Chopin.
Reading edition
I.
Schütte wieder ohne Wahl Über mich die bleichen, großen Lilien Deiner Wiegenlieder, Deiner Walzer rote Rosen.
Flicht darein den schweren Hauch Deiner Liebe, die im Welken Duft verstreut, und Deines Stolzes Schaukelschlanke Feuernelken.
II. (Grande valse.)
Ein kerzenheller Saal Und Sporengeläut und Tressengold. In meinen Adern klingt das Blut. Mein Mädchen, gieb mir den Pokal! Und nun zum Tanz! Der Walzer tollt; Erhitzt vom Wein mein Brausemut Nach aller ungenossnen Lust begehrt —
Vor den Fenstern wiehert mein Pferd. Und vor den Fenstern hüllt die Nacht Das dunkle Feld. Es trägt der Wind Von fern Kanonendonner her. Noch eine Stunde bis zur Schlacht! — Tanz’ rascher, Schatz; die Zeit verrinnt, Es wiegt der Sturm die Binsen hin und her, Die nächste Nacht mein Bette sind —
Mein Totenbett vielleicht. — Juchhe, Musik! In durstigen Zügen trinkt mein heißer Blick Das junge, schöne, rote Leben ein, Und trinkt sich nimmer satt an seinem Licht. Noch einen Tanz! Wie bald! und Kerzenschein Und Klang und Lust verlischt; der Mondschein flicht Schwermütig seinen Kranz in Tod und Graus. — Juchhe, Musik! Vom Tanz erbebt das Haus, Erregt am Pfeiler klirrt mein hängend Schwert. —
Vor den Fenstern wiehert mein Pferd.
III. (Berceuse.)
Sing mir Dein liebes Wiegenlied! Seit meine Jugend von mir schied, Mag ich so gern die Weise hören. Komm’ zu mir, süßer Wunderklang, Nur Du kannst noch die Nacht entlang Mein ruheloses Herz bethören.
Leg’ mir auf’s Haar die schmale Hand Und laß von unsrem Heimatland, Von totem Ruhm und Glück uns träumen. Gleich einem Stern, der einsam zieht, Soll flackerhell Dein Märchenlied Die Nächte meiner Schwermut säumen.
Und stelle mir zu Häupten doch Den Rosenstrauß! Er duftet noch Und träumt sich heimwärts wehbeklommen. Ich bin ja auch so welk und schwank, Gebrochen und am Heimweh krank, Und kann nicht mehr nach Hause kommen.