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Verbrüderung

Ekstasen der Zärtlichkeit

Reading edition

Du Einzige, Die mich verstand Die meine glühenden Verbrechen Selig verwand. Die meinen tiefen Schöpfergram Ins Heilige gemildert In ihren Geist hinübernahm.

Mombert

I

Dein Gang elastisch. Die Gelände wirbeln. Ein roter Dorfturm stach verzückt ins Blau. Die Rinnsal-Straßen mögen dich nie fassen. Turban deines Haupts —: Spirale blumigen Regenbogenflusses.

So müssen immer Städte dich besingen, Der grünsten Falterwiese zirpende Schalmei, Von Reisauflauf ein Ruch dich ganz bedringen. Da Kinder kehren Wäsche unterm Arm vom Baden heim.

Du: die Entfaltete. Geblümte Möbel reihen sich dir zum Halsband schlicht. Ists auch kein Sieg der aus den Gewaltmärschen längs der Küste deiner Lippen blüht. Immer aber schon ein Streif Paradies aus dem Tau deiner Haare sich löste. Jener Märtyrer-Brüder Phalanx sucht sich in dir zurück.

Libellen muntere über dem See im Spiegel deiner Ovalnägel wiederfanden sie sich. Der aber als violettes Zebra im Gitterkäfig, von der Mondschlucht Weich beraunt . . . O geschnitzte Karussellpferdchen dich melodisch umkreiselnd! Du heilige Jungfrau, Mutter unsere! Palast in dem der Mann vergeht zu Urkindwildnis, Jünglinge siedende gossen sich sterbend über die Planke deiner Hüfte. Oft. Und einer um den anderen. Je nachdem . . .

Viel Ozeandampfer hängen in Korallenzweigen, Mit Fischen ziehend durch das Lochgebiß. Dein Lächeln könnte sie zusammenfügen, Die schwebten wieder groß im Meer gewiß.

Wie tausend Tote gleich Geliebten kauern, Sie spreitzen sich gens wolkichte Gebild. Wind stutzt die Dornen der Granatenbrände: Atem dein auch glättend den Berserker wild.

Mütter so dich immer wiederholen: Schreiterin im sprühenden Ornat. Vielecksonnen breiten auf den Wangen, Dem vom Schleier überzogenen Gletscherfeld.

II

. . . und immer muß sie aus Geräuschen brodeln, Hinflutend auch im großen Nächtewind. Symphonisch Klirren der entfachten Fenster Aus derer Augen zuckend bräunstem Rund.

Die Teiche vor der Stadt sie lächeln dich. Dich meint die Heimkehr tönender Soldaten. Zu deinen Füßen baut sich Strich um Strich, Und Plätze mit der Sonne schwer beladen.

Wie klar es ist: daß dich der Zug nur will, Der von der Brück ab in den Äther springt. Die Transparente blitzen deinen Namen. Du aller Kinos dröhnendes Plakat.

Und wenn dich noch die kleinen Dinger rufen, Rot aus dem Bauch in spitzigen Glast geschält. Auf Bänken Strolche sich in dir verankern. Dich jeder ausspricht der ins Dunkel stürzt.

Erlöste Tiere ruhen in deiner Fächer-Hände Schatten, Weit Menschenvölker spielend miteinand. Die müssen bunte Fahnen um dich flattern. Muster eingewoben dem Gewand.

III

Zinnobere Bäche. Mosaik der Wälder. Gehäuft ob Bergen Trichter Sonne gell. Firnis des Monds. Verschlungener Täler Brausen. Geborstene Städte — brüllende! — Schalmei.

Und Niederknallen blökender Idioten — Und Dächerbalanzieren, sternwärts Taumeln — Und Liebender Geflüster vom Kanal — So buntgeflickte Segel hissen dich!!

Er wird dich durch die vielen Länder tragen Der junge Dichter, strahlende um ihn. Ein Himalaya muß er tönend ragen, Um den die Schwärme, Stern und Wolken jagen, Zu dessen Füßen neue Städte knien.

Wie schlingt sich wirr um ihn dein Haargefieder. Der Küsse Knospe reiht sich dicht zum Kranz. Ein zitternd Fragen, Hin und her Erwidern. Das zuckt wie Harfe aus den Lüften gell. Der Geist, der Geist er muß Gewalt beenden, Die stinkicht aufquoll: Krieg an allen Enden!

Den Geist der Tat, du wirst ihn heftig läutern Beginnen! rufen. Zeigen vor uns wild.

Hah! Schon zu Hunderten Kasernen meutern. Nun werden sich die alten Staaten häuten. Du trägst dich vor uns gleich ein Palmenschild. Schwebst, Heiland licht, durch tödliche Gewimmer. Sichtbar am Horizont als Rosenschimmer.

IV

Du Hüterin! . . . Da reißt sich schief Grimassenhäuser Front, da packen Der Gäule Hufe ins Gehirn. Ein Dom treibt Widerhaken. Du Hüterin . . . Die ziehst du all Heraus magnetischer Streichelhände. . . . O Haupt im Tabernackelschoß . . . Laß mich, dir gut, vollenden!

Und Tag! und Tag! Hah grellstes Licht Peitscht an, rings Züge sausen. Ein lilabrauner Himmel schwer Presst tief. Im Pflaster scheint uns wer. Gespenstertote hausen. Man brüllt nach Du. Dein Atem bricht In längsten Samumstößen. Es stockt und ebbt schon der Tumult: Melodisch schwemmen Abendfluren. Wir Fabelschiffe wiegen.

— Du fütterst ihn. Du ziehst ihn groß. Wie ist er da entsprossen! Gleich Fahne flackert dessen Hos. Vorbei die Kugeln spritzten. Von dir gedacht er: so gefeit. Gestauter Welt ein Zünder. Die Arme wehen Signale weit. Ekstatischer Verkünder!!!

O Einsamkeit — jetzt überwand Dich heißestes Zerdringen. Mein Prisma du, von mir durchbrannt Zu tausend Strahlen schwingend. Du streichest aus der Frauen dumpf Gehock. Kristallenen Klumpen knetend, Jäh meiner Brust: finster geballt. Ein Labyrinth von Schimmelwald, Erfüllt mit Mord der Schul und Väter.

Wir kehren nicht zurück zum Schoß, Gen Scharlachdämmerungen. Vom Fundament wir bauten los Uns. Tod ward übersprungen. Du Brücke aus der Nacht Revier — Geharnischte Winter schlagen. Wir schweben fest! Der Kragen Dreht sich zum Strick. Du löst ihn mir.

Du Engel an der Pforte. So bin ich aufgeschält. Es blühen aus Vase meines Munds euch Heimatworte. An deiner Stirn sich reibend auf perlig: ein Lilienfeld. Verhüllte Meere knistern Herein, der Donner breiter Takt. Wir aber landeten an Küsten Mit Gärten, Mond und Freund beflaggt.

Du klaffst: des Eilands Brunnen, Daraus der reine Mann sich schöpft. Nah Aeroplane knurren. Ein Sterngewimmel tropft. Von schaukelnden Tribünen Gleich Flamm der Dichter loht: Der Völker Psalmenhort, Die rings um ihn wie Herden dehnen.

Ja —: brüderlich Verschmelzen! Nicht einsam, sondern jeder sein! Abschraubt des Hochmuts Stelze! Fahrt in die Huren ein! (Schraubt euch auch dumm und klein!) Der Mantel wie ein Drahtzaun Schlingt sich um unsere Hüfte. O lasset uns restlos vertrauen! Geschminkte Masken lüften!!

Du hast es ihm vollbracht: O brüderlich Verschmelzen. Nacht schwillt: Lampione-Nacht. Geteerte Sommer wälzen. Wir blättern strahlend Fächer. Von deiner Augen Süßsee Schlürft oft der Lippe Mal.

Frau Else Hadwiger gewidmet

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