Die neue Welt
Reading edition
I
Er war hinabgestiegen und er schaute. Da schwankte wie ein Schiff das Fundament. Zum Himalaya hoch ein Blutmeer staute. Land angereiht an Land — ein Schrei stößt! — brennt!
Und welche, die Fontänen auseinanderspritzten — Die Flügelarme flatternd ausgereckt. Und welche hinter Kartenpulten sitzend — An buntem Plan das feiste Antlitz leckt.
Gekreuzt ob Epauletts die Marschallstäbe. Millionen stapfte solch Gehirn zu Brei. Millionen mußten in den Böden kleben. (. . . O Knall, Dreihunderte zerfetzten eben . . .) Millionen vorgeführt gen die Bastei,
Wo tackend Läufe die Portale zieren. Granate fort der Dome Blüte scheuert. Scheinwerfer (Stromband) in der Runde schmieren. Da waten Regimenter klein durch Feuer.
Und stürzen ineinander. Messermauern jäh. Emporgeschweißt bald. Strahlend zugerichtet. Und stürzen ineinander. Kauernde . . . Posaunen rast ihr einst, o Höllentrichter!
So hängen sie gleich zappelnden Figuren, Exakt an Schnürchen hin und herbewegt. Doch in den Städten hausen schöne Huren. Geschminkt mit Blut die Wangen. Grabwind fegt
Aus deren Poren. Und die Federn nicken Gleich aufgezücktem, umgebogenem Arm. Hah —: dort anblähen pustend sich Fabriken, Bestien fett im wütigen Alarm.
II
Dann kroch er fröstelnd durch Tumulte Hungers. Gespickt mit Aussatz. Überrauscht von Pest. Um spät zur Früh am Straßeneck zu lungern. In jedem Tier, in jedem Mensch verwest.
Aus jedem Mensch, aus jedem Tier erstanden! Er riß den Mantel von der Schultern Bug. In dessen Brust, dem Krater, Sonnen brannten, Umschwirrt von der Gestirne Donnerflug.
Nun trieb, was heulend er oft nachts gedichtet, Heraus —: es scholl: Der Neuen Welt Programm. Du Himmelreich in grauser Schlacht errichtet. Ein Sturm zerschmeißt der Bösen morschen Damm.
. . . Er baute vor sich. Krallend Fäuste kneten. Durch Finsternisse sticht er, kreisendes Plakat. Ein Männer sammeln. Von Tribünen reden. Er tönt, ein Riesenhorn, den Psalm der Tat.
Antike Städte unter Dröhnen knittern. Melodisch schwingt schon nächstes Paradies. Aus Tänzerinnen weichstem Mondgeflitter Noch trüber Wallung voll der Tag sich gießt.
In Elfenbein. Von bunterem Wind gesalbt. Der kämmt zurück der Nächte Schlinghaar falb. Senkt das Gestirn in aufgestemmte Brust. Er hobelt ab verkohlten Leibes Krust. (. . . und Wimmern ebbt und sägendes Gehust . . .)
Er war hinabgestiegen. Auf er bog Mit Höll im Arm, die süßer Mai bezog. Lang tobte Chaos in dess Angesicht. O neue Welt! An jetzt uns Freiheit bricht!!!
III
Da rollen Züge tönend im Gelände, Das auf sich wölbte, breit und wunderbar. Er schwebt — ein Fluß verknüpft sich noch vorm Ende, Dran Häuser stehn wie weiße Kinderschar.
Lichtsäulen schreiten Menschen überall. Kristallene Wälder blitzen in den Räumen, Verzogen der Gewitter Überfall. Gebirge Katarakte Donner säumen.
Wie tausend Brücken spreizen aus dem Land, Mit Kurvenwirbeln strahlend in den Äther! In Sommerluft, dem Schmetterlings-Gewand Mag steigen ob der Dächer Flur wohl jeder.
O heilig Paar das wie ein Kelch aufsprießt! Von blauer Lämmer hellstem Flor umläutet. Stern an Stern durchflochtene Wies: Spiegelglätte, Nacht und Meeresweide . . .
Entreinigt euch der winterlichen Städte, Der Nebelstraße tauichtem Gebrest! Wir grüßen Sonne dich! Erhabenes Schmettern. (. . . einst Blutschwamm übern Himmel ausgepresst . . .) Nun Scharlachlüster sprühenden Geästs.
Nationen ewige, so ihr befreit Euch — Tat! — aus mördrischen Tyrannengriffen!! Wir drehen aus der Kriege Dunkelheit, Emporgeschraubt, wie Morgen rein geschliffen.
Nicht daß mit Peitschen mehr uns Henker bannen. Rings Völker brausen in die Himmel grad. Sterngefilde blanker Bajonette spannen Sich neigend über dem entsunkenen Staat.