Der Toten.
Reading edition
I.
Die ganze Straße war in Ruh Und nur Dein Fenster war noch rot, In Deinem Zimmer warst nur Du, Du und der Tod.
Die Nacht war wolkenschwarz und trieb Verdorrte Blätter träg in Reihn. Sie sprach zu mir: Ich hab Dich lieb, Laß mich herein.
Dein Licht erlosch; ich war allein. Da ward mein Fenster aufgemacht, Und lange saßen wir zu zwein, Ich und die Nacht.
II.
Jetzt kannst du’s nimmer hören, Wenn ich mit leisem Strich Den Bogen an die Saiten leg’ Und rufe Dich.
Jetzt kannst Du’s nimmer sehen, Wenn spät nach Mitternacht Mein Ämplein noch bei Blatt und Stift Im Erker wacht.
Und kannst die schönen, weißen Theerosen, die im Garten steh’n Und die ich noch für Dich gepflanzt, Auch nimmer seh’n.
Und doch, wenn meine Geige Allein noch wach im Hause ist, Verspür’ ich’s oft, daß Du, mein Lieb, Mir nahe bist.