Er geht zur Kirche
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Manchmal leßt mich Dokter Moor zu ihm in sein Gescheft kommen un ein bischen dort schpiln, er hat ein sehr schnelles Ferd un einen leichtn Einschpenner aber er will mich nich allein dort lassn, weil runderum sofil giffge Medezinen schtehn. Gestern mußte man ihm plezlich rufn — ein Mann hadte einen Anfall un er sagte zu mir: »Schorschi, du bleibs in den Sessl, bis ich zurikkomm!«
Ich saß schtill bis ich gehnen mußte, wi wenn mir der Kopf abfalln mecht — dann kam das alte Fräuln Baxter herein schaute durch ihre Brilln scharf auf mir un fragte wo der Dokter is.
»Ein Mann hat einem Anfall bekommen, kann ich ihnen filleich mit etwas dihnen Fräuln?« sagte ich sehr heflich.
»Du, Schorschi Hacker?« sagte sie in so wegwerfign quitschign Ton. »Du mechtest mich vergifftn, wenn ich dumm genug wer dichs zu lassn. Alles was ich brauche is ein bischen Medezin un ich hedte so keinen Doller dafir bezalt.«
Dabei gukte sie herum auf alle Flaschn un Sachn — man sagt sie is schreklich neidisch, der reine Geizkragn — un sah eine Flasche mit Seidlezpulwer, ging schnell hin nahm ein blaues un ein weißes un legte finf Cent am Tisch.
Auf den Tisch schtandn ein paar Gleser un ein bischen Eiswasser un in einer Schaale Zucker. Ich fragte sie ob ich ihr das Pulwer mischn soll. Sie dachte sie kann den Zucker dabei umsons bekommen un sagte ja. Ich machte es sehr siß in 2 Gleser un sagte sie soll zuers das blaue un dann das weiße trinkn un sie tat es auch. In filleich einer Menute hadte sie auch einem Anfall — Oh einen schreklichn Anfall! Ich kann mir nich forschtelln, wofon es kam, die Pulver warn ganz richtig. Si fil grad zurik un wurde so schwarz im Gesicht, wi wenn si Dinte geschlukt hedte; sie wer beina zutot erschtikt. Ich rannte henaus auf der Schtraße um den Dokter zu suchn, aber ich sah ihm nirgns. Ich sagte einige Leute, Fräuln Baxter schtirbt in unsrer Potheke un sie ranntn henein un paktn sie auf un legtn sie am Sofa; ihre Brilln warn zerbrochn, ihr Kleid auseinand gerissn un die Trenen kamen ihr aus die Augn, wi wenn sie bei ein Begrebnis wer.

Sie fragtn sie, was denn geschehn is; sie sagte sie hat es nich richtig eingenomen — die Eksplosjohn war in ihren Magn anschtatt in den Glas losgegangen — ich glaube sie hadte recht. Sie zahlte 5 Cent fir das Seidlezpulwer, aber ein par neie Augngleser kostetn ihr filleich 50 — sie erschparte nich so fil dabei, wi si glaubte. Si schittlte ihrn grinen Regnschirm zu mir, wi sie wegging, wi wenn ich schuld wer — warum wollte sie den Dokter betrign?
Unter den Tisch wahr eine Lade, in der war ein hibsches Morrekoetwi. Ich glaubte es is ein Schmuck drin aber wi ich nachschaute, warns lauter kleine Messer un Sachn. Sie warn so scharf wi nur meglich. Dann kam ein kleines Medchen herein mit 25 Cent un ein Schpahn in der Hand, ich glaube sie is auf einen Treppngelender hinuntergeglitscht. Ich sagte sie soll wartn, der Dokter wird sehr bald kommen, aber sie sagte es tut greßlich weh un ich sagte: »Wenn du schtillhaltst, will ich ihn herausschneidn« aber das kleine Ding hilt nich schtill. Sie zukte grad zur unrechte Zeit, so das ich ihr grad iber der Hand einen schreklichn Schnitt machte. Wer sie ruig gewesn, es wer nich passihrt.

Das Blut rann iber dem ganzen neun Teppich un ich sagte ihr deswegn, sie soll schnell zu ihrer Mutter laufn un es sich ferbindn lassn. Es war schon so schpeht un ich wahr so hungrig, das ich nich wartn konnte bis der Dokter zurikkommt un di Flekn am Teppich siht. Aber ich firchtete, das Dibe einbrechn un schtehln, wenn ich weggeh, deswegn schleppte ich das Schkelett aus der Kammer, setzte er im Sessl un schtekte ihm ein medezinisches Enschtrument in der Hand. Dann nahm ich ein bischen Fosfer aus einem Fleschchen heraus, machte damit ein paar Augn auf Papir un schtekte es in seinen Kopf. Es wahr firchterlich anzuschaun — genug um jedem Einbrecher zu erschrekn, un so firchtete ich nich die Potheke unter der Wache fon dem Skelett zu lassn un ging nachaus nachmahln.
Jetz sagt der Dokter, ich soll nich wider auf der Potheke Obach gebn, weil das alte Fräuln Baxter withend is un Emmeline Elder krank ligt mit Gehirnenzindunk weil sie schnell in der Potheke lif um ein bischen Kloreform fir Zahnweh un dem totn Kerl mit di Knochn un die glenzign Augn sitzn sah, weil es schon finster wahr un sie schrie laut un fil in Ohnmacht.
Wie sie wider zu ihr kam war sie ganz allein mit den Schkelett un schrie nocheimal un ferlor di Besinnung. Dann kam der Dokter zurik, un brachte sie zu sich, aber si hat jetz Fiber un schreit die ganze Zeit — aber deswegn brauchn sie doch auf mir nich zu schimpfn ich schtellte es fir Einbrecher auf un nich fir Medchen un das war ganz recht.
Ich fergaß fon den Jungen zu erzehln der hereinkam mit Zahnweh. Es tat ihm so weh, das ers nich aushaltn konnte bis ich das Schkelett herausgeschleppt hadte und er half mir es am Sessl zu setzn un ich liß ihm aus der Kloreformflasche richn un er roch dran un ich sagte ihm er soll sich ein bischen aufs Saktuch gißn es wird ihm dann nich mehr weh tun.

Er legte sich aber grad zurik un liß die Flasche falln. Sie zerbrach un er wollte mir nich antwortn wie ich ihm fragte ob der Zahn noch weh tut also ging ich fort un liß ihm dort, weil es so schtark fon Kloreform roch, das ich weggehn mußte. Er un Emmeline lagn beide bewußtlos dort, wi der Dokter zurikkam.
Es tut mir leid, das di Flasche zerbrochn is, denn sie wahr 3 Doller wert un der Bub schtarb beina — aber ich hoffe er hadte kein Zahnweh mehr.
Ich dachte nich, Emmeline wird for den Ding erschrekn, das ich doch nur fir Reiber aufgeschtellt hadte.
Der Dokter sagt es muß troz allen doch ein Dib hereingekommen sein, weil die Schachtl mit di Gummizukerl weg is. Aber Hansi un ich wissn gut, wo si is, hinter der Scheine.

Morgn is Dankfest. Aber ich werd den ganzen Tag kein Schtikchen Pastehte krign, weil der Schnupftaback fon Hansis Großmutter so ein greßliches Quatsch aus unsrer Pastehte machte, das wir die ganze fortschmeißn mußtn. Es is noch eine Menge Apfeltorte un Kuchn da aber ich soll doch nichts bekommen. Ich glaube, das is wirklich gemein. Ich hab Torte ganz besonderst gern.
Meine Schwester Elsbett is so schtolz, weil sie Herrn Wilkins fortgeschikt hat der seit damals nich bei uns war, wi das Ferd dafon lif, un dafir Herrn Jenner gekrigt hat, das man beina kein Wort zu ihr schprechn kann.
Unsre libe Lil is gestern gekommen, um morgn bei uns zu sein. Sie fragte ob ich noch so schlimm bin, wi früer, weil sie mich gern auf eine Woche nachaus nehmen mecht.
Ich mechte sehr, sehr gern gehn. Warum hetzn sie alle auf, zu sagn, ich bin ein nichsnutziger Junge? Wir habn alle unsre Fehler. Ich habe ein paar, wi andre Leite auch. Bin ich godtlos, weil ich nich wußte, das Schnufftaback die Pastehte runihrt, oder das alte Fräuln Baxter zischn wird, wi ein Feierwerksrad fon 4. Juli wenn sie ihre Sachn nich mischt, befor sie sie schlukt?
Jeder Mensch muß erst eine Menge Sachn aus eigner bittre Erfarung kennen lernen.
Lily sagt, ich soll mit ihr kommen un wenn ich auch allen Schnikschnak zerbrech, was sie mitgebracht hat; sie wahr immer so ein liber Kerl; sie weiß, kleine Jungen habn ihre unruige Mommente, wi große Leite.
Libes Tagbuch, auf deine Seitn beschliße ich feierlich morgn ein so brafer Junge zu sein, wi nur meglich, damit ich mit Lil nachaus fahrn darf. Ein Tag soll iber meinen Kopf gehn in Rue un Fridn; formittag will ich in der Kirche gehn un nachmittag lesn in der Sonntagsbibloteck. Ich wer mein Gewand nich beschmuzn un so anschtendig sein, wi man nur sein kann.
Tante Betsey is auch hir. Papa schrib ihr einen Brif un sagte ihr, sie soll wider gut sein, un an unsern Dankfesttruthahn mitessn — un so is sie gekommen. Sie gab mir ein Goldschtik, wi sie kam, auch Herr Jenner kommt aus der Schtadt zum Essn — er is jetz einer fon unsrer Familje.

Elsbett sagt, sie winscht, das die Tante ihm siht — sie denkt gewiß an dem silbernen Teeserwiß. Lilly hat mir ein schpaßiges Schpilzeig mitgebracht, es is kinesisch — es schtekt in einen kleinen Schtik Tuch un wenn man di Nadl schnell wegziht, schpringt etwas schwarzes heraus durch das halbe Zimmer, beina wi eine Schlange. Ich habe schon die Kechin un alle damit erschrekt, es macht sie schrein, weil es so schnell herausschpringt. Montagu brachte mir so eine Menge Zukerl, das ich glaub ich werd morgn garnichs zu Mittag essen kennen. Ich hab ihm auch sehr gern — er will, ich soll mit ihnen zurikfahrn.
Dankfest is gekommen un wider foriber. Ich werde nicht mit meiner ferheiratete Schwester nachausfahrn. Du mußt mich enschulgen, libes Tagbuch, die Trenen in meine Augn machn, das ich so krumm schreib. Ich schtand zeitlich auf un schtrengte mich sehr fest an, ein solcher Prachjunge zu sein, wi in die Bicher schteht.
Nach den Frischtik trug ich ein paar Zukerl zu Hansi heniber. Seine Mutter hat ein Babi, das for filleich 2 Wochn gekommen is; ich schteckte ihm eine Zukerflaume in Mund, wi die Amme nich hinschaute weil es beim Essn so schpaßig war, das wir lachn mußtn, aber der kleine Dummrian wollte es schlukn, befor es zerkaut wahr un wirgte so dran das die Amme erschrekte un es am Kopf schtelln mußte un seine Mutter schikte mich direk nachaus.

Ich ging zur Schtadt henunter um mir etwas fir mein Goldschtik zu kaufn aber di Ledn warn alle geschperrt un so kaufte ich Pat Finegans jungen Bulldock um 2 Doller aber ich blib ihm einem schuldig.
Wi ich zuhaus kam, wahr es Zeit in der Kirche zu gehn. Ich ferschtekte meinen Hund im Schtall un ging nebn Lil die so hibsch ausschaute un ein so ellgantes Kleid anhadte, das ich schtolz war auf ihr.
Herr Slokum betete ein schrecklih langes Gebet, so das ich ganz schlefrig un hungrig wurde. Ich winschte, ich hedte das kinesische Schpilzeig nicht in der Tasche mitgenommen, weil mir so fad wahr, das ich es auf dem Pult herauslegte um zu schaun ob es nich zerbrochn is, aber di Nadl ging pletzlich ganz zufellig heraus un befor ich es wußte flog das lange schwarze Ding grad durch der Kirche un paschte Herr Slokum auf der Nase, weil er die Augn beim Gebet zugemacht hadte. Dann purzelte es henunter im Kohr un zapplte, wi wenn es lebendig wer.

Die junge Dahmen, die ihm Kohr singen glaubtn es is eine Schlange un schprangen alle auf ihre Sitze — so was in der Kirch wahr doch wirklich unanschtendig! Wie sie bemerkte was es war kam einer feierlich herfor, putzte seine Brilln un sagte: »Dise godtlose schenliche Person, di einem solchn Scherz im allerheiligstn feribn kann, is zu ferdorbn um zu wissn, wi schlecht sie is. Ein solches schenliches Betragn is zu nidrig fir uns, um beachtet zu wern — Laßt uns singen!«
Ich glaubte ich muß im Fußbodn fersinkn, weil alle auf mir schautn als ob sie wißtn, wer es gethan hat. Ich liß mein Gesangbuch falln, weil ich mich so eilte, das Lid zu findn un wi ich mich bikte, es aufzuhebn, fil mir die Pestole aus der Tasche, die mir Pat Finegan gelihn hadte, anzuschaun ob ich sie filleich kaufe un ixplodihrte. So ein Knaller! Papa pakte mich bei der Schulter un fihrte mich den Gang henunter auf den Fridhof setzte mich sehr fest auf einem Grabschtein un sagte:

»Schorschi, du bis ein schweres Kreiz. Du bist ein Schkandal fir deiner Familje. Ich bin mit meinen Ferschtand zuend, was ich mit dir anfangen soll!« un ging auf un ab un schtehnte, wi wenn ihm die Schue drikn mechtn. Ich wußte auch nich was er mit mir anfangen soll — ich war deschpraht. Zuletz sagte ich:
»Ich winschte ich wer mit dem Zirkus weggelaufn, der hir war, jetz is zu schpeht im Jahr fir das, Papa — filleich is es besser ich wer ein Mischonehr wi Herr Slokum wern will. Wenn mich dann di Kannebahln aufessn, wirstu nich mehr fon meine Streiche beunruigt wern. Ich winsche ich mechte die Mahsern bekommen un schterbn, wenn ich nich gut genug bin zu lebn. Ich winsche ich wer in Gefengniß eingeschperrt oder fest angebundn, damit solche Sachn nich mehr passihrn kennen, di dich so schtehnen machn.«
»Das is das richtige!« rif Papa erleichtert aus. »Ich werde dich anbindn, mein Birschchen!«
Un er marschirte mit mir zuhaus befor die andern aus der Kirche gingn un band mich im Holzschupfn an einem Balkn an un di Hende hinter mir wi die Kechin den Truthahn zum bratn anbindet.
Ich herte die Teller klappern un roch das Essen, wi alle zuhaus warn — so langsam is mir di Zeit noch nie fergangen. Ich hadte eine greßliche Freide wi ich Hansi im Hof feifn herte. Ich rif ihm leise. Er segte den Schtrik auseinand un band mir di Hende los.
»Plausche nichs zu meine Leite aus, Hansi« sagte ich. »Ich nehme mein Eichhernchen un meinen Bulldok un will irgendwohin gehn, wo die Leite noch nich wissn, wi schlecht ich bin.«