen Antlitz regungslos an. Er riß sie auf, während sie noch rasch eine der Puppen an sich preßte, und trug sie in die Nacht hinaus. Niemals hatte Urbacher sie so in den Armen gehalten, „zurückgewichen in die bewußtlos-fromme Majestät der Kindlichkeit, der sie ihr Schmerz entriß“. Er fühlte ihren zarten Körper durch die leichte Hülle und hätte weinen mögen. Schon lag der Widerschein der Flammen auf dem See und tanzte in den Wellen, die der Nachtwind mit leiser Hand aufwarf. Im Bootshaus bettete er sie in den Kahn, doch als er sich wenden wollte, zum Rettungswerk zurückzukehren, fühlte er sich von zwei schlanken Armen umhalst und ein tränennasses Gesichtchen preßte sich an seine Wangen. Eine heiße Stimme, in der die Vögelchens kaum wiederzuerkennen war, flüsterte flehend: „Führ’ mich hinüber, dorthin, siehst Du? Es sind noch Lichter dort. Ich will das Feuer nicht sehen.“
„Kind, Kind,“ bat er und wollte sich losmachen. Aber ihre Finger gaben ihn nicht frei. Es war, als hätte sie Eisen in ihren mageren Händchen. „Ich komme wieder,“ sagte er. Da ließ sie ihn.
Die Löschaktionen waren im Gange. Auf der Landstraße, die längs des Sees lief, sah man ein Licht tanzen. In rasender Eile näherte es sich dem Brandplatz. Das war des heimkehrenden Adalbert Wagen. Urbacher stürzte in das Studierzimmer, warf einige kostbare Bücher und Manuskripte ins Freie, fand tastend im Rauch in dem aufgesprengten Kasten Mannsthals Wertgegenstände, die er seinem Diener übergab. Im Schein der Flammen raffte man etwas von Vögelchens aus den Fenstern geworfenen Kleidern zusammen. Urbacher stürzte zurück in das Bootshaus. Vögelchen lag ausgestreckt im Kahn, sie schien zu fiebern. Sie griff nach seiner Hand, preßte sie an ihre Lippen. Wenige Augenblicke später stieß das Boot ab. Das brennende Haus war die Leuchte.
Mannsthal verlangte keine Erklärung. Es mag sein, daß er sich den Vorgang selbst gedeutet hatte. Einem Menschen, der das Schicksal mit kühler, ruhiger Hand nach seinen Wünschen zu lenken schien, mußte diese Nacht mehr als eine schreckhafte Episode bedeuten. Er bestand auf einer genauen Untersuchung der Brandursache und merkwürdigerweise fiel der Verdacht auf den buckligen, halb blöden Bauernjungen, der nicht leugnete, auf dem Dachboden mit Zündhölzchen gespielt zu haben. Mannsthal veranlaßte vorläufig nicht die Wiederherstellung des Hauses, das dank einem starken Regen, der unmittelbar nach dem Eintreffen am jenseitigen Ufer niedergegangen war, teilweise verschont geblieben war. Er selbst reiste am Morgen der Brandnacht ab ohne Vögelchen zu sprechen, über deren Aufenthalt ihn der Diener gleich bei seiner Rückkehr aufgeklärt hatte. Er ließ sie in Urbachers Hut, als wäre dieser verantwortlich für des Kindes Flucht zu den Menschen, die ihm das Scheitern seiner Hoffnung bedeuten mochte. Sei es, daß er sich in einer Krisis befand, die er allein besser zu überwinden hoffte, sei es, daß er nicht mit ansehen wollte, wie Vögelchen sich selbst die Welt gewann, oder gar am Ende ihr böse war, er war nicht zu bewegen, ihr zu folgen oder sie zu sich zu rufen.
Arabella wohnte nun an dem modischen Gestade.
Am Morgen nach der Ankunft sah man sie bei einer alten Dame sitzen, eifrig plaudernd. Sie erzählte später, daß sie nicht geschlafen hätte und gleich, nachdem die Dienerin mit ihren Kleidern angelangt war, auf die Terrasse gekommen sei, voll Neugierde das neue Leben erwartend. Um nicht allein zu sein, hätte sie sich gleich zu der alten Dame gesetzt, die sich sehr freundlich ihrer angenommen habe. Wie es schien, hatte sich bei Vögelchen eine Schleuse geöffnet, aus der nun alles, was sie in ihrer Einsamkeit erlebt hatte, hervorstürzte. Die Dame, die, wie eine allseits verehrte Tante, unter den jüngeren Hotelgästen lebte, nahm Vögelchen, die ihr ein lächelndes Entzücken entlockt hatte, völlig unter ihren Schutz. Und bald war das Kind mit Jung und Alt befreundet und der Mittelpunkt des Interesses. Vögelchen schien es ganz selbstverständlich offene Türen zu finden.
Die Schloßgesellschaft war nicht gerade die übelste Auswahl jener Herdenmenschen, die weder vom Spiel der Nerven noch von bedeutenderen Geistesanlagen zu einem Abweichen von gewohnten Wegen und Gesetzen gedrängt werden. Ihre gewandte Beherrschung der Lebensformen erinnerte an die Sicherheit, mit der oft ahnungslose Kinder Gefahren bestehen. Immerhin hatte sie etwas Bestechendes. Vögelchen aber war nicht geblendet und besonders den jungen Männern gegenüber benahm sie sich fast geringschätzig. Offenbar glichen sie ganz und gar nicht den Helden, die in ihrem kindlichen Hirn thronten. Urbacher gefielen sie auch nicht sonderlich. Es waren Familiensöhne, Jünglinge, die sich ihrem Namen gegenüber verpflichtet fühlten einen bestimmten Lebensweg einzuschlagen, was ihnen beinahe etwas greisenhaft Abgeschlossenes gab. Sie waren in Leibesübungen gewandt und in deren Betätigung fast leidenschaftlich und ehrgeizig. Ihr geistiges Bestreben hingegen beschränkte sich auf eine flüchtige Umsicht, die möglichst viel umspannen sollte. Die Mädchen waren bescheidener. Die natürlichste Form guter Lebensart schien der Familie Normayr eigen. Man sprach von einem Sohn, einem jungen Seeoffizier, der erwartet wurde. Am Vorabend seiner Ankunft, es war zweifelhaft, ob Vögelchen sie wußte (keinesfalls schenkte sie dem Umstand Beachtung), hatte sich ihrer Unrast bemächtigt. Am folgenden Morgen, als Vögelchen die Stiege hinabschreitet und der jugendliche Offizier in der sommerlichen weißen Seemannstracht ihr an der Seite seiner Schwester entgegenkommt, ist ihr Blick mit einem Male wie gebannt gewesen, verstrickt in dies gebräunte Jünglingsangesicht. Auch Urbachers bemächtigte sich ein freudiges und beklommenes Staunen, als ginge es von Vögelchen auf ihn über. Der junge Seeoffizier, auf dem ein Abglanz lag von den siegreichen Tagen von Lissa, unterschied sich allerdings schon auf den ersten Blick von den anderen jungen Leuten. Er war über sein Alter ernst und bei aller Bescheidenheit in sich gefestigt. Eine Herbheit ging von ihm aus, wie die Seeluft rein und erfrischend. Auch er besaß Unterwerfung in den herkömmlichen Willen der Familie, nur war sie bei ihm nicht Dünkel, sondern Ehrfurcht und vielleicht deshalb bedingungsloser, denn sie lebte neben seinem klaren, menschlichen Blick.
Er war streng gegen Vögelchen von der ersten Stunde ihrer rasch aufblühenden Freundschaft an. Ihm war wohl, er dürfe es, er hätte dies Amt über sie. Ihrer kleinen Teufeleien mußte er Herr werden, wollte er auf den Grund ihrer Seele schauen. Und Vögelchen ging umher in Leuchten und Staunen und hin- und hergewiegt zwischen Furcht und Frage. Dennoch formte sich zu dieser Zeit ihr Wesen zu etwas Festerem. Aus ihren Instinkten wollte sich Bewußtes entwickeln. Die vielen Plauderstunden mit dem neuen Freund begannen aus ihrer süßen, kleinen Tier- und Kindseele den Menschen zu wecken. Der junge Offizier, darüber konnte kein Zweifel sein, stand ebenfalls unter einem jener leisen Wunder, wie sie in der rückhaltsvollen Welt immer seltener werden, und er mochte ganz und gar bereit sein, sich dem neuen Zauber hinzugeben. Auch seine Mutter war Vögelchen gewogen und scheinbar erfreut, dereinst vielleicht das vermögende Mädchen als Tochter willkommen zu heißen. Urbacher sah des Kindes Strahlen und erlebte im Vorgefühl Mannsthals ohnmächtige Trauer, den Zusammenbruch seines geheimen Planes, der in seinen Zielen ihm unheimlich erschien und dennoch erhellt von dem Wetterleuchten seines eigenen zwiespältigen Herzens. Eine abwartende Scheu hemmte ihn dem Freunde Mitteilung zu machen, obwohl er in dunklen Augenblicken sein blitzartig zerstörendes Eintreffen beschwor. Er begnügte sich indes noch die Aufforderung, sich ihnen zuzugesellen, auf das dringendste zu wiederholen.
Der Gesellschaft hatte sich eine Spannung bemächtigt. Es lag ein Ereignis in der Luft. Auch das Wetter war in diesen Tagen schwül und lastend, bis es sich schließlich unter Donner und Blitzen gesäubert hatte. Der Regen, der so andauernd und heftig gewesen, daß der See über seine Ufer trat, brachte aus den Felsen, die die Landstraße längs des Wassers säumten, Sturzbäche hervor. Man sprach davon, die Straße für den Wagenverkehr zu sperren. Das Zögern des Verbotes hatte ein Unglück zur Folge, aus dem sich die Begebenheit entwickelte, die jene Spannung auf eine merkwürdige Art löste.
An dem Morgen, der den Wettertagen folgte, fuhr nämlich Mila Maquard mit ihrem Wagen von einem der nahen Kurplätze über die gefährdete Straße. Mila Maquard war eine jener Frauen, deren Haar nicht ganz die Farben der Natur hat, deren Perlen ungewöhnlich groß sind, deren Kleidung eine verschwiegene Sorgfalt aufweist und deren Hochmut Triumphen entspringt, über die man bedeutsam zu schweigen pflegt. Mila Maquard war von großer Schönheit und es war ihr eine natürliche Anmut geblieben, die auch Frauen entzücken mußte, deren Auge nicht von bürgerlicher Verachtung trübe war.
Als sie nun ahnungslos jene Stelle der Fahrstraße passierte, wo das Wasser in den Felspartien verheerend gewirkt hatte, ging eine Erdrutschung nieder. Ihr Kutscher wurde schwer verwundet, sie selbst aus dem Wagen geschleudert, wodurch sie einen Bruch des Armes und einen leichten Nervenschock erlitt. Die Unfallsstelle war nicht weit vom Schlosse und der herbeigerufene Landarzt verfügte dahin den Transport der Verletzten. Man war zu der verhängnisvollen Stätte geeilt und einige Herren hatten die Verunglückte erkannt. Alsbald waren auch die Damen unterrichtet und eine eisige Teilnahme wurde der schönen Maquard zuteil.
Während man sie und den Kutscher in den Saal hingebettet hatte und der Arzt sich um sie bemühte, standen die Gäste auf der Terrasse in Gruppen umher. Lebhafte Gespräche entwickelten sich. Man schien nicht geneigt, der Fremden Gastfreundschaft zu gewähren. Frau von G., die Mutter von vier Töchtern, deren Verheiratung das Ziel der Sommerreise war, ereiferte sich ganz besonders. Ebenso Baron M., der sich abseits, wie man bemerkt hatte, für sein korrektes Benehmen in ausgiebigster Weise schadlos zu halten verstand. Er mochte Gründe haben diese Begegnung unter dem Auge der Familie zu scheuen.
Als die Debatte, die wegen der Nähe der jungen Mädchen nur andeutungsweise und im Flüstertone geführt wurde, ihren Höhepunkt erreicht hatte, erschien der Pächter und fragte auf das höflichste an, ob man die Güte haben würde, der Verunglückten in dem vollbesetzten Hause dadurch Platz zu machen, daß etwa zwei der jungen Leute in einem Zimmer schlafen würden, so daß man einen Raum gewänne. Es sei bemerkt, daß von dem Augenblick, da Mila Maquard sich in dem Hause befand, eine Veränderung mit der Gesellschaft sich vollzogen hatte. Die Herren waren mit einem Male sehr angeregt, als wäre nicht eben ein Unglück geschehen, das einen tödlichen Verlauf hätte nehmen können. Besonders die Jünglinge bezeigten ein lebhaftes, wichtigtuendes Wesen und den Fräulein ihres Kreises eine gewisse Geringschätzung. Ihre Beflissenheit beim Transport der blonden Dame war auch ganz außerordentlich gewesen. Aber auch die Damen wurden lebendiger, die Freudigkeit einer Abwechslung war auch in ihre Nerven gefahren, nur daß sich ihr Verhalten sogleich kriegerisch färbte. Der junge Normayr war mit seinem Segler am See. Da es sehr stürmisch war, hatte man Vögelchen bestimmt, ihn nicht zu begleiten, so daß es auch Zeugin des Unfalls gewesen war. Wo aber trieb es sich nun herum? Urbacher näherte sich der Terrasse und sah seine Vermutung bestätigt: Vögelchens weiße Gestalt lehnte dort an einer Holzsäule. Ihre Kinderaugen wandten den Blick nicht von der hübschen Frau, die auch in der Lage, in der sie sich augenblicklich befand, nichts von ihrer typischen Eigenart verloren hatte, die zu der des Kindes in einem so starken Gegensatz stand, daß die Frage nahe lag, ob die beiden denn Wesen einer Art seien. Als Vögelchen Urbacher sah, kam sie auf ihn zu und flüsterte: „Ist sie nicht schön? Glaubst du, daß es eine Prinzessin ist?“
Die gute Frau von G. war mittlerweile in so große Aufregung geraten, daß sie das „pas avant les enfants“ vergessen hatte, als sie nun das Wort ergriff, um dem Hotelier zu antworten: „Wir sind alle der Meinung, daß es unmöglich ist, diese — diese Frau hier aufzunehmen. Wir können Ihnen nun freilich keine Vorschriften machen, aber ich für meine Person versichere Ihnen, daß ich mit meiner Familie morgen abreise, wenn sich diese Person hier auf einen längeren Aufenthalt einrichten wollte, und ich bin sicher, daß wir nicht die einzigen wären.“
„Ich bitte, sich zu beruhigen, gnädige Frau,“ sagte der Pächter. „Wir befinden uns ja noch unter dem ersten Eindruck dieses Unfalles. Was die Dame weiterhin zu tun gedenkt, ist mir völlig unbekannt, aber jedenfalls ist ihr für die nächsten Tage die Weiterfahrt ärztlich verboten.“
„Das ist ja sehr traurig, mein lieber Rösler,“ sagte die Baronin. „Man hätte eben die Straße für Wagen sperren sollen. Wir wollen aber in unserem Aufenthalt nicht gestört sein und Sie können uns nicht zumuten, mit dieser — dieser Frau unter einem Dache zu wohnen.“
Herr Rösler bemühte sich, ein Lächeln zu unterdrücken. „Verzeihen Sie, Gnädigste, aber versetzen Sie sich in meine Lage. Kann man eine Verunglückte vor die Türe setzen?“
„Nun dafür gibt es Beispiele,“ erklärte Frau Kommerzialrat Lobling. „Ich habe es selbst mitgemacht, daß man in K. zwei Lungenkranke abwies, die in unserem Hotel einkehren wollten.“
„Das ist abscheulich,“ sagte da eine bebende Stimme, und Vögelchen stand plötzlich im Vordergrund. Sie war bleicher als sonst und sprach in sichtlicher Erregung. „Ja, warum soll denn diese liebe Dame nicht hier schlafen?“ rief sie. „Wo soll sie nun denn wohnen? Vielleicht wäre es mir auch so ergangen, als uns das Dach wegbrannte, wenn ich am Tage gekommen wäre und man über mich abgestimmt hätte. Vielleicht hätte man mich auch verjagt.“
Einer der Jünglinge lachte, und im nächsten Augenblick entlud sich eine allgemeine Lachsalve. Vögelchen wurde glühend rot. Sie fühlte jetzt, daß sie etwas Einfältiges gesagt hatte, und große Tränen traten in ihre Augen.
„Ich bin natürlich gern bereit, mein Zimmer abzutreten, falls sich keiner der jungen Leute bereit erklärt,“ sagte Urbacher.
„Nein, das dürfen Sie nicht,“ unterbrach ihn der Baron. „Ich wäre ja auch bereit. Aber das ist nun einmal eine Prinzipiensache. (Wir sprechen ja wohl noch darüber, wenn wir unter uns sind.) Sie beschämen unsere jungen Leute oder drängen sie, den Damen gegenüber einen Taktfehler zu begehen.“
„Ich habe mein Wort verpfändet das Hotel nicht zu verlassen. Wenn mir keiner der Herren in seinem Zimmer Gastfreundschaft gewährt, ist meine Bereitwilligkeit leider ohne Wirkung.“
Eisige Stille folgte seinen Worten. Der Hotelier zuckte die Achseln und entfernte sich. Ihm war es ja schließlich auch lieber, wenn ein Fräulein Maquard nicht unter den Gästen seines Familienhotels erschien. Er selbst hatte sein Zimmer vermietet und wohnte in einer schlechten Mansarde.
Die Gesellschaft zerstreute sich. Die Herren waren froh unter sich zu sein. Die jungen Mädchen blieben beisammen und ließen ihrer Neugier freien Lauf.
Indessen war der junge Normayr gelandet und sogleich von den Begebenheiten unterrichtet worden. Als er nun zu Vögelchen trat, umwogte sie eine Welle von Zärtlichkeit, die aus seinen klaren Augen zu ihr ging. Sicher hatte er von ihrer rührenden, kleinen Standrede gehört. Als sie dann plaudernd auf- und abwanderten, kam Ruhe über sie.
Für den Nachmittag projektierten die Damen nicht ohne Hintergedanken einen Ausflug. Fräulein Maquard war indessen in dem Rauchzimmer untergebracht. Der Pächter war in einer verzweifelten Lage. Die Gesellschaft brach auf, ehe er nochmals an sie herantreten konnte. Auf diesem Ausflug schien sich zwischen Vögelchen und ihrem schönen Freunde eine Annäherung vollzogen zu haben, die nun manches bisher Unausgesprochene zur Wortschwelle gedrängt hatte. An diesem Abend entschloß sich Urbacher, Mannsthal von dieser Annäherung zu verständigen.
Was Fräulein Maquard betrifft, so fand man, vom Ausfluge zurückgekehrt, keine Spur mehr von ihr. Eine gewisse Scheu der Beschämung, wie sie Menschen oft befällt, wenn ihnen eine schlechte Tat gelungen, hielt die Frage zurück, wohin sich die Verunglückte gewendet habe. Die Lustigkeit, die die Gesellschaft an diesem Abend entfaltete, war nicht ehrlich. Man wollte sich über sein schlechtes Gewissen hinwegamüsieren. Selbst die Admiralsfrau von Normayr war geräuschvoll und ganz besonders liebenswürdig Vögelchen gegenüber, wohl um zu beweisen, daß sie ihre vorlaute Ansprache nicht übel genommen habe, da nun alles sich zur Befriedigung der gefährdeten Ehrbarkeit gewendet hatte.
Wie sehr erstaunte man aber, als am darauffolgenden Morgen Mila Maquard, den Arm in der Schlinge, ein wenig bleich, unter den Frühstücksgästen erschien und mit der größten Ruhe, ohne irgend jemanden zu beachten, in der guten Morgensonne, die sich nicht scheute auch sie zu bescheinen, ihr umfangreiches Frühstück einnahm.
Die Gespräche verstummten. Frau von G. schien von Gelbsucht befallen, die Mädchen wagten nicht aufzusehen, die jungen Leute sprachen lauter, als ihre Gewohnheit war, und prahlten mit bereits bekannten Ereignissen. Ein Sturm der Entrüstung brach los, als Mila Maquard die Terrasse verließ.
Urbacher war die ganze Zeit über ein wenig unruhig gewesen, weil er Vögelchen, die eine Frühaufsteherin war, vermißte. Ihr Freund, der bei ihm saß, teilte seine Unruhe. Nun kam sie, eben als der Redeschwall losbrach, langsam und verschlafen die Stufen des Hauses herab.
„Das ist unerhört,“ erklärte Frau Kommerzialrat Lobling, deren Kleid entschieden von dem Mila Maquards geschlagen worden war.
„Eine Hinterhältigkeit, eine Unverschämtheit von diesem Rösler,“ rief Frau von G.
„Meine Meinung wird er hören,“ pfiff die Baronin.
Auch die Admiralin war so ungehalten, daß ihr Sohn sie zu beruhigen trachtete.
„Wissen möchte ich, wer den Mut gehabt hat, ihr das Zimmer abzutreten,“ sagte der Baron. „Wissen Sie es vielleicht?“ fragte er die Kellnerin.
Da trat Vögelchen dicht heran. Sie sagte mit leiser, aber fester Stimme: „Das Fräulein hat in meinem Zimmer übernachtet.“
„Und du,“ fragte arglos Fräulein von Normayr in die peinliche Stille. „Hast du die Nacht im Walde verbracht?“
Vögelchen schüttelte den Kopf. Ihr Blick suchte den ihres Freundes, der dem ihren nur scheu begegnete.
„Nein,“ sagte sie. „Das Fräulein und ich schliefen in einem Bett.“
Die Admiralin stand auf und sagte: „Pfui, schämen Sie sich.“ Vögelchen erbleichte. Einen Augenblick hielt sie den Atem an, dann brach es aus ihr aus: „Pfui, ja pfui über Sie alle, über Ihren Hochmut, Ihre Unbarmherzigkeit.“ Erhobenen Hauptes entfernte sie sich.
Was nun folgte, war schmerzlich. Der junge Seeoffizier mied Vögelchen, die sich geweigert hatte, seine Mutter um Entschuldigung zu bitten. In einer Unterredung bat er den Doktor Urbacher, die Annäherungen an seinen Schützling zu entschuldigen. Gegensätzlichkeiten einschneidender Art nötigten ihn, den Verkehr aufzugeben, wie schwer dieser Verzicht ihn auch getroffen. Vögelchen erwiderte hoheitsvoll die Geringschätzung, die ihr von allen Seiten zuteil ward. Was Urbacher am bittersten schmerzte, war, daß sie ihm gegenüber den Vorwurf zu hegen schien, daß er sie vor den Menschen nicht gewarnt habe. Dies Erlebnis der Enttäuschung setzte Mannsthal wieder in seine Rechte ein. Zwei Tage nach diesen Begebenheiten fuhr er vor. Er hatte sich bis zur Unkenntlichkeit verjüngt. Die alljährliche Wirkung seiner Sommerkur wurde diesmal noch durch seine Bartlosigkeit unterstützt. Selbst seine Kleider hatten einen andern Schnitt. Vom neu erworbenen Wagen sprang ein weißhaariger Kammerdiener und öffnete dem Herrn, der neben ihm ein Jüngling schien, den Schlag. Merkwürdigerweise war Mannsthal über alles Vorgefallene unterrichtet. Die Auseinandersetzung, die nun zwischen ihm und Urbacher stattfand, hatte den Abbruch ihrer vertrauten Beziehungen zur Folge.