»Mein Gott, es war die Katze!«
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Dokter Moor un Susi habn ihre Ferlobung aufgehobn. Es is ein schreklicher Ferlust fir Susi, weil sie die ganze Auschtattung schon fertig hadte. Ich firchte, sie wird aus der Mohde kommen, befor sie einen andern findet, der so gut is wi der Dokter, der ein ausgezeichneter Mensch is, wi ich glaube, un die Mohdn weksln so schnell.
Der Hochzeitkuchn soll aber nich ferderbn, solang Hansi un ich wissn, wo er aufgehobn is. Es is ein prachfoller Kuchn un sehr nitzlich fir einen Jungen, wenn er schleifn geht, oder bis zum Nachmahl nich nachaus kommen will.

Letzte Woche wahr wider eine Anzeige in der Zeitung — Susi weinte deswegn bis ihre Augn so rot warn, wi Hansis wi ich rotn Feffer in den Backofn fon seiner Mutter schtreite. Ich glaube, schwarzer Feffer hedte nich so rot gemacht. Die Anzeige wahr so:
»Große Aufregung herrscht in der bessere Gesellschaff iber ein Gericht, das eine gewisse Heirat in fornehmstn Kreise nich schtattfindn soll. Nach unsrer posetiwn Kenntnis sind die Einladungen gedrukt un beina alle verteilt, aber di Beteiligtn schprechn nich miteinand. Die Uhrsache dises pletzlichn Wechsls im Programm is nich in der Öffntlichkeit gedrungen — sofihl is gewiß, das es nich die Schuld des Herrn is.«
Arme Susi, du dauerst mich! Wi fro bin ich, das sie nich fermutet ihr Bruder setzte es in der Zeitung! Ach, wi traurig is es, ein schlechtes Gewissn Tag fir Tag mit sich herumzutragn. Ach! ich bin di Uhrsache, das dise Ferlobung aufgehobn wurde. Alles wer fridlich un ruig, hedte Susi nich einen so schlechtn Jungen zun Bruder. Un denoch glaub ich, das diser Edisn oder wi er heißt mehr Schuld is wi ich. Warum setzte er sich hin un plagte sich, bis er das ellektresche Licht erfundn hadte? Sie habn nemlich alle dafon geschprochn, un wi fihl sich Herr Edisn damit ferdinen wird un was es fir ein Ding is un der Dokter erzehlte, das er eine Badterih in seinen rikwertign Ladnzimmer hat, was ich schon wußte, weil er mich eimal den Griff in der Hand nehmen liß un es wahr sehr schpaßig — deswegn erzehlte ich es Henschen in der Frih, un er un ich wartetn bis der Dokter in seinen Zweiradler wegfuhr un dann klettertn wir durch das Fenster in den rikwertign Ladn un ich goß ein bischen aus einer Flasche henein, wi der Dokter es gemacht hat und gab Henschen di Griffe zu haltn un er schprang in der Lufft un fihl dann nider un schtrekte sich aus.

Ich schrie, er soll die Griffe auslassn, aber er sagte kein einziges Wort, wi wenn er tot wer un ich nahm ihm die Griffe aus der Hand un sagte ihm er soll sich aufsetzn, aber er herte mir nich zu un ich firchtete mich, weil ich ihm sehr lib hab un holte ein paar Menner, die auch durchs Fenster kledtern mußtn. Sie schpritztn ihm mit Wasser an un sagtn ich bin ein schlechter Junge — sie glaubtn ich hab ihm umgebracht un trugn ihm nachaus un seine Mudter wollte nich einmal schprechn mit mir. Ich glaube, sie hädte dankbahr sein solln, das er enlich nach langer, langer Zeit zu sich kam. Fom Dokter krigte ichs greßlich. Er sagte, ich runihre ihm seine ganze Prakses — di Leite firchtn sich, seine Medizihnen zu nehmen aus Angs, ich habe die Hende dabei gehabt — un das ich ein so liber, kleiner Junge bin, wi nur meglich, wenn ich mich anschtendig benehm, aber ich soll seine Sachn nich anrihrn.
Ich sagte ihm, es thut mir sehr leid — ich werde es auch nich wider thun. Ich wollte mein Ferschprechn auch wirklich haltn un wi ich das nechstemal bei ihm wahr, bemerkte ich eine Maus di immer in un aus ihren Loch kroch. Ich dachte, ich will ihm eimal eine Gefellikeit thun, weil ich ihm schon sofihl Schadn gemacht hab — un wi er am Abens zu uns zum Tee ging, schtekte ich die Katze im Ladn, damit sie schnell di Maus fangt un der Dokter sie nich sehn soll. Er ging zu Susi auf Besuch nach dem Nachmahl un ich fermutete, er wird zimlich lang dort bleibn. Wi er zur Potheke zurikkam, wo er im rikwertign Zimmer schlaft, herte er die greßlichste Katznmusik, wi wenn 1000 Katzn jammern mechtn. Er schperrte die Thir auf un zindete so geschwind er nur konnte ein Licht an.

Arme Miez! Die Maus war auf der Stellasch geschprungen, un sie ihr nach, weil alle Flaschn heruntergeschmissn un zerbrochn wahrn — so eine Beschehrung war noch nich da! die heßliche Medezihn auf seinen neien, hibschn Teppich — aber der armen Miezekatze gings am schlechstn. Eine Flasche mit Witreol war zerbochn un sie hadte dem Fuß heneingeschtekt, kein Wunder, das sie miaute un herumschprang wi ferrikt, so das sie dem Dokter wi er hereinkam grad ins Gesicht fuhr, aber er hob zum Glik den Arm auf — das redtete ihm die Augn — so das sie blos seine Nase un Schtirn zerkratzte — das machte ihm so komisch ausschaun am nechstn Tag — un wi er sie zuletz abschittlte, schprang sie direk zur Thir un nimand hat sie seitem gesehn. Das schrekliche Witreolöl fraß ein großes Loch im Teppich, was noch nich so arg gewesn wär aber es fihl auf dem Sofa, befor es auf dem Fußbodn rollte un goß eine Menge fon den greßlichn Schtoff über seinen neien Anzug, dem man ihm am selbn Tag gebracht hadte un in dem er heiratn sollte. Er wahr ganz runihrt. Ich glaub es wer noch nich so schlecht gegangen — arg wi es wahr — nur fing Susi, wi er am nechstn Morgn kam, um den Unfall zu erzehln, so zu lachn an, wi sie sein Gesicht foll Hefftpflaster sah un seine Nase 2 mal so groß wie gewehnlich, un sie lachte un lachte wi wenn sie nich aufhern kennt, bis er sagte: »Es mag fir sie Schpaß sein, Fräuln Hacker, fir mich is es der Tod. Ich habe genug fon ihren kleinen Bruder gehabt un auch fon ihnen — wenn das der ganze Dank is fir das, was ich schon hab ertragn missn. Ich glaube nich das ich in di Familjeh eines Jungen wi Schorschi heiratn werde. Un so lebn sie wohl Fräuln Hacker — fir immer!« un er schlug di Thir sehr fest zu un ging so schteif weg, wi wenn er gefrorn wer.

Dann aber ferging Susi das Lachn — aber es wahr alles umsons — er wahr nich bei uns seitdem, un das is 2 Wochn her; so schikte ich also ferschtohln di Anzeige zu der Zeitung un sie wird gewiß heneingesetzt wern.

Die ganze Familjeh is withend auf mir wegn der Katze un ich hab es doch nur in der bestn Absich gethan. Wer hedte es foraus wissn kennen, das Susann als alte Jungffer schterbn wird, blos weil ich di Katz in der Potheke fon ihren Bräutegamm liß, um eine Maus zu fangen? Das is nun einmal mein Pech. Ich bin ein sehr ungliklicher Junge. Susi ißt nich eimal sofihl wi ein Vogl zum lebn braucht un Elsbett orfeigt mich jedes mahl, wenn sie nur nah genug kommt, grad als ob der Dokter auch nur ein bischen früer zurikkäm, wenn sie mich orfeigt. Susann sagt, sie kennte ihm alles fergebn, bis auf dise Anzeige in der Zeitung: »es wahr nich die Schuld des Herrn.« Gut, war es filleich? Das sagte ich ihr auch, aber ich hoffe un bete, das sie es nich endekt, wer es gethan hat. Ich hab schon genug angeschtellt, ohne erwischt worn zu sein; das were der Kipflpunkt.
Gestern hadte Susi wider ein bischen zu weinen, di Medchen warn in ihren Zimmer un ich ferschtekt in ihrer Kammer nebnan, weil ich grad einen fon ihre Gummischue in Schtreifn zerschnidt, um mir einen Balln draus zu machn, un ich herte wi Elsbett ihr sagte, das man sich erzehlt der Dokter ginge jedn Abns zu Agnes Schtein.
Fon Agnes sagt man sie is das hibscheste un modischte Medchen in der Schtadt. Unsre Lil is ferheiratet un weg; un so wahr Susi firchterlich eifersichtig un weinte bis sie nich mehr konnte un wollte nich zum Nachmahl henuntergehn, so das ich nich wußte wi ich aus der Kammer herauskommen soll. Ich glaubte ich muß zutot hungern, aber wi es sehr finster wahr schlipfte ich henaus, so schtill wi eine Maus. Wi sie ihrn Gummischuh nich fandn, sagte Elsbett immer, eine Ratte muß ihm weggeschlept habn, um drin zu schlafn.
Wi ich allein mein Nachmahl aß, nur mit Betti, di mir ein Schtik Pastehte brachte, die sie nich mehr zum Essn brauchte, iberlegte ich mir, ich bin zu schlecht etwas zu essn, außer Pastehte un noch ein Schtikchen Kuchn, wenn Susi sich obn mit langsamen ferhungern selbsmordn will, un dachte mir, wenn ich irgend was thun kann, um das Unglik gut zu machn, das ich angeschtellt hab, so will ichs thun. Ich sagte zu Betti: »Sage den Leutn, sie solln nich besorgt um mir sein — ich geh nur zu einen Freund un bin in einer halbn Schtunde wider zurik.«
Damit schlipfte ich aus den hintern Thor. Filleich 10 Menutn schpeter leutete ich bei Richter Schtein.
»Is Fräuln Agnes zuhaus?« fragte ich.
Sie sagte ja un so fragte ich, ob ich sie einen Momment sehn kann. Sie sagte: »Geh nur in den Sallohn hinein.«
Ich nahm dem Hut ab un ging henein.

Fräuln Agnes wahr bei den Peano, großartig angezogn, das Haar herausgeputzt, di Wangen rot.
Sie fing zu lachn an, wi sie mich sah.
»Wi gehts dir, Schorschchen?« sagte sie.
Ich sagte: »Fräuln Agnes, kennen sie Pinafohr?«
»Oh ja, sehr gut!« sagte sie.
»Erinnern sie sich an dem rihrenden Schtik, wo er sagt:
»Mein Godt! es wahr di Katze!«
Das is grad dasselbe, wi es in Ladn fom Dokter war. Un jetz Fräuln Agnes, glaubn sie es is ehrnhaff un gerecht fon ihm, meiner Schwester das Herz zu brechn, blos weil di Katz ein paar fon seine schundige Medezihnflaschn zerbrochn hat? Ich mechte das sie ihm heit abens sagn, wenn er herkommt, das ich ihnen erzehlt hab, das Susi nich zu der Helfte fon di Malzeitn kommt, sie hat den ganzn Apptit ferlorn un die Kleider sin ihr schon alle zuweit. Der Grund warum sie lachte is, weil sie einen hesterischn Anfall hadte, so erschrekt war sie un hesterische Leite missn lachn, wenn sie auch noch so wenig Lust dazu habn. Es is eine Schande, wi er sie behandlt hat un ich will ihm wegn gebrochnen Freschprechn ferklagn, so wahr ich lebe un atme, un wenn ich groß bin muß er sich mit mir duellihrn, er wird mir nich auskommen!«
Grad da hilt mir jemand fon rikwerts di Hand aufn Mund hob mich dann in der Hehe un setzte mich auf der Aksl un wi ich henunterschau, wahr es der Dokter selbs! So was!
»Nein, Schorschi,« sagte er, »wir wolln uns nich duellihrn, wir wollns liber gut sein lassn un wider Freundschaff schlißn. Mir gehts grad so wi deiner Schwester. Ich glaub, das beste was ich thun kann is, das ich mit dir nachaus geh un ihrs selber sage, wenn Fräuln Schtein uns enschuldign will.« Also gingen wir.

Wie wir dort wahrn, sagte ich: »Gehn Sie im Sallohn, Herr Dokter, ich will henaufgehn un sie rufn. Sie weint sich obn in finstern die Augn aus. Die Leite sin im Wohnzimmer.«
Dann lif ich henauf, schprang in ihr Zimmer un schrih: »Wo bis du Susi? Du solls schnell hinunterkommen. Im Sallohn is eine Auschtellung. Das große Wunder hir is fon Barnem ausgekommen!«
Sie pakte mich so fest bein Arm, das er noch jetz blau un schwarz is.
»Was sags du, Schorschi?« fragte sie ganz atemlos.
»Ich sage, wer zuletz lacht, lacht am bestn.«
Dabei flog si schon die Treppn hinunter wi der Wind. Ich lif so schnell nach, wi ich konnte, aber ich kam nich so schnell henunter als ich wollte, weil ich schtehn blib, um die Uhr im Forhaus aufzuzihn, aber sie zerbrach, weil sie den Tag früer aufgezogn worn wahr un jetz wird sie wahrscheinlich reprihrt wern missn; wi ich enlich henunterkam, wahr eine Ssene im Sallohn! — aber ich lasse dem Forhang falln. Schorschi schteht mommentahn in hoer Gunst. Sie brummtn nich eimal, wi sie das greßliche Loch in den Hochtzeitkuchn sahn, das irgend eine Maus gemacht hat. »Wir kennen einen andern machn,« sagte Susann ganz gleichgilltig. Die Zermonih soll for sich gehn, wenn das Flaster fon dem Dokter seiner Nase geht.