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Kobolz

OHNE ÜBERSCHRIFT

Reading edition

ALLES das, was der Berliner hundsgemeinhin «Natua» benennt — o du bildschönes Wort! —, alles das machte Frühling.

Von dieser Veranstaltung sich auszuschließen brachte nicht übers eiweiche Herz der Skribifax H. R.

Er streifte die Krachledernen über, hängte eine sinnige Ader ein, vergaß des Bleistifts nicht, nicht des Papieres und kehrte seinen vier trockenen Pfählen den gerundeten Rücken.

In einem Forste angelangt, der den ausschweifenden Titel «Das Rosental» führt, sog er den würzigen Knofelduft ein, kurbelte sein Hirn an, drückte auf die Ader und brachte zu Papier folgende

Abhandlung:

A I Der Sachse sagt nicht: Dies dürfte der Fall sein.

Der Sachse sagt: ’s werd schon meejlich sinn.

II Der Sachse sagt nicht: Ich werde um 8 Uhr zuhause sein.

Der Sachse sagt: Um achte rum weer j heeme sinn.

B I Der Sachse sagt nicht: Sobald wir angelangt sind.

Der Sachse sagt: Wemmr da sinn.

II Der Sachse sagt nicht: Die Eier sind teuer.

Der Sachse sagt: De Eier sinn deier.

Wenn Sachsen — echte Sachsen, ächte Sachsen, Kaffee-Sachsen, Gaffee-Sachsen, Kümmel-Sachsen — gebildet scheinen wollen und sich einer schriftdeutschen, reinen Aussprache befleißen, so scheitern sie gern an dem knifflichen «Sinn».

Dem Sachsen gelingen die gebüldeten Sätze:

«Die Eier sein deuer.»

«Wenn mir angegomm sein.»

Während der Berliner sich zu den Sätzen versteigen kann:

«Das dürfte der Fall sind.»

«Kann schon möglich sind.»

Ich persönlich möchte ebensowenig Sachse sind wie Berliner. Beide sein schlechter dran als der Süddeutsche, dem das neutrale san zu Gebote steht. —

Bei dieser Gelegenheit will ich nicht verfehlen, eines Vorfalls zu gedenken, der sich in einem Leipziger Buchladen zugetragen hat:

Eine Dame sächsischster Observanz tritt ein und verlangt pfeilgrad das neue Buch von Franz Würfel.

Sie hat Franz Werfel schriftdeutsch aussprechen wollen.

Nachdem H. R. diese Abhandlung niedergeschrieben hatte, sprach er vernehmlich in die linde Frühlingsluft hinein (oder hinaus?):

«Ich lasse mich kreuzweise vierteilen, wenn Kurt Wolff sich dazu hergibt, diesen Bockmist drucken zu lassen.»

Nachwort 1:

Der Bockmist ist gedruckt worden.

Ihr habt ihn soeben gelesen.

Nachwort 2:

Es steht zu erwarten, daß H. R. als ein Mann von Wort sein Wort hält und sich vierteilen läßt.

Nachwort 3.

Man atme auf.

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