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Tagebuch eines bösen Buben

— Die Überraschungs-Gesellschaft

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Illustration from Tagebuch eines bösen Buben
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Papa wollte mich in ein Inschtetut gebn aber Mamma sagte: »Nein, er wird so zurikgeschikt wern, also wozu?« weil die Birger habn wolltn, ich soll fort gehn. Der hibscher junger Mann, der sich dem Fuß gebrochn hat, kann wider ausgehn un das is sehr ergerlich weil mir die gutn Sachn, die ihm meine Schwestern immer schicktn, sehr abgehn wern. Der Mund wessert mir, wenn ich dran denke. Ehrwirdn Herr Slokum kann seine Harfe schon auf dem Weidenbaum hengen, denn Betty erzehlte mir gestern abens im fertraun, Elsbett is schterblich ferlibt in dem Schtadtjungn un Betty ferschteht sich drauf — sie weiß selbs wi das is. Sie hat einem rothaarign Ferehrer, der so ausschaut, wi einer fon den Kirbissen mit einer Kerze drin, mit denen ich sie immer schreke, wenn sehr finster is. Ich glaube sie sollte nich dafor erschrekn — sie sind das follkommne Ebnbild fon ihren Ferehrer.

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Herr Jenner, dessn Fuß wider gut is, wahr gestern abens hir, Elsbett besuchn; er sagte er muß morgn in der Schtadt zurick, aber er wird widerkommen. Elsbett wisplte mir zu, es ist schon Zeit zu Bedt zu gehn un so sagte ich: »Gute Nacht Herr Jenner!« un ging so ruig henaus wi ein Lamm, schlich aber dann zurik ins fordre Zimmer un legte mich aufs Sofa, weil ich noch so wach wahr, wi ein Habich un herte Elsbett sagn: »Bleibn sie bis Freitag Herr Jenner; Donnerstag soll eine Iberraschungsgesellschaff feranschaltet wern un ohne sie wolln wir nich gehn. Ich mechte den kleinen Schorschi nicht um der Welt hir habn — ich firchte, er wirde wider was anschtelln — das is der Grund, weshalb ich es ihnen nich sagte, bis er zu Bedt war. Er soll bei Richter Bell sein un wir werdn uns sehr gut unterhaltn.«

Er sagte, er wirde ihr zulib bleibn un drikte ihre Hand wi wenn sie eine Oransche wer. Es muß wahr sein was Betty sagt, sie werdn gewiß heiratn. Ich wollte eine Papirkugl auf ihnen schmeißn, aber ich dachte es is besser wenn ichs nich thu, damit Elsbett nicht denkt ich hab fon der Iberraschungsgesellschaff gehert un lag ganz ruig.

Er fragte sie, ob sie mit Herrn Slokum ferlobt is. Sie sagte sie wirde ihm nich heiratn un wenn er der einziger Mann auf der Welt wer, weil sie nich gut genug is fir die Frau fon einen Predger. Dann fragte er, ob sie filleich gut genug is, um seine Frau zu wern? Ich weiß nich was sie sagte, sie redete so leise, aber er aß sie beina auf, wie wenn si fon Zucker wer un ich schlif ein.

Alles wahr finster, wi ich aufkam un ich schlich so leise hinauf als ich konnte, aber die Schtige krachte un Papa schtirzte heraus un feierte die Pestole ab. Die Kugl riß mir ein kleines Schtick fon meinen rechtn Ohr henunter un machte mich di Treppn henunterfalln so das Papa glaubte er hat dem Einbrecher erschossn. Er nahm die Lampe un Susi un Elsbett schperrtn ihre Thirn zu un schrien inwendig un er un Mamma kamen herunter wo ich ganz zusammgerollt lag un sie rif:

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»Oh Gott es is unser liber kleiner Schorschi! Oh mein Sohn mein Sohn!«

Papa seifzte, wi wenn er getroffn gewesn wer, Mamma sah das Blut auf meinen Gesicht un schrie: »Er is tot!«

Aber ich wahr nur ferwundet wi ein Soldat un schprang auf un sagte: »Es is mir nichs geschehn« un dann hadte Mamma wider hesterische Kremfe. Nein so was! Mein Ohr wurde ferbundn un ich wurde zubedt gelegt, wi es schon licht war. Betty brachte mir mein Frihschtik aber nich eimal ihr erzehlte ich fon der Iberraschungsgesellschaff.

Mamma weinte wider ein bischen, wi sie zu mir kam, um nachzusehn. Ich quelte sie, bis sie mich aufschtehn liß. Wi ich angezogn wahr, schlipfte ich unbemerkt henaus lif zu Richter Bell hiniber, fragte nach Fräuln Anna un erzehlte ihr, es keme heut Abens eine große Gesellschaff zu ihnen un sie sollte nur so iberrascht wi meglich sein. Sie lachte un sagte, sie wollte — sie war froh das ichs ihr erzehlte, weil sie jetz ihre Haarwikl nich herausnehmen wollte bis abens un di Polsterdekn aufbreitn un dem Medchen sagn sie soll unter den Bedtn herforkehrn.

Dann ging ich un ladete Frau Tuckins ein, die in Tagarbeit geht un Willi Giles der Weichnwerter bei der Eisnbahn, is mit nur 1 Bein un die Wittwe Robinson di immer unsre Kiche anschtreicht un die zwei Grünmedchen die Schneiderinnen sind — oh, eine ganze Menge Leute, wi im neun Testerment schteht, das man einladn soll, wenn man Gesellschaff gibt — un sie warn alle froh un ferschprachn zu kommen un den ganzn Tag nichs auszuplauschn.

Die Leute, di ich eingeladet hadte, kamen alle sehr zeitlich. Sie warn früer da als alle andere un Richter Bell glaubte es is ein Auflauf weil er ausgegangen wahr un Fräuln Anna war so zohnig, das sie ihren Hut aufsetzte un fortging. Also nahm di Iberraschungsgesellschaff ihren Kuchn un Krem un di Musik un kam damit zu uns heriber, wo sie sich sehr gut unterhiltn.

Papa wahr greßlich ergerlich, weil er un Richter Bell Freinde sind. Er wunderte sich, wer das wider angeschtellt hat. Aber ich dachte, es is doch nich schön, das alle dise Leite weggehn mußtn ohne belegte Buttersemmel oder Kuchn wi wir hadtn! Ich glaube es erzehlte ihm jemand, das es Schorschi war, ders getan hat, weil er so scharf auf mir schaute das ich dachte ich werd ein bischen in den Hof gehn un schaun ob der Mond untergegangen is.

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In den Hof war eine fremde Katze. Sie wahr weiß un schwarz geferbt. Ich sagte: »Miez, miez, miez!« aber sie lief dafon. Es roch greßlich so das ich es nich aushaltn konnte un ich ging deswegn henein. Die Leute warn im Schpeiszimmer un nahmen grad Erfrischungen un so ging ich auch henein. Sie schprangen auf un schrien wi wenn ich ein wildes Thir wer. »Oh geh henaus, geh henaus!«

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Die Dahmen nahmen ihre Taschnticher form Gesicht wi wenn sie Zahnwee hädtn. Papa pakte mich bei der Schulter un fihrte mich henaus im Schtall setzte mich auf einen Heihaufn un sagte ich soll dort bleibn bis di Gesellschaff fort is.

Das wahr schreklich gemein. Ich herte die Musik schpiln aber ich hadte noch gar nichs gegessn, es war kalt un finster da drin un so ein Geruch das ich beina geschtorbn wär.

Betty kam nach einer Weile heraus un brachte mir ein Schtik Kuchn. Wi sie das Thor aufmachte, scheinte der Mond herein, so das ich sehn konnte wer es wahr.

»Betty, libe Betty,« sagte ich foller Freude, »da bin ich.«

»Oh,« sagte sie, »ich kennte dich mit der Nase findn, Schorschi un wenns noch so finster wer!« un sie lachte, das sie beina zerplatzt wer. Aber ich wahr nich zohnig, weil es so lib fon ihr wahr mir an disn traurign Plaz etwas zu essn zu bringen.

Ich fragte sie ob sie bei mir bleibn will, aber sie hadte zufil zu thun. Sie sagte sie wird mir so schnell sie nur kann mein andres Gewand bringen. In einer halbe Schtunde filleich, brachte sie mirs un sagte ich soll heneinkommen wenn ich angezogn bin.

Betty is ein fortreffliches Medchen, das muß ich wirklich sagn. Ich kam ein bischen früer henein, befor di Gesellschaff ging.

»Du mußt mit fremde Katzn keine Freundschaff schlißn, Schorschi,« sagte Dokter Moor.

Alle nektn mich. Herr Jenner fragte mich, ob ich mein Taschntuch mit Eßbukeh eingeschpritzt hab?

Papa aber sagte ganz erns: »Schorschi hastu disem Gesindelpak gesagt, zu Richter Bell heniberzukommen?«

Grad da, befor ich antwortn konnte, wahr draußn auf eimal ein firchterlicher Schpektakl — alte Hefndekl, Trompettn, Herner un Feifen, genug um einem firs ganze Lebn taub zu machn. Alle schautn auf mir, wi wenn ich der schuldiger Ferbrecher wer.

»Was is das schon wider?« schtehnte Mamma.

Dismal wahr aber mein Gewissn rein.

»Ich weiß nich Mamma, filleich is es eine Katznmusik?«

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Nun weißt du, libes Tagbuch, ich hadte zu ein paar Kerle, di bein Depoh warn, gesagt, sie bekommen Kuchn un Wein, wenn sie zu Richters gehn un der Iberaschungsgesellschaff eine Saranahde machn, un si hadten dort gehert es is in unsern Haus un warn deswegn heribergekommen. So ein Narrnthurm, was sie machtn, hat di Welt noch nich gesehn — es warn filleich 3 Dutzen fon ihnen da. Wenn ich gewußt hedte, die Gesellschaff wird zu uns kommen, hedte ich sie nich eingeladet. Dokter Moor ging henaus, um die Leite zu beruigen, die grad wi lauter Teufl heiltn un schrien un kam mit die Finger in die Ohrn wider herein.

»Sie werden ihnen etwas geben missn, um sie los zu werdn,« sagte er.

Mamma ging henaus, um Kuchen zu holn, aber die Gesellschaff hadte alles aufgegessn un es wahr keine Zeit mehr, frischn zu bakn un ein Bursche schmiß grad einen Schtein durchs Sallohnfenster — sie brilltn noch mehr — es war mir sehr leid, das ich dise gemeinen Kerle etwas fon der Saranahde gesagt hadte.

Dann sagte enlich Elsbett es were ein großer Fruchtkuchn draußn in der Forratskammer fir das Dankfest un sie wirde ihm holn; also schikte Papa den Kuchen un eine Menge Wein henaus mit einer Emfehlung un wi sie das aufgegessn hadtn, schrien sie dreimal »Hurrah der kleiner Schorschi soll lebn!« un wolltn nich eher fortgehn, bis ich eine Rede halte.

Ich war firchterlich erschrokn aber Papa sagte: »Du hast uns in die Patsche gebracht, mein Junge — jetz schau, wi du uns wider herausbringst!«

Dr. Moor setzte mich also auf seiner Axl un trug mich henaus. Ich fermute ich war blaß, aber wie sie anfingen zu lachn un zu kreischn wurde ich zohnig un sagte ganz laut zu ihnen: »Mitbirger,« sagte ich, wi ich fon Papa in der Schtadthalle gehert hab, »wir habn heite Abens 2 unerwartete Besuche zu unsere Iberaschungsgesellschaff gehabt — Einer kam im Hinterhof, es war ein Schtinkthir. Der anderer kam im Forderhof, das war di Katznmusik. Ich weiß nich, welchen ich dafon liber hab. Gute Nacht!«

Illustration from Tagebuch eines bösen Buben
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»Du wirst noch eines Tags ein Folksredner wern, mein Sohn,« sagte Papa, wi sie so ruig weg gegangen warn wi Lemmer un lachte un lachte sofil, bis er aufherte wegn der Geschichte bes zu sein mit mir, aber meine beste Kleider sind runihrt, sie sind im Gartn begrabn ich kann morgn nich in der Sontagsschule gehn. Es tut mir sehr leid, denn ich wollte Harry Hauk mein Federmesser bringen, weil er mir die Gummilastieidekse dafir gebn wollte, di er fon seiner Tante bekommen hat ich wollte Betty erschrekn.

Nechste Woche is Dankfest. Ich hoffe un bete, meine Kleider solln dann nich mehr begrabn sein, denn wir erwartn unsre ganze Ferwanschaff zum Essn un iber nacht. Es wird sehr lustig sein. Dankfest is die beste Zeit fom Jahr außer Weinach, das is noch besser. Kinder habn alle Weinachtn so gern. Ich weiß etwas dafon, was nich wahr is, aber ich wer es nich ferratn.

Man mechte gar nich glaubn was fir eine Menge gute Sachn in Fleischpastehtn sind, wenn man sie ißt — Fleisch, Äpfl, Fett, Zibebn, Zitrohne, Liköhr, Muschkatnuß, Zimmt, Eierschaum — in manche auch Schnupftaback. Die Kechin liß mich zuschaun. Ich hadte die Schnufftabackbixe fon Hansis Großmama di ich mir ausborgte ohne das sies wußte. Es schaute greßlich genau wi Zimmt aus un ich schmiß den ganzn henein wi di Kechinn in der Schpeise ging. Ich hoffe es is gut in Pastehtn.

Oh, das wahr ein beschefftigter Tag! Elsbett nahm mich iber nachmittag mit aufs Land. Es war ein Junge dort un eine Menge Nisse auf die Bäume im Wald un Kihe. Wir klaubtn uns auf sofil wir wolltn. Er erzehlte mir wi di Schlangen sich ein neues Gewand anzihn. Das is merkwirdig! Ich hadte noch mein altes an, weil ich Nisse suchn ging un mein andres noch eingegraben is. Eimal kann ich dich zumachn, mein Tagbuch ohne deine Bledter mit einen traurigen Zufall zu beflekn. Sie sagtn ich bin ein sehr brafes Kind.

Elsbett is in einen Bognschitzn-Klubb in unseren Ort. Si nahm ihren Bogn un Feile mit um draußn zu schißn, weil dort sofil Plaz is. Wie sie mid wahr, borgte ich un der andre Junge uns ihm aus.

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Elsbett gab ihm uns, wenn wir nich auf das Haus zu oder auf etwas lebendiges schißn wolln. Wir gingen auf der Weide un machtn ein Schtik Zeitung auf einen dikn Baum fest anschtatt eine Zilscheibe; aber dise ferfluchte Küe schpazirtn immer so herum un grad wenn wir auf dem Zeitungspepir ziltn, waklte eine mit den Schweif un ging langsam bei den Baum foriber wi wenn sie ferrikt wern, oder gar kein andrer Plaz da zum Promenihrn. Zuletz traf einer fon di Feile die beste Ku fon dem Jungen seinen Fater grad im Aug wi sie sich niderlegn wollte un sie schtiß noch einmal aus un gab dem Geist auf.

Ich firchte wenn die Kuh nicht zum Melkn im Schtall kommt, wird sein Fater nicht mehr denkn Schorschi Hacker is so ein anschtänger kleiner Kerl! Aber ich wollte es ja nich thun — nein, wirklich nich! Ich zilte auf keinem einzign Ding außer der Zeitung, un wenn dise dumme Kuh grad foribergeht, wessn Schuld is es — ihre oder meine? — — — —

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