Er beteiligt sich an den Wahlen
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Ich weiß nich, ob ich jetz noch mit den kleinen Hans ferkehrn darf, un Lischen sagt, si wundert sich, das ich mit einen kleinen Jungen fon seinen Alter umgeh, — ich muß mit greßern Jungen ferkehrn. Sie is beina elf, hibsch wi ein Bild; so große schwartze Augn, so modisch! Di is eimal herausgeputzt, sag ich! Sie is auf Besuch bei uns, un Mamma sagt, das is gescheit, sie is elter un kann mich dafon abhaltn, Dummheitn zu machn. Ich kann ihr das Hahr nich abschneidn, weil es schon abgeschnidtn is un so sin wir gute Freinde. Mir scheint, sie hat mich sehr gern un ich hab sie greßlich lib. Sie hat eine Manihr ihre Frisuhr zu tragn, di zum schtaunn is.

Ich fragte Betti gestern abens — in fertraun — was mein Hertz so geschwind gehn macht, wenn Lischen im Zimmer kommt un sie lachte un lachte, wi wenn es sehr schpaßig wer, das zu fragn un dann sagte sie: »Weiß du nich Schorschi?« un ich sagte »Nein!« un sie sagte: »Nun, du kleiner Narr, du bißt ferlibt!« Aber sie ferschprach es nimann zu erzehln, weil ich es auch nie erzehlt hab, wenn sie ihrn jungen Mann in der Kiche Kuchn gegebn hat. So is es also ein Geheimniß zwischn mir un Betti, bis ich Gelegnheit hab es Lischen zu sagn, un ich hab Zeit genug, weil sie ein pahr Wochn bleibt. Dokter Moor gab mir 50 Cent, damit ich ihm das Ferd halte, wi der Mann krank wahr un ich ging mit ihm herum, es lif aber weg un zerbrach den Wagn ein bischen. Er mußte das Ferd ferkaufn, aber mir wahr nich fihl geschehn un so gab ich ihm di 50 Cent nich zurik. Ich kauffte ein prachfolles Bukeh um das Geld un schenkte es Lischen. Ich gab ach, ob sie rot wird, weil Betti sagte es is ein Zeichn, das sie mich auch libt. Sie wurde aber nich roht un ich firchte, es is deßwegn, weil ich so schpaßig ausschau mit den langen Schtreifn Hefftpflaster iber der Nase, wo mir di Haut abgeschundn worn is, wi das Ferd durchging — aber was is die Libe eines Medchens wert, wenn sie einem Jungen nich grad so lib habn kann mit einen Schtikchen Heffpflaster? Es ferlezt meine Gefihle tif, wi sie immer lacht, wenn sie auf mir schaut. Es tut mir leid, das ich di 50 Cent an eine solche hertzlose ferschwendert hab.

Es is ein Junge da dribn iber der Schtraße — er is zwelf un hat ein Gesicht foll fon Sommerschprossn un ein neies blaus Gewand, wi wenn er was wer, un so bin ich ausgeschtochn. Gut, laß sie laufn. Ich wer nich mehr so eiffrig mit Heflichkeiten gegen ihr sein. Ibrigens hab ich sofil mit die komendn Waln zu thun, das ich wenig Zeit zun Ferlibtsein hab. Es wahr schön, so lang es dauerte.
Es is große Aufregung in unsrer Schtadt. Man mechte sie kaum erkennen; iberall fladtern Fanen, schpiln Musikbandn un sin Fakllichproßejohnen un in der neu'n Schtadthalle wern Redn gehaltn. Ich denke, weil sie sofihl Schpetakl damit machn, es wird sicher einer oder der anre fon di Kandedahtn gewehlt wern — filleich beide. Es wer zu dumm, sofil Geld fir nix auszugebn. Mein Fater sagt es is gut fir uns Jungen, Polletik zu ferschtehn anzufangen, solang wir noch jung sin — die Zukunff hengt an jung Amerka. Ich schtimme iberein mit ihn. Ich hab mein bestes getan, di gute Sache zu ferdern. Papa sagt, wenn jeder sofil getan hedte, wi der kleiner Schorschi, so wer das Land nich mehr zu redtn.
Das is ein großes Wort, aber ich verdin es. Ich wahr nich einem Abnd mißig, seit di Wahln angefangen habn. Ich hab mich heiser geschrihn, bin mit den Haufn maschirt, hab die Kanohne am Plaz abgefeiert, hab mit jeden Bubn in der Nachbarschaff fon meiner Greße oder kleiner geraufft, un hab den Mennern geholfn Holtz zu schlepn zu di Freudnfeier. Es is wahr es sin mir ein pahr Unglicke zugeschtoßn, un ein pahr Zufelle passihrt; aber ich glaub, der Presedennt wird trotz alln gewehlt wern.

Meine Schwester Elsbett un ein pahr anre fon unsre noblen junge Damen habn eine Supschkripzjohn ereffnet, um eine prachfolle Faane fir di Freiwillgn zu kaufn, di mit der Fakllichprozeßjohn zur Parade gehn wolln. Sie wahr 12 Fuß lang, aus Seide gemacht, mit ihrn Nahmen in geschtiktn Bukschtabn drauf, di die Damen selbs machtn — eine wunderbahre Faane! Der Faklzug wahr gestern abns. Die Freiwillgen kamen am nachmitag in der Schtadthalle zusamm, um die Faane aus die schönen Hende fon die hibschesten Medchen zu emfangen.

Der kleine Schorschi wahr der Lewe des Tages. Er wurde auf einer Pladtform geschtellt, auf der alle Dahmen prachfoll geputzt schtandn, um eine Rede zu haltn, die Faane in der Hand bis der Hauptmann herauf kahm un seine Rede hilt un fon der Hand des kleinen taffern Jungen (das bin ich) die Faane nam, so das ein par Damen weintn, weil sie so ergriffn wahrn un ich nahm mein Taschntuch herfor, das zufellig foll Schnufftaback wahr, so das der Hauptmann jedesmahl, wenn er anfing fon den amerkanschen Adler zu schprechn, sagte »der großer amerkanscher Hapschi-dler« oder »Tschi-dler« oder »Krr-adrll« oder sons einem Unsinn, grad wi wenn man einem Fogl kennen mecht, der Krr-tschi-tschi-haptschi-dler heißt, bis alle lachtn un klatschn un schrihn, das man sein eignes Wort nich herte, un der armer Offezihr wahr so roht wi Feier un seine Augn foll Trehnen, so das er dem Faanenschtok nich sah, dem ich ihm hinhilt, das er ihm pakt, sonder den seidnen Sonnenschirm fon meiner Schwester nam un damit henunterschtig. Die Leite wußtn nichs fon den Schnufftaback; sie dachtn, er hat pletzlich die Fiehseiche bekommen. Sie schrien dreimahl Hurra, was ihm doch hedte zufridn machn solln un nich sagn, er wird den armen Schorschi den Kragn umdrehn, wenn er ihm draußn erwischt.
Der großer Faklzug ging ganz gut ab. Es wahr eine hibsche Geschichte — filleich 2 Meiln lang oder noch mehr, weil sie rund um di Häuser gingen, so das es gar kein Ende hadte. Es wahrn ein par hundert Leite in den Zug un di Fakln machtn sich wunderbahr. Die Musikk wahr ausgezeichnt, nur die große Trommel wahr ferschtimmt — irgnd ein nichsnutzger Junge hadte ein Loch heneingeschnidtn un ein pahr Katzn heneingeschtekt — den Katzn geschah nichs, aber die Trommel wahr hin. Ich wer es nich widermachn.

Gleich hinter die Freiwillgen kam eine Schwadrohn fon kleine Burschn zu Ferd mit Scherpn un Fakln — ein prachfoller Anblikk. Es wer ganz gut gegangen, nur ich kam zun Unglick mit meiner Fakl so na zu der neue Fahne, die di Freiwillgen gantz schtolz trugn, das sie zu brennen anfing. Ich wahr sehr neigierig, ob Seide auch brennt. Ich wahr ganz erschtaunt, das sie wirklich brannte. In filleich 2 Sekkundn wahr sie in einer firchterliche Flamme un noch 2 mehr, wo wahr da di Faane? Ich weinte beina, weil Elsbett un die ibrign sich damit geplagt habn.
Es wahr ein Dempfer auf der ganze Feier. Ich mußte zu meine Fersn Zufluch nemen — das heißt zu di fon meinen Poni — weil sie drohtn, wenn si mich erwischn, wirdn sie mich in einem Tehrfaß schtekn, das sie zun Freidnfeier anzindn wolltn. Ich sag dir, mein Tagbuch, den Abns liß ich mich nich wider blikn. Ich sagte zu Henschen: »Was ligt dran, gebn wir selbs eine Forschtellung!«
»Gut,« sagte er.
Ich sagte: »Du schtitzt mich un ich krich durchs rikwertige Fenster in der Schtadthalle — es is offn — dort lign eine Menge Feierwerke fir das große Fest nechste Woche. Ich will ein par —«
Er schtizte mich un ich kledterte ganz leicht henein un reichte ihm 3 Dutzn große Rakettn heraus, filleich hundert remische Lichter, eine Menge Katrinenreder un Schlangen — alles was ich dachte, das wir abfeiern kennen. Dann borgtn wir den Schibkarrn fom Schließer aus, un fihrtn alles zum Deppoh — ein großer Junge half uns un wir unterhiltn uns ser gut. Di ganze Schtadt lif fon den Freidnfeier weg, um zu schaun, was bein Depoh los is un nur ein pahr Sachn, fon die wir nich wußtn, wi wir si loslassn solln ferletztn ein par Leite. Ich wurde in der Lufft geblasn, aber ich fiel auf dem Dach fon einen Frachwagohn un schlug mich ein bischen an, meine Nase blutete un rickwerts am Kopff hab ich eine Beile un ein bischen Pulwer in Gesich, woriber Lischen noch mehr lacht, aber ich bin geredtet un Henschen un ich wolln uns morgn oder ibermorgn noch einen andern Schpaß machn.

Mein Fater is in dem nechstn Ort gegangen, um ein par große Redner in der freie Lufft zu hern. Er sagt, die Leite wolln zum gutn Schluß dann ein Folksfest abhaltn un einen ganzn Oksn bratn. Eine Menge Obswein un anre gute Sachn solln dazu draußn im Freien gegessn un getrunkn wern, damit es mehr Schpaß macht. Ich wer gern mitgegangen, aber er sagte, einem Jungen, der so ausschaut, nimmt er nich mit — wahr ibrigns ich letztn Abns sehr schlecht — un er wollte mich zur Schtrafe zuhaus lassn. Ich wahr sehr einsam un fiff deßwegn auf Henschen, er soll iber dem Zaun kledtern wenn seine Mutter nich schaut un ich sagte: »Hansi, wenn wir einen Oksn hedtn, kenntn wir uns selbs ein Folksfeß abhaltn — wer das nich ein Schpaß?«
Er sagte, es were ein greßlicher Schpaß, nur habn wir keinem Oksn. Dann sagte ich: »Weiß du, man kann doch einer Katz auf sehr ferschidner Manihr das Fell abzihn — komm nur hinter der Scheine, un ich will dir was zeign, Hansi.«

Das wahr filleich um 4 Uhr. So gegn sex sah meine Mamma irgnd einen helln Schein befor sie di Lampn anzindete. Alles wahr rot un hell wi der Tag. Sie lif zum Fenster un schrih: »Oh, Elsbett, Elsbett, der Schtall brennt!«
Aber sie irrte sich. Es wahr nur ein großes Feier, das ich un Hansi zu unsern eignem priwahtn Folkfeß angezindet hadtn.
Es is wahr, das der Ek fom Kuhschtall Feier fing, aber das leschtn di Nachbarn gleich aus.
»Die Ku is geredtet,« sagte Elsbett, »aber mein Godt, wo is denn das libe kleine Kelbchen?«
»Was is das?« schrih Mamma un wurde ganz bleich. »Schorschi, du schlechter nichsnutziger grausamer Junge, sag mir dem Momment, wo — oh, du godtloser Junge!«
»Es is nur, weil Hansi un ich ein Folksfeß machn,« sagte ich.
»Was?« schrih sie.
»Ein Folksfeß, Mamma. Wenn große Leite einen Oksn bratn, so glaub ich, kennen wir Jungen ganz gut ein kleinwinziges Kalb nemen. Es is beina schon fertig — wollt ihr alle dableibn un ein Schtikchen kostn? Wir habn auch eine Menge Obswein aus Henschens Keller. Wir wolln es ganz genau so machn, wi di großn.«
»Habt ihr das arme Ding lebendig gebratn?« schrih meine Schwester.
»Aber was, Elsbett, sihs du denn nich, das wir es tot gebratn habn?«
Es is sonderbahr, wi wenig manche Medchen wissn. Es is unferninftig fon Mamma, so einen Schpetakl zu machn, wegn einen elendn kleinen Kalb. Hansi wurde nachaus geschikt un keiner fon uns beidn krigte nich eimal zu kostn dafon — aber Papa konnte sich follschtopffn, so fihl er wollte, das weiß ich. Je älter ich wer, desto mehr Ungerechtigkeit erleb ich.

NB. Hansi erzehlte mir heit frih in fertraun, das er fergessn hat, dem Haan umzudrehn, weil er sich firchtete, das di Kechin im erwischt, un so is das ganze Faß foll Obswein ausgelauffn. Aber ein Trohst is uns doch geblibn. Ich herte Papa sagn, das es hibsch fihl Geld kostet dem Presedenntn zu wehln. Er sagte, es were ihm auch geschikt worn un gesagt, er soll es auf dem Plaz ferwendn, wo es am meistn nitzt. Ich glaube, das Kalb un der Obswein missn in di Ausgabn fir die Waal eingerechnet wern. Alles, was ich bedauer is nur, das sie nich auf dem Plaz ferwendet worn sin, wo sie am meistn genitzt hedtn — weil mir un Hansi nich erlaubt wurde, sie zu essn un zu trinkn. Wir wern aber nechste Woche noch eine Menge Schpaß habn. Der sommerschproßige Junge is heite frih dreimahl for unsern Haus auf un ab gegangen. Wenn Karoh nich auf der Eisnbahn getetet worn wer, mecht ich ihm auf ihm hetzn.