An C.
Reading edition
Manchmal meine ich, Du könntest eine Geschichte aus mir machen und mir ist, als ob das Sterben, jetzt oder später, leichter würde, wenn man weiß: ich selber konnte wohl nichts tun, aber es geschah irgend etwas durch mich.
C.
Der Nacht quoll: schief verworren Wölbt sich jetzt Morgen grad. Du kannst ihn schreiten sehen Ganz Wind und Schwebezeit.
Sein Aug umstreichen Flüsse. Tosender Wälder Schwung Flackt um der Berge Schulter. Des Tages Purpurküsse.
Du kannst ihn schreiten sehen. Nicht Qual fretzt ihn. Kein Dorn. Der Nacht quoll: schief verworren Ganz Wind und Schwebezeit.
Aus Lilienfinger geußt dem Gekrümmten Schwangeren Balsam. Säuglingen, den Asylen Träuft er der Lippen Brod.
(. . . einst stürzten Worte Unflat, Nun schmilzt ein Mond im Tönen. Wie Quell springts aus der Flöte Horn. Jetzt kaum noch Mietskasernen stöhnen . . .)
Du kannst ihn schreiten sehen — die goldenen Wagen rauschen — Mit schmetterndem Tempostampfen, Wo sich vor brüchigem Tor Sein Volk in den Azur löst.
II
Mond im Fluten Traums verweht, Nachtigallen dich besuchen. Wickelst dich aus schweißigem Tuche, Tanzest auf Balkonen spät,
Flackert noch ob dem Staket Morgens klein der bunte Shawl. Purpurküsse ausgesät Schlürft er in den Städten fahl.
In der Autos Röcheltuten Gluckst ihm dünn dein Husten ganz. Sprengt er laut entzwei die Buden. Zirpt der Karusselle Kranz.
„. . . Jäh in Huren die hohl kichern Schnappt dein höchster Triller über. Rette uns zu dir hinüber Engel . . .“ Herbstlaub wischt der Dichter.
Unter Türen, Räderspeichen Kauert brüchig das Gebild. Harfenfinger in die Leichen Krallt es schüttelnd, tönend wild.
„Wiesen streust du aus. Im Gang Kräuseln Wälder. Ströme Falten Zündeln hoch in mystischem Schwang. Kniee stoßen grad basalten. Um die Schläfe schmiegt dein Gang.
Langsam schmilzt der Stern ins Haar. Flöte summt der Samowar. Weite Weite gräbt sich trüber. Rollt ein Atem — Nächte Wind. Pferdeaugen blühn im Kind. Engel rette uns hinüber! . . .“
III
Wir möchten uns begreifen Hindurch, ja ganz das Unsere In tauben Küssen fühlen. Das alles: Bett, Fluß, Stühle, Im Haar von Rosa Schleifen . . . Das aber schreit als Unseres: Im Schoß das Haupt zerwühlen, Wie Stürme fetzend durch die Körper schweifen.
Oft nächtens wir uns tönend schwingen Aus brüchigem Mund zu vollerem Baum. Empor aus Tier und öliger Straße fingen Auf Lüften selig gleitend ein wir Gott und Sternen-Raum. Da stürzten Väter borstig-jähe Herab den Trunkenen aus den Sphären. Schwangere Mütter kreischend scheren Ihm ab der Locken Schnee.
Das Grab klafft uns bereitet. Flößte uns Gifte ein im Trunk. In Herbst-Laub fahl gekleidet Wir schwieren in der Dämmerung Der großen Städte. Quollen Nicht Fahnen Ruß aus Stein und Schlot. Man Nebel schlürft zum Abend-Brot. Die Därme gleich Fabriken schollen.
Und Echo brüllte tausendfach. Da rinnen Augen klein. Erwacht Des Engels Daseins-Blüte?! Er geußt die Lilien-Hand. Ein Strich Bog ab der Brust den Messer-Stich. Neu formt er Rock und Hüte.
Wie Bläue hell durchs Land geweitet Schlug auf in uns er Zelt und Pfühl. Am Firmament heroisch schreiten Wir aus, zu Flöte süßestem Spiel.