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Meyers Konversationslexikon Band 15

Übersicht (continued 26)

Reading edition

Südseeschwindel, s. Handelskrisis, S. 88.

Südseethee, s. Ilex.

Sudsha (Ssudsha), Kreisstadt im russ. Gouvernement Kursk, am Flusse S., mit (1885) 4979 Einw. In der Nähe Sandsteinbrüche.

Südslawen, Gruppe der slawischen Völker in Südosteuropa. Dazu gehören die Slowenen in den Ostalpen Österreichs, die Serben und Bosniaken, Kroaten, Slawonier und die Bulgaren (s. Slawen und Slawische Sprachen).

Sudur (arab., Mehrzahl von Sadr, s. d.), Rangbezeichnung der hohen geistlichen Würdenträger im türkischen Staat.

Südwestinseln (Serwatty), eine zur niederländ. Residentschaft Amboina gehörige Inselgruppe des Indischen Archipels, erstreckt sich von den Kleinen Sundainseln und Timor an östlich bis Timorlaut und umfaßt die größere Insel Wetter und die kleinern Kisser, Damma, Roma, Moa, Sermattan, Lakor, Baber u. a. mit einem Gesamtumfang von 5236 qkm (95 QM.) und etwa 47,000 Einw. (meist Malaien). Für den Handel liefern sie Wachs, Schildpatt, Trepang, Sago, Holz.

Süd-Wilhelmskanal (Zuid-Willemsvaart), Kanal in den niederländ. Provinzen Nordbrabant und Limburg, 122 km lang, 1822-26 gegraben, führt von Herzogenbusch über Helmond und Weert, dann durch belgisches Gebiet nach Maastricht. Zweige dieses Kanals sind: der Kanal nach Eindhoven und der Helenavaart nach den Fehnen des Peel.

Sue (spr. ssüh), Joseph Marie, genannt Eugène, franz. Romandichter, geb. 10. Dez. 1804 zu Paris, machte als Militärarzt 1823 den Feldzug nach Spanien, dann mehrere Fahrten nach Amerika und Westindien mit, besuchte 1827 Griechenland und nahm an der Schlacht bei Navarino teil. Hierauf trat er aus dem Militärdienst, um zur Malerei überzugehen, veröffentlichte aber auf Zureden von Freunden eine Romandichtung: "Kernock le pirate" (1830), ward durch den günstigen Erfolg des Buches veranlaßt, sich ganz der Schriftstellerei zu widmen, und wurde der Begründer des Seeromans in Frankreich. Nachdem er noch eine Reihe Werke in diesem Genre, besonders die unhistorischen "Histoire de la marine française" (1835-37, 5 Bde.) und "Histoire de la marine militaire chez tous les peuples" (1841), veröffentlicht, wandte er sich dem Sittenroman zu, wobei er sich besonders in greller Ausmalung sittlichen Verderbnisses gefiel; so in den durch zahllose Übersetzungen verbreiteten "Mystères de Paris" (1842, 10 Bde.). Der beispiellose Erfolg dieses Produkts führte den Verfasser dem sozialen Roman zu. Hierher gehören: "Le Juif errant" (1845, 10 Bde.; von gleichem Erfolg wie die "Mystères"); "Martin, l'enfant trouvé" (1846, 12 Bde.); "Les sept péchés capitaux" (1847 bis 1849, 16 Bde.); "Les mystères du peuple" (1849, 16 Bde.), vor den Assisen in Paris als unmoralisch und aufrührerisch verurteilt; "La famille Jouffroy" (1854, 7 Bde.); "Les secrets de l'oreiller" (1858, 7 Bde.) u. a. 1850 zum Deputierten erwählt, hielt er sich zur äußersten Linken, wurde nach dem Staatsstreich 1851 aus Frankreich verbannt und lebte seitdem zu Annecy in Savoyen, wo er 3. Aug. 1859 starb. Auch als dramatischer Dichter für die Boulevardstheater hatte er sich versucht, doch ohne besonderes Glück. Auf dem Gebiet des Romans hat S. in Bezug auf Phantasie, sprudelnde Erfindungskraft und Erzählertalent wenige Rivalen unter seinen Landsleuten. Seine Mittel sind zwar teilweise zu tadeln und sein Realismus oft mehr als derb; aber seiner unwiderstehlichen Macht, den Leser gefangen zu halten, kann man die Bewunderung doch nicht versagen.

Suecia, neulat. Name für Schweden.

Suedoise (franz., spr. sswedoahs'. "Schwedin"), eine in Frankreich sehr beliebte süße Speise aus Apfelmarmelade.

Sues, Stadt, s. Suez.

Suessouer (Suessones), tapferes und mächtiges Volk in Gallia belgica, das über 50,000 Bewaffnete stellte, und dessen König Divitiacus vor Cäsars Zeiten der mächtigste unter den Fürsten Galliens war, bewohnte einen ausgedehnten und fruchtbaren Landstrich zwischen Seine und Aisne und besaß zwölf Städte, unter welchen Noviodunum, später Augusta Suessonum (Soissons), die Hauptstadt war.

Suetonius, Gajus S. Tranquillus, röm. Geschichtschreiber, lebte um 70-140 n. Chr., widmete sich zu Rom rhetorischen und grammatischen Studien, trat dann daselbst als gerichtlicher Redner auf, ward unter Hadrian zum Magister epistolarum ernannt, verlor aber diese Stelle wieder und scheint sich von nun an ausschließlich der schriftstellerischen Thätigkeit gewidmet zu haben. Er verfaßte 120 die fast vollständig erhaltenen Biographien der zwölf Kaiser von Julius Cäsar bis Domitian ("De vita Caesarum"), welche in einfacher und klarer Sprache eine

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Sueven - Suezkanal.

Menge wertvoller Notizen über die betreffenden Kaiser enthalten. Außerdem besitzen wir noch Teile einer Schrift: "De grammaticis et rhetoribus" (hrsg. von Osann, Gieß. 1854), und Biographien des Terenz, Horaz, Lucanus (letztere unvollständig) sowie Reste einer Biographie des ältern Plinius, alles wahrscheinlich Überreste eines größern von ihm verfaßten Werkes: "De viris illustribus". Von andern Schriften sind nur die Namen und unbedeutende Fragmente erhalten; die ebenfalls seinen Namen führenden Biographien des Vergilius und Persius sind wahrscheinlich unecht. Ausgaben lieferten Burmann (Amsterd. 1735, 2 Bde.), Oudendorp (Leid. 1751), Ernesti (Leipz. 1748, 2. Aufl. 1772), Wolf (das. 1802, 4 Bde.) und Roth (das. 1858); neuere Übersetzungen Reichardt (Stuttg. 1855 ff.), Stahr (2. Aufl., das. 1874, 2 Bde.) und Sarrazin (das. 1883, 2 Bde.). Des S. übrige Schriften außer den "Vitae" sind besonders herausgegeben von Reifferscheid (Leipz. 1860).

Sueven (Suevi), Name eines german. Völkerbundes, welcher wohl die im Osten der Elbe vorhandenen, weniger von Ackerbau als von Jagd und Viehzucht lebenden kriegerischen, wanderlustigen ("schweifenden") Stämme umfaßte, später Name eines einzelnen Volkes. Cäsar, welcher die nach Gallien eingedrungenen S. unter Ariovist 58 v. Chr. besiegt hatte, begreift unter diesem Namen die hinter den Ubiern und Sigambern wohnenden Germanen und berichtet, daß sie 100 Gaue mit je 10,000 streitbaren Männern gezählt, aber sich bei seinem Rheinübergang weit, nach dem Wald Bacenis, zurückgezogen hätten. Sie sollen keine festen Wohnsitze gehabt haben, sondern alljährlich zum Teil auf kriegerische Unternehmungen ausgezogen sein. Tacitus nennt das ganze östliche Germanien von der Donau bis zur Ostsee Suevia. Die Hermunduren gelten ihm als das vorderste, die Semnonen als das angesehenste, die Langobarden als das kühnste unter den suevischen Völkern. Der Dienst der Nerthus (Hertha) war allen S. gemeinschaftlich. Der Markomanne Marbod vereinigte suevische Völker unter seinem Zepter, und noch später, zu Marcus Aurelius' Zeiten, werden Markomannen und Quaden als S. bezeichnet. In der Zeit der Völkerwanderung beschränkte sich der Name S. auf die Semnonen. Ein Teil derselben nahm 406 an dem Verwüstungszug des Radagaisus teil. 409 drangen sie dann mit den Vandalen und Alanen über die Pyrenäen nach Spanien vor und breiteten sich unter Rechila nach Süden über Lusitanien und Bätica aus. Rechilas Sohn Rechiar verlor 456 gegen den westgotischen König Theoderich II. Sieg und Leben, und sein Nachfolger Remismund wurde von Eurich zur Anerkennung der Oberhoheit der Westgoten gezwungen. König Theodemir trat vom Arianismus zum Katholizismus über. 585 ward das suevische Reich dem westgotischen einverleibt. In Deutschland hat sich der Name S. in dem der Schwaben erhalten.

Suez (Sues), Stadt in Ägypten, an der Nordspitze des Roten Meers, welches hier in den Golf von S. ausläuft, an der Mündung des Suezkanals (s. d.) in denselben und der Eisenbahn Kairo-Ismailia-S., mit (1882) 10,919 Einw., worunter 1183 Ausländer. Die Stadt besteht aus dem arabischen Viertel und dem regelmäßig angelegten europäischen Viertel mit großen Warenlagern, Magazinen der Peninsular and Oriental-Dampfergesellschast und einer vizeköniglichen Villa. Nordöstlich die Mündung des hier 2 m ü. M. liegenden Süßwasserkanals mit großem Schleusenwerk, nordwestlich ein großes englisches Hospital. Zu den Hafenanlagen, welche in S. weit ins Meer hinausgebaut sind, führt ein 3 km langer Damm; auf diesem läuft die Eisenbahn zum Bassin der Kanalgesellschaft mit Leuchtturm und der Statue des Leutnants Waghorn. Das große Hafenbassin, Port Ibrahim genannt, wird durch eine mächtige Mauer in den Kriegs- und den Handelshafen geschieden und kann 500 Schiffe fassen. Der Handel hat sich aber nicht hier konzentriert, sondern mehr nach Port Said und Alexandria gezogen, und S. ist mehr ein Durchgangspunkt geblieben. 1886 betrug die Einfuhr 594,385, die Ausfuhr 42,697 ägyptische Pfund. Die Stadt ist Sitz eines deutschen Konsuls. Wahrscheinlich steht S. auf der Stätte des alten Klysma, von den Arabern Quolzum genannt. Es war vor der Entdeckung des Seewegs nach Indien um das Kap als Hauptniederlage europäischer und indischer Waren ein blühender Platz, verfiel aber danach und zählte bei Beginn der Kanalbauten nur 1500 Einw.

Suezkanal, Seekanal zur Verbindung des Mittelländischen und des Roten Meers mittels Durchschneidungen der nur 113 km breiten Landenge von S. (s. das Nebenkärtchen auf der Karte "Mittelmeerländer"). Dieser Kanal ist gleichsam von der Natur vorgezeichnet, indem der Isthmus selbst nur als eine den Golf von S. fortsetzende Bodensenkung zu betrachten ist, die an ihrer höchsten Stelle, bei El Gisr, nur 16 m ü. M. liegt, und deren Durchstechung durch drei Seen (Ballah-, Timsah- und Bittersee) nochwesentlich erleichtert werden mußte. Bereits im 14. Jahrh. v. Chr. wurde der Bau eines vom Nil zum Timsahsee und von da zum Roten Meer führenden Kanals durch die beiden großen Herrscher Sethos I. und Ramses II. ausgeführt, um ihre Flotte aus dem einen ins andre Meer bringen zu können. Dieser Kanal (altägypt. ta tenat, "der Durchstich") ging wahrscheinlich durch Vernachlässigung zu Grunde, und erst gegen Ende des 7. Jahrh. v. Chr. unternahm es Necho (616-600), ein Sohn Psammetichs I., einen neuen Kanal vom Nil ins Rote Meer zu bauen, der aber durch Orakelspruch (weil er nur den "Fremden" nützen würde) gehemmt wurde, nachdem sein Bau schon 120,000 Menschen das Leben gekostet hatte. Erst Dareios Hystaspis (521-486) vollendete das Werk des Necho, welches unter den Ptolemäern dann noch bedeutend verbessert wurde. Doch schon zu Kleopatras Zeit war der Kanal teilweise wieder versandet, und was unter den Römern, namentlich unter Kaiser Trajan (98-117 n. Chr.), für den Kanal geschah, scheint nicht von großer Bedeutung gewesen zu sein. Nachdem die Araber Ägypten erobert hatten, war es Amr, der Feldherr des Kalifen Omar, welcher im 7. Jahrh. den Kanal von Kairo nach dem Roten Meer wiederherstellte und zu Getreidetransporten benutzte; im 8. Jahrh. aber war er schon wieder gänzlich unbrauchbar, und heute bezeichnen nur noch schwache Spuren das alte Werk, an dem einst Pharaonen, Perser, Ptolemäer, römische Kaiser und arabische Kalifen bauten. Das Verdienst, zuerst wieder auf die Vorteile eines maritimen Kanals zwischen dem Mittel- und dem Roten Meer hingewiesen zu haben, gebührt Leibniz, der in diesem Sinn 1671 an Ludwig XIV. schrieb. Bonaparte ließ gelegentlich seiner Expedition nach Ägypten 1798 durch den Ingenieur Lepère Vermessungen zum Bau eines direkten Kanals machen. Leider gelangte Lepère zu dem schon damals als falsch bezeichneten Ergebnis, daß der Spiegel des Roten Meers 9,908 m höher liege als der des Mittelmeers. Dies schreckte von weitern Versuchen ab. Als endlich 1841 durch barometrische Messungen englischer Offiziere der Irrtum nachgewiesen werden war, versuchte Metternich 1843 vergeblich, Mehemed Ali dafür zu

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Suffeten - Suffolk.

interessieren, bis endlich 1854 Ferdinand v. Lesseps (s. d.) bei dem Vizekönig Said Unterstützung fand. Nach Überwindung von mancherlei Schwierigkeiten erhielt dieser endlich 5. Jan. 1856 von der Pforte einen Ferman zur Konzession des Kanalbaues und zur Bildung einer Aktiengesellschaft. Diese Gesellschaft trat unter dem Namen Compagnie universelle du canal maritime de Suez zusammen und erhielt ein Privilegium auf 99 Jahre, nach welcher Zeit der Kanal an Ägypten fällt. Am 25. April 1859 erfolgte zu Port Said, am Nordende des Kanals, der erste Spatenstich. Das Maß der zu bewältigenden Schwierigkeiten war ein ungeheures. Alles Material, alle Werkzeuge, Maschinen, Kohlen, Eisen, jedes Stück Holz mußte aus Europa geholt werden. 1862 waren von den 1800 Lastkamelen der Kompanie allein 1600 zum täglichen Transport des Trinkwassers für 25,000 Arbeiter in Anspruch genommen, so daß die tägliche Ausgabe für Trinkwasser 8000 Frank betrug. Es war also vor allen Dingen erst nötig, den Süßwasserkanal zu vollenden, welcher vom Nil Trinkwasser nach dem Isthmus führen sollte. Bei Sagasig zweigt derselbe sich vom Nil ab, führt zunächst in östlicher Richtung nach Ismailia und von da südlich bis Suez; Schleusenwerke geben die Möglichkeit, ihm eine größere oder geringere Wassermenge zuzuführen. Auf dem Spiegel erreicht er eine Breite von 17, am Grund von 8 m; doch ist er nur 2 1/2 m im Durchschnitt tief. Seine Vollendung erfolgte 29. Dez. 1863, wodurch eine Jahresausgabe von 3 Mill. Fr. erspart wurde. Mit Maschinenkräften, die bis 22,000 Pferdekräfte repräsentierten, wurde trotz mancher Unglücksfälle (Ausbruch der Cholera und darauf folgende Desertion sämtlicher Arbeiter), trotz diplomatischer und finanzieller Schwierigkeiten rüstig weitergearbeitet, so daß schon 18. Nov. 1862 die Wasser des Mittelmeers in den Timsahsee einströmen konnten, zu dessen Ausfüllung 80 Mill. cbm notwendig waren. Am nordwestlichen Gestade dieses Sees entstand die Residenz der Kanalverwaltung, die Stadt Ismailia, zu welcher die neue Eisenbahn von Kairo und Alexandria hingeführt wurde, während die alte Wüstenbahn Kairo-Suez aufgegeben ward. Am 18. März 1869 erfolgte der Einlaß der Mittelmeerwasser in den Bittersee, und 16. Nov. 1869 fand im Beisein vieler Fürstlichkeiten und einer ungeheuern Schar geladener Europäer die Eröffnung des Kanals unter Festlichkeiten statt, die dem Chedive 20 Mill. Fr. gekostet haben sollen. Die Länge des Kanals beträgt 160 km, die Breite am Wasserspiegel 58-100 m, an der Sohle 22 m, die Tiefe 8 m. Er beginnt am Mittelmeer bei Port Said mit zwei ungeheuern in das Meer hinausgebauten Molen von 2250 und 1600 m Länge, welche den Vorhafen von Port Said bilden und den durch westliche Strömungen herbeigeführten Nilschlamm abhalten. Der Kanal tritt dann in südlicher Richtung in den Menzalehsee ein, wo er an beiden Seiten von Dämmen eingerahmt ist, verläßt denselben bei Kilometer 45 und erreicht die El Kantara genannte Bodenerhebung, welche er durchschneidet, um 4 km weiter in den Ballahsee einzutreten. Nachdem er aus diesem wieder ausgetreten, folgen die Stationen El Ferdane und El Gisr; dann tritt der Kanal in die weite, blaue Fläche des Timsahsees ein, an dessen Nordwestende Ismailia liegt, und den er bei Tusûn verläßt, um die 16 km lange Felsenschwelle des Serapeums zu durchbrechen. Die nun bei Kilometer 95 folgenden Bitterseen bilden eine schöne, etwa 220 qkm große Wasserfläche, die rings von Wüsten umgeben und am Ein- und Austritt des Kanals mit Leuchttürmen versehen ist. Bei El Schaluf, am Südende der Bitterseen , machen sich bereits Ebbe und Flut des Roten Meers bemerkbar, das bei Kilometer 156 erreicht wird. Südöstlich von der Stadt Suez ist die Kanalrinne noch 4 km weit in das Meer geführt, um endlich bei 9 m Tiefe die Reede von Suez zu erreichen. Die Baukosten des Kanals beliefen sich auf etwa 19 Mill. Pfd. Sterl., von denen 12,800,000 durch Aktienzeichnungen aufgebracht wurden, während den Rest der Chedive deckte. Letzterm kaufte England 1875 die übernommenen, noch unplacierten Aktien (177,602 Stück im Wert von 3,5 Mill. Pfd. Sterl.) ab. Bis Ende 1884 wurden mit Einschluß der Verbesserungen für den Kanal verausgabt 488 Mill. Fr., wogegen die Aktiva 76,7 Mill. Fr. betrugen. Die Einnahmen der Gesellschaft ergaben 1872 zum erstenmal einen Überschuß von 2 Mill. Fr., der 1887 auf 29,7 Mill. Fr. stieg. Auch der Schiffsverkehr beweist den vollständigen Erfolg des Unternehmens. Es benutzten den Kanal 1887: 3137 Schiffe von 5,903,024 Nettotonnengehalt, davon 2330 englische, 185 französische, 159 holländische, 159 deutsche, 82 österreichisch-ungarische, 138 italienische etc. Die Zahl der Reisenden betrug 182,998 mit Einschluß von Soldaten. Die Einnahmen bezifferten sich auf 60,5, die Ausgaben auf 30,8 Mill. Fr. Was die Abkürzung der Entfernungen zwischen Europa und den östlichen Ländern betrifft, so beträgt dieselbe für die Dampferfahrt nach Bombay von Brindisi 37, von Triest 37, von Genua 32, von Marseiile 31, von Bordeaux 24, von Liverpool 24, von London 24, von Amsterdam 24, von Hamburg 24 Tage. Danach lassen sich die Zeitersparnisse in der Fahrt nach andern Häfen berechnen. Freilich ist auch in Rücksicht zu ziehen, ob die zu transportierenden Waren den kostspieligen Kanalzoll (10 Fr. pro Tonne Nettogewicht) zu tragen vermögen. Manufakturen, Stahl, feine Metallwaren, Seide, Thee, Kaffee, Baumwolle etc. dürfen als unbedingt kanalfähige Güter gelten, während eine lange Fracht vertragende Güter vorteilhafter den Weg um das Kap nehmen. Vgl. Lesseps, Lettres, journal et documents à l'histoire du canal de Suez (Par. 1881, 5 Bde.); Volkmann, Der S. und seine Erweiterung (in "Kanäle", Berl.1886); Krukenberg, Die Durchflutung des Isthmus von S. (Heidelb. 1888).

Suffeten ("Richter"), die obersten Magistratspersonen in Karthago (s. d., S. 566).

Sufficit (lat.), es genügt, reicht hin.

Suffisance (franz., spr. ssüffisängs), Selbstgefälligkeit, dünkelhafte Selbstgenügsamkeit; süffisant, gegenügend; selbstgefällig, eingebildet.

Suffix (lat.), Nachsilbe, am Ende eines Wortes angehängte Silbe; s. Flexion.

Suffizient (lat.), genügend, ausreichend.

Sufflenheim, Flecken im deutschen Bewirk Unterelsaß, Kreis Hagenau, am Eberbach, hat Fabriken für Töpferwaren und feuerfeste Steine, Bauholzhandel und (1885) 3158 meist kath. Einwohner.

Suffocatio (lat.), Erstickung (s. d.).

Suffolk (spr. ssöffok), engl. Grafschaft, an der Nordsee, 3820 qkm (69,4 QM.) groß mit (1881) 356,893 Einw., ist im allgemeinen wellenförmig und meist sandig und verflacht sich nach der Küste, wo Strecken von Marschland vorkommen. Die bedeutendsten Flüsse sind: der Stour (Grenzfluß gegen Essex), Orwell, Wavenay (Grenzfluß gegen Norsolk) und Ouse mit dem Lark. Ackerbau und Viehzucht stehen auf hoher Stufe. Man hält hier eine Rasse von ungehörnten Kühen, welche ungemein viel Milch geben; das Suf-

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Suffolk - Suggestion.

folkschaf gibt kurze, aber sehr feine Wolle. 63 Proz. der Oberfläche sind unter dem Pflug, 18 Proz. bestehen aus Wiesen. 1888 zählte man 41,534 Ackerpferde, 63,258 Rinder, 422,150 Schafe und 130,887 Schweine. Im Bau landwirtschaftlicher Maschinen leistet S. Bedeutendes, andre Zweige der Industrie sind ohne Belang. Hauptstadt ist Ipswich.

Suffolk (spr. ssöffok), engl. Adelstitel, zuerst der Familie Clifford als Grafen, seit dem 14. Jahrh. der Familie Pole als Herzöge von S. Der letzte aus diesem Haus ward 1513 hingerichtet. Heinrich VIII. verlieh den Titel seinem Günstling Charles Brandon, dem Gemahl seiner Schwester Maria, dessen Schwiegersohn Henry Gray von Eduard VI. 1551 zum Herzog von S. erhoben wurde. Derselbe ward nebst seiner Tochter Johanna Gray (s. Gray 1) 1554 enthauptet. Demnächst erhielt Lord Thomas Howard, Sohn des vierten Herzogs von Norfolk, der 1597 zum Baron Howard ernannt war, 1603 den Titel eines Grafen von S. Schon in dem Kampf gegen die unüberwindliche Flotte Philipps II. hatte er sich ausgezeichnet, unter Jakob I. wurde er 1603 Geheimrat und 1605 Lord-Oberkämmerer, in welcher Eigenschaft er sich bei der Entdeckung der Pulververschwörung hervorthat. 1614-18 war er Lord-Großschatzmeister, wurde aber 1618 entlassen, wegen Bestechlichkeit angeklagt und in den Tower gesetzt, aus dem er jedoch nach einigen Tagen wieder befreit wurde. Er starb 1626. Sein zweiter Sohn wurde 1626 zum Grafen von Berkshire erhoben und ist Stammvater der jetzigen Grafen von S. und Berkshire; gegenwärtiger Chef des Hauses ist Charles John Howard, Graf von S. und Berkshire, geb. 7. Nov. 1804.

Suffragan (lat.), jedes zu Sitz und Stimme (suffragium) berechtigte Mitglied eines Kollegiums von Geistlichen; insbesondere der (einem Erzbischof untergeordnete) Diözesanbischof.

Suffrage universel (franz., spr. ssüffrahsch üniwersséll), s. Allgemeines Stimmrecht.

Suffragium (lat.), die Stimme, die der röm. Bürger in den Komitien (s. d.) oder als Richter in Kriminalprozessen (judicia publica) abgab; auch die Abstimmung im ganzen und das Stimmrecht selbst.

Suffrutex (lat.), s. Halbstrauch.

Suffusion (lat., Hyphämie), diffuse Blutunterlaufung von größerer Ausdehnung in die Gewebsmaschen, wie sie namentlich unter der Haut bei Quetschungen, Schlägen mit stumpfen Instrumenten in seltenen Fällen spontan vorkommen, z. B. bei Blutfleckenkrankheit, Skorbut u. dgl.

Sûfismus (Sofismus), der Mystizismus der Mohammedaner, nach welchem der Mensch ein Ausfluß (Emanation) Gottes ist und zur Wiedervereinigung mit demselben zurückstrebt. Seine Anhänger heißen Sufi ("Wollbekleidete"), da sie nach der Sitte der ersten Gründer im 3. Jahrh. nach Mohammed nur wollene Kleidung trugen, was aber heute nicht mehr der Fall ist. Die Sûfi unterscheiden drei Stationen in ihrem Orden: die der Methode, auf welcher der Moslem die vorgeschriebenen Reinigungen und Gebete äußerlich vollbringt; die der Erkenntnis, auf der er erkennt, daß alle äußerliche Religionsübung keinen wahren Wert hat, und sich vielmehr dem Studium der heiligen sûfistischen Schriften und beschaulichem Versenken in die Gottheit widmet; endlich die der Gewißheit, auf welcher er sich als eins mit der Gottheit weiß und daher über alle Askese erhaben ist. Als Stifter des S., der namentlich in Kleinasien und Persien, auch in Indien Ausbreitung fand, wird ein arabischer Perser aus Irak genannt; für seine bedeutendsten Vertreter gelten der persische Dichter Dschelal eddin Rumi und Frerid eddin Attar aus Nischabur wie auch die berühmten Dichter Hafis und Saadi. Vgl. Tholuck, S., sive Theosophia Persarum pantheistica (Berl. 1821); Kremer, Geschichte der herrschenden Ideen des Islams (Leipz. 1868); Palmer, Oriental mysticism (Lond. 1867); Gobineau, Les religions et les philosophes dans l'Asie Centrale (2. Aufl., Par. 1866).

Suganathal (Val Sugana),Flußthal der Brenta, soweit sie tirolisches Gebiet durchströmt, zieht sich von den Quellen der Brenta ab über 50 km bis zur italienischen Grenze, wo es bei Tezze in eine wilde Schlucht übergeht, enthält die Seen von Caldonazzo und Levico, hat südliche Vegetation, Wein- und Seidenkultur und ca. 70,000 Bewohner. Wichtige Orte sind Pergine, Levico, Borgo und der Badeort Roncegno. Der Name wird von dem Volksstamm der Euganeer abgeleitet, welche hier angesiedelt waren.

Sugatag (spr. schú-), Dorf im ungar. Komitat Marmaros, bei Marmaros-Sziget, mit großem Salinenwerk (jährliche Produktion 165,000 metr. Ztr. Salz). Vom Bergwerk führt eine 20 km lange schmalspurige Bahn nach Marmaros-Sziget.

Suger (spr. ssühsche), franz. Kirchenfürst und Staatsmann, geb. 1081 zu St.-Omer, seit 1122 Abt zu St.-Denis, hatte unter Ludwig VI. und Ludwig VII. bedeutenden Einfluß auf das Staatswesen, verbesserte die Justiz, beförderte Ackerbau, Handel und Gewerbe, begünstigte die Städte, war während Ludwigs VII. Kreuzzug 1147-49 Reichsregent, hob die Macht des Königtums und starb 12. Jan. 1151. Er schrieb unter anderm: "Vita Ludovici VI." (hrsg. von Molinier, Par. 1887) und "De rebus in sua administratione gestis" (bei Duchesne, "Scriptores", Bd. 5). Sein Leben beschrieben Combes (Par. 1853) und Nettement (3. Aufl., das. 1868).

Suggerieren (lat.), einem etwas eingeben, ihn beeinflussend zu etwas veranlassen.

Suggestion (franz., "Eingebung"), die Einflößung bestimmter Vorstellungen in der Hypnose (s. Hypnotismus). Die Erfahrungen der letzten Jahre haben bewiesen, daß die geistige Beeinflussung der durch die Hypnotisierung ihres selbständigen und logischen Denkens beraubten Personen viel weitere Ausdehnung zuläßt, als man bis dahin geneigt war, zu glauben, und daß dadurch erstaunliche Wirkungen erzielt werden können. Richet in Paris will einer Dame von mittlern Jahren nacheinander suggeriert haben, sie sei eine Bäuerin, eine Schauspielerin, ein alter General, ein Prediger, eine Nonne, eine alte Frau, ein kleines Kind, ein junger Mann etc., und sie habe sich jedesmal der eingebildeten Rolle gemäß betragen. In einem kürzlich zu Pforzheim verhandelten Prozeß handelte es sich um Personen, die in der künstlich erregten Wahnvorstellung, Hunde zu sein, auf andre gehetzt worden waren. Der bekannte Psycholog J. Delboeuf in Lüttich hat einer Person sogar mit Erfolg vorgeredet, sie sei ein geheizter eiserner Ofen oder eine brennende Petroleumlampe. Dem Träumenden mangelt eben jede Logik und Fähigkeit, sich durch eignes Denken einer gebieterischen Wahnvorstellung zu entreißen. Man begreift die Gefährlichkeit der Macht eines gewissenlosen Hypnotiseurs über seine Opfer, und es sind bereits mehrere Fälle vor die Gerichte gekommen, in denen Frauen unter dem Vorgeben, mit ihrem Gatten zu verkehren, gemißbraucht oder zu schriftlichen Schenkungen veranlaßt worden sind. Es ist somit höchst bedenklich, sich ohne Beisein einer Vertrauensperson hypnotisierenzu lassen. Einige

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Suggestion mentale - Suifon.

forscher, namentlich Charkot in Paris, dem aber auch Krafft-Ebing in Graz, Obersteiner in Wien und andre deutsche Autoritäten in neuerer Zeit beigestimmt haben, gehen noch weiter und behaupten, es ließen sich durch S. Eindrücke aus Körper- und Gemütsleben hervorbringen, die über die Hypnose hinauswirken und so Heilwirkungen, Charakteränderungen, erziehliche Einflüsse etc. befördern könnten. Krafft-Ebing will einer Person die Körpertemperatur, die sie am nächsten Morgen zeigen sollte, und ein französischer Arzt einer andern durch die Eingebung, sie werde mit glühendem Eisen gebrannt, sogar Brandblasen erzeugt haben. Auch zu persönlichen Angriffen, Verbrechen etc. nach der Hypnose soll durch S. ein Anstoß gegeben werden können. Diese Angaben bedürfen aber noch sorgfältiger Prüfung. Vgl. Obersteiner, Der Hypnotismus mit besonderer Berücksichtigung seiner klinischen und forensischen Bedeutung (Wien 1887); v. Krafft-Ebing, Eine experimentelle Studie auf dem Gebiet des Hypnotismus (Stuttg. 1888); Bernheim, Die S. und ihre Heilwirkung (Wien 1888).

Suggestion mentale (franz., spr. ssüggschestióng mang-tall), die angebliche Gedankenübertragung ohne Berührung; s. Gedankenlesen, S. 990.

Suggestivfragen (eingebende Fragen), verfängliche Fragen des Richters an den Angeklagten oder an Zeugen, welche so gestellt werden, daß die von letztern erst anzugebenden Thatsachen schon von dem Richter in die Frage hineingelegt werden; nach moderner Rechtsanschauung unstatthaft.

Sughlio, stark gewürzte Fleischbrühe, welche mit Weißwein statt Wasser bereitet wird, dient zum Kochen von Maccaroni, Geflügel und Wild.

Sugillation (lat.), der Austritt von Blut in die Gewebe nach Zerreißung kleinerer Gefäße. Der Ausdruck ist aus den Worten sub ciliis ("unter den Augenlidern") entstanden und bedeutet ursprünglich als Succiliatio die so häufigen bei Schlägerei vorkommenden roten Flecke der Augenlider, welche später alle Regenbogenfarben durchmachen und in der Volkssprache schlechtweg als blaues Auge bekannt sind.

Suheir, arab. Dichter, s. Sohair.

Suhl (Suhla), Stadt im preuß. Regierungsbezirk Erfurt, Kreis Schleusingen, an der Südseite des Thüringer Waldes im Thal der Hasel und an der Linie Plaue-Ritschenhausen der Preußischen Staatsbahn, 438 m ü. M., hat 2 evang. Kirchen, ein Amtsgericht, eine Oberförsterei, eine Reichsbanknebenstelle und (1885) 10,602 meist evang. Einwohner. Hauptnahrungszweig derselben ist Eisenwaren- und Gewehrfabrikation, welch letztere seit Jahrhunderten in großem Ruf steht und nicht nur Kriegswaffen aller Art, sondern auch Jagdgewehre und die verschiedensten Luxuswaffen liefert. Andre Gewerbe sind: Barchentweberei, Holzwaren-, Porzellan-, Lederfabrikation, Maschinenbau etc. Über der Stadt erhebt sich der Domberg mit dem Ottilienstein (520 m), einem aussichtsreichen Porphyrfelsen. S. wird urkundlich zuerst 1330 als Dorf erwähnt, das durch Kauf an die Grafen von Henneberg kam und 1527 Stadtrecht erhielt; seit 1815 gehört es zu Preußen. Vgl. Werther, Chronik der Stadt S. (Suhl 1846-47, 2 Bde.).

Suhle, morastige Vertiefung, in welche sich Rot- und Schwarzwild, besonders bei trocknem, heißem Wetter, niederlegt, um sich darin zu kühlen und vom Ungeziefer, namentlich den Hirschlausfliegen, zu reinigen. Der Hirsch schlägt gewöhnlich zuerst mit dem Vorderlauf den Morast zu einer breiartigen Masse, legt sich dann hinein und wälzt sich behaglich darin umher. Beim Austreten aus der S. schüttelt er sich den Schmutz ab und reibt (marlt) sich dabei, wie namentlich auch die Sauen, an Bäumen. In Revieren, in welchen es an natürlichen Suhlen fehlt, schlägt man muldenförmige Vertiefungen mit strengem Letten aus, damit das darin zusammenlaufende Wasser nicht in den Boden einsickern kann.

Suhler Weißkupfer, s. Nickellegierungen.

Suhm, Ulrich Friedrich von, Freund Friedrichs d.Gr., geb. 29. April 1691 zu Dresden, studierte in Genf, kam 1720 als kursächsischer Gesandter an den Berliner Hof, trat hier mit dem damaligen Kronprinzen (Friedrich II.) in enge Verbindung und stand mit demselben auch nach seinem Abgang von Berlin (1730) noch in philosophischem Briefwechsel, der nach dem Tode des Königs unter dem Titel: "Correspondance familiaire de Frédéric II avec U. F. de S." (2 Bde.) erschien. 1737 ward S. Gesandter am russischen Hof; er starb im November 1740.

Sühneverfahren, gerichtliches Verfahren zum Zweck der gütlichen Beilegung eines Rechtsstreits. Nach der deutschen Zivilprozeßordnung (§ 268) kann das Gericht in jeder Lage eines bürgerlichen Rechtsstreits die gütliche Beilegung desselben oder einzelner Streitpunkte versuchen oder die Parteien zum Zweck des Sühneversuchs vor einen beauftragten oder ersuchten Richter verweisen. Auch kann zum Zweck des Sühneversuchs das persönliche Erscheinen der Parteien vor Gericht angeordnet werden. In Ehesachen muß dem Verfahren vor dem Landgericht in der Regel ein Sühnetermin vor dem Amtsgericht vorhergehen, bei welchem der Ehemann seinen allgemeinen Gerichtsstand hat. Die Parteien müssen zu diesem Sühneversuch persönlich erscheinen (§ 570 ff.). Handelt es sich ferner um eine geringfügigere Rechtssache, welche im einzelrichterlichen Verfahren vor dem Amtsgericht zu verfolgen ist, so kann der Kläger zunächst seinen Gegner zum Zweck eines Sühneversuchs vor das Amtsgericht laden lassen. Kommt hier ein Vergleich nicht zu stande, so wird auf Antrag beider Parteien sofort zur Verhandlung des Rechtsstreits geschritten, indem alsdann die Klagerhebung durch den mündlichen Vortrag der Klage erfolgt (§ 471). Bei einfachen Beleidigungen ist nach der deutschen Strafprozeßordnung (§ 420) die Erhebung der Klage erst dann zulässig, wenn vor der zuständigen Vergleichsbehörde die Sühne fruchtlos versucht worden ist. Hierüber hat der Kläger mit der Klage eine Bescheinigung einzureichen. Die Vergleichsbehörde ist in den meisten deutschen Staaten der Schiedsmann (s. d.), der auch die gütliche Beilegung von privatrechtlichen Streitigkeiten versuchen kann.

Suicidium (lat.), Selbstmord.

Suidas, griech. Lexikograph, um 970 n. Chr., Verfasser eines Worterklärungen und Notizen (namentlich biographische) über die alten Schriftsteller enthaltenden lexikalischen Werkes. Eilig und ohne Kenntnis und Kritik aus ältern Wörterbüchern, Scholien und grammatischen Schriften zusammengeschrieben, leidet es an zahlreichen schweren Mangeln und Irrtümern, ist aber dennoch durch die Fülle nur hier erhaltener Nachrichten besonders für die Litteraturgeschichte von unschätzbarem Wert. Neuere Ausgaben besorgten Gaisford (Oxford 1834, 3 Bde.), Bernhardy (Halle 1834-53, 2 Bde.) und Beker (Berl. 1854). Vgl. Daub, De Suidae biographicorum origine et fide (Leipz. 1880).

Suifon (Suifun), Fluß im Südussuriland (ostsibirisches Küstengebiet), welcher in der Mandschurei entspringt und sich im Sichota Alin durch eine Felsspalte in die Peters d. Gr.-Bai Bahn bricht. Die

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Sui juris - Suleiman Pascha.

Mündung des S. ist nur für Schiffe von 1,5 m Tiefgang zugänglich.

Sui juris (lat.), sein eigner Herr, mündig.

Suina (Schweine), Familie der paarzehigen Huftiere.

Suinter, s. v. w. Wollschweiß.

Suir (spr. schuhr), Fluß in Irland, entspringt in der Grafschaft Tipperary, fließt an Thurles, Caher, Carrick und Clonmel vorbei und vereinigt sich unterhalb Waterford mit dem Barrow (s. d.).

Suite (franz., spr. sswiht), Folge, Gefolge, besonders von Militärpersonen, welche den Landesherrn oder höhere Vorgesetzte bei Besichtigungen begleiten; Offiziere, welche zu Dienststellungen außerhalb der Truppe berufen sind, wie z. B. Lehrer an den Militärbildungsanstalten, werden "à la s." ihres Truppenteils geführt, d. h. sie bleiben in dessen Listen, bis ihre Wiedereinrangierung in denselben oder einen andern Truppenteil erfolgt. - In der Musik ist S. (Partie, Partita) eine der ältesten mehrsätzigen (cyklischen) Formen, die ihren Ursprung in den Musikvorträgen der Kunstpfeifer hat, welche schon im 16.-17. Jahrh. Tänze verschiedener Nationalität, kontrastierend in Tempo und Takt, aber in der Tonart zusammenstimmend, nacheinander vortrugen und eine solche Folge Partie benannten. Der Name und die Form wurden im 17. Jahrh. von den deutschen Klavierkomponisten aufgegriffen, welche auch die in ähnlicher Weise aus mehreren Stücken zusammengesetzten Variationen (Doubles) als Partie bezeichneten. Durch diese sowie durch die Violinkomponisten (Corelli) wurden allmählich die Formen der Tanzstücke erweitert, es begannen aber bald die verschiedenen Teile durch überhandnehmende Figuration, wie sie der Violine gemaß war, ihre charakteristischen Merkmale zu verlieren, und es ist das Verdienst der französischen Klavierkomponisten (Couperin), die Rhythmik wieder schärfer präzisiert zu haben. Ihre letzte Ausbildung erfuhr die Kammersuite durch J. S. Bach. Neben den Tanzstücken fanden später auch die Introduktion, das Präludium, die Fuge, die Tokkata, der Marsch und das Thema mit Variationen Aufnahme in die S. In neuerer Zeit ist die S. auf volles Orchester übertragen und zu großem Umfang ausgestaltet worden, besonders durch Franz Lachner, der in seinen Suiten große kontrapunktische Meisterleistungen hingestellt hat. Die vier charakteristischen Teile der ältern S. sind: Allemande, Courante, Sarabande und Gigue; wurden mehr Sätze eingeschoben (Intermezzi: Gavotte, Passepied, Branle, Bourrée, Menuett, auch Doubles über ein Tanzstück), so geschah das in der Regel zwischen Sarabande und Gigue. Selten erscheint ein eingeschobener Satz vor der Sarabande. über den Charakter der einzelnen Sätze s. die Spezialartikel.

Suiten (vulgär Schwieten gesprochen), mutwillige, lose Streiche; Suitier (Schwietjeh), Streichemacher, lustiger Bruder.

Sujet (franz., spr. ssüscheh), s. v. w. Subjekt; Gegenstand, besonders Stoff einer Rede etc.

Sukkade (ital.), kandierte Schale verschiedener Citrus-Arten, besonders Zitronat.

Sukkador, Holzart, s. Jacaranda.

Sukkuba (lat.), nach dem mittelalterlichen Volksglauben ein dem Inkubus (s. d.) ähnlicher weiblicher Nachtgeist (vgl. Alp).

Sukkulent (lat.), saftig, kraftvoll, nahrhaft; Sukkulenz, Saftfülle, Nahrhaftigkeit.

Sukkulenten (Succulentae), 1) Fettpflanzen, im allgemeinen alle Gewächse mit fetten, saftreichen Blättern oder mit sehr dicken, fleischigen, grünen Stengeln mit rudimentären Blättern oder ganz ohne solche, daher die meisten aus den Familien der Krassulaceen, Kakteen, Mesembryanthemeen und den Gattungen Aloe, Agave etc. Die oberirdischen Stengel dieser Pflanzen sterben meist nicht, wie die der echten Kräuter, alljährlich ab, sondern dauern mit ihren Blättern mehrere, oft viele Jahre. Sie können Trockenheit der Umgebung länger als andre Gewächse schadlos ertragen, weil ihre Transpiration äußerst gering ist, so daß ihr ungewöhnlicher Wasserreichtum in den voluminösen Organen zurückgehalten wird. -

2) (Opuntinae) Ordnung im natürlichen Pflanzensystem unter den Dikotyledonen, Choripetalen mit dicken, fleischigen Blättern oder, wenn diese nicht ausgebildet sind, mit fleischigem, kugeligem bis säulenförmigem oder zusammengedrücktem, grünem Stamm, die Blüten mit Kelch- und Blumenblättern, welche, meist in großer Anzahl, bald in Quirlen, bald in Spiralen geordnet sind, ebenso gestellten Staubgefäßen und unter-, seltener oberständigem Fruchtknoten mit meist wandständiger Placenta, umfaßt die Familie der Kakteen und in einigen Systemen auch die der Mesembryanthemeen. S. Tafel "Kakteen".

Sukkumbeuzgeld, Buße, welche im bürgerlichen Rechtsstreit der mit einem Rechtsmittel (Berufung, Revision etc.) Abgewiesene an die Staatskasse zu entrichten hat. Wo partikularrechtlich in Deutschland ein S. vorkam, ist es durch die deutsche Zivilprozeßordnung beseitigt. Das französische Recht kennt dagegen das S. in der Form eines Einsatzes, welchen der Beschwerdeführer an die Staatskasse verliert, wenn seine Beschwerde abgewiesen wird. Das S. bezweckt die Verhütung des leichtfertigen Gebrauchs von Rechtsmitteln.

Sukkumbieren (lat.), unterliegen, verlieren; Sukkumbenz, das Unterliegen.

Sukkurrieren (lat.), beispringen, zu Hilfe eilen.

Sukkurs (lat.), Hilfe, Beistand, Unterstützung; Sukkursale, Filiale eines Handlungshauses etc.

Sulamith (hebr., d. h. Mädchen aus Sulem oder Sunem), die Braut im Hohenlied Salomos (7, 1).

Suleika, pers. Frauenname, unter welchem Goethe im "Westöstlichen Diwan" seine Freundin Marianne v. Willemer (s. d.) verherrlicht.

Suleiman, s. Soliman.

Suleimankette (Suleimankoh), Meridiangebirge im östlichen Afghanistan, an der Grenze gegen Indien, erreicht im Takht i Suleiman 3441 m Höhe, geht im W. in ein Hochland über, fällt steil gegen Indien ab und ist von hier nur in tief eingeriffenen, schwer zugänglichen Flußthälern zu übersteigen.

Suleiman Pascha, türk. General, geb. 1838 in Thrakien, wurde in der Militärschule erzogen, trat 1854 in die Armee, ward schon 1862 Kapitän und kämpfte mit Auszeichnung in Montenegro, wurde darauf als Bataillonskommandeur in die Kaisergarde versetzt und 1867 nach Kreta gesandt, wo er namentlich bei Erstürmung des Bergs Rova ein hervorragendes strategisches Talent entwickelte, und, nach Konstantinopel zurückgekehrt, Professor der Litteratur an der Kriegsschule. Er schrieb in dieser Zeit mehrere wissenschaftliche Werke, namentlich eine allgemeine Geschichte in drei Bänden und eine Grammatik der türkischen Sprache, kämpfte unter Redif Pascha in Jemen, avancierte dann zum Generalmajor und Unterdirektor der Militärschule, endlich zum Direktor derselben, die er nach europäischem Muster erweiterte und verbesserte, und nahm an der Verschwörung zur Entthronung Abd ul Asis' teil. 1875 zum

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Sulfat - Sulla.

Divisionsgeneral (Ferik) befördert, befehligte er im serbischen Krieg 1876 zuerst eine Division, dann ein Korps, nahm Knjaschewatz und die Höhen von Djunis und drang als einer der ersten in Alexinatz ein. 1877 ward er zum Muschir und Oberkommandanten von Bosnien und der Herzegowina ernannt, verproviantierte Nikschitz und rückte in Montenegro ein, wurde aber im Juli, als die Russen in Rumelien eindrangen, zurückgerufen. Er warf dieselben bei Eski Zagra zurück, griff sie 21.-26. Aug. vergeblich im Schipkapaß an, wobei er seine vortreffliche Armee zu Grunde richtete, setzte auch im September seine Angriffe hartnäckig fort, ward 2. Okt. Oberbefehlshaber der Donauarmee, richtete aber nichts aus und ging im Januar 1878 mit einem Teil derselben über den Balkan zurück. Bei Philippopel ward 16. und 17. Jan. sein Heer völlig zersprengt, S. im März zu Konstantinopel verhaftet und vor ein Kriegsgericht gestellt und 2. Dez. besonders wegen seines Verfahrens in Rumelien zur Degradation und zu 15 Jahren Festung verurteilt, aber vom Sultan begnadigt. Er starb 15. April 1883. Vgl. Macrides, Procès de S. (Konstant. 1879).

Sulfat, s. v. w. schwefelsaures Natron; in der Färberei s. v. w. schwefelsaure Thonerde; Sulfate, s. v. w. Schwefelsäuresalze; z. B. Kaliumsulfat, schwefelsaures Kali.

Sulfatofen, s. Soda, S. 1047.

Sulfide, s. Schwefelmetalle.

Sulfindigosäure, s. Indigo, S. 919.

Sulfite, s. v. w. Schwefligsäuresalze; z. B. Natriumsulfit, schwefligsaures Natron.

Sulfobasen, s. Schwefelmetalle.

Sulfocarbonate, s. Schwefelkohlenstoff.

Sulfocyan, s. v. w. Rhodan.

Sulfonal (Diäthylsulfondimethylmethan), ein Oxydationsprodukt einer Verbindung von Äthylmerkaptan mit Aceton, bildet farb-, geruch- und geschmacklose, gut lösliche Kristalle und kann als schlafbringendes Mittel dem Morphium und Chloral an die Seite gestellt werden, ja es übertrifft dieselben in mancher Hinsicht, da es deren nachteilige Wirkung auf Puls, Atmung und Körpertemperatur nicht teilt. Bei Schlaflosigkeit durch Herzfehler, fieberhafte Krankheiten, welche die Anwendung von Morphium oder Chloral ausschließen, leistet S. ausgezeichnete Dienste, ebenso besonders bei Schlaflosigkeit aus nervösen Ursachen, bei Geisteskrankheiten und bei Kindern. Der Schlaf tritt erst nach einer halben bis ganzen Stunde ein, aber er ist tief, dauert 6-8 Stunden, und Nebenwirkungen, wie Kopfschmerz etc., treten selten ein.

Sulfopurpursäure, s. Indigo, S. 919.

Sulfosalze, s. Salze, S. 245, u. Schwefelmetalle.

Sulfosäuren, s. Säuren und Schwefelmetalle.

Sulfostannat, s. Zinnsulfide.

Sulfozon, mit schwefliger Säure imprägnierte Schwefelblumen, dient als Desinfektionsmittel und gegen Parasiten auf Pflanzen.

Sulfur (Sulphur, lat.), Schwefel; S. auratum Antimonii, S. stibiatum aurantiacum, Goldschwefel, s. Antimonsulfide; S. depuratum, gewaschene Schwefelblüte, s. Schwefel, S. 724; S. jodatum, Jodschwefel, aus 1 Teil Schwefel und 4 Teilen Jod zusammengeschmolzen; S. praecipitatum, Schwefelmilch, s. Schwefel, S. 725; S. stibiatum rubeum, Stibium sulfuratum rubeum, Mineralkermes, s. Antimonsulfide; S. sublimatum, Schwefelblumen.

Sulfüre, Sulfurete, s. Schwefelmetalle.

Sulfuröl, s. Olivenöl.

Sulina, der zweite Hauptmündungsarm der Donau (s. d., S. 54 u. 55). An der Südseite desselben liegt im rumänischen Kreis Tultscha (Dobrudscha) die Stadt S., mit Leuchtturm und 5000 Einw., Sitz eines Pilotenkorps, Freihafen (seit 1879) und Hauptstationsort für die Dampsschiffahrt nach Odessa. S. wurde 8. Okt. 1877 von den Russen beschossen und arg verwüstet.

Sulingen (Suhlingen), Flecken und Kreishauptort im preuß. Regierungsbezirk Hannover, hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, bedeutende Sensenfabrikation und (1885) 1645 Einw. Hier 3. Juni 1803 Konvention zwischen Franzosen und Hannoveranern.

Sulioten, albanes. Volksstamm im Südendes Paschaliks Janina, dem alten Epirus, leitet seinen Ursprung von einer Anzahl Familien ab, welche im 17. Jahrh. vor dem türkischen Druck in den Gebirgen von Suli in der Nähe der Stadt Parga eine Zuflucht suchten. Sie bekennen sich zur griechisch-katholischen Kirche und sprechen als Muttersprache das Griechische, zugleich aber auch das Albanesische. Neben Viehzucht und etwas Ackerbau war ihr Hauptgewerbe das der Klephthen und Armatolen, worin sie sich vorzüglich durch List und Ausdauer hervorthaten; besonders galten ihre Angriffe den benachbarten Türken, gegen deren Übermacht sie bei einem einfachen, aber ausharrenden Verteidigungssystem geraume Zeit standhielten. Sie erlagen erst 1803 und verließen nun ihre bisherigen Wohnsitze, indem sie erst nach Parga, dann, durch die Drohungen und Intrigen Ali Paschas auch von da vertrieben, nach den Ionischen Inseln sich wandten. Hier traten sie in den Militärdienst der verschiedenen Mächte (Rußlands, Frankreichs, Englands), welche damals nacheinander diese Inseln besaßen. Ali Pascha, 1820 in Janina von den Türken unter Churschid Pascha eingeschlossen und von den Albanesen verlassen, suchte bei den S. Hilfe und räumte ihnen die Festung Kiagha ein. Die S. folgten seiner Einladung, gerieten aber durch den Übertritt der albanesischen Häuptlinge zu Churschid Pascha und den unglücklichen Ausfall des im Sommer 1822 von Griechenland aus zu ihrer Unterstützung unternommenen Feldzugs in große Bedrängnis und mußten im September ihre Feste Suli den Türken einräumen. Gegen 3000 S. wurden damals auf englischen Schiffen nach Kephalonia gebracht, während sich die übrigen in die Gebirge zerstreuten. Viele von ihnen beteiligten sich tapfer an dem griechischen Freiheitskampf und gelangten in Griechenland später zu Ansehen und Würden, so die Botzaris und Tzavellas. Vgl. Perräbos, Geschichte von Suli und Parga (neugriech., Vened. 1815, 2 Bde.; engl., Lond. 1823); Lüdemann, Der Suliotenkrieg (Leipz. 1825).

Sulkowski, eine aus Polen stammende, den Adelsfamilien Lodzia und Sulima von Haus aus angehörige, seit 1752 reichsfürstliche Familie in Posen und Österreichisch-Schlesien, blüht in den beiden Linien von Reisen und von Bielitz, welche beide vom Grafen, seit 1752 Fürsten Alex. Jos. v. S. (gest. 1762) abstammen. Ersterer gehörte an Anton Paul, Fürst S., geb. 31. Dez. 1785, der nach Poniatowskis Tod einige Zeit die Reste der polnischen Armee kommandierte und dann Generaladjutant des Kaisers Alexander I. ward; starb 13. April 1836. Ihm folgte sein Sohn August Anton, Fürst S., geb. 13. Dez. 1820, im Ordinat Reisen und in der Grafschaft Lissa, und nach dessen Tod (20. Nov. 1882) Fürst Anton, geb. 6. Febr. 1844. Herzog von Bielitz ist gegenwärtig Fürst Joseph S., geb. 2. Febr. 1848.

Sulla, 1) Lucius Cornelius, röm. Diktator, geb. 138 v. Chr. als der Sprößling einer der Gens

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Süllberg - Sullivan.

Cornelia angehörigen patrizischen Familie, war nach einer teils in leichtsinnigen Vergnügungen, teils in litterarischen Beschäftigungen verbrachten Jugend 107 im Jugurthinischen Krieg Quästor des Konsuls Marius und trug dadurch wesentlich zur glücklichen Beendigung des Kriegs bei, daß er den König Bocchus von Mauritanien durch geschickte Unterhandlungen zur Auslieferung des Jugurtha bewog. Er wurde darauf 93 Prätor, und nachdem er sich im Marsischen Krieg als Führer einer Abteilung des römischen Heers besonders ausgezeichnet hatte, ward er für 88 zum Konsul erwählt und mit der Führung des (ersten) Mithridatischen Kriegs beauftragt. Als er sich bereits nach Nola in Kampanien zu seinem Heer begeben hatte, wurde in Rom durch die Volkspartei unter Führung des Volkstribunen P. Sulpicius Rufus der Oberbefehl im Mithridatischen Krieg Marius übertragen. S. kehrte daher an der Spitze seines Heers nach Rom zurück, schlug seine Gegner und ächtete die hervorragendsten unter denselben, traf auch einige Anordnungen, die dazu dienen sollten, die Ruhe in der Stadt zu sichern, widmete sich dann aber zunächst völlig der Führung des ihm aufgetragenen Kriegs, ohne sich um die Vorgänge in Rom zu bekümmern, wo sich seine Gegner bald unter den größten Grausamkeiten der Gewalt bemächtigten, Marius 86 zum siebentenmal Konsul wurde und große Heere gesammelt wurden, um den gefürchteten Kampf mit S. bestehen zu können. Als dieser den Krieg mit Mithridates glücklich beendigt hatte (s. Mithridates), kehrte er an der Spitze von 40,000 Mann nach Italien zurück, überwand in einer Reihe von Schlachten seine Gegner, zuletzt den jüngern Gajus Marius bei Sacriportus und ein hauptsächlich aus Samnitern bestehendes Heer unter den Mauern von Rom, und wurde dann 82 zum Diktator auf unbestimmte Zeit ernannt. Als solcher suchte er zunächst seine Stellung zu sichern, indem er eine große Menge seiner Gegner proskribierte, d. h. ihre Namen durch Proskriptionslisten bekannt machte und auf ihren Kopf einen Preis setzte, und indem er die Ländereien der in dem blutigen Bürgerkrieg Umgekommenen unter seine Veteranen verteilte und 10,000 Sklaven die Freiheit schenkte, die ihm als ihrem Patron gewissermaßen als Leibwache dienten. Dann aber erließ er, hauptsächlich zu dem Zweck, der Republik eine aristokratische Verfassungsform zu geben, eine Reihe von Gesetzen (Leges Corneliae), unter denen die Zurückgabe der Gerichte an den Senat und die Herabsetzung der Macht der Volkstribunen auf ihr ursprüngliches geringes Maß besonders hervorzuheben sind. Als er aber sein Ziel erreicht zu haben glaubte (er liebte es, sein Gelingen nicht seinem Verdienst, sondern seinem Glück beizumessen, und ließ sich daher gern den Glücklichen, Felix, nennen), legte er 79 die Diktatur nieder und zog sich nach Puteoli zurück, wo er, ohne sich jedoch den öffentlichen Angelegenheiten völlig zu entziehen, hauptsächlich seinem Vergnügen lebte, starb jedoch schon 78. Er schrieb in lateinischer Sprache Denkwürdigkeiten seines Lebens, deren letztes Buch sein Freigelassener Epicadus vollendet und die Plutarch in seiner Biographie des S. benutzt hat. Neuere Biographien lieferten Zachariä (Heidelb. 1834) und Lau (Hamb. 1855).

2) Faustus Cornelius, Sohn des vorigen, geboren um 88 v. Chr., diente im dritten Mithridatischen Krieg unter Pompejus und war der erste, der 63 die Mauern des Tempels von Jerusalem erstieg; 54 bekleidete er die Quästur. Im Bürgerkrieg stand er auf seiten des Pompejus, mit dessen Tochter er verheiratet war. Nach der Schlacht bei Pharsalos floh er nach Afrika; nach der Schlacht bei Thapsos (46) fiel er in Cäsars Hände und ward von dessen Soldaten ermordet.

3) Publius Cornelius, Bruderssohn des Diktators S., ward 66 v. Chr. zum Konsul für das folgende Jahr gewählt, aber, bevor er sein Amt antrat, wegen Amtserschleichung (ambitus) angeklagt und verurteilt. Dann wurde er 62 wieder wegen Teilnahme an der Catilinarischen Verschwörung angeklagt, aber von Hortensius und Cicero verteidigt und freigesprochen. Im Bürgerkrieg war er Legat Cäsars und befehligte bei Pharsalos den rechten Flügel. Er starb 45.

Süllberg, s. Blankenese.

Sülldorf, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Magdeburg, Kreis Wanzleben, hat eine evang. Kirche, eine Zucker- und eine Thonwarenfabrik, Kalk- und Ziegelbrennerei, ein Solbad und (1885) 1133 Einw.

Sulliv., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für William S. Sullivant, geb. 1803 zu Franklinton, gest. 1873 in Columbus (Bryolog).

Sullivan (spr. ssölliwän), 1) Timothy Daniel, irischer Politiker, geb. 1827 zu Bantry in der Grafschaft Cork, nahm als Herausgeber und Eigentümer der Zeitung "Nation" sowie andrer der irischen Nationalpartei als Organe dienender Zeitschriften an den politischen Kämpfen seiner Landsleute in den letzten Jahrzehnten hervorragenden Anteil. 1850-85 war er für Westmeath Mitglied des Parlaments, welchen Sitz er 1885, für Dublin gewählt, seinem jüngern Bruder, Donal S., überließ. 1886 wurde er Lord-Mayor von Dublin und 1887 einstimmig wieder- und 1880-82 als Parlamentsmitglied für Meath gewählt. Auch ein dritter Bruder, Alexander Martin S., geb. 1830, seit 1855 Mitarbeiter an der "Nation", seit 1876 Parlamentsmitglied für Louth und in demselben Jahr Lord-Mayor von Dublin, seit 1876 irischer und seit 1877 englischer Rechtsanwalt, gest. 17. Okt. 1884, hat in der irischen Partei eine bedeutende Rolle gespielt.

2) Arthur, engl. Komponist, geb. 13. Mai 1842 zu London, war Chorknabe in der königlichen Vokalkapelle, als er zum Stipendiaten der Mendelssohn-Stiftung erwählt wurde (1856). Seine fernere musikalische Ausbildung erhielt er zunächst in der Royal Acaderny of music in London, wo besonders Bennett sein Lehrer war, und 1858-61 am Konservatorium in Leipzig. Er wurde darauf 1861 Nachfolger Bennetts als Kompositionsprofessor an der Akademie, 1876 Direktor der National training school for music in London und 1880 Vorstandsmitglied des Royal college of music daselbst. S. ist der hervorragendste unter den jüngern englischen Komponisten, hat jedoch weniger originelle Erfindungstraft als wohlgeschulte Gestaltungskunst. Seine bekanntesten Werke sind die Musik zu Shakespeares "Sturm", "Kaufmann von Venedig" und "Heinrich VIII.", das Ballett "L'île enchantée" (1864), die Ouvertüren: "The sapphire necklace" und "In memoriam", eine Symphonie in E dur, die Oratorien: "The light of the world", "The prodigal son" und "The martyr of Antioch", mehrere Kantaten, Kammermusikstücke und Klavierkompositionen sowie zahlreiche Lieder und Operetten, wie: "Cox and Box" (1866), "The contrabandista", "Her Majesty's ship Pinafore", "Jolanthe", "The pirates of Penzance". "The Mikado", "The golden legend" (1887) u. a., die namentlich in England und Amerika großen Erfolg hatten. 1883 wurde S. von der Königin in den Ritterstand erhoben.

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Süllö - Sulpicius.

Süllö, s. Sander.

Sully (spr. ssülli), Maximilian von Béthune, Baron von Rosny, Herzog von, franz. Staatsmann, geb. 13. Dez. 1560 zu Rosny bei Nantes, ward in der reformierten Kirche erzogen und zugleich mit Heinrich von Navarra unterrichtet. Er nahm mit Auszeichnung an den Feldzügen des jungen Königs von Navarra teil und kämpfte bei Coutras (1587) und bei Ivry (1590) mit. Ein strenger Calvinist, stolz und schroff, trat er auch seinem königlichen Freund, besonders seiner Verschwendung und Ausschweifung, wiederholt mit Energie entgegen; doch vereinte beide bald wieder die gemeinsame Liebe zum Vaterland. Deswegen riet er auch 1593 Heinrich zur Annahme des Katholizismus, um den Bürgerkrieg zu beendigen. 1597 an die Spitze der Finanzen gestellt, tilgte er eine Staatsschuld von 200 Mill. Livres, erwarb den größten Teil der verschleuderten Domänen zurück, hob eine Menge überflüssiger Ämter auf, ordnete und vereinfachte das Steuerwesen, baute Straßen, führte die Seidenkultur und andre Erwerbszweige ein und begünstigte den Ackerbau; diesen und die Viehzucht erklärte er für die Brüste, von denen Frankreich sich nähre. Seit 1601 auch Großmeister der Artillerie und Oberaufseher über alle Befestigungen des Landes, stellte er in kurzem die öffentliche Ruhe wieder her, namentlich durch Vernichtung vieler Räuberbanden. Auf Heinrichs Zug nach Savoyen (1600) eroberte S. die für unüberwindlich gehaltenen Festungen Montmelian und Bourg. Nach dem Frieden übernahm er unter dem Titel eines erblichen Kapitäns der Häfen, Flüsse und Kanäle das Departement der öffentlichen Bauten, hob Zölle auf, erklärte den Getreidehandel für frei, legte Kanäle an und leistete in dieser Stellung viel für Verbesserung der Kommunikationsmittel des Landes. Zugleich leitete er auch die auswärtigen Verhandlungen. 1604 wurde er zum Gouverneur von Poitou und 1606 für sein Gut Sully an der Loire zum erblichen Herzog ernannt. Dabei erwarb er für sich selbst ein bedeutendes Vermögen. Nach der Ermordung Heinrichs IV. (14. Mai 1610) ward er seiner Stellung am Hof entbunden und von diesem auf sein Schloß S. verwiesen; doch bediente sich auch Ludwig XIII. öfters seines Rats und ernannte ihn 1634 zum Marschall; er starb 21. Dez. 1641. Wichtig für die Geschichte seiner Zeit, obwohl nicht durchaus zuverlässig, sind seine in Stil und Form ungenießbaren "Memoires" (Amsterd. 1634, 2 Bde.; 2 Supplementbände 1662), die vom Abbé L'Ecluse (das. 1745, 8 Bde.) modernisiert, aber auch sehr verändert und gefälscht wurden. Vgl. die biographischen Schriften von Legouvé (Par. 1873), Gourdault (3. Aufl., Tours 1877), Bouvet de Cresse (das. 1878), Dussieux (Par. 1887) und Chailley (das. 1888); Ritter, Die Memoiren Sullys (Münch. 1871).

Sully - Prudhomme (spr. ssülli-prüdómm), Rene Francois Armand, franz. Dichter, geb. 16. März 1839 zu Paris, wurde nach dem frühen Tod seines Vaters von einem Oheim, dem Notar Sully, an Kindes Statt angenommen, widmete sich dem Studium der Rechtswissenschaft, lebte dann aber ganz seinen litterarischen Neigungen und veröffentlichte 1865 seine ersten Gedichte: "Stances et poèmes", die das Glück hatten, von Sainte-Beuve bemerkt zu werden, der namentlich auf das formell vollendete und eine tiefe Innigkeit des Gefühls bekundende Gedicht "Le vase brise" aufmerksam machte. Als weitere Sammlungen folgten: "Les épreuves", "Les écuries d'Augias", "Croquis italiens", "Les solitudes", "Impressions de la guerre", "Les destins", "Les vaines tendresses", "La France" (Sonette), "La revolte des fleurs" u. a. S. ist in diesen Dichtungen den Idealen seiner Jugend treu geblieben; die Reinheit, die ihn kennzeichnete, die Tiefe der Empfindung, der Adel des Gedankens wurden nie durch Mißklänge getrübt, und die philosophierende Richtung, die in seinen letzten Werken den Vorrang behauptet, hat in ihrem Streben nach Aussöhnung zwischen einer schmerzvollen Wirklichkeit und einer höhern Gerechtigkeit ebenfalls etwas Wohltuendes. S. schrieb außerdem ein Lehrgedicht: "La Justice" (1878), übersetzte den Lukrez (neue Ausg. 1886) und veröffentlichte ein kunsthistorisches Werk: "L'expression dans les beaux arts". Seine "OEuvres complètes" erschienen 1882-88 in 5 Bänden. Seit 1881 ist S. Mitglied der französischen Akademie.

Sully sur Loire (spr. ssülli ssürr loahr), Stadt im franz. Departement Loiret, Arrondissement Gien, an der Loire und der Eisenbahn von Argent nach Beaune la Rolande, hat ein schönes Schloß (mit Statue Sullys, der hier 1604-41 wohnte) und (1881) 2037 Einw.

Sulmirschütz (Sulmirzyce), Stadt im preuß. Regierungsbezirk Posen, Kreis Adelnau, hat (1885) 3130 meist kath. Einwohner.

Sulmo, Stadt, s. Solmona.

Sulphur (lat.), s. Sulfur.

Sulpicia, röm. Dichterinnen: 1) S., s. Tibullus;

2) S., unter Domitian lebende Verfasserin von erotischen Gedichten, die bis auf wenige Reste verloren sind; eine ihren Namen tragende "Satira" von 70 Versen, eine ziemlich frostige Betrachtung der traurigen Lage der Gelehrten unter Domitian, ist ein ihr untergeschobenes Machwerk aus spätrömischer Zeit (hrsg. von Bährens in "De Sulpiciae quae vocatur satira. Jena 1873, und in den "Poetae latini minores", Bd. 5, Leipz. 1883; auch häufig in Verbindung mit Persius und Juvenal).

Sulpicius, angesehenes röm. Geschlecht, aus mehreren Familien mit verschiedenen Beinamen (Camerinus, Galba, Gallus, Longus, Paterculus Peticus, Prätextatus, Rufus und Saverrio) bestehend. Publius S. Galba befehligte 210 v. Chr. und in den folgenden Jahren die gegen König Philipp III. von Makedonien, den Verbündeten Hannibals, ausgesandte Flotte und führte als Konsul 200 und dann auch noch einen Teil des Jahrs 199 gegen denselben Philipp den Oberbefehl. Servius S. Galba erlitt 151 als Prätor eine Niederlage in Lusitanien, ließ im folgenden Jahr viele tausend Lusitanier niederhauen, nachdem er sie unter der Vorspiegelung, ihnen fruchtbare Ländereien anzuweisen, zur Ergebung verlockt hatte, wurde deshalb 149 angeklagt, wandte aber durch seine Beredsamkeit die Verurteilung von sich ab. 144 bekleidete er das Konsulat. Sein gleichnamiger Enkel war einer der Verschwornen gegen Cäsar und wurde nebst den übrigen Mördern Cäsars 43 von Oktavian geächtet; er ist der Urgroßvater des Kaisers Galba. Publius S. Rufus, geb. 124, wird von Cicero als Redner gerühmt, zeichnete sich 89 im Bundesgenossenkrieg durch die Unterwerfung der Marruciner auch als Feldherr aus und wurde für das Jahr 88 zum Volkstribun erwählt. Sein Gesetzvorschlag, die mit dem Bürgerrecht ausgestatteten Bundesgenossen in alle Tribus zu verteilen, fand auf seiten der von den Konsuln Sulla und Quintus Pompejus Rufus geführten Optimatenpartei den heftigsten Widerstand. Hierdurch wurde er bewogen, sich an Gajus Marius anzuschließen, und brachte daher ein Gesetz durch, daß der Oberbefehl gegen Mithridates

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Sultan - Sulze.

von Sulla (s. d. 1) auf Marius übertragen werden sollte. Sulla aber schlug seine Gegner innerhalb der Mauern Roms und ächtete die vornehmsten derselben, darunter auch S., der auf seiner Villa entdeckt und getötet wurde. Der Sklave, der ihn verraten, ward von Sulla zwar freigelassen, aber darauf vom Tarpejischen Felsen gestürzt.

Sultan (arab., "Herr, Mächtiger"), gewöhnlicher Titel mohammedan. Herrscher im Orient, besonders des osmanischen Reichs. Auch den Frauen der Sultane wird der Titel Sultanin beigelegt, in der Türkei aber nur der wirklichen Gemahlin des Sultans sowie seinen Töchtern, welche Chanimsultaninnen ("Frauen von Geblüt") genannt werden. Die Mutter des Großherrn heißt Walide S.

Sultanabad, Hauptstadt der pers. Provinz Irak Adschmi, 1844 m ü. M., wurde erst zu Anfang dieses Jahrhunderis gegründet, hat die Form eines Rechtecks, durch zahlreiche Türme verstärkte Mauern und treibt lebhaften Handel mit Teppichen, von denen die meisten nach Europa gehen; der Wert dieser Ausfuhr belief sich 1877 auf 1,600,000 Mk.

Sultanshuhn, s. Purpurhuhn.

Sultepec, Bergwerksort im mexikan. Staat Mexiko, 2340 m ü. M., in engem Thal, mit (1880) 7613 Einw. Dabei kamen Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Blei, Zinn, Antimon, Zinnober und andre Metalle vor.

Sulu (Joloinseln), eine Gruppe kleiner gebirgiger, aber fruchtbarer Inseln im Ostindischen Archipel zwischen der Nordostspitze von Borneo und der Südwestspitze von Mindanao, 2456 qkm (45 QM.) groß mit 75,000 malaiischen Bewohnern, die sich zum Islam bekennen und früher als kühne Seeräuber weithin berüchtigt waren. Trotzdem sie mehrmals durch französische, spanische und niederländische Schiffe, auch vom Radscha Brooke von Borneo, schwer gezüchtigt wurden, hörten ihre Seeräubereien nicht auf, bis Spanien von den Philippinen aus 1876 die Hauptinsel S. besetzte und den ganzen Archipel dem Generalkapitanat der Philippinen einverleibte. Das Recht Spaniens auf den Archipel wurde auch 1885 vertragsmäßig von Deutschland und England anerkannt. Seitdem bilden das Einsammeln eßbarer Vogelnester und die Perlenfischerei die ergiebigste Einnahmequelle der Insulaner, deren geringer Handel fast ganz in den Händen von Chinesen aus Manila ruht. Die Stadt S. wurde bei ihrer Einnahme 1876 durch die Spanier niedergebrannt, aber von spanischen Genieoffizieren neu aufgebaut und durch Sträflingsarbeit befestigt. Nach dem Archipel führt der südlich bis Celebes sich erstreckende Meeresteil den Namen Sulusee. S. Karte "Hinterindien".

Sulz, 1) Oberamtsstadt im württemberg. Schwarzwaldkreis, am Neckar und an der Linie Plochingen-Villingen der Württembergischen Staatsbahn, 427 m ü. M., hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, ein Hauptsteuer- und ein Kameralamt, eine Saline, ein Solbad und (1885) 1895 meist evang. Einwohner. -

2) (Obersulz, franz. Soultz) Stadt und Kantonshauptort im deutschen Bezirk Oberelsaß, Kreis Gebweiler, an der Eisenbahn Gebweiler-Lautenbach, hat eine alte kath. Kirche, ein Amtsgericht, eine Oberförsterei, Seidenspinnerei, Seiden- und Baumwollweberei, Eisengießerei und (1885) 4511 meist kath. Einwohner. Westlich der 1432 m hohe Sulzer Belchen, der höchste Gipfel der Vogesen. -

3) (S. unterm Wald) Stadt und Kantonshauptort im deutschen Bezirk Unterelsaß, Kreis Weißenburg, an der Eisenbahn Straßburg-Weißenburg, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein Amtsgericht, Bergbau auf Petroleum, Asphalt und Eisen, eine Petroleumraffinerie, Hopfenbau und (1885) 1566 Einw. -

4) Bad, s. Schongau.

Sülz, Dorf im preuß. Regierungsbezirk und Landkreis Köln, 2 km südwestlich von Köln, hat Spinnerei, Fabrikation von Maschinen, Goldleisten, Buchdruckerschwärze, Bürsten und Lack, Ziegelbrennerei und (1885) 2496 Einw.

Sulza (Stadtsulza), Stadt im sachsen-weimar. Verwaltungsbezirk Weimar II (Apolda), an der Ilm, Knotenpunkt der Linie Neudietendorf-Weißenfels der Preußischen Staatsbahn und der Eisenbahn Straußfurt-Großheringen, 134 m ü. M., hat eine evang. Kirche, eine Baugewerkschule, ein besuchtes Solbad (1887: 2225 Kurgäste), Wollwarenfabrikation und (1885) 2105 Einw. Dabei die zu Meiningen gehörige Saline Neusulza mit drei Gradierwerken. Vgl. Rost, Führer und Ratgeber durch Bad S. (Sulza 188l).

Sulzbach, 1) Bezirksamtsstadt im bayr. Regierungsbezirk Oberpfalz, an der Linie Nürnberg-Furth i. W., 400 m ü. M., hat 3 Kirchen, ein Schloß (jetzt Gefängnis für weibliche Sträflinge), ein Amtsgericht, starken Hopfenbau und (1885) mit der Garnison (ein Infanteriebataillon Nr. 6) 4670 meist kath. Einwohner. In der Nähe die Wallfahrtskirche Annaberg, zahlreiche Eisensteingruben und ein großes Eisenhüttenwerk. Das ehemalige gleichnamige deutsche Fürstentum, dessen Hauptstadt S. war, und das 1028 qkm (19 QM.) mit 32,000 Einw. umfaßte, erscheint am Ende des 11. Jahrh. als Grafschaft, kam 1305 an Bayern und fiel dann mit der Oberpfalz an die Pfalz. Die Pfalzgrafen von S. waren eine Nebenlinie derer von Pfalz-Neuburg (seit 1614) und folgten unter Karl Theodor 1742 in der Kurpfalz, 1777 in Bayern (vgl. Pfalz, S. 933). -

2) Flecken im württemberg. Neckarkreis, Oberamt Backnang, an der Murr und der Linie Waiblingen-Hessenthal der Württembergischen Staatsbahn, 260 m ü. M., zur Grafschaft Löwenstein gehörig, hat eine evang. Kirche, ein Schloß (Lautereck), Gerberei, Schuhmacherei, Holzhandel, Viehzucht und (1885) 2660 Einw. -

3) Dorf im deutschen Bezirk Oberelsaß, Kreis Kolmar, in einem Thal der Vogesen, hat eine kath. Kirche, eine Mineralquelle mit Bad und (1885) 756 Einw. -

4) Dorf im preuß. Regierungsbezirk Trier, Kreis Saarbrücken, an der Linie Wellesweiler-Saarbrücken der Preußischen Staatsbahn und einer Industriebahn, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein Amtsgericht, eine Steinkohlengrube, Eisenerzbergbau, Koks- und Glasfabrikation, eine chemische Fabrik und (1885) 11,177 meist kath. Einwohner.

Sulzbacher Alpen, s. Steiner Alpen.

Sulzbad, Dorf im deutschen Bezirk Unterelsaß, Kreis Molsheim, an der Eisenbahn Zabern-Schlettstadt, hat eine kath. Kirche und (1885) 772 Einw. In der Nähe das Bad S. mit zwei Mineralquellen, welche Chlor, Soda, Brom, Jod und Eisenoxyd enthalten und namentlich gegen Hautkrankheiten und Rheumatismus angewendet werden, sowie der besuchte Wallfahrtsort Avolsheim. Vgl. Eissen, Soultzbad près Molsheim (Par. 1857).

Sulzberg (Val di Sole), s. Noce.

Sulzburg, Stadt im bad. Kreis Lörrach, am Sulzbach und am Fuß des Schwarzwaldes, 339 m ü. M., hat eine evang. Kirche, ein altes Schloß, eine Bezirksforstei, vortrefflichen Weinbau, Weinhandel, eine Dampfsägemühle und (1885) 1152 meist evang. Einwohner. Nahebei in einem hübschen Waldthal das Bad S. mit alkalischer Kochsalzquelle von 15° C.

Sulze, s. Salzlecke.

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Sülze - Sumatra.

Sülze, kalte Fleischspeise, bereitet aus in säuerlicher, stark gewürzter Brühe gekochtem und fein geschnittenem Fleisch, welches mit der durchgeseihten, zu Gelee eingedickten Brühe vermischt wird. Das Ganze läßt man in einer Schüssel erstarren.

Sülze, Stadt im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin, Herzogtum Güstrow, an der Recknitz, hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, eine Dampfmolkerei, eine Saline, ein Solbad und (1885) 2342 fast nur evang. Einwohner.

Sulzer, 1) Johann Georg, Ästhetiker, geb. 5.Okt. 1720 zu Winterthur, erhielt seine Bildung in Zürich und ging 1742 nach Berlin, wo er mit Euler und Maupertuis in nähere Verbindung trat und 1747 die Professur der Mathematik am Joachimsthaler Gymnasium, 1763 an der neugestifteten Ritterakademie erhielt und auch in die Akademie der Wissenschaften aufgenommen ward. Durch Kränklichkeit 1773 genötigt, seine Professur niederzulegen, starb er 27. Febr. 1779. Sein Hauptwerk ist die einst vielbenutzte "Allgemeine Theorie der schönen Künste" (neue Ausg., Leipz. 1792-94, 4 Bde.), zu welcher Blankenburg "litterarische Zusätze" (das. 1796-98, 3 Bde.) sowie Dyk und Schulze "Nachträge" (das. 1792-1808, 3 Bde.) lieferten. S. suchte darin die Wolfsche Philosophie mit den Ansichten der Franzosen und Engländer eklektisch in Übereinstimmung zu bringen. Vgl. seine "Selbstbiographie" (Berl. 1809).

2) Salomon, Begründer des modernen Synagogengesangs, geb. 30. März 1804 zu Hohenems in Vorarlberg, lebt als emeritierter Oberkantor der israelitischen Gemeinde und Professor am Musikkonservatorium in Wien. S. veröffentlichte eine Sammlung gottesdienstlicher Gesänge: "Schir Zion" (Wien 1845-66, 2 Bde.), die sich in allen Synagogen einbürgerten. Vgl. "Gedenkblätter an Oberkantor S. S." (Wien 1882).

Sulzer Belchen, s. Belchen 2) und Sulz 2).

Sulzmatt, Flecken im deutschen Bezirk Oberelsaß, Kreis Gebweiler, in einem engen Thal der Vogesen, hat eine kath. Kirche, Baumwollspinnerei und -Webe-rei, Spinnerei von Flockseide, guten Weinbau und (1885) 2807 Einw. In der Nähe das Bad S. mit mehreren Mineralquellen, darunter einem Sauerbrunnen und einer Schwefelquelle, die bei Gliederschmerzen und Hautkrankheiten zu Bädern gebraucht wird. Vgl. Bach, Des eaux alcalines de Soultzmatt (Straßb. 1853).

Sumach, Pflanzengattung , s. Rhus.

Sumarokow, Alexander Petrowitsch, russ. Dichter, geb. 14. Nov. (a. St.) 1718 zu Moskau, versuchte sich in fast allen Gattungen der Poesie, besonders in der Satire, und gilt als Schöpfer des russischen Dramas, insofern er zuerst nationale Lust- und Trauerspiele (nach dem pseudoklassischen Muster der Franzosen) lieferte. Er wurde von der Kaiserin Katharina II. zum Staatsrat erhoben und starb 1. Okt. (a. St.) 1777 in Moskau. S. war auch der erste Direktor des russischen Hoftheaters. Von seinen Dramen, die mehr nach ihrem sittlichen Gehalt und historischen Wert als nach Form und Konzeption zu beurteilen sind, stehen die Tragödien: "Horew", "Sinaw und Trubor" und "Mstislaw" oben an. Unbedeutend sind seine Komödien wie seine Epen etc.; dagegen zeichnen sich viele seiner Satiren durch Kühnheit und Energie der Gedanken aus und lassen in S. einen feurigen Verfechter des Rechts und der Wahrheit erkennen. Seine gesammelten Werke erschienen zuletzt in St. Petersburg 1787. Vgl. Bulitsch, Sumarokow (Petersb. 1854).

Sumatra, die westlichste und nächst Borneo die größte der Sundainseln (s. Karte "Hinterindien"), wird durch die Sundastraße von Java, durch die Straße von Malakka von der Halbinsel Malakka getrennt und vom Äquator mitten durchschnitten. Die von NW. nach SO. langgestreckte Insel hat ein Areal, das offiziell auf 406,705 qkm (7386,2 QM.) angegeben wird, nach Behm und Wagner aber 428,813 qkm (7787,7 QM.) beträgt, ohne die Inseln an der Westküste (Babi, Nias, die Batu-, Mantawi-, Poggiinseln, Engano) mit einem Areal von 14,421 qkm (261,9 QM.), welche, in derselben Richtung wie die Hauptinsel streichend, wie die Trümmer einer zweiten Insel erscheinen. Die Westküste ist hoch, und unter ihren zahlreichen Buchten und Ankerplätzen ist die Bai von Tapanuli die geräumigste und sicherfte; dagegen ist die Ostküste niedrig und mit Strandmorästen bedeckt; nach innen zu steigt das Land ganz allmählich auf, um sich endlich in Hügelreihen an die Gebirgskette Boukit-Barissan anzuschließen, welche S. in ihrer ganzen Länge durchzieht. Durch dieselbe wird S. in einen schmalen, gebirgigen westöstlichen und einen größern, von Tiefland erfüllten östlichen Teil geschieden. Aus dem Gebirge erheben sich 19 Vulkane, darunter 6 noch thätige: der Indrapura (3833m), Dempo (3200m), Ophir oder Pasaman (2927 m), Merapi (2660 m), Salasi und Ipo, zugleich die beträchtlichsten Bodenerhebungen auf der Insel. Verheerende Ausbrüche (wie der des Tambora, der über 12,000 Menschen das Leben kostete) haben wiederholt stattgefunden. Am Südostende bilden die Ausläufer der Parallelketten des Gebirges drei Landspitzen, zwischen denen die Lampong- und die Kaiserbucht ins Land hineintreten. Infolge der orographischen Verhältnisse sind die Flüsse der Westküste unbedeutend, doch kann der Singkel 20 km von seiner Mündung aufwärts durch einheimische Boote befahren werden. Dagegen wird die Ostseite von einer Anzahl wasserreicher Flüsse (Rokan, Siak, Indragiri, Jambi, Palembang oder Musi, Tulan-Bawan) durchzogen, die teilweise 150 km und weiter aufwärts selbst von größern Kriegsschiffen befahren werden können. Unter den Seen ist der Sinkara der bedeutendste. Das Klima ist heiß und in den sumpfigen Niederungen bei 27-32° C. Maximaltemperatur ungesund, in 1200 m hohen Lagen aber bei einem Maximum von 24° C. zuträglich. Der Wechsel des Monsuns ist auf den beiden Seiten des Äquators ein entgegengesetzter. Die Tierwelt zeigt mehr Verwandtschaft mit der von Borneo als der von Java. Affenarten sind zahlreich, sehr häufig ist der Königstiger; sonst sind noch zu erwähnen der Elefant, zwei Rhinozerosarten, der Tapir, Nebelpanther; die Flüsse wimmeln von Kaimans (Crocodilus biporcatus). Die Pflanzenwelt ist außerordentlich reichhaltig und üppig. Als Repräsentant derselben kann die dort heimische Rafflesia Arnolda gelten, ein Schmarotzergewächs mit der größten Blüte der Welt (bis 1 m im Durchmesser und über 5 kg schwer). S. hat in seinen ungeheuern Wäldern eine Fülle von nutzbaren Holzarten und erzeugt zugleich durch Kultur eine Reihe von Massenprodukten zur Ausfuhr, wie Reis, Zucker, Tabak, Indigo, Baumwolle, Katechu, Kautschuk, Guttapercha, Benzoe, Rotang, Kampfer, Betel- und Kokosnüsse, eingeführt ist die Kultur von Kaffee, Muskatnüssen u. a. An Metallen finden sich, und zwar reichlich, Gold, Kupfer, Zinn, Eisen, auch Steinkohlen. Die Bevölkerung, deren Zahl man auf 3,8 Mill. berechnet, gehört zur malaiischen Rasse; im SO. wohnen die Lampong, in der Mitte die Passumah und Redschang, nach N. hin

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Sumatrakampfer - Sumerier.

die Batta und Atschinesen. Als besonderer Stamm hausen, abgeschieden von der übrigen Bevölkerung, noch die Orang-Kubu ohne feste Wohnsitze. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Völkerschaften sind hauptsächlich bedingt durch das Maß, in welchem arabisch-islamitische, indo-javanische und europäische Einflüsse nacheinander auf dieselben eingewirkt haben. Die Mehrzahl der Bewohner bekennt sich zum Islam, und zwar sind sie meist fanatische Mohammedaner; die Batta dagegen sind Heiden, die Passumah und Redschang zwar nicht dem Namen, aber der That nach. Ackerbau und Schiffahrt sind Hauptbeschäftigungen; Seeräuberei und Menschenraub waren früher eingebürgert. Die industrielle Thätigkeit beschränkt sich auf das Weben baumwollener Kleiderstoffe und Arbeiten in Gold, mit Benutzung sehr einfacher Geräte. Ihr Gemeinwesen ist sehr zersplittert. Die wichtigsten Ausfuhrhäfen sind Padang und Palembang. Die Insel wurde seit der Eroberung von Atschin und Siak fast ganz den Niederländern unterworfen. Sie teilen dieselbe administrativ ein wie folgt:

QKilom. QMeilen Bevölkerung 1885

Gouvernement Westküste 121171 2200,6 1192661

Benkulen 25087 455,6 149923

Lampongsche Distrikte 26155 475,0 118889

Palembang 140873 2558,4 627914

Ostküste 42321 768,6 171399

Atschin 51098 928,0 544634

Unter dieser gezählten Bevölkerung von 2,805,420 Seelen, welche gegen die oben angeführte Berechnung um 1 Mill. zurücksteht, wurden 3944 Europäer, 62,053 Chinesen und 2549 Araber ermittelt. überall, wohin die Macht der Holländer reicht, sind seit 1876 Sklaverei und Leibeigenschaft aufgehoben worden. S. ward den Europäern durch den Portugiesen Lopez de Figueira 1508 zuerst bekannt. Die Portugiesen errichteten daselbst Handelsfaktoreien, wurden aber zu Ende des 16. Jahrh. von den Holländern verdrängt, die 1620 auf der Insel festen Fuß faßten. Neben dem Sultan von Bantam auf Java hatte damals der Herrscher von Atschin (Atjeh) die meiste Macht auf S. Zwischen 1659 und 1662 gelang es den Niederländern, die Südwestküste ihrer Schutzherrschaft zu unterwerfen, und 1664 bemächtigten sie sich Indrapuras, Salidas und mehrerer andrer Plätze, 1666 auch Padangs. Weiter im Süden hatten sich seit 1685 die Engländer zu Benkulen festgesetzt, und zwischen beiden regte sich bald lebhafte Eifersucht. 1803 fiel der ganze südliche Teil der Ostküste mit Palembang ebenfalls unter niederländische Herrschaft. Die Niederländer und Engländer schlossen 1824 einen Vertrag, wonach diese gegen Einräumung der niederländischen Besitzungen auf der Halbinsel Malakka auf ihre Niederlassung auf S. zu gunsten der Niederländer verzichteten. 1835 unterwarfen sich letztere auch die Fürsten von Dschambi, und in einem Kriege gegen die Atschinesen erweiterten sie ihren Besitz an der Westküste, wie sie auch das malaiische Oberland des Reichs Menangkabu und zugleich einen Teil der Battaländer unter ihre Botmäßigkeit brachten. Es bestehen seitdem neben ihrem Reich nur noch die beiden Reiche Atschin und Siak; auch ist ein Teil der Korintjier und Batta im Innern noch unabhängig. Nachdem sich die Niederländer durch die Abtretung Guineas an England dessen Zustimmung zur Unterwerfung Atschins gesichert, begannen sie 1873 einen Krieg gegen dies Reich (s. Atschin), der aber nur langsam und unter großen Verlusten fortschritt. Vgl. Miquel, S., seine Pflanzenwelt und deren Erzeugnisse (Leipz. 1862); Mohnike, Bangka und Palembang, nebst Mitteilungen über S. (Münst. 1874); Rosenberg, Der Malaiische Archipel (Leipz. 1878) ; Bock, Unter den Kannibalen auf Borneo etc. (Jena 1882); Marsden, History of S.(3. Ausg., Lond. 1811); Marre, S. Histoire des rois de Pasey (Par. 1875); Bastian, Indonesien, Teil 3 (Berl. 1886); Verbeek, Topographische en georgische beschrijving van een gedeelte Van Sumatra's westkust (1886).

Sumatrakampfer, s. v. w. Borneokampfer, s. Kampfer.

Sumatrawachs (Geta-Lahoe), der eingedickte Milchsaft von Ficus ceriflua Jungh., ist aschgrau, härter als Bienenwachs, spez. Gew. 0,963 bei 16°, fast vollständig löslich in Äther, wenig in kaltem Alkohol, schmilzt bei 61°.

Sumba (auch Sandelbosch, "Sandelholzinsel"), eine der Kleinen Sundainseln, durch die Sandelboschstraße von Floris und Sumbawa geschieden, im Besitz der Holländer, aber unter einheimischen Häuptlingen und zur Residentschaft Timor gehörig, hat mit dem südwestlich gelegenen kleinen Savu ein Areal von 11,360 qkm (206 QM.) und etwa 200,000 Einw. Das Innere ist ein Tafelland von 1000 m Höhe mit gesundem Klima. Produkte sind: Baumwolle, Sandelholz, Pferde, Geflügel. An der Westküste der Ort Manukaka

Sumbawa (Sumbaua), eine der Kleinen Sundainseln, zwischen Lombok und Floris, 13,980 qkm (254 QM.) groß, mit gebirgigem und vulkanischem Boden, gut bewässert und sehr fruchtbar (Sandelholz, Baumwolle, Tabak, Reis), hat etwa 150,000 Einw. malaiischer Rasse und Bekenner des Islam. Die Insel bildet einen Teil des niederländischen Gouvernements Celebes und zerfällt in drei unter Radschas stehende Reiche: S., Bima und Dompo; Sitz des niederländischen Residenten ist Bima. Vom 5. bis 11. April 1815 fand hier ein Ausbruch des 4300 m hohen Vulkans Tambora (Temboro) statt, welcher dabei zusammenstürzte, so daß er jetzt nur noch 2339 m Höhe hat. Ein großer Teil des umliegenden Landes wurde mit Asche bedeckt, und über 12,000 Menschen kamen ums Leben.

Sumbulwurzel, s. Ferula.

Sümeg (spr. schü-), Markt im ungar. Komitat Zala, mit Sommerschloß des Veszprimer Bischofs, Franziskanerkloster, (1881) 5029 ungar. Einwohnern, Weinbau und Bezirksgericht.

Sumerier (Akkadier), altes Volk, welches in frühster Zeit das Euphrat- und Tigrisland ("Land Sumir und Akkad") bewohnte und eine nicht flektierende, agglutinierende Sprache redete, also nicht semitischen Ursprungs war. Sie besaßen bereits eine bedeutende Kultur, welche die Semiten, Babylonier und Assyrer, die spätern Einwohner jenes Gebiets, neben denen sich aber die S. noch lange behaupteten, von ihnen annahmen, und von der uns in den bilinguen (assyrisch-sumerischen) Thontäfelchen der Bibliothek Assurbanipals ansehnliche Reste, Lieder, Hymnen, Gesetzsammlungen, astronomische und astrologische Schriften etc., erhalten sind. Ihre ältesten Herrschaftssitze und Priesterstädte befanden sich im untern Euphratgebiet, das nach einem ihrer Stämme auch Chaldäa genannt wurde (vgl. Babylonien). Die S. besaßen die Keilschrift (s. d.), welche nicht bloß Babylonier und Assyrer, sondern auch Meder und Perser von ihnen überkamen, beobachteten die Himmelskörper, Sonne, Mond und fünf Planeten, welche sie als Götter verehrten, und nach denen sie die sieben Tage der Woche,

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Sumiswald - Sumpfbiber.

deren Einteilung von ihnen herrührt, benannten; die Namen der Göttin Istar (Astarte), des Mondgottes Sin, des Löwengottes Nergal u. a. sind in die semitische Religion übergegangen. Ihre religiösen Hymnen, mitunter von tiefem Gefühl, sind den Psalmen der Bibel ähnlich. Ihren Rechnungen legten sie das Sexagesimalsystem zu Grunde, welches sich bei der Einteilung unsrer Tagesstunden in Minuten und Sekunden, der Grade etc. bis auf den heutigen Tag erhalten hat. Vgl. Lenormant, Études accadiennes (Par. 1872-80); Derselbe, Études cunéiformes (das. 1878-80); Derselbe, La langue primitive de la Chaldée et les idiomes touraniens (das. 1875) ; Haupt, Die sumerischen Familiengesetze (Leipz. 1879); Derselbe, Die akkadische Sprache (Berl. 1883).

Sumiswald, Gemeinde im schweizer. Kanton Bern, Bezirk Trachselwald, im untern Emmenthal, am Grünenbach, hat eine schöne Kirche aus dem 16. Jahrh. und (1888) 5738 Einw., welche Landwirtschaft, Viehzucht, Fabrikation von Leinwand und Uhren und Handel mit Käse betreiben. Unweit das Schloß Trachselwald, ehemals Sitz einer Deutschordens-Kommende, jetzt Armenhaus.

Summarischer Prozeß, diejenige Prozeßart, bei welcher zum Zweck der Beschleunigung des Verfahrens Abweichungen von dem regelmäßigen Prozeßgang und Abkürzungen des letztern statuiert sind. Den Gegensatz bildet der ordentliche bürgerliche Prozeß, und zum Unterschied wird der summarische auch der "außerordentliche Prozeß" genannt. Die moderne Gesetzgebung, welche für alle Rechtsstreitigkeiten ein schleunigeres Verfahren an Stelle des schwerfälligen gemeinrechtlichen Prozeßganges einführte, hat die Fälle des summarischen Prozesses wesentlich eingeschränkt. So kennt die deutsche Zivilprozeßordnung als eigentlichen summarischen Prozeß nur noch den Exekutiv- oder Urkundenprozeß (s. d.) und den Wechselprozeß (s. d.); außerdem gehören noch das sogen. Mahnverfahren (s. d.) hierher sowie der Arrest (s. d.) und die "einstweiligen Verfügungen" (s. d.). Auch im Strafprozeß ist in geringfügigen Fällen ein summarisches Verfahren gestattet (s. Mandatsprozeß). Vgl. Deutsche Zivilprozeßordnung, (§ 555-567, 628-643; Deutsche Strafprozeßordnung, § 447-452.

Summarium (lat.), kurz gefaßter Hauptinhalt einer Schrift etc.; daher summarisch, dem Hauptinhalt nach zusammengefaßt.

Summation (lat.), s. Addition.

Summe (lat. Summa), in der Arithmetik das Resultat einer Addition (s. d.). Summenformel oder summarisches Glied einer Reihe nennt man den algebraischen Ausdruck, der die S. einer bestimmten Anzahl von Gliedern der Reihe in allgemeinen Zeichen (Buchstaben) ausdrückt.

Summis desiderantes affectibus (lat.), Bulle des Papstes Innocenz VIII. von 1484 zu gunsten der Hexenprozesse (s. Hexe, S. 103).

Summisten, im Gegensatz zu den Sententiariern Bezeichnung der spätern Scholastiker, welche sogen. Summen (summae theologiae), d. h. selbständige Lehrgebäude der Theologie, lieferten, wie Alexander von Hales, Albertus Magnus, Thomas von Aquino u. a.

Summitates (lat.), pharmazeut. Bezeichnung der blühenden Stengelspitzen oder auch der ganzen obern Teile der Pflanzen; S. Sabinae, Sadebaumspitzen.

Summum bonum (lat.), s. Höchstes Gut.

Summumjus summa injuria (lat.), röm. Rechtssprichwort: "das höchste Recht (d. h. das Recht, wenn es auf die Spitze getrieben wird) ist die höchste Ungerechtigkeit".

Sumner (spr.ssömmner), Charles, am erikan. Staatsmann, geb. 6. Jan. 1811 zu Boston, studierte an der Harvard-Universität, dann an der juristischen Akademie in Cambridge, ward 1834 Advokat in Boston, dann Referent des Bezirksgerichtshofs der Vereinigten Staaten, lehrte auch an der Universität Cambridge Staats- und Völkerrecht, bereiste 1837-40 Europa und gab Veseys "Reports" mit Anmerkungen heraus (1844-46, 20 Bde.). In der Politik schloß er sich zuerst der Whigpartei, 1848 aber, da er mit der Kriegserklärung gegen Mexiko nicht einverstanden war und schon damals die Aufhebung der Sklaverei verlangte, der Freibodenpartei an. 1850 wurde er in den Bundessenat gewählt, wo er sich als hervorragender Redner und heftiger Gegner der Sklaverei auszeichnete. Infolge einer glänzenden, aber scharfen Rede gegen die Sklaverei aus Anlaß des Kansas-Nebraskakonflikts (19. und 20. Mai 1856) ward er 22. Mai von einem Repräsentanten aus Südcarolina, Preston Brooks, körperlich gemißhandelt, so daß er erkrankte und in Europa Erholung suchen mußte. 1859 nahm er seinen Sitz im Senat wieder ein, ward einer der Führer der neuen republikanischen Partei, unterstützte mit Eifer und Erfolg die Wahl Lincolns und nahm unter dessen Präsidentschaft als Vorsitzender des Senatskomitees für auswärtige Angelegenheiten eine hervorragende Stellung in den öffentlichen Angelegenheiten der Union ein. Auch die Rechte des Kongresses Johnson gegenüber hatten an ihm einen energischen Verteidiger. Ebenso trat er mutig und offen gegen Grant auf, dessen Wahl er unterstützt hatte, als derselbe in der Domingofrage eine Annexionspolitik verfolgte und die schändlichste Korruption in der Verwaltung einreißen ließ. S. verlor daher 1871 den Vorsitz im auswärtigen Komitee, obwohl er das Recht der Union in der Alabamafrage noch zuletzt ausführlich verteidigt hatte ("The case of the United States", 1872). 1872 unterstützte er Greeleys Kandidatur und starb 11. März 1874 in Washington. Er schrieb: "White slavery in the Barbary States" (Bost. 1853). Gesammelt erschienen seine Werke in 12 Bänden (Bost. 1871-75), seine Reden Boston 1851, 2 Bde., und 1855. Vgl. Lester, Life and public services of Charles S. (New York 1874); Pierce, Life and letters of Ch. S. (Lond. 1877, 2 Bde.).

Sumpf, ein Gebiet mit stagnierendem Wasser, welches durch Gegenwart von Schlamm und Vegetation nicht schiffbar ist, aber auch nicht betreten werden kann und niemals austrocknet. Am häufigsten finden sich Sümpfe an Ufern solcher Flüsse, welche mit geringem Gefälle große Ebenen durchlaufen (Oder, Warthe, Netze, Theiß, Deltasümpfe), ferner auf großen, wenig geneigten, waldbedeckten Ebenen, wo Quell- und Regenwasser keinen genügenden Abfluß haben, und an Küsten (Maremmen und Valli in Italien, Swamps in Nordamerika). Die Vegetation der Sümpfe (vgl. Sumpfpflanzen) ist verschieden, je nachdem Wasser oder Erde vorherrschen; oft finden sich große Strecken mit Wald bedeckt, und die absterbenden Pflanzen bilden mächtige Torflager. Meist sind die Sümpfe berüchtigt durch ihre gesundheitsschädlichen Ausdünstungen; kulturfähig werden sie erst, wenn eine hinreichende Ableitung des stagnierenden Wassers gelingt; andernfalls verwertet man sie nur durch Rohrnutzung und Erlenwuchs. - Im Bergbau heißt S. der tiefste Teil des Schachts, in welchem die Wasser behufs Hebung und Entfernung aus dem Bergwerk gesammelt werden.

Sumpfbiber (Schweifbiber, Myopotamus

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Sumpfbussard - Sundainseln.

Geoffr.), Säugetiergattung aus der Ordnung der Nagetiere und der Familie der Trugratten (Echimyina). Der Koipu (M. Coypu Geoffr., s. Taf. "Nagetiere II"), 40-45 cm lang, mit fast ebenso langem, drehrundem, geschupptem und borstig behaartem Schwanz, untersetztem Leib, kurzem, dickem Hals, dickem, langem, breitem, stumpfschnäuzigem Kopf, kleinen, runden Ohren, kurzen, kräftigen Gliedmaßen, fünfzehigen Füßen, an den hintern Füßen mit breiten Schwimmhäuten und stark gekrümmten, spitzigen Krallen, ist oberseits dunkelbraun, an den Seiten rot-, unterseits schwarzbraun, an der Nasenspitze und den Lippen weiß oder hellgrau. Er bewohnt das gemäßigte Südamerika vom 24.-43.° südl. Br., vom Atlantischen bis zum Stillen Ozean und lebt paarweise an Seen und Flüssen in selbstgegrabenen Höhlungen, fast ausschließlich im Wasser. Auf dem Land bewegt er sich langsam, dagegen schwimmt er vortrefflich, taucht aber schlecht. Er nährt sich hauptsächlich von Gras, frißt aber auch Wurzeln, Blätter, Körner. Das Weibchen wirft 4-6 Junge. Man jagt den S. des kostbaren Pelzes halber, welcher als Rakunda Nutria (amerikanisches Otterfell) in den Handel kommt, und in manchen Gegenden ist das Tier fast schon ausgerottet. Das weiße Fleisch wird an vielen Orten von den Eingebornen gegessen. Alt eingefangene S. gehen bald zu Grunde, jung eingefangene sind sehr lebhaft.

Sumpfbussard, s. Weihen.

Sumpfkresse, s. Taxodium.

Sumpfdlstel, s. Cirsium.

Sumpfeiche, s. Casuarina.

Sumpferz, s. v. w. Raseneisenerz.

Sumpffieber, diejenigen schweren Formen des Wechselfiebers, welche in Sumpfgegenden endemisch vorkommen und durch das sogen. Malariagift bedingt werden. S. Malaria und Wechselfieber.

Sumpfgarbe, s. Ptarmica.

Sumpfgas, s. Methan.

Sumpfgras, s. Cladium.

Sumpfmiasma, s. v. w. Malaria.

Sumpfotter, s. Nörz.

Sumpfpflanzen, diejenigen Pflanzen, welche im sumpfigen oder mit Wasser bedeckten Boden wurzeln, mit dem übrigen Teil in der Luft wachsen. Dies sind besonders: Phragmites communis, Glyceria spectabilis und fluitans, Phalaris arundinacea, Scirpus lacustris, viele Arten Riedgräser (Carex), Eriophorum, Typha, Sparganium, Alisma plantago, Sagittaria sagittaefolia, Acorus Calamus, Iris Pseudacorus, Hippuris vulgaris, Rumex hydrolapathum, Nasturtium palustre, N. amphibium, Cicuta virosa, Sium, Oenanthe, Epilobium palustre, E. pubescens, Lythrum salicaria, Caltha palustris, Myosotis palustris, Pedicularis palustris, Veronica Beccabunga. Menyanthes trifoliata, Equisetum limosum.

Sumpfporst, s. Ledum.

Sumpfrodel, s. Pedicularis.

Sumpfsassafras, s. Magnolia.

Sumpfseidelbast, s. Dirca.

Sumpfvögel, s. v. w. Watvögel (s. d.).

Sumpfzeder, s. Taxodium.

Sumter (spr. ssömmtter), Fort auf einer künstlichen Insel am Eingang des Hafens von Charleston im nordamerikan. Staat Südcarolina, 1845-55 erbaut, wurde 14. April 1861 vom Konföderiertengeneral Beauregard genommen, womit der Bürgerkrieg begann, und, obwohl im August 1863 durch ein Bombardement zerstört, bis 14. April 1865 gegen die Unionstruppen verteidigt. Vgl. Crawfurd, Story of S. (New York 1888).

Sumtion (Sumption, lat.), Annahme, hypothetischer Satz; in der katholischen Kirche das Nehmen und Genießen der Hostie.

Sumtum (lat.), genommene Abschrift.

Sumtus (lat.), Aufwand, Kosten; sumtibus publicis. auf Staatskosten; sumtuös, kostspielig.

Sumy (Ssumy), Kreisstadt im russ. Gounernement Charkow, am Pfiol und der Sumyer Bahn (Linie Merefa-Woroschba), hat 9 Kirchen, ein Gymnasium, eine Realschule, ein Mädchengymnasium, Fabriken für Zucker, Talg, Lichte und Leder und (1885) 15,831 Einw. An der Grenze von Groß- und Kleinrußland gelegen, bildet S. einen wichtigen Verkehrspunkt für die Ukraine und treibt namentlich Handel mit Pferden, Getreide und Sandzucker. S. wurde im 17. Jahrh. an Stelle der alten Ansiedelung Lipenski von Kleinrussen gegründet.

Sun, s. v. w. Sunnhanf.

Sunbury (spr. ssönnberi). 1) Dorf in der engl. Grafschaft Middlesex, an der Themse, oberhalb Hampton Court, mit (1881) 4297 Einw.; dabei Pumpwerke und großartige Filtrierbecken von zwei Londoner Wassergesellschaften sowie Brutteiche des Vereins zum Schutz der Themsefischerei. -

2) Stadt im nordamerikan. Staat Pennsylvanien, bei der Vereinigung der zwei Arme des Susquehanna, mit lebhaftem Kohlenhandel und (1880) 4077 Einw.

Sund (Öresund), Meerenge zwischen der dän. Insel Seeland und der schwedischen Landschaft Schonen, die gewöhnliche Durchfahrt aus der Nordsee in die Ostsee (s. Karte "Dänemark"), ist 67 km lang, an der schmälsten Stelle zwischen Helsingborg und Helsingör ungefähr 4 km breit und wird von der dänischen Festung Kronborg auf Seeland beherrscht. Seit dem Anfang des 15. Jahrh. erhob Dänemark bei Helsingör von allen vorüberfahrenden Schiffen einen Zoll, den Sundzoll, dessen Berechtigung durch Verträge von den andern Seemächten anerkannt war. Völlig befreit von demselben waren nur die sechs Hansestädte Lübeck, Hamburg, Rostock, Stralsund, Wismar und Lüneburg sowie Stettin, Kolberg und Kammin, während einzelnen Staaten, wie Schweden, Holland, England und Frankreich, eine Ermäßigung bewilligt war. Der Sundzoll zerfiel in die Schiffsabgabe von durchschnittlich mindestens 12 Speziesthlr. und den Warenzoll, der 1-1 1/2 Proz. betrug, und brachte Dänemark 1853 (bei 21,000 passierenden Schiffen) eine Einnahme von 2,530,000 Thlr. Nachdem die Vereinigten Staaten 1855 ihren mit Dänemark bestehenden Vertrag gekündigt und erklärt hatten, den Sundzoll nicht mehr zu zahlen, trat im Januar 1856 zu Kopenhagen eine von fast allen europäischen Staaten beschickte Konferenz zusammen, durch welche laut Vertrags vom 1. April 1857 der bisherige Sundzoll gegen eine Entschädigungszahlung von 30,476,325 dän. Reichsthlr. abgeschafft wurde. Vgl. Scherer, Der Sundzoll, seine Geschichte etc. (Berl. 1845).

Sund., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für C. I. Sundevall, geb. 22. Okt. 1801 zu Högestad bei Ystad, gest. 5. Febr. 1875 als Professor und Direktor des Museums in Lund (Zoolog).

Sundainseln, ostind. Archipel zwischen dem Chinesischen Meer und dem Indischen Ozean, erstreckt sich vom Südwesten der Halbinsel Malakka bis zu den Molukken und dem Nordwesten Australiens, umfaßt ein Areal von 1,626,669 qkm (29,542 QM.) mit 28 Mill. Einw. und zerfällt in die sogen. Großen S.: Sumatra, Java, Borneo und Celebes, und die Kleinen S., als deren wichtigste Bali, Lombok, Sumbawa, Floris, Sumba und Timor zu nennen sind. Diese

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Sundalselv - Sundwig.

Zusammenfassung von Inselgruppen und Inseln ist aber weder geographisch noch ethnographisch voll berechtigt, man hat daher die Bezeichnung S. auf die von der Makassar- und der Sapistraße (zwischen Sumbawa und Komodo) westlich gelegenen Inseln beschränken wollen. Der weitaus größte Teil der S. steht unter mittelbarer oder unmittelbarer Herrschaft der Niederländer; nur das nordöstliche Timor sowie Solor beanspruchen die Portugiesen. S. Karte "Hinterindien".

Sundalselv, norweg. Fluß, entspringt am Fuß der Snehätta im Dovrefjeld und mündet im Amt Romsdal in die Südostspitze des Tingvolds- oder Sundalsfjords. Sein Thal, Sundalen genannt, gehört unter die wildesten Felsenthäler Norwegens.

Sundanesen, malaiischer Volksstamm, im westlichen Teil von Java, der als Mittelglied zwischen den Malaien der Halbinsel Malakka, den Javanen und Batta gelten kann.

Sundasee (Meer von Java), der Teil der südasiat. Gewässer, welcher sich zwischen Sumatra, Java, Borneo und Celebes erstreckt.

Sundastraße, Meerenge zwischen den Inseln Sumatra und Java in Ostindien, verbindet den Indischen Ozean mit der Sundasee. In dieser Straße liegen mehrere vulkanische Inseln: Prinzeninseln, Thwart de Way, die durch die in neuester Zeit erfolgten Ausbrüche bekannt gewordene Insel Krakatau u. a.

Sünde, die sittliche Abnormität unter religiösem Gesichtspunkt, jede mit Freiheit geschehene Abweichung von dem erkannten göttlichen Gesetz. Obwohl Paulus, welcher die Lehre von der S. begründet hat, als Anfang der allgemeinen Sündhaftigkeit nach jüdischer Weise den Sündenfall Adams voraussetzt, so leitet er doch zugleich die S. spekulativ aus dem Fleisch (s.d., S. 363 f.) ab. Damit war das Problem gegeben, an dessen Auflösung die Kirchenlehre sich zerarbeitete, indem sie den historischen Anfang mit dem moralischen Ursprung in Einklang zu bringen suchte. Übrigens unterscheidet sie: Erbsünde (s.d.) und die aus dieser erst hervorgehende Thatsünde (peccatum actuale); rücksichtlich der Form, unter welcher das Gesetz auftritt, Begehungssünde (p. commissionis), die Übertretung des Verbots, und Unterlassungssünde (p. omissionis); rücksichtlich der Handlung selbst innere Sünden (peccata interna), unerlaubte Gedanken und Entschließungen, und äußere Sünden (p. externa), unerlaubte Reden und Thaten; nach dem Grade der in ihr liegenden Verkehrtheit vorsätzliche oder Bosheitssünden (p.voluntaria), die unmittelbar aus einem bösen Entschluß hervorgehenden Handlungen, und unvorsätzliche oder Schwachheits-, übereilungssünden (p. involuntaria. ex infirmitate, temeritate oriunda). Unter der Matth. 12, 31 f. erwähnten unvergeblichen S. wider den Heiligen Geist versteht man den definitiven Unglauben der im Bösen verhärteten, eigne bessere Überzeugung erstickenden Persönlichkeit. Darauf und auf 1. Joh. 5, 16. 17 beruht die besonders in der katholischen Praxis bedeutungsvolle Einteilung der Sünden in vergebliche oder büßliche (peccata remissibilia sive venialia) und unvergebliche oder Todsünden (p. irremissibilia sive mortalia), die den Verlust des Gnadenstandes nach sich ziehen, ohne daß sie jedoch von der katholischen Lehre in einem bestimmten Katalog zusammengestellt worden wären. Vgl. Jul. Müller, Die christliche Lehre von der S. (6. Aufl., Bresl. 1878, 2 Bde.).

Sündenbock, s. Asasel und Transplantation.

Sündenfall, die erste Sünde, die nach dem mosaischen Bericht Adam (s. d.) und Eva begingen. Über ihre Folgen s. Erbsünde.

Sündenvergebung (Remissio s. Condonatio peccatorum), die von Gott ausgehende Wiederherstellung des durch die Sünde gestörten Verhältnisses des Menschen zu ihm. Vgl. Sünde und Beichte.

Sunderbands (Sunderbans), Name für das sumpfige, von unzähligen Kanälen durchzogene Inselgewirr des untersten Gangesdelta, zwischen Hugli, Meghna und Bengalischem Meerbusen, an dem es sich 264 km lang hinzieht, 15,477 qkm (281 QM.) groß. Bewohnt sind nur die höhern westlichen und östlichen Teile, wo die Einwohner in kleinen Weilern leben und namentlich Reis, aber auch Zuckerrohr und Jute bauen. Das durchaus ebene Land ist namentlich nach der Meeresseite zu von undurchdringlichem Dschangelwald bedeckt, ein vorzüglicher Schutz gegen die häufigen Sturmfluten, die dennoch zuweilen große Verheerungen anrichten. Der Wald, meist Staatseigentum, liefert große Mengen von Nutz- und Brennholz (jährlich für 590,000 Pfd. Sterl.).

Sünderhanf, die männliche Hanfpflanze.

Sunderland (spr. ssonderländ), Seestadt in der engl. Grafschaft Durham, an der Mündung des Wear in die Nordsee, hat mit den Vorstädten Bishop's Wearmouth, Monk Wearmouth und Southwick (1881) 116,542 Einw. Eine eiserne Brücke von 30 m Höhe verbindet die beiden von großartigen Docks eingefaßten Flußufer. Der Eingang zum Hafen wird durch zwei Dämme (594 und 539 m lang) gebildet und durch Batterien geschützt. Die neuern Stadtteile sind meist geschmackvoll gebaut; die Altstadt aber, besonders nach dem Hafen zu, ist eng und winkelig. S. hat eine Börse, ein theologisches Methodistenseminar, Athenäum mit Museum, Theater, einen Park mit Statue des hier gebornen Generals Havelock, großartige Schiffswerften (2600 Arbeiter), Maschinenbauwerkstätten, Glashütten, Töpfereien, Eisengießereien etc. Zum Hafen gehörten 1887: 329 Schiffe von 227,301 Ton. Gehalt und 52 Fischerboote. 1887 wurden Waren im Wert von 633,691 Pfd. Sterl. nach dem Ausland ausgeführt und für 441,281 Psd. Sterl. von dort eingeführt. S. ist Sitz eines deutschen Konsuls. Dicht dabei liegt Southwick (8178 Einw.) mit Kohlengruben und Eisenwerken.

Sundewitt, Halbinsel in der preuß. Provinz Schleswig-Holstein, durch den Alsener Sund von der Insel Alsen geschieden, hat fruchtbaren Boden und eine hügelige Oberfläche; sie war in den deutsch-dänischen Kriegen von 1848 bis 1849 und 1864 wiederholt Kriegsschauplatz (s. Düppel). Vgl. Döring, Führer durch Alsen und S. (Sonderb. 1877).

Sündflut, s. Sintflut.

Sundgau (Südgau), ehemals s.v.w. Oberelsaß, im Gegensatz zum Nordgau (Unterelsaß); insbesondere die Umgegend von Mülhausen.

Sundsvall, Hafenstadt im schwed. Län Westernorrland, nahe der Mündung des Indalself, Ausgangspunkt der Eisenbahn S.-Drontheim, in welche bei Ange die von Stockholm kommende Nordbahn mündet, hat Eisenindustrie, Sägemühlen, bedeutende Ausfuhr von Holz und Eisen und (1887) 10,726 Einw. 1887 sind im Zollbezirk von S. vom Ausland angekommen 1139 Schiffe von 413,695 Ton., abgegangen 1453 Schiffe von 544,827 T. Im Juni 1888 wurde S. durch eine Feuersbrunst fast ganz eingeäschert. S. ist Sitz eines deutschen Konsuls.

Sundwig, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Arnsberg, Kreis Iserlohn, hat Eisengießerei, ein Messingwalzwerk, Drahtzieherei, Fabrikation von Drahtstif-

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Sundzoll - Superga.

ten, Nägeln etc. und (1885) 877 meist evang. Einwohner. Dabei das Felsenmeer, ein Kesselthal mit großen Felsen aus devonischem Kalk, und die Sundwiger Höhle.

Sundzoll, s. Sund.

Suñer (spr. ssunjer), Luigi, ital. Lustspieldichter, von spanischer Abkunft, geboren um 1832 zu Havana, kam noch im kindlichen Alter nach Florenz, wo er eine zweite Heimat fand. Sein erstes Lustspiel: "I gentiluomini speculatori" (1859 zu Florenz aufgeführt), fußte auf der Idee, die damals auf dem Schlachtfeld besiegelte Allianz Frankreichs und Italiens in zwei Hauptpersonen des Stückes symbolisch zu verkörpern. Durchgreifend wirkten aber erst die folgenden Komödien: "I legitimisti" (1861) und "Spinte o sponte". Einen Fortschritt bekundete er dann in den Lustspielen: "L'ozio" (1863), "Una piaga sociale", "Caleche" (später mit dem Titel: "Ogni lasciata è persa") und besonders "Le amiche" (1873). Mit "Una legge di Licurgo" (1869) begann er sich ernstern sozialen Problemen zuzuwenden. Es folgten das Proverb "Chi ama teme", das Lustspiel "La gratitudine" und ein in Beziehung auf Plan und Komposition vorzügliches Werk, welches einen Vers des Dante zum Titel hat: "Amor ch'a nullo amato amar perdona".

Sungari, rechter mächtiger Nebenfluß des Amur in der chinesischen Mandschurei.

Sunion (Sunium), die 60 m hohe Südspitze des alten Attika, mit berühmtem Tempel der Athene, wovon noch 9 (Ende des 17. Jahrh. noch 19) Säulen stehen, daher das Vorgebirge jetzt KapKolonnäs heißt; war seit 413 v. Chr. zum Schutz der nach Athen bestimmten Getreideschiffe mit Mauern umgeben, welche diese Landspitze zu einer Art Festung machten.

Sunn, s. v. w. Sunnhanf.

Sunna (arab., "Weg, Richtung"), die Tradition, welche auf ein Wort oder eine That des Propheten Bezug hat und in solchen Fällen als Gesetz gilt, wo der Koran sich entweder gar nicht oder in zweideutiger Weise ausspricht. Später mehrfach gesichtet und in besondern Büchern niedergelegt, bildet die S. jetzt neben dem Koran die hauptsächlichste Religionsquelle für den rechtgläubigen Moslem. Die berühmteste unter den sechs anerkanntesten Sammlungen ist die von El Bochari um 840 n. Chr. unter dem Titel: "Eddschâmi essahîh" ("Zuverlässige Sammlung") veranstaltete, 7275 Überlieferungen enthaltend, welche Bochari aus einer Anzahl von 600,000 als die am meisten beglaubigten ausgewählt hatte (hrsg. von Krehl, Leiden 1862-72, 3 Bde.).

Sunnar (arab.), Ordensgürtel christlicher Mönche, bei den Mohammedanern als Zeichen des Unglaubens verpönt.

Sunnhanf (Madras-, Bombayhanf, ostindischer Hanf), die Faser der über ganz Indien und die Sundainseln verbreiteten und vielfach kultivierten Crotalaria juncea, wird in sehr roher Weise zubereitet und hat deshalb, obwohl die Faser an und für sich sehr fein ist, einen verhältnismäßig nur geringen Wert. Das Handelsprodukt ist blaßgelblich, mit lebhaftem Seidenglanz, und dem Hanf sehr ähnlich. Man benutzt den S. zu Seilerwaren, Packtuch etc., in England auch zur Papierfabrikation.

Sunniten, diejenigen Mohammedaner, welche neben dem Koran die Sunna (s. d.) als Religionsquelle annehmen und die ersten Kalifen, Abu Bekr, Omar und Othman, als rechtmäßige Nachfolger Mohammeds anerkennen, während die Schiiten (s. d.) diese Würde nur Ali und dessen Nachkommen beilegen. Das geistliche Oberhaupt der S. unter dem Titel Kalif ist der türkische Sultan. Zu ihnen gehören fast sämtliche Moslems in Afrika, Ägypten, Syrien, der Türkei, in Arabien und der Tatarei. Vgl. Mohammedanische Religion.

Süntel, Teil des Wesergebirges, nördlich von Hameln, erreicht in der Hohen Egge 441 m Höhe.

Suomi, s. Finnische Sprache.

Suovetaurilia (lat.), das große Sühnopfer am Schluß des Lustrum in Rom, wobei auf dem Marsfeld ein Schwein (sus), ein Schaf (ovis) und ein Stier (taurus) geschlachtet wurden.

Supan, Alexander, Geograph, geb. 3. März 1847 zu Innichen in Tirol, studierte zu Graz, Wien, Halle und Leipzig, wurde 1871 Realschullehrer in Laibach, habilitierte sich 1877 als Privatdozent der Geographie an der Universität Czernowitz, wurde 1880 Professor und siedelte 1884 nach Gotha über, wo er seitdem die Redaktion von "Petermanns Mitteilungen" führt, um welche er sich besonders durch die Begründung des geographischen Litteraturberichts verdient machte. Er schrieb: "Lehrbuch der Geographie für österreichische Mittelschulen" (6. Ausl., Laib. 1888); "Studien über die Thalbildung in den Tiroler Zentralalpen und in Graubünden" (in den "Mitteilungen der Wiener Geographischen Gesellschaft" 1877) ; "Statistik der untern Luftströmungen" (Leipz. 1881); "Grundzüge der physischen Erdkunde" (das. 1884); "Archiv für Wirtschaftsgeographie", 1. Teil: Nordamerika 1880-85 (als Ergänzungsheft zu "Petermanns Mitteilungen" 1886).

Superarbitrium (lat.), ein Schiedsspruch oder Gutachten höherer, bez. höchster Instanz.

Superb (lat.), stolz, prächtig, herrlich; Superbiloquenz, Großsprecherei, übermütig stolze Sprache.

Supercherie (franz., spr. ssupärsch'rih), Überlistung, hinterlistiger Streich.

Superchloride, Superchlorüre, s. Chlormetalle.

Supercilia (lat.), Augenbrauen.

Superdividende (lat.), derüber den erwarteten oder durch Zinsgarantie festgesetzten Betrag hinausgehende Teil der Dividende (s. d.). Vgl. Aktie, S. 263.

Supererogationes, s. Opera supererogationis.

Superfizies (lat.), Oberfläche, in der Rechtssprache dasjenige, was auf fremdem Grund und Boden erbaut oder auf solchem gepflanzt ist. Der Regel nach erstreckt sich das Eigentum an dem Grund und Boden auch auf die S. (superficies solo cedit). Ferner wird mit S. (superfiziarisches Recht, Gebäuderecht, Baurecht, Platzrecht) das erbliche und veräußerliche dingliche Recht an einem auf fremdem Grund und Boden stehenden Gebäude verstanden, vermöge dessen dem Berechtigten (Superfiziar) während der Dauer des Rechts die Ausübung der Befugniffe des Eigentümers zusteht. Der Entwurf eines deutschen bürgerlichen Gesetzbuchs (§ 961 ff.) gebraucht statt dessen die Ausdrücke Erbbaurecht und Erbbauberechtigter und versteht unter Erbbaurecht das veräußerliche und vererbliche Recht, auf oder unter der Oberfläche eines Grundstücks ein Bauwerk zu haben. Hiernach gehört auch das vererbliche und veräußerliche Kellerrecht mit zu dem superfiziarischen Recht.

Superflua non nocent (lat., "das Überflüssige schadet nicht"), besser zu viel als zu wenig.

Superfoecundatio (Superfoetatio) . s. Überfruchtung.

Superga, La, die 10 km von Turin gelegene Grabeskirche der Könige des Hauses Savoyen, welche König Amadeo I. 1717-37 durch Juvara in Form eines elliptischen Rundbaues mit achtsäuliger Vor-

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Superintendent - Suppé.

halle und hoher Kuppel auf einem 678 m hohen Berg erbauen ließ.

Superintendent (lat.), Oberaufseher, Inspektor; besonders in evangelischen Landeskirchen der erste Geistliche einer Ephorie, welcher Wirksamkeit und Wandel der Geistlichen sowie die Verwaltung der Kirchenärare etc. zu überwachen hat. Über sämtlichen Superintendenten einer Provinz oder einer Landeskirche steht der Generalsuperintendent. In Süddeutschland wird der S. Dekan genannt.

Superior (lat.), der Obere, Vorsteher.

Superior City (spr. ssjupíhriör ssitti), Dorf im nordamerikan. Staat Wisconsin, im Hintergrund des Obern Sees, 11 km von Duluth und eine der Kopfstationen der Nord-Pacificbahn, schon 1854 gegründet, aber trotz seines guten Hafens mit nur (1880) 655 Einwohnern.

Superiorsee (Lake Superior), s. Oberer See.

Superkargo, s. Kargo.

Superlativ (lat.), s. Komparation.

Supernaturalismus (Supranaturalismus, lat.), in der Theologie im allgemeinen der Glaube an eine unmittelbare, der natürlichen Vernunft, welche von der Sünde verfinstert ist, durchaus unerreichbare Offenbarung Gottes. In dieser Form ist er hauptsächlich durch Augustin begründet worden und bildet den allgemeinen Schematismus für die gesamte christliche, insonderheit für die altprotestantische Dogmatik, der zufolge durch die Erbsünde alle moralische Kraft im Menschen vernichtet, die Vernunft unfähig ist, in Sachen des Heils (in rebus spiritualibus) zu entscheiden, und nur zur Erfüllung der bürgerlichen Gerechtigkeit (justitia civilis) hinreicht. Insbesondere wird mit dem Namen S. in der Theologie diejenige Richtung bezeichnet, welche sich zu Ende des vorigen und zu Anfang dieses Jahrhunderts gegenüber dem Rationalismus (s. d.) konstituierte, mit welchem sie übrigens die fehlerhafte Auffassung der Religion als einer gleichartigen Fortsetzung des Welterkennens über die Schranken des Sichtbaren hinaus teilte.

Supernumerarius (lat.), ein Überzähliger, über die gewöhnliche (Beamten-) Zahl Angestellter.

Superoxyd, s. Oxyde.

Superphosphat, saurer phosphorsaurer Kalk, ein Düngerpräparat, welches aus verschiedenen Rohmaterialien mit hohem Gehalt an unlöslichem basisch phosphorsauren Kalk dargestellt wird, indem man das letztere Salz durch Behandeln mit Schwefelsäure in löslichen sauren phosphorsauren Kalk überführt, wobei sich außerdem schwefelfaurer Kalk (Gips) bildet. Bleibt hierbei wegen unzureichender Schwefelsäure ein Teil des basischen Phosphats unzersetzt, so bildet dies mit dem sauren Phosphat unlösliches neutrales Phosphat; ähnlich wird auch bei Gegenwart von Thonerde und Eisenoxyd ein Teil der Phosphorsäure wieder unlöslich (Zurückgehen des Superphosphats), und da nun das Präparat hauptsächlich durch seinen Gehalt an löslicher Phosphorsäure Wert erhält, so sind von dessen Bereitung eisenoxyd- und thonerdereiche Materialien auszuschließen, und man muß hinreichend Schwefelsäure anwenden, um das basische Phosphat vollständig in saures überzuführen. Man verarbeitet auf S. namentlich Knochenmehl, Knochenkohle, Knochenasche, Koprolithen, Phosphorit, Baker- und Sombreroguano etc. und benutzt zum Aufschließen derselben Kammersäure, Pfannensäure oder auch die Schwefelsäure, welche bei der Bereitung des Nitrobenzols zurückbleibt, oder solche, die zum Reinigen des Solaröls gedient hat. 1 Teil Phosphorsäure erfordert zum Aufschließen 1,72 Teile Schwefelsäure von 60° B., und reiner basisch phosphorsaurer Kalk gibt, mit solcher Säure zersetzt, ein S. mit 25,6 Proz. löslicher Phosphorsäure. Zur Vermischung der nötigen Falls staubfein zerkleinerten Materialien mit der Säure benutzt man mit Blei ausgeschlagene hölzerne Kasten oder gemauerte Behälter, oft unter Anwendung eines mechanischen Rührwerkes, läßt dann das Präparat liegen, bis es durch Bindung des Wassers abgetrocknet ist, worauf es zerkleinert und gesiebt wird. Namentlich bei Verarbeitung von Phosphoriten müssen die Behälter mit einem hölzernen Mantel bedeckt werden, um Dämpfe von Chlor- und Fluorwasserstoffsäure in die Esse leiten zu können. Mineralische Phosphate werden viel leichter aufgeschlossen, wenn man 7-10 Proz. der Schwefelsäure durch Salzsäure ersetzt oder Kochsalz hinzufügt. Häusig mischt man auch das S. mit stickstoffhaltigen Substanzen, wie schwefelsaurem Ammoniak oder Chilisalpeter, ferner Horn, Leder, Lumpen, welche gedämpft und dann gemahlen werden, auch mit Leimbrühe vom Dämpfen der Knochen etc. Vgl. Marek, Über den relativen Düngewert der Phosphate (Dresd. 1889).

Superporte (neulat., ital. soprapporto), ein über einer Zimmerthür angebrachtes, mit dieser gleich breites, aber niedriges Bild in Malerei, Stuck, Weberei etc.; besonders bei den Dekorateuren des Barock- und Rokokostils beliebt.

Superrevision (lat.), nochmalige Prüfung.

Supersedeas (lat., "laß ab"), in England Befehl, das Verfahren einzustellen.

Superstition (lat.), Aberglaube; superstitiös, abergläubisch.

Supertara, s. Tara.

Suphan, Bernhard Ludwig , Literarhistoriker, geb. 18. Jan. 1845 zu Nordhausen, studierte in Halle und Berlin Altertumswissenschaft und veröffentlichte die preisgekrönte Schrift "De Capitolio romano commentarius" (1867), wandte sich dann aber dem Studium der deutschen Litteratur, besonders des 18. Jahrh., zu und war in dieser Richtung ein eifriger Mitarbeiter der "Preußischen Jahrbücher" und des "Goethe-Jahrbuchs". Seit 1868 lebte er, im höhern Lehrfach beschäftigt, in Berlin, bis er 1887 einem Ruf als Direktor des Goethe-Archivs nach Weimar folgte. Große Verdienste hat sich S. um die Wiedererweckung Herders erworben, von dessen "Sämtlichen Werken" er eine kritische und mustergültige Ausgabe in 33 Bänden (Berl. 1877 ff.) veranstaltete.

Supination (lat.), s. Pronation.

Supinum (lat.), in der lat. Sprache eine besondere Form des Zeitwortes, eigentlich ein Verbalsubstantiv der vierten Deklination, wovon jedoch nur zwei Kasus gebräuchlich sind. Das S. auf um drückt den Zweck aus ("um zu"), das S. auf u den Inhalt oder Betreff eines Adjektivums u. dgl. (schwer "zu" sagen). Vgl. Jolly, Geschichte des Infinitivs im Indogermanischen (Münch. 1874).

Suppé, Franz von, Komponist, geb. 18. April 1820 zu Spalato (Dalmatien), studierte auf der Wiener Universität, um sich dem Staatsdienst zu widmen, folgte aber seiner überwiegenden Neigung zur Musik und bildete sich unter Leitung Seyfrieds in der Komposition aus. Später bekleidete er nacheinander die Kapellmeisterstellen am Josephstädter Theater, am Theater an der Wien und zuletzt am Carl-Theater u. komponierte gleichzeitig Quartette, Ouvertüren, Symphonien, Lieder und Operetten, von denen namentlich letztere wegen ihres populären, gefälligen Wesens allgemeine Verbreitung gefunden haben. Man könnte S. den "deutschen Offenbach" nennen.

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Suppeditieren - Surate.

jedoch ist er in seiner Musik gemütvoller als letzterer. Die bekanntesten Operetten von S. sind: "Flotte Bursche", "Die schöne Galathea", "Zehn Mädchen und kein Mann", "Franz Schubert", "Fatinitza", "Boccaccio" und "Donna Juanita".

Suppeditieren (lat.), Unterstützung gewähren.

Suppenkräuter, Kräuter, welche zum Würzen der Suppen verwendet werden: Petersilie, Kerbel, Portulak, Schnittlauch, junge Sellerieblätter, Sauerampfer, Spinat.

Suppentafeln, s. v. w. Bouillontafeln; auch Konserven, welche neben löslichen Fleischbestandteilen Hülsenfrüchte etc. enthalten.

Suppléant (franz., spr. ssüppleang), Aushelfer, stellvertretender Ersatzmann, Substitut.

Supplement (lat.), Nachtrag, Ergänzung, besonders Nachtrag zu einem Buch. In der Mathematik heißt S. eines Winkels seine Ergänzung zu 180°, S. eines Bogens seine Ergänzung zu einem Halbkreis. Zwei sphärische Dreiecke heißen Supplementar- oder Polardreiecke, wenn die Seiten eines jeden die Supplemente der Winkel des andern sind. Supplementar, auch suppletorisch, s. v. w. ergänzend.

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